Nach einem schwierigen Börsenjahr schoss der DAX Ende 2016 auf über 11.000 Punkte und arbeitet sich derzeit über 11.600 Punkte. Mit seinem antizyklisch-hybriden Positionstrading (DAX long only) konnte Herr Kupfer 2016 23% Rendite netto (Brutto: 35%) erwirtschaften und das Underlying nach Punkten um beinahe 1000% outperformen.

Nun hat er ein neues Wikifolio eröffnet, um die Performancegebühr von 25 auf 10% zu senken, steht jedoch wie die meisten, vor der nervenaufreibenden Frage wann man wieder long in den DAX investierten könnte. Sollte man nun schnellstmöglich einsteigen und riskiert so zu Höchstkursen einzukaufen und hohe Verluste zu erleiden? Oder ist es ratsam auf niedrigere Kurse zu warten, mit dem Risiko der verpassten Einstiegschance, sollte der DAX immer weiter steigen?

Höfgen: Herr Kupfer, Sie stehen vor dem Dilemma Ihr Kapital in einer Phase der ATHs in den Markt investieren zu wollen. Erwarten Sie einen steigenden oder fallenden DAX?

Kupfer: Da muss ich Ihnen absolut Recht geben, es ist wahrlich ein Dilemma und psychologisch immer wieder eine schwierige Situation für mich. Das ist aber nunmal auch der typische Preis, den man als eher antizyklisch orientierter Trader zu zahlen hat. Der DAX hat mittlerweile einen fulminanten Lauf hinter sich und befindet sich derzeit in einer sehr überkauften Situation. Auch charttechnisch rangiert er aktuell in einem Umfeld gleich mehrerer Widerstände. Es ist somit aus meiner Sicht kurzfristig einfach wahrscheinlicher, dass es einen Rücksetzer gibt, als dass der Index nun direkt unvermindert so weiter steigt. Im größeren Bild befinden wir uns auf Wochen- und Tagessicht in einem laufenden, intakten Aufwärtstrend. Und im Stundenchart – abgesehen von einer kurzen Phase zum Wochenabschluss – in einer Seitwärts-/Abwärtsbewegung. Um Ihre konkrete Frage somit klar zu beantworten, ich erwarte kurzfristig fallende, mittel- bis langfristig steigende Kurse.

Höfgen: Wie wollen Sie genau vorgehen? Wann steigen Sie ein?

Kupfer: Gehen wir jetzt einmal davon aus, dass der Index den Aufschwung der ersten Handelswoche nicht dauerhaft fortführen wird können, muss schon mathematisch betrachtet eine empfindliche Abwärtsbewegung folgen. Ich denke, man kann pauschal ausschließen, dass der DAX einen Jahresgewinn von mehr als 50% erzielen wird.

Aktuell zeichnet das Contramo-Signalsystem die Signallinie für Zukäufe bei 11.430 Punkten. Sollte die aktuelle Aufwärtsbewegung nun wirklich bereits ihren Zenit überschritten haben, werden unter der genannten Marke wieder Long-Positionen aufgebaut. Die technische Analyse zeigt hierzu passende Unterstützungszonen bei 11.140 und 10.800 Punkten.

15442288_1802895253286472_2525979789987717453_nKäufe und Verkäufe 2016 basierend auf den Signalen des Positionstradings

Höfgen: Und wenn der Kurs dann doch einfach weiter fällt? Stichwort „Flaggenbildung“

Kupfer: Genau hierin liegt eine der Kernkompetenzen des Handelssystems. Es wird generell unterstellt, dass sich der Kurs in Wellen bewegt und somit im Regelfall mehrere sequentielle, kürzere Aufwärtsbewegungen in einer übergeordneten Abwärtsbewegung vollzogen werden, sozusagen ein fallendes Zick-Zack-Muster. Im Contramo-Handelssystem ist daher per se vorgesehen, mehrere Positionen zu eröffnen, eine Art kontrolliertes, antizyklisches Pyramidisieren mit adaptiver Positionsgrößenbestimmung. Das übergeordnete Ziel hierbei ist, sich mit möglichst hohem Investitionsgrad und gleichzeitig möglichst geringem gewichteten Einstandsmittelkurs im Markt zu positionieren.

Höfgen: Und wenn der Markt jetzt zu einer irrationalen Bewegung ansetzt und doch weiter steigt?

Kupfer: Dies kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, besonders in der aktuellen Sogwirkung der vorherrschenden amerikanischen 20k-Visionen. Wie jedoch zuvor bereits erwähnt, der DAX wird auch dieses Jahr die 50%-Gewinn-Marke nicht sprengen und was so übertrieben steigt, wird auch wieder übertrieben fallen müssen. Mein Handelssystem signalisierte den Beginn der momentanen Aufwärtswelle bereits mit 06.12.2016 und im Zuge dieser konnte ich den Depotgewinn drastisch steigern bzw. sicherstellen. Wohlgemerkt geschah dies durch Realisierung laufender Long-Positionen, die ich zuvor im Bereich 10.300-10.400 eröffnet hatte. Die Range der Teilpositionen belief sich dabei mehrfach auf 800-900 DAX-Punkte. Objektiv gesehen hat somit ein korrektes Kaufsignal meines Handelssystem das Potenzial die Gesamt-Jahresbewegung des Underlyings zu übertreffen.

Höfgen: Viele Anleger überlegen ob sie nun einsteigen sollen. Einige habe wahrscheinlich schon zugegriffen. Wie schaffen Sie es die Emotionen im Zaum zu halten und einen kühlen Kopf zu bewahren? Immerhin schmerzt die verpasste Gelegenheit psychologisch mehr als ein Verlust.

Kupfer: Einerseits vertraue ich vollinhaltlich auf mein Handelssystem, das sich mittlerweile mehr als ein Jahr im Echtgeld-Betrieb befindet und seit ca einem halben Jahr auch als Wikifolio geführt wird. Und auch davor lag noch eine lange Entwicklungsdauer, mit unzähligen Backtests und Analysen, die mit einer halbjährigen simulierten Tradingphase abgeschlossen wurde. In Summe eine Menge Zeit Vertrauen aufzubauen und eine Hitrate von bis dato 100% und eine realisierte DAX-Punkte-Range von 7.142 in 2016 untermauern dies auch. Andererseits betreibe ich ergänzend auch ein adaptives ETF Sparplan-System und erfreue mich in Phasen wie der aktuellen einfach ersatzweise an der Werterhöhung meiner bisherigen Einzahlungen.

Auf Facebook können Sie allen Marktkommentaren und Berichten von Richard Kupfer hier folgen

contramo-logo