Die Entwicklung des Trading-Gehirns kann man sich wie das Häkeln eines Pullovers vorstellen.

Für das Anfertigen eines Häkelpullovers muss man immer wieder die Nadel mit dem Faden in den bereits fertiggestellten Stoff hineinführen, um stückchenweise mehr Stoff zu bekommen, woraus irgendwann ein Pullover entsteht. Niemand würde sich einfach nur einen Faden umhängen, auf die Straße gehen und sagen: „Das ist mein neuer Pullover.“ Der Pullover wäre dann nämlich noch nicht fertig, sondern lediglich nur ein Faden oder eine kleine Ansammlung von Fäden.

Genauso verhält es sich mit dem Trading-Gehirn. Jede Strategie besteht erst einmal aus einem kleinen Faden im Gehirn. Möchte man eine neue Strategie anwenden, müssen diese Fäden immer wieder ins Gehirn gehäkelt werden. Der Sachverhalt ist dabei exakt der gleiche wie beim Pullover, den man erst auf der Straße anzieht, wenn er fertig gehäkelt ist.

Im Gehirn sind die Fäden nichts Anderes als neuronale Netze. 

Jede neue Handlung muss im Gehirn angelegt werden, indem sie wiederholt wird. Aus Gleichem geht Gleiches hervor bzw. aus Wiederholungen gehen Wiederholungen hervor. Dies ist ein so zutreffendes Gesetz wie die Schwerkraft. Ein paar wenige Wiederholungen reichen nicht aus und führen lediglich dazu, dass die Strategie nicht richtig ausgeführt wird oder bei den ersten Widerständen ganz sein gelassen wird.

Dabei weiß man aus der Psychologie, dass ein Gedankengang oder eine Handlung bis zu 200 Mal wiederholt werden muss, bis sie richtig einrastet. Innerhalb von 0 bis 199 Wiederholungen ist es noch nicht richtig eingerastet, weshalb zwangsweise Fehler auftreten.

Das Geniale ist, dass es dem Gehirn egal ist, ob man etwas in Gedanken abspielt oder es in der Realität macht. Deshalb ist es so wichtig, seine Strategie in Gedanken abzuspielen, weil dies fehlerfrei möglich ist. Wenn man am Markt 0 bis 199 Mal seine Strategie abspielt, dann werden zwangsweise Fehler auftreten. Dies ist menschlich und normal.

Strategien haben aufgrund des chaotischen Systems im Markt grundsätzlich nie zu 100 % Erfolg. Demnach sind natürliche Hindernisse und Unbequemlichkeiten vorprogrammiert.

Je stärker die neuronalen Netze angelegt worden sind, desto stärker ist auch die Resilienz, trotz Schwierigkeiten an der Strategie festzuhalten und letzten Endes Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Das Wichtigste jedoch ist, dass die Strategie offensiv ausgeführt wird, wenn die Zeichen auf grün stehen. Dann werden Positionsgrößen erhöht und Gewinne aggressiv laufen gelassen, weil man sich aufgrund des perfekten Beherrschen der Strategie dazu in der Lage fühlt.

Am besten gelingt dies durch die eigene Vorstellungskraft, indem man die Strategie immer wieder in seinem Gehirn abspielt, um eben die neuronalen Netze zu häkeln. Übung macht den Meister und wie bereits erwähnt, kann das Gehirn nicht unterscheiden, ob die Strategie am Markt ausgeführt oder nur in Gedanken gehandelt wird. Ohne dieses Training besitzt man keinen fertigen Pullover und läuft lediglich mit einem dünnen Faden bekleidet im Markt herum, welches auch in jedem ambitionierten Bereich im Leben zu nichts Anderem als zu einer Luftnummer führen wird.

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