Der Name klingt wie Musik in den Ohren: asset-backed security (ABS). Oder auf Deutsch: Forderungsbesichertes Wertpapier. Die Denker der Finanzbranche sind gerissen und lassen sich immer neue Konstrukte, Modelle und Möglichkeiten einfallen. Die Aussicht auf unermesslichen Reichtum macht erfinderisch bzw. auch Not macht erfinderisch. Was so schön klingt sind jedoch Systeme, welche bereits 2007 zum Ausbruch der Finanz-Krise beitrugen.

Ich schreibe diesen Blog nicht um aufzuarbeiten was bereits etliche Blogs, Medien, Filme und Bücher aufgearbeitet haben (die Krise von 2007) sondern möchte aus aktuellem Anlass auf diese Thematik eingehen. Wir erkennen derzeit, dass der Boom um ABS wieder aufflammt. Basteln die Banken an einem neuen Sprengsatz, welcher zur nächsten Finanzkrise führen wird?

Was sind forderungsbesicherte Wertpapiere?

Um die Enstehung und Art der ABS zu verstehen müssen wir uns den Gesamt-Prozess vom Entstehen eines Kredits bis hin zur Verbriefung als forderungsbesichertes Wertpapier anschauen:

  1. Eine oder mehrere Personen (z.B. Familien) wollen ein Haus bauen oder kaufen
  2. Ein Kredit-Vermittler vermittelt das Darlehen und erhält dafür Provisionen
  3. Der Kreditgeber vergibt das Darlehen und erhält im Gegenzug die Zinsen

Soweit besteht der normale Ablauf am Immobilien-Markt mit Käufern, Mittlern und Kreditgebern. Um jedoch nun die Nachfrage am Markt nach Rendite und lukrativen Anlageformen zu bedienen kamen Investment-Banker auf folgende Idee:

  1. Eine Investment-Bank kauft nun zahlreichen Kreditgeber ihre “Forderungen gegenüber anderen” in großer Menge ab
  2. Diese Forderungen werden nun auf eine Zweckgesellschaft der Investment-Bank (SPV) übertragen, welche die Darlehen verwaltet und die Zinszahlungen erhält
  3. Die Darlehen werden in drei Tranchen unterteilt: Safe, Okay und Risky.
  4. Nun erstellt die Zweckgesellschaft bzw. die Investment-Bank als Besitzer dieser Wertpapiere, welche am Markt handelbar sind und durch die Forderungen besichert werden

Nun ist das forderungsbesicherte Wertpapier (asset-backed security) entstanden. Die Forderung gegenüber anderen ist auf der einen Seite die Sicherheit (ein einforderbarer Wert sichert das Wertpapier ab) und auf der anderen Seite stellen die Zinszahlung auch die Rendite der Investoren dar, welche diese erhalten.

  1. Ratingagenturen bewerten nun die drei Tranchen mit AAA, BBB und die riskanten ABS erhalten kein Rating.
  2. Die riskanten (hohes Ausfallrisiko, aber viel Zins/Rendite) ABS werden an Hedgefonds verkauft, die akzeptablen Wertpapiere an andere Banken und die sicheren asset-backed securities an Investoren, welche nur hoch-bewertete (AAA) Anlegeformen in Anspruch nehmen.

Nun profitieren alle. Der Hausbesitzer, der Vermittler, der Kreditgeber, die Investment-Bank und die Investoren. Aus einem einfachen Kredit wurde ein handelbares Wertpapier. Da die Rendite durch Zinszahlungen entsteht und einforderbarer Wert dahinter steht handelt es sich um forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS). Schaut man genauer hin, dann kann diese Form der Wertpapiere in verschiedene Arten unterteilen:

  • asset-backed securities (ABS), forderungsbesicherte Wertpapiere
    • Term ABS
    • asset-backed vommercial paper (ABCP)
  • mortgage-backed securities (MBS), hypotheken-besicherte Wertpapiere
    • Residential MBS (RMBS)
    • Commercial MBS (CMBS)
  • collateralized debt obligations (CDO), allgemeine kredit-besicherte Wertpapiere
    • Collateralized Loan Obligations (CLO)
    • Collateralized Bond Obligations (CBO)
    • CollateralizedMortgage Obligations (CMO)

Warum gelten ABS als Sprengsätze der Finanzbranche?

Die Schwierigkeit an diesen Produkten ist auf der einen Seite, dass die Rating-Agenturen, welche die ABS bewerten, durch den Anbieter, die Investment-Bank, beauftragt wird und meistens lediglich den Bewertungs-Vorschlag prüft. Hierbei kann es zu fehlerhaften Bewertungen führen und faule Kredite erhalten ein Rating und können am Markt verscherbelt werden. Darüberhinaus handelt es sich beim ABS um ein Wertpapier welches durch hunderte oder tausende Kreditnehmer besichert ist. Der Kredit wurde bereits mehrfach weitergereicht, verbrieft, bewertet, verdreht und verkauft. Der Einblick ist nicht mehr gegeben. Wer zahlt die Zinsen? Wie geht es diesen Personen? Wie viele Personen zahlen die Zinsen und wie viele sind bereits privat Insolvent?

Mit dem Hype um diese Finanzprodukte kam auch die Finanzkrise 2007 zustande. Um die Nachfrage des Marktes zu bedienen wurden immer mehr subprime loans an Personen vergeben, welche sich einen Kredit eigentlich nicht leisten Konten. Die Mittler klingelten persönlich bei den Leuten um Kredite ohne Prüfung der Person zu vergeben. Zeugen berichten, dass sie bei Banken ohne Unterlagen innerhalb weniger Tage Kredite über mehrere hunderttausend Dollar erhalten konnten (in der Hochphase der Blase). Die Vermittler und Kreditgeber versuchten die unbändige Nachfrage der Investment-Banken zu bedienen. Für Sie war dies ein gutes Geschäft. Das Problem hat immer derjenige, welcher im Besitz der faulen Kredite ist. Mittler, Kreditgeber und Investment-Banken schoben diese Sprengsätze immer fröhlich weiter und kassierten ab. 2007 wurde vor Allem mit MBS-Produkten gehandelt, da der US-Immobilienmarkt brummte. Immer mehr ABS wurden verkauft. Für die Investment Banken war es ein Milliarden-Geschäft.

  1. Im August 2007 stoppte die französische BNP Paribas den Handel mit ABS da sie bemerkte, dass ihre Fonds durchsetzt waren mit faulen Wertpapieren
  2. Im September 2007 kam zu einem Bankrun in Großbritannien als “nothern rock” in Zahlungsschwierigkeiten auf Grund der Abschreibung von faulen Krediten geriet
  3. Ende 2007 musste der größte Versicherer der Welt, die AIG, einen Rekordverlust von 11 Milliarden Dollar durch Kreditausfallversicherungen im Bereich Hypotheken vermelden. Die Bank erhielt einen Überbrückungskredit von der FED (40 Mrd. USD)
  4. Am 14. März 2008 musste die traditionsreiche Bank Bear Stearns auf Grund von Verlusten über 4,5 Mrd USD ihrer ABS-Fonds gerettet werden. Die Bank J.P. Morgan Chase kaufte die Bank in Zusammenarbeit mit der FED.
  5. Mitte 2008 gerieten die staatsnahen Hypothekenbanken Federal National Mortgage Association, FNMA (auch Fannie Mae genannt) und Federal Home Loan Mortgage Corporation (auch Freddie Mac genannt) in Zahlungsschwierigkeiten. Zwischen dem 13. Juli und 7. September 2008 erhielten beide Banken 187 Mrd. USD von der FED
  6. Die damals 4. größte Bank der USA, Lehman Brothers, geriet ebenfalls als Investment Bank in unruhige Gewässer und musste die Verluste durch zwei Kapitalerhöhungen im April und Juni 2008 über 9 Mrd USD abfedern. Die Bank machte teilwesie pro Quartal 3 bis 5 Mrd USD Verlust. Nachdem Barcleys eine Übernahme Lehman Brothers ablehnte war der Druck auf die US-Regierung und FEd zu groß noch eine Bank zu retten. Man ließ Lehman Brothers insolvent gehen was sich im Nachhinein als großer Fehler und letzter Auslöser der Finanzkrise 2008 entpuppte.

In Folge der Pleite von Lehman Brothers entdeckten Banken weltweit hohe Beträge fauler Kredite in ihren Portfolios. Es kam zu zahlreichen Insovenzen und Liquiditätsproblemen nachdem diese Papiere abgeschrieben werden mussten. Das Ausmaß der Probleme übertrug sich auf die Wirtschaft wodurch eine Wirtschaftskrise entstand.

Banken zündeln erneut mit ABS-Produkten

Natürlich werden ABS auch weiterhin gehandelt. Das Modell ist äußerst lukrativ für alle beteiligten solange die Kreditnehmer ihre Zinsen bezahlen können. Nach der Krise 2008 achteten Finanz-Aketure jedoch genauer darauf was sie kauften. Doch wie immer lässt das Bewusstsein mit der Zeit nach und die Gier nimmt überhand. Heutzutage deutet sich erneut an, dass ein größeres Volumen an ABS gehandelt wird. Wie viele faule Kredite darunter sind? Man weiß es nicht …

  1. Wir haben eine Immobilienblase in Schweden
  2. Wir haben eine Immobilienblase in Dänemark
  3. Wir haben eine kleine Immobilienblase in den USA

Wir haben es aktuell weniger mit hypotheken-basierten Krediten zu tun, sondern viel mehr mit einem Mix aus nonperforman loans. Zuletzt gerieten zahlreiche wichtige Banken in Italien in Zahlungsschwierigkeiten und benötigten Milliarden-Gelder der EZB um nicht zu kollabieren. Nochmals lässt keine Zentralbank der Welt zu eine Bank kollabieren zu lassen nach den Erfahrungen aus 2008. Nachdem die EZB nun forderte die nonperforming loans in Italien in Wertpapiere umzuwandeln und zu handeln.

Zuletzt berichtete Bloomberg, dass die Agriculture Bank of China schlechte Kredite im Wert von 1,6 Mrd USD als ABD verpackt und verkaufen möchte. (Hier findest du den Artikel). Wie viele nonperformaning und bad loans befinden sich verpackt als forderungsbesicherte Wertpapiere bereits weltweit erneut im Umlauf?

Solange die Hauspreise steigen und die meisten Kreditnehmer ihre Zinsen zahlen können besteht keine Gefahr. Doch was passiert wenn die Immobilien-Märkte in Schweden und Dänemark kollabieren? Dies hat zwar wahrscheinlich nur einen geringen Einfluss auf die wichtigen Banken der Weltbühne könnte sich aber wie 2007 durch die BNP Paribas als Beginn einer Domino-Kette herausstellen.

Banken wissen nicht wohin mit ihrem Geld. Vor Allem in Europa. Aktuell schleppen europöische Banken eine Überschussliquidität über mehr als 800 Mrd Euro mit sich rum. Dieses Geld lagert bei der EZB, welche einen Strafzins (negativen Einlagezins) von 0,4% erhebt. Damit fallen Milliarden-Summen an Strafzins an. Die Banken müssen ihr Geld loswerden und suchen händeringend nach Anlageformen. Wie viel Geld steckten die Banken aktuell in ABS? Wir wissen es nicht. Auch Fonds suchen nach hoch-bewerteten (AAA) Anlageformen, welche mehr als 1% Rendite abwerfen. In Zeiten der Null-Zins-Politik stellt sich dies als schwierig heraus. Kauft man in diesen Bereich nun vermehr ABS-Produkte?