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Wohlfahrt durch die Robotik-Steuer

Wohlfahrt durch die Robotik-Steuer

Gastartikel

Es ist die große Sorge der Arbeitnehmer und die große Frage unserer Epoche: Werden Roboter den Menschen ersetzen? Die Schätzungen ob, wie schnell und wie umfassend die Automatisierung Branchen und Gesellschaft verändern wird, gehen weit auseinander. Doch aus meiner Sicht können wir uns entspannt zurücklehnen – die Automatisierung wird den Menschen nicht ersetzen, sondern uns endlich ermöglichen unsere Lebenszeit mehr für Leben als für Arbeiten verwenden zu können.

Bereits jetzt ist ein Wandel der Arbeitswelt zu erkennen. Stichwort Work-Life-Balance. Teilzeit-Jobs und Job-Sharing-Modelle sind noch unausgereifte Möglichkeiten, aber doch mit zunehmender Häufigkeit in Nutzung. Dank der modernen Entwicklung entspannt sich unser Leben bereits jetzt merklich: wir gelangen dank des mittlerweile sehr umfassenden word-wide-webs einfacher an Informationen, wir können alles Online kaufen und uns Liefern lassen, sowie wir dank besserer Technologie, Infrastruktur und neuartigen Konzepten, wie beispielsweise Car-Sharing, immer mobiler werden. Wir müssen wir viele Bereiche unseres Alltags weniger Zeit aufwenden.

Doch für das „Life“ in Work-Life-Balance benötigen wir Geld, welches nur durch das „Work“ in Work-Life-Balance erhalten können. Wird nach dem Wandel in Richtung more-life-than-work auf Grund des Jobvernichters „Automatisierung“ die Phase von no-life-because-no-work einbrechen?

Warum die Automatisierung kein Jobvernichter ist

Aus meiner Sicht nicht! Es wird nicht zu Massenarbeitslosigkeit oder um sich greifender Armut in unserer Gesellschaft kommen. Die Automatisierung wird auch kein finaler Jobvernichter sein. Das hat zwei Gründe:

Schon mehrfach sorgten sich Gesellschaften vor großen Umbrüchen. Beispielsweise ging man davon aus, dass es auf Grund der Industrialisierung zu Massenarbeitslosigkeit kommen würde, da weniger Menschen in der Agrarwirtschaft arbeiten müssen. Doch wo auf der einen Seite Jobs vernichtet werden (Intermediation), dort entstehen diese an anderer Stelle wieder (Re-Intermediation). Heutzutage arbeiten weniger Menschen auf den Feldern, als noch vor 200 Jahren. Doch vor 200 Jahren gab es die Jobs der Film-, Werbe-, Technik- und anderer Branchen noch gar nicht. Auch die Automatisierung schafft zunehmend neue Jobs. Roboter müssen entwickelt und gewartet und Bots programmiert werden. Auch wenn fieberhaft an künstlicher Intelligenz gearbeitet wird, macht Technik aktuell was der Mensch ihr sagt was zu tun ist. Wo Jobs verloren gehen, werden auch neue entstehen.

Des Weiteren basiert unsere Wirtschaft auf Konsum. Es wird für Menschen gebaut. Gebäude und Infrastruktur. Es wird für Menschen produziert. Kleidung, Nahrung, Fahrzeuge. Es wird für Menschen gearbeitet. Gastronomie oder Dienstleistungswesen. Auch wenn der Gedanke einer kompletten Automatisierung für Unternehmen den Charme wesentlich geringerer Kosten hat, so müssen die Konsumenten doch über Geld für den Konsum verfügen. Einen Jobvernichter zu erschaffen ist also nicht im Interesse der Wirtschaft.

Die Robotik-Steuer ist die Lösung

Steuern dienen dem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen als Einnahmequelle. Die Einkommenssteuer macht in etwa ein Drittel der Einnahmen der BRD aus. Sollte die Automatisierung zunehmend Arbeit und somit auch Einkommen vernichten, wird der Staat sein Konzept der Besteuerung anpassen müssen, um den öffentlich-rechtlichen Apparat weiterhin finanzieren zu können.

Roboter, Bots und Algorithmen erbringen Arbeitsleistung. Diese Arbeitsleistung muss besteuert werden. Somit würde der Staat weiterhin Einnahmen aus der wirtschaftlichen Tätigkeit seiner Wirtschaft beziehen. Außerdem wäre der zweite positive Effekt, dass der Staat ein neues Werkzeug zur Regulierung des Marktes besitzen würde. Durch die Veränderung der Höhe der Besteuerung der Arbeitsleistung durch Robotik kann der Mensch beispielsweise wieder wettbewerbsfähig am Arbeitsmarkt agieren, wenn er nur wenig teurer oder gar günstiger als die Automatisierung ist. Ob man die innovative und technische Entwicklung unserer Menschheit jedoch derart abwürgen möchte ist eine andere Frage.

Aus meiner Sicht werden wir weniger arbeiten! Der Wandel des Fokus weg von Arbeit, hin zum Leben wird sich aus meiner Sicht fortsetzen. Der Staat wird die Einnahmen aus der Besteuerung von robotischer Arbeitsleistung nutzen, um der Bevölkerung ein bedingungsloses Grundeinkommen auszuzahlen. Hierdurch werden der Konsum und die Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft erhalten bleiben.

Darüber hinaus wird der Mensch immer arbeiten wollen. Doch unser Fokus wird sich mehr auf die Branchen richten, in welchen der Mensch durch den Konsumenten klar gewünscht ist. Mit bedingungslosem Einkommen und viel Zeit wird die Menschheit mehr reisen, feiern, leben und erleben wollen. Die Branchen Sport, Tourismus, Erlebnis und Gastronomie werden rasant wachsen – und genau hier ist der Mensch als Arbeitskraft gewünscht. Ich gehe lieber in eine Bar mit Barkeeper anstelle unpersönlichem Ausschank-Roboter oder schaue lieber ein emotionales Sport-Spektakel als einen perfektionierter Roboter-Wettbewerb.

Der Mensch wird arbeiten. Der Mensch wird jedoch auch mehr leben können. Ich freue mich auf die Automatisierung. Sie öffnet unserer Gesellschaft neue Türen für eine nächste Epoche unserer Menschheit.

by Okt 22, 2017 Keine Kommentare
BoxHotel – Wandel der Hotelerie

BoxHotel – Wandel der Hotelerie

Gastartikel

Die BoxHotel GmbH ist das derzeit wohl modernste Hotel-Projekt in Europa. Neben der Begründung einer neuartigen Hotel-Form steht die technische Automatisierung im Fokus. Es gibt keine Rezeption und der Kunde öffnet alle Türen mit seinem Smartphone. Jüngst eröffnete das erste BoxHotel erfolgreich in Göttingen. Das nächste wird in Hannover folgen.

Während sich der Markt für den Verkauf von Schlafgelegenheiten und Wohnraum rasant wandelte und mittlerweile fast ausschließlich digital abgewickelt wird, sind in der Hotellerie selbst starre und veraltete Prozesse und Konzepte zu erkennen. Doch dabei nimmt der Druck auf die Hotel-Konzerne zu. Hält die Branche zu lange an Bewährtem fest wird es ihr bald ähnlich der Bücherläden ergehen.

Mit unternehmerischem Mut, einer Vision und disruptiver Rebellion möchte Unternehmer Oliver Blume den Hotel-Markt revolutionieren. Der Hannoveraner ist spezialisiert auf disruptive Unternehmenskonzepte und einer der gefragtesten Unternehmer auf dem Gebiet der Zukunft. Ähnlich wie Elon Musk oder Richard Branson denkt Blume weiter als andere und bringt darüber hinaus den Mut mit seine Ideen umzusetzen.

Nachdem Oliver Blume den Apotheken-Markt revolutionierte und die größte Apotheken-Kette Deutschlands schuf richtet sich sein disruptiv-gieriger Blick nun auf die Hotel-Branche.

Im Mai 2017 eröffnete das erste BoxHotel in Göttingen. Das nächste ist bereits für Hannover in Planung. Mit diesem Projekt wird auf der einen Seite eine Hotel-Art begründet und auf der anderen Seite der technische Wandel forciert.

BoxHotel begründet eine neue Hotel-Kategorie zwischen Hostel und Low-Budget-Hotel und ist als Discount-Microhotel zu verstehen. Das Unternehmen errichtet Schlafboxen in schwervermietbaren Einzelhandelsflächen. Hierdurch werden brachliegende Flächen reaktiviert und Übernachtungsmöglichkeiten in Innenstadtlage geschaffen. Darüber hinaus reduziert sich BoxHotel auf den perfekten Schlaf. Wo Kunden bei konventionellen Hotels mit jeder Übernachtung zum Teil auch die nur schwach genutzten Flächen für Bar, Spa, Frühstück und andere Dinge mitbezahlen, konzentriert sich die Boxhotel GmbH auf das Kernangebot der Hotellerie – Übernachtungen. Der Kunde übernachtet ab 24,99€ in eigenen Zimmern/Boxen.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind groß. BoxHotel tritt in diesem Fall als eines der modernsten Hotels am Markt auf. Es gibt keine Rezeption mehr. Diese wurde auf die BoxHotel-App verlagert, mit welcher sich Kunden einchecken und via mobilem Schlüssel über die App alle Türen im Hotel öffnen können. In der App finden sich außerdem zahlreiche Möglichkeiten, wie Taxi-Ruf und Umgebungsinformationen.

Die BoxHotel GmbH betreibt den Standort Göttingen erfolgreich und plant bereits die Eröffnung weiterer Hotels. Das Unternehmen ist ideal aufgestellt. Schneller Wachstum. Digital. Automatisiert. Effizient. Günstig. Die Tourismus-Branche und mit ihr die Anzahl der Übernachtungen steigt seit vielen Jahren stetig und erreicht jährlich neue Rekorde. Smarte Konzepte sind gefragt – BoxHotel greift die Branche mit einem neuartigen Konzept an.

Du bist interessiert der Entstehung dieser modernsten Hotel-Kette zu folgen? Hier findest du die Facebook-Seite.

by Okt 22, 2017 Keine Kommentare
Automatenspiele – die Online Variante

Automatenspiele – die Online Variante

Gastartikel

Automatenspiele – die Online Variante

Automatenspiele üben schon seit der Erfindung der ersten Slot-Machine mit 3-Walzen durch Charles August Fey im Jahr 1899 in San Francisco eine besondere Faszination auf viele Menschen aus. Die einarmigen Banditen mit ihren Früchte- oder Glockensymbolen und später die Videoautomaten prägen bis heute das Bild vieler Bars und Kioske an den Ecken im Lande. Auch die Spielotheken von Merkur und Novoline dürften vielen in den Sinn kommen, wenn sie an Automatenspiele denken. Seit dem Vormarsch des Internets gibt es die Automatenspiele auch online in den Internet-Casinos. Seitdem hat die Online-Casinobranche einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Anfangs mit einem leicht verruchten Image belegt, hat sich die Branche mittlerweile erheblich professionalisiert und gilt in vielen Bereichen als Vorreiter für Innovationen und dem Einsatz von neuen Technologien bei den Automatenspielen. Moderne Slot-Automaten wie Bonanza, Starburst oder Neon Reels von überzeugen nicht nur durch aufwendig produzierte Videoeinspielungen, sondern binden ihre Spieler in zahlreichen Freispiel- und Bonusrunden in die Storyline ein und sorgen für einen kurzweiligen Zeitvertreib, bei dem auch der eine oder andere Gewinn mitgenommen werden kann.

 

Wachsende Vielfalt an Online-Automatenspielen

Während vor Jahren noch hauptsächlich Online-Übersetzungen von den bekannten Früchte-, Joker- und Diamanten-Klassikern aus den Kiosken und Eckbars in den Online-Casinos angeboten wurden, können sich die Spieler heute auf eine unglaubliche Vielfalt verschiedener Automatenspiele stürzen. Es gibt fast kein Genre, das nicht in den Online-Casinos angeboten wird. Natürlich zählen die Merkur- und Novoline-Klassiker wie Double Triple Chance oder Blazing Star, aber auch das Joker 6000 Remake von NetEnt mit ihrer vergleichsweise einfachen Spielmechanik und ihren berühmten Gamble-Features immer noch zu den bevorzugten Automatenspielen. Jedoch gibt es mittlerweile, man möchte fast sagen, atemberaubende 3D- und HD-Videoslots sowie progressive Jackpotspiele mit der Aussicht auf einen Gewinn vergleichbar mit einem Sechser im Lotto. Spieler können sich auf Automaten auf Music-Slots wie Guns N’Roses und Motörhead, auf History- und Fantasy-Slots wie Ivanhoe, Jurassic Park oder Immortal Romance, aber auch auf tierische Slot-Vergnügen wie Copy Cats und Scruffy Duck stürzen. Daneben stehen Video Pokerautomaten wie Deuces Wild oder All American Poker und zahlreiche Varianten an Tisch- und Kartenspielen mit Roulette, Black Jack, Baccarat und Poker in den Online-Casinos bereit.

 

 

Trend zum Mobile-Casino unumkehrbar

Die meisten Spieler im Online-Casino nutzen heutzutage ihr Handy oder Tablet, wenn sie ihre Games spielen. In den besseren Online-Casinos geht der Trend dabei weg vom Download einer App, mit der die Spiele gestartet werden können. Die Software-Provider, mit denen die Online-Casinos zusammenarbeiten, etwa mit Betsoft, NetEnt, Novoline oder NYX machen das Spielen als Instant-Gaming im Browser der Smartphones innerhalb der HTML 5-Umgebung der mobilen Casinowebseiten möglich. Die Performance in Sachen Grafik und flüssigem Gameplay ist dank Retina-Display und Co. Heute bereits genauso stark wie auf einem Rechner mit einer leistungsfähigen Grafikkarte. Kostenloses Spiel wird ebenfalls angeboten. Die Player können hierzu die in vielen Online-Casinos angebotenen Testversionen der Spiele nutzen, wobei vielfach keine Registrierung im Casino erforderlich ist. Hierbei erhalten die Nutzer Demo-Credits, mit denen die Slots nach Lust und Laune und ohne Einsatz eigenen Geldes ausprobiert werden können. Oftmals bieten die Casinoanbieter ihren Spielern auch Free Spins an, um kostenlos an den Slots zu spielen. Damit können sogar Gewinne erzielt werden, ohne das eigene Spielerkonto zu belasten. Free Spins gibt es zum Beispiel bei der Anmeldung als sogenannter No Deposit Bonus und zusammen mit der ersten Einzahlung im Online-Casino. Weiterhin bieten verschiedene Automaten-Casinos regelmäßig Promotionen und Gewinnspiele an, bei denen sich die Player mit zusätzlichen Free Spins versorgen können.

 

 

Auf was sollten Fans von Automatenspielen bei der Anmeldung im Online-Casino achten?

Wenn interessierte Spieler ein bestimmtes Online-Casino ins Auge gefasst haben, sollten sie sich vor der Anmeldung vergewissern, dass es sich um einen Anbieter mit einer in Europa gültigen Lizenz handelt, um legal spielen zu können. Sie sollten sich auch nicht von der Höhe des angebotenen Willkommensbonus blenden lassen. Vielmehr kommt es darauf an, dass die Bonusbedingungen leicht zu erfüllen sind. Ob es sich um einen sicheren und seriösen Casinoanbieter handelt, darüber können sich Spieler übrigens auf Casinotestseiten informieren, die Casinoanbieter genau überprüfen. Hier werden auch die Erfahrungen der Kunden mit einem Anbieter ausgewertet. Ein wichtiger Punkt bei den Casinotests ist zudem die Abwicklung von Auszahlungen. Werden beispielsweise hohe Gebühren verlangt oder die Auszahlungen verzögert, ist es in jedem Fall besser, sich nicht bei diesem Online-Casino zu registrieren.

by Okt 21, 2017 Keine Kommentare
Online-Casinos im Test

Online-Casinos im Test

Gastartikel

Online-Casinos im Test

Immer mehr Menschen entdecken die bunten Online-Slots wie Birds on a Wire, Gonzo’s Quest oder Book of Dead, aber auch Online-Poker und klassisches Casinospiele wie Black Jack und Roulette für sich. Die Games bieten kurzweiligen Zeitvertreib und Spielspaß, aber auch die Chance einen kleinen oder größeren Gewinn zu erzielen. Die Branche boomt. Experten vom Verband der Internetwirtschaft schätzen, dass allein in Deutschland und Österreich zusammen bis zu drei Milliarden Euro jährlich in Online Casinos umgesetzt werden. Tendenz steigend. Dabei ist zu beobachten, dass immer mehr Anbieter von Online-Casinoanbieter auf den Markt stoßen, um an dem wachsenden Geschäft teilzuhaben. In den letzten Jahren hat sich die Zunft erheblich professionalisiert und damit ihren Ruf aufpoliert. Die Kunden fordern heute neben einem abwechslungsreichen und lizenziertem Spiel auch Fairness beim Spiel und transparente Casinobedingungen und Zuverlässigkeit bei den Auszahlungen. Allerdings gibt es immer noch Anbieter, die meinen, man können das Geld der Kunden praktisch ohne anständige Gegenleistung vereinnahmen oder die Kunden mit völlig unnötigen Gebühren überziehen. Die Frage lautet also: Welches Online Casino ist zu empfehlen? Die Antwort hierauf können Casinotests bieten, bei denen die Online-Casinos genau unter die Lupe genommen und die Schwachstellen aufgedeckt werden.

Die Spiele sollten Abwechslung und Spannung bieten

Bevor sich Spieler für ein bestimmtes Online-Casino entscheiden, sollten sie sich als Erstes ansehen, welche Schwerpunkte bei den Casinospielen gesetzt werden. Wer gerne an den Spielautomaten spielt, sollte ein Casino wählen, dass eine breite Auswahl an Slots unterschiedlichster Genre bietet. Wichtig ist auch, dass die Spielauswahl ständig aktualisiert wird und von renommierten Anbietern stammen. Schließlich kommen beinahe wöchentlich neue Top-Games auf den Markt. Software-Provider wie iSoftbet, NetEnt oder Yggdrasil stehen für eine hervorragende Performance und ein störungsfreies und grafikstarkes Gameplay. Außerdem bieten sie in ihren Spielen viel Gewinnlinien (Paylines) und lukrative Freispiel- und Bonusrunden. Entwickler wie Microgaming oder NetEnt offerieren zudem mit Mega-Moolah oder Mega Fortune progressive Jackpotspiele, bei denen ein Teil der Einsätze aller Spieler in den stetig ansteigenden Mega-Jackpot fließt, der irgendwann an einen der Player ausgeschüttet wird. Klassische Slots wie Double Triple Chance, Blazing Star oder Book of Ra findet man bei Anbietern, die Spiele von Merkur oder Novoline offerieren. Wer gerne Roulette oder Black Jack spielt, sollte einen Blick darauf haben, dass ausreichend Tische mit unterschiedlichen Varianten und Tischlimits zur Verfügung stehen. Im Live-Casino können sich die Spieler per Live-Stream zu den Spieltischen in echten Spielbanken zuschalten lassen und dort ihre Einsätze auf dem Tableau platzieren. Für Pokerspieler dürften Online-Casinos interessant sein, die einen direkten Zugang zu einem der großen Poker-Netzwerke wie iPoker oder Pokerstars bieten, in denen sich die Spieler bei vielen täglichen Freeroll-, Satelliten- oder Buy-In-Turnieren mit anderen Playern aus der ganzen Welt messen können.

Das Mobile-Casino sollte gut zu bedienen sein

 Die Mehrheit der Online-Casinospieler bringt die Slot-Walzen oder Roulette-Kessel mittlerweile hauptsächlich über das Handy oder Tablet in Bewegung. Dank ausgefeilter Smartphone-Technik und fast überall verfügbarem Internet kann heutzutage von überall aus gespielt werden. Allerdings gibt es feine Unterschiede bei den verschiedenen Mobile-Casinos. Manche Casinos bieten wie früher üblich eine App zu Download der Casinogames oder der Casino-Software an. Das hat meist den Nachteil, dass Benutzer von Windows-Phones das Nachsehen haben, da die Apps hauptsächlich für iOS und Android bereitgestellt werden. Besser ist es daher ein Online-Casino zu benutzen, in dem die Spiele unabhängig vom Gerätetyp über die mobile Webseite im Browser des Mobil-Gerätes genutzt werden können. Hierbei sollte auf einfaches Handling, unterstützt durch eine klare und intuitive Menüführung geachtet werden. Wenn eine Such- oder Filterfunktion integriert ist, können die Lieblingsslots ohne langes Scrollen noch schneller auf den Bildschirm geholt werden. Vorteilhaft ist es auch, wenn sich die Spieler direkt über das Smartphone bei dem Casinoanbieter anmelden, Ein- und Auszahlungen vornehmen und die Bonusangebote in Anspruch nehmen können.

  

Nicht jeder Bonus hält was er verspricht

 Viele Online-Casinos offerieren ihren Spielern einen Willkommensbonus zu Beginn der Mitgliedschaft. Dabei kommt es jedoch nicht nur auf die Höhe des Bonus an. Oft stellt sich ein vermeintlich lukrativer Bonus zum Start hinterher als wenig attraktiv heraus. Zum Beispiel dann, wenn sich die Bonusbedingungen mit einem zu hohen geforderten Mindestumsatz oder mit zu wenig Zeit für den Bonusumsatz zur unüberwindbaren Hürde mausern und es unrealistisch wird, dass der Bonus tatsächlich ausgezahlt werden kann. Auch hier können Casinotests helfen Licht ins Dunkle des Kleingedruckten zu bringen und entsprechende Empfehlungen geben.

 

by Okt 21, 2017 Keine Kommentare
Lohnen sich PayPal-Einzahlungen beim Devisen-Handel und Online-Glücksspiel?

Lohnen sich PayPal-Einzahlungen beim Devisen-Handel und Online-Glücksspiel?

Gastartikel

Lohnen sich PayPal-Einzahlungen beim Devisen-Handel und Online-Glücksspiel?

Der virtuelle Handel mit Devisen, CFD, Aktien und Futures liegt im Trend. Aus nachvollziehbaren Gründen: Während klassische Geldanlagen und die bei Sparern beliebten Lebensversicherung mit stagnierenden oder sinkenden Renditen einhergehen, versuchen sich Anleger an modernen Formen der Gewinnmaximierung. Gern auch spekulativ. Denn obwohl ihnen die Gefahren des CFD-Handels bewusst sind, nehmen sie das Risiko nur zu gern in Kauf. Immerhin können sie das Trading von Grund auf erlernen, sich Expertenwissen aneignen und den Markt von einer ganz neuen Seite kennenlernen.

Der Einstieg in den lukrativen Handel geht schnell von der Hand. Erst recht, wenn angehende Trader ein PayPal Konto erstellen und von den vielen Vorzügen des eWallet-Dienstleisters profitieren.

 

Sichere und seriöse Transaktionen mit PayPal

Sogenannte eWallets haben den Online-Handel vereinfacht. Sie funktionieren ohne Mehraufwand, bieten großzügige Sicherheitsvorkehrungen, einen externen Kundenservice und können international und unabhängig der jeweiligen Währungen genutzt werden. Neben Skrill und Neteller zählt PayPal zum beliebtesten eWallet-Bezahldienstleister unserer Zeit.

Das Unternehmen kooperierte lange Zeit mit dem Online-Imperium eBay. Noch vor der Jahrtausende versuchte der Internet-Marktplatz vergeblich, einen eigenen Dienst namens “eBay Payments” zu etablieren. Das Problem: Die hauseigenen Benutzer setzten viel lieber auf das neue Bezahlsystem PayPal, das nach dem Zusammenschluss von Confinity und X.com aufhorchen ließ.

Auch im deutschsprachigen Raum hat sich PayPal – zwischenzeitlich von eBay aufgekauft und als offizielles Tochterunternehmen deklariert, mittlerweile wieder auf eigenen Beinen stehend – als eine der beliebtesten Zahlungsmethoden durchgesetzt. Im Jahr 2015 lag der Marktanteil im deutschen Onlinehandel bei 19,6 Prozent.

 

Diese Vorteile bieten eWallets im Online-Handel

Höher, schneller, weiter: Im 21. Jahrhundert haben wir keine Zeit mehr zu verlieren! Der Gedanke an ausgefüllte Überweisungsträger ist längst überholt. Von einer mehrtätigen Wartezeit ganz zu schweigen. Egal, ob wir unseren Amazon-Einkauf abschließen oder das Guthabenkonto im Online Casino unserer Wahl auf Vordermann bringen möchten: Der Wunsch nach einer zügigen Transaktion erklärt sich ganz von selbst!

Der größte Vorteil von PayPal ist die unkomplizierte Zahlungsabwicklung auf globaler Ebene. Binnen weniger Sekunden geschehen, dank des eWallets, Überweisungen an jede Person oder Institution, die ebenfalls über ein PayPal-Konto verfügt. Es genügt, den Dienstleister mit der Kreditkarte oder dem Bankkonto zu verknüpfen. Alternativ lassen sich die gewünschten Geldbeträge zunächst auf den Account selbst übertragen.

Parallel zur rasanten Transaktionsgeschwindigkeit genießen Kunden über mehrere Wochen hinweg den Käuferschutz. Sind sie mit der Lieferung oder Leistung unzufrieden, wenden sie sich an den PayPal-Support, erläutern ihr Problem und erhalten, konnte das Ärgernis nicht aus der Welt geschafft werden, ihr Geld zurück. Sämtliche Transaktionen lassen sich, darüber hinaus, ohne die verpflichtende Angabe von personenbezogenen Daten durchführen. Schließlich ist für die Durchführung der Überweisung lediglich eine E-Mail-Adresse notwendig.

 

Entstehen bei Transaktionen mit PayPal Gebühren?

Im Kontrast zu den vielen Vorteilen des eWallets halten sich die Nachteile schwer in Grenzen. Für Transaktionen werden grundsätzlich Gebühren fällig, die von PayPal in den Käuferschutz reinvestiert werden. Kein Problem allerdings: Kunden haben neuerdings die Möglichkeit, von vornherein auf die zusätzliche Sicherheitsvorkehrung zu verzichten. Besser noch: Große Versandhäuser, Online Broker oder PayPal Casinos übernehmen die Gebühren in der Regel aus eigener Tasche. Auf PayPal-Nutzer kommen dementsprechend keine weiteren Kosten zu.

PayPal und Konkurrenz-eWallets wie Skrill und Neteller empfehlen sich für Kunden, die auf Nummer sicher gehen möchten – oder gar fürchten, sie könnten von einem Broker oder Casino betrogen werden. Transaktionen und Einkäufe lassen sich unkompliziert über den Dienst abwickeln. Und entstehen doch einmal Komplikationen, steht der Käuferschutz zur Seite, um die Zahlung zu annullieren.

Neben Einzahlungen funktionieren auch Auszahlungen auf den PayPal-Account in Sekundenschnelle. Eine Überweisung auf das Bankkonto erfolgt nach spätestens zwei bis fünf Werktagen. Wir raten, ein möglichst sicheres Passwort zu wählen und die Login-Daten als Schutz vor Phishing-Angriffen niemals preiszugeben. Weder Broker-, Casino- noch PayPal-Mitarbeiter werden jemals nach den Zugangsdaten fragen.

by Okt 09, 2017 1 Kommentar

Traden lernen durch Börsenspiele

Gastartikel

Traden lernen durch Börsenspiele

Traden kann man lernen, das beste Beispiel hierzu sind sicherlich die mittlerweile immer beliebteren Börsenspiele. Beim Traden geht es allerdings nicht nur um das Spekulieren, sondern hauptsächlich darum, gewinnträchtig zu handeln. Vor allem als Anfänger solltest du dir deshalb erst einmal die notwendige Erfahrung aneignen, ohne dass du dabei dein eigenes Kapital riskierst. So richtig Traden lernen kann ziemlich lange dauern, da der Erfolg nicht nur von einer glücklichen Entscheidung abhängig ist, sondern auch von fundamentalen Analysen und Marktkenntnissen. Obwohl viele Online-Plattformen zum Traden auch erst einmal kostenlose Versionen zum Ausprobieren anbieten, sind diese in der Regel zeitlich begrenzt oder es steht kein komplettes Portfolio zur Verfügung. Ein Börsenspiel ist deshalb eine ausgezeichnete Alternative, um sich vor allem als Einsteiger erst einmal mit der nahen Praxis vertraut zu machen.

 

Was ist überhaupt ein Börsenspiel?

Beim Börsenspiel steht dir oder deinem Team eine virtuelle Summe für den Kauf von Wertpapieren zur Verfügung. Deine Aufgabe ist, damit richtig gutes Geld zu verdienen. In der Regel werden bei diesen Games fast die gleichen Wertpapiere gehandelt, wie an der Börse. Das bedeutet, dass auch die jeweiligen Kurse börsenorientiert sind. Das erste Börsenspiel war übrigens das Planspiel Börse, was bereits 1983 von der Sparkasse für Schüler und Studenten organisiert wurde.

Die meisten Börsenspiele im Internet kannst du kostenlos ausprobieren. Sie unterscheiden sich in der Regel durch die handelbaren Wertpapiere, die Laufzeiten, sowie natürlich auch durch die möglichen Gewinne. Für die Abrechnungen werden selbstverständlich die realen Kurse berücksichtigt, so dass du dadurch wirklich einen guten Überblick über das Traden erhalten kannst. Am Schlusstag geht es dann darum, alle deine Wertpapiere zu verkaufen. Es ist klar, dass derjenige Teilnehmer gewinnt, der den höchsten Kontostand aufweisen kann.

Börsenspiele werden von Banken und der Deutschen Börse angeboten, von Zeitungen oder natürlich auch von speziellen Broker-Plattformen im Internet. Die Spiele sind hauptsächlich dazu da, um Erfahrungen zu sammeln und aus den möglichen Handelsoptionen zu lernen. Klar, dass das sicherlich jedem Händler sehr viel Spaß macht, da es ja nicht um das eigene Geld geht, aber wenn es sich dann um virtuelle Gewinne handelt, dann hat man natürlich außer der gemachten Erfahrung auch nicht sehr viel davon. Es kommt dabei ganz auf das Börsenspiel und die angebotenen Gewinnchancen an. Anders sieht es natürlich bei den Meisterschaften im Trading aus.

 

Was sind die Trading-Meisterschaften?

Die Meisterschaften im Trading  sind noch verhältnismäßig neu.  Die Teilnahme ist nicht nur für Profitrader geeignet, sondern auch für Anfänger und Investoren. Bei der Deutschen Trading-Meisterschaft gibt es attraktive Geldpreise und natürlich auch einen wirklich tollen Pokal zur Erinnerung. Die Trading-Meisterschaften finden zweimal im Jahr statt und sind für die Teilnehmer kostenlos, sowie auch Brokerunabhängig. Das bedeutet, dass du dir selber einen Meta Trader Broker aussuchen kannst und dir dort ein gratis Demokonto anlegst. Zur Auswahl stehen dir dabei die Metatrader 4 oder 5 als Software, wobei es allerdings lohnenswert ist, sich als Einsteiger am Besten gleich für den Metatrader 5 zu entscheiden, da viele Anbieter mittlerweile schon auf diese neuere Version umsteigen und da angeblich auch der Support langsam eingestellt werden soll.

Du brauchst also nur ein kostenloses Demokonto und los geht es mit einem Startkapital von 10.000 Euro. Anschließend brauchst du dir dann nur die Deutsche Trading-Meisterschaft im Expert Advisor herunterladen, um unter Live-Bedingungen das Traden zu lernen. Traden lernen durch Börsenspiele ist also wirklich zu echten Konditionen möglich und auch Anfänger im Traden sind bei den Meisterschaften herzlich willkommen.

Das Interessante an diesen Tradingspielen ist, dass im April der Forex-Handel im Vordergrund steht und dann im Oktober der Dax30, also der Handel vom Deutschen Leitindex. Dadurch hat man dann natürlich gerade als Anfänger die besten Chancen, von beiden Optionen zu lernen, da beispielsweise nicht jeder Trader eine geschickte Hand für Forex hat oder umgekehrt.

 

Fazit

Traden lässt sich also wirklich „spielerisch“ lernen, da man bei den Meisterschaften oder natürlich auch bei den anderen Börsenspielen einen praxisnahen Bezug aufbauen kann um damit einen klaren und notwendigen Überblick zu erhalten. Anfänger im Traden sollten sich allerdings erst einmal etwas näher mit diesem Thema beschäftigen, um wenigstens Kurse im Auge behalten zu können und gegebenenfalls auch die notwendigen Analysen und die wichtigsten Trading-Strategien schon im Vorhinein zu kennen. Mit diesen Kenntnissen lohnt sich dann natürlich auch die Teilnahme an den Meisterschaften, da du sicherlich bei jeder neuen Runde sehr viel dazulernen wirst, was das eigentliche Ziel an einer Teilnahme für Einsteiger sein sollte. Aber je mehr du dann durch das Börsenspiel dazulernst, desto näher rücken dann natürlich auch die attraktiven Gewinnchancen in Höhe von mehreren Tausend Euro, wobei sich das Mitmachen dann natürlich gleich doppelt lohnen sollte, vor allem dann, wenn man selbst außer Zeit und sicherlich auch sehr vielen Nerven, nichts anderes riskieren muss. Übrigens merkst du dann auch, ob du überhaupt für das Traden geeignet bist oder nicht, da dies auch ein sehr wichtiger Faktor für den erhofften Erfolg ist.

Philipp Egger ist ein professioneller Redakteur und ein erfahrener Content Manager bei Essayhilfe. Sie können auch ihn direkt über Facebook erreichen.

by Sep 02, 2017 1 Kommentar
Was globale Champions von Preußens Soldatenkönig lernen können

Was globale Champions von Preußens Soldatenkönig lernen können

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Verrufen, von Experten abgeschrieben, peinlichst genau in ihrer Direktive – und doch gibt ihnen der langfristige Erfolg recht! Das haben globale Weltmarken wie McDonald’s, Nestlé oder Tesla und der ehemalige preußische König, Friedrich Wilhelm I., gemeinsam. Wie der preußische König mit seiner Engstirnigkeit und seinen Prinzipien ein Vorbild für die großen Konzernmarken gewesen sein könnte, erkläre ich euch in diesem Artikel.

Friedrich Wilhelm I., König von Preußen (auch Soldatenkönig genannt) von 1713 bis 1740 – der wohl meist geschasste König der Geschichte. Verrufen von etlichen Historikern als Tyrann und Despot gegen jedermann, der mit seiner Prügelsucht nicht einmal vor seinem Sohn, Friedrich dem Großen, Halt machte und seinen besten Freund vor seinen Augen hinrichten ließ. So blieb Friedrich Wilhelm den meisten in Erinnerung.

Mit seiner Herrschaft bekam der Name Preußen in den Herrscherhäusern einen donnernden Klang. Mit ihm wurde in Preußen alles anders. Opern, Theater, prunkvolle Schlösser – das alles gehörte nun der Vergangenheit an. Von nun an hieß es „cito, cito“ (schnell, schnell). Gehorsam, Fleiß und Pflichtgefühl, Gerechtigkeit Ordnung und Sauberkeit – wehe dem, der unpünktlich war oder sich dem Gehorsam dieses Herrschers widersetzte. Prügel oder der Tod waren die Folge. Die Menschen wurden mit dem Prügelstock erzogen. Preußen prinzipientreu, Preußen erbarmungslos. Er war der erste König, der sich regelmäßig wusch und war für seine Zeit besonders untypisch – kein Prunk & keine Gloria mehr, es zählte der schlichte Soldatenrock.

Und doch war der eigenwillige Herrscher stets davon überzeugt, in seinem Wahn das Beste in Gottes Namen zu vollrichten: „Wenn ich baue und verbessere das Land und mache nicht gute Christen, so hilft mir alles nichts.“ Ein Zeitzeuge notierte in seinem Tagebuch: „Die Zucht macht Leute und die preußische ist herrlich!“ Und ein weiteres Prinzip setzte sich durch, für das der Herrscher fünf Minuten nach seines Vaters Tod besonders gefürchtet war: „Plus machen!“ Kein Budget durfte überschritten werden, er kürzte den Hofetat um 80 %, feuerte beinahe das gesamte Hofpersonal. Er sprach mit Bauern an Märkten, um den tatsächlichen Marktpreis zu erfahren. Sollten seine Köche teurer einkaufen als es der Markt verlangte, musste man selbst für die Differenz aufkommen. Wenn er auf Jagd war und seine Frau, Sophie Dorothea, danach Geld beanspruchte, musste sie Kosten übernehmen. Soweit, so gut. Nur was hat das mit globalen Champions zu tun?

In der Tat sehr viel. Viele große Marken wurden deshalb groß, weil sie sich an ähnliche Prinzipien klammerten wie Friedrich Wilhelm I. Während dieser von der Notwendigkeit von christlichen Nachfahren sprach und der toleranteste König seiner Zeit war, ist es heute die nachhaltige Führung von Großkonzernen, die langfristigen Erfolg erst möglich machen. Dafür beispielgebend sind u. a. große Marken wie McDonald’s, Nestlé oder auch Tesla.

McDonald’s – prinzipientreu cito, cito ins neue Image

Wer denkt, er könne hürdenlos Teil des Unternehmenserfolgs von McDonald’s werden, hat sich kräftig vertan. Um McDonald’s-Franchisenehmer werden zu können, bedarf es der Überwindung gewaltiger Hürden. Will man eine McDonald’s-Filiale gründen, so braucht man ein Mindesteigenkapital von € 250.000,-. Wer nun davon ausgeht, mit der Einhaltung dieser Kapitalvorschrift völlige Freiheit zu haben, hat sich gewaltig geschnitten: 5 % des Umsatzes müssen als Franchisegebühr und Werbung, die von McDonald’s vordefiniert wird, abgegeben werden, der Standort wie auch die Einrichtung werden von McDonald’s bestimmt, sowohl der Lebensmitteleinkauf, als auch die -haltung vor Ort folgt peniblen Standards. Man wird von Consultants regelmäßig kontrolliert, ob die verbindlichen Standards eingehalten wurden. (Ihr werdet unten einen Link zu einer Franchise-Broschüre finden.)

Was McDonald’s so ungemein erfolgreich und bei seinen Franchisenehmern berüchtigt macht, ist also die Einheitlichkeit, Ordnung und präzise Direktive, denen die Franchisenehmer und eigene Filialen standardisiert ohne Wenn und Aber zu folgen haben. Ausnahmen gibt es keine. Ähnlich ist das für Franchise-Interessierte für Kentucky Fried Chicken (KFC). Auch bei ihnen wird alles vorgegeben, der Franchisenehmer profitiert ausschließlich vom Markennamen. Beim Rest hat man kein Mitspracherecht. Folgt man diesen Regeln nicht, findet die Zusammenarbeit ein schnelles Ende. Dafür sind den Unternehmen die selbst eingesetzten Standards zu heilig. Die Analysten erwarten sinkende Umsätze, aber steigende Gewinne.

Welch großen Abgesang hat man nicht auf McDonald‘s gemacht. Erodierende Umsätze, schädliches Essen, uvm. Sieht man sich die Kurshistorie der Aktie an, ergibt das folgendes Bild:

Quelle: boerse.de

Mit dem neuen CEO, Steve Easterbrook, der seit März 2015 im Amt ist, kündigt sich ein neues Zeitalter des Unternehmens an. Man will mehr auf gesundes Essen wertlegen, den Bedürfnissen der Kunden stärker folgen und somit den Umsatzeinbußen entgegentreten. Seit seinem Amtsantritt beträgt die Performance + 52 % (Schlusskurs 30.08.2017).

Nestlé – Tradition behält bei dieser Kultmarke immer recht

Seit Jahren wird sich bei Nestlé darüber echauffiert, dass der Konzern nicht mehr genügend wächst und die verkrusteten Strukturen endlich aufgebrochen gehören. Diesen Aufbruch bezweckt nun der Hedgefonds Third Point mit seinem Milliardeneinstieg. Auch wegen renditesüchtiger Ausbeutung der Dritte-Welt-Länder wird Nestlé gemieden. Die Menschen würden sich nun gesunder ernähren wollen. Nestlé-Produkte würden diesem Trend nicht entsprechen. Zum Gegensteuern holte man den hochangesehenen ehemaligen Fresenius-Chef Ulf Mark Schneider, der mit seiner Expertise für Gesundheit für den Umbau des Konzerns sorgen soll. Der Konzern solle seine L’Oréal-Anteile verkaufen und sich endlich auf das rendite- und wachstumsträchtige Geschäft konzentrieren, sich nicht länger mit Stagnierern und Verlustbringern herumplagen.

Wie reagieren Analysten auf die aktuelle Situation? Mit Buy-Ratings! Seit 3. Juli gab es fünf Kaufempfehlungen von namhaften Analystenhäusern: Kepler Cheureux, Goldman Sachs, JPMorgan, UBS und Citgroup. Auch im Interview mit dem manager magazin (Ausgabe 8/2017) äußerte sich Schneider keineswegs beunruhigt. Er wolle keine Stagnierer und Verlustbringer abstoßen, die L’Oréal-Anteile nicht verkaufen oder die aktuelle Unternehmenspolitik verändern. Nestlé stehe für Erfolg, und das merke man vor allem dann, wenn man die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte betrachte. Der Kurs gibt ihm hierbei mehr als recht (+370,4 % seit 1. Januar 2000, exkl. Dividenden!):

Quelle: boerse.de

Tesla – gekommen, um die Automobil-Welt auf den Kopf zu stellen

Und auch der Tesla-Chef, Elon Musk, muss sich von Anlegerseite harsche Kritik gefallen lassen. Er halte weder seine Liefer- noch seine Zahlenprognosen ein, sei zwar am Puls der Zeit mit seinen Visionen, betreibe allerdings finanziell Harakiri. Apple stand einmal in einer ähnlichen Sackgasse. Von der Pleite bedroht, riss Steve Jobs das Ruder herum. Heute erinnert sich kaum mehr jemand daran. Doch Apple wurde einmal das Ende beschienen – bis, ja, bis ein sehr engstirniger Visionär die Verantwortung übernahm und den Konzern durch Disruption und Weitsicht zum größten Unternehmen der Welt führte. Apple hält den weltweiten Rekord für Jahresgewinne und besticht durch enorme Cash-Reserven und einem unbezahlbaren Premium-Markenimage. Das alles wurde in den letzten Jahren nur möglich, weil ein fokussierter Freak die Verantwortung übernahm und den Konzern nach seinem Willen ausrichtete. Ein Alles-oder-Nichts-Spiel, das sich aber mehr als auszahlte.

Menschen auf der Welt lieben ihn bis heute dafür. In der Firma selbst allerdings genoss er nicht bei jedem ein Top-Image. Er soll pedantisch und detailverliebt gewesen sein, nichts als seine Vision geduldet haben. Die Ähnlichkeiten sind frappierend. Auch Elon Musk schickt sich mit einer Vision an und will die Automobilindustrie revolutionieren. Für dieses anlageintensive Geschäft ist Geld nötig, viel Geld. Wenn man auf den Kurs dieser Revoluzzer-Aktie sieht, so merkt man, wie viel Freude die Anleger bisher mit der Aktie haben konnten: +1849 % seit 1. Juli 2010! Auch der Tesla-Konzern steht am Scheideweg. Sollte der Durchbruch gelingen, würde Teslas Burggraben kein Kapitalverbraucher mehr sein, sondern sogar dafür prädestiniert sein, Apples Marktwert-Benchmarks bei Weitem in den Schatten stellen. Musk steht für Kontinuität in seiner großen Vision und hat mit dieser die ganze Welt erobern können. Es könnte noch Jahre dauern, bis der Durchbruch gelingt. Zu diesem Zeitpunkt sollte man allerdings spätestens investieren, da der Konzern mit seiner Verweigerung des Outsourcings auch die Produktion in die eigene Hand nimmt, um die Revolution ausschließlich aus Teslas Hand passieren zu lassen.

 

Quelle: boerse.de

Ein Herrscher, dem viele Unternehmen zu folgen scheinen

Bei der Analyse der jeweiligen Unternehmens- und CEO-Situationen kann man Parallelen entdecken, die den Erfolg der großen Marken ausmachen. Während sich McDonald’s erfolgsgekrönte Unternehmenspolitik mit „Preußen prinzipientreu. Preußen erbarmungslos“ zu Friedrich Wilhelms Zeit sehr gut zusammenfassen lässt, hält sich auch Nestlé streng an die Unternehmenstradition. Ordnung, Plusmachen und Beständigkeit zeichnen den Konzern seit jeher aus. Es wäre wohl der perfekte Konzern für Friedrich Wilhelm I. gewesen, der nicht nur so gern aß wie kaum ein anderer. Er liebte auch beständigen, nachhaltigen Erfolg. Er ließ sich dabei nicht stören oder unterbrechen. Wie gesagt, so geschehen. Und auch Tesla stand zu Beginn für etwas völlig Friedrich Wilhelminisches: für Veränderung, für Revolution, für Revolution durch Erziehung. Der preußische Herrscher benutzte – wie damals leider üblich – die Gewalt, um Menschen einen (seiner Meinung nach) besseren Weg aufzuzeigen. Tesla argumentiert mit seiner Technologie. Auch dieser kann man sich nicht erwehren und sie wird die Zukunft. Ebenso wie Preußens Prinzipien schon bald für das Berliner Tempo, den Dessauer Marsch und die gefürchtetste Armee Europas sorgten. All diese drei Konzerne sind für den großen Erfolg bestimmt, wenn sie weiterhin den Prinzipien treu bleiben. Denn ob man diese nun befürwortet oder nicht – Preußen entwickelte sich fortan von einem kleinen Einsiedlerland zur größten Macht Europas und prägt die deutsche Kultur bis heute maßgebend. Wie weit der Erfolg dieser Konzerne noch gehen wird, ist nicht wesentlich. Man kann sich auf alle Fälle sicher sein, dass wir langfristig durch alle drei Unternehmen stolz in unser Depot blicken.

(Dieser Artikel wurde durch mein spezielles Interesse für die Geschichte Preußens und die Biografie Wolfgang Venohrs „Friedrich Wilhelm I. – Preußens Soldatenkönig“ und der Dokumentation „Preußen – Chronik eines deutschen Staates“ inspiriert.)

McDonalds Franchise Broschüre

by Sep 02, 2017 Keine Kommentare
Die 7 größten Fehler von Trading-Einsteigern

Die 7 größten Fehler von Trading-Einsteigern

Gastartikel

Trading ist in aller Munde. Anleger entdecken zunehmend den Handel mit Derivaten wie CFDs, Aktien oder Devisen. Denn klassische Anlagen werfen derzeit kaum Rendite ab. Wer jedoch falsch plant, riskiert beim Trading massive Verluste, die später nur schwer ausgeglichen werden können. Wir nennen deshalb nachfolgend die sieben schlimmsten Fehler, die Händler nach dem Einstieg begehen können.

Im ersten Schritt müssen zukünftige Trader natürlich einen seriösen Broker finden, der zu ihnen und ihren Zielen passt. Mit einem objektiven Brokervergleich gelingt die Auswahl schnell und transparent. Nach der Kontoeröffnung kann es dann im Grunde direkt losgehen. Wobei: Der erste potentielle Fehler, den Händler begehen könnten, ist zugleich auch der schlimmste.

Fehler 1: Verzicht auf eine gute Trading-Ausbildung

Händler sollten Trading nicht als Glücksspiel verstehen. Denn genau dies ist der Handel eben nicht. Portale wie tradenlernen.de helfen Einsteigern bei der Erarbeitung des erforderlichen Basiswissens, das es für den erfolgreichen Handelsstart unbedingt braucht. Nur wer weiß, worauf er oder sie sich einlässt, vermag angemessene Entscheidungen beim Handeln zu treffen, ohne dabei zu hohe Risiken einzugehen. Analytisches Geschick (fundamental wie charttechnisch) ist das A und O für erste schnelle Gewinne!

Fehler 2: Traden in schlechter Verfassung

Sie fühlen sich nicht gut und hatten einen schlechten Tag? Frust und Krankheit sind beim Trading generell keine guten Berater. Wenn sie sich physisch oder psychisch nicht gut fühlen, sollten Händler lieber eine Pause einlegen. Denn mangelnde Konzentration führt zu Nachlässigkeit. Auch ist der Handel nicht geeignet, um Stress abzubauen. Der Preis wäre einfach zu hoch, wenn falsche Entscheidungen getroffen werden. Auch aus reiner Langeweile sollte nie getradet werden!

Fehler 3: Zu engagierte Versuche, Verluste direkt auszugleichen

Kam es zu einem schmerzlichen Verlust, raten Experten zum Pausieren. Ruhe hilft, sich neu zu besinnen. Trader sollten nicht zu lange Verlusttrades hinterher trauern und diese vorschnell ausgleichen wollen. Hier ist es eher Zeit für einen analytischen Neustart. Fehler 3 ist dabei eng mit dem vierten großen Fehler von Einsteigerseite verbunden.

Fehler 4: Das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten

Anfänger neigen mitunter dazu, ihr eigenes Potenzial zu hoch einzuschätzen. Gemeint ist hier: Wer mehrere Trades mit einem Gewinn abgeschlossen hat, sollte sich nicht gleich mit echten Profis auf eine Stufe stellen. Manchmal ist es einfach Glück. Jeder Trade will neu und gewissenhaft geplant werden. Die Handelsstrategie muss immer wieder hinterfragt und notfalls überarbeitet werden, wenn die Märkte einen Wandel durchlaufen.

Fehler 5: Mit Kapital spekulieren, das unverzichtbar ist

Generell sollten Anleger und Trader möglichst nur mit Geld arbeiten, das sie nicht schon bald für andere Zwecke benötigen. Beim Trading ist dies besonders wichtig, weil im Grunde jederzeit ein Totalverlust droht. Trading-Gewinne sollten deshalb niemals fest eingeplant werden.

Fehler 6: Das Abweichen vom eigentlichen Trading-Konzept

Wer sich eine Handelsstrategie zurechtgelegt hat, sollte an dieser festhalten. Ein guter Tradingplan ist unerlässlich und sollte konsequent verfolgt werden. Nach einem Verlust ist dann immer noch Zeit für einen strategischen Wechsel.

Fehler 7: Verzicht aufs Tradingtagebuch

Egal wie sicher sich Einsteiger nach einigen Trades fühlen: Generell sollte ein Trading-Tagebuch geführt werden. Es hilft bei der Auswertung der Handelshistorie und ist die ideale Grundlage für die Entwicklung einer passenden Strategie. Dokumentieren Sie alle Entscheidungen! Manuell oder digital mit Hilfsmitteln, die viele Broker kostenlos bereitstellen.

 

 

by Sep 01, 2017 Keine Kommentare
Börsen Liga in der KW 28 (2017)

Börsen Liga in der KW 28 (2017)

Börsen Liga

28 Wochen wurden bereits gespielt. 24 werden noch folgen. Das 16-köpfige Teilnehmerfeld der dritten Saison der Börsen Liga hat etwas mehr als die Hälfte aller Wochen hinter sich. Wir blicken auf eine äußerst spannende Tabelle und berichten.

Wie die Liga funktioniert kannst du hier nachlesen. Jeder ist eingeladen kostenlos und freiwillig teilzunehmen.

Die Zertifikat- und Options-Händler führen die Liga (mal wieder) an. Titelverteidiger Michael behauptet seit Woche 2 die Spitzenposition in der Liga. Er kann derzeit auf durchschnittlich 1,9 Punkte pro Woche oder auch 15 aus 28 Wochen in denen er den MSCI World Index um mehr als 1% schlagen konnte zurückschauen. Doch das Verfolgerfeld rund um Rico, Manuel und das Contramo Vibrant Wikifolio sitzt Michael dicht im Nacken und lauert auf schwache Wochen.

Die Überraschung der bisherigen Saison ist Hans-Georg, welcher sich in seinen Werten im Vergleich zu den Vorjahren stark verbessern konnte und als Händler von Aktien und Zertifikaten sehr gut in der Liga positioniert ist. Zuletzt Federn lassen musste hierbei Mats, welcher noch vor wenigen Wochen auf Platz 5 stand. Doch zusammen mit Albert, dem Börsen Barometer- und Contramo Care Wikifolio ist der Druck auf Rang 5 groß und die träumerischen Blicke auf eine Position noch höher nicht unrealistisch.

Einen Hauch entfernt liegen Alex von Reich mit Plan und Dividendenalarm, das BeCapital Wikifolio, das WH Global Wikiflio, sowie Jonas und sein Wikifolio JfH Stock Trading. Dieses Feld performt mehr oder weniger ähnlich wie der MSCI World Index und konnte sich bisher noch nicht besonders hervorheben, um Ansprüche auf höhere Positionen anzumelden. Doch die Performance ist stabil und die Mehrheit der Wochen bringen auch diesen Tradern Gewinne ein. Doch ist “gut” genug für die Börsen Liga? In dieser Saison muss es scheinbar eher ein “herausragend” sein.

Wie auch schon 2016 schneidet das Health Care Wikifolio mittelmäßig ab. Direkt gefolgt wird dieses vom Erfolgreich Sparen Wikifolio, welches noch vor wenigen Monaten im oberen Drittel der Tabelle unterwegs war und derzeit einen kleinen Hänger durchmacht. Wer zuletzt lacht, der lacht am besten. Wir haben noch 24 Wochen zu gehen – es kann, nein, es wird noch viel passieren.

Schauen wir uns an, wer die meisten Wochen mit Gewinnen abschließen konnte, so erhalten wir folgendes Bild:

  • 70% – Barometer Wiki
  • 68% – Mats
  • 68% – Alex
  • 68% – BeCapital
  • 64% – WH Wikifolio
  • 64% – Rico
  • 63% – Mats
  • 61% – Manuel
  • 61% – Jonas
  • 61% – JfH Stock Wiki
  • 57% – Hans-Georg
  • 57% – Health Care Wiki
  • 55% – Contramo Care
  • 54% – Albert
  • 50% – Contramo Vibrant
  • 46% – Erfolgreich Sparen Wiki

Die Wikifolios Contramo Vibrant und Contramo Care wollen 2017 die Meisterschaft gewinnen. Die Chancen stehen dafür gut, immerhin kann Richard Kupfer mit seinem Contrarian Trading Model (ConTraMo) auf eine Hitrate von 100% zurückblicken.

by Jul 15, 2017 Keine Kommentare
Analyse der KW 27 (2017)

Analyse der KW 27 (2017)

BBarometer

Wie in der letzten Woche gedacht verfolgt der DAX nun in seiner Wochen-Performance das von mir so genannte “2-Prozent-Muster”.

Hierbei verbessert sich der DAX nach einer Woche schlechter als 2% in der ersten Folgewoche, um sich dann in der zweiten Folgewoche (diese Woche!!!) nochmals zu verschlechtern und dann in der dritten Folgewoche noch besser abzuschneiden als in der zweiten. Werden wir dann wieder Zugewinne sehen?

by Jul 08, 2017 Keine Kommentare
Die Bilanz-Blase

Die Bilanz-Blase

Gastartikel

Während Handel, Produktivität und Innovation schwächeln versinkt die Welt in günstigem Geld und keiner weiß wohin mit all dem Schotter. Nicht nur die Immobilienpreise und Aktienmärkte bewegenden sich wieder in schwindelerregenden Höhen – nein, auch der Markt für Übernahmen und Fusionen erreicht wieder Werte, vergleichbar zu 2006.

Der Handelsblatt-Artikel “Vorsicht, Bilanzdoping!” von Ulf Sommer (23.06.2017) bewegte mich dazu erneut einen Bericht zu diesem Thema verfassen: Es geht um die massiven Zukäufe und Fusionen (Mergers and Acquisitions bzw. kurz M&A). Der M&A-Markt boomt und macht dem Rekord-Jahr 2006 – dem Jahr vor der letzten große Krise – die Rekord-Volumina streitig. Und voraussichtlich wird auch 2017 neue Rekorde anvisieren.

Volumen und Anteil am globalen BIP des M&A-Marktes von 2000 bis 2015 (Quelle: credit suisse)

In meinem Beitrag “Die Start-Up-Blase – großer Hype um kleine Firmen” (15.02.2017) habe ich mich bereits mit dem M&A-Wahn beschäftigt. In diesem Beitrag hatte ich nach den Gründen des Übernahme-Booms gesucht und mich in Anlehnung an den genialen Artikel “The Unicorn Hedge” von Dave McClure (500 Start Ups/21.08.2016) darauf eingeschossen, dass bestehende Großkonzerne ihre veralteten und schwerfälligen Geschäftsmodelle durch Zukäufe innovativer und junger Start-Ups absichern (hedgen).

In Zeiten immer schnellerer Innovationszyklen kommen Innovationen nicht mehr von Siemens, Bayer oder Microsoft, sondern werden von Uber, SpaceX und anderen Start Ups entwickelt. Die Nachfrage nach diesen Innovationen ist groß und treibt die Bewertungen für kleine und mittelgroße Unternehmen an.

Die Anzahl von Unicorns, Start Ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, seit 2011.

Abschließend formulierte ich am 15.02.2017: “Die Frage ist: Sind die großen Hoffnungen und Erwartungen an die StartUps berechtigt und werden diese Nachziehen und die billionenschwere Einpreisung rechtfertigen – oder wird der Traum irgendwann jäh zerplatzen und mit ihm ein Billionenmarkt?”

Mit dieser Frage hat sich auch Ulf Sommer vom Handelsblatt beschäftigt: Was passiert mit den hoch bewerteten Zukäufen, welche in die Bilanzen der Großunternehmen einfließen?

Um sich dieser durchaus komplexen Thematik zu nähern, möchte ich weit am Anfang beginnen: Was ist Goodwill? “engl. für Geschäfts- oder Firmenwert . Dieser immaterielle Wert entsteht durch Unternehmenskäufe. Übernimmt ein Unternehmen einen Konkurrenten, muss das Management das Vermögen seiner neuen Tochter neu einschätzen. Lizenzen, der Fuhrpark, Immobilien – jede Position wird bewertet. Fällt der gezahlte Kaufpreis für das Unternehmen höher aus als das neu bewertete Vermögen, wird diese Übernahmeprämie als Goodwill in die Bilanz gebucht.” (Quelle: Börsenlexikon der ARD)

In den 2000er Jahren wurden viele Vorschriften und Gesetze in Deutschland an internationale Standards angepasst. So auch im Jahr 2004 der Umgang eines Unternehmens mit Goodwill. War ein Unternehmen zuvor noch verpflichtet den Goodwill eines Kaufs planmäßig und linear abzuschreiben, so geschieht dies nach IFRS-Standard nun nur noch außerplanmäßig und infolge eines unternehmensinternen Impairment-Tests.

Ein Schelm ist wer an dieser Stelle böses vermutet? Ganz im Gegenteil. Unternehmen schreiben den Goodwill tatsächlich kaum noch ab. Das ist verständlich – immerhin belasten Abschreibungen den Ertrag, welcher von Aktionären doch stets argwöhnisch kontrolliert wird. Kai Lehmann vom Flossbach von Storch Reaearch Institute fand in seiner ausführlichen Analyse “Die Goodwill-Blase” (28.04.2015) heraus, dass seit 2005 kaum noch Abschreibungen auf Goodwill stattgefunden haben:

Mit 12,0 bzw. 5,1 Milliarden Euro entfielen etwa die Hälfte aller Impairments auf die Deutsche Telekom und Eon. Lässt man diese beide Unternehmen aus der Betrachtung heraus, dann ergibt sich bei den übrigen 28 DAX-Konzernen eine durchschnittliche Abschreibung auf Goodwill von nur 25 Millionen Euro pro Firma und Jahr. Bedenkt man, dass im gleichen Zeitraum jeder DAX-Konzern durchschnittlich 2,6 Milliarden Euro Goodwill in der Bilanz trug, ist eine Nutzungsdauer dieses “Wertes” von etwa 100 Jahren zu unterstellen. Kurz: Am Goodwill wird festgehalten, anstelle diesen kaufmännisch korrekt anzupassen und abzuschreiben. Frei formuliert nach Kai Lehmann.

Und genau an dieser Stelle möchte ich mit der Bilanz-Blase genauer fortfahren: jährlich finden derzeit zwischen 5 und 6 Billionen Euro an Transaktionen am M&A-Markt statt. Es wird gekauft, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Die immer schneller werdenden Innovationszyklen zwingen träge Großkonzerne zu Zukäufen. Zudem ist Geld günstig. Die Refinanzierung von Mega-Deals oder auch zahlreichen Zukäufen ist aktuell günstiger denn je. Und so steigen neben den Umsätzen auch die Schulden bei den Unternehmen der Leitindizes weltweit auf Rekordhochs. So stieg der Schuldenstand der DAX30 Konzerne zuletzt 2016 auf 611 Milliarden Euro.

Viel Geld fließt in Übernahmen. Der Übernahme-Boom treibt die Bewertungen am Markt in schwindelerregende Höhen. Mittlerweile ist es Gang und Gebe am M&A-Markt das 15, 20 oder gar 25-fache des EBITA zu bezahlen. Ein Investition, welche sich erst nach 25 Jahren refinanziert haben wird – wer macht so etwas noch in Zeiten von Innovationszyklen, die zwischen 2 und 5 Jahren liegen? Überraschend viele …

Fleißig verbuchen die Konzerne hierbei den Goodwill. Das Handelsblatt recherchierte, dass die DAX30 mittlerweile 267 Milliarden Euro Goodwill angehäuft haben. Merkst du es? Die 1,1 Billionen Marktkapitalisierung bzw. die rund 750 Milliarden Euro Eigenkapital der DAX30 beinhalten fast 300 Milliarden Euro mitgeschleppte Bewertungsfantasien. Hierbei handelt es sich um eine Blase in den Bilanzen der Großkonzerne. Nicht nur in Deutschland: Beispielsweise in den USA schieben die 30 größten Konzerne 500 Milliarden Euro Goodwill bei 1,5 Billionen Euro Eigenkapital vor sich her.

Mir drängen sich an dieser Stelle zwei Fragen auf:

  1. Stellen die Hohen Bestände an Goodwill-Werten in den Bilanzen der Großkonzerne eine Gefahr dar?
  2. Hat die fehlende Bereitschaft zur Abschreibung von Altlasten aus Übernahmen zu einer Verzerrung am Aktienmarkt geführt?

Nach Recherchen des Flossbach von Storch Research Institute machen derzeit rund 45% des Eigenkapitals der DAX30 Goodwill-Werte aus. Betrachtet man den Markt nüchtern mit einem oberflächlichen Blick, dann wirkt das Verhältnis von 750 Milliarden Euro Eigenkapital zu einem Schuldenstand über 610 Milliarden (weniger als 50% der Bilanzsumme der DAX30 sind Schulden) erst einmal recht moderat und gesund. Doch zu bedenken ist, dass 45% dieses Eigenkapitals Goodwill sind. Warum ist das wichtig? Der Goodwill ist kein materieller oder immaterieller Wert, welcher den Schulden gegenübersteht. Der Goodwill ist eine Bewertung, Meinung oder auch Erwartung. Sollte das gekaufte Unternehmen seinen Wert erhalten oder steigern, dann ist der Goodwill ein durchaus bilanzierbarer Wert. Doch sinkt der Wert des gekauften Unternehmens, dann ist das Eigenkapital an dieser Stelle größer (weil nicht abgeschrieben) als der eigentlich real noch vorhandene Wert.

Zuletzt erlebten wir dies bei Eon, welche den Wert der Kohle- und Gaskraftwerke in der Bilanz bis zum Verkauf bei 15 Milliarden Euro beließen. Mit dem Verkauf dieser Sparte, heute Uniper, fiel eine sofortige Abschreibung von 6,7 Milliarden Euro an und riss Eon in dem betreffenden Geschäftsjahr einen Verlust von fast 10 Milliarden Euro in den Jahresabschluss (siehe: “Eon am Boden” vom Handelsblatt).

Auch adidas könnte ein böses Erwachsen bevorstehen, sollte der Konzern sich zu einem Verkauf der notleidenden Marke Reebok entschließen. Der Sportartikel-Hersteller verzeichnet 1,4 Milliarden Euro Goodwill in seiner Bilanz. Das meiste dessen sollte auf die gekaufte Schuh-Marke Reebok entfallen, welche jedoch laut Marktinsidern imF alle eines Verkaufs weit weniger als eine Milliarde Euro einbringen sollte. Für adidas hätte dies eine sofortige Abschreibung von 300 bis 600 Millionen Euro zur Folge.

Die große Gefahr der Bilanz-Blase sind Abschreibungen. Sollte es zu einer Gesetzesänderung oder Krise mit folgend zahlreichen Verkäufen kommen, dann bereinigt sich das Eigenkapital der DAX30 um die nicht vorhandenen Werte. Im Strudel einer globalen Krise am Finanzmarkt könnte es zu einer Situation kommen in der Großkonzerne massiv Beteiligungen verkaufen (wie zuletzt Eon auf Grund der Energiesektor-“Krise”), um Verluste zu minimieren, Verantwortung abzugeben und Liquidität freizusetzen. Dies würde jedoch auch Abschreibung von 20 oder 30% des Goodwills nach sich ziehen. Wir sprechen hierbei von einer Summe von bis zu 80 Milliarden Euro – allein bei den DAX30.

Quelle: Finanzstabilitätsbericht 2016 der Bundesbank

Auf der anderen Seite besteht die Frage ob die fehlenden Abschreibungen nicht zu einer Verzerrung der Bewertung am Aktienmarkt geführt haben? Immerhin weisen die Großkonzerne eventuell mehr Eigenkapital aus, als diese tatsächlich besitzen. Auch ist die Verteilung von Schulden und tatsächlich belastbarem Eigenkapital (beispielsweise das Nettovermögen) eventuell wesentlich geringer.

Kai Lehmann fand hierbei in seiner lesenswerten Analyse “Die Goodwill-Blase” heraus, dass die DAX30 dank der neuen Standards ohne planmäßige Abschreibung des Goodwill von 2005 bis 2014 118 Milliarden Euro vor Steuern einsparten. Laut Lehmann wären allein 2014 die Gewinne der DAX30 durchschnittlich rund 460 Millionen Euro niedriger je Konzern ausgefallen. 20% weniger Ertrag – und das in einer Phase der sowieso bereits schwächelnden Konzernergebnisse.

Dieser Effekt ist aus meiner Sicht für die Börse durchaus relevant. Immerhin werden hier Werte ausgewiesen, welche auf Grund wenig transparenter Untersuchungen von außen nur schwer als richtig oder falsch erkannt werden können. Bei RWE, Thyssen Krupp, Eon, Pro7Sat1, Fresenius Medical Care, Merck, Fresenius und der Deutschen Post ist der Goodwill höher das Eigenkapital. Mit dem Übernahme-Boom und der fehlenden Bereitschaft Firmenwerte korrekt anzupassen weisen die DAX30 wahrscheinlich mehr Eigenkapital und Gewinn aus, als es tatsächlich der Fall ist.

by Jun 23, 2017 Keine Kommentare
Ist Trader gleich Trader?

Ist Trader gleich Trader?

Gastartikel

Ist Trader gleich Trader?

Die Trading-Szene in Deutschland kann eher als klein eingestuft werden. Laut Untersuchungen des CFD-Verbands (Interessenvertretung der Anlageklasse Contracts for Difference), gibt es hierzulande derzeit nur 140.000 Trading-Konten für CFDs und Devisen, wobei viele dieser Konten auch Zweit- oder Drittkonten sind. Demnach wird geschätzt, dass es etwa 50.000 – 60.000 aktive Trader in Deutschland geben könnte.

Hierbei wird zwischen sog. Retail Tradern und Institutional Tradern unterschieden. Bei Ersteren handelt es sich in der Regel um Privatleute, die an der Börse auf eigene Faust handeln. Institutionelle Trader gehören zur professionellen Kategorie der Banken, Fonds und Versicherungen.

 

David gegen Goliath

Wie im sportlichen Wettkampf sollte man die Stärken und Schwächen seines Mitstreiters kennen, um Chancen und Risiken seines eigenen Handelns richtig beurteilen und strategische Entscheidungen treffen zu können. Die größten Vorteile der Institutional Trader liegen auf der Hand:

  • In der Regel deutlich mehr Kapital
  • Optimale technische Ausrüstungen (Schnelle Internetleitungen, neueste Trading-Software)
  • Meist bessere Ausbildung und mehr Trading-Erfahrung
  • Research-Abteilungen und Zugang zu Finanzportalen wie Bloomberg und Reuters Eikon

 

Weicher Fall dank Outplacement Coaching

Es kommt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu, der in der Tradingpsychologie oft unterschätzt bzw. falsch eingeschätzt wird: Während private Trader offensichtlich freier sind in Ihren Investitionsentscheidungen, unterstellt man institutionellen Tradern aufgrund des Risikos die lukrative und vermeintlich sichere Festanstellung zu verlieren, automatisch eine weniger risikofreudige Trading-Strategie.

Wirft man jedoch einen genaueren Blick auf die Mechanismen des Arbeitsmarktes in der Banken- und Versicherungsbranche wird klar: Der „freie“ Fall endet meist weich, denn er wird durch attraktive Angebote der Unternehmen mit sogenannten Outplacement Beratungen sehr stark abgefedert. Dabei erhält der ausscheidende Mitarbeiter professionelle Unterstützung bei der beruflichen Um- oder Neuorientierung, oft sogar, je nach Beratervertrag, mit Job-Garantie. Die Konsequenz: Die erhebliche Verringerung der sozialen und finanziellen Folgen einer Kündigung.

Dokumentiert wurde das auch während der Finanzkrise (ab 2007), die zwar eine deutliche Mitarbeiter-Fluktuation in diesem Berufszweig, aber eben kaum arbeitslose Fondmanager/Trader in Frankfurt und anderen Finanzmetropolen hervorbrachte.

Die Vorteile von David

In der biblischen Erzählung vom Zweikampf des jungen David gegen einen riesigen Krieger Goliath (oder auch Goliat) tötet der vermeintlich schwächere und kleinere David den gewaltigen Gegner mit einer Steinschleuder. Die beste Investition für einen heutigen „Zweikampf“ privater Trader ist ohne Zweifel, die Investition in das eigene (Finanz-) Wissen, gepaart mit einer großen Kreativität, ganz frei vom Druck des Benchmarks.

 

by Jun 11, 2017 Keine Kommentare

Forex Trading oder Online Casino – was ist der Unterschied?

Gastartikel

Forex Trading oder Online Casino – was ist der Unterschied?

Forex Trading, also das Handeln mit verschiedenen Währungen, ist heute längst keine Beschäftigung mehr, die nur für professionelle Trader möglich ist. Über das Internet hat heute jeder private Anleger die Chance, sich bei einem Broker anzumelden und dort schon mit einem relativ kleinen Startkapital darauf zu setzen, dass eine bestimmte Währung im Vergleich zum US-Dollar oder zum Euro steigen oder fallen wird. Bereits sehr kleine Bewegungen können für hohe Gewinne sorgen, wenn man die Richtung, die der Kurs nimmt, richtig vorhergesagt hat. Dieser Markt ist jedoch sehr speziell, deshalb wird immer wieder davon gesprochen, dass es sich um ein reines Glücksspiel handelt.

 

Bei einem näheren Blick auf das Forex Trading wird man jedoch schnell feststellen, dass das nicht der Fall ist. Anders als in einem Casino gibt es hier keinen Hausvorteil, dem man nicht aus dem Weg gehen kann. Ein Broker kassiert für den Handel zwar eine kleine Provision, diese wird allerdings dafür gezahlt, dass man die jeweilige Handelsplattform nutzen kann. Um einen Gewinn zu erzielen, muss sich der Kurs nur weit genug in die vorhergesagte Richtung entwickeln, schon hat man diese Provision wieder eingespielt. Beim Glücksspiel hängt das Resultat hingegen ausschließlich vom Zufall ab, auch wenn man diesen mit seinen eigenen Fähigkeiten ein wenig beeinflussen kann.

 

Wer mehr über Casinos im Internet erfahren möchte, sollte einen Blick auf einige der besten Gambling Seiten werfen, auf denen man für seine Registrierung oft sogar hohe Boni kassieren kann. Beim Forex Trading ist das nicht möglich, dafür muss man hier nicht gegen den Vorteil des Hauses antreten, sondern kann sich voll und ganz auf die Analyse des Marktes konzentrieren. Für den Verlauf von Währungen spielen viele Faktoren eine Rolle. Dieser Markt ist sehr politisch, da sich Entscheidungen von Parlamenten oder Präsidenten schnell in den Kursen niederschlagen. Darüber hinaus spielen auch Faktoren wie die Höhe der Zinsen oder die Lage der Wirtschaft eine wichtige Rolle.

 

Wer beim Forex Trading erfolgreich sein möchte, sollte sich deshalb zunächst einmal einen genauen Überblick über den Markt verschaffen. Es lohnt sich durchaus, sich auf ein bestimmtes Währungspaar zu konzentrieren und dann alle wichtigen Nachrichten zu diesen Währungen zu sammeln. Dabei spielen internationale Medien wie die New York Times oder der Guardian eine ebenso wichtige Rolle wie die Finanzpresse, also Veröffentlichungen in der Financial Times oder im Wall Street Journal. Darüber hinaus sollte man über einen längeren Zeitraum beobachten, wie sich bestimmte Nachrichten auf den Kurs einer Währung auswirken.

 

Wer mit dem Forex Trading beginnen möchte, kann natürlich erst einmal über ein Demokonto handeln. Das ist wiederum ganz ähnlich wie in einem Casino im Internet, in dem man ebenfalls erst einmal eine kostenlose Version der verschiedenen Spiele ausprobieren kann. Auf diese Weise muss man nicht von Beginn an das Risiko eingehen, sein eigenes Kapital zu verlieren, während man zugleich ein Gefühl für den Markt bekommt. Das echte Trading ist dann besonders spannend und man sollte ausreichend Zeit einplanen. Schon kleine Ausschläge der Kurse können schließlich zu hohen Gewinnen oder Verlusten führen.

by Jun 01, 2017 Keine Kommentare
Praktische Anwendung der DOW-Theorie  [Folge_#02]

Praktische Anwendung der DOW-Theorie [Folge_#02]

Analysen

“Eine Anwendungsvariante der DOW Theorie zum Identifizieren konkreter Handelssignale in einer mehrteiligen, detaillierten Schritt für Schritt Anleitung.”


Was bisher geschah…

In Folge 1 wurden bereits die Grundsätze der Handelsstrategie festgelegt und auf deren gedanklichen Ursprünge eingegangen. Weiters haben wir unter Zuhilfenahme der DOW-Theorie das 1. Kriterium überprüft und positiv bestätigt, dass sich der zu handelnde Basiswert in einem übergeordneten Aufwärtstrend befindet (siehe u.a. Folge_01, Baseline Pkt. b.).

Vorschau

In dieser Folge werden wir einen kleinen Zwischenschritt einlegen und den vorherrschenden Trend und das Kursniveau-Umfeld visualisieren bzw. qualifizieren. Auch wenn dies dann wohl erst frühestens in Folge 3 erfolgen wird, erarbeiten wir mit den nachfolgenden Arbeitsschritten die Basis für Zielkurs- und CRV-Annahmen. Ergänzend hierzu werden wir den Output dann auch als Kriterium für ein probates Money- und Riskmanagement heranziehen.

2. Bestimmung der Hoch- und Tiefpunkte

In Folge 1 haben wir erkannt, dass sich ein neues Höheres Hoch (HH) ausbildet, nachdem das Kursniveau des letztgültigen Hochs übertroffen wurde. Zwischenzeitlich hat sich der Kurs noch weiter erhöht und somit wird auch das HH mit jeder noch höheren Kurskerze angepasst. Nachdem der Kurs nun mittlerweile eine “signifikante” Abwärtsbewegung vollzogen hat, kann man das zwischenzeitliche HH als gültig annehmen und folgt nun dem abwärts laufenden Kurs, der Raktionsbewegung. Zur Erinnerung, das sich gerade ausbildende (vermeintliche) Höhere Tief kann erst “verlässlich” bestimmt werden, wenn wiederrum das aktuell gültige Höhere Hoch übertroffen wird.

3. Das Umfeld qualifizieren

Untergeordnet zur Trendbestimmung nach der DOW-Theorie kann man auch Trendlinien, -kanäle und Widerstands-/Unterstützungslevel berücksichtigen. Trendlinien werden eingezeichnet, in dem man zumindest zwei Tief- oder zwei Hochpunkte mit einer Linie verbindet. Per se sind diese daher diagonale Linien im Chart, die grobe visuelle Anhaltspunkte über die Trendrichtung und die vorherrschende Trendstärke geben. Im Gegensatz hierzu werden Widerstands- und Unterstützungslevel als horizontale Linien/Zonen/Marken bestimmt und signalisieren jene Kursniveaus, an denen der Kurs auffällig oft reagiert, z.B. ein Rücksetzen von einem bisheriges ATH.

In der Regel sollte man zum Erfassen und Einzeichnen solcher Orientierungen jenen Zeitinvertall wählen, den man auch zum Trading nutzen möchte (in unserem Fall somit H1). Man sollte sich auch ein wenig Historie mit anzeigen lassen und ruhig ein, zwei Schritte vom Monitor zurück machen … und damit eine Art Vogelperspektive wirken lassen. In unserem Beispiel “ghosten” wir auch ein wenig die Darstellung des Aufwärtstrends auf Tagesbasis, um davon nicht zu sehr abgelenkt zu werden.

Wir zeichnen nun Trendlinien, Unterstützungen und Widerstandsniveaus ein. Allgemein kann man festhalten, dass die Verlässlichkeit von Trendlinien zunimmt, wenn diese vom Kurs oft angelaufen wurden und von dort wieder abprallten. Weiters steigt gewöhnlich die Relevanz mit zunehmendem Bestand, also wenn eine Trendlinie über längere Zeit hinweg besteht.
Als Hilfestellung habe ich auch einige typische Kurs-Reaktionen mit Pfeilen im Chart eingezeichnet.

 

Betrachtet man nun den Kursverlauf fällt eine gewisses Gleichmäßigkeit der Entwicklung der Höheren Hochs auf, auch scheinen diese halbwegs parallel zu der untersten Trendlinie zu verlaufen.

Wir erweitern somit die außen/unten liegenden Aufwärts-Trendlinie zu einem Trendkanal und ziehen dessen obere Begrenzung in die Region der Höheren Hochs.

In diesem Fall passt der Trendkanal wirklich erstaunlich gut und uns liegt nun eine Indikation der weiteren Entwicklung des Aufwärtstrends vor. Wie eingangs erwähnt, ist so ein Trendkanal keineswegs verbindlich, er bildet aber zumindest eine Basis um eine Annahme bevorstehender Kursbewegungen zu treffen.

Man sollte auch ruhig einmal den Versuch wagen, einen Trendkanal in die Vergangenheit zu verlängern. Manchmal muss man erkennen, dass dessen Entwicklung bereits deutlich länger andauert, was wiederum seine Relevanz erhöht.

Ergänzende Informationen:
– Wird eine Unterstützung oder ein Widerstand nachhaltig durchbrochen, so ändert sich seine Funktion. Eine Unterstützung wird dann somit zu einem Widerstand bzw. vice versa.

– Es ist essenziell wichtig die Aussagekraft von charttechnischen Linien und dem vorherrschenden Trend korrekt einzuordnen. Die Trendrichtung und der -bestand wird ausschließlich von der Bestimmung gem. DOW-Theorie abgeleitet. Ein Bruch einer Trendlinie oder eines Trendkanals hat keine bemerkenswerte Relevanz. Sie lässt bestenfalls frühzeitige Schlussfolgerungen über die Verfassung des Trends zu, zum Beispiel ob die vorherschende Trendstärke eher rückläufig ist oder eher zunimmt.


Fortsetzung folgt …

by Jun 01, 2017 Keine Kommentare
Praktische Anwendung der DOW-Theorie  [Folge_#01]

Praktische Anwendung der DOW-Theorie [Folge_#01]

Analysen

“Eine Anwendungsvariante der DOW Theorie zum Identifizieren konkreter Handelssignale in einer mehrteiligen, detaillierten Schritt für Schritt Anleitung.”


Prolog

Das Gebiet der Technischen Chartanalyse wirkt gerade auf Einsteiger beinahe grenzenlos. Selbst wenn man eher esoterisch anmutende Techniken beiseite lässt, verläuft man sich trotzdem sehr schnell in einer großen Menge unterschiedlicher Indikatoren, deren vermeintlich profitablen Kombinationen, Kursformationen, Candlestick-Pattern, Elliott-Waves und vielem anderen mehr .. Und all dies möchte man auch tiefgründig studieren. Schließlich scheint es doch so unglaublich verlockend, diese eine perfekte Technik zu finden, die immer funktioniert und die am laufenden Band perfekte Trades produziert… meist mündet dies jedoch in eine fruchtlose Suche nach dem Heiligen Gral.

Dabei verhält es sich beim Trading sehr ähnlich, wie auch in vielen anderen Lebensbereichen … Weniger ist oft mehr.

Begibt man sich auf die Suche nach den Anfängen der Charttechnik, stößt man unweigerlich auf einen gewissen Mr. Charles Henry Dow, er war wohl der Pionier und Begründer der modernen (westlichen) Charttechnik. Nachdem ich mich mit seinen Theorien und deren Anwendung eingehender beschäftigt hatte, kam ich zu der Erkenntnis, dass sehr viele mir bereits bekannter Charttechniken eigentlich auf dessen Grundlagen beruhten. Ich beschloss somit kurzerhand, mich primär auf diese Quelle der Technischen Analyse zu fokusieren und konnte damit meine Trading deutlich verbessern. Seit damals verfolge ich daher einen Kiss-Ansatz (“Keep It Simple Stupid”) und habe meine charttechnische Analyse auf das wirklich Notwendige beschränkt, ohne damit die Analysequalität zu reduzieren.

Natürlich erfordert auch die folgende charttechnische Anwendung der DOW-Theorie ein gewisses Maß an Können und Erfahrung, sie als”leicht” zu bezeichnen, wäre sicher verfehlt. Doch werden Sie anhand des nachfolgenden Beispiels und der schrittweisen Erläuterungen wahrscheinlich feststellen, dass die Technische Analyse/Charttechnik nicht zwingend so kompliziert und aufwändig sein muss, wie manche Schulungsanbieter und Coaches es so gerne suggerieren.

0. Baseline

Eine wirklich verlässliche und genaue Vorhersage zukünftiger Kursentwicklungen ist faktisch unmöglich. Die Technische Analyse kann diese jedoch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit prognostizieren, zeigt Szenarien und mögliche Handelsmarken auf.

Ergänzend hierzu schaffen wir  grundlegende Rahmenbedingungen, die diese erhöhten Wahrscheinlichkeiten noch zusätzlich positiv beeinflussen können.

Konkret erreichen wird dies indem wir

  • .. einen Basiswert mit ausreichender Liquidität wählen, der in einem politisch und wirtschaftlich möglichst stabilem Land angesiedelt ist und markttechnisch eine hohe Diversifizierung aufweist.
    Fazit: Aus diesem Grund wählen wir als Basiswert z.B. den DAX®.
  • .. das kapitalistische Primärziel aller im Index enthaltenen Unternehmen berücksichtigen, nämlich den (Kurs-)wert der Aktiengesellschaft zu steigern und möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Diese Bestrebung der einzelnen Unternehmen reflektiert auch die mittel-/langfristige positive Entwicklung des Index. Da man somit auch für die Zukunft tendenziell steigende Kursen unterstellen kann, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von längeren/stabileren/häufigeren Phasen steigender Kurse, als fallender Kurse.
    Fazit: Aus diesem Grund handeln wir Long-only.
  • .. berücksichtigen, dass die Trendstabilität i.d.R. mit größeren Kursintervallen zunimmt. Gleichzeitig reduziert sich aber i.d.R. die Richtungsintensität in höheren Kursintervallen. Wir entscheiden uns daher für einen Zeitintervall, der bereits einen etwas ruhigeren Verlauf aufzeigt und trotzdem ausreichend Handlungsmöglichkeiten bietet, um eine höhere Performance als die durchschnittlichen ~7% p.a. zu erwirtschaften.
    Fazit: Aus diesem Grund wählen wir z.B. einen Stundenintervall, wir handeln also im H1-Chart.

 

1. Bestimmung der übergeordneten Trendrichtung

Laut Baseline haben wir festgeschrieben nur Long zu handeln. Um die Wahrscheinlichkeit steigender Kurse zu erhöhen, setzen wir voraus, dass sich der Wert auch übergeordnet in einem Aufwärtstrend befinden muss.

Weiters haben wir beschlossen im H1-Chart zu handeln, daher wechseln wir für die Bestimmung des übergeordneten Trends auf die Ansicht des Tagesintervalls (D1).
Ein Aufwärtstrend besteht aus einer Sequenz Höherer Hoch- (HH) und Höherer Tiefpunkte (HT).

In diesem Beispiel liegt somit ein aktiver Aufwärtstrend vor, welcher so lange besteht, bis das Kursniveau des letzten Höheren Tiefpunktes nach unten durchbrochen wird.

Ergänzende Informationen:
Mit dem Bruch des Kursniveaus des jeweils letzten Hochpunktes bildet  sich bereits gesichert ein neuer Hochpunkt  (dessen Höhe zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmbar ist). Der niedrigste Kurs zwischen den beiden Hochpunkten bildet ein neues Höheres Tief.
Manche Analysten zeichnen die Kursanstiege und -rückläufe mit Linien ein, um die Trendbewegung besser zu visualisieren.
Anstiege werden auch als Impulsbewegungen bzw. Rückläufe als Reaktionsbewegungen bezeichnet.

Typische “Fehler”:
Für einen klaren Trend sollte ein jeweils neues Höheres Hoch immer “signifikant” höher liegen, als das davorliegende.
Auch sollte eine gewisse Range zwischen den Hoch- und den Tiefpunkten liegen. Bei einer eher geringen Volatilität können sich durchaus problematische Situation ergeben (siehe z.B. die Marktphase Mitte März). Generell ist man in solchen Fällen gut beraten, bei der Bestimmung neuer Höherer Tiefpunkte die retriktivste der möglichen Varianten zu wählen. Also jene, die das neue HT auf dem niedrigsten Kursniveau belässt.

 


Fortsetzung folgt …

by Mai 18, 2017 Keine Kommentare

Warum Binäre Optionen besser sind als echte Wertpapiere

Gastartikel

Warum Binäre Optionen besser sind als echte Wertpapiere

Der klassische Handel mit Wertpapieren eignet sich nicht immer für die Geldanlage. Als langfristige Option können die Aktien zwar schon gewinnbringend sein, aber auch da nur bedingt, denn der Handel mit Wertpapieren birgt viele Risiken. Mit binären Optionen haben Anleger dagegen die Möglichkeit, in kurzer Zeit ihr Vermögen aufzubauen – und relativ risikofrei.

Die Anlageart ähnelt den Glücksspielen oder Sportwetten im Internet, die auf casino.com.de angeboten werden, aber mit dem Unterschied, dass bei den binären Optionen Börsenerfahrungen und Kenntnisse in der Finanzwelt notwendig sind. Trotzdem, der Handel mit binären Optionen ist beliebt. Das liegt vor allem an der Einfachheit der Regeln sowie an den geringen Einstiegs- und Einsatzhürden. Sprich, für Zocker mit geringem Budget sind die binären Optionen ideal geeignet.

Warum sind binäre Optionen besser?

Bei den binären Optionen sind die Spielregeln schnell und einfach von jedem zu verstehen und bedürfen zudem nur wenig Startkapital. Bei den Aktien muss mehr Geld investiert werden. Zudem ist die Rendite bei Wertpapieren oft geringer als beim Optionshandel. Ebenso ist der finanzielle Verlust, den Anleger mit Wertpapieren erleiden können, größer. Bei binären Optionen ist es zudem möglich, schnell extrem viel Geld zu gewinnen. Anders als bei den klassischen  Wertpapieren, wissen Anleger zudem schon im Vorfeld, welchen Gewinn oder Verlust sie mit einer binären Option machen werden, und können daraufhin entscheiden, ob dieses Angebot akzeptabel ist.

Wie funktionieren binäre Optionen?

Für Casino Liebhaber, Zockernaturen und risikofreudige Menschen mit kleinem Budget sind die binären Optionen reizvoll. Wie beim Glückspiel stehen die Chancen auf Gewinne bei 50 zu 50. Das Trading hat nämlich ein bisschen mit Glücksspiel zu tun. Die Erfolgsquote lässt sich aber mit entsprechender Erfahrung erhöhen. Sie liegt dann bei weit über 50 Prozent. Wichtig beim Handel mit binären Optionen ist eine Analyse der Kursentwicklung. Anders als beim Roulette wird nicht zwischen zwei Optionen entschieden, sondern ebenso eine Beobachtung des Markts durchgeführt. Mit Binären Optionen werden in der Regel Aktien, Rohstoffe, Indexe oder Währungen gehandelt. Zur klassischen Variante zählen die Call- und Put-Optionen. Wie gesagt, es wird immer der Kurswert verglichen. Wenn der Anleger glaubt, dass der Kurs eines Wertes zum Beispiel eines Rohstoffes am Ende des Tages höher als beim Einstieg sein wird, wird auf die Call-Option Geld platziert. Geht man aber von einem fallenden Kurs bis zum Tagesende aus, wird die Put-Option verwendet. Der Einsatz lässt sich individuell festlegen. Wobei in der Regel ein Mindesteinsatz vorgegeben ist. Dieser ist allerdings nicht wirklich hoch. Die Laufzeit beträgt in der Regel einen Tag. Sie ist aber auch kürzer möglich, sodass man auf Kursveränderungen der nächsten fünf Minuten ebenso wetten kann. Wie sich der Kurs während der Laufzeit entwickelt, ist unerheblich. Wichtig ist nur, dass der Kurs am Ende Laufzeit so ist, wie es der Anleger zuvor getippt hat – also höher oder niedriger.

Fazit:

Binäre Optionen sind simple aufgebaut und ermöglichen nur zwei Wahlmöglichkeiten. Sie lassen sich schnell und einfach platzieren. Sogar per App. Gewinne mit hoher Rendite sind bei steigenden und fallenden Kursen möglich und die Einstiegsbeiträge sind gering. Deshalb ist der Optionenhandel lohnenswerter als der Wertpapierhandel, der kein Eingreifen bei einer negativen Entwicklung ermöglicht und zudem hochspekulativ ist. Fundiertes Hintergrundwissen ist aber bei beiden Finanzinvestitionen notwendig.

by Mai 13, 2017 Keine Kommentare
Analyse der KW 17 (2017)

Analyse der KW 17 (2017)

BBarometer

Ob das Allzeithoch am 6. April 2015, das Halbjahreshoch am 18. April 2016 oder das neue Allzeithoch vom 24. April 2017. Ewig grüßt das Halbjahres-, Jahres- oder Allzeithoch im April. So auch im April 2017. Diesmal in der Kalenderwoche 17. In dieser Woche stieg der DAX dynamisch um 3,2% und zeigt den weltweit großen Indizes weiterhin die Rücklichter.

Ein Mix aus positiven Unternehmens- und Konjunktur-Daten, einer anziehenden Inflation (wirtschaftliche Normalisierung) und der Erleichterung über die Dominanz eines mit Macron gemäßigten Kandidaten in der ersten Wahlrunde der französischen Präsidentschaftswahl schoben den DAX auf ein neues Allzeithoch.

Weiterhin bleibt es eine spannende Situation. Der Druck auf die EZB, zu handeln, wächst. Die FED steht vor ihrem nächsten bedeutenden Termin. Und die französische Stichwahl steht kurz bevor. Die politisch getriebene und seit August 2016 in einer stark bullischen Rallye befindlichen Börse wird reagieren – aber wie?

Im BBarometer erkennen wir zwei Dinge: Der DAX schneidet die Performance der Anleger von unten nach oben und erreicht einen Wert von mehr als 2%!

Schnitt der DAX die Performance der Anleger von unten nach oben, dann war dies bisher immer ein Signal gewesen, dass der DAX in den kommenden 7 bis 14 Tagen wieder eine schwächere Performance aufweisen würde.

Auf der anderen Seite ist das stärkere Signal die 2% Hürde. Hier erkennen wir im Chart ganz deutlich, wie sich die Performance des DAX nach einer solchen bullischen “Übertreibung” immer mehr als halbierte. Durchschnittlich performte der DAX in der Folgewoche eines solchen Anstiegs zwischen 2,5 und 3,5% schlechter. Somit würde der DAX in der kommenden Woche um den Nullpunkt tendieren.

Das passt in den Kontext der vergangenen Monate. Zu erkennen war eine politische Börse welche vor politischen Einflüssen seitwärts tendierte, dann kurz zwischen 2 und 5 Tage reagierte und dann immer befreit zur nächsten Rallye ansetzte. Eine eher seitwärtsgerichtete Phase mit leichten Gewinnen oder Verlusten in der kommenden Woche wäre durchaus vorstellbar.

by Apr 30, 2017 Keine Kommentare
Vorteile von Kreditfinanzierungen

Vorteile von Kreditfinanzierungen

Gastartikel

Vorteile von Kreditfinanzierungen

So gut wie jeder Mensch hat Wünsche und Träume – manche sind einfach zu erfüllen, bei anderen sieht es schon schwieriger aus. Zum Beispiel dann, wenn es um eine höhere Anschaffung geht und das notwendige Kleingeld nicht vorhanden ist. Natürlich ist es dann möglich, auf den Traum zu sparen, allerdings gibt es eine Alternative: die Finanzierung mit einem Kredit.

Diese Voraussetzungen muss der Kreditnehmer erfüllen

In vielen Fällen kann sich der Traum nur mit einer Finanzierung erfüllen. Besonders dann, wenn es um größere Anschaffungen geht, etwa einen Neuwagen oder eine Immobilie. Mit einer Kreditfinanzierung ist es möglich, sich viele Träume zu erfüllen. Dies muss noch nicht einmal teuer sein, denn inzwischen gibt es einige Online-Plattformen, wie zum Beispiel die von smava, die Kredite im Vergleich gegenüberstellen und so auf einen Blick die günstigsten Konditionen offenbaren. Damit es mit dem Kredit klappt, muss der Kreditnehmer kreditwürdig sein und über eine gute Bonität verfügen.

 

 

Vorteile von Kreditfinanzierungen

Oftmals sind Kreditfinanzierungen die einzige Möglichkeit, um sich überhaupt etwas leisten zu können. Manche Menschen müssen selbst kleinere Anschaffungen, wie zum Beispiel den neuen Fernseher oder die Waschmaschine, per Ratenzahlung begleichen. Dadurch ist eine große Flexibilität gegeben und die Anschaffungen sind sofort möglich, ohne darauf hinsparen zu müssen. Geht es um eine größere Anschaffung, wie zum Beispiel einen Immobilienerwerb, ist es hier sogar möglich, über eine Kreditfinanzierung auch eine Förderung zu erhalten. Unter Umständen bezuschusst der Staat solch einen Kredit.

Mit einem Kredit kann der Kreditnehmer sich seinen Kaufwunsch erfüllen oder eine Investition tätigen und ist dadurch liquide. Außerdem gibt es noch weitere Vorteile, wie zum Beispiel bei einem Autokauf. Nimmt der Kreditnehmer den Kredit bei einem anderen Kreditinstitut auf und nicht bei der Hausbank des Autohändlers, dann kann er oftmals bei Barzahlung des Fahrzeugs einen Rabatt aushandeln. Im Idealfall liegt dieser sogar über dem Zinssatz, den er für den Kredit zahlt. Auch dann, wenn es darum geht, einen alten Kredit mit hohen Zinsen abzulösen, kann der Darlehensnehmer mit dem Kredit sogar sparen. Nämlich dann, wenn der Zinssatz des neuen Darlehens unter dem des alten Kredits liegt.

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by Apr 28, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Gastartikel

Stell dir vor du kaufst deinen Eltern zum Hochzeitstag eine Tulpe. Tulpen sind wahrlich schöne Zierpflanzen. Aber kannst du dir vorstellen, dass du dir mit dieser Tulpe vor einigen hundert Jahren in Amsterdam die prächtigsten Häuser in der Innenstadt hättest kaufen können? Eine Zwiebel, deren Wert sich teilweise im Jahr verzehnfachte?

Im 17. Jahrhundert erlebte die Niederlande ihr goldenes Zeitalter. In der Seefahrt setzten sich die niederländischen Kompanien durch. Wirtschaftlich und finanziell war die Niederlande ein wichtiges Zentrum Europas. Aber auch kulturell gab das kleine Land den Takt vor. Man schätzt, dass damals rund 700 Maler rund 70.000 Gemälde im Jahr fertig stellten. Das hat kein anderes Land, nicht Italien und auch nicht Frankreich, in anderen wichtigen Kunst-Epochen geschafft. Die Niederlande erlebte Fortschritte im Wohlstand, in der Technik, Forschung, Bildung, Kultur und auch der Finanzbranche.

Gerissene Händler entwickelten schnell zahlreiche Finanzprodukte. Die Börse erlebte einen schnellen Aufstieg. 1602 wurde die erste Aktiengesellschaft der Welt gegründet (hier nachzulesen). Um 1613 wurden die ersten separaten Gebäude für den Börsen-Handel errichtet. Der Handel mit Wertpapieren war attraktiv und die Menschen erkannten die neuen gigantischen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Viel Geld strömte im goldenen Zeitalter in die Niederlande und auch an deren Börse. So platzte 1643 die wohl erste Blase der Geschichte. Wie kam es dazu?

Preisentwicklung der teuersten Tulpe der Welt zwischen 1623 und 1637

Die seit dem 15. Jahrhundert aus Persien, über das Osmanische Reich und Wien nach Europa gelangte Blume „Tulpe“ genoss ein hohes Ansehen in den Niederlanden. Wo wir heutzutage ein teures Auto vor dem Haus stehen haben, um unseren Wohlstand zu präsentieren, dort pflanzten die Niederländer damals Tulpen im Vorgarten an. Diese neue und exotische Blume wurde intensiv gepflegt und gezüchtet, getauscht und gehandelt. Bald schon existierten rund 800 verschiedene Sorten. Die dekorative Pflanze erlangte immer mehr Aufmerksamkeit und die Nachfrage stieg. Das rief Spekulanten auf den Plan, welche an diesem Handel und der steigenden Nachfrage verdienen wollten.

Nachdem Tulpen zuvor im Sommer nach der Ernte gehandelt wurden eröffnete die Börse neue Möglichkeiten. Die Händler gingen dazu über die Ernte bereits im Winter zu kaufen, wenn die Tulpen noch in der Erde wuchsen. Man kaufte sich mit Börsen- bzw. Termin-Kontrakten die Ernten des nächsten, übernächsten oder über-übernächsten Jahres spekulativ und hoffte auf seltene und begehrte oder viele Zwiebeln. Bauern ließen dazu Kupferstiche mit Bildern der Tulpen anfertigen. In Börsen-Gebäuden und Schankhäusern fanden dann Versteigerungen statt. Der Parkett-Handel entstand. Der Handel der Ernten wurde immer größer und intensiver. Das lockte auch Spekulanten an. Wo zuvor vor Allem Händler handelten, welche dann auch die Ernte einstreichen wollten, dort boten nun auch Spekulanten mit, welche kein Interesse an der Ernte oder den Tulpen hatten, sondern ihr Recht auf bestimmte Ernten mit steigenden Preisen noch vor dieser Ernte weiterverkaufen wollten.

Viele Innovationen sind seit 1602 am Finanzmarkt zu erkennen. Innovationen welche den Handel erleichterten, intensivierten und auch flexibler gestalteten. Wo zuvor lediglich Produzent und Händler agierten fanden sich nun neben eben jenen auch Spekulanten und Anleger aus der Bürgerschaft ein. Es strömte immer mehr Geld, Nachfrage und Aufmerksamkeit in den Tulpenmarkt. Und so blähte sich die Blase auf. Jeder rechnete mit steigenden Preisen und wollte selbst Terminkontrakte besitzen. So konnte der glückliche Käufer sein Kontrakt schon morgen für einen höheren Preis an den nächsten Spekulanten weiterverkaufen. Bürger nahmen all ihr Geld in die Hand und wetteten mit. Viele gelangten zu großem Wohlstand als sie plötzlich 10-Mal so viel verdienten, wie zuvor.

Für 2500 Gulden konnte man sich in den 1620ern eine Tulpe “Viceroy” oder … kaufen

Der Handel mit Tulpen wurde immer größer, immer schneller, immer komplexer. Es entstand ein Hype. Jeder wollte mitmachen. Jeder setzte sein Geld spekulativ ein. Jeder wollte reich werden. In dieser Form, als auch die einfachsten Bürger anfingen an der Börse spekulieren, erkennen wir auch die erste Hausmädchen-Hausse der Weltgeschichte. Um die Blase in Zahlen zu fassen: Die teuerste Tulpe aller Zeiten, die Semper Augustus, wurde 1623 für 1.000 Gulden je Zwiebel, 1624 für 1.200 Gulden (+20%), 1633 für 5.500 Gulden (+360%) und dann 1637 zum Zenit der Blase für unglaubliche 10.000 Gulden je Zwiebel gehandelt. Somit war eine Zwiebel dieser Sorte so viel Wert wie die teuersten Luxus-Häuser im Zentrum von Amsterdam. Ein weiterer Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Niederländers lag damals bei 150 Gulden im Jahr. Abgesehen von dieser extrem teuren Sorte wurden die meisten Sorten zwischen 10 und 100 Gulden je Zwiebel gehandelt. Doch auch hier stiegen die Preise rapide an. Der Preis der Tulpe Groot verdoppelte sich vom 28. Dezember 1636 bis zum 12. Januar 1637 von 0,07 Gulden auf 0,15 Gulden. Im gleichen Zeitraum explodierte der Preis der Sorte Switserts um das 12-fache von 125 auf 1.500 Gulden je Pfund.

Am 3. Februar 1637 dann platze die Blase. Bei einer Auktion in Haarlem konnte kein einziger Posten verkauft werden. Niemand war mehr bereit noch mehr Geld zu investieren. Mit der Spekulation hatte sich der Preis der Tulpen weit von deren fairen Wert entfernt. Diese Spirale der Spekulation funktionierte nur so lange, wie die Händler von steigenden Preisen ausgingen und somit bereit waren weiter zu investieren. Schlagartig wurde allen klar, dass die Preise zu hoch waren und der Crash war perfekt. Unzählige Bürger verloren ihr gesamtes investiertes Vermögen. Die Niederlande stand vor einem Dilemma: Die Tulpenindustrie war in den 15 Jahren des boomenden Handel enorm gewachsen. Nun gab viele Spekulanten, welche ihr Terminkontrakt nicht mehr verkaufen konnten und somit die Pflicht wahrnehmen mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ernte zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Zu kaufen mit Geld, welches niemand besaß.

Die verschiedenen Gerichte in den Niederlanden handelten unterschiedlich. In einigen Regionen wurden die Terminkontrakte für ungültig erklärt, in anderen mussten die Händler Strafzahlungen an die Bauern entrichten oder tatsächlich die Verträge erfüllen und die Ernten kaufen. Die Niederländer hatten 15 Jahre der steigenden Preise, der großen Gewinne und des erfolgreichen Handels erlebt. Am Ende hatten sich die Preise teils verhundertfacht. Der Wert der Tulpen war überbewertet, es handelte sich um eine Blase, welche 1637 platze. Diese Blase, heutzutage bekannt als Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie, zeigt das leichtsinnige und verrückte, aber auch irrationale und irreale Handeln von Spekulanten auf. Es war eine Blase und Spekulations-Hysterie wie im Lehrbuch.

by Apr 11, 2017 Keine Kommentare
Analyse der KW 14 (2017)

Analyse der KW 14 (2017)

Analysen

Den Markt in Short in einem Bullenmarkt zu handeln ist riskant. Seit August 2016 schieben die Bullen die Märkte mit unglaublicher Konzentration und Unnachgiebigkeit voran. Diesen Markt antizyklisch zu shorten bedeutet die Seite des David einzunehmen und gegen Goliath anzutreten. Das sahen auch andere Händler und kritisierten “Direkt bärisch würde ich diesen Markt nicht gehen” oder “Viel Spaß beim Geld verbrennen“.

Trotz des Risikos wurde das Signal “DAX Short” gehandelt. Signal ist Signal. Auch ein Bullenmarkt braucht Verschnaufpausen und steigt nicht Woche für Woche pausenlos. Und so kam es auch. In dieser Woche dann ließ der Druck der Bullen nach und der DAX fiel um 0,9%.

Weiterhin erfreut sich das BBarometer einer Quote von 100% zutreffenden Signalen in diesem Jahr. Nach einem eher ruhigen Start lohnte sich das konzentrierte Abwarten. Die Anzahl der Signale nimmt zu …

In mehreren Teilverkäufen konnte die DAX Short Position mit 0,62 bis 1,99% Gewinn aufgelöst werden. Schritt für Schritt wurde die Gewichtung täglich verringert. Insgesamt steht nun am Ende der Woche eine Steigerung der Depotsumme im Wikifolio um 0,8% zu Buche.

Du bist neu und kennst das BBarometer nicht? Hier haben wir dir dieses genauer erklärt!

Wie in der Analyse letzte Woche beschrieben (hier nochmal nachzulesen), hatten sich die deutschen Bullen mit über 2% Zugewinn in nur 5 Handelstagen etwas übernommen. Auch hatte der DAX sich konträr zu den übrigen großen Indizes entwickelt. So hatten Dow Jones und andere Leitindizes seit Anfang März eher an Stärke verloren – der DAX legte jedoch einen kleinen Sprint hin. Hier stand bereits die Frage im Raum, ob sich die großen Indizes dem DAX angleichen würden oder, wie sonst auch immer, der DAX sich wieder den anderen Märkten. Zweiteres scheint derzeit zumindest zuzutreffen.

Nun ist das Short Signal durch und die Position wurde glatt gestellt. Wer aufmerksam den Handel im Wikifolio beobachtet hat, der konnte erkennen, dass bereits am Freitag eine kleine DAX Long Position aufgebaut wurde. Diese steht bereits selbst mit +0,9% im Gewinn.

Gedanke dieses Handels war es jedoch sich bereits für die kommende Woche zu positionieren. Meistens kamen die Bullen nach dieser Verschnaufpause wieder zurück. Wurden letzte Woche die Kanonen übermütig leer geschossen, so wurden sie in dieser wieder nachgeladen. Für die erneute Offensive der Bullen in der kommenden Woche habe ich mich wieder auf die andere Seite der Front gestellt. Diesmal möchte ich lieber mit Goliath sein, anstelle gegen diesen.

Der DAX ist derzeit wieder im Zick-Zack-Kurs unterwegs. Erwartete wird ein leicht steigender DAX in der kommenden Kalenderwoche 15.

by Apr 08, 2017 Keine Kommentare
BRD soll an die Börse gehen

BRD soll an die Börse gehen

BSatire

Es könnte der größte Börsengang der Geschichte werden. Die Bundesrepublik Deutschland soll noch im Sommer sein Börsendebut bestreiten. Initiiert wird der Börsengang durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA möchte im Zuge der unter Donald Trump begonnen Umstrukturierungen seine im zweiten Weltkrieg und anderen Kriegen erhaltenen Ländereien, Besitztümer und Unternehmen veräußern. Die Einnahmen aus den Teilverkäufen sollen der Schuldentilgung dienen.

Die Bundesrepublik Deutschland wird derzeit bei einem Bruttoinlandsprodukt von 2 Billionen Euro mit einem Wert über 5 Billionen Euro bewertet. Die USA möchte ihren Anteil an der Deutschland GmbH (zukünftig dann Deutschland AG) auf 30% senken und durch den Verkauf 3,5 Billionen Euro erhalten.

Die Tochtergesellschaften der föderativen Bundesrepublik bleiben vom Börsengang größtenteils unangetastet. Insider berichten jedoch über Verhandlungen zwischen den USA und Frankreich für einen Börsengang der Tochtergesellschaft „Saarland“ und einer Übernahme der Anteile durch Frankreich.

Verkauft werden sollen 100 Milliarden Aktien zu je 35€. Interessiert am Kauf größerer Aktienpakete sind Katar, welche zukünftig der größte Aktionär sein könnten, und Griechenland, welche nach attraktiven Anlageformen für die durch Deutschland überwiesenen 100 Milliarden Euro Rettungsgelder suchen.

Unklar ist noch, ob es im Zuge des Börsengangs zu Umstrukturierungen beim Personal kommen wird. Die 80 Millionen Beschäftigten der Deutschland GmbH könnten leer ausgehen. Eine Dividende möchte Deutschland jedoch trotz Rekordgewinnen nicht auszahlen, ließ Finanzminister Schäuble jüngst mitteilen.

Die Deutsche Börse prüft derzeit, ob eine Aufnahme der BRD in den deutschen Leitindex DAX in Frage kommt.

by Mrz 29, 2017 Keine Kommentare
AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

Gastartikel

Globalisierung, Internet und ein fortschreitender technologischer Wandel haben den Wohlstand, den Bildungs- und Gesundheitszustand global in kurzer Zeit wesentlich verbessert. Die mit diesem Fortschritt einhergehenden Nebenwirkungen führen jedoch zu einem gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel.

Auf Grund der Globalisierung stehen Unternehmen und Arbeitnehmer mittlerweile weltweit im Wettbewerb miteinander. Gewinner der Globalisierung sind jene, welche ihre Arbeitsleistung oder ihr Kapital global-diversifiziert anbieten und anlegen können. Mit dem Internet veränderte sich auch die mediale Nutzung. Geschehnisse, beispielsweise in Vorderasien, fühlen sich heutzutage für in Deutschland lebende Personen auf Grund höherer Mobilität und schnellerer Berichterstattung näher und gefährlicher an als früher. Die Geschwindigkeit technischer Entwicklung und Veränderung hat zugenommen. Benötigten die Industrienationen im 20. Jahrhundert noch über 30 Jahre, um das nationale BIP zu verdoppeln, so werden beispielsweise Indien und China dies im 21. Jahrhundert in weniger als 20 Jahren umsetzen können. Zusammenfassend führt die globale Vernetzung dank technischem Fortschritts gesellschaftlich zu einer gefühlten Instabilität, Schnelllebigkeit und Ohnmacht.

Im Kontext dieser tiefgreifenden Veränderungen suchen wir nach Stabilität, Halt und Alternativen. Die 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) spricht genau jene Wünsche von Teilen der deutschen Wählerschaft an. Die AfD ist politisch rechts neben der Union und als rechtspopulistisch einzuordnen. Umfragen erwarten, dass 10 bis 20% der Wähler überlegen die AfD zu wählen. Doch was sind die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland?

AfD wählen – Vorteile

  • Populistische Parteien können auch ohne Regierungsbeteiligung großen politischen Einfluss ausüben. Grund ist, dass alle anderen Parteien reagieren und sich politisch nach rechts bewegen, um den Verlust von Wählern zu vermeiden. Der AfD eine Stimme im Bundestag zu geben wird dementsprechend auch die politische Ausrichtung der zukünftigen Regierung beeinflussen.
  • Die AfD leistet sich viele Patzer im politischen Alltag. Da es sich jedoch um eine junge Partei handelt besteht natürlich ein Lernprozess. Die AfD wächst mit ihren Aufgaben und könnte sich mit etwas Zeit vom Sorgenkind der deutschen Demokratie zu einem Bestandteil der Opposition entwickeln.
  • Die AfD nutzt den Politikstil ‘Populismus’. Hierbei tritt die Partei als Gegner der bestehenden Eliten und eigentlicher Vertreter des Volkes auf. Populisten greifen meist die Meinung verschiedener Bevölkerungsgruppen auf und vertreten diese Lautstark. Die AfD könnte der Stimme des Volkes im Bunddestag Nachdruck verleihen.
  • Es ist ein Phänomen der Verhaltenspsychologie (‘Eisverkäufer am Strand’), dass sich Unternehmen auf der Suche nach Kunden und Parteien auf der Suche nach Wählern möglichst mittig positionieren, um die Wähler links wie auch rechts anzusprechen. Konsequenz ist, dass sich viele Parteien inhaltlich angeglichen haben. Die AfD tritt als Alternative auf und bietet tatsächlich auch einen anderen Weg und andere Inhalte,

AfD wählen – Nachteile

  • Zu viele Köche verderben den Brei. Mit der Bundestagswahl 2017 könnte der deutsche Bundestag aus bis zu 6 Parteien bestehen. In der deutschen parlamentarischen Demokratie müssen sich jedoch Koalitionen bilden und Mehrheiten finden. Ist der Bundestag dann noch regierbar oder wird der politische Alltag noch zäher und schwerfälliger werden?
  • Die AfD führt den demokratischen Diskurs ad absurdum. Auf komplexe Probleme gibt es keine einfachen Antworten. Dies suggeriert die AfD jedoch. Auch besteht der schrille rhetorische Politikstil aus haltlosen Anschuldigungen, unnötigen Beleidigungen, Missachtung von Regeln und Grundsätzen und dem Ignorieren von Kompromissen, Prozessen und Argumenten der Gegenseite.
  • Im postfaktischen Zeitalter gibt es mehrere Realitäten und Wahrheiten. Die AfD steht für alternative Fakten bzw. Lügen. Sachverhalte werden verdreht, erfunden und gelogen. Ein solches Verhalten könnte die deutsche Politik hemmen und erschweren. Auch der Wähler wird belogen.
  • Die AfD ist keine nationalsozialistische Partei und greift nicht das “Erbe” des Nationalsozialismus auf. Dennoch ist sie als Partei des rechten politischen Lagers anfällig für Personen mit nationalistischen und noch schlimmeren Gedankengut. Es gibt durchaus Personen in den Führungskreisen der Partei, welche fragwürdiges Gedankengut besitzen. Ob eine Partei im Bundestag vertreten sein sollte, bei welcher unklar ist, ob sich diese rechtspopulistisch oder rechtsextrem positionieren wird, ist fraglich. Der Rechtskonservative Flügel “Weckruf 2015” um Bernd Lucke trat bereits aus.
  • Populistische Parteien sind eher kurzfristig orientiert. Es geht nicht um langfristige Veränderungen oder konstante Arbeit, sondern um möglichst schnelle Machtergreifung und Machterhalt. Die AfD reagiert sprunghaft einhergehend mit der Stimmung der Wählerschaft. Politik sollte jedoch sachlich und unaufgeregt agieren. Die AfD steht für unsachliche, instabile und emotional hergeführte Politik.
  • Als populistische Partei bekennt sich die AfD natürlich zu Demokratie und Grundgesetz. Doch wie steht es wirklich um diese Ambition? Die AfD lehnt den Islam ab, was bereits gegen das Grundgesetz der Religionsfreiheit steht. Auch verweigert die AfD mit anderen Parteien zu koalieren, was dem Gedanken der parlamentarischen Demokratie widerspricht.

AfD wählen – Auswirkungen auf Deutschland

Die AfD feiert als eine Art chauvinistische Partei aktuell viele Erfolge und zog in zahlreiche Landtage bereits ein. Der Wunsch nach “den guten alten Zeiten”, Verlangsamung, gewisser Abschottung gegenüber dem Weltmarkt und einer Rückkehr zu mehr Ruhe, Übersicht und gefühlter Stabilität treibt viele Wähler an die Alternative für Deutschland zu wählen. Die AfD bricht mit dem festgefahrenen politischen Alltag und tritt schrill und laut für ein anderes Konzept ein.

Die AfD bringt Lügen, unbegründeten Hass und Rassismus in die Politik ein. Noch ist unklar wie extrem diese Ausrichtung sein wird. Nach dem Abtreten des rechtskonservativen Flügels um Bernd Lucke besteht derzeit noch ein Disput zwischen dem rechtspopulistischen Flügel um Frauke Petry und den Hardlinern und dem Nationalismus nahestehende Personen. Rechtspopulismus hat Vorteile und Nachteile. Ein erstarkender Rechtsextremismus würde Deutschland definitiv schaden.

Die AfD bricht die politische Landschaft auf und bringt Emotionen und Bewegung in den politischen Alltag. Die Gefahr von auf Lügen, sprunghaftem Populismus und Hass basierender Politik ist für unsere parlamentarische Demokratie jedoch sehr groß. Die Stimme der AfD wird auch auf Bundesebene Gewicht erlangen. Doch wie stark die Stimme sein wird liegt auch an dir. Wir hoffen die zusammengestellten Vorteile, Nachteile und möglichen Auswirkungen der Entscheidung die AfD zu wählen haben dir geholfen. Wir freuen uns auch auf deine bereichernden Kommentare.

by Mrz 25, 2017 Keine Kommentare
Die Fibonacci Trading Analyse: Sind Fibonacci Retracements sinnvoll?

Die Fibonacci Trading Analyse: Sind Fibonacci Retracements sinnvoll?

Analysetechniken

 

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen unsere Ergebnisse einer statistischen Analyse zu dem Thema: Fibonacci Trading.

Wir werden in diesem Artikel nicht auf die Grundlagen der Fibonacci-Zahlenreihe eingehen und wir werden auch nicht einen Grundlagenkurs eröffnen. Jeder der sich die Basics zu dem Thema Trading in Verbindung mit Fibonaccis aneignen will, der findet eine Menge Content auf anderen Blogs oder Informations-Websiten.

Wir wollen uns hier zu der Fragestellung äußern, ob Trading mit Fibonaccis tatsächlich funktioniert oder ob man, wie auch im Falle der Dojis, man der selektiven Wahrnehmung zum Opfer fällt.

Wir sind der Meinung: Nein. Fibonacci Trading funktioniert nicht. Zumindest defintiv nicht so, wie es in der Börsen-Literatur definiert wird.

Wir werden nicht nur erläutern, in welchen Fällen ein Fibonacci-Retracement funktioniert, sondern auch in welchen oder in wie vielen Fällen er auch nicht funktioniert. Das ist nämlich der Punkt, den die Meisten weglassen.

Es ist nämlich von ungeheurer Wichtigkeit zu erkennen, wann eine Methodik nicht funktioniert, anstatt sich nur darauf zu fokussieren und sich eventuell einzubilden, dass die Trading-Systematik funktioniert.

In unserer Analyse wurden insgesamt 665 Trends auf dem Tages-Chart ausgearbeitet. Davon sind 251 Trends aus dem Dax-Markt, 154 aus dem EUR/USD Markt und 261 aus dem Gold-Markt.

Im Dax-Markt begannen wir den ersten Trade im Jahr 1991 auszuzählen, während wir im EUR/USD- und dem Gold-Markt ab dem Jahr 1993 begannen.

Wir haben uns für den Trend auf Tages-Basis entschieden, da in der „Community“ dieser Trend als der stabilste gezählt wird. Obwohl wir in unserer Artikelreihe „Statistische Markttechnik“, das Gegenteil bewiesen haben.

Beginnen wir erstmal mit der Vorgehensweise unserer Analyse.

 

Die Vorgehensweise der Fibonacci Analyse

Wie sind wir die Analyse nun angegangen?

Zu Anfang möchten wir gerne erwähnen, dass wir die Fibonacci Retracements dazu verwendet haben, um den Handel aus der Korrektur zu tätigen. Es existieren definitiv mehrere Möglichkeiten die Retracements zu verwenden. Wir sind aber Trendhändler und haben uns somit für diese Variante entschieden. Es ist auch wohl die gängigste Verwendung von Fibonacci Retracements.

Somit haben wir es für uns ganz simpel gemacht. Wir haben zuallererst einen Trend identifiziert. Fand in diesem Trend eine Korrektur statt, wurde das Fibonacci Retracement an vom Tief bis an das Hoch der Bewegungs-Phase angesetzt und es wurde analysiert, ob die Korrektur-Bewegung auf ein Fibonacci-Retracement reagiert hat.

Für diese „Reaktionen“ haben wir uns eine Systematik ausgedacht. Die Reaktionen auf die Retracements wurden entweder mit einer 0, einer 1 oder einer 2 markiert.

Eine 0 besagt, dass die Korrektur-Phase ein Fibonacci Retracement komplett ignoriert hat.  So sieht, beispielsweise, eine „0“ aus:

 

 

Wir können, im blau markierten Bereich, erkennen, dass sowohl der Docht, als auch der Spike der Kerze unterhalb des 23,6%-Fibonacci Retracements liegt. Das wäre ein schönes Beispiel für eine „0“ aus unserer Analyse.

Eine 1 steht dafür, dass die Korrektur-Phase zwar eine Reaktion am Fibonacci Retracement gezeigt hat, die nächste Korrektur-Bewegung daraufhin aber das Fibonacci Retracement gebrochen hat. Mit einer „Reaktion auf das Fibonacci Retracement“ meinen wir, dass der Markt einen Spike auf dem Niveau des Fibonacci Retracement getätigt hat, der Körper der Kerze aber oberhalb/unterhalb des Fibonaccis liegt.

Hier ein Beispiel für eine „1“:

 

 

In der oberen Abbildung erkennen Sie nun ein Musterbeispiel für eine „1“ aus unserer Analyse. Die grüne Candle hat zwar auf das 23,6% Fibonacci Retracement reagiert, da wir einen Spike oberhalb des Niveaus haben, der Körper aber darunter geschlossen hat. Die nächste grüne Candle jedoch, wie man erkennen kann, reagiert nicht mehr auf das 23,6% Retracement.

Die „1“ ist das, was wir als ein Fehlsignal betiteln würden.

Und zu guter Letzt haben wir da noch die „2“. Die „2“ ist das, was wir als einen Treffer werten. Eine „2“ ist vom Aussehen her, genauso wie eine „1“. Nur dass eine „2“ dann auch im Nachhinein zu einer Trendbestätigung führt.

Hier ein Beispiel:

 

 

Im oberen Bild sehen wir nun, wie eine „2“ aus unserer Analyse aussieht. Hier können Sie deutlich erkennen, dass der Markt an dem 38,2% Retracement reagliert hat. Diese Reaktion führte daraufhin zu einer Trendbestätigung ohne ein weiteres Fibonacci-Retracement zu tangieren oder das 38,2% Fibonacci Retracement zu brechen.

 

Beginnen wir nun mit den Ergebnissen unserer Analyse.

Wir werden jeden Markt den wir aufgearbeitet haben einzeln analysieren und am Ende nochmal eine Analyse für alle Märkte zusammen.

 

Fibonacci Retracement Analyse: Der Dax-30

 

Wir haben nun die Vorgehensweise unserer Analyse erläutert. Erläutert wurde auch, was die genauen Ereignisse: 0,1 und 2 bedeuten. Somit können wir uns jetzt an die Ergebnisse des ersten Börsen-Marktes ansehen.

Wir werden Ihnen in der Analyse des Dax-Marktes noch expliziter unsere Vorgehensweise erklären und auch erläutern, welche Formeln wir verwendet haben um auf die Ergebnisse zu kommen. Somit wird der Dax-Markt am „längsten“ erläutert. Die Formeln und die Methodik sind bei den anderen zwei Märkten identisch.

 

Hier ein grober Ausschnitt der Analyse des Dax-Marktes:

 

 

Sie können natürlich, rein von dem Bild, nichts erkennen. Dieses Bild soll aber aufzeigen, wie intensiv diese Recherche durchgeführt worden ist. Wer Interesse an der Original-Datei hat, der kann uns sehr gerne eine E-Mail (info@statistic-trading.de)  schreiben und wir würden Ihnen die Datei daraufhin zukommen lassen.

Fangen wir mit den grundlegenden, aber dennoch interessanten, Daten an.

 

Im Dax-Markt wurde, seit dem 01.01.1991, jeder Trend auf Tages-Basis analysiert. In Summe waren das 251 Trends. Hier die Ergebnisse:

 

 

Von diesen 251 haben somit 146 Trends einen Trend fortgesetzt, nachdem sich ein Trend etabliert hat und 105 Trends haben einen entstandenen Trend gebrochen ohne eine Trendfortsetzung durchgeführt zu haben.

Dieses Ergebnis spricht erstmal dafür, dass der Trendhandel einen statistischen Vorteil bietet. Also eine Trefferquote von über 50% aufweist. Deswegen lesen Sie das aber hier nicht. Interessanter wird jetzt die nächste Auswertung.

Und zwar dieser hier:

 

 

Diese Analyse gibt darüber Auskunft, zu wie viel Prozent ein Fibonacci Retracement Auswirkung auf eine Trendbestätigung hat. Wie Sie erkennen können, ist das Ergebnis weniger freudig.

Doch wie kamen wir auf dieses Ergebnis? Dazu müssen Sie sich vielleicht noch mal den Abschnitt mit unseren Ereignissen: 0,1 und 2 anschauen.

Um die Effektivität von Fibonacci Retracements auf Trends untersuchen zu können, haben wir eine Formel auf Excel entwickelt.

So sieht das Ganze dann aus:

 

 

Oben im Bild können Sie sowohl unsere Excel-Berechnungs-Formel erkennen, als auch ein Teil der Analyse.

In der Formel steht, einfach ausgedrückt, das hier: Wenn wir eine Trendbestätigung haben und es auch noch in einem der 6 möglichen Fibonacci Retracements eine „2“ vorgekommen ist, dann soll dort „Trend Positiv“ stehen. Tritt das gerade erklärte Ereignis nicht ein, soll dort „Trend Negativ“ stehen.

Somit ist nur ein Trend, der auch tatsächlich ein positives Ereignis an den Fibonacci Retracements getätigt hat, auch signifikant von einem Fibonacci beeinflusst worden.

Wir untersuchen hier ja immer noch die Signifikanz von Fibonaccis.

Wir erhalten somit das Ergebnis, dass nur 45,02% der Trends, auch signifikant von einem Fibonacci „vorhergesagt“ worden sind. In 54,98% der Trends erhielten wir ein negatives Ergebnis.

Wir können nun, nur aus dieser schnellen Analyse erkennen, dass die Fibonacci Retracements nicht Auskunft darüber geben können, wo ein Trend aufhört sich zu korrigieren und von wo er wieder anfängt die Bewegungs-Phase zu wechseln.

Einen statistischen Vorteil hat man dadurch auch nicht gewonnen.

Wir sind aber noch etwas weiter ins Detail gegangen und haben weiter untersucht. Wir haben uns hingesetzt und gefragt: Was können die Trader die tatsächlich mit Fibonacci Retracements traden noch für Fragen haben? Woran könnte es vielleicht liegen, dass unsere Analyse nicht anerkannt wird, weil wir, anscheinend, gegen einen Fibonacci Strom schwimmen?

Auf Grund dieser Fragen, haben wir für jeden Markt noch 3 weitere Extra-Analysen durchgeführt.

Die erste Extra-Analyse soll darstellen, wenn man sich ein System entwickeln würde, indem man IMMER bei einem bestimmten Fibonacci Niveau in den Markt geht und seinen Stop-Loss an den Tiefpunkt des Trends setzt. Mit dieser Analyse soll sozusagen das „beste“ Retracement dargestellt werden. Als Beispiel: Wir haben ein System entwickeln, wo wir IMMER am 50%-Fibonacci einstiegen sobald dieser berührt wird. Wir warten weder auf einen Rücksetzer oder darauf, dass der Markt oberhalb/unterhalb des Fibonacci Niveaus schließt.

Unsere zweite Extra-Analyse soll aufzeigen, wie ein Ergebnis aussehen kann, wenn wir nur Trades eingehen, die aufgrund von einem „1“-Ereignis geprägt sind. Als Beispiel wieder: Wir gehen nur in den Markt hinein, wenn der Kurs zwar eventuell oberhalb/unterhalb des Fibonacci Retracements spiked, aber der Körper dennoch oberhalb/unterhalb des Retracements schließt.

Und unsere dritte Extra-Analyse untersuchen wir, ob wir nicht der selektiven Wahrnehmung zum Opfer fallen.

 

Ergebnis der ersten Fibonacci-Extra-Analyse (Dax-30)

Zuallererst haben Sie hier die Abbildung der Analyse:

 

 

Wie schon erwähnt, erkennen Sie in der obigen Abbildung die Ergebnisse der ersten Analyse.

Die Tabellen sind unterteilt in „kein Trade“, „Positiver Trade“ und „Negativer Trade“. Und diese Ereignisse sind jeweils auf die Fibonacci Retracements analysiert worden.

Sie erkennen nun zum Beispiel, dass auf dem 50-% Fibonacci Retracement von 251 Trades 44 keinen Trade ergaben, 102 einen Trade generiert haben der positiv geschlossen wurde und 105 Trades die negativ geschlossen worden sind.

In der rechten Tabelle können Sie die prozentualen Werte ablesen. Somit haben wir eine 49%-ige positive Trefferquote bei dem 50%-Fibonacci. Ist jetzt nicht so beeindruckend wie wir finden.

Nur das 38,2% und das 23,6% Fibonacci Retracement haben einen statistischen Vorteil. Der Nachteil daran ist aber, dass auch diese Niveau-Punkte den geringsten CRV bieten. Da der Abstand zum Tief des Trends deutlich höher ist, als das Gewinn-Ziel am Hoch des Trends.

Man muss sich somit entscheiden, ob man eher bereit ist eine hohe Trefferquote zu haben oder ein höheres CRV.

Nochmal zur Anmerkung: Wir haben in dieser Analyse nur die Fibonacci-Retracements an sich getestet und keine Handelsstrategie darauf. Was man noch mit einem guten Risk- und Moneymanagement rausholen kann, ist eine andere Geschichte.

Aus dieser und aus der nächsten Analyse lässt sich noch ein sehr interessanter Schluss ziehen. Diese Erkenntnis hatten auch wir erstmal nicht auf dem Schirm. Haben diese aber, nach der Analyse, in unser Trading mit eingebaut. Dazu aber später mehr.

Sie können sich ja in Ruhe die Analyse-Ergebnisse anschauen und sich dazu Gedanken machen.

Kommen wir zur zweiten Extra-Analyse.

 

Ergebnis der zweiten Fibonacci-Extra-Analyse (Dax-30)

Hier das Ergebnis:

 

 

Im Vergleich zur ersten Extra-Analyse, steigen wir nicht immer bei einer Berührung in den Markt, sondern warten auf das Ereignis „1“.

Lesen Sie oben vielleicht noch einmal nach was die „1“ ist, damit Sie die Zahlen auch nicht falsch interpretieren.

Eine „1“ ist sozusagen ein Signal, dass uns von dem Börsen-Markt gegeben wird. Somit steigen wir nicht bei jedem Fibonacci-Niveau ein, sondern nur bei dem, bei dem es auch zu einem Signal kommt.

Aus den Ergebnissen können Sie nun erkennen, dass sich zwar die Tradefrequenz deutlich reduziert, aber dafür auch die Trefferquote ansteigt.

Das Ergebnis des 50-% Fibonacci Retracements steigt von 49% auf 51%. Die Anzahl der Trades verringert sich aber auf 55 Trades.

Interessant wird es, wenn man sich die Veränderung des 23,6% Retracements anschaut. Dort ist die Trefferquote auf satte 75% angestiegen.

Schauen Sie sich auch diese Tabelle in Ruhe an und untersuchen Sie, wie Sie diese Information verwenden können oder auch nicht verwenden können.

 

Ergebnis der dritten Fibonacci-Extra-Analyse (Dax-30)

Da nicht jeder Trader immer nur bei einem Retracement einsteigt, sondern höchstwahrscheinlich bei mehreren Retracements, haben wir die dritte Analyse gemacht.

In dieser Analyse geht es primär darum aufzuzeigen, wie viele Fehlsignale das Fibonacci Trading generieren kann. Es geht auch darum zu untersuchen, ob das Fibonacci Trading nicht der selektiven Wahrnehmung zum Opfer fällt. Denn immer, wenn man sich Trading-Bilder oder Trading-Webinare anschaut wo es um das Thema „Fibonacci-Retracements“ geht, erkennt man immer wieder, wie nur Charts aufgezeigt werden, bei dem der Markt perfekt am Retracement dreht. Und das immer und immer wieder. Fehlsignale gibt es wohl keine. Oder doch?

Schauen wir mal rein:

 

 

Was erkennen wir nun mit Hilfe der Abbildung? Wir erkennen eine Gesamtmenge von 1506. Wie kommt diese zustande? Wir haben 251 Trends. In diesem 251 Trends können, theoretisch, 6 Fibonacci Retracements berührt werden. Somit erhalten wir 251 x 6=1506   mögliche Berührungspunkte für ein Retracement.

Nun erkennen wir, dass 69,52 % aller möglichen Berührungspunkte entweder gar nicht berührt werden oder auch einfach ignoriert werden.

22,64% aller möglicher Punkte ergeben eine „1“. Somit findet dort zwar eine Reaktion auf das Retracement statt, aber nicht unbedingt auch eine Trendfortführung.

Und wir haben nur in 7,84% aller untersuchten Fälle ein Ereignis, was tatsächlich zu einer Trendfortführung führt.

Das ist ziemlich interessant und auch beeindruckend.

Glauben Sie, dass dieses Ergebnis nur so „semi-gut“ war, weil wir hier den Dax-Markt handeln und das Fibonaccis ja viel besser bei Rohstoffen oder bei Forex-Märkten funktionieren? Lassen Sie uns nun die anderen beiden Märkte anschauen.

In den nächsten zwei Märkten werden wir Ihnen nur die Analyse-Ergebnisse zeigen und etwas weniger kommentieren. Die Sinnhaftigkeit und die Vorgehensweise wurde, hoffen wir zumindest, in der Dax-Markt-Analyse verstanden, so dass wir in den nächsten Analysen uns das Tippen sparen können und so gut wie nur die Kennzahlen veröffentlichen können.

 

Fibonacci Retracement Analyse Forex: EUR/USD 

 

So wie der Dax-Markt analysiert wurde, so wurde auch der EUR/USD-Markt analysiert.

Im folgenden erhalten Sie die Ergebnisse der Analyse des EUR/USD-Marktes.

 

 

Im EUR/USD-Markt wurden alle Tages-Trends seit dem 01.01.1993 analysiert. Wie Sie in der obigen Abbildung erkennen können, hatten wir hier 154 Trends.

Von diesen wurden 84, und somit 54,55%, fortgesetzt und 70, also 45,45%, nicht fortgesetzt.

Aber bei wie vielen Trends war denn ein Fibonacci Retracement überhaupt signifikant?

Schauen wir rein:

 

 

In nur 65 Fällen hatten wir eine Übereinstimmung mit einem Retracement und einer Trendfortsetzung. In 89 Fällen hatten wir diese nicht.

Kommen wir jetzt zu den Ergebnissen der Extra-Analysen.

 

Ergebnis der ersten Fibonacci-Extra-Analyse (EUR/USD)

Gehen wir nun auch hier von einer Strategie aus, in der wir sofort einen Trade absetzen, wenn der Markt ein bestimmtes Fibonacci Retracement berührt. Welche Ergebnisse würden wir erhalten?

Wir erkennen auch im EUR/USD-Markt deutlich, dass je tiefer/höher der Markt an ein Fibonacci Retracement kommt, die Trefferquote deutlich fällt.

Solch ein Szenario konnten wir auch im Dax-Markt erkennen.

 

Ergebnis der zweiten Fibonacci-Extra-Analyse (EUR/USD)

Wie schaut jetzt das Ergebnis aus, wenn wir immer nur in einen Markt reingehen, wenn wir ein Signal erhalten, also eine „1“?

Hier das Ergebnis:

 

 

In der obigen Abbildung sehen Sie nun das Resultat. Das ist schon ein deutlicher Unterschied im Vergleich zur ersten Analyse vom EUR/USD-Markt.

Die Trefferquote vom 23,6%-Retracement ist deutlich angestiegen. Wobei der statistische Vorteil beim 38,2%-Retracement nicht mehr gegeben ist. Dies ist bei dem Ergebnis der ersten Analyse anders. Dort war der statistische Vorteil noch bis zum 38,2%-Retracement gegeben.

Schauen Sie sich ruhig die Statistiken an und finden Sie heraus, welche Informationen Sie für Ihr Trading verwenden können und welche nicht.

 

Ergebnis der dritten Fibonacci-Extra-Analyse (EUR/USD)

Kommen wir nun zu der dritten und letzten Extra-Analyse im EUR/USD.

Wie schaut hier denn nun die „Gesamtmarktlage“ aus?

 

 

Wir hatten im EUR/USD eine Gesamtmenge von 923 möglichen Trading-Situationen. Von diesen gab es in 62,41% der Fälle eine „0“ und somit wurde in 62,41% der Fälle entweder eine Fibonacci Retracement nicht berührt oder es wurde einfach in der Korrektur ignoriert.

In 30,55% der Fälle kam es zu einer Reaktion auf das Fibonacci-Retracement.

Und in nur 7,04% der Fälle hat ein Retracement auch tatsächlich zu einer Trend-Fortsetzung geführt.

Ein nicht so schön anzusehendes Ergebnis, finden wir.

Glauben Sie, dass das vielleicht daran liegt, dass das Fibonacci Trading bei Rohstoffen besser funktioniert? Na dann schauen wir uns doch mal den Gold-Markt an.

 

Fibonacci Retracement Analyse Rohstoffe: Gold

Schauen wir uns doch jetzt mal an, wie so ein Fibonacci Retracement auf einem Gold-Markt agiert.

Beginnen wir wie gewohnt mit der Anzahl der Trends und der damit verbundenen Trendfortsetzungen:

 

 

Wir haben auch im Gold-Markt angefangen die Trends seit dem 01.01.1993 auszuzählen. Es gab somit 261 Trends. 51,34% wurden fortgeführt, während 48,28% nach der ersten Entstehung eines Trends gebrochen sind.

Diese Zahlen sahen bei den anderen Märkten etwas besser aus. Schon das ist eine sehr nützliche und interessante Information.

Schauen wir uns jetzt als nächstes an, wie viele Trends durch ein Fibonacci Retracement „bestätigt“ worden sind:

 

 

Diese Zahlen ähneln schon den Ergebnissen der vorherigen Märkte sehr. 43,68% der Trends konnten mit Hilfe eines Retracements bestimmt werden. Während 56,32% der Trends man nicht durch ein Fibonacci Retrecement bestimmen konnte.

Kommen wir nun zu unseren Extra-Analysen im Gold-Markt.

 

Ergebnis der ersten Fibonacci-Extra-Analyse (Gold):

Gehen wir nun auch im Gold-Markt von einem Strategie-Event aus, in der wir sofort einen Trade absetzen, wenn der Markt ein bestimmtes Fibonacci Retracement berührt. Welche Ergebnisse würden wir erhalten?

 

 

Läuft der Gold-Markt denn besser? Es scheint nicht so. Im Gold-Markt generiert sogar nur das 23,6%-Retracement einen statistischen Vorteil. Alle anderen Retracements dagegen sind deutlich unter 50%.

Man braucht natürlich nicht unbedingt eine größere Trefferquote als 50% um profitabel zu sein. Es sollte aber schon irgendwo einen statistischen Vorteil gegeben sein, sonst wird es sehr hart an den Börsen.

Schauen wir uns jetzt die zweite Analyse an.

 

Ergebnis der zweiten Fibonacci-Extra-Analyse (Gold):

 

 

Der statistische Vorteil erhöht sich nun, wie schon auch in den anderen Märkten, wenn man auf ein Signal des Marktes wartet. In unserem Fall auf eine „1“.

Somit erweitert sich der Edge bis zum 38,2% Retracement. Die Anzahl der Trades verringert sich auch deutlich.

 

Ergebnis der dritten Fibonacci-Extra-Analyse (Gold)

Schauen wir uns jetzt nun auch die „Gesamtmarktlage“ des Gold-Marktes an. Agiert der Gold-Markt anders als die vorherigen Märkte?

 

 

In der oberen Abbildung erkennen Sie nun, wie auch in den anderen Märkten davor, wie das alles als Gesamtsituation aussieht.

Vergleichen Sie ruhig selber, wie der Gold-Markt im Vergleich zu den anderen Märkten abschneidet. Aber wie Sie auch auf den ersten Blick erkennen können, ist beim Ereignis der „2“ kein großer Unterschied.

Man erkennt nur, dass beim Ereignis der „1“ der prozentuale Anteil im Gold-Markt etwas höher ist.

Die restliche Interpretation der Zahlen überlassen wir ganz Ihnen.

 

Zum Schluss haben wir für Sie nochmal ALLE Märkte zusammengefasst und das analysiert.

 

Fibonacci Retracement Analyse: ALLE Märkte zusammen

Es ist schon genug Text in dieser Analyse, damit das nicht noch mehr wird, werden wir für Sie einfach alle Abbildungen der Gesamt-Analyse darstellen.

Die statistischen Zahlen können Sie dann selber analysieren und für sich selbst entscheiden, welche Schlüsse Sie daraus ziehen wollen.

 

(Abbildung: Der Trendfortsetzung allgemein)

 

(Abbildung: Der Trends die durch ein Fibonacci Retracement bestätigt worden sind oder nicht)

 

(Abbildung: Wenn der Markt das Retracement „Berührt“)

 

(Abbildung: Wenn der Markt eine „1“ generiert und man dann in den Markt einsteigt)

 

(Abbildung: Gesamtmarktlage von allen analysierten Märkten zusammen)

 

Schlussfolgerungen der Fibonacci Trading Analyse

Auch für uns war diese Analyse etwas ganz Besonderes. Fibonacci Trading ist in der Trading-Szene ein sehr großes und auch wohl beliebtes Thema. Wir können natürlich nicht jede Kleinigkeit von Fibonacci Retracements analysieren und auswerten, aber diese Analyse ist eine sehr gute Grundlage um sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.

Sollte es Trader geben, die eventuell andere Statistiken zu dieser Thematik haben oder mögliche Ideen für zukünftige Analysen haben, diese können uns sehr gerne unter info@statistic-trading.de kontaktieren.

Was konnten wir für unser Trading aus dieser Analyse mitnehmen? Zuallererst konnten wir sofort erkennen, dass das Fibonacci Trading anscheinend, so wie es im Allgemeinen beigebracht wird, so nicht funktioniert.

Es ist anscheinen tatsächlich so, dass hier mit dem psychologischen Phänomen der selektiven Wahrnehmung gespielt wird oder dass sogar die eigenen Fibonacci-Gläubiger diesem Phänomen zum Opfer fallen.

Natürlich passiert es, dass man mit einem Fibonacci Retracement aus der Korrektur die Fortführung eines Trends erkennen kann. Aber wie Sie aus den Analysen erkennen können, passiert es viel öfter, dass es eben nicht funktioniert.

Es existieren bestimmt Ausnahmetrader die Fibonaccis profitabel verwenden können. Wir persönlich kennen leider keinen. Auch diese können sich gerne melden.

Wir möchten hier auch nicht die Fibonacci Trader schlechtreden. Wir legen einfach nur statistische Kennzahlen auf den Tisch die aus einer Analyse stammen. Nicht mehr und nicht weniger. Sie können ja im Nachhinein die Zahlen für Ihre eigenen Zwecke verwenden oder verleugnen, ganz wie Sie wollen.

Der zweite und eher wichtigere Punkt für uns war, bevor wir das aber bestätigen können, müssen wir noch ein paar weitere Analysen durchführen, dass es anscheinen so aussieht, dass je tiefer der Markt in eine Korrektur fällt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Trendbruch kommt. Ok, der Satz ist ein wenig komplex. Nochmal die simple Hypothese: Je tiefer der Markt korrigiert, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einem Trendbruch kommt.

Die statistischen Kennzahlen scheinen dieser Hypothese Recht zu geben.

Es ist somit mit diesem Wissen jetzt möglich, am Risk- und Moneymanagement Ihres Tradings zu experimentieren.

Hier eines unserer Gedankenspiele zu diesem möglichen Phänomen: Sie könnten, bevor Sie einen Trade eingehen, festlegen, welches Risiko Sie bereit sind zu fahren, je nachdem in welchem Korrekturniveau das Signal generiert wird.

Wird ein Signal in der höheren Ebene generiert, also im Bereich des 23,6% und des 38,2% Fibonacci Retracements, wären Sie bereit ein etwas höheres Risiko zu fahren, als wenn der tiefer in die Korrektur läuft.

Das wäre eine Möglichkeit. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf.

Wir hoffen wir konnten Ihnen mit diesem Artikel helfen und Sie vielleicht zum Nachdenken bringen. Hinterfragen Sie und testen Sie ALLES!

Nochmal zur Erinnerung: Wenn Sie die originale Analyse-Datei von uns zugeschickt haben wollen, schreiben Sie uns doch eine kleine E-Mail an info@statistic-trading.de und wir werden Ihnen die Datei zukommen lassen.

 

Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Tag und erfolgreiche Trades

 

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin,

Statistic-Trading

 

 

 

 

 

by Mrz 17, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – John Law

Geschichte der Börse – John Law

Gastartikel

Wie bereits im vorherigen Artikel beschrieben entwickelte sich die Börse seit dem 17. Jahrhundert mit der Gründung der ersten Aktiengesellschaft in den Niederlanden und dem Bau der ersten Gebäude für den Handel von Wertpapieren rasant. Viele Personen erkannten die Kraft und die Möglichkeiten der Börse frühzeitig und wussten diese geschickt für sich und andere zu nutzen.

Eine dieser Personen heißt John Law. Dieser Schotte ist eine charakterlich interessante Persönlichkeit. Vor Allem jedoch ist Law eine der bedeutendsten Personen der Finanzwelt. Er schuf etwas, was noch heutzutage zu bewundern ist. Er erkannte ökonomische Aspekte, die erst 200 Jahre nach ihm wieder aufgegriffen worden sind. John Law ist einer der wichtigsten Charaktere der Finanzwelt und aus meiner Sicht eine der spannendsten Persönlichkeiten unserer Geschichte.

Law wurde 1671 in Schottland geboren, wuchs dort auf und auf Grund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz und seines Talentes der Mathematik und des Kopfrechnens arbeitete er als Nationalökonom und Bankier. Doch auch dem Glücksspiel war er verfallen. In den Tavernen und Spielbanken war er berüchtigt, denn auf Grund seiner mathematischen Begabung gewann er nahezu immer. John Law war als Person auf der einen Seite intelligent und gerissen. Eine Person des Erfolgs. Auf der anderen Seite jedoch ein Lebemann, der gerne feierte, trank und spielte und somit auch aus Schottland fliehen musste als er wegen eines Duells um eine Frau, bei der sein Kontrahent verstarb, verklagt wurde. Er floh in die Niederlande wo er intensiv die dort boomende Börse studierte. Doch John wäre nicht John Law, wenn damit seine Geschichte vorbei wäre. Er musste erneut fliehen und lebte in Venedig im Exil. Circa 1715 dann ging er nach Frankreich. Dort sollte er sein Lebenswerk schaffen. Auf sein Wirken möchte ich heute eingehen. Wer ist er? Was schuf er? Was lernen wir daraus?

Nach einer kurzen Einführung zur Person John Law möchte ich kurz in diesem Absatz die historische Situation erklären: John Law gelang ungefähr 1715 nach Frankreich. In der damaligen Zeit erhielt die Börse immer mehr Ansehen. Vor Allem wurden mit ihr die großen Seefahrts-Gesellschaften finanziert. Die Seefahrts-Nationen Frankreich, England, Spanien, Portugal und die Niederlande befanden sich in einem Wettlauf um die Kolonien. Riesige Vermögen wurden investiert, um Kolonien zu erschließen, Handel zu betreiben und Kriege um diese Ländereien zu führen. Frankreich war damals das wirtschaftlich stärkste Land Europas. Und mit 20 Millionen Bürgern auch das bevölkerungsreichste Land. Eine Vormacht in Europa. Der verstorbene Sonnenkönig, Ludwig der XIV, hinterließ dem Land jedoch eine finanziell untragbare Situation. Seine exzessiven Feste, seine Affinität für teure Gegenstände und Kunst, sowie seine teuren Kriege in ganz Europa hinterließen schmerzhafte Spuren im Haushalt des Königreichs. 1715 standen rund 100 Millionen Livre Einnahmen ganzen rund 145 Millionen Livre Ausgaben gegenüber. Frankreich musste Schulden machen. Und das obwohl die Schuldenlast bereits 3,5 Milliarden (3.500 Millionen) Livre betrug. Der neue König, Ludwig XV, war noch unmündig und wurde in der Regentschaft durch Phillip II. (duc D’orléans) vertreten, welchen auch John Law kennenlernte. Jeder Vorschlag, wie diese finanzielle Situation gelöst werden könnte, traf damals auf offene Ohren.

Law erlangte 1716 Ansehen und Berühmtheit in Frankreich, indem er den Staatshaushalt zu entlasten wusste. Historisch erlangte er einen Platz in den Büchern, denn er gründete die wohl erste Zentralbank der Geschichte. Die „Banque Générale“ ist der Vorläufer der heutigen „Banque de France“. John Law durfte diese Bank gründen, emittierte 120 Aktien zu je 50.000 Livre, um Grundkapital über 6 Millionen Livre zu erhalten und erhielt das Recht der Münze. Mit diesem Recht war die Banque Generale das Unternehmen, welche das Geld ausgab. Frankreich war somit dank Law wohl auch das erste Land der Welt, welches ungedeckte Banknoten herausgab. John Law erkannte, dass für die Wirtschaft des Landes nicht der Wert der Währung, welcher damals durch die Golddeckung erzeugt worden ist, sondern der Umlauf von genügend Geld, also der Liquidität, abhing. Und so druckte er Livre, welcher durch das Versprechen des Staates diesen notfalls in Gold umzutauschen, seinen Wert erhielt. So konnte Frankreich Geld schöpfen (Einnahmen) ohne auf der anderen Seite Gold einkaufen und einlagern zu müssen (Ausgaben). Law setzte bereits Anfang 1700 somit das um, was erst 1971 offiziell weltweit mit der Aufhebung des Goldstandards umgesetzt worden ist. Er war seiner Zeit weit voraus und schaffte es so auch den Staatshaushalt von Frankreich mit billigem Geld zu entspannen.

1718 wurde die Banque Generale verstaatlicht. Frankreich wollte an der neuen schier unerschöpflichen Quelle des Geldes stärker partizipieren. John Law gründete 1719 die Mississippi-Kompanie und erhielt durch die Krone das Monopol auf den Handel und die Erschließung der Ländereien am Mississippi in Amerika. Sogleich emittierte er Wertpapiere zu je 500 Livre, damit auch die ärmeren Bevölkerungs-Schichten investieren konnten. Er sammelte über 100 Millionen Livre ein. Eine gigantische Summe. Jeder wollte Aktien haben, denn man träumte von großen Goldschätzen und ergiebigen Ländereien in Amerika. John Law investierte das Geld extrem geschickt. Er kaufte alle Seefahrts-Unternehmen des Landes und errichtete somit ein Imperium der Seefahrt. Er besaß alle Handels-Monopole und Schiffs-Flotten. Er erschloss und handelte alle Kolonien. John Law wurde der wichtigste Mann Frankreichs und der wohl reichste Mann der Welt. So kaufte er sich auch das Recht der Münze zurück. Das Imperium des gerissenen Schotten umfasste nach kurzer Zeit, dank des Kapitals der Anleger, den gesamten französischen Übersee-Handel inklusive zahlreicher Monopole und er konnte sich selbst Geld drucken.

Mit dieser betrieblichen Entwicklung schoss auch der Wert der Aktien in die Höhe. Von anfänglichen 500 Livre bei der Ausgabe stieg der Kurs in kurzer Zeit um 1.900% auf 10.000 Livre. Einfache Bauern und Putzfrauen waren plötzlich Millionäre und stolzierten auf den Boulevards mit Diamanten-Ketten umher. Der Begriff „Millionär“ wurde wegen dieser Geschehnisse erfunden. Die Kompanie Laws eröffnete in zahlreichen Städten Büros an denen Aktien gekauft und verkauft wurden. Jeder wollte plötzlich an diesem Aktien-Handel teilhaben und seinerseits reich werden. Und so reisten 1719 monatlich bis zu 25.000 Personen nach Paris. In den Stadtteilen der Büros der Kompanie explodierten die Häuserpreise von 1.000 Livre um 1.500% auf 16.000 Livre. Es handelte sich um eine gigantische Spekulations-Blase. Denn all diese Wertsteigerung basierte nicht auf dem Erfolg der Kompanie, sondern auf den Hoffnungen des großen Erfolgs dieser und auf Grund der riesigen Kaufkraft. Die Nachfrage war vielfach höher als das Angebot. Law verdiente prächtig daran und konnte wohl eine bis fünf Milliarden Livre einsammeln. Ein vielfaches der Wirtschaftskraft des damaligen Frankreichs.

Doch 1720 machte sich Unruhe breit. Rückkehrer berichteten von Krankheiten, Seuchen und Misserfolgen. Gold wurde kaum gefunden und die Kolonien schienen nicht so erfolgreich, wie erwartet bzw. wie erträumt zu sein. Die Überbewertung des Konglomerats von John Law wurde immer mehr Anlegern bewusst und das Angebot (Verkäufer) am Markt wurde größer. Der Kurs der Aktien fing an zu fallen. John Law selbst war sich der Blase und Gefahr bewusst und hatte selbst Angst vor den Folgen. Er versuchte alles, um die Träume der Anleger zu füttern. Er bezahlte Menschen, welche Geschichten des Erfolgs verbreiten sollten und ließ Schauspieler durch die Städte zu den Häfen stolzieren. Scheinbar auf dem Weg in die Kolonien zum Goldabbau. Doch auch das half nicht mehr. Die Anleger wurden sich immer mehr bewusst darüber, dass Laws Imperium nicht erfolgreich war. Als John Law den Regenten bat den Aktien-Kurs gesetzlich auf höchstens 9.000 Livre zu begrenzen, um die Überbewertung einzudämmen, lehnte der Regent dies ab, aber die Anleger fanden dies heraus. Eine Panik brach aus. Aus den Gerüchten wurden Fakten und wo sich zuvor Schlangen vor den Büros der Kompanie bildeten, weil jeder Aktien kaufen wollte, dort spielten sich plötzlich Tumulte ab, weil jeder versuchte seine Aktien zu verkaufen. Viele Anleger verloren ihr Vermögen. Der Aktienkurs fiel rasant. 10.000, 9.000, 8.000, … John Law selbst griff zum letzten Mittel, welches ihm einfiel, um den Aktien-Kurs zu stützen und die Blase vor dem endgültigen Platzen zu bewahren. Er druckte Geld und kaufte große Mengen Aktien zurück, um die Seite der Nachfrage (Käufer) künstlich zu simulieren und zu stärken. Es war wohl auch das erste Aktienrückkaufprogramm der Geschichte. Doch auch das half Nichts mehr. Der Kurs stürzte komplett ab, das Imperium des John Law entpuppte sich als erfolgloses Kartenhaus und brach ebenfalls zusammen.

Neben dem betrieblichen Misserfolg des Seefahrts-Konglomerats riss diese Spekulations-Blase Frankreich 1720 wohl auch in die erste Finanzkrise der Welt. Die Blase platze an der damaligen Börse, riss aber auch viele andere Segmente, wie die Immobilien-Preise, mit sich in den Abgrund. Große Teile der Bevölkerung verarmten. Vor Allem aber explodierte die Inflation. John Law spülte durch das Aktienrückkaufprogramm so viel neues Geld in die französische Volkswirtschaft, dass der Livre schlagartig an Wert verlor. Als der Regent eingriff und die Ländereien und Besitztümer der Kompanie beschlagnahmte erkannte auch er das Ausmaß der Geldpolitik des Schotten. Dieser hatte wohl rund 2,9 Milliarden Livre in nur zwei Jahren gedruckt und somit Mal eben die Geldmenge in Frankreich verdoppelt bis verdreifacht. Es zeigte sich das Ausmaß der exzessiven Geldpolitik und der ungerechtfertigten Überbewertung dank der es Frankreich ein halbes Jahrzehnt gut ging, aber das Land dann wieder auf dem Boden der Tatsachen landete. Und zwar sehr hart landete. In Frankreich wurde der Goldstandard für nächsten 200 Jahre wieder eingeführt und Papiergeld galt als „Teufelszeug“.

John Laws bewegende Geschichte endete wie so oft: Er musste aus dem Land fliehen. Er war in nur wenigen Jahren erst zum reichsten und berühmtesten Mann, dann zum ärmsten und am meisten gehassten Mann, geworden. John Law war seiner Zeit weit voraus. Er erkannte, was erste im 20. Jahrhundert als richtig und logisch neu entdeckt wurde und was heutzutage Gang und Gebe ist in unserem Markt. John Law revolutionierte das Finanzwesen und schrieb in vielen Dingen Geschichte. Die erste Zentralbank, die erste Finanzkrise, das erste ungedeckte Papiergeld und so weiter. Kein anderer verstand es so gut, wie er, die neuen Möglichkeiten des Finanzwesens und der Börse für sich zu nutzen. Kaum jemand anderes erkannte die Kraft der Finanzierung durch die Börse. Und kaum jemand anderen entwickelte in nur 5 Jahren so viele neuartige und erfolgreiche Finanzinstrumente, wie John Law.

by Mrz 14, 2017 Keine Kommentare
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Erfolgreiches Daytrading erfordert schnelle, durchdachte Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit, ein entsprechend hohes Kapital und natürlich auch etwas Glück. Den Rahmen, für all die Faktoren, die beim Daytrading eine Rolle spielen, liefert die Plattform. Grund genug sich diese mit Bedacht auszuwählen.

 

Elementare Features und Eigenschaften, die einen guten Online-Broker auszeichnen

Insbesondere beim Daytrading spielt Geschwindigkeit eine entscheidende Rolle – aber nicht nur die vom Trader selbst. Auch der Online-Broker muss durch schnelle Reaktionszeiten und eine ständige Erreichbarkeit überzeugen, denn alles andere kostet unter Umständen Geld und fördert das Risiko. Exzellente Server sind daher das A und O. Mit Hinblick auf das Leistungsspektrum gilt es unter anderem festzustellen, ob der Broker Sekundenhandel erlaubt und ob eine reine Online-Verwaltung des eigenen Depots möglich ist. Eine ständig erreichbare Support-Hotline gibt indes Sicherheit und hilft spontan aufkommende Fragen und Anliegen schnell zu klären – mindestens zu Öffnungszeiten der deutschen Märkte sollte diese erreichbar sein.

Das eigentliche Handelsangebot ist ein weiteres Kriterium, schließlich möchten sich viele Daytrader möglichst breit aufstellen und zugleich keinen guten Deal verpassen. Deshalb sollte im Vorfeld in Erfahrung gebracht werden, was beim Broker überhaupt gehandelt werden kann und auf welchen Märkten dieser aktiv ist. Die Flatex-Erfahrungen z.B. sehen das Depot als mäßig geeignet fürs Daytrading an, gemäß aktiendepot.biz. Aktien, Day-Turbos, Longs und Shorts sowie Anleihen sind nur einige Beispiele für ein facettenreich aufgestelltes Handelsspektrum. Damit der Überblick selbst bei einem großen Angebot nicht verloren geht, muss das Interface des Brokers all die Features, Derivate und Aktien entsprechend übersichtlich listen. Zeit für umständliche Suchen im System bleiben einem Daytrader in der Regel nicht, weshalb die Plattform unterstützend und nicht hinderlich wirken muss. Im Idealfall lässt sich die Oberfläche ganz nach den eigenen Wünschen anpassen.

 

Kurse und Orders als weiterer wichtiger Punkt

Damit Trader nicht immer wieder zwischen mehreren Seiten und Browsertabs hin- und herwechseln müssen, sollte die Plattform bereits alle Kurse in “Realtime” (Echtzeit) anzeigen. So behalten Trader einerseits die Informationen im Blick und können andererseits direkt auf der gleichen Seite ihre Order oder andere gewünschte Aktion platzieren. Die lange Liste theoretisch verfügbarer Orderarten sollte durch den Broker in der Praxis möglichst weitläufig abgedeckt werden. Stopp Loss, Limit, Bracket und Co sind nur einige Beispiele der Instrumente, die sich Daytrader gern zu Nutze machen, um den eigenen Gewinn zu maximieren und die bestmögliche Kontrolle über die eigenen Investitionen zu bewahren.

Sicherheit gibt eine Einlagensicherung beim Broker, in der Regel mindestens auf 25.000 Euro beziffert, idealerweise noch höher; mehr Informationen auf einlagensicherung.de. Für Hobby-Trader spielt die Mindesteinlage eine weitere Rolle, die Zahlungsmodalitäten sind vor allem dann entscheidend, wenn speziell auf eine bestimmte Variante bestanden wird. Zuletzt sind es natürlich noch die Gebühren, die besondere Aufmerksamkeit verdienen. Diese mindern direkt den möglichen Gewinn, weshalb sie so niedrig wie möglich ausfallen sollten – sowohl in der reinen Höhe als auch mit Hinblick auf einzelne Aktionen, welche mit einer Gebühr verbunden sind.

 

by Mrz 08, 2017 Keine Kommentare
Das Entstehen der großen Nahrungsmittelkonzerne

Das Entstehen der großen Nahrungsmittelkonzerne

FG

Die Entwicklung der Nahrungsmittel im internationalen Maßstab startete im damals industriel entwickelten Großbritannien gegen Ende des 19ten Jahrhunderts. Die anfallende Arbeit wurde durch Maschinen ersetzt, Chemie gegen Pesizide eingesetzt, der Transport per Zug und Schiff startete dynamisch. Zölle wurden aufgehoben, die Freihandelspolitik liberalisiert und die Finanzmärkte entwickelten sich ebenfalls in einem enormen Tempo.

 

Damals waren die “alten” Konzerne noch sehr klein mit wenig vor- und nachgelagerten Stufen. Die vorgelagerten Unternehmen produzierten die Landmaschinen und den Dünger. Nachgelagerte Unternehmen konzentrierten sich auf den Handel und die Verarbeitung der Nahrungsmittel. Moderne Supermarktketten und Selbstbedienungsmärkte entwickelten sich erst spät gegen 1950 – 1960.

 

Nach dem zweiten Weltkrieg und dem Ende des Protektionismus begannen die Nahrungsmittelunternehmen vermehrt ins Ausland zu liefern und investierten dort auch. Es entstanden die ersten multinationalen Konzerne. Das steigende Einkommen in Europa nach dem Krieg veränderte jedoch die Ernährung der Bevölkerung. Dem “Engelschen Gesetz” zufolge verwenden Menschen mit steigendem Einkommen einen immer geringeren Anteil der Einnahmen für Lebensmittel.

 

“Leider sind die Bauern die Verlierer der Entwicklung zu immer größeren Konzernen, obwohl sie einen wichtigen Teil in der Wertschöpfung erbringen”. In einem meiner Börsenbriefe habe ich bereits den Wertschöpfungsprozess in der Nahrungsmittelindustrie erläutert. Auch die sogenannten “Tante Emma Läden” um die Ecke wurden durch riesige Hypermärkte ersetzt.

 

Heutzutage gibt es wenige enorm große Nahrungsmittelkonzerne, die quasi die Welt “beliefern”. Diese Riesen sind überaus langlebig. Unilever, Nestlé und Coca Cola gibt es schon sehr lange. Coca Cola wurde bereits an amerikanische Soldaten in Europa während des zweiten Weltkrieg ausgegeben. Das Getränk sollte die Leistung der Männer erhöhen.

 

Die Topplayer dienen heute als “Megahub” für Marken. Nestlé hat über 20 Marken im Portfolio die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz generieren. Mir kommt es oft so vor, dass die Marken unter den “Großen” hin und her gereicht wird. Die neueste Entwicklung geht jedoch klar Richtung Asien und den noch nicht entwickelten Ländern. Z. B. sind jetzt Brasilianer die größten Fleischlieferanten der Welt.

 

Eine Übersicht der wichtigsten Unternehmenszusammenschlüsse der letzten 10 Jahre:

  • InBev / Anheuser-Busch
  • Pfizer / Wyeth
  • Royal Dutch Shell / BG
  • AB InBev / SABMiller
  • AT & T / DirectTV
  • Heinz / Kraft
  • Dow / DuPont
  • Bayer / Monsanto

 

Und auch BigData hat einen immer größeren Einfluss auf die Bigplayer und Unternehmen wie IBM, Microsoft oder Oracle haben bereits ein Auge auf die Branche geworfen. Die Nachteile dieser großen Unternehmen sind offensichtlich:

  • Hunger
  • Klimawandel
  • Vergeudung
  • Mangelnde Nachhaltigkeit

 

Doch unter dem wachsenden Druck der Gesellschaft, Politik und anderen Organisationen werden die Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln gezwungen.

 

Die 5 größten Nahrungsmittelunternehmen weltweit:

  1. Nestlé
  2. PepsiCo
  3. JBS
  4. Coca Cola
  5. Anheuser-Busch InBev

 

Die 5 größten Handelskonzerne weltweit:

  1. Wal-Mart
  2. Cargill
  3. Costco
  4. Kroger
  5. Tesco

 

 

by Mrz 08, 2017 Keine Kommentare
Statistik trifft Markttechnik: Ist jeder Trend gleich zu traden?

Statistik trifft Markttechnik: Ist jeder Trend gleich zu traden?

Anlagetechniken

Wir haben sehr lange überlegt, ob wir zu diesem Thema einen Artikel veröffentlichen sollten. Denn auf dieser Grundlage, die in diesem Artikel behandelt wird, basieren unsere Tradingsysteme. Dies ist der Grundbaustein unseres Tradings.

Nach langem hin und her, haben wir uns doch für die Veröffentlichung entschieden. Nach dem Motto: „Scheiss drauf, machen wir es einfach“. Wir wollen Ihnen einen Einblick in unsere Sichtweise auf die Märkte geben.

Unser Trading basiert im Grundbaustein auf der Markttechnik. Die Markttechnik, wie auch die Charttechnik, ist eigentlich Auslegungssache. Fragen wir 10 Markttechniker nach einem Aufwärtstrend, bekommen wir zwar von allen die Antwort, dass es sich um einen Aufwärtstrend handelt, aber eingezeichnet bekommen wir ihn auf 10 verschiedene Weisen.

Von dieser Problematik versuchen wir uns, so gut es geht, zu distanzieren. Wir haben versucht, und es für unseren Tradingstil auch geschafft, subjektive Tradingfaktoren zu definieren.

Wir möchten im Vorfeld darauf hinweisen, dass dieser Artikel länger als üblich ist. Da wir in diesem Artikel sowohl auf die Grundlagen der Markttechnik, als auch auf die Grundlagen unserer statistischen Analyse eingehen. Dies erfordert natürlich viel Schreibraum. Sollten Sie das jedoch nicht abschrecken, sondern eher motivieren, dann werden Sie höchstwahrscheinlich eine neue Ansicht zu der Markttechnik erlangen.

 

Die Grundlagen des Markttechnischen Tradings

Zu diesem Thema gibt es im Buchhandel genügend Literatur. Es gibt, wie auch immer im Leben, sowohl gute als auch schlechte Literatur. Sollten Sie die Grundlagen der Markttechnik wirklich verinnerlichen wollen, empfehlen wir Ihnen das Buch von Michael Voigt: „Das große Buch der Markttechnik„ zu kaufen. Dort werden die Grundlagen in einer sehr gut verständlichen Weise erklärt und aufgezeigt.

Die Markttechnik beschäftigt sich mit der Frage: „Wo entsteht Bewegung?“ oder „Wer kauft nach mir?“. Kann die Markttechnik diese Fragen optimal beantworten? Wir sagen „jein“. Die Markttechnik, wenn man Sie verstanden hat, kann einen sehr gute Trendsituationen erkennen lassen. In diesen Trendsituationen versucht dann die Markttechnik eine Gegebenheit ausfindig zu machen, wo „Bewegung“ entstehen kann.

In der Markttechnik wird ein Trend in Bewegungs- und Korrekturphasen unterteilt. Zeigen wir das erstmal an einem aufgezeichneten Beispiel. Im weiteren Verlauf des Artikels arbeiten wir dann natürlich nur mit echten Charts.

In diesem Bild sehen wir nun ein Musterbeispiel eines Aufwärtstrends und eines Abwärtstrends. Beide Trends bestehen aus einer Bewegungsphase und einer Korrekturphase. Im Aufwärtstrend zum Beispiel, ist der grüne Arm die Bewegung und der rote Arm die Korrektur. Im Abwärtstrend ist das, logischerweise, umgekehrt.

Ein wichtiges Kriterium für einen intakten Aufwärtstrend ist, dass das Korrektur-Tief nicht tiefer sein darf, als das Bewegungs-Tief. Und im Abwärtstrend wieder, logischerweise, umgekehrt. Hier nochmal ein Beispiel zur Verdeutlichung.

Solange das Tief der Bewegung nicht gebrochen ist, ist ein Trend intakt. Bis hierhin sollte eigentlich alles klar und verständlich sein. Doch wie traden wir jetzt im Stil der Markttechnik und wo liegen die Problemzonen? Arbeiten wir uns weiter voran.

 

Wie tradet man im Stil der Markttechnik?

Es existieren viele Möglichkeiten wie ein Trader im Stil der Markttechnik traden kann. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass man auf der Korrekturphase heraus tradet. Man sucht sich eine, sogenannte, Großwetterlage (GWL) und nutzt diese zur übergeordneten Sicht.

Was ist eine Großwetterlage genau, fragen Sie sich sicher. Eine Großwetterlage ist nichts anderes, als der übergeordnete Trend von der Trendgröße aus der ihr heraus handeln wollt. Ein Beispiel: Ihr wollt Daytrading betreiben und wollt auf einer kleinen Trendgröße handeln. Für solch ein Szenario braucht ihr dann den 1-Minuten-Chart. Wenn ihr eure Trades im 1-Minuten-Chart tätigen wollt, so braucht ihr eine übergeordnete Trendgröße. In diesem Fall den 10-Minuten-Chart. Den 1-Minuten-Chart, also den Chart auf dem Ihr den Trade absetzen wollt, nennt man dann die Signallage.

Hier mal ein Überblick über die Großwetterlagen und die Signallagen in der Markttechnik:

 

  • Signallage : 1-Minuten-Chart à GWL: 10-Minuten-Chart
  • Signallage: 10-Minuten-Chart à GWL: 1-Stunden-Chart
  • Signallage: 1-Stunden-Chart à GWL: Tages-Chart
  • Signallage: Tages-Chart à GWL: Wochen-Chart
  • Signallage: Wochen-Chart à GWL: Monats-Chart

 

Das ist die Basis der Markttechnik für alle Signal- und Großwetterlagen. Im Normalfall reicht eine Großwetterlage aus, um einen Trade gut absetzen und managen zu können. Wenn ihr einen Trade im 1-Minuten-Chart absetzt, wie sinnvoll ist es dann, sich den Tageschart anzuschauen? Genau, eher weniger.

Was wollen wir nun genau mit der Markttechnik erreichen? Wir versuchen mit der Markttechnik eine Großwetterlage zu finden, die sich gerade in einer Korrekturphase befindet. Haben wir solch eine Großwetterlage gefunden, versuchen wir in der Signallage eine gute Situation zu finden, in der man einen Trade platzieren kann. Am besten in einen entstehenden Trend. Zeigen wir das an einem Beispiel, so ist das einfacher zu verstehen:

In dieser Abbildung sehen wir eine Großwetterlage und eine Signallage. Die Signallage befindet sich im umkreisten Gebiet der Großwetterlage. Was erkennen wir nun genau? Wir erkennen mehrere wichtige Eigenschaften. Zum einen erkennen wir die Trendverschachtelung. Wir sehen, dass der Korrekturarm der Großwetterlage einen Abwärtstrend in der kleineren Signallage aufzeigt. Sowas nennt man: Trendverschachtelung. Wir versuchen also aus einer Korrekturphase der Großwetterlage, einen entstehenden Trend in der Signallage zu erwischen. Dieser „kleinere“ Trend der Signallage soll uns dann die Bewegung der Großwetterlage als Profit einstreichen.

Wir wiederholen nochmal. Wir versuchen quasi, auf der Großwetterlage (eine große Surfer-Welle) mit Hilfe der Signallage (eine kleinere Surfer-Welle) einen Trade in Trendrichtung der Großwetterlage zu platzieren, auf dem wir dann mitsurfen können. Wir versuchen eine kleine Welle zu erwischen, die uns auf der großen Welle mitschwimmen lässt. Das ist die Quintessenz der Markttechnik. Was für Einstiegsmöglichkeiten und Stop-Variationen es gibt, das müssen Sie entweder im Buch von Michael Voigt oder mit Hilfe eigener Studien herausfinden. Solch eine Thematik würde hier den Rahmen sprengen.

Trendbeispiele am Börsenmarkt

Nun sind wir soweit und kommen zum reellen Börsenmarkt. Schluss mit selbstgezeichneten Charts. Nur noch eine kleine Anmerkung bevor wir starten. Jeder Markttechniker, wie wir schon oben erwähnt haben, hat eine andere Sichtweise auf die Charts. Wäre dem nicht so, würden nicht so viele Diskussionen über Trends geführt werden. Dem ist aber so. Wir können Ihnen lediglich unsere Sichtweise aufzeigen.  Für uns ist diese Sichtweise die beste. Für andere eventuell nicht. Jeder muss seinen Trading-Stil finden um profitabel werden zu können.

Fangen wir nun an mit ein paar Beispielen im Dax-Candlestick-Chart. Zu Beginn werden wir die Candlestick-Ansicht verwenden, da dies die Ansicht ist, die am meisten verwendet wird. In unserem Trading benutzen wir den Heikin-Ashi-Chart. Wir werden im nächsten Kapitel auf die Vorteile des Heikin-Ashi-Charts eingehen.

Wir werden jetzt keine profitablen Trades zeigen. Im Nachhinein ist jeder Profi. Es geht hier erstmal darum, dass Sie die Prinzipien der Trenderkennung nach Markttechnik realisieren und verinnerlichen.

Ein Trend im 15-Minuten-Chart im Dax:

Hier sehen wir die Abbildung des Dax 15-Minuten-Charts. Wir haben für Sie den für jedermann erkennbaren Trend eingezeichnet. Nachdem wir Ihnen den Trend genau eingezeichnet haben, ist natürlich die gesamte Situation gut zu erkennen. Wo würden Sie aber eine eventuelle Problematik in der Interpretation des Trends erkennen? Schauen Sie sich den Chart genau an! Es gibt Bewegungs- und Korrekturphasen die klar und deutlich zu erkennen sind. Es existiert aber eine Phase, die einem Probleme bereiten kann. Es ist die Korrekturphase des ersten Punktes 2 zum Punkt 3. Das lokale Hoch dieser Phase ist erst zu erkennen gewesen, nachdem der Markt durch den Punkt 2 durchgebrochen war.

Dies sind Marktphasen, wo dann die Foren voll mit Diskussionen füllen, wie man diese Korrekturphase genau zu erkennen hat. Man könnte die Trends ja auch etwas „präziser“ hineinzeichnen.

Hier ein anderes Beispiel vom selben Chart:

Hier sehen wir nun den selben Chart nur mit „präziseren“ Trends. Natürlich sagen jetzt die einen oder anderen, dass sich das um den untergeordneten Trend auf 5-Minuten-Basis oder 1-Minuten-Basis handelt. Das kann generell sogar richtig sein. Wie ist es einem Trader dennoch möglich, dass man sich solche Art von Fragen sparen kann? Dieses Interpretationsproblem von Charts ist allgegenwärtig. Wenn es dieses Problem nicht geben würde, wären alle Diskussionen von Trends überflüssig. Diese existieren aber, ergo, brauchen wir objektivere Faktoren für die Trenderkennung.

Eine mögliche objektive Mustererkennung von Hoch- und Tiefpunkten ist die Art, die von Larry Williams gelehrt wird. Ein Hoch-Punkt wird dadurch gekennzeichnet, indem er von 2 Candles „umzingelt“ wird, die tiefere Hochs haben, als die Hoch-Punkt-Kerze. Dasselbe Prinzip bei einem Tief. Das ist in Textform nicht so leicht zu verstehen. Zeigen wir Ihnen ein Beispiel, denn an einem Chart erklärt es sich besser.

Bleiben wir bei unserem Beispielchart:

Wir haben nun die Trendlinien entfernt und Ihnen die Hoch- und Tiefpunktbeschriftung übriggelassen. Wie man erkennen kann, haben wir Ihnen die Hoch- und Tiefpunkte eingekreist. Hier können Sie nun die objektive Ansicht von den Hochs und Tiefs feststellen. Es ist natürlich kein Wundermittel. Sie können damit nicht jedes Hoch und jedes Tief optimal während der Trendentstehung erkennen. Sie haben aber wiederum auch keine willkürlichen Einzeichnungen mehr.

Schauen Sie sich verschiedenste Charts an. Üben Sie diese Ansichtsweise. Sie werden erkenne, dass es sich hier nicht um ein Wundermittel handelt, aber es kann Ihr Trading deutlich vereinfachen und Ihnen aus dem Interpretationsproblem heraushelfen.

Nochmals eine kleine Zusammenfassung für die Ansicht von Hoch- und Tiefpunkten:

  • Ein Hochpunkt wird von 2 Candles „umzingelt“, deren Hochs tiefer sind, als das Hoch der Mittelkerze (Hochpunkt)
  • Ein Tiefpunkt wird von 2 Candles „umzingelt“, deren Tiefs höher sind, als das Tief der Mittelkerze (Tiefpunkt)

 

Wenn Sie das verinnerlicht haben, kommen wir nun zu einer weiteren Hilfestellung, die das Interpretationsproblem löst. Der Heikin-Ashi-Chart.

 

Der Heikin-Ashi-Chart: eine ganz neue Ansicht für einen Chart

Schauen wir uns zuallererst denselben Chart wie oben an, nur im Heikin-Ashi-Stil:

Ein viel Chart-Bild was viel sauberer und deutlicher zu erkennen ist. Wieso ist das so? Wieso sieht ein Heikin-Ashi-Chart so viel „glatter“ aus, als es die Candlestick-Ansicht tut? Die Hoch- und Tiefpunkte von Heikin-Ashi-Kerzen sind identisch mit denen vom Candlestick-Chart. Die Körper der Kerzen sind aber anders. Um es in einfache Worte zu packen. Der Körper der Heikin-Ashi-Kerze wird aufgrund der durchschnittlichen Bewegung der vorherigen Kerze berechnet. Die Körper der Kerzen sind somit mit Hilfe von Durchschnittswerten geglättet.

Wenn Sie mehr Details zum Heikin-Ashi-Chart benötigen, dann können Sie sich die nötigen Informationen unter diesem Link einholen: http://www.tradesignalonline.com/lexicon/default.aspx?id=147

Wir erkennen nun Korrektur- und Bewegungsphasen viel deutlicher. Was im Candlestick-Chart ein „wischi waschi“ aus grünen und roten Kerzen war, das ist im Heikin-Ashi-Chart viel deutlicher zu erkennen. Kleine Ausreißer-Bewegungen fallen in einem Heikin-Ashi-Chart nicht so schwer ins Gewicht. Dies eröffnet einem neue Möglichkeiten, zum Beispiel für die Art der Stop-Setzung.

Hier nochmal ein Vergleich von der unsauberen Bewegung im Candlestick-Chart und der geglätteten Bewegung im Heikin-Ashi-Chart:

Der Unterschied ist wohl klar und deutlich zu sehen. Im weiteren Verlauf der Analysen und Erklärungen verwenden wir nur noch den Heikin-Ashi-Chart.

 

Wie Statistic-Trading die Trends nach Markttechnik sieht

In diesem Abschnitt werden wir Ihnen nur ganz schnell erläutern, wie unsere Ansicht der Märkte stattfindet. Dies ist wichtig um im späteren Verlauf zu verstehen, wie wir unsere Tradinganalysen durchführen.

Ein blanko Heikin-Ashi-Chart vom Dax 1-Stunde:

 

Hier erstmal ein blanko Chart. Wie analysieren wir nun unsere Trends? Einfach ausgedrückt: Wir versuchen alles als Trend zu sehen, was auch mit dem bloßen Auge und ohne Interpretation zu erkennen ist. In dieser Hinsicht hilft der Heikin-Ashi-Chart ungemein. Wie man hoffentlich am oberen Chart erkennen kann.

Hier nun derselbe Chart nur mit unseren Trends eingezeichnet:

 

Wir haben objektive Regeln erschaffen, ab wann ein Trend ein Trend ist und ab wann ein Trend kein Trend ist. Sie benötigen ein festes objektives Regelwerk für die Bewegungs- und die Korrekturphasen.

Schauen Sie sich einfach den Blanko-Chart und den Chart mit dem eingezeichneten Trend an. Überprüft ob ihr die Trends genau so gesehen hättet. Sie können ja ab dem jetzigen Zeitpunkt auch überprüfen ob Ihnen der Heikin-Ashi-Chart genauso eine große Hilfe ist, wie bei uns damals. Die Heikin-Ashi-Ansicht erleichtert einem das Chart-Screening enorm.

Ist das jetzt eine Korrektur oder nur eine Anomalie? Wurde der Trend gebrochen? Ist das ein Punkt 3 oder nicht? Solche Fragen dürfen Sie, nachdem Sie Ihr Regelwerk aufgestellt haben, nicht mehr haben. Ihr Regelwerk muss alles beantworten können.

Wie Sie erkennen können, haben wir eine eventuell spezifischere Trendansicht als die generellen Markttechniker. Das liegt unter anderem daran, dass uns das auf diese Weise gelehrt wurde, als auch, dass wir nach einer Methode gesucht haben in der man auch die Markttechnik backtesten kann.

Wir erkennen ganz genau im Nachhinein, ob wir einen vorhandenen Trend hatten oder nicht und wann dieser gebrochen ist. Wir können Ihnen hier natürlich nicht alle „Geheimnisse“ unseres Tradings offen legen, denn diese entstanden nach jahrelangen Studien und Experimenten.

Wir möchten Ihnen aber eine Systematik in der Markttechnik mitgeben, mit der Sie dann Ihre eigene Handelsstrategie im Stile der Markttechnik entwerfen könnt.

Kommen wir nun zum wichtigsten Teil dieses Artikels. Wenn Sie bis hierhergekommen sind, dann haben Sie sich nun diesen Abschnitt verdient.

 

Wie lange ist der Lebenszyklus bei einem Trend nach Markttechnik?

Die Markttechnik lehrt einen, dass man immer aus der Korrektur heraus traden soll um so einen idealen Einstieg in einen Trend zu finden. Haben Sie sich aber schon mal die Frage gestellt: Wie lange läuft so ein Trend überhaupt? Nein? Wir uns schon! In diesem Abschnitt finden Sie die Aufklärung dazu.

Wie Sie bereits wissen, erwartet die Markttechnik, dass wir aus der Korrektur heraus traden. Nur ist das Problem jetzt, dass nicht jede Korrektur die gleichen Chancen bietet. Ein Trend läuft ja nicht ewig. Irgendwann wird er gebrochen. So stellt sich die Frage nun: Wie finden wir heraus welche Korrektur mehr Vorteil bietet? Wir haben diese Arbeit schon getan und teilen die Ergebnisse nun mit Ihnen.

Wir haben Trends ausgezählt um herausfinden zu können, welche Einstiegssituation einen höheren Edge (Vorteil) aufweisen, als andere Einstiege. Bevor wir die Statistiken veröffentlichen, möchten wir Ihnen noch einmal schnell erklären, auf welche Weise wir die Trends ausgezählt haben, damit Sie die Ergebnisse besser nachvollziehen können.

Der Trend fängt mit einer „Phase 0“ an. Das ist die Situation in der wir noch keine Einstiegssituation besitzen. Wir erhalten nur die Information vom Markt, dass wir jetzt eine Marktsituation haben, in der es interessant ist in Long- oder Short-Richtung zu investieren.

Hier eine Beispielzeichnung:

Nach der „Phase 0“ folgt die „Phase 1“. In dieser Phase finden wir dann die erste Korrektur und die erste Bewegung nach der „Phase 0“.

Hier eine Beispielzeichnung:

Diese Phasen gehen, logischerweise, so lange weiter, bis sich ein Trendbruch erkennen lässt. Ein Trendbruch findet immer dann statt, wenn das letzte Tief gebrochen worden ist.

Hier ein Beispiel dazu:

Nach einem erfolgten Trendbruch sind die Phasen resettet. Nach einem Trendbruch ist nun abzuwarten, in welche Richtung der Markt erneut einen Trend aufweist. Nach einem Trendbruch wissen wir einfach nicht, in welche Richtung sich der Markt entwickeln kann.

In unseren Auswertungen haben wir, so wie schon erwähnt, die Trends und deren Phasen ausgezählt. Im Beispiel finden Sie die Trends vom S&P 500 10-Minuten-Chart.

Hier die Daten:

 

Was erkennen Sie nun genau? Fangen wir mal Schritt für Schritt an. Sie erkennen, dass wir insgesamt 800 Trends ausgezählt haben. 400 Long und 400 Short Trends. Sie erkennen auch zum Beispiel, dass es insgesamt 2 Long-Trends gegeben hat, die höher waren als „Phase 6“. Genauso erkennen Sie, dass es nur 1 Short-Trend gegeben hat der höher war als „Phase 6“.

Was aber genau ist die Quintessenz aus dieser Analyse? Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Trend nach der „Phase 0“ eine weitere „Phase 1“ macht, ist bei Long-Trades 67,5% und bei Short-Trends 59,5% !

Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer „Phase 1“ noch eine „Phase 2“ oder höhere Phase kommt ist bei Long-Trends 27,5% und bei Short-Trends 28,8%.

Jetzt mal anders formuliert. Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einer „Phase 1“ NICHT eine „Phase 2“ oder höher kommt ist bei Long-Trends 72,5% und bei Short-Trends 71,2% !

Wussten Sie das? Nein? Ab jetzt schon. Was können Sie also für Ihr eigenes Trading mitnehmen?

Sie kennen nun eine Trendphase in der es vorteilhafter ist zu investieren, als in anderen. Sagen wir mal wie es ist. Es hat nur einen statistischen Vorteil, wenn Sie in der „Phase 1“ investieren. Alle anderen Trendphasen bieten keinen statistischen Vorteil!

Man erhält ähnliche Daten auch in anderen Märkten. Hier sehen Sie die gleiche Analysemethode auf andere Märkte und Zeiteinheiten.

Hier die Daten aus dem S&P500 Stunden-Chart:

 

Hier die Daten aus dem Dax Stunden-Chart:

 

Wir haben auch noch verschiedenste US-Aktien-Werte analysiert und die Daten ähneln sich auch da.

Es ist definitiv zu erkennen, dass sich in der „Phase 1“ eines Trends ein statistischer Vorteil verbirgt. Lassen Sie Ihrer Inspiration freien Lauf wie Sie diesen Nutzen wollen.

Falls Sie uns nicht glauben, führen Sie Ihre eigenen statistischen Tests durch und schauen Sie auf was für statistische Werte Sie kommen.

 

Ist ein Trend auf Stunde signifikanter als ein Trend auf 10-Minuten?

Diese Aussage finden Sie in ganz vielen Büchern über die Markttechnik. Auch viele „Börsenprofis“ predigen diese Aussage. Was will uns aber diese Aussage genau sagen?

Die Markttechnik, so wie man sie in der Literatur gelehrt bekommt, geht davon aus, dass einen Stunden-Trend stabiler und weniger leicht gebrochen werden kann, als ein Trend auf einer kleineren Trendgröße wie zum Beispiel 10-Minutern oder 1-Minute. Aber stimmt diese Aussage überhaupt? Schauen Sie sich dafür nochmal die vorherigen Statistiken an!

Wie Sie hoffentlich erkennen können, stimmt diese Aussage nicht.

Unsere statistischen Auswertungen haben ergeben, dass ein Trend auf einer höheren Zeiteinheit nicht stabiler und weniger gefährdet für einen Trendbruch ist, als ein Trend auf 10-Minuten oder auf 1-Minute.Auch die Trends die wir auf die US-Aktien-Werte durchgeführt haben, haben diese Daten bestätigt. Dort wurden Trends auf Wochen- und Tagesbasis analysiert.

Tagestrends brechen somit statistisch genauso häufig, wie Trends auf 1-Minute!

 

Fazit

Sie haben nun eine Menge neuer Informationen erhalten. Ob Sie diese Daten für Ihr Trading verwenden wollen oder diese doch lieber ignorieren, liegt ganz bei Ihnen.

Fassen wir nochmal kurz zusammen. Sie haben von uns eine Markttechnische Trendphase erhalten, die einen statistischen Vorteil für Ihr Trading aufweist: die „Phase 1“. In allen anderen Trend- und Korrekturphasen ist es statistisch von Nachteil noch auf einen vorhandenen Trend aufzuspringen.

Wie Sie nun die Informationen die Sie von uns erhalten haben für Ihr Trading benutzen wollen, überlassen wir Ihnen.

Sollten Sie Fragen oder Anregungen haben, können Sie uns sehr gerne schreiben.

 

Viel Erfolg im Trading!

Statistic-Trading

by Mrz 03, 2017 Keine Kommentare
Wie üppige Gewinne in nur kurzer Zeit möglich sind

Wie üppige Gewinne in nur kurzer Zeit möglich sind

Gastartikel

Meiner Meinung nach ist es für einen privaten Anleger kaum möglich, langfristig so erfolgreiche Indizes wie einen MDax zu schlagen. Doch wer erfolgreicher sein will, der schafft es. Um das zu schaffen, möchte ich euch mal eine Strategie in die Hand geben, die euch dabei hilft, die Angst und die Scheu vor der Börse zu lindern und dabei überproportional zu gewinnen.

Investiert in Trends und Gewinner und nicht in Verlierer

Dass DAX-Aktien wie Daimler oder die Allianz aufgrund ihrer Markenbekanntheit und -beliebtheit für viele deutsche AnlegerInnen besonders gewinnversprechend sind, lässt sich nicht von der Hand weisen. Genauso wenig lässt sich von der Hand weisen, dass es aber in Deutschland wesentlich rentablere, sicherere und stabilere Aktien gibt. Doch wodurch erkennt man, welche Aktien vielversprechend sind, welche Aktien zu den Verlierern gehören und welche nicht?

Gehen wir dabei gemeinsam vor:

Als Erstes möchten wir uns die Entwicklung der letzten 10-Jahres-Performance aller Index-Aktien anschauen (für Deutschland verwende ich den Prime-Index). Hier interessieren mich die erfolgreichsten und stabilsten Aktien der letzten zehn Jahre. Die erhalten wir folgendermaßen: Wir interessieren uns nur für Aktien, deren jährlicher Kursgewinn über 10 % p. a. war und die einen monatlichen Gewinnanteil von mindestens 80 % hatten.

Daraufhin erhalte ich eine Tabelle aus allen Aktien, die diese Kriterien erfüllen und ordne sie nach ihrem jährlichen Kurserfolg. Erstaunlich dabei: Keine einzige DAX-Aktie befindet sich im oberen und mittleren Teil der Tabelle.

Ich schau mir an, welche Aktien davon über dem Gleitenden Durchschnitt 50, 100 und 200 (GD 50/GD 100/ GD 200) liegen.

Wenn die gleitende Durchschnittslinie der letzten 50 Tage über jener von vor 100 Tagen und jener von vor 200 Tagen liegt, zeigt sich, dass sich die Aktie in einem vielversprechenden Trend befindet. Bei den Aktien aus der zweiten Tabelle sehen wir, dass von der langen Liste aktuell nur etwa ein Viertel in einem Aufwärtstrend ist.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder investieren wir in ebendiese Aktien oder wir analysieren diese weiter.

  1. Wenn ich systematisiert, das heißt, ohne Einbindung irgendwelcher Gefühle, in diese Strategie investieren möchte, investiere ich in alle 13 Werte, sodass alle 13 gleichgewichtet sind. Das Depot ist gut diversifiziert und hat neben Technologiewerten (Dialog Semiconductor, Datagroup, u. a.) auch defensivere Werte aus der Chemie- und Konsumgüterbranche (Fuchs Petrolub, Leifheit, u. a.) im Depot.
  2. Ich analysiere die Werte weiter nach wichtigen Kriterien. Hier interessiert mich weiterhin etwa, inwieweit die Aktie mit dem Markt korreliert. Das bedeutet, dass ich analysiere, wie unabhängig der Aufwärtstrend vom Markt ist. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil der Wert sich dann auch bei trüben Aussichten am Markt eher dazu neigen wird, zu steigen. Legen wir hier fest, dass unsere Aktien nur 50 % mit dem Markt korrelieren dürfen, um in unsere Auswahl zu gelangen. Hier bleibt mir noch die Hälfte, sechs Aktien, über.

Nun kann ich spätestens in diese Aktien investieren. Wichtig dabei zu beachten sind folgende Regeln:

  1. Ich überprüfe die Werte jedes Monat nur einmal. Sind diese dann noch Teil unserer Strategie und erfüllen alle unsere Kriterien, verbleiben sie in unserem Depot. Ist dies nicht der Fall, verkaufen wir sie unabhängig von ihrer Performance.
  2. Wir investieren in alle Werte dieselbe Summe an Geld. Dies ermöglicht es unseren Werten unabhängig von Emotionen und eigenen Einschätzungen dieselbe Chance auf Kursgewinne zu erhalten.
  3. Jedes Monat versuchen wir, die in unserem Depot enthaltenen Werte wieder auf denselben Anteil zu bringen – egal, wie viel Gewinn oder Verlust sie gemacht haben. Wir geben jedes Monat wieder den neuen und alten Depotwerten dieselbe Chance, unsere Performance zu verbessern.
  4. Wir verwenden bei dieser Strategie keinen Stop Loss. Aufgrund der monatlichen Überprüfung hat dies für uns keinen erwiesenen Vorteil.

Wer sollte diese Strategie wie verwenden?

  • Für Buy-and-Hold-Anleger empfehle ich, den 1. Schritt einmal jährlich durchzuführen. Das erfordert durchschnittlich nur etwa eine halbe Stunde Arbeit und man kann sich sicher sein, in die besten Werte der vergangenen Jahre zu investieren. Hier würde ich einen Stop Loss in Höhe der Volatilität der Aktie zu setzen. Ich persönlich verwende bei den meisten Werten einen Stop Loss von 10 %, den ich monatlich adaptiere.
  • Für die Trend-Trader unter uns empfehle ich, den zweiten Schritt anzuwenden. Man investiert damit in erwiesenermaßen trendstarke Aktien, die noch viel Kurspotential haben. Manche Wetten werden dabei nicht aufgehen. Aber die meisten, vor allem in Uptrends im DAX, werden das Vertrauen mehr als rechtfertigen und steigen. Privat investiere ich nach der Grundlage des zweiten Schritts und wende den dritten nicht an. Denn:
  • Ausschließlich für Kurzfrist und Profi-Trader ist die Auswahl weniger Werte zu empfehlen. Dies ermöglicht dem Trader enorm hohe Chancen. Damit verbunden sind aber auch umso höhere Risiken. In Abwärtstrends im DAX oder sehr volatilen Märkten ist die Marktkorrelation allerdings wichtig zu beachten, da sie uns helfen kann, unser Depot gegen Marktverwerfungen abzusichern.

Wer sich fragt, wie man diese Analysen kostenlos zusammentragen kann, kann bei Teletrader.com die gesamte 10-Jahres-Performance der Aktien in den deutschen Märkten (DAX, MDAX, TecDAX, SDAX) abfragen und die Volatilität der Aktien feststellen. Dieser kann als Stopp-Kurs herangezogen werden. Bei allen Tradern, die TeleTrader als Quelle heranziehen wollen, empfehle ich, in die Top 10 % aller Indizes zu investieren. Damit habt ihr großartige Werte im Depot und habt nicht einmal fünf Minuten Aufwand pro Jahr, um tolle Werte zu finden. Alternativ könnt ihr auch nur Werte ins Depot aufnehmen, die eine höhere Performance als 200 % in den letzten 10 Jahren erreicht haben. Diese Analyse könnt ihr selbstverständlich auch auf Amerika ausweiten.

Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser Idee einige Ideen an die Hand geben. Für alle, die noch an weiteren Tipps & Tricks interessiert sind, empfehle ich meine weiteren Artikel.

by Mrz 01, 2017 Keine Kommentare
Mein Weg an die Börse

Mein Weg an die Börse

Gastartikel

Als ich vor knapp sieben Jahren mit dem Investieren begann, stand ich vor einem Riesenproblem: Ich kannte so gut wie kein Unternehmen an der Börse, weil ich keine Ahnung hatte, welche Unternehmen und was man dort handelte. Unüberlegt schaute ich auf der Website der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nach Unternehmensnamen und stieß auf insgesamt 32 Werte.

Trotz verträgt sich mit der Börse nicht

Ich hatte damals mein Depot noch bei einer Sparkasse. Mein Bankberater empfahl mir damals, in einen bankeigenen Anleihen-Fonds der DACH-Region zu investieren. Return nach einem Jahr inkl. Gebühren: -7 %. Ich war wütend. Mein Berater sagte mir, dass er dies nicht verantworten könne. Ich müsse mit einer anderen Person reden. Und so landete ich mit einem Anleihen-Fonds, einem Bausparer und einem Sparkonto im Anlagesumpf, in dem so ziemlich jeder Anleger schon einmal war oder noch ist: Depotgebühren von hunderten Euro, horrende Transaktionsgebühren und eine enttäuschende Feststellung: Irgendwie konnte das nicht funktionieren. Ich mache da etwas falsch.

Nun wollte ich es mir selbst beweisen. Meinen Erfolg wollte ich meinem Bankberater am selben Tag im nächsten Jahr zeigen.

Mein erstes Investment, Nokia Corp, war damals 16 Stück à 3 Euro Kaufkurs (= € 48,00). Die Transaktionsgebühren für den Kauf lagen bei € 22,00. Und als ich meine Excel-Tabelle zum Verfolgen meines Depots erstellte, bemerkte ich erst, was für ein Scheusal ich soeben beging. Durch meine Enttäuschung war ich aber beratungsresistent, ich kannte auch niemanden, der sich damit auskannte, also probierte ich fleißig weiter. In diesem Depot versteckte sich auch mein erster Verdoppler: JinkoSolar. Meine Werte waren also gar nicht so schlecht, es fehlte nur ein System.

Wie Gier  und Gewinnversprechen einen in die Falle führen

Auf meiner verzweifelten Suche nach Hilfe probierte ich einen Börsendienst nach dem anderen und abonnierte die Zeitschrift „Der Aktionär“. Durch die waghalsigen Versprechungen im Magazin ließ ich mich zu angeblichen Verdopplern auf Jahressicht verführen. Ich verkaufte sie mit einem Depotverlust von einem Fünftel. Ich beging jeden Grundfehler von Tradern: Ich überschätzte mich nach meinen überwältigenden Gewinnen von über 70 % zwischen dem 2. Halbjahr 2014 bis April 2015 völlig, glaubte stärker als der Markt zu sein und verursachte damit nichts anderes als den Zinseszinseffekt in die Gegenrichtung. Ich verliebte mich in Aktien, handelte Derivate mit Hebel 20, ließ mich emotional und von Börsenmagazinen von Trade zu Trade treiben, versuchte mich als Daytrader ohne ein System dafür entwickelt zu haben, glaubte an Verschwörungstheorien, folgte Börsenbriefen, die über mangelnde Qualität verfügten und dgl. mehr…

Bis ich feststellte, dass ich dadurch nicht nur Geld verlor, sondern auch merkte, dass ich mich selbst nicht mehr auskannte, was ich eigentlich handelte. Daraufhin probierte ich verschiedene Anlagegrundsätze aus: Fundamentalanalyse nach Value- und Growth-Grundsätzen, Highflyer, Large Caps, Small Caps, Pennystocks, technische Analyse, Branchenselektion und viele mehr.

Und verzockte Zehntausende Euro. Mit innerer Verblendung und der fehlenden Einsicht, so nicht gewinnen zu können. Im Frühling 2016 stand ich also da mit Zehntausenden Euro Verlust, blanker Panik, Verzweiflung und vollkommen desillusioniert da.

„Wer Geld hat, kann spekulieren, wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren“

Ich erinnerte mich an ein Zitat von dem altehrwürdigen Kostolany: „Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muß spekulieren.“ Ich analysierte meine Excel-Tabellen der letzten 5 Jahren und bemerkte von Trade zu Trade, welchen Mist ich da fabrizierte. Und so schwor ich mich auf meine alles entscheidende Formel an der Börse ein: Einmal probiere ich es noch. Und zwar systematisiert, mit backgetesteten Handelssystemen.

Ich gab mir bis Jahresende 2016 Zeit, um Strategien zu entwickeln, die systematisiert Gewinne abwerfen sollten. Nach etlichen Börsenbüchern, Webinaren und der Analyse fremder Handelssysteme entwickelte ich meine eigenen. Ich definierte für all meine Handelssysteme Kriterien. Hierzu schrieb ich mir, an Verkaufsprospekten von Zertifikaten angelehnt, einen Leitfaden, den ich nun zu 100 % einhalte. Sollte ich eines dieser Prinzipien brechen, muss ich mit dem Trading aufhören.

Aus über 200 Stunden Programmierung, weiteren hunderten Stunden bei Excel und sechs Jahren Marktbeobachtung und -analyse erschuf ich nun vier Systeme, die ich eigenhändig handle und sieben, die ich auf Basis von ProRealTime powered by IG Markets programmiert habe. Hier möchte ich euch kurz meine vier Handelsstrategien nennen, die ich für mich entwickelt habe und seit 1. Januar 2017 verfolge:

  1. Index RSL-Investing (diese Strategie handle ich über ein wikifolio)
  2. Trendfolge-Investing nach selbstentwickelten Grundsätzen (handle ich über ein wikifolio seit 13.10.2015, allerdings erst seit 1.1.2017 mit den neuen Prinzipien, die letztgültig sind)
  3. Pivotal News Points auf Basis meiner Trendfolgekandidaten (handle ich ausschließlich in meinem Privatdepot)
  4. Darvas-Box-Ausbrüche (über wikifolio verfügbar)

Diese haben seit Jahresbeginn schon wieder ein Viertel meiner Verluste reingeholt. Nun bin ich fest davon überzeugt, dass es eine grundlegende Strategie war, die fehlte. Es entwickelten sich sieben daraus. Es ist nie zu spät, damit anzufangen, aber immer zu früh, damit aufzuhören. Deshalb kann ich nur jedem Trader raten: Vergesst euer Bauchgefühl, bildet euch weiter, kreiert Strategien, an die ihr euch ohne Ausnahme haltet und ich verspreche euch, dass ihr Erfolg haben werdet.

Wer neugierig ist, wie ich auf diese Trading-Systeme gestoßen bin oder Inspiration für eigene Strategien braucht, den lade ich herzlich dazu ein, die nächsten Artikel zu lesen, auf denen ich viele Inputs mit euch teilen werde.

by Feb 25, 2017 Keine Kommentare
Warum die Euro-Krise zurückkehren könnte

Warum die Euro-Krise zurückkehren könnte

Gastartikel

Acht Jahre nach der Einführung der europäischen Währung, dem Euro, brach 2010 die unter anderem daraus resultierende Euro-Krise aus. Die durch die Einführung der Gemeinschaftswährung entstandenen wirtschaftlichen Ungleichgewichte entfalteten ihre desaströse Wirkung. Auf der einen Seite war der Wechselkurs für die Peripherie-Staaten Europas zu stark und für die Schwergewichte zu schwach. Infolge dessen sanken Produktion und Export in vielen Ländern und die haushaltsdefizite wurden größer. Auf der anderen Seite konnten viele Länder des Euro-Raumes die Bonität der europäischen Wirtschaftsnationen nutzen und sich günstiger Verschulden. Beide Faktoren führten zu steigender Verschuldung und wirtschaftlicher Disbalance. Nacht acht Jahren im Geldregen drehte der Kapitalmarkt den instabilen Peripherie-Staaten den Geldhahn zu und die Euro-Krise brach aus.

Die Rettungsmaßnahmen waren teuer. Mit hunderten Milliarden direkten Finanzspritzen und Garantien wurde umgeschuldet und refinanziert. Erst mit dem OMT-Beschluss der EZB beruhigte sich der Kapitalmarkt und die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen und somit auch die Haushaltsdefizite sanken. Seit der Euro-Krise hat die europäische Zentralbank den Leitzins auf Null gesenkt und Billionensummen via Quantitative Easing in den Markt gepumpt.

Im kommenden Jahr wird Europa das achte Jahr nach dem Ausbruch Euro-Krise erleben. Aus meiner Sicht wurden bisher lediglich die Flammen gelöscht, aber die Glutnester ignoriert. Jederzeit könnte die Euro-Krise wieder aufflammen, wie ich bereits Anfang Januat im Beitrag “Euro-Krise 2.0” thematisiert hatte. In diesem Beitrag möchte ich mich mit neuen Erkenntnissen und Recherchen der Frage widmen: Wie steht es um Europa und droht uns eine Rückkehr der Euro-Krise?

Argumente gegen eine Euro-Krise

Die Konjunkturdaten Europas sind gemischt. Es gibt durchaus Möglichkeiten und Hinweise, dass Europa sich erholt. Wenn auch erst nach jahrelangem Drängen durch EZB und EU-Parlament, machen die Länder nun ihre Hausaufgaben. Deutschland gibt beispielsweise sein exportförderndes Lohndumping auf, währenddessen viele Peripherie-Staaten ihre Haushalte zähneknirschen und langsam aber stetig bereinigen.

  • Die Inflation steigt wieder an. Das ist wichtig, damit die Unternehmen steigende Preise erwarten und somit weiterhin in den Ausbau ihres Angebotes investieren.
  • Die Peripherie-Länder Europas sind dank Garantien, Rettungsschirm und Quantitative Easing nicht mehr so anfällig für den Kapitalmarkt. Die Verzinsung der Schulden ist im Griff, die Haushaltsdefizite nicht mehr dem Kollaps nahe.
  • Das produzierende Gewerbe blüht auf und auch der Binnenkonsum steigt europaweit
  • In Deutschland steigen die Lohnstückkosten wodurch deutsche Produkte am Weltmarkt teurer und weniger attraktiv werden. Die Peripheriestaaten Europas haben wieder bessere Chancen für den nationalen Export
  • Nach jahrelangem Vermeiden von Investitionen, erhöhen die Staaten im Euro-Raum ihre Investitionsausgaben. Allein in Deutschland wurden die Investitionen 2016 um mehr als 6% angehoben. Die Bundesländer kommen mit dem Geld ausgeben nicht hinterher.
  • Auch im Blickfeld der Politik sind wieder bisher vermiedene Reformanstrengungen. Zuletzt scheiterte die wichtigste Reform, die der italienischen Verfassung, doch Europa könnte sich auf einem guten Weg befinden zu erkennen, dass marode Systeme und gemeinschaftliche Ungleichgewichtige reformiert werden müssen.

Argumente für eine Euro-Krise

Doch gerettet ist Europa noch lange nicht. Bisher sind Ungleichgewichte nicht behoben worden und die EU-Nationen tun sich weiterhin schwer mit nötigen Reformen.

  • Weiterhin ungeklärt ist die Frage des Wechselkurses. Dieser ist für schwächere Staaten zu stark und für stärke Staaten zu schwach. Wie kann mit dem daraus resultierenden Ungleichgewicht umgegangen werden? Im Gespräch waren zuletzt beispielsweise ein Nord- und ein Süd-Euro als Währungen einzuführen, um wieder gewisse Wechselkursunterschiede zuzulassen.
  • Weiterhin ungeklärt ist die Frage der nationalen Schuldenberge. Diese lauten auf Euro, doch wer haftet dafür? Die EU verfügt nicht über genügend Mittel, die Einzelstaaten wollen nicht für die Schulden des jeweils anderen haften. Deutschland wehrt sich weiterhin vehement gegen Ideen europäischer Anleihen.
  • Auch ungeklärt ist die Frage der europäischen Integration. Verbleibt Europa als Gemeinschaft ohne Grenzen und gewissen Absprachen oder wird die Integration nach dem Vorbild der United States vorrangetrieben? Derzeit wird die EU aus meiner Sicht von unten nach oben regiert. Die Staaten haben mehr zu sagen, als die EU selbst. Eine Integration durch die Verlagerung wichtiger Resorts (wie beispielweise beim Bund-Länder-Prinzip in Deutschland) in die EU wäre ein großer Schritt in Richtung einer gemeinsamen und einheitlichen Politik bzw. auch Wirtschaftspolitik.

Europa ist immer noch ein Projekt im Aufbau. Auf halber Strecke ist man sich nun uneinig wer das Dach des zu bauenden Gebäudes nun eigentlich tragen soll. Niemand möchte seine tragende Position aufgeben, doch auch nicht die Last übernehmen, wenn neben ihm jemand wegbricht. Alle gemeinsam tragen die Last des Daches, welche jedoch ungleichmäßig verteilt ist. Und doch möchte niemand etwas verändern.

Europa muss sich wichtige Fragen stellen. Wie soll die EU aussehen? Ist die EU bereits am Ziel oder soll die Integration vertieft werden? Auch drängen sich Fragen um den Fortbestand der Gemeinschaft in Zeiten von Austritts-Referenden aus. Wie wird Europa ohne das United Kingdom aussehen und agieren. Auch die Frage der Verteidigungspolitik in Zeiten, in denen sich der große Bruder, die USA, aus Europa zurückziehen, drängt sich auf. Wer wird nun seine Militärausgaben erhöhen und mehr Verantwortung übernehmen? Europa steht vor Chancen und Problemen zugleich. Wo etwas zu Bruch geht ist auch die Chance etwas neues zu platzieren …

Die Wirtschaftslleistung Europas wuchs 2016 um 1,8%. Für 2017 wird eine Zunahme um 1,6% erwartet. Hierbei ist das Wachstum auf Länderebene jedoch ziemlich ungleich verteilt. Während beispielsweise die ehemaligen Krisenstaaten Irland und Spanien mit 3,4% und 2,3% Wachstum glänzen, hinkt Italien mit eine niedrigen Zunahme um nur 0,9% hinterher. Europa wächst, doch reicht das moderate Wachstum, um aus den Problemen herauszuwachsen?

Nur Deutschland, Irland und die Niederlande kommen in Europa ohne Neuverschuldung aus. Alle anderen Länder verzeichnen ein Haushaltsdefizit. Darunter schlagen sich auch mit die größten Volkswirtschaften der Union mit Haushaltslöchern rum. So erwartet Frankreich ein Defizit über 3,1%, Spanien eines um die 3,5% und Italien 2,4%.

Euro-Krise durch Bankensektor?

Wesentlich besorgniserregnder ist jedoch der Zustand des Bankensektors. 5,4% aller EU-Kredite werden nicht ordnungsgemäß bedient. In den USA und Japan sollen es zuletzt nur 2% gewesen sein. Allein italienische Banken schieben über 300 Milliarden Euro fauler Kredite vor sich her. So musste der italienische Staat bereits einen neuen Rettungsfond mit über 20 Milliarden Euro bestücken, von denen bereits 6,5 Mrd. für die krisengeplagte Bank Monte dei Paschi reserviert sind. Die Banken müssen immer wieder hohe Summen fauler Kredite abschreiben. So benötigt die Unicredit ungefähr 13 Milliarden Euro neues Kapital, nachdem vor Kurzem non-performaning loans mit einem Wert über 11,8 Mrd. Euro abgeschrieben wurden.

5,4% der durch Banken im Euro-Raum vergebenen Kredite werden also nicht bedient. Das ist der Durchschnitt im Euro-Raum! Dieser wird natürlich durch wirtschaftliche Schwergewichte, wie Deutschland – mir nur 2,6% fauler Darlehen – runtergezogen. Schaut man sich die einzelnen Staaten an, dann sieht das Bild noch düsterer aus. Den Peripherie-Staaten Europas geht es weiterhin finanziell nicht gut. Neben den angesprochenen Haushaltsdefiziten in Milliardenhöhe werden in Griechenland 47,1% der Kredite nicht regelmäßig bedient, in Zypern sind es 46,7%, in Portugal 19,8%, in Italien 16,4%, in Slowenien 16,3%, in Irland 14,4%, in Bulgarien 13,2%, in Ungarn 12,8%, in Rumänien 10,5% und in Kroatien beispielsweise 10,5%.

Zu erkennen sidn außerdem Kapitalströme aus den Peripherie-Staaten in die Wirtschaftsschwergewichte. Woran erkennt man das? Am Target-2-Salden-System. So schafften italienische Banken scheinbar 2016 rund 130 Milliarden Euro aus dem Land. Die Forderungen der deutschen Bundesbank gegenüber anderen nationalen Zentralbanken stiegen auf Rekordhoch. Viel Geld fließt in das wohl sicherere Deutschland. Steigende Risikoaufschläge für Staatsschulden und abfließendes Kapital könnten Südeuropa erneut Probleme bereiten.

Was würde passieren, wenn die EZB nun den Leitzins wieder anheben und das QE-Programm auslaufen lassen würde? Die zu zahlende Zinslast der Staaten würde wieder steigen, die Haushaltsdefizite erneut außer Kontrolle geraten. Die Summen, welche Staaten durch die niedrigen Zinsen und EZB-Anleihenkäufe seit 2010 eingespart haben, sind gigantisch. Es ist bezeichnend für den Reformstau in Europa, dass trotzdem weiterhin nur drei Staaten Überschüsse verzeichnen und die nationalen Bankensysteme bei den meisten und vorallem den anfälligsten Staaten weiterhin nahe dem Kollaps stehen.

Fazit

Viele behaupten Europa gehe es gut. Dafür gibt es zahlreiche Indikatoren und es gibt tatsächlich positive Entwicklungen. Doch immer wieder sollte man sich vor Augen führen, dass die erstarkende Konjunktur weiterhin ein zärtliches Pflänzchen ist. Europas Stabilität hängt am Geldhahn der EZB. Ohne die Einsparungen von mehr als 200 Milliarden Euro in den vergangenen 5 bis 7 Jahren würde auch Deutschland heute konjunkturell schwächer und eventuell auch mit höheren Schulden um ausgeglichene Haushalte kämpfen müssen. Europa geht es nur dank der Krisenpolitik der EZB gut. Ohne die wäre das viele Geld für die umfassenden Ausgaben der Staaten nicht vorhanden und die Euro-Krise 2010 in einer schweren Rezession geendet, von der sich Europa bis heute nicht erholt hätte.

Mario Draghi weist immer wieder in Reden – seit vielen vielen Jahren – daraufhin, dass die EZB die Zinsen drücke und die Staatshaushalte entlaste um den Nationen Zeit zu verschaffen. Es wird teuer Zeit gekauft. Wie beschrieben wurde die Rezession 2010 verhindert und verschobene. Doch ewig kann auch die EZB die Notenpresse nicht laufen lassen. Europa muss sich berappeln und reformieren. Ohne Abgabe nationaler Kompetenzen an die EU und ohne Lösung der Ursachen der Euro-Krise 2010 wird Europa nie aus dem Krisenmodus herauskommen. Es wird konjunkturelle Erholungen geben, doch es reicht nicht das Feuer zu löschen und die Glut zu ignorieren. Nur erloschene Asche ist nahrhafter Boden auf dem etwas neues aufgebaut werden kann. Wer auf Glut versucht Häuser zu bauen sollte sich nicht wundern, wenn dieses irgendwann wieder in Flammen steht. Aus meiner Sicht macht Europa leider genau das …

by Feb 18, 2017 3 Kommentare
Die StartUp-Blase – großer Hype um kleine Firmen

Die StartUp-Blase – großer Hype um kleine Firmen

Gastartikel

Alphabet, Facebook und Amazon sind durchschnittlich 18 Jahre alt. Die Titanten der modernen Märkte sind von der Dauer des Bestehens her betrachtet noch jugendliche Firmen. Doch die jugendlichen Superkonzerne bekommen bereits durch noch jüngeren Nachwuchs Konkurrenz. So kündigte kürzlich Snapchat an den Börsengang wagen zu wollen.

Snapchat ist ein Unicorn (Einhorn). Als Unicorn werden Start Ups bezeichnet, welche bereits über eine Milliarden Dollar wert sind. Das Unternehmen wurde nicht einmal vor sechs Jahren gegründet und begeistert rund 160 Millionen Nutzer täglich. Das Geschäftskonzept ähnelt dem vom Twitter – Nutzer tauschen Daten in zeitlich möglichst eingegrenztem Rahmen, aber hoher Intensität, aus. Sind es bei Twitter jedoch die Textnachrichten, so snappen Snapchat-Nutzer Bilder und kurze Videos, welche nach wenigen Sekunden bereits wieder verschwinden.

Snapchat ist erfolgreich, bekannt und wird in hoher Intensität von vielen genutzt. Das Unternehmen wird von zahlreichen Analysten mit rund 25 Milliarden Dollar Unternehmenswert berechnet. Der Umsatz steigt zwar in jedem Quartal und steht aktuell bei rund 170 Millionen Dollar pro Quartal, doch schreibt das junge Unternehmen rote Zahlen. Etwa eine halbe Milliarde Euro Verlust häufen sich jährlich auf. Dennoch ist die Unternehmensbewertung vergleichbar beispielsweise zu Fresenius Medical Care. Ein Konzern mit fast 11.000 Mitarbeitern, 17 Milliarden Euro Umsatz und über einer Milliarde Euro Gewinn im Jahr (Quelle: Handelsblatt, Die Geister die wir riefen, Thomas Tuma).

Das Vorhandensein von unglaublich viel günstigem Geld (danker niedriger Zinsen) und das Fehlen von renditeträchtigen Perspektiven, bringt Unternehmen, Fonds und Risikokapitalgeber dazu StartUps um jeden Preis hinzukaufen zu wollen und auch müssen. Die Nachfrage nach jungen Unternehmen, welche eventuell in Zukunft der nächste Kracher sein könnten, ist gigantisch. Daher kommen auch die ambitionierten Bewertungen.

Snapchat ist aktuell keine 25 Milliarden USD wert. Da sind wir uns, denke ich, alle einig. Der größte Teil der Unternehmensbewertungen vieler StartUps besteht aktuell aus meiner Sicht aus ‘Hoffnung’. Mit erscheint der aktuelle Hype um die StartUps von Morgen ein wenig wie der NewEconomy Hype um das Jahr 2000 rum. Viel Geld floss in die neuen Firmen, welche die Zukunft sein sollten. Die Hoffnung und damit auch die Bewertungsblase platzen jedoch als klar wurde, dass die hohen Erwartungen nicht würden erfüllt werden können.

Dieser Abschnitt wurde am 16.02.2017 verfasst. Die nun folgenden Ausführen stammen größtenteils vom 02.09.2016.

Bei Interesse finden Sie weitere Informationen zu Snapchat im NZZ-Artikel “Geldverbrennungsmaschine

Seit über einem Jahr weise ich in kritischen Blogs auf die fragile konjunkturelle Situation hin. Weltweit müssen Zentralbanken historische Maßnahmen und Instrumente einsetzen, um die Märkte zu stützen und vor einem Kollaps zu bewahren. Kreditvergabe, Investitionen, Inflation und Wachstum verbleiben labil und Staaten kämpfen gegen Deflation und Rezession. In einer Welt schwachem Wachstums und negativer Zinsen stellt es für Unternehmen und Anleger eine besonders schwere Aufgabe dar eine renditeträchtige Anlageform für das eigene Geld zu finden. Nach der Dot-com-Blase 2001 und der Subprime-Blase 2007 konzentriert sich die gesamte Hoffnung und Erwartung seit einigen Jahren nun auf Technologie-Firmen und Start Ups. Vor Allem der massenhafte Zukauf von jungen Firmen zu Fantasiebewertungen könnte als Unicorn-Blase ein Problem darstellen.

Unsere Welt nähert sich der Null immer weiter an. Nullzinsen für Sparguthaben. Nullwachstum in Industrienationen und abflachende Wachstumskurven auch in Schwellenländern. Sinkende Rohstoffpreise und eine Inflation nahe der Null. Auch die Zuversicht vieler sinkt gegen Null während Zentralbanken immer wieder eine weitere Null an die Summe hängen müssen, mit der sie den Finanzmarkt bearbeiten (QE-Programme). Ich habe bereits oft über die Ursachen dieser Krise gesprochen: schwache Investitionen, eine generelle Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Konsumenten, sowie fehlende Strukturreformen lähmen unseren Fortschritt. Seit kurzem ist auch noch das Eingreifen von entglobalisierenden und protektionistischen Populisten (USA, Großbritannien) als hemmender Faktor zu erwähnen. Doch Probleme und negative Anzeichen findet man immer, wenn man will. Auch muss ein wenig Sand im Getriebe der Konjunktur kein Grund für Crash, Krise und Rezession sein. Nein.

Doch seit über einem Jahr frage ich mich was der Sprengsatz der Blase sein könnte. Welche Blase? Trotz zahlreicher Probleme, sich aufdrängender Fragen und hemmender Faktoren stiegen die Indizes zuletzt auf Allzeithoch. Das Volumen von Fonds, Risikokapital und M&A Markt erreicht neue Rekorde. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren stark. Eine Blase, also Überbewertung, kann über längere Zeit bestehen. Nur weil etwas zu hoch bewertet ist, muss es nicht fallen. Es gibt immer einen Auslöser, einen Grund bzw. einen Anlass, dass eine Korrektur oder ein Crash ausgelöst wird.

2001 waren es die überzogenen Erwartungen an Internet-Unternehmen. Als die Blase platzte und die Bewertungen um Billionen nach unten korrigiert werden mussten fasste das Inferno um sich. 2007 waren es faule (non-performaning) Immobilienkredite, welche geschickt getarnt und von den Rating-Agenturen zu gut bewertet weltweit verkauft wurden und mit dem platzen der Blase ebenfalls um Billionen im Wert nach unten korrigiert werden mussten. Die Korrektur erfasste auch Banken und Unternehmen, wie z.B. Lehman Brothers.

Nun konzentrieren sich Millionen Investoren und Anlager und Billionen-Summen Kapital auf Technologie-Firmen und Start Ups. In Zeiten schwacher Renditen ruht die gesamte Hoffnung und Erwartung auf den Tech-Giganten und Tech-Unicorns. Die Bewertungen sind abnormal hoch. Mittlerweile werden Start Ups mit dem 10fachen des Umsatzes oder auch dem 25fachen des EBIT bewertet – Tendenz steigend. Das es sich hierbei um eine Blase handelt ist allen bewusst. Doch ist uns auch bewusst, dass diese Blase der Sprengsatz des Systems sein könnte?

StartUp Grafik

Dave McClure (500 Start Ups) hat in seinem Beitrag “The Unicorn Hedge” bereits mit Witz, Logik und Insiderwissen den derzeitigen Hype analysiert: Heutzutage werden Start Ups wie am Fließband produziert und für hunderte Millionen oder mehrere Milliarden Dollar verkauft. Es gab noch nie so viele Unicorns, wie heutzutage. Hierbei kaufen vor Allem die Tech Giganten, wie Microsoft, Google, Apple, Amazon oder Facebook im großen Stil ein. Innovation kommt nicht mehr aus den Reihen von NASA, Apple oder Siemens. Tesla, SpaceX, Uber oder Airbnb sind die neuen Sterne am Tech-Himmel. Und die Tech-Giganten sichern ihr Kerngeschäft mit milliardenschweren Zukäufen ab – sie hedgen ihr Geschäftsmodell. Sie müssen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen und ihr Gewerbe durch Zukäufe von Innovation absichern.

  • Microsoft kaufte Linked In und Skype
  • Google kaufte Youtube und Android
  • Facebook kaufte Whatsapp und Instagram

Während 2001 die meisten Unternehmen noch an die Börse gingen so werden die begehrten Start Ups heutzutage bereits vor dem Börsengang geschluckt. Ob Whatsapp, Dropbox, Uber oder Snapchat – die Bewertungen der Start Ups basieren lange nicht mehr auf Umsatz und Gewinn. Die Bewertung basiert auf der Nachfrage. Es ist eben möglich ein Start Ups mit $100 Millionen Umsatz heutzutage für $1 Milliarde zu verkaufen. Käufer gibt es dafür aktuell wie Sand am Meer. Auch basiert der Hype auf der Hoffnung darauf unter den zahlreichen Zukäufen einige wenige Erfolge zu haben. Man hofft aus 10 Zukäufen vielleicht ein bis zwei neue Tech-Giganten entwickeln zu können.

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Der Hype um Start Ups ist gigantisch. Gab es 2014 noch 75 Unicorns, so waren 2015 bereits 140 und 2016 zählt man über 190 solcher Einhörner.

Die Bewertungen sind immens. So waren die 93 US-Einhörner zusammen 322 Milliarden Dollar wert. 93 Start Ups erreichten einen Wert nur 14% unter dem vom Microsoft und etwas höher als der von Intel oder Cisco.

Doch warum sehe ich in diesem Hype nun den möglichen nächsten Crash? Das es sich um eine Blase handelt ist uns allen bewusst. Das die Bewertungen der Start Ups völlig überzogen muss, denke ich, nicht diskutiert werden. Doch jeder Hype endet irgendwann. Eine Spekulationsblase schaukelt sich auf bis der erste Bieter aufsteht und den Saal verlässt. Plötzlich stürzen alle gemeinsam auf den Ausgang zu. Der Moment, wenn die Euphorie um die Start Ups endet und/oder sich zeigt, dass die großen Hoffnungen überzogen waren und die immensen Erwartungen nicht erfüllt werden können, sollte der Moment sein in dem die Bewertungen der Start Ups um Billionen nach unten korrigiert werden müssen. Derzeit beteiligt sich fast jeder an der Übernahme-Schlacht. Für Übernahmen und Fusionen (M&A Market) werden aktuell Summen vergleich mit 2008 aufgeboten. 2016 oder 2017 könnten die Summen der Zukäufe neue Rekordhöhen erreichen. Jeder macht mit. Jeder versucht sein Unternehmen mit frischen Start Ups zu hedgen. Und jeder wird beim Platzen der Unicorn-Blase hohe Abschreibungen in seiner Bilanz vornehmen müssen. Milliarden-Korrekturen werden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz schicken und andere sehr schlecht aussehen lassen. Anleger an der Börse werden ihr Kapital abziehen und die Börsenkurse werden nachgeben.

Die Frage ist: Sind die großen Hoffnungen und Erwartungen an die StartUps berechtigt und werden diese Nachziehen und die billionenschwere Einpreisung rechtfertigen – oder wird der Traum irgendwann jäh zerplatzen und mit ihm ein Billionenmarkt?

Fleißig kauft die Welt überbewertete Start Ups ein, welche in einigen Jahren ihren Wert größtenteils verlieren sollten. Riecht das nicht nach Crash?

by Feb 15, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – Wie alles anfing

Geschichte der Börse – Wie alles anfing

Gastartikel

Wenn Jugendliche heutzutage in der Schule etwas über die napoleonischen Kriege und die Schlacht bei Waterloo lernen, dann wissen sie nicht, dass diese Geschehnisse stark beeinflusst worden sind durch Börsen und Wertpapiere. Wenn Schüler etwas über Kolonien, Kolumbus und die Niederlande lernen, dann erfahren sie nicht, dass dies alles nur dank der Börsen und Wertpapiere möglich war. Seit rund 800 Jahren ist die Börse und der Handel von Wertpapieren elementarer Bestandteil unserer Existenz und des heutzutage erreichten Wohlstandes. Jeder von uns hat direkt oder indirekt etwas mit der Börse zu tun. Doch wie ist diese eigentlich entstanden?

Es gibt zahlreiche Formen der Börse. In der allgemeinen Definition handelt es sich bei einer Börse um einen nach bestimmten Regeln organisierten Marktplatz, an dem Händler vertretbare Dinge handeln. Was sind vertretbare Dinge? Hierbei handelt es sich um handelbare Waren, welche sich untereinander nicht oder nur geringfügig unterscheiden. Dies ist elementarer Bestandteil einer Börse. Gehandelt werden so Wertpapiere, Rohstoffe, CO2-Zertifikate und viele weitere vertretbare Dinge. Doch was heutzutage unseren Wohlstand mitbegründet, unser Wirtschaftssystem mit Liquidität versorgt und Billionenwerte verschiebt, Vermögen bildet und vernichtet, hat damals klein angefangen.

Über den Begriff „Börse“ gibt es diverse Theorien. Man kann den Begriff auf das mittelalterliche Wort „bursa“ zurückführen, welches eine Tasche aus Leder für die Aufbewahrung von Geld beschrieb. Dieses Wort fand dann auch im Familien-Namen der Kaufmannsfamilie „van der Beurse“ aus Antwerpen (nicht in Brügge, wie oftmals behauptet) seinen Platz. Diese Familie besaß auch im Wappen drei Geldbeutel. Das aus dem Familien-Namen abgeleitete Wort „Beurse“ etablierte sich daraufhin in vielen Ländern, nachdem diese Familie begann geschäftliche Treffen in Form einer frühen Börse in ihren Häusern abzuhalten. Dies ist die wahrscheinlich bekannteste Version der Entstehung des Namens “Börse” für die Marktplätze von Finanzprodukten.

Der Bedarf an Finanzprodukten bestand bereits vor vielen tausenden Jahren. Ökonomische Vorgänge konnten so präzisiert und vereinfacht werden. Die ältesten Finanzprodukte sind derzeit von vor rund 4.000 Jahren bekannt. Circa 2.000 vor Christus handelten bereits die Babylonier mit Krediten und Future-Zertifikaten. Auf Tontafeln wurden Schulden festgeschrieben und Preise für die Ernte des nächsten Sommers vereinbart. Doch hierbei handelte es sich mehr um Handelsbeziehungen zwischen zwei Personen oder kleinen Gruppen statt zentrierten Marktplätzen, welche man als Börse verstehen könnte. Mit bedeutenden Innovationen und zunehmender Entwicklung der Gesellschaft, wie im römischen Reich, wurde der Handel intensiviert. Um 1200 sind die ersten börsennahen Handelsplätze in Handelszentren, wie Genua, Florenz, Lucca oder Venedig bekannt. Hier trafen Geldwechsler, Banker, Vermögende, Händler und Kaufleute zusammen. 1.111 ist die erste geregelte regelmäßige Versammlung einer Tausch-Börse in Lucca bekannt. Die „Banca di San Georgio“ in Genua gilt als die erste einer Aktiengesellschaft ähnlichen Firma der Weltgeschichte. Sie emittierte verzinste Obligationen zur Deckung der Staatsschulden der Republik Genuas und machte Anleger bereits 1419 zu Anteilseignern. Mit wachsendem Umsatz und wachsender Teilnehmeranzahl wurden aus den lockeren Zusammenkünften dann geregelte Marktplätze. Mit dem Bau eines eigenen Gebäudes für die Händler in Antwerpen 1531 verbindet man die erste offizielle Gründung einer Börse. Seit 1531 wurde die Börse zunehmend wichtiger, als Händler, Staaten und Bürger das Potential dieser erkannten. Handelte man 1511 noch Getreide-Futures, also Wetten auf den Getreidepreis im kommenden Jahr, so fanden bereits 1532 Anleihen Einzug in die junge Finanzwelt. 1566 errichtete London eine Börse, 1582 Sevilla und 1608 Amsterdam.

Nutzten Händler zuvor Börsen als Marktplätze des Handels, so entwickelten gewitzte Geschäftsleute die Börse stetig weiter. Das Potential der immensen Finanzierungskraft dieses System wurde immer mehr Personen bewusst und die Börse war nicht mehr wegzudenken aus der Gesellschaft. Die immer größer und technisch fortschrittlicher werdende europäische Gesellschaft hungerte nach Errungenschaften, Rohstoffen und Luxus. Der Handel wurde immer größer. Die Anzahl der Handelsschiffe nahm zu. Straßen, Städte und Konsum stiegen stetig. Schnell konnten die vielen Menschen in Europa nicht mehr allein durch Europa ernährt und in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Doch der Übersee-Handel war eine teure und riskante Angelegenheit. Monate der Vorbereitung, zahlreiche Schiffe, tausende Menschen und mindestens ein halbes Jahr Reise ließen die Kosten für den Handel mit Amerika, Afrika und Asien explodieren. Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 verfiel Europa in den Rausch der Expeditionen. Es war ein Wettlauf der Nationen um die besten und ertragreichsten Ländereien der fernen und neuen Welt. Doch wer konnte sich solche Konvois leisten? Wer besaß diese damals extrem großen Vermögen zur Finanzierung der Überfahrten? Zumal die Risiken des Investments durch Piraten, Stürme und Krankheiten hoch waren. Bis 1600 waren Übersee-Fahrten einzelne Ereignisse. Immer wieder steckten Handels-Familien ihr gesamtes Vermögen in eine Expedition und wurden so unermesslich reich oder verloren alles.

Mit der Erfindung der Aktiengesellschaft und der stetigen Entwicklung der Funktionsweise und Stärke der Börse war es möglich die Kolonisierung der Welt zu finanzieren. 1602 schlossen sich die niederländischen Kaufleute der Seefahrt zur Ostindien-Kompanie zusammen, um effizienter zu arbeiten und aus Einzelfahrten ein routiniertes Seefahrts-Geschäft zu entwickeln. Die Niederlande, bereits technisch den anderen europäischen Nationen auf See überlegen, wollte so die Dominanz in Afrika und Asien ausbauen. Neu war, dass Anleger nun nicht auf einzelne Schiffsladungen spekulierten indem sie vorher eine Summe bereitstellten und hofften durch die Waren des zurückkehrenden Schiffs am Ende mehr zu verdienen. Die Ostindien-Kompanie emittierte verzinste Aktien mit einer Laufzeit von 10 Jahren. So konnte sie sich einen sicheren Kapitalstock verschaffen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse sammelte die Kompanie so rund 100 Millionen Euro ein. Die Anleger selbst gierten nach Informationen. Erreichten die Niederlande Nachrichten von erfolgreichen und gewinnbringenden Expeditionen oder gewonnen und eroberten Kolonien, so konnten Besitzer der Aktien diese teuer weiterverkaufen. Der Preis je Aktie stieg. Negative Nachrichten von Stürmen, Niederlagen oder Misserfolgen stachelten jedoch Angst, Panik und Verkaufswellen zu niedrigen Preisen an. Die Börse in ihrer Form entstand. Mit den neuen Möglichkeiten der Finanzierung konnten Unternehmen und Staaten gigantische, zuvor undenkbare, Projekte angehen und umsetzen.

Im zweiten Teil dieses Artikels möchte ich die Geschichte der Börse ab etwa 1700 beschreiben. Die erste Blase der Welt, die erste Finanzkrise eines Staates, Goldstandart, Kriege und die Entstehung vieler neuer Finanzinstrumente.

by Feb 14, 2017 Keine Kommentare
Folgen Sie der Herde? Die großen Tradingfehler der Chartanalyse !

Folgen Sie der Herde? Die großen Tradingfehler der Chartanalyse !

Analysetechniken

Ja natürlich, da ist ja der Tiefpunkt. Und dort ist der Hochpunkt. Selbstverständlich, das liegt doch auf der Hand jetzt. Wieso generiere ich denn immer noch Verluste?

Charttechnik wird im Nachhinein immer als logisch empfunden. Es vermittelt ein gutes Gefühl. Im Nachhinein sind wir alle Profis und Allwissende. Die Schwierigkeit liegt aber darin, dass das Überprüfen von der Profitabilität von solch einer Trading-Methode sehr schwierig ist.

Sie müssen auch im Nachhinein mögliche Verluste nachvollziehen können. Mit der Charttechnik ist das so gut wie unmöglich.

In diesem Blog-Artikel zeigen wir Ihnen, wieso die Charttechnische-Analyse Ihnen immer das zeigt, was Sie sehen wollen. Die Charttechnik verleiht einem ein gutes Gefühl. Trendlinien, Unterstützungen, Widerstände, das alles sind Sachen, die die meisten in den Chart hineinzeichnen, weil Sie das in so vielen Büchern gelesen und gesehen haben. Man fühlt sich gut, wenn die Trendlinie perfekt zum Tiefpunkt oder zum Hochpunkt passt. Man muss aber eines wissen, diese Zeichnungen sind zu subjektiv um Sie für ein stabiles Handelssystem zu halten.

95% der Leute an den Börsen verdienen kein Geld. Die meisten Börsenbücher handeln von der Chartanalyse. Hmm?

Natürlich klappt das alles bei den „Profis“. Bei denen klappt alles. Sie müssen wissen, dass man an der Börse jedes merkwürdige Szenario auffinden kann. Sagt Ihnen ein Trader, dass er nur einen Trade eingeht, wenn 3 Unterstützungslinien sich schneiden und es gerade auch noch zufällig Vollmond ist, wird man in der Lage sein, solch eine Situation zu finden. Natürlich ist dieses Beispiel übertrieben. Es soll aber verdeutlichen, um was es geht. Nur durch objektive Faktoren sind Sie in der Lage ein stabiles Handelssystem auf die Beine zu stellen, welches auch Geld einbringt.

Wir werden dafür ein Chart-Beispiel benutzen. Welcher Markt, das ist egal. Es geht darum, dass Sie ein generelles Problem im Bereich der Charttechnik begreifen: die Subjektivität.

Widerstands-, Unterstützungs-, Trendlinien: Alles subjektive Umstände

Die ganze Trader-Welt kennt das: Linien in seinen Chart hineinzeichnen. Bei manchen Tradern sieht der Chart aus wie ein Bild von Picasso. Manche haben das aufgegeben, manche tun es immer noch. Wir für unseren Teil, zeichnen keine Trendlinien in unseren Chart. Denn Trend-, Unterstützungs- und Widerstandslinien sind einfach zu subjektive Faktoren.

Wie prüft man die Richtigkeit von solchen Linien? Hier ist unser Problem. Trendlinien sind im Nachhinein immer an der richtigen Stelle gesetzt. Meistens auf den Punkt genau. Und genau hier liegt das Problem. Wie überprüfen Sie optimal, ob diese Trendlinie in einem gerade laufenden Markt auch so gesetzt werden würde? Vielleicht ist ja das Tief, was Sie sich derzeit markiert haben, ja in 1 Stunde gar kein Tief mehr?

Eine Menge Leute traden nach dieser Methodik. Sie zeichnen sich Trendlinien etc. ein und gehen davon aus, dass der Markt nun an solch einer Stelle dreht. Dreht der Markt an dieser Stelle nicht, dann bricht er natürlich durch. Wie wir alle wissen: aus einer durchgebrochenen Unterstützung wird ein Widerstand und vice versa. Die Methodik an sich, wollen wir hier nicht in Frage stellen. Wir wollen hier auch nicht die Charttechnische-Analyse als Ganzes deklassieren. Wir wollen Ihnen begreiflich machen, dass sich in der Einzeichnung solcher Linien ein großer Denkfehler versteckt.

Beispiel an einem Chart

Hier haben wir einen Blanko-Chart in Candle-Stick-Form. Dies ist die wohl gängigste Chart-Sichtweise.

Wir erkennen sowohl ein Tief, als auch ein Hoch. Dazwischen liegen viele Tiefs, die weniger tief sind als das vorherige Tief. Ein Muster-Beispiel von Aufwärtstrend.

Doch wo setzen wir genau die Trendlinie an? Die meisten würden dieses Szenario wohl so zeichnen:

 

Hier geht es jetzt nicht um jeden Millimeter. Hier soll ein Denkfehler verdeutlicht werden und kein Charttechnik Malwettbewerb gewonnen werden.

Wir haben nun unser Tief mit dem am nächsten logischen Tief „verbunden“.

Wir haben sozusagen eine Situation erschaffen, in der wir „gewusst“ haben, wo sich das jetzige logische Tief befindet. Als Analyse-Zweck möglicherweise zu gebrauchen, aber um zu erfahren, ob solch ein Trading überhaupt funktioniert, ist solch eine Methodik nicht zu empfehlen.

Sie wollen mit dem Trading ja Geld verdienen, oder nicht?

Es besteht nun das Problem, dass wir für uns eine Situation erschaffen haben, in der wir uns wohl fühlen. Wir haben alles unter Kontrolle. Die Linie sitzt.

Das Ding ist aber nun, dass der reale Markt sich erst entwickelt. Der Markt läuft auch immer weiter.

Schauen wir uns nun das selbe Szenario an, nur aus einer realistischeren Sicht:

Nun haben wir den selben Chart, nur aus einer realistischeren Sicht. Wir erkennen nun, dass wir jetzt ein ganz anderes Tief haben. Wir können ja nicht in die Zukunft sehen. Wir gehen also davon aus, dass der Markt an dieser Trendlinie abprallen wird. Oder möglicherweise ein anderes von Ihnen gedachtes Szenario eintritt.

Schauen wir uns den Chart, mit der dazugehörigen Trendlinie, nun weiter an:

 

Der Markt ist nun weitergelaufen. Wie das nun halt so funktioniert. Und was erkennen wir? Die Trendlinie ist wieder eine Andere. Wir haben unsere Trendlinie schon 2x verschoben. Die Realität ist, wenn man nicht das ganze Bild betrachtet, eine Andere. Am Anfang haben wir nur eine Trendlinie gezeichnet und gingen davon aus, dass das alles so der Richtigkeit entspricht. In der Realität zeichnen wir schon die zweite verbesserte Trendlinie.

Sie können sich eventuell schon denken worauf wir hinaus wollen, oder?

Bevor wir zum Fazit kommen, zum Schluss noch das ganze Szenario.

Voila, eine „perfekte“ Trendlinie. Wir erkennen, dass der Markt den Trend eine gute Weile aufrechterhalten hat und im Nachhinein dann doch durchgebrochen ist. Es ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt. Der Zweck wird aber damit erfüllt.

Welche Schlüsse ziehen wir nun aus diesem Artikel?

Fazit

Wir malen uns die Welt so, wie Sie uns gefällt. Das könnte das Motto von so einigen Charttechnikern sein.

Die Quintessenz des Ganzen hier ist: Es ist so gut wie unmöglich zu überprüfen, ob solch ein Trading tatsächlich funktioniert. Und mit „funktioniert“ meinen wir, gewinnbringend. Die Überprüfung ist erst möglich, wenn Sie anfangen Ihre Charttechnik in objektive Formeln zu formulieren.

Es kann sein, dass Sie im tatsächlichen Handel, in ein und demselben Trend, mehrere Verluste erlitten haben, oder Gewinne. Aber Analysieren Sie diese Situation im Nachhinein, stellen Sie fest, dass ja doch alles klar war. Hier haben wir das Problem der subjektiven Wahrnehmung. Die Linie muss nach oben, die nach unten und die einmal quer durch. So hätten Sie den Trend heil und mit Gewinn überstanden. Dem ist leider nicht so.

Um in der wirklichen Trading-Welt zu überleben, müssen Sie in der Lage sein sowohl Verluste als auch Gewinne zu akzeptieren. Gewinne akzeptieren kann jeder, Verluste wohl eher nicht.

Sie brauchen für ein stabiles Handelssystem so wenig wie möglich subjektive Eigenschaften in Ihrem System. Sie müssen aus Ihrem Trading ein „Wenn-Dann“-Objekt basteln. Wenn das Ereignis eintritt, dann tue ich dies. 100%-ige Objektivität ist das Stichwort.

Sie sollten auch in der Lage sein ein System im Nachhinein testen zu können. Trendlinien, Widerstände und der ganze Spaß, das sieht zwar für Anfänger immer hoch-professionell aus, aber der Schein trügt. Die objektive Überprüfung der Trade-Ergebnisse ist so gut wie unmöglich.

Wie können Sie etwas im Nachhinein überprüfen, was sich im Nachhinein immer als richtig erweist? Gar nicht!

Lassen Sie sich nicht von eingezeichneten Chart-Linien täuschen. Finden Sie Ihren eigenen Weg.

 


by Feb 07, 2017 Keine Kommentare
Make DAX® Great Again?

Make DAX® Great Again?

Analysen

Eine ausführliche Technische Chartanalyse des DAX® per 05.02.2017.

Sachlich, detailliert, ohne Populismus, seriös und mit Erläuterungen betrachten wir den aktuellen Zustand des großen deutschen Leitindex.

1. Rückblick

Der deutsche Leitindex konnte zwar eine wirklich beeindruckende Rally zum Jahresabschluss 2016 verzeichnen, im aktuellen Kalenderjahr müssen wir jedoch bis dato eher von einer Konsolidierung sprechen. Gleichwohl er bis dato einen Gewinn von 170 Punkten verbuchen konnte, ist auch zu berücksichtigen, dass der Großteil der Bewegung aus dem “Neujahres-Börsentag” am 02.01. stammt. Danach konnte der Index in Summe lediglich eine Wegstrecke von 53 Punkten (bzw. 0,46%) für sich verbuchen.


2. Status quo

Der DAX schloss am Freitag, 03.02.2017 mit einem Punktestand von 11.651,49 (Xetra). Charttechnisch betrachtet befindet er sich nun bereits seit längerer Zeit auf einem sehr überkauften Niveau und auch die Dynamik der davorliegenden Aufwärtsbewegung(en) war deutlich erhöht. Dies ist sehr gut mit bloßem Auge zu erkennen, doch die grafische Darstellung mit einer Kurve (mit bestmöglicher Annäherung an Extrempunkte) reduziert die Bewegung auf das Wesentliche.

Nach der klassischen TA-Lehre wäre nach einer derartigen Kursbewegung bereits seit einiger Zeit eine adäquate Gegen-/Abwärtsbewegung zu erwarten.


3. Vorwort / Allgemeines zur Techn. Chartanalyse

Doch genau diese zuvor erwähnte, erwartete Abwärtsbewegung ist bis heute einfach noch nicht eingetreten, der Index bewegt sich im Prinzip eher seitwärts und selbst dies nur mit relativ überschaubarer Volatilität.
Man mag sich fragen, “Warum fällt er denn nicht endlich, sondern hält sich so lange auf so “überhöhtem Niveau”?” Ganz einfach … weil er es kann.
Ein wesentlicher Teil des Marktgeschehens wird durch eine eher unberechenbare Teilnehmerschaft bestritten, durch Big Player, computerunterstütze Handelssysteme, computergesteuertem Hochfrequenzhandel u.v.a.m. Deren Vorgehensweisen muss nicht immer zwingend logisch oder rational erklärbar sein oder gar der persönlichen Präferenz entsprechen. Es fließen hierbei auch mal politische Intentionen, eigens auferlegte Handelsbeschränkungen, produktspezifische Vorgaben, Zweckoptimismus, rein mechanisch gesteuerte Handelstätigkeit oder vielleicht auch einmal  die Zielsetzung manipulativer Kursbeeinflussung mit ein.
Wäre dies nicht schon Unsicherheit genug, befinden wir uns inmitten einer “politischen Börse”, Trump´sche Aussagen scheinen derzeit die Finanzmärkte beliebig zu beeinflussen und steuern zu können. Subjektiv betrachtet erscheint es, als würde momentan ein hohes Say/Do-Ratio seitens der amerikanischen Administration ein höheres Gewicht zu haben, als positive, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und Weitblick der eigentlichen Maßnahmen selbst.

Aus welchem Grund sollte man sich bei einem so hohen Maße an Unberechenbarkeit dann überhaupt mit einer Analyse von Aktienkursen befassen?
Wir bewegen uns hier im Bereich der Handelsvorbereitung und dem -management laufender Handelspositionen.

Auch die technische Analyse kann keine verlässliche+verbindliche Aussage über zukünftige Kursentwicklungen bieten. Sie kann jedoch mögliche Szenarien aufzeigen und helfen, diese zu bewerten, um jene mit besonders hoher Eintrittswahrscheinlichkeit zu identifizieren. Hiermit lassen sich dann konkrete “Wenn/dann”-Aussagen treffen, die sich in weiterer Folge auch in klar formulierten Handelsstrategien beschreiben lassen. In Kombination mit einem probatem Risk- und Moneymanagement hat man damit das komplette Rüstzeug, um erfolgreich an den Aktienmärkten agieren zu können.


4. Die Analyse

4.1. Big Picture

Es ist klar ersichtlich, dass die langfristige Wertentwicklung einen positiven Trend aufweist. Der “Alltime”-Trendkanal gibt eine grobe Orientierung, welche Extrempositionen aus heutiger Sicht denkbar sind und der jüngere Aufwärtstrendkanal, der mit dem Tiefpunkt des Börsencrashs (der “Finanzkrise”) Anfang 2009 seinen Startpunkt findet, weist in Relation ein erhöhtes Aufwärtsmomentum auf. Dessen untere Trendlinie wurde in jüngerer Vergangenheit auch bereits zwei mal getestet und scheint den Kurs bis dato  verlässlich zu stützen. Die relative Position des Kurses innerhalb der langfristigen Trendkanäle suggeriert  Aufwärtspotenzial, es liegt derzeit keine Extremposition vor.
Seit Spätsommer 2016 sind auch die gleitenden Durchschnitte (SMA, EMA 200) wieder aufwärts gerichtet und der EMA konnte den SMA von unten kreuzen, was ein positives Momentum widerspiegelt.
Fazit: Der langfristige Ausblick ist klar positiv

4.2. Widerstände & Unterstützungen (D1)

In einem etwas längerem Darstellungszeitraum lassen sich im näheren Umfeld des aktuellen Kursstandes eine hohe Anzahl an Unterstützungen und Widerständen identifizieren. Relativ zum derzeitigen Kurs sind hierbei Unterstützungen grün, Widerstände rot eingezeichnet.
Interessant ist hierbei, dass sich der Kurs aktuell innerhalb eines Widerstands-/Unterstützungsbereiches befindet, welcher von ca 11.620-11.680 Punkten reicht. Ohne relevante Impulse ist es hier nicht ungewöhnlich, dass der Kurs ein wenig feststeckt, da sicher einige Marktteilnehmer darauf warten, in welche Richtung der Kurs ausbricht.

4.3. Trendanalyse (D1)

4.3.1. Trendanalyse gem. Dow-Theorie (D1)

Im Tageschart befinden wir uns übergeordnet in einem aktiven Aufwärtstrend. Eine neuerliche Bestätigung dessen Fortbestandes würde erst bei einem Kursniveau von 11.894 Punkten erfolgen. Und Ein Bruch des Trends würde bei einem Kursstand von 11.437 Punkten signalisiert. Aktuell befindet sich der Kurs somit ungefähr in der Mitte dieser beiden Signallevel. Denkbar ist, dass der jüngste Tiefpunkt am 31.01. das nächste Höhere Tief darstellt.

4.3.2. Trendlinien/-kanäle (D1)

Weiters können 2 aktive Trendkanäle identifiziert werden (grün strichliert). Sowie ein großer, nicht mehr gültiger Kanal, aus dem der Kurs am 15.12. ausbrechen konnte (violett strichliert). Dessen obere Begrenzung erfuhr einen Paritätswechsel und diente seither bereits mehrfach als Unterstützung im Zuge der letzten Aufwärtsbewegung (orange gekennzeichnet).

Fazit: Die untersuchten Trends auf Tagesbasis sind aktuell positiv.

Kritisch zu bewerten ist jedoch die relative Position des Kurses innerhalb des größeren aktiven Trendkanals bzw. dass der Index am 26.01. die Oberkannte des Kanals punktgenau angelaufen und somit sinngemäß abgearbeitet hat. Dies suggeriert ein Anlaufen der unteren Kanalbegrenzung.

4.4. Trendanalyse (H1)

4.4.1. Trendanalyse gem. Dow-Theorie (H1)

Seit 30.01. konnte sich im Stundenchart ein Abwärtstrend ausbilden und trotz empfindlicher Seitwärtstendenzen am 02. und 03.02. ist dieser Trend derzeit noch aktiv.

4.4.2. Trendlinien/-kanäle (H1)

Der seit 26.01. abwärts gerichtete Trendkanal wurde bereits zum Börsenbeginn am 03.02. verletzt. Ein Ausbruch mittags wurde zwar umgehend wieder abverkauft, im Laufe des Nachmittags lief der Kurs dann jedoch geführt an einer aufwärts gerichteten Trendlinie nachhaltig aus dem Trendkanal.

Fazit: Da die Aussagekraft von Trendlinien/-kanäle besonders in kurzen Zeiteinheiten nicht als besonders signifikant erachtet werden muss, kan die Trendanalyse derzeit noch als positiv bewertet werden.

4.5. Formationen D1

Seit dem 01.02. bildet(e) sich auf Tagesbasis ein charttechnisches Dreieck. Das Ausmaß ist jedoch relativ gering und die Form relativ symetrisch, eine relevante Aussage lässt sich hieraus nicht ableiten. Abgesehen von der negativen Initialbewegung zeigen die bisherigen Folgekerzen eine positive Tagesrange, dies könnte man als geringwertiges positives Signal werten.

Fazit: Neutral – positiv


5. Der Ausblick

Die verschiedenen Analysen ergeben in Summe leider kein homogenes Bild und so lässt sich die aktuelle Situation auch nicht eindeutig bewerten und keine klare charttechnisch präferierte Richtung bestimmen.
Das sollte den geneigten Leser jedoch an dieser Stelle nicht enttäuschen, denn auf Grund der zuvor getätigten Analyse können wir trotzdem folgende wichtige Schlussfolgerungen treffen:

  • Der DAX befindet sich gerade inmitten eines Winderstands-/Unterstützungsbereiches und die Tageskerzen formten ein charttechnisches Dreieck. Beides dürfte praktisch zeitgleich überwunden werden und dies sollte die Volatilität empflindlich steigern.
  • Es wird in Kürze die Entscheidung fallen müssen, welcher der beiden aktiven Trendkanäle weiterhin Gültigkeit besitzt und in dessen Bahnen sich der Kurs weiter bewegt. Dies ist alleine schon deshalb unausweichlich, da sich die beiden Kanäle auseindander bewegen.

Die beiden grundlegenden Varianten lauten dem Grunde nach :

  • Erfolgt eine Bewegung nach unten, ist besonders auf eine nahende Kreuzunterstützung zu achten, gleich zwei Trendlinien überschneiden sich ca Mitte Februar (orange dargestellt) und deren Nähe zueinander bietet eben gleich doppelte Unterstützung bei rückläufigen Kursen und somit ein deutlich erhöhtes Rückschlagspotenzial.

Kann der Index diesen überwinden, gibt es kaum mehr Unterstützung nach unten bis zu einem Niveau von ca 10.880 Punkten. Abhängig von der Dynamik einer derartigen Abwärtsbewegung wäre kurzfristig auch ein Tief von ca 10.660 Punkten vorstellbar. Der Titel hierfür könnte lauten, “Nach der Trump-Rally ist zurück in der Realität”.

  • Erfolgt eine Bewegung nach oben, ist vorrangig auf die Oberkannte des größeren Trendkanals zu achten, der den Kurs
    erst kürzlich erfolgreich in seine Schranken weisen konnte.


Kann diese Oberkannte des Trendkanals jedoch überwunden werden, ist relativ kurzfristig auch das Erreichen des bisherigen ATH zu erwarten. Der Titel hierfür könnte dann lauten, “Trump-Rally reloaded”.


6. Nachwort

Die derzeitige Verfassung der Märkte und deren weitere Entwicklung ist schwer bis unmöglich zu beurteilen. Und sobald man mehr als einen Indikator oder charttechnische Analysemöglichkeit anwendet, steigert man im ersten Schritt erstmal seine persönliche Ratlosigkeit.
Ich habe diesen Zeitpunkt aber ganz bewusst gewählt und auch als Chance wahrgenommen. Als eine Möglichkeit aufzuzeigen, dass die Technische Chartanalyse auch weiterhelfen kann, wenn vieles Andere versagt. Wenn sich eventuell mal Kopf, Bauch, politische Einschätzung und Fundamentalanalyse nicht in Einklang bringen lassen, kann vielleicht die TA für die notwendige Objektivierung der Sachlage sorgen und bestätigen, dass der aktuelle Status einfach wirklich nur als neutral bzw. undefiniert zu werten ist.

Darüber hinaus lässt sich auch der weitere Fahrplan festlegen, für den Zeitpunkt, an dem diese Undefiniertheit ihr Ende findet.

In diesem Sinne hoffe ich, dass der Artikel für Sie von Interesse war
und wünsche Ihnen viel Erfolg an den Märkten!


RISIKOHINWEIS

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MARKENRECHTE

Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der Bezeichnung DAX® um eine eingetragene Marke der Deutsche Börse AG handelt.

by Feb 05, 2017 3 Kommentare
Trump-Rallye mit kurzen Beinen (Markt-Kommentar)

Trump-Rallye mit kurzen Beinen (Markt-Kommentar)

Gastartikel

Donald Trump besetzt als 45. Präsident der United States of America das wohl mächtigste Amt der Erde. Seit dem der Immobilien-Milliardär mit deutscher Verwandtschaft die Mehrheit der Wahlmänner und -frauen im November 2016 erreichen konnte stieg der amerikanische Börsen-Index S&P500 um 10,2% von 2.085 auf 2.298 Punkte (24.01.2017). So hoch stand der Index noch nie seit den nun 30 Jahren seines Bestehens. Die City Group erwartet aktuell, dass der S&P500 bis zum Jahresende auf etwa 2.400 Punkte steigen wird.

Politische Ausrichtung

Mit Donald Trump weht ein neuer politischer Wind in den USA. Beendet werden soll die langjährige global orientierte Politik. Wo die USA bisher in großen Zusammenhängen (Globalisierung) dachte und als Weltmacht die liberal-demokratische Weltordnung notfalls auch militärisch durchsetzte, möchte Trump nun ein protektionistisches und mehr auf sich selbst fokussiertes Amerika im Stil der 30er Jahre aufbauen. Donald Trump ist kein Politiker mit einer politischen Vision oder Idee. Er ist ein Unternehmer und Deal-Maker. So wird die USA auf breite Handelsabkommen während seiner Präsidentschaft verzichten und die eigene Stärke in Einzelverhandlungen ausspielen.

Mit Trump entsteht eine Art umgekehrter Merkantilismus: Während Colbert in Frankreich durch die Handelspolitik die Machtpolitik stärken wollte möchte Trump die Machtposition stärken um darauf folgend handelspolitisch bessere Deals zu erreichen. (Quelle: Optimismus regiert, Handelsblatt 26. Januar, Susanne Schier und Frank Wiebe)

Neben seinen Grundsätzen einer national orientierten und wirtschaftlich protektionistischen Politik steht Donald Trump außerdem für die Forderung nach einem höheren Leitzins, umfassenden Infrastrukturausgaben und der Minimierung des Außenhandelsdefizits. Auf die verfassungsfeindlichen, widersprüchlichen und ausländerkritischen Facetten seiner Politik möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter eingehen.

Erwartungen an Donald Trump

Die Wahl des milliardenschweren Establishment-Kritikers löste an den Börsen ein Feuerwerk steigender Kurse aus. Die im Dow Jones Industrial Average gelisteten Unternehmen legten seit dem 4. November um über 250 Milliarden Dollar Unternehmenswert zu. Betrachtet man die Börse, so scheint der Markt sich über den neuen Präsidenten zu freuen. Hierbei preist die Börse kurzfristige Erwartungen euphorisch ein. Die Deutsche Bank spricht von einer Rückkehr der “Animal Spirits” (Optimismus, Unternehmergeist und Gier) in den USA.

Die Erwartungen an Donald Trump in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit sind groß. Die positive Stimmung am Markt basiert auf der Hoffnung, dass Trump ein ähnlicher Erfolg wie Ronald Reagon gelingen könnte. Milliardenschwere Investitionen in Wirtschaft und Infrastuktur, Steuererleichterungen und eine unternehmensfreundliche Politik, Jobbeschaffungsprogramme und die Deregulierung der nach der Finanzkrise 2008 in Ketten gelegten Banken befeuern die Fanatasie der Börse bezüglich eine Rückkehr von üppigem Wachstum.

Die City Group erwartet, dass die 500 größten Unternehmen der USA ihren Gewinn dank sinkender Steuerbelastung und steigenden Energiepreisen 2017 um durchschnittlich 9% steigern werden.

Tatsächlich erweist sich Donald Trump derzeit als zuverlässiger als erwartet. Zahlreiche seiner Ankündigungen im Wahlkampf setzt er nun um. Auch zeigt seine protektionistische Politik erste Wirkung. Der Gabentisch des Präsidenten ist prall-gefüllt. Viele Unternehmen wollen Nachteile umgehen oder geplante Investitionen im Ausland rechtfertigen und versprechen milliardenschwere Investitionen in den USA. So sprach beispielsweise Amazon zuletzt davon rund 100.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen zu wollen. Auch deutsche Unternehmen nehmen Geld in die Hand um die US-Standorte auszubauen.

Gewinner der ersten 100 Tage Trump könnten die US-Banken sein. Der Staat wird weitere Schulden zur Finanzierung der Ausgaben aufnehmen müssen, die angekündigten Investitionen durch Unternehmen werden ebenfalls teilweise durch Banken abgewickelt oder bereitgestellt werden, sowie der der Wall-Street nahestehende Donald Trump und sein bis 2002 über 17 Jahre bei Goldman Sachs beschäftigte Steven Mnuchin (US-Finanzminister) die nach der Finanzkrise 2008 mühsam geschaffenen Regulierungen der Banken wieder abschaffen möchten.

Risiken der trumpschen Politik

Doch während die Börse aktuell berechtigterweise die erwartbaren Wachstumseffekte des trumpschen Einflusses euphorisch einpreist, werden die großen Risiken vom Markt größtenteils ignoriert. Hier ist eine Einpreisung der aus dem politischen Richtungswechsel resultierenden Gefahren erwartbar, aber bisher nicht geschehen. Noch nie war die Strategie des Protekionismus und der Deregulierung erfolgreich und doch steigen die Börsenkurse als gäbe es kein Morgen mehr – Geschichte wiederholt sich nicht, doch sie reimt sich.

Bisher wahrscheinlich nicht eingepreist sind die Bedenken gegenüber den Trumponomics: So möchte Donald Trump, ähnlich wie Ronald Reagon, durch ein Ausweiten des Staatsdefizites das Wachstum ankurbeln. Doch Paul Krugman wies bereits darauf hin, dass die fiskalischen Impulse bei niedriger Arbeitslosigkeit und niedrigem Zinsniveau wenig Wirkung entfalten könnte. Im Gegensatz zur Zeit Reagons steht der US-Markt derzeit kurz vor der Vollbeschäftigung (welche nicht bei Null, sondern zwischen 3 und 4 Prozent liegt!). Ob die Wirtschaft ohne ausreichendes Angebot von Arbeitskräften überhaupt dynamisch wachsen wird? Zumal Donald Trump durch seine aktuell ausländerfeindliche Politik Tourismus und Einwanderung hemmen wird.

Fraglich ist außerdem die Finanzierung der Ankündigungen. So könnte die USA die Mauer zu Mexiko bis zu 20 Milliarden US-Dollar kosten. Hinzukommen eventuell zusätzliche Infrastruktur-Ausgaben zwischen 20 und 50 Milliarden Dollar (im Wahlkampf forderte Trump noch mehrere hundert zusätzlicher Milliarden). Auch zu Bedenken sind die geplanten Steuersenkungen, welche die Einnahmen des Governments um dutzende bis über 100 Milliarden USD senken könnte. Wie wird die USA das Haushaltsdefizit handhaben? Für das Jahr 2016 visierte die Regierung Obama ein Haushaltsdefizit über 2,5% des BIP, bei 4 Billionen Dollar Ausgaben, an. Mit einem BIP über 18,5 Billionen USD müsste das Haushaltsdefizit 2016 bei rund 500 Milliarden USD liegen. In der letzten Amtszeit von Barack Obama stieg die Verschuldung der USA um 2,5 Billionen Dollar (durchschnittlich 620 Milliarden USD im Jahr) auf 20 Billionen oder auch 108% des BIP. Wird Trump die USA in eine Überschuldung führen?

Eine weitere im Raum stehende Frage dreht sich um die Auswirkungen des Protektionismus. Protektionismus schadet (wie in der Geschichte der letzten 500 Jahre mehrfach erlebt) einer Volkswirtschaft. Dennoch Trump läutet eine Ära der Entglobalisierung ein. So erwartet auch der IWF, dass die weltweite Wirtschaftsleistung 2017 um 3,25% wachsen wird, der globale Handel jedoch lediglich um 1,75%.

Das “Amerika First”-Motto des Milliardenerben wird dazu führen, dass verstärkt Geld in die USA fließen wird. Dies würde den Greenback weiter stärken, den Export hemmen und das Außenhandelsdefizit vergrößern. Die verbalen und eventuell auch fiskalischen Eingriffe in die heimische Währung könnten zu einem Abwertungskrieg und schwerwiegenden Verwerfungen am Devisenmarkt führen.

Die wirtschaftlichen Ziele des Trump sind durchaus widersprüchlich: Beispielsweise soll auf der einen Seite das Außenhandelsdefizit verringert werden, währenddessen auf der anderen Seite die heimische Investitionswelle den US-Dollar weiter stärken sollte, was den Export eher hemmen sollte. Auch werden diverse soziale Programme, wie beispielsweise Obamacare, aus kostengründen abgeschafft, dann aber ein vielfaches der Einsparungen für fragwürdige Projekte, wie beispielsweise dem Mauerbau zu Mexiko, ausgegeben. Wir erkennen noch keine klare logische Linie in der Wirtschaftspolitik. Donald Trump möchte alles bekommen, obwohl sich manche Dinge gegenseitig ausschließen.

Fazit

Eine Ausweitung der Haushaltsdefizite, Abgabe der liberal-weltpolitischen Führungsposition und ein Wachstum des Außenhandelsdefizits durch eine protektionistische Handelspolitik könnten der USA mittel- bis langfristig ökonomisch mehr schaden als helfen. Langfristig durch Schulden und die Notenpresse erkauftes Wachstum führt darüber hinaus zwangsweise zu einer Blasenbildung. Die Rückkehr der Animal Spirits und deregulierten Banken in das ganz große Geschäft könnte zu einem bedenklichen Anstieg der ausfallbedrohten Kredite und Investitionen führen.

Seit Anfang August 2016 schieben die Bullen die Kurse an den Börsen nahezu konstant und ohne Sell-Off oder Korrektur nach oben. Selbst in ausgiebiegen Seitwärtsphasen kam keine Frustration auf. Die Börse verzeichnet Allzeithochs und die gierig-euphorischen Erwartungen an Donald Trump sind groß. Doch ein Markt aus dem sich die Pessimisten zurückgezogen haben steht kurz vor seinem Zenit, so sagt man. Wenn die Pessimisten zu Optimisten wurden und investiert sind fehlt es mittelfristig an weiteren Käufern, welche die Kurse weiter anschieben.

Entscheidend könnte zuletzt sein, ob die Weltgemeinschaft sich murrend auf den neuen Wind aus Washington einlässt und die Nachteile hinnimmt oder sich angewiedert von den USA abwendet. Die national orientierte Einstellung des neuen US-Präsidenten gepaart mit dessen uninformiert emotionaler Unberechbarkeit könnte die USA ins Abseits schieben. Aufstrebende Global Players, wie beispielsweise China oder die Europäische Union, könnten die Gunst der Stunde nutzen und aus dem Schatten der Weltmacht USA hervortreten und selbstständig auf der weltpolitischen Bühne agieren. Braucht die Welt die USA oder braucht die USA die Welt?

Quellen

OEC – Wirtschaftsdaten der United States, Statista, Wikipedia, OnVista

Optimismus regiert, Handelsblatt 26. Januar, Susanne Schier und Frank Wiebe

Guter Start ins neue Jahr, Handelsblatt vom 26. Januar, Donata Riedel

Das Jahr der großen Entglobalisierung, Handelsblatt vom 6. Januar, J. Münchrath und C. Rickens

by Feb 03, 2017 Keine Kommentare
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Gastartikel

Warum wurde das bedingungslose Grundeinkommen in letzter Zeit öffentlich verstärkt diskutiert? Der Fokus unserer Sorgen hat sich mit Erreichen großen Wohlstands in den industrialisierten Nationen verschoben. Sorgen um die eigene Gesundheit und oder genügend Nahrung sind in den Hintergrund gerückt. Soziale Systeme und die Qualität der Gesundheitsversorgung machen es möglich.

Doch mit der Lösung des eines Problems, taucht bereits das nächste wieder auf. Der Fortschritt der Technologisierung macht es möglich Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Viele fürchten sich davor ihren Job zu verlieren und am Existenzminimum leben zu müssen.

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) oder auch universal basic income (UBI) rückt in dieser immer schnelleren, komplexeren und zunehmend technologisierten Welt in die Diskussionen unserer Gesellschaft. Finnland möchte nun, 2017, ein solches BGE einführen. Doch was ist das? Was kann es? Was soll es? In zahlreichen Studien wurde ein solches System der „bedingungslosen finanziellen Grundsicherung für jeden“ erprobt. Die Ergebnisse sind erstaunlich!

Das bedingungslose Grundeinkommen wird heiß diskutiert. Auf der einen Seite stehen die großen Kritiker, welche in diesem Konzept einen Freibrief für faule und arbeitslose Menschen sehen und sich gegen höhere Zuwendungen für diese „Schnorrer“ der Gesellschaft wenden. Auf der anderen Seite argumentieren viele Ökonomen und Forscher für ein solches Grundeinkommen und betonen die zahlreichen positiven Erfahrungen und erforschten Effekte. Ich möchte mich in diesem Beitrag genauer mit diesem durchaus hochemotional diskutierten Thema beschäftigen.

Was ist ein BGE?

Das bedingungslose Grundeinkommen stellt eine finanzielle Grundsicherung dar, welche der jeweilige Staat jedem Bürger überweist. Diese Grundsicherung, auch als Grundeinkommen zu verstehen (englische Medien verwenden gerne den Begriff mincome, eine Kombination aus „mini income“), ist hierbei bedingungslos und bewusst oberhalb des Existenzminimums angesetzt.

Diese beiden Faktoren, oberhalb des Existenzminimums und bedingunglos, unterscheiden das BGE maßgeblich zum Arbeitslosengeld. Das Arbeitslosengeld soll nur eine temporäre Unterstützung von Seiten des Staates sein und erlaubt nur die wichtigsten Kosten zu decken. In Würde kann man von diesem Geld nicht wirklich leben. Das BGE dagegen wird dauerhaft unabhängig davon ausgezahlt, ob man einen Job hat oder nicht. Es ist oberhalb des Existenzminimums angesetzt, um auch arbeitslosen Personen ein normales Leben zu ermöglichen. Das Existenzminimum liegt in Deutschland aktuell bei rund 8.500€ je Person und 4.500€ je Kind pro Jahr. Dies entspricht rund 700€ steuerfreies Gehalt in Deutschland. Ein BGE würde man zwischen 700 und 1.500€ ansetzen.

Des Weiteren ist das bedingungslose Grundeinkommen, wie der Name bereits sagt, bedingungslos. Es ist nicht an Verpflichtungen gekoppelt. Beim Arbeitslosengeld muss der Arbeitssuchende auf Arbeitssuche sein, ist verpflichtet jeden Job (bis auf Ausnahmen) anzunehmen, Maßnahmen zuzustimmen und andere Dinge. Er steht in der Schuld und hat bestimmte Pflichten. Das BGE würde jeder deutsche Staatsbürger erhalten – ohne Verpflichtungen.

Es gibt nicht „das eine“ bedingungslose Grundeinkommen, sondern zahlreiche verschiedene Konzepte der Umsetzung mit demselben Grundgedanken. Beispielsweise kann eine Grundsicherung entweder direkt auf das Konto überwiesen werden oder niedrige Gehälter werden mit einer negativen Einkommenssteuer belegt – das bedeutet: der Staat zahlt drauf.

Warum brauchen wir ein BGE?

Unsere Welt entwickelt sich immer weiter. Gesellschaftlich und technologisch. Innovationen werden immer schneller skaliert, die Globalisierung greift zunehmend um. China und Indien werden ihr BIP im 21. Jahrhundert doppelt bis drei Mal so schnell verdoppeln, wie die USA oder England im 20. Und 19. Jahrhundert. Die Welt dreht sich bildlich gesprochen immer schneller für uns Menschen. Dies ist vorallem an den sozialen Netzwerken zu erkennen: mehr Menschen, mehr Posts, mehr Nachrichten, mehr Snaps, Tweets und Likes. Die Informstionsflut bricht auf uns ein und wir können uns kaum mehr davor retten. Und obwohl die Geschwindigkeit unseres Alltags bereits groß ist – sie wird noch weiter zunehmen!

Der Kerngedanke des bedingungslosen Grundeinkommens ist soziale Gerechtigkeit

Wir können nicht alle Menschen auf diese technologisch-gesellschaftliche Reise mitnehmen. Ein solches Unterfangen bringt immer Zentrifugalkräfte mit sich. An den Rändern werden Bürger verloren gehen und nicht mehr mitkommen (Modernisierungs- bzw. Globalisierungsverlierer). Sei es auf Grund der Technologiserung bzw. Robotisierung oder schlicht auf Grund der Geschwindigkeit unserer Entwicklung. Die Zuverlässigkeit unserer sozialen Systeme wird Jahr für Jahr intensiver getestet. Können wir in diesen labilen und sich schnell verändernden Zeiten Stabilität für jeden gewährleisten?

Die meisten sozialen Systeme bestehender Staaten stammen noch von Anfang des 20. Jahrhunderts. Die deutschen Systeme sind größtenteils noch von Otto von Bismarck entworfen worden. Diese sind darauf konzipiert, dass es mehr junge Menschen als alte gibt und wir im durchschnitt 60 bis 70 Jahre leben. Heutzutage werden die meisten Menschen älter als 80, viele erreichen das 100. Lebensjahr. Tendenz steigend. So war das damalige Rentensystem darauf ausgelegt Rentnern nach dem 60. Lebensjahr noch etwa 10 Jahre lang den Lebensabend zu finanzieren. Wie lange leben wir heute nach dem 60. Lebensjahr? Mit 50 oder 55 erreichen wir gerade erst den Höhepunkt unserer Karriere – meistens. Unsere sozialen System halten all diese modernen Einflüsse nicht unbedingt aus. Reformen sind nötig. Ist hier das bedingungslose Grundeinkommen eine wirksame Alternative?

Auf der einen Seite gibt es Einflüsse, welche uns zwingen unsere bestehenden sozialen Systeme zu überdenken. Auf der anderen Seite bietet das BGE den Charme der positiven Nebeneffekte. Wer Arbeitslosengeld bezieht hat kaum genug Geld für die anfallenden Kosten. Mit dem BGE können Menschen sich ein Leben in Würde finanzieren, aber auch in die eigene Gesundheit und Bildung bzw. auch die ihrer Kinder investieren. Es gibt bereits Grundeinkommen, wie beispielsweise das BAfÖG, welche jedoch nicht komplett bedingungslos sind, aber doch ein Grundeinkommen ermöglichen sollen. Die Effekte dieser Grundsicherungen sind hierbei klar erkennbar: bessere Bildung, zufriedenere Menschen, gesündere Bürger und somit einhergehend beispielsweise auch weniger Kriminalität.

Die meisten denken, dass ein BGE bedeutet, dass der Staat das Steuergeld verschenkt. Der Wut gegen solche Konzepte ist durchaus verständlich. Doch, wie soeben beschrieben, geht der Sinn dieses Grundeinkommens viel weiter. Bildung, Gesundheit und Lebensstandard der Gesellschaft sollen verbessert und somit Kosten im Gesundheitswesen und für innere Sicherheit gesenkt werden. Die Zufriedenheit der Bürger soll steigen und die Sicherheit in der Gegenwart bei einer unsicheren Zukunft gewährleistet werden.

BGE

Wie könnte man ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzen?

Ich möchte in diesem Abschnitt mit fiktiven Zahlen etwas detaillierter mit dem Gedanken einer bedingungslosen Grundsicherung spielen. Ist das BGE überhaupt finanzierbar? Dies soll nicht als perfekte Berechnung, sondern als Gedanken- oder Diskussionsansatz verstanden werden.

Man könnte ein BGE direkt auf die Konten der Bürger überweisen. Hierbei würde beispielsweise jeder Deutsche zwischen 700 und 1.500€ pro Monat erhalten. Kinder bzw. die Eltern von Kindern erhalten 500€ (Existenzminimum 2015 bei 375€ je Kind).

2020 werden vorraussichtlich 18% der 82 Millionen Einwohner Deutschlands unter 20 Jahren alt sein. Durch ein BGE über 500€ für unter 20-jährige und 1.000€ für ältere Personen würde dementsprechend eine Belastung für den Haushalt Deutschlands über rund 14 Milliarden Euro im Monat oder auch 168 Milliarden Euro im Jahr entstehen.

Der erste positive Effekt ist jedoch bereits, dass zahlreiche komplexe Förderstrukturen im Sozialsystem hinfällig wären. Es würde kein Arbeitslosengeld und somit keine aufwändigen Prüfungen geben. Kindergeld, Zuschüsse, Steuerfreibeträge und viele andere Dinge könnten gestrichen werden. Jeder Bürger erhält Summe X auf die Hand und darf damit umgehen, wie er möchte. Der Verwaltungsaufwand könnte reduziert werden. Dieses Geld ist darüber hinaus nicht mehr an Bedingungen oder Vorraussetzungen gekoppelt. Muss denn unsere Existenz bzw. unser Leben in dieser Gesellschaft an Bedingungen gekoppelt sein? Wir haben das Leben und die Erde kostenlos erhalten und doch zwängen wir uns in Pflichten und Schuldsysteme.

168 Milliarden Euro klingt also auf den ersten Blick sehr viel. Deutschland wendet jedoch bereits jetzt über 130 Milliarden Euro jährlich für Soziales, Arbeit und Familie auf. Diese Summe kann man natürlich nicht 1:1 entgegenstellen, aber während der Staat mit dem BGE rund 170Mrd€ Kosten zu erwarten hat entfallen auf der anderen Seite mindestens bereits 100Mrd€ an bestehenden Förderungen. Dies kann ich aus den mir zugänglichen Statistiken leider nicht genau berechnen. Ich vermute in diesem Rechenbeispiel jedoch, dass die Mehrbelastung für den Staat durch den Wegfall bestehender finanzieller Leistungen bei ungefähr 70 Milliarden Euro im Jahr liegen würde. Die erfolgreiche Finanzierung eines solchen Systems ist jedoch eines der größten Probleme der Umsetzung des BGE.

Die meisten Menschen suchen nach Problemen anstelle Lösungen. Die Gefahr einer Volkswirtschaft in der viele Menschen nicht mehr arbeiten oder wesentlich weniger ist vorhanden, richtig. Aber warum ein Konzept mit Potential tod reden? Warum nur die Probleme suchen? Gibt es eventuell Lösungen? Oder lassen sich neue tolle Konzepte entwickeln? In Kanada wird das BGE immer wieder erprobt. In der Stadt Dauphin ließ man beispielsweise den Anreiz zur Arbeit bestehen indem man jeden selbst erarbeiteten Dollar nur zu 50 Cent (50%) vom BGE abzog. Wenn also jeder Anspruch auf beispielsweise $1,000 hat und jemand einen Job über $1,000 besitzt, so erhält diese Person trotzdem $500 BGE und steht am Ende mit $1,500 Einkommen besser da als wenn er nicht arbeiten würde. Personen ab $2,000 erhalten kein BGE mehr. Ich habe mir diese Zahlen nur ausgedacht. Hintergrund ist Arbeit weiterhin zu belohnen und Personen mit mehr als genug Geld kein BGE auszuzahlen.

Das bestimmte Personen jedoch kein BGE erhalten erachte ich als gut. Wenn jemand beispielsweise über 4.000€ im Monat verdient geht es ihm finanziell gut. Muss diese Person dann noch mehr Geld erhalten? Viele Menschen fühlen sich jedoch ungerecht behandelt. Sie gehen Arbeiten und bekommen kein BGE? Doch ist es nicht Sinn unserer Gesellschaft, dass wir uns gegenseitig unterstützen? Doch die Idee des BGE ist es nicht jedem stupide Geld zu schenken, sondern die Gesellschaft gerechter und stabiler zu machen. Wer genug Geld hat um gut zu leben, der muss nicht unterstützt werden. Wo man diese Grenze ansetzt ist dann Verhandlungssache und muss in der Praxis erprobt werden. Je nach wirtschaftlicher Lage könnte dies auch angepasst werden. Auch würden hier viele weitere Milliarden weniger durch den Staat aufgebracht werden müsste. Ist es bereits ein Nullsummenspiel, wenn wir das BGE einführen würden?

Wahlweise gibt es auch die Möglichkeit einer negativen Einkommenssteuer. Auch dies wurde bereits erprobt. Hierbei gibt es dann nicht, wie im aktuellen deutschen System, bis zu einem Gehalt über rund 8.500€ einen Steuerfreibetrag, sondern beispielsweise bis 5.000€ Jahresgehalt eine Einkommenssteuer über -25%. Der Staat legt nochmals 1.250€ oben drauf. Hier könnte man verschiedene Stufen einbauen wann der Staat wie viel Prozent auf das Gehalt drauflegt. Wer nicht arbeitet erhält das Existenzminimum, also Arbeitslosengeld, ausgezahlt. Der Nachteil dessen: Es ist erneut ein sehr kompliziertes System, da alles geprüft werden muss. Es müsste wieder große Behörden geben und alle Bürger hätten noch mehr Papierkram zu erledigen.

Ergebnisse bisheriger Pilot-Projekte

Die kanadische Kleinstadt Dauphin testete das BGE bereits 1979. In Dauphin konnten sich die ärmsten Bürger darauf bewerben und erhielten ab sofort für 4 Jahre ein Grundeinkommen. Die Ergebnisse sind in einem Archiv festgehalten und mittlerweile analysiert:

  1. Die Menschen haben nicht weniger gearbeitet. Größtenteils sogar mehr.
    Grund ist, dass das kanadische BGE Arbeit belohnte. Jeder verdiente Euro senkte das BGE nur um 50ct. Wer 1.000€ BGE im Monat erhielt und sich 600€ dazuverdiente hatte am Ende 1.300€ zur Verfügung. Wer Vollzeit arbeite bekam weitere Boni. Durch ein BGE kann Arbeit und soziales Engagement belohnt werden. Im aktuellen Kapitalismus wirst du für Ehrenamt und soziales Engagement meist gewissermaßen „bestraft“. Es zählt nur das Einkommen.
  2. Mehr Menschen machten einen Schulabschluss
    Das Grundeinkommen sicherte ab. Man konnte mit Konzentration und Ruhe lernen und sich bilden. Niemand musste bereits mit 16 Jahren seine schulische Laufbahn beenden um arbeiten zu gehen. Der Bildungsstand in der Bevölkerung stieg und die Kriminalität sank. Weniger Einbrüche wurden in Daupphin verzeichnet, sowie mehr in die Sozialkassen einzahlende gut verdienende Bürger. Armut wurde erfolgreich durch bessere Bildung bekämpft.
  3. Weniger Kranke
    Weniger Arztbesuche, weniger Krankenhausaufenthalte, Suchtfälle und Trunkenheit. Das BGE ließ die Gesundheit der Bevölkerung besser werden.

Quellen

Futurism – Is Universal Basic Income a Viable Solution?

Futurism – India’s Top Economist Announces His Support For Universal Basic Income

big think – What Happens When Everyone is Given Basic Income?

Canadian Soacial Research – Guaranteed Annual Income: A Supplementary Paper

Wikipedia – basic income

Wikipedia – negative income tax

Basic Income Earth Network – ONTARIO, CANADA: New Report on Minimum Income Pilot

The Guardian – Ontario pilot project puts universal basic income to the test

Portal für Finanzen und Versicherungen – deutsches Existenzminimum 2015

by Jan 31, 2017 Keine Kommentare
Denkfehler: Basiert mein Backtest auf der richtigen Logik?

Denkfehler: Basiert mein Backtest auf der richtigen Logik?

Anlagetechniken

Das „Backtest-Problem“

Jeder, der sich länger und intensiver mit dem Thema „Trading“ beschäftigt hat, hat schon mal einen Backtest durchgeführt. Oder? Zumindest hat jeder schon, mindestens einmal, eine Backtestauswertung gesehen.

So, in etwa, kann eine Backtest-Auswertung aussehen:

Es sind alle relevanten Daten zu erkennen. Maximaler Drawdown, durchschnittlicher Gewinn, durchschnittlicher Verlust usw.

Es scheint so auszusehen, als ob ein Backtest eine gute Sache ist. Ist er auch! Wenn man das Signal oder die Handelsstrategie, die dahintersteckt, auch richtig überprüft hat.

Wenn Sie sich für das Thema „Handelsstrategie entwickeln“ interessieren, können wir Ihnen gerne unseren Artikel zu diesem Thema ans Herz legen: Wie entwickle ich eine erfolgreiche, statistische Trading-Strategie? 

Es verbirgt sich nämlich, in den meisten Fällen, ein großer Denkfehler hinter solchen Backtests. Wir reden jetzt nicht davon, dass dieser Backtest falsch ist und dass die Zahlen, die angegeben worden sind, nicht stimmen.

Es handelt sich eher um einen Test-Fehler in der Logik des Traders! Sie wollen ja eine statistische Auswertung nach wissenschaftlichen Methoden vornehmen und somit beweisen, dass Ihr Backtest tatsächlich seine Richtigkeit besitzt. Sie wollen wissen, ob Ihr Handelssignal für den positiven Backtest gesorgt hat oder ob der positive Backtest gar nicht mit dem Handelssignal korreliert.

Ohne die richtige wissenschaftliche Logik hat ein Backtest, auch wenn er Gewinnbringend ist, sehr wenig Aussagekraft!

Die Logik hinter einem Backtest verstehen!

Was ist wohl der größte Irrglaube bei einem durchgeführten Backtest? Oder überlegen Sie mal, was einer sein könnte.

Es ist der Irrglaube, dass man glaubt die richtige Schlussfolgerung aus seinem Backtest zu ziehen, obwohl diese falsch sind. Diese falsche Schlussfolgerung kann fatale Folgen für eine Tradingstrategie haben und Sie damit eine menge Geld kosten. Verdeutlichen wir das am besten an einem Beispiel.

Sie haben sich hingesetzt und sich Gedanken über ein Handelssystem gemacht. Soweit so gut. Sie sind auf die Idee gekommen und wollen nun Ihre Handelsidee mit einem Backtest bestätigen. Voilá, Sie haben einen positiven Backtest erhalten und gehen nun davon aus, dass Ihre Handelsidee oder Ihr Handelssignal eine Aussagekraft für die Zukunft besitzt. Und hier greifen wir ein. Dies ist ein Trugschluss. Sie haben zwar durch diesen Backtest ein positives Resultat erhalten, Sie haben aber noch lange nicht bewiesen, dass dieses positive Resultat auch durch Ihr Handelssignal zustande gekommen ist.

Hier nochmal der Vorgang als logische Reihenfolge dargestellt:

  1. Prämisse: Wenn mein Handelssignal eintritt, steigt/sinkt der Markt in meine gewünschte Richtung und führt zu einem positiven Backtest.
  2. Prämisse: Wir erhalten einen positiven Backtest.
  3. FALSCHE SCHLUSSFOLGERUNG: Unser Handelssignal hat eine Aussagekraft und sorgt für den positiven Backtest.

Verdeutlichen wir die falsche Schlussfolgerung an einem anderen Beispiel:

  1. Prämisse: Wenn es ein Kugelschreiber ist, dann kann man damit auch schreiben.
  2. Prämisse: Man kann damit schreiben.
  3. FALSCHE SCHLUSSFOLGERUNG: Es ist ein Kugelschreiber.

Nur weil man damit schreiben kann, muss es nicht automatisch ein Kugelschreiber sein. Es kann sich auch um einen Bleistift, einen Tintenfüller etc. handeln.

Richtig ist aber auch wiederum, wenn ich damit nicht schreiben kann, dann ist es auch definitiv kein Kugelschreiber. Rückwirkend funktioniert diese Logik.

Genauso ergeht es der Logik im oberen Backtest-Beispiel. Sie haben zwar einen positiven Backtest erhalten, dies heißt aber noch lange nicht, dass auch tatsächlich Ihr Handelssignal oder Ihre Tradingstrategie für den positiven Backtest verantwortlich ist. Es können zig andere Gründe sein.

Diese „zig anderen Gründe“ müssen wir ausschließen können, um uns so sicher wie nur möglich mit unserem Handelssystem zu sein.

Jetzt kommen wir zum spannenden Teil. Wie überprüfen Sie denn jetzt die richtige Schlussfolgerung.

Der H0-Hypothesentest

Wir wollen jetzt nicht versuchen unsere Prämissen zu beweisen, sondern wir wollen diese widerlegen.

Als Anmerkung, wir werden versuchen es nicht zu trocken zu erklären, da Statistik für die meisten Trader eher ein langweiliges, als ein spannendes Thema ist. Wir versuchen Ihnen ein kompaktes und brauchbares Modell an die Hand zu geben, mit denen Sie dann, hoffentlich, in Zukunft Ihr Schlussfolgerungen richtig analysieren können.

Die H0-These ist immer die These, die wir versuchen zu widerlegen. Die H1-These ist dann logischerweise die These, die wir versuchen zu bestätigen.

Die H1-These wird auch als Alternativhypothese bezeichnet und stellt die Gegenwahrscheinlichkeit zur H0-These dar.

Stellen wir nun unsere H0- und H1-Hypothese auf:

  • H0-These: Wenn mein Handelssignal eintritt, dann steigt/sinkt der Markt in die nicht gewünschte Richtung um den Betrag X
  • H1-These: Wenn mein Handelssignal eintritt, dann steigt/sinkt der Markt in die gewünschte Richtung um den Betrag X

Nun stellen wir unsere richtige logische Schlussfolgerung auf:

  1. Prämisse: Wenn H0-Richtig, dann entwickelt sich der Markt um Betrag X nicht in die gewünschte Richtung
  2. Prämisse: Der Markt entwickelt sich nicht, in die nicht gewünschte Richtung um den Betrag X ( Also in die gewünschte Richtung)
  3. RICHTIGE SCHLUSSFOLGERUNG: Wir können die H0-These verwerfen und können sagen, dass das Handelssignal tatsächlich eine Aussagekraft besitzt und der Markt sich höchstwahrscheinlich aufgrund des Handelssignals sich in die gewünschte Richtung entwickelt.

Es ist natürlich klar, dass die Realität deutlich komplexer ist, als dass man sie in 2 Thesen packen könnte. Es ist dennoch wichtig, sich dieser richtigen Systematik bewusst zu sein und nicht jedem Backtest zu glauben.

Wir prüfen, bevor wir eine Handelsstrategie entwickeln, immer mit Hilfe einer Teststatistik und dem H0-Hypothesentest, ob es sich lohnt mehr Energie in eine Handelsstrategie hinein zu investieren.

Diese Fehler können bei einem H0-Hypothesentest eintreten 

Sie müssen natürlich auch wissen, dass Sie auch mit einem H0-Hypothesentest nie die 100%-ige Sicherheit haben, dass der positive Backtest tatsächlich auch an Ihrem Handelssignal liegt.

Solch ein mögliches Szenario wird durch ein Signifikanzniveau gekennzeichnet. Im Normalfall beträgt solch ein Signifikanzniveau 5%. Das heißt, dass in 5% der Fälle ein Fehler im Hypothesentest vorliegen kann.

Es existieren zwei Arten von Fehlern die eintreten können. Der Fehler 1. Art und der Fehler 2. Art.

Ein Fehler 1. Art liegt vor, wenn Sie bei einem H0-Hypothesentest die H0-Hypothese zu Unrecht verworfen haben.

Ein Fehler 2. Art liegt vor, wenn Sie bei einem H0-Hypothesentest die H0-Hypothese zu Unrecht beibehalten haben,

Diese Fehler können Sie mit Hilfe eines „p-Value-Test“ minimieren. Komplett ausschließen können Sie diese aber nie.

Fazit:

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Artikel zeigen konnten, wo sich einer der größten Denkfehler im Bereich Backtesting verbirgt.

Es ist von unglaublicher Wichtigkeit, dass Sie Ihren Backtest mit der richtigen Logik überprüfen. Natürlich ist der H0-Hypothesentest kein Wundermittel für Strategien mit einer unglaublichen Performance. Solch ein Wundermittel existiert leider auch nicht.

Was der H0-Hypothesentest aber definitiv kann, ist Sie vor Strategien zu schützen, die Ihnen Geld kosten würden, bis Sie bemerken würden, dass die Handelsstrategie irgendwie nicht so funktioniert wie geplant.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst und prüfen Sie Ihre eigene Handelsstrategie mit dem H0-Hypothesentest. Sie werden staunen!

 

Mit freundlichen Grüßen und eine erfolgreiche Trading-Woche,

Statistic-Trading

 

by Jan 24, 2017 1 Kommentar
In vier Phasen zum Trader

In vier Phasen zum Trader

Erste Schritte

Trading bedeutet grundlegend Charakterbildung. Ein Trader erlebt verschiedenste Phasen und Entwicklungsstufen seiner Arbeit und seines Verhaltens. Das höchste Ziel auf dem Weg zum Trader ist die Unabhängigkeit. Von was er unabhängig werden möchte, werde ich im folgenden Beitrag erklären. Ein Großteil der Arbeit wird eines Traders besteht nach meiner Auffassung daraus, alleine, nur mit sich selbst vor seinen Monitoren zu sitzen. Je früher man sich mit diesem Gedanken vertraut macht, desto schneller wird man die Phasen zum Trader durchlaufen können. In der Phase der Unabhängigkeit wird die eigene Handelslogik weiterentwickelt und darauf ein individuelles Marktverständnis aufgebaut. Dies kann man sich nur selbst beibringen, weil man es mit der Zeit prozesshaft erlernt. Das ist Trading.

Unabhängigkeit ist ein hohes Gut. Es fällt einem nicht einfach vor die Füße. Wer von uns ist finanziell unabhängig bzw. frei? Kaum einer. Der Weg zur Unabhängigkeit ist ein steiniger, steiler, mühseliger, aber doch irgendwie auch lohnenswerter Weg. Es ist ein Prozess. Charakterbildung. Man muss zuvor die Informations-, Selbstfindungs- und Konfrontationsphase durchlaufen, welche im Konflikt zum Ziel des unabhängigen Tradings stehen. Ich möchte dir in diesem Beitrag diese Phasen erklären und dich so auf deinem Weg zum selbstständigen Trader unterstützen.

1. Die Informationsphase

Erinnerst du dich an deinen Einstieg ins Trading? Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Man taucht in ein Meer aus Möglichkeiten, schier endlosem Wissen und praktischen Erfahrungen ein. Es ist wie eine Expedition in den Urwald und man muss sich durch dichtes Gestrüpp schlagen. Meint man gerade einen Weg gefunden zu haben, so steht einem schon der nächste Busch im weg. Überall sind Dornen und gefährliche Tiere, welche einem das Leben schwer machen und man kommt nur sehr langsam durch diesen Urwald. Der Einstieg ins Trading ist wahrlich schwierig.

Die Informationsphase ist ein auf der einen Seite notweniger, aber auch irgendwie nutzlos unüberschaubarer Prozess. Es ist eine Phase in der wir irgendwie alles ein wenig, aber nicht richtig machen. Es ist der Einstieg in eine völlig neue Welt. Und wir müssen uns darin zurecht finden. Den eigenen Weg zu finden, das richtige Tempo sozusagen sich erfolgreich durch den Urwald zu schlagen (beispielsweise eher antizyklisch oder trendfolgend investieren) oder die richtige Methoden sich gegen Gefahren zu schützen (Risk- und Money-Management), ist wichtig. Auch die praktischen Erfahrungen gehören dazu. Man macht Fehler. Aus diesen Fehlern lernen wir. Und trotz des durchaus extrem großen Lerneffekts dieser Phase ist unser Verhalten als Trader in dieser noch wahnsinnig ineffizient. Es ist wie ein Kind, welches laufen lernt und ständig hinfällt.

Wichtige Erkenntnisse beziehen sich hier größtenteils auf den mentalen Umgang mit Verlusten und Risiken, der Tatsache, dass Gewinne pro Trade fast immer größer sein müssen als die Verluste und dass es eine individuelle Handelslogik über den Einstieg und Ausstieg gibt, die jeder gefunden haben muss. Jegliche Details über diese Handelslogik sind so individuell, wie der Fingerabdruck jedes einzelnen Menschen.

Die Besonderheit dieser Informationsphase ist, dass ein großteil der Informationen unnütz und hin und wieder sogar schäflich sind, weil die Informationen weit über die nützlichen fundamentalen Kriterien hinausgehen. Manche Menschen kommen nie aus der Informationsphase heraus, weshalb sie den zweiten Schritt nicht schaffen. Oder ihn nicht wagen?

2. Die Selbstfindungsphase

In der Informationsphase sollte man sich selbst finden und somit in die Selbstfindungsphase übergehen. In dieser wendet man das erlernte fundamentale Wissen an, vergisst das unnütze, und nimmt ein individuelles Maßschneidern vor. Man treibt nicht mehr nur mit in diesem Meer, sondern fängt an selbstständig zu schwimmen.

Sich treiben zu lassen – wie man dies normalerweise in der Informationsphase tut – is einfach. Auch aus psychologischen Gründen. Eine Studie ergab, dass viele junge Fondmanager das Verhalten und das Trading der Gruppe nachahmen. Liegt man richtig und macht man Gewinne, dann fühlt man sich gut. Liegt man falsch und verliert Geld, dann ist es irgendwie geteiltes Leid. Man ist nicht der einzige. Es gehört auch Mut dazu sich selbst zu finden und seinen eigenen Weg zu gehen. Etwas anders zu machen bedeutet auch am Ende selbst die Verantwortung dafür zu tragen und eventuell, im Gegensatz zu den anderen, schlecht darzustehen. Doch auf dem Weg zur Unabhängig muss man sich selbst finden.

Das bedeutet nun nicht, dass du mit Zwang und Druck alles anders machen sollst als andere. Mache das, was du am besten kannst. Dann legst du den Grundstein deines Erfolgs. Wichtig hierbei ist deine Intensität. Trainierst du? Schulst du dich? Arbeitest du an dir un deinem Trading? Diese Intensität drückt sich darin aus, wie viel man wirklich ohne Ablenkungen nur mit sich selbst, seiner Mentalität und seinen zu handelnden Märkten arbeitet.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Trennung von all den Informationen und Menschen vorzunehmen, die einen in der Informationsphase vor kurzem noch begleitet haben. Diese Trennung beinhaltet das Abschalten von Menschen, Büchern, Webinaren und YouTube Videos, welches bei letzterem teils zu Entzugserscheinungen führen kann, weil man sich viele Monate an dieses Studium gewöhnt hat. Deshalb wird man insbesondere in den wichtigen Phasen der Selbstfindung immer wieder den Drang verspüren weitere Informationen der ehemals unterstützenden Quellen aufzunehmen und sich weiter an die Lippen der Menschen zu kleben, die einen bis dahin weitergebracht und angeleitet haben. Nur wer stark genug ist, wird aber unbeirrt den Weg der Erfahrung von sich, seiner Mentalität und den zu handelnden Märkten weitergehen.

Fast niemand schafft es, denn die ersten markanten Ergebnisse innerhalb der Selbstfindungsphase, die man mit seinem eigenen Handelsstil schon bekommen hat, führen fast immer dazu, doch wieder in alte, gruppenbasierte und von umfassender Anleitung durch andere in watte gehüllte Verhaltensweisen zu verfallen.

3.Die Konfrontationsphase

Wie du sicherlich schon beim Lesen gemerkt hast: Es besteht Konfliktpotential in der Selbstfindungsphase. Der Versuch sich aus der sicheren Umgebung zu entfernen und einen individuellen Stil zu entwickeln und vor Allem den alten Gewohnheiten und Mentoren zu entsagen, birgt Potential zur Konfrontation. Nicht nur mit diesen, sondern vor Allem auch mit sich selbst. Lernte man in der Informationsphase noch sprechen und laufen, so ist die Selbstfindungsphase durchaus mit der deutschen Grundschule vergleichbar: Man lernt weiter, doch findet seine eigenen Stärken und Schwächen, Talente und doppelte linke Hände. Doch jeder Trader muss auch die Pubertät erleben. Eine Phase voller Konflikten und Konfrontation.

Jeder Charakter reagiert unterschiedlich auf seine Erlebnisse in der Selbstfindungsphase. Einige werden verbittert, sauer und verkrampft und treten griesgrämig in Foren auf und Kritisieren jene, welche schaffen, was einem selbst verwährt bleiben. Diese Charaktere suchen die Schuld bei anderen und ein Ventil ihre eigene Unfähigkeit emotional anzureagieren.

Andere spüren einen Hauch Unabhängikeit und wollen dies sofort kommunizieren. Sie bloggen, schreiben, kommentieren, machen Video-Blogs und schreiben Bücher. Doch hierbei sollte man kritisch hinterfragen, ob man sich so nicht auf seinem Weg festbeißt, wenn man diesen nur noch beschreibt und lobt, verteidigt und erzählt? Man sollte auch den Mut haben seinen Weg wieder zu verlassen und die Fähigkeit besitzen sich einen neuen Suchen zu können. Auch könnte man eben jene neuen Trader, welcher in der Informationsphase als Empfänger von Informationen auftreten, in ihrer Entwicklung stören, wenn man selbst unvorsichtig als Sender von Informationen auftritt.

Konfrontation ist für jeden Menschen unangenehm. Doch man sollte sich dieser stellen und nicht emotional reagieren. Wenn etwas an der Börse fehl am Platz ist, dann sind es Emotionen. Aus jeder Konfrontration, aus jedem Fehler, Problem und auch jedem Verlust kann man lernen. Ein Trader in eben dieser Phase befindet sich in der Pubertät seines Tradings. Er tritt mit seinem Charakter, seinem Wissen und seinem Trading in Konflikt mit der Gemeinschaft und dem Markt. Das ist gut. Und doch auch unangenehm. Man muss in dieser Phase seinen Weg verteidigen und optimieren – das heißt sein Trading noch verbissener, konzentrierter und fixierter zu verbessern. Oder man muss sich doch einen neuen Weg suchen, nicht panisch und ohne Plan, sondern sein aktuelles Verhalten leicht verändern.

4. Die Unabhängigkeitsphase

Wer laufen gelernt hat, seinen eigenen Weg gefunden hat und die Höhen und Tiefen der zahlreiche Probleme und Konflikte durchstanden hat, besitzt viel Wissen und Erfahrung. Er kennt seinen Weg, seine Fähigkeiten und kann relativ gut auf den Markt und die Gemeinschaft reagieren. Trading bedeutet Charakterbildung – beispielsweise lernen schusselige und unkonzentrierte Menschen schnell dieses Verhalten möglichst einzudämmen. Wer möchte schon wöchentlich auf Grund persönlicher Fehler Geld verlieren?

In der Unabhängigkeit benötigt man keine Bücher, Mentoren und Unterstützer mehr. Natürlich ist es wichtig sich stets weiterzubilden und natürlich gibt es immer noch viele schlauere und erfahrene Trader als man selbst. Doch man benötigt nicht mehr zwingend Hilfe um am Markt zu bestehen. Man könnte auch ohne andere Personen, nur mit Charts und Zahlen, agieren und bestehen. Man braucht keine Analysen, Bewertungen und Hinweise mehr. Und doch sollte man sich weiterbilden. Die Scheuklappen der vorherigen Phasen kann man ablegen und auch wieder als Empfänger und Sender von Informationen auftreten. Man selbst ist zu einem starken und unabhängigen Charakter gereift, welcher sich durch andere und den Markt nicht mehr so einfach irritieren lässt. Man verlässt das Elternhaus und kann sich auch ohne deren ständge Hilfe im Leben behaupten. Das ist die Unabhängigkeit, welche auch ein Trader erreichen sollte. Mit 20 sollte man ausziehen, nach dem Studium dann einen Beruf finden und auf eigenen Beinen stehen. Als Trader kann man auch nicht ewig am Tropf der vorgekauten Informationen von selbsternannten Experten, Gurus oder den Meinungen und Behauptungen anderer hängen.

 

 

by Jan 18, 2017 3 Kommentare
Optimize your behavior as trader with online poker

Optimize your behavior as trader with online poker

Gastartikel

Most trading mistakes are attributed to mental overload. Trading is very emotional, fast and the trader needs to work in situations of unstableness where he has to trade the unknown future without enough information and time. As consequence thereof traders make mistakes. Exchange is not just watching what the market is doing and trying to trade it. Exchange is also to look at the own performance and behavior. Trading means not just to optimize portfolios, trading performance and money management. Trading involves to optimize the own mentality, personality and behavior. But how could we train us to act better in stressful and unconfident situations? I think the best training is to play online poker.

Please do not play with real money. Just enter for example the free online poker possibilities at Facebook. To play with unreal money is not the same than being stressed to maybe lose your own money. But online poker is also good training and involves a high level of stress, too. You just have 5 to 10 seconds for your decision. You need to figure out probabilities and your strategy. You don’t have enough time to calculate well. You even don’t have enough information. You just see your cards but you have to do something. Your decision should be that good to win the money and to raise your budget. How much rounds do you need to double your money? Or do you maybe lose everything?

If you play online poker you will make exemplary mistakes. Mistakes that are made by traders, too. You will go through euphoric moments after winning some hands and big a sum of money. You will get over-motivated and start to make mistakes. Small and big mistakes. And faster than you can say “what am I doing here?” you lose your money again. It is important to keep calm while online poker and trading. Emotional overreactions are the best way to make mistakes. Train your behavior in stressful, fast and tricky situations. Try to be as focused and unemotional as possible. Grab the chance to optimize your performance. You need to manage your budget, your strategy, your cards, your round and you need to glean the probability of your cards to win the round. You need to do a lot of things in just 5 to 10 seconds. You will make mistakes. You will lose money. You will feel good, bad, euphoric and frustrated. But that are typical emotions and situations traders are faced with, too. I recommend to play online poker to you if you want to be better trader. You need to train your behavior. Try to play poker as most effective as possible. That could be the first step to control your emotions better while trading.

by Jan 11, 2017 Keine Kommentare
Banken zündeln mit ABS-Produkten

Banken zündeln mit ABS-Produkten

Gastartikel

Der Name klingt wie Musik in den Ohren: asset-backed security (ABS). Oder auf Deutsch: Forderungsbesichertes Wertpapier. Die Denker der Finanzbranche sind gerissen und lassen sich immer neue Konstrukte, Modelle und Möglichkeiten einfallen. Die Aussicht auf unermesslichen Reichtum macht erfinderisch bzw. auch Not macht erfinderisch. Was so schön klingt sind jedoch Systeme, welche bereits 2007 zum Ausbruch der Finanz-Krise beitrugen.

Ich schreibe diesen Blog nicht um aufzuarbeiten was bereits etliche Blogs, Medien, Filme und Bücher aufgearbeitet haben (die Krise von 2007) sondern möchte aus aktuellem Anlass auf diese Thematik eingehen. Wir erkennen derzeit, dass der Boom um ABS wieder aufflammt. Basteln die Banken an einem neuen Sprengsatz, welcher zur nächsten Finanzkrise führen wird?

Was sind forderungsbesicherte Wertpapiere?

Um die Enstehung und Art der ABS zu verstehen müssen wir uns den Gesamt-Prozess vom Entstehen eines Kredits bis hin zur Verbriefung als forderungsbesichertes Wertpapier anschauen:

  1. Eine oder mehrere Personen (z.B. Familien) wollen ein Haus bauen oder kaufen
  2. Ein Kredit-Vermittler vermittelt das Darlehen und erhält dafür Provisionen
  3. Der Kreditgeber vergibt das Darlehen und erhält im Gegenzug die Zinsen

Soweit besteht der normale Ablauf am Immobilien-Markt mit Käufern, Mittlern und Kreditgebern. Um jedoch nun die Nachfrage am Markt nach Rendite und lukrativen Anlageformen zu bedienen kamen Investment-Banker auf folgende Idee:

  1. Eine Investment-Bank kauft nun zahlreichen Kreditgeber ihre “Forderungen gegenüber anderen” in großer Menge ab
  2. Diese Forderungen werden nun auf eine Zweckgesellschaft der Investment-Bank (SPV) übertragen, welche die Darlehen verwaltet und die Zinszahlungen erhält
  3. Die Darlehen werden in drei Tranchen unterteilt: Safe, Okay und Risky.
  4. Nun erstellt die Zweckgesellschaft bzw. die Investment-Bank als Besitzer dieser Wertpapiere, welche am Markt handelbar sind und durch die Forderungen besichert werden

Nun ist das forderungsbesicherte Wertpapier (asset-backed security) entstanden. Die Forderung gegenüber anderen ist auf der einen Seite die Sicherheit (ein einforderbarer Wert sichert das Wertpapier ab) und auf der anderen Seite stellen die Zinszahlung auch die Rendite der Investoren dar, welche diese erhalten.

  1. Ratingagenturen bewerten nun die drei Tranchen mit AAA, BBB und die riskanten ABS erhalten kein Rating.
  2. Die riskanten (hohes Ausfallrisiko, aber viel Zins/Rendite) ABS werden an Hedgefonds verkauft, die akzeptablen Wertpapiere an andere Banken und die sicheren asset-backed securities an Investoren, welche nur hoch-bewertete (AAA) Anlegeformen in Anspruch nehmen.

Nun profitieren alle. Der Hausbesitzer, der Vermittler, der Kreditgeber, die Investment-Bank und die Investoren. Aus einem einfachen Kredit wurde ein handelbares Wertpapier. Da die Rendite durch Zinszahlungen entsteht und einforderbarer Wert dahinter steht handelt es sich um forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS). Schaut man genauer hin, dann kann diese Form der Wertpapiere in verschiedene Arten unterteilen:

  • asset-backed securities (ABS), forderungsbesicherte Wertpapiere
    • Term ABS
    • asset-backed vommercial paper (ABCP)
  • mortgage-backed securities (MBS), hypotheken-besicherte Wertpapiere
    • Residential MBS (RMBS)
    • Commercial MBS (CMBS)
  • collateralized debt obligations (CDO), allgemeine kredit-besicherte Wertpapiere
    • Collateralized Loan Obligations (CLO)
    • Collateralized Bond Obligations (CBO)
    • CollateralizedMortgage Obligations (CMO)

Warum gelten ABS als Sprengsätze der Finanzbranche?

Die Schwierigkeit an diesen Produkten ist auf der einen Seite, dass die Rating-Agenturen, welche die ABS bewerten, durch den Anbieter, die Investment-Bank, beauftragt wird und meistens lediglich den Bewertungs-Vorschlag prüft. Hierbei kann es zu fehlerhaften Bewertungen führen und faule Kredite erhalten ein Rating und können am Markt verscherbelt werden. Darüberhinaus handelt es sich beim ABS um ein Wertpapier welches durch hunderte oder tausende Kreditnehmer besichert ist. Der Kredit wurde bereits mehrfach weitergereicht, verbrieft, bewertet, verdreht und verkauft. Der Einblick ist nicht mehr gegeben. Wer zahlt die Zinsen? Wie geht es diesen Personen? Wie viele Personen zahlen die Zinsen und wie viele sind bereits privat Insolvent?

Mit dem Hype um diese Finanzprodukte kam auch die Finanzkrise 2007 zustande. Um die Nachfrage des Marktes zu bedienen wurden immer mehr subprime loans an Personen vergeben, welche sich einen Kredit eigentlich nicht leisten Konten. Die Mittler klingelten persönlich bei den Leuten um Kredite ohne Prüfung der Person zu vergeben. Zeugen berichten, dass sie bei Banken ohne Unterlagen innerhalb weniger Tage Kredite über mehrere hunderttausend Dollar erhalten konnten (in der Hochphase der Blase). Die Vermittler und Kreditgeber versuchten die unbändige Nachfrage der Investment-Banken zu bedienen. Für Sie war dies ein gutes Geschäft. Das Problem hat immer derjenige, welcher im Besitz der faulen Kredite ist. Mittler, Kreditgeber und Investment-Banken schoben diese Sprengsätze immer fröhlich weiter und kassierten ab. 2007 wurde vor Allem mit MBS-Produkten gehandelt, da der US-Immobilienmarkt brummte. Immer mehr ABS wurden verkauft. Für die Investment Banken war es ein Milliarden-Geschäft.

  1. Im August 2007 stoppte die französische BNP Paribas den Handel mit ABS da sie bemerkte, dass ihre Fonds durchsetzt waren mit faulen Wertpapieren
  2. Im September 2007 kam zu einem Bankrun in Großbritannien als “nothern rock” in Zahlungsschwierigkeiten auf Grund der Abschreibung von faulen Krediten geriet
  3. Ende 2007 musste der größte Versicherer der Welt, die AIG, einen Rekordverlust von 11 Milliarden Dollar durch Kreditausfallversicherungen im Bereich Hypotheken vermelden. Die Bank erhielt einen Überbrückungskredit von der FED (40 Mrd. USD)
  4. Am 14. März 2008 musste die traditionsreiche Bank Bear Stearns auf Grund von Verlusten über 4,5 Mrd USD ihrer ABS-Fonds gerettet werden. Die Bank J.P. Morgan Chase kaufte die Bank in Zusammenarbeit mit der FED.
  5. Mitte 2008 gerieten die staatsnahen Hypothekenbanken Federal National Mortgage Association, FNMA (auch Fannie Mae genannt) und Federal Home Loan Mortgage Corporation (auch Freddie Mac genannt) in Zahlungsschwierigkeiten. Zwischen dem 13. Juli und 7. September 2008 erhielten beide Banken 187 Mrd. USD von der FED
  6. Die damals 4. größte Bank der USA, Lehman Brothers, geriet ebenfalls als Investment Bank in unruhige Gewässer und musste die Verluste durch zwei Kapitalerhöhungen im April und Juni 2008 über 9 Mrd USD abfedern. Die Bank machte teilwesie pro Quartal 3 bis 5 Mrd USD Verlust. Nachdem Barcleys eine Übernahme Lehman Brothers ablehnte war der Druck auf die US-Regierung und FEd zu groß noch eine Bank zu retten. Man ließ Lehman Brothers insolvent gehen was sich im Nachhinein als großer Fehler und letzter Auslöser der Finanzkrise 2008 entpuppte.

In Folge der Pleite von Lehman Brothers entdeckten Banken weltweit hohe Beträge fauler Kredite in ihren Portfolios. Es kam zu zahlreichen Insovenzen und Liquiditätsproblemen nachdem diese Papiere abgeschrieben werden mussten. Das Ausmaß der Probleme übertrug sich auf die Wirtschaft wodurch eine Wirtschaftskrise entstand.

Banken zündeln erneut mit ABS-Produkten

Natürlich werden ABS auch weiterhin gehandelt. Das Modell ist äußerst lukrativ für alle beteiligten solange die Kreditnehmer ihre Zinsen bezahlen können. Nach der Krise 2008 achteten Finanz-Aketure jedoch genauer darauf was sie kauften. Doch wie immer lässt das Bewusstsein mit der Zeit nach und die Gier nimmt überhand. Heutzutage deutet sich erneut an, dass ein größeres Volumen an ABS gehandelt wird. Wie viele faule Kredite darunter sind? Man weiß es nicht …

  1. Wir haben eine Immobilienblase in Schweden
  2. Wir haben eine Immobilienblase in Dänemark
  3. Wir haben eine kleine Immobilienblase in den USA

Wir haben es aktuell weniger mit hypotheken-basierten Krediten zu tun, sondern viel mehr mit einem Mix aus nonperforman loans. Zuletzt gerieten zahlreiche wichtige Banken in Italien in Zahlungsschwierigkeiten und benötigten Milliarden-Gelder der EZB um nicht zu kollabieren. Nochmals lässt keine Zentralbank der Welt zu eine Bank kollabieren zu lassen nach den Erfahrungen aus 2008. Nachdem die EZB nun forderte die nonperforming loans in Italien in Wertpapiere umzuwandeln und zu handeln.

Zuletzt berichtete Bloomberg, dass die Agriculture Bank of China schlechte Kredite im Wert von 1,6 Mrd USD als ABD verpackt und verkaufen möchte. (Hier findest du den Artikel). Wie viele nonperformaning und bad loans befinden sich verpackt als forderungsbesicherte Wertpapiere bereits weltweit erneut im Umlauf?

Solange die Hauspreise steigen und die meisten Kreditnehmer ihre Zinsen zahlen können besteht keine Gefahr. Doch was passiert wenn die Immobilien-Märkte in Schweden und Dänemark kollabieren? Dies hat zwar wahrscheinlich nur einen geringen Einfluss auf die wichtigen Banken der Weltbühne könnte sich aber wie 2007 durch die BNP Paribas als Beginn einer Domino-Kette herausstellen.

Banken wissen nicht wohin mit ihrem Geld. Vor Allem in Europa. Aktuell schleppen europöische Banken eine Überschussliquidität über mehr als 800 Mrd Euro mit sich rum. Dieses Geld lagert bei der EZB, welche einen Strafzins (negativen Einlagezins) von 0,4% erhebt. Damit fallen Milliarden-Summen an Strafzins an. Die Banken müssen ihr Geld loswerden und suchen händeringend nach Anlageformen. Wie viel Geld steckten die Banken aktuell in ABS? Wir wissen es nicht. Auch Fonds suchen nach hoch-bewerteten (AAA) Anlageformen, welche mehr als 1% Rendite abwerfen. In Zeiten der Null-Zins-Politik stellt sich dies als schwierig heraus. Kauft man in diesen Bereich nun vermehr ABS-Produkte?

by Jan 05, 2017 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Gastartikel

Dies ist einer meiner letzten Artikel der Börsenpsychologie-Reihe. Ich möchte in diesem Beitrag kurz zusammenfassen, was in den fünf vorherigen Artikel dargestellt wurde, um dann auf die heutige Thematik der Charakterbildung einzugehen.

Bisher haben wir erarbeitet, dass die Börse vor Allem auf Psychologie basiert. Alles dreht sich um die Bewertung von Werten. Bei eben jener Bewertung in einem komplexen und schnelllebigen Umfeld unter Zeitdruck und ohne ausreichend Zugang zu vollständigen Informationen kommen schnell Emotionen auf. Der einzelne Trader und die Masse verhalten sich psychologisch erwartbar, aber oftmals irrational. An der Börse kommt es stetig zu Über- oder Unterbewertungen. Dies ist eine Folge der psychologischen Einflüsse. Noch immer bestimmen Menschen den Handel.

Daraufhin sind wir diverse psychologische Studien, Erkenntnisse und Definitionen durchgegangen. Was eine mentale Buchführung, der Kontrast-Effekt oder die Muster-Illusion? Wir haben uns, teils trocken und zäh, durch die Vorgänge gearbeitet, um ein benötigtes Grundwissen zu erarbeiten.

Nun möchte ich in diesem und den kommenden Beiträgen in die praktische Seite der Börsenpsychologie wechseln. Was passiert mit uns? Wie sollten wir uns verhalten? Wie erkennen wir psychologische Einflüsse am Markt?

 

Du tradest nicht den Markt, sondern deinen Charakter

Ist es überhaupt möglich den Markt zu handeln? Kann jeder von uns einen Hebel umlegen und sein Trading-Verhalten innerhalb von Minuten und einigen Stunden anpassen? Ich denke nicht. Denn unser Verhalten ist geprägt durch uns und nicht durch den Markt. Sind wir selbst risikoscheu, dann werden wir in volatilen und chaotischen Phasen nicht anfangen zu spekulieren und nach Chancen zu suchen. Jeder hat eine andere Vorliebe – für die einen ist es beispielsweise die Trend-Folge, für die anderen wiederum das antizyklische Investment.

Eventuell kann man dies mit einer Sportart, beispielsweise Fußball, vergleichen: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein. Andersrum wäre auch komisch: Das Spiel bestimmt deine Fähigkeiten?

Als Trader ist es dementsprechend, wie auch bereits in vorherigen Artikeln betont, äußerst wichtig sich selbst zu beobachten. Die meisten Fehler machst du selbst. Wenn du deine Rendite, dein maximal Drawdown oder andere Werte deines Tradings verbessern möchtest, dann fang bei dir an. Du kannst die richtigen Stellschrauben bewegen. Es fängt bei dir an und es endet bei dir. Bei deinem Tanz mit dem Markt führt dieser dich. Er gibt Ton, Takt, Tanz, Geschwindigkeit und Richtung an. Doch es liegt an dir wie du diesen Tanz gestaltest: stolperst du? Fällst du? Oder tanzt du den Markt elegant aus und kannst auch die ein oder andere Figur einbauen?

 

Trading bedeutet Charakterbildung

Um nun die Beispiele Fußball und Tanz zu verbinden: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein, doch ganz das Spiel als einzelner nicht lenken. Der Markt führt und zwingt dir das Spiel auf. Geschwindigkeit und Richtung kannst du nicht beeinflussen. Wenn du nun jedoch wenige Fähigkeiten besitzt und beispielsweise nur als Stürmer spielen und nur mit dem rechten Fuß schießen kannst, dann wirst in vielen Spielen schlecht aussehen.

Trading ist Training, Entwicklung und Charakterbildung. Im richtigen Moment musst du das Spiel des Marktes lesen und verstehen können und auch Mal mit dem linken Spann abziehen. Wenn du dich im wilden und schwindelerregenden Tanz nur rechtsrum drehen kannst wirst du bei einer linksgerichteten Drehbewegung sofort ins Stolpern geraten.

Deine Fähigkeiten sind entscheidend und nie gut genug. Dein Vorgehen (Taktik/Set Up) muss genau so stimmen, wie deine Fähigkeiten den Markt zu verstehen (Psychologie, Chart-Technik, Kennzahlen, …) und richtig einzuordnen. Doch es bringt dir wenig, wenn du den Markt verstehst aber nicht handeln kannst. Als Händler solltest du dich auch in der Mathematik, Risiko- und Moneymanagement, verschiedene Handels-Formen, Branchen und zahlreiche weitere Dinge aneignen. Am Ende des Tages musst du fallende Märkte genauso wie steigende handeln können. Kannst du denn mit beiden Füßen schießen?

 

Deine Entwicklung ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs

Die Entwicklung als Trader zieht erfolgreichere und erfolglosere Phasen mit sich. Du wirst Hochs und Tiefs erleben. Fehler gehören genauso dazu, wie auch Erfolge. Neben dem Wissen bist eben du, der den Handel macht.

Fehler und Tiefs können Ängste auslösen. Schönreden oder Meiden sind große Fehler. Wer vom 10-Meter-Trump springt und auf dem Rücken landet sollte sofort erneut springen. Ansonsten setzt sich die Angst davor fest. Auch du solltest Fehler nicht persönlich nehmen, sondern diese als Ansporn und Basis des Lernens verstehen. Analysiere deinen Trade und finde das Problem.

Andersrum ist Hochmut der beste Weg zu fallen. Wer eine Leiter hoch hinaufsteigt kann eben auch wesentlich tiefer fallen. Erfolg fällt einem nicht zu. An der Börse gibt es glückliche Momente, doch auch hier ist die meiste Rendite harte Arbeit. Wer zufrieden ist mit seinem Trading, sich als erfolgreich wahrnimmt, der vergisst, dass der Erfolg nicht ewig anhalten wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Gerade in erfolgreichen Phasen sollte man sich konzentrieren und den Blick nicht vernebeln lassen. Woher kommt der Erfolg? Wie habe ich ich generiert? Was muss ich anders machen, um weiterhin Erfolg zu haben?

Eines der schwierigsten Dinge ist den eigenen Erfolg zu hinterfragen und etwas zu verändern. Es ist ein gutes Gefühl erfolgreich zu sein. Diesen dann zu kritisieren fällt den meisten Menschen schwer. Den bisherigen Weg, welcher den Erfolg brachte, zu verändern, machen tatsächlich die wenigsten. Hier kann man durchaus das Wort Charakterstärke nutzen.

Börse bedeutet Lernen. Börse bedeutet Entwicklung. Börse bedeutet Charakterbildung.

Trader müssen sich entwickeln, hinterfragen und formen. Es gibt wenige Berufe in denen es derart wichtig ist sich selbst eine Entwicklung zuzutrauen. Niemals darf man selbstgefällig wiederholen, was man immer tut. Man muss sich stets verändern und neu ausrichten. Das kostet Zeit und Kraft. Aber wer konzentriert an dieses beiden Fähigkeiten arbeitet und sich stets darin schult besser zu werden, wird besser als die meisten sein: Du musst den Markt lesen und mit verschiedenste Szenarien handeln können.

by Dez 17, 2016 Keine Kommentare
7 Tipps für den Handel mit binären Optionen

7 Tipps für den Handel mit binären Optionen

Forex/CFD

Binäre Optionen bieten bei niedrigen Einsätzen hohe Renditen. Der Handel ist einfach, setzt aber ein wenig Übung voraus. Mit einem Demokonto gelingt der Einstieg.

Seit wenigen Jahren kursiert der Begriff „binäre Optionen“ durch das Internet. Die wenigsten konnten anfänglich etwas damit anfangen. Die rasante Zunahme an denjenigen, die hier aktiv wurden und künftig aktiv werden, zeigt jedoch, dass es zum einen offensichtlich kein Hexenwerk ist. Zum anderen wird deutlich, dass der Begriff durchaus mit Leben erfüllt ist. Im folgenden erfahren Sie alles, was für einen erfolgreichen Einstieg in den Handel notwendig ist.

Der Terminus „binär“ ist der Mathematik entliehen und weist darauf hin, dass es nur zwei Möglichkeiten beim Handel mit diesen Derivaten gibt. Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, wollen wir kurz das Prinzip der digitalen oder binären Optionen erläutern.

 

Das Prinzip binärer Optionen

Mit der Eröffnung einer Option legt sich der Trader fest, ob der Kurs des unterlegten Basiswertes zum Ende der Option höher oder niedriger als zum Eröffnungszeitpunkt lag. War die Prognose richtig, winken im klassischen Call- oder Put-Handel Renditen zwischen 50 und 100 Prozent. Die Dauer einer binären Option können Sie von unter einer Minute (60 Sekundenhandel) bis hin zu mehreren Wochen wählen.

Als Basiswerte stehen

  • Aktien
  • Rohstoffe
  • Indizes
  • Währungspaare
  • Anleihen

zur Verfügung.

Binäre Optionen wenden sich nicht nur an Trader mit großem Budget, im Gegenteil. Sie ermöglichen es auch denjenigen mit kleinerem Geldbeutel, von den Börsen zu profitieren. Die Mindestbeträge im klassischen Handel bewegen sich je nach Broker zwischen einem Euro und 25 Euro.

Um am Handel teilnehmen zu können, bedarf es eines Handelskontos bei einem auf binäre Optionen spezialisierten Makler. Die Mindesteinlagen beginnen, auch wieder abhängig vom jeweiligen Broker, bereits ab 100 Euro, bewegen sich im Mittel um die 250 Euro. Das Traden mit binären Optionen setzt also wirklich keinen großen Kapitalstock voraus, sondern kann von (fast) jedem betrieben werden.

Bei der Brokerauswahl fällt auf, dass die meisten Anbieter auf Zypern registriert sind. Der Grund dafür liegt in der Regulierung. Die zypriotische Börsenaufsicht ZySEC war die erste EU-Behörde, die einen Standard zur Regulierung für binäre Optionen Broker vorgab. Auf dieser Webseite finden Sie weitere wesentliche Informationen, die Ihnen bei der Wahl des Brokers behilflich sein können.

 

Die wichtigsten Regulierungsbehörden auf einen Blick:

Zypern ZySEC
Australien AISEC
Großbritannien FSA
Deutschland Bafin

 

Kommen wir jetzt aber zu den Tipps, die Ihnen den Einstieg erleichtern sollen.

 

Tipp 1: Das Demokonto

Die meisten Broker stellen ein kostenloses Demokonto zur Verfügung. Nutzen Sie das Demokonto, bevor Sie mit Echtgeld handeln. Der Handel mit binären Optionen muss erlernt werden. Das Demokonto ermöglicht es Ihnen auch, Erfahrungen mit der Handelsplattform zu sammeln. Das Trading ist zu schnell, um dies im realen Handel zu versuchen. Gute Broker bieten auch Webinare oder Tutorials an. Das Demokonto gilt als die ideale Möglichkeit, das Erlernte zunächst im Test auszuprobieren. Die OptionFair Erfahrungen zeigen, dass dieser Broker beispielsweise ein kostenloses Demokonto zur Verfügung stellt.

 

Tipp 2: Strategien testen

Der erfolgreiche Handel mit binären Optionen basiert darauf, Handelssignale zu erkennen und mit der richtigen Strategie einzusteigen. Dies erfordert Übung. Voraussetzung dafür ist, dass Sie in der Lage sind, Charts zu lesen und daraus die Handelssignale abzuleiten. Mit dem Demokonto können Sie die verschiedenen Strategien austesten, ohne Lehrgeld zu bezahlen. Sofort „mal eben“ auf eine 60-Sekundenoption zu setzen, geht zu 50 Prozent schief und führt schnell zu Frustration. Bei den populärsten Strategien handelt es sich um

  • Trendfolge
  • Antizyklischer Einstieg
  • Die Volatilitätsstrategie bei unruhigen Märkten

 

Tipp 3: Nutzen Sie das Social Trading

Unter Social Trading versteht man eine Community, ähnlich Facebook, in der die erfolgreichsten Trader ihre Deals publik machen und andere Trader diese eins zu eins in ihr Orderbuch übernehmen können. Dieses Modell bietet Einsteigern die ideale Möglichkeit, von der Erfahrung der „alten Hasen“ zu profitieren. Im Gegenzug werden die erfahrenen Trader, „Gurus“ genannt, mit einem kleinen Teil an den Gewinnen ihrer „follower“ beteiligt – ein faires Geschäft, da es zu einer Win-win-Situation führt.

 

Tipp 4: Langsam bei den Turbooptionen

Turbooptionen, bekannter als 60-Sekundenoptionen, sind verlockend. Sie setzen auf einen Basiswert, prognostizieren die Entwicklung und streichen eine Minute später 80 Prozent Rendite ein. Soweit zur Theorie. In der Praxis sieht es allerdings so aus, dass Sie ein Mindestmaß an Erfahrung mitbringen sollten, um erfolgreich im Turbobereich zu agieren. Betrachten Sie einmal auf einem Chart, wie schnell und häufig sich das Verhältnis zweier Währungen zueinander innerhalb von einer Minute zur anderen verändert. Turbooptionen setzen voraus, dass Sie beispielsweise die ad hoc Meldung einer Zentralbank über die Währungspolitik genau zum richtigen Zeitpunkt nutzen. Sie wissen, in welche Richtung die jeweilige Währung im Verhältnis zu einer anderen marschieren wird. Turbooptionen eignen sich auch bei extrem volatilen Märkten.

 

Tipp 5: Beginnen Sie mit ruhigen Basiswerten

Die Aktie von Coca-Cola ist weniger volatil als das Verhältnis des türkischen Pfundes gegenüber dem US-Dollar. Der Trend eines sogenannten „Bluechip“, der Aktie eines Großunternehmens lässt sich auch über die Dauer von 15 Minuten oder einer Stunde besser vorhersagen, als ein „zittriger“ Wert. Wenn Sie sich für den Einstieg in den Handel mit binären Optionen für die etwas nervenschonenderen Werte entscheiden, stehen Ihre Erfolgsaussichten deutlich besser.

 

Tipp 6: „The trend is your friend“

Hinter der Aussage, auf den Trend zu setzen, verbirgt sich die einfachste und populärste Handelsstrategie. Verfolgen Sie den Trend einer Aktie über einen längeren Zeitraum, durchaus auch für 24 Stunden. Trotz diverser Kursausbrüche in die eine oder andere Richtung sehen Sie, wie sich der Wert entwickelt. Vor diesem Hintergrund ist es einfacher, zu entscheiden, ob der Kurs steigen oder fallen wird. Allerdings gilt auch, dass eine Trendumkehr um so wahrscheinlicher wird, je länger der Trend anhält. Diese Erfahrung haben Sie aber bereits mit dem Demokonto und der Chartanalyse gesammelt.

 

Tipp 7: Niemals nur auf ein Pferd setzen

Ihr Handelskonto ist eröffnet, 250 Euro sind eingezahlt und mit dem Demokonto haben Sie erste ideelle Erfolge erzielt. Zum einen gilt es, auch beim Handel mit binären Optionen Risiko-Management zu betreiben. Das bedeutet, dass Sie zum einen immer noch eine Cash-Position auf dem Konto halten sollten. Zum anderen empfehlen erfolgreiche Trader, nie mehr als zehn Prozent des Guthabens auf einen einzelnen Basiswert zu setzen. Auch die bereits erprobten Trader wissen, dass eine binäre Option im Umkehrschluss zu überdurchschnittlichen Renditen auch einen Totalverlust bedeuten kann. Einige Broker bieten allerdings an, dass ihre Kunden bei einer Fehlspekulation bis zu 15 Prozent des eingesetzten Kapitals zurückerhalten.

 

Bildquelle: Mclek – 424472908 / Shutterstock.com

 

by Dez 15, 2016 Keine Kommentare
Trading-Fehler verstehen: Das Verlust-Dreieck

Trading-Fehler verstehen: Das Verlust-Dreieck

BW

Viele Anleger handeln und machen Verluste. Sie fragen sich meist warum. Sie haben auf Tipps geachtet oder sind in eine Aktie eingestiegen. Oft stehen emotionale Aspkete im Weg oder das Vorgehen war einfach unsauber und ohne Strategie. In diesem Blog möchte ich eine mögliche und wahrscheinlich recht häufige Fehler-Quelle erklären.

 

Wie sieht ein vorbildlicher Trade aus?

Ein Händler greift hierbei sein Fachwissen zu. Er kennt die Theorie und ist mit der Materie vertraut. Dies kann strategisches oder historisches Wissen aber auch das Beherrschen von Fundamental- und Chart-Analyse sein. Nun analysiert er den Markt, den Bereich oder die Aktie, ob er die Theorie in der Realität wiedererkennt. Er wertet viele Daten aus und selektiert aus diesen Daten mögliche Anlage-Objekt, dokumentiert seine Ausarbeitung und beobachtet diese. Am Ende entscheidet er sich aus seinen favorisierten Werten für ein oder mehr Objekte sie nun hoffentlich erfolgreich zu traden. Währen und nach dem Trade wertet er die Arbeit aus. Nach diesem Vorgehen geht er wieder dazu über sein theoretisches Wissen anzuwenden und nach neuen Objekten für Investments zu suchen.


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Was viele Anleger falsch machen

Viele Anleger agieren hierbei unsauber und voreilig. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt, sind zu schusselig oder unwissend. Sie haben zwar Theoretisches Wissen, analysieren Werte und Märkte auch, doch entscheiden sich dann viel zu schnell für einen Trade. Den Trade werten sie dann nicht aus, sondern gehen sofort wieder mit der Theorie an den Markt. Sie wundern sich warum die Trades nicht klappen, weil sie ihre Arbeit nicht auswerten. Und die Trades klappen oftmals nicht, weil sie sich aus dem Markt wahllos Werte herausziehen, diese analysieren und vielleicht handeln. Sie wählen nicht aus, dokumentieren und sortieren nicht. Sie arbeiten voreilig und bewegen sich zumeist im Verlust-Dreieck.

 

Sie wundern sich warum Ihre Trades nicht klappen? Das kann daran liegen, dass Sie ihre Arbeit nicht auswerten. Und weil Sie ihre Arbeit nicht auswerten erkennen Sie die Fehler auch nicht, die Sie machen.

Das der Trade nicht klappte muss nicht am Markt liegen, sondern kann auch an Ihnen liegen. Zum Handel gehört nicht nur der Markt, sondern auch Risikomanagement, Stopps setzen, Psychologie und vieles Mehr. Trotz theoretischem Wissen und immer neuen Trades erkennen Sie Beispielsweise ohne Auswertung Ihres Handelns nicht, dass die Stopps falsch gesetzt sind. Sie ärgern sich, dass 5 aus 8 Trades Misserfolge sind, erkennen jedoch nicht, dass ihre Positionen eigentlich richtig gedacht waren, aber lediglich zu früh ausgestoppt wurden, und der Markt kurz darauf in die Richtung dreht in die Sie wollten. Die richtige Schlussfolgerung, welche zum Erfolg führen würde, wäre das die Stopps anders gesetzt werden müssen. Wenn sie jedoch voreilig erneut über Ihr theoretisches Wissen den Markt analysieren und eventuell in anderen Bereichen und Branchen nach Ihrem Glück suchen, so werden Sie jedoch immer wieder den eigentlichen Fehler machen, den Sie nicht erkennen, da ein wichtiger Schritt im Trading-Verhalten fehlt. Sie sind im Verlust-Dreieck gefangen.

  • Arbeiten Sie ruhig und kontrolliert
  • Analysieren Sie den Markt
  • Selektieren Sie potentielle Anlage-Objekte
  • Dokumentieren Sie Marktgeschehen
  • Handeln Sie nicht voreilig, sondern überlegt
  • Analysieren Sie ihr Vorgehen
  • Suchen Sie am Markt nach Möglichkeiten
  • Suchen Sie bei sich nach Fehlern

 

by Dez 13, 2016 Keine Kommentare
Helikoptergeld

Helikoptergeld

Gastartikel

Helikoptergeld: Trotz ultraexpansiver Geldpolitik, negativen Zinsen und gigantischen Anleihen-Ankauf-Programmen (Quantitative Easing / kurz: QE) durch die Zentralbanken werden die Ziele, konjunkturelle Anreize und eine höhere Inflation zu erwirken, nicht erreicht. Ökonomen und Bürger fragen sich bereits wann die nächste geldpolitische Lockerung erfolgen wird und welche Instrumente beispielsweise die Europäische Zentralbanke (EZB) einsetzen wird. Der Begriff des Helikoptergeldes zieht bereits seine Kreise im Kapitalmarkt und wird rege diskutiert. Als Mario Draghi bei einer Pressekonferenz Anfang März 2016 von einem Journalisten gefragt wurde was er von diesem “helicopter money” halte, so antwortete dieser, dass man sich noch nicht intensiv mit diesem Ansatz beschäftigt habe, aber dass es ein “sehr interessantes Konzept” sei. Was ist Helikoptergeld? Was kann es? Was soll es? Was sind die Möglichkeiten und Gefahren?

 

Die aktuelle ökonomische Situation

Seit der Finanzkrise im Jahr 2007 sind zahlreiche Zentralbanken zu einer expansiven Geldpolitik übergegangen. Um die Kreditvergabe, aber auch die Kosten für Kredite (Zins & Tilgung) möglichst gering zu gestalten wurden die Leitzinsen bis fast auf Null gesenkt. Einlagezinsen, also der Zins zu welchem Geschäftsbanken (z.B. Deutsche Bank oder Goldman Sachs) Überschuss-Liquidität bei der heimischen Zentralbank lagern können, wurde sogar negativ. Geschäftsbanken müssen Zinsen (Strafzinsen) bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Zusätzlich wurden QE-Programme aufgesetzt. Mit vielen Billionen Dollars und Euros wurden private und staatliche Anleihen gekauft. Durch die immense zusätzliche Nachfrage der Notenbank sanken die Zinsen dieser Anleihen nahe, auf und auch unter Null. In Europa tendieren derzeit in zahlreichen Nationen über 50% aller Anleihen im negativen Bereich. Die Welt der Ökonomie hat sich umgedreht. Wer beispielweise Deutschland derzeit Geld leiht muss Zinsen bezahlen, anstelle dass er welche bekommt.

All diese Anstrengungen unternehmen die Zentralbanken aus zahlreichen Gründen. Vor Allem soll die Konjunktur und das Preisniveau angeregt werden, um die labile wirtschaftliche Situation, die schwache Nachfrage am Binnenmarkt und die angespannte finanzielle Situation staatlicher Haushalte zu lösen.

  • Die Kreditvergabe soll durch möglichst niedrige Zinsen angeregt werden. Unternehmen sollen intensiver investieren und Konsumenten stärker konsumieren. Die Nachfragelücke am Markt soll geschlossen werden.
  • Durch eine angeregte Kreditvergabe sollen die Güterpreise steigen. Diese Preisteuerung, oder auch Inflation, soll nahe 2% liegen. Das bedeutet, dass die Preise aller Güter & Dienstleistungen im Durchschnitt jährlich um circa 2% steigen sollen. Dies wird als Preisniveau-Stabilität angesehen.
  • Die finanziell labilen Haushalte der Staaten sollen entlastet werden. Die Staaten gewinnen hierdurch Zeit für wichtige Reformen und können selbst druch Konjunkturprogramme die Nachfrage anregen.

 

Der Begriff “Helikoptergeld”

Der Begriff “Helikoptergeld” geht auf den US-Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Milton Friedman zurück, welcher darüber nachdachte wie eine Zentralbank die Nachfrage am Binnenmarkt noch effektiver anregen könne. Er veranschaulichte seinen Gedankengang durch das Beispiel, dass eine Zentralbank doch Geld aus Helikoptern werfen könne. Die Bürger, welche das Geld somit direkt von der Zentralbank erhielten, würden dieses für zusätzlichen Konsum nutzen.

Bildlich gesprochen handelt es sich um die Idee Geld von der Zentralbank direkt, ohne Banken als Vermittler, den Bürgern zukommen zu lassen. Realistisch bei der Umsetzung wären zwei Möglichkeiten:

  1. Es könnte eine direkte Überweisung in Form von Bargeld oder Konsum-Gutscheinen an jeden Bürger des jeweiligen Staates geben.
  2. Staaten könnten Geld erhalten mit welchem diese auf Steuererhöhungen verzichten, Steuern und/oder Sozialbeiträge (Rente, Versicherung, Krankenkassen, …) senken oder direkt in die heimische Wirtschaft investieren über Infrastrukturprojekte beispielsweise.

 

Was ist der Unterschied zwischen QE und Helikoptergeld?

euro-507948_640Beim Quantitative Easing (QE-Programm) ist das Ziel der jeweiligen Zentralbank die Geldmenge auszuweiten, um die Realzinsen am Markt zu senken. Hierfür tritt die Notenbank als Nachfrager nach privaten und/oder staatlichen Anleihen am Sekundärmarkt auf. Staaten emittieren Staatsanleihen und verkaufen diese am Primärmarkt an ausgewählte Geschäftsbanken, welche den Ankauf und Verkauf/Handel übernehmen und gewährleisten. Diese Geschäftsbanken verkaufen die Staatsanleihen am Sekundärmarkt. An diesem Markt kann jeder, ob Bank, Unternehmen, Bürger oder eben Zentralbank, als Nachfrager auftreten. Die Zentralbank muss am Sekundärmarkt agieren da ihr eine direkte Staatsfinanzierung untersagt ist. Dementsprechend handelt es sich um eine indirekte Staatsfinanzierung, da sich die Geschäftsbanken und Staaten auf die Nachfrage der Zentralbank verlassen können.

Beim Helikoptergeld ist das Ziel den Konsumenten Geld zukommen zu lassen, um den Konsum bzw. die Nachfrage am Markt anzuregen. Während zuvor die Zinsen gesenkt wurden, damit die Banken mehr Kredite zu günstigeren Konditionen vergeben, werden in diesem Fall die Geschäftsbanken als Vermittler der Geldsummen umgangen und die Zentralbank greift direkt in den Markt ein. Entweder wird den Bürgern direkt Geld überwiesen oder die Staaten werden finanziell unterstützt, damit diese die eigenen Bürger entlasten. Es gibt wenige historische Beispiele der Anwendung von Helikopter-Geld weswegen auch derzeit Ökonomen intensiv über die Möglichkeiten und Gefahren diskutieren. Es gibt berechtigte Sorgen um den Nutzen und die Gefahr einer unkontrollierbaren Reaktion, wie beispielweise Hyper-Inflation, aber auch Befürworter, welche erkennen, dass die derzeitige Geldpolitik der Zentralbank am Sekundärmarkt die Wirtschaft nicht beleben kann.

 

Wendet die EZB nicht bereits Helikoptergeld an?

Die EZB tritt als Nachfrager für Staatsanleihen am Sekundärmarkt auf und drückt die Zinskosten der Staatsanleihen gegen Null oder gar in den negativen Bereich. Indirekt werden die Staaten somit bereits finanziert und finanziell entlastet. Dementsprechend ist die Frage berechtigt ob dies nicht bereits eine Form des Helikoptergeldes ist? Staaten werden finanziell unterstützt und die Bürger dieses Landes werden, im Optimalfall, durch den Staat daraufhin entlastet. Der Gedanke, dass die Zentralbank Staaten oder Bürger direkt finanziert ist auch deswegen abwegig, da die direkte Staatsfinanzierung verboten ist. Dies hat sich aus den Erfahrungen der letzten Jahrhunderte ergeben in denen es immer wieder zu schweren wirtschaftlichen Krisen kam nachdem sich Staaten durch die Notenpresse selbst und direkt finanziert hatten und die Geldmenge unkontrolliert gewachsen ist. Die Notenbanken müssen zwingend indirekt finanzieren und am Sekundärmarkt agieren. Es ist fraglich ob die derzeitige Form des QE-Programmes nicht zugleich auch eine Form des Helikoptergeldes ist.

 

Die “Bank of Japan” nutzt Helikoptergeld

Die japanische Zentralbank “Bank of Japan” (BoJ) ist den übrigen Industrie-Nationen in der Extreme der expansiven Geldpolitik stets ein Schritt voraus. Es ist ebenfalls diskutable ob die BoJ nun bereits Helikoptergeld eingeführt hat. Denn mit dem sogenannten “Quantitative and Qualitative Easing” (QQE) kauft die japanische Notenbank 100% der Staatsanleihen am japanischen Sekundärmarkt auf. Der Staat wird also quasi direkt von der Zentralbank finanziert. Es stehen zwar Geschäftsbanken als Mittler zwischen Staat und seiner Notenbank, doch tritt diese als einziger und garantierter Abnehmer jeglicher Schuldverschreibungen auf.

 

Was sind die Vorteile vom Helikoptergeld?

inflation-1143268_640Derzeit greift die Zentralbank zwar immens in den Markt ein, doch bleibt es weiterhim diesem selbst überlassen sich zu entwickeln. Kreditvergabe, Investitionen, Konsum und viele andere Dinge werden durch die EZB nur indirekt beeinflusst. Die Rahmenbedingungen werden verbessert. Durch ein direkteres Eingreifen mit Helikoptergeld könnte eine zielgenauerer Wirkung erreicht werden. Endlich könnte die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank erfolgreich sein. Konsum, Nachfrage, Wachstum, Vermögensbildung und Inflation könnten gezielt angeregt und beeinflusst werden. Ist die Inflation in einem Land bei 2%, aber in einem anderen noch nicht, so könnte gezielt jenes Land mit zu schwacher Inflation bearbeitet werden. Auch könnte die Nachfrage national oder gar regional gezielt beeinflusst werden. Strukturschwache oder wirtschaftlich bedeutende Regionen könnten gefördert werden. Die EZB würde immens in die Wirtschaft eingreifen und Bankwesen und Politik in gewisser Form übergehen/aushebeln, doch könnte somit die Wirtschaft gezielt lenken, retten oder anregen zu gesunden.

Im Endeffekt muss eine Notenbank ihr Mandat einhalten und alles für das Erreichen der gegebenen Ziele unternehmen ohne gestzliche Bestimmungen zu verletzen. Ist die EZB also gezwungen/gedrängt/genötigt weitere Lockerungen zu unternehmen, wenn Inflation und Konjunktur weiterhin schwach bleiben?

 

Was sind die Gefahren?

Öknomen kritisieren die Unkontrollierbarkeit des Helikoptergeldes. Die Zentralbank kann nicht beeinflussen wo das Geld hinfließt und wie es genutzt wird. Konsumieren die Bürger das Geld oder legen sie es unter das Kopfkissen? Wie oft muss die Notenpresse angeworfen werden und wie schnell steigt die Inflation daraufhin an? Es gibt wenig Erfahrung mit diesem Instrument.

Eine gesunde Wirtschaft benötigt keine Eingriffe von Staaten oder Zentralbanken. Seit 2007 ist jedoch ersichtlich, dass die Zentralbanken den Volkswirtschaften erheblich unter die Arme greifen müssen, um Krisen zu verhindern. Hierbei fungieren die Notenbanken bereits als “Lender of Last resort” (Geldgeber der letzten Instanz). Wenn Nichts mehr geht, dann macht die Zentralbanke Geld locker, um die Wirtschaft wieder anzuregen. In Europa verlassen sich Staaten und Unternehmen bereits auf das Einspringen der Zentralbank. Derzeit drückt die EZB jedoch lediglich die Zinsen und erweitert die Geldmenge. Mit dem Helikoptergeld würde die EZB direkt in die Wirtschaft eingreifen, Geldgeschenke verteilen, die finanzielle Belastung von Staaten, Bürgern und Unternehmen direkt und gezielt senken. Die Zentralbank wäre nicht mehr nur der Geldgeber im Notfall, sondern auch der Käufer von Schulden im Notfall (Buyer of last resort) und zusätzlich auch der “spender of last resort”, welcher Geld verschenkt. Jeder würde sich auf die Zentralbank verlassen. In der nächsten Krise wird diese ja wohl sicherlich erneut Geld verschenken. Doch eine solche finanzielle Belastung kann keine Zentralbank auf Dauer aushalten. Das Helikoptergeld wäre dementsprechend der wohl extremste und expansivste geldpolitische Schritt, der gemacht werden kann. Nicht nur Staaten, sondern ganze Volkswirtschaften (Staat, Konsument und Produzent) würden von der Garantie der jeweiligen Notebank jederzeit als Lender, Spender und Buyer of last resort einzutreten, sowie vom Geld dieser leben. Die Volkswirtschaften könnten machen was sie wollen – Die Rechnung in den Krisen übernimmt die Notenbank.

 

Wird die EZB auf diese drastischen Eingriffe zurückgreifen?

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB zu einer Form dieses Konzept übergeht wahrscheinlich. Jahr für Jahr wird die Geldpolitik extremer/expansiver und eine Lockerung folgt der nächsten. An sich agiert die EZB bereits jetzt in einer gewissen Form mit dem Konzept des Helikoptergeldes. Doch warum sollte dieses Konzept noch intensiver ausgelebt werden?

euro-371330_640Mario Draghi betont, dass er die Haushalte der Staaten entlastet, um diesen Zeit zu “kaufen” wichtige Reformen durchzuführen. Die Haushalte müssen saniert und stabiler aufgestellt werden, um erneute Schuldenkrisen zu vermeiden. Auch gibt die EZB den Staaten die Möglichkeit Konjunkturprogramme zu niedrigen Zinsen zu finanzieren. Die Nachfrage und das Wachstum könnten somit billig angeregt werden. Doch die Staaten ruhen sich auf der scheinbar guten konjunkturellen Situation aus und führen kaum Reformen und keinerlei konjunkturelle Anregung durch. Somit verpuffen die Anstrengungen der EZB, da die Staaten ihren Teil nicht erledigen. Notenbanker und Politiker denken jedoch auch grundlegend unterschiedlich.

Da die EZB mit den derzeitigen Instrumenten kaum Wirkung erzielen kann und die Bilanz bereits fragwürdige Ausmaße annimmt (und Mario Draghi um seinen Platz in den Geschichtsbüchern kämpft. Wird er der Retter Europas oder gescheiterte Notenbank-Chef?) könnte die EZB bereits über Möglichkeiten nachdenken direkter in den Markt einzugreifen und nicht nur die Zinsen zu beeinflussen, sondern die Ausgaben/Konsum/Nachfrage selbst und direkt versuchen anzuregen.

 

Quellen

CESifo-Gruppe München – Gefährliches Helikoptergeld

Ökonomenstimme – Helikoptergeld und wie es funktionieren soll

Flassbeck Economics – Helikopter-, Drohnen und Lohntütengeld

BBC News – What is quantitative easing

Mainly Macro – Helicopter Money

Bank of Japan – Quantitative & Qualitative Easing

EZB – Jahresabschluss 2015

EU – Jahreswachstumsbericht 2015

Reuters – Die FED will aufgeblähte Bilanz entlasten

 

Exkurs: Bilanzsumme der EZB

Derzeit steht die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank bei rund 2,7 Billionen Euro. Das entspricht rund 20% der Wirtschaftsleistung der EU, welche 2015 bei rund 14 Billionen Euro stand. Die Zentralbankbilanz nimmt eine besondere Funktion in der Volkswirtschaft ein, denn sie zeigt die Geldbasis inklusive ihrer Entstehung (Aktiva) und ihrer Verwendung (Passiva) auf. Auch eine Notenbank hat somit ihre Grenzen, wie groß die Blanzsumme werden kann.

by Dez 09, 2016 Keine Kommentare
Kurs-Doping auf Pump

Kurs-Doping auf Pump

Gastartikel

Der Gewinn je Aktie ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Analysten. Hierbei wird der durch das Unternehmen erwirtschaftete Gewinn auf die Anzahl der Aktien runtergerechnet. 300 von 500 Unternehmen des S&P500 griffen 2015 in diesen Wert ein und beschönigten ihn durch Aktienrückkäufe. Hierbei kauft das Unternehmen Aktien am Markt zurück und verknappt somit die handelbare Anzahl an Wertpapieren. Einerseits steigert dies meist den Kurs je Aktie. Andererseits verteilt sich derselbe Gewinn nun auf weniger Aktien. Trotz der gleichen Summe als Gewinn ist der Gewinn je Aktie nun gestiegen.

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Grafik bei Guidants gefunden

Experten vermuten, dass der Nettogewinn der 500 größten Unternehmen der USA 2015 um 5% gesunken sein könnte. Während die Nettogewinne stagnieren steigen die Dividenden und Rückkäufe an. Finanziert wird das in den USA meist auf Pump. Die Unternehmen emittieren Unternehmens-Anleihen mit einer Verzinsung zwischen 0,5 und 1,5% (sie verschulden sich) und kaufen mit dem Geld Wertpapiere zurück.

  • Zum Beispiel ist bei Microsoft der Gewinn je Aktie von 2012 zu 2013 von $2,02 auf $2,61 gestiegen. Das sind $0,59 oder auch 29,2% mehr Gewinn je Aktie. Das operative Ergebnis (EBIT) des Unternehmens selbst lag jedoch bei -5%. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ist “nur” um 21% gestiegen.
  • Apple und Microsoft gaben seit 2010 zusammen 160 Milliarden Dollar aus, um Wertpapiere zurückzukaufen. Die Verschuldung von Microsoft hat sich seit 2012 auf $35 Mrd. verdreifacht. Die Verschuldung von Apple ist im selben Zeitraum von $0 auf $64 Mrd. gestiegen.
  • McDonalds hat 2015 8 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgegeben. Das ist doppelt so viel, wie das Unternehmen verdient. Finanziert wurde der Geldregen auf Pump.

Die Unternehmen tun alles, um die Anleger zufriedenzustellen. Sie wachsen kaum, sie erwirtschaften kaum Gewinne oder höhere Gewinne und sehen sich mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert.

  • Mit Dividenden, hohen oder steigenden Dividenden wird die Treue der Anleger finanziert. Diese sollen die Wertpapiere trotz Schwierigkeiten im Depot halten. Selbst Öl-Konzerne, deren Umsatz sich erneut halbiert haben könnte, halten an den Gewinn-Ausschüttungen fest, obwohl sie keinen Gewinn machen. Sie könnten die Dividenden eventuell sogar erhöhen.
  • Mit Aktien-Rückkauf-Programmen, finanziert durch Schulden, stabilisieren Unternehmen den Kurs und beschönigen den Gewinn je Aktie.
  • Der Markt der Fusionen und Übernahmen wird immer stärker. 2015 war das Volumen höher als kurz vor der Krise im Jahr 2007. Unternehmen kaufen exzessiv, ebenfalls mit Schulden finanziert, Unternehmen hinzu, um den Umsatz und die Masse zu steigern. Eigenes gesundes Wachstum hat derzeit kaum ein Unternehmen.

Warum machen die Unternehmen das? Umsatz und Gewinn stagnieren. Kurse steigen solange, wie alle Marktteilnehmer mit steigenden Preisen, Umsatz und Gewinn rechnen. Das wollen die Unternehmen aufrecht erhalten. Denn wenn der Kurs einbricht wird man schnell zum Übernahme-Kandidat.

In Deutschland wird ohne Schulden-Exzess gewirtschaftet. Siemens und die Munich Re kauften Wertpapiere zurück. Sie widerstanden jedoch der Versuchen die billigen Zinsen auszunutzen und nutzen ihre Liquiditätsreserven.

by Dez 08, 2016 Keine Kommentare
Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

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Analysten orientieren sich am Gewinn je Aktie, Anleger meistens an Kennziffern, wie dem KGV oder der Dividenden-Rendite, und Banken an der EK-Quote eines Unternehmens. Doch Unternehmen haben einen massiven Spielraum, wie sie ihre Bilanzen verändern, aufbessern und manipulieren können. Und das ganz legal. Ich möchte dir die gängigsten und einflussreichsten Tricks aufzeigen. Selbst geübte Analysten haben teils Schwierigkeiten die Wahrheit in den komplexen und komplizierten Berichten von Großkonzernen herauszulesen. Eine halbe Armee aus Betriebswirten und Juristen beschäftigt sich damit unschöne Wahrheiten und Zahlen in einem Gewirr aus Berechnungen und Bezeichnungen zu verstecken. Doch ein waches und kritisches Auge sollte man immer haben, wenn man Bilanzen, Finanzdaten und Kennzahlen liest und analysiert. Was einem die Konzerne vorsetzen ist definitiv nicht immer genießbar!

 

Pensionsverpflichtungen verschieben

Pensionsverpflichtungen belasten das Eigenkapital, da sie als Fremdkapital bzw. Schuld gegenüber anderen in der Bilanz geführt werden. Mittlerweile lagern die meisten Unternehmen diese Rückstellungen für Pensionsaufwendungen in so genannte Contractual Trust Arrangements (CTA) aus. Diese vom Unternehmen gegründete Penionstreuhand ist mit einem Pensionsfond vergleichbar. Das Unternehmen kann nun Pensionsrückstellungen auszahlen. Gewinn wird in das CTA eingezahlt, welches das Geld verwaltet, anlegt und die Pensionskosten trägt. In der Bilanz des Unternehmens tauchen dann nur noch die nicht ausgezahlten Pensionsrückstellungen auf. Beispielsweise parkt Evonik derzeit (Stand 2015) 8,7 Milliarden Euro außerhalb der Bilanz. Lediglich 3,4 Milliarden nicht ausfinanzierte Pensionsrückstellungen stehen in der Bilanz.

 

Unrentable Bereiche auslagern

Was die Bilanz runterzieht muss weg. Am liebsten werden diese Bereiche dann als Tochtergesellschaft ausgelagert und nicht mehr in die Bilanz einbezogen. So lagern derzeit RWE und EoN ihr Kerngeschäft aus. Die Sparten Kohle & Gas werden in Tochtergesellschaften abgespalten. Übrig bleiben sollen die grünen, sauberen und gewinnbringenden Bereiche des Unternehmens als neue Hauptfelder. Aus den Augen aus dem Sinn? Vielleicht. Was Anleger dann aber schnell übersehen: die verlustbringenden und überschuldeten Unternehmensbereiche sind weiterhin risikoreich, denn die Muttergesellschaft haftet weiterhin für die Schulden und Kosten. Zumeist bleiben beide Konzerne anfangs verbunden und trennen sich erst nach und nach. Wie beispielweise Bayer anfangs über 30% an der ausgelagerten Kunststoff-Sparte Covestro hielt und dies Schritt für Schritt mit Teilverkäufen reduziert.

 

Firmenwerte verkaufen

Steigen die Sorgen um die Zahlungssicherheit dann verkaufen Unternehmen gerne ihre Immobilien und mieten sie sofort darauf zurück (sale-and-lease-back). Der Effekt ist klar: Es kommt sehr viel Geld bzw. Liquidität in das Unternehmen und die Bilanz sieht wieder liquide und gut aus. Das zuvor gebundene Kapital ist wieder liquide. Der Nachteil ist jedoch, dass man dies nicht zu oft machen kann und die Mietkosten daraufhin den Gewinn belasten. Auch können Mietkosten nun steigen. Thomas Middelhoff konnte die Immobilien von Arcandor beispielsweise für stolze 4,5 Milliarden verkaufen und das Unternehmen war daraufhin quasi schuldenfrei. Genützt hat dies Nichts, denn die steigenden Mitkosten führten das Unternehmen schlussendlich in die Pleite.

 

Kitchen-Sinking

Um den eigenen Job und den Aktienkurs zu retten verschleiern Chefs die Kosten, verschieben Aufwendungen und drücken Abschreibungen. Ewig können diese Lasten nicht verschoben werden. Übernimmt dann ein neuer Chef die Leitung des meist angeschlagenen Konzerns ist zu erkennen, dass diese im ersten Jahr hohe Verluste machen. Bewusst! Denn der neue Chef räumt in der Bilanz auf und deckt alle Schummeleien auf und bereinigt die Bilanz. Verwendet wird für dieses Verhalten der Fachbegriff “Kitchen-Sinking”. Der neue Chef nutzt die erste Phase seiner Amtszeit, um die Altlasten seines Vorgängers aufzuräumen. So machte beispielsweise auch die Deutsche Bank unter John Cryan schnell mehrere historisch hohe Quartalsverluste. Ist der Chef dann länger im Amt, so fällt jedes Quartalsergebnis in seine Verantwortung. Nun fängt er an Verluste zu vermeiden und schleppt Probleme mit sich. Bis ein neuer Chef das Amt übernimmt und erneut aufräumt …

Anleger können sich merken, dass nach dem Amtsantritt neuer CEOs möglicherweise überraschend schlechte Quartalsergebnisse drohen.

 

Kosten wegrechnen

Lagert ein Unternehmen einen unrentablen Bereich nicht aus, so versteckt es trotzdem gern die Kosten. Die Commerzbank beispielsweise präsentiert meist stolz die Rendite der Kernbank, welche doppelt so hoch ist wie die der Gesamt-Bank. Den Markt kann man so hervorragend blenden und von den Erfolgen sprechen. Diese Angaben hoher Renditen sind zwar richtig, aber zeigen nicht das ganze Bild des gesamten Konzerns. Bilanzen kann man stets so drehen und präsentieren, dass alles halb so wild bzw. auch gut aussieht.

 

Kennziffern erfinden

Es gibt zwar vorgeschriebene Formen, wie eine Bilanz auszusehen hat. Doch während ein Unternehmen eine Mindest-Anzahl von Angaben leisten muss, so gibt es nach oben hinaus keine Grenze. Es gibt keine maximale Grenze an Angaben oder eine vorgeschriebene nutzbare Anzahl an Kennziffern. Unternehmen sind daraus resultierend erfinderisch mit den Kennziffern und Bezeichnungen. Seit ungefähr 10 Jahren ist das Ebitda populär. Dies ist der Gewinn ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Unternehmen mit hoher Steuerlast und misslungenen Zukäufen präsentieren also lieber das Ebitda, welches die schlimme Bilanz verschönert. Große Kostenpunkte werden nicht beachtet. Auch sprechen die Unternehmen von Gewinnen der Segmente, Bereiche, von nachhaltigen Gewinnen oder bereinigten. Jeder erfindet neue Namen für neue Kennziffern. Analysten und Anleger können nur schwerlich die Übersicht behalten und müssen meist die vorgesetzten Zahlen der Unternehmen einfach hinnehmen. Immer wieder werden hierbei neue Kennzahlen erfunden.

Weitere Tricks, wie Unternehmen den eigenen Aktienkurs treiben, beschönigen und/oder manipulieren können (legal!!) habe ich hier beschrieben.

 

Goodwill

Kauft ein Unternehmen ein anderes teurer ein, als dieses laut Bilanz wert ist, dann ist die Differenz dessen der Goodwill. Siemens kaufte beispielsweise das Unternehmen Dresser-Rand (Bilanzieller Wert: 2 Milliarden Euro) für 6 Milliarden Euro zu. Siemens konnte daraufhin nicht nur das zugekaufte Unternehmen mit 2 Milliarden Euro in der Bilanz führen, sondern auch die vier Milliarden Euro Goodwill wurden in der Bilanz verbucht. Zwar wird diese Summe Jahr für Jahr überpüft, basiert diese Überprüfung jedoch auf der Einschätzung des Managements. Der Goodwill ist nicht an realwirtschaftliche Bedingungen oder Prüfungen gebunden. Siemens könnte ein Jahr später den Goodwill auf 5 Milliarden erhöhen oder auch senken. Je nachdem, wie man es für die jeweilige Bilanz für die Anleger benötigt. Das Problem: Ewig kann man das nicht machen. Irgendwann ist auch den Finanzprüfern klar, dass das gekaufte Unternehmen nicht das Wert ist, als was es taxiert wird vom Unternehmen. Daraufhin folgen meist schmerzhafte und milliardenschwere Abschreibungen. Der Goodwill (also diese aus der Luft gegriffene Fantasie-Bewertung des Managements) muss korrigiert werden.

 

Eigenkapital aufplustern

VW nutze den Goodwill bei der Übernahme von Porsche aus. Für 4 Milliarden Euro erwarb VW 50% von Porsche plus der Option weitere 50% des Konzern für weitere 4 Milliarden Euro kaufen zu dürfen. In der Folge gab VW bewusst äußerst positive Erwartungen für Porsche raus und steigerte den Goodwill der eigenen Anteile kräftig. Als VW dann die Option zog und die zweiten 50% für 4 Milliarden erwarb, wurde jedoch auch der Goodwill angepasst bzw. ausgeweitet. Durch diese Spielereien der Bewertung und Aussichten des Managements konnte VW trotz der “lediglich” überwiesenen 8,4 Milliarden für Porsche 27 Milliarden Euro in seiner Bilanz verbuchen. Allein basierend auf überzogenen Bewertungen/Aussichten wurden 19 Milliarden Euro Goodwill erstellt und verbucht. Werte, welche es so eigentlich nicht gibt und VW auch eigentlich nicht zur Verfügung standen und doch in das Eigenkapital einflossen. Im Jahr 2012 fuhr Volkswagen dann auch mit 22 Milliarden Euro den größten Unternehmens-Gewinn der deutschen Geschichte ein. Ein Schelm wer böses denkt …

 

Abschreibungen strecken

Abschreibungen schmälern den Gewinn. Vor dem Finanzamt werden Abschreibungen also besonders hoch angesetzt, denn weniger Gewinn bedeutet weniger Steuern. Vor dem Markt, Banken und Anlegern soll jedoch der Gewinn glänzen. Und so kann man beispielsweise Spielräume bei der Abschreibung nutzen und Wertgegenstände nicht in 8 sondern in 10 Jahren abschreiben. Die jährliche Belastung des Gewinns sinkt. Der Gewinn steigt. Die Anleger freuen sich, obwohl der Gewinn eigentlich nicht gestiegen ist. Die Kosten wurden nur verteilt und umgerechnet.

 

Sondereffekte verschweigen

Sondereffekte sind Einnahmen und Ausgaben, welche Unternehmen erzielen, obwohl diese nicht zum organischen Geschäft gehören. Wenn ein Bäcker-Meister und Bäckerei-Besitzer seinen Firmenwagen verkauft, dann macht er in diesem Jahr vielleicht einen besonders hohen Gewinn. Dies ist aber lediglich dem Sondereffekt des Autoverkaufs zu verdanken. Nicht dem (organischen) Kerngeschäft der Bäckerei. Die Einnahmen der Bäckerei sind eventuell sogar gesunken. Diesen Spielraum nutzen Unternehmen gerne aus. Vor Allem werden die Effekte von Übernahmen verschwiegen bzw. nur im Kleingedruckten beschrieben. Wachsen Unternehmen kaum noch organisch, dann kaufen sie verstärkt Unternehmen zu, um weiter zu wachsen. So rühmte sich Allergan beispielsweise mit 74% Umsatzwachstum. Was die Anleger nicht wussten oder vergaßen nachzuschauen: Das Wachstum war fast auschließlich auf eine Fusion mit Actavis zurückzuführen. Organisch wuchsen beide Unternehmen tatsächlich nur 3%. Das hätte den Anlegern sicherlich nicht gefallen.

by Nov 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

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Wie wir bereits aus den bisherigen Artikeln der Börsen-Psychologie-Reihe mitnehmen konnten gibt es an allen Ecken und Enden Stolperfallen und Hindernisse an der Börse. Entweder ist es die Mathematik, die Psychologie, der Trader selbst oder der Markt generell, welche einem einen Strich durch die Rechnung machen. Fehler machen gehört dazu – doch ärgerlich sind die persönlichen Missgeschicke. Immer wieder ärgert man sich über sich selbst. Welche trader-bezogenen Anomalien gilt es zu beachten?

 

Sektoren-Verliebtheit

Die Verliebtheit ist ein generelles Problem an der Börse. Aus dem privaten Bereich kennen wir das Phänomen der „rosaroten Brille“. Hierbei hindert uns der durch die Verliebtheit verschwommen und beschönigende Blick daran sachlich zu denken und Probleme zu erkennen. Im privaten wird die Person und Situation nicht ausreichend hinterfragt. An der Börse beachtet ein in einen Wert oder Sektor verliebter Trader die Contra-Argumente und Gefahren zu wenig und beschönigt sich die Situation. Er erkennt den drohenden Verlust nicht.

Die Sektoren-Verliebtheit tritt bei ungeübten Anlegern auf. Die meisten von uns sollten betroffen sein. Unbewusst werden diverse Sektoren überbewertet, zu denen man eine emotionale Bindung hat. Zumeist basiert diese auf dem eigenen Beruf. So gewichten Banker selbst bei ihrer Anlageform Banken-Werte über, Mitarbeiter von Automobil-Konzernen die der Automobil-Branche und so weiter. Der Trugschluss mehr über eine Branche zu wissen, weil man in dieser arbeitet führt oftmals zu ungewollt hohen Verlusten. Auch bestraft man sich schnell doppelt, sollte ein Sektor in Probleme geraten, so verliert man im schlimmsten Fall seinen Job und viel Geld durch die Übergewichtung im Depot.

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Heimattreue

Ähnlich wie diverse Sektoren unterbewusst übergewichtet werden, so besteht auch eine emotionale und depot-basierte Bindung an die Heimat. So machen deutsche Unternehmen nur zwischen 4 und 6% aller an den Börsen weltweit gelisteten Unternehmen aus. Umfragen ergaben jedoch, dass eben jene Unternehmen bei deutschen Anlegern oftmals mindestens 1/3 der Depotsumme in Anspruch nehmen. So auch in anderen Ländern zu beobachten. Erneut gilt der Grundsatz, dass die Gefahr besteht sich doppelt zu bestrafen: rutscht die Heimat in eine konjunkturelle Rezession, so verliert man ebenfalls überproportional stark bei seinen Anlagen. Die Diversifikation sollte auch das Verteilen der eigenen Anlagesumme auf verschiedene Länder und Kontinente enthalten.

 

Harmonie-Streben

Wie in den letzten Artikeln bezüglich der Status-Quo-Anhänglichkeit beschrieben tun wir uns schwer mit Entscheidungen. Wir stehen nicht gerne im Konflikt mit anderen Personen, mit Problemen/Situationen oder mit uns selbst. Vor uns selbst können wir nicht weglaufen oder uns aus dem Weg gehen. Eine Kaufentscheidung bewegt uns tagelang. Wir grübeln und denken, denn der Kauf bedeutet, dass man andere möglich bessere Alternativen nicht kaufen wird. Haben wir uns dann entschieden, dann entwickeln wir schnell eine emotionale Bindung zu diesem erworbenen Wert. Die neue Position ist das Resultat einer Entscheidung. Unser „Baby“ sozusagen. Und wir stehen zu unserem Baby in guten wie auch in (leider) schlechten Zeiten. Wir schauen über Buch-Verluste hinweg, da diese ja nur theoretisch sind. Wir beschönigen die Situation und vieles mehr. Diese Komponenten haben wir bereits kennengelernt in den letzten Ausführungen. Hinzukommt: Wie in der Liebe klammern wir negative Anzeichen aus. Wir wollen sie nicht sehen. Wir haben einen emotional besessenen Blick auf unsere Position. Wir halten zu lange, laufen weit in die Verluste und vergeben die Möglichkeit frühzeitig mit kleinen Verlusten zu verkaufen und diese mit einer besseren Alternative wieder zu erwirtschaften. Verliebtheit ist für Trader eine verlustbringende Falle.

 

Chancenfixierung

Eine Aktie A hat das Potential in den kommenden 12 Monaten um 40% zu steigen. Eine Aktie B das Potential für 15%. Wir wissen, dass sich die meisten Anleger für Aktie A entscheiden würden. Anleger sind auf Chancen aus. Man sucht nach der meistmöglichen Rendite. Man möchte den anderen beweisen, dass man besonders clever und gut ist. Das Problem dessen ist, dass Aktie A neben der höheren möglichen Rendite meist auch mehr Risiken mit sich bringt. Die Rendite ist entsprechend dem Risiko höher. Chancenfixierte Trader suchen nach Möglichkeiten und ihrem lucky trade. Sie greifen in fallende Messer und kaufen sich unreflektiert in volatile Märkte ein auf der Suche nach dem ganz großen Geld. Doch auch die Verluste können bei diesem Verhalten wesentlich größer ausfallen. Ist uns die höhere mögliche Rendite das Risiko eigentlich wert? Und muss es der große Wurf sein oder genügt nicht eine risikoärmere Anlageform, welche sich in den kommenden 5 bis 10 Jahren kräftig auszahlen wird? Handelst du um dein Ego zu bedienen oder geht es dir um die clevere Geldanlage? Chancenfixierung bedeutet für die meisten Trader drohender Verlust!

 

Ohne Plan am Markt

Die vielen bereits erarbeiteten psychologischen Einflüsse und Emotionen muss ein Anleger im Griff haben. Arbeitet er ohne Plan, Ziel und Struktur, dann ist er ein gefundenes Fressen für Fehler durch irrationales Verhalten. Grenzen nach oben und unten, Pläne und Strategien sind wichtig, um kontrolliert und nicht affekt-getrieben vorzugehen.

Außerdem sollten wir uns an meinen Hinweis in einem der vorherigen Artikel erinnern: Es liegt in der Psychologie des Menschen zu denken, dass alle anderen von etwas betroffen sind, aber man selbst nicht. Auch du bist höchstwahrscheinlich „Opfer“ einer dieser Anomalien und psychologischen Fallen. Rollst du dich in Watte und weist Verantwortung Schuld von dir, so entwickelst du dich nicht weiter. Analysiere dich selbst: was hast du im Depot übergewichtet? Warum? Besteht Verliebtheit? Wie ist dein Risiko-Management aufgestellt – wie oft handelst du Chancen anstelle Werte? Wir machen viele Fehler und können immer wieder an uns selbst als Trader arbeiten.

In meinem nächsten Artikel in 14 Tagen möchte ich dann auf die Charakterbildung eines Traders eingehen. Wir haben nun viel über Psychologie, Theorien, Systeme und Fallen gelesen. Doch wie sollte ein Trader vorgehen, um sich selbst zu schulen und sein Verhalten zu optimieren?

by Nov 18, 2016 Keine Kommentare
Gekonnt antizyklisch investieren

Gekonnt antizyklisch investieren

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Gekonnt antizyklisch investieren

Man muss gleich vornweg sagen: Antizyklisches investieren ist statistisch erwiesen eine der Strategien, die am wenigsten Rendite einbringen. Sie ist nervenaufreibend, risikoreich und schwierig. Kann man diese bereits als Königs-Disziplin einstufen? Viele Anleger träumen vom perfekten antizyklischen Investment. Kurz vor dem Boden einer Baisse einsteigen und dann den vollen schönen Weg des Kurses nach oben mitnehmen. Der pure Rendite-Rausch. Und so ist es auch vor Allem die Gier nach Rendite, welche die Anleger in antizyklische Ansätze treibt. Wie kann man erfolgreich antizyklisch investieren?

Was spricht für diese Strategie? Man hält sich die Möglichkeit eines “Lucky Punch” offen, dass man den Boden eines Kursverlustes perfekt trifft und die volle Rendite einstecken kann.

Was spricht gegen diese Strategie? Können andere Anleger meist die Gewinne aus trendfolgenden Positionen managen, so muss der Contrarian vor Allem Verlust-Positionen managen.

Fun-Fact: Contrarians (Englisch für Querdenker) bezeichnen Trend-Folger meist abschätzig als aus Profit-Gier den Kursen hinterherlaufenden Anleger. Trend-Folger dagegen bezeichnen Contrarians zumeist als verrückt und leichtsinnig. Beide Seiten können der anderen Strategie oft nicht viel abgewinnen. Und dennoch braucht der Eine den Anderen. Was Trend-Folger abstoßen wollen begehren die Contrarians und was diese verkaufen legen sich dann Erstere wieder ins Depot.

Aber wie macht man das eigentlich?

Als Contrarian wettet man gegen den Zyklus. Fallen die Kurse und verkaufen die Anleger, um Gewinne mitzunehmen oder abzuwarten wie weit der Kurs fällt, so kauft der Contrarian ein. Er investiert Long in einen fallenden Kurs oder Short in einen steigenden Kurs. Er wettet gegen die aktuell laufende Bewegung. Er greift bewusst in das fallende Messer. Die Idee ist wiedersetzt sich der erfolgreichsten Anlage-Strategie, dem Trend-Folgen. Beim Trend-Folgen steigen Anleger ein, wenn der Trend klar ist. Wie gehen Long, wenn die Aktie bereits seit einiger Zeit steigt oder wetten Short, wenn der Kurs nachhaltig fällt. Wer jedoch antizyklisch investiert, der möchte nicht abwarten bis ein Kurs mehrfach gestiegen ist. Er möchte den perfekten Einstieg finden und versucht möglichst nah an der Wende des Trends zu investieren. Hierbei investiert er meist zu früh und muss vorerst Verluste in Kauf nehmen bis die Trend-Wende dann wirklich einsetzt-

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In dieser Skizze ist es dargestellt: Trend-Folger kaufen in den grünen Phasen und verkaufen in den roten. Sie warten bis der Trend klar Long ist und gehen dann Long und verkaufen dann bei einem fallenden Trend die aufgebaute Position mit Gewinnen. Antizyklische Anleger machen dies genau andersrum. Sie steigen in den roten Phasen ein und verkaufen in den Grünen.

Hohe Ansprüche für Contrarians

Wer antizyklisch investiert macht sich das Traden schwer. Er muss andauern mit Positionen arbeiten, welche in den ersten Tagen, Wochen oder Monaten Verluste anhäufen, weil der Trend nicht dreht. Dies ist nicht nur finanziell eine Belastung, sondern auch psychologisch. Contrarians arbeiten durchgängig gegen den Markt und der macht was er will und ist meist am Ende stärker. Contrarians gehen zumeist auch von psychologisch erwartbarem Verhalten aus. Dem ist an einem irrational agierenden Markt eher ungünstig.

Verluste zu realisieren ist eine der schwierigsten Dinge für Anleger. Dies tut weh. Wer antizyklisch investiert darf hier keine Verlustängste haben, sondern muss immer wieder durchgreifen und sein Depot zurechtstutzen. Er arbeitet sozusagen stetig in einem Bereich in dem man sich nicht wohl fühlt als Anleger: Verluste, gegen den Markt wetten, abwarten müssen, Emotionen im Zaum halten, …

Warum klappt das antizyklische Investieren so schlecht? “The trend is your friend” ist ein stimmiges Sprichwort. Kurse bestätigen zumeist Trends mehrfach bevor sie dann erst im dritten, sechsten oder fünfzehnten Anlauf durchbrechen. Trend-Folger sehen sich also zumeist mehrfach bestätigt und Contrarians müssen mehrfach abwarten bis der Trade dann doch gelingt. Die Frage ist ob die Position so lange gehalten wird oder finanziell gehalten werden kann.

stairs-70509_640Antizyklisches Investieren ist Nichts für Kleinanleger. Wer ein kleines Portemonais hat sollte sich nicht in dieser Disziplin versuchen, denn schnell sind die Reserven aufgebraucht. Die Anforderungen sind, wie beschrieben, hoch und der Druck allgegenwärtig.

Vermögende Investoren können dennoch reich werden. Warren Buffett, Sam Zell und André Kostolany investierten gegen den Zyklus und wurden berühmt und reich. Sie konnten jedoch durch große finanzielle Mittel, eine gute Ausbildung und unglaublich umfassendem Wissen gewinnbringend gegen die Zyklen wetten.

Antizyklische Strategien:

  • Buy on bad news, sell on good news
  • Turnaround-Aktien finden:
  • Kaufe nie dann, wenn du denkst zu müssen. Die meisten springen auf den Zug auf, um mitzufahren. Sie gieren danach mitzufahren beim Rendite-Express, springen aber oft viel zu spät auf.
  • Gefallene Aktien könnten morgen bereits im Hype stehen. Die Loser von Heute sind interessant. Nicht die Stars.
  • Never chase the market. Contrarians “hassen” es dem Markt hinterherzulaufen. Sie wollen vorneweg gehen und selbstbewusst siegen.
  • Die meisten Contrarians denken klein. Sie suchen in Nischen nach Möglichkeiten. Sie mischen nicht im großen Pool der Big-Player und bei den großen Aktien mit. Sie suchen nach schlummernden Riesen.
  • Du musst verlieren können. Das wohl wichtigste.

Der Milliardär Howard Marks beschreibt, wie Kontra-Aktionäre erfolgreich werden können in fünf Punkten:

  1. Erkenne, was die Masse macht
  2. Begreife, was am Massenverhalten unstimmig ist
  3. Besitze ein Gespür für fair Values
  4. Widerstehe dem psychologischen Druck der Masse
  5. Kaufe, wenn die anderen verkaufen, und verkaufe, wenn die anderen kaufen

 

 

by Nov 09, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

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Schon der große André Kostolany stellte fest, dass die Börse gerade Mal zu 10% auf Fakten reagiere, alles andere sei Psychologie. Wer die bereits veröffentlichten drei Beiträge dieser Börsenpsychologie-Reihe gelesen hat, wird diese Aussage durchaus unterschreiben. Psychologie ist der Schlüssel zum Erfolg für Trader. Selbst Charttechnik (bildet Verhaltensmuster ab) und Fundamentalanalyse (Bewertung mit fundamentalen Daten) basieren auf psychologischen Aspekten. Nun möchte ich mit dir tiefer in die Materie der Börsenpsychologie eintauchen. In diesem Beitrag wird es um kognitive Verzerrungen gehen.

Kognitionsproblem ist ein Sammelbegriff für zahlreiche psychologisch fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Diese vier Begriffe lassen sich auch als kognitive Prozesse zusammenfassen. Kommt es zu irrationalen Ausprägungen, so sprechen wir von kognitiven Verzerrungen. Wir selbst bemerken diese Vorfälle meist nicht und lassen uns unbewusst in die psychologische Falle locken. Viele kognitive Probleme basieren auf der kognitiven Heuristik, welche besonders für Trader ein Problem bzw. einen wichtigen Aspekt darstellt.

Hä … was? Heuristik? Die Prospekttheorie der Heuristik hatte ich bereits im zweiten Beitrag dieser Themen-Reihe erklärt. Hier kannst du diesen Artikel lesen. Als kurze Wiederholung: Bei der Heuristik handelt es sich um das menschliche Verhalten in Situationen mit begrenztem Wissen und wenig Zeit eine anwendbare Lösung zu finden. Auch Trader verfügen nie über ausreichend Informationen und müssen doch unter hohem Zeitdruck handeln. Die Anomalien und Verzerrungen, welche aus diesem Einfluss auf unsere Psyche entstehen, sind gewaltig.

Warum ist es wichtig, kognitive Verzerrungen zu kennen? Ich möchte doch handeln, Kurse analysieren und Gewinne machen. Wieso soll ich mich psychologischen Fehlfunktionen bei Menschen beschäftigen? Wer Menschen versteht, der versteht die Börse. Kurse sind ein Abbild menschlichen Handelns. Und das auch noch in Zeiten zunehmender Automatisierung. Wer versteht, wie sich Menschen in gewissen Situationen verhalten könnten, versteht weitaus mehr von der Börse als die meisten.

 

Übersicht der kognitiven Verzerrungen

Ich möchte im Folgenden auf eine Vielzahl von Verzerrungen eingehen. Ich bin mir sicher, dass du dich bei zahlreichen dieser wiederfinden wirst. Kannst du dir diese merken und traust du dich stets zu hinterfragen? Wer seine unbewussten Fehler bewusst erkennt bzw. erahnt oder ein Gefühl entwickelt, wann die eigene Psyche zu Verzerrungen neigt, wird selbst deutlich rationaler und sachlicher agieren.

Trading bedeutet in erster Linie sich selbst kennenzulernen und mit sich selbst zu arbeiten. Die meisten Fehler begeht man selbst und man selbst ist in der Rolle Aktien und Situationen bewerten und Handelsentscheidungen treffen zu müssen. Wir tun dies durchaus nicht nüchtern, sondern sind hierbei menschlich anfällig für Fehler. Unsere Psyche, vor allem das Unterbewusstsein, üben hier immer wieder großen Einfluss aus.

Bevor du die Möglichkeit hast, dir die zahlreichen kurzen Definitionen anzuschauen, möchte ich dein Interesse mit der ersten und aus meiner Sicht wichtigsten kognitiven Verzerrung anregen: Der Ankereffekt oder auch achoring effect. Hierbei lassen sich Anleger durch eine unbewusste Information in ihrer Entscheidung beeinflussen. Diese Information verzerrt die eigene Wahrnehmung. Beispielsweise wurden Personen in einem Naturkundemuseum befragt, wie viel Geld sie bereit wären für die Rettung von Vögeln einer Ölpest zu spenden. Die Entscheidungsfindung wurde bei einigen Gruppen mit dem Anker 5 und anderen mit dem Anker 400 beeinflusst. Der Anker wurde in Fragen wie „Wären Sie bereit 5$ zu spenden?“ versteckt. Zu erkennen war, dass die erste Gruppe im Durchschnitt 20$ angab und die zweite Gruppe 143$ bereit war zu geben. Beide Gruppen waren in ihrer Entscheidungsfindung unbewusst an den Anker gebunden. Am Kapitalmarkt können das die eigenen Aussagen sein. Hat man sie einmal gemacht, dann sind sie der Anker in allen Überlegungen. Aber auch Aussagen anderer Personen können zum Anker werden, selbst wenn sie nicht mehr oder weniger Wissen als wir besitzen. Wir erleben diese Anker immer wieder in der Berichtsaison, wenn Analysten die Erwartungen definieren. Ob ein Unternehmen nun den Umsatz um 40 oder 35% steigert, ist in den meisten Fällen unwichtig. Beides stellt durchaus sehr gute Werte dar. Doch wenn die Erwartung des Marktes bei 40% verankert ist, wird ein Wachstum um 35% oftmals mit Verkaufswellen bestraft. Unter den Erwartungen. Schlecht. Der Anker findet sich an der Börse in allen Bereichen. Überall werden Erwartungen und Faustregeln definiert. So gilt ein KGV von 30 weithin als sehr schlecht und eines von unter 10 als sehr gut. Doch so pauschal kann man dies eigentlich nicht sagen. Der Anker ist für die meisten dennoch im Geiste verankert. Anleger sollten sich jederzeit bewusst machen, wo die Anker liegen und hinterfragen, ob sie selbst in ihrer Entscheidungsfindung durch einen solchen beeinflusst wurden.

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Quelle: https://www.facebook.com/onvista/photos/a.159050399636.114099.126427804636/10154729000154637/?type=3&theater

 

 

Attributionsfehler

Attributionsfehler

Bei dieser auch Korrespondenzverzerrung genannten Verzerrung handelt es sich um das Ereignis, dass Menschen einem Problem häufig Charaktereigenschaften zu Grunde legen und überbewerten, sowie den Einfluss externer Faktoren unterschätzen. Beispiel: „Er handelt so, weil er Ausländer ist“.

Bestätigungsfehler

Bestätigungsfehler

Sich selbst zu hinterfragen, den Status Quo zu kritisieren und einen bestehenden Standpunkt zu verlassen, ist psychologisch eine der unangenehmsten Dinge, welche es für Menschen gibt. Aus diesem Grund tritt häufig der Fehler auf, dass Informationen so ausgelegt und interpretiert werden, dass sie in die eigene Sichtweise passen. Dieses Phänomen tritt an der Börse meist in Kombination mit der „Wertverliebheit“ auf, bei der sich Anleger die Informationen für einen Wert so manipulieren, dass dieser immer positiv wirkt. Doch ist sich selbst zu belügen der richtige Weg?

Überzeugungsbias

Überzeugungsbias

Menschen tendieren dazu glaubwürdigen Schlussfolgerungen zu folgen, auch wenn diese falsch sind.

Bias Bling Spot

Bias Bling Spot

Forscher erkannten das Phänomen, dass Menschen sich selbst meist als unbeeinflusst halten. Alle sind falsch informiert und manipuliert – nur ich nicht? Dies erkennen wir aktuell bei Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern, welche meinen, dass nur sie die eigentliche Wahrheit erkannt haben. Dies ist eine kognitive Verzerrung der Realität.

Default Effekt

Default Effekt

Menschen tendieren zu der Option, welche zutrifft, obwohl sie sich selbst für keine Option entschieden haben. An der Börse tendieren Anleger zu solchen Werten, welche gut laufen, mit der Meinung das doch geahnt zu haben, obwohl sie selbst nicht investiert sind. Hierbei wird das Selbstwertgefühl gesteigert – man hat zwar nichts getan, aber schreibt sich dennoch einen Erfolg zu.

Déformation professionnelle

Déformation professionnelle

Typische Verhaltensweisen aus dem eigenen Beruf überträgt der Mensch gerne auch auf andere Bereiche, obwohl dies so nicht immer funktioniert. Er geht davon aus, dass sein professioneller Weg immer der richtige Weg sei.

Dunning-Kruger-Effekt

Dunning-Kruger-Effekt

Hierbei handelt es sich um das Phänomen, dass inkompetente Menschen sich selbst oft stark überschätzen und andere Menschen unterschätzen. Die eigene Inkompetenz, welche man sich selbst nicht eingestehen will, wird durch eine eigene irrationale Aufwertung und die Abwertung der Umgebung vermieden.

Halo Effekt

Halo Effekt

Für die Börse weniger von Bedeutung, aber dennoch interessant: Oft schließen Menschen von den bei einer anderen Person bekannten Eigenschaften auf unbekannte.

Kontrasteffekt

Kontrasteffekt

Für die Börse ungemein wichtig! Eine Information, welche isoliert mittelmäßig bewertet werden würde, wird positiver bewertet, wenn eine negative Information (der Kontrast) vorrangeht. Kennen Sie nicht auch den Spruch „Erst die gute oder schlechte Nachricht?“ und wählen Sie nicht immer erst die schlechte, um dann die gute im Kontrast noch besser zu sehen? Unbewusst! Unternehmen machen sich dies bei der Berichterstattung zu Nutze. Börse basiert auch auf Informationen. Doch die Darstellung dieser bewirkt auch viel.

Kontrollillusion

Kontrollillusion

Unter Kontrollillusion versteht man die falsche Annahme auf etwas Einfluss ausüben zu können, obwohl man dazu nicht in der Lage ist.

Rückschaufehler

Rückschaufehler

Ist es nicht lästig, wenn man recht behält und der Gegenüber dann plötzlich der Meinung selbst das ja auch so argumentiert zu haben? Oft wird die eigene Aussage in der Vergangenheit verfälscht, sobald das Ergebnis in der Gegenwart bekannt ist.

Illusorische Korrelation: Dies ist wohl Alltag an der Börse. Hierbei handelt es sich um den Fehler, dass Menschen zwischen zwei Dingen einen Zusammenhang sehen, der so nicht vorhanden ist. Wie oft liest man denn nicht, dass dieses und jenes Ereignis derzeit die Kurse bewegen soll. Manchmal richtig, manchmal Illusion.

Vermessenheitsverzerrung

Vermessenheitsverzerrung

Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Das Nichtbeachten der geringeren Größe eines Problems. Hierbei wird zwei Problemen die gleiche Wichtigkeit/Einflusstärke zugeordnet und nicht ausreichend unterschieden.

Status Quo Bias

Status Quo Bias

Effekt, dass Menschen den Status Quo bevorzugt erhalten wollen, und sogar Verbesserungen ausschlagen und Nachteile in Kauf nehmen. Menschen wagen selten den (risikoreichen) Schritt den Status Quo zu verlassen, selbst wenn dieser Schritt zu einer Verbesserung dessen führen könnte.

Lake-Wobegon-Effekt

Lake-Wobegon-Effekt

Die selbstwertdienliche Verzerrung führt dazu, dass Menschen alles tun ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Sich Fehler einzugestehen können die wenigsten.

Muster-Illusion

Muster-Illusion

Die Apäphonie bezeichnet die Schizophrene Neigung Muster zu erkenne, wo keine sind. Die Clustering-Illusion geht in dieselbe Richtung und beschreibt die Situation, dass Menschen oft Mustern zu viel Bedeutung beimessen, obwohl diese statistisch zu selten/schwach vorkommen.

Emotionale Beweisführung

Emotionale Beweisführung

Das Phänomen, dass Menschen ihre emotionale Reaktion als Beweis einer Annahme anführen. Nur weil man im ersten Moment ein schlechtes Gefühl hatte ist dies nicht der Beweis, dass etwas tatsächlich schlecht ist.

Alles an der Börse besteht aus Reaktion, Bewertung und menschliches Handeln. Hierbei nehmen Trader Kursbewegungen und Informationen wahr. Da sie keine Maschinen sind agieren sie nicht rational, sondern emotional. Die Börse basiert auf Emotionen und Handlungsmustern von Massen.

Selektive Wahrnehmung

Selektive Wahrnehmung

Großen Einfluss übt dabei die selektive Wahrnehmung von Tradern aus. Darunter versteht sich auf der einen Seite das Priming (Bahnung). Hierbei handelt es darum, dass viele gleiche Reize die Wahrnehmung dieses Reizes verstärken. Wer immer wieder Verluste mit Rohstoffen gemacht hat wird in Zukunft auf jegliche, auch kleinere, Schwankungen wesentlich nervöser reagieren. Auf der anderen Seite befindet sich das Framing (Einordnen). Neben der Psychologie ist die Wahrscheinlichkeitsbestimmung mit das Wichtigste, was ein Trader beachten muss, und auch eine der Hauptursachen für Fehler und Verluste. Kann man die Wahrscheinlichkeit nicht bestimmen, so wird das Ereignis in ein Umfeld eingeordnet. Kann der Trader zum Beispiel das Risiko eines Unternehmens nicht einschätzen, so ordnet er dieses in das ihm bekannte Risiko einer Branche ein. So sieht er beispielsweise in allen Hochzinsanleihen große Risiken, obwohl es bessere und schlechtere High-Yield-Bonds gibt.

Trägheit und Ansteckung

Trägheit und Ansteckung

Menschen sind nicht nur Träge und halten am Status Quo fest und manipulieren ihre Umgebung lieber als sich einen Fehler einzugestehen. Auch lassen sie sich wahnsinnig schnell anstecken. So ahmen Trader andere Trader meist nach aus Angst davor etwas zu verpassen. Auch fanden Studien heraus, dass junge Fond-Manager meist das Verhalten der Branche nachahmen und kaum individuell Handeln, um im Falle eines Crashs nicht allein zu sein. Kaum jemand wagt es sich antizyklisch gegen einen Trend zu stemmen. So wäre er doch im schlimmsten Fall der alleine Verlierer und der geballte Hohn würde sich nur auf ihn konzentrieren anstelle sich auch eine Masse zu verteilen in der man sich wegducken kann. Ist deswegen auch der Ansatz der Trend-Folger der beliebteste und sinnvollste? Die meisten Anleger laufen dem bestehenden Trend nach. Sie lassen sich anstecken.

Mentale Buchführung

Mentale Buchführung

Auch dies ist eine gewichtige Fehlerquelle. Um die Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu haben führen wir mentale Konten. Fiktiv sortieren wir Einnahmen und Ausgaben in verschiedene Kategorien ein. Dies kann zu unserem Vorteil sein, wenn wir so die Übersicht behalten. Es kann jedoch auch zu unserem Nachteil sein und zu irrationalen Handlungen führen.

Richard Thaler erforschte dies anhand eines Experiments mit Theaterbesuchern. Eine Karte kostet 10$. Einigen Leuten, welche in der Schlange standen, sagte er, dass sie ihre schon gekaufte Theater-Karte verloren hätten und sie müssten sich eine zweite kaufen. 56% (44% waren dazu bereit) der Besucher waren dazu nicht bereit. Mental addierten sie die Kosten in einem mentalen Konto. 20$ für einen Theaterbesuch auszugeben war mehr als ihnen dieser Wert war. Einer anderen Gruppe, welche die Karten noch kaufen musste, sagte er, dass sie die 10$ im Portemonnaies leider verloren haben und die Theater-Karte nun mit EC-Karte bezahlen müssten. In diesem Fall waren lediglich 12% nicht bereit dazu. 88% der Besucher kauften sich die Theater-Karte trotzdem. In ihrem mentalen Verständnis verbuchten sie den Verlust der 10$ in einem anderen fiktiven Konto. Der Theaterbesuch kostete in ihrer Sichtweise weiterhin 10$.

Die Verlustaversion ist im ersten Fall größer. Durch die unterschiedliche mentale Buchführung fühlt die ersten Gruppe eines Verlust von 20$ und hat eine höhere Abbruchrate diesen Verlust nicht zu realisieren. Die zweite Gruppe hat einen gefühlten Verlust von nur 10$ und steht diesem weniger emotional berührt gegenüber. Auch erkennen wir das Festhalten am Status Quo. Ein Theaterbesuch kostet 10$ und ist somit auch 10$ wert. Die Besucher sind nicht dazu bereit von diesem Status abzurücken. Eine Veränderung auf 20$ wird als schlecht und zu vermeiden wahrgenommen. Die erste Gruppe scheut sich dementsprechend davor. Die zweite Gruppe verrechnet die Kosten anders und merkt eine Veränderung des Status Quo nicht.

Dies sollten Sie auch an sich selbst untersuchen. Ordnen Sie Verluste falsch ein? Akzeptieren sie Verluste an der einen Stelle, weil sie diese unbewusst mental bei „Rohstoffen“ verbuchen und andere Verluste bei „Technologie“ und sehen die Summe der Verluste nicht?

Endowment-Effekt

Endowment-Effekt

Der Endowment Effekt besagt, dass Menschen Güter, die sie besitzen, wertvoller einstufen als Güter, welche sie nicht besitzen. So kommen unterschiedliche Preise für Güter zustande, denn der Nachfrager schreibt dem Gut einen anderen Wert zu als der Anbieter.

Wir haben bereits erkannt, dass Anleger viel zu lange an Verlustpositionen festhalten. Das geschieht wegen vieler Beweggründe, aber potentiell auch durch den Endowment Effekt. Man hat die Aktie für XY Euro eingekauft. Das ist eigentlich der Wert, den man dem Gut (dem Wertpapier) selbst zuschreibt. Selbst wenn man in seiner Ansicht des Wertes nachgibt und diesen senkt wird man immer mehr für die Aktie haben wollen als der Markt geben wird. Man hält an seinem Besitz fest, weil man nicht unter der eigenen Wertvorstellung verkaufen möchte.

Geldwertillusion

Geldwertillusion

Ein großer Teil des Kapitals einer Zentralbank ist die „Glaubwürdigkeit“. Ihre Aufgabe ist es auch den Wirtschafts-Subjekten eine langfristige und glaubwürdige Aussage über die Inflation zu geben. Das ist wichtig, damit es nicht zu vorschnellen, vorsorglichen und aus Sorge getriebenen Forderungen nach Gehaltserhöhungen, zum Beispiel, kommt.

Eine mögliche „Waffe“ der Zentralbank ist jedoch die Überraschungs-Inflation. Hierbei greift die Zentralbank ein und fördert eine Inflation. Die Wirtschafts-Akteure jedoch sind weiterhin im Glauben, dass keine Änderung der Inflation aufkommt. Sie gehen davon aus, dass ihr Geld immer noch so viel Wert ist wie zuvor. Dies ist dann eine Geldwertillusion.

Reziprozität

Reziprozität

Reziprozität beschreibt das Verhalten von Individuen, die dazu bereit sind anderen altruistisch entgegenzutreten. Das bedeutet, dass man einer anderen Person uneigennützig hilft und in Kauf nimmt selbst mehr Aufwand zu haben, um dem anderen zu helfen. Hierbei geht man davon aus, dass sich dieser Aufwand lohnt und der Gegenüber einem dies an anderer Stelle zurückgibt. Geben und Nehmen. So ich dir, so du mir. Wie man in den Wald ruft so hallt es heraus. Dieses Verhalten kann so stark und auch irrational sein, dass Menschen vor Allem Personen, mit denen sie nicht verwandt sind, besonders helfend gegenüber auftreten. Warum ist das irrational? Die Wahrscheinlich die Leistung mit einer Gegenleistung vergütet zu bekommen ist weitaus niedriger. Fraglich ob man diese Person wiedertrifft.

Warum ist das für die Börse entscheidend? Auch an der Börse ist starke Reziprozität anzutreffen. Anleger handeln indirekt mit Millionen weiteren Akteuren zusammen. Das Potential enttäuscht zu werden ist groß. Kauft man beispielsweise selbst Aktien eines Wertes so geht man davon aus mit vielen anderen zusammen nun Kurssteigerungen erreichen zu wollen. Verkaufen diese anderen nun und fällt der Kurs, dann wird die eigene Leistung nicht belohnt, sondern gar bestraft. Aus der Neigung anderen uneigennützig und trotz eigener Kosten zu helfen wird dann schnell Trauer oder Rache. Emotionale fühlt sich der Anleger enttäuscht und kann im Moment der Wut versuchen gegen den Markt zu handeln (Rache).

Bauchgefühl

Bauchgefühl

Die Intuition ist eine grundlegende Art der Wahrnehmung. Hierbei wird ohne bewusstes Denken die Gesamtheit aller Fakten und Faktoren erfasst und mit bekannten vergangenen Erfahrungen verglichen. Aus der Kombination dieser Dinge entsteht eine Vorahnung oder auch Intuition. Auch der Geistesblitz ist eine Form dessen.

Ein Bauchgefühl muss also nicht zwingend etwas schlechtes sein. Man hat dieses jedoch nicht bewusst denkend erlangt, sondern unbewusst. Menschen neigen dazu positive Ergebnisse dem Bauchgefühl und negative Ergebnisse eigenen Fehlern anzurechnen.

Easterlin-Paradox

Easterlin-Paradox

Easterlin beobachtete über mehrere Jahrzehnte weltweit die Bevölkerungen. Er fand heraus, dass oftmals trotz Zuwächsen des Einkommens die Zufriedenheit nicht stieg. Vor kurzem wurde auch ein Nobelpreis vergeben als erforscht wurde bis zu welcher Summe ein Mensch durch den Zuwachs von Einkommen glücklicher werden kann.

Entscheidend für uns ist, dass ab einem bestimmten Einkommen zusätzliche Gewinne nicht glücklicher machen, aber Verluste weiterhin emotional Belasten (Verlustaversion). In diesem Fall fühlt man sich durch Gewinne nicht belohnt, aber durch Verluste bestraft. Positive Erlebnisse durch Einkommens-Zuwächse sind kaum erreichbar.

Noise Trading

Noise Trading

Noise Traders oder auch hin und wieder als „idiot traders“ bezeichnete Personen versuchen aus nichtfundamentalen Daten Gewinne zu fabrizieren. Zumeist handeln sie basierend auf Informationen, News und Nachrichten. Das Problem ist, dass diese Händler meist Gerüchte handeln und aus diesen Profit schlagen wollen. Da es sich um Gerüchte ohne fundamentalen Wert handeln erleiden Noise Traders (zu Deutsch: Rauschhändler) meist schnell Verluste.

Für den Markt sind diese Händler jedoch nervig und für Händler ein Dorn im Auge. Daher kommt der selten verwendete Ausdruck des Idioten-Händlers. Das Problem ist, dass dieses Handels-Verhalten Gerüchte und Falschmeldungen in die Kurse bringt. Durch die Summe der Verkäufe und Käufe bewegen sich die Kurse dann auch trotz unseriöser oder unqualitativer Informationen. Die Kurse bewegen sich irrational. Noise Trader haben meist wenig Kenntnis und Erfahrung und verlassen sich auf belanglose Nachrichten. Sie heizen Volatilität an.

Ellsberg Paradoxon

Ellsberg Paradoxon

Forscher fanden heraus, dass Markt-Akteure teils widersprüchlich handelten und Wahrscheinlichkeiten ignorierten und gegen diese handelten oder „ins Blaue rein“ agierten. Am Ender Forschungen stellten Forscher fest, dass zwischen Risiko und Unsicherheit zu unterscheiden. Ein Risiko ist immer noch mathematisch oder statistisch bewertbar. Es gibt jedoch Situationen in denen dem Akteur keine Möglichkeit zum Abschätzen gelassen wird.

„Unsicherheit muss als etwas radikal anderes als die vertraute Bedeutung von Risiko aufgefasst werden, von der es nie ordentlich getrennt wurde […] Die entscheidende Tatsache ist: Risiko meint in manchen Fällen eine messbare Quantität, während es in anderen Fällen etwas bezeichnet, das einen völlig anderen Charakter hat; und es gibt weitreichende und entscheidende Unterschiede bzgl. des Verhaltens von Phänomenen je nachdem welche dieser [Bedeutungen] tatsächlich vorliegt.[…] Es scheint, dass messbare Unsicherheit – „risk proper“ genannt – sich von nicht-messbarer [Unsicherheit] in einem solchen Ausmaß unterscheidet, dass es sich [bei Erstem] im Endeffekt überhaupt nicht um eine Unsicherheit handelt.“
– Frank Knight: Risk, Uncertainty, and Profit, S. 19 f.

Ein für uns wichtiges Resultat der Forschungen ist, dass Menschen dazu tendieren ein Risiko eher zu nutzen, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung ihnen jedoch bewusst, anstelle eine Unsicherheit einzugehen.

Wir sind als Menschen beeinflussbar. Wir sind emotional. Fehler zu machen ist menschlich. Doch wir sollten dies nicht als Ausrede nutzen. Trading bedeutet in erster Linie Charakterbildung. Wir analysieren uns selbst und versuchen unser Verhalten zu optimieren. Ziel ist eine möglichst sachliche und möglichst wenig verzerrte Sichtweise und nüchterne Handelsentscheidung. Immer kann das nicht klappen. Doch wir können an uns arbeiten. Ein erster Schritt ist es zu wissen, wo die Gefahrenstellen liegen und dann in bestimmten Situationen aufzuhorchen, sich zu erinnern und eine kognitive Verzerrung zu vermeiden.

Ich möchte dir mit dieser Artikel-Reihe weiterhin einen Einblick in die Welt der Börsenpsychologie verschaffen. Welchen psychologischen Einflüssen bin ich selbst verfallen? Und wie wirken sich die psychologischen Aspekte in der Masse an der Börse aus? Mit der Psychologie verstehen wir das Verhalten von Massen. Wann sind Anleger ängstlich, warum halten sie am Status Quo fest oder wieso fällt ein Kurs trotz guter Nachrichten?

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Nov 04, 2016 Keine Kommentare
Selbstständig durchs Trading?

Selbstständig durchs Trading?

all

Es ist der große Traum aller Trader an der Börse: Die Leidenschaft zum Beruf machen. Selbstständig als Trader. Vollzeit an der Börse aktiv und eventuell sogar reich wie der Wolf of Wall Satreet werden. Sich ein Haus bauen, reisen und das Leben genießen. Träume muss man haben und auch Ziele. Auch die Frage, ob man nun in seinem Job glücklich ist oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, umtreibt viele. Vor allem junge Menschen in der Schule, Ausbildung oder im Studium beschäftigen sich mit dieser Frage, welche jedoch auch im Alter zwischen 35 und 45 Jahren aufkommt. Was will ich? Wer bin ich? Wo will ich hin? Doch selbstständig durchs Trading zu sein und seinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf zu verdienen, wirkt meist einfacher als es ist. In Wahrheit bedarf dieser Schritt ein gewisses Kapital, Mut und Courage. Ich möchte mich in diesem Artikel fragen: Was muss man mitbringen und können, um als Trader seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Ich selbst habe mit 18 Jahren, noch während des Abiturs, mein erstes Gewerbe gegründet. Das ist nun etwa ein halbes Jahrzehnt her. Mittlerweile beschäftigt mich das BWL-Studium, mein Börsen-Engagement und meine Arbeit bei einer hannoveransichen Beteiligungsgesellschaft. In diesem Beitrag möchte ich nun meine Gedanken über den Schritt in die Selbstständigkeit als Trader formulieren:

Selbstständig durchs Trading: Vorraussetzungen

Man benötigt natürlich Wissen, einen Tick Talent, viel Übung bzw. langjährige Erfahrung und einen Hauch Mut. Ein Vollzeit-Trader fällt nicht vom Himmel. Dies ist harte Arbeit. Wie bei jeder Sportart und jedem Beruf benötigt es Jahre der Übung, Erfahrung und des Sammelns von Wissen, um das Fach und die Materie zu durchdringen. Man sollte nichts überstürzen. Trading ist schwierig, da der Kapitalmarkt immer schneller wird und sich täglich, nein sekündlich, verändert. Es ist nicht wie in einem Beruf, wo du Jahr für Jahr ungefähr das Gleiche machst. An der Börse ist jeder Tag anders und neuartig. Was du heute machst, kannst du morgen manchmal bereits verwerfen.

Viele junge Trader sind übermütig und ungeduldig. Ich kenne das von mir selbst. Man möchte zu schnell zu viel erreichen und steht sich eigentlich nur selbst im Weg. Dieses Thema habe ich in einem anderen Blog (hier lesen) beschrieben.

Neben dem Wissen und der Erfahrung, welche du über Jahre ansammelst, muss man auch über die richitigen physischen Eigenschaften verfügen. Bist du körperlich und geistig fit? Bereits Trading als Hobby ist nervenaufreibend und emotional belastend. Als Vollzeit-Trader sitzen dir die Rechnungen und Ausgaben dann jedoch zusätzlich im Nacken. Du musst Rendite machen, aber du darfst nicht verkrampfen und mit Gewalt traden wollen. Das ist schwierig. Das ist emotional eine besonders große Belastung, der du widerstehen können musst. Eine gewisse Summe unter Zwang verdienen zu müssen, schwebt wie ein Damoklesschwert über dir und behindert freies und klares Denken und Handeln. Mit solchen Drucksituationen muss ein Vollzeit-Trader umgehen können.

Trading belastet tatsächlich deine Gesundheit – Wie genau, das liest du hier

Wie viel Geld und Rendite muss ich durch Trading erwirtschaften?

startup-593326_640Eine grundlegende Frage ist die nach dem Kapitalbedarf. Wie viel Geld brauche ich, um vom Trading leben zu können? Diese Frage ist durchaus schwer zu beantworten, denn jede Strategie und jede Handelsart erwirtschaftet andere Renditen. Doch wir können der Frage nachgehen, wie viel Geld du im Monat eigentlich durch Trading erwirtschaften musst. Daraufhin kannst du mit deinem derzeitigen Echt-Geld oder Muster-Depot schauen, ob du diese Rendite und Summe erwirtschaften kannst. Kannst du über mehrere Jahre hinweg die Rendite erreichen, welche du für die Sicherung deiner Existenz benötigst?

Du benötigst als selbstständiger Trader drei finanzielle Positionen: Kapital, mit welchem du tradest. Kapital für deine laufenden monatlichen Ausgaben und Kapital als Rücklagen.

Um mehr zu wissen, schauen wir uns zuerst den monatlichen Kapitalbedarf an. Ich werde hier mit theoretischen Zahlen kalkulieren, welche nicht deiner Lebenssituation entsprechen werden! Wir gehen in diesem Fall von 1.200€ Lebenserhaltungskosten für Handy, Nahrung, Miete, Auto und andere Dinge aus. Außerdem solltest du als selbstständige Person stetig Geld für eventuelle Notfälle, wie einer kaputten Spühlmaschine oder unvorhergesehenen Auto-Reparatur. zur Seite legen.  Zusammen mit deinen Versicherungen gehen wir von einem Betrag von 200€ für Rücklagen und Versicherungen im Monat aus. Was viele vergessen: Sie benötigen Rücklagen für schlechte Trading-Zeiten. Es kann durchaus lange Phasen ohne Einnahmen geben. In diesem Fall sollte man nicht gezwungen sein, dass Trading-Kapital aufzehren zu müssen. Dies wäre ein Desaster für dich! Von daher legen wir monatlich 300€ zur Seite. Nicht vergessen, solltest du auch eine alternative Altersvorsorge und Rücklagen für Urlaube und andere Dinge. Auch hier kalkulieren wir mit 300€, welche monatlich zur Seite gelegt werden.

Wir gehen also nun davon aus, dass unser fiktiver Trader 1.200€ Lebenserhaltungskosten hat und 800€ monatlich zur Seite legt. Wo jemand anderes 2.000€ als Gehalt erhält, muss sich der Trader dies als Gewinn im Monat auszahlen können.

Was ebenfalls viele vergessen: Steuern. 2.000€ oder auch 24.000€ im Jahr stellen 75% der Zielsumme dar. Als Trader solltest du rund 30.000€ Brutto verdienen, um 24.000€ Netto für dein Leben zur Verfügung zu haben. Hierbei handelt es sich natürlich erneut um eine extreme Vereinfachung einer komplexen Situation. Die Botschaft: Vergiss bitte nicht die Steuern! Wer bei einer deutschen Bank handelt, genießt es, dass die Bank diese Steuer abführt. Wer einen ausländischen Broker nutzt, muss eine Einkommenssteuererklärung machen. Jedoch kostet dies den Trader nur 15 bis 30 Minuten, da er “nur” die Einkünfte aus Kapitalvermögen eintragen muss. Christian Edler von “The Huffington Post” erklärt in diesem Artikel die Steuersituation nochmals detailliert.

Außerdem Interessant: 5 Wahrheiten zu Daytrading-Steuern, die Anleger kennen sollten

Wie viel Kapital benötige ich?

Nun erhebst du akribisch Daten darüber, wie hoch deine Lebenserhaltungskosten sind und welche zusätzlichen Kosten im Falle der Selbstständig anfallen. In diesem theoretischen Beispiel liegen wir bei einem Bedarf von 30.000€ Gewinn im Jahr durch Trading.

Und nun können wir uns der Frage widmen, wie viel Kapital zum Trroad-sign-808731_640ading du benötigst. Du hast hoffentlich all deine Werte der letzten Jahre aufgezeichnet. Wie viel Rendite konntest du in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich im Monat erwirtschaften? Wenn du 5% im Monat schaffst, dann benötigst du 40.000€ Kapital, um durch diese 5% Rendite 2.000€ im Monat zu verdienen.

Nun wissen wir bereits, dass der Trader dieser Kalkulation 2.000€ im Monat verdienen muss und da er seiner Leistung entsprechend durchschnittlich 5% Rendite erreicht, sollte er mit 40.000€ Kapital handeln. Nun können wir uns der dritten Position zuwenden: Den Rücklagen. Es wäre naiv zu denken, dass man konstant monatlich Gewinne macht. Durchaus kann es zu längeren Phasen mit Verlusten kommen. Auch in diesem Fall sollte man nie sofort auf die – in diesem Fall – 40.000€ Kapital zugreifen müssen, mit welchen man ja Geld verdienen muss. Wir legen zwar monatlich Geld für schlechte Phasen zur Seite, aber man sollte nicht ohne Puffer in die Selbstständigkeit starten. Willst du 6 Monate lang vorsorgen, so solltest du 6 x 2.000€, also 12.000€, zusätzlich auf der Seite liegen haben.

Woher bekomme ich aber 52.000€, um mein Business zu starten? Du solltest auf keinen Fall einen Kredit aufnehmen! Die Zins und Tilgungskosten sind Belastungen, die alles vernichten können, wenn dann gepfändet wird, weil du nicht bezahlen kannst. Eine Rechnung lässt sich eventuell noch abstottern. Die Bank macht kurzen Prozess mit dir!

Meine Empfehlung ist, dass du während der Schulzeit Ferienjobs machst und neben dem Studium , sowie nach dem Studium ebenfalls einige Jahre arbeitest. Das ist nicht nur wichtig, um das Kapital anzusammeln. Auch hast du so viel Zeit, um dich vorzubereiten, Wissen und Erfahrung zu sammeln. Meine bevorzugte Strategie ist es, die Lebenserhaltungskosten zu senken. Ich spare wo es geht. Kann man auf Urlaub verzichten? Gibt es einen billigeren Handyvertrag? Muss man jede Woche 50€ versaufen? All diese Ausgaben lassen sich kürzen oder streichen. Das gesparte Geld legt man zur Seite, um sein Trading-Kapital anzusammeln. Schaffst du es als Student im Alter von 20 bis 25 Jahren 2.000€ im Jahr (170€/m) zur Seite zu legen? Dann könntest du dir 10.000€ innerhalb von 5 Jahren ersparen. Kannst du im Alter von 25 bis 30 Jahren 4.000€ im Jahr (340€/m) vom Gehalt zur Seite legen – also 20.000€ in 5 Jahren? In diesem Fall könntest du bis zum Alter von 30 Jahren bereits 30.000€ ansparen und zumindest mit dem Gedanken spielen, Teilzeit 20 Stunden in der Woche angestellt zu sein und in der anderen Zeit selbstständig zu traden. Dieses Modell würde ich den meisten in den ersten 10 oder 15 Jahren ihrer Selbstständigkeit auch empfehlen. Warum? Börse bietet keine sicheren Einnahmen. Das Leben fordert jedoch stetige Ausgaben. Eine sichere und stabile Einnahmequelle ist Gold wert. Jeder Selbstständige kämpft Monat für Monat um seine Einnahmen. Wer eine sichere Einnahmequelle hat, der ist in gewisser Form bereits etwas abgesichert. So könntest du 1.200€ im Monat mit 20 Stunden zu je 15€ verdienen. Damit würde das Kapital, welches du in der übrigen Zeit des Monats erwirtschaften musst, auf 800€ sinken. Wäre dies nicht auch die Erfüllung im Leben? Die Teilzeitarbeit wird auch in Deutschland immer mehr gestärkt. Warum startest du nicht mit einem Freund als gemeinsame Trader? Bewerbt euch per Job-Sharing zu zweit auf eine Vollzeitstelle. Arbeitet beide Teilzeit im Beruf und Teilzeit als Trader. Muss es denn bereits die komplette Selbstständigkeit mit 25, 30 oder 35 Jahren sein? Willst du sofort im Leben all-in gehen? Genieße doch den psychologisch meist niedrigeren Druck als Angestellter. Warum sparst du dir dein Trading Kapital nicht an, bis du 50 bist? Dann solltest du genug Geld haben, um auch mit niedrigen Renditen genügend verdienen zu können. Ich meine: Ab 50 Jahren bis 70 oder 75 Trader sein? Bis dahin hast du viel Zeit alles zu lernen, zu trainieren und zu üben. Zwei Jahrzehnte Vollzeit-Trader ist auch eine lange und gute Zeit. Bis dahin kannst du auch nebenbei handeln oder, wie beschrieben, ab 30 oder 40 Jahren langsam in Teilzeit gehen. All-in und Hals über Kopf Vollzeit-Trader? Das ist weniger zu empfehlen!

Bedenke eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Jeder Abschluss ist eine Sicherheit im Leben. Eventuell musst du nach 20 Jahren das Trading aufgeben wegen zu hoher psychischer Belastung oder weil du deine Rechnungen nicht mehr zahlen kannst. In dem Moment brauchst du eine abgeschlossene Berufsausbildung, um eine Arbeit zu finden. Wie wäre es mit einer Ausbildung, die dir beim Trading hilft? Psychologie, VWL, BWL, …

Nochmals der wichtige Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um eine Beispielrechnung. Auch ist die Rechnung nicht vollständig und istals Anregung zu verstehen. Du musst deine Zahlen ermitteln und einsetzen, deine Rendite als Trader bestimmen und kannst dann deinen Bedarf zu erkennen. Jeder benötigt andere Summen. Viele schaffen 1 – 2% Rendite im Monat, andere dies dagegen in der Woche. Es gibt keine Musterrechnung für alle. Jeder muss selbst rechnen!

Was soll ich tun?

notebook-1071774_640Nun klingt das alles auch wieder so einfach. 40.000 bis 80.000€ Kapital (je nach Rendite, die du erwirtschaften kannst auch weniger oder mehr) und dann das Business starten. Wenn das alles so einfach wäre, wäre es schön. Kontrolliere dich in den Jahren deiner Übung. In meinem Beispiel im Alter von 20 bis 30 Jahren. Kannst du die Rendite erwirtschaften, die du brauchst? Wie stabil und sicher sind deine monatlichen Erträge? Rechne deine Stunden, die du investierst, mit und vergleiche diese mit deinen Gewinnen. Was ist dein Stundenlohn? Viele Trader freuen sich über hunderte Euro im Monat neben dem Job durch das Trading. Sie vergessen jedoch, dies kritisch zu hinterfragen und bemerken nicht, dass sie je Stunde im Job ein Vielfaches mehr verdienen und beim Trading je Stunde oft weniger als den Mindestlohn verdienen. Was kannst du derzeit je Stunde verdienen? Wie viele Stunden müsstest du arbeiten, um auf die beispielhaften 2.000€ zu kommen? Teste und hinterfrage dich über viele, viele Jahre. Beispielsweise habe ich selbst mich 2015 über eine echt stolze Rendite gefreut. Mit einigen glücklichen Treffern habe ich klar besser als Markt gehandelt. Der Stundenlohn bewegte sich jedoch auf Grund des hohen Aufwandes eher im Bereich um die 10€/h. Das ist okay, aber am Ende nicht wirklich der Hit. Schone dich nicht – hinterfrage dich, kritisiere dich, arbeite an dir. Wenn du selbstzufrieden bist, wirst du nachlässig und schlechter. Arbeite an dir. Jahrzehntelang!

Die Entscheidung selbstständig zu werden, ist mutig und gefährlich. Du bist für deine Existenz verantwortlich. Du hast nur ein Leben – möchtest du mit diesem (also nicht dem Leben, sondern deiner finanziellen existenziellen Grundlage) spielen/zocken? Wenn du es tust, dann ist dort kein Arbeitgeber, der dich unterstützt oder dir Aufgaben gibt. Du musst dir deine Gewinne erkämpfen. Bedenke, dass die Kosten steigen, wenn du Familie hast. Bedenke, dass es Krisen geben kann, bei denen du viel Geld verlierst. Bedenke Rente, Versicherungen, Steuern und viele andere Dinge. Wage den Schritt, wenn du dir sicher bist. Gehe vorsichtig vor. Von Vollzeit auf Teilzeit vielleicht? Studiere oder mache eine Ausbildung im Finanzbereich. Lerne viel. Sehr viel. Übe viel. Sammle Erfahrungen. Du musst dich perfektionieren. Der Schritt zum selbstständigen Trading erfordert viel Übung, Erfahrung, Wissen, Mut und Kapital. Bedenke, dass du mit deiner Existenz spielst. Es ist dann kein Hobby und kein Spiel mehr. Es ist dann Ernst, Beruf und dein Leben.

Optimaler Einstieg – Strategie 1

Wie bereits erwähnt, könntest du nach der Ausbildung einen Beruf ausüben und diesen über die Jahre nutzen, um Kapital anzusammeln und dann von Vollzeit auf Teilzeit zurückgehen. Kannst du deine Existenz durch das Teilzeit-Trading neben dem Teilzeit-Job nicht finanzieren, dann bist zum Teil abgesichert, aber könntest wieder versuchen auf Vollzeit angestellt zu sein. Vorsichtig und behutsam das Leben ändern. Nicht alles hinwerfen und mit allem brechen! Finanziere dir erst einen Urlaub, dann die ersten ein bis zwei Rechnungen und dann die Differenz des Lohns wenn du von 40 auf 35 oder 30 Arbeitsstunden bei deinem Arbeitgeber reduzierst. Bedenke hierbei: Nicht voreilig handeln! Die Reduzierung von Arbeitszeit sichert dir das Gesetz zu. Wieder mehr zu arbeiten ist jedoch kein Anrecht von dir. Hast du reduziert, dann muss der Arbeitgeber dich nicht wieder hochstufen.

Optimaler Einstieg – Strategie 2

Vier Augen sehen mehr als zwei. Hast du trading-vernarrte Freunde? Es kann vorteilhaft sein, zu zweit oder dritt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wenn du schlechte Monate hast, machen die anderen eventuell gerade besonders viel Rendite. Ihr ergänzt euch, ihr unterstützt euch, ihr sichert euch gegenseitig ab. Auch könnt ihr gemeinsam mehr Kapital einbringen. Als Personengesellschaft (eine GbR beispielsweise) könntet ihr nach Jahren des erfolgreichen Tradings auch Fremdkapital aufnehmen. Anleger wollen ihr Geld bei euch arbeiten lassen? Einen kleinen Kredit von der Bank für neue Rechner und Programme? Bedenkt jedoch, dass bei einer Firma mehr Steuern fällig werden!!

Optimaler Einstieg – Strategie 3

Neben all diesen vielen Gedankengängen und Möglichkeiten ist es für den Anfänger am besten Erfahrung zu sammeln. Führe ein Haushaltsbuch, um deine Lebenserhaltungskosten zu ermitteln und möglicherweise zu senken. Führe auch ein Tradingtagebuch und eine Trading-Historie. Wie viel hattest du wann investiert und an welchem Tag oder in welcher Woche oder in welchem Monat hast du wie viel in Euro und Prozent verdient? Sammle Daten über 6, 12 oder am besten mindesten 24 Monate, um deine Performance zu erkennen. Was kostet dein Alltag und was verdienst im Durchschnitt beim Trading?

Mein Vorschlag für dich ist: Setze dir nicht sofort das Ziel, durch Börse selbstständig, frei oder reich zu werden. Meist verkrampft man nur und versucht verbittert diesen Traum zu erreichen, was so natürlich nicht klappt. Setze dir kleine Ziele. Finanziere dir den nächsten Urlaub durchs Trading. Wie viel kostet dich dieser? 2.000€? Dann hast du nun noch 6 oder 12 Monate Zeit, um das Geld zu verdienen oder zumindest die Hälfte. Finanziere dir dann ein Auto oder finanziere Teile deiner monatlichen Kosten, wie die Handyrechnung. Taste dich so step by step vorran, wie viel du dir selbst finanzieren kannst.

Viele mögen nun abgeschreckt sein von den Summena Viele mögen auch abgeschreckt sein, dass man dafür 30, 40 oder 50 Jahre sparen müsste! Für Anleger, die unbedingt selbstständige Trader sein und in wenigen Jahren starten wollen ist das natürlich keine Lösung. Die meisten von uns legen jedoch ihr Geld über viele Jahrzehnte an und beschäftigen sich erst nach der eigentlichen Arbeit im Angestelltenverhältnis mit der Börse. Für alle diese Anleger wäre es doch ein schönes Ziel sich kontinuierlich eine Summe anzusparen, um den Traum zu verwirklichen der Leidenschaft “Börse” mehr Zeit zu gönnen, wenn man dann mit 40 oder 50 Jahren bereits auf Teilzeit im Job zurückstufen kann.

Ich empfehle dir außerdem diesen tollen, ausführlichen und komplexen Artikel von Claudia Schumacher im Handelsblatt. Im Artikel “Ein Selbstversuch im schnellen Geld” beschreibt sie, wie sie versucht hat, als Daytraderin Hals über Kopf einzusteigen. Tolle Hinweise und Erklärungen!

by Okt 28, 2016 5 Kommentare
Die Verlust-Strategie

Die Verlust-Strategie

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Viele Anleger unterliegen dem Irrtum, viel Fachwissen und das Lesen von Fachliteratur reichen aus, um langfristig erfolgreich an den Börsen und den Finanzmärkten unterwegs zu sein. Dabei bleibt oft außer Acht, dass das Fachwissen nur eine Grundlage für den finanziellen Erfolg sein kann. Fortschritt bzw. einen Vorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern kann man nur erlangen, wenn man sich selbst und seine Handlungen sowie Erfolge und Misserfolge regelmäßig hinterfragt und auswertet.

Die Charttechnik liefert dafür einige schöne Beispiele. Hier kann man sich unzähliges Fachwissen aneignen. Trendanalyse, Trendlinien, Indikatoren und Oszillatoren. Der Vorrat an Fachwissen ist beinahe unerschöpflich. Trading-Anfänger beginnen nun, sich dieses Fachwissen anzueignen und ein bis zwei Bücher dazu zu lesen. In der Regel kommt dann bereits die Ungeduld zum Vorschein und man beginnt mit der Analyse der ersten Indizes und Währungspaaren.

Hier erfolgt dann häufig der erste Fehler: Es wird interpretiert! Es werden etliche Trendlinien gezogen und Indikatoren eingeblendet bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Sie haben ein Signal, welches endlich getradet werden kann. Auf die Qualität des Signals kommt es dabei zunächst nicht an. Hauptsache der Trade ist getan.

Nach guten Signalen muss man suchen. Es gibt nicht zufällig in dem Zeitpunkt der Analyse in dem gewählten Instrument ein gutes Tradesignal

Sobald die ersten Trades ausgeführt sind, wird sich regelmäßig Ernüchterung einstellen. Die Ergebnisse sind nicht so wie gedacht und ein schnelles Vermögen hat sich auch nicht angehäuft. Meistens kommt es dann zum zweiten Denkfehler: Es mangelt an Fachwissen. Sodann wird weitere Lektüre gekauft und gelesen. Unter Umständen kommt es auch zu Strategiewechseln und es werden andere Ansätze für die Trades gewählt. Nachdem das Fachwissen entsprechend erweitert worden ist, geht es wieder an die Umsetzung und der erste Fehler wird erneut wiederholt. Zwar steckt hinter dieser Vorgehensweise auch ein System, aber dieses System wird regelmäßig von Verlusten geprägt sein.

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Der Fehler liegt meistens nicht im mangelnden Fachwissen. Insbesondere mit der Fokussierung auf die einfachen Signale und die Price-Action können bereits gute Resultate erzielt werden. Zuviel Fachwissen ist daher nicht immer förderlich. Vielmehr sind die nicht zufriedenstellenden Ergebnisse auf fehlende Geduld und fehlende Auswertung des eigenen Handelsstils zurückzuführen.

In der oben aufgeführten Strategie fehlen demnach zwei wesentliche Elemente. Daher ist es schwer so einen erfolgreichen Handelsstil zu etablieren, weshalb sich diese Vorgehensweise durchaus als Verluststrategie bezeichnen lassen kann.

Um zu einem erfolgreichen Handelsstil zu gelangen, müssen in der vorgenannten Strategie zwei weitere Punkte mit aufgenommen werden. Zum einen die „Qualität“ und zum anderen das Controlling des eigenen Handels.

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Mit Qualität ist dabei nicht gemeint, die Analyse um verschiedene Indikatoren zu erweitern. Vielmehr ist mit dem Stichwort Qualität gemeint, mehrere Analysen anzufertigen und diese zu kategorisieren. Wo bekomme ich das erfolgversprechendste Setup oder welche Aktie stellt nach Abwägung verschiedener Daten die beste Opportunität dar. Das Setup ist und bleibt das Setup und die Aktie bleibt die Selbe Aktie. Durch Hinzunahme anderer Indikatoren und die Einzeichnung von noch mehr Trendlinien wird sich das Setup nicht verbessern. Gleiches gilt für die Verwendung der verschiedenen Trendstufen und Zeiteinheiten.

Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“

Dieses Motto wird an den Börsen nicht zum Erfolg führen. Unterm Strich wird es immer erfolgreicher sein, aus zehn Analysen bzw. zehn Setups sich das Beste herauszusuchen und nicht ein Setup solange zu malträtieren, bis ein passables Signal dabei herauskommt.

control your decisions“

Beim operativen Controlling geht es um die Steuerung der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität sowie Liquidität des Unternehmens durch Budgetverwaltung und entsprechender Feinplanung, bezogen auf das laufende Geschäftsjahr, um für den wirtschaftlichen Erfolg alle Potentiale eines Unternehmens zu nutzen.(Quelle Wikipedia)

Auch beim Trading oder dem Aktienhandel geht es darum, wirtschaftlich und rentabel zu handeln. Über das Risikomanagement findet ebenfalls eine gewisse Budgetverwaltung statt. Um aber wirtschaftlich zu handeln und das Budget erfolgreich zu verwalten, sind Aufzeichnungen über die getätigten Handlungen (Stichwort Buchführung <-> Tradingtagebuch) unabdingbar.

Anhand dieser Aufzeichnungen lassen sich Fehler erkennen und für die Zukunft abstellen. Erfolgt diese Hinterfragung der eigenen Person nicht, werden die Fehler voraussichtlich fortwährend wiederholt und es wird sich kein rentabler Handel einstellen. Ferner können anhand der Aufzeichnungen auch Stärken herausgearbeitet werden. Insbesondere bei Anwendung verschiedener Handelsstrategien kann so herausgefunden werden, welche Strategie für die jeweilige Persönlichkeit am profitabelsten umgesetzt werden kann. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es nicht die 100%ige Gewinnformel oder Erfolgsstrategie gibt. Eine erfolgreiche Strategie verkörpert immer ein gewisses Maß an Individualität. Um herauszufinden, welche Strategie oder welches Risikomanagement am besten zu der eigenen Persönlichkeit passt, sind Aufzeichnungen und statistische Auswertungen ein probates und notwendiges Hilfsmittel.

Von Benedikt Wachsmann

Benedikt veröffentlicht jeden Tag für RoboForex Analysen und Markteinschätzungen, die Sie jeden Morgen bei uns im Analyseboard lesen können.

by Okt 25, 2016 Keine Kommentare
Der Dividenden-Alarm Indikator

Der Dividenden-Alarm Indikator

Gastartikel

Liebe Leser, mit Alex von reich-mit-plan.de habe ich eine kleine Aktion gestartet. Er führt den Dividenden-Alarm-Indikator und ich mein Barometer. Beides sind interessante und individuelle Systeme für die Bewertung von Märkten und Einzelwerten. Meine Leser kennen mein Barometer und seine Leser seinen Indikator. Nun wollen wir über kreuz uns vorstellen und somit den Austausch unserer Gedanken und Ideen verbessern. Meinen Artikel zum Börsen Barometer findest du hier und folgend nun seinen Beitrag zum Dividenden-Alarm:

Der Dividenden-Alarm Indikator

Langfristig und antizyklisch investieren

Viele langfristig agierende Investoren die mir begegnen, haben keine wirkliche Strategie beim Investieren. Die meisten investieren ständig, also jeden Monat mittels Sparplänen oder sobald ein bestimmter Geldbetrag auf dem Konto angesammelt wurde. Gut, dass könnte man auch schon als Strategie definieren, wenn es auch kein antizyklisches Vorgehen bedeutet.

Ausgewählt werden dann Aktien von Unternehmen, bei denen bestimmte Kennzahlen passen oder weil das Unternehmen gut ins Depot passt. Für viele spielt der Aktienkurs überhaupt keine Rolle, meist auch weil sie nicht ermitteln können, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist. Sie wollen nur Dividenden kassieren und eigentlich ist bei ihnen jeder Tag ein Kauftag. Buy&Hold forever. Sie wollen so sein wie Warren Buffett, wobei auch er nicht ständig kauft und auf die richtigen Gelegenheiten wartet.

Solchen Vorgehensweisen und derartigen Argumenten kann ich leider überhaupt nichts abgewinnen, denn diese Denkweise ist mir einfach nicht zu Ende gedacht. Sie zeigt nur, dass Anleger die so denken, Angst haben etwas zu verpassen (zum Beispiel die Dividendenzahlung) oder selbst nicht erkennen wann der Markt oder einzelne Aktien tief genug gefallen sind um sich für langfristige Investments zu positionieren.

Die wirklich guten Investitionsgelegenheiten gibt es leider selten. Wenn es aber mal eine dieser Gelegenheiten gibt, dann haben die wenigsten genügend Cash in ihrem Depot. Und weil die zu teuer gekauften Depotpositionen dann ein beachtliches Minus angesammelt haben, hält sich die Lust am weiteren Investieren in Grenzen. Das ständige Investieren und das Nicht-warten-können, rächt sich dann. Dabei würde sich das Warten auf die entscheidenden Marktphasen mehr als lohnen.

Es bringt leider überhaupt nichts, sich verhältnismäßig teure Aktien zu kaufen, nur um eine Dividende kassieren zu können. Wer auf ein bis zwei Jahresdividenden verzichten kann, wird mit Einstiegskursen belohnt, die ein Vielfaches an Jahresdividenden einbringt. Anhand von realen Beispielen werde ich dir das in diesem Artikel noch darlegen.

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Mit einer antizyklischen Vorgehensweise, dazu gehört auch das Warten und sammeln von Cash, verzichtet man jetzt auf wenige Dividenden und spart sich später zudem hohe Kursverluste im Depot. Dazu bekommt man die Möglichkeit, wirklich günstige Aktien mit einem sehr guten Chance-Risiko-Verhältnis und historisch hohen Dividendenrenditen einsammeln zu können.

Wie mein automatisiertes Investitionsverhalten aussieht, warum ich in günstigen Marktphasen genug Cash habe und wie mir der Dividenden-Alarm Indikator dabei hilft, dass möchte ich dir gern in diesem Artikel ein wenig aufzeigen.

Wer bin ich überhaupt?

Zuerst möchte ich mich bei Jonas bedanken, dass ich den Dividenden-Alarm Indikator hier in seinem Blog vorstellen darf. Mein Name ist Alex und ich bin der Autor des Finanzblogs Reich-mit-Plan.de. Seit Anfang 2014 bin ich finanziell Unabhängig und hatte dadurch viel Zeit den Dividenden-Alarm zu entwickeln.

Früher habe ich meine Dividenden-Alarm Strategie manuell verfolgt. Dies war sehr zeitaufwendig und ich konnte nur wenige Aktien überwachen. Seit meinem Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben nutzte ich die Zeit, um meinen Dividenden-Alarm zu automatisieren.

Dadurch können nun voll automatisch über 300 Dividenden-Aktien in Real-Time überwacht werden. Dazu werden automatisch Kaufsignale und Verkaufsignale für jede einzelne Aktie ermittelt. Die gesamte Entwicklung der überwachten Dividenden-Aktien wird zudem für die Generierung des Dividenden-Alarm Indikators genutzt.

Wie funktioniert der Dividenden-Alarm Indikator?

fghfghAuf diesem Bild ist der Dividenden-Alarm Indikator abgebildet. Bis Ende 2015 wurden die Daten nur alle paar Tage erfasst, daher auch die etwas langgezogenen Linien. Erst seit Anfang 2016, werden die Daten täglich erfasst, was zu einer deutlich genaueren Darstellung führt.

Ermittelt werden die Dividenden-Aktien, die sich derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau befinden (Kaufsignal). Die Anzahl dieser Aktien wird ins Verhältnis gesetzt mit den Dividenden-Aktien, die sich aktuell auf einem historisch hohen Niveau befinden (Verkaufssignal). Je mehr Aktien ein Signal dominieren, desto mehr schlägt der Dividenden-Alarm Indikator in die entsprechende Richtung aus.

Die blaue Linie zeigt den Verlauf des Dividenden-Alarm Indikators. Solange er sich zwischen der roten und der grünen Linie bewegt, gibt es für einen langfristigen Dividenden-Investor nicht viel zu tun. Während dieser neutralen Phase sammelt man ausschließlich Cash im Depot. Gesammelt werden Dividendenerträge, Sparraten und sonstige Gelder die in den Vermögenstopf wandern können. Nur vereinzelt wird auch mal eine Aktie gekauft oder auch mal verkauft.

Dividenden-Alarm Indikator – Kaufphase

Erst wenn die blaue Linie die rote oder grüne Linie kreuzt, beginnt die heiße Phase für langfristige Investoren, die antizyklisch agieren wollen. Sollte der Indikator die grüne Linie bei 30% nach unten durchbrechen, dann wird die Kaufphase aktiviert. Der Markt bzw. der Großteil der beobachteten Dividenden-Aktien hat dann ein sehr günstiges Niveau erreicht. Erst jetzt beginnen wir mit dem platzieren unserer Cash-Position. Zuletzt gab es im Januar und Februar 2016 eine Kaufphase.

Während dieser Kaufphase bleibt genügend Zeit sich mit den Dividenden-Aktien zu befassen, die dann ein Kaufsignal generieren. Nach und nach sammelt man die Dividenden-Perlen ein, die man gern im Depot haben möchte. Ganz wichtig: Gekauft werden während einer Kaufphase (Dividenden-Alarm Indikator) nur Aktien die ein Kaufsignal (einzelne Aktien) generieren. In der Kaufphase werden ausschließlich Aktien gekauft. Es werden keine Aktien verkauft und es wird auch kein Cash mehr gesammelt.

Dividenden-Alarm Indikator – Verkaufsphase

Ähnlich verhält es sich mit der Verkaufsphase. Auch wenn dies für die meisten Buy&Hold Anleger nicht interessant ist, so möchte ich diese Phase auch kurz ansprechen. Sollte der Indikator die rote Linie bei 70% nach oben durchbrechen, dann wird die Verkaufsphase aktiviert. Der Markt bzw. der Großteil der beobachteten Dividenden-Aktien hat dann ein sehr teures Niveau erreicht. Punktuell veräußern wir einzelne Aktien und bauen damit unsere Cash-Position auf. Zuletzt war diese Phase im März und April 2015 aktiv.

Während dieser Verkaufsphase bleibt genügend Zeit sich mit den Dividenden-Aktien zu befassen, die dann auch ein Verkaufssignal generieren. Wir trennen uns nur von wirklich teuren Dividenden-Aktien und nehmen unsere Gewinne mit. Ganz wichtig: Verkauft werden während einer Verkaufsphase (Dividenden-Alarm Indikator) nur Aktien die ein Verkaufssignal (einzelne Aktien) generieren. In der Verkaufsphase werden ausschließlich Aktien verkauft um Cash aufzubauen. Es werden keine Aktien gekauft.

ghjghjghDieses Schema zeigt das Zusammenspiel von Phasen (Indikator) und Signalen (einzelne Aktien). Nur wenn eine einzelne Aktie ein Kaufsignal während einer Kaufphase generiert, ist sie auch wirklich kaufenswert. Und nur wenn eine einzelne Aktie ein Verkaufssignal während einer Verkaufsphase generiert, ist sie verkaufenswert. Ob man eine Aktie dann tatsächlich kauft oder verkauft, hängt natürlich von persönlichen und subjektiven Entscheidungskriterien an.

Praxisbeispiele

Am besten versteht man theoretische Erklärungen, anhand von praxisnahen Beispiele. Dazu zeige ich immer wieder gern, eine Übersicht des Dividenden-Alarm Indikators. Die vollständige Tabelle mit weiteren Beispielen, findest du auf dieser Seite. Für diesen Artikel möchte ich gern die Beispiele von IBM und BASF ein wenig unter die Lupe nehmen.

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Wer sich heute unbedingt IBM ins Depot legen muss, der zahlt einen Preis von 137 Euro je Aktie. Dafür erhält man eine Jahresdividende von 5 Euro. Im Februar dieses Jahres, während der letzten Kaufphase beim Dividenden-Alarm Indikator, konnte man IBM allerdings für 104 Euro einsammeln. Dieses Kaufniveau bedeutet bei IBM einen Kursvorteil von insgesamt 33 Euro, was fast sieben Jahresdividenden entspricht.

Bei der BASF Aktie sah es ähnlich aus. Heute kostet eine BASF Aktie fast 80 Euro. Als Jahresdividende bekommt man eine Ausschüttung von knapp 3 Euro. Auch die BASF Aktie generierte während der letzten Kaufphase ein Kaufsignal und damit einen Aktienkurs von 57 Euro im Tief. Dieses Kaufniveau bedeutet bei BASF einen Kursvorteil von insgesamt 23 Euro, was mehr als sieben Jahresdividenden entspricht.

Fazit

Diese einfache Rechnung zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann auf eine Kaufphase in Verbindung mit einem Kaufsignal zu warten. Mit dieser antizyklischen Vorgehensweise, spart man sich nicht nur mehrere Jahresdividenden, zugleich positioniert man sich mit einem deutlich besseren Chance-Risiko-Verhältnis.

Wie die Tabelle weiter zeigt, hat man bereits nach wenigen Wochen ordentliche Kursgewinne zu verzeichnen und man musste keine hohen Kursverluste aussitzen, weil man die Aktien zu früh und zu teuer gekauft hat.

Der Dividenden-Alarm eignet sich sehr gut für langfristig orientierte Anleger. Auch wer sich schwer tut selbst die besagten Marktphasen und dann auch die richtigen Aktien zu ermitteln, kann von den Auswertungen des Dividenden-Alarms profitieren.

Um die Dividenden-Alarm Strategie weiter zu vertiefen, empfehle ich interessierten Lesern den kostenlosen Dividenden-Alarm Newsletter. In unregelmäßigen Abständen gibt es immer wieder neue Artikel, in denen die Dividenden-Alarm Strategie anhand von realen Beispielen genau beschrieben wird.

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und dass ihr den Artikel bis zum Ende gelesen habt. Gern können wir in Zukunft gemeinsam antizyklisch handeln und Dividendenperlen finden.

Alex vom Dividenden-Alarm

by Okt 20, 2016 Keine Kommentare
Der Super Bowl-Indikator

Der Super Bowl-Indikator

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quarterback-73614_640Das größte mediale Sport-Ereignis der Welt ist der Super Bowl in den USA. Beinahe eine Milliarde Menschen verfolgen das Finale der National Football League (NFL). Es ist ein gigantisches Spektakel. Früher gab es zwei Football-Leagues in den USA. Auf der einen Seite die American Football Conference (AFC) und auf der anderen Seite die National Football Conference (NFC). Mittlerweile sind beide Ligen fusioniert und als NFL weltweit bekannt. Doch erst im Finale, im Super Bowl, treffen jeweils das beste Team der jeweiligen Conference aufeinander. Von der Gruppen-Phase bis zum Halbfinale spielen die Conferences untereinander den Finalisten aus. Jedes Jahr ist der Super Bowl also nicht nur ein Duell zweier Teams, sondern auch ein Finale zweier Ligen. NFC gegen AFC. Der Superbowl findet jedes Jahr im Januar oder Februar statt.

Leonard Koppett hat etwa 1970 den Super Bowl-Indikator entwickelt, welcher rausfand, dass der Indikator bis zu diesem Zeitpunkt noch nie falsch gelegen hatte. Den Indikator dabei zu verstehen ist nicht schwer:

  • Gewinnt ein Team der AFC den Super Bowl, dann wird das Jahr von Bären dominiert (down market)
  • Gewinnt ein Team der NFC den Super Bowl, dann wird das Jahr von den Bullen dominiert (up market)

Bis 2015 lag dieser Indikator 39 von 48 Mal richtig. Das ist eine Treffergenauigkeit von 81% über mehrere Jahrzehnte. Wenige Indikatoren und Systeme schaffen es über einen derart langen Zeitraum zuverlässig zu arbeiten, da sich immer wieder die Variablen am Markt verändern und diverse Systeme nicht mehr funktionieren. Hier eine Auflistung von 2000 bis 2012 mit einer Treffergenauigkeit von 58% in diesem Zeitraum:

2000 Rams NFC Down Falsch
2001 Ravens AFC Down Richtig
2002 Patriots AFC Down Richtig
2003 Buccaneers NFC Up Richtig
2004 Patriots AFC Up Falsch
2005 Patriots AFC Down Richtig
2006 Steelers AFC Up Falsch
2007 Colts AFC Up Falsch
2008 Giants NFC Down Falsch
2009 Steelers AFC Up Falsch
2010 Saints NFC Up Richtig
2011 Packers NFC Up Richtig
2012 Giants NFC Up Richtig

Der Super Bowl-Indikator ist ein pseydo-makroökonomischer Ansatz. Man sollte definitiv nicht in Versuchung geraten ihn für Kauf- oder Verkaufs-Entscheidungen zu nutzen. Es ist jedoch auf der einen Seite interessant und auf der anderen Seite unterstützend. Was erwarten Sie für dieses Jahr? Stimmt ihre Meinung mit dem Super Bowl-Indikator überein?

In diesem Jahr spielten die Denver Broncos (AFC) gegen die Caroliner Panthers (NFC). Gewonnen haben die Broncos …

flatex -vielfach ausgezeichnet

by Okt 19, 2016 Keine Kommentare
Die Höhle des Bösen? Streit um Syntellix

Die Höhle des Bösen? Streit um Syntellix

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Spekulanten und Finanzinvestoren genießen in der Öffentlichkeit meist keinen guten Ruf. Vor allem in Deutschland besteht nur eine schwache Aktien- und Investmentkultur. Die Deutschen sparen lieber klassisch. Doch zunehmend schwappt die Euphorie aus den USA auch nach Deutschland. Selbst der „kleine Mann“ kann nun an der Börse handeln oder über Crowd-Funding Plattformen in Unternehmen investieren. Die Technik und das Internet macht es möglich.

Auch die äußerst beliebte VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ fördert das Image der Start-Up Kultur. Unternehmen zu gründen ist modern. Viele machen es. Alle denken an das ganz große Geld und den Durchbruch der eigenen Karriere. Doch immer wieder fallen Banken, Spekulanten und Finanzinvestoren durch rücksichtloses Vorgehen aus Gier nach Profit negativ auf und bestätigen das sich in der Gesellschaft verankerte Bild der bösen Finanzmarkt-Haie.

Aktuell gibt es einen medialen Aufschrei. Die wohl schillerndsten Unternehmer Deutschlands, Carsten Maschmeyer und Utz Claassen, haben sich mit ihrem aktuellen Engagement, dem Medizintechnik-Unternehmen Syntellix, verstritten. Die ehemaligen Freunde müssen die Streitigkeiten nun über Gerichte und Anwälte klären lassen.

Neuigkeiten zum Streitfall

Es gibt bereits Neuigkeiten im Streit um Syntellix. Die durch Herrn Maschmeyer gestellte Strafanzeige gegen Frau und Herrn Claassen wurde ohne Verfahren von der Staatsanwaltschaft Hannover als unbegründet abgelehnt. Es wird kein Verfahren eröffnet, da “keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten” von Claassen zu sehen seien. Derartige Werbeverträge gehörten zu den branchenüblichen Maßnahmen eines umsatzorientierten Unternehmens, so die Staatsanwaltschaft.[1]

Carsten Maschmeyer bemühte sich immer wieder mit aufwendigen und kostenintensiven, sozialen Kampagnen sein Image in der Öffentlichkeit zu verändern. Doch vor allem in wissenden Unternehmerkreisen sieht er sich einem eher schlechten Image konfrontiert. Viel Geld verdiente der Investor mit der durch ihn gegründeten Finanzvertriebsgesellschaft AWD. Viele kleine und mittelständische Personen investierten ihre Sparrücklagen in die Produkte dieses Strukturvertriebes und verloren ihre Rücklagen.[2] Bis 2009 meldeten sich 6.500 Geschädigte beim Verein für Konsumentenschutz-Informationen (VKI).[3] Dank der spendablen Nähe zur Politik konnte Maschmeyer beim Vertrieb der Rürüp-Rente maßgeblich mitwirken.[4] Kritik war selten erwünscht. So ging Maschmeyer beispielsweise gegen ARD, NDR und Journalisten gerichtlich vor, um die Veröffentlichung einer ihm gegenüber kritischen Dokumentation zu vermeiden. Der Deutsche Journalisten-Verband stellt fest, dass Maschmeyer die „Pressefreiheit und Demokratie bedroht“ hätte.[5] 2011 stellte der VKI Strafanzeige gegen Maschmeyer wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug und Gründung bzw. Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung.[6] [7]

Natürlich können wir hier nur auf die bestehenden Berichte im Internet zugreifen und diese wiedergeben. Auf der einen Seite steht es uns nicht zu, über eine Person zu urteilen und wir wollen dies auch nicht tun. Doch wir sind alle an Herrn Maschmeyer interessiert, seitdem er bei der Höhle der Löwen bewertet und investiert. Start-Ups hoffen auf erfahrene und vermögende Investoren, welche sich einbringen und das Start-Up fördern. Beim Start-Up Syntellix ging dies schief. Wir freuen uns seh, ein Interview mit Gründer und Besitzer der Syntellix AG, Utz Claassen, führen zu dürfen:

 

„Der Drückerkönig und die Politik – Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer“

 

Die Syntellix AG

Die Syntellix AG ist ein junges deutsches Medizintechnik-Unternehmen, das sich auf Forschung, Entwicklung und Vertrieb hoch innovativer bioabsorbierbarer – also selbstauflösender – metallischer Implantate spezialisiert hat. Ein einzigartiges Netzwerk von Spezialisten, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Werkstoffkunde, Biomechanik und Fertigungstechnik ermöglichen uns eine kontinuierliche Weiterentwicklung von innovativen bioabsorbierbaren Implantaten für verschiedene medizinische Indikationen. (Quelle: http://www.utz-claassen.de/zusatzpunkt-i/)

 

  1. Seit 2008 sind Sie Gründer, Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des Medizintechnik Unternehmens Syntellix. Um dem jungen Unternehmen dringend benötigtes Kapital zu verschaffen, sollte ein dritter Investor über eine Kapitalerhöhung aufgenommen werden. Bei der Vorbereitung der Emission der Aktien hat Herr Maschmeyer jedoch unerwartet um die neuen Anteile mitgeboten. Das Gebot für die neuen Aktien hat der Aufsichtsrat jedoch aus formalen Gründen abgelehnt. Nun erhob Maschmeyer Strafanzeige gegen Sie mit dem Vorwurf der Veruntreuung von Geldern. Vor Kurzem verkaufte Herr Maschmeyer seine Villa am Starnberger See an den Geschäftsführer von Arthrex, dem größten Konkurrenten von Syntellix. Kurze Zeit später versuchte er Syntellix zu übernehmen. Glauben Sie, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte? Handelte es sich um den Versuch einer feindlichen Übernahme? Wie bewerten Sie das Vorgehen von Herrn Maschmeyer?

Ich möchte mich an Spekulationen nicht beteiligen. Fakt ist, dass Herr Maschmeyer am 27. August 2015 nach der Mehrheit am Aktienkapital der Syntellix AG gegriffen hat, und dies, nachdem der Vorstand im Einvernehmen mit Aufsichtsrat und Hauptaktionären über viele Monate hinweg nach einem seriösen, extern Investor gesucht hatte – übrigens nicht zuletzt auf Anregung und Wunsch von Herrn Maschmeyer selbst. Fakt ist auch, dass ein von Herrn Maschmeyer in den Aufsichtsrat der Syntellix AG entsandtes Mitglied nachts um 01:04 Uhr am selben Tage, also wenige Stunden vor Unterbreitung des sogenannten Gegenangebotes von Herrn Maschmeyer, eine E-Mail an den Chef und Mehrheitseigner eines Hauptwettbewerbers der Syntellix AG richtete, in dem es unter anderem um das künftige Produktportfolio der Syntellix AG sowie die „Lieferbarkeit des Ausgangsstoffes“ der Implantate von Syntellix ging, mithin um die zentralen Säulen der Zukunftsstrategie von Syntellix. Fakt ist weiterhin, dass, nachdem Herr Maschmeyer die Mehrheit am Aktienkapital der Syntellix AG nicht erwerben konnte, die MM Familien KG (deren Komplementär er ist) in mehreren Hauptversammlungen der Syntellix AG gegen eine für den Fortbestand der Gesellschaft unabwendbar erforderliche Kapitalerhöhungen gestimmt hat. In Summe kann ich diese Fakten nur als „außerhalb meiner bisherigen Vorstellungskraft“ bewerten.

 

  1. Sie waren lange mit Herrn Maschmeyer befreundet. Doch erst versuchte dieser, das von Ihnen gegründete Unternehmen zu übernehmen. Nun verklagt er Sie. Wie stehen Sie dazu, dass ein ehemaliger guter Freund nun derart aggressiv gegen Sie vorgeht?

Er hat mich nicht verklagt, sondern eine Strafanzeige gegen mich und meine Frau erstattet, von der ich erst aufgrund einer Anfrage und der Berichterstattung des SPIEGEL erfuhr. Ohne jede Notwendigkeit, eine Strafanzeige gegen einen aktuellen oder ehemaligen Freund zu erstatten, dürfte an sich schon als “außergewöhnlich” zu bezeichnen sein, und dies umso mehr, wenn die Vorwürfe haltlos sind. Eine solche Anzeige an die Presse zu lancieren, bevor der zu Unrecht Beschuldigte die Vorwürfe überhaupt kennt, ist nach meinem persönlichen Empfinden die tiefste Form menschlichen Umgangs. Obendrein noch meine zuvor von ihm aufs Äußerste umschmeichelte, liebe Frau in diese – im Übrigen seit langem angekündigte „mediale Schmutzkampagne“ – hineinzuziehen, liegt indes außerhalb all dessen, was aus meiner persönlichen Sicht und nach meinem persönlichen Empfinden übliche Codizes, professionelles Niveau und zivilisierten gesellschaftlichen Umgang prägt. Es gibt offensichtlich nichts, das es nicht gibt.

 

  1. Herr Maschmeyer hat Strafanzeige wegen der Veruntreuung von Geldern gegen Sie und Ihre Frau erhoben. Hintergrund ist der 120.000€ schwere Sponsoring-Vertrag mit dem Fußball-Club RCD Mallorca, welchem Sie vorstehen. Wir haben ein wenig recherchiert:
    – 1998 gab Maschmeyer 650.000 DM zur Unterstützung des Wahlkampfes von Gerhard Schröder aus.[8]
    – 2014 gab Maschmeyer zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro für die Buch-Rechte an den Memoiren Gerhard Schröders aus – eine Summe, welche absurd hoch und durch den Verkauf der Bücher nicht erwirtschaftet werden kann.[9]

    Herr Maschmeyer hat also bereits oft hohe Summen für Sponsoring und Publicity ausgegeben. Nun stört er sich an 120.000€. Wie stehen Sie zu dem gegen Sie erhobenen Vorwurf?

Die Strafanzeige gegen mich und meine Frau ist unbegründet und haltlos. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er seine Vorwürfe selbst glaubt, zumal er in einer E-Mail an mich vom 20. Dezember 2012 unter Bezugnahme auf einen seinerzeit aktuellen Vorgang wörtlich erklärt hat: „Einen größeren Beweis für Deine Ehrlichkeit gibt es nicht.“

Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind jedenfalls in jeglicher Hinsicht haltlos, was auch Herrn Maschmeyer bekannt und klar sein muss. Ich beziehe mich insofern auf eine offizielle Stellungnahme des Vorstandes der Syntellix AG vom 23. September 2016, in der es wörtlich heißt:

„Im Zusammenhang mit Presseberichten über eine mutmaßliche Strafanzeige gegen Herrn Prof. Dr. Utz Claassen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Trikotsponsoring der Syntellix AG beim spanischen Fußballclub Real Mallorca möchte der Vorstand der Syntellix AG zunächst darauf hinweisen, dass ihm eine etwaige Strafanzeige gegen Herrn Professor Claassen nicht bekannt ist (Herrn Prof. Claassen selbst im Übrigen auch nicht), jedenfalls nicht eine tatsächlich gestellte. Drohungen mit Strafanzeigen gegen Herrn Prof. Claassen und/oder diverse andere Organmitglieder der Gesellschaft hat es seit etwa einem Jahr wiederholt – direkt wie auch indirekt, offen und unverhohlen wie auch implizit und verdeckt – zu den verschiedensten Themen gegeben, ohne dass diesbezüglich jemals ein auch nur ansatzweise begründeter Anlass vorgelegen hätte oder erkennbar gewesen wäre (diffus mit Strafanzeigen gedroht wurde insofern schon vor Abschluss und Bekanntgabe des von Ihnen in Bezug genommenen Vertrages zwischen der Syntellix AG und RCD Mallorca). Nach dem festen Eindruck des Vorstandes ist dies Teil einer rechtsmissbräuchlichen bzw. rechtswidrigen gegen das Unternehmen und die Mehrheit seiner Aktionäre gerichteten maliziösen Kampagne. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat in der Hauptversammlung der Gesellschaft in der vergangenen Woche den Begriff der „unwahrheitsbasierten Marodierungsstrategie“ verwendet, den der Vorstand für absolut zutreffend hält und der nach dem Eindruck des Vorstandes und nach den Abstimmungsergebnissen der Hauptversammlung zu urteilen offenbar die Meinung der überwältigenden Mehrheit der in unserem Aktienregister eingetragenen Aktionäre widerspiegelt. In der Hauptversammlung, in der das Aktienkapital der Gesellschaft vollständig zu 100 % vertreten war, hat im Übrigen kein einziger Aktionär diesem Begriff der „unwahrheitsbasierten Marodierungsstrategie“ widersprochen. Die einem oder mehreren Presseorganen offensichtlich zugespielten Informationen oder Unterlagen sind allem Anschein nach Teil dieser nach dem Empfinden des Vorstandes skandalösen Kampagne gegen ein potenzialträchtiges hoffnungsvolles Start-up Unternehmen, die Mehrheit seiner Aktionäre und auch seine engagierten und hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Vertrag mit RCD Mallorca wurde vom Vorstand der Syntellix AG einstimmig beschlossen und geschlossen. Eine Genehmigung durch den Aufsichtsrat der Gesellschaft war weder nach Gesetz noch nach Satzung noch nach Geschäftsordnungen des Aufsichtsrates bzw. des Vorstandes erforderlich. Diesbezüglich liegt dem Vorstand der Gesellschaft und dem Aufsichtsrat der Gesellschaft ein ausführliches Rechtsgutachten vor. Da eine Zustimmung durch den Aufsichtsrat der Gesellschaft nicht erforderlich war, waren seitens Syntellix weder Herr Prof. Dr. Claassen noch Frau Claassen an Beschlüssen über den Vertrag mit RCD Mallorca in irgendeiner Weise beteiligt – weder direkt noch indirekt. Herr Prof. Dr. Claassen und Frau Claassen haben auch in keiner Weise auf den Vertragsabschluss Einfluss genommen, was im Übrigen auch den Aktionären der Gesellschaft bekannt ist, da der Vorstand mehrfach die Hauptversammlung entsprechend unterrichtet hat. Sowohl der Aufsichtsrat als auch die Hauptversammlung der Gesellschaft wurden ausführlich über den zwischen der Syntellix AG und RCD Mallorca abgeschlossenen Vertrag informiert, obgleich eine rechtliche Erfordernis hierzu nicht vorlag. Die Information erfolgte insofern vor dem Hintergrund der hohen Governance-Standards der Syntellix AG und der höchstmöglichen Transparenz, die der Vorstand grundsätzlich gegenüber Aufsichtsrat und Aktionären sicherzustellen bemüht ist.

Als operativ potenziell wichtigste Entwicklungserfordernis der Gesellschaft in ihrer seinerzeit vorliegenden Entwicklungsphase betrachtete und betrachtet der Vorstand die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Marke Syntellix und ihrer Produkte, sowie insbesondere auch den verbesserten kommunikativen Zugang zu Patienten bzw. der breiten Nutzer- und Anwenderbasis unserer Implantate – dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass unsere auf einer hochinnovativen Magnesiumlegierung aufbauenden Produkte insbesondere für den Patienten als „Endnutzer“ bzw. „Endanwender“ einen disruptiven Vorteil im Vergleich zu traditionellen Implantaten auf Titan- oder Polylactid-Basis bieten. Die wichtigste Zielsetzung im Hinblick auf die Vereinbarung mit RCD Mallorca in der seinerzeit und aktuell vorliegenden Entwicklungsphase der Gesellschaft waren die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Marke Syntellix (Markenbekanntheit) durch den Imagetransfer von der international etablierten Marke Real Mallorca, sowie der kommunikative Zugang zu „Endnutzern“ bzw. „Endanwendern“ in Spanien und ganz Europa.

Spanien hat sich in kürzester Zeit zum weltweit zweitbesten Auslandsmarkt im Geschäftsjahr 2015 entwickelt. Diese Entwicklung des spanischen Marktes war hinsichtlich der außergewöhnlich hohen Wachstumsraten insoweit besonders erfreulich, als der Markteintritt erst Mitte des Jahres 2015 erfolgte. Es liegt auf der Hand, dass auch unser Engagement bei RCD Mallorca zu der extrem guten und schnellen Umsatzentwicklung einen erheblichen Beitrag geleistet hat; dies wird auch durch verschiedene Rückinformationen aus dem spanischen Markt deutlich gestützt.

Über die vorstehenden Sachverhalte hat der Vorstandsvorsitzende Thomas Mayer in drei (!) Hauptversammlungen der Gesellschaft aufs Ausführlichste informiert, und zwar am 17.12.2015, am 22.06.2016 und zuletzt am 15.09.2016. Es gab dabei nach vollumfänglich und vollständig erfolgter Information durch den Vorstand auch auf ausdrückliche Nachfrage des Versammlungsleiters hin von keinem einzigen Aktionär auch nur eine einzige offene oder unbeantwortete Frage, und es gab auch auf ausdrückliche Nachfrage hin von keinem einzigen Aktionär auch nur eine einzige Rückfrage. Dies ist mittels vorliegendem stenografischem Wortlautprotokoll eindeutig belegt. Kein einziger Aktionär hat nach der entsprechenden vollumfänglichen und vollständigen Information den Nutzen des Vertrages auch nur ansatzweise in Frage gestellt.“

 

„Abzocker Maschmeyer – Liebling der Politik“

  1. Schauen Sie die Sendung „Die Höhle der Löwen“? Wie finden Sie diese?

Ich hatte in der Vergangenheit einzelne Male hineingezappt. Ich kann verstehen, dass Zuschauer sie interessant finden und halte sie fernsehtechnisch für sehr gut gemacht. Als Manager und Ökonom bin ich jedoch besorgt, wenn der TV-begeisterten Bevölkerung suggeriert wird, Wirtschaft werde gemacht und Werte würden entstehen, indem jemand nach oberflächlichster Betrachtung mal drin und mal raus ist. Ein solches „rein oder raus“ ist im Grunde professioneller Investoren – die sich üblicherweise vor einem finanziellen Engagement mitunter über Monate hinweg äußerst sorgfältig vorbereiten, analysieren und abwägen – nicht würdig. Deshalb war ich sehr überrascht, als mein seinerzeitiger Freund Carsten bereit war, in diese Höhle zu gehen. Jetzt bin ich es nicht mehr – aber ich schaue auch die Sendung nicht mehr.

 

  1. Herr Maschmeyer ist seit der jüngsten Staffel einer der fünf investierenden Löwen. Glauben Sie, dass er in die Rolle der Sendung passt, interessante Ideen zu finanzieren und fördern? An den Recherchen meinen wir zu erkennen, dass Maschmeyer in der Vergangenheit seine Chancen stets nutze und als Finanzinvestor viel Geld verdienen konnte – könnten sich daraus Nachteile für die sich in der Sendung vorstellenden Start-Ups ergeben?

Jeder Startup-Unternehmer muss für sich beurteilen, wen er als Investor in sein Unternehmen lässt. Ob die Strafanzeige des Startup-Investors Maschmeyer gegen den Startup-Unternehmer Claassen für die Sendung, für dort um Investoren werbende Startups oder für Herrn Maschmeyer als Investor oder Fernseh-Star hilfreich war, ist oder sein wird, wird sich zeigen.

 

Herr Claassen, wir danken Ihnen sehr für das aufschlussreiche Gespräch. Wir konnten einen Einblick in die Arbeit und Vergangenheit von Herrn Maschmeyer werfen. Wir würden uns sehr über eine Stellungnahme oder ein Gespräch mit Herrn Maschmeyer freuen, um diese Thematik auch von der anderen Seite aus beleuchten zu können.

 


Quellen:
[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/carsten-maschmeyer-scheitert-mit-strafanzeige-gegen-utz-claassen-a-1115994.html
[2] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77299743.html
[3] http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/454947/AWD_VKI-mit-6500-Beschwerden-fur-Sammelklage?direct=463983&_vl_backlink=/home/wirtschaft/boerse/454430/index.do&selChannel=
[4] http://timschaefermedia.com/schroeder-riester-ruerup-maschmeyer-und-das-geld-der-rentner/
[5] https://www.welt.de/kultur/article12334654/Carsten-Maschmeyer-startet-Kreuzzug-gegen-NDR.html
[6 http://www.stern.de/wirtschaft/news/verbraucherschuetzer-zeigen-maschmeyer-an-wiener-staatsanwalt-prueft-betrugsvorwuerfe-gegen-awd-3437590.html
[7] https://kurier.at/wirtschaft/strafanzeige-gegen-awd-gruender/751.115
[8] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/werbetrick-mit-stoiber-tick-die-mysterioese-anzeige-gegen-den-aeh-kandidaten-a-214425.html
[9] http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/wie-awd-gruender-maschmeyer-die-politik-insturmentalisierte-a-1002841.html

 

by Okt 11, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

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Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Trading ist ein Wechselspiel aus Reaktion und Aktion. Börse bedeutet zu bewerten, einschätzen und handeln. Doch wer agiert, reagiert und bewertet macht Fehler. Fehler machen ist menschlich. Wir können nie absolut rational handeln und wir sind nie frei von externen Einflüssen. Unser Unterbewusstsein und unsere vererbten Verhaltensmuster zwingen uns zu teils glücklichen aber auch unglücklichen Handelsentscheidungen. Vor allem in einem derart schnelllebigen und stressigen Umfeld ohne genügend Zeit um auf ausreichend Informationen zugreifen zu können macht jeder von uns Fehler.

Doch wir sollten unsere Fehler nicht hinnehmen, weil diese menschlich und schier unvermeidbar sind. Börse bedeutet vor allem sich selbst kennenzulernen. Dementsprechend müssen wir unsere Fehler erkennen und uns eingestehen (was den meisten Menschen schwerfällt) und kritisch analysieren. Wir sollten uns selbst den Kampf ansagen und uns und unsere Fehler verstehen. Wir sollten stets bemüht sein unser Verhalten zu analysieren und optimieren und die Summe der persönlichen Fehler möglichst weit zu reduzieren.

Um unser Verhalten zu optimieren und eigenes Fehlverhalten zu erkennen benötigen Grundwissen über typische psychologische bzw. verhaltenstechnische Fallen bei Anlegern. In diesem Blog der Reihe „Börsenpsychologie“ möchte ich über die Trugschlüsse von Spielern aufklären:

Der Spielerfehlschluss oder auch Trugschluss eines Spielers ist einer der wohl häufigsten Fehler den wir Menschen begehen. An der Börse machen viele Anleger auf Basis dessen viel Verlust. Doch was ist das? Ein Trugschluss entsteht, wenn wir einen logischen Fehlschluss bilden. Ein logischer Fehlschluss ist ein logischer Gedanke, welcher jedoch auf einer falschen Vorstellung beruht. Kurz: Wir ignorieren die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wegen einer fehlgeleiteten Annahme.

 

Schusselfehler bei der Wahrscheinlichkeits-Bestimmung

Gerne übersehen beispielsweise Glücksspieler den Mechanismus des Zufalls und gehen davon aus, dass ein zufälliges Ereignis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eintreten müsste, wenn es über eine längere Zeit nicht eingetreten ist. Doch der Zufall hat ein Gedächtnis. Ich möchte dies am Roulette erklären: Casino-Betreiber machen sich den unterbewussten Trugschluss zu Nutze und stellen an Roulette-Tischen Bildschirme auf, welche die gefallenen Zahlen und Farben der letzten 5 oder 10 Runden anzeigen. Schnell entwickeln unbedarfte Spieler den logischen Schluss, dass es Zyklen gebe. Fällt die Kugel beispielsweise 5 oder 10 Mal auf schwarz, so setzen Spieler schnell ihr Geld auf Rot, da sie ein Enden der Reihe erwarten. Was sie dabei übersehen: Jedes Spiel steht für sich selbst. Und mit jeder Runde ist die Wahrscheinlich für die Farbe Rot dieselbe wie zuvor. Sie steigt nicht nach 5, 10 oder auch 1000 Mal Schwarz in Folge. Dieser logische Fehlschluss kann Spielern zum Verhängnis werden.

An der Börse erkennen wir dieses Verhalten oftmals bei fallenden Kursen. Mit Skandalen und anderen Dinge rutscht ein Wert ab. Erst 5, dann 10 und zuletzt 15% Verlust. Nun steigen viele Anleger, basierend auf dem Trugschluss „Das muss doch bald Mal drehen“, ein. Anleger sollten sich immer der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls bewusst sein. Nur weil bei einem Münzwurf mehrfach in Folge Kopf geworfen wurde steigt nie die Wahrscheinlichkeit für Zahl. Nur weil Börsenkurse mehrere Tage in Folge steigen oder eine Hausse bereits überdurchschnittlich lange dauert muss keine Baisse kommen. Die Einflüsse auf Kurse an der Börse sind weitaus komplexer. Gern würden wir einfache Zyklen handeln. Kopf, Zahl, Kopf, Zahl. Wie schön wäre Börse, wenn es so einfach wäre nach einer drei Mal Schwarz auf Rot zu setzen und dann zu gewinnen. So einfach ist es jedoch nicht. Trotzdem erliegt man schnell solchen Trugschlüssen.

 

Selbstwertdienliche Verzerrung

Kennen sollten Sie auch den self-serving bias. Im Deutschen auch als Phänomen der „Selbstbestätigung“ definiert. Hierbei handelt es sich nicht um eine dem Selbstwertgefühl dienlichen Verzerrung. Hierbei definieren wir Fakten um, verharmlosen Sachverhalte oder verändern unseren Standpunkt um eine uns unangenehme Situation derart zu entfremden, dass wir sozusagen sprichwörtlich aus dem Schneider sind. Probleme mit dem self-serving bias haben vor allem Händler, welche ihr Selbstwertgefühl durch die Börse steigern wollen. Sie sind gierig nach Erfolgen, Rendite und wollen, dass dies jeder sieht. Hierbei tun sie alles, um immer der erfolgreiche und von anderen beneidete Trader zu sein. Dem Trading dienlich ist dies nicht. Fehler werden ignoriert oder beschönigt. Gute Trader gehen mit sich selbst hart ins Gericht. Sie suchen schonungslos nach eigenen Schwächen um ihr eigenes Trading zu verbessern.

Grundlegend ist eine selbstwertdienliche Verzerrung uns selbst Erfolge zuzuschreiben, jedoch Misserfolge auf externe Faktoren abzuwälzen. Erfolgreiche Trades führen wir auf unsere Analyse und unser Handeln zurück. Für verlustschreibende Trades können wir dann jedoch Nichts. Das war nicht zu erwarten. Die Situation hat sich verändert. Der Markt verhält sich komisch.

 

Gründe für ein derartiges Verhalten könnten sein:

  • Verteidigung eines stabilen und positiven Selbstbildes
  • Selbstdarstellung
  • Wissen um frühere Leistungen
    Die Erfahrung eine Aufgabe früher gemeistert zu haben lässt uns verzerrt wahrnehmen, dass ein Misserfolg beim wiederholten Versuch an externen Faktoren liegen müsse.
  • Vermeiden von Hilflosigkeit
    Einige Dinge können wir nicht beeinflussen. Darunter fallen beispielsweise Verbrechen, Sterblichkeit oder Naturkatastrophen. Wir neigen jedoch dazu das Vermeiden dieser Dinge (was ein Erfolg für uns ist) uns selbst zuzuschreiben. Wir gestehen uns nicht ein diesen Faktoren hilflos gegenüberzustehen. Dies nennt man auch Defensiv-Attribution. Ist man Opfer eines solchen Ereignisses, dann führt man dies darauf zurück, dass es ja nicht vermeidbar/beeinflussbar war. Ist man nicht Opfer, dann schreibt man sich diesen Erfolg seinem eigenen Verhalten zu.
  • Unrealistischer Optimismus
    Die meisten Menschen glauben mehr positive als negative Erlebnisse zu haben.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Okt 07, 2016 Keine Kommentare
George Soros – Krieg und Frieden

George Soros – Krieg und Frieden

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Mit einem durch das Forbes Magazine geschätzten Vermögen über rund $25 Milliarden erfreut sich George Soros über den Platz 21 der reichsten Personen der Welt. Reich wurde er als Hedgefonds-Manager mit riskanten und aufsehenerregenden Spekulationen. Er ist einer der bekanntesten Investoren weltweit und fällt immer wieder durch spektakuläre Investments auf. Zuletzt verdoppelte Soros im August 2016 seine Wette gegen den SP500 auf ein Volumen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Wenn George Soros eine Möglichkeit wittert, ist er ein gnadenloser Spekulant auf der Suche nach maximalem Profit. Doch er ist nicht nur der klassische Finanzhai. Soros ist eine extrem spannende Person. Er hat zwei Seiten – Krieg und Frieden. Ich möchte dich mit diesem Artikel in die Welt des Milliardärs mitnehmen.

Hier lassen sich Essays von George Soros lesen.

 

Werdegang von George Soros

Geboren wurde György Schwartz (bürgerlicher Name) am 12. August 1930 in Budapest. Heute ist George Soros ein US-amerikanischer Investor mit ungarischen Wurzeln. Trotz der jüdischen Herkunft konnte Soros die Besetzung durch das NS-Regime überleben, nachdem er sich mit seinem Vater lange Zeit versteckt hielt. Nach dem Besuch des Esperanto-Weltjugendkongresses blieb George Soros in England und studierte an der London School of Economics and Political Sciense (LSE) Philosophie und erlangte die Promotion. Die Lehren seines Dozenten Karl Popper prägten Soros Weltbild einer offenen Gesellschaft. Nachdem er 1956, mit 26 Jahren, in die USA zog, übernahm er 1968, mit 38 Jahren, erst das Management eines Hedgefonds, welcher in Curacao angesiedelt war, und gründete daraufhin 1969 seinen bekannten Quantum Funds. Heutzutage führt und managt er zahlreiche Fonds, zusammengefasst in der Soros Fund Management LLC.

 

Krieg mit George Soros

Soros ist ein unerbittlicher Investor. Wittert er eine Gelegenheit Gewinne zu machen, so nutzt er diese schamlos aus. Krieg mit bzw. gegen seine Milliarden ist ein schier unmögliches Unterfangen. So zwang der amerikanische Starinvestor Großbritannien 1992 zum Austritt aus dem europäischen Währungssystem (EWS) und besiegte die Bank of England im Kampf um die Bewertung des Pfund. Seitdem trägt George Soros auch den Beinamen „the man who broke the Bank of England“. Durch den Beitritt der Briten 1990 zur EWS verpflichteten sich diese, einen festen Wechselkurs zur deutschen Mark (DM) einzuhalten. Ohne Absprachen entschied sich die Bank of England am Anfang eine sehr hohe Bewertung des Pfund festzusetzen und durch Veränderungen des Leitzinses und Interventionen am Kapitalmarkt aufrechtzuerhalten. Es war die turbulente Anfangsphase des EWS bei dem die Dänen das Währungssystem ablehnten und auch die italienische Lira als überbewertet galt.

Schnell wetteten zahlreiche Investoren gegen das Pfund. Insgesamt 10 Milliarden Pfund wurden verkauft und vor allem gegen die deutsche DM und den französischen Franc eingetauscht. Durch diese Verkäufe des britischen Pfund sank der Wert des Pfund, welchen die Bank of England durch Interventionen wieder anheben zu versuchte. Dies konnte die britische Zentralbank entweder durch die Anhebung des Leitzinses oder das Einziehen von Pfund-Noten am Markt mit der Konsequenz der Verknappung der Währung tun. Das pfund konnte die BoE mit eigenen Devisen (Fremdwährung) am Markt aufkaufen und hatte somit lediglich einen begrenzten Spielraum das Pfund stützen zu können. Gingen die Währungsreserven zur Neige konnte die Bank of Engalnd das Pfund nicht mehr aufkaufen bzw. stützen.Am 16. September 1992, dem „Black Wednesday“, gab die Bank of England auf. Das Vereinigte Königreich musste die Schande über sich ergehen lassen aus dem EWS austreten zu müssen. Dies fachte die europafeindliche Stimmung im Königreich an. Auch verlor die damals noch hoch geschätzte Bank of England ihr Image der zuverlässigsten Zentralbank weltweit. Während Soros innerhalb einer Woche durch den im Wert sinkenden Pfund eine Milliarde US-Dollar verdiente, schätzte die britische Regierung 2005 die Kosten der Intervention der BoE für den Steuerzahler auf 3 bis 5 Milliarden Pfund. Noch heute stellt die Pfundkrise einen beschämenden Fleck in der Geschichte des Vereinigten Königreiches dar.

Vor allem in den 1990er Jahren fiel Soros durch zahlreiche große Spekulationen auf. 1993 wettete George Soros gegen die D-Mark und 1997 warf man ihm vor, Schuld an der malaysischen Finanzkrise zu sein. An der Finanzkrise 2008 verdiente Soros 2,9 Milliarden USD. Bis Ende 2009 stieg das Vermögen seiner Fonds-Gesellschaft auf 24 Milliarden USD.

Die Feldzüge von George Soros gegen Währungen, Indizes und Finanzsysteme können oft mit politischen Motiven in Verbindung gebracht werden. Immer wieder mischt sich der Großinvestor in Länder und Politik ein und nimmt aktiv Einfluss. So galten seine Wetten in den 1990er Jahren gegen europäische Währungen bereits dem Kampf für faire Bedingungen unterentwickelter Länder. Mit 23,5 Millionen US-Dollar setzte sich George Soros gegen die Wiederwahl des Republikaners George W. Bush ein. Die von Soros gegründete Open Society Foundations (OSF) ist in über 50 Ländern aktiv. Die Büros dieser Stiftung liegen nah an staatlichen Behörden oder direkt in den Gebäuden dieser. Vor allem in ehemaligen Ländern der sowjetischen Republik ist die Stiftung sehr aktiv. Mit viel Geld und viel Nähe zu staatlichen Institutionen vermutet man, dass George Soros immer wieder Einfluss auf Wahlen, Prozesse und Politik nimmt. Auch kommt er durch dieses weitverzweigte Netzwerk schneller an Informationen als andere Personen. Aktiv unterstützte Soros auch Dissidenten und Oppositionen in der Sowjetunion mit drei Millionen Dollar jährlich.

Zuletzt hatten Soros politische Einmischungen in der Ukrainekrise Aufsehen erregt. So bedankte sich Präsident Poroschenko 2014 für die Unterstützung des Investors. Soros investierte mehrere Milliarden Dollar in ukrainische Staatsanleihen, rief andere Investoren auf dies ebenfalls zu tun und forderte immer wieder vehement die EU auf selbst bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren. Aus seiner Sicht muss die EU den Krieg der Ukraine unterstützen und selbst auch führen. Versuchte Soros damals noch Einfluss auf den Sturz der Sowjetunion zu nehmen, so tut er dies nun gegen Russland. Seine Fonds und er sind durch die russische Regierung auf Grund der tendenziell russlandfeindlichen Rhetorik des Investors als „unerwünscht“ eingestuft. 2016 kündigte Soros an, über 10 Jahre verteilt bis zu 500 Milliarden USD in die Ukraine investieren zu wollen, nachdem er 2015 den ukrainischen Orden der Freiheit erhalten hatte.

Frieden mit George Soros

Während der berühmte Hedgefonds-Manager politisch Einfluss nimmt und unerbittlich auf der Suche nach Profit vor scheinbar nichts zurückschreckt, gibt es auch eine andere Seite des Investors. Geprägt durch sein Philosophie-Studium und die Lehre der offenen Gesellschaft von Karl Popper pflegt George Soros ein philanthropisches Weltbild. Das Konzept der offenen Gesellschaft spiegelt sich auch in der Namensgebung der Open Society Fundation wider.

Mit der OSF und der Soros Foundation förderte er beispielsweise die Möglichkeit schwarzer südafrikanischer Studenten an der University of Cape Town studieren zu können. Die Time schätzte 2007 die Gesamtsumme der Spenden durch George Soros für das philanthropische Weltbild auf 7 Milliarden USD.

George Soros unterstützt die „Reporter ohne Grenzen“ finanziell und kritisiert immer wieder die Einmischung der USA in andere Länder als nicht förderlich. So behindere das Engagement der USA beispielsweise eine Friedensfindung zwischen Israel und Palästina. Ob der Vorwurf der politischen Einmischung der USA durch einen Investor, welcher sich aktiv weltweit politisch einmischt, jedoch viel Wert verliehen werden kann, ist zu bezweifeln.

Seit 2009 unterstützt George Soros Climate Policy Initative mit jährlich 10 Millionen US-Dollar zur Erforschung von Klimaschutzmaßnahmen. Das von ihm 2009 mit $50 Millionen gegründete Institute for New Economic Thinking soll neue Theorien der Volkswirtschaft entwickeln. 2010 erklärte sich Soros bereit weitere 7 Milliarden Dollar für gute Zwecke im Sinne der Initiative „The Giving Pledge“ zu spenden.

George Soros kritisiert die Deregulierung der Finanzmärkte – und das obwohl er auf der einen Seite davon profitiert und seine Fonds selbst in Steuerparadiesen angesiedelt hat, um sich dem Zugriff der Regulierung und Finanzämter in den USA und Europa zu entziehen.

 

Fazit

Ich finde George Soros einen sehr spannenden Charakter. Es ist ein Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden. Auf der einen Seite der Philosophie-Student, welcher sich für Menschenrechte, Gleichberechtigung und eine offene Gesellschaft in Form der Philanthropie einsetzt. Auf der anderen Seite ein politisch unnachgiebig einflussnehmender Investor, welcher sein Netzwerk und seine finanzielle Macht maßlos zur Einflussnahme nutzt. George Soros setzt sich für sein Weltbild ein und führt auf der einen Seite Kriege gegen Systeme, welche ihm nicht gefallen, und auf der anderen Seite arbeitet er mit Spenden und Stiftungen an einer offenen Gesellschaft und Frieden.

Es ist unvorstellbar, wie viel Schlagkraft und Macht George Soros durch seine Milliarden ausübt. Er war bereits 1992 stärker als die Bank of England (nun gut, nicht er alleine) und kann wahrscheinlich auch heute noch Systeme, Regierungen, Währungen und Länder beeinflussen und/oder vernichten (wenn sich ihm andere Investoren anschließen). Hätte ich die Möglichkeit, Soros eine Frage zu stellen wäre es die, wie er die Konsequenzen seines Handelns bewertet? Durch seine Feldzüge und Einflussnahmen wurden viele Menschen arbeitslos, viele Steuergelder wurden vernichtet und ganze Länder in den Ruin getrieben. Ist es das aus seiner Sicht wert?

by Sep 30, 2016 3 Kommentare
Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

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Bis heute basieren ein Großteil der Modelle und Theorien der Makro- und Mikroökonomie auf der Nutzentheorie (auch Nutzenfunktion). Hierbei geht man davon aus, dass sich ein Marktakteur immer für die Möglichkeit entscheidet, welche seinen Gewinn/Nutzen maximiert und die Kosten/Aufwand minimiert. Dieses rationale und erwartbar-logische Verhalten spiegelt sich im Konzept des homo oeconomicus wieder. Die britische Zeitschrift „The Economist“ nutzte 1999 die Metapher des Mr. Spock als emotional disziplinierten und absolut logisch und rational denkenden Akteur[1].

Den meisten Konzepten der Ökonomie liegt der homo oeconomicus zu Grunde. Grund dessen ist das erwarte Verhalten dieser fiktiven Person. Individuelle Charakterzüge und die Psychologie des Menschen – wie z.B. Emotionen – werden nicht beachtet um die Modelle und Theorien möglichst einfach zu gestalten. Seit 1940 entwickeln zahlreiche Wissenschaftler jedoch neue Ansätze. Mr. Spock ist zwar eine interessante Persönlichkeit, aber in keinem Fall menschlich. Und ökonomischen Konzepten eine nicht-menschliche und fiktive Person zu Grunde zu legen ist fraglich. Seit etwa 1980 erlebt der junge Teilbereich der Ökonomie, die Verhaltenspsychologie oder auch Behavioral Economics, immer mehr Zulauf und Zustimmung.

1979 veröffentlichten die amerikanischen Wissenschaftler Daniel Kahneman (2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet) und Amos Tversky ihre Weiterentwicklung der Nutzentherorie. Diese Prospect Theory (Neue Erwartungstheorie) zählt zu den in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am häufigsten zitierten Beiträge. Das Konzept stellte eine Revolution der bisherigen ökonomischen Gedankenwelt dar. Die Prospect Theory erlaubt die Beschreibung menschlicher Entscheidungsfindungen bezüglich risikoreicher Situationen mit Einbezug von Psyche und Charakter des Akteurs.

Ich möchte dich mit diesem Beitrag in die Erwartungstheorie und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf menschliches Verhalten einweihen. Trader müssen täglich Entscheidungen unter Zeitdruck, ohne vollständige Information und im Umfeld hohen Risikos treffen. Das Wissen über den Ablauf der Entscheidungsfindung in diesen Situationen hilft dir dich selbst als Trader besser kennenzulernen und auch das (menschliche) Verhalten der Akteure an der Börse besser zu verstehen.

Heuristik

Heuristik

Die Prospect Theory ist ein Bestandteil der Heuristik, welche sozusagen das Fundament der Verhaltensökonomie darstellt. Die Heuristik umfasst dabei das Verhalten des Menschen Problemstellungen ohne nutzbare Methode zur Lösung, unter Zeit- und emotionalem Druck und ohne vollständige Information zu lösen. Um das Problem zu lösen, für welches keine erprobte Lösungsstrategie vorliegt, muss die jeweilige Person auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen und bestehende Methoden anpassen oder persönliche Tendenzen zur Entscheidungsfindung nutzen. Heuristik findet sich vor Allem in komplexen, schnelllebigen, kaum überschaubaren und unzureichend strukturierten Problembereichen.

 

Die Prospect Theory

Während die ursprüngliche Nutzentheorie alle Gewinne als positiv definiert und bestimmt, dass sich der Akteur für den Maximalgewinn entscheidet geht die neue Nutzentheorie, die Prospect Theory, auf den Entscheidungsprozess des Akteurs ein: dieser wird in zwei Phasen, das editing (Bearbeitung) und evaluation (Bewertung) unterteilt.

In der ersten Phase – dem editing – ordnet der Akteur die möglichen Entscheidungen heuristisch in Bezug zu seinem Referenzpunkt. Alle Ergebnisse unterhalb des Referenzpunktes werden als Verluste wahrgenommen, alles oberhalb dessen als Gewinn. Möchte ein Trader ungenutztes Cash (z.B. 2.000€) gewinnbringend anlegen und innerhalb der nächsten Monate 10% Gewinn, also 200€ Profit, machen, dann liegt sein Referenzpunkt bei der Bearbeitung und Beurteilung möglicher Anlageobjekte bei +10%. Alle Ergebnisse unterhalb nimmt die Person emotional tatsächlich als Verlust wahr. Entscheidend ist also nicht der Gewinn, sondern der Referenzpunkt, welcher von außen beeinflusst werden kann (siehe kognitive Verzerrungen, Ankereffekt). Der Moment, wenn der persönliche Referenzpunkt festgelegt wird, nennt sich Kodierung. Auf die Kodierung folgt das heuristische Einordnen der Möglichkeiten und abschließend vier weitere kleine Phasen, welche vor allem der Vereinfachung dienen: Die Wahrscheinlichkeiten identischer Ergebnisse werden addiert, gemeinsame Bestandteile, welche für alle Möglichkeiten gelten, ignoriert, Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten vereinfacht, sowie stochastisch dominierende Aspekte ausgesondert.

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In der zweiten Phase – der evaluation – werden die vorhandenen Alternativen (Prospects) bewertet. Hierbei ist einerseits die Wertefunktion und andererseits die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion entscheidend. Wie wir bereits wissen wird jedes Ergebnis, welches besser als der Referenzpunkt (Mindesterwartung) abschneidet, als Gewinn wahrgenommen. Hierbei ist anhand der Wertefunktion erkennbar, dass jeder anfängliche Zusätzliche Gewinn über den Referenzpunkt hinaus als besonders starker Wertzuwachs empfunden wird. Der Gewinn-Zuwachs über den Referenzpunkt +10% auf +14% (4% mehr) hinaus wird als wesentlich wertvoller wahrgenommen als ein Gewinnzuwachs von +20 auf +24% (ebenfalls 4% mehr) bei gleichem Referenzpunkt. Gleiches gilt auch im negativen Bereich. Fällt der Zuwachs einer Position um 2% auf nur noch +8%, so wird dies einerseits als Verlust empfunden und wesentlich intensiver verarbeitet als ein Sinken um 2% von zum Beispiel -4 auf -6%. Neben dem Empfinden des Wertzuwachses werden die möglichen Alternativen durch den Akteur ebenfalls nach der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet. Zuletzt entscheidet sich die Person für einen Wert, welcher bezogen auf den persönlichen Referenzpunkt, die Werte- und Wahrscheinlichkeitseintrittsfunktion am besten abschneiden könnte.

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Kognitive Verzerrungen

Im Entscheidungsprozess der Prospekt Theory spielt der Charakter und die Psyche des Akteurs eine gewichtige Rolle. Er muss kodieren, gewichten, sortieren, bewerten und entscheiden. Dies muss er heuristisch meist unter Zeitdruck, Einflüssen aus seiner Umwelt und ohne vollständige Informationen und erprobte Lösungsmethoden umsetzen. Hierbei sind kognitive Verzerrungen (biases) erkennbar. Hierbei handelt es sich um unbewusste systematisch fehlerhafte Neigungen des Akteurs beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen.

Darunter fallen zum Beispiel die Nähe-Verzerrung und das Priming. Bei Ersterem kann die Nähe einer Person zu einer Problemstellung zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Dies zeigt bei Tradern vor Allem daran, dass in Depots oft jene Branchen übergewichtet werden, welche auf Grund von Kontakten, Empfehlungen und des eigenen Berufs besonders gut kennt. Diese Thematik werde ich im siebten Artikel unter Sektoren-Verliebtheit nochmals genauer erklären. Zu viel Nähe zu einer Thematik macht blind für Optionen. Wer beispielsweise im Bankwesen arbeitet setzt selbst vor allem auf Banken. Er hinterfragt seine eigene Branche, also auch seine berufliche Zukunft, nicht und glorifiziert seinen Sektor. Auch das Priming erklärt die Art der kognitiven Verzerrung sehr gut: Hierbei wird eine Entscheidung durch ehemalige bewusste oder meist unbewusste Erfahrungen beeinflusst. Auf Grund einer negativen Erfahrung mit einer Aktie, beispielsweise, nimmt der Akteur diese auch in Zukunft als negativ wahr und wehrt sich unbewusst, aus Angst die negative Erfahrung zu wiederholen, dagegen die Aktie nun als bestes Anlageobjekt zu klassifizieren. Rational wäre die Aktie wahrscheinlich die beste Entscheidung. Da der Anleger jedoch kein homo oeconomicus ist und auch nicht Mr. Spock heißt verhindert eine negative Vorgeschichte unbewusst diese Erkenntnis.

Die an der Börse wohl am meisten verbreitete und kostenintensivste kognitive Verzerrung ist der Dispositionseffekt. Umfragen in den letzten Jahrzehnten ergaben immer wieder, dass bis zu 80% der Anleger vom Dispositionseffekt betroffen sind. Dieser erklärt, warum Trader oftmals Gewinnpositionen viel zu schnell verkaufen und Verluste dagegen zu lange laufen lassen. Die erste Ursache dieses Effektes ist, dass Verluste etwas doppelt so stark empfunden werden als Gewinne. Gewinne werden als angenehme Selbstverständlichkeit wahrgenommen und meist durch Verkäufe zügig realisiert. Verluste dagegen wird als überaus unangenehmes und unerwartetes Scheitern empfunden. Hierbei tun sich Anleger schwer den Verlust zu realisieren und hoffen auf eine Umkehr des Kurses. Die zweite Ursache ist die bereits beschriebene Wertefunktion. Die ersten Gewinne werden als am wertvollsten empfunden. Mit steigenden Gewinnen nimmt das Empfinden über den Wertezuwachs ab, sodass frühzeitig verkauft wird, wenn kein Nutzen-/Wertezuwachs mehr empfunden wird. Auf der anderen Seite werden die ersten Verluste am heftigsten wahrgenommen. Mit der Zeit nimmt dieses Gefühl jedoch ab und der Anleger empfindet zunehmende Gleichgültigkeit bei weiteren Verlusten. Aus diesem Grund verkaufen Anleger Verlust-Positionen meist nicht, da das anfänglich negative Gefühl schwächer (ja fast besser) wird je größer die Verluste werden. Verrückt aber wahr.

Weitere kognitive Verzerrungen sind beispielsweise die Vermessenheitsverzerrung (overconfidence bias) unter welcher die Überschätzung des Akteurs durch sich selbst gemeint ist. Der Trader nimmt sich selbst zu talentiert, zu mutig, zu wissend, zu könnend oder zu überlegen war. Vor Allem in guten Phasen mit zahlreichen Erfolgen kann die Vermessenheit an die eigene Leistungsfähigkeit und Überlegenheit der Konkurrenz zu einer überzogenen Selbstbewertung und Verlust von Realitätsbezug und gesundem Misstrauen führen.

Die Ankerheuristik ist beispielsweise bei der Kodierung des Referenzpunktes zu finden. Hierbei wirken Einflüsse von außen wie ein Anker der eigenen Einstellung. Bei Untersuchungen hatte man beispielsweise Passanten in einer Fußgängerzone befragt was sie tendenziell bereit sind für den Naturschutz zu spenden. Den Anker hatte man in den Fragen „Wären Sie bereit $5 zu spenden?“ und „Wären Sie bereit $400 zu spenden?“ versteckt. Der Anker tat sein Übriges, sodass die erste Gruppe durchschnittlich bereits war $20 zu spenden während die zweite durchschnittlich $143 angab. Den Anker nehmen wir selten bewusst wahr. Es sind Kommentare, Meinungen, Artikel, Analysten, welche uns beeinflussen.

Sturheit und die Status-Quo-Verzerrung sind machen uns als Trader ebenfalls zu schaffen. Bei der Sturheit geben wir eine einmal gemachte Entscheidung nur sehr ungern wieder auf. Wer sich für ein Unternehmen entscheidet lässt sich ungern vom Gegenteil überzeugen. Dies erkennen wir daran, dass manche Trader trotz Zureden und Aufzeigen von Fakten an manchen Werten unbeirrt festhalten. Wir geben auch den Status Quo ungern auf. Auf der einen Seite nehmen wir Vorteile nicht wahr, nur um den Status Quo zu erhalten. Wir empfinden das Risiko des Fortschritts als zu groß als dass wir den Status Quo verlassen würden. So ergaben Umfragen in Unternehmen, dass die wenigsten Arbeitnehmer bereit wären weniger als die gesetzlichen 24 Urlaubstage zu erhalten, selbst wenn sie für jeden nicht genommenen Urlaubstag unterhalb der 24-Tage-Marke das Drei- bis Vierfache des Gehalts für einen normalen Arbeitstag bekommen würde. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist der Status Quo. Und Veränderung, wie vorteilhaft sie auch sein mögen, werden meist nicht wahrgenommen. Und entfernen wir uns vom Status Quo, so sind wir bereits viel mehr Risiko einzugehen als sonst um den Status Quo wiederherzustellen. Dies könnte der Grund für das ebenfalls unter unerfahrenen Anlegern desaströse Verbilligen sein bei dem Trader Verlustpositionen immer wieder durch Nachkäufe ausweiten in der Hoffnung wieder den Status Quo, also keine Verluste, wiederherzustellen.

Auch setzen wir uns stetig falsche Prioritäten und wenden unverhältnismäßig viel Zeit für kleine Entscheidungen und dagegen wenig Zeit für wichtige Entscheidungen auf. Auch das unangebrachte Bedauern sollte jeder von sich kennen. Vergangene Verluste werden unverhältnismäßig lange bedauert. Gefahr birgt auch das Täuschen auf Grund einer kognitiven Dissonanz. Hierbei gerät der Trader in eine unangenehme Situation in der er seine Kognitionen, wie Gedanken, Gefühle und Wünsche, nicht einordnen kann. In einer solchen Phase fühlt sich der Mensch unwohl. Dies kann beispielsweise passieren, wenn zahlreiche Trades missglücken und der Trader nicht einordnen kann was er von sich und der Situation halten soll. Ein Ausweg bietet hierbei schnell die Täuschung. Wir verändern den Blickwinkel auf die Situation und behaupten, dass wir es eigentlich ja anders machen wollten und somit doch eigentlich richtiglagen. Wir verändern unsere Einstellung und senken unsere Erwartungen. Waren vorher noch 5% Verlust hinnehmbar so sind es nun 15% auch und der Trade war doch nicht so schlimm. Informationen und die Situation werden verdreht, abgewertet und geleugnet um uns selbst wieder ins rechte Licht zu rücken. Auch greifen wir zu beruhigenden Mitteln, wie Sport, Freizeit, Mediation oder schlimmstenfalls Alkohol. Umgangssprachlich ist all dies als „Schönreden“ bekannt.

 

Optimiere deinen Entscheidungsprozess

Jeder von uns findet sich bewusst bei den kognitiven Verzerrungen wieder. Unbewusst haben wir wahrscheinlich alle jede dieser Verzerrungen durchgemacht. Das ist menschlich und normal. Doch nun kennen wir den Entscheidungsprozess und die Gefahren des Einflusses unserer Psychologie. Börse basiert eben nicht nur auf Zahlen und Charts. Bereits am Anker-Effekt erkennen wir die Macht der Analysten, sodass hohe Gewinne eines Unternehmens teilweise negativ bewertet werden, weil die Erwartung der Analysten und somit des Marktes höher lag. Wie bereits im ersten Beitrag zur Verhaltenspsychologie dargestellt bewertet die Börse die ökonomische Realität basierend auf der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Erwartungen an die Zukunft). Und in diesen Bewertungen steckt sehr viel Psychologie.

Auf der einen Seite kann und sollte ein Trader an sich selbst arbeiten, was ich auch im sechsten Beitrag (Traden ist Charakterbildung) nochmals thematisieren werde. Welche Verzerrungen haben wir in unserem Entscheidungsprozess? Wie können wir diese Einflüsse erkennen und verhindern? Wie schaffe ich es als Trader möglichst rational und möglichst wenig emotional zu agieren? Traden heißt nicht nur gegen den Markt zu spielen, sondern auch gegen sich selbst und seine menschlichen Fehler.

Auf der anderen Seite können wir unser Wissen über kognitive Verzerrungen am Markt gewinnbringend verwenden. Was sind die vorhanden Anker, welche das Denken die Einstellung des Marktes beeinflussen? Wann fühlen sich die meisten Anleger unwohl und tendieren zu schnellen und irrationalen Entscheidungen? Mit der Psychologie hält man den Schlüssel in der Hand den Markt nicht nur zu lesen (Zahlen & Charts), sondern auch zu verstehen. In den kommenden Beiträgen möchte ich weitere Szenarien beschreiben, welche uns und den Markt beeinflussen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

 


[1] http://www.economist.com/node/268946

by Sep 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

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Trading ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Das Handwerk des Tradings und Investierens zu erlernen benötigt viel Zeit, Leidenschaft und erfahrungsbringende aber doch schmerzvolle Rückschläge. Erfolg an der Börse basiert nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Erfahrung, Glück und Talent. Es bedarf jahre- bis jahrzehntelanger Zuneigung des Traders zur Börse bis er nicht mehr größtenteils von Glück abhängig ist, sondern auch seine Erfahrung und sein Wissen gewinnbringend ausspielen kann. Indikatoren, Strategien, Muster, Chart-Technik, Fundamental-Analysen und andere Dinge vereinfachen die Komplexität des sich täglich verändernden Marktes. Doch viele Trader sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Börse umfasst zwar Ökonomie, Mathematik und Finanzwirtschaft. Doch grundlegend basiert sie auf dem Verhalten von Menschen. Börse basiert auf Psychologie.

„Die Börse reagiert gerade mal zu 10 Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie“
André Kostolany

 

Mathematiker und Ökonomen haben nicht unbedingt einen Vorteil an der Börse. Sie denken viel zu rational. Mathematiker erwarten berechenbare Vorgänge und Ökonomen versuchen den Markt in stupide Modelle zu pressen. Doch die Börse ist launisch, wild und oft sehr irrational. Wir können die Zukunft nicht berechnen oder an Modellen ablesen. Auch wenn Algorithmen und Super-Computer immer größere Anteile am Handel haben, ist weiterhin der Faktor Mensch entscheidend. Und Menschen agieren nicht immer rational. Der Homo Oeconomicus existiert nicht. Menschen reagieren unter dem Einfluss von Emotionen, Stress, Angst und Euphorie unlogisch und unerwartet. Wer sich mit der Verhaltenspsychologie am Finanzmarkt, der sogenannten Behavioral Finance, beschäftigt, kann sein Wissen und sein Können als Trader daher maßgeblich verbessern.

„Home Oeconomicus“

Der Home Oeconomicus ist eine Entwicklung der Ökonomie. Bei diesem Konzept handelt es sich um einen menschlichen Markt-Akteur, welcher stets rational und optimierend agiert. Diese fiktive Person klammert menschliches Verhalten, wie Schusseligkeit oder Ungenauigkeit, genauso wie Psychologie, Angst oder Stress aus. Dies dient dazu, die Ökonomie in einfache Modelle pressen zu können. Beim Home Oeconomicus folgt B auf A. In der Realität ist dem jedoch nicht so.

„Ein Großteil aller unserer Entscheidungen werden ganz stark von psychologischen Faktoren beeinflusst werden […] weil wir Homo Sapiens sind. Das ist eine Frage unserer Gattung. Das ist naturgegeben. In unserer Evolution haben uns bestimmte Flucht- und Verhaltensreflexe das Überleben gesichert. Diese Reflexe begehen wir bewusst und leider auch oft unbewusst. Auch heutzutage noch.“

 Winfried Neun

  

Ausmaß der Psyche – die Spieltheorie

Um dir einen kurzen Eindruck über das Ausmaß der Psyche als Einfluss auf das menschliche Verhalten zu geben, möchte ich kurz mit dir einen Blick in die Spieltheorie werfen. Diese untersucht das Verhalten von Spielern und entwickelt daraus Theorien über das rationale und irrationale menschliche Vorgehen.

Beeindruckend ist beispielsweise das Feiglings-Spiel. Hierbei fahren zwei Personen mit einem Auto und hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Nun haben beide Spieler je zwei Möglichkeiten. Sie können ausweichen und behalten ihr Leben, aber verlieren ihre Ehre als gedemütigter Verlierer und Feigling. Sie können weiterfahren und riskieren ihren Tod. Fahren sie jedoch weiter und der gegenüber weicht aus, so behalten sie ihr Leben und gehen als mutiger Sieger aus diesem Spiel heraus. Für was sollen sie sich entscheiden? Sie stecken in einem verhaltensabhängigen Dilemma. Definieren wir nun, dass „Ausweichen“ einen Nutzen-Wert von einem Punkt hat, weil der Spieler überlebt, und „Siegen“ ebenfalls einen Punkt auf der Nutzen-Skala einbringt, erkennen wir die Krux dieses theoretischen Spiels: Fahren beide Spieler weiter liegt der Nutzen für beide auf Grund ihres Todes bei null. Weicht ein Spieler stetig sechs Mal in Folge aus, so verliert er zwar seine Ehre, aber überlebt. Sein Nutzen liegt bei 6 Punkten. Der Spieler, welcher sechs Mal weiterfährt und darauf vertraut, dass der andere stetig ausweicht, erreicht einen Nutzen von 12. Er überlebt und gewinnt. Hieraus ist zu erkennen, dass die wohl irrationalste und dümmste Entscheidung (weiterfahren) jedoch diese mit dem höchsten Nutzen für den Spieler ist.

“Das Geheimnis des Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.”
John Maynard Keynes

Während das Feiglings-Spiel beeindruckend das Dilemma situativer Entscheidungen von Menschen aufzeigt, hat es jedoch kaum praktischen Nutzen. Schaut man sich jedoch beispielsweise das Spiel „Dollarauktion“ an, so können wir bereits Rückschlüsse auf die Entstehung von Spekulations-Blasen ziehen. Bei diesem Spiel bieten zwei Personen um einen Dollar. Immer abwechselnd können Sie das Gebot um mindestens einen Cent erhöhen. Entscheidend ist, dass beide Personen, also Gewinner und Verlierer, ihr letztes Gebot an die Bank zahlen müssen, aber nur der Gewinner den Dollar erhält. Nun bieten die Personen los. 4, 12, 25 Cent und so weiter. Zwischen 50 und 99 Cent denkt meist der erste Bieter ans Aussteigen. In diesem Moment wird ihm oder beiden klar, dass sie nun bereits Geld verlieren würden, wenn sie aussteigen. Selbst beim Erreichen von Geboten von 98 und 99 Cent bieten die Spieler weiter und spekulieren darauf, den Dollar zu gewinnen und bei einem Gebot von zum Beispiel 1,20 Dollar nur 20 Cent Verlust zu machen. Versuche ergeben, dass Spieler sich durchschnittlich auf $3,40 hochschaukeln. Sie bieten das Dreifache des Wertes dessen, was sie erhalten könnten. Dies basiert auf der gegenseitigen Beeinflussung. Die Spekulanten regen sich gegenseitig zu einem Verhalten an, welches die Preise explodieren lässt.

„Seien sie ängstlich wenn die Welt gierig und seien sie gierig wenn die Welt ängstlich ist“
Waren Buffett

 

Kern der Börse – Bewertung

Nun kann man nicht behaupten, alles sei Psychologie. Börse ist eben auch ein Kapitalmarkt und eine Abbildung konjunktureller und wirtschaftlicher Begebenheiten. Wie viel Anteil menschliches Verhalten an Kursbewegungen hat, wird man auf der einen Seite nicht bestimmen können und auf der anderen Seite ändert sich der Anteil an jedem Tag und in jeder Sekunde. Doch ich wage zu behaupten, dass die meisten Ursachen größtenteils auf psychologische Gründe zurückführbar sind.

Ist Psychologie tatschlich so wichtig? Die gehandelten Bewertungen an der Börse basieren auf fundamentalen Daten. Die ökonomische Realität bildet das Fundament der Bewertung. Die Kurse sind jedoch losgelöst und basierend auf menschlichen Verhalten entstehen Über- und Unterbewertungen. Immer wieder werden diese korrigiert, wenn sich bei Veröffentlichung von Konjunktur- oder Unternehmensdaten zeigt, wie weit sich die Anleger vom „wahren“ Wert entfernt haben. Das Verhalten der Anleger lässt sich durch Kennzahlen, wie z.B. dem KGV, oder das Herdenverhalten anhand der Chart-Technik erkennen.

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Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Millionen Menschen handeln täglich. Dabei beeinflussen sie sich gegenseitig in ihrem Verhalten. Ihr Verhalten wird in steigenden oder fallenden Kursen ausgedrückt. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Jeder reagiert auf den anderen. Erinnerst du dich an die Spieltheorie und zu welchen verrückten und nur schwer nachvollziehbaren Situationen es dadurch kommen kann? Chart-Technik versucht hierbei Muster dieses Verhaltens zu erkennen und zu definieren. So sind Unterstützungen und Widerstände nichts anderes als psychologisch bedeutende Marken. Ob 9000, 9500, 10000 oder 11000. Runde Zahlen sind beispielsweise immer gewichtige Marken. Menschen mögen runde Zahlen. Diese wirken wie Meilensteine bei einem Rennen, bei dem die Distanzen zum Ziel stetig gerade sind.

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Auf Grund der Technologisierung und Digitalisierung wird auch der Finanzmarkt immer schneller und größer. Sekündlich zirkulieren unglaublich große Datenmengen und Geldsummen am Finanzmarkt. Der einzelne Akteur kann dies nicht überblicken. Dennoch muss er trotz dieser schnelllebigen, unübersichtlichen und komplexen Situation Entscheidungen treffen (Heuristik). Er steht unter Druck, sein Geld möglicherweise zu verlieren. Aus diesem Druck der Situation entsteht Stress und mit dem Stress kommen die Emotionen: Angst, Misstrauen, Euphorie, Wahrnehmungsverzerrung und viele andere Dinge. Viele Entscheidungen werden nicht rational, sondern emotional getroffen.

„Geduld ist die oberste Tugend des Investors“
Benjamin Graham

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Erfolg an der Börse durch Verständnis für Verhaltenspsychologie besteht jedoch nicht nur daraus, das Verhalten anderer zu erkennen und zu verstehen, sondern auch am eigenen Verhalten. Wir machen als Trader Fehler. Das ist menschlich. Trading ist daraus resultierend eine Form der Charakterbildung. Wir müssen uns jeden Handelstag aufs Neue disziplinieren, konzentrieren und am Riemen reißen. Emotionen sind unser größter Feind. Wir arbeiten vorwiegend mit uns selbst und mit anderen.

Chart-Technik, Indikatoren, Strategien und andere Mittel der Markt-Analyse sind berechtigt und wichtig. Ein Anleger sollte sich jedoch nicht nur auf die Bäume fixieren, sondern den Wald im Ganzen betrachten. Psychologie wird an der Börse unterschätzt. Die meisten Trader schlagen sich mit Signalen, Formeln, Berechnungen, Wahrscheinlichkeiten und anderen Dingen herum und vergessen dabei den Faktor Mensch. Nur wer dies beachtet und in seine Gedanken und Konzepte einfließen lässt, wird ein abgerundetes Verständnis vom Markt erhalten.

Mein Ziel ist es, mit diesem Artikel dein Interesse für die Behavioral Finance zu wecken. Psychologie wird von Männern, welche die Börse weiterhin dominieren, oftmals als verweichlicht abgelehnt. Philosophieren und über Gefühle reden und nachdenken, behagt vielen nicht. Doch genau dies ist ein wichtiger Faktor für deinen Erfolg. In den kommenden Artikeln möchte ich weiter auf den Einfluss der Psychologie an der Börse eingehen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme (folgt in kürze)
  5. Anomalien der Heuristik (folgt in kürze)
  6. Traden ist Charakterbildung (folgt in kürze)
  7. Psychologische Fallen (folgt in kürze)
  8. Praxisbeispiele (folgt in kürze)

 

by Sep 09, 2016 Keine Kommentare
Gesundheitsrisiko Trading

Gesundheitsrisiko Trading

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„Nirgendwo ist die Suizidrate in London höher als im Finanzdistrikt. […] Statistiken zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, sich eine stressbedingte Krankheit zuzuziehen, in der Finanzbranche um 44 Prozent höher ist als in den anderen Wirtschaftszweigen.“ Quelle: Die Welt

Zum Trading gehört mehr als nur Zahlen zu lesen, Charts zu analysieren und möglich bevorstehende Kursbewegungen zu erkennen. Trading heißt nicht nur den Markt zu verstehen, sondern auch sich selbst. Viele Fehler und Verlust-Trades gehen auf persönliches Versagen zurück. Suche den Fehler bei dir selbst! Was kannst du an dir und deinem Verhalten verbessern? Oft wird hierbei das gesundheitliche Risiko des Tradings unterschätzt. Die meisten Menschen kümmern sich erst um ihre Gesundheit, wenn diese bereits Schaden genommen hat. Mit diesem Artikel möchte ich dich sensibilisieren vorzusorgen und dich bereits jetzt um deine Gesundheit zu kümmern.

„Stress ist inzwischen einer der weit verbreitetsten Gründe für den Ausbruch von Folgeerkrankungen in Deutschland.“ Quelle: Paradisi

Stress ist ein durch über die jahrmillionen durch Evolution perfektioniertes lebensrettendes Körperprogramm. Entsteht eine bedrohliche Situation, so wird das Zwischenhirn aktiviert und Stress oder Angst wird signalisiert. Der Sympathikus übernimmt diese Erregung und informiert die Nebenniere. Das Nebennierenmark gibt daraufhin Adrenalin und Noradrenalin in das Blut ab. Herzschlag und Blutdruck steigen und das Kreislaufsystem und der Stoffwechsel arbeiten intensiver. Auch werden Zucker- und Fettreserven abgebaut. Diese körperliche Reaktion dient dazu, den Menschen für die Flucht oder den Kampf bereit zu machen und alle Kraftreserven für diesen Notfall bereitzustellen. Es gibt dementsprechend durchaus positiven und negativen Stress.

Auch Trader sind Stress ausgesetzt. Sehr starkem Stress sogar. Die Börse steht niemals still. Sekündlich sieht sich ein Trader mit neuen Situationen konfrontiert. Er muss andauernd unter Zeitdruck, Erfolgsdruck und ohne vollständige Information entscheiden. Er ist stetig gestresst. Dabei ist Dauerstress extrem gesundheitsschädigend. Der Körper benötigt nach einer Stressphase eine Erholungsphase. Entfällt diese Erholung, so kann es passieren, dass der Körper es nicht mehr schafft in Ruhephasen zurückzuschalten. Er hat gelernt, durchgehend in Alarmbereitschaft zu sein. Folgen dessen sind eine Schwächung des Immunsystems mit nach sich ziehender Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Auch das Risiko für die Verstopfung der Blutbahnen durch Fett, Zucker oder verklumpende Blutplättchen bis hin zu Gefäßverschluss in Herz, Lunge oder Gehirn erhöht sich. Rauchen, Alkohol, Tabletten und unregelmäßiges Essen lindert zwar das Empfinden von Stress für eine kurze Zeit, verschlimmert jedoch die körperliche Belastung und maximieren den Schaden.

  • Durch Stress kommt es zu einer erhöhten Konzentration von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol im Blut, was langfristig Schäden an den Blutgefäßen nach sich ziehen kann.
  • Durch die Aktivierung der Muskeln als Schutzreaktion kann es durch Stress zu Verspannungen kommen: Rückenschmerzen sind eine Folge von Dauerstress.
  • Stress wird als möglicher (Mit-)Verursacher von Übergewicht gehandelt. Im Dauerstress greift der Körper durchgehend Energiereserven an. Kommt der Mensch nicht mehr in den Ruhezustand, signalisiert das Gehirn durchgehend, dass der Mensch mehr Nahrung zu sich nehmen soll. Was das Gehirn nicht weiß: Im Gegensatz zu Urzeiten werden tatsächlich keine Energiemengen für Kampf und Flucht mehr benötigt. Wir Menschen (je nach Charakter unterschiedlich) essen in Stresssituation dennoch zu viel.
  • Es kann zur Schwächung der Sehfähigkeit, Leistungsfähig, Schlafstörungen, Kopfschmerzen kommen
  • Dauerstress ist ein Risikofaktor für Herzkrankheiten und Magen-Darm-Erkrankungen

 

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Dauerstress kann ernsthafte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.

„In den USA gaben laut „Brain Facts 2003“ 60 % der befragten Erwachsenen an, wenigstens einmal die Woche unter einer ausgeprägten Stressbelastung zu stehen. 60 % der Gesundheitsprobleme, derentwegen erwachsene US-Amerikaner einen Arzt aufsuchen, sind durch Stress ausgelöst oder damit assoziiert. Der durch Stress verursachte volkswirtschaftliche Schaden – stressbedingte Arbeits- und Produktionsausfälle sowie Ausgaben im Gesundheitssystem – wird auf jährlich 300 Milliarden US $ geschätzt.“ Quelle: Stress ist in unserer Arbeitswelt ein Volksleiden, Ärzte-Zeitung, 18. Januar 2010, S. 6

Wichtiges Wissen: Die Dynamik von Stress und Erholung (Eichhorn 2006):

  • Je länger und stärker die Belastungsphase dauert, umso länger dauert es, bis man sich davon erholt hat und wieder fit in die nächste Belastungsphase hineingehen kann
  • Nach einem stressigen Arbeitstag fühlt man sich einerseits innerlich überdreht und angespannt, andererseits energie- und kraftlos. Fachleute sprechen von low-effort-activities, also Aktivitäten, die keine große Anstrengung erfordern. Ungünstig an ihnen ist: Sie sind kaum erholsam
  • Belastung addiert sich auf. Ist man morgens um acht Uhr noch relativ locker, sieht es um elf oder fünfzehn Uhr schon wieder ganz anders aus.

Eine Studie der Uni Stl. Gallen ergab, dass Börsenhändler durchaus bedenklichere Werte des Verhaltens und Cortisols im Vergleich zu Psychopathen aufwiesen: „Die Trader ticken zwar in mancher Beziehung anders als die Psychopathen. Letztlich sind sie aber noch rücksichtsloser nicht nur auf den eigenen Gewinn, sondern vor allem auch auf die Schädigung anderer Spielpartner fixiert. Und gerade diese Aggressivität gegenüber anderen führt dazu, dass ihre Spielergebnisse nicht optimal sind.“ Quelle: Frank Wiebe, So züchtet man Psychopathen, scilogs.de

Nun wissen wir, dass Dauerstress extrem schädlich und ein großes Problem unserer modernen Gesellschaft ist. In Zeiten hoher Anforderungen im Beruf, unsicherer Arbeitsplätze und stetigem Bombardement mit Informationen durch Smartphones, Tablets, Werbung und Social Media kommt der Mensch kaum noch zur Ruhe. Höher, weiter, schneller, kränker. Erholung ist für Trader Pflicht! Wer sich in den Zustand des Dauerstresses versetzt und nur unzureichend für Erholungsphasen sorgt, spielt mit seiner Gesundheit. Reichtum rechtfertigt keine gesundheitlichen Schäden. Geld lässt sich verdienen. Unseren Körper können wir nur einmal verbrauchen. Kaputt ist kaputt. Doch was kann ich tun, um mich optimal zu erholen?

 

Erholung und Entlastung verringert die Gefahr stressbedingter Folgeerkrankungen

  • sportliche Bestätigung
  • Entspannungsmethoden
  • Hausmittel
  • Stressoren entfernen

Durch sportliche Aktivitäten werden Endorphine ausgeschüttet, was die mental-health-1420801_640Stimmung verbessert. Auch sind sportliche Menschen seltener durch stressbedingte Krankheiten betroffen. Trader sollten sich je nach Belastung täglich körperlich betätigen. Kleinere Ausdauerläufe oder andere Aktivitäten dienen hierbei bereits als Ausgleich. Zurückgreifen kann man auch gezielt auf Entspannungsmethoden. Gerne angewendet werden Yoga oder Meditation. Jeder Trader sollte dabei selbst herausfinden, welche Methoden ihm am besten liegen, um sich bestmöglich zu entspannen und für einen Ausgleich zum Stress zu sorgen. Diverse Hausmittel haben sich für die Stressbewältigung bewährt. So sollen fünf Tassen Kamillentee täglich den Stressabbau unterstützen und den Magen beruhigen. Die Einnahme von Giseng-Kapseln wirkt sich regulierend auf die Ausschüttung von Stresshormonen aus. Auch die Einnahme von Vitamin C, welches dem Blutdruck und der Menge an Stresshormonen entgegenwirkt, und Vollbäder mit Zusätzen wie Lavendel, Kamille oder Baldrian fördern die Entspannung. Schnell und einfach kann man seinen „Stress-Pegel“ senken, indem man Stressoren entfernt. Oftmals sind Radio, TV, Handy und andere Dinge zusätzliche Stress-Faktoren, welche den Menschen immens belasten. Das Entfernen von stressenden Einflüssen am Arbeitsplatz kann die Stressbelastung senken.

Wichtig zu beachten ist, dass wir alle über einen unterschiedlichen Charakter verfügen. Es gibt nicht denen einen Weg. Jeder muss seinen Weg selbst finden. Lernen Sie nein zu sagen und finden Sie herraus, welche Entspannungsmethoden für Sie am sinnvollsten sind. Ist es wohltuende Musik, Sport, ein Bad, Spazierengehen, Gartenarbeit oder andere Dinge? Gönnen Sie Ihrem Körper Pausen. Nach Jahren der Dauerbelastung sind die Schäden angerichtet und kaum mehr heilbar. Alles ist gut? Wirklich? Oder reden Sie sich das ein? Erliegen Sie nicht der Versuchung sich selbst zu belügen: Überheblichkeit und falsche Selbsteinschätzung sind nicht dienlich. Hinterfragen Sie sich kritisch. Auch wenn Sie sich noch fit und wohl fühlen, muss das nicht heißen, dass es Ihrem Körper genauso geht. Selbstdisziplin ist nicht für Ihre Gesundheit wichtig, sondern auch eine wichtige emotionale Stärke, welche Sie als Trader weiterbringen wird.

 

Zusatz: Suchtverhalten vermeiden

Wichtig ist auch, dass man sich selbst davor beschützt, süchtig zu werden. Spielsucht, aber auch Kauf- und Arbeitssucht sind alltägliche Gefahren an der Börse. Ist der Handel für Sie ein Rausch, den Sie brauchen? Ist es ein Nervenkitzel, den man immer wieder sucht? Könnten Sie auch ohne Trading auskommen? Informieren Sie sich über Suchtverhalten und schützen Sie sich vor sich selbst! Der Körper, Geist und Gesundheit sind wichtiger als jedes noch so kleine Prozent Rendite. Zufriedenheit basiert nicht auf Reichtum. Das ist wissenschaftlich erwiesen (Nobelpreis). Zufriedenheit mehrt sich nur bis zu einem bestimmten monatlichen Verdienst. Börse sollte Spaß machen, das Kapital mehren und schützen, aber den Trader nicht in die Sucht treiben.

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by Sep 07, 2016 Keine Kommentare
Fünf Punkte zur Brokerauswahl

Fünf Punkte zur Brokerauswahl

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Die richtige Brokerauswahl kann ausschlaggebend für den Erfolg einer Geldanlage sein, denn der Gewinn liegt hauptsächlich im Einkauf. Der günstige Einkauf von Waren und Dienstleistungen ist ein entscheidender Faktor bei jedem Geschäft. Und auch die Geldanlage zählt dazu. Bei jedem Kauf und Verkauf von Wertpapieren an der Börse müssen Gebühren an die Bank oder den Broker gezahlt werden Diese fallen je nach Anbieter allerdings höchst unterschiedlich aus.

Wie auch bei anderen Dingen im Leben gilt, dass die Entscheidung für einen neuen Broker nicht nur von dem Kriterium Preis abhängig gemacht werden sollte. Sicherlich nützt der günstigste Discount-Broker nicht viel, wenn dort nicht die Produkte gehandelt werden können, die in Ihrem Anlage-Fokus liegen. Neben dem Preis sollte auch darauf geachtet werden, welchen Service der ausgewählte Broker anbietet. Hierbei handelt es sich insbesondere um einfach zugängliche Marktinformationen, die bei den Anlageentscheidungen helfen. Genauso wichtig ist eine kundenfreundliche Bedienung der Ordermasken. Auf der Internetseite onlinebroker.net gibt es zahlreiche Tipps, die bei der Brokerauswahl helfen können.

 

Die folgenden 5 Punkte sollten bei der Broker Auswahl beachtet werden

1.Welche Produkte können bei diesem Broker gehandelt werden:

Nicht jeder Broker bietet alle gängigen Produkte an. Alle Broker eröffnen ihren Kunden eine breite Varianz an handelbaren Produkten und decken oft faktisch alles ab, was Anleger in der Regel handeln möchten.

2.Welche Handelsspesen fallen an:

Obwohl die meisten Broker definitiv günstiger als Filialbanken sind, gibt es dennoch große Unterschiede in deren Preismodellen. Wie bereits erwähnt, ist es aber wichtig, nicht nur auf den Preis zu achten, sondern viel mehr das komplette Paket zu betrachten. So kann man bestimmen, ob mit dem Broker kostengünstig, bequem und effektiv gehandelt werden kann.

3.Welche Orderwege stehen zur Verfügung:

Es sollte darauf geachtet werden, dass nicht jeder Broker alle Orderarten, also Internet, Telefon und Fax, anbietet. Oftmals stellen die Anbieter für die Order per Telefon oder Fax zusätzlich höhere Gebühren in Rechnung.

4.Welche Tagesgeldzinsen werden von dem Broker gezahlt:

Tagesgeldkonten gelten immer noch als beste Wahl, wenn es um kurzfristige „Parkmöglichkeiten“ geht. Aufgrund dieser Erkenntnis bieten viele Broker Konditionen an, die mit den besten Tagesgeldangeboten durchaus mithalten können. Leider gibt es allerdings immer noch Broker, die diesen Punkt vernachlässigen und nur geringe bis gar keine Zinsen zahlen.

5.Einlagensicherung – wie sicher ist das Geld beim Broker:

Die Einlagensicherung ist einer der wichtigsten Punkte bei der Auswahl des richtigen Brokers. Alle in Deutschland tätigen Banken sind Mitglieder eines Einlagensicherungsfonds. Bei ausländischen Unternehmen sollte darauf geachtet werden, wie hoch die entsprechenden Summen sind. Wer diesbezüglich lieber auf Nummer sicher gehen möchte, sollte nur deutsche Institute auswählen. Generell kann allerdings gesagt werden, dass das Bargeld im Depot auch bei einer Insolvenz des Brokers genauso wie bei der Hausbank geschützt ist.

by Aug 31, 2016 Keine Kommentare
Zertifikate – Kursgewinn und feste Zinsen

Zertifikate – Kursgewinn und feste Zinsen

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Bei Zertifikaten handelt es sich um sogenannte Schuldverschreibungen. Hierbei wird kein Eigentum an einem Unternehmen erworben oder wie im Falle eines Fonds, an einem Sondervermögen. Stattdessen wird dem Emittenten, meist einer Bank, lediglich Geld geliehen. Hierfür erhält man eine Gegenleistung. Es handelt sich dabei allerdings nicht um festen Zinsen, sondern beispielsweise um den gleichen Gewinn, den der DAX im selben Zeitraum gemacht hat.

Ein Zertifikat ist im Gegensatz zu einer Aktie oder einem Fonds-Anteil kein Anteilsschein. Es ist eher mit einer Anleihe zu vergleichen als mit eine Aktie. Zertifikate können zum Einen zu bestimmten Zeitpunkten fällig werden und zum Anderen eine unbegrenzte Laufzeit haben. Index-Zertifikate sind oft sogenannte Open-End-Zertifikate ohne festgelegten Verfallszeitpunkt. Discount-, Bonus- oder Garantie-Zertifikate wiederum haben oft einen Endtermin und müssen pünktlich zu diesem Termin zurückgezahlt werden.

 

Vor- und Nachteile von Zertifikaten

Was Zertifikate sind und worin die Vor– und Nachteile liegen, findet sich hier. Positiv zu bewerten ist in jedem Fall, dass sie ganz einfach über die Börse gekauft und wieder verkauft werden können. Dies hat den Vorteil, dass man keine teuren Ausgabeaufschläge zahlen muss, wie es so oft bei Investmentfonds der Fall ist. Bei solchen Fonds ist es häufig Gang und Gäbe, dass fünf Prozent des Betrags einbehalten werden.

Zertifikate sind meist deutlich billiger als klassische Investmentfonds. Es wird zwar ein Depot benötigt, dies gibt es heutzutage allerdings bei vielen Online-Brokern kostenlos. Mit einem Zertifikat lassen sich genau wie bei einem Fonds mehrere Aktien bilden. Dadurch, dass es zahlreiche Zertifikate auf Indizes wie den DAX, den Dow Jones oder den Hang Seng gibt, können Anleger ihr Risiko ganz einfach streuen. Ein weiterer Vorteil von Zertifikaten ist, dass sie relativ flexibel gestaltet werden können. Es ist zum Beispiel möglich, dass ein Zertifikat die Rückzahlung des investierten Kapitals ganz oder teilweise garantiert. Des Weiteren ist es möglich, dass alle Gewinne und Verluste mit einem Hebel nachgebildet werden.

Zu den Nachteilen von Zertifikaten gehören zum Beispiel die Kursrisiken und man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass Zertifikat nicht gleich Zertifikat ist. Der Zins und häufig auch die Rückzahlung sind im Gegensatz zu Festgeldern und Anleihen nicht garantiert, wodurch hohe Verluste möglich sind. Aufgrund der großen Unterschiede sollten sich Anleger daher genau informieren, was sie sich kaufen. Bei Zertifikaten gibt es zudem noch das sogenannte Emittentenrisiko.

Zertifikate unterliegen genauso wenig dem Einlagenschutz wie Anleihen von Banken. Dadurch kann es auch mal zu Pleiten kommen. Zusätzlich kommen bei Zertifikaten mit festgelegtem Verfallszeitpunkt noch Rollkosten hinzu. Hierbei handelt es sich um die Kosten, die entstehen, weil ein altes Zertifikat fällig wird und das Geld neu investiert werden muss. Hierfür entstehen beispielsweise Kosten, wie die Kaufgebühren oder auch ein Spread.

 

by Aug 31, 2016 Keine Kommentare
Der Hochhaus-Indikator

Der Hochhaus-Indikator

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Der Hochhaus-Indikator

Hochhaus-Indikator: Es gibt unzählbar viele Indikatoren und Weisheiten an der Börse. Teilweise sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – auf welche Signale soll man nun achten? Doch Börsianer lieben solche Indikatoren. Alles, was die Schnelligkeit, Komplexität, Unübersichtlichkeit und auch die schwere Verständlichkeit des Finanzmarktes runterbricht und vereinfacht darstellt, wird mit offenen Armen begrüßt. Wenn der jeweilige Indikator dann noch interessante Grafiken und bunte Bildchen beinhaltet, ist die Börse überzeugt und achtet auf dieses Barometer.

Es gibt viele skurrile Indikatoren. So verglich George Taylor beispielsweise die Länge von Röcken mit Konjunkturzyklen und Finanzkrisen. Zu erkennen war, dass in Folge von Finanzkrisen meist relativ lange Röcke in den Läden zum Verkauf waren. Besserte sich die wirtschaftliche Situation, so wurden auch die Röcke im Sortiment wieder kürzer. Doch auch Herrenunterhosen, Lippenstifte, Babywindeln, Bohnen und viele andere Dinge müssen als Börsen-Indikator herhalten.

Ich möchte mich in diesem Artikel auf die Untergruppe der pseudo-makroökonomischen Indikatoren beziehen. Was viele als Kaffeesatzleserei abtun, ist durchaus aufschlussreich, interessant und begründbar. Pseudo-makroökonomische Indikatoren beziehen sich auf indirekt zur Makroökonomie beziehbare Ereignisse. In diesem Fall möchte ich auf den Hochhaus-Indikator bzw. Wolkenkratzer-Index eingehen.

1999 stellte Andrew Lawrence die Theorie auf, dass der Auftrag oder der Baubeginn für außergewöhnlich hohe Gebäude Informationen über die Zukunft einer Volkswirtschaft liefern kann. Wenn wir bedenken, dass Saudi-Arabien im März 2016 mit dem Bau am über 1.000 Meter hohen Kingdom Tower in Daschidda begonnen hat, läuft es Anlegern kalt den Rücken herunter. 2018 soll das neue höchste Gebäude der Welt fertiggestellt sein und genau das deutet laut Indikator auf eine kurz bevorstehende tiefgreifende regionale oder auch globale Krise hin.

Der Hochhaus-Indikator

Quelle: http://assets.inhabitat.com/wp-content/blogs.dir/1/files/2015/12/Jeddah-Tower-by-Adrian-Smith-Gordon-Gill-Architecture-1.jpg

 

Über Recherche-Arbeit entdeckte Lawrence, dass der Bau gigantischer Wolkenkratzer immer wieder mit konjunkturellen Zyklen und volkswirtschaftlichen Krisen in Relation gesetzt werden kann. Was Lawrence 1999 entdeckte, bestätigte Gunther Löffler 2010 nochmals in einem Diskussionspapier. Die Theorie besagt, dass Wolkenkratzer in einem Umfeld wirtschaftlicher Euphorie entstehen. Das bedeutet auch, dass die höchste Perfektion der Architektur in der Hochphase einer Konjunktur umgesetzt wird. Auf den Höhepunkt eines konjunkturellen Zyklus folgt jedoch der Einbruch der wirtschaftlichen Kraft. Darauf deutet der Bau neuer Wolkenkratzer hin.

Die wirtschaftliche Blütephase der USA drückte sich auch durch den Bau der meisten und höchsten Gebäude der Welt aus. Amerika war das Land der Wolkenkratzer. Wir alle kennen die typischen Skylines der US-Metropolen. Mittlerweile ist die USA weltweit nicht mehr der Star der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern China. Dementsprechend wundert es nicht, dass seit 2012 die meisten Wolkenkratzer nicht mehr in den USA, sondern in China errichtet werden. 7 von 10 Baustellen neuer Giganten fand man 2014 in China.

Die Planung und Finanzierung dieser aufwändigen und teuren Gebäude geschieht meist in der konjunkturellen Hochphase einer Volkswirtschaft. Da der Bau jedoch mehrere Jahre in Anspruch nimmt, steht es kurz vor, während oder kurz nach der Fertigstellung des Hochhauses bereits nicht mehr so gut um die Wirtschaft des jeweiligen Landes. So startete 2004 der Bau des mit 828 Metern heutzutage noch höchsten Gebäudes der Welt (fast doppelt so hoch wie das Empire State Building) – des Burj Khalifa. Bis zur Fertigstellung 2010 brach Ende 2007 bereits die Weltwirtschaftskrise aus. Bezeichnend ist auch, dass die Kosten über 1,5 Milliarden Dollar ursprünglich privat von der königlichen Familie von Dubai finanziert werden sollten. In Folge der Krise musste jedoch der Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan von Abu Dhabi finanziell einspringen. Aus diesem Grund wurde das zuvor Burj Dubai genannte Gebäude auch in Burj Khalifa umbenannt. Der Bau des geplant über 1.000 Meter hohen Nakheel Tower in Dubai wurde auf Grund der Immobilienkrise sogar gestoppt und bisher nicht fortgeführt.

Nicht nur in Dubai strebte man in Phasen der konjunkturellen Euphorie nach architektonischer Perfektion. 1993 starteten die Arbeiten am Petronas Tower im malaysischen Kuala Lumpur. Der 452 Meter hohe Turm wurde 1998 fertiggestellt – nur ein Jahr vor der Asienkrise. Konjunktur und Bau korrelierten auch bei der Errichtung des 501 Meter hohen Taipeh 101 in Taiwan. Ende des Jahrtausends wurde der Grundstein gelegt. Noch während des Aufbaus bis 2004 drittelte sich der Leit-Index von Taiwan. 1928 und 1929 wurden außerdem in den USA kurz vor der Krise sogar drei neue Wolkenkratzer in Auftrag gegeben. Das Rennen um die Höhen-Rekorde gewann am Ende das Empire State Building. Auch der Willis Tower in Chicago wurde beispielsweise ein Jahr vor der Ölkrise fertiggestellt.

Bekommen wir es nun also mit der Angst zu tun, wenn uns bewusst wird, dass Saudi-Arabien bereits am Jeddah Tower (ehemals Kingdom Tower) baut? Das Gebäude wurde 2011 in Auftrag gegeben und 2012 startete der Bau am Fundament. Das 1,2 Milliarden Dollar teure Gebäude soll spätestens 2018 die Baukunst der benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate übertreffen. Insgesamt investiert Saudi-Arabien seit Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar in den Bau von Jeddah Economic City am roten Meer.

by Aug 30, 2016 Keine Kommentare
Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

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Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen / verbilligen: Kennen Sie das? Sie eröffnen eine Position und diese entwickelt sich nicht wie geplant. Erst sind es nur wenige Prozent Verlust. Dann bereits 10% oder mehr. Sie müssen sich nun entscheiden, was Sie tun. Verlieren fühlt sich schlecht an (mehr zum Risikomanagement). Sie könnten nun den Verlust durch einen Verkauf realisieren. Dann müssten Sie sich jedoch den Fehltrade und Verlust eingestehen. Sie könnten die Position jedoch auch laufen lassen und auf ein glückliches Ende hoffen. Eine verzwickte und auch emotional geladene Situation.

 

Schlechtes Nachkaufen

Viele Anleger entscheiden sich nachzukaufen. Dieses Vorgehen nennt man „Verbilligen“. Das Kalkül dessen ist, durch einen zweiten, billigeren Einkauf den durchschnittlichen Einkaufspreis, bei dem Ihre Position plus-minus-null notiert (break-even), zu senken. Wenn Sie 5 Äpfel für jeweils 2€ kaufen und weitere 5 für jeweils 1€ dann liegt ihr durchschnittlicher Einkuafspreis von 5 Äpfeln bei jeweils 1,50€. Sie haben durchschnittlich billiger eingekauft. Sie haben verbilligt. Doch was kurz beschrieben sehr attraktiv klingt, birgt zahlreiche Fallen und ist für die meisten Trader der Einstieg zu noch größeren Verlusten.

Tabelle 1

Wann Verbilligen Fluch und wann Segen für einen Anleger ist, möchte ich an einem Beispiel erarbeiten.

Ein Anleger kauft beispielsweise bei einem Kurs von 24,00€ insgesamt 50 Aktien (siehe Abbildung). Nachdem die Aktie um 9% auf 21,84€ gefallen ist und er bereits 108€ von den anfangs investierten 1.200€ verloren hat, entscheidet er sich nochmal nachzukaufen. Zwar könnte er nun für dieselbe Summe, also 1200€, 55 Aktien erwerben, jedoch wird der Anleger bereits vorsichtiger und entscheidet sich mit einem besorgten Blick auf seine Geldbörse und die verlustbringende Position nur 45 Aktien im Wert von 982,80€ nachzufragen. Der durchschnittliche Einkaufspreis sinkt nun von 24,00€ auf 22,98€. Bei diesem Wert erreicht seine Position, welche aus mehreren Einzelpositionen besteht, nun den Break-Even-Point.

Tabellen 2

Doch erneut fällt die Aktie. Viele ungeübte Anleger lassen sich nun dazu verleiten immer öfter nochmals nachzukaufen. Es wird immer billiger und sie wollen diese Einstiegschancen immer wieder nutzen. Auch kommt oft der Gedanke auf, dass die Aktie nun doch mal drehen müsse. Schnell übernehmen also die Emotionen die Kontrolle und man lässt sich zu weiteren Verkäufen verleiten. Krampfhaft versucht man die verlustreiche und unangenehme Situation durch Nachkäufe zu beheben.

Die Probleme dessen liegen auf der Hand. Die vom Anleger investierte Summe ist mittlerweile 123% größer als gewollt. Kann er sich dies leisten? Kann er sich vor Allem die Verluste leisten? Durch die größere Positionssumme verliert er mit jedem weiteren Prozent, welchen die Aktie fällt, nun mehr Geld. Waren es anfangs bei nur 1.200€ noch 12€ je Prozent, so beträgt der neue Verlust 26,82€ je Prozent Kursrückgang. Er verliert nun 123% mehr pro Prozent Kursrückgang als zuvor.

Dies bedenken viele Anleger nicht. Des Weiteren verbilligen die meisten nicht konsequent. Sie senken das Investment je Nachkauf. Waren es anfangs noch 1.200€, wurden beim ersten Nachkauf 1.000 und dann nur noch 500€ eingesetzt. Der Anleger weiß, dass er es sich nicht leisten kann und bangt um die Verluste und hofft auf einen glücklichen Ausgang. Auf Glück sollte man an der Börse jedoch nicht setzen. Dann kann man auch ins Casino gehen. Die erste und verlustreichste Position hat durch ihre Größe (44,7% Anteil an der Gesamtsumme) weiterhin das meiste Gewicht. Die Nachkäufe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind gebührenpflichtige Nachkäufe mit fragwürdigem Nutzen. Während der Kurs um 16,66% gefallen ist, so konnte der Break-Even lediglich um 6,9% gesenkt werden.

Außerdem: Hätte der Anleger nicht verbilligt, so hätte er seine Position bei 20,00€ Kurswert mit „nur“ 200€ (16,66% Verlust) glattstellen können. Er hätte einen Verlust in Höhe von 200€ realisiert. Durch seine unkoordinierten und emotional ausgeführten Nachkäufe wären es nun bereits 281,90€ Verlust.

Gutes Nachkaufen

Tabellen 3

Verbilligen ohne Plan ist einer der teuersten Fehler, den ein Anleger machen kann. Doch kontrolliertes Verbilligen ist eine der bedeutendsten Möglichkeiten, vor Allem in volatilen und labilen Marktphasen, zumeist ungenutztes Kurspotential zu aktivieren. Der Anleger vermeidet nun Emotionen, indem er einen festen und zuvor festgelegten Investment-Plan für die Position besitzt. Er möchte bestenfalls aber auch maximal 1.200€ in die Aktie investieren. Da die Aktie aktuell fällt und er sich unsicher ist ob und wann diese dreht, sowie er sein Kapital schützen möchte, entscheidet er sich bewusst bei 24€, 21,82€ und 20€ mit jeweils 1/3 der Gesamtsumme, also jeweils 400€, einzusteigen.

Wir erkennen nun die Vorteile dieses Handelns: Der Anleger kann nun Verluste vermeiden. Wäre er sofort bei 24€ Kurswert mit 1.200€ eingestiegen, so er hätte 16,66% tiefer bereits 200,00€ verloren. Durch das verbilligende Aufbauen der Zielposition konnten die Verluste um rund 50% auf 100,76€ gesenkt werden.

Durch das gleichmäßige Investieren konnte der Anleger mit jeder Einzelposition trotz gleicher Summe (400€) mehr Aktien erwerben. Erst 17, dann 18 und zuletzt 20. Dies könnte ihm für Dividenden nun zu Gute kommen. Auch ermöglichte das gleichmäßige Verbilligen ihm einen besseren billigeren/durchschnittlichen Einstiegspreis. Im oberen Beispiel benötigte der Anleger noch einen Kurszuwachs um satte 11,75% von 20 auf 22,35€ um den Break-Even zu erreichen. Nun sind es lediglich 9,15% von 20 auf 21,83€ mit einer kleineren Positionssumme und weniger Verlusten.

 

Nachkaufen – Vorteil oder Nachteil?

Doch was passiert, wenn die Aktie nicht fällt, sondern steigt bevor man mit allen drei Teilkäufen eingestiegen ist? Pech! So wie man mit einer kleineren Position bei fallenden Kursen weniger Verlust macht, so macht man natürlich mit einer kleineren Position bei steigenden Kursen auch weniger Gewinn. Doch die Position kann man im Gewinnbereich natürlich auch step by tsep erweitern. Vor Allem für antizyklische Investoren kann das Verbilligen einerseits das Kapital schützen und auf der anderen Seite bei der Suche nach dem perfekten Einstiegspunkt helfen. Man geht nicht in einem Moment „All In“, sondern tastet sich in zwei oder drei Einkäufen an einen möglichst optimalen Einstieg heran. Bedenken sollte man jedoch die höheren Orderkosten. Verbilligt man mit zu hoher Frequenz (z.B. immer nach einem Prozent Kursverlust), dann übersteigen möglicherweise die Orderkosten schnell den möglichen zusätzlichen Gewinn.

Verbilligen ist Fluch und Segen zugleich. Es kann schaden, aber auch helfen. Entscheidend ist immer der klare Handelsplan. Wann möchte ich mit wie viel Kapital einsteigen? Was sind meine Ziele? Wann realisiere ich die Verluste? Handeln Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern nach Plan. Ein Plan, welcher auch kontrolliertes Verbilligen enthalten kann.

by Aug 24, 2016 Keine Kommentare
Warum ETF-Sparpläne statt ETF-Policen?

Warum ETF-Sparpläne statt ETF-Policen?

Gastartikel

Sparpläne erfreuen sich immer mehr an großer Beliebtheit. Hierbei gibt es staatlich geförderte und ungeförderte Verträge. Riester-Sparpläne werden zum Beispiel vom Staat bezuschusst. Allerdings sind an diese Zuschüsse etliche Bedingungen geknüpft, die diese Verträge zum Teil sehr kompliziert, teuer und auch unflexibel machen.

Daher sind die nicht geförderten Sparpläne deutlich variabler. Hierzu gehören auch Fondsparpläne, die zu den flexibelsten Sparprodukten am Markt zählen. Ein Beispiel von einem Fondsparplan kann man sich im Internet vorab angucken. Die Höhe der Einzahlungen kann variiert werden. Man kann mit den Zahlungen ganz aussetzen, zusätzliches Geld einzahlen und jederzeit verkaufen. Der Sinn der Sparpläne liegt darin, regelmäßig Geld zurückzulegen. Sparpläne auf Aktienfonds bieten über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren besonders gute Rendite-Aussichten. Daher eignen sie sich besonders gut als zentraler Baustein für den langfristigen Vermögensaufbau. Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität. Spardauer und -betrag sowie die Zahlungsintervalle können frei angepasst werden.

Vor- und Nachteile von ETF-Sparplänen und ETF-Policen

Ein großer Vorteil ist, dass es bei ETF-basierten Versicherungen keine versteckten Kosten gibt und die sonst von den Versicherern vereinnahmten Bestandsprovisionen aus den Verwaltungsvergütungen der Fonds, auch Kickbacks genannt, direkt in die Police einfließen. Des Weiteren können die Zulagen bis zu 40 Prozent der gesamten Sparleistung betragen und die Beiträge sind steuerlich absetzbar. Bei ETF-Policen sollte allerdings darauf geachtet werden, dass möglichst keine produktinternen Abschlussprovisionen anfallen. Diese können bei bis zu 4 Prozent, bei Maximierung noch bei 25 Promille der Beitragssumme liegen und gehen von der Rendite ab. Außeredem sollte beachtet werden, dass das Angebot an ETF-Lebensversicherungen noch sehr begrenzt ist. Aufgrund der fehlenden Einnahmen durch Provisionen oder Kickbacks sind sie daher für die meisten Anbieter relativ uninteressant. ETF-Police wurden auf Betreiben der Honorarberater eingeführt und können nur über diese vermittelt werden. Das heißt, dass anfangs ein Honorar von einmalig drei Prozent der Beitragssumme zu zahlen ist, was eine intensive Beratung beinhaltet. Die bei Lebensversicherungen üblichen Provisionen, die den Anleger etwa doppelt so viel kosten, entfallen dafür allerdings.

Bei den ETF Sparplänen ist zu beachten, dass sie einen bestimmten Index abbilden und dadurch im Vergleich zu gewöhnlichen Investmentfonds kein aktives Fondsmanagement benötigen.

Dies führt wiederum zu enormen Kostenvorteilen und ermöglicht dem ETF-Sparer eine Rendite zu erzielen, die im Durchschnitt wesentlich höher liegt als jene, die durch einen aktiv geführten Fonds erwirtschaftet werden könnte. Ein Nachteil ist allerdings, dass bei ETF-Sparplänen nicht die Möglichkeit besteht, eine höhere Rendite als der zugrunde liegende Index zu erwirtschaften, da diese jenen abbilden. Des Weiteren dominieren in Deutschland, trotz der steigenden Beliebtheit sowie eines zunehmenden Angebots von ETF-Sparplänen, weiterhin die klassischen Investmentfonds-Sparpläne. Ob man sich nun für ETF-Sparpläne oder ETF-Policen entscheidet, generell lässt sich sagen, dass man sich mit beiden Methoden und mit etwas Spardisziplin einen Vermögensgrundstock aufbauen kann. Auch für Anleger, die das Risiko einer einmaligen Anlage scheuen, ist ein solcher Sparplan oder eine Police gut geeignet.

by Mai 31, 2016 Keine Kommentare
Daten erfassen – schlägst du den DAX?

Daten erfassen – schlägst du den DAX?

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Daten erfassen: Die Datenflut an der Börse ist gigantisch. Doch während Anleger, Trader und Investoren nach Daten und Informationen am Markt gieren und so viel wie möglich wissen wollen, vergessen viele, dass sie selbst ebenfalls viele Daten produzieren. An der Börse aktiv zu sein bedeutet nicht nur den Markt zu verstehen, sondern auch sich selbst. Emotionen, Risikomanagement, Strategie und Verhalten spielen eine ebenso wichtige Rolle wie Charts, Analysen, Daten, Kennzahlen und andere Dinge. Den Markt kann man nicht verändern, aber sich selbst. Um sich selbst zu verändern, muss man sich verstehen. Um sich zu verstehen ist es ratsam, die eigenen Daten zu erfassen und zu analysieren. Kann man sein Verhalten und Handeln nachverfolgen, so sind Analysen wie das Verlustdreieck möglich. Doch wie macht man so etwas?

In welcher Form (schriftlich oder am PC) oder mit welchem Programm am PC man seine Daten erfasst, bleibt jedem selbst überlassen. Jeder bevorzugt andere Formen, Mittel und Herangehensweisen. Ich selbst empfehle es, die Daten von Anfang an am PC zu erfassen, da man hier viel mehr Möglichkeiten der Analyse hat. Julian von Inside Trading weißt darauf hin, dass es auch möglich ist die Daten am PC zu erfassen, aber diese oder Teile derer daraufhin auszudrucken.

Doch viele Fragen sich nun sicherlich, welche Daten sie erfassen sollen. Auf der einen Seite ist es ratsam, die nackten Zahlen des Depots niederzuschreiben. Hierdurch kannst du die Entwicklung deines Depost nachvollziehen und wenn du dein Verhalten bewusst änderst, die Konsequenzen dessen direkt in den Daten erkennen. Darüber hinaus ist es ratsam als Tagebuch Kommentare zum Markt oder zu Trades festzuhalten. Warum warst du heute schlechter als der DAX? Warum hast du welchen Trade durchgeführt? Im Nachhinein kannst du so auch nach Wochen noch deine Gedanken von vor Wochen lesen und auswerten.

In einer Excel-Tabelle kannst du täglich oder wöchentlich deine Daten erfassen. Interessant ist der Gesamtwert deines Depots (Cash plus Wert der laufenden Positionen). Diese Größe gehört zu den wichtigsten. Das Ziel eines jeden Traders ist es, die Summe seines Kapitals zu erhöhen. Außerdem ist der Wert der laufenden Positionen interessant und wie viel Cash nicht investiert auf deinem Trading-Konto liegt. Aus diesen Daten kann die Excel-Tabelle automatisch die Wertentwicklung in Euro und in Prozent ausrechnen. So erhälst du schnell einen Überblick darüber, wie erfolgreich du bist und wann du wie stark investiert warst. Neben diesen Daten lässt sich eine Spalte für Kommentare festhalten.

Welche Kommentare soll ich verfassen? Schreib auf, was du denkst. Wie beim Tagebuch ist es ein kurzer Einblick in deine Gedanken. Wie hast du dich gefühlt heute? Was hast du heute im Depot gemacht? Was ist heute am Markt passiert?

Nun kann sich der Anleger einen Vergleichsindex suchen. Beispielsweise den DAX. Trägt er täglich oder wöchentlich dessen Punktestand, ein so errechnet Excel ebenfalls mit ein paar einfach erstellten Formeln die Entwicklung des Index in Prozent. Hieraus kann man sich einen Graphen anzeigen lassen und seine eigene Performance als Trader in Relation zum Gesamtmarkt erkennen. Ist man besser als der Markt, so nennt man dies „Outperformance“. Ziel ist es natürlich, stetig besser zu sein als der Markt. Ansonsten könnte man auch einfach ein Zertifikat auf den Index kaufen, wenn dies mehr Rendite abwürfen würde als das eigene Trading.

Wichtig ist, sich nicht zu sehr in den Details zu verfangen. Auch wenn man die Daten von jedem Tag sammelt, sollte man nicht jeden Tag übersensibel analysieren. Ein Blick auf die Entwicklung der Woche oder des Monats genügt. Erst bei genaueren Analysen und der Suche nach Ursachen für außergewöhnlich gute oder schlechte Ergebnisse kann man genauer in die Tagesdaten schauen. Ein Trader kann seine Daten um alle Dinge erweitern, welche er erfassen will. Anzahl der offenen Positionen, durchschnittlich investierter Wert je Position, Investitionsquote, investierte Stunden am Tag, CRV und viele weitere Dinge kann man sich einfach mit wenigen einzutragenden Daten errechnen lassen, erfassen, anzeigen und analysieren. Es beginnt bei dir! Wenn du dich kennst und an dir und deinem Verhalten arbeitest, so machst du einen ersten großen Schritt in die richtige Richtung.

Beste Grüße,
Jonas Höfgen

by Mai 24, 2016 Keine Kommentare
Der Präsidentschafts-Zyklus

Der Präsidentschafts-Zyklus

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Der Präsidentschafts-Zyklus: 

Das globale Bruttoinlandsprodukt betrug 2014 laut Internationalem Währungsfond (IWF) rund 74 Billionen US-Dollar. Die USA trug rund 23% der global erwirtschafteten Werte durch Güter und Dienstleistungen bei. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind wirtschaftliche, politische und militärische Weltmacht. Dementsprechend mitreißend sind die Präsidentschaftswahlen in den USA. Die ganze Welt analysiert interessiert die Kandidaten und verfolgt die Vorwahlen mit Spannung. Wer die USA regiert, wird Einfluss nehmen auf die gesamte Welt und auf fast ein halbes Jahrzehnt der Menschheitsgeschichte. Aus diesem Grund reagieren auch die Börsen auf die Präsidentschaftswahlen. – mal besorgt und zögerlich, dann wiederrum euphorisch und zufrieden.

Pfiffige Statistik-Füchse haben in Folge dessen den Präsidentschaftszyklus entdeckt. Robert Rethfeld von „Wellenreiter-Invest“ bezeichnet diesen Zyklus gar als einen der wenigen funktionierenden Zyklen der Welt. ARD-Börse bestätigt, dass dieser Zyklus seit über 100 Jahren eine überraschend starke Präzision und Trefferquote aufweist. Doch was ist dieser Zyklus und wie funktioniert er?

Alle vier Jahre wird in den USA ein neuer Präsident gewählt. Dementsprecht gibt es ein Wahljahr, ein Nachwahljahr, ein Zwischenwahljahr und ein Vorwahljahr. In jedem dieser Jahre sind bestimmte übergeordnete Zyklen an der Börse zu erkennen, welche sich mal stärker und mal weniger in den Indizes und Kursen widerspiegeln.

Im Wahljahr ist meist ein schlechtes erstes Halbjahr und ein überaus gutes zweites zu erkennen. Im zweiten Quartal des Wahljahres wird hierbei das Jahrestief ausgebildet. Vor Allem in der zweiten Jahreshälfte ist eine im Sommer startende schwungvolle und dynamische Rallye zu erkennen. Bis zu den Wahlen im November werden dann die Hochs des Jahres ausgebildet. Das Jahr endet tendenziell eher gut.

Im Nachwahljahr ist nach dem aufregenden Jahr zuvor die Luft raus. Die Kurse bewegen sich oftmals seitwärts oder sinken. Zwischen März und August bäumen sich die zuversichtlichen Bullen nochmals auf. Zum Ende des Jahres hin schaltet die Börse jedoch erneut den Rückwärtsgang ein.

Auch das Zwischenwahljahr ist ernüchternd und streckenweise entweder wenig aufregend seitwärts tendierend oder volatil labil. Doch ab dem Herbst legen die Börsianer den Vorwärtsgang ein, entwickeln Druck nach oben. Mit einer Rallye werden neue Jahreshochs ausgebildet.

Das Vorwahljahr ist statistisch gesehen eines der besten Börsenjahre. Forscher ermittelten, dass der Dow Jones hierbei mit durchschnittlich sechs bis neun Prozent Rendite aufwartet. Diese Dynamik, mit der Kraft immer neue Hochs auszubilden, kann bis zur Wahl anhalten.

Nun mögen die ersten Kritiker in diesem Präsidentschafts-Zyklus einen pseudoökonomischen Ansatz mit fraglicherJonas Höfgen Richtigkeit sehen. Wenn man die Datensätze der Börsen lange genug durchforstert, findet man immer etwas. Doch der Präsidentschaftszyklus basiert tatsächlich auch auf logischen und fundamentalen Beweggründen. Zu erkennen ist, dass ein neuer Präsident meist in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit viele unliebsame Entscheidungen trifft. Die Börse und Wirtschaft reagieren unzufrieden darauf. Vor Allem im Vorwahljahr dreht sich das Kalkül. Der Präsident möchte wiedergewählt werden oder seinen Platz in den Geschichtsbüchern definieren. Er unternimmt zahlreiche Dinge, welche dem Volk, der Welt, der Wirtschaft und somit auch der Börse gefallen. Er verteilt sozusagen Wahlgeschenke. Dies ist in den Rallyes ab dem Vorwahljahr zu erkennen.

Natürlich sollte kein Anleger diesen Zyklus als Grund für Transaktionen wählen. Es gab in den vergangenen 100 Jahren immer wieder Abweichungen. Auch ist die Genauigkeit dieses Zyklus schwammig. Doch kann dieses Wissen unterstützend wirken. Erwägen Sie im Wahljahr im Februar zu kaufen, sind sich jedoch nicht sicher? Eventuell wäre es in diesem Fall angebracht, Vorsicht walten zu lassen und das zweite Quartal abzuwarten. Hier werden, wie wir erkannt haben, meist die Jahrestiefs ausgebildet. Machen wir das Beste draus …

by Mai 03, 2016 1 Kommentar
Bitcoins – Segen oder Fluch???

Bitcoins – Segen oder Fluch???

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Bitcoins – Segen oder Fluch???

Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich? Handel betreiben Menschen seit zehntausenden Jahren. Hierbei werden Güter und Leistungen getauscht. Die Form des Handels hat sich seit jeher weiterentwickelt. Neben dem Tauschhandel wurden vereinzelt auch Naturalien, wie z.B. Muscheln, als Währung genutzt. Vor rund 4.000 Jahren setzte sich die Münze als Zahlungsmittel durch. Die Banknote tauchte vor 1.000 Jahren zum ersten Mal auf und erst seit etwa 100 Jahren ist unser derzeitiges Zahlungsmittel, Münzen und Banknoten, nicht mehr durch Gold gedeckt und im Wert bestimmt. Immer wieder hat sich die Form des Geldes verändert. Mittlerweile tauchen immer öfter digitale Währungen, wie z.B. der Bitcoin, auf. Wird das die nächste Revolution am Finanzmarkt? Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich?

Umfragen ergeben, dass die meisten Menschen das Wort „Bitcoin“ kennen, aber nicht verstehen. Nach diesem Artikel wirst du bestens informiert sein. Nicht nur Anleger interessieren sich für den Bitcoin und dessen Funktionsweise, die Blockchain, sondern auch Banken. Laut dem Manager Magazin investierten zuletzt 42 internationale Großbanken in die Firma „R3“. Die Banken-Szene wittert ein großes Geschäft, weswegen sich beispielsweise bereits Nasdaq, Visa und die Citygroup unter dem Namen Chain.com engagieren. Digitale Währungen stellen für Banken ein potentielles Geschäft aber auch eine Gefahr dar. Die Bank Santander schätzt das Einsparpotential für Nutzer der Währung auf unglaubliche 20 Milliarden Dollar. Jährlich!

Die aktuelle Situation

Der Bitcoin rüttelt am bestehenden Status quo. Um zu verstehen wie dieser funktioniert, müssen wir auch die aktuell etablierten, monetären Systeme kennen. Eine zentrale Funktion nimmt das Geld ein. Es ist das Tauschmittel unserer Zeit. Arbeit, Existenz, Wohlstand, Freizeit, Freiheit und viele weitere Dinge sind vom Geld abhängig. Doch Geld ist kein Rohstoff, der gefördert wird oder auch kein Produkt, welches von Bauern angebaut werden kann. Geld wird in unserem System durch die Zentralbank generiert und kontrolliert. Durch Eingriffe am Finanzmarkt regulieren Notenbanken die Geldmenge. Das generierte Geld wird durch Banken genutzt, investiert und in Form von Krediten ausgeschüttet. Staaten regulieren die Banken und beeinflussen mit Gesetzen den Umlauf von Geldmengen. Alles dreht sich in unserer heutigen Epoche um Banken. Die milliardenschweren Rettungen von Großbanken in Deutschland und auch anderen Ländern wurde stark kritisiert, waren aber wichtig. Banken sorgen für Liquidität am Markt durch Kreditvergabe, unterstützen Investitionen und sorgen für die sichere Aufbewahrung von Vermögen. Bei Bedarf kümmern sich Banken um eine attraktive Anlage von Vermögen und garantieren den Kunden eine schnelle Verfgbarkeit ihrer Guthaben zu jeder Zeit an jedem Ort. Banken wickeln Überweisungen, Handel, Börsengänge, Transaktionen und zahlreiche weitere Dinge ab. Alles, was mit Geld zu tun hat, hat auch mit Banken zu tun – und heutzutage hat fast alles mit Geld zu tun. Kunden benötigen diese mächtigen Institutionen und müssen ihnen vertrauen. Jeder Nutzer von Geld ist auf Mittler angewiesen; ob Broker, Banken oder andere Finanz-Institute. Man hat nur mit Hilfe von Mittlern Zugriff auf die Märkte.

Was ist Geld?

Geld ist auf Grund seiner Komplexität sehr schwer zu definieren. Es ist die am weitesten entwickelte Form des Handels. Mankiw befand, dass Geld alle werthaltigen Dinge sind, welche zm Kauf und Verkauf von Waren und Leistungen genutzt wurden. Keynes prägte die noch heutzutage meist gültige Sichtweise, dass jedes Eigentum, welches als Tauschmittel akzeptiert wird, „Geld“ genannt werden kann. Jeder tauschbarer Vermögensgegenstand stellt dementsprechend in gewisser Form Geld dar, wenn dieses durch die Gesellschaft als Zahlungsmittel akzeptiert ist.

Wenn ein Vermögensgegenstand ein Transaktionsmittel ist oder werden will, so muss dieser diverse Anforderungen erfüllen. Geld muss eine Recheneinheit sein. Werte müssen sich in Einheiten des Geldes beschreiben lassen und die Recheneinheiten müssen allen bekannt sein. Geld muss ein Tauschmittel sein für den Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Geld stellt jedoch ebenfalls ein Wertaufbewahrungsmittel dar. Es kann zu einer zeitlichen Diskrepanz zwischen Erhalt und Ausgabe des Geldes kommen. Beispielsweise wird Arbeitszeit mit Geld bezahlt. Der Wert der Arbeitszeit wird jedoch erst viele Wochen nach Erbringung dieser ausbezahlt und oftmals erst viele Monate später ausgegeben. Geld ist des weiteren nützlich, werthatig, knapp, teilbar, transportfähig, unzerstörbar und homogen.

Neben den soeben definierten Funktionen des Geldes wird zwischen zwei Arten von Geld unterschieden. Auf der einen Seite existiert das Rechengeld (Fiatwährung), welches durch Staaten und Zentralbanken generiert und in Umlauf gebracht wird. Auf der anderen Seite verfügen Waren teilweise jedoch auch über einen eigenen Wert, welcher sich durch Angebot und Nachfrage ergibt. Mit diesen werthaltigen Waren lässt sich ebenfalls handeln. Es nennt sich Warengeld. Rechengeld kann materiell in Form von Münzen und Banknoten angewendet aber auch elektronisch durch Überweisungen genutzt werden. Eine Form dieses virtuellen Geldes ist die kryptografische Währung (Krypto-Währung). Dieses Rechengeld ist, grob gesagt, ein Algorithmus durch welchen Transaktionen generiert werden. Dieses Geld wird nicht druch Banken, Staaten oder Zentralbanken geschaffen, reguliert und verwaltet. Der Bitcoin stellt eine Ausprägung der Krypto-Wärhung dar.

 

Bitcoin

Was ist die Definition des Bitcoin? Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) definiert dies wie folgt: „Bitcoins (BTC) sind eine virtuelle Währung, deren Transaktionen und Guthaben in einem dezentralen Netzwerk verwaltet werden. Durch kryptografische Berechnungen kann prinzipiell jeder Netzwerk-Nutzer an der Geldschöpfung teilnehmen. Eine Zentralbank, die diese Aufgabe bei realen Währungen wahrnimmt, existiert daher nicht. Mit Bitcoins, die es seit 2009 gibt, können inzwischen zahlreiche Waren, Dienstleistungen, IT-Anwendungen oder Freizeitangebote erworben werden. Der private Handel unterliegt keiner Erlaubnispflicht, nur das Betreiben von Marktplätzen, an denen Bitcoins gehandelt werden, unterliegt einer Lizenz, welche von der BaFin auszustellen ist.“

Der Begriff „Bitcoin“ steht einerseits für das Währungs-System Bitcoin andererseits aber auch für eine einzelne Recheneinheit. Ein Bitcoin basiert auf kryptografischen Protokollen. Diese Protkolle sind eine einzigartige kryptografische Signatur, welche nur ein einziges Mal existiert und nicht willkürlich vervielfältigt werden kann. Der Bitcoin kann online zwischen Anbieter und Nachfrager Peer-to-Peer gehandelt werden. Die Transaktion wird im Protkoll erfasst und gespeichert. Mit jeder Transaktion erweitern diese beiden Parteien das Protokoll. Hierdurch kann der Nachfrager nach Bitcoins auch die Echtheit prüfen und ob der Anbieter diesen Bitcoin rechtmäßig besitzt. Es sind keine Banken oder sonstige Dienstleister nötig. Bitcoins können von den Anwendern erstellt, gelagert, verwaltet und verschickt werden. Durch das kryptografische Protokoll, welches einzigartig ist, kann die Echtheit selbstständig überpüft werden. Besitzer benötigen lediglich ein Programm namens „Bitcoin Core“ auf ihrem PC. Mit diesem können sie ihre Bitcoins, welche in der Online-Geldbörse namens „Wallet“ liegen, verwalten, halten und verschicken. Der Besitzer verfügt über das krypotgrafische Protokoll. Kommt es zu einer Transaktion, so können die interagierenden PCs selbstständig die Protokolle lesen, erweitern und auf Echtheit testen. Die digitale Signatur eines Bitcoin wird durch die Blockchain authentifiziert. In dieser befinden sich alle Protokolle in verschlüsselter Form.

Der Bitcoin basiert auf einem mathematischen Algorithmus. Da dieser endlich ist, können maximal 21 Millionen Bitcoins existieren. Derzeit befinden sich rund 12 Millionen Bitcoins im Umlauf mit einem Wert in Höhe von rund 4 Milliarden US-Dollar. Bitcoins kann man auf Websites/Börsen oder an BTC-Geldautomaten erwerben. Bitcoins werden beim sogenannten Mining geschöpft. Hierbei stellen Nutzer Rechenleistung zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Bitcoins. Die Rechenleistung wird benötigt, um den Algorithmus zu errechnen.

Der Bitcoin kann als open-source Nutzer zu Nutzer (P2P) Krypto-Währung bezeichnet werden. Die Idee ist, dass keine kontrollierenden Mittler nötig sind und Bitcoins quasi anonym verschickt werden können. Um das Protokoll genauer zu verstehen, muss man wissen, dass es einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel gibt. Mit „Schlüssel“ ist das Protkoll bzw. ein Teil des Algorithmus bezeichnet. Jede Transaktion wird im öffentlichen Schlüssel, der Blockchain, gespeichert. Hierdurch ist für jeden ersichtlich, wann der Bitcoin wo war und wem er derzeit gehört. Die Echtheit und das Recht des Besitzers diesen Bitcoin zu besitzen, kann so bestätigt werden. Der Besitzer des Bitcoins verfügt zusätzlich über den privaten Schlüssel. Nur dieser stellt den Wert bzw. die eigentliche Recheneinheit zum Bezahlen dar. Bei einer Transaktion übermittelt die zahlende Partei der erhaltenden Partei den privaten Schlüssel. Die erhaltende Partei bzw. der PC dieses Nachfragers gleicht den privaten Schlüssel daraufhin mit dem öffentlichen Schlüssel in der Blockchain ab. Da jeder Schlüssel, also jedes kyptografische Protkoll, einzigartig ist, kann so die Echtheit festgestellt werden. Der Bitcoin ist dementsprechend diebstahlsicher. Es ist also so, als wäre auf einem Gelschein der aktuelle Besitzer gespeichert. Bezahlt ein Dieb mit diesem Geldschein, kann sofort erkannt werden, dass er nicht der rechtmäßige Besitzer ist. Die vielen Millionen jährlichen Transaktionen kann man nicht auf einen Geldschein schreiben. Bei digitalen Währungen lässt sich dieses Prinzip, die Transaktionen zu erfassen, jedoch umsetzen.

Die Blockchain

Durch das Mining wird die Blockchain bzw. ein öffentlicher und ein privater Schlüssel erstellt. Mining stellt das Suchen eines Rechners nach möglichen Algorithmen dar, welche einzigartig, logisch und nutzbar sind. Der Miner stellt hierfür Rechenleistung zur Verfügung. Während der private Schlüssel als Bitcoin in Umlauf ist, so liegt die Blockchain durchgehend beim Miner. Alle zehn Minuten wird die Blockchain hierbei aktualisiert und mit jeder Transaktion wird ein neuer Block an die Kette (Chain) gehängt. Miner, welche ihre Rechenleistung zur Verfügung stellen, erhalten einen bestimmten Betrag des errechneten Betrages als Transaktionsgebühr. Mit der Zeit müssen immer aufwendigere Algorithmen errechnet werden, um weitere Blockchains und Bitcoins zu schöpfen. Dies wurde bewusst entwickelt. Die Entwickler orientierten sich hierbei am Abbau von Gold. Während ein Rohstoff anfangs einfach gefördert werden kann, steigen mit der Zeit der Aufwand und die Kosten der Förderung. Auch dadurch erhält der Rohstoff einen gewissen Wert. Er ist endlich.

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Die Entwickler

In einer Rundmail der „kryptografischen Mailing-Liste“ auf metzdowd.com aus dem Jahr 2008 definierte Satoshi Nakamoto das Anliegen und den Sinn des Bitcoin. Es ist bis heute ungeklärt, ob es sich bei dem Namen um eine Person oder eine Gruppe handelt. Über die Identität ist so gut wie Nichts bekannt.

„Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.“

Eine Generation früher hatten Nutzer von Time-Sharing-Computersystemen ein ähnliches Problem. Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwortschutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machten. Es ist Zeit, dass wir dasselbe mit Geld machen. Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden.

– Satoshi Nakamoto

Bis 2009 arbeitete Nakamoto mit anderen Entwicklern im Netzwerk zusammen bis er Mitte 2010 den Netzwerkzugangsschlüssel an Gavon Andresen übergab und sich aus dem Projekt zurückzog und seitdem nicht mehr in Erscheinung trat. Gavin Andresen ist der Chef-Wissenschaftler der Bitcoin Foundation und kann mit dem Schlüssel einige Eingriffe in die Währung unternehmen. 2009 schuf Nakamoto zuvor den ersten Genesis Block und begründete damit den Bitcoin. Ein Genesis Block stellt den ersten Block einer Blockchain dar. Er ist immer gleich, quasi die grundlegende Programmierung und ist das Fundament der Blockchain.

Interessant ist, dass Nakamoto im Genesis Block neben der Programmierung folgenden Text hinterließ: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“. Er deutete auf einen Artikel in der Times vom 03. Januar 2009 hin. Dies ist als Botschaft zu verstehen. Wahrscheinlich startete Nakamoto als Reaktion auf die Finanzkrise und diesen Artikel sein Projekt den Bitcoin zu entwickeln. Die Roh-Version des Genesis Blocks sieht wie folgt aus (Auszug):

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Der Artikel der New York Times startet wie folgt:

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Die Geschichte um Satoshi Nakamoto mutet wie eine Heldengeschichte aus einem Hollywood-Film an. Eine geheime Gruppe oder Person, welche kurz über einige Jahre auftaucht, deren/dessen Identität aber niemanden bekannt ist. Mit einer Rundmail, einem revolutionären Algorithmus und einer Botschaft im Genesis Block soll die Welt verbessert bzw. die Macht der Banken gebrochen werden. Hat sich Hollywood schon die Rechte daran gesichert?

Potential und Gefahren des Bitcoins

Das Potential des Bitcoins ist umstritten und wird daher auch hitzig diskutiert. Für die einen ist es der Durchbruch im Kampf gegen die unliebsamen aber übermächtigen Banken. Für andere wiederum stellen sich noch zahlreiche Frage inwiefern der Bitcoin eine eigenständige Währung werden könnte.

Sicher ist, dass der Bitcoin als ergänzende Währung durchaus hilfreich ist. Er könnte sich als Arbitragewährung etablieren und die Transaktion von Devisenzahlungen vereinfachen. Anbieter und Nachfrager können hierbei auf Banken als Mittler verzichten. Große Arbitrage-Transaktionen verschlingen meist auch viele Gebühren.

Die Software des Bitcoin lässt sich auch nachträglich verändern, um Fehler zu beheben oder Innovationen einzuführen. Diese Änderung muss jedoch von genügend Nutzern angenommen werden. Was bedeutet genügend? Mehr als 50% der Rechenleistung müssen bei Nutzern liegen, die der Änderung zustimmen. Nun besteht die Gefahr, dass einzelne Akteure selbst mehr als 50% der Rechenleistung auf sich vereinen. Im Juli 2014 überstieg der Mining-Pool GHash beispielsweise kurzzeitig diese Marke. Das Problem besteht darin, dass der Besitzer von mehr als 50% der Rechenleistung bereits bestätigte Blöcke in der Blockchain rückgängig machen kann und durch neue ersetzen kann. Learncyptography.com erklärt, dass eine sogenante 51%-Attack dazu führen kann, dass der Inhaber andere am Übermitteln von Bitcoins oder dem Finden von neuen Blockchains (mining) kurzzeitig hindern kann. Auch könnte er doppelte Transaktionen durchführen. Er kann jedoch keine gefälschten Bitcoins in Umlauf bringen und auch keine Bitcoins von anderen Nutzern klauen. Eine 51% Attack verbraucht jedoch Unmengen Geld, Strom und Rechenleistung.

John Williams, Chef der San Fransico FED, warnte davor, dass die Bitcoin-Technologie aus seiner Sicht Kriminalität und Terrorismus begünstigt. Wenn Zentralbanken, Staaten und Geschäftsbanken keinen Einfluss mehr auf das Vermögen und die Transaktionen haben, so könnten Kriminelle und Terroristen ihre Gelder ungehemmt bewegen und verschieben. Die Finanzierung von Zellen könnte, wie jetzt, nicht mehr behindert werden. 2011 wurden tatsächlich Drogen im Tausch gegen Bitcoins angeboten.

Die Debatte um eine unabhängige Währung wurde Mitte 2010 befeuert als Visa, Mastercard und vor allem PayPal Konten von WikiLeaks sperrten und Transaktionen verhinderten, um die Finanzierung von WikiLeaks trocken zu legen.

Der Journalist Timothy B. Lee warnt vor den Risiken, dass Malware, Datenverlust oder der Einbruch von Online Börsen zum Verlust des Vermögens führen könnten. Nutzer speichern ihr Vermögen online, welches natürlich auch durch Gefahren dessen bedroht ist. „Nur Bares ist Wahres“. Wird das Vermögen nur noch elektronisch verschoben so kann dies, wie eben beschrieben, gehindert oder verhindert werden. Auch Staaten könnten versuchen regulierend einzugreifen. Der Wert des Bitcoins ist fraglich. Dieser entsteht durch Angebot und Nachfrager. Wer heute einen Bitcoin im Wert von 100$ erhält, könnte morgen bereits nur noch 50$ besitzen.

Die Geldschöpfung stellt traditionell und auch gesetzlich ein Monopol der Notenbank dar. Eine neue Währung einzuführen ist jedoch nicht illegal. Wo Zentralbanken und Staaten die bestehenden Währungen stützen, ist die Schaffung einer neuen Währung jedoch schwierig.

Deflationäre aber auch inflationäre Risiken werden von Ökonomen nicht erkannt. Eric Posner beschrieb in seinem Artikel „Fool’s Good“, dass dem Bitcoin sowieso das Ende droht. Er geht zwar darauf ein, dass der Bitcoin ein Ponzischema (Schneeballsystem) ist, was Experten bereits ablehnen, erklärt jedoch, dass es jederzeit möglich ist weitere kryptografische Währungen zu programmieren. Auch solche, welche mehr als 21 Millionen Bitcoins generieren können. Schnell würde die ganze Welt Bitcoins schürfen, da jeder reich werden möchte, wenn Bitcoins offiziell anerkannt sind. Die Menge an Bitcoins würde explodieren. Es würde zu einer Inflation kommen, die Bitcoins würden ihren Wert verlieren und das System Bitcoin wäre wieder am Null-Punkt.

Es gibt derzeit noch viele offene rechtliche Fragen. Beispielsweise erklärte die US-Finanzaufsicht FinCEN 2013, dass Personen, welche Bitcoins schürfen und diese gegen Entgeld an andere Personen verkaufen als Zahlungsdienstleister einzuordnen seien und deswegen der Aufsicht und den Regulierungen, vor allem der Melde- und Buchführungs-Pflicht, unterliegen.

Bezüglich Bitcoins findet man zahlreiche Vor- aber auch Nachteile. Es ist eine revolutionäre Technologie mit vielen guten Ansätzen. Doch wie bei jeder Innovation stellen sich zahlreiche, hauptsächlich rechtliche, Fragen, welche erst im praktischen Gebrauch erkannt und gelöst werden müssen. Kryptografische Währung sind noch in den Anfängen ihres Gebrauchs. Die Nutzung dessen könnte in einer immer schnelleren und technologisierteren Welt weiter zunehmen.

 

Ereignisse

Am 13. Juni 2011 erbeutete ein Dieb 25.000 BTC im Wert von damals 502.750 US-Dollar vom Computer des Nutzers Allinvain und konnte diese ungemerkt wieder in Umlauf bringen.

Angreifer konnten sich am 19. Juni 2011 Zugang zur größten Online-Börse Mt.Gox verschaffen und eine Verkaufsorder von 100.000 BTC zum Preis von 1 Cent bei einem gegenwärtigen Marktpreis von $17 je BTC mit gestohlenen BTCs erwirken. Mehrere Börsen brachen auf Grund des Preis-Schocks zusammen. Die Preise konnten sich jedoch schnell wieder erholen.

Am 26. Juli 2011 musste der Betreiber einer Tauschbörse Bitomat.pl eingestehen, dass auf Grund von Datenverlust Bitcoin-Einlagen von Kunden in Höhe von 17.000 BTC (ca. 170.000€) verloren gegangen seien.

Im August 2011 stellte der E-Wallet-Betreiber MyBitcoin.com seinen Betrieb ein, nachdem er gehackt worden war. Die Kunden erhielten etwa die Hälfte ihrer Einlagen zurück.

Anfang 2014 mussten zahlreiche Börsen kurzzeitig den Betrieb einstellen nachdem es zu massiven Attacken von Botnetzen kam.

Ebenfalls Anfang 2014 musste die Bitcoin-Börse Mt.Gox nach jahrelangen fragwürdigen Vorgängen die Insolvenz in Japan und den USA anmelden. 850.000 Bitcoins waren verloren gegangen. Rund 750.000 von Kunden.

Am 15. August 2015 musste ein schwerer Software-Fehler im Bitcoin-System behoben werden. Hierbei konnte eine präparierte Transaktion auf Grund eines fehlerhaften Ganzzahlüberlaufs als gültig akzeptiert werden und führte zu einer Gutschrift von 184 Milliarden Bitcoins. Das Netzwerk wurde vom Betreiber umgehend gestoppt, Updates wurden verteilt und der fehlerhafte Block aus der Blockchain entfernt.

Grennpeace, Wikipedia, Dell, WordPress, PayPal. Die Anzahl namenhafter Unternehmen, welche die Bezahlung und Spend emit Bitcoins akzeptieren, steigt.


 Autoren

 

5Albert Schaper studierte an der Universität Stellenbosch „Business Administration“ (Bachelor) mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing & Industrial Psychology. An der privaten Hochschule „Business and Information Technology School“ machte er seinen Bachelor og Management & Business Studies mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing/Sales and Corporate Management. Derzeit macht Albert seinen Master in Finance mit dem Schwerpunkt Asset Management & Investmentbanking. Der Artikel basiert auf seiner Bachelor Arbeit „Eine Analyse des Bitcoins mittels der Geldtheorie“. Finde Albert hier auf Xing. Alle hier aufgeführten Zitate hat Albert so in seiner Bachelor Arbeit zitiert.

4Unterstützt wurde Albert durch Jonas Höfgen. Der Jung-Unternehmer gründete bereits mit 18 Jahren Firmen für Event- und Model-Management. Derzeit studiert er Betriebswirtschaftslehre (Bachelor) und ist Autor auf seinem eigenen Blog, für Inside Trading und den Hanseatischen Börsenkreis. Jonas Höfgen konzentriert sich auf Fundamental-Analyse, Makroökonomie und Verhaltenspsychologie. Finde Jonas hier auf Facebook. Mehr Informationen zum Thema erhaltet Ihr auf der Seite von Jonas, HIER.

by Apr 15, 2016 Keine Kommentare
Brokerwahl – am Anfang steht die Kostenseite

Brokerwahl – am Anfang steht die Kostenseite

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Die wichtigste Aufgabe für einen angehenden Trader ist die Auswahl eines guten Brokers. Glücklicherweise gibt es in Deutschland mittlerweile viele professionelle Anbieter, welches den Vergleich von Brokern aber nicht unbedingt einfacher gestaltet. Trotzdem sind die meisten Anbieter sehr hilfreich ­– auch der Testsieger 2016, der detailliert aufgeführt ist.

Doch was macht einen guten Broker aus und welcher Broker passt am besten auf die jeweiligen Bedürfnisse? Wer einen für sich persönlich geeigneten Broker finden möchte, muss bei der Brokerwahl daher in erster Linie seinen eigenen Trading-Stil und seine Bedürfnisse kennen. Den einen besten Broker gibt es in dem Sinne nicht. Verschiedene Trading-Stile und Trading-Bedürfnisse harmonisieren mit verschiedenen Brokern am besten. Am Anfang spielt der Kostenfaktor sicherlich eine der größten Rollen, daher sollte man sich vor der Auswahl eines Brokers zunächst auch über die Kostenseite informieren.

Gebühren und Konditionen

Zunächst sollte man sich die Frage stellen, welche Kosten überhaupt anfallen können. In erster Linie sind das die Ordergebühren für Kauf und Verkauf. Auch die Kursstellung und der damit zusammenhängende Spread, also die Kursspanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs, sollten nicht außer Acht gelassen werden. Dieser ist letztendlich für Kosten bei jedem Trade verantwortlich. Des Weiteren sollten beim Handel mit kreditfinanzierten Hebeln (Margin-Trading) die Finanzierungskosten berücksichtigt werden. Diese fallen in Form eines Zinses bei Trades an, die über Nacht gehalten werden. Zusätzlich ist es wichtig zu prüfen, ob es weitere Kosten in Form von Inaktivitätsgebühren, Plattformkosten oder Ähnlichem gibt. Je nach Art des Tradingstils gibt es manche Gebühren, die wichtig sind und andere wiederum, die vernachlässigt werden können. Das wichtigste Kriterium ist hierbei die Handelsfrequenz des Setups.

Als Daytrader, der mit vielen Trades pro Tag handelt, sollte man besonders auf die Ordergebühren pro Trade achten und hier jeden möglichen Cent einsparen. Diese Gebühren sind für den Positionstrader, der eine Haltedauer von mehreren Tagen oder Wochen hat, weniger wichtig. Dieser sollte viel mehr die Finanzierungskosten berücksichtigen, die jede Nacht anfallen und sich ebenfalls aufsummieren können. Der Daytrader hingegen hält nur sehr selten Trades über Nacht und kann daher die Finanzierungskosten vernachlässigen. Ein weiterer interessanter Punkt in Anlehnung an die Kosten ist das Angebot von Cashback-Systemen. Häufig ist es so, dass Brokervergleichsportale, die mit einem Broker kooperieren und für die Vermittlung eine Provision erhalten, einen erheblichen Teil der Ordergebühren an den Kunden zurückzahlen. Ein Einzahlungsbonus kann bei der Auswahl des Brokers ebenfalls berücksichtigt werden, sollte allerdings nicht das Hauptkriterium sein. Dennoch ist das Angebot gerade für Anfänger attraktiv, da sie häufig nur über ein sehr kleines Konto verfügen und sich somit einen hilfreichen Zuschuss holen.

by Mrz 31, 2016 Keine Kommentare
Die 4 größten Finanzirrtümer der Welt

Die 4 größten Finanzirrtümer der Welt

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1. Finanzirrtum: Das Aldi Prinzip

Muss es wirklich immer günstig sein? Nach einschlägiger Meinung der meisten Menschen ist die Antwort ein klares “Ja”.
Das Lieblingswort der meisten lautet “unterbewertet”. Dieses Qualitätssiegel ist die Lizenz zum Investieren. Häufig wird sich im Anschluss dann an noch günstigeren Preisen erfreut bis die Preise so günstig werden, dass dem Anleger auffällt, dass es nun richtig teuer geworden ist.
Dagegen werden Investitionen in Anlagewerte, die immer teurer werden, keines Blickes mehr gewürdigt und meistens darüber geklagt. “Das ist doch total überbewertet”, heißt es dann.

Ja stimmt, die Preise werden immer teurer und teurer bis man merkt, dass man damals ein unheimliches Schnäppchen gemacht hat und einen großen Gewinn eingefahren hat.
Das Agieren am Finanzmarkt könnte wirklich einfach sein, wenn es einen Resetknopf für das eigene Gehirn gäbe.
Den meisten Privatanlegern ist noch nicht mal etwas vorzuwerfen, weil sie nach einem ausgeklügelten Drehbuch agieren, welches andere für sie schreiben. Zu einen kleinen Teil der Autoren kommen wir jetzt in Finanzirrtum zwei.

2. Finanzirrtum: Analysten und Nachrichten leisten einen Wertbeitrag zu Ihrem Depot.

Worum geht es eigentlich in Ihrem Depot? Um politische Korrektheit? Oder um etwas, das en vogue ist?

Analysten machen einen super Job. Sie können gut recherchieren, verfügen über eine gute Rechtschreibung, lesen gerne viele Informationen, um diese etwas aufbereiten, damit Sie sie lesen. Sie sind stets bemüht und haben Spaß an dem was sie tun. Sie zeigen Interesse bei ihrer Arbeit.
Für ein Angestelltenverhältnis sind dies alles würdige Eigenschaften, aber auch um daran Investitionsentscheidungen für Ihre Zukunft zu tätigen? Da muss ich Sie leider enttäuschen.
Gute Investitionen tätigen Sie nur, wenn Sie sich exakt zum Gegenteil vom Aldi Prinzip verhalten.

3. Finanzirrtum: Sie brauchen jemanden, der sich um Ihre Finanzen kümmert, wie ein Doktor im weißen Kittel.

Der Banker, der hier vor Ihnen sitzt hat vermutlich noch nicht einmal ein Abitur oder ein Studium. Sie haben vielleicht eines und gutes Geld verdient und wollen es nun investieren. Glückwunsch, das ist sehr weise.

Aber, der der hier vor Ihnen sitzt, hält sich an Vorgaben von oben, die ihm regelmäßig jemand auf den Schreibtisch übersendet. 
Ist Geld nicht eine persönliche Angelegenheit? 
Wäre es nicht schön wenn die Person, der sie in die Augen schauen und Ihnen Anlagevorschläge unterbreitet auch dafür verantwortlich ist, was er Ihnen empfiehlt? 
Leider ist das hier Fehlanzeige. Ähnlich wie der Analyst hat dieser Mann gezeigt, dass er Anweisungen folge leisten kann und ein bisschen Geschick im Verkauf besitzt. Etwas anderes als Ihnen etwas zu verkaufen, möchte der gute Mann nicht.

 

4. Finanzirrtum: Über Geld spricht man nicht?

Sie sollten sich angewöhnen doch über Geld zu sprechen und Ihre Kontostände und Investitionen regelmäßig zu überwachen. Lernen Sie Geld als Zahlen zu betrachten ohne Emotionen. Verdienen, sparen und investieren Sie es. Worin Sie investieren ist fast egal, Hauptsache die Anlageprodukte werden immer teurer und teurer und teurer. Vergessen Sie aber nicht irgendwann zu verkaufen, denn nur dann macht man Gewinne, die man wieder neu investieren kann. 2008 sind die Kurse einmal um 30% gefallen, um dann wieder ein bisschen zu steigen um dann extrem zu fallen. Gleiches ist im August 2015 passiert. Wenn man also einmal einen übernatürlichen Kursverfall bemerkt, sollte man auf eine kleine Erholung warten und dann endgültig verkaufen. Betrachten Sie danach die Kurse alle drei bis sechs Monate so lange bis die Börse den Resetknopf drückt. 

In Anbetracht der Tatsache, dass nach dem Reset die Preise von 2002 bis 2008 und von 2009 bis 2015 ausschließlich gestiegen sind, bin ich sicher, dass sich bald wieder Gelegenheiten über eine längere Periode ergeben werden. Keine Gewinne machen ist dann fast schon unmöglich. Aber nichts ist unmöglich, keine Gewinne machen funktioniert dann nur noch mit dem gängigen weltweiten Verhaltensmuster des Aldi Prinzips, dem täglichen Lauschen des Nachrichtendoktors in den Medien und Analysten, sowie der ständigen Diskussion über “unterbewertet” und “überbewertet”. Wenn Sie das tun, schaffen Sie das Unmögliche: Sie machen keine Gewinne, obwohl die Börsen sechs Jahre in Folge steigen. Viele Menschen weltweit besitzen keine Aktien. Die Gründe sind einfach, sie liegen im gerade genannten und der daraus resultierenden Paralysierung, wodurch sie handlungsunfähig werden. Sie sind einfach mental nicht in der Lage dazu Aktien zu kaufen und zu halten, eben aus den genannten Gründen.

Fazit: Wenn die Kurse steigen, ist es klug zu kaufen. Bei angefallenen Gewinnen sollten Sie nachkaufen und zwar die besten Rennpferde, die anderen werden mangels schlechterer Performance verkauft. Betrachten Sie sich einfach wie einen Gärtner, der Blumen in das Beet pflanzt. Wenn der Markt Ihnen eine Warnung mitteilt, wie einen übernatürlichen Kursrutsch, sollten sie nach einer Erholung alles verkaufen und auf den Reset warten.

by Feb 03, 2016 1 Kommentar
Das DAX-Renditedreieck

Das DAX-Renditedreieck

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Das DAX-Renditedreieck des deutschen Aktieninstituts (DAI)

„Investieren in Aktien ist riskant“ oder „Ich zocke doch nicht an der Börse“ sind Aussagen, die sicherlich häufiger in Zusammenhang mit dem Aktienmarkt getätigt werden.

Mit diesen Aussagen wird allerdings das Investieren in Aktien negativ pauschalisiert.

Meistens verbirgt sich hinter ihnen eine wohlbekannte Erfahrung für den Privatanleger: Einsteigen, wenn die Kurse extrem hoch sind und später erkennen, dass man genauso gut eine Tulpe gegen eine Altstadtvilla in bester Grachtenlage hätte eintauschen können. Man erinnere sich an die Tulpomanie in den Niederlanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Dieses Beispiel ist sicherlich ein bisschen überzogen, trifft aber sicherlich auf einen nicht unerheblichen Teil der Privatanleger zu. Dabei muss man nicht unbedingt bis zur Tulpomanie zurückgehen. Ein Blick bis zur Jahrtausendwende und der Dotcom-Blase reicht da schon.

Viele Privatanleger haben damals mit T-Aktie (damals ein Kurswert von über 80,- EUR) hohe Verluste erlitten.

Ein Einstieg in die Boomphase hinein, mit der Hoffnung auf hohe Kursgewinne, kann allerdings nicht als nachhaltiges Investieren angesehen werden.

Gleichwohl trägt es dazu bei, dass die Aktie zur Vermögensbildung eher verpönt ist. Nicht nur bei dem Privatanleger von damals, sondern zum Teil auch noch bei der nachfolgenden Generation.

„Bausparverträge und Lebensversicherungen sind eine sichere Sache“ hört man häufiger als „Aktien sind eine sichere langfristige Vermögensanlage“.

Sicherlich weißt ein Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung kaum bis gar keine Volatilität auf, da i.d.R. durch garantierte Zinsen die Rendite schon gesichert scheint, aber ob es sich dabei um eine sichere Anlage zur VermögensBILDUNG handelt, darf zumindest hinterfragt werden. Die Inflation sollte man zumindest dabei nicht außen vor lassen.

Wer eine Rendite über den Inflationsausgleich hinaus erwartet, kommt in der heutigen Zeit von Niedrigzinsen nicht ohne einen Blick auf den Aktienmarkt aus. Aber da war doch was, Risiko, Verluste, Zockerei? Lieber nicht.

Bleibt die Frage, ob diese Begrifflichkeiten zwingend mit einem Aktieninvestment einhergehen müssen.

In diesem Zusammenhang sollte man zumindest mal über das DAX-Renditedreieck des deutschen Aktieninstituts (DAI) gestolpert sein.

Auf den ersten Blick sind dort viele Zahlen, die sich vielleicht auch nicht sofort nachvollziehen lassen. Der zweite Blick zeigt aber, nachhaltiges Investieren in Aktien lässt sich schwer mit Begriffen wie Verluste, Risiko und Zockerei verbinden.

Renditedreieck

Das DAX-Renditedreieck ist nach Kalenderjahren aufgebaut. Auf der rechten Seite befinden sich die Jahre des Ankaufs, auf der unteren die Jahre des Verkaufs. Von links nach rechts sind die Jahre des Anlagehorizonts in 5-Jahres-Schritte unterteilt. Pro Querstrich ist also ein Anlagehorizont von 5 Jahren gegeben. Von ganz links bis 5 Jahre, bis ganz rechts, über 60 Jahre Anlagedauer.

In den jeweiligen Kästchen, in denen jeweils Ankaufs- und Verkaufsjahr aufeinander treffen, befindet sich die durchschnittliche, jährliche Rendite. Dazu ist innerhalb der Grafik auch ein entsprechendes Musterbeispiel abgebildet.

Zur graphischen Abhebung der unterschiedlichen Jahresrenditen sind diese mit entsprechenden Farben versehen (dunkelrot = starkes Minus; weiß = kaum bzw. nur sehr geringe Rendite bis dunkelblau = hohe positive Rendite).

Aufgrund der Farbgestaltung fällt einem recht schnell ins Auge, dass die Renditen weiter rechts, also bei einem hohen Anlagehorizont ein ins dunkel tendierende blau/lila 😉 aufweisen. Von rot oder weiß ist auf der rechten Seite des Renditedreiecks nichts zu sehen.

Anhand dessen lässt sich also erkennen, dass bei einem langfristig angelegten Investment in Aktien (Anlagehorizont über 10 Jahre) ein Verlust bzw. eine negative Rendite fast ausgeschlossen ist.

Hierbei spielt natürlich die Tatsache, dass es sich beim DAX um einen Performanceindex (total return index) handelt, eine bedeutende Rolle. D.h. Beim Performanceindex werden die Dividenden aus den im DAX enthaltenen Titeln in den Index reinvestiert, während sie beim Kursindex unberücksichtigt bleiben.

Somit werden die ausgeschütteten Gewinne der Dax-Konzerne bei der durchschnittlichen Jahresrendite mitberücksichtigt.

Bei einer Dividendenrendite von bspw. 2% ergibt sich auf 10 Jahren eine Gesamtrendite von 20%. Dies spielt insgesamt bei der durchschnittlichen Rendite eine gewichtige Rolle. Aber auch nur dann, wenn langfristig angelegt wird. Bei einem An- und Verkauf innerhalb weniger Wochen kommt dieser Effekt regelmäßig nicht zum Tragen.

by Dez 11, 2015 1 Kommentar
Psychologie des Trends

Psychologie des Trends

BW

Die Psychologie des Trends

Die Psychologie des Trends ist etwas was neben der normalen Theorie um den Trendaufbau mit Sicherheit Beachtung finden muss.

Man muss sich bei der technischen Analyse immer vergegenwärtigen, dass hinter der Kursbewegung immer verschiedene Marktteilnehmer stehen, die den Kurs bewegen. Aus welchen Gründen auch immer.

Warum sich der Kurs bewegt, ob aufgrund von Nachrichten, Fundamentalanalysen, Algorithmen oder ähnlichem ist bei der technischen Analyse egal. Wichtig ist, dass der Kurs sich bewegt.

Impulsbewegung die erste:

Wir nehmen mal an, dass der Pfefferminzia Fonds an der Aktie der InsideTrading AG(folgend: Aktie X) interessiert ist, weil diese günstig gehandelt wird. Der Fonds beginnt jetzt mit großen Stückzahlen in die Aktie einzusteigen. Die Nachfrage steigt → Der Kurs steigt zügig an!

image1

Es entsteht also eine zügige Bewegung. So eine Bewegung bringt meistens nach sich, dass andere Marktteilnehmer auf diese Bewegung aufmerksam werden. Ein ganz normaler Vorgang der so nicht nur an der Börse sondern überall vorkommt. Bei Bewegung entsteht Aufmerksamkeit.

Irgendwann wird aber ein Kursniveau erreicht sein, bei dem die Nachfrage nachlässt und das Angebot zunimmt.

Marktteilnehmer, welche von Anfang an in der Aktie investiert waren, liegen nun mit ihrer Position im Gewinn. Der eine mehr, der andere weniger. Sofern diese Marktteilnehmer eher spekulativ in die Aktie der InsideTrading AG eingestiegen sind, werden sie nach dem Kursanstieg beginnen die Aktie zu verkaufen.

Das Angebot nimmt zu.

Andere Anleger, die den Kursanstieg verfolgt haben und auf die Aktie der InsideTrading AG aufmerksam geworden sind, teilen sich nun auf. Ein Teil der Anleger, in der Regel die erfahrenen Anleger, beobachten die Aktie weiterhin, da sie nach dem Anstieg eine Korrektur erwarten.

Weniger erfahrene Anleger sind von der Aktie begeistert. Warum auch nicht? Alle Börsenzeitschriften empfehlen diese zum Kauf und das Potenzial liegt bei weiteren 200% in nur wenigen Wochen.

Sie steigen ein. Aber diese Marktteilnehmer befinden sich in der Minderheit, da nur wenige Marktteilnehmer bereit sind, bei den hohen Kursen noch zu kaufen.

Selbiges gilt für den Pfefferminzia Fonds. Aufgrund des hohen Kurses scheint die Aktie nicht mehr günstig. Der Fonds senkt die Käufe bzw. tritt am Markt nicht mehr als Käufer auf. Ggf. beginnt der Fonds sogar Stückzahlen seiner Position zu verkaufen und ein Teil der Gewinne mitzunehmen.

Das Ergebnis:

Die Nachfrage sinkt. Das Angebot erhöht sich.

Die Konsequenz daraus:

Es bildet sich der erste Hochpunkt in unserem Trend.

Die erste Korrektur:

Die Korrektur

Die Kurse beginnen aufgrund der geringeren Nachfrage und dem erhöhten Angebot zu korrigieren.

Für die Marktteilnehmer, die zu Höchstkursen gekauft haben, ergibt sich nun ein entsprechender Verlust. Im Depot dieser Anleger weist die Aktie der InsideTrading AG ein mehr oder weniger hohes Minus aus.

Diese Marktteilnehmer kommen in der Korrektur zu der Auffassung, dass sie eine Fehlinvestition getätigt haben. Vielleicht ist die Aktie der InsideTrading AG in verschiedenen Zeitschriften auch schon aus dem Musterdepot ausgestoppt worden.

Sie entschließen sich die Verluste zu begrenzen und ihre Positionen an der Aktie zu veräußern.

Da die Käuferseite aufgrund der Höchstkurse entsprechend gering war, erhöht sich zwar das Angebot, aber das Volumen bleibt entsprechend gering.

Die Aktie hat nun die Höchstkurse korrigiert. Die Anleger, die am Hochpunkt gekauft haben, beginnen diese Positionen zu veräußern. An der InsideTrading AG hat sich allerdings aus fundamentalen Gesichtspunkten keine nennenswerte Änderung ergeben.

Für die erfahrenen Trader ergeben sich jetzt die ersten Kaufsignale. Der übergeordnete Trend ist intakt und die Korrektur hat jetzt Handelsmarken erreicht, an denen eine Rückkehr zum übergeordneten Trend relativ wahrscheinlich ist.

Diese Trader erhöhen somit die Nachfrage.

Weiterhin ist eine Beteiligungsgesellschaft Betrading (BY) auf die Aktie der InsideTrading AG aufmerksam geworden. Die Aktie ergibt eine hervorragende Ergänzung zum aktuellen Beteiligungsportfolio. BY ist langfristig an dem Unternehmen interessiert, weshalb der Kurs eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch kommt BY die Korrektur ganz gelegen um sich erste Positionen der Aktie ins Portfolio zu legen.

Der Pfefferminzia Fonds nutzt das niedrigere Kursniveau ebenfalls um die Position wieder aufzustocken.

Dies hat zur Folge, dass die Käuferseite die Nachfrage so erhöht, dass der Kurs erneut beginnt zu steigen. Die Korrektur ist beendet und eine neue Impulsbewegung setzt ein.

Impulsbewegung die zweite:

Impulsbewegung, Trendfolge

Aufgrund der jetzt wieder anziehenden Kurse steigen weitere erfahrene Trader ein für die sich Einstiegssignale ergeben. Durch die erhöhte Nachfrage wird die Korrektur nicht nur beendet sondern der Markt kann sogar über den vorherigen Hochpunkt ansteigen und ein neues Hoch generieren.

Für alle Marktteilnehmer die am 1. Hochpunkt eingestiegen sind ist dies unter zwei Gesichtspunkten eine bittere Bewegung.

Zunächst haben sie durch den Verkauf der Aktie einen Verlust erzielt. Hätten sie die Position länger gehalten wäre der Verlust zu minimieren gewesen bzw. die Position ist aktuell sogar in den Gewinn gelaufen und man hätte einen Gewinn erzielen können.

Diese Marktteilnehmer sehen jetzt ihre anfängliche Auffassung bestätigt. „Die Aktie ist eine Gewinner-Aktie und jetzt werde ich dabei bleiben egal was passiert“.

Die Nachfrage steigt somit nochmal marginal an bevor die Nachfrage erneut nachlässt, da bereits alle Marktteilnehmer die kaufen wollen/wollten bereits gekauft haben und im Gewinn liegen.

Ein neuer Hochpunkt ist erreicht, da das Volumen auf der Nachfrageseite nicht mehr zunimmt. Die Aktie der InsideTrading AG wird nicht mehr in neue Höhe getrieben, die Rally ist zunächst vorbei.

Erneute Korrektur

Eine erneute Korrektur:

Die Marktteilnehmer, die im Zuge der Korrektur gekauft haben, beginnen ihre Positionen teilzuverkaufen oder ganz zu schließen. Zunächst kann das Angebot noch durch die Nachfrage der unerfahrenen Marktteilnehmer aufgenommen werden aber schlussendlich wird aufgrund des hohen Kursniveaus womöglich ein Angebotsüberhang herrschen.

Hinzu kommt, dass eventuell wenige Trader, die spät eingestiegen sind, ihren kleinen Gewinn ebenfalls sichern wollen. Sie erinnern sich an ihren letzten Einstieg und wollen unter keinen Umständen erneut in die Verlustzone rutschen. Daher beschließen sie den minimalen Gewinn lieber zu sichern und verkaufen ihre Position ebenfalls.

Der Kurs beginnt im weiteren Kursverlauf zu fallen und hinterlässt einen neuen lokalen Hochpunkt (Wendepunkt des Kursverlaufs).

Die weniger erfahrenen Anleger und Trader erinnern sich an die erste Korrektur und werden erneut unsicher. Diese werden erneut unsicher und bauen zunehmend Frustration auf. Sie bekommen das Gefühl, dass der Markt immer das Gegenteil von ihnen macht.

Das Spiel beginnt von neuem!

Sie merken: Es steckt eine gewisse Psychologie hinter den Kursen, gepaart mit verschiedensten Erwartungshaltungen verschiedener Anlegergruppen. Bedenken Sie dies stets. Hinterfragen Sie zudem stets Ihr eigenes Anlageverhalten und versuchen Sie nicht die typischen nachfolgenden Fehler zu machen:

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Quelle: FRF Finanzmakler

 

Share Demo: Deferred execution with language code

DE30: Deutsche Börse baut Verluste aus

Zusammenfassung: Europäische Aktienindizes verlieren im frühen Handel an Wert DE30 kehrt nach Berühren einer Widerstandszone um Deutsche Börse (DB1.DE) testet Unterseite des Trendkanals Die drei großen Indizes der Wall Street verzeichneten während der...

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by Nov 07, 2015 1 Kommentar
Bewegung und Korrektur

Bewegung und Korrektur

BW

Bewegung und Korrektur – Was passiert zwischen den Wendepunkten

Die wichtigen Punkte innerhalb eines Trends (Hoch- und Tiefpunkte) und damit einhergehende Unterstützungen und Widerstände haben wir bereits ausreichend beleuchtet.
Damit sind wir auf die markanten Punkte in einem Trend eingegangen. Offen bleibt allerdings was zwischen diesen Punkten passiert.

Neben den Hoch- und Tiefpunkten besteht ein Trend weiterhin aus einer Bewegung und einer Korrektur.
In einem Aufwärtstrend findet die Bewegung zwischen dem vorherigen Tiefpunkt und dem neuen Hochpunkt statt. Die Korrektur erfolgt dabei zwischen dem vorherigen Hochpunkt und dem neuen Tief.
In einem Abwärtstrend stellt sich Situation genau umgekehrt dar.
Zur Veranschaulichung eine weitere Abbildung:

Abbildung 4a (Bewegung und Korrektur)

Bewegung und Korrektur

Man sieht also, dass die Kursverläufe sich aus zwei verschiedenen Arten von Bewegungen zusammensetzen. Der Impulsbewegung und der Korrektur-(Bewegung).
Dabei ist die Impulsbewegung in der Regel dynamischer und zügiger als die Korrektur. Hinzu kommt meistens, dass die Impulsbewegung von einem höheren Volumen getragen ist als die Korrektur, in welcher das Volumen eher abnehmende Tendenz aufweist.
Impulsbewegung und Korrektur müssen dabei nicht immer wie oben veranschaulicht in einem Trend auftreten. Daneben sind durch Anordnung von Impulsbewegung und Korrektur auch andere Kursmuster möglich, welche häufig in „ Fortsetzungsformationen“ oder „Trendwendeformationen“ unterteilt werden. Diese Kursmuster werden später noch detailliert betrachtet.


Trendlinien:

Nachdem wir uns mit Unterstützungen und Widerständen sowie Bewegung und Korrektur beschäftigt haben, verfügen wir nun über ein Fundament an Grundwissen über den Trendaufbau.
Damit können wir uns einem weiteren wichtigen Instrument der technischen Analyse widmen. Der Trendlinie bzw. den Trendkanälen. Gerade zu Beginn kommt es häufig vor, dass ein Trend auf eben eine solche Trendlinie oder einen Trendkanal heruntergebrochen wird. Daher haben wir uns im Vorfeld explizit mit dem Trendaufbau beschäftigt, bevor uns nun diesem Instrument widmen.

zwei Typen von Trendlinien:
Bei Trendlinien wird zwischen einer Aufwärts- und Abwärtstrendlinie unterschieden.
Bei einer Aufwärtstrendlinie wird eine Linie entlang der einzelnen lokalen Reaktionstiefs gezogen.
Bei einer Abwärtstrendlinie wird dies analog mit den lokalen Reaktionshochs durchgeführt.
Um das zu verdeutlichen schauen wir einmal in die folgenden Abbildungen:

Aufwärtstrendlinie

Abwärtstrendlinie

Wichtig dabei ist: Trendlinien verlaufen selten so genau wie es in der Theorie dargestellt ist. Hier kann es gerade im Verlauf der einzelnen Periode zu kurzfristigen Über- und Unterschreitungen der Trendlinien kommen. Daher ist es meistens notwendig, mehrere Linien zu ziehen und etwas zu experimentieren bevor die richtige Trendlinie gefunden wird.
Dabei kann auch auf bestimmte Pufferzonen bei Trendlinien zurückgegriffen werden. Die einzig wahre Trendlinie ist in der Praxis eher selten anzutreffen.
Deshalb ist es wichtig, sich zunächst mit dem grundsätzlichen Trend auseinander zu setzen.
Haben wir kontinuierlich ansteigende neue Hoch- und Tiefpunkte (Aufwärtstrend) oder fallende Hoch- und Tiefpunkte (Abwärtstrend)? Wenn ja können diese Hoch-oder Tiefpunkte über eine Linie, der Trendlinie miteinander verbunden werden.
Wir brauchen also mindestens zwei verschiedene neue Hoch- oder Tiefpunkte. Ansonsten ist das Verbinden dieser Punkte zu einer steigenden/ fallenden Trendlinie nicht möglich.
Sofern eine Trendlinie auf lediglich zwei Berührungspunkten basiert, befindet sich diese sozusagen im Versuchsstadium. Wenn wir uns einen Chart nehmen und frei Hand zwei Punkte miteinander verbinden werden wir selten dazu kommen, dass im weiteren Kursverlauf eine gültige Trendlinie entstanden ist. Um die Trendlinie zu bestätigen und ihr bei einer größeren Anzahl an Marktteilnehmern eine gewisse Gültigkeit zu verleihen, ist ein dritter Test bzw. ein dritter Berührungspunkt des Kurses mit der Trendlinie erforderlich.
Grundsätzlich gilt: Desto häufiger die Trendlinie durch den Kursverlauf bestätigt wird, d.h. der Kurs durchbricht die Trendlinie nicht, desto stärker ist diese Trendlinie, weil immer mehr Marktteilnehmer diese akzeptieren und den Kurs durch Käufe/Verkäufe in die andere Richtung ziehen.


Die gültige Trendlinie als Hilfsmittel der Trendbestimmung:

Sobald die Trendlinie durch einen dritten Punkt bestätigt ist, liegt eine gültige Trendlinie vor. Neben der Trendrichtung lässt sich über die Trendlinie jetzt auch die Trendgeschwindigkeit bestimmen.
Dem Trendhandel liegt die Annahme zu Grunde, dass ein Trend in seiner Richtung und Geschwindigkeit eher beibehalten als geändert wird „The Trend isyour Friend“.

Die Trendlinie hilft uns somit insbesondere Korrekturen innerhalb des Trends richtig einzusortieren. Im Normalfall sollten die einzelnen Korrekturen der verlaufenden Trendlinie immer relativ nahe kommen (→ Trendrichtung und Trendgeschwindigkeit werden beibehalten).

Damit erweist sich die Trendlinie als Indikator für einen eventuell bevorstehenden Trendwechsel. Sofern nämlich die Korrektur über die Trendlinie hinausgeht, besteht eine erhöhte Gefahr, dass der Trend wechselt.
Ein Trendbruch ist hingegen noch nicht endgültig bei einem Bruch der Trendlinie erreicht. Daher kann der Bruch der Trendlinie hier nur ein Indiz sein.

Bruch ohne Tief

In der Abbildung sehen wir, dass die Trendlinie (dunkelgrün) gebrochen worden ist. Dadurch hat sich der Trend allerdings noch nicht in seiner Richtung geändert. Der Kurs liegt immer noch oberhalb des vorangegangenen Tiefpunktes. Erst wenn der Kurs diesen Unterstützungsbereich unterschreitet, hätten wir ein neues tieferes Tief und der Aufwärtstrend wäre nicht mehr intakt. Die Bedingung von stetig ansteigenden lokalen Hoch- und TIEFPUNKTEN wäre dann nicht mehr erfüllt.

Lediglich die Geschwindigkeit des Aufwärtstrends hat sich geändert. Der Aufwärtstrend würde, sofern die Korrektur in der Abbildung auf diesem Kursnvievau enden würde, lediglich etwas flacher und nicht mehr so steil wie vorher verlaufen.

Es lässt sich also zusammenfassen, dass eine Trendlinie ein unterstützendes Hilfsmittel für Kaufs- und Verkaufsentscheidungen darstellt. In der Nähe der Trendlinie eignen sich Käufe oder Verkäufe, da davon ausgegangen werden kann, dass der Kurs sich nicht mehr weit in die entgegengesetzte Richtung (Also die Trendlinie bricht) bewegt und in meine erwartete Verlaufsrichtung dreht. Kurz gesagt, der Kurs sollte jetzt wieder von einer Korrektur in die Bewegung übergehen.

Sofern dies nicht der Fall ist bietet mir die Trendlinie ein Indiz dafür, dass unter Umständen ein Trendwechsel bevorsteht.

Weitere Aspekte der Trendlinie:
Wie bereits oben angesprochen besteht die Möglichkeit, eine Trendlinie mit verschiedenen Punkten einer Periode zu verbinden. Hierbei wird hauptsächlich zwischen einer Trendlinie anhand verschiedener Tagesschlusskurse und einer Trendlinien zwischen den Extremen einer Periode (bspw. Tageshochs und Tagestiefs) unterschieden.
Es besteht auch die Möglichkeit beide Trendlinien zu benutzen. Dadurch ergibt sich eine sog. Pufferzone an der Trendlinie.

Die folgenden Abbildungen machen dies deutlich.

D1 EUR USD H4

EURUSD Trendlinie H4

Zunächst sind lediglich die Tageshöchstkurse durch eine Trendlinie (orange) miteinander verbunden worden. Im zweiten Chart sind zusätzlich die Tagesschlusskurse der lokalen Hochpunkte verbunden worden. Diese lassen sich durch einen Linienchart entsprechend lokalisieren, vgl. folgende Abbildung:

EUR USD Trendlineie Berührung

Wir sehen also, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt Trendlinien einzuzeichnen. Wichtig ist zu verstehen, dass nicht jede Verletzung einer Trendlinie eine Trendwende zur Folge hat. Um diese Fehlsignale aber zu minimieren, bieten die Pufferzone eine entsprechende Möglichkeit.


Verletzung der Trendlinie:

In Zusammenhang mit den oben aufgeführten Pufferzonen stellt sich die Frage, wann von dem Bruch einer Trendlinie gesprochen werden kann. Man wird es immer erleben, dass der Kurs im Verlauf einer Periode die Trendlinie durchbricht aber im Laufe dieser Handelsperiode (D1, H1, etc.) wieder zurückgehandelt wird. D.h. der Schlusskurs der Handelsperiode liegt wieder innerhalb der Trendlinie.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Trendlinie durchbrochen ist wenn der Schlusskurs außerhalb der Trendlinie liegt. Ob es sich dann dabei auch um einen nachhaltigen Bruch der Trendlinie handelt, kann erst mit Verlauf der folgenden Zeitperioden gesagt werden. Häufig kommt es hier auch zu Fehlsignalen.

Dies mag sich darauf zurückführen lassen, dass es sich bei dem Bereich zwischen Trendlinie und vorangegangenen Hoch- bzw. Tiefpunkt um einen leeren Raum handelt. Der Trend ist nach wie vor intakt. Lediglich die Frage der zukünftigen Geschwindigkeit des Trends ist jetzt offen. Ein sehr variabler Bereich, der stets mit Vorsicht zu handeln ist.

Der Bruch der Trendlinie nur ein Indiz und keine Bestätigung für einen Trendwechsel!“

Der Trendkanal:
In den vorgenannten Beispielen haben wir gesehen, dass eine Aufwärtstrendlinie stets die lokalen Tiefpunkte miteinander verbindet.

Darüber hinaus können aber auch die Hochpunkte miteinander verbunden werden und so ein sog. Trendkanal gebildet werden. Voraussetzung hierfür ist, dass der Trend halbwegs symmetrisch verläuft. D.h. Hoch- und Tiefpunkte haben immer eine bestimmte Distanz zueinander. Hierfür schauen wir uns den folgenden Chart einmal an.

Trendkanal

Trendkanäle sind logischerweise seltener als Trendlinien. Dies liegt daran, dass eine weitere Voraussetzung (Symmetrie) vorliegen muss.

Die obere Trendlinie liefert dabei ähnliche Signale wie die untere Trendlinie. Auch die Anwendung von Pufferzonen ist für diese möglich. Es lässt sich also festhalten das alle Informationen, die wir oben zur Haupttrendlinie in Erfahrung gebracht haben, auch auf die Trendkanallinie anzuwenden sind.


Die Trendlinie als Unterstützung und Widerstand:

Wie oben bereits angesprochen kann eine Trendlinie auch als Unterstützung oder Widerstand fungieren. Die Ausführungen zu Unterstützungen und Widerständen bei lokalen Hoch- und Tiefpunkten können hierbei analog angewendet werden.

Somit kann auch das Modell über die Wechselwirkung zwischen Unterstützung und Widerstand angewendet werden. Hierfür schauen wir zunächst auf die folgende Grafik:

Unterstützung Widerstand,

Wir sehen, dass die Trendlinie zunächst dreimal getestet worden ist. Die Trendlinie erfüllt somit die Voraussetzung einer gültigen Trendlinie und kann als Unterstützung verwendet werden. Beim vierten Test der Trendlinie wird diese aber durchbrochen. Nicht nur kurzfristig sondern auch nachhaltig, da der Kurs im weiteren Verlauf sogar unter dem vorangegangenen lokalen Tief notiert. Die Korrektur hat sich zu einer Bewegung ausgedehnt.

Diese Bewegung wird, im folgenden, ebenfalls korrigiert. Als Korrekturziel kommt neben dem vorherigen Tiefpunkt jetzt ebenfalls die bestehende Trendlinie in Betracht. Diese war vorher vom Markt als Unterstützung anerkannt und wandelt sich nach dem Bruch in einen Widerstandsbereich.


Von Trendstufen und Zeiteinheiten

Wir haben nun herausgearbeitet, dass ein Trend aus verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten besteht und zwischen den lokalen Punkten Impuls- sowie Korrekturbewegungen stattfinden.
Zu beachten ist dabei, dass Trends in verschiedenen Zeiteinheiten vorkommen können.
Zeiteinheit bedeutet dabei, dass für jede Zeiteinheit eine Kerze bzw. ein Balken ausgebildet wird. In der Zeiteinheit D1 (=Daily1) wird für jeden Handelstag eine Kerze ausgebildet. Im H1-Chart (=Hour1) wird bspw. für jede Stunde eine Kerze ausgebildet.
Oftmals werden Zeiteinheiten und Trendstufen miteinander gleichgesetzt. Diese Gleichung geht allerdings nicht auf, da sich für die Trendstufen eine andere Definition ergibt.

Eine neue Trendstufe ist erreicht, wenn man den jetzigen Trend erneut in Bewegung und Korrektur zerlegen kann.

Hierzu eine graphische Darstellung:

Abbildung 5a (übergeordneter & untergeordneter Trend)

Trends Zusammenhang

Im Vergleich zu den Trendstufen ist nicht bei jeder kleineren oder größeren Zeiteinheit ein anderes Trendbild erkennbar. Heißt: Ob ich mir nun den M15 oder M30 Chart anzeigen lasse, der sichtbare Trend ist der Selbe. Etwas feiner dargestellt, aber der Trend bleibt. Eine andere Darstellung ergibt sich bei der Unterscheidung zwischen Tages- und Stundenchart. Hier ergibt sich eine neue untergeordnete bzw. übergeordnete Trendstufe.

Im Wesentlichen lassen sich folgende Trendstufen und Zeiteinheiten zusammenfassen:

 

T1 T2 T3 T4 T5
Monat D1
W1
H1
H4
M15
M5
M1
Tick

 

Der Monatschart stellt somit die erste und auch die absolut übergeordnete Trendstufe dar. Alle anderen Trendstufen sind diesem untergeordnet.

Damit kommen wir zu der Erkenntnis: Desto niedriger die Trendstufe in der ich handele, desto mehr übergeordnete Trendstufen muss ich berücksichtigen.

Dabei muss ich jeweils für die übergeordneten Trendstufen klären, wo die lokalen Hoch- und Tiefpunkte sind und welcher Trend in der übergeordneten Trendstufe vorliegt.

Ein Beispiel:

(Abbildung 5b (Beispiel übergeordnet & untergeordnet)

Trendszusammenhang2

 

Angenommen wir handeln den untergeordneten Abwärtstrend im Stundenchart. Dieser Abwärtstrend ist gem. der Definition absolut intakt. Eine Abfolge von ständigen niedrigeren Hoch- und Tiefpunkten. Sofern nur dieser Trend betrachtet wird, sollte die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend erhalten bleibt und wir weiter fallende Kurse sehen größer sein, als dass der Trend sich ändert.

In diesem Fall befinden wir uns allerdings an einem wichtigen Unterstützungsniveau einer übergeordneten Trendstufe. Auf Tagesbasis haben wir das Kursniveau des vorherigen Hochpunktes erreicht, ein Punkt an dem der Markt (hier theoretisch) immer wieder nach oben gedreht hat um den übergeordneten Trend fortzusetzen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der intakte Abwärtstrend auf Stundenbasis fortgeführt wird, ist also unter Einbeziehung der übergeordneten lokalen Kursmarken wesentlich geringer. Viel wahrscheinlicher ist hingegen die übergeordnete Trendfortsetzung.

Wir sehen also, dass die übergeordnete Lage immer beachtet werden muss. Wer übergeordnet handelt, muss sich die untergeordneten Trendstufen nicht zwingend anschauen. Hier geht es lediglich um eine Timing-Frage. Wer aber auf höheren Trendstufen unterwegs ist ohne die Großwetterlage für sich geklärt zu haben, läuft Gefahr, gänzlich auf das falsche Pferd zu setzen. Ein Fehler der vermieden werden kann, sofern man die nötige Weitsicht an den Tag legt.

 

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