2015 führten 28 europäische Staaten die gemeinsame Währung „Euro“ ein. Dies war ein gewichtiger und historischer Schritt der europäischen Integration auf dem Weg in eine Europäische Union nach dem Vorbild der United States. Heutzutage wissen wir, dass diese gemeinsame Währung zu Verwerfungen am europäischen Finanzmarkt geführt hat. 2010 brach die Eurokrise aus und stellte die Union auf eine harte und teure Probe. Mit einer extremen expansiven Geldpolitik durch die EZB, welche sogar zu negativen Zinsen führte, konnte der Kollaps halb Europas abgewendet werden. Doch die Probleme sind größtenteils nur verschoben und nicht behoben. Droht uns eine erneute Eurokrise?

Die Eurokrise 2010

Mit der gemeinsamen Währung wurde auch der Wert dieser gemeinsam bestimmt. Hierbei brachten die vielen wirtschaftlich starken Mittel- und Nord-Europäischen Staaten ihre Stärke in die Währung ein. Doch auch die Schulden lauteten nun auf Euro. Mit einem Schlag übernahmen so zahlreiche kleinere und wirtschaftlich schwächere Länder der Euro-Gruppe (Peripherie-Staaten) die wirtschaftliche Währungs- und Kredit-Würdigkeit.

Michael Lewis formulierte diesen Umstand in seinem Buch „Boomerang – die harte Landung Europas“ so, dass zur damaligen Zeit viele Staaten in einen Raum voller Geld geführt wurden. Die Verfügbarkeit von Krediten stieg für südeuropäische Staaten. Auch sanken die Zinskosten für das Halten von Krediten.

Kaum ein Land in Europa konnte der Versuchung wiederstehen, über die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu leben. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen nun plötzlich die Kreditwürdigkeit einer anderen Person, welche das dreifache wie Sie verdient. Es gibt plötzlich weit entfernt einen Bürgen, den Sie nicht kennen, und nie treffen werden. Was würden Sie nun mit dem vielen billigen Geld machen? Ein Haus kaufen? Ein neues Auto? In den Urlaub fahren?

2008 endete das sorgenlose Kredit-Karussel abrupt. Im Zuge der Finanzkrise bewerteten Geldgeber die Risiken neu und verlangten von Ländern mit den größten Haushaltsdefiziten, den meisten Schulden und der instabilsten Wirtschaft höhere Zinsen (Risikoaufschlag) und vergaben keine neuen Kredite an eben jene. Zahlreiche südeuropäische Staaten standen prompt kurz vor der Pleite und konnten sich nicht mehr finanzieren. Die fetten Jahre waren vorbei.

Mit unvorstellbar großen Summen sprangen Staatengemeinschaft und EZB den notleidenden Nationen zur Seite. Das meiste Geld floss den Bankensektor, welcher hunderte Milliarden an Krediten an eigentlich kreditunwürdige Staaten vergeben hatten, und nun kurz vor dem Kollaps standen.

Dank des OMT-Beschlusses („whatever it takes“) und dem beherzten Eingreifen der EZB, welche beide Augen zudrückte und großzügig ELA-Kredite vergab, konnte die Liquidität des Bankensektors und die zahlungsfähigkeit von Staaten aufrecht erhalten werden.

Die EZB senkte die Leitzinsen auf Null und trat als Käufer von Staatsanleihen am Markt auf, um die Nachfrageseite zu stärken, damit die Zinsen auf Staatsanleihen sanken. Durch dieses Quantitative Easing sank die Zinsbelastung der Staaten und die Haushaltsdefizite wurden kleiner. Deutschland erfreut sich besonders großer Haushaltsüberschüsse. Immer wieder hat Mario Draghi betont, dass dies nur ein temporärer Sondereffekt sei, um die notleidenden Staaten zu entlasten. Die EZB kaufe der Euro-Gruppe nur Zeit.

Droht eine Eurokrise 2.0?

Doch leider wurde die teuer erkaufte Zeit bisher unzureichend genutzt. Die europäischen Staaten haben vorwiegend den Konsum um 5 bis 15% angehoben. Wichtig wären jedoch mehr Investitionen, welche einem Konjunkturprogramm gleichkommen würden. Die Investitionen sind jedoch tatsächlich im gleichen Zeitraum gesunken.

Zahlreiche Länder haben ihre Haushalte weiterhin nicht im Griff. Die EU drückt alle Augen zu und sieht nicht hin, wenn Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland EU-Vorgaben seit fast einem Jahrzehnt nicht erreichen. „Wenn wir die Regeln nicht einhalten, fliegt uns die Euro-Zone auseinander“, betone Schäuble zuletzt gegenüber der „Zeit“.

Der Bankensektor ist weiterhin nicht solide finanziert. Zuletzt machte die italienische Bank Monte Paschi von sich reden. Allein italienische Banken schleppen hunderte Milliarden fauler Kredite mit sich rum. Mit der Bankenrettung wird die italienische Staatsverschuldung von 130,4 auf 131,6% steigen. In der EU sind eigentlich nur 60% erlaubt.

Verändert hat sich seit 2010 aus meiner Sicht kaum etwas. Die Haushaltsdefizite sind weiterhin außer kontrolle, die Verschuldung hoch, das Wirtschaftswachstum niedrig, und die Reformen nahezu nicht umgesetzt. Zuletzt scheiterte das Referendum von Renzi, um das politische System Italiens effizienter und attraktiver zu gestalten.

Wie lange wird es dauern bis der Finanzmarkt dieses erneut nachlässige Verhalten bestrafen wird? Noch sind die Zinsen niedrig. Noch greift die EZB durch. Doch auch die Notenbank muss auf Grund einer aufgeblähten Bilanz den Gürtel enger schnüren. Die erkaufte Zeit ist ungenutzt verstrichen.

Die Target-2-Salden

Mittlerweile erreichen die Targat-2-Salden wieder Stände von vor Beginn der Eurokrise. Was ist das? „TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden. Über TARGET2 fließen pro Tag im Durchschnitt rund 350.000 Zahlungen im Wert von rund 2 ½ Billionen Euro. Das entspricht in etwa dem deutschen Bruttoinlandsprodukt. Während eines ganzen Jahres werden von TARGET2 knapp 90 Millionen Zahlungen in einem Gesamtwert von rund 600.000 Milliarden Euro abgewickelt. Diesen Transaktionen können ganz unterschiedliche Geschäfte zugrunde liegen. Denkbar sind unter anderem die Zahlung einer Warenlieferung, der Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, die Gewährung oder Rückzahlung eines fälligen Darlehens, die Geldanlage bei einer Bank und vieles mehr.“ (Quelle: https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html)

1470932022_mmwarburg2016_target2-salden-12_augustBildquelle: Institutional Money

Interessant ist nun vor Allem folgender Absatz: „Fließen beispielsweise einer über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmenden Bank Gelder aus dem Ausland zu, führt dies bei der Bundesbank zu Verbindlichkeiten gegenüber dieser Bank (etwa durch Gutschrift des Betrages auf deren Girokonto). Im Gegenzug entsteht eine Forderung der Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber der sendenden nationalen Zentralbank. Diese wiederum belastet das Konto der sendenden Geschäftsbank. Dies erfordert ein ausreichendes Guthaben an Zentralbankgeld der sendenden Bank. Zentralbankguthaben werden primär durch die geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems bereitgestellt.“

An den Target-2-Salden können wir also erkennen, wann Kapital aus einem Land abfließt und welchem Land dieses zufließt. Zu erkennen ist, dass bereits mit der Euro-Krise hunderte Milliarden Euro aus Peripherie-Ländern Europas abflossen – größtenteils nach Deutschland.

2016 stiegen nun die Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank um 129 Milliarden Euro auf insgesamt 362 Milliarden Euro. Es ist wieder eine Kapitalflucht zu erkennen. Banken schaffen Geld aus dem Land. Meistens wissen Banken als erste, wenn es im Finanzsystem knirscht. (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/233148/umfrage/target2-salden-der-euro-laender/)

 

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