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Bedingungsloses Grundeinkommens (BGE), Vor- und Nachteile

Bedingungsloses Grundeinkommens (BGE), Vor- und Nachteile

JH

Algorithmen. Roboter. Quantencomputer. Künstliche Intelligenz. Die Welt verändert sich. Und immer drängender stellt sich die Frage welche Stellung der Arbeitnehmer in Zukunft noch einnehmen wird. Menschen können bei der Leistungsexplosion der Technologie auf Dauer nicht mithalten – doch fraglich ist ob die bestehenden Jobs unersetzbar vernichtet werden oder, im Fachjargon nennt man dies Reintermediation, an anderer Stelle wiederum neue Jobs entstehen.

Krisen. Kriege. Klimawandel. Immer neue Herausforderungen belasten weltweit die sozialen Systeme der Staaten. In diesem Umfeld gefühlter und tatsächlicher Instabilität ist seit einigen Jahren eine emotionale Diskussion um einen neuartigen Ansatz sozialer Sicherung aufgekommen. Das bedingungslose Grundeinkommen, kurz BGE. Befürworter und Kritiker gibt es gleichermaßen.

Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Der Sozialstaat Deutschland verfügt über diverse Möglichkeiten und Mechanismen der Existenzsicherung. Grundgedanke ist eine soziale Umverteilung. Die arbeitende Bevölkerung finanziert durch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung temporär Arbeitssuchende. Das Arbeitslosengeld ist jedoch an Bedingungen geknüpft und in ein enges Regelwerk eingebettet.

Das Konzept ‚bedingungsloses Grundeinkommen‘ ist ein noch junger und wenig erprobter Ansatz. Hintergedanke ist jedem Bürger eines Landes ein Grundeinkommen zu sichern. Dieses Grundeinkommen ist nicht an Bedingungen, wie der aktiven Suche nach Arbeit oder verpflichtenden Teilnahme an Maßnahmen, gebunden.

Der sozialstaatliche und ethische Ansatz eines BGE ist, dass jeder Mensch ein bedingungsloses Recht auf ein Leben in Würde besitzt. Mit einem Grundeinkommen würde dieses Anrecht gesichert werden.

Vorteile

  • Das komplexe Regelwerk des Arbeitslosengeldes führt zu einem immens teuren Verwaltungsapparat, welcher durch Steuern finanziert werden muss. Ein bedingungsloses Grundeinkommen verschlankt den Verwaltungsapparat und minimiert die Bürokratie.
  • Leistungsbezieher müssen viel Zeit und Geduld aufbringen und zahlreiche Behördengänge tätigen. Wer sozialstaatliche Hilfe beziehen muss, dem fällt dies mit einem BGE leichter.
  • Der Sozialstaat knüpft die Existenz jedes Bürgers an Bedingungen und Verpflichtungen. Ein BGE sichert jedem Menschen das Recht auf eine bedingungslose Existenz in Würde.
  • Wird das Grundeinkommen in der Summe der Leistung höher als ein temporär existenzsicherndes Arbeitslosengeld angesetzt zeigten Studien und Feldversuche bereits, dass die finanziellen Belastungen für das Gesundheitswesen und die Kriminalität zurückgingen, da sich vor Allem ärmere Schichten Bildung und einen besseren Lebensstandard (Ernährung, Freizeit, Medizin) eher leisten konnten.

Nachteile

  • Nur wer sozialversicherungspflichtig arbeitet oder gearbeitet hat wird auch ausreichend durch den Sozialstaat gestützt. Fraglich ist, wie viele Menschen sich gegen Arbeit und für ein Leben vom Grundeinkommen entscheiden, und wie dies den Sozialstaat und Arbeitsmarkt belasten würde.
  • Ungeklärt ist bisher die Finanzierung eines BGE. Jedem Bürger 1.000 oder 1.500 Euro auszuzahlen würde die Kassen des Bundes, der Länder und Kommunen überstrapazieren.

Fazit

Die Diskussion um das BGE wird emotional geführt. Verständlicherweise möchten Arbeitnehmer ungern einen nicht-arbeitenden Bevölkerungsteil finanzieren müssen. Doch mit Hinblick auf die den Sozialstaat erwartbaren Belastungen könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen der nächste wichtige und richtige Schritt sein.

Ein BGE ist nicht gleich ein BGE. Es gibt unzählige Möglichkeiten der Zusammensetzung. Dies beginnt bei der Frage, ob jedem ein Grundeinkommen zusteht, oder nur den ärmsten Schichten. Um die Finanzierbarkeit zu gewährleisten könnten die verwaltungsintensiven Arbeitslosengelder durch das Grundeinkommen ersetzt werden.

Leistungsbeziehern könnte das bedingungslose Grundeinkommen direkt auf das Bankkonto überwiesen werden. Möglich ist jedoch auch das Einführen einer negativen Einkommensteuer. Wer weniger als ein bestimmtes Gehalt verdient, bekommt durch eine negative Einkommenssteuer einen Zuschuss durch den Staat.

Um den Anreiz „Arbeit“ zu erhalten und zu verhindern, dass dem Arbeitsmarkt Millionen Beschäftigte wegfallen, könnte man für jeden Euro, den ein Leistungsbezieher selbst verdient, nur 50 Cent von seinem Grundeinkommen abziehen. Hierdurch ist gesichert, dass Arbeit mehr Nutzen als Arbeitslosigkeit hat und die meisten Menschen weiterhin Interesse an Arbeit haben werden.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein durchaus attraktiver Ansatz den Sozialstaat neu aufzustellen und für die zukünftigen Herausforderungen auszurichten. Schlanke Verwaltung und Sicherung der Existenz der Bürger in Zeiten der Globalisierung und Technologisierung.

by Apr 23, 2018 Keine Kommentare
Die Epoche der Instabilität

Die Epoche der Instabilität

JH

Nicht alles verändert sich. Manches ist eine Konstante seit tausenden Jahren. Wie auch heutzutage, so beklagte sich bereits der römische Philosoph Socrates über den Sittenverfall der Jugend: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten […].“ Es handelt es sich jedoch um Ausnahmen. Die Welt befindet sich grundlegend in einem stetigen Wandel. Jedes Jahrhundert ist für sich einzigartig. Und jedes Jahrhundert bringt neue Erkenntnisse, Errungenschaften und Fortschritt hervor.

Die Zeitgeschichte der Menschheit lässt sich hierbei in Epochen einteilen. Epochen sind temporäre Phasen, welche ihrer ähnlichen Eigenschaften nach als einheitliche Phase, also als Epoche, definiert werden können. Mit diesem Beitrag möchte ich begründen, dass wir seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts die Epoche der Instabilität erleben.

Veränderung ist Teil unseres Planeten. Die Natur wandelt sich stetig in einem Wechsel aus Zerstörung und Entstehung. Wo Erdbeben, Waldbrände oder Überschwemmung Zerstörung verursachen entsteht sogleich darauf eine neue Vegetation. Trotz des konstanten Fortschritts ist auch die Menschheit in diesem Takt gefangen und erlebt Blütezeiten genauso wie Phasen des Untergangs.

Was ist Stabilität?

Beginnend möchte ich mich zuerst mit dem Begriff der Stabilität beschäftigen. Mit Stabilität in Bezug eine Epoche meine ich nicht, dass der Status Quo beibehalten wird oder wurde. Stabilität bezeichnet ein Gleichgewicht bzw. eine Beständigkeit. Entscheidend für meine Ausführungen ist, dass Beständigkeit Planbarkeit nach sich zieht.

Ähnlich wie bei der Preiswertstabilität, kurz: Inflation, liegt das stabile Gleichgewicht nicht bei 0. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei einer Steigerung in Höhe von 2% von einer Stabilität der Preisteuerung. Grund ist, dass unser Wirtschaftssystem eine stetige Aussicht auf steigende Preise und Planbarkeit benötigt. So ist es eine der Hauptaufgaben einer Zentralbank für Preiswertstabilität zu sorgen. Stabilität ist auch hier nicht das Beibehalten, sondern die Beständigkeit eines Wertes – in diesem Fall der Teuerungsrate.

Wandel unseres Jahrhunderts

Das aktuelle Jahrhundert steht unter dem Banner der Technologisierung. Internet, das Smartphone, Robotik, künstliche Intelligenz (KI) und bald auch Quantencomputer. Alles wird vernetzt, verchipt und verkabelt. Bisher nur unsere Umwelt. Doch die Technologie wandert immer näher an den Menschen heran, das Notebook befindet sich bereits in Form eines Smartphones in jedermanns Hosentasche, und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Technologie auch in den Menschen integriert wird.

Prozessoren werden immer leistungsfähiger und mit diesen die Technologie insgesamt. Die Umlaufgeschwindigkeit unserer Umwelt nimmt immer weiter zu. Informationen, Daten und Güter werden weltweit in kurzer Zeit ausgetauscht. Und so ist auch der Mensch gezwungen schneller, effizienter und mobiler zu werden, um noch konkurrenzfähig zur Technologie zu sein.

Umlaufgeschwindigkeit kann man auch als Schnelllebigkeit bezeichnen. Unsere Welt ist schnelllebiger geworden. An den Kapitalmärkten ist die Taktung von Krisen dichter als noch im letzten Jahrhundert. 2000 mit Dot.com, 2008 mit Subprime-Loans und 2012 die Euro-Krise. In der Wirtschaft sind Märkte offener und global vernetzt. Amazon greift weltweit an. StartUps und neue Mega-Konzerne, wie Uber oder AirBnB, entstehen in kurzer Zeit. Heutzutage mehr es mehr Einhörner, das sind StartUps mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, denn je. Der Wechsel aus Zerstörung und Entstehung ist schneller. Und mit der erhöhten Geschwindigkeit wird unsere Umwelt, unser Alltag und unsere Gesellschaft schnelllebiger.

Die Auswirkungen

Die Instabilität zeigt sich, wie angesprochen, an den Kapitalmärkten. Informationen werden wesentlich schneller ausgetauscht und Kapital zuckt wesentlicher nervöser durch die globalen Märkte. Auch die Wirtschaft sieht sich mit aufbrechenden Grenzen und Instabilität konfrontiert. Branchen befinden sich im Kampf des Wandels von stationär zu virtuell. Technologisch orientierte StartUps und Unternehmen greifen die klassischen Geschäftskonzepte bestehender Unternehmen an. Online und automatisiert. Die Welt steht den Unternehmern offener zur Verfügung denn je. Doch auch die Konkurrenz steht Unternehmen stärker im Nacken denn je.

Wir Menschen müssen uns anpassen. Jobs sind schnelllebiger geworden. Kurzzeit, Teilzeit, Job-Sharing. Der Arbeitnehmer arbeitet nicht mehr 40 Jahre im selben Unternehmen. Die meisten Arbeitnehmer haben bis zum 30. Lebensjahr bereits zwei, drei oder mehr verschiedene Arbeitgeber gehabt. Besitz ist schnelllebiger. Leasing, Sharing, Mieten. Besitz verpflichtet und Verpflichtungen binden und Bindung ist in einer schnelllebigen Umwelt eine Belastung. Car-Sharing statt eigenem Auto. Mieten statt kaufen. Waschsalon anstelle eigener Waschmaschine. Der Mensch wird mobiler und agiler. Muss er ja auch. Unsere Beziehungen werden schnelllebiger. Lovoo, Tinder und andere Apps ermöglichen das schnelle Finden neuer Partner. Doch da wir selbst agil bleiben müssen und sich unsere Umwelt stetig verändert gehen immer weniger Menschen langfristige Beziehungen ein. Bindung belastet, wie gesagt. Und so blüht das Konzept der Freundschaft Plus. Gemeinsam zusammen, aber nicht gebunden.

Seit hunderten oder tausenden Jahren nimmt die Umlaufgeschwindigkeit zu. Während die Fahrt zur benachbarten Stadt im Mittelalter noch mehrere Tage auf sich genommen hat, jetten wir heutzutage in einem Tag um die ganze Welt. Alles wurde stetig schneller. Doch mittlerweile ist, aus meiner Sicht, eine Geschwindigkeit und Schnelllebigkeit erreicht, bei der der Mensch Schwierigkeiten hat mitzuhalten und die Auswirkungen weniger „Fortschritt“, sondern mehr „Instabilität“ ist.

Wirtschaft und Gesellschaft benötigen Beständigkeit. Unser Alltag, unsere Beziehungen und unsere private Zukunftsperspektive benötigt eine gewisse Planbarkeit. Verlieren wir bereits den Boden unter den Füßen? Reißt uns die Zentrifugalkraft der Geschwindigkeit der Veränderung an den Rand? Wie lange kann der Mensch dem schnellen Takt der Technologie noch folgen?

by Apr 23, 2018 Keine Kommentare
Krieg der Spezies – Mensch gegen Maschine

Krieg der Spezies – Mensch gegen Maschine

JH

Nahezu überall verfügbares Internet, mehr Transparenz und Fortschritt in allen Bereich unserer Gesellschaft und Wirtschaft durch Technologie. Der Fortschritt ist erkennbar und gewaltig. Doch in aus jedem Wandel resultieren verständlicherweise auch negative Nebeneffekte. Vor Allem das mediale und individuelle eher hysterische Verhalten in den social media führt zu einer Verrohung der Sitten und Übersteigerung der Meinungen. Wir erkennen immer deutlicher: Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold.

Ich habe mich in letzter Zeit intensiv mit der Frage beschäftigt wohin uns, als globale Gesellschaft, der eingeschlagene Weg führt. Was ist unser Schicksal? Doch leider ist es uns, und so auch mir, nur möglich Vermutungen anzustellen. Niemand kennt die Zukunft.

Dabei interessiert sich der Mensch seit tausenden Jahren brennend dafür. Während die alten Griechen Orakel befragten las man die Zukunft im Mittelalter aus Karten und Knochen. Im 21. Jahrhundert sind es gefeierte Visionäre, wie Tesla-Chef Elon Musk oder der leider verstorbene Apple-Chef Steve Jobs, welche die Zukunft erdenken und in der Realität präsentieren. Was erwartet uns, als Weltgemeinschaft, in der Zukunft? Das ist die Frage aller Fragen. Und „42“ ist leider keine Antwort darauf. Unzählige Theorien gibt es. Mit diesem Beitrag möchte ich eine weitere hinzufügen.

Entstehung neuer Spezies

Technologie wird immer effizienter und leichter verfügbar. Die ersten Computer wogen mehrere Tonnen. Und die ersten mobilen Telefone füllten ganze Kofferräume. Heutzutage tragen wir Computer und Telefon kombiniert, in Form eines Smartphones, in der Hosentasche. Auch rückt die Technologie immer näher an den Menschen heran. Das Notebook ist unlängst als Smartphone in unsere Hosentaschen gewandert. Und mit smart wearables, beispielsweise smarten Uhren, bringen wir die Technologie nun an unseren Körper. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir die Technologie im großen Stil in unseren Körper integrieren.

Der Mensch ist ohnehin gezwungen seine begrenzten humanen Möglichkeiten durch eine technologische Aufrüstung seines Körpers zu verbessern. Der Mensch muss im Wettlauf der Technologisierung mithalten. Roboter werden immer besser. Und während derzeit der Mensch Roboter betreibt, so ist es ebenfalls nur eine Frage der Zeit bis Roboter Roboter betreiben. Künstliche Intelligenz (KI) wird immer intelligenter.

‚Der Mensch kann, trotz technologischer Aufrüstung seiner Selbst, nicht mit der Leistungsstärke und Geschwindigkeit übriger Technologie mithalten und wird zwangsweise abgehängt werden.‘

Aus diesen Trends ist, aus meiner Sicht, erkennbar, dass es in Zukunft auf der Erde drei Spezies geben wird. Es wird einfache Menschen, Cyborgs und KI geben.

Technologie und IT-Infrastruktur benötigen viel Kapital und Wissen. So werden sich, nach meiner Meinung, nur die oberen 10 bis 15% der Menschen den Aufstieg zum Hybrid aus Mensch und Maschine, also einem Cyborg, leisten können. Da auch Cyborgs als Arbeitskräfte, Management der Strukturen und Soldaten zur Verteidigung des Vorteils benötigt werden, könnten in Zukunft 20 bis 25% der Menschen den Aufstieg zur Spezies der Cyborgs schaffen.

Darüber hinaus arbeitet der Mensch an immer intelligenteren Technologien. Es gibt immer noch große Herausforderung. Doch es gibt, so schätze ich es ein, die durchaus logische Theorie, dass der Moment, wenn eine KI programmiert wurde, die selbst KI programmieren kann, der Mensch eine Art Gott-KI, welche sich selbst vervielfältigt, geschaffen hat.

Die Verschärfung der Schichten

Basierend auf der Überlegung, dass es in Zukunft drei Spezies mit unterschiedlichen oder konkurrierenden Interessen geben wird, frage ich mich, ob wir uns in eine bessere Zukunft bewegen oder die Verschärfung der Schichten und Schaffung eigener Spezies zu mehr Problemen führen wird?

Bereits heutzutage beherrschen wenige Menschen, welche über viel Kapital, Macht und Wissen verfügen, die Massen. Auch besteht der Trend, dass es wenige Unternehmen gibt, welche jedoch extreme Marktmacht und viel Kapital besitzen. Amazon, Google, Apple.

Der Trend sollte sich fortsetzen. So steht diesen Personen und Unternehmen die Welt, dank Technologie und World Wide Web, offener denn je zur Verfügung. Diese Schicht der Reichen wird Technologie immer intensiver einsetzen. Dies ist der Schicht der Armen nicht möglich. Diese werden immer gläserner und immer beherrschter werden. Kein Wunder. Immerhin vernetzen und bald auch verchipen wird Konsumenten uns immer intensiver und schenken den wenigen Weltmarktführern immer mehr Wissen, Zugriff und Kontrolle über uns.

Die Verschärfung der Schichten nimmt stetig zu. Weniger werden stetig mehr haben und können.

Krieg der Spezies

Die Unterteilung der Weltgemeinschaft in Schichten wird sich verschärfen. Darüber hinaus könnte es in Zukunft nicht nur Schichten, sondern auch Spezies, mit konträren Interessen geben. Basierend auf dieser Theorie wären Konflikte und Kriege zwischen den Spezies unvermeidbar.

Der einfache Mensch wird sich natürlich gegen das „Beherrscht werden“ durch die reiche Schicht, wenn diese nicht bereits Cyborgs sind, auflehnen. Dies steht natürlich im Konflikt zu den Interessen von Google, Amazon und Facebook möglichst ungehinderten Zugang zum Menschen zu haben. Diese Unternehmen konzentrieren hierbei immer mehr Macht, in Form von Besitz von Daten und Zugriff auf technische Geräte, und Abhängigkeit auf sich. Es wird einen Punkt geben an dem diese Macht nicht mehr gebrochen werden kann und diese Konzerne für unsere Systeme Systemrelevant geworden sind. Und doch wird der einfache Mensch sich im Kampf für die Rückgewinnung seiner Selbstbestimmung und Unabhängigkeit versuchen von den Mega-Konzernen zu lösen und lokale Strukturen zu schaffen. Hier besteht Konfliktpotenzial.

Mega-Konzerne und Reiche besitzen nicht nur immer mehr Kontrolle über Menschen, sondern auch über die Politik. In den USA ist dies bereits am deutlichsten zu erkennen. So sind die Reiche Schicht und Politik nicht mehr zu trennen. Ein reicher Unternehmer ist Präsident des Landes und somit „Herrscher“ und Volksvertreter. Wird es in Zukunft noch unabhängige Politik geben oder werden die Reichen und Unternehmen die Länder lenken und somit auch, dank Zugriff auf Sicherheitskräfte und Armeen, Aufstände der einfachen Menschen niederschlagen können? Ist dies das Szenario der oberen 20 bis 25%?

‚Während derzeit militärisches Vorgehen oftmals darauf zielt die Bereitstellung von Gütern des Kontrahenten zu stören, werden Güter zunehmend virtuell sein und sich somit das militärische Interesse ebenfalls dahingehend verlagern.‘

Doch nicht nur zwischen Arm und Reich bzw. eventuell in Zukunft Mensch und Cyborg gibt es Interessenskonflikte. Cyborgs und KI benötigen IT-Infrastruktur, Server-Leistung und immens viel Energie. Für mich ist es durchaus logisch, dass Cyborgs oder KI untereinander oder gegeneinander um diese Ressourcen kämpfen. Heutzutage werden bereits Kriege um Öl geführt. In Zukunft könnten es auch Kriege um Strom sein. Rücken hier dann Island, Norwegen, afrikanische Staaten und andere Länder mit natürlichen Strom-Quellen (Thermischer Energie, Wasserenergie, Sonnenenergie, …) in den Fokus? Während militärisches Vorgehen im Mittelalter oftmals auf die Nahrungsversorgung des Gegners (z.B. durch Belagerung) zielte, waren es in jüngeren Kriegen Angriffe auf die Industrie (z.B. Fabriken) und Infrastruktur (z.B. Brücken) des Kontrahenten. Werden die Kriege in Zukunft physisch und virtuell auf die Server-Farmen und Energie-Netze und -Gewinnung des Gegners gerichtet sein?

Auch in Zukunft wird es ideologische Auseinandersetzungen, Interessenskonflikte und begrenzte Ressourcen geben. Meine Theorie ist, dass es hierbei zu einer verstärkten Polarisierung zwischen den einfachen Menschen, dank Kapital und Wissen technologisch bevorzugten Reichen (eventuell auch Cyborgs) und künstlicher Intelligenz kommen wird und hier neuartiges Konfliktpotenzial geben könnte.

by Apr 21, 2018 Keine Kommentare
Wohlfahrt durch die Robotik-Steuer

Wohlfahrt durch die Robotik-Steuer

Gastartikel

Es ist die große Sorge der Arbeitnehmer und die große Frage unserer Epoche: Werden Roboter den Menschen ersetzen? Die Schätzungen ob, wie schnell und wie umfassend die Automatisierung Branchen und Gesellschaft verändern wird, gehen weit auseinander. Doch aus meiner Sicht können wir uns entspannt zurücklehnen – die Automatisierung wird den Menschen nicht ersetzen, sondern uns endlich ermöglichen unsere Lebenszeit mehr für Leben als für Arbeiten verwenden zu können.

Bereits jetzt ist ein Wandel der Arbeitswelt zu erkennen. Stichwort Work-Life-Balance. Teilzeit-Jobs und Job-Sharing-Modelle sind noch unausgereifte Möglichkeiten, aber doch mit zunehmender Häufigkeit in Nutzung. Dank der modernen Entwicklung entspannt sich unser Leben bereits jetzt merklich: wir gelangen dank des mittlerweile sehr umfassenden word-wide-webs einfacher an Informationen, wir können alles Online kaufen und uns Liefern lassen, sowie wir dank besserer Technologie, Infrastruktur und neuartigen Konzepten, wie beispielsweise Car-Sharing, immer mobiler werden. Wir müssen wir viele Bereiche unseres Alltags weniger Zeit aufwenden.

Doch für das „Life“ in Work-Life-Balance benötigen wir Geld, welches nur durch das „Work“ in Work-Life-Balance erhalten können. Wird nach dem Wandel in Richtung more-life-than-work auf Grund des Jobvernichters „Automatisierung“ die Phase von no-life-because-no-work einbrechen?

Warum die Automatisierung kein Jobvernichter ist

Aus meiner Sicht nicht! Es wird nicht zu Massenarbeitslosigkeit oder um sich greifender Armut in unserer Gesellschaft kommen. Die Automatisierung wird auch kein finaler Jobvernichter sein. Das hat zwei Gründe:

Schon mehrfach sorgten sich Gesellschaften vor großen Umbrüchen. Beispielsweise ging man davon aus, dass es auf Grund der Industrialisierung zu Massenarbeitslosigkeit kommen würde, da weniger Menschen in der Agrarwirtschaft arbeiten müssen. Doch wo auf der einen Seite Jobs vernichtet werden (Intermediation), dort entstehen diese an anderer Stelle wieder (Re-Intermediation). Heutzutage arbeiten weniger Menschen auf den Feldern, als noch vor 200 Jahren. Doch vor 200 Jahren gab es die Jobs der Film-, Werbe-, Technik- und anderer Branchen noch gar nicht. Auch die Automatisierung schafft zunehmend neue Jobs. Roboter müssen entwickelt und gewartet und Bots programmiert werden. Auch wenn fieberhaft an künstlicher Intelligenz gearbeitet wird, macht Technik aktuell was der Mensch ihr sagt was zu tun ist. Wo Jobs verloren gehen, werden auch neue entstehen.

Des Weiteren basiert unsere Wirtschaft auf Konsum. Es wird für Menschen gebaut. Gebäude und Infrastruktur. Es wird für Menschen produziert. Kleidung, Nahrung, Fahrzeuge. Es wird für Menschen gearbeitet. Gastronomie oder Dienstleistungswesen. Auch wenn der Gedanke einer kompletten Automatisierung für Unternehmen den Charme wesentlich geringerer Kosten hat, so müssen die Konsumenten doch über Geld für den Konsum verfügen. Einen Jobvernichter zu erschaffen ist also nicht im Interesse der Wirtschaft.

Die Robotik-Steuer ist die Lösung

Steuern dienen dem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen als Einnahmequelle. Die Einkommenssteuer macht in etwa ein Drittel der Einnahmen der BRD aus. Sollte die Automatisierung zunehmend Arbeit und somit auch Einkommen vernichten, wird der Staat sein Konzept der Besteuerung anpassen müssen, um den öffentlich-rechtlichen Apparat weiterhin finanzieren zu können.

Roboter, Bots und Algorithmen erbringen Arbeitsleistung. Diese Arbeitsleistung muss besteuert werden. Somit würde der Staat weiterhin Einnahmen aus der wirtschaftlichen Tätigkeit seiner Wirtschaft beziehen. Außerdem wäre der zweite positive Effekt, dass der Staat ein neues Werkzeug zur Regulierung des Marktes besitzen würde. Durch die Veränderung der Höhe der Besteuerung der Arbeitsleistung durch Robotik kann der Mensch beispielsweise wieder wettbewerbsfähig am Arbeitsmarkt agieren, wenn er nur wenig teurer oder gar günstiger als die Automatisierung ist. Ob man die innovative und technische Entwicklung unserer Menschheit jedoch derart abwürgen möchte ist eine andere Frage.

Aus meiner Sicht werden wir weniger arbeiten! Der Wandel des Fokus weg von Arbeit, hin zum Leben wird sich aus meiner Sicht fortsetzen. Der Staat wird die Einnahmen aus der Besteuerung von robotischer Arbeitsleistung nutzen, um der Bevölkerung ein bedingungsloses Grundeinkommen auszuzahlen. Hierdurch werden der Konsum und die Funktionsfähigkeit unserer Gesellschaft erhalten bleiben.

Darüber hinaus wird der Mensch immer arbeiten wollen. Doch unser Fokus wird sich mehr auf die Branchen richten, in welchen der Mensch durch den Konsumenten klar gewünscht ist. Mit bedingungslosem Einkommen und viel Zeit wird die Menschheit mehr reisen, feiern, leben und erleben wollen. Die Branchen Sport, Tourismus, Erlebnis und Gastronomie werden rasant wachsen – und genau hier ist der Mensch als Arbeitskraft gewünscht. Ich gehe lieber in eine Bar mit Barkeeper anstelle unpersönlichem Ausschank-Roboter oder schaue lieber ein emotionales Sport-Spektakel als einen perfektionierter Roboter-Wettbewerb.

Der Mensch wird arbeiten. Der Mensch wird jedoch auch mehr leben können. Ich freue mich auf die Automatisierung. Sie öffnet unserer Gesellschaft neue Türen für eine nächste Epoche unserer Menschheit.

by Okt 22, 2017 Keine Kommentare
BoxHotel – Wandel der Hotelerie

BoxHotel – Wandel der Hotelerie

Gastartikel

Die BoxHotel GmbH ist das derzeit wohl modernste Hotel-Projekt in Europa. Neben der Begründung einer neuartigen Hotel-Form steht die technische Automatisierung im Fokus. Es gibt keine Rezeption und der Kunde öffnet alle Türen mit seinem Smartphone. Jüngst eröffnete das erste BoxHotel erfolgreich in Göttingen. Das nächste wird in Hannover folgen.

Während sich der Markt für den Verkauf von Schlafgelegenheiten und Wohnraum rasant wandelte und mittlerweile fast ausschließlich digital abgewickelt wird, sind in der Hotellerie selbst starre und veraltete Prozesse und Konzepte zu erkennen. Doch dabei nimmt der Druck auf die Hotel-Konzerne zu. Hält die Branche zu lange an Bewährtem fest wird es ihr bald ähnlich der Bücherläden ergehen.

Mit unternehmerischem Mut, einer Vision und disruptiver Rebellion möchte Unternehmer Oliver Blume den Hotel-Markt revolutionieren. Der Hannoveraner ist spezialisiert auf disruptive Unternehmenskonzepte und einer der gefragtesten Unternehmer auf dem Gebiet der Zukunft. Ähnlich wie Elon Musk oder Richard Branson denkt Blume weiter als andere und bringt darüber hinaus den Mut mit seine Ideen umzusetzen.

Nachdem Oliver Blume den Apotheken-Markt revolutionierte und die größte Apotheken-Kette Deutschlands schuf richtet sich sein disruptiv-gieriger Blick nun auf die Hotel-Branche.

Im Mai 2017 eröffnete das erste BoxHotel in Göttingen. Das nächste ist bereits für Hannover in Planung. Mit diesem Projekt wird auf der einen Seite eine Hotel-Art begründet und auf der anderen Seite der technische Wandel forciert.

BoxHotel begründet eine neue Hotel-Kategorie zwischen Hostel und Low-Budget-Hotel und ist als Discount-Microhotel zu verstehen. Das Unternehmen errichtet Schlafboxen in schwervermietbaren Einzelhandelsflächen. Hierdurch werden brachliegende Flächen reaktiviert und Übernachtungsmöglichkeiten in Innenstadtlage geschaffen. Darüber hinaus reduziert sich BoxHotel auf den perfekten Schlaf. Wo Kunden bei konventionellen Hotels mit jeder Übernachtung zum Teil auch die nur schwach genutzten Flächen für Bar, Spa, Frühstück und andere Dinge mitbezahlen, konzentriert sich die Boxhotel GmbH auf das Kernangebot der Hotellerie – Übernachtungen. Der Kunde übernachtet ab 24,99€ in eigenen Zimmern/Boxen.

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind groß. BoxHotel tritt in diesem Fall als eines der modernsten Hotels am Markt auf. Es gibt keine Rezeption mehr. Diese wurde auf die BoxHotel-App verlagert, mit welcher sich Kunden einchecken und via mobilem Schlüssel über die App alle Türen im Hotel öffnen können. In der App finden sich außerdem zahlreiche Möglichkeiten, wie Taxi-Ruf und Umgebungsinformationen.

Die BoxHotel GmbH betreibt den Standort Göttingen erfolgreich und plant bereits die Eröffnung weiterer Hotels. Das Unternehmen ist ideal aufgestellt. Schneller Wachstum. Digital. Automatisiert. Effizient. Günstig. Die Tourismus-Branche und mit ihr die Anzahl der Übernachtungen steigt seit vielen Jahren stetig und erreicht jährlich neue Rekorde. Smarte Konzepte sind gefragt – BoxHotel greift die Branche mit einem neuartigen Konzept an.

Du bist interessiert der Entstehung dieser modernsten Hotel-Kette zu folgen? Hier findest du die Facebook-Seite.

by Okt 22, 2017 Keine Kommentare
Die Bilanz-Blase

Die Bilanz-Blase

Gastartikel

Während Handel, Produktivität und Innovation schwächeln versinkt die Welt in günstigem Geld und keiner weiß wohin mit all dem Schotter. Nicht nur die Immobilienpreise und Aktienmärkte bewegenden sich wieder in schwindelerregenden Höhen – nein, auch der Markt für Übernahmen und Fusionen erreicht wieder Werte, vergleichbar zu 2006.

Der Handelsblatt-Artikel “Vorsicht, Bilanzdoping!” von Ulf Sommer (23.06.2017) bewegte mich dazu erneut einen Bericht zu diesem Thema verfassen: Es geht um die massiven Zukäufe und Fusionen (Mergers and Acquisitions bzw. kurz M&A). Der M&A-Markt boomt und macht dem Rekord-Jahr 2006 – dem Jahr vor der letzten große Krise – die Rekord-Volumina streitig. Und voraussichtlich wird auch 2017 neue Rekorde anvisieren.

Volumen und Anteil am globalen BIP des M&A-Marktes von 2000 bis 2015 (Quelle: credit suisse)

In meinem Beitrag “Die Start-Up-Blase – großer Hype um kleine Firmen” (15.02.2017) habe ich mich bereits mit dem M&A-Wahn beschäftigt. In diesem Beitrag hatte ich nach den Gründen des Übernahme-Booms gesucht und mich in Anlehnung an den genialen Artikel “The Unicorn Hedge” von Dave McClure (500 Start Ups/21.08.2016) darauf eingeschossen, dass bestehende Großkonzerne ihre veralteten und schwerfälligen Geschäftsmodelle durch Zukäufe innovativer und junger Start-Ups absichern (hedgen).

In Zeiten immer schnellerer Innovationszyklen kommen Innovationen nicht mehr von Siemens, Bayer oder Microsoft, sondern werden von Uber, SpaceX und anderen Start Ups entwickelt. Die Nachfrage nach diesen Innovationen ist groß und treibt die Bewertungen für kleine und mittelgroße Unternehmen an.

Die Anzahl von Unicorns, Start Ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, seit 2011.

Abschließend formulierte ich am 15.02.2017: “Die Frage ist: Sind die großen Hoffnungen und Erwartungen an die StartUps berechtigt und werden diese Nachziehen und die billionenschwere Einpreisung rechtfertigen – oder wird der Traum irgendwann jäh zerplatzen und mit ihm ein Billionenmarkt?”

Mit dieser Frage hat sich auch Ulf Sommer vom Handelsblatt beschäftigt: Was passiert mit den hoch bewerteten Zukäufen, welche in die Bilanzen der Großunternehmen einfließen?

Um sich dieser durchaus komplexen Thematik zu nähern, möchte ich weit am Anfang beginnen: Was ist Goodwill? “engl. für Geschäfts- oder Firmenwert . Dieser immaterielle Wert entsteht durch Unternehmenskäufe. Übernimmt ein Unternehmen einen Konkurrenten, muss das Management das Vermögen seiner neuen Tochter neu einschätzen. Lizenzen, der Fuhrpark, Immobilien – jede Position wird bewertet. Fällt der gezahlte Kaufpreis für das Unternehmen höher aus als das neu bewertete Vermögen, wird diese Übernahmeprämie als Goodwill in die Bilanz gebucht.” (Quelle: Börsenlexikon der ARD)

In den 2000er Jahren wurden viele Vorschriften und Gesetze in Deutschland an internationale Standards angepasst. So auch im Jahr 2004 der Umgang eines Unternehmens mit Goodwill. War ein Unternehmen zuvor noch verpflichtet den Goodwill eines Kaufs planmäßig und linear abzuschreiben, so geschieht dies nach IFRS-Standard nun nur noch außerplanmäßig und infolge eines unternehmensinternen Impairment-Tests.

Ein Schelm ist wer an dieser Stelle böses vermutet? Ganz im Gegenteil. Unternehmen schreiben den Goodwill tatsächlich kaum noch ab. Das ist verständlich – immerhin belasten Abschreibungen den Ertrag, welcher von Aktionären doch stets argwöhnisch kontrolliert wird. Kai Lehmann vom Flossbach von Storch Reaearch Institute fand in seiner ausführlichen Analyse “Die Goodwill-Blase” (28.04.2015) heraus, dass seit 2005 kaum noch Abschreibungen auf Goodwill stattgefunden haben:

Mit 12,0 bzw. 5,1 Milliarden Euro entfielen etwa die Hälfte aller Impairments auf die Deutsche Telekom und Eon. Lässt man diese beide Unternehmen aus der Betrachtung heraus, dann ergibt sich bei den übrigen 28 DAX-Konzernen eine durchschnittliche Abschreibung auf Goodwill von nur 25 Millionen Euro pro Firma und Jahr. Bedenkt man, dass im gleichen Zeitraum jeder DAX-Konzern durchschnittlich 2,6 Milliarden Euro Goodwill in der Bilanz trug, ist eine Nutzungsdauer dieses “Wertes” von etwa 100 Jahren zu unterstellen. Kurz: Am Goodwill wird festgehalten, anstelle diesen kaufmännisch korrekt anzupassen und abzuschreiben. Frei formuliert nach Kai Lehmann.

Und genau an dieser Stelle möchte ich mit der Bilanz-Blase genauer fortfahren: jährlich finden derzeit zwischen 5 und 6 Billionen Euro an Transaktionen am M&A-Markt statt. Es wird gekauft, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Die immer schneller werdenden Innovationszyklen zwingen träge Großkonzerne zu Zukäufen. Zudem ist Geld günstig. Die Refinanzierung von Mega-Deals oder auch zahlreichen Zukäufen ist aktuell günstiger denn je. Und so steigen neben den Umsätzen auch die Schulden bei den Unternehmen der Leitindizes weltweit auf Rekordhochs. So stieg der Schuldenstand der DAX30 Konzerne zuletzt 2016 auf 611 Milliarden Euro.

Viel Geld fließt in Übernahmen. Der Übernahme-Boom treibt die Bewertungen am Markt in schwindelerregende Höhen. Mittlerweile ist es Gang und Gebe am M&A-Markt das 15, 20 oder gar 25-fache des EBITA zu bezahlen. Ein Investition, welche sich erst nach 25 Jahren refinanziert haben wird – wer macht so etwas noch in Zeiten von Innovationszyklen, die zwischen 2 und 5 Jahren liegen? Überraschend viele …

Fleißig verbuchen die Konzerne hierbei den Goodwill. Das Handelsblatt recherchierte, dass die DAX30 mittlerweile 267 Milliarden Euro Goodwill angehäuft haben. Merkst du es? Die 1,1 Billionen Marktkapitalisierung bzw. die rund 750 Milliarden Euro Eigenkapital der DAX30 beinhalten fast 300 Milliarden Euro mitgeschleppte Bewertungsfantasien. Hierbei handelt es sich um eine Blase in den Bilanzen der Großkonzerne. Nicht nur in Deutschland: Beispielsweise in den USA schieben die 30 größten Konzerne 500 Milliarden Euro Goodwill bei 1,5 Billionen Euro Eigenkapital vor sich her.

Mir drängen sich an dieser Stelle zwei Fragen auf:

  1. Stellen die Hohen Bestände an Goodwill-Werten in den Bilanzen der Großkonzerne eine Gefahr dar?
  2. Hat die fehlende Bereitschaft zur Abschreibung von Altlasten aus Übernahmen zu einer Verzerrung am Aktienmarkt geführt?

Nach Recherchen des Flossbach von Storch Research Institute machen derzeit rund 45% des Eigenkapitals der DAX30 Goodwill-Werte aus. Betrachtet man den Markt nüchtern mit einem oberflächlichen Blick, dann wirkt das Verhältnis von 750 Milliarden Euro Eigenkapital zu einem Schuldenstand über 610 Milliarden (weniger als 50% der Bilanzsumme der DAX30 sind Schulden) erst einmal recht moderat und gesund. Doch zu bedenken ist, dass 45% dieses Eigenkapitals Goodwill sind. Warum ist das wichtig? Der Goodwill ist kein materieller oder immaterieller Wert, welcher den Schulden gegenübersteht. Der Goodwill ist eine Bewertung, Meinung oder auch Erwartung. Sollte das gekaufte Unternehmen seinen Wert erhalten oder steigern, dann ist der Goodwill ein durchaus bilanzierbarer Wert. Doch sinkt der Wert des gekauften Unternehmens, dann ist das Eigenkapital an dieser Stelle größer (weil nicht abgeschrieben) als der eigentlich real noch vorhandene Wert.

Zuletzt erlebten wir dies bei Eon, welche den Wert der Kohle- und Gaskraftwerke in der Bilanz bis zum Verkauf bei 15 Milliarden Euro beließen. Mit dem Verkauf dieser Sparte, heute Uniper, fiel eine sofortige Abschreibung von 6,7 Milliarden Euro an und riss Eon in dem betreffenden Geschäftsjahr einen Verlust von fast 10 Milliarden Euro in den Jahresabschluss (siehe: “Eon am Boden” vom Handelsblatt).

Auch adidas könnte ein böses Erwachsen bevorstehen, sollte der Konzern sich zu einem Verkauf der notleidenden Marke Reebok entschließen. Der Sportartikel-Hersteller verzeichnet 1,4 Milliarden Euro Goodwill in seiner Bilanz. Das meiste dessen sollte auf die gekaufte Schuh-Marke Reebok entfallen, welche jedoch laut Marktinsidern imF alle eines Verkaufs weit weniger als eine Milliarde Euro einbringen sollte. Für adidas hätte dies eine sofortige Abschreibung von 300 bis 600 Millionen Euro zur Folge.

Die große Gefahr der Bilanz-Blase sind Abschreibungen. Sollte es zu einer Gesetzesänderung oder Krise mit folgend zahlreichen Verkäufen kommen, dann bereinigt sich das Eigenkapital der DAX30 um die nicht vorhandenen Werte. Im Strudel einer globalen Krise am Finanzmarkt könnte es zu einer Situation kommen in der Großkonzerne massiv Beteiligungen verkaufen (wie zuletzt Eon auf Grund der Energiesektor-“Krise”), um Verluste zu minimieren, Verantwortung abzugeben und Liquidität freizusetzen. Dies würde jedoch auch Abschreibung von 20 oder 30% des Goodwills nach sich ziehen. Wir sprechen hierbei von einer Summe von bis zu 80 Milliarden Euro – allein bei den DAX30.

Quelle: Finanzstabilitätsbericht 2016 der Bundesbank

Auf der anderen Seite besteht die Frage ob die fehlenden Abschreibungen nicht zu einer Verzerrung der Bewertung am Aktienmarkt geführt haben? Immerhin weisen die Großkonzerne eventuell mehr Eigenkapital aus, als diese tatsächlich besitzen. Auch ist die Verteilung von Schulden und tatsächlich belastbarem Eigenkapital (beispielsweise das Nettovermögen) eventuell wesentlich geringer.

Kai Lehmann fand hierbei in seiner lesenswerten Analyse “Die Goodwill-Blase” heraus, dass die DAX30 dank der neuen Standards ohne planmäßige Abschreibung des Goodwill von 2005 bis 2014 118 Milliarden Euro vor Steuern einsparten. Laut Lehmann wären allein 2014 die Gewinne der DAX30 durchschnittlich rund 460 Millionen Euro niedriger je Konzern ausgefallen. 20% weniger Ertrag – und das in einer Phase der sowieso bereits schwächelnden Konzernergebnisse.

Dieser Effekt ist aus meiner Sicht für die Börse durchaus relevant. Immerhin werden hier Werte ausgewiesen, welche auf Grund wenig transparenter Untersuchungen von außen nur schwer als richtig oder falsch erkannt werden können. Bei RWE, Thyssen Krupp, Eon, Pro7Sat1, Fresenius Medical Care, Merck, Fresenius und der Deutschen Post ist der Goodwill höher das Eigenkapital. Mit dem Übernahme-Boom und der fehlenden Bereitschaft Firmenwerte korrekt anzupassen weisen die DAX30 wahrscheinlich mehr Eigenkapital und Gewinn aus, als es tatsächlich der Fall ist.

by Jun 23, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Gastartikel

Stell dir vor du kaufst deinen Eltern zum Hochzeitstag eine Tulpe. Tulpen sind wahrlich schöne Zierpflanzen. Aber kannst du dir vorstellen, dass du dir mit dieser Tulpe vor einigen hundert Jahren in Amsterdam die prächtigsten Häuser in der Innenstadt hättest kaufen können? Eine Zwiebel, deren Wert sich teilweise im Jahr verzehnfachte?

Im 17. Jahrhundert erlebte die Niederlande ihr goldenes Zeitalter. In der Seefahrt setzten sich die niederländischen Kompanien durch. Wirtschaftlich und finanziell war die Niederlande ein wichtiges Zentrum Europas. Aber auch kulturell gab das kleine Land den Takt vor. Man schätzt, dass damals rund 700 Maler rund 70.000 Gemälde im Jahr fertig stellten. Das hat kein anderes Land, nicht Italien und auch nicht Frankreich, in anderen wichtigen Kunst-Epochen geschafft. Die Niederlande erlebte Fortschritte im Wohlstand, in der Technik, Forschung, Bildung, Kultur und auch der Finanzbranche.

Gerissene Händler entwickelten schnell zahlreiche Finanzprodukte. Die Börse erlebte einen schnellen Aufstieg. 1602 wurde die erste Aktiengesellschaft der Welt gegründet (hier nachzulesen). Um 1613 wurden die ersten separaten Gebäude für den Börsen-Handel errichtet. Der Handel mit Wertpapieren war attraktiv und die Menschen erkannten die neuen gigantischen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Viel Geld strömte im goldenen Zeitalter in die Niederlande und auch an deren Börse. So platzte 1643 die wohl erste Blase der Geschichte. Wie kam es dazu?

Preisentwicklung der teuersten Tulpe der Welt zwischen 1623 und 1637

Die seit dem 15. Jahrhundert aus Persien, über das Osmanische Reich und Wien nach Europa gelangte Blume „Tulpe“ genoss ein hohes Ansehen in den Niederlanden. Wo wir heutzutage ein teures Auto vor dem Haus stehen haben, um unseren Wohlstand zu präsentieren, dort pflanzten die Niederländer damals Tulpen im Vorgarten an. Diese neue und exotische Blume wurde intensiv gepflegt und gezüchtet, getauscht und gehandelt. Bald schon existierten rund 800 verschiedene Sorten. Die dekorative Pflanze erlangte immer mehr Aufmerksamkeit und die Nachfrage stieg. Das rief Spekulanten auf den Plan, welche an diesem Handel und der steigenden Nachfrage verdienen wollten.

Nachdem Tulpen zuvor im Sommer nach der Ernte gehandelt wurden eröffnete die Börse neue Möglichkeiten. Die Händler gingen dazu über die Ernte bereits im Winter zu kaufen, wenn die Tulpen noch in der Erde wuchsen. Man kaufte sich mit Börsen- bzw. Termin-Kontrakten die Ernten des nächsten, übernächsten oder über-übernächsten Jahres spekulativ und hoffte auf seltene und begehrte oder viele Zwiebeln. Bauern ließen dazu Kupferstiche mit Bildern der Tulpen anfertigen. In Börsen-Gebäuden und Schankhäusern fanden dann Versteigerungen statt. Der Parkett-Handel entstand. Der Handel der Ernten wurde immer größer und intensiver. Das lockte auch Spekulanten an. Wo zuvor vor Allem Händler handelten, welche dann auch die Ernte einstreichen wollten, dort boten nun auch Spekulanten mit, welche kein Interesse an der Ernte oder den Tulpen hatten, sondern ihr Recht auf bestimmte Ernten mit steigenden Preisen noch vor dieser Ernte weiterverkaufen wollten.

Viele Innovationen sind seit 1602 am Finanzmarkt zu erkennen. Innovationen welche den Handel erleichterten, intensivierten und auch flexibler gestalteten. Wo zuvor lediglich Produzent und Händler agierten fanden sich nun neben eben jenen auch Spekulanten und Anleger aus der Bürgerschaft ein. Es strömte immer mehr Geld, Nachfrage und Aufmerksamkeit in den Tulpenmarkt. Und so blähte sich die Blase auf. Jeder rechnete mit steigenden Preisen und wollte selbst Terminkontrakte besitzen. So konnte der glückliche Käufer sein Kontrakt schon morgen für einen höheren Preis an den nächsten Spekulanten weiterverkaufen. Bürger nahmen all ihr Geld in die Hand und wetteten mit. Viele gelangten zu großem Wohlstand als sie plötzlich 10-Mal so viel verdienten, wie zuvor.

Für 2500 Gulden konnte man sich in den 1620ern eine Tulpe “Viceroy” oder … kaufen

Der Handel mit Tulpen wurde immer größer, immer schneller, immer komplexer. Es entstand ein Hype. Jeder wollte mitmachen. Jeder setzte sein Geld spekulativ ein. Jeder wollte reich werden. In dieser Form, als auch die einfachsten Bürger anfingen an der Börse spekulieren, erkennen wir auch die erste Hausmädchen-Hausse der Weltgeschichte. Um die Blase in Zahlen zu fassen: Die teuerste Tulpe aller Zeiten, die Semper Augustus, wurde 1623 für 1.000 Gulden je Zwiebel, 1624 für 1.200 Gulden (+20%), 1633 für 5.500 Gulden (+360%) und dann 1637 zum Zenit der Blase für unglaubliche 10.000 Gulden je Zwiebel gehandelt. Somit war eine Zwiebel dieser Sorte so viel Wert wie die teuersten Luxus-Häuser im Zentrum von Amsterdam. Ein weiterer Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Niederländers lag damals bei 150 Gulden im Jahr. Abgesehen von dieser extrem teuren Sorte wurden die meisten Sorten zwischen 10 und 100 Gulden je Zwiebel gehandelt. Doch auch hier stiegen die Preise rapide an. Der Preis der Tulpe Groot verdoppelte sich vom 28. Dezember 1636 bis zum 12. Januar 1637 von 0,07 Gulden auf 0,15 Gulden. Im gleichen Zeitraum explodierte der Preis der Sorte Switserts um das 12-fache von 125 auf 1.500 Gulden je Pfund.

Am 3. Februar 1637 dann platze die Blase. Bei einer Auktion in Haarlem konnte kein einziger Posten verkauft werden. Niemand war mehr bereit noch mehr Geld zu investieren. Mit der Spekulation hatte sich der Preis der Tulpen weit von deren fairen Wert entfernt. Diese Spirale der Spekulation funktionierte nur so lange, wie die Händler von steigenden Preisen ausgingen und somit bereit waren weiter zu investieren. Schlagartig wurde allen klar, dass die Preise zu hoch waren und der Crash war perfekt. Unzählige Bürger verloren ihr gesamtes investiertes Vermögen. Die Niederlande stand vor einem Dilemma: Die Tulpenindustrie war in den 15 Jahren des boomenden Handel enorm gewachsen. Nun gab viele Spekulanten, welche ihr Terminkontrakt nicht mehr verkaufen konnten und somit die Pflicht wahrnehmen mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ernte zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Zu kaufen mit Geld, welches niemand besaß.

Die verschiedenen Gerichte in den Niederlanden handelten unterschiedlich. In einigen Regionen wurden die Terminkontrakte für ungültig erklärt, in anderen mussten die Händler Strafzahlungen an die Bauern entrichten oder tatsächlich die Verträge erfüllen und die Ernten kaufen. Die Niederländer hatten 15 Jahre der steigenden Preise, der großen Gewinne und des erfolgreichen Handels erlebt. Am Ende hatten sich die Preise teils verhundertfacht. Der Wert der Tulpen war überbewertet, es handelte sich um eine Blase, welche 1637 platze. Diese Blase, heutzutage bekannt als Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie, zeigt das leichtsinnige und verrückte, aber auch irrationale und irreale Handeln von Spekulanten auf. Es war eine Blase und Spekulations-Hysterie wie im Lehrbuch.

by Apr 11, 2017 Keine Kommentare
AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

Gastartikel

Globalisierung, Internet und ein fortschreitender technologischer Wandel haben den Wohlstand, den Bildungs- und Gesundheitszustand global in kurzer Zeit wesentlich verbessert. Die mit diesem Fortschritt einhergehenden Nebenwirkungen führen jedoch zu einem gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel.

Auf Grund der Globalisierung stehen Unternehmen und Arbeitnehmer mittlerweile weltweit im Wettbewerb miteinander. Gewinner der Globalisierung sind jene, welche ihre Arbeitsleistung oder ihr Kapital global-diversifiziert anbieten und anlegen können. Mit dem Internet veränderte sich auch die mediale Nutzung. Geschehnisse, beispielsweise in Vorderasien, fühlen sich heutzutage für in Deutschland lebende Personen auf Grund höherer Mobilität und schnellerer Berichterstattung näher und gefährlicher an als früher. Die Geschwindigkeit technischer Entwicklung und Veränderung hat zugenommen. Benötigten die Industrienationen im 20. Jahrhundert noch über 30 Jahre, um das nationale BIP zu verdoppeln, so werden beispielsweise Indien und China dies im 21. Jahrhundert in weniger als 20 Jahren umsetzen können. Zusammenfassend führt die globale Vernetzung dank technischem Fortschritts gesellschaftlich zu einer gefühlten Instabilität, Schnelllebigkeit und Ohnmacht.

Im Kontext dieser tiefgreifenden Veränderungen suchen wir nach Stabilität, Halt und Alternativen. Die 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) spricht genau jene Wünsche von Teilen der deutschen Wählerschaft an. Die AfD ist politisch rechts neben der Union und als rechtspopulistisch einzuordnen. Umfragen erwarten, dass 10 bis 20% der Wähler überlegen die AfD zu wählen. Doch was sind die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland?

AfD wählen – Vorteile

  • Populistische Parteien können auch ohne Regierungsbeteiligung großen politischen Einfluss ausüben. Grund ist, dass alle anderen Parteien reagieren und sich politisch nach rechts bewegen, um den Verlust von Wählern zu vermeiden. Der AfD eine Stimme im Bundestag zu geben wird dementsprechend auch die politische Ausrichtung der zukünftigen Regierung beeinflussen.
  • Die AfD leistet sich viele Patzer im politischen Alltag. Da es sich jedoch um eine junge Partei handelt besteht natürlich ein Lernprozess. Die AfD wächst mit ihren Aufgaben und könnte sich mit etwas Zeit vom Sorgenkind der deutschen Demokratie zu einem Bestandteil der Opposition entwickeln.
  • Die AfD nutzt den Politikstil ‘Populismus’. Hierbei tritt die Partei als Gegner der bestehenden Eliten und eigentlicher Vertreter des Volkes auf. Populisten greifen meist die Meinung verschiedener Bevölkerungsgruppen auf und vertreten diese Lautstark. Die AfD könnte der Stimme des Volkes im Bunddestag Nachdruck verleihen.
  • Es ist ein Phänomen der Verhaltenspsychologie (‘Eisverkäufer am Strand’), dass sich Unternehmen auf der Suche nach Kunden und Parteien auf der Suche nach Wählern möglichst mittig positionieren, um die Wähler links wie auch rechts anzusprechen. Konsequenz ist, dass sich viele Parteien inhaltlich angeglichen haben. Die AfD tritt als Alternative auf und bietet tatsächlich auch einen anderen Weg und andere Inhalte,

AfD wählen – Nachteile

  • Zu viele Köche verderben den Brei. Mit der Bundestagswahl 2017 könnte der deutsche Bundestag aus bis zu 6 Parteien bestehen. In der deutschen parlamentarischen Demokratie müssen sich jedoch Koalitionen bilden und Mehrheiten finden. Ist der Bundestag dann noch regierbar oder wird der politische Alltag noch zäher und schwerfälliger werden?
  • Die AfD führt den demokratischen Diskurs ad absurdum. Auf komplexe Probleme gibt es keine einfachen Antworten. Dies suggeriert die AfD jedoch. Auch besteht der schrille rhetorische Politikstil aus haltlosen Anschuldigungen, unnötigen Beleidigungen, Missachtung von Regeln und Grundsätzen und dem Ignorieren von Kompromissen, Prozessen und Argumenten der Gegenseite.
  • Im postfaktischen Zeitalter gibt es mehrere Realitäten und Wahrheiten. Die AfD steht für alternative Fakten bzw. Lügen. Sachverhalte werden verdreht, erfunden und gelogen. Ein solches Verhalten könnte die deutsche Politik hemmen und erschweren. Auch der Wähler wird belogen.
  • Die AfD ist keine nationalsozialistische Partei und greift nicht das “Erbe” des Nationalsozialismus auf. Dennoch ist sie als Partei des rechten politischen Lagers anfällig für Personen mit nationalistischen und noch schlimmeren Gedankengut. Es gibt durchaus Personen in den Führungskreisen der Partei, welche fragwürdiges Gedankengut besitzen. Ob eine Partei im Bundestag vertreten sein sollte, bei welcher unklar ist, ob sich diese rechtspopulistisch oder rechtsextrem positionieren wird, ist fraglich. Der Rechtskonservative Flügel “Weckruf 2015” um Bernd Lucke trat bereits aus.
  • Populistische Parteien sind eher kurzfristig orientiert. Es geht nicht um langfristige Veränderungen oder konstante Arbeit, sondern um möglichst schnelle Machtergreifung und Machterhalt. Die AfD reagiert sprunghaft einhergehend mit der Stimmung der Wählerschaft. Politik sollte jedoch sachlich und unaufgeregt agieren. Die AfD steht für unsachliche, instabile und emotional hergeführte Politik.
  • Als populistische Partei bekennt sich die AfD natürlich zu Demokratie und Grundgesetz. Doch wie steht es wirklich um diese Ambition? Die AfD lehnt den Islam ab, was bereits gegen das Grundgesetz der Religionsfreiheit steht. Auch verweigert die AfD mit anderen Parteien zu koalieren, was dem Gedanken der parlamentarischen Demokratie widerspricht.

AfD wählen – Auswirkungen auf Deutschland

Die AfD feiert als eine Art chauvinistische Partei aktuell viele Erfolge und zog in zahlreiche Landtage bereits ein. Der Wunsch nach “den guten alten Zeiten”, Verlangsamung, gewisser Abschottung gegenüber dem Weltmarkt und einer Rückkehr zu mehr Ruhe, Übersicht und gefühlter Stabilität treibt viele Wähler an die Alternative für Deutschland zu wählen. Die AfD bricht mit dem festgefahrenen politischen Alltag und tritt schrill und laut für ein anderes Konzept ein.

Die AfD bringt Lügen, unbegründeten Hass und Rassismus in die Politik ein. Noch ist unklar wie extrem diese Ausrichtung sein wird. Nach dem Abtreten des rechtskonservativen Flügels um Bernd Lucke besteht derzeit noch ein Disput zwischen dem rechtspopulistischen Flügel um Frauke Petry und den Hardlinern und dem Nationalismus nahestehende Personen. Rechtspopulismus hat Vorteile und Nachteile. Ein erstarkender Rechtsextremismus würde Deutschland definitiv schaden.

Die AfD bricht die politische Landschaft auf und bringt Emotionen und Bewegung in den politischen Alltag. Die Gefahr von auf Lügen, sprunghaftem Populismus und Hass basierender Politik ist für unsere parlamentarische Demokratie jedoch sehr groß. Die Stimme der AfD wird auch auf Bundesebene Gewicht erlangen. Doch wie stark die Stimme sein wird liegt auch an dir. Wir hoffen die zusammengestellten Vorteile, Nachteile und möglichen Auswirkungen der Entscheidung die AfD zu wählen haben dir geholfen. Wir freuen uns auch auf deine bereichernden Kommentare.

by Mrz 25, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – John Law

Geschichte der Börse – John Law

Gastartikel

Wie bereits im vorherigen Artikel beschrieben entwickelte sich die Börse seit dem 17. Jahrhundert mit der Gründung der ersten Aktiengesellschaft in den Niederlanden und dem Bau der ersten Gebäude für den Handel von Wertpapieren rasant. Viele Personen erkannten die Kraft und die Möglichkeiten der Börse frühzeitig und wussten diese geschickt für sich und andere zu nutzen.

Eine dieser Personen heißt John Law. Dieser Schotte ist eine charakterlich interessante Persönlichkeit. Vor Allem jedoch ist Law eine der bedeutendsten Personen der Finanzwelt. Er schuf etwas, was noch heutzutage zu bewundern ist. Er erkannte ökonomische Aspekte, die erst 200 Jahre nach ihm wieder aufgegriffen worden sind. John Law ist einer der wichtigsten Charaktere der Finanzwelt und aus meiner Sicht eine der spannendsten Persönlichkeiten unserer Geschichte.

Law wurde 1671 in Schottland geboren, wuchs dort auf und auf Grund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz und seines Talentes der Mathematik und des Kopfrechnens arbeitete er als Nationalökonom und Bankier. Doch auch dem Glücksspiel war er verfallen. In den Tavernen und Spielbanken war er berüchtigt, denn auf Grund seiner mathematischen Begabung gewann er nahezu immer. John Law war als Person auf der einen Seite intelligent und gerissen. Eine Person des Erfolgs. Auf der anderen Seite jedoch ein Lebemann, der gerne feierte, trank und spielte und somit auch aus Schottland fliehen musste als er wegen eines Duells um eine Frau, bei der sein Kontrahent verstarb, verklagt wurde. Er floh in die Niederlande wo er intensiv die dort boomende Börse studierte. Doch John wäre nicht John Law, wenn damit seine Geschichte vorbei wäre. Er musste erneut fliehen und lebte in Venedig im Exil. Circa 1715 dann ging er nach Frankreich. Dort sollte er sein Lebenswerk schaffen. Auf sein Wirken möchte ich heute eingehen. Wer ist er? Was schuf er? Was lernen wir daraus?

Nach einer kurzen Einführung zur Person John Law möchte ich kurz in diesem Absatz die historische Situation erklären: John Law gelang ungefähr 1715 nach Frankreich. In der damaligen Zeit erhielt die Börse immer mehr Ansehen. Vor Allem wurden mit ihr die großen Seefahrts-Gesellschaften finanziert. Die Seefahrts-Nationen Frankreich, England, Spanien, Portugal und die Niederlande befanden sich in einem Wettlauf um die Kolonien. Riesige Vermögen wurden investiert, um Kolonien zu erschließen, Handel zu betreiben und Kriege um diese Ländereien zu führen. Frankreich war damals das wirtschaftlich stärkste Land Europas. Und mit 20 Millionen Bürgern auch das bevölkerungsreichste Land. Eine Vormacht in Europa. Der verstorbene Sonnenkönig, Ludwig der XIV, hinterließ dem Land jedoch eine finanziell untragbare Situation. Seine exzessiven Feste, seine Affinität für teure Gegenstände und Kunst, sowie seine teuren Kriege in ganz Europa hinterließen schmerzhafte Spuren im Haushalt des Königreichs. 1715 standen rund 100 Millionen Livre Einnahmen ganzen rund 145 Millionen Livre Ausgaben gegenüber. Frankreich musste Schulden machen. Und das obwohl die Schuldenlast bereits 3,5 Milliarden (3.500 Millionen) Livre betrug. Der neue König, Ludwig XV, war noch unmündig und wurde in der Regentschaft durch Phillip II. (duc D’orléans) vertreten, welchen auch John Law kennenlernte. Jeder Vorschlag, wie diese finanzielle Situation gelöst werden könnte, traf damals auf offene Ohren.

Law erlangte 1716 Ansehen und Berühmtheit in Frankreich, indem er den Staatshaushalt zu entlasten wusste. Historisch erlangte er einen Platz in den Büchern, denn er gründete die wohl erste Zentralbank der Geschichte. Die „Banque Générale“ ist der Vorläufer der heutigen „Banque de France“. John Law durfte diese Bank gründen, emittierte 120 Aktien zu je 50.000 Livre, um Grundkapital über 6 Millionen Livre zu erhalten und erhielt das Recht der Münze. Mit diesem Recht war die Banque Generale das Unternehmen, welche das Geld ausgab. Frankreich war somit dank Law wohl auch das erste Land der Welt, welches ungedeckte Banknoten herausgab. John Law erkannte, dass für die Wirtschaft des Landes nicht der Wert der Währung, welcher damals durch die Golddeckung erzeugt worden ist, sondern der Umlauf von genügend Geld, also der Liquidität, abhing. Und so druckte er Livre, welcher durch das Versprechen des Staates diesen notfalls in Gold umzutauschen, seinen Wert erhielt. So konnte Frankreich Geld schöpfen (Einnahmen) ohne auf der anderen Seite Gold einkaufen und einlagern zu müssen (Ausgaben). Law setzte bereits Anfang 1700 somit das um, was erst 1971 offiziell weltweit mit der Aufhebung des Goldstandards umgesetzt worden ist. Er war seiner Zeit weit voraus und schaffte es so auch den Staatshaushalt von Frankreich mit billigem Geld zu entspannen.

1718 wurde die Banque Generale verstaatlicht. Frankreich wollte an der neuen schier unerschöpflichen Quelle des Geldes stärker partizipieren. John Law gründete 1719 die Mississippi-Kompanie und erhielt durch die Krone das Monopol auf den Handel und die Erschließung der Ländereien am Mississippi in Amerika. Sogleich emittierte er Wertpapiere zu je 500 Livre, damit auch die ärmeren Bevölkerungs-Schichten investieren konnten. Er sammelte über 100 Millionen Livre ein. Eine gigantische Summe. Jeder wollte Aktien haben, denn man träumte von großen Goldschätzen und ergiebigen Ländereien in Amerika. John Law investierte das Geld extrem geschickt. Er kaufte alle Seefahrts-Unternehmen des Landes und errichtete somit ein Imperium der Seefahrt. Er besaß alle Handels-Monopole und Schiffs-Flotten. Er erschloss und handelte alle Kolonien. John Law wurde der wichtigste Mann Frankreichs und der wohl reichste Mann der Welt. So kaufte er sich auch das Recht der Münze zurück. Das Imperium des gerissenen Schotten umfasste nach kurzer Zeit, dank des Kapitals der Anleger, den gesamten französischen Übersee-Handel inklusive zahlreicher Monopole und er konnte sich selbst Geld drucken.

Mit dieser betrieblichen Entwicklung schoss auch der Wert der Aktien in die Höhe. Von anfänglichen 500 Livre bei der Ausgabe stieg der Kurs in kurzer Zeit um 1.900% auf 10.000 Livre. Einfache Bauern und Putzfrauen waren plötzlich Millionäre und stolzierten auf den Boulevards mit Diamanten-Ketten umher. Der Begriff „Millionär“ wurde wegen dieser Geschehnisse erfunden. Die Kompanie Laws eröffnete in zahlreichen Städten Büros an denen Aktien gekauft und verkauft wurden. Jeder wollte plötzlich an diesem Aktien-Handel teilhaben und seinerseits reich werden. Und so reisten 1719 monatlich bis zu 25.000 Personen nach Paris. In den Stadtteilen der Büros der Kompanie explodierten die Häuserpreise von 1.000 Livre um 1.500% auf 16.000 Livre. Es handelte sich um eine gigantische Spekulations-Blase. Denn all diese Wertsteigerung basierte nicht auf dem Erfolg der Kompanie, sondern auf den Hoffnungen des großen Erfolgs dieser und auf Grund der riesigen Kaufkraft. Die Nachfrage war vielfach höher als das Angebot. Law verdiente prächtig daran und konnte wohl eine bis fünf Milliarden Livre einsammeln. Ein vielfaches der Wirtschaftskraft des damaligen Frankreichs.

Doch 1720 machte sich Unruhe breit. Rückkehrer berichteten von Krankheiten, Seuchen und Misserfolgen. Gold wurde kaum gefunden und die Kolonien schienen nicht so erfolgreich, wie erwartet bzw. wie erträumt zu sein. Die Überbewertung des Konglomerats von John Law wurde immer mehr Anlegern bewusst und das Angebot (Verkäufer) am Markt wurde größer. Der Kurs der Aktien fing an zu fallen. John Law selbst war sich der Blase und Gefahr bewusst und hatte selbst Angst vor den Folgen. Er versuchte alles, um die Träume der Anleger zu füttern. Er bezahlte Menschen, welche Geschichten des Erfolgs verbreiten sollten und ließ Schauspieler durch die Städte zu den Häfen stolzieren. Scheinbar auf dem Weg in die Kolonien zum Goldabbau. Doch auch das half nicht mehr. Die Anleger wurden sich immer mehr bewusst darüber, dass Laws Imperium nicht erfolgreich war. Als John Law den Regenten bat den Aktien-Kurs gesetzlich auf höchstens 9.000 Livre zu begrenzen, um die Überbewertung einzudämmen, lehnte der Regent dies ab, aber die Anleger fanden dies heraus. Eine Panik brach aus. Aus den Gerüchten wurden Fakten und wo sich zuvor Schlangen vor den Büros der Kompanie bildeten, weil jeder Aktien kaufen wollte, dort spielten sich plötzlich Tumulte ab, weil jeder versuchte seine Aktien zu verkaufen. Viele Anleger verloren ihr Vermögen. Der Aktienkurs fiel rasant. 10.000, 9.000, 8.000, … John Law selbst griff zum letzten Mittel, welches ihm einfiel, um den Aktien-Kurs zu stützen und die Blase vor dem endgültigen Platzen zu bewahren. Er druckte Geld und kaufte große Mengen Aktien zurück, um die Seite der Nachfrage (Käufer) künstlich zu simulieren und zu stärken. Es war wohl auch das erste Aktienrückkaufprogramm der Geschichte. Doch auch das half Nichts mehr. Der Kurs stürzte komplett ab, das Imperium des John Law entpuppte sich als erfolgloses Kartenhaus und brach ebenfalls zusammen.

Neben dem betrieblichen Misserfolg des Seefahrts-Konglomerats riss diese Spekulations-Blase Frankreich 1720 wohl auch in die erste Finanzkrise der Welt. Die Blase platze an der damaligen Börse, riss aber auch viele andere Segmente, wie die Immobilien-Preise, mit sich in den Abgrund. Große Teile der Bevölkerung verarmten. Vor Allem aber explodierte die Inflation. John Law spülte durch das Aktienrückkaufprogramm so viel neues Geld in die französische Volkswirtschaft, dass der Livre schlagartig an Wert verlor. Als der Regent eingriff und die Ländereien und Besitztümer der Kompanie beschlagnahmte erkannte auch er das Ausmaß der Geldpolitik des Schotten. Dieser hatte wohl rund 2,9 Milliarden Livre in nur zwei Jahren gedruckt und somit Mal eben die Geldmenge in Frankreich verdoppelt bis verdreifacht. Es zeigte sich das Ausmaß der exzessiven Geldpolitik und der ungerechtfertigten Überbewertung dank der es Frankreich ein halbes Jahrzehnt gut ging, aber das Land dann wieder auf dem Boden der Tatsachen landete. Und zwar sehr hart landete. In Frankreich wurde der Goldstandard für nächsten 200 Jahre wieder eingeführt und Papiergeld galt als „Teufelszeug“.

John Laws bewegende Geschichte endete wie so oft: Er musste aus dem Land fliehen. Er war in nur wenigen Jahren erst zum reichsten und berühmtesten Mann, dann zum ärmsten und am meisten gehassten Mann, geworden. John Law war seiner Zeit weit voraus. Er erkannte, was erste im 20. Jahrhundert als richtig und logisch neu entdeckt wurde und was heutzutage Gang und Gebe ist in unserem Markt. John Law revolutionierte das Finanzwesen und schrieb in vielen Dingen Geschichte. Die erste Zentralbank, die erste Finanzkrise, das erste ungedeckte Papiergeld und so weiter. Kein anderer verstand es so gut, wie er, die neuen Möglichkeiten des Finanzwesens und der Börse für sich zu nutzen. Kaum jemand anderes erkannte die Kraft der Finanzierung durch die Börse. Und kaum jemand anderen entwickelte in nur 5 Jahren so viele neuartige und erfolgreiche Finanzinstrumente, wie John Law.

by Mrz 14, 2017 Keine Kommentare
Warum die Euro-Krise zurückkehren könnte

Warum die Euro-Krise zurückkehren könnte

Gastartikel

Acht Jahre nach der Einführung der europäischen Währung, dem Euro, brach 2010 die unter anderem daraus resultierende Euro-Krise aus. Die durch die Einführung der Gemeinschaftswährung entstandenen wirtschaftlichen Ungleichgewichte entfalteten ihre desaströse Wirkung. Auf der einen Seite war der Wechselkurs für die Peripherie-Staaten Europas zu stark und für die Schwergewichte zu schwach. Infolge dessen sanken Produktion und Export in vielen Ländern und die haushaltsdefizite wurden größer. Auf der anderen Seite konnten viele Länder des Euro-Raumes die Bonität der europäischen Wirtschaftsnationen nutzen und sich günstiger Verschulden. Beide Faktoren führten zu steigender Verschuldung und wirtschaftlicher Disbalance. Nacht acht Jahren im Geldregen drehte der Kapitalmarkt den instabilen Peripherie-Staaten den Geldhahn zu und die Euro-Krise brach aus.

Die Rettungsmaßnahmen waren teuer. Mit hunderten Milliarden direkten Finanzspritzen und Garantien wurde umgeschuldet und refinanziert. Erst mit dem OMT-Beschluss der EZB beruhigte sich der Kapitalmarkt und die Risikoaufschläge auf Staatsanleihen und somit auch die Haushaltsdefizite sanken. Seit der Euro-Krise hat die europäische Zentralbank den Leitzins auf Null gesenkt und Billionensummen via Quantitative Easing in den Markt gepumpt.

Im kommenden Jahr wird Europa das achte Jahr nach dem Ausbruch Euro-Krise erleben. Aus meiner Sicht wurden bisher lediglich die Flammen gelöscht, aber die Glutnester ignoriert. Jederzeit könnte die Euro-Krise wieder aufflammen, wie ich bereits Anfang Januat im Beitrag “Euro-Krise 2.0” thematisiert hatte. In diesem Beitrag möchte ich mich mit neuen Erkenntnissen und Recherchen der Frage widmen: Wie steht es um Europa und droht uns eine Rückkehr der Euro-Krise?

Argumente gegen eine Euro-Krise

Die Konjunkturdaten Europas sind gemischt. Es gibt durchaus Möglichkeiten und Hinweise, dass Europa sich erholt. Wenn auch erst nach jahrelangem Drängen durch EZB und EU-Parlament, machen die Länder nun ihre Hausaufgaben. Deutschland gibt beispielsweise sein exportförderndes Lohndumping auf, währenddessen viele Peripherie-Staaten ihre Haushalte zähneknirschen und langsam aber stetig bereinigen.

  • Die Inflation steigt wieder an. Das ist wichtig, damit die Unternehmen steigende Preise erwarten und somit weiterhin in den Ausbau ihres Angebotes investieren.
  • Die Peripherie-Länder Europas sind dank Garantien, Rettungsschirm und Quantitative Easing nicht mehr so anfällig für den Kapitalmarkt. Die Verzinsung der Schulden ist im Griff, die Haushaltsdefizite nicht mehr dem Kollaps nahe.
  • Das produzierende Gewerbe blüht auf und auch der Binnenkonsum steigt europaweit
  • In Deutschland steigen die Lohnstückkosten wodurch deutsche Produkte am Weltmarkt teurer und weniger attraktiv werden. Die Peripheriestaaten Europas haben wieder bessere Chancen für den nationalen Export
  • Nach jahrelangem Vermeiden von Investitionen, erhöhen die Staaten im Euro-Raum ihre Investitionsausgaben. Allein in Deutschland wurden die Investitionen 2016 um mehr als 6% angehoben. Die Bundesländer kommen mit dem Geld ausgeben nicht hinterher.
  • Auch im Blickfeld der Politik sind wieder bisher vermiedene Reformanstrengungen. Zuletzt scheiterte die wichtigste Reform, die der italienischen Verfassung, doch Europa könnte sich auf einem guten Weg befinden zu erkennen, dass marode Systeme und gemeinschaftliche Ungleichgewichtige reformiert werden müssen.

Argumente für eine Euro-Krise

Doch gerettet ist Europa noch lange nicht. Bisher sind Ungleichgewichte nicht behoben worden und die EU-Nationen tun sich weiterhin schwer mit nötigen Reformen.

  • Weiterhin ungeklärt ist die Frage des Wechselkurses. Dieser ist für schwächere Staaten zu stark und für stärke Staaten zu schwach. Wie kann mit dem daraus resultierenden Ungleichgewicht umgegangen werden? Im Gespräch waren zuletzt beispielsweise ein Nord- und ein Süd-Euro als Währungen einzuführen, um wieder gewisse Wechselkursunterschiede zuzulassen.
  • Weiterhin ungeklärt ist die Frage der nationalen Schuldenberge. Diese lauten auf Euro, doch wer haftet dafür? Die EU verfügt nicht über genügend Mittel, die Einzelstaaten wollen nicht für die Schulden des jeweils anderen haften. Deutschland wehrt sich weiterhin vehement gegen Ideen europäischer Anleihen.
  • Auch ungeklärt ist die Frage der europäischen Integration. Verbleibt Europa als Gemeinschaft ohne Grenzen und gewissen Absprachen oder wird die Integration nach dem Vorbild der United States vorrangetrieben? Derzeit wird die EU aus meiner Sicht von unten nach oben regiert. Die Staaten haben mehr zu sagen, als die EU selbst. Eine Integration durch die Verlagerung wichtiger Resorts (wie beispielweise beim Bund-Länder-Prinzip in Deutschland) in die EU wäre ein großer Schritt in Richtung einer gemeinsamen und einheitlichen Politik bzw. auch Wirtschaftspolitik.

Europa ist immer noch ein Projekt im Aufbau. Auf halber Strecke ist man sich nun uneinig wer das Dach des zu bauenden Gebäudes nun eigentlich tragen soll. Niemand möchte seine tragende Position aufgeben, doch auch nicht die Last übernehmen, wenn neben ihm jemand wegbricht. Alle gemeinsam tragen die Last des Daches, welche jedoch ungleichmäßig verteilt ist. Und doch möchte niemand etwas verändern.

Europa muss sich wichtige Fragen stellen. Wie soll die EU aussehen? Ist die EU bereits am Ziel oder soll die Integration vertieft werden? Auch drängen sich Fragen um den Fortbestand der Gemeinschaft in Zeiten von Austritts-Referenden aus. Wie wird Europa ohne das United Kingdom aussehen und agieren. Auch die Frage der Verteidigungspolitik in Zeiten, in denen sich der große Bruder, die USA, aus Europa zurückziehen, drängt sich auf. Wer wird nun seine Militärausgaben erhöhen und mehr Verantwortung übernehmen? Europa steht vor Chancen und Problemen zugleich. Wo etwas zu Bruch geht ist auch die Chance etwas neues zu platzieren …

Die Wirtschaftslleistung Europas wuchs 2016 um 1,8%. Für 2017 wird eine Zunahme um 1,6% erwartet. Hierbei ist das Wachstum auf Länderebene jedoch ziemlich ungleich verteilt. Während beispielsweise die ehemaligen Krisenstaaten Irland und Spanien mit 3,4% und 2,3% Wachstum glänzen, hinkt Italien mit eine niedrigen Zunahme um nur 0,9% hinterher. Europa wächst, doch reicht das moderate Wachstum, um aus den Problemen herauszuwachsen?

Nur Deutschland, Irland und die Niederlande kommen in Europa ohne Neuverschuldung aus. Alle anderen Länder verzeichnen ein Haushaltsdefizit. Darunter schlagen sich auch mit die größten Volkswirtschaften der Union mit Haushaltslöchern rum. So erwartet Frankreich ein Defizit über 3,1%, Spanien eines um die 3,5% und Italien 2,4%.

Euro-Krise durch Bankensektor?

Wesentlich besorgniserregnder ist jedoch der Zustand des Bankensektors. 5,4% aller EU-Kredite werden nicht ordnungsgemäß bedient. In den USA und Japan sollen es zuletzt nur 2% gewesen sein. Allein italienische Banken schieben über 300 Milliarden Euro fauler Kredite vor sich her. So musste der italienische Staat bereits einen neuen Rettungsfond mit über 20 Milliarden Euro bestücken, von denen bereits 6,5 Mrd. für die krisengeplagte Bank Monte dei Paschi reserviert sind. Die Banken müssen immer wieder hohe Summen fauler Kredite abschreiben. So benötigt die Unicredit ungefähr 13 Milliarden Euro neues Kapital, nachdem vor Kurzem non-performaning loans mit einem Wert über 11,8 Mrd. Euro abgeschrieben wurden.

5,4% der durch Banken im Euro-Raum vergebenen Kredite werden also nicht bedient. Das ist der Durchschnitt im Euro-Raum! Dieser wird natürlich durch wirtschaftliche Schwergewichte, wie Deutschland – mir nur 2,6% fauler Darlehen – runtergezogen. Schaut man sich die einzelnen Staaten an, dann sieht das Bild noch düsterer aus. Den Peripherie-Staaten Europas geht es weiterhin finanziell nicht gut. Neben den angesprochenen Haushaltsdefiziten in Milliardenhöhe werden in Griechenland 47,1% der Kredite nicht regelmäßig bedient, in Zypern sind es 46,7%, in Portugal 19,8%, in Italien 16,4%, in Slowenien 16,3%, in Irland 14,4%, in Bulgarien 13,2%, in Ungarn 12,8%, in Rumänien 10,5% und in Kroatien beispielsweise 10,5%.

Zu erkennen sidn außerdem Kapitalströme aus den Peripherie-Staaten in die Wirtschaftsschwergewichte. Woran erkennt man das? Am Target-2-Salden-System. So schafften italienische Banken scheinbar 2016 rund 130 Milliarden Euro aus dem Land. Die Forderungen der deutschen Bundesbank gegenüber anderen nationalen Zentralbanken stiegen auf Rekordhoch. Viel Geld fließt in das wohl sicherere Deutschland. Steigende Risikoaufschläge für Staatsschulden und abfließendes Kapital könnten Südeuropa erneut Probleme bereiten.

Was würde passieren, wenn die EZB nun den Leitzins wieder anheben und das QE-Programm auslaufen lassen würde? Die zu zahlende Zinslast der Staaten würde wieder steigen, die Haushaltsdefizite erneut außer Kontrolle geraten. Die Summen, welche Staaten durch die niedrigen Zinsen und EZB-Anleihenkäufe seit 2010 eingespart haben, sind gigantisch. Es ist bezeichnend für den Reformstau in Europa, dass trotzdem weiterhin nur drei Staaten Überschüsse verzeichnen und die nationalen Bankensysteme bei den meisten und vorallem den anfälligsten Staaten weiterhin nahe dem Kollaps stehen.

Fazit

Viele behaupten Europa gehe es gut. Dafür gibt es zahlreiche Indikatoren und es gibt tatsächlich positive Entwicklungen. Doch immer wieder sollte man sich vor Augen führen, dass die erstarkende Konjunktur weiterhin ein zärtliches Pflänzchen ist. Europas Stabilität hängt am Geldhahn der EZB. Ohne die Einsparungen von mehr als 200 Milliarden Euro in den vergangenen 5 bis 7 Jahren würde auch Deutschland heute konjunkturell schwächer und eventuell auch mit höheren Schulden um ausgeglichene Haushalte kämpfen müssen. Europa geht es nur dank der Krisenpolitik der EZB gut. Ohne die wäre das viele Geld für die umfassenden Ausgaben der Staaten nicht vorhanden und die Euro-Krise 2010 in einer schweren Rezession geendet, von der sich Europa bis heute nicht erholt hätte.

Mario Draghi weist immer wieder in Reden – seit vielen vielen Jahren – daraufhin, dass die EZB die Zinsen drücke und die Staatshaushalte entlaste um den Nationen Zeit zu verschaffen. Es wird teuer Zeit gekauft. Wie beschrieben wurde die Rezession 2010 verhindert und verschobene. Doch ewig kann auch die EZB die Notenpresse nicht laufen lassen. Europa muss sich berappeln und reformieren. Ohne Abgabe nationaler Kompetenzen an die EU und ohne Lösung der Ursachen der Euro-Krise 2010 wird Europa nie aus dem Krisenmodus herauskommen. Es wird konjunkturelle Erholungen geben, doch es reicht nicht das Feuer zu löschen und die Glut zu ignorieren. Nur erloschene Asche ist nahrhafter Boden auf dem etwas neues aufgebaut werden kann. Wer auf Glut versucht Häuser zu bauen sollte sich nicht wundern, wenn dieses irgendwann wieder in Flammen steht. Aus meiner Sicht macht Europa leider genau das …

by Feb 18, 2017 3 Kommentare
Die StartUp-Blase – großer Hype um kleine Firmen

Die StartUp-Blase – großer Hype um kleine Firmen

Gastartikel

Alphabet, Facebook und Amazon sind durchschnittlich 18 Jahre alt. Die Titanten der modernen Märkte sind von der Dauer des Bestehens her betrachtet noch jugendliche Firmen. Doch die jugendlichen Superkonzerne bekommen bereits durch noch jüngeren Nachwuchs Konkurrenz. So kündigte kürzlich Snapchat an den Börsengang wagen zu wollen.

Snapchat ist ein Unicorn (Einhorn). Als Unicorn werden Start Ups bezeichnet, welche bereits über eine Milliarden Dollar wert sind. Das Unternehmen wurde nicht einmal vor sechs Jahren gegründet und begeistert rund 160 Millionen Nutzer täglich. Das Geschäftskonzept ähnelt dem vom Twitter – Nutzer tauschen Daten in zeitlich möglichst eingegrenztem Rahmen, aber hoher Intensität, aus. Sind es bei Twitter jedoch die Textnachrichten, so snappen Snapchat-Nutzer Bilder und kurze Videos, welche nach wenigen Sekunden bereits wieder verschwinden.

Snapchat ist erfolgreich, bekannt und wird in hoher Intensität von vielen genutzt. Das Unternehmen wird von zahlreichen Analysten mit rund 25 Milliarden Dollar Unternehmenswert berechnet. Der Umsatz steigt zwar in jedem Quartal und steht aktuell bei rund 170 Millionen Dollar pro Quartal, doch schreibt das junge Unternehmen rote Zahlen. Etwa eine halbe Milliarde Euro Verlust häufen sich jährlich auf. Dennoch ist die Unternehmensbewertung vergleichbar beispielsweise zu Fresenius Medical Care. Ein Konzern mit fast 11.000 Mitarbeitern, 17 Milliarden Euro Umsatz und über einer Milliarde Euro Gewinn im Jahr (Quelle: Handelsblatt, Die Geister die wir riefen, Thomas Tuma).

Das Vorhandensein von unglaublich viel günstigem Geld (danker niedriger Zinsen) und das Fehlen von renditeträchtigen Perspektiven, bringt Unternehmen, Fonds und Risikokapitalgeber dazu StartUps um jeden Preis hinzukaufen zu wollen und auch müssen. Die Nachfrage nach jungen Unternehmen, welche eventuell in Zukunft der nächste Kracher sein könnten, ist gigantisch. Daher kommen auch die ambitionierten Bewertungen.

Snapchat ist aktuell keine 25 Milliarden USD wert. Da sind wir uns, denke ich, alle einig. Der größte Teil der Unternehmensbewertungen vieler StartUps besteht aktuell aus meiner Sicht aus ‘Hoffnung’. Mit erscheint der aktuelle Hype um die StartUps von Morgen ein wenig wie der NewEconomy Hype um das Jahr 2000 rum. Viel Geld floss in die neuen Firmen, welche die Zukunft sein sollten. Die Hoffnung und damit auch die Bewertungsblase platzen jedoch als klar wurde, dass die hohen Erwartungen nicht würden erfüllt werden können.

Dieser Abschnitt wurde am 16.02.2017 verfasst. Die nun folgenden Ausführen stammen größtenteils vom 02.09.2016.

Bei Interesse finden Sie weitere Informationen zu Snapchat im NZZ-Artikel “Geldverbrennungsmaschine

Seit über einem Jahr weise ich in kritischen Blogs auf die fragile konjunkturelle Situation hin. Weltweit müssen Zentralbanken historische Maßnahmen und Instrumente einsetzen, um die Märkte zu stützen und vor einem Kollaps zu bewahren. Kreditvergabe, Investitionen, Inflation und Wachstum verbleiben labil und Staaten kämpfen gegen Deflation und Rezession. In einer Welt schwachem Wachstums und negativer Zinsen stellt es für Unternehmen und Anleger eine besonders schwere Aufgabe dar eine renditeträchtige Anlageform für das eigene Geld zu finden. Nach der Dot-com-Blase 2001 und der Subprime-Blase 2007 konzentriert sich die gesamte Hoffnung und Erwartung seit einigen Jahren nun auf Technologie-Firmen und Start Ups. Vor Allem der massenhafte Zukauf von jungen Firmen zu Fantasiebewertungen könnte als Unicorn-Blase ein Problem darstellen.

Unsere Welt nähert sich der Null immer weiter an. Nullzinsen für Sparguthaben. Nullwachstum in Industrienationen und abflachende Wachstumskurven auch in Schwellenländern. Sinkende Rohstoffpreise und eine Inflation nahe der Null. Auch die Zuversicht vieler sinkt gegen Null während Zentralbanken immer wieder eine weitere Null an die Summe hängen müssen, mit der sie den Finanzmarkt bearbeiten (QE-Programme). Ich habe bereits oft über die Ursachen dieser Krise gesprochen: schwache Investitionen, eine generelle Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Konsumenten, sowie fehlende Strukturreformen lähmen unseren Fortschritt. Seit kurzem ist auch noch das Eingreifen von entglobalisierenden und protektionistischen Populisten (USA, Großbritannien) als hemmender Faktor zu erwähnen. Doch Probleme und negative Anzeichen findet man immer, wenn man will. Auch muss ein wenig Sand im Getriebe der Konjunktur kein Grund für Crash, Krise und Rezession sein. Nein.

Doch seit über einem Jahr frage ich mich was der Sprengsatz der Blase sein könnte. Welche Blase? Trotz zahlreicher Probleme, sich aufdrängender Fragen und hemmender Faktoren stiegen die Indizes zuletzt auf Allzeithoch. Das Volumen von Fonds, Risikokapital und M&A Markt erreicht neue Rekorde. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren stark. Eine Blase, also Überbewertung, kann über längere Zeit bestehen. Nur weil etwas zu hoch bewertet ist, muss es nicht fallen. Es gibt immer einen Auslöser, einen Grund bzw. einen Anlass, dass eine Korrektur oder ein Crash ausgelöst wird.

2001 waren es die überzogenen Erwartungen an Internet-Unternehmen. Als die Blase platzte und die Bewertungen um Billionen nach unten korrigiert werden mussten fasste das Inferno um sich. 2007 waren es faule (non-performaning) Immobilienkredite, welche geschickt getarnt und von den Rating-Agenturen zu gut bewertet weltweit verkauft wurden und mit dem platzen der Blase ebenfalls um Billionen im Wert nach unten korrigiert werden mussten. Die Korrektur erfasste auch Banken und Unternehmen, wie z.B. Lehman Brothers.

Nun konzentrieren sich Millionen Investoren und Anlager und Billionen-Summen Kapital auf Technologie-Firmen und Start Ups. In Zeiten schwacher Renditen ruht die gesamte Hoffnung und Erwartung auf den Tech-Giganten und Tech-Unicorns. Die Bewertungen sind abnormal hoch. Mittlerweile werden Start Ups mit dem 10fachen des Umsatzes oder auch dem 25fachen des EBIT bewertet – Tendenz steigend. Das es sich hierbei um eine Blase handelt ist allen bewusst. Doch ist uns auch bewusst, dass diese Blase der Sprengsatz des Systems sein könnte?

StartUp Grafik

Dave McClure (500 Start Ups) hat in seinem Beitrag “The Unicorn Hedge” bereits mit Witz, Logik und Insiderwissen den derzeitigen Hype analysiert: Heutzutage werden Start Ups wie am Fließband produziert und für hunderte Millionen oder mehrere Milliarden Dollar verkauft. Es gab noch nie so viele Unicorns, wie heutzutage. Hierbei kaufen vor Allem die Tech Giganten, wie Microsoft, Google, Apple, Amazon oder Facebook im großen Stil ein. Innovation kommt nicht mehr aus den Reihen von NASA, Apple oder Siemens. Tesla, SpaceX, Uber oder Airbnb sind die neuen Sterne am Tech-Himmel. Und die Tech-Giganten sichern ihr Kerngeschäft mit milliardenschweren Zukäufen ab – sie hedgen ihr Geschäftsmodell. Sie müssen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen und ihr Gewerbe durch Zukäufe von Innovation absichern.

  • Microsoft kaufte Linked In und Skype
  • Google kaufte Youtube und Android
  • Facebook kaufte Whatsapp und Instagram

Während 2001 die meisten Unternehmen noch an die Börse gingen so werden die begehrten Start Ups heutzutage bereits vor dem Börsengang geschluckt. Ob Whatsapp, Dropbox, Uber oder Snapchat – die Bewertungen der Start Ups basieren lange nicht mehr auf Umsatz und Gewinn. Die Bewertung basiert auf der Nachfrage. Es ist eben möglich ein Start Ups mit $100 Millionen Umsatz heutzutage für $1 Milliarde zu verkaufen. Käufer gibt es dafür aktuell wie Sand am Meer. Auch basiert der Hype auf der Hoffnung darauf unter den zahlreichen Zukäufen einige wenige Erfolge zu haben. Man hofft aus 10 Zukäufen vielleicht ein bis zwei neue Tech-Giganten entwickeln zu können.

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Der Hype um Start Ups ist gigantisch. Gab es 2014 noch 75 Unicorns, so waren 2015 bereits 140 und 2016 zählt man über 190 solcher Einhörner.

Die Bewertungen sind immens. So waren die 93 US-Einhörner zusammen 322 Milliarden Dollar wert. 93 Start Ups erreichten einen Wert nur 14% unter dem vom Microsoft und etwas höher als der von Intel oder Cisco.

Doch warum sehe ich in diesem Hype nun den möglichen nächsten Crash? Das es sich um eine Blase handelt ist uns allen bewusst. Das die Bewertungen der Start Ups völlig überzogen muss, denke ich, nicht diskutiert werden. Doch jeder Hype endet irgendwann. Eine Spekulationsblase schaukelt sich auf bis der erste Bieter aufsteht und den Saal verlässt. Plötzlich stürzen alle gemeinsam auf den Ausgang zu. Der Moment, wenn die Euphorie um die Start Ups endet und/oder sich zeigt, dass die großen Hoffnungen überzogen waren und die immensen Erwartungen nicht erfüllt werden können, sollte der Moment sein in dem die Bewertungen der Start Ups um Billionen nach unten korrigiert werden müssen. Derzeit beteiligt sich fast jeder an der Übernahme-Schlacht. Für Übernahmen und Fusionen (M&A Market) werden aktuell Summen vergleich mit 2008 aufgeboten. 2016 oder 2017 könnten die Summen der Zukäufe neue Rekordhöhen erreichen. Jeder macht mit. Jeder versucht sein Unternehmen mit frischen Start Ups zu hedgen. Und jeder wird beim Platzen der Unicorn-Blase hohe Abschreibungen in seiner Bilanz vornehmen müssen. Milliarden-Korrekturen werden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz schicken und andere sehr schlecht aussehen lassen. Anleger an der Börse werden ihr Kapital abziehen und die Börsenkurse werden nachgeben.

Die Frage ist: Sind die großen Hoffnungen und Erwartungen an die StartUps berechtigt und werden diese Nachziehen und die billionenschwere Einpreisung rechtfertigen – oder wird der Traum irgendwann jäh zerplatzen und mit ihm ein Billionenmarkt?

Fleißig kauft die Welt überbewertete Start Ups ein, welche in einigen Jahren ihren Wert größtenteils verlieren sollten. Riecht das nicht nach Crash?

by Feb 15, 2017 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – Wie alles anfing

Geschichte der Börse – Wie alles anfing

Gastartikel

Wenn Jugendliche heutzutage in der Schule etwas über die napoleonischen Kriege und die Schlacht bei Waterloo lernen, dann wissen sie nicht, dass diese Geschehnisse stark beeinflusst worden sind durch Börsen und Wertpapiere. Wenn Schüler etwas über Kolonien, Kolumbus und die Niederlande lernen, dann erfahren sie nicht, dass dies alles nur dank der Börsen und Wertpapiere möglich war. Seit rund 800 Jahren ist die Börse und der Handel von Wertpapieren elementarer Bestandteil unserer Existenz und des heutzutage erreichten Wohlstandes. Jeder von uns hat direkt oder indirekt etwas mit der Börse zu tun. Doch wie ist diese eigentlich entstanden?

Es gibt zahlreiche Formen der Börse. In der allgemeinen Definition handelt es sich bei einer Börse um einen nach bestimmten Regeln organisierten Marktplatz, an dem Händler vertretbare Dinge handeln. Was sind vertretbare Dinge? Hierbei handelt es sich um handelbare Waren, welche sich untereinander nicht oder nur geringfügig unterscheiden. Dies ist elementarer Bestandteil einer Börse. Gehandelt werden so Wertpapiere, Rohstoffe, CO2-Zertifikate und viele weitere vertretbare Dinge. Doch was heutzutage unseren Wohlstand mitbegründet, unser Wirtschaftssystem mit Liquidität versorgt und Billionenwerte verschiebt, Vermögen bildet und vernichtet, hat damals klein angefangen.

Über den Begriff „Börse“ gibt es diverse Theorien. Man kann den Begriff auf das mittelalterliche Wort „bursa“ zurückführen, welches eine Tasche aus Leder für die Aufbewahrung von Geld beschrieb. Dieses Wort fand dann auch im Familien-Namen der Kaufmannsfamilie „van der Beurse“ aus Antwerpen (nicht in Brügge, wie oftmals behauptet) seinen Platz. Diese Familie besaß auch im Wappen drei Geldbeutel. Das aus dem Familien-Namen abgeleitete Wort „Beurse“ etablierte sich daraufhin in vielen Ländern, nachdem diese Familie begann geschäftliche Treffen in Form einer frühen Börse in ihren Häusern abzuhalten. Dies ist die wahrscheinlich bekannteste Version der Entstehung des Namens “Börse” für die Marktplätze von Finanzprodukten.

Der Bedarf an Finanzprodukten bestand bereits vor vielen tausenden Jahren. Ökonomische Vorgänge konnten so präzisiert und vereinfacht werden. Die ältesten Finanzprodukte sind derzeit von vor rund 4.000 Jahren bekannt. Circa 2.000 vor Christus handelten bereits die Babylonier mit Krediten und Future-Zertifikaten. Auf Tontafeln wurden Schulden festgeschrieben und Preise für die Ernte des nächsten Sommers vereinbart. Doch hierbei handelte es sich mehr um Handelsbeziehungen zwischen zwei Personen oder kleinen Gruppen statt zentrierten Marktplätzen, welche man als Börse verstehen könnte. Mit bedeutenden Innovationen und zunehmender Entwicklung der Gesellschaft, wie im römischen Reich, wurde der Handel intensiviert. Um 1200 sind die ersten börsennahen Handelsplätze in Handelszentren, wie Genua, Florenz, Lucca oder Venedig bekannt. Hier trafen Geldwechsler, Banker, Vermögende, Händler und Kaufleute zusammen. 1.111 ist die erste geregelte regelmäßige Versammlung einer Tausch-Börse in Lucca bekannt. Die „Banca di San Georgio“ in Genua gilt als die erste einer Aktiengesellschaft ähnlichen Firma der Weltgeschichte. Sie emittierte verzinste Obligationen zur Deckung der Staatsschulden der Republik Genuas und machte Anleger bereits 1419 zu Anteilseignern. Mit wachsendem Umsatz und wachsender Teilnehmeranzahl wurden aus den lockeren Zusammenkünften dann geregelte Marktplätze. Mit dem Bau eines eigenen Gebäudes für die Händler in Antwerpen 1531 verbindet man die erste offizielle Gründung einer Börse. Seit 1531 wurde die Börse zunehmend wichtiger, als Händler, Staaten und Bürger das Potential dieser erkannten. Handelte man 1511 noch Getreide-Futures, also Wetten auf den Getreidepreis im kommenden Jahr, so fanden bereits 1532 Anleihen Einzug in die junge Finanzwelt. 1566 errichtete London eine Börse, 1582 Sevilla und 1608 Amsterdam.

Nutzten Händler zuvor Börsen als Marktplätze des Handels, so entwickelten gewitzte Geschäftsleute die Börse stetig weiter. Das Potential der immensen Finanzierungskraft dieses System wurde immer mehr Personen bewusst und die Börse war nicht mehr wegzudenken aus der Gesellschaft. Die immer größer und technisch fortschrittlicher werdende europäische Gesellschaft hungerte nach Errungenschaften, Rohstoffen und Luxus. Der Handel wurde immer größer. Die Anzahl der Handelsschiffe nahm zu. Straßen, Städte und Konsum stiegen stetig. Schnell konnten die vielen Menschen in Europa nicht mehr allein durch Europa ernährt und in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Doch der Übersee-Handel war eine teure und riskante Angelegenheit. Monate der Vorbereitung, zahlreiche Schiffe, tausende Menschen und mindestens ein halbes Jahr Reise ließen die Kosten für den Handel mit Amerika, Afrika und Asien explodieren. Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 verfiel Europa in den Rausch der Expeditionen. Es war ein Wettlauf der Nationen um die besten und ertragreichsten Ländereien der fernen und neuen Welt. Doch wer konnte sich solche Konvois leisten? Wer besaß diese damals extrem großen Vermögen zur Finanzierung der Überfahrten? Zumal die Risiken des Investments durch Piraten, Stürme und Krankheiten hoch waren. Bis 1600 waren Übersee-Fahrten einzelne Ereignisse. Immer wieder steckten Handels-Familien ihr gesamtes Vermögen in eine Expedition und wurden so unermesslich reich oder verloren alles.

Mit der Erfindung der Aktiengesellschaft und der stetigen Entwicklung der Funktionsweise und Stärke der Börse war es möglich die Kolonisierung der Welt zu finanzieren. 1602 schlossen sich die niederländischen Kaufleute der Seefahrt zur Ostindien-Kompanie zusammen, um effizienter zu arbeiten und aus Einzelfahrten ein routiniertes Seefahrts-Geschäft zu entwickeln. Die Niederlande, bereits technisch den anderen europäischen Nationen auf See überlegen, wollte so die Dominanz in Afrika und Asien ausbauen. Neu war, dass Anleger nun nicht auf einzelne Schiffsladungen spekulierten indem sie vorher eine Summe bereitstellten und hofften durch die Waren des zurückkehrenden Schiffs am Ende mehr zu verdienen. Die Ostindien-Kompanie emittierte verzinste Aktien mit einer Laufzeit von 10 Jahren. So konnte sie sich einen sicheren Kapitalstock verschaffen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse sammelte die Kompanie so rund 100 Millionen Euro ein. Die Anleger selbst gierten nach Informationen. Erreichten die Niederlande Nachrichten von erfolgreichen und gewinnbringenden Expeditionen oder gewonnen und eroberten Kolonien, so konnten Besitzer der Aktien diese teuer weiterverkaufen. Der Preis je Aktie stieg. Negative Nachrichten von Stürmen, Niederlagen oder Misserfolgen stachelten jedoch Angst, Panik und Verkaufswellen zu niedrigen Preisen an. Die Börse in ihrer Form entstand. Mit den neuen Möglichkeiten der Finanzierung konnten Unternehmen und Staaten gigantische, zuvor undenkbare, Projekte angehen und umsetzen.

Im zweiten Teil dieses Artikels möchte ich die Geschichte der Börse ab etwa 1700 beschreiben. Die erste Blase der Welt, die erste Finanzkrise eines Staates, Goldstandart, Kriege und die Entstehung vieler neuer Finanzinstrumente.

by Feb 14, 2017 Keine Kommentare
Trump-Rallye mit kurzen Beinen (Markt-Kommentar)

Trump-Rallye mit kurzen Beinen (Markt-Kommentar)

Gastartikel

Donald Trump besetzt als 45. Präsident der United States of America das wohl mächtigste Amt der Erde. Seit dem der Immobilien-Milliardär mit deutscher Verwandtschaft die Mehrheit der Wahlmänner und -frauen im November 2016 erreichen konnte stieg der amerikanische Börsen-Index S&P500 um 10,2% von 2.085 auf 2.298 Punkte (24.01.2017). So hoch stand der Index noch nie seit den nun 30 Jahren seines Bestehens. Die City Group erwartet aktuell, dass der S&P500 bis zum Jahresende auf etwa 2.400 Punkte steigen wird.

Politische Ausrichtung

Mit Donald Trump weht ein neuer politischer Wind in den USA. Beendet werden soll die langjährige global orientierte Politik. Wo die USA bisher in großen Zusammenhängen (Globalisierung) dachte und als Weltmacht die liberal-demokratische Weltordnung notfalls auch militärisch durchsetzte, möchte Trump nun ein protektionistisches und mehr auf sich selbst fokussiertes Amerika im Stil der 30er Jahre aufbauen. Donald Trump ist kein Politiker mit einer politischen Vision oder Idee. Er ist ein Unternehmer und Deal-Maker. So wird die USA auf breite Handelsabkommen während seiner Präsidentschaft verzichten und die eigene Stärke in Einzelverhandlungen ausspielen.

Mit Trump entsteht eine Art umgekehrter Merkantilismus: Während Colbert in Frankreich durch die Handelspolitik die Machtpolitik stärken wollte möchte Trump die Machtposition stärken um darauf folgend handelspolitisch bessere Deals zu erreichen. (Quelle: Optimismus regiert, Handelsblatt 26. Januar, Susanne Schier und Frank Wiebe)

Neben seinen Grundsätzen einer national orientierten und wirtschaftlich protektionistischen Politik steht Donald Trump außerdem für die Forderung nach einem höheren Leitzins, umfassenden Infrastrukturausgaben und der Minimierung des Außenhandelsdefizits. Auf die verfassungsfeindlichen, widersprüchlichen und ausländerkritischen Facetten seiner Politik möchte ich in diesem Beitrag nicht weiter eingehen.

Erwartungen an Donald Trump

Die Wahl des milliardenschweren Establishment-Kritikers löste an den Börsen ein Feuerwerk steigender Kurse aus. Die im Dow Jones Industrial Average gelisteten Unternehmen legten seit dem 4. November um über 250 Milliarden Dollar Unternehmenswert zu. Betrachtet man die Börse, so scheint der Markt sich über den neuen Präsidenten zu freuen. Hierbei preist die Börse kurzfristige Erwartungen euphorisch ein. Die Deutsche Bank spricht von einer Rückkehr der “Animal Spirits” (Optimismus, Unternehmergeist und Gier) in den USA.

Die Erwartungen an Donald Trump in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit sind groß. Die positive Stimmung am Markt basiert auf der Hoffnung, dass Trump ein ähnlicher Erfolg wie Ronald Reagon gelingen könnte. Milliardenschwere Investitionen in Wirtschaft und Infrastuktur, Steuererleichterungen und eine unternehmensfreundliche Politik, Jobbeschaffungsprogramme und die Deregulierung der nach der Finanzkrise 2008 in Ketten gelegten Banken befeuern die Fanatasie der Börse bezüglich eine Rückkehr von üppigem Wachstum.

Die City Group erwartet, dass die 500 größten Unternehmen der USA ihren Gewinn dank sinkender Steuerbelastung und steigenden Energiepreisen 2017 um durchschnittlich 9% steigern werden.

Tatsächlich erweist sich Donald Trump derzeit als zuverlässiger als erwartet. Zahlreiche seiner Ankündigungen im Wahlkampf setzt er nun um. Auch zeigt seine protektionistische Politik erste Wirkung. Der Gabentisch des Präsidenten ist prall-gefüllt. Viele Unternehmen wollen Nachteile umgehen oder geplante Investitionen im Ausland rechtfertigen und versprechen milliardenschwere Investitionen in den USA. So sprach beispielsweise Amazon zuletzt davon rund 100.000 Arbeitsplätze in den USA schaffen zu wollen. Auch deutsche Unternehmen nehmen Geld in die Hand um die US-Standorte auszubauen.

Gewinner der ersten 100 Tage Trump könnten die US-Banken sein. Der Staat wird weitere Schulden zur Finanzierung der Ausgaben aufnehmen müssen, die angekündigten Investitionen durch Unternehmen werden ebenfalls teilweise durch Banken abgewickelt oder bereitgestellt werden, sowie der der Wall-Street nahestehende Donald Trump und sein bis 2002 über 17 Jahre bei Goldman Sachs beschäftigte Steven Mnuchin (US-Finanzminister) die nach der Finanzkrise 2008 mühsam geschaffenen Regulierungen der Banken wieder abschaffen möchten.

Risiken der trumpschen Politik

Doch während die Börse aktuell berechtigterweise die erwartbaren Wachstumseffekte des trumpschen Einflusses euphorisch einpreist, werden die großen Risiken vom Markt größtenteils ignoriert. Hier ist eine Einpreisung der aus dem politischen Richtungswechsel resultierenden Gefahren erwartbar, aber bisher nicht geschehen. Noch nie war die Strategie des Protekionismus und der Deregulierung erfolgreich und doch steigen die Börsenkurse als gäbe es kein Morgen mehr – Geschichte wiederholt sich nicht, doch sie reimt sich.

Bisher wahrscheinlich nicht eingepreist sind die Bedenken gegenüber den Trumponomics: So möchte Donald Trump, ähnlich wie Ronald Reagon, durch ein Ausweiten des Staatsdefizites das Wachstum ankurbeln. Doch Paul Krugman wies bereits darauf hin, dass die fiskalischen Impulse bei niedriger Arbeitslosigkeit und niedrigem Zinsniveau wenig Wirkung entfalten könnte. Im Gegensatz zur Zeit Reagons steht der US-Markt derzeit kurz vor der Vollbeschäftigung (welche nicht bei Null, sondern zwischen 3 und 4 Prozent liegt!). Ob die Wirtschaft ohne ausreichendes Angebot von Arbeitskräften überhaupt dynamisch wachsen wird? Zumal Donald Trump durch seine aktuell ausländerfeindliche Politik Tourismus und Einwanderung hemmen wird.

Fraglich ist außerdem die Finanzierung der Ankündigungen. So könnte die USA die Mauer zu Mexiko bis zu 20 Milliarden US-Dollar kosten. Hinzukommen eventuell zusätzliche Infrastruktur-Ausgaben zwischen 20 und 50 Milliarden Dollar (im Wahlkampf forderte Trump noch mehrere hundert zusätzlicher Milliarden). Auch zu Bedenken sind die geplanten Steuersenkungen, welche die Einnahmen des Governments um dutzende bis über 100 Milliarden USD senken könnte. Wie wird die USA das Haushaltsdefizit handhaben? Für das Jahr 2016 visierte die Regierung Obama ein Haushaltsdefizit über 2,5% des BIP, bei 4 Billionen Dollar Ausgaben, an. Mit einem BIP über 18,5 Billionen USD müsste das Haushaltsdefizit 2016 bei rund 500 Milliarden USD liegen. In der letzten Amtszeit von Barack Obama stieg die Verschuldung der USA um 2,5 Billionen Dollar (durchschnittlich 620 Milliarden USD im Jahr) auf 20 Billionen oder auch 108% des BIP. Wird Trump die USA in eine Überschuldung führen?

Eine weitere im Raum stehende Frage dreht sich um die Auswirkungen des Protektionismus. Protektionismus schadet (wie in der Geschichte der letzten 500 Jahre mehrfach erlebt) einer Volkswirtschaft. Dennoch Trump läutet eine Ära der Entglobalisierung ein. So erwartet auch der IWF, dass die weltweite Wirtschaftsleistung 2017 um 3,25% wachsen wird, der globale Handel jedoch lediglich um 1,75%.

Das “Amerika First”-Motto des Milliardenerben wird dazu führen, dass verstärkt Geld in die USA fließen wird. Dies würde den Greenback weiter stärken, den Export hemmen und das Außenhandelsdefizit vergrößern. Die verbalen und eventuell auch fiskalischen Eingriffe in die heimische Währung könnten zu einem Abwertungskrieg und schwerwiegenden Verwerfungen am Devisenmarkt führen.

Die wirtschaftlichen Ziele des Trump sind durchaus widersprüchlich: Beispielsweise soll auf der einen Seite das Außenhandelsdefizit verringert werden, währenddessen auf der anderen Seite die heimische Investitionswelle den US-Dollar weiter stärken sollte, was den Export eher hemmen sollte. Auch werden diverse soziale Programme, wie beispielsweise Obamacare, aus kostengründen abgeschafft, dann aber ein vielfaches der Einsparungen für fragwürdige Projekte, wie beispielsweise dem Mauerbau zu Mexiko, ausgegeben. Wir erkennen noch keine klare logische Linie in der Wirtschaftspolitik. Donald Trump möchte alles bekommen, obwohl sich manche Dinge gegenseitig ausschließen.

Fazit

Eine Ausweitung der Haushaltsdefizite, Abgabe der liberal-weltpolitischen Führungsposition und ein Wachstum des Außenhandelsdefizits durch eine protektionistische Handelspolitik könnten der USA mittel- bis langfristig ökonomisch mehr schaden als helfen. Langfristig durch Schulden und die Notenpresse erkauftes Wachstum führt darüber hinaus zwangsweise zu einer Blasenbildung. Die Rückkehr der Animal Spirits und deregulierten Banken in das ganz große Geschäft könnte zu einem bedenklichen Anstieg der ausfallbedrohten Kredite und Investitionen führen.

Seit Anfang August 2016 schieben die Bullen die Kurse an den Börsen nahezu konstant und ohne Sell-Off oder Korrektur nach oben. Selbst in ausgiebiegen Seitwärtsphasen kam keine Frustration auf. Die Börse verzeichnet Allzeithochs und die gierig-euphorischen Erwartungen an Donald Trump sind groß. Doch ein Markt aus dem sich die Pessimisten zurückgezogen haben steht kurz vor seinem Zenit, so sagt man. Wenn die Pessimisten zu Optimisten wurden und investiert sind fehlt es mittelfristig an weiteren Käufern, welche die Kurse weiter anschieben.

Entscheidend könnte zuletzt sein, ob die Weltgemeinschaft sich murrend auf den neuen Wind aus Washington einlässt und die Nachteile hinnimmt oder sich angewiedert von den USA abwendet. Die national orientierte Einstellung des neuen US-Präsidenten gepaart mit dessen uninformiert emotionaler Unberechbarkeit könnte die USA ins Abseits schieben. Aufstrebende Global Players, wie beispielsweise China oder die Europäische Union, könnten die Gunst der Stunde nutzen und aus dem Schatten der Weltmacht USA hervortreten und selbstständig auf der weltpolitischen Bühne agieren. Braucht die Welt die USA oder braucht die USA die Welt?

Quellen

OEC – Wirtschaftsdaten der United States, Statista, Wikipedia, OnVista

Optimismus regiert, Handelsblatt 26. Januar, Susanne Schier und Frank Wiebe

Guter Start ins neue Jahr, Handelsblatt vom 26. Januar, Donata Riedel

Das Jahr der großen Entglobalisierung, Handelsblatt vom 6. Januar, J. Münchrath und C. Rickens

by Feb 03, 2017 Keine Kommentare
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Gastartikel

Warum wurde das bedingungslose Grundeinkommen in letzter Zeit öffentlich verstärkt diskutiert? Der Fokus unserer Sorgen hat sich mit Erreichen großen Wohlstands in den industrialisierten Nationen verschoben. Sorgen um die eigene Gesundheit und oder genügend Nahrung sind in den Hintergrund gerückt. Soziale Systeme und die Qualität der Gesundheitsversorgung machen es möglich.

Doch mit der Lösung des eines Problems, taucht bereits das nächste wieder auf. Der Fortschritt der Technologisierung macht es möglich Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Viele fürchten sich davor ihren Job zu verlieren und am Existenzminimum leben zu müssen.

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) oder auch universal basic income (UBI) rückt in dieser immer schnelleren, komplexeren und zunehmend technologisierten Welt in die Diskussionen unserer Gesellschaft. Finnland möchte nun, 2017, ein solches BGE einführen. Doch was ist das? Was kann es? Was soll es? In zahlreichen Studien wurde ein solches System der „bedingungslosen finanziellen Grundsicherung für jeden“ erprobt. Die Ergebnisse sind erstaunlich!

Das bedingungslose Grundeinkommen wird heiß diskutiert. Auf der einen Seite stehen die großen Kritiker, welche in diesem Konzept einen Freibrief für faule und arbeitslose Menschen sehen und sich gegen höhere Zuwendungen für diese „Schnorrer“ der Gesellschaft wenden. Auf der anderen Seite argumentieren viele Ökonomen und Forscher für ein solches Grundeinkommen und betonen die zahlreichen positiven Erfahrungen und erforschten Effekte. Ich möchte mich in diesem Beitrag genauer mit diesem durchaus hochemotional diskutierten Thema beschäftigen.

Was ist ein BGE?

Das bedingungslose Grundeinkommen stellt eine finanzielle Grundsicherung dar, welche der jeweilige Staat jedem Bürger überweist. Diese Grundsicherung, auch als Grundeinkommen zu verstehen (englische Medien verwenden gerne den Begriff mincome, eine Kombination aus „mini income“), ist hierbei bedingungslos und bewusst oberhalb des Existenzminimums angesetzt.

Diese beiden Faktoren, oberhalb des Existenzminimums und bedingunglos, unterscheiden das BGE maßgeblich zum Arbeitslosengeld. Das Arbeitslosengeld soll nur eine temporäre Unterstützung von Seiten des Staates sein und erlaubt nur die wichtigsten Kosten zu decken. In Würde kann man von diesem Geld nicht wirklich leben. Das BGE dagegen wird dauerhaft unabhängig davon ausgezahlt, ob man einen Job hat oder nicht. Es ist oberhalb des Existenzminimums angesetzt, um auch arbeitslosen Personen ein normales Leben zu ermöglichen. Das Existenzminimum liegt in Deutschland aktuell bei rund 8.500€ je Person und 4.500€ je Kind pro Jahr. Dies entspricht rund 700€ steuerfreies Gehalt in Deutschland. Ein BGE würde man zwischen 700 und 1.500€ ansetzen.

Des Weiteren ist das bedingungslose Grundeinkommen, wie der Name bereits sagt, bedingungslos. Es ist nicht an Verpflichtungen gekoppelt. Beim Arbeitslosengeld muss der Arbeitssuchende auf Arbeitssuche sein, ist verpflichtet jeden Job (bis auf Ausnahmen) anzunehmen, Maßnahmen zuzustimmen und andere Dinge. Er steht in der Schuld und hat bestimmte Pflichten. Das BGE würde jeder deutsche Staatsbürger erhalten – ohne Verpflichtungen.

Es gibt nicht „das eine“ bedingungslose Grundeinkommen, sondern zahlreiche verschiedene Konzepte der Umsetzung mit demselben Grundgedanken. Beispielsweise kann eine Grundsicherung entweder direkt auf das Konto überwiesen werden oder niedrige Gehälter werden mit einer negativen Einkommenssteuer belegt – das bedeutet: der Staat zahlt drauf.

Warum brauchen wir ein BGE?

Unsere Welt entwickelt sich immer weiter. Gesellschaftlich und technologisch. Innovationen werden immer schneller skaliert, die Globalisierung greift zunehmend um. China und Indien werden ihr BIP im 21. Jahrhundert doppelt bis drei Mal so schnell verdoppeln, wie die USA oder England im 20. Und 19. Jahrhundert. Die Welt dreht sich bildlich gesprochen immer schneller für uns Menschen. Dies ist vorallem an den sozialen Netzwerken zu erkennen: mehr Menschen, mehr Posts, mehr Nachrichten, mehr Snaps, Tweets und Likes. Die Informstionsflut bricht auf uns ein und wir können uns kaum mehr davor retten. Und obwohl die Geschwindigkeit unseres Alltags bereits groß ist – sie wird noch weiter zunehmen!

Der Kerngedanke des bedingungslosen Grundeinkommens ist soziale Gerechtigkeit

Wir können nicht alle Menschen auf diese technologisch-gesellschaftliche Reise mitnehmen. Ein solches Unterfangen bringt immer Zentrifugalkräfte mit sich. An den Rändern werden Bürger verloren gehen und nicht mehr mitkommen (Modernisierungs- bzw. Globalisierungsverlierer). Sei es auf Grund der Technologiserung bzw. Robotisierung oder schlicht auf Grund der Geschwindigkeit unserer Entwicklung. Die Zuverlässigkeit unserer sozialen Systeme wird Jahr für Jahr intensiver getestet. Können wir in diesen labilen und sich schnell verändernden Zeiten Stabilität für jeden gewährleisten?

Die meisten sozialen Systeme bestehender Staaten stammen noch von Anfang des 20. Jahrhunderts. Die deutschen Systeme sind größtenteils noch von Otto von Bismarck entworfen worden. Diese sind darauf konzipiert, dass es mehr junge Menschen als alte gibt und wir im durchschnitt 60 bis 70 Jahre leben. Heutzutage werden die meisten Menschen älter als 80, viele erreichen das 100. Lebensjahr. Tendenz steigend. So war das damalige Rentensystem darauf ausgelegt Rentnern nach dem 60. Lebensjahr noch etwa 10 Jahre lang den Lebensabend zu finanzieren. Wie lange leben wir heute nach dem 60. Lebensjahr? Mit 50 oder 55 erreichen wir gerade erst den Höhepunkt unserer Karriere – meistens. Unsere sozialen System halten all diese modernen Einflüsse nicht unbedingt aus. Reformen sind nötig. Ist hier das bedingungslose Grundeinkommen eine wirksame Alternative?

Auf der einen Seite gibt es Einflüsse, welche uns zwingen unsere bestehenden sozialen Systeme zu überdenken. Auf der anderen Seite bietet das BGE den Charme der positiven Nebeneffekte. Wer Arbeitslosengeld bezieht hat kaum genug Geld für die anfallenden Kosten. Mit dem BGE können Menschen sich ein Leben in Würde finanzieren, aber auch in die eigene Gesundheit und Bildung bzw. auch die ihrer Kinder investieren. Es gibt bereits Grundeinkommen, wie beispielsweise das BAfÖG, welche jedoch nicht komplett bedingungslos sind, aber doch ein Grundeinkommen ermöglichen sollen. Die Effekte dieser Grundsicherungen sind hierbei klar erkennbar: bessere Bildung, zufriedenere Menschen, gesündere Bürger und somit einhergehend beispielsweise auch weniger Kriminalität.

Die meisten denken, dass ein BGE bedeutet, dass der Staat das Steuergeld verschenkt. Der Wut gegen solche Konzepte ist durchaus verständlich. Doch, wie soeben beschrieben, geht der Sinn dieses Grundeinkommens viel weiter. Bildung, Gesundheit und Lebensstandard der Gesellschaft sollen verbessert und somit Kosten im Gesundheitswesen und für innere Sicherheit gesenkt werden. Die Zufriedenheit der Bürger soll steigen und die Sicherheit in der Gegenwart bei einer unsicheren Zukunft gewährleistet werden.

BGE

Wie könnte man ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzen?

Ich möchte in diesem Abschnitt mit fiktiven Zahlen etwas detaillierter mit dem Gedanken einer bedingungslosen Grundsicherung spielen. Ist das BGE überhaupt finanzierbar? Dies soll nicht als perfekte Berechnung, sondern als Gedanken- oder Diskussionsansatz verstanden werden.

Man könnte ein BGE direkt auf die Konten der Bürger überweisen. Hierbei würde beispielsweise jeder Deutsche zwischen 700 und 1.500€ pro Monat erhalten. Kinder bzw. die Eltern von Kindern erhalten 500€ (Existenzminimum 2015 bei 375€ je Kind).

2020 werden vorraussichtlich 18% der 82 Millionen Einwohner Deutschlands unter 20 Jahren alt sein. Durch ein BGE über 500€ für unter 20-jährige und 1.000€ für ältere Personen würde dementsprechend eine Belastung für den Haushalt Deutschlands über rund 14 Milliarden Euro im Monat oder auch 168 Milliarden Euro im Jahr entstehen.

Der erste positive Effekt ist jedoch bereits, dass zahlreiche komplexe Förderstrukturen im Sozialsystem hinfällig wären. Es würde kein Arbeitslosengeld und somit keine aufwändigen Prüfungen geben. Kindergeld, Zuschüsse, Steuerfreibeträge und viele andere Dinge könnten gestrichen werden. Jeder Bürger erhält Summe X auf die Hand und darf damit umgehen, wie er möchte. Der Verwaltungsaufwand könnte reduziert werden. Dieses Geld ist darüber hinaus nicht mehr an Bedingungen oder Vorraussetzungen gekoppelt. Muss denn unsere Existenz bzw. unser Leben in dieser Gesellschaft an Bedingungen gekoppelt sein? Wir haben das Leben und die Erde kostenlos erhalten und doch zwängen wir uns in Pflichten und Schuldsysteme.

168 Milliarden Euro klingt also auf den ersten Blick sehr viel. Deutschland wendet jedoch bereits jetzt über 130 Milliarden Euro jährlich für Soziales, Arbeit und Familie auf. Diese Summe kann man natürlich nicht 1:1 entgegenstellen, aber während der Staat mit dem BGE rund 170Mrd€ Kosten zu erwarten hat entfallen auf der anderen Seite mindestens bereits 100Mrd€ an bestehenden Förderungen. Dies kann ich aus den mir zugänglichen Statistiken leider nicht genau berechnen. Ich vermute in diesem Rechenbeispiel jedoch, dass die Mehrbelastung für den Staat durch den Wegfall bestehender finanzieller Leistungen bei ungefähr 70 Milliarden Euro im Jahr liegen würde. Die erfolgreiche Finanzierung eines solchen Systems ist jedoch eines der größten Probleme der Umsetzung des BGE.

Die meisten Menschen suchen nach Problemen anstelle Lösungen. Die Gefahr einer Volkswirtschaft in der viele Menschen nicht mehr arbeiten oder wesentlich weniger ist vorhanden, richtig. Aber warum ein Konzept mit Potential tod reden? Warum nur die Probleme suchen? Gibt es eventuell Lösungen? Oder lassen sich neue tolle Konzepte entwickeln? In Kanada wird das BGE immer wieder erprobt. In der Stadt Dauphin ließ man beispielsweise den Anreiz zur Arbeit bestehen indem man jeden selbst erarbeiteten Dollar nur zu 50 Cent (50%) vom BGE abzog. Wenn also jeder Anspruch auf beispielsweise $1,000 hat und jemand einen Job über $1,000 besitzt, so erhält diese Person trotzdem $500 BGE und steht am Ende mit $1,500 Einkommen besser da als wenn er nicht arbeiten würde. Personen ab $2,000 erhalten kein BGE mehr. Ich habe mir diese Zahlen nur ausgedacht. Hintergrund ist Arbeit weiterhin zu belohnen und Personen mit mehr als genug Geld kein BGE auszuzahlen.

Das bestimmte Personen jedoch kein BGE erhalten erachte ich als gut. Wenn jemand beispielsweise über 4.000€ im Monat verdient geht es ihm finanziell gut. Muss diese Person dann noch mehr Geld erhalten? Viele Menschen fühlen sich jedoch ungerecht behandelt. Sie gehen Arbeiten und bekommen kein BGE? Doch ist es nicht Sinn unserer Gesellschaft, dass wir uns gegenseitig unterstützen? Doch die Idee des BGE ist es nicht jedem stupide Geld zu schenken, sondern die Gesellschaft gerechter und stabiler zu machen. Wer genug Geld hat um gut zu leben, der muss nicht unterstützt werden. Wo man diese Grenze ansetzt ist dann Verhandlungssache und muss in der Praxis erprobt werden. Je nach wirtschaftlicher Lage könnte dies auch angepasst werden. Auch würden hier viele weitere Milliarden weniger durch den Staat aufgebracht werden müsste. Ist es bereits ein Nullsummenspiel, wenn wir das BGE einführen würden?

Wahlweise gibt es auch die Möglichkeit einer negativen Einkommenssteuer. Auch dies wurde bereits erprobt. Hierbei gibt es dann nicht, wie im aktuellen deutschen System, bis zu einem Gehalt über rund 8.500€ einen Steuerfreibetrag, sondern beispielsweise bis 5.000€ Jahresgehalt eine Einkommenssteuer über -25%. Der Staat legt nochmals 1.250€ oben drauf. Hier könnte man verschiedene Stufen einbauen wann der Staat wie viel Prozent auf das Gehalt drauflegt. Wer nicht arbeitet erhält das Existenzminimum, also Arbeitslosengeld, ausgezahlt. Der Nachteil dessen: Es ist erneut ein sehr kompliziertes System, da alles geprüft werden muss. Es müsste wieder große Behörden geben und alle Bürger hätten noch mehr Papierkram zu erledigen.

Ergebnisse bisheriger Pilot-Projekte

Die kanadische Kleinstadt Dauphin testete das BGE bereits 1979. In Dauphin konnten sich die ärmsten Bürger darauf bewerben und erhielten ab sofort für 4 Jahre ein Grundeinkommen. Die Ergebnisse sind in einem Archiv festgehalten und mittlerweile analysiert:

  1. Die Menschen haben nicht weniger gearbeitet. Größtenteils sogar mehr.
    Grund ist, dass das kanadische BGE Arbeit belohnte. Jeder verdiente Euro senkte das BGE nur um 50ct. Wer 1.000€ BGE im Monat erhielt und sich 600€ dazuverdiente hatte am Ende 1.300€ zur Verfügung. Wer Vollzeit arbeite bekam weitere Boni. Durch ein BGE kann Arbeit und soziales Engagement belohnt werden. Im aktuellen Kapitalismus wirst du für Ehrenamt und soziales Engagement meist gewissermaßen „bestraft“. Es zählt nur das Einkommen.
  2. Mehr Menschen machten einen Schulabschluss
    Das Grundeinkommen sicherte ab. Man konnte mit Konzentration und Ruhe lernen und sich bilden. Niemand musste bereits mit 16 Jahren seine schulische Laufbahn beenden um arbeiten zu gehen. Der Bildungsstand in der Bevölkerung stieg und die Kriminalität sank. Weniger Einbrüche wurden in Daupphin verzeichnet, sowie mehr in die Sozialkassen einzahlende gut verdienende Bürger. Armut wurde erfolgreich durch bessere Bildung bekämpft.
  3. Weniger Kranke
    Weniger Arztbesuche, weniger Krankenhausaufenthalte, Suchtfälle und Trunkenheit. Das BGE ließ die Gesundheit der Bevölkerung besser werden.

Quellen

Futurism – Is Universal Basic Income a Viable Solution?

Futurism – India’s Top Economist Announces His Support For Universal Basic Income

big think – What Happens When Everyone is Given Basic Income?

Canadian Soacial Research – Guaranteed Annual Income: A Supplementary Paper

Wikipedia – basic income

Wikipedia – negative income tax

Basic Income Earth Network – ONTARIO, CANADA: New Report on Minimum Income Pilot

The Guardian – Ontario pilot project puts universal basic income to the test

Portal für Finanzen und Versicherungen – deutsches Existenzminimum 2015

by Jan 31, 2017 Keine Kommentare
Antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading

Antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading

JH

Über 40% Rendite (07.01.2016 bis 20.01.2017) dank antizyklischem Swingtrading und unter 37 Verkäufen einer Position nur drei mit Verlust.

55 Käufe und 37 Verkäufe? Hier verdrehen die konservativen Anleger wahrscheinlich bereits die Augen. So besagt doch eine alte Börsenweisheit, dass zu viel hin- und hergetrade keinen Mehrwehrt und langfristig nur Verluste einbringen würden. Hin und Her, Taschen leer.

Doch Moment! Dieser Handelsansatz ist auch für langfristig orientierte Anleger interessant, welche ihre Performance mit einem kurzfristigen Handelsansatz hedgen wollen.

Seit dem 07.01.2016 nutze ich bis zu 7% meiner Depotsumme des Wikifolios “JfH Market Trading” für den spekulativen DAX-Handel. Mit 92% gewinnbringenden Verkäufen und Teilverkäufen der DAX-Long oder -Short Positionen war es mir möglich meine Verluste in Phasen eines fallenden Marktes zu reduzieren. Ob man nun die Verluste bei fallenden Kursen minimieren oder die Gewinne bei steigenden maximieren möchte bleibt dem jeweiligen Anleger überlassen. Mein Fokus lag auf dem minimieren von Verlust.

Was mache ich beim Swingtrading?

Seit Anfang 2016 konzentriere ich mich auf die Wellenbewegungen des DAX um dessen Durchschnitte. Hierbei habe ich begonnen nach Mustern in den Bewegungen des DAX zu seinem Durchschnitt EMA200 zu suchen.

Zwischenzeitig habe ich mit Richard Kupfer kennengelernt und kam mit ihm ins Gespräch. Mit seinem antizyklisch-hybriden DAX-Positionstrading (ConTraMo – Contrarian Trading Model) betreibt er ein ähnliches Handelssystem, wie ich. Doch wo er DAX only agiert, handle ich den DAX abwechseln und teilweise gleichzeitig Long unf Short. Auch Richard konnte den DAX 2016 bezogen auf die erwirtschafteten Punkten um fast 1000% outperformen. Er veröffenlicht seine Beiträge ebenfalls hier auf Inside Trading – schaut doch Mal bei ihm vorbei.

Durch einen Mix aus Kapitalzu- und -abflüssen und Emotionen schwanken die Kurse an der Börse. Mal wird über- und dann wieder unterbewertet. Diese Wellenbewegungen kann man in Charts erkennen und durch das Einbeziehen von aktuellen fundamentalen und psychologischen Informationen einordnen.

Mein einfacher Gedanke war: Warum nicht bei Kursen über der EMA200 den DAX Shorten und bei Kursen darunter Long investiert sein? Warum nicht auf eine stetige Rückkehr des DAX zu seinen Durchschnitten wetten?

Beispiel: Die irrationale Übertreibung im Januar 2016

Im Januar 2016 brach der DAX zusammen. Es war einer der schlechtesten Jahresstarts seit Jahrzehnten. Zu diesem Zeitpunkt (am 07.01.2016) habe ich angefangen mein Swingtrading genauer zu dokumentieren und in Blogs darüber zu berichten. Schnell war klar, dass die fallenden Kurse eine irrationale Übertreibung (irrational excuberance) darstellten. Der DAX tauchte weit unter die EMA 200 und ich fing an DAX-Long-Positionen aufzubauen.

Was genau mache ich?

Ich bezeichne mein Vorgehen als “antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading der Durchschnitte als Performanceaufbesserung im Depot”. Uff .. umständlich? Lass es mir dir erklären:

Swingtrading Auf der einen Seite betreibe ich Swingtrading und spekuliere also auf die Wellenbewegungen des DAX.

Durchschnitte Ich handle die Wellenbewegung um die verschiedenen Durchschnitte des DAX herum – größtenteils nutze ich die EMA200.

Performanceaufbesserung Ich spekuliere nur mit einer kleinen Summe, da ich überwiegend mittel- bis langfristig auf Aktien fokussiert bin und mich in diesem Handelsansatz einerseits austobe und andererseits die Gewinne als kleine Performanceaufbesserung nutze. Auf Grund des hochspekulativen Handelsansatzes möchte ich nicht mit größeren Summen agieren.

Antizyklisch Es ist eine Sache des Charakters ob man nun Contrarian oder Trend-Folger ist. Ich selbst fühle mich wohler darin gegen eine Bewegung zu wetten als mit einer mitzulaufen. Ich wette immer gegen die aktuelle Bewegung des DAX. Steigen die Kurse, dann wette ich auf fallende und andersrum. Das bedeutet, dass ich immer ins Messer greife und anfangs Verluste hinnehmen muss. Wichtig ist sachliches Denken (Emotionen sind hier der größte Gegner) und ein vor dem Trade festgelegtes Set-Up.

Verbilligend Gerade weil ich als Contrarian immer gegen die Bewegung wette und somit anfangs Verluste hinnehmen muss nutze ich kontrolliertes Verbilligen, um den durchschnittlichen Einkaufspreis zu verbessern, die anfänglichen Verluste zu minimieren und die späteren Gewinne zu maximieren. Auch ist mir durchaus bewusst, dass ich nur durch Zufall am Höchst- oder Tiefpunkt einer Bewegung einsteige. Deswegen verteile ich das festgelegte investierbare Kapital meist auf 3 bis 5 Einkäufe. Warum kontrolliertes Verbilligen ein wertvoller Ansatz im eigenen Depot ist habe ich in diesem Beitrag erklärt. Wichtig: Im Wikifolio fallen kaum Ordergebühren an. Von daher rentiert sich das System auch bei vielen Trades.

In dieser Grafik sieht man, dass meine DAX-Long-Position (grauer Bereich) bei einem fallenden DAX anwächst und bei einem steigenden abgebaut wird. 

Auch bei der Spekulation auf einen fallenden DAX baue ich die Positionen in diesem Fall bei einem steigenden DAX auf, nehme die zwischenzeitigen Verluste in Kauf, und realisiere die Position bei fallenden Kursen dann mit Gewinnen.

Insgesamt wechseln sich DAX-Long und -Short Positionen ab oder ich verändere die Gewichtung dieser und baue die eine Spekulation ab, um teilweise Gewinne zu realisieren und die Gewichtung anzupassen, aber dennoch die Gewinne noch ein wenig laufen zu lassen. Während ich bei der einen Position die Gewinne teilweise realisiere, baue ich die neue Position bereits antizyklisch auf.

Beispiel eines Swingtrades

Am 24.06.2016 habe ich bei einem DAX-Stand von 9.550 Punkten 6.600€ DAX-Long investiert und noch am selben Tag bei 9.650 Punkten die Hälfte der Position mit 5% Gewinn wieder realisiert, um daraufhin am 27.06.2016 bei 9.250 Punkten wieder 1.030€ zu investieren. Mit einem weiteren Einkauf über 700€ am 05.07.2016 stand die Position bei 5.300€.

Am 11.07., 12.07., 14.07. und 18.07. dann habe ich diese Position schrittweise mit 11, 14, 16 und 18% Gewinn aufgelöst, um bereits am 14.07. wieder eine erste Short-Position über 300€ bei 10.060 Punkten aufzusetzen. Die EMA200 stand über diese Phase zwischen 10.100 und 10.200 Punkten.

Dies ist das Hin und Her des Swingtradings. Nun habe ich natürlich ein ganz besonders aktive Phase ausgesucht, bei welcher täglich mehrfach gehandelt wurde.

Beispielsweise habe ich am 03.01., 06.01., 10.01. und 12.01.2017 bei einem DAX-Stand zwischen 11.500 und 11.600 Punkten die noch im November und Dezember bei 10.500 bis 10.700 Punkten eingekauften (18.11.2016, 01. und 02.12.2016) Positionen mit 20 bis 22% wieder aufgelöst. Gleichzeitig baue ich seit dem 12.12.2016 bereits wieder die Short-Position des DAX auf. Hierbei kaufe ich etwa alle 200 Punkte nach.

by Jan 21, 2017 Keine Kommentare
In vier Phasen zum Trader

In vier Phasen zum Trader

Erste Schritte

Trading bedeutet grundlegend Charakterbildung. Ein Trader erlebt verschiedenste Phasen und Entwicklungsstufen seiner Arbeit und seines Verhaltens. Das höchste Ziel auf dem Weg zum Trader ist die Unabhängigkeit. Von was er unabhängig werden möchte, werde ich im folgenden Beitrag erklären. Ein Großteil der Arbeit wird eines Traders besteht nach meiner Auffassung daraus, alleine, nur mit sich selbst vor seinen Monitoren zu sitzen. Je früher man sich mit diesem Gedanken vertraut macht, desto schneller wird man die Phasen zum Trader durchlaufen können. In der Phase der Unabhängigkeit wird die eigene Handelslogik weiterentwickelt und darauf ein individuelles Marktverständnis aufgebaut. Dies kann man sich nur selbst beibringen, weil man es mit der Zeit prozesshaft erlernt. Das ist Trading.

Unabhängigkeit ist ein hohes Gut. Es fällt einem nicht einfach vor die Füße. Wer von uns ist finanziell unabhängig bzw. frei? Kaum einer. Der Weg zur Unabhängigkeit ist ein steiniger, steiler, mühseliger, aber doch irgendwie auch lohnenswerter Weg. Es ist ein Prozess. Charakterbildung. Man muss zuvor die Informations-, Selbstfindungs- und Konfrontationsphase durchlaufen, welche im Konflikt zum Ziel des unabhängigen Tradings stehen. Ich möchte dir in diesem Beitrag diese Phasen erklären und dich so auf deinem Weg zum selbstständigen Trader unterstützen.

1. Die Informationsphase

Erinnerst du dich an deinen Einstieg ins Trading? Es ist ein Sprung ins kalte Wasser. Man taucht in ein Meer aus Möglichkeiten, schier endlosem Wissen und praktischen Erfahrungen ein. Es ist wie eine Expedition in den Urwald und man muss sich durch dichtes Gestrüpp schlagen. Meint man gerade einen Weg gefunden zu haben, so steht einem schon der nächste Busch im weg. Überall sind Dornen und gefährliche Tiere, welche einem das Leben schwer machen und man kommt nur sehr langsam durch diesen Urwald. Der Einstieg ins Trading ist wahrlich schwierig.

Die Informationsphase ist ein auf der einen Seite notweniger, aber auch irgendwie nutzlos unüberschaubarer Prozess. Es ist eine Phase in der wir irgendwie alles ein wenig, aber nicht richtig machen. Es ist der Einstieg in eine völlig neue Welt. Und wir müssen uns darin zurecht finden. Den eigenen Weg zu finden, das richtige Tempo sozusagen sich erfolgreich durch den Urwald zu schlagen (beispielsweise eher antizyklisch oder trendfolgend investieren) oder die richtige Methoden sich gegen Gefahren zu schützen (Risk- und Money-Management), ist wichtig. Auch die praktischen Erfahrungen gehören dazu. Man macht Fehler. Aus diesen Fehlern lernen wir. Und trotz des durchaus extrem großen Lerneffekts dieser Phase ist unser Verhalten als Trader in dieser noch wahnsinnig ineffizient. Es ist wie ein Kind, welches laufen lernt und ständig hinfällt.

Wichtige Erkenntnisse beziehen sich hier größtenteils auf den mentalen Umgang mit Verlusten und Risiken, der Tatsache, dass Gewinne pro Trade fast immer größer sein müssen als die Verluste und dass es eine individuelle Handelslogik über den Einstieg und Ausstieg gibt, die jeder gefunden haben muss. Jegliche Details über diese Handelslogik sind so individuell, wie der Fingerabdruck jedes einzelnen Menschen.

Die Besonderheit dieser Informationsphase ist, dass ein großteil der Informationen unnütz und hin und wieder sogar schäflich sind, weil die Informationen weit über die nützlichen fundamentalen Kriterien hinausgehen. Manche Menschen kommen nie aus der Informationsphase heraus, weshalb sie den zweiten Schritt nicht schaffen. Oder ihn nicht wagen?

2. Die Selbstfindungsphase

In der Informationsphase sollte man sich selbst finden und somit in die Selbstfindungsphase übergehen. In dieser wendet man das erlernte fundamentale Wissen an, vergisst das unnütze, und nimmt ein individuelles Maßschneidern vor. Man treibt nicht mehr nur mit in diesem Meer, sondern fängt an selbstständig zu schwimmen.

Sich treiben zu lassen – wie man dies normalerweise in der Informationsphase tut – is einfach. Auch aus psychologischen Gründen. Eine Studie ergab, dass viele junge Fondmanager das Verhalten und das Trading der Gruppe nachahmen. Liegt man richtig und macht man Gewinne, dann fühlt man sich gut. Liegt man falsch und verliert Geld, dann ist es irgendwie geteiltes Leid. Man ist nicht der einzige. Es gehört auch Mut dazu sich selbst zu finden und seinen eigenen Weg zu gehen. Etwas anders zu machen bedeutet auch am Ende selbst die Verantwortung dafür zu tragen und eventuell, im Gegensatz zu den anderen, schlecht darzustehen. Doch auf dem Weg zur Unabhängig muss man sich selbst finden.

Das bedeutet nun nicht, dass du mit Zwang und Druck alles anders machen sollst als andere. Mache das, was du am besten kannst. Dann legst du den Grundstein deines Erfolgs. Wichtig hierbei ist deine Intensität. Trainierst du? Schulst du dich? Arbeitest du an dir un deinem Trading? Diese Intensität drückt sich darin aus, wie viel man wirklich ohne Ablenkungen nur mit sich selbst, seiner Mentalität und seinen zu handelnden Märkten arbeitet.

Die Schwierigkeit besteht darin, die Trennung von all den Informationen und Menschen vorzunehmen, die einen in der Informationsphase vor kurzem noch begleitet haben. Diese Trennung beinhaltet das Abschalten von Menschen, Büchern, Webinaren und YouTube Videos, welches bei letzterem teils zu Entzugserscheinungen führen kann, weil man sich viele Monate an dieses Studium gewöhnt hat. Deshalb wird man insbesondere in den wichtigen Phasen der Selbstfindung immer wieder den Drang verspüren weitere Informationen der ehemals unterstützenden Quellen aufzunehmen und sich weiter an die Lippen der Menschen zu kleben, die einen bis dahin weitergebracht und angeleitet haben. Nur wer stark genug ist, wird aber unbeirrt den Weg der Erfahrung von sich, seiner Mentalität und den zu handelnden Märkten weitergehen.

Fast niemand schafft es, denn die ersten markanten Ergebnisse innerhalb der Selbstfindungsphase, die man mit seinem eigenen Handelsstil schon bekommen hat, führen fast immer dazu, doch wieder in alte, gruppenbasierte und von umfassender Anleitung durch andere in watte gehüllte Verhaltensweisen zu verfallen.

3.Die Konfrontationsphase

Wie du sicherlich schon beim Lesen gemerkt hast: Es besteht Konfliktpotential in der Selbstfindungsphase. Der Versuch sich aus der sicheren Umgebung zu entfernen und einen individuellen Stil zu entwickeln und vor Allem den alten Gewohnheiten und Mentoren zu entsagen, birgt Potential zur Konfrontation. Nicht nur mit diesen, sondern vor Allem auch mit sich selbst. Lernte man in der Informationsphase noch sprechen und laufen, so ist die Selbstfindungsphase durchaus mit der deutschen Grundschule vergleichbar: Man lernt weiter, doch findet seine eigenen Stärken und Schwächen, Talente und doppelte linke Hände. Doch jeder Trader muss auch die Pubertät erleben. Eine Phase voller Konflikten und Konfrontation.

Jeder Charakter reagiert unterschiedlich auf seine Erlebnisse in der Selbstfindungsphase. Einige werden verbittert, sauer und verkrampft und treten griesgrämig in Foren auf und Kritisieren jene, welche schaffen, was einem selbst verwährt bleiben. Diese Charaktere suchen die Schuld bei anderen und ein Ventil ihre eigene Unfähigkeit emotional anzureagieren.

Andere spüren einen Hauch Unabhängikeit und wollen dies sofort kommunizieren. Sie bloggen, schreiben, kommentieren, machen Video-Blogs und schreiben Bücher. Doch hierbei sollte man kritisch hinterfragen, ob man sich so nicht auf seinem Weg festbeißt, wenn man diesen nur noch beschreibt und lobt, verteidigt und erzählt? Man sollte auch den Mut haben seinen Weg wieder zu verlassen und die Fähigkeit besitzen sich einen neuen Suchen zu können. Auch könnte man eben jene neuen Trader, welcher in der Informationsphase als Empfänger von Informationen auftreten, in ihrer Entwicklung stören, wenn man selbst unvorsichtig als Sender von Informationen auftritt.

Konfrontation ist für jeden Menschen unangenehm. Doch man sollte sich dieser stellen und nicht emotional reagieren. Wenn etwas an der Börse fehl am Platz ist, dann sind es Emotionen. Aus jeder Konfrontration, aus jedem Fehler, Problem und auch jedem Verlust kann man lernen. Ein Trader in eben dieser Phase befindet sich in der Pubertät seines Tradings. Er tritt mit seinem Charakter, seinem Wissen und seinem Trading in Konflikt mit der Gemeinschaft und dem Markt. Das ist gut. Und doch auch unangenehm. Man muss in dieser Phase seinen Weg verteidigen und optimieren – das heißt sein Trading noch verbissener, konzentrierter und fixierter zu verbessern. Oder man muss sich doch einen neuen Weg suchen, nicht panisch und ohne Plan, sondern sein aktuelles Verhalten leicht verändern.

4. Die Unabhängigkeitsphase

Wer laufen gelernt hat, seinen eigenen Weg gefunden hat und die Höhen und Tiefen der zahlreiche Probleme und Konflikte durchstanden hat, besitzt viel Wissen und Erfahrung. Er kennt seinen Weg, seine Fähigkeiten und kann relativ gut auf den Markt und die Gemeinschaft reagieren. Trading bedeutet Charakterbildung – beispielsweise lernen schusselige und unkonzentrierte Menschen schnell dieses Verhalten möglichst einzudämmen. Wer möchte schon wöchentlich auf Grund persönlicher Fehler Geld verlieren?

In der Unabhängigkeit benötigt man keine Bücher, Mentoren und Unterstützer mehr. Natürlich ist es wichtig sich stets weiterzubilden und natürlich gibt es immer noch viele schlauere und erfahrene Trader als man selbst. Doch man benötigt nicht mehr zwingend Hilfe um am Markt zu bestehen. Man könnte auch ohne andere Personen, nur mit Charts und Zahlen, agieren und bestehen. Man braucht keine Analysen, Bewertungen und Hinweise mehr. Und doch sollte man sich weiterbilden. Die Scheuklappen der vorherigen Phasen kann man ablegen und auch wieder als Empfänger und Sender von Informationen auftreten. Man selbst ist zu einem starken und unabhängigen Charakter gereift, welcher sich durch andere und den Markt nicht mehr so einfach irritieren lässt. Man verlässt das Elternhaus und kann sich auch ohne deren ständge Hilfe im Leben behaupten. Das ist die Unabhängigkeit, welche auch ein Trader erreichen sollte. Mit 20 sollte man ausziehen, nach dem Studium dann einen Beruf finden und auf eigenen Beinen stehen. Als Trader kann man auch nicht ewig am Tropf der vorgekauten Informationen von selbsternannten Experten, Gurus oder den Meinungen und Behauptungen anderer hängen.

 

 

by Jan 18, 2017 3 Kommentare
Optimize your behavior as trader with online poker

Optimize your behavior as trader with online poker

Gastartikel

Most trading mistakes are attributed to mental overload. Trading is very emotional, fast and the trader needs to work in situations of unstableness where he has to trade the unknown future without enough information and time. As consequence thereof traders make mistakes. Exchange is not just watching what the market is doing and trying to trade it. Exchange is also to look at the own performance and behavior. Trading means not just to optimize portfolios, trading performance and money management. Trading involves to optimize the own mentality, personality and behavior. But how could we train us to act better in stressful and unconfident situations? I think the best training is to play online poker.

Please do not play with real money. Just enter for example the free online poker possibilities at Facebook. To play with unreal money is not the same than being stressed to maybe lose your own money. But online poker is also good training and involves a high level of stress, too. You just have 5 to 10 seconds for your decision. You need to figure out probabilities and your strategy. You don’t have enough time to calculate well. You even don’t have enough information. You just see your cards but you have to do something. Your decision should be that good to win the money and to raise your budget. How much rounds do you need to double your money? Or do you maybe lose everything?

If you play online poker you will make exemplary mistakes. Mistakes that are made by traders, too. You will go through euphoric moments after winning some hands and big a sum of money. You will get over-motivated and start to make mistakes. Small and big mistakes. And faster than you can say “what am I doing here?” you lose your money again. It is important to keep calm while online poker and trading. Emotional overreactions are the best way to make mistakes. Train your behavior in stressful, fast and tricky situations. Try to be as focused and unemotional as possible. Grab the chance to optimize your performance. You need to manage your budget, your strategy, your cards, your round and you need to glean the probability of your cards to win the round. You need to do a lot of things in just 5 to 10 seconds. You will make mistakes. You will lose money. You will feel good, bad, euphoric and frustrated. But that are typical emotions and situations traders are faced with, too. I recommend to play online poker to you if you want to be better trader. You need to train your behavior. Try to play poker as most effective as possible. That could be the first step to control your emotions better while trading.

by Jan 11, 2017 Keine Kommentare
Banken zündeln mit ABS-Produkten

Banken zündeln mit ABS-Produkten

Gastartikel

Der Name klingt wie Musik in den Ohren: asset-backed security (ABS). Oder auf Deutsch: Forderungsbesichertes Wertpapier. Die Denker der Finanzbranche sind gerissen und lassen sich immer neue Konstrukte, Modelle und Möglichkeiten einfallen. Die Aussicht auf unermesslichen Reichtum macht erfinderisch bzw. auch Not macht erfinderisch. Was so schön klingt sind jedoch Systeme, welche bereits 2007 zum Ausbruch der Finanz-Krise beitrugen.

Ich schreibe diesen Blog nicht um aufzuarbeiten was bereits etliche Blogs, Medien, Filme und Bücher aufgearbeitet haben (die Krise von 2007) sondern möchte aus aktuellem Anlass auf diese Thematik eingehen. Wir erkennen derzeit, dass der Boom um ABS wieder aufflammt. Basteln die Banken an einem neuen Sprengsatz, welcher zur nächsten Finanzkrise führen wird?

Was sind forderungsbesicherte Wertpapiere?

Um die Enstehung und Art der ABS zu verstehen müssen wir uns den Gesamt-Prozess vom Entstehen eines Kredits bis hin zur Verbriefung als forderungsbesichertes Wertpapier anschauen:

  1. Eine oder mehrere Personen (z.B. Familien) wollen ein Haus bauen oder kaufen
  2. Ein Kredit-Vermittler vermittelt das Darlehen und erhält dafür Provisionen
  3. Der Kreditgeber vergibt das Darlehen und erhält im Gegenzug die Zinsen

Soweit besteht der normale Ablauf am Immobilien-Markt mit Käufern, Mittlern und Kreditgebern. Um jedoch nun die Nachfrage am Markt nach Rendite und lukrativen Anlageformen zu bedienen kamen Investment-Banker auf folgende Idee:

  1. Eine Investment-Bank kauft nun zahlreichen Kreditgeber ihre “Forderungen gegenüber anderen” in großer Menge ab
  2. Diese Forderungen werden nun auf eine Zweckgesellschaft der Investment-Bank (SPV) übertragen, welche die Darlehen verwaltet und die Zinszahlungen erhält
  3. Die Darlehen werden in drei Tranchen unterteilt: Safe, Okay und Risky.
  4. Nun erstellt die Zweckgesellschaft bzw. die Investment-Bank als Besitzer dieser Wertpapiere, welche am Markt handelbar sind und durch die Forderungen besichert werden

Nun ist das forderungsbesicherte Wertpapier (asset-backed security) entstanden. Die Forderung gegenüber anderen ist auf der einen Seite die Sicherheit (ein einforderbarer Wert sichert das Wertpapier ab) und auf der anderen Seite stellen die Zinszahlung auch die Rendite der Investoren dar, welche diese erhalten.

  1. Ratingagenturen bewerten nun die drei Tranchen mit AAA, BBB und die riskanten ABS erhalten kein Rating.
  2. Die riskanten (hohes Ausfallrisiko, aber viel Zins/Rendite) ABS werden an Hedgefonds verkauft, die akzeptablen Wertpapiere an andere Banken und die sicheren asset-backed securities an Investoren, welche nur hoch-bewertete (AAA) Anlegeformen in Anspruch nehmen.

Nun profitieren alle. Der Hausbesitzer, der Vermittler, der Kreditgeber, die Investment-Bank und die Investoren. Aus einem einfachen Kredit wurde ein handelbares Wertpapier. Da die Rendite durch Zinszahlungen entsteht und einforderbarer Wert dahinter steht handelt es sich um forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS). Schaut man genauer hin, dann kann diese Form der Wertpapiere in verschiedene Arten unterteilen:

  • asset-backed securities (ABS), forderungsbesicherte Wertpapiere
    • Term ABS
    • asset-backed vommercial paper (ABCP)
  • mortgage-backed securities (MBS), hypotheken-besicherte Wertpapiere
    • Residential MBS (RMBS)
    • Commercial MBS (CMBS)
  • collateralized debt obligations (CDO), allgemeine kredit-besicherte Wertpapiere
    • Collateralized Loan Obligations (CLO)
    • Collateralized Bond Obligations (CBO)
    • CollateralizedMortgage Obligations (CMO)

Warum gelten ABS als Sprengsätze der Finanzbranche?

Die Schwierigkeit an diesen Produkten ist auf der einen Seite, dass die Rating-Agenturen, welche die ABS bewerten, durch den Anbieter, die Investment-Bank, beauftragt wird und meistens lediglich den Bewertungs-Vorschlag prüft. Hierbei kann es zu fehlerhaften Bewertungen führen und faule Kredite erhalten ein Rating und können am Markt verscherbelt werden. Darüberhinaus handelt es sich beim ABS um ein Wertpapier welches durch hunderte oder tausende Kreditnehmer besichert ist. Der Kredit wurde bereits mehrfach weitergereicht, verbrieft, bewertet, verdreht und verkauft. Der Einblick ist nicht mehr gegeben. Wer zahlt die Zinsen? Wie geht es diesen Personen? Wie viele Personen zahlen die Zinsen und wie viele sind bereits privat Insolvent?

Mit dem Hype um diese Finanzprodukte kam auch die Finanzkrise 2007 zustande. Um die Nachfrage des Marktes zu bedienen wurden immer mehr subprime loans an Personen vergeben, welche sich einen Kredit eigentlich nicht leisten Konten. Die Mittler klingelten persönlich bei den Leuten um Kredite ohne Prüfung der Person zu vergeben. Zeugen berichten, dass sie bei Banken ohne Unterlagen innerhalb weniger Tage Kredite über mehrere hunderttausend Dollar erhalten konnten (in der Hochphase der Blase). Die Vermittler und Kreditgeber versuchten die unbändige Nachfrage der Investment-Banken zu bedienen. Für Sie war dies ein gutes Geschäft. Das Problem hat immer derjenige, welcher im Besitz der faulen Kredite ist. Mittler, Kreditgeber und Investment-Banken schoben diese Sprengsätze immer fröhlich weiter und kassierten ab. 2007 wurde vor Allem mit MBS-Produkten gehandelt, da der US-Immobilienmarkt brummte. Immer mehr ABS wurden verkauft. Für die Investment Banken war es ein Milliarden-Geschäft.

  1. Im August 2007 stoppte die französische BNP Paribas den Handel mit ABS da sie bemerkte, dass ihre Fonds durchsetzt waren mit faulen Wertpapieren
  2. Im September 2007 kam zu einem Bankrun in Großbritannien als “nothern rock” in Zahlungsschwierigkeiten auf Grund der Abschreibung von faulen Krediten geriet
  3. Ende 2007 musste der größte Versicherer der Welt, die AIG, einen Rekordverlust von 11 Milliarden Dollar durch Kreditausfallversicherungen im Bereich Hypotheken vermelden. Die Bank erhielt einen Überbrückungskredit von der FED (40 Mrd. USD)
  4. Am 14. März 2008 musste die traditionsreiche Bank Bear Stearns auf Grund von Verlusten über 4,5 Mrd USD ihrer ABS-Fonds gerettet werden. Die Bank J.P. Morgan Chase kaufte die Bank in Zusammenarbeit mit der FED.
  5. Mitte 2008 gerieten die staatsnahen Hypothekenbanken Federal National Mortgage Association, FNMA (auch Fannie Mae genannt) und Federal Home Loan Mortgage Corporation (auch Freddie Mac genannt) in Zahlungsschwierigkeiten. Zwischen dem 13. Juli und 7. September 2008 erhielten beide Banken 187 Mrd. USD von der FED
  6. Die damals 4. größte Bank der USA, Lehman Brothers, geriet ebenfalls als Investment Bank in unruhige Gewässer und musste die Verluste durch zwei Kapitalerhöhungen im April und Juni 2008 über 9 Mrd USD abfedern. Die Bank machte teilwesie pro Quartal 3 bis 5 Mrd USD Verlust. Nachdem Barcleys eine Übernahme Lehman Brothers ablehnte war der Druck auf die US-Regierung und FEd zu groß noch eine Bank zu retten. Man ließ Lehman Brothers insolvent gehen was sich im Nachhinein als großer Fehler und letzter Auslöser der Finanzkrise 2008 entpuppte.

In Folge der Pleite von Lehman Brothers entdeckten Banken weltweit hohe Beträge fauler Kredite in ihren Portfolios. Es kam zu zahlreichen Insovenzen und Liquiditätsproblemen nachdem diese Papiere abgeschrieben werden mussten. Das Ausmaß der Probleme übertrug sich auf die Wirtschaft wodurch eine Wirtschaftskrise entstand.

Banken zündeln erneut mit ABS-Produkten

Natürlich werden ABS auch weiterhin gehandelt. Das Modell ist äußerst lukrativ für alle beteiligten solange die Kreditnehmer ihre Zinsen bezahlen können. Nach der Krise 2008 achteten Finanz-Aketure jedoch genauer darauf was sie kauften. Doch wie immer lässt das Bewusstsein mit der Zeit nach und die Gier nimmt überhand. Heutzutage deutet sich erneut an, dass ein größeres Volumen an ABS gehandelt wird. Wie viele faule Kredite darunter sind? Man weiß es nicht …

  1. Wir haben eine Immobilienblase in Schweden
  2. Wir haben eine Immobilienblase in Dänemark
  3. Wir haben eine kleine Immobilienblase in den USA

Wir haben es aktuell weniger mit hypotheken-basierten Krediten zu tun, sondern viel mehr mit einem Mix aus nonperforman loans. Zuletzt gerieten zahlreiche wichtige Banken in Italien in Zahlungsschwierigkeiten und benötigten Milliarden-Gelder der EZB um nicht zu kollabieren. Nochmals lässt keine Zentralbank der Welt zu eine Bank kollabieren zu lassen nach den Erfahrungen aus 2008. Nachdem die EZB nun forderte die nonperforming loans in Italien in Wertpapiere umzuwandeln und zu handeln.

Zuletzt berichtete Bloomberg, dass die Agriculture Bank of China schlechte Kredite im Wert von 1,6 Mrd USD als ABD verpackt und verkaufen möchte. (Hier findest du den Artikel). Wie viele nonperformaning und bad loans befinden sich verpackt als forderungsbesicherte Wertpapiere bereits weltweit erneut im Umlauf?

Solange die Hauspreise steigen und die meisten Kreditnehmer ihre Zinsen zahlen können besteht keine Gefahr. Doch was passiert wenn die Immobilien-Märkte in Schweden und Dänemark kollabieren? Dies hat zwar wahrscheinlich nur einen geringen Einfluss auf die wichtigen Banken der Weltbühne könnte sich aber wie 2007 durch die BNP Paribas als Beginn einer Domino-Kette herausstellen.

Banken wissen nicht wohin mit ihrem Geld. Vor Allem in Europa. Aktuell schleppen europöische Banken eine Überschussliquidität über mehr als 800 Mrd Euro mit sich rum. Dieses Geld lagert bei der EZB, welche einen Strafzins (negativen Einlagezins) von 0,4% erhebt. Damit fallen Milliarden-Summen an Strafzins an. Die Banken müssen ihr Geld loswerden und suchen händeringend nach Anlageformen. Wie viel Geld steckten die Banken aktuell in ABS? Wir wissen es nicht. Auch Fonds suchen nach hoch-bewerteten (AAA) Anlageformen, welche mehr als 1% Rendite abwerfen. In Zeiten der Null-Zins-Politik stellt sich dies als schwierig heraus. Kauft man in diesen Bereich nun vermehr ABS-Produkte?

by Jan 05, 2017 Keine Kommentare
Jahresrückblick – Wie mein Börsenjahr 2016 war

Jahresrückblick – Wie mein Börsenjahr 2016 war

JH

Ein gesellschaftliche mit beden Jahr ist vorbei. Fragwürdige Rechtspopulisten, eine ratlose und etwas überforderte politische Mitte, bedenkliche Wahlerfolge in England, den USA und Italien, sowie zahlreiche schlimme Unfälle und Anschläge. Unsere Gesellschaft bewegt sich gefühlt immer schneller und asozialer durch die Weltgeschichte. Die ideologischen Zentrifugalkräfte unserer Weltgemeinschaft sind durch den hohen Grad der modernen Technologisierung gefühlt stärker denn je. Wo wird das hinführen?

In diesem Beitrag möchte ich das Börsenjahr 2016 revue passieren lassen. Öffentlich äußere ich täglich meine Meinung und schulde den Lesern aus diesem Grund Transparenz und Rechenschaft. Was habe ich gesagt? Was waren meine Fehler? Was waren meine Erfolge? Auch aus diesem Grund habe bin ich mit eigenen Wikifolios tätig. Diese zeigen schonungslos auf, ob ich etwas kann.

Doch ich schreibe diesen Beitrag auch für mich. Ich schreibe den gesamten Blog für mich. Da er öffentlich ist und etwa 1.500 Mal im Monat gelesen wird muss ich sauber und konzentriert arbeiten. Diese Transparenz zwingt mich voreilige Schlüsse mehrfach zu hinterfragen, eh ich diese treffe und kommuniziere. Mein Blog zwingt mich sauber zu arbeiten. Doch ich möchte auch meine vielen Analysen, Gedanken und Meinungen speichern, analysieren und mit anderen diskutieren.

Mein Handel

Mit dem Jahr 2016 endet mein zweites aktives Börsenjahr. Nun wird sich zeigen, ob der Erfolg des Jahres 2015 ein Zufall war oder ob ich diesen wiederholen kann. Im letzten Jahr bin ich den Handel eingestiegen und habe auch angefangen umfassend Daten über meinen Handel zu sammeln (hier findest du eine kostenlose Handels-Excel-Tabelle für 2017). Man sollte sich nie in Details verlieren, doch jederzeit das Fenster offen halten, bei Bedarf genügend detaillierte Daten parat zu haben.

2015 konnte ich mit +25,22% mehr als doppelt so gut wie der DAX – welcher +9,5% machte – abschneiden. Einen Großteil dieser Rendite konnte ich im Juni und Juli 2015 mit einem gewollten, aber doch auch bezüglich der Intensität glücklichen Treffer in der volatilen Phase um die griechische Verhandlungsphase, erwirtschaften. Dieses Jahr war mehr oder weniger meine Findungsphase gewesen. Ich habe „alles“ gemacht und teilweise auch in jedem Monat komplett anders gehandelt. Ich musste meinen Weg erst finden. Auch mein Blog explodierte und ich verfasste direkt über 200 Beiträge. Ich gründete Gruppen, Chats, Projekte und vieles Mehr.

42016 kann ich den großen Erfolg des Vorjahres nicht wiederholen, aber dennoch erneut besser als der DAX abschneiden. Vom 04.01.2016 bis zum 29.12.2016 konnte ich meine Depotsumme um 11,42% steigern. Im gleichen Zeitraum ist der DAX um 6,48% gestiegen.

Zwischenzeitlich war ich mehr als 10% besser als der DAX (siehe Grafik). Doch erneut habe ich in diesem Jahr erlebt, dass ich bei fallenden Kursen wesentlich besser bin als der DAX, jedoch bei steigenden schlechter. Und so schmolz mein erwirtschafteter Vorsprung in den letzten Wochen des Jahres mit der Jahresendrallye von rund 10 auf 5%.

Ich habe in diesem Jahr weniger aktiv gehandelt und mich eher mittelfristig ausgerichtet. Mitte 2016 habe ich viele Technologie-Werte, wie Google und Facebook, verkauft um mich aus der (aus meiner Sicht) bestehenden Technologiewerte-Blase rauszuziehen. Mein Depot nach Branchen setzt sich aktuell wie folgt zusammen:

Anteil am Depot Aktueller GuV
Handel 15,0 % + 22,9 %
Finanzdienstleister 3,0 % + 10,8 %
Technologie 3,3 % + 12,0 %
Konsum 4,8 % + 8,8 %
Healthcare 25,6 % + 7,6 %
Transport/Verkehr 2,0 % + 14,2 %
Öl-Konzerne 3,3 % + 13,5 %
Fluggesellschaften 6,4 % + 5,6 %

Im Bereich „Handel“ habe ich mit Zalando und Amazon zwei gut laufende Positionen im Depot, welche immer enue ATHs anstreben und in der Gewichtung ein zentraler Baustein meiner Performance sind. Schwierig lief es in diesem Jahr mit der Gesundheits-Branche, welche von allen Branchen am schlechtesten wertete. Nach vielen Jahren überdurchschnittlicher Jahresrenditen von mehr als 20% jährlich, war in diesem Jahr die Luft raus und es wurde leicht korrigiert. In diesem Bereich musste ich am Ende durchgreifen und ihn umstrukturieren, sowie in seiner Gewichtung von 35 auf 25% reduzieren.

Position Eingekauft am Gewichtung GuV
Apple 15.11.2016 3,0 % + 12,1 %
Sixt 27.06.2016 2,0 % + 14,2 %
Procter & Gamble 19.06.2016 3,3 % + 9,2 %
Starbucks 30.05.2016 1,5 % + 8,0 %
Amazon 18.02.2016 5,2 % + 27,0 %
Zalando 04.02.2016 9,9 % + 20,8 %
Ryanair 11.01.2016 6,5 % + 5,6 %
Mastercard 29.12.2015 3,0 % + 10,8 %
Pfizer 28.04.2016 2,0 % + 2,0 %
Eli Lilly 28.04.2016 1,8 % + 4,3 %
Europ 600 Healthcare 28.04.2016 3,2 % – 1,9 %
SP500 Health Care 28.04.2016 3,4 % + 4,7 %
Abbvie 28.04.2016 1,7 % + 15,0 %
Johnson & Johnson 28.04.2016 4,0 % + 4,4 %
Biogen Idec 20.01.2016 2,1 % + 19,7 %
Fresenius SE 18.12.2015 4,9 % + 17,4 %
BB Biotech 23.07.2016 2,5 % + 1,2 %
Royal Dutch Shell 15.11.2016 3,3 % + 13,5 %

Beim Kaufdatum handelt es sich um den letzten Kauf – teilweise wurden die Positionen in 2 bis 3 verschiedenen Einkäufen aufgebaut.

Wikifolio

In meinem Wikifolio „JfH Market Trading“ bin ich wesentlich schlechter als der DAX abgeschnitten. Ich konnte in diesem Jahr den Wert dieses investierbaren Portfolios lediglich um 0,1% steigern. Grund dessen ist auch, dass ich die Positionen und das Trading ähnlich zu meinem privaten ist, ich jedoch die selben Summen verwende. Was mir privat wegen kleinerer Depotsumme noch +11% einbrachte minimierte sich im Wikifolio prozentual auf Grund der Depotsumme von 100.000€ auf nur noch +0,1%. So liegt die Cash-Quote auch bei extrem hohen 56%. Ich finde jedoch keine weiteren Firmen, in welche ich investieren möchte. Sollte es zu einer Korrektur am Markt kommen, dann möchte ich das Cash in die bestehenden Positionen fließen lassen.

5Das nicht-investierbare Wikifolio „JfH Healthcare Trading“ ist ein langfristiges Depot, investiert in Werte der Gesundheits-Branche. Dieses Wikifolio hatte es das ganze Jahr lang schwer und konnte doch (ich habe es im Februar gestartet) einen Zugewinn über +2,2% in diesem Jahr verzeichnen.

6Mein Blog

Ich freue mich über 21.254 Klicks auf meinem Blog in diesem Jahr. Herzlichen Dank für das Interesse an meiner Arbeit. Durchschnittlich kann ich mich über rund 1.800 Klicks im Monat freuen. In diesem Jahr sind erneut viele weitere Blogs hinzugekommen. Wir haben Anfang des Jahres das bis dahin sehr erfolgreiche, aber doch extrem zeitaufwendige Projekt des „Börsen Barometer Magazins“ (PDF als Downdload / hier geht es zum Archiv) eingestellt. Seit einigen Monaten können sich Leser nun wöchentlich über Markt-Analysen im Bereich des Sentiments und des antizyklischen Positionstradings erfreuen.

Die erfolgreichsten Blogs des Jahres waren „Kritik an Börsenseminaren“ (4.500 Leser), „Eidbruch durch Kanzlerin Angela Merkel?“ (1.000 Leser), „Die arabische Halbinsel“ (560 Leser), „Selbstständig durch Trading“ (470 Leser), „Was macht Draghi?“ (450 Leser) und „Währungsrevolution Bitcoin“ (330 Leser).

An dieser Stelle möchte ich mich bei Richard und den Jungs von Inside Trading bedanken. Wir sind ein super Team und basteln an vielen spannenden Projekten rum. Die Arbeit mit Euch macht sehr viel Spaß und all das ist nur mit Euch möglich.

Sehr freue ich mich auch über die 55 Abonennten meines kostenlosen Newsletters und hoffe die 17 Ausgaben in diesem Jahr haben Euch gefallen bzw. eventuell sogar geholfen. Die nicht kommerzielle Arbeit wird immer wurde das rege Interesse von Euch bestärkt und bestätigt.

Meine Projekte

Nun habe ich bis Anfang des Jahres für den Newsletter des Hanseatischen Börsenkreieses der Universität zu Hannover Artikel verfasst, dutzende Beiträge für meinen Blog und Inside Trading geschrieben und mit einer Whatsapp-Börsen-Newsticker-Gruppe (47 Mitglieder) und einer Facebook-Börsen-Gruppe (590 Mitglieder) gearbeitet. Im kommenden Jahr wird es auf jeden Fall wieder spannende Projekte und Neuheiten für Euch geben. Noch habe ich den perfekten Weg nicht gefunden. 2015 habe ich vieles probiert, 2016 mich bereits auf eine Auswahl an Projekten fokussiert und möchte nun 2017 mit den effizientesten und besten Teilprojekten durchstarten um weniger Quantität, sondern viel mehr Qualität bieten zu können.

Die Börsen Liga

Die Börsenliga beendet nur ihr zweites Jahr und wird 2017 die dritte Saison spielen. Hierbei haben sich einige Anleger mit ihren privaten Depots oder Wikifolios zusammengefunden. Wir tauschen über einen kleinen Chat bei Facebook wöchentlich und prozentuale Wochenperformance aus und diskutieren wer was warum erreicht hat. Der Sinn der Börsen Liga ist, dass der rege Ausatusch über die eigene Performance und die der anderen, die Kommunikation fördert. Nebenher ist es ein kleines Vergleichstool und ein mini Spiel.

Wir vergleichen unsere prozentuale Performance mit dem MSCI World Index. Wer um mehr als 1% besser ist als dieser erhält 3 Punkte (den MSCI outperformt). Wer um mehr als 1% schlechter ist bekommt garkeinen Punkt (wesentlich schlechter als der MSCI). Wer +/-1% ähnlich wie der MSCI performt hat erhält einen Punkt (Unentschieden gegen den MSCI). Wer durchschnittlich die meisten Punkte pro Woche einholt gewnnt.

72015 noch auf Platz 4 überragt Michael in diesem Jahr alle. Als eher kurzfristiger Trader des DAX und einiger Währungen kann er mit überragend guten Zahlen aufwarten und ist zurrecht der Sieger der Saison 2016. In über 70% der Kalenderwochen konnte er Gewinne machen und in über 60% dieser zusätzlich um mehr 1% besser als der MSCI World Index abschneiden. Zu erkennen sind besonders gute Werte bei allen Teilnehmern in diesem Jahr. Jeder konnte mehr als 50% der Kalenderwochen mit Gewinnen abschließen. Viele schafften auch mehr als 60% Gewinnwochen. War das Kalenderjahr 2016 also nicht ein besonders gutes für uns Händler?

Meine Aussagen

Meine Erwartung, dass der DAX zwischen 10.400 und 10.800 Punkten enden wird, hat sich als falsch herausgestellt. Die politischen Einflüsse von Juni bis Dezember haben viele Aussagen obsolet werden lassen. Auch wurde meine Erwartung eines positiven Starts in das Jahr 2016 brachial als falsch entpuppt. Es war einer schlechtesten Jahresstarts seit vielen Jahren.

Besser gefahren bin ich in diesem Jahr mit den verhaltenspsychologischen Analysen. Hier konnte ich zahlreiche Kursbewegungen teils auf den Tag genau erwarten. Außerdem erfolgreich waren meine Analysen der Zentralbanken. Der Verhalten, Aktion und Reaktion konnte ich in gewissen Zügen erwarten und so auch schon frühzeitig auf die Strategie der FED und der Erwartung einer Zinsanhebung erst gegen Ende des Jahres hinweisen. Zuletzt verliefen das Jahr 2015 und 2016, wie berichtet, in den die Börse bewegenden Thematiken sehr ähnlich.

Das Börsen Barometer

Fasziniert bin ich selbst noch vom Erfolg des „Börsen Barometers“. Ich hatte dieses einfach Mal Idee im Jahr 2015 gestartet: Kann man irgendwelche Muster erkennen, wenn man die durchschnittliche prozentuale Performance von Anlegern mit dem Markt (z.B. dem DAX als Vergleichs-Index) vergleicht?

Scheinbar schon. In diesem Jahr habe ich die Analysen transparent veröffentlicht und die Wirkunsgweise transparent in einem Wikifolio mitgehandelt. Im Jahr 2016 wurden 35 Analysen erstellt. 63% der Erwartungen für die jeweils kommende Woche trafen zu. Da ein Muster teilweise jedoch erst nach 14 Tagen zutrifft war zu erkennen, dass 77% der in den Analysen beschriebenen Muster zutrafen.

Im Wikifolio habe ich 26 der 35 Analysen gehandelt und konnte dort 74% der gehandelten Wochen mit Gewinnen abschließen. Der Wert des Portfolios ist 2016 um +6,91 % gestiegen.

8 02 01

 

by Jan 01, 2017 Keine Kommentare
Marktkommentar – Briefing für 2017

Marktkommentar – Briefing für 2017

JH

Einmal durchzählen bitte – haben es alle erfolgreich mit in das Neue Jahr 2017 geschafft? Die Feiertage sind nun vorbei. Die Performance des letzten Jahres ist errechnet. Nun heißt es wieder nach vorne zu schauen und sich auf das Börsenjahr 2017 einzustellen. In diesem Beitrag sollen verschiedene Thematiken angesprochen, durchdacht und gedanklich eingeordnet werden. Was wird uns bewegen und was wissen wir bereits darüber?

Hier findest du das “Marktkommentar – Briefing für 2016

Was 2016 passierte

  • Aufwärtstrend seit Februar 2016
  • Notenbanken sorgten für Hochs
  • Der Sommer wurde durch den Brexit (Europa-Thematik) bewegt
  • Langwierige Seitwärtsphase in der zweiten Jahreshälfte
  • Zinsschritt der FED im Dezember
  • Ein ansonsten tristes Börsenjahr endete im Schlusssprint doch noch versöhnlich positiv

Viele Menschen freuen sich über das geendete schreckliche Jahr 2016. Gesellschaftlich haben wir viel erlebt. Unerwartete Wahlausgänge im Vereinigten Königreich, den United States und schwerwiegende politische Herausforderungen nicht nur in Italien und Österreich. Mit zunehmender technologischer Vernetzung und Mobilität der Weltgemeinschaft fühlen sich die globalen Ereignisse näher und zahlreicher an …

Für die Börse war 2016 ein aufregendes aber doch gutes Jahr. Mit der Torschlusspanik des chinesischen Marktes erlebten wir an den globalen Märkten einen der schlechtesten Jahresstarts seit über 10 Jahren. Und obwohl das gesamte Jahr durch politische Stolperfallen (EZB, FED, Brexit, USA, Italien, Österreich, …) gespikt war konnten wir den aus 2015 bestehenden Abwärtstrend im Februar beenden und befinden uns seit dem wieder in dem aus 2014 fortgesetzten Aufwärtstrend.

Die Jahre 2015 und 2016 ähnelten sich nicht zwingend in den Kursen, aber umso mehr in den Ereignissen. Wir erlebten einen schlechten, durch eine Währung verursachten, Jahresstart (Franken, Renminbi). Das langzeitig bestehende Jahreshoch und Hoch der ersten Jahreshälfte wurde im April aufgestellt (wie auch schon 2015) und vorwiegend durch einen Stimulus von EZB und FED verursacht. Im Sommer erlebten wir eine europäische Thematik, welche die Börsen bewegte. Zum Jahresende dann folgte auf eine spannende Wahl ein von den Notenbanken geprägter Dezember. Erneut erfüllte sich die selbsterfüllende Erwartung der Jahresendrallye. Und erneut endete ein das gesamte Jahr über eher schleppend-triste Börse in den letzten Wochen und Monaten doch noch versöhnlich positiv.

Wird auch 2017 wie 2016 und 2015 werden?

  • Die Probleme werden weiterhin verschoben anstelle gelöst
  • Die Börse wird auch 2017 geldpolitisch getrieben sein
  • Erleben wir den dritten europäischen Sommer?
  • Die Bundestagswahl zum Ende des Jahres wird bewegend sein

Ich denke schon. Die Ereignisse werden sich ähneln. Weiterhin verschieben wir Problemlösungen und schieben die Probleme auf. Die Notenbanken pumpen unmengen Löschmittel in den Markt, um einen Großbrand zu vermeiden. Doch hin und wieder flammt ein Glutnest aus. Leider laufen die Staatengemeinschaften den Brandherden hinterher anstelle ihnen zuvorzukommen. Und so reagieren wir seit nun mehr zwei Jahren schlicht auf die uns bekannten Glutnester, wenn diese wieder Feuer fangen.

Auch 2017 werden wir eine politisch getriebene Börse erleben. Die Notenbanken sind weiterhin für den Markt einer der wichtigsten Einflüsse. Auch die seit 2012 massiv weichgespühlten Währungen wirken sich bereits auf die Börsen aus. Immer wieder gibt es Schreckmomente. Auch 2017 erwarte ich einige dieser.

2015 erlebten wir einen griechischen Sommer, 2016 einen britischen – welches europäische Problem wird uns 2017 im Sommer beschäftigen? Meist beginnen Verhandlungen Anfang des Jahres und spitzen sich dann bis in den Juli zu. So kommt dieses Muster aus meiner Sicht zustande. Wird es Italien mit den hunderten Milliarden fauler Kredite und einer abgelehnten (eigentlich unablässlich wichtigen) Verfassungsreform sein? Oder doch bereits die Briten, welche die Austrittsverhandlungen aufnehmen?

War es 2015 noch die entscheidende griechische Parlamentswahl, so erlebten wir in diesem Jahr eine spannende US-Präsidentschaftswahl. 2017 sollte die Bundestagswahl zum Ende des Jahres für Spannung sorgen.

Und die Notenbanken? Nun ja, wann kündigt Draghi das Tapering an und wie verpackt er es, damit der Markt nicht panisch reagiert? Gerade für die zinsanfälligen und überschuldeten südeuropäischen Länder ist dies eine brikäre Thematik. Wird die FED in diesem Jahr die Ankündigung mehrer Zinsschritte einhalten oder erneut mit dem Markt spielen (Zinsschritt andeuten, vorwegnehmen und dann wieder absagen) und dann im Dezember diesen Schritt wagen?

Die Verhaltenspsychologie 2016

  • Ein gesundes Misstrauen besteht
  • Ein weiterhin starker Kapital-Zustrom an den Aktienmarkt
  • Korrekturen wurden schnell wieder hochgekauft
  • Monatelanger Druck auf die 10.800 ohne Aufkommen von Frustration

Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich intensiv mit der behavioral finance. Nun habe ich in diesem Bereich erst seit etwa einem Jahr praktische Erfahrung. Jedes Erlebnis ist für mich derzeit noch einzig- und neuartig. Dementsprechend sollte man nochmals nachrecherchieren, ob es stimmt, wenn ich sage: Die Verhaltenspsychologie der Börsengemeinschaft war im Jahr 2016 besonders interessant – wird sich dies 2017 wiederholen?

Dennoch waren in diesem Jahr recht abgebrühte Händler am Markt zu erleben. Haben die schwierigen Jahre 2008 (globale Krise), 2010 (europäische Krise) und das dürftige Börsenjahr 2015 den Markt abstumpfen lassen? Trotz eines historisch schlechten Jahresstarts kam keine Panik auf. Auch der Brexit war zwar volatil, doch während mit dem Brexit-Schock noch rund zwei Billionen Euro an Werten an den Börsen verpufften, baute eben jener Markt bereits wenige Wochen nach diesem eigentlich langfristig negativen Ereignis wieder über drei Billionen an Werten auf. Dieses Verhalten erlebten wir dann mehrfach – auch bei der US-Wahl, dem italienischen Referendum und dem FED-Zinsschritt gab der Markt erst schwungvoll nach, wurde aber bereits Minuten bis Stunden darauf wieder auf den Ausgangspunkt hochgekauft. Zu Guter letzt hielten die Bullen den DAX von August bis in den November seitwärts in einer Range zwischen 10.300 und 10.800, sowie später dann 10.600 und 10.800 Punkten. Der Druck auf die 10.800 blieb nahezu kontinuierlich bestehen und es kam kein Frust auf, kein Sell Off passierte. Die Händler sind misstrauisch. Doch wie Olaf Lieser immer wieder in Foren betonte, können die Kurse an einer solchen „Wall of Worry“ ideal hinaufklettern.

Zusammengefasst erleben wir recht sachlich agierende Händler. Der Markt handelt konzentriert und motiviert. Mit einem gesunden Misstrauen fühlen sich die Bullen auch dank eines weiterhin starken Kapital-Zustroms an den Aktienmarktes in der Position den Druck nach oben aufrecht zu erhalten. Selbstbewusst sollten die Bullen auch 2017 agieren.

In diesem börsenpsychologischen Blog vom 25.11.2016 habe ich die Psychologie-Blogs des Jahres verlinkt. Am 24.01.2016 startete ich mit der Erkenntnis, dass wir eine irrational exhuberance erlebten.

Der DAX

2016 war fast durchgängig ein Aufwärtsdruck zu erleben. Das erkennt man nun vor allem im Nachhinein. Der DAX arbetete sich durch drei verschedene Korridore. Nachdem die übernommene Korrektur aus dem Vorjahr Mitte Februar beendet war konnte der DAX im ersten Jahr eine ngefähre Range von 9.500 bis 10.500 Punkten ausleben. Mit einer kleinen Rallye nach dem Brexit-Referendum hielt sich der DAX zwischen 10.300 und 10.800 Punkten, um dann nach der US-Wahl im November in die dritte Etage des Jahres auf über 11.000 Punkte zu steigen.

Schaut man sich den DAX der letzten 5 Jahre an, dann erkennen wir 2012, 2013, 2014 und auch 2016 relative ruhige aber stetige aufwärtsgerichtete Jahre. 2015 war das Jahr der irrationalen Übertreibungen. Erst mit dem Einfluss der EZB eine Übertreibung auf über 12.000 Punkte und dann eine darauffolgende übernervöse Korrektur bis auf kurzzeitig weniger als 9.000 Punkte. Wie bereits im Absatz zur Verhaltenspsychologie beschrieben, haben die Händler ihre Konzentration und Sachlichkeit wiedergefunden und die Emotionen besser im Griff.

dax-01-01-2017dax-31-12-2016Europa

  • Wahljahr 2017
  • Brexit requested by Theresa May – or may not?
  • Bankenprobleme
  • Eurokrise 2.0?

Auch 2017 stehen Europa wichtige Wahlen bevor. Nach dem Referendum der zweit größten Volkswirtschaft der Europäischen Union, wird es nun im kommenden Jahr zu Wahlen in der zentralen Macht-Achse der EU kommen. Am 23. April findet die französische Präsidentschafts-Wahl statt. Am 17. Bis 24. September folgt dann die deutsche Bundestagswahl. Nach dem „Nein“ zu Europa in England und dem „Nein“ zu Reformen in Italien und einem hauchdünnen „Ja“ zu Europa aus Österreich wird auch hier für die Europa die wichtige Frage im Raum stehen: Wie stark werden die populistisch-chauvinistischen Parteien abschneiden? Und wie weit werden die etablierten Parteien nach rechts rücken, um ihre Macht zu erhalten?

Eine schöne Übersicht aller bevorstehender Wahlen in 2017 und der Ergebnisse diverser Wahlen aus 2016 findet sich hier: http://www.wahltermin.at/ausland.html

Hier findest du mein Marktkommentar zur “Eurokrise 2.0”

Nord- und Mittel-Europa

Immer öfter fordern Ökonomen einen geteilten Euro als Währung, um die wirtschaftlich und kulturell ungleichen Paare von Süd und Nord-Europa wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähig und robuster zu machen. Auch ich muss in dieser Analyse in Nord und Süd unterteilen. Nord- und Mittel-Europa erfreuen sich aktuell eines Demographie-Hochs. So viele Menschen wie noch nie suchen und finden Arbeit. Der Arbeitsmarkt ist gesättigt. Die Arbeitslosenquote sinkt. Die Gehälter (vor Allem in Deutschland) steigen, was in 2016 zu einem mittelschweren Konsum-Boom geführt hat.

Doch das gute Gefühl des äußerst starken Arbeitsmarktes und des spürbar anziehenden Konsums sollte einen aus meiner Sicht nicht auf’s Glatteis führen: Konsum ist für die Wirtschaft wichtig, Investition jedoch wesentlich bedeutender für Nachhaltigen Wachstum und Wohlstand. Der Konsum zieht dank niedriger Zinsen an – dies kann man durchaus als Sondereffekt verbuchen, denn der Konsum stieg nicht zwingend dank einer gesunden und starken Wirtschaft. Auch habe die Staaten ihren staatlichen Konsum in den letzten Jahren um 5 bis 15% erhöht. Konsum ist jedoch ein kurzfristiger Einfluss. Zu erkennen ist eine sinkende Investitions-Bereitschaft. Die Investition in das Sachvermögen eines Staates ist unablässlich wichtig. Abschreibungen/Schäden müssen behoben werden, um den aktuellen Stand der Sachanlagen zu erhalten. Auch führen nur Investitionen zu nachhaltigem Wachstum. Dies betont auch immer wieder Mario Drahi (EZB). Auf diese Thematik bin ich genauer im Absatz der Zentralbanken eingegangen.

Europa braucht Reformen und darf sich nicht auf den angenehmen Sondereffekten der Geldpolitik von Seiten der Europäischen Zentralbanken ausruhen. Leider geschieht genau das. Ökonomen vermuten, dass die europäische Staatengemeinschaft schlechter aufgestellt ist auf eine Krise als noch vor der Euro-Krise 2010.

Südeuropa

Wenn auch mit Milliarden-Summen stabilsiert und politisch etwas beruhigt, stehen die südeuropäischen Staaten der EU weiterhin auf einem sehr wackligem Fundament. Der Bankensektor ächzt immer noch unter hunderten Milliarden fauler Kredite. Die EZB musste bereits dutzende Milliarden an Notfallkrediten bereitstellen, um die Liquidität des Bankensektors zu gewährleisten. Doch könnte dies nicht geholfen haben und der Kapitalbedarf weiterhin immens sein.

Wichtige Reformen fehlen. Wirtschaftlich konnten sich die Staaten zwar fangen, aber nicht retten. Politisch könnten sich die Länder wieder selbst in unruhige Gewässer manövrieren. Sollte der Finanzmarkt hier allergisch reagieren, so könnte es wieder zu heftigen Zins-Aufschlägen kommen und erneut milliardenschwere Löcher in den Haushalten der Staaten und Finanzen der Banken klaffen. Bereits jetzt können viele Länder die Zielvorschriften der EU nicht einhalten und leiden unter hohen Verlusten und überbordender Kosten.

USA

  • Unberechenbarkeit von Donald Trump
  • Machtausweitung durch Russland?
  • Handelshemmnisse auf dem Pazifik?

Der Weg der USA ist unberechenbar. Bereits im Wahlkampf wiedersprach sich Trump regelmäßig und änderte seine Meinung, wenn es ihm passte bzw. so mehr Wählerstimmen brachte (Populismus). Bereits nach dem Votum durch die Wähler zeigte sich, dass er viele Ankündigungen in seinem Wahlkampf nicht einhalten werden würd. So tönte er beispielsweise noch im Wahlkampf davon Hillary Clinton rechtlich zu belangen und die großen Projekte von Barack Obama, wie beispielsweise Obamacare, einzustanpfen. Beides dementierte er nach seiner Wahl wieder. Was wird also 2017 passieren? Wir wissen es nicht. Es wird auf jeden Fall spannend, aber auch nervig. Das hitzköpige Trumpeltier wird machen und tun was es will und sich gottgegeben fühlend in seinem Amt ausleben. Wie sich Trump morgens fühlt wird wohl entscheiden, wie die Politik an diesem Tag aussehen wird …

Zu erkennen ist jedoch bereits eine Konfrontation mit China. Noch während der Amtszeit Obamas lösten die Philippinen unter Führung des äußerst fragwürdigen Präsidenten Duterte die Handelsbeziehung zum eigentlich langjährigen Partner, die USA, auf. Die Philippinen sind der wichtigste Partner der USA im asiatischen Raum. Auch wenn dies wieder dementiert wurde (http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/philippinen-rodrigo-duterte-usa-diplomatie) traf sich Duterte bereits mit der chinesischen Regierung. Trump revanchierte sich mit einem Telefonat mit Taiwan. Die aus chinesischer Sicht abtrünnige Provinz hatte seit Jahrzehnten keinen Kontakt zur USA. Aus Gründen des politischen Anstands vermied die USA bisher einen „Erzfeind“ China’s zu umwerben – Trump hat dies nicht mehr beachtet. China reagiert verschnupft. Warum ist das wichtig? Der größte globale Warenstrom findet im Pazifik und zwischen China und den USA statt. Stottert dieser Motor, dann stottert die Weltwirtschaft. Donald Trump ist hierbei jedoch auf dem besten Weg den Motor abzuwürgen.

Neben der us-chinesischen Thematik gilt es auch einen Blick auf Russland zu gewähren. Bisher agierte die USA dank großer Ausgaben für militärische Einsätze, als hauptsächlicher Akteur der NATO. Trump möchte damit brechen und wird den Druck auf Putin wohl vermindern. Ob hierbei seine eigene Partei, die russlandfeindlichen Republikaner, mitziehen, ist jedoch fraglich. Nichts desto trotz hegt Russland weiterhin Ansprüche auf viele Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Diese sind bereits unter die schützende Hand von NATO und EU geflüchtet. Litauen, Estland, die Ukraine, Polen und viele andere Länder sorgen sich vor der aggressiven Einflussnahme Russland – auch auf Grund großer russischer Bevölkerungsanteile im Land. Zuletzt erkannten wir dies im Ukraine-Konflikt. Sollte Trump Putin gewähren lassen, könnte dieser seinen Machtanspruch ausweiten und nach der Expansion der NATO eine Phase der russischen Expansion einläuten. Ein sich verschiebendes Macht-Gefüge zieht hierbei auch immer Probleme, Konfrontation und Krisen nach sich.

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China

  • Hustet China, dann hat die Welt eine Erkältung
  • Wirtschaftspolitischer Aderlass wird fortgeführt
  • China wird zum wichtigsten globalen Markt

Aus Sicht der großen Dienstleistungs-Nationen rund um Europa und Nordamerika befinden sich eben jene im Zentrum des globalen Gefüges. Doch ist die Sichtweise veraltet und zu arrogant? Sind wir noch state of the art? Bange Blicke richten sich immer wieder auf China. Aus meiner Sicht beschäftigen wir uns zu viel mit den USA und zu wenig mit China. Das riesige Reich wird der wichtigste globale Markt der Welt sein. Das Gefüge wird sich verlagern und die neue Weltmacht China sein.

Mit dem Bestreben der Gründung einer eigenen Weltbank, Förderbank, asiatisch-pazifischer Bündnisse und dem milliardenschweren Einkäufen weltweit unterstreicht China seine Ambitionen die Weltgemeinschaft zu führen und am Weltbild mitzuwirken. Hustet China, dann hat die Welt eine Erkältung. Der chinesische Markt ist global einer der wichtigsten. Der Wohlstand von Europa und Nordamerika hängt von diesem Markt ab. Das Land ist wirtschaftlich saustark. Und dabei sind immer noch die wenigsten Menschen vermögend. Jedes Jahr kommen dutzende Millionen neue Chinesen aus der Unter- in die Mittelschicht. Die Nachfrage explodiert. Und hierbei sind chinesische Produkte bereits keine billigen Kopien mehr, sondern können sich qualitativ mit jenen aus Europa und den USA messen. Auch werden Innovationen wesentlich schneller umgesetzt. Arbeitet Europa noch am Online-Marketing, so ist in China bereits das mobile-Marketing modern. Die technologische Vernetzung und Auslebung ist bereits wesentlich fortschrittlicher. Die Regulierung des Marktes geringer. Während Europa sich noch rechtlich am Uber-Problem/Phänomen abarbeitet, gibt es bereits dutzende verschiedene Uber-Firmen in China. Ein Problem ist, dass patriotische Chinesen zunehmend chinesische Produkte kaufen. Der westliche Glanz nimmt etwas ab. Somit sollten auch die Exporte nach China betroffen sein. Bei vielen europäischen Konzernen hängen mindestens 30% der Umsätze am chinesischen Markt.

China durchläuft hierbei aktuell einen gewollten wirtschaftspolitischen Aderlass. Jahrzehntelang war das Land politisch nahezu verschlossen und der Markt stark manipulativ vom Zentralstaat kontrolliert. Beispielsweise wurden Unternehmen „künstlich“ finanziert, indem der Staat massiv Geld in Aktien investierte oder große Geldverwalter, wie Pensionsfonds, zwang das meiste Geld in heimische Aktien zu investieren. Unternehmen zogen so einfach eine Kapitalerhöhung nach der anderen durch und besorgten sich unmengen günstiges Geld. China führt nun einen Aderlass durch. Mit dem alten Verhalten wurde gebrochen. Langsam und vorsichtig lässt die Zentralregierung die Zügel lockerer. Das Land möchte weniger von der Industrie, Produktion und Exporten abhängig sein und fördert steigende Gehälter und den Dienstleistungssektor. Bereits jetzt sinken die Exporte, aber eben auch die Importe. Viele überschuldete Unternehmen müssen nun dicht machen. Fast alle Banken im Land befinden sich im Bail In.

Doch China wird weiterhin wachsen. Das Land räumt die sorgenlose ökonomische Wachstumsparty der letzten Jahrzehnte auf und stellt sich wirtschaftlich attraktiver, freier und stabiler auf. Das Wachstum, die Produktion und die Importe werden sinken, jedoch der Wohlstand und die Binnennachfrage explodieren.

Währungen (von Michael Erbe)

  • Euro-Schwäche seit Oktober
  • Euro hat das doppelt gesteste Tief aus 2015 kurz unterschritten
  • Trump und FED üben großen Einfluss auf den US-Dollar aus
  • EUR/USD übergeordnet short
  • GBP/USD übergeordnet short

Der EUR/USD ist eigentlich in einer breiten Range zwischen 1,167 und 1,034 gelaufen, wobei die Euro-Schwäche erst ab Oktober einsetzte Brexit mit großen Schwankungen sowohl bei Euro als auch Pfund – interessant dabei finde ich, dass der Pfund ab Oktober nur mehr bedingt gegen USD verlor. Die Wahl Trumps Zinserhöhung in den USA Bodenbildung bei USD/JPY bei 100

Vermutlich bleiben die Themen zu Trump und weiterer Zinserhöhung in den USA bedeutend für den US-Dollar und damit auch sehr wichtig für den gesamten Währungsmarkt. Eine Wende bei der Zinspolitik waren schon immer heikel, da es dadurch zu turbulenten Zeiten kommen kann. Beispielsweise konnte man dies bei der Asienkrise beobachten. Es ist schwer zu sagen, ob es auch dieses Mal so kommen wird. Wie es aussieht sind die Emerging Markets heute deutlich stabiler als damals. Trotzdem hat das billige Geld in den letzten Jahren seinen Weg gefunden und durch eine Zinserhöhung in den USA wird es zu einem „Luftablassen“ kommen. Wie turbulent es dadurch wird hängt wohl stark damit zusammen wie schnell die Zinserhöhungen kommen. Meiner persönlichen Meinung nach, wird sich die amerikanische Notenbank damit eher Zeit lassen.

Was, zumindest für mich, dabei die große unbekannte bleibt ist der zukünftige US-Präsident Trump. Teil seiner „make-america-great-again“ wäre vermutlich auch eine Steuergünstige Lösung für das Geld amerikanischer Unternehmen im Ausland. US Firmen, allen voran Tech-Unternehmen, haben rund 2,5 Billionen USD (http://www.cnbc.com/2016/09/20/us-companies-are-hoarding-2-and-a-half-trillion-dollars-in-cash-overseas.html) im Ausland geparkt. Eine Repatriierung würde demnach wohl den US-Dollar weiter stärken. Die große Frage dabei ist wie intensiv Trump tatsächlich eine Repatriierung verfolgen wird. In seinem Wahlkampf hat er ein striktes Vorgehen angekündigt. Ich vermute mal, dass es im Endeffekt zu einem „wischi-waschi“ kommen und der Großteil des Geldes unverändert im Ausland bleiben wird. Vermutlich werden es die Unternehmen bestens Wissen wie sie die Berater Trumps und ihn selbst überreden können.

EUR/USD: Der Euro hat im Dezember 2016 das doppelt getestete Tief von 2015 unterschritten und es in der letzten Woche wieder überschritten. Ein möglicher Fake Ausbruch. Zur Zeit bleibt es aber abzuwarten wie es sich weiter entwickelt. Die letzten zwei Wochen im Dezember könnten ein zarte Bodenbildung bedeuten. Ansonsten ist der Trend übergeordnet noch short und es kommt darauf an ob wie schnell es zu Zinserhöhung in den USA oder eine möglichen Repatriierung kommt. Eigentlich spricht vieles für einen weiter starken US-Dollar. Auch die europäischen Banken scheinen nach wie vor nicht so stabil wie die US-Banken zu sein. Dennoch würde ich persönlich dem Euro einiges an Überraschungspotential zusprechen. Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 1,08 und dann 1,15. Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 1,05 und später 1,03 (aktuelles Mehrjahrestief).

GBP/USD: Hat letztes Jahr deutlich verloren und ist aktuell rein Charttechnisch auch weiterhin als short einzustufen. Ansonsten sind wie beim Euro die Zinserhöhung und die Politik Trumps wichtig. Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 1,28 und später 1,34 Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 1,2 und später 1,15 (aktuelles Mehrjahrestief) USD/JPY: War das erste Halbjahr 2016 schwach und hat ~17% verloren. Dafür hat das Währungspaar nach einer Bodenbildung im Sommer fast die gesamten Verluste wieder aufgeholt. Aktuell sieht es stark aus und die nächsten Ziele sind wohl 120 und später 125 (das Mehrjahreshoch). Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 118,8 Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 115,5

Welche Blasen erkennen wir?

Hier findest du mein Marktkommentar zur “Eurokrise 2.0”

Zentralbanken

Die EZB appelliert seit Jahren erfolglos an die Staaten doch bitte Reformen umzusetzen. Draghi betont, dass die EZB die strukturellen Probleme der EU, die nachlässig geführten Haushalte der europäischen Staaten und auch die Ausrichtung der Banken nicht lösen könne. Was die EZB, dass ist Zeit kaufen. Zeit kaufen indem der Markt mit viel Geld stabilisiert wird. Leider ruhen sich die meisten auf diesem Sondereffekt aus. Deutschland freut sich über Rekord-Haushalts-Überschüsse – doch warum hinterfragt niemand woher diese kommen? Warum werden diese einmaligen Zinseinsparungen verkonsumiert und zerschmilzen wieder? Europäische Staaten sollten das Geld eigentlich nutzen, um zu investieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Ist Europa nicht bereits schlechter aufgestellt als noch vor der Eurokrise 2010? Die EZB wird wohl bald das Tapering intensiver diskutieren müssen und der FED dann auch nachziehen. Nicht unbedingt 2017, aber die Diskussion drüber nimmt bereits zu.

Die FED hat die Strategie aus 2015 im Jahr 2016 nochmals wiederholt, doch meine Erwartungen für 2017 bereits obsolet gemacht. 2015 und 2016 hatte man mit besonders positiven Erwartungen eingeläutet und diese dann step by step zurückgenommen. Immer wieder wurden Zinsschritte angekündigt und dann doch nicht durchgeführt. Aus meiner Sicht wurde der bis dato nervöse Markt so ruhig gespielt. Jeweils im Dezember dann wurden die Zinsen angehoben. Die Aussichten für 2017 sind von Seiten der FED jedoch nicht so positiv wie erwartet. In meinem großen Beitrag zur Federal Reserve habe ich die Daten der einzelnen projection materials zusammengetragen und analysiert (hier einsehbar). Dies werde ich auch 2017 tun. Im FED-Watch-Tool der CME Group kann man die Einpreisung/Erwartung der nächsten Zinsanhebung (ablesbar an den Futures) einsehen (hier schauen): Derzeit erwartet der Markt einen nächsten Zinsschritt auf 75 bis 100 Basispunkte am 14. Juni 2017.

Set Up für 2017

2017 sollte erneut ein bewegendes Jahr werden. Weiterhin werden uns Donald Trump, Russland, der Nahe Osten, China und die Probleme der Europäischen Union beschäftigen. Solche Unsicherheiten in einer phase der ökonomischen Palliativmedizin durch die Zentralbanken könnten sich schädlich auf die globale wirtschaftliche Stabilität auswirken.

Viele Köche verderben den Brei? Bisher ging alles gut. Die Knjunktur konnte sich tatsächlich nochmals berappeln. Schwellenländer und die alten Nationen schwimmen auf einer Welle guter Daten. Doch wie lange kann dies mit unzureichenden Investitionen und ignorierte Problemen aufrecht erhalten werden? Wie lange können die Kapitalmärkte niedrige Zinsen und veränderte Kapitalströme verdauen? Wie reagieren die Banken auf Zinsveränderungen? Wie viele Kredite werden ausfallen, wenn die Zinsen steigen?

by Jan 01, 2017 Keine Kommentare
Bricht bald eine zweite Eurokrise aus?

Bricht bald eine zweite Eurokrise aus?

JH

2015 führten 28 europäische Staaten die gemeinsame Währung „Euro“ ein. Dies war ein gewichtiger und historischer Schritt der europäischen Integration auf dem Weg in eine Europäische Union nach dem Vorbild der United States. Heutzutage wissen wir, dass diese gemeinsame Währung zu Verwerfungen am europäischen Finanzmarkt geführt hat. 2010 brach die Eurokrise aus und stellte die Union auf eine harte und teure Probe. Mit einer extremen expansiven Geldpolitik durch die EZB, welche sogar zu negativen Zinsen führte, konnte der Kollaps halb Europas abgewendet werden. Doch die Probleme sind größtenteils nur verschoben und nicht behoben. Droht uns eine erneute Eurokrise?

Die Eurokrise 2010

Mit der gemeinsamen Währung wurde auch der Wert dieser gemeinsam bestimmt. Hierbei brachten die vielen wirtschaftlich starken Mittel- und Nord-Europäischen Staaten ihre Stärke in die Währung ein. Doch auch die Schulden lauteten nun auf Euro. Mit einem Schlag übernahmen so zahlreiche kleinere und wirtschaftlich schwächere Länder der Euro-Gruppe (Peripherie-Staaten) die wirtschaftliche Währungs- und Kredit-Würdigkeit.

Michael Lewis formulierte diesen Umstand in seinem Buch „Boomerang – die harte Landung Europas“ so, dass zur damaligen Zeit viele Staaten in einen Raum voller Geld geführt wurden. Die Verfügbarkeit von Krediten stieg für südeuropäische Staaten. Auch sanken die Zinskosten für das Halten von Krediten.

Kaum ein Land in Europa konnte der Versuchung wiederstehen, über die eigenen finanziellen Möglichkeiten zu leben. Stellen Sie sich vor, Sie bekommen nun plötzlich die Kreditwürdigkeit einer anderen Person, welche das dreifache wie Sie verdient. Es gibt plötzlich weit entfernt einen Bürgen, den Sie nicht kennen, und nie treffen werden. Was würden Sie nun mit dem vielen billigen Geld machen? Ein Haus kaufen? Ein neues Auto? In den Urlaub fahren?

2008 endete das sorgenlose Kredit-Karussel abrupt. Im Zuge der Finanzkrise bewerteten Geldgeber die Risiken neu und verlangten von Ländern mit den größten Haushaltsdefiziten, den meisten Schulden und der instabilsten Wirtschaft höhere Zinsen (Risikoaufschlag) und vergaben keine neuen Kredite an eben jene. Zahlreiche südeuropäische Staaten standen prompt kurz vor der Pleite und konnten sich nicht mehr finanzieren. Die fetten Jahre waren vorbei.

Mit unvorstellbar großen Summen sprangen Staatengemeinschaft und EZB den notleidenden Nationen zur Seite. Das meiste Geld floss den Bankensektor, welcher hunderte Milliarden an Krediten an eigentlich kreditunwürdige Staaten vergeben hatten, und nun kurz vor dem Kollaps standen.

Dank des OMT-Beschlusses („whatever it takes“) und dem beherzten Eingreifen der EZB, welche beide Augen zudrückte und großzügig ELA-Kredite vergab, konnte die Liquidität des Bankensektors und die zahlungsfähigkeit von Staaten aufrecht erhalten werden.

Die EZB senkte die Leitzinsen auf Null und trat als Käufer von Staatsanleihen am Markt auf, um die Nachfrageseite zu stärken, damit die Zinsen auf Staatsanleihen sanken. Durch dieses Quantitative Easing sank die Zinsbelastung der Staaten und die Haushaltsdefizite wurden kleiner. Deutschland erfreut sich besonders großer Haushaltsüberschüsse. Immer wieder hat Mario Draghi betont, dass dies nur ein temporärer Sondereffekt sei, um die notleidenden Staaten zu entlasten. Die EZB kaufe der Euro-Gruppe nur Zeit.

Droht eine Eurokrise 2.0?

Doch leider wurde die teuer erkaufte Zeit bisher unzureichend genutzt. Die europäischen Staaten haben vorwiegend den Konsum um 5 bis 15% angehoben. Wichtig wären jedoch mehr Investitionen, welche einem Konjunkturprogramm gleichkommen würden. Die Investitionen sind jedoch tatsächlich im gleichen Zeitraum gesunken.

Zahlreiche Länder haben ihre Haushalte weiterhin nicht im Griff. Die EU drückt alle Augen zu und sieht nicht hin, wenn Frankreich, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland EU-Vorgaben seit fast einem Jahrzehnt nicht erreichen. „Wenn wir die Regeln nicht einhalten, fliegt uns die Euro-Zone auseinander“, betone Schäuble zuletzt gegenüber der „Zeit“.

Der Bankensektor ist weiterhin nicht solide finanziert. Zuletzt machte die italienische Bank Monte Paschi von sich reden. Allein italienische Banken schleppen hunderte Milliarden fauler Kredite mit sich rum. Mit der Bankenrettung wird die italienische Staatsverschuldung von 130,4 auf 131,6% steigen. In der EU sind eigentlich nur 60% erlaubt.

Verändert hat sich seit 2010 aus meiner Sicht kaum etwas. Die Haushaltsdefizite sind weiterhin außer kontrolle, die Verschuldung hoch, das Wirtschaftswachstum niedrig, und die Reformen nahezu nicht umgesetzt. Zuletzt scheiterte das Referendum von Renzi, um das politische System Italiens effizienter und attraktiver zu gestalten.

Wie lange wird es dauern bis der Finanzmarkt dieses erneut nachlässige Verhalten bestrafen wird? Noch sind die Zinsen niedrig. Noch greift die EZB durch. Doch auch die Notenbank muss auf Grund einer aufgeblähten Bilanz den Gürtel enger schnüren. Die erkaufte Zeit ist ungenutzt verstrichen.

Die Target-2-Salden

Mittlerweile erreichen die Targat-2-Salden wieder Stände von vor Beginn der Eurokrise. Was ist das? „TARGET2 ist ein Zahlungsverkehrssystem, über das nationale und grenzüberschreitende Zahlungen in Zentralbankgeld schnell und endgültig abgewickelt werden. Über TARGET2 fließen pro Tag im Durchschnitt rund 350.000 Zahlungen im Wert von rund 2 ½ Billionen Euro. Das entspricht in etwa dem deutschen Bruttoinlandsprodukt. Während eines ganzen Jahres werden von TARGET2 knapp 90 Millionen Zahlungen in einem Gesamtwert von rund 600.000 Milliarden Euro abgewickelt. Diesen Transaktionen können ganz unterschiedliche Geschäfte zugrunde liegen. Denkbar sind unter anderem die Zahlung einer Warenlieferung, der Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers, die Gewährung oder Rückzahlung eines fälligen Darlehens, die Geldanlage bei einer Bank und vieles mehr.“ (Quelle: https://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html)

1470932022_mmwarburg2016_target2-salden-12_augustBildquelle: Institutional Money

Interessant ist nun vor Allem folgender Absatz: „Fließen beispielsweise einer über die Bundesbank an TARGET2 teilnehmenden Bank Gelder aus dem Ausland zu, führt dies bei der Bundesbank zu Verbindlichkeiten gegenüber dieser Bank (etwa durch Gutschrift des Betrages auf deren Girokonto). Im Gegenzug entsteht eine Forderung der Bundesbank in gleicher Höhe gegenüber der sendenden nationalen Zentralbank. Diese wiederum belastet das Konto der sendenden Geschäftsbank. Dies erfordert ein ausreichendes Guthaben an Zentralbankgeld der sendenden Bank. Zentralbankguthaben werden primär durch die geldpolitischen Refinanzierungsgeschäfte des Eurosystems bereitgestellt.“

An den Target-2-Salden können wir also erkennen, wann Kapital aus einem Land abfließt und welchem Land dieses zufließt. Zu erkennen ist, dass bereits mit der Euro-Krise hunderte Milliarden Euro aus Peripherie-Ländern Europas abflossen – größtenteils nach Deutschland.

2016 stiegen nun die Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank um 129 Milliarden Euro auf insgesamt 362 Milliarden Euro. Es ist wieder eine Kapitalflucht zu erkennen. Banken schaffen Geld aus dem Land. Meistens wissen Banken als erste, wenn es im Finanzsystem knirscht. (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/233148/umfrage/target2-salden-der-euro-laender/)

 

by Jan 01, 2017 Keine Kommentare
Das eigene Trading auswerten – Excel Tabelle für 2017

Das eigene Trading auswerten – Excel Tabelle für 2017

JH

Liebe Leser, ich hoffe ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit und wünsche Euch auf diesem Weg schon einmal einen guten Rutsch in das nächste Jahr. 2017 steht vor der Tür. Und nach einem kurzen Blick nach hinten gilt es sich auf das kommende Börsenjahr zu konzentrieren.

Ich habe 2016 einige Daten meines Handels mit einer einfachen Excel-Tabelle dokumentiert und analysiert. Diese Datei habe ich nun weiterentwickelt und möchte Euch diese zur Verfügung stellen.

Eventuell hilft dir diese Ecxel ja weiter. Oder es sind ein paar Anregungen für deine bestehende Datei dabei. Ich bin kein Excel-Profi, sehr freuen würde ich mich auch darüber, wenn sich jemand mit mehr Talent dieser Datei annimmt, sie weiterentwickelt und der Gemeinschaft wieder zur Verfügung stellt.

Hier klicken und die Excel-Tabelle kostenlos runterladen

Um meine Gedanken zu verdeutlichen hatte ich ein Video erstellt, welches jedoch das Upload-Limit meines Blogs überschreitet. Deswegen möchte ich dir einige Hinweise via Screenshots übermitteln. Für Fragen, Erklärungen und Diskussion stehe ich natürlich zur Verfügung – kontaktier mich einfach.

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by Dez 28, 2016 Keine Kommentare
Buchvorstellung – Wall Street Poker (Michael Lewis)

Buchvorstellung – Wall Street Poker (Michael Lewis)

Buchclub

In diesem Beitrag möchte ich das Buch Wall Street Poker vorstellen. Jeder kennt “the big short” von Michael Lewis. Spätestens seit dem erfolgreichen Kinofilm. Ich habe das Buch gelesen und war fasziniert von dem Witz und der Leichtigkeit, mit welcher Lewis schreibt und doch tiefe Einblicke in die Finanzwelt gibt ohne das es langweilig oder zu trocken wird. Dies habe ich mir zum Anlass genommen auf Amazon einmal alle Bücher von Michael Lewis zu bestellen. Nun habe ich das Buch “Wall Street Poker” gelesen und möchte auch dieses Buch wärmstens empfehlen.

Nun mag man meinen, dass “the big short” das beste Buch von Michael Lewis ist, weil es das erfolgreichste ist. Aus meiner Sicht ist “Wall Street Poker” jedoch wesentlich besser. The big short enthält mehr Potential für die Filmindustrie. Die Story ist fetziger und kann besser verfilmt werden. Doch Wall Street Poker ist tatsächlich als Einblick in die Finanzbranche authentischer, aus meiner Sicht.

Das Buch spielt in den 1980er Jahren – einer Zeit, in der viele Innovationen am Finanzmarkt etabliert werden und neue Märkte geschaffen werden. Die Wall Street schnuppert gerade erst daran, was sie alles erreichen könnte. In dieser Phase berichtete Michael Lewis von seinem Werdegang als unbedarfter Student, welcher in das Trainings-Programm der Investmentbank Salomon Brothers kommt, die Welt der Wall Street kennenlernt und sich selbst in den Händler-Sall arbeitet. Es ist faszinierend eine ganze Karriere in einem Buch zu erleben. Man lernt die Facetten kennen. Die Sichtweise des Neulings auf das Geschehen unterscheidet sich am Ende zu der des erfahrenen Händlers. Man durchlebt mit dem Buch die Hochs und Tiefs einer Person, aber auch einer Investment-Bank. Eben das macht das Buch derart spannend. Und doch schreibt Lewis erneut mit viel Witz und wahnsinnig tiefen Einblicken in die Finanzbranche.

51m7evgp3fl-_sx319_bo1204203200_“Entscheidend ist: Händler kennen die relevanten Wirtschaftsdaten für den jeweiligen Monat, Trainees dagegen nicht. So wartete beispielsweise einmal der gesamte Händlersaal von Salomon Brothers morgens um 8:30 Uhr auf eine bestimmte Zahl. Die Atmosphäre war zum Zerreißen gespannt. […] Genau in diesem Moment kommt ein Trainee herein, denkt sich nichts Böses und fragt: “Entschuldigung, ich gehe in die Caféteria, soll ich jemandem etwas mitbringen?” Trainees waren eben Idioten.”

“Eigentlich gab es einen guten Grund dafür, die Charts zu nutzen: alle anderen machten das dasselbe. Wenn man daran glaubte, dass auf Basis solcher Charts große Summen investiert werden würden, dann war es sinnvoll, ihrer Aussage entsprechend zu handeln. […] Viele unserer französischen und englischen Spekulanten glaubten jedoch, dass die Geheimnisse des Marktes in diesen Charts versteckt waren. Sie glaubten an die Charts wie an Götzen. […] Zugegeben: selbst für einen Geek war es ein wenig peinlich, zu erkennen, dass die Anleger an ihre weiße Magie glaubten.”

“Ich wusste nicht genau wie viele Millionen ich für Salomon Brothers gescheffelt hatte, aber an fairen Maßstäben gemessen verdiente ich sehr viel mehr als 90.000 Dollar. Nach den Maßstäben unseres täglichen Monopoly-Spiels im Händlersaal erschienen die 90 Riesen etwa so, als würde man von Sozialhilfe leben. “Du wirst in diesem Geschäft nicht reich. [sagte Alexander, bei dem ich mich beklagt hatte] Du erreicht eben nur neue Ebenen relativer Armut.Glaubst du, Gutfreudn fühlt sich reich?”

Hier findest du das Buch “Wall Street Poker” bei Amazon

by Dez 21, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Gastartikel

Dies ist einer meiner letzten Artikel der Börsenpsychologie-Reihe. Ich möchte in diesem Beitrag kurz zusammenfassen, was in den fünf vorherigen Artikel dargestellt wurde, um dann auf die heutige Thematik der Charakterbildung einzugehen.

Bisher haben wir erarbeitet, dass die Börse vor Allem auf Psychologie basiert. Alles dreht sich um die Bewertung von Werten. Bei eben jener Bewertung in einem komplexen und schnelllebigen Umfeld unter Zeitdruck und ohne ausreichend Zugang zu vollständigen Informationen kommen schnell Emotionen auf. Der einzelne Trader und die Masse verhalten sich psychologisch erwartbar, aber oftmals irrational. An der Börse kommt es stetig zu Über- oder Unterbewertungen. Dies ist eine Folge der psychologischen Einflüsse. Noch immer bestimmen Menschen den Handel.

Daraufhin sind wir diverse psychologische Studien, Erkenntnisse und Definitionen durchgegangen. Was eine mentale Buchführung, der Kontrast-Effekt oder die Muster-Illusion? Wir haben uns, teils trocken und zäh, durch die Vorgänge gearbeitet, um ein benötigtes Grundwissen zu erarbeiten.

Nun möchte ich in diesem und den kommenden Beiträgen in die praktische Seite der Börsenpsychologie wechseln. Was passiert mit uns? Wie sollten wir uns verhalten? Wie erkennen wir psychologische Einflüsse am Markt?

 

Du tradest nicht den Markt, sondern deinen Charakter

Ist es überhaupt möglich den Markt zu handeln? Kann jeder von uns einen Hebel umlegen und sein Trading-Verhalten innerhalb von Minuten und einigen Stunden anpassen? Ich denke nicht. Denn unser Verhalten ist geprägt durch uns und nicht durch den Markt. Sind wir selbst risikoscheu, dann werden wir in volatilen und chaotischen Phasen nicht anfangen zu spekulieren und nach Chancen zu suchen. Jeder hat eine andere Vorliebe – für die einen ist es beispielsweise die Trend-Folge, für die anderen wiederum das antizyklische Investment.

Eventuell kann man dies mit einer Sportart, beispielsweise Fußball, vergleichen: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein. Andersrum wäre auch komisch: Das Spiel bestimmt deine Fähigkeiten?

Als Trader ist es dementsprechend, wie auch bereits in vorherigen Artikeln betont, äußerst wichtig sich selbst zu beobachten. Die meisten Fehler machst du selbst. Wenn du deine Rendite, dein maximal Drawdown oder andere Werte deines Tradings verbessern möchtest, dann fang bei dir an. Du kannst die richtigen Stellschrauben bewegen. Es fängt bei dir an und es endet bei dir. Bei deinem Tanz mit dem Markt führt dieser dich. Er gibt Ton, Takt, Tanz, Geschwindigkeit und Richtung an. Doch es liegt an dir wie du diesen Tanz gestaltest: stolperst du? Fällst du? Oder tanzt du den Markt elegant aus und kannst auch die ein oder andere Figur einbauen?

 

Trading bedeutet Charakterbildung

Um nun die Beispiele Fußball und Tanz zu verbinden: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein, doch ganz das Spiel als einzelner nicht lenken. Der Markt führt und zwingt dir das Spiel auf. Geschwindigkeit und Richtung kannst du nicht beeinflussen. Wenn du nun jedoch wenige Fähigkeiten besitzt und beispielsweise nur als Stürmer spielen und nur mit dem rechten Fuß schießen kannst, dann wirst in vielen Spielen schlecht aussehen.

Trading ist Training, Entwicklung und Charakterbildung. Im richtigen Moment musst du das Spiel des Marktes lesen und verstehen können und auch Mal mit dem linken Spann abziehen. Wenn du dich im wilden und schwindelerregenden Tanz nur rechtsrum drehen kannst wirst du bei einer linksgerichteten Drehbewegung sofort ins Stolpern geraten.

Deine Fähigkeiten sind entscheidend und nie gut genug. Dein Vorgehen (Taktik/Set Up) muss genau so stimmen, wie deine Fähigkeiten den Markt zu verstehen (Psychologie, Chart-Technik, Kennzahlen, …) und richtig einzuordnen. Doch es bringt dir wenig, wenn du den Markt verstehst aber nicht handeln kannst. Als Händler solltest du dich auch in der Mathematik, Risiko- und Moneymanagement, verschiedene Handels-Formen, Branchen und zahlreiche weitere Dinge aneignen. Am Ende des Tages musst du fallende Märkte genauso wie steigende handeln können. Kannst du denn mit beiden Füßen schießen?

 

Deine Entwicklung ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs

Die Entwicklung als Trader zieht erfolgreichere und erfolglosere Phasen mit sich. Du wirst Hochs und Tiefs erleben. Fehler gehören genauso dazu, wie auch Erfolge. Neben dem Wissen bist eben du, der den Handel macht.

Fehler und Tiefs können Ängste auslösen. Schönreden oder Meiden sind große Fehler. Wer vom 10-Meter-Trump springt und auf dem Rücken landet sollte sofort erneut springen. Ansonsten setzt sich die Angst davor fest. Auch du solltest Fehler nicht persönlich nehmen, sondern diese als Ansporn und Basis des Lernens verstehen. Analysiere deinen Trade und finde das Problem.

Andersrum ist Hochmut der beste Weg zu fallen. Wer eine Leiter hoch hinaufsteigt kann eben auch wesentlich tiefer fallen. Erfolg fällt einem nicht zu. An der Börse gibt es glückliche Momente, doch auch hier ist die meiste Rendite harte Arbeit. Wer zufrieden ist mit seinem Trading, sich als erfolgreich wahrnimmt, der vergisst, dass der Erfolg nicht ewig anhalten wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Gerade in erfolgreichen Phasen sollte man sich konzentrieren und den Blick nicht vernebeln lassen. Woher kommt der Erfolg? Wie habe ich ich generiert? Was muss ich anders machen, um weiterhin Erfolg zu haben?

Eines der schwierigsten Dinge ist den eigenen Erfolg zu hinterfragen und etwas zu verändern. Es ist ein gutes Gefühl erfolgreich zu sein. Diesen dann zu kritisieren fällt den meisten Menschen schwer. Den bisherigen Weg, welcher den Erfolg brachte, zu verändern, machen tatsächlich die wenigsten. Hier kann man durchaus das Wort Charakterstärke nutzen.

Börse bedeutet Lernen. Börse bedeutet Entwicklung. Börse bedeutet Charakterbildung.

Trader müssen sich entwickeln, hinterfragen und formen. Es gibt wenige Berufe in denen es derart wichtig ist sich selbst eine Entwicklung zuzutrauen. Niemals darf man selbstgefällig wiederholen, was man immer tut. Man muss sich stets verändern und neu ausrichten. Das kostet Zeit und Kraft. Aber wer konzentriert an dieses beiden Fähigkeiten arbeitet und sich stets darin schult besser zu werden, wird besser als die meisten sein: Du musst den Markt lesen und mit verschiedenste Szenarien handeln können.

by Dez 17, 2016 Keine Kommentare
Interview mit Jessica Schwarzer

Interview mit Jessica Schwarzer

Interviews

Höfgen: Das Jahr 2015 konnte der Markt bzw. der DAX nach reichhaltigem Hin und Her am Ende doch noch moderat mit einem Zugewinn von rund 10% abschließen. Das Jahr 2016 dagegen startete so schlecht wie seit 25 Jahren nicht mehr. Ist dies ein Signal? Wird 2016 das Jahr der Bären?

Jessica Schwarzer: Der Jahresstart ist in der Tat kräftig daneben gegangen. Jetzt schon das Jahr des Bären oder gleich einen jahrelangen Bärenmarkt auszurufen, halte ich für verfrüht. Die kritischen Stimmen mehren sich, klar. Blackrock-Chef Larry Fink warnte beispielsweise im Handelsblatt-Interview, dass die Krise an den Finanzmärkten weitergeht. Es gibt aber auch Experten, die den Ausverkauf an den Märkten für übertrieben halten und davon ausgehen, dass sich die Börsen im Laufe des Jahres erholen. Das ist auch eher meine Meinung. Schaut man sich den Dax-Absturz an, könnte man meinen, wie stecken mitten in einer Rezession. Das ist natürlich Quatsch. Auch die Weltwirtschaft wächst noch immer, wenn auch langsamer. Da steckt viel Psychologie im Markt – Panik ist aber kein guter Ratgeber bei der Geldanlage. Ich denke, die Lage wird sich in einigen Wochen oder Monaten beruhigen. Es ist immer noch sehr viel Liquidität im Markt und das Geld muss irgendwohin.

 

Höfgen: Im Dezember hat das FED den US-Leitzins zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder angehoben. Die Schwellenländer wanken und schnaufen unter der Last der Kapitalströme. Am 27.1. hat das FED sich nicht eindeutig zum weiteren Vorgehen im Jahr geäußert. Ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das FED wieder einen Schritt zurück machen muss?

Jessica Schwarzer: Notenbank-Chefin Janet Yellen Fed-Chefin hat die Zinserhöhung für den März quasi abgesagt, bleibt bei der Linie, die geldpolitische Schraube vorsichtig weiter anzuziehen, aber grundsätzlich treu. Auch hat sie es vermieden, eine grundsätzlich pessimistischere Sichtweise als in der letzten Sitzung im Dezember zu präsentieren. Die Gefahr, dass die Märkte wieder alle Hoffnung auf die Notenbank setzen und sich damit in falscher Sicherheit wiegen, scheint also gebannt. Die Anleger hatten einen noch vorsichtigeren Tenor in der Erklärung der Zentralbank erwartet.

Yellen hat nun wieder allen Spielraum, den sie braucht. Sie kann im März abwarten, aber zugleich ihre Linie beibehalten, die Zinsen nach und nach behutsam zu erhöhen. Dass sie aber einen Schritt zurück macht, danach sieht es derzeit nicht aus. Die Zinswende ist nicht abgesagt, verzögert sich nur ein bisschen. Und es werden wohl keine vier Zinserhöhungen werden. Damit haben aber die meisten Ökonomen bereits gerechnet.

Für die Schwellenländer ist die Zinswende bitter. Das billige Geld der Notenbanken ist jahrelang in diese Richtung geflossen, nun wird es – in Erwartung höherer Zinsen in den USA – abgezogen. Hinzu kommt der Preisverfall an den Rohstoffmärkten, der die Rohstoff exportierenden Länder trifft. Ich bin aber trotzdem überzeugt, dass die Schwellenländerbörsen in jedes breit aufgestellte globale Depot gehören.

Jessica Schwarzer

 

Höfgen: Eine weitere Frage vieler Leser zum Leitzins ist, wie sich diese Veränderung auf den Wert des US-Dollars auswirken könnte? Wie könnte dies Europa oder die Schwellenländer beeinflussen?

Jessica Schwarzer: Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro stark zugelegt. Auch das ist eine Folge der erwarteten Zinswende. Denn höhere US-Zinsen machen Anlagen im Dollar-Raum attraktiver. Auch wenn der Dollar zuletzt etwas geschwächelt wird, dürfte er stark bleiben. Wie stark, darüber sind sich Devisen-Experten uneinig. Das wir die Parität zum Euro sehen werden – also ein Euro gleich ein Dollar -, erwarte ich nicht.

Der Dollar als Leitwährung der Welt hat natürlich enorme Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben. Vor allem stark Export orientierte Unternehmen außerdem des Dollar-Raums profitieren davon natürlich. Und davon haben wir in Deutschland bekanntlich jede Menge. Auch Schwellenländer, die viel exportieren, profitieren von der deutlichen Abwertung ihrer Währungen. Allerdings kämpfe viele mit Inflation und leiden wie bereits erwähnt unter dem Preisverfall auf dem Rohstoffmarkt. Für ölimportierende Staaten ist das natürlich ein Segen.

 

Höfgen: Sie haben vor kurzem ihr drittes Buch “Einfach erfolgreich Anlegen” veröffentlicht – Worum geht es in diesem Buch?

Jessica Schwarzer: Die Botschaft meines Buches ist ganz klar: Geldanlage muss nicht kompliziert sein. Ziel war es, eine Anlagestrategie zu entwerfen, die einfach zu verstehen und noch einfacher umzusetzen ist – mit simplen und kostengünstigen Produkten. Herausgekommen sind drei ETF-Portfolios, die Anleger je nach Risikoneigung ohne großen Zeitaufwand nachbilden können. Viele Finanzprodukte und Anlagestrategin sind viel zu kompliziert, das schreckt viele Anleger ab. Dabei ist es gerade in Zeiten von Niedrigstzinsen so wichtig, sich um den Vermögensaufbau zu kümmern und das Ersparte arbeiten zu lassen. Auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto tut es das nämlich nicht.

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by Dez 16, 2016 Keine Kommentare
Was ist Zufriedenheit?

Was ist Zufriedenheit?

JH

Der Weltgeschichte beiwohnen zu dürfen ist in Zahlen nicht ausdrückbar und generell etwas surreal. Warum ich? Und doch sollten wir die uns zustehende wahnsinnige kurze Zeit nicht unzufrieden verbringen. Und so ist es die ewige Suche der Menschen nach Zufriedenheit. Die Suche nach optimaler Work-Life-Balance heutzutage, früher die Suche nach dem Paradies. Wir wollen genießen – und sind doch nicht immer zufrieden. Ich möchte mich in dieser drei-teiligen Artikel-Reihe mit der “Zufriedenheit beschäftigen”. Was ist das? Wie bekomme ich das? Wie behalte ich das?

Suchen wir Glück oder Zufriedenheit, Genugtuung oder Stolz?

Doch was ist Zufriedenheit? Laut Wortbedeutung handelt es sich um den Zustand innerlich ausgegelichen zu sein und nicht mehr zu verlangen, als man hat, oder auch mit der aktuellen Gesamtsituation zufrieden zu sein, also an dieser Nichts weiter auszusetzen zu haben. Im allgemeinen Sprachgebrauch werfen wir Glück, Zufriedenheit, Genugtuung und Selbstzufriedenheit gerne in einem Pool zusammen.

Dabei ist die Genugtuung eine gesteigerte Zufriedenheit, wenn man einer meist sittlichen Pflicht oder Verantwortung gerecht geworden ist. Genugtuung ist ein Teil unserer Zufriedenheit und kann diese steigern oder auch stützen. Hier ist die Genugtuung eher eine innerliche Emotion, während der Stolz dasselbe ist, nur offen nach außen durch die Person gezeigt.

Glück und Zufriedenheit werden am häufigsten verwechselt: Glück ist Wolff Horbach das augenblicklich in der Gegenwart erlebte, während Zufriedenheit eine Bilanz des Erlebten ist. Stefan Klein, Die Glücksformel: “Wenn wir unser Leben beurteilen, machen wir sehr oft den Fehler, Zufriedenheit mit Glück zu verwechseln. Was ist der Unterschied? Glück erleben wir im selben Moment, in dem wir eine Erfahrung machen. Glück gibt es also nur in der Gegenwart. Zufriedenheit ist das, was wir davon im Kopf behalten, entsteht also in der Rückschau. Glück verhält sich zur Zufriedenheit wie ein Kinofilm zu einer Filmkritik, die in wenigen Worten ein Urteil über den Streifen abgibt.”

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Was ist Zufriedenheit?

“Zufriedenheit ist eine Bilanz des Erlebten.” Unsere Zufriedenheit entsteht aus der Summe der glücklichen Momente und auch wie wir diese bewerten. Man könnte auch sagen, dass Zufriedenheit die Differenz aus Erwartung und Realität ist. Liegt das reale Ergebnis unter unseren persönlichen Erwartungen, so sind wir unzufrieden. Liegt das Ergebnis jedoch gleichauf oder höher, so erleben wir Zufriedenheit.

In diesem Fall liegt das Laster auch bei den Menschen, welche zu viel nachdenken, zu viel erwarten und sich den Kopf zu häufig über ihre Wünsche und Ziele zerbrechen. Es heißt ja auch, dass dumme Menschen glücklicher sind. Dem ist tatsächlich so. Wer weniger erwartet ist eher, häufiger und/oder schneller zufrieden.

2016-11-27-12-44-43Ich selbst beschäftige mich intensiv an der Börse mit der Psychologie und tauche daher auch in andere Bereiche ein. Es geht an der Börse darum Geld zu verdienen. Doch was macht uns am Ende tatsächlich zufrieden? So wurde ja zuletzt auch ein Nobel-Preis an zwei Ökonomen der Zufriedenheitsforschung verliehen, welche herausfanden, dass Geld unsere Zufriedenheit nur bis zu einem Jahresgehalt über rund 67.000€ steigern kann (hier mehr dazu).

Zufriedenheit ist die Differenz aus Erwartung und Realität. Dementsprechend ist unsere Erwartungshaltung einer der wichtigsten Faktoren auf der Suche nach Zufriedenheit. Hier habe ich mich selbst in Richtung der stoischen Philosophie entwickelt. Wir sollten die Dinge wertschätzen, welche wir besitzen. Beispielsweise macht der Konsum uns unszufrieden, anstelle andersrum. Konsumieren wir, so sind wir in einem materiellen Teufelskreis gefangen. Wir kaufen uns ein Auto und schauen bereits wieder auf die anderen Autos, welche wir haben könnten. Materielle Zufriedenheit ist ein Fass ohne Boden. Wir können uns materiell immer upgraden. Es gibt immer Dinge, welche wir noch nicht besitzen. Wer so die Zufriedenheit sucht, der sucht ewig. Warum nicht das genießen, was wir besitzen? Weniger ist mehr! Muss unsere Erwartungshaltung Marken-Klamotten, teure Autos oder Reichtum sein? Kann man mit einer solchen Erwartungshaltung überhaupt zufrieden werden? Es wäre die ewige Suche nach dem nächsten materiellen Kick. Doch wer genießt, was er besitzt, kann durch die Realität eher überrascht werden und zufrieden sein.

 

by Dez 14, 2016 Keine Kommentare
Helikoptergeld

Helikoptergeld

Gastartikel

Helikoptergeld: Trotz ultraexpansiver Geldpolitik, negativen Zinsen und gigantischen Anleihen-Ankauf-Programmen (Quantitative Easing / kurz: QE) durch die Zentralbanken werden die Ziele, konjunkturelle Anreize und eine höhere Inflation zu erwirken, nicht erreicht. Ökonomen und Bürger fragen sich bereits wann die nächste geldpolitische Lockerung erfolgen wird und welche Instrumente beispielsweise die Europäische Zentralbanke (EZB) einsetzen wird. Der Begriff des Helikoptergeldes zieht bereits seine Kreise im Kapitalmarkt und wird rege diskutiert. Als Mario Draghi bei einer Pressekonferenz Anfang März 2016 von einem Journalisten gefragt wurde was er von diesem “helicopter money” halte, so antwortete dieser, dass man sich noch nicht intensiv mit diesem Ansatz beschäftigt habe, aber dass es ein “sehr interessantes Konzept” sei. Was ist Helikoptergeld? Was kann es? Was soll es? Was sind die Möglichkeiten und Gefahren?

 

Die aktuelle ökonomische Situation

Seit der Finanzkrise im Jahr 2007 sind zahlreiche Zentralbanken zu einer expansiven Geldpolitik übergegangen. Um die Kreditvergabe, aber auch die Kosten für Kredite (Zins & Tilgung) möglichst gering zu gestalten wurden die Leitzinsen bis fast auf Null gesenkt. Einlagezinsen, also der Zins zu welchem Geschäftsbanken (z.B. Deutsche Bank oder Goldman Sachs) Überschuss-Liquidität bei der heimischen Zentralbank lagern können, wurde sogar negativ. Geschäftsbanken müssen Zinsen (Strafzinsen) bezahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Zusätzlich wurden QE-Programme aufgesetzt. Mit vielen Billionen Dollars und Euros wurden private und staatliche Anleihen gekauft. Durch die immense zusätzliche Nachfrage der Notenbank sanken die Zinsen dieser Anleihen nahe, auf und auch unter Null. In Europa tendieren derzeit in zahlreichen Nationen über 50% aller Anleihen im negativen Bereich. Die Welt der Ökonomie hat sich umgedreht. Wer beispielweise Deutschland derzeit Geld leiht muss Zinsen bezahlen, anstelle dass er welche bekommt.

All diese Anstrengungen unternehmen die Zentralbanken aus zahlreichen Gründen. Vor Allem soll die Konjunktur und das Preisniveau angeregt werden, um die labile wirtschaftliche Situation, die schwache Nachfrage am Binnenmarkt und die angespannte finanzielle Situation staatlicher Haushalte zu lösen.

  • Die Kreditvergabe soll durch möglichst niedrige Zinsen angeregt werden. Unternehmen sollen intensiver investieren und Konsumenten stärker konsumieren. Die Nachfragelücke am Markt soll geschlossen werden.
  • Durch eine angeregte Kreditvergabe sollen die Güterpreise steigen. Diese Preisteuerung, oder auch Inflation, soll nahe 2% liegen. Das bedeutet, dass die Preise aller Güter & Dienstleistungen im Durchschnitt jährlich um circa 2% steigen sollen. Dies wird als Preisniveau-Stabilität angesehen.
  • Die finanziell labilen Haushalte der Staaten sollen entlastet werden. Die Staaten gewinnen hierdurch Zeit für wichtige Reformen und können selbst druch Konjunkturprogramme die Nachfrage anregen.

 

Der Begriff “Helikoptergeld”

Der Begriff “Helikoptergeld” geht auf den US-Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Milton Friedman zurück, welcher darüber nachdachte wie eine Zentralbank die Nachfrage am Binnenmarkt noch effektiver anregen könne. Er veranschaulichte seinen Gedankengang durch das Beispiel, dass eine Zentralbank doch Geld aus Helikoptern werfen könne. Die Bürger, welche das Geld somit direkt von der Zentralbank erhielten, würden dieses für zusätzlichen Konsum nutzen.

Bildlich gesprochen handelt es sich um die Idee Geld von der Zentralbank direkt, ohne Banken als Vermittler, den Bürgern zukommen zu lassen. Realistisch bei der Umsetzung wären zwei Möglichkeiten:

  1. Es könnte eine direkte Überweisung in Form von Bargeld oder Konsum-Gutscheinen an jeden Bürger des jeweiligen Staates geben.
  2. Staaten könnten Geld erhalten mit welchem diese auf Steuererhöhungen verzichten, Steuern und/oder Sozialbeiträge (Rente, Versicherung, Krankenkassen, …) senken oder direkt in die heimische Wirtschaft investieren über Infrastrukturprojekte beispielsweise.

 

Was ist der Unterschied zwischen QE und Helikoptergeld?

euro-507948_640Beim Quantitative Easing (QE-Programm) ist das Ziel der jeweiligen Zentralbank die Geldmenge auszuweiten, um die Realzinsen am Markt zu senken. Hierfür tritt die Notenbank als Nachfrager nach privaten und/oder staatlichen Anleihen am Sekundärmarkt auf. Staaten emittieren Staatsanleihen und verkaufen diese am Primärmarkt an ausgewählte Geschäftsbanken, welche den Ankauf und Verkauf/Handel übernehmen und gewährleisten. Diese Geschäftsbanken verkaufen die Staatsanleihen am Sekundärmarkt. An diesem Markt kann jeder, ob Bank, Unternehmen, Bürger oder eben Zentralbank, als Nachfrager auftreten. Die Zentralbank muss am Sekundärmarkt agieren da ihr eine direkte Staatsfinanzierung untersagt ist. Dementsprechend handelt es sich um eine indirekte Staatsfinanzierung, da sich die Geschäftsbanken und Staaten auf die Nachfrage der Zentralbank verlassen können.

Beim Helikoptergeld ist das Ziel den Konsumenten Geld zukommen zu lassen, um den Konsum bzw. die Nachfrage am Markt anzuregen. Während zuvor die Zinsen gesenkt wurden, damit die Banken mehr Kredite zu günstigeren Konditionen vergeben, werden in diesem Fall die Geschäftsbanken als Vermittler der Geldsummen umgangen und die Zentralbank greift direkt in den Markt ein. Entweder wird den Bürgern direkt Geld überwiesen oder die Staaten werden finanziell unterstützt, damit diese die eigenen Bürger entlasten. Es gibt wenige historische Beispiele der Anwendung von Helikopter-Geld weswegen auch derzeit Ökonomen intensiv über die Möglichkeiten und Gefahren diskutieren. Es gibt berechtigte Sorgen um den Nutzen und die Gefahr einer unkontrollierbaren Reaktion, wie beispielweise Hyper-Inflation, aber auch Befürworter, welche erkennen, dass die derzeitige Geldpolitik der Zentralbank am Sekundärmarkt die Wirtschaft nicht beleben kann.

 

Wendet die EZB nicht bereits Helikoptergeld an?

Die EZB tritt als Nachfrager für Staatsanleihen am Sekundärmarkt auf und drückt die Zinskosten der Staatsanleihen gegen Null oder gar in den negativen Bereich. Indirekt werden die Staaten somit bereits finanziert und finanziell entlastet. Dementsprechend ist die Frage berechtigt ob dies nicht bereits eine Form des Helikoptergeldes ist? Staaten werden finanziell unterstützt und die Bürger dieses Landes werden, im Optimalfall, durch den Staat daraufhin entlastet. Der Gedanke, dass die Zentralbank Staaten oder Bürger direkt finanziert ist auch deswegen abwegig, da die direkte Staatsfinanzierung verboten ist. Dies hat sich aus den Erfahrungen der letzten Jahrhunderte ergeben in denen es immer wieder zu schweren wirtschaftlichen Krisen kam nachdem sich Staaten durch die Notenpresse selbst und direkt finanziert hatten und die Geldmenge unkontrolliert gewachsen ist. Die Notenbanken müssen zwingend indirekt finanzieren und am Sekundärmarkt agieren. Es ist fraglich ob die derzeitige Form des QE-Programmes nicht zugleich auch eine Form des Helikoptergeldes ist.

 

Die “Bank of Japan” nutzt Helikoptergeld

Die japanische Zentralbank “Bank of Japan” (BoJ) ist den übrigen Industrie-Nationen in der Extreme der expansiven Geldpolitik stets ein Schritt voraus. Es ist ebenfalls diskutable ob die BoJ nun bereits Helikoptergeld eingeführt hat. Denn mit dem sogenannten “Quantitative and Qualitative Easing” (QQE) kauft die japanische Notenbank 100% der Staatsanleihen am japanischen Sekundärmarkt auf. Der Staat wird also quasi direkt von der Zentralbank finanziert. Es stehen zwar Geschäftsbanken als Mittler zwischen Staat und seiner Notenbank, doch tritt diese als einziger und garantierter Abnehmer jeglicher Schuldverschreibungen auf.

 

Was sind die Vorteile vom Helikoptergeld?

inflation-1143268_640Derzeit greift die Zentralbank zwar immens in den Markt ein, doch bleibt es weiterhim diesem selbst überlassen sich zu entwickeln. Kreditvergabe, Investitionen, Konsum und viele andere Dinge werden durch die EZB nur indirekt beeinflusst. Die Rahmenbedingungen werden verbessert. Durch ein direkteres Eingreifen mit Helikoptergeld könnte eine zielgenauerer Wirkung erreicht werden. Endlich könnte die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank erfolgreich sein. Konsum, Nachfrage, Wachstum, Vermögensbildung und Inflation könnten gezielt angeregt und beeinflusst werden. Ist die Inflation in einem Land bei 2%, aber in einem anderen noch nicht, so könnte gezielt jenes Land mit zu schwacher Inflation bearbeitet werden. Auch könnte die Nachfrage national oder gar regional gezielt beeinflusst werden. Strukturschwache oder wirtschaftlich bedeutende Regionen könnten gefördert werden. Die EZB würde immens in die Wirtschaft eingreifen und Bankwesen und Politik in gewisser Form übergehen/aushebeln, doch könnte somit die Wirtschaft gezielt lenken, retten oder anregen zu gesunden.

Im Endeffekt muss eine Notenbank ihr Mandat einhalten und alles für das Erreichen der gegebenen Ziele unternehmen ohne gestzliche Bestimmungen zu verletzen. Ist die EZB also gezwungen/gedrängt/genötigt weitere Lockerungen zu unternehmen, wenn Inflation und Konjunktur weiterhin schwach bleiben?

 

Was sind die Gefahren?

Öknomen kritisieren die Unkontrollierbarkeit des Helikoptergeldes. Die Zentralbank kann nicht beeinflussen wo das Geld hinfließt und wie es genutzt wird. Konsumieren die Bürger das Geld oder legen sie es unter das Kopfkissen? Wie oft muss die Notenpresse angeworfen werden und wie schnell steigt die Inflation daraufhin an? Es gibt wenig Erfahrung mit diesem Instrument.

Eine gesunde Wirtschaft benötigt keine Eingriffe von Staaten oder Zentralbanken. Seit 2007 ist jedoch ersichtlich, dass die Zentralbanken den Volkswirtschaften erheblich unter die Arme greifen müssen, um Krisen zu verhindern. Hierbei fungieren die Notenbanken bereits als “Lender of Last resort” (Geldgeber der letzten Instanz). Wenn Nichts mehr geht, dann macht die Zentralbanke Geld locker, um die Wirtschaft wieder anzuregen. In Europa verlassen sich Staaten und Unternehmen bereits auf das Einspringen der Zentralbank. Derzeit drückt die EZB jedoch lediglich die Zinsen und erweitert die Geldmenge. Mit dem Helikoptergeld würde die EZB direkt in die Wirtschaft eingreifen, Geldgeschenke verteilen, die finanzielle Belastung von Staaten, Bürgern und Unternehmen direkt und gezielt senken. Die Zentralbank wäre nicht mehr nur der Geldgeber im Notfall, sondern auch der Käufer von Schulden im Notfall (Buyer of last resort) und zusätzlich auch der “spender of last resort”, welcher Geld verschenkt. Jeder würde sich auf die Zentralbank verlassen. In der nächsten Krise wird diese ja wohl sicherlich erneut Geld verschenken. Doch eine solche finanzielle Belastung kann keine Zentralbank auf Dauer aushalten. Das Helikoptergeld wäre dementsprechend der wohl extremste und expansivste geldpolitische Schritt, der gemacht werden kann. Nicht nur Staaten, sondern ganze Volkswirtschaften (Staat, Konsument und Produzent) würden von der Garantie der jeweiligen Notebank jederzeit als Lender, Spender und Buyer of last resort einzutreten, sowie vom Geld dieser leben. Die Volkswirtschaften könnten machen was sie wollen – Die Rechnung in den Krisen übernimmt die Notenbank.

 

Wird die EZB auf diese drastischen Eingriffe zurückgreifen?

Aus meiner Sicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB zu einer Form dieses Konzept übergeht wahrscheinlich. Jahr für Jahr wird die Geldpolitik extremer/expansiver und eine Lockerung folgt der nächsten. An sich agiert die EZB bereits jetzt in einer gewissen Form mit dem Konzept des Helikoptergeldes. Doch warum sollte dieses Konzept noch intensiver ausgelebt werden?

euro-371330_640Mario Draghi betont, dass er die Haushalte der Staaten entlastet, um diesen Zeit zu “kaufen” wichtige Reformen durchzuführen. Die Haushalte müssen saniert und stabiler aufgestellt werden, um erneute Schuldenkrisen zu vermeiden. Auch gibt die EZB den Staaten die Möglichkeit Konjunkturprogramme zu niedrigen Zinsen zu finanzieren. Die Nachfrage und das Wachstum könnten somit billig angeregt werden. Doch die Staaten ruhen sich auf der scheinbar guten konjunkturellen Situation aus und führen kaum Reformen und keinerlei konjunkturelle Anregung durch. Somit verpuffen die Anstrengungen der EZB, da die Staaten ihren Teil nicht erledigen. Notenbanker und Politiker denken jedoch auch grundlegend unterschiedlich.

Da die EZB mit den derzeitigen Instrumenten kaum Wirkung erzielen kann und die Bilanz bereits fragwürdige Ausmaße annimmt (und Mario Draghi um seinen Platz in den Geschichtsbüchern kämpft. Wird er der Retter Europas oder gescheiterte Notenbank-Chef?) könnte die EZB bereits über Möglichkeiten nachdenken direkter in den Markt einzugreifen und nicht nur die Zinsen zu beeinflussen, sondern die Ausgaben/Konsum/Nachfrage selbst und direkt versuchen anzuregen.

 

Quellen

CESifo-Gruppe München – Gefährliches Helikoptergeld

Ökonomenstimme – Helikoptergeld und wie es funktionieren soll

Flassbeck Economics – Helikopter-, Drohnen und Lohntütengeld

BBC News – What is quantitative easing

Mainly Macro – Helicopter Money

Bank of Japan – Quantitative & Qualitative Easing

EZB – Jahresabschluss 2015

EU – Jahreswachstumsbericht 2015

Reuters – Die FED will aufgeblähte Bilanz entlasten

 

Exkurs: Bilanzsumme der EZB

Derzeit steht die Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank bei rund 2,7 Billionen Euro. Das entspricht rund 20% der Wirtschaftsleistung der EU, welche 2015 bei rund 14 Billionen Euro stand. Die Zentralbankbilanz nimmt eine besondere Funktion in der Volkswirtschaft ein, denn sie zeigt die Geldbasis inklusive ihrer Entstehung (Aktiva) und ihrer Verwendung (Passiva) auf. Auch eine Notenbank hat somit ihre Grenzen, wie groß die Blanzsumme werden kann.

by Dez 09, 2016 Keine Kommentare
Kurs-Doping auf Pump

Kurs-Doping auf Pump

Gastartikel

Der Gewinn je Aktie ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Analysten. Hierbei wird der durch das Unternehmen erwirtschaftete Gewinn auf die Anzahl der Aktien runtergerechnet. 300 von 500 Unternehmen des S&P500 griffen 2015 in diesen Wert ein und beschönigten ihn durch Aktienrückkäufe. Hierbei kauft das Unternehmen Aktien am Markt zurück und verknappt somit die handelbare Anzahl an Wertpapieren. Einerseits steigert dies meist den Kurs je Aktie. Andererseits verteilt sich derselbe Gewinn nun auf weniger Aktien. Trotz der gleichen Summe als Gewinn ist der Gewinn je Aktie nun gestiegen.

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Grafik bei Guidants gefunden

Experten vermuten, dass der Nettogewinn der 500 größten Unternehmen der USA 2015 um 5% gesunken sein könnte. Während die Nettogewinne stagnieren steigen die Dividenden und Rückkäufe an. Finanziert wird das in den USA meist auf Pump. Die Unternehmen emittieren Unternehmens-Anleihen mit einer Verzinsung zwischen 0,5 und 1,5% (sie verschulden sich) und kaufen mit dem Geld Wertpapiere zurück.

  • Zum Beispiel ist bei Microsoft der Gewinn je Aktie von 2012 zu 2013 von $2,02 auf $2,61 gestiegen. Das sind $0,59 oder auch 29,2% mehr Gewinn je Aktie. Das operative Ergebnis (EBIT) des Unternehmens selbst lag jedoch bei -5%. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) ist “nur” um 21% gestiegen.
  • Apple und Microsoft gaben seit 2010 zusammen 160 Milliarden Dollar aus, um Wertpapiere zurückzukaufen. Die Verschuldung von Microsoft hat sich seit 2012 auf $35 Mrd. verdreifacht. Die Verschuldung von Apple ist im selben Zeitraum von $0 auf $64 Mrd. gestiegen.
  • McDonalds hat 2015 8 Milliarden US-Dollar für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgegeben. Das ist doppelt so viel, wie das Unternehmen verdient. Finanziert wurde der Geldregen auf Pump.

Die Unternehmen tun alles, um die Anleger zufriedenzustellen. Sie wachsen kaum, sie erwirtschaften kaum Gewinne oder höhere Gewinne und sehen sich mit einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert.

  • Mit Dividenden, hohen oder steigenden Dividenden wird die Treue der Anleger finanziert. Diese sollen die Wertpapiere trotz Schwierigkeiten im Depot halten. Selbst Öl-Konzerne, deren Umsatz sich erneut halbiert haben könnte, halten an den Gewinn-Ausschüttungen fest, obwohl sie keinen Gewinn machen. Sie könnten die Dividenden eventuell sogar erhöhen.
  • Mit Aktien-Rückkauf-Programmen, finanziert durch Schulden, stabilisieren Unternehmen den Kurs und beschönigen den Gewinn je Aktie.
  • Der Markt der Fusionen und Übernahmen wird immer stärker. 2015 war das Volumen höher als kurz vor der Krise im Jahr 2007. Unternehmen kaufen exzessiv, ebenfalls mit Schulden finanziert, Unternehmen hinzu, um den Umsatz und die Masse zu steigern. Eigenes gesundes Wachstum hat derzeit kaum ein Unternehmen.

Warum machen die Unternehmen das? Umsatz und Gewinn stagnieren. Kurse steigen solange, wie alle Marktteilnehmer mit steigenden Preisen, Umsatz und Gewinn rechnen. Das wollen die Unternehmen aufrecht erhalten. Denn wenn der Kurs einbricht wird man schnell zum Übernahme-Kandidat.

In Deutschland wird ohne Schulden-Exzess gewirtschaftet. Siemens und die Munich Re kauften Wertpapiere zurück. Sie widerstanden jedoch der Versuchen die billigen Zinsen auszunutzen und nutzen ihre Liquiditätsreserven.

by Dez 08, 2016 Keine Kommentare
Buchvorstellung – Psychologie der Massen (Gustave le Bon)

Buchvorstellung – Psychologie der Massen (Gustave le Bon)

Buchclub

1911 veröffentliche Gustave Le Bon sein Werk “Psychologie der Massen”, welches trotz seines Alters immer noch aktuellen und wissenswerten Inhalt bietet und beinahe täglich anwendbar ist. Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen, unabhängig vom Job oder der Einstellung. Mir hat das Buch die Augen geöffnet viele Dinge anders und wesentlich logischer zu betrachten.

Beispielsweise ist mir (leider erst) nach der US-Wahl aufgefallen, dass die Wahl Trumps doch eigentlich logisch, erwartbar und vorhersehbar gewesen ist. Nun gut, im Nachhinein wirkt alles immer so vorhersehbar. Hier hat mir meine eigene Anti-Trump-Einstellung das sachliche Denken verhindern. Doch als das zuvor undenkbare passierte war mir klar: massenpsychologisch war die Wahl Donald Trumps erwartbar gewesen. So verändert das Buch die eigene Sichtweise! Ein tolles Werk!

gustavlebon„Glauben erwecken, sei es religiöser, politischer oder sozialer Glaube, Glaube an eine Person oder eine Idee, das ist die besondere Rolle eines großen Führers. Von allen Kräften, die der Menscheit zur Verfügung stehen, war der Glaube stets eine der beduetensten, und mit Recht schreibt ihm das Evangelium die Macht zu, Berge zu versetzen. Dem Menschen einen Glauben schenken, heißt seine Kraft zu verzehnfachen.“

Hierbei stellt er bereits fest, dass „[…] Führer [meist] keine Denker, sondern Männer der Tat [sind]. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im Allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden. […] Verachtung oder Verfolgung stört sie nicht oder erregt sie nur noch mehr. […] Sie Stärke ihres Glaubens verleiht ihren Worten große suggestive Macht. Die Menge hört immer auf den Menschen, der über einen starken Willen verfügt. Die in der Masse vereinigten Einzelnen verlieren allen Willen und wenden sich instinktiv dem zu, der ihn besitzt.“

Jetzt hier klicken und das Buch bestellen

by Nov 30, 2016 Keine Kommentare
Frostig bis heiß – Börse & Psychologie im Dezember

Frostig bis heiß – Börse & Psychologie im Dezember

JH

Es ist das Lied von Eis und Feuer. Es ist der ewige Einfluss der Emotionen an der Börse. Teils agiert der Markt kühl kalkulierend und realativ sachlich. Kurze Zeit später treibt eine hitzige Phase voller Emotionen die Volatilität in die Höhe. Im Zuge des alltäglichen Spiels der Bewertung von Werten ist vor Allem die Psychologie der Schlüsselfaktor um das Geschehen am Markt erfolgreich analysieren zu können und zu verstehen.

Auf Grund der größtenteils weniger volatilen Seitwärtsphase des DAX habe ich meinen letzten Beitrag dieser Art am 23.09.2016 veröffentlicht. Nach dem politischen Ereignis der US-Wahl ist vor den zahlreichen politischen Ereignissen im Dezember 2016. Diese zu kennen und richtig einzuordnen sollte entscheidend sein in den aktuell politisch getriebenen Börsen.

Wir erleben derzeit eine ganz besonders spannende psychologische Situation. Darauf möchte ich im Folgenden genauer eingehen.

Warum Börsenpsychologie?

2015 bin ich in das mittel- bis langfristige Anlegen eingestiegen. Ich habe mich klassisch an der Fundamentalanalyse und dem Lesen von Bilanzen orientiert. Ich war stetig auf der Suche nach Anzeichen für eine Unterbewertung. Doch seit 2016 beschäftige ich mich wesentlich intensiver mit Börsenpsychologie (Behavioral Finance), denn woher kommen die Unter- und Überbewertungen? Wer bewertet die Aktien? Warum enstehen ständig Fehler in der Bewertung, welche umgepreist werden müssen? Es sind die Anleger selbst, welche miteinander und gegeneinander agieren, handeln, entscheiden, bewerten und mit diesen kognitiven Vorgängen auch anfällig für emotionale Einflüsse sind. Psychologie könnte der Schlüssel für nachhaltigen Börsenerfolg sein.

Bei Inside Trading habe ich eine Artikel-Reihe aufgesetzt:

Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien beim Trading

Was erwartet uns im Dezember?

Nun möchte ich dich nicht weiter warten lassen. Wir erleben derzeit eine, so zumindest meine Sicht, besonders spannende Phase. Seit Anfang August befindet sich der DAX in einer Seitwärtsgerichteten Phase zwischen 10.300 und 10.800 Punkten. Seit November hat sich diese Range über der SMA20 auf 10.600 bis 10.800 eingeengt. Dies analysierte bereits letzte Woche Richard Kupfer in seinem Bericht zum antizyklischen Positionstrading “Alles Nichts Oder – DAX quo vadis?“. Der Druck der Bullen gegen die 10.800 ist konstant vorhanden und wird größer. Zudem bauen die EMA200 und der seit Februar wieder bestehende aus 2014 übernommene Aufwärtstrend weiteren Druck auf.

Und obwohl der Wille und der Druck der Bullen gegen die 10.800 vorhanden sind kann diese nicht überwunden werden. Dem Markt sind die vielen erfolgslosen Angriffe im Jahr 2015 noch zu klar vor Augen. Die besonders Interessante Situation daran ist, dass der DAX sich seit nun vier Monaten in einer Seitwärtsphase mit Druck und Willen der Bullen nach oben befindet. Und obwohl die Bullen seit vier Monaten erfolglos sind und auch ein Übersteigen der 10.800 wieder abverkauft wurde entsteht keine Frustration und kein Sell Off.

dax-25-11-2016Wie können wir dieses Sentiment einordnen? Die Bullen sind wach und halten ihren Druck aufrecht. Immer wieder gibt starke politische Einflüsse. So waren es noch kurz vor August das britische Referendum und im November die US-Wahl. Beide Ereignisse führten zu großer Volatilität aber keine Panik und keinem nachhaltigen Sell Off. Vernichtete das britische Referendum in der Woche dessen noch etwas mehr als zwei Billionen USD Werte an der Börse, so wurden in den zwei Folgewochen bereits wieder über drei Billionen an Werten aufgebaut. Auch zur US-Wahl fiel der DAX in der Vorwoche um über 4% nur um in der Wahl-Woche um mehr als 4% zu steigen oder am Wahltag über 600 Punkte zu fallen und in den Stunden darauf auch wieder zu steigen. Die Einflüsse sind da, die Kurse bewegen sich, doch ich würde die Bullend erzeit als unglaublich versiert, konzentriert und motiviert einordnen. Schon im Januar zum kleinen “China-Crash” sahen wir extreme Kursschwankungen, aber keine Panik. Unüblich …

Der Dezember wartet hierbei zum Jahresabschluss mit weiteren extremen Einflüssen auf. Die ersten 10 Tage des letzten Monats werden bewegend werden. Am 14.12. erwartet uns die FED. Eine Leitzinsanhebung erwartet der Markt aktuell mit 94%. Auch erwarten uns die überzogen positiven Aussichten für das Jahr 2017. Diese Erwartungen habe ich in diesem Blog zur FED im Dezember ausgearbeitet. Am 04.12. dann erwartet uns die Präsidentschafts-Wahl in Österreich, welche zwar interessant aber für die Börse nicht wirklich relevant sein sollte, aber am selben Tag wird auch Italien das Referendum durchführen, welches zu einem Börsenbeben in Europa führen könnte. Erwartet uns der nächste Schock für die EU? Kurz darauf dann, am 08.12., wird die EZB berichten. Reagiert Draghi auf Italien oder konkretisiert er die Pläne des Taperings? Diese 8 Tage werden sehr spannend und wahrscheinlich auch wieder volatil.

Doch denken an wir die letzten großen Ereignisse zurück und die Phase seit August, dann sollten Anleger nicht in Sorge verfallen und ihre Emotionen im Zaum halten. Fallende Kurse könnten zum Einstieg dienen. Im ganzen Jahr 2016 wurden fallende Kurse stets zum Einstieg genutzt. Seit August ist der Wille der Bullen eindeutig erkennbar. Mich würde es überraschen, dass der Markt das britische Referendum und die US-Wahl mit einem hektischen Wimperzucken wegwischt, aber dann im Dezember überreagiert? Noch steht der DAX auf Jahressicht etwa auf plus-minus Null. Erfüllt sich die selbsterfüllende Prophezeiung der Jahresendrallye noch? Der Druck der Bullen ist da. Ab dem 8.12. könnte es ja nach Ausgang der vorherigen acht Tage zu einer befreienden Phase der Einstiege kommen. Wir werden es bald wissen …

 

by Nov 25, 2016 Keine Kommentare
Buchvorstellung – Die Kunst über Geld nachzudenken (André Konstolany)

Buchvorstellung – Die Kunst über Geld nachzudenken (André Konstolany)

Buchclub

Er ist wohl einer der bekanntesten, besten und humorvollsten Kapitalmarkt-Akteure, welche es gibt. André Kostolany versteht sein Handwerk und hat doch das Interesse am Kapital und den Spaß an seinem Beruf nie verloren. In seinem Werk “Die Kunst über Geld nachzudenken” gibt er dem Leser eine Einsicht in seine Welt, seine Gedanken und sein Vorgehen. Dies umrahmt er mit zahlreichen spannenden Annekdoten aus seinem Leben.

Bücher, Wissen und Zitate häufen sich von Kostolany im Internet. Hier eine Zusammenstellung seiner beliebtesten Zitate und Börsenweisheiten.

41hq2mk3cnl“Wer viel Geld hat, der kann spekulieren, wer wenig hat, darf nicht spekulieren, und wer überhaupt kein Geld hat, der muss spekulieren”

“Man muss das Geld heiß lieben und es kalt behandeln”

“Genau wie in der Malerei muss man auch an der Börse für Surrealismus Verständnis haben”

Jetzt hier klicken und das Buch bestellen

by Nov 24, 2016 Keine Kommentare
Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

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Analysten orientieren sich am Gewinn je Aktie, Anleger meistens an Kennziffern, wie dem KGV oder der Dividenden-Rendite, und Banken an der EK-Quote eines Unternehmens. Doch Unternehmen haben einen massiven Spielraum, wie sie ihre Bilanzen verändern, aufbessern und manipulieren können. Und das ganz legal. Ich möchte dir die gängigsten und einflussreichsten Tricks aufzeigen. Selbst geübte Analysten haben teils Schwierigkeiten die Wahrheit in den komplexen und komplizierten Berichten von Großkonzernen herauszulesen. Eine halbe Armee aus Betriebswirten und Juristen beschäftigt sich damit unschöne Wahrheiten und Zahlen in einem Gewirr aus Berechnungen und Bezeichnungen zu verstecken. Doch ein waches und kritisches Auge sollte man immer haben, wenn man Bilanzen, Finanzdaten und Kennzahlen liest und analysiert. Was einem die Konzerne vorsetzen ist definitiv nicht immer genießbar!

 

Pensionsverpflichtungen verschieben

Pensionsverpflichtungen belasten das Eigenkapital, da sie als Fremdkapital bzw. Schuld gegenüber anderen in der Bilanz geführt werden. Mittlerweile lagern die meisten Unternehmen diese Rückstellungen für Pensionsaufwendungen in so genannte Contractual Trust Arrangements (CTA) aus. Diese vom Unternehmen gegründete Penionstreuhand ist mit einem Pensionsfond vergleichbar. Das Unternehmen kann nun Pensionsrückstellungen auszahlen. Gewinn wird in das CTA eingezahlt, welches das Geld verwaltet, anlegt und die Pensionskosten trägt. In der Bilanz des Unternehmens tauchen dann nur noch die nicht ausgezahlten Pensionsrückstellungen auf. Beispielsweise parkt Evonik derzeit (Stand 2015) 8,7 Milliarden Euro außerhalb der Bilanz. Lediglich 3,4 Milliarden nicht ausfinanzierte Pensionsrückstellungen stehen in der Bilanz.

 

Unrentable Bereiche auslagern

Was die Bilanz runterzieht muss weg. Am liebsten werden diese Bereiche dann als Tochtergesellschaft ausgelagert und nicht mehr in die Bilanz einbezogen. So lagern derzeit RWE und EoN ihr Kerngeschäft aus. Die Sparten Kohle & Gas werden in Tochtergesellschaften abgespalten. Übrig bleiben sollen die grünen, sauberen und gewinnbringenden Bereiche des Unternehmens als neue Hauptfelder. Aus den Augen aus dem Sinn? Vielleicht. Was Anleger dann aber schnell übersehen: die verlustbringenden und überschuldeten Unternehmensbereiche sind weiterhin risikoreich, denn die Muttergesellschaft haftet weiterhin für die Schulden und Kosten. Zumeist bleiben beide Konzerne anfangs verbunden und trennen sich erst nach und nach. Wie beispielweise Bayer anfangs über 30% an der ausgelagerten Kunststoff-Sparte Covestro hielt und dies Schritt für Schritt mit Teilverkäufen reduziert.

 

Firmenwerte verkaufen

Steigen die Sorgen um die Zahlungssicherheit dann verkaufen Unternehmen gerne ihre Immobilien und mieten sie sofort darauf zurück (sale-and-lease-back). Der Effekt ist klar: Es kommt sehr viel Geld bzw. Liquidität in das Unternehmen und die Bilanz sieht wieder liquide und gut aus. Das zuvor gebundene Kapital ist wieder liquide. Der Nachteil ist jedoch, dass man dies nicht zu oft machen kann und die Mietkosten daraufhin den Gewinn belasten. Auch können Mietkosten nun steigen. Thomas Middelhoff konnte die Immobilien von Arcandor beispielsweise für stolze 4,5 Milliarden verkaufen und das Unternehmen war daraufhin quasi schuldenfrei. Genützt hat dies Nichts, denn die steigenden Mitkosten führten das Unternehmen schlussendlich in die Pleite.

 

Kitchen-Sinking

Um den eigenen Job und den Aktienkurs zu retten verschleiern Chefs die Kosten, verschieben Aufwendungen und drücken Abschreibungen. Ewig können diese Lasten nicht verschoben werden. Übernimmt dann ein neuer Chef die Leitung des meist angeschlagenen Konzerns ist zu erkennen, dass diese im ersten Jahr hohe Verluste machen. Bewusst! Denn der neue Chef räumt in der Bilanz auf und deckt alle Schummeleien auf und bereinigt die Bilanz. Verwendet wird für dieses Verhalten der Fachbegriff “Kitchen-Sinking”. Der neue Chef nutzt die erste Phase seiner Amtszeit, um die Altlasten seines Vorgängers aufzuräumen. So machte beispielsweise auch die Deutsche Bank unter John Cryan schnell mehrere historisch hohe Quartalsverluste. Ist der Chef dann länger im Amt, so fällt jedes Quartalsergebnis in seine Verantwortung. Nun fängt er an Verluste zu vermeiden und schleppt Probleme mit sich. Bis ein neuer Chef das Amt übernimmt und erneut aufräumt …

Anleger können sich merken, dass nach dem Amtsantritt neuer CEOs möglicherweise überraschend schlechte Quartalsergebnisse drohen.

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Kosten wegrechnen

Lagert ein Unternehmen einen unrentablen Bereich nicht aus, so versteckt es trotzdem gern die Kosten. Die Commerzbank beispielsweise präsentiert meist stolz die Rendite der Kernbank, welche doppelt so hoch ist wie die der Gesamt-Bank. Den Markt kann man so hervorragend blenden und von den Erfolgen sprechen. Diese Angaben hoher Renditen sind zwar richtig, aber zeigen nicht das ganze Bild des gesamten Konzerns. Bilanzen kann man stets so drehen und präsentieren, dass alles halb so wild bzw. auch gut aussieht.

 

Kennziffern erfinden

Es gibt zwar vorgeschriebene Formen, wie eine Bilanz auszusehen hat. Doch während ein Unternehmen eine Mindest-Anzahl von Angaben leisten muss, so gibt es nach oben hinaus keine Grenze. Es gibt keine maximale Grenze an Angaben oder eine vorgeschriebene nutzbare Anzahl an Kennziffern. Unternehmen sind daraus resultierend erfinderisch mit den Kennziffern und Bezeichnungen. Seit ungefähr 10 Jahren ist das Ebitda populär. Dies ist der Gewinn ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Unternehmen mit hoher Steuerlast und misslungenen Zukäufen präsentieren also lieber das Ebitda, welches die schlimme Bilanz verschönert. Große Kostenpunkte werden nicht beachtet. Auch sprechen die Unternehmen von Gewinnen der Segmente, Bereiche, von nachhaltigen Gewinnen oder bereinigten. Jeder erfindet neue Namen für neue Kennziffern. Analysten und Anleger können nur schwerlich die Übersicht behalten und müssen meist die vorgesetzten Zahlen der Unternehmen einfach hinnehmen. Immer wieder werden hierbei neue Kennzahlen erfunden.

Weitere Tricks, wie Unternehmen den eigenen Aktienkurs treiben, beschönigen und/oder manipulieren können (legal!!) habe ich hier beschrieben.

 

Goodwill

Kauft ein Unternehmen ein anderes teurer ein, als dieses laut Bilanz wert ist, dann ist die Differenz dessen der Goodwill. Siemens kaufte beispielsweise das Unternehmen Dresser-Rand (Bilanzieller Wert: 2 Milliarden Euro) für 6 Milliarden Euro zu. Siemens konnte daraufhin nicht nur das zugekaufte Unternehmen mit 2 Milliarden Euro in der Bilanz führen, sondern auch die vier Milliarden Euro Goodwill wurden in der Bilanz verbucht. Zwar wird diese Summe Jahr für Jahr überpüft, basiert diese Überprüfung jedoch auf der Einschätzung des Managements. Der Goodwill ist nicht an realwirtschaftliche Bedingungen oder Prüfungen gebunden. Siemens könnte ein Jahr später den Goodwill auf 5 Milliarden erhöhen oder auch senken. Je nachdem, wie man es für die jeweilige Bilanz für die Anleger benötigt. Das Problem: Ewig kann man das nicht machen. Irgendwann ist auch den Finanzprüfern klar, dass das gekaufte Unternehmen nicht das Wert ist, als was es taxiert wird vom Unternehmen. Daraufhin folgen meist schmerzhafte und milliardenschwere Abschreibungen. Der Goodwill (also diese aus der Luft gegriffene Fantasie-Bewertung des Managements) muss korrigiert werden.

 

Eigenkapital aufplustern

VW nutze den Goodwill bei der Übernahme von Porsche aus. Für 4 Milliarden Euro erwarb VW 50% von Porsche plus der Option weitere 50% des Konzern für weitere 4 Milliarden Euro kaufen zu dürfen. In der Folge gab VW bewusst äußerst positive Erwartungen für Porsche raus und steigerte den Goodwill der eigenen Anteile kräftig. Als VW dann die Option zog und die zweiten 50% für 4 Milliarden erwarb, wurde jedoch auch der Goodwill angepasst bzw. ausgeweitet. Durch diese Spielereien der Bewertung und Aussichten des Managements konnte VW trotz der “lediglich” überwiesenen 8,4 Milliarden für Porsche 27 Milliarden Euro in seiner Bilanz verbuchen. Allein basierend auf überzogenen Bewertungen/Aussichten wurden 19 Milliarden Euro Goodwill erstellt und verbucht. Werte, welche es so eigentlich nicht gibt und VW auch eigentlich nicht zur Verfügung standen und doch in das Eigenkapital einflossen. Im Jahr 2012 fuhr Volkswagen dann auch mit 22 Milliarden Euro den größten Unternehmens-Gewinn der deutschen Geschichte ein. Ein Schelm wer böses denkt …

 

Abschreibungen strecken

Abschreibungen schmälern den Gewinn. Vor dem Finanzamt werden Abschreibungen also besonders hoch angesetzt, denn weniger Gewinn bedeutet weniger Steuern. Vor dem Markt, Banken und Anlegern soll jedoch der Gewinn glänzen. Und so kann man beispielsweise Spielräume bei der Abschreibung nutzen und Wertgegenstände nicht in 8 sondern in 10 Jahren abschreiben. Die jährliche Belastung des Gewinns sinkt. Der Gewinn steigt. Die Anleger freuen sich, obwohl der Gewinn eigentlich nicht gestiegen ist. Die Kosten wurden nur verteilt und umgerechnet.

 

Sondereffekte verschweigen

Sondereffekte sind Einnahmen und Ausgaben, welche Unternehmen erzielen, obwohl diese nicht zum organischen Geschäft gehören. Wenn ein Bäcker-Meister und Bäckerei-Besitzer seinen Firmenwagen verkauft, dann macht er in diesem Jahr vielleicht einen besonders hohen Gewinn. Dies ist aber lediglich dem Sondereffekt des Autoverkaufs zu verdanken. Nicht dem (organischen) Kerngeschäft der Bäckerei. Die Einnahmen der Bäckerei sind eventuell sogar gesunken. Diesen Spielraum nutzen Unternehmen gerne aus. Vor Allem werden die Effekte von Übernahmen verschwiegen bzw. nur im Kleingedruckten beschrieben. Wachsen Unternehmen kaum noch organisch, dann kaufen sie verstärkt Unternehmen zu, um weiter zu wachsen. So rühmte sich Allergan beispielsweise mit 74% Umsatzwachstum. Was die Anleger nicht wussten oder vergaßen nachzuschauen: Das Wachstum war fast auschließlich auf eine Fusion mit Actavis zurückzuführen. Organisch wuchsen beide Unternehmen tatsächlich nur 3%. Das hätte den Anlegern sicherlich nicht gefallen.

by Nov 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

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Wie wir bereits aus den bisherigen Artikeln der Börsen-Psychologie-Reihe mitnehmen konnten gibt es an allen Ecken und Enden Stolperfallen und Hindernisse an der Börse. Entweder ist es die Mathematik, die Psychologie, der Trader selbst oder der Markt generell, welche einem einen Strich durch die Rechnung machen. Fehler machen gehört dazu – doch ärgerlich sind die persönlichen Missgeschicke. Immer wieder ärgert man sich über sich selbst. Welche trader-bezogenen Anomalien gilt es zu beachten?

 

Sektoren-Verliebtheit

Die Verliebtheit ist ein generelles Problem an der Börse. Aus dem privaten Bereich kennen wir das Phänomen der „rosaroten Brille“. Hierbei hindert uns der durch die Verliebtheit verschwommen und beschönigende Blick daran sachlich zu denken und Probleme zu erkennen. Im privaten wird die Person und Situation nicht ausreichend hinterfragt. An der Börse beachtet ein in einen Wert oder Sektor verliebter Trader die Contra-Argumente und Gefahren zu wenig und beschönigt sich die Situation. Er erkennt den drohenden Verlust nicht.

Die Sektoren-Verliebtheit tritt bei ungeübten Anlegern auf. Die meisten von uns sollten betroffen sein. Unbewusst werden diverse Sektoren überbewertet, zu denen man eine emotionale Bindung hat. Zumeist basiert diese auf dem eigenen Beruf. So gewichten Banker selbst bei ihrer Anlageform Banken-Werte über, Mitarbeiter von Automobil-Konzernen die der Automobil-Branche und so weiter. Der Trugschluss mehr über eine Branche zu wissen, weil man in dieser arbeitet führt oftmals zu ungewollt hohen Verlusten. Auch bestraft man sich schnell doppelt, sollte ein Sektor in Probleme geraten, so verliert man im schlimmsten Fall seinen Job und viel Geld durch die Übergewichtung im Depot.

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Heimattreue

Ähnlich wie diverse Sektoren unterbewusst übergewichtet werden, so besteht auch eine emotionale und depot-basierte Bindung an die Heimat. So machen deutsche Unternehmen nur zwischen 4 und 6% aller an den Börsen weltweit gelisteten Unternehmen aus. Umfragen ergaben jedoch, dass eben jene Unternehmen bei deutschen Anlegern oftmals mindestens 1/3 der Depotsumme in Anspruch nehmen. So auch in anderen Ländern zu beobachten. Erneut gilt der Grundsatz, dass die Gefahr besteht sich doppelt zu bestrafen: rutscht die Heimat in eine konjunkturelle Rezession, so verliert man ebenfalls überproportional stark bei seinen Anlagen. Die Diversifikation sollte auch das Verteilen der eigenen Anlagesumme auf verschiedene Länder und Kontinente enthalten.

 

Harmonie-Streben

Wie in den letzten Artikeln bezüglich der Status-Quo-Anhänglichkeit beschrieben tun wir uns schwer mit Entscheidungen. Wir stehen nicht gerne im Konflikt mit anderen Personen, mit Problemen/Situationen oder mit uns selbst. Vor uns selbst können wir nicht weglaufen oder uns aus dem Weg gehen. Eine Kaufentscheidung bewegt uns tagelang. Wir grübeln und denken, denn der Kauf bedeutet, dass man andere möglich bessere Alternativen nicht kaufen wird. Haben wir uns dann entschieden, dann entwickeln wir schnell eine emotionale Bindung zu diesem erworbenen Wert. Die neue Position ist das Resultat einer Entscheidung. Unser „Baby“ sozusagen. Und wir stehen zu unserem Baby in guten wie auch in (leider) schlechten Zeiten. Wir schauen über Buch-Verluste hinweg, da diese ja nur theoretisch sind. Wir beschönigen die Situation und vieles mehr. Diese Komponenten haben wir bereits kennengelernt in den letzten Ausführungen. Hinzukommt: Wie in der Liebe klammern wir negative Anzeichen aus. Wir wollen sie nicht sehen. Wir haben einen emotional besessenen Blick auf unsere Position. Wir halten zu lange, laufen weit in die Verluste und vergeben die Möglichkeit frühzeitig mit kleinen Verlusten zu verkaufen und diese mit einer besseren Alternative wieder zu erwirtschaften. Verliebtheit ist für Trader eine verlustbringende Falle.

 

Chancenfixierung

Eine Aktie A hat das Potential in den kommenden 12 Monaten um 40% zu steigen. Eine Aktie B das Potential für 15%. Wir wissen, dass sich die meisten Anleger für Aktie A entscheiden würden. Anleger sind auf Chancen aus. Man sucht nach der meistmöglichen Rendite. Man möchte den anderen beweisen, dass man besonders clever und gut ist. Das Problem dessen ist, dass Aktie A neben der höheren möglichen Rendite meist auch mehr Risiken mit sich bringt. Die Rendite ist entsprechend dem Risiko höher. Chancenfixierte Trader suchen nach Möglichkeiten und ihrem lucky trade. Sie greifen in fallende Messer und kaufen sich unreflektiert in volatile Märkte ein auf der Suche nach dem ganz großen Geld. Doch auch die Verluste können bei diesem Verhalten wesentlich größer ausfallen. Ist uns die höhere mögliche Rendite das Risiko eigentlich wert? Und muss es der große Wurf sein oder genügt nicht eine risikoärmere Anlageform, welche sich in den kommenden 5 bis 10 Jahren kräftig auszahlen wird? Handelst du um dein Ego zu bedienen oder geht es dir um die clevere Geldanlage? Chancenfixierung bedeutet für die meisten Trader drohender Verlust!

 

Ohne Plan am Markt

Die vielen bereits erarbeiteten psychologischen Einflüsse und Emotionen muss ein Anleger im Griff haben. Arbeitet er ohne Plan, Ziel und Struktur, dann ist er ein gefundenes Fressen für Fehler durch irrationales Verhalten. Grenzen nach oben und unten, Pläne und Strategien sind wichtig, um kontrolliert und nicht affekt-getrieben vorzugehen.

Außerdem sollten wir uns an meinen Hinweis in einem der vorherigen Artikel erinnern: Es liegt in der Psychologie des Menschen zu denken, dass alle anderen von etwas betroffen sind, aber man selbst nicht. Auch du bist höchstwahrscheinlich „Opfer“ einer dieser Anomalien und psychologischen Fallen. Rollst du dich in Watte und weist Verantwortung Schuld von dir, so entwickelst du dich nicht weiter. Analysiere dich selbst: was hast du im Depot übergewichtet? Warum? Besteht Verliebtheit? Wie ist dein Risiko-Management aufgestellt – wie oft handelst du Chancen anstelle Werte? Wir machen viele Fehler und können immer wieder an uns selbst als Trader arbeiten.

In meinem nächsten Artikel in 14 Tagen möchte ich dann auf die Charakterbildung eines Traders eingehen. Wir haben nun viel über Psychologie, Theorien, Systeme und Fallen gelesen. Doch wie sollte ein Trader vorgehen, um sich selbst zu schulen und sein Verhalten zu optimieren?

by Nov 18, 2016 Keine Kommentare
Wie Donald Trump die Masse für sich gewann

Wie Donald Trump die Masse für sich gewann

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Jede Zeitschrift und jeder Blog stochert nun natürlich Leser und Klicks suchend in diesem Thema rum. Jeder möchte etwas dazu sagen und auch Experte sein. Ich möchte an dieser Stelle einen ergänzenden Blog veröffentlichen: Warum wurde Trump gewählt? Wie konnte jemand ohne politische Erfahrung, ohne logisches Konzept und mit einem Wahlkampf voller Lügen und Rassismus derart gut abschneiden in den USA? Im Nachhinein ist mir aufgefallen: viele Dinge sind doch bekannt und wurden beispielsweise im Buch “Die Psychologie der Massen” von Gustave leBon beschrieben.

Eigenschaften von Führern

Im dritten Kapitel des Buches beschreibt leBon die Korrelation zwischen Führern und Massen. Hierbei stellt er bereits fest, dass “[…] Führer [meist] keine Denker, sondern Männer der Tat [sind]. Sie haben wenig Scharfblick und könnten auch nicht anders sein, da der Scharfblick im Allgemeinen zu Zweifel und Untätigkeit führt. Man findet sie namentlich unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden. […] Verachtung oder Verfolgung stört sie nicht oder erregt sie nur noch mehr. […] Sie Stärke ihres Glaubens verleiht ihren Worten große suggestive Macht. Die menge hört immer auf den Menschen, der über einen starken Willen verfügt. Die in der Masse vereinigten Einzelnen verlieren allen Willen und wenden sich instinktiv dem zu, der ihn besitzt.”

Man könnte meinen, dass Trump in diesem Absatz beschrieben wird. Und man sollte bedenken, dass dieser Text 1911 verfasst wurde und seit dem auf den ein oder anderen Führer nahe der Grenze zum Irrsinn passte. Donald Trump ist ein Mann der Tat und des starken Willens. Neben ihm wirkte Hillary Clinton eher blass, steif und unantastbar. Während Trump ein polternder Quereinsteiger der USA war gehörte Clinton eher zum abgehobenen und langweiliugen Establishments.

In Beitrag “Aufstand der Abgehängten” (NZZ) oder “Hass als Konsequenz” (Höfgen Blog) wurde bereits beschrieben, dass viele Menschen die Anschluss an die immer schneller werdende Entwicklung unserer Welt verloren haben. Sie fühlen sich fremd, unwohl und fehl am Platz im eigenen Land. Diese verwirrt-verängstigten Einzelnen wenden sich in der Masse dem willensstarken Führer zu. In diesem Fall: Donald Trump.

Glaube versetzt Berge

“Glauben erwecken, sei es religiöser, politischer oder sozialer Glaube, Glaube an eine Person oder eine Idee, das ist die besondere Rolle eines großen Führers. Von allen Kräften, die der Menscheit zur Verfügung stehen, war der Glaube stets eine der beduetensten, und mit Recht schreibt ihm das Evangelium die Macht zu, Berge zu versetzen. Dem Menschen einen Glauben schenken, heißt seine Kraft zu verzehnfachen.”

Aus meiner Sicht ist es der Glaube an Sicherheit, Zufriedenheit und Stabilität, welchen viele Menschen verloren haben. In einer Welt des Internets, der schnellen Medien und globalen Mobilität fühlen sich weit entfernte Krisenherde plötzlich unangenehm nah an. Obwohl es heutzutage sicherer denn je ist in Europa, beispielsweise, zu leben, fühlen sich die Menschen stärker von Gefahren und Krieg bedroht als früher. Perplex. Es ist der unerschütterliche Wille und Glaube eines Donald Trumps, welcher den Abgehängten die Zuversicht zurückgibt, wieder das Land durch Protektionismus zu stärken, Menschen von außen auszusperren und die Stärke eines Anführers für sich in Anspruch nimmt. Diese verunsicherten Abgehängten auf der Suche nach neuen Theorien (Manipulation, links-grün-versifft, Lügenpresse und vieles Mehr) wenden sich diesem Mann dann zu. Glaube versetzt Berge und Trump gab den Wählern den Glauben Berge versetzen zu können.

Wirkungsmittel der Führer

“Handelt es sich […] darum, der Massenseele Ideen und Glaubenssätze langsam einzuflößen, […] so wenden die Führer verschiedene Verfahren an. Sie benutzen hauptsächlich drei bestimmte Arten: die behauptung, die Wiederholung und die Übertragung oder Ansteckung (contagnion).

donald-trump-1276068_640[…] Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und jeden Beweis ist ein sichres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie. Die Behauptung hat aber nur dann wikrlichen Einfluss, wenn sie ständig wiederholt wird. Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.”

Viele Behauptungen über Lügenpresse, Machenschaften des Establishments, politischer Manipulation und vieler anderer Dinge, welche kurz auch “Verschwörungstheorien” genannt werden können, werden so oft behauptet und ohne jegliche fassbare Begründung in den Raum gestellt, dass immer mehr Menschen diese als wahr annehmen. Auch Donald Trump machte dieser Wiederholung von Behauptungen einen Nutzen. Seine einfachen und ohne Beweis, also meist als Lüge, verbreiteten Aussagen kamen bei den Massen gut an und führten zu einer Anteckung. Es ist die Kombination aus plakativen Aussagen und einem willenstarken Anführers, was Trump trotz seiner vielen Skandale und Nachteile zu immenser Kraft bei den Wähler verhalf.

Trump als Anführer

Gewonnen hat am Ende der Anführer, welcher die desorientierten Massen für sich gewinnen konnte. Es waren nicht die Argumente, logischen Konzepte und das diplomatisch-professionelle Auftreten der Hillary Clinton, sondern die einfachen, plakativen und von unbändigem Willen und Selbstbewusstsein getränkten Lügen des Trump, welche die Massen bewegten. Clinton ist eine zuverlässige Politikerin, welche ihre gesamtes Leben und ihr Lebenswerk als Politiker dem Land gewidmet hat. Auch sie wäre aus der Wahl zwischen Trump und ihr nur das kleinere Übel gewesen. Beide Kandidaten waren eine Peinlichkeit demokratischer Auswüchse für das Land. Gewonnen hat in dieser medialen Schlammschlacht der willensstarke Anführer gegen die konturlose Politikerin. Oftmals wählen Massen Anführer und keine Konzepte. So konnten die durchaus sinnvollen und guten Konzepte Clintons nicht überzeugen. Trump ist aus Sicht der Massenpsychologie logischerweise zum Präsidenten gewählt worden.

by Nov 11, 2016 Keine Kommentare
Gekonnt antizyklisch investieren

Gekonnt antizyklisch investieren

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Gekonnt antizyklisch investieren

Man muss gleich vornweg sagen: Antizyklisches investieren ist statistisch erwiesen eine der Strategien, die am wenigsten Rendite einbringen. Sie ist nervenaufreibend, risikoreich und schwierig. Kann man diese bereits als Königs-Disziplin einstufen? Viele Anleger träumen vom perfekten antizyklischen Investment. Kurz vor dem Boden einer Baisse einsteigen und dann den vollen schönen Weg des Kurses nach oben mitnehmen. Der pure Rendite-Rausch. Und so ist es auch vor Allem die Gier nach Rendite, welche die Anleger in antizyklische Ansätze treibt. Wie kann man erfolgreich antizyklisch investieren?

Was spricht für diese Strategie? Man hält sich die Möglichkeit eines “Lucky Punch” offen, dass man den Boden eines Kursverlustes perfekt trifft und die volle Rendite einstecken kann.

Was spricht gegen diese Strategie? Können andere Anleger meist die Gewinne aus trendfolgenden Positionen managen, so muss der Contrarian vor Allem Verlust-Positionen managen.

Fun-Fact: Contrarians (Englisch für Querdenker) bezeichnen Trend-Folger meist abschätzig als aus Profit-Gier den Kursen hinterherlaufenden Anleger. Trend-Folger dagegen bezeichnen Contrarians zumeist als verrückt und leichtsinnig. Beide Seiten können der anderen Strategie oft nicht viel abgewinnen. Und dennoch braucht der Eine den Anderen. Was Trend-Folger abstoßen wollen begehren die Contrarians und was diese verkaufen legen sich dann Erstere wieder ins Depot.

Aber wie macht man das eigentlich?

Als Contrarian wettet man gegen den Zyklus. Fallen die Kurse und verkaufen die Anleger, um Gewinne mitzunehmen oder abzuwarten wie weit der Kurs fällt, so kauft der Contrarian ein. Er investiert Long in einen fallenden Kurs oder Short in einen steigenden Kurs. Er wettet gegen die aktuell laufende Bewegung. Er greift bewusst in das fallende Messer. Die Idee ist wiedersetzt sich der erfolgreichsten Anlage-Strategie, dem Trend-Folgen. Beim Trend-Folgen steigen Anleger ein, wenn der Trend klar ist. Wie gehen Long, wenn die Aktie bereits seit einiger Zeit steigt oder wetten Short, wenn der Kurs nachhaltig fällt. Wer jedoch antizyklisch investiert, der möchte nicht abwarten bis ein Kurs mehrfach gestiegen ist. Er möchte den perfekten Einstieg finden und versucht möglichst nah an der Wende des Trends zu investieren. Hierbei investiert er meist zu früh und muss vorerst Verluste in Kauf nehmen bis die Trend-Wende dann wirklich einsetzt-

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In dieser Skizze ist es dargestellt: Trend-Folger kaufen in den grünen Phasen und verkaufen in den roten. Sie warten bis der Trend klar Long ist und gehen dann Long und verkaufen dann bei einem fallenden Trend die aufgebaute Position mit Gewinnen. Antizyklische Anleger machen dies genau andersrum. Sie steigen in den roten Phasen ein und verkaufen in den Grünen.

Hohe Ansprüche für Contrarians

Wer antizyklisch investiert macht sich das Traden schwer. Er muss andauern mit Positionen arbeiten, welche in den ersten Tagen, Wochen oder Monaten Verluste anhäufen, weil der Trend nicht dreht. Dies ist nicht nur finanziell eine Belastung, sondern auch psychologisch. Contrarians arbeiten durchgängig gegen den Markt und der macht was er will und ist meist am Ende stärker. Contrarians gehen zumeist auch von psychologisch erwartbarem Verhalten aus. Dem ist an einem irrational agierenden Markt eher ungünstig.

Verluste zu realisieren ist eine der schwierigsten Dinge für Anleger. Dies tut weh. Wer antizyklisch investiert darf hier keine Verlustängste haben, sondern muss immer wieder durchgreifen und sein Depot zurechtstutzen. Er arbeitet sozusagen stetig in einem Bereich in dem man sich nicht wohl fühlt als Anleger: Verluste, gegen den Markt wetten, abwarten müssen, Emotionen im Zaum halten, …

Warum klappt das antizyklische Investieren so schlecht? “The trend is your friend” ist ein stimmiges Sprichwort. Kurse bestätigen zumeist Trends mehrfach bevor sie dann erst im dritten, sechsten oder fünfzehnten Anlauf durchbrechen. Trend-Folger sehen sich also zumeist mehrfach bestätigt und Contrarians müssen mehrfach abwarten bis der Trade dann doch gelingt. Die Frage ist ob die Position so lange gehalten wird oder finanziell gehalten werden kann.

stairs-70509_640Antizyklisches Investieren ist Nichts für Kleinanleger. Wer ein kleines Portemonais hat sollte sich nicht in dieser Disziplin versuchen, denn schnell sind die Reserven aufgebraucht. Die Anforderungen sind, wie beschrieben, hoch und der Druck allgegenwärtig.

Vermögende Investoren können dennoch reich werden. Warren Buffett, Sam Zell und André Kostolany investierten gegen den Zyklus und wurden berühmt und reich. Sie konnten jedoch durch große finanzielle Mittel, eine gute Ausbildung und unglaublich umfassendem Wissen gewinnbringend gegen die Zyklen wetten.

Antizyklische Strategien:

  • Buy on bad news, sell on good news
  • Turnaround-Aktien finden:
  • Kaufe nie dann, wenn du denkst zu müssen. Die meisten springen auf den Zug auf, um mitzufahren. Sie gieren danach mitzufahren beim Rendite-Express, springen aber oft viel zu spät auf.
  • Gefallene Aktien könnten morgen bereits im Hype stehen. Die Loser von Heute sind interessant. Nicht die Stars.
  • Never chase the market. Contrarians “hassen” es dem Markt hinterherzulaufen. Sie wollen vorneweg gehen und selbstbewusst siegen.
  • Die meisten Contrarians denken klein. Sie suchen in Nischen nach Möglichkeiten. Sie mischen nicht im großen Pool der Big-Player und bei den großen Aktien mit. Sie suchen nach schlummernden Riesen.
  • Du musst verlieren können. Das wohl wichtigste.

Der Milliardär Howard Marks beschreibt, wie Kontra-Aktionäre erfolgreich werden können in fünf Punkten:

  1. Erkenne, was die Masse macht
  2. Begreife, was am Massenverhalten unstimmig ist
  3. Besitze ein Gespür für fair Values
  4. Widerstehe dem psychologischen Druck der Masse
  5. Kaufe, wenn die anderen verkaufen, und verkaufe, wenn die anderen kaufen

 

 

by Nov 09, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

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Schon der große André Kostolany stellte fest, dass die Börse gerade Mal zu 10% auf Fakten reagiere, alles andere sei Psychologie. Wer die bereits veröffentlichten drei Beiträge dieser Börsenpsychologie-Reihe gelesen hat, wird diese Aussage durchaus unterschreiben. Psychologie ist der Schlüssel zum Erfolg für Trader. Selbst Charttechnik (bildet Verhaltensmuster ab) und Fundamentalanalyse (Bewertung mit fundamentalen Daten) basieren auf psychologischen Aspekten. Nun möchte ich mit dir tiefer in die Materie der Börsenpsychologie eintauchen. In diesem Beitrag wird es um kognitive Verzerrungen gehen.

Kognitionsproblem ist ein Sammelbegriff für zahlreiche psychologisch fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Diese vier Begriffe lassen sich auch als kognitive Prozesse zusammenfassen. Kommt es zu irrationalen Ausprägungen, so sprechen wir von kognitiven Verzerrungen. Wir selbst bemerken diese Vorfälle meist nicht und lassen uns unbewusst in die psychologische Falle locken. Viele kognitive Probleme basieren auf der kognitiven Heuristik, welche besonders für Trader ein Problem bzw. einen wichtigen Aspekt darstellt.

Hä … was? Heuristik? Die Prospekttheorie der Heuristik hatte ich bereits im zweiten Beitrag dieser Themen-Reihe erklärt. Hier kannst du diesen Artikel lesen. Als kurze Wiederholung: Bei der Heuristik handelt es sich um das menschliche Verhalten in Situationen mit begrenztem Wissen und wenig Zeit eine anwendbare Lösung zu finden. Auch Trader verfügen nie über ausreichend Informationen und müssen doch unter hohem Zeitdruck handeln. Die Anomalien und Verzerrungen, welche aus diesem Einfluss auf unsere Psyche entstehen, sind gewaltig.

Warum ist es wichtig, kognitive Verzerrungen zu kennen? Ich möchte doch handeln, Kurse analysieren und Gewinne machen. Wieso soll ich mich psychologischen Fehlfunktionen bei Menschen beschäftigen? Wer Menschen versteht, der versteht die Börse. Kurse sind ein Abbild menschlichen Handelns. Und das auch noch in Zeiten zunehmender Automatisierung. Wer versteht, wie sich Menschen in gewissen Situationen verhalten könnten, versteht weitaus mehr von der Börse als die meisten.

 

Übersicht der kognitiven Verzerrungen

Ich möchte im Folgenden auf eine Vielzahl von Verzerrungen eingehen. Ich bin mir sicher, dass du dich bei zahlreichen dieser wiederfinden wirst. Kannst du dir diese merken und traust du dich stets zu hinterfragen? Wer seine unbewussten Fehler bewusst erkennt bzw. erahnt oder ein Gefühl entwickelt, wann die eigene Psyche zu Verzerrungen neigt, wird selbst deutlich rationaler und sachlicher agieren.

Trading bedeutet in erster Linie sich selbst kennenzulernen und mit sich selbst zu arbeiten. Die meisten Fehler begeht man selbst und man selbst ist in der Rolle Aktien und Situationen bewerten und Handelsentscheidungen treffen zu müssen. Wir tun dies durchaus nicht nüchtern, sondern sind hierbei menschlich anfällig für Fehler. Unsere Psyche, vor allem das Unterbewusstsein, üben hier immer wieder großen Einfluss aus.

Bevor du die Möglichkeit hast, dir die zahlreichen kurzen Definitionen anzuschauen, möchte ich dein Interesse mit der ersten und aus meiner Sicht wichtigsten kognitiven Verzerrung anregen: Der Ankereffekt oder auch achoring effect. Hierbei lassen sich Anleger durch eine unbewusste Information in ihrer Entscheidung beeinflussen. Diese Information verzerrt die eigene Wahrnehmung. Beispielsweise wurden Personen in einem Naturkundemuseum befragt, wie viel Geld sie bereit wären für die Rettung von Vögeln einer Ölpest zu spenden. Die Entscheidungsfindung wurde bei einigen Gruppen mit dem Anker 5 und anderen mit dem Anker 400 beeinflusst. Der Anker wurde in Fragen wie „Wären Sie bereit 5$ zu spenden?“ versteckt. Zu erkennen war, dass die erste Gruppe im Durchschnitt 20$ angab und die zweite Gruppe 143$ bereit war zu geben. Beide Gruppen waren in ihrer Entscheidungsfindung unbewusst an den Anker gebunden. Am Kapitalmarkt können das die eigenen Aussagen sein. Hat man sie einmal gemacht, dann sind sie der Anker in allen Überlegungen. Aber auch Aussagen anderer Personen können zum Anker werden, selbst wenn sie nicht mehr oder weniger Wissen als wir besitzen. Wir erleben diese Anker immer wieder in der Berichtsaison, wenn Analysten die Erwartungen definieren. Ob ein Unternehmen nun den Umsatz um 40 oder 35% steigert, ist in den meisten Fällen unwichtig. Beides stellt durchaus sehr gute Werte dar. Doch wenn die Erwartung des Marktes bei 40% verankert ist, wird ein Wachstum um 35% oftmals mit Verkaufswellen bestraft. Unter den Erwartungen. Schlecht. Der Anker findet sich an der Börse in allen Bereichen. Überall werden Erwartungen und Faustregeln definiert. So gilt ein KGV von 30 weithin als sehr schlecht und eines von unter 10 als sehr gut. Doch so pauschal kann man dies eigentlich nicht sagen. Der Anker ist für die meisten dennoch im Geiste verankert. Anleger sollten sich jederzeit bewusst machen, wo die Anker liegen und hinterfragen, ob sie selbst in ihrer Entscheidungsfindung durch einen solchen beeinflusst wurden.

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Quelle: https://www.facebook.com/onvista/photos/a.159050399636.114099.126427804636/10154729000154637/?type=3&theater

 

 

Attributionsfehler

Attributionsfehler

Bei dieser auch Korrespondenzverzerrung genannten Verzerrung handelt es sich um das Ereignis, dass Menschen einem Problem häufig Charaktereigenschaften zu Grunde legen und überbewerten, sowie den Einfluss externer Faktoren unterschätzen. Beispiel: „Er handelt so, weil er Ausländer ist“.

Bestätigungsfehler

Bestätigungsfehler

Sich selbst zu hinterfragen, den Status Quo zu kritisieren und einen bestehenden Standpunkt zu verlassen, ist psychologisch eine der unangenehmsten Dinge, welche es für Menschen gibt. Aus diesem Grund tritt häufig der Fehler auf, dass Informationen so ausgelegt und interpretiert werden, dass sie in die eigene Sichtweise passen. Dieses Phänomen tritt an der Börse meist in Kombination mit der „Wertverliebheit“ auf, bei der sich Anleger die Informationen für einen Wert so manipulieren, dass dieser immer positiv wirkt. Doch ist sich selbst zu belügen der richtige Weg?

Überzeugungsbias

Überzeugungsbias

Menschen tendieren dazu glaubwürdigen Schlussfolgerungen zu folgen, auch wenn diese falsch sind.

Bias Bling Spot

Bias Bling Spot

Forscher erkannten das Phänomen, dass Menschen sich selbst meist als unbeeinflusst halten. Alle sind falsch informiert und manipuliert – nur ich nicht? Dies erkennen wir aktuell bei Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern, welche meinen, dass nur sie die eigentliche Wahrheit erkannt haben. Dies ist eine kognitive Verzerrung der Realität.

Default Effekt

Default Effekt

Menschen tendieren zu der Option, welche zutrifft, obwohl sie sich selbst für keine Option entschieden haben. An der Börse tendieren Anleger zu solchen Werten, welche gut laufen, mit der Meinung das doch geahnt zu haben, obwohl sie selbst nicht investiert sind. Hierbei wird das Selbstwertgefühl gesteigert – man hat zwar nichts getan, aber schreibt sich dennoch einen Erfolg zu.

Déformation professionnelle

Déformation professionnelle

Typische Verhaltensweisen aus dem eigenen Beruf überträgt der Mensch gerne auch auf andere Bereiche, obwohl dies so nicht immer funktioniert. Er geht davon aus, dass sein professioneller Weg immer der richtige Weg sei.

Dunning-Kruger-Effekt

Dunning-Kruger-Effekt

Hierbei handelt es sich um das Phänomen, dass inkompetente Menschen sich selbst oft stark überschätzen und andere Menschen unterschätzen. Die eigene Inkompetenz, welche man sich selbst nicht eingestehen will, wird durch eine eigene irrationale Aufwertung und die Abwertung der Umgebung vermieden.

Halo Effekt

Halo Effekt

Für die Börse weniger von Bedeutung, aber dennoch interessant: Oft schließen Menschen von den bei einer anderen Person bekannten Eigenschaften auf unbekannte.

Kontrasteffekt

Kontrasteffekt

Für die Börse ungemein wichtig! Eine Information, welche isoliert mittelmäßig bewertet werden würde, wird positiver bewertet, wenn eine negative Information (der Kontrast) vorrangeht. Kennen Sie nicht auch den Spruch „Erst die gute oder schlechte Nachricht?“ und wählen Sie nicht immer erst die schlechte, um dann die gute im Kontrast noch besser zu sehen? Unbewusst! Unternehmen machen sich dies bei der Berichterstattung zu Nutze. Börse basiert auch auf Informationen. Doch die Darstellung dieser bewirkt auch viel.

Kontrollillusion

Kontrollillusion

Unter Kontrollillusion versteht man die falsche Annahme auf etwas Einfluss ausüben zu können, obwohl man dazu nicht in der Lage ist.

Rückschaufehler

Rückschaufehler

Ist es nicht lästig, wenn man recht behält und der Gegenüber dann plötzlich der Meinung selbst das ja auch so argumentiert zu haben? Oft wird die eigene Aussage in der Vergangenheit verfälscht, sobald das Ergebnis in der Gegenwart bekannt ist.

Illusorische Korrelation: Dies ist wohl Alltag an der Börse. Hierbei handelt es sich um den Fehler, dass Menschen zwischen zwei Dingen einen Zusammenhang sehen, der so nicht vorhanden ist. Wie oft liest man denn nicht, dass dieses und jenes Ereignis derzeit die Kurse bewegen soll. Manchmal richtig, manchmal Illusion.

Vermessenheitsverzerrung

Vermessenheitsverzerrung

Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Das Nichtbeachten der geringeren Größe eines Problems. Hierbei wird zwei Problemen die gleiche Wichtigkeit/Einflusstärke zugeordnet und nicht ausreichend unterschieden.

Status Quo Bias

Status Quo Bias

Effekt, dass Menschen den Status Quo bevorzugt erhalten wollen, und sogar Verbesserungen ausschlagen und Nachteile in Kauf nehmen. Menschen wagen selten den (risikoreichen) Schritt den Status Quo zu verlassen, selbst wenn dieser Schritt zu einer Verbesserung dessen führen könnte.

Lake-Wobegon-Effekt

Lake-Wobegon-Effekt

Die selbstwertdienliche Verzerrung führt dazu, dass Menschen alles tun ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Sich Fehler einzugestehen können die wenigsten.

Muster-Illusion

Muster-Illusion

Die Apäphonie bezeichnet die Schizophrene Neigung Muster zu erkenne, wo keine sind. Die Clustering-Illusion geht in dieselbe Richtung und beschreibt die Situation, dass Menschen oft Mustern zu viel Bedeutung beimessen, obwohl diese statistisch zu selten/schwach vorkommen.

Emotionale Beweisführung

Emotionale Beweisführung

Das Phänomen, dass Menschen ihre emotionale Reaktion als Beweis einer Annahme anführen. Nur weil man im ersten Moment ein schlechtes Gefühl hatte ist dies nicht der Beweis, dass etwas tatsächlich schlecht ist.

Alles an der Börse besteht aus Reaktion, Bewertung und menschliches Handeln. Hierbei nehmen Trader Kursbewegungen und Informationen wahr. Da sie keine Maschinen sind agieren sie nicht rational, sondern emotional. Die Börse basiert auf Emotionen und Handlungsmustern von Massen.

Selektive Wahrnehmung

Selektive Wahrnehmung

Großen Einfluss übt dabei die selektive Wahrnehmung von Tradern aus. Darunter versteht sich auf der einen Seite das Priming (Bahnung). Hierbei handelt es darum, dass viele gleiche Reize die Wahrnehmung dieses Reizes verstärken. Wer immer wieder Verluste mit Rohstoffen gemacht hat wird in Zukunft auf jegliche, auch kleinere, Schwankungen wesentlich nervöser reagieren. Auf der anderen Seite befindet sich das Framing (Einordnen). Neben der Psychologie ist die Wahrscheinlichkeitsbestimmung mit das Wichtigste, was ein Trader beachten muss, und auch eine der Hauptursachen für Fehler und Verluste. Kann man die Wahrscheinlichkeit nicht bestimmen, so wird das Ereignis in ein Umfeld eingeordnet. Kann der Trader zum Beispiel das Risiko eines Unternehmens nicht einschätzen, so ordnet er dieses in das ihm bekannte Risiko einer Branche ein. So sieht er beispielsweise in allen Hochzinsanleihen große Risiken, obwohl es bessere und schlechtere High-Yield-Bonds gibt.

Trägheit und Ansteckung

Trägheit und Ansteckung

Menschen sind nicht nur Träge und halten am Status Quo fest und manipulieren ihre Umgebung lieber als sich einen Fehler einzugestehen. Auch lassen sie sich wahnsinnig schnell anstecken. So ahmen Trader andere Trader meist nach aus Angst davor etwas zu verpassen. Auch fanden Studien heraus, dass junge Fond-Manager meist das Verhalten der Branche nachahmen und kaum individuell Handeln, um im Falle eines Crashs nicht allein zu sein. Kaum jemand wagt es sich antizyklisch gegen einen Trend zu stemmen. So wäre er doch im schlimmsten Fall der alleine Verlierer und der geballte Hohn würde sich nur auf ihn konzentrieren anstelle sich auch eine Masse zu verteilen in der man sich wegducken kann. Ist deswegen auch der Ansatz der Trend-Folger der beliebteste und sinnvollste? Die meisten Anleger laufen dem bestehenden Trend nach. Sie lassen sich anstecken.

Mentale Buchführung

Mentale Buchführung

Auch dies ist eine gewichtige Fehlerquelle. Um die Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu haben führen wir mentale Konten. Fiktiv sortieren wir Einnahmen und Ausgaben in verschiedene Kategorien ein. Dies kann zu unserem Vorteil sein, wenn wir so die Übersicht behalten. Es kann jedoch auch zu unserem Nachteil sein und zu irrationalen Handlungen führen.

Richard Thaler erforschte dies anhand eines Experiments mit Theaterbesuchern. Eine Karte kostet 10$. Einigen Leuten, welche in der Schlange standen, sagte er, dass sie ihre schon gekaufte Theater-Karte verloren hätten und sie müssten sich eine zweite kaufen. 56% (44% waren dazu bereit) der Besucher waren dazu nicht bereit. Mental addierten sie die Kosten in einem mentalen Konto. 20$ für einen Theaterbesuch auszugeben war mehr als ihnen dieser Wert war. Einer anderen Gruppe, welche die Karten noch kaufen musste, sagte er, dass sie die 10$ im Portemonnaies leider verloren haben und die Theater-Karte nun mit EC-Karte bezahlen müssten. In diesem Fall waren lediglich 12% nicht bereit dazu. 88% der Besucher kauften sich die Theater-Karte trotzdem. In ihrem mentalen Verständnis verbuchten sie den Verlust der 10$ in einem anderen fiktiven Konto. Der Theaterbesuch kostete in ihrer Sichtweise weiterhin 10$.

Die Verlustaversion ist im ersten Fall größer. Durch die unterschiedliche mentale Buchführung fühlt die ersten Gruppe eines Verlust von 20$ und hat eine höhere Abbruchrate diesen Verlust nicht zu realisieren. Die zweite Gruppe hat einen gefühlten Verlust von nur 10$ und steht diesem weniger emotional berührt gegenüber. Auch erkennen wir das Festhalten am Status Quo. Ein Theaterbesuch kostet 10$ und ist somit auch 10$ wert. Die Besucher sind nicht dazu bereit von diesem Status abzurücken. Eine Veränderung auf 20$ wird als schlecht und zu vermeiden wahrgenommen. Die erste Gruppe scheut sich dementsprechend davor. Die zweite Gruppe verrechnet die Kosten anders und merkt eine Veränderung des Status Quo nicht.

Dies sollten Sie auch an sich selbst untersuchen. Ordnen Sie Verluste falsch ein? Akzeptieren sie Verluste an der einen Stelle, weil sie diese unbewusst mental bei „Rohstoffen“ verbuchen und andere Verluste bei „Technologie“ und sehen die Summe der Verluste nicht?

Endowment-Effekt

Endowment-Effekt

Der Endowment Effekt besagt, dass Menschen Güter, die sie besitzen, wertvoller einstufen als Güter, welche sie nicht besitzen. So kommen unterschiedliche Preise für Güter zustande, denn der Nachfrager schreibt dem Gut einen anderen Wert zu als der Anbieter.

Wir haben bereits erkannt, dass Anleger viel zu lange an Verlustpositionen festhalten. Das geschieht wegen vieler Beweggründe, aber potentiell auch durch den Endowment Effekt. Man hat die Aktie für XY Euro eingekauft. Das ist eigentlich der Wert, den man dem Gut (dem Wertpapier) selbst zuschreibt. Selbst wenn man in seiner Ansicht des Wertes nachgibt und diesen senkt wird man immer mehr für die Aktie haben wollen als der Markt geben wird. Man hält an seinem Besitz fest, weil man nicht unter der eigenen Wertvorstellung verkaufen möchte.

Geldwertillusion

Geldwertillusion

Ein großer Teil des Kapitals einer Zentralbank ist die „Glaubwürdigkeit“. Ihre Aufgabe ist es auch den Wirtschafts-Subjekten eine langfristige und glaubwürdige Aussage über die Inflation zu geben. Das ist wichtig, damit es nicht zu vorschnellen, vorsorglichen und aus Sorge getriebenen Forderungen nach Gehaltserhöhungen, zum Beispiel, kommt.

Eine mögliche „Waffe“ der Zentralbank ist jedoch die Überraschungs-Inflation. Hierbei greift die Zentralbank ein und fördert eine Inflation. Die Wirtschafts-Akteure jedoch sind weiterhin im Glauben, dass keine Änderung der Inflation aufkommt. Sie gehen davon aus, dass ihr Geld immer noch so viel Wert ist wie zuvor. Dies ist dann eine Geldwertillusion.

Reziprozität

Reziprozität

Reziprozität beschreibt das Verhalten von Individuen, die dazu bereit sind anderen altruistisch entgegenzutreten. Das bedeutet, dass man einer anderen Person uneigennützig hilft und in Kauf nimmt selbst mehr Aufwand zu haben, um dem anderen zu helfen. Hierbei geht man davon aus, dass sich dieser Aufwand lohnt und der Gegenüber einem dies an anderer Stelle zurückgibt. Geben und Nehmen. So ich dir, so du mir. Wie man in den Wald ruft so hallt es heraus. Dieses Verhalten kann so stark und auch irrational sein, dass Menschen vor Allem Personen, mit denen sie nicht verwandt sind, besonders helfend gegenüber auftreten. Warum ist das irrational? Die Wahrscheinlich die Leistung mit einer Gegenleistung vergütet zu bekommen ist weitaus niedriger. Fraglich ob man diese Person wiedertrifft.

Warum ist das für die Börse entscheidend? Auch an der Börse ist starke Reziprozität anzutreffen. Anleger handeln indirekt mit Millionen weiteren Akteuren zusammen. Das Potential enttäuscht zu werden ist groß. Kauft man beispielsweise selbst Aktien eines Wertes so geht man davon aus mit vielen anderen zusammen nun Kurssteigerungen erreichen zu wollen. Verkaufen diese anderen nun und fällt der Kurs, dann wird die eigene Leistung nicht belohnt, sondern gar bestraft. Aus der Neigung anderen uneigennützig und trotz eigener Kosten zu helfen wird dann schnell Trauer oder Rache. Emotionale fühlt sich der Anleger enttäuscht und kann im Moment der Wut versuchen gegen den Markt zu handeln (Rache).

Bauchgefühl

Bauchgefühl

Die Intuition ist eine grundlegende Art der Wahrnehmung. Hierbei wird ohne bewusstes Denken die Gesamtheit aller Fakten und Faktoren erfasst und mit bekannten vergangenen Erfahrungen verglichen. Aus der Kombination dieser Dinge entsteht eine Vorahnung oder auch Intuition. Auch der Geistesblitz ist eine Form dessen.

Ein Bauchgefühl muss also nicht zwingend etwas schlechtes sein. Man hat dieses jedoch nicht bewusst denkend erlangt, sondern unbewusst. Menschen neigen dazu positive Ergebnisse dem Bauchgefühl und negative Ergebnisse eigenen Fehlern anzurechnen.

Easterlin-Paradox

Easterlin-Paradox

Easterlin beobachtete über mehrere Jahrzehnte weltweit die Bevölkerungen. Er fand heraus, dass oftmals trotz Zuwächsen des Einkommens die Zufriedenheit nicht stieg. Vor kurzem wurde auch ein Nobelpreis vergeben als erforscht wurde bis zu welcher Summe ein Mensch durch den Zuwachs von Einkommen glücklicher werden kann.

Entscheidend für uns ist, dass ab einem bestimmten Einkommen zusätzliche Gewinne nicht glücklicher machen, aber Verluste weiterhin emotional Belasten (Verlustaversion). In diesem Fall fühlt man sich durch Gewinne nicht belohnt, aber durch Verluste bestraft. Positive Erlebnisse durch Einkommens-Zuwächse sind kaum erreichbar.

Noise Trading

Noise Trading

Noise Traders oder auch hin und wieder als „idiot traders“ bezeichnete Personen versuchen aus nichtfundamentalen Daten Gewinne zu fabrizieren. Zumeist handeln sie basierend auf Informationen, News und Nachrichten. Das Problem ist, dass diese Händler meist Gerüchte handeln und aus diesen Profit schlagen wollen. Da es sich um Gerüchte ohne fundamentalen Wert handeln erleiden Noise Traders (zu Deutsch: Rauschhändler) meist schnell Verluste.

Für den Markt sind diese Händler jedoch nervig und für Händler ein Dorn im Auge. Daher kommt der selten verwendete Ausdruck des Idioten-Händlers. Das Problem ist, dass dieses Handels-Verhalten Gerüchte und Falschmeldungen in die Kurse bringt. Durch die Summe der Verkäufe und Käufe bewegen sich die Kurse dann auch trotz unseriöser oder unqualitativer Informationen. Die Kurse bewegen sich irrational. Noise Trader haben meist wenig Kenntnis und Erfahrung und verlassen sich auf belanglose Nachrichten. Sie heizen Volatilität an.

Ellsberg Paradoxon

Ellsberg Paradoxon

Forscher fanden heraus, dass Markt-Akteure teils widersprüchlich handelten und Wahrscheinlichkeiten ignorierten und gegen diese handelten oder „ins Blaue rein“ agierten. Am Ender Forschungen stellten Forscher fest, dass zwischen Risiko und Unsicherheit zu unterscheiden. Ein Risiko ist immer noch mathematisch oder statistisch bewertbar. Es gibt jedoch Situationen in denen dem Akteur keine Möglichkeit zum Abschätzen gelassen wird.

„Unsicherheit muss als etwas radikal anderes als die vertraute Bedeutung von Risiko aufgefasst werden, von der es nie ordentlich getrennt wurde […] Die entscheidende Tatsache ist: Risiko meint in manchen Fällen eine messbare Quantität, während es in anderen Fällen etwas bezeichnet, das einen völlig anderen Charakter hat; und es gibt weitreichende und entscheidende Unterschiede bzgl. des Verhaltens von Phänomenen je nachdem welche dieser [Bedeutungen] tatsächlich vorliegt.[…] Es scheint, dass messbare Unsicherheit – „risk proper“ genannt – sich von nicht-messbarer [Unsicherheit] in einem solchen Ausmaß unterscheidet, dass es sich [bei Erstem] im Endeffekt überhaupt nicht um eine Unsicherheit handelt.“
– Frank Knight: Risk, Uncertainty, and Profit, S. 19 f.

Ein für uns wichtiges Resultat der Forschungen ist, dass Menschen dazu tendieren ein Risiko eher zu nutzen, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung ihnen jedoch bewusst, anstelle eine Unsicherheit einzugehen.

Wir sind als Menschen beeinflussbar. Wir sind emotional. Fehler zu machen ist menschlich. Doch wir sollten dies nicht als Ausrede nutzen. Trading bedeutet in erster Linie Charakterbildung. Wir analysieren uns selbst und versuchen unser Verhalten zu optimieren. Ziel ist eine möglichst sachliche und möglichst wenig verzerrte Sichtweise und nüchterne Handelsentscheidung. Immer kann das nicht klappen. Doch wir können an uns arbeiten. Ein erster Schritt ist es zu wissen, wo die Gefahrenstellen liegen und dann in bestimmten Situationen aufzuhorchen, sich zu erinnern und eine kognitive Verzerrung zu vermeiden.

Ich möchte dir mit dieser Artikel-Reihe weiterhin einen Einblick in die Welt der Börsenpsychologie verschaffen. Welchen psychologischen Einflüssen bin ich selbst verfallen? Und wie wirken sich die psychologischen Aspekte in der Masse an der Börse aus? Mit der Psychologie verstehen wir das Verhalten von Massen. Wann sind Anleger ängstlich, warum halten sie am Status Quo fest oder wieso fällt ein Kurs trotz guter Nachrichten?

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Nov 04, 2016 Keine Kommentare
Selbstständig durchs Trading?

Selbstständig durchs Trading?

all

Es ist der große Traum aller Trader an der Börse: Die Leidenschaft zum Beruf machen. Selbstständig als Trader. Vollzeit an der Börse aktiv und eventuell sogar reich wie der Wolf of Wall Satreet werden. Sich ein Haus bauen, reisen und das Leben genießen. Träume muss man haben und auch Ziele. Auch die Frage, ob man nun in seinem Job glücklich ist oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, umtreibt viele. Vor allem junge Menschen in der Schule, Ausbildung oder im Studium beschäftigen sich mit dieser Frage, welche jedoch auch im Alter zwischen 35 und 45 Jahren aufkommt. Was will ich? Wer bin ich? Wo will ich hin? Doch selbstständig durchs Trading zu sein und seinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf zu verdienen, wirkt meist einfacher als es ist. In Wahrheit bedarf dieser Schritt ein gewisses Kapital, Mut und Courage. Ich möchte mich in diesem Artikel fragen: Was muss man mitbringen und können, um als Trader seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Ich selbst habe mit 18 Jahren, noch während des Abiturs, mein erstes Gewerbe gegründet. Das ist nun etwa ein halbes Jahrzehnt her. Mittlerweile beschäftigt mich das BWL-Studium, mein Börsen-Engagement und meine Arbeit bei einer hannoveransichen Beteiligungsgesellschaft. In diesem Beitrag möchte ich nun meine Gedanken über den Schritt in die Selbstständigkeit als Trader formulieren:

Selbstständig durchs Trading: Vorraussetzungen

Man benötigt natürlich Wissen, einen Tick Talent, viel Übung bzw. langjährige Erfahrung und einen Hauch Mut. Ein Vollzeit-Trader fällt nicht vom Himmel. Dies ist harte Arbeit. Wie bei jeder Sportart und jedem Beruf benötigt es Jahre der Übung, Erfahrung und des Sammelns von Wissen, um das Fach und die Materie zu durchdringen. Man sollte nichts überstürzen. Trading ist schwierig, da der Kapitalmarkt immer schneller wird und sich täglich, nein sekündlich, verändert. Es ist nicht wie in einem Beruf, wo du Jahr für Jahr ungefähr das Gleiche machst. An der Börse ist jeder Tag anders und neuartig. Was du heute machst, kannst du morgen manchmal bereits verwerfen.

Viele junge Trader sind übermütig und ungeduldig. Ich kenne das von mir selbst. Man möchte zu schnell zu viel erreichen und steht sich eigentlich nur selbst im Weg. Dieses Thema habe ich in einem anderen Blog (hier lesen) beschrieben.

Neben dem Wissen und der Erfahrung, welche du über Jahre ansammelst, muss man auch über die richitigen physischen Eigenschaften verfügen. Bist du körperlich und geistig fit? Bereits Trading als Hobby ist nervenaufreibend und emotional belastend. Als Vollzeit-Trader sitzen dir die Rechnungen und Ausgaben dann jedoch zusätzlich im Nacken. Du musst Rendite machen, aber du darfst nicht verkrampfen und mit Gewalt traden wollen. Das ist schwierig. Das ist emotional eine besonders große Belastung, der du widerstehen können musst. Eine gewisse Summe unter Zwang verdienen zu müssen, schwebt wie ein Damoklesschwert über dir und behindert freies und klares Denken und Handeln. Mit solchen Drucksituationen muss ein Vollzeit-Trader umgehen können.

Trading belastet tatsächlich deine Gesundheit – Wie genau, das liest du hier

Wie viel Geld und Rendite muss ich durch Trading erwirtschaften?

startup-593326_640Eine grundlegende Frage ist die nach dem Kapitalbedarf. Wie viel Geld brauche ich, um vom Trading leben zu können? Diese Frage ist durchaus schwer zu beantworten, denn jede Strategie und jede Handelsart erwirtschaftet andere Renditen. Doch wir können der Frage nachgehen, wie viel Geld du im Monat eigentlich durch Trading erwirtschaften musst. Daraufhin kannst du mit deinem derzeitigen Echt-Geld oder Muster-Depot schauen, ob du diese Rendite und Summe erwirtschaften kannst. Kannst du über mehrere Jahre hinweg die Rendite erreichen, welche du für die Sicherung deiner Existenz benötigst?

Du benötigst als selbstständiger Trader drei finanzielle Positionen: Kapital, mit welchem du tradest. Kapital für deine laufenden monatlichen Ausgaben und Kapital als Rücklagen.

Um mehr zu wissen, schauen wir uns zuerst den monatlichen Kapitalbedarf an. Ich werde hier mit theoretischen Zahlen kalkulieren, welche nicht deiner Lebenssituation entsprechen werden! Wir gehen in diesem Fall von 1.200€ Lebenserhaltungskosten für Handy, Nahrung, Miete, Auto und andere Dinge aus. Außerdem solltest du als selbstständige Person stetig Geld für eventuelle Notfälle, wie einer kaputten Spühlmaschine oder unvorhergesehenen Auto-Reparatur. zur Seite legen.  Zusammen mit deinen Versicherungen gehen wir von einem Betrag von 200€ für Rücklagen und Versicherungen im Monat aus. Was viele vergessen: Sie benötigen Rücklagen für schlechte Trading-Zeiten. Es kann durchaus lange Phasen ohne Einnahmen geben. In diesem Fall sollte man nicht gezwungen sein, dass Trading-Kapital aufzehren zu müssen. Dies wäre ein Desaster für dich! Von daher legen wir monatlich 300€ zur Seite. Nicht vergessen, solltest du auch eine alternative Altersvorsorge und Rücklagen für Urlaube und andere Dinge. Auch hier kalkulieren wir mit 300€, welche monatlich zur Seite gelegt werden.

Wir gehen also nun davon aus, dass unser fiktiver Trader 1.200€ Lebenserhaltungskosten hat und 800€ monatlich zur Seite legt. Wo jemand anderes 2.000€ als Gehalt erhält, muss sich der Trader dies als Gewinn im Monat auszahlen können.

Was ebenfalls viele vergessen: Steuern. 2.000€ oder auch 24.000€ im Jahr stellen 75% der Zielsumme dar. Als Trader solltest du rund 30.000€ Brutto verdienen, um 24.000€ Netto für dein Leben zur Verfügung zu haben. Hierbei handelt es sich natürlich erneut um eine extreme Vereinfachung einer komplexen Situation. Die Botschaft: Vergiss bitte nicht die Steuern! Wer bei einer deutschen Bank handelt, genießt es, dass die Bank diese Steuer abführt. Wer einen ausländischen Broker nutzt, muss eine Einkommenssteuererklärung machen. Jedoch kostet dies den Trader nur 15 bis 30 Minuten, da er “nur” die Einkünfte aus Kapitalvermögen eintragen muss. Christian Edler von “The Huffington Post” erklärt in diesem Artikel die Steuersituation nochmals detailliert.

Außerdem Interessant: 5 Wahrheiten zu Daytrading-Steuern, die Anleger kennen sollten

Wie viel Kapital benötige ich?

Nun erhebst du akribisch Daten darüber, wie hoch deine Lebenserhaltungskosten sind und welche zusätzlichen Kosten im Falle der Selbstständig anfallen. In diesem theoretischen Beispiel liegen wir bei einem Bedarf von 30.000€ Gewinn im Jahr durch Trading.

Und nun können wir uns der Frage widmen, wie viel Kapital zum Trroad-sign-808731_640ading du benötigst. Du hast hoffentlich all deine Werte der letzten Jahre aufgezeichnet. Wie viel Rendite konntest du in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich im Monat erwirtschaften? Wenn du 5% im Monat schaffst, dann benötigst du 40.000€ Kapital, um durch diese 5% Rendite 2.000€ im Monat zu verdienen.

Nun wissen wir bereits, dass der Trader dieser Kalkulation 2.000€ im Monat verdienen muss und da er seiner Leistung entsprechend durchschnittlich 5% Rendite erreicht, sollte er mit 40.000€ Kapital handeln. Nun können wir uns der dritten Position zuwenden: Den Rücklagen. Es wäre naiv zu denken, dass man konstant monatlich Gewinne macht. Durchaus kann es zu längeren Phasen mit Verlusten kommen. Auch in diesem Fall sollte man nie sofort auf die – in diesem Fall – 40.000€ Kapital zugreifen müssen, mit welchen man ja Geld verdienen muss. Wir legen zwar monatlich Geld für schlechte Phasen zur Seite, aber man sollte nicht ohne Puffer in die Selbstständigkeit starten. Willst du 6 Monate lang vorsorgen, so solltest du 6 x 2.000€, also 12.000€, zusätzlich auf der Seite liegen haben.

Woher bekomme ich aber 52.000€, um mein Business zu starten? Du solltest auf keinen Fall einen Kredit aufnehmen! Die Zins und Tilgungskosten sind Belastungen, die alles vernichten können, wenn dann gepfändet wird, weil du nicht bezahlen kannst. Eine Rechnung lässt sich eventuell noch abstottern. Die Bank macht kurzen Prozess mit dir!

Meine Empfehlung ist, dass du während der Schulzeit Ferienjobs machst und neben dem Studium , sowie nach dem Studium ebenfalls einige Jahre arbeitest. Das ist nicht nur wichtig, um das Kapital anzusammeln. Auch hast du so viel Zeit, um dich vorzubereiten, Wissen und Erfahrung zu sammeln. Meine bevorzugte Strategie ist es, die Lebenserhaltungskosten zu senken. Ich spare wo es geht. Kann man auf Urlaub verzichten? Gibt es einen billigeren Handyvertrag? Muss man jede Woche 50€ versaufen? All diese Ausgaben lassen sich kürzen oder streichen. Das gesparte Geld legt man zur Seite, um sein Trading-Kapital anzusammeln. Schaffst du es als Student im Alter von 20 bis 25 Jahren 2.000€ im Jahr (170€/m) zur Seite zu legen? Dann könntest du dir 10.000€ innerhalb von 5 Jahren ersparen. Kannst du im Alter von 25 bis 30 Jahren 4.000€ im Jahr (340€/m) vom Gehalt zur Seite legen – also 20.000€ in 5 Jahren? In diesem Fall könntest du bis zum Alter von 30 Jahren bereits 30.000€ ansparen und zumindest mit dem Gedanken spielen, Teilzeit 20 Stunden in der Woche angestellt zu sein und in der anderen Zeit selbstständig zu traden. Dieses Modell würde ich den meisten in den ersten 10 oder 15 Jahren ihrer Selbstständigkeit auch empfehlen. Warum? Börse bietet keine sicheren Einnahmen. Das Leben fordert jedoch stetige Ausgaben. Eine sichere und stabile Einnahmequelle ist Gold wert. Jeder Selbstständige kämpft Monat für Monat um seine Einnahmen. Wer eine sichere Einnahmequelle hat, der ist in gewisser Form bereits etwas abgesichert. So könntest du 1.200€ im Monat mit 20 Stunden zu je 15€ verdienen. Damit würde das Kapital, welches du in der übrigen Zeit des Monats erwirtschaften musst, auf 800€ sinken. Wäre dies nicht auch die Erfüllung im Leben? Die Teilzeitarbeit wird auch in Deutschland immer mehr gestärkt. Warum startest du nicht mit einem Freund als gemeinsame Trader? Bewerbt euch per Job-Sharing zu zweit auf eine Vollzeitstelle. Arbeitet beide Teilzeit im Beruf und Teilzeit als Trader. Muss es denn bereits die komplette Selbstständigkeit mit 25, 30 oder 35 Jahren sein? Willst du sofort im Leben all-in gehen? Genieße doch den psychologisch meist niedrigeren Druck als Angestellter. Warum sparst du dir dein Trading Kapital nicht an, bis du 50 bist? Dann solltest du genug Geld haben, um auch mit niedrigen Renditen genügend verdienen zu können. Ich meine: Ab 50 Jahren bis 70 oder 75 Trader sein? Bis dahin hast du viel Zeit alles zu lernen, zu trainieren und zu üben. Zwei Jahrzehnte Vollzeit-Trader ist auch eine lange und gute Zeit. Bis dahin kannst du auch nebenbei handeln oder, wie beschrieben, ab 30 oder 40 Jahren langsam in Teilzeit gehen. All-in und Hals über Kopf Vollzeit-Trader? Das ist weniger zu empfehlen!

Bedenke eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Jeder Abschluss ist eine Sicherheit im Leben. Eventuell musst du nach 20 Jahren das Trading aufgeben wegen zu hoher psychischer Belastung oder weil du deine Rechnungen nicht mehr zahlen kannst. In dem Moment brauchst du eine abgeschlossene Berufsausbildung, um eine Arbeit zu finden. Wie wäre es mit einer Ausbildung, die dir beim Trading hilft? Psychologie, VWL, BWL, …

Nochmals der wichtige Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um eine Beispielrechnung. Auch ist die Rechnung nicht vollständig und istals Anregung zu verstehen. Du musst deine Zahlen ermitteln und einsetzen, deine Rendite als Trader bestimmen und kannst dann deinen Bedarf zu erkennen. Jeder benötigt andere Summen. Viele schaffen 1 – 2% Rendite im Monat, andere dies dagegen in der Woche. Es gibt keine Musterrechnung für alle. Jeder muss selbst rechnen!

Was soll ich tun?

notebook-1071774_640Nun klingt das alles auch wieder so einfach. 40.000 bis 80.000€ Kapital (je nach Rendite, die du erwirtschaften kannst auch weniger oder mehr) und dann das Business starten. Wenn das alles so einfach wäre, wäre es schön. Kontrolliere dich in den Jahren deiner Übung. In meinem Beispiel im Alter von 20 bis 30 Jahren. Kannst du die Rendite erwirtschaften, die du brauchst? Wie stabil und sicher sind deine monatlichen Erträge? Rechne deine Stunden, die du investierst, mit und vergleiche diese mit deinen Gewinnen. Was ist dein Stundenlohn? Viele Trader freuen sich über hunderte Euro im Monat neben dem Job durch das Trading. Sie vergessen jedoch, dies kritisch zu hinterfragen und bemerken nicht, dass sie je Stunde im Job ein Vielfaches mehr verdienen und beim Trading je Stunde oft weniger als den Mindestlohn verdienen. Was kannst du derzeit je Stunde verdienen? Wie viele Stunden müsstest du arbeiten, um auf die beispielhaften 2.000€ zu kommen? Teste und hinterfrage dich über viele, viele Jahre. Beispielsweise habe ich selbst mich 2015 über eine echt stolze Rendite gefreut. Mit einigen glücklichen Treffern habe ich klar besser als Markt gehandelt. Der Stundenlohn bewegte sich jedoch auf Grund des hohen Aufwandes eher im Bereich um die 10€/h. Das ist okay, aber am Ende nicht wirklich der Hit. Schone dich nicht – hinterfrage dich, kritisiere dich, arbeite an dir. Wenn du selbstzufrieden bist, wirst du nachlässig und schlechter. Arbeite an dir. Jahrzehntelang!

Die Entscheidung selbstständig zu werden, ist mutig und gefährlich. Du bist für deine Existenz verantwortlich. Du hast nur ein Leben – möchtest du mit diesem (also nicht dem Leben, sondern deiner finanziellen existenziellen Grundlage) spielen/zocken? Wenn du es tust, dann ist dort kein Arbeitgeber, der dich unterstützt oder dir Aufgaben gibt. Du musst dir deine Gewinne erkämpfen. Bedenke, dass die Kosten steigen, wenn du Familie hast. Bedenke, dass es Krisen geben kann, bei denen du viel Geld verlierst. Bedenke Rente, Versicherungen, Steuern und viele andere Dinge. Wage den Schritt, wenn du dir sicher bist. Gehe vorsichtig vor. Von Vollzeit auf Teilzeit vielleicht? Studiere oder mache eine Ausbildung im Finanzbereich. Lerne viel. Sehr viel. Übe viel. Sammle Erfahrungen. Du musst dich perfektionieren. Der Schritt zum selbstständigen Trading erfordert viel Übung, Erfahrung, Wissen, Mut und Kapital. Bedenke, dass du mit deiner Existenz spielst. Es ist dann kein Hobby und kein Spiel mehr. Es ist dann Ernst, Beruf und dein Leben.

Optimaler Einstieg – Strategie 1

Wie bereits erwähnt, könntest du nach der Ausbildung einen Beruf ausüben und diesen über die Jahre nutzen, um Kapital anzusammeln und dann von Vollzeit auf Teilzeit zurückgehen. Kannst du deine Existenz durch das Teilzeit-Trading neben dem Teilzeit-Job nicht finanzieren, dann bist zum Teil abgesichert, aber könntest wieder versuchen auf Vollzeit angestellt zu sein. Vorsichtig und behutsam das Leben ändern. Nicht alles hinwerfen und mit allem brechen! Finanziere dir erst einen Urlaub, dann die ersten ein bis zwei Rechnungen und dann die Differenz des Lohns wenn du von 40 auf 35 oder 30 Arbeitsstunden bei deinem Arbeitgeber reduzierst. Bedenke hierbei: Nicht voreilig handeln! Die Reduzierung von Arbeitszeit sichert dir das Gesetz zu. Wieder mehr zu arbeiten ist jedoch kein Anrecht von dir. Hast du reduziert, dann muss der Arbeitgeber dich nicht wieder hochstufen.

Optimaler Einstieg – Strategie 2

Vier Augen sehen mehr als zwei. Hast du trading-vernarrte Freunde? Es kann vorteilhaft sein, zu zweit oder dritt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wenn du schlechte Monate hast, machen die anderen eventuell gerade besonders viel Rendite. Ihr ergänzt euch, ihr unterstützt euch, ihr sichert euch gegenseitig ab. Auch könnt ihr gemeinsam mehr Kapital einbringen. Als Personengesellschaft (eine GbR beispielsweise) könntet ihr nach Jahren des erfolgreichen Tradings auch Fremdkapital aufnehmen. Anleger wollen ihr Geld bei euch arbeiten lassen? Einen kleinen Kredit von der Bank für neue Rechner und Programme? Bedenkt jedoch, dass bei einer Firma mehr Steuern fällig werden!!

Optimaler Einstieg – Strategie 3

Neben all diesen vielen Gedankengängen und Möglichkeiten ist es für den Anfänger am besten Erfahrung zu sammeln. Führe ein Haushaltsbuch, um deine Lebenserhaltungskosten zu ermitteln und möglicherweise zu senken. Führe auch ein Tradingtagebuch und eine Trading-Historie. Wie viel hattest du wann investiert und an welchem Tag oder in welcher Woche oder in welchem Monat hast du wie viel in Euro und Prozent verdient? Sammle Daten über 6, 12 oder am besten mindesten 24 Monate, um deine Performance zu erkennen. Was kostet dein Alltag und was verdienst im Durchschnitt beim Trading?

Mein Vorschlag für dich ist: Setze dir nicht sofort das Ziel, durch Börse selbstständig, frei oder reich zu werden. Meist verkrampft man nur und versucht verbittert diesen Traum zu erreichen, was so natürlich nicht klappt. Setze dir kleine Ziele. Finanziere dir den nächsten Urlaub durchs Trading. Wie viel kostet dich dieser? 2.000€? Dann hast du nun noch 6 oder 12 Monate Zeit, um das Geld zu verdienen oder zumindest die Hälfte. Finanziere dir dann ein Auto oder finanziere Teile deiner monatlichen Kosten, wie die Handyrechnung. Taste dich so step by step vorran, wie viel du dir selbst finanzieren kannst.

Viele mögen nun abgeschreckt sein von den Summena Viele mögen auch abgeschreckt sein, dass man dafür 30, 40 oder 50 Jahre sparen müsste! Für Anleger, die unbedingt selbstständige Trader sein und in wenigen Jahren starten wollen ist das natürlich keine Lösung. Die meisten von uns legen jedoch ihr Geld über viele Jahrzehnte an und beschäftigen sich erst nach der eigentlichen Arbeit im Angestelltenverhältnis mit der Börse. Für alle diese Anleger wäre es doch ein schönes Ziel sich kontinuierlich eine Summe anzusparen, um den Traum zu verwirklichen der Leidenschaft “Börse” mehr Zeit zu gönnen, wenn man dann mit 40 oder 50 Jahren bereits auf Teilzeit im Job zurückstufen kann.

Ich empfehle dir außerdem diesen tollen, ausführlichen und komplexen Artikel von Claudia Schumacher im Handelsblatt. Im Artikel “Ein Selbstversuch im schnellen Geld” beschreibt sie, wie sie versucht hat, als Daytraderin Hals über Kopf einzusteigen. Tolle Hinweise und Erklärungen!

by Okt 28, 2016 5 Kommentare
Der Dividenden-Alarm Indikator

Der Dividenden-Alarm Indikator

Gastartikel

Liebe Leser, mit Alex von reich-mit-plan.de habe ich eine kleine Aktion gestartet. Er führt den Dividenden-Alarm-Indikator und ich mein Barometer. Beides sind interessante und individuelle Systeme für die Bewertung von Märkten und Einzelwerten. Meine Leser kennen mein Barometer und seine Leser seinen Indikator. Nun wollen wir über kreuz uns vorstellen und somit den Austausch unserer Gedanken und Ideen verbessern. Meinen Artikel zum Börsen Barometer findest du hier und folgend nun seinen Beitrag zum Dividenden-Alarm:

Der Dividenden-Alarm Indikator

Langfristig und antizyklisch investieren

Viele langfristig agierende Investoren die mir begegnen, haben keine wirkliche Strategie beim Investieren. Die meisten investieren ständig, also jeden Monat mittels Sparplänen oder sobald ein bestimmter Geldbetrag auf dem Konto angesammelt wurde. Gut, dass könnte man auch schon als Strategie definieren, wenn es auch kein antizyklisches Vorgehen bedeutet.

Ausgewählt werden dann Aktien von Unternehmen, bei denen bestimmte Kennzahlen passen oder weil das Unternehmen gut ins Depot passt. Für viele spielt der Aktienkurs überhaupt keine Rolle, meist auch weil sie nicht ermitteln können, ob eine Aktie günstig oder teuer bewertet ist. Sie wollen nur Dividenden kassieren und eigentlich ist bei ihnen jeder Tag ein Kauftag. Buy&Hold forever. Sie wollen so sein wie Warren Buffett, wobei auch er nicht ständig kauft und auf die richtigen Gelegenheiten wartet.

Solchen Vorgehensweisen und derartigen Argumenten kann ich leider überhaupt nichts abgewinnen, denn diese Denkweise ist mir einfach nicht zu Ende gedacht. Sie zeigt nur, dass Anleger die so denken, Angst haben etwas zu verpassen (zum Beispiel die Dividendenzahlung) oder selbst nicht erkennen wann der Markt oder einzelne Aktien tief genug gefallen sind um sich für langfristige Investments zu positionieren.

Die wirklich guten Investitionsgelegenheiten gibt es leider selten. Wenn es aber mal eine dieser Gelegenheiten gibt, dann haben die wenigsten genügend Cash in ihrem Depot. Und weil die zu teuer gekauften Depotpositionen dann ein beachtliches Minus angesammelt haben, hält sich die Lust am weiteren Investieren in Grenzen. Das ständige Investieren und das Nicht-warten-können, rächt sich dann. Dabei würde sich das Warten auf die entscheidenden Marktphasen mehr als lohnen.

Es bringt leider überhaupt nichts, sich verhältnismäßig teure Aktien zu kaufen, nur um eine Dividende kassieren zu können. Wer auf ein bis zwei Jahresdividenden verzichten kann, wird mit Einstiegskursen belohnt, die ein Vielfaches an Jahresdividenden einbringt. Anhand von realen Beispielen werde ich dir das in diesem Artikel noch darlegen.

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Mit einer antizyklischen Vorgehensweise, dazu gehört auch das Warten und sammeln von Cash, verzichtet man jetzt auf wenige Dividenden und spart sich später zudem hohe Kursverluste im Depot. Dazu bekommt man die Möglichkeit, wirklich günstige Aktien mit einem sehr guten Chance-Risiko-Verhältnis und historisch hohen Dividendenrenditen einsammeln zu können.

Wie mein automatisiertes Investitionsverhalten aussieht, warum ich in günstigen Marktphasen genug Cash habe und wie mir der Dividenden-Alarm Indikator dabei hilft, dass möchte ich dir gern in diesem Artikel ein wenig aufzeigen.

Wer bin ich überhaupt?

Zuerst möchte ich mich bei Jonas bedanken, dass ich den Dividenden-Alarm Indikator hier in seinem Blog vorstellen darf. Mein Name ist Alex und ich bin der Autor des Finanzblogs Reich-mit-Plan.de. Seit Anfang 2014 bin ich finanziell Unabhängig und hatte dadurch viel Zeit den Dividenden-Alarm zu entwickeln.

Früher habe ich meine Dividenden-Alarm Strategie manuell verfolgt. Dies war sehr zeitaufwendig und ich konnte nur wenige Aktien überwachen. Seit meinem Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben nutzte ich die Zeit, um meinen Dividenden-Alarm zu automatisieren.

Dadurch können nun voll automatisch über 300 Dividenden-Aktien in Real-Time überwacht werden. Dazu werden automatisch Kaufsignale und Verkaufsignale für jede einzelne Aktie ermittelt. Die gesamte Entwicklung der überwachten Dividenden-Aktien wird zudem für die Generierung des Dividenden-Alarm Indikators genutzt.

Wie funktioniert der Dividenden-Alarm Indikator?

fghfghAuf diesem Bild ist der Dividenden-Alarm Indikator abgebildet. Bis Ende 2015 wurden die Daten nur alle paar Tage erfasst, daher auch die etwas langgezogenen Linien. Erst seit Anfang 2016, werden die Daten täglich erfasst, was zu einer deutlich genaueren Darstellung führt.

Ermittelt werden die Dividenden-Aktien, die sich derzeit auf einem historisch niedrigen Niveau befinden (Kaufsignal). Die Anzahl dieser Aktien wird ins Verhältnis gesetzt mit den Dividenden-Aktien, die sich aktuell auf einem historisch hohen Niveau befinden (Verkaufssignal). Je mehr Aktien ein Signal dominieren, desto mehr schlägt der Dividenden-Alarm Indikator in die entsprechende Richtung aus.

Die blaue Linie zeigt den Verlauf des Dividenden-Alarm Indikators. Solange er sich zwischen der roten und der grünen Linie bewegt, gibt es für einen langfristigen Dividenden-Investor nicht viel zu tun. Während dieser neutralen Phase sammelt man ausschließlich Cash im Depot. Gesammelt werden Dividendenerträge, Sparraten und sonstige Gelder die in den Vermögenstopf wandern können. Nur vereinzelt wird auch mal eine Aktie gekauft oder auch mal verkauft.

Dividenden-Alarm Indikator – Kaufphase

Erst wenn die blaue Linie die rote oder grüne Linie kreuzt, beginnt die heiße Phase für langfristige Investoren, die antizyklisch agieren wollen. Sollte der Indikator die grüne Linie bei 30% nach unten durchbrechen, dann wird die Kaufphase aktiviert. Der Markt bzw. der Großteil der beobachteten Dividenden-Aktien hat dann ein sehr günstiges Niveau erreicht. Erst jetzt beginnen wir mit dem platzieren unserer Cash-Position. Zuletzt gab es im Januar und Februar 2016 eine Kaufphase.

Während dieser Kaufphase bleibt genügend Zeit sich mit den Dividenden-Aktien zu befassen, die dann ein Kaufsignal generieren. Nach und nach sammelt man die Dividenden-Perlen ein, die man gern im Depot haben möchte. Ganz wichtig: Gekauft werden während einer Kaufphase (Dividenden-Alarm Indikator) nur Aktien die ein Kaufsignal (einzelne Aktien) generieren. In der Kaufphase werden ausschließlich Aktien gekauft. Es werden keine Aktien verkauft und es wird auch kein Cash mehr gesammelt.

Dividenden-Alarm Indikator – Verkaufsphase

Ähnlich verhält es sich mit der Verkaufsphase. Auch wenn dies für die meisten Buy&Hold Anleger nicht interessant ist, so möchte ich diese Phase auch kurz ansprechen. Sollte der Indikator die rote Linie bei 70% nach oben durchbrechen, dann wird die Verkaufsphase aktiviert. Der Markt bzw. der Großteil der beobachteten Dividenden-Aktien hat dann ein sehr teures Niveau erreicht. Punktuell veräußern wir einzelne Aktien und bauen damit unsere Cash-Position auf. Zuletzt war diese Phase im März und April 2015 aktiv.

Während dieser Verkaufsphase bleibt genügend Zeit sich mit den Dividenden-Aktien zu befassen, die dann auch ein Verkaufssignal generieren. Wir trennen uns nur von wirklich teuren Dividenden-Aktien und nehmen unsere Gewinne mit. Ganz wichtig: Verkauft werden während einer Verkaufsphase (Dividenden-Alarm Indikator) nur Aktien die ein Verkaufssignal (einzelne Aktien) generieren. In der Verkaufsphase werden ausschließlich Aktien verkauft um Cash aufzubauen. Es werden keine Aktien gekauft.

ghjghjghDieses Schema zeigt das Zusammenspiel von Phasen (Indikator) und Signalen (einzelne Aktien). Nur wenn eine einzelne Aktie ein Kaufsignal während einer Kaufphase generiert, ist sie auch wirklich kaufenswert. Und nur wenn eine einzelne Aktie ein Verkaufssignal während einer Verkaufsphase generiert, ist sie verkaufenswert. Ob man eine Aktie dann tatsächlich kauft oder verkauft, hängt natürlich von persönlichen und subjektiven Entscheidungskriterien an.

Praxisbeispiele

Am besten versteht man theoretische Erklärungen, anhand von praxisnahen Beispiele. Dazu zeige ich immer wieder gern, eine Übersicht des Dividenden-Alarm Indikators. Die vollständige Tabelle mit weiteren Beispielen, findest du auf dieser Seite. Für diesen Artikel möchte ich gern die Beispiele von IBM und BASF ein wenig unter die Lupe nehmen.

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Wer sich heute unbedingt IBM ins Depot legen muss, der zahlt einen Preis von 137 Euro je Aktie. Dafür erhält man eine Jahresdividende von 5 Euro. Im Februar dieses Jahres, während der letzten Kaufphase beim Dividenden-Alarm Indikator, konnte man IBM allerdings für 104 Euro einsammeln. Dieses Kaufniveau bedeutet bei IBM einen Kursvorteil von insgesamt 33 Euro, was fast sieben Jahresdividenden entspricht.

Bei der BASF Aktie sah es ähnlich aus. Heute kostet eine BASF Aktie fast 80 Euro. Als Jahresdividende bekommt man eine Ausschüttung von knapp 3 Euro. Auch die BASF Aktie generierte während der letzten Kaufphase ein Kaufsignal und damit einen Aktienkurs von 57 Euro im Tief. Dieses Kaufniveau bedeutet bei BASF einen Kursvorteil von insgesamt 23 Euro, was mehr als sieben Jahresdividenden entspricht.

Fazit

Diese einfache Rechnung zeigt, dass es sich durchaus lohnen kann auf eine Kaufphase in Verbindung mit einem Kaufsignal zu warten. Mit dieser antizyklischen Vorgehensweise, spart man sich nicht nur mehrere Jahresdividenden, zugleich positioniert man sich mit einem deutlich besseren Chance-Risiko-Verhältnis.

Wie die Tabelle weiter zeigt, hat man bereits nach wenigen Wochen ordentliche Kursgewinne zu verzeichnen und man musste keine hohen Kursverluste aussitzen, weil man die Aktien zu früh und zu teuer gekauft hat.

Der Dividenden-Alarm eignet sich sehr gut für langfristig orientierte Anleger. Auch wer sich schwer tut selbst die besagten Marktphasen und dann auch die richtigen Aktien zu ermitteln, kann von den Auswertungen des Dividenden-Alarms profitieren.

Um die Dividenden-Alarm Strategie weiter zu vertiefen, empfehle ich interessierten Lesern den kostenlosen Dividenden-Alarm Newsletter. In unregelmäßigen Abständen gibt es immer wieder neue Artikel, in denen die Dividenden-Alarm Strategie anhand von realen Beispielen genau beschrieben wird.

Ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und dass ihr den Artikel bis zum Ende gelesen habt. Gern können wir in Zukunft gemeinsam antizyklisch handeln und Dividendenperlen finden.

Alex vom Dividenden-Alarm

by Okt 20, 2016 Keine Kommentare
Interview mit einem international reisenden Experten

Interview mit einem international reisenden Experten

Interviews

Ich arbeite in Hannover bei einer Beteiligungsgesellschaft mit Unternehmern zusammen, welche die ganze Welt bereits haben und bereisen und in zahlreichen Ländern Firmen aufgebaut und geführt haben. Darunter ein Kollege, welche noch heute beruflich monatlich in Dubai und Asien ist. Das Wissen über zahlreiche Branchen, Unternehmen und auch viele Länderund Kulturen ist gigantisch. Dies wollte ich nutzen und hatte in mehreren Gruppen und Foren die Möglichkeit gegeben Fragen zu stellen, welche ich an Ihn weiterleite. Hier sind nun die Antworten.

Fragen zu China

Frage: Frag mal bitte nach für wie zuverlässig er chinesische daten grundsätzlich hält; bin vor ner weile mal auf die aussage gestoßen dass wir europäer (mit unseren übersichtlichen volkswirtschaften) schon wochen brauchen um die entsprechenden daten für monate bzw quartale zusammenzutragen, aber die chinesen (mit einem in summe vielfachen aufwand, was volumen und evtl infrastruktur zb in abgelegeneren regionen betrifft) ihre daten mind genauso schnell vorlegen – da stand die vermutung im raum dass da einfach mit zahlen gearbeitet wird, die noch gar nicht wirklich vorliegen können…

Antwort: Dass die Daten in China politisch gewollt verändert, diktiert oder beschönigt werden ist weltweit bekannt. Doch dies ist kein chinesisches Phänomen, sondern global Praxis. China steht “nur” im Fokus des weltweiten Interesses und dort zeigt sich die politische Einflussnahme vielleicht am stärksten. Wie viele Datensätze manipuliert sind und wie stark kann niemand sagen. Wir wissen es nicht. Wir müssen die Daten so nehmen, wie sie kommen. Doch auch in Europa und anderen Kontinenten wird geschummelt und beschönigt. Hierzulande legal. Bilanztricks gibt es viele. So zum beispiel der “Goodwill” in Firmenabschlüssen. Auch Staaten verändern stetig im Rahmen des Machbaren. So wird die Arbeitslosenquote ja bekannterweise durch Maßnahmen, für welche jährlich Milliarden ausgegeben werden, gesenkt, da sich in einer Maßnahme befindende Personen nicht als Arbeitslose erfasst werden.

The $30.7 billion China debt time bomb

Frage: Die Börsen in China schwanken, die Währung auch und die meisten und größten Banken befinden sich im Bail In. Steht China ein Crash bevor?

Antwort: Ich glaube weiterhin an China. Das Land wird zwar nicht mehr mit 10 bis 15% wachsen, aber doch mit 5 bis 7%. Untergehen wird China nicht, denn dafür ist der Wohlstand vor Ort viel zu groß. Man muss auch bedenken, dass 2/3 der Bevölkerung weiterhin bettelarm sind. Auch verstehen muss man die Mentalität, dass Chinesen unglaublich diszipliniert und viel arbeiten. Sechs Tage in der Woche und am siebten dann noch ein Nebenjob. Dort leben über eine Milliarde Menschen. Und alle sijnd hungrig auf Wohlstand und wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.

China verändert sich und es wird noch viele Schwankungen geben. Das Land macht einen politisch gewollten Wandel durch. Weg von Industrie, Rohstoff und Export hin zu Dienstleistung, steigenden Gehältern und Binnenkonsum. Die entstandende Kreditblase muss nun schmerzhaft abgebaut werden. Es war Jahrzehntelang viel Geld da. Die Banken haben an alle Kreidte vergeben und der Staat hat fast alles mit großen Summen subventioniert. Wenn man nun in China ist sieht man viele Geisterstädte für zehntausende Menschen, wo nur einige hundert oder tausend wohnen. Auch unmengen Fabriken stehen leer. Diese wurde von Subventionen gebaut, alle haben kassiert, aber nie hat auch nur jemand daran gedacht die Fabrik auch in Betrieb zu nehmen. So stehen nun große Summe Kredite faul in den Büchern der Banken. Diese werden aktuell vom Staat finanziert und umstrukturiert.

Die fetten Jahre sind vorbei. Nun muss das Land insgesamt nachhaltiger wirtschaften und nicht mehr so verschwenderisch wie zuvor. Der Staat hatte ja Bürgern zum Beispiel zinslose Darlehen zum Kauf von Aktien gegeben. Deswegen ist die Börse extrem gestiegen. IPOs gab es wie Sand am Meer. Jedes Unternehmenkonnte sich auch dort Geld besorgen und kassieren. Das hat sich nun auch geändert. Da korrigiert die Börse nun natürlich erstmal.

Ich glaube nicht, dass es einen mit Europa vergleichbaren Bankencrash geben wird. Dafür ist das Land zu stark. China wird dies aussitzen und noch mehr Geld in den Markt pumpen. Deswegen müsste die Währung auch noch schwächer werden in Zukunft. Mentalität der Chinesen ist es auch Fehler nicht zuzugeben. Die Phase wird ausgesessen. Es ist wie ein langer Aderlass derzeit. Da kommt noch einiges auf uns zu. Wenn China einen Schnupfen hat sind wir Industrienationen schwer krank. Die chinesische Nachfrage ist wichtig. Darauf gilt es zu achten.

Mittlerweile produzieren chinesische Unternehmen eine super Qualität. Die Konkurrenz durch neue Firmen im Bereich Automobil, Smartphone und anderen Dingen wird härter. Europäische Autobauer werden es schwer haben. Ich sehe auch immer wieder, dass in China Konzepte viel schneller umgesetzt werden. Während Uber in den Industrienationen Startschwierigkeiten hat gibt es in China bereits 10 Ubers. Chinesische Produkte werden salonfähig. Und die an Wohlstand gewinnende und systemkonforme Mitte des Landes bevorzugt immer öfter chinesische Produkte. Bei Luxuswaren sind jedoch weiterhin europäische Marken äußerst beliebt.

Das Weltbild wird sich aus meiner Sicht ändern. China gewinnt an Stärke. Über eine Milliarde Menschen drängen dort in Richtung Wohlstand. Die Qualität und Möglichkeiten in China steigen. Die Industrienationen werden nicht mehr ewig alle Waren nach China exportieren und so den eigenen Wohlstand aufrecht erhalten. China gewinnt selbst an Stärke und Qualität. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich das Welt in den kommenden 10 oder 20 Jahren duetlich ändern wird.

Die Weltordnung wird sich verändern

Frage: Chinesische Firmen kaufen Europa – gefühlt – leer. Die Staaten überlegen den Protektionismus auszuweiten und sich vor den Investoren stärker zu schützen. Was ist dran?

Antwort: Chinesische Firmen kaufen strategisch ein. Ob diese ein Unternehmen fortführen oder wie Heuschrecken ausschlachten hängt vom Investor ab. Oft wollen Chinesen Zugang zum Europäischen Markt über das Vertriebsnetz und Know How eines Unternehmens erhalten. Sie kaufen also strategisch ein. Niemand kann Unternehmern vorschreiben ob sie ihr Unternehmen behalten oder verkaufen und an wen sie es verkaufen. Ein wenig besorgniserregend ist der Ausverkauf westlicher Technologie jedoch schon. Dies ist das Kernstück unserer Kompetenz.

Frage: Die Weltordnung wird sich ändern. Was heißt das für Deutschland und andere?

Deutschland wird an Einfluss verlieren. Andere auch. Russland steht eher nicht auf dem Plan, das Land hat große eigene Probleme. Die USA wird sich jedoch definitiv dagegen wehren an Einfluss zu verlieren. Und das ist wichtig zu beobachten. Die meisten Waren der Welt werden auf dem Pazifik zwischen China und den USA ausgetauscht. Hier haben die Chinesen jedoch großen Einfluss. Mit unmengen Dollarreserven und vielen US-Staatsanleihen kann das Land gewichtigen Einfluss ausüben.

Während die Industrie-Staaten seit der Krise 2008 ihre System umstrukturieren, Geld billiger machen und Handelshemmnisse abbauen hat China in sich selbst investiert. Die Infratsruktur vor Ort ist bestens in Schuss. Das Land ist uns in Sachen Infrastruktur, Umgang mit Handel und Logistik, Zahlungsssystem und anderen Dinge bereits weit voraus. Der Fortschritt ist stark. In Deutschland fehlt es an Investitionen. Die breite Masse der Menschen aber vor allem die wohlhabenden Reichen sparen lieber als zu investieren. Die Anreize dazu fehlen. Ohne Investitionen wackelt das Fundament des Wohlstands.

Frage zum Potential von Zahntechnik

Frage: Interessant wäre , über die Zahntechnik , also Zähne aus dem 3 D Drucker zu erhalten, dort wird es ein großes Potential geben.

Antwort: Dies ist nicht ganz meine Branche, aber das Potential ist groß in diesem Bereich. Ich kenne ein Unternehmen in China mit 500 Mitarbeiter, welche Zahnprotesen für Deutschland herstellen. Der Markt ist gigantisch. Wie weit die technologie der 3D-Drucker ist, weiß ich nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass das Material für den Druck noch nicht zum Verwenden für Zahntechnik ausreicht.

Frage zu Wolkenkratzern in Dubai & Co.

Frage: Man sieht die beeindruckenden neuen skyscraper in dubai, abu dhabi im wüstensand. Aber nur von weitem. Wie ist die leerstandsquote und nachfrage? Geht vieles an einheimische mieter oder wirklich an internationale unternehmen die an die zukunft am golf glauben?

Antwort: Die Leerstandsquote hängt vom Standort ab. Der Burj Khalifa ist nicht ausgelastet, was jedoch einfach an den vielen Sicherheitsvorkehrungen und dem Aufwand in die Etagen zu kommen liegt. Niemand hat gerne Termine dort. Man braucht meist über 15 Minuten um beim Raum anzukommen. Die Region um den Turm ist jedoch äußerst beliebt. Die VAE erfreut sich starken Zuzugs und stetigem Tourismus. Die Nachfrage ist weiterhin groß. Zwar keine Großunternehmen, aber viele Menschen aus Jordanien, Syrien und anderen Ländern suchen in diesem Land Schutz und genießen den liberal-islamischen Stil des Landes. Die UAE hat von den Krisen, wie dem arabischen Frühling, profitiert.

Die islamische VAE ist liberal? Hier findest du meinen Beitrag zur arabischen Halbinsel

Fragen zur Schifffahrts-Branche

Frage: Wie schlägt sich die Überkapazität der „Capesizes“ auf die Preise nieder. Gibt es überhaupt noch lohnende investments in der Branche? gibt doch haufen untergegangene Schiffsfonds

Antwort: Die haben natürlich Einfluss. Die Schiffsbranche ist aktuell labil. Viele gehen pleite oder fusionieren. Dabei wächst der globale Handel vergleichbar mit dem globalen Wachstum des GDP. Nicht mehr um 5%, wie früher, sondern gesund um etwa 3%. Das Problem ist, dass seit 2000 für viele Jahre die Kapazität der Schiffahrt um 10 bis 15% stieg. Nun sind viele junge Schiffe auf dem Markt, welche zu teuer zum Stilllegen und zu jung zum Verschrotten sind. Diese werden auch noch die nächsten 10 bis 20 Jahre fahren. Antizyklisch ist die Branche nun natürlich lohnend. Aber eher für Profis, welche nun mit viel Kapital Insolvente Schiffe billig einkaufen und so zu niedrigeren Preisen lukrativ betreiben können. Die nächsten 3 bis 5 Jahre erwarte ich keine starke Erholung. Mittlerweile ist der Neubau geringer (was den Werften zusetzt, hier sind die öffentlich einsehbaren Orderbücher ein guter Indiktaor). Die globale Flotte wächst gesund zwischen 3 und 5% im Jahr.

Interessant wird sein wie sich die Erweiterung des Panama Kanals auswirkt. Dann können größere Schiffe noch schneller Waren bewegen. Boomen tut derzeit vor allem die Kreuzfahrtindustrie. Außerdem sind Nischenmärkte mit Potential vorhanden und ob Branchen in der Krise sind oder nicht hängt von der transportierten Warenart und dem Fahrtgebiet ab. Profis können nun investieren – Kapitalinvestoren rate ich in diesem labilen Umfeld eher ab. Interessant sind, wenn dann, eher Container. Der Gebrauch dieser wächst und viele müssen auch verschrottet werden. Auch werden viele Schiffe verschrottet werden. Verschrottungsunternehmen, vor allem in Bangladesh ansässig, profitieren hier.

Frage: Mich würde die Zukunft interessieren. Vor allem die Zukunft mit alternativen Brennstoffen bezogen auf die Schiffsbranche.

Antwort: Dies wird im Yachtbau bereits verstärkt eingesetzt. Gas oder Hybrid ist hier ein Thema. Auf Dauer wird in der gesamten Schifffahrtsbranche mehr kommen in diesem Bereich. Es ist nur eine Frage des Investments. Aktuell investiert in dem Umfeld niemand. Auch fehlen die Subventionen von Seiten der Staaten als Anreiz. In Deutschland war das zu Zeiten der Schröder-SPD-Regierung noch anders. Technisch wäre viel mehr möglich. Nur fehlt der Anreiz dies umzusetzen.

Frage: hat die schiffsbranche angst vor hyperloop?

Antwort: Nein. Der Hyperloop steht technisch noch in den Kinderschuhen. Hierbei handelt es sich um ein Millionenprojekt. Das kann man nicht mit einem uralten Multi-Milliarden-Markt vergleichen, welcher das Kernstück der Weltwirtschaft und Globalisierung ist. Der Hyperloop ist kein Thema. Er kann in den nächsten Jahren nicht die Größe erreichen so viel Waren zu transportieren, dass er große Anteile am Warentransport erreicht. Über Land könnte das regional jedoch anders aussehen für Logistik-Unternehmen. Der Hyperloop ist jedoch für keine Branche in den kommenden Jahren ein Thema bzw. eine Gefahr. Hierdrüber muss man in 5 oder 10 Jahren nochmal reden.

by Okt 20, 2016 Keine Kommentare
Der Super Bowl-Indikator

Der Super Bowl-Indikator

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quarterback-73614_640Das größte mediale Sport-Ereignis der Welt ist der Super Bowl in den USA. Beinahe eine Milliarde Menschen verfolgen das Finale der National Football League (NFL). Es ist ein gigantisches Spektakel. Früher gab es zwei Football-Leagues in den USA. Auf der einen Seite die American Football Conference (AFC) und auf der anderen Seite die National Football Conference (NFC). Mittlerweile sind beide Ligen fusioniert und als NFL weltweit bekannt. Doch erst im Finale, im Super Bowl, treffen jeweils das beste Team der jeweiligen Conference aufeinander. Von der Gruppen-Phase bis zum Halbfinale spielen die Conferences untereinander den Finalisten aus. Jedes Jahr ist der Super Bowl also nicht nur ein Duell zweier Teams, sondern auch ein Finale zweier Ligen. NFC gegen AFC. Der Superbowl findet jedes Jahr im Januar oder Februar statt.

Leonard Koppett hat etwa 1970 den Super Bowl-Indikator entwickelt, welcher rausfand, dass der Indikator bis zu diesem Zeitpunkt noch nie falsch gelegen hatte. Den Indikator dabei zu verstehen ist nicht schwer:

  • Gewinnt ein Team der AFC den Super Bowl, dann wird das Jahr von Bären dominiert (down market)
  • Gewinnt ein Team der NFC den Super Bowl, dann wird das Jahr von den Bullen dominiert (up market)

Bis 2015 lag dieser Indikator 39 von 48 Mal richtig. Das ist eine Treffergenauigkeit von 81% über mehrere Jahrzehnte. Wenige Indikatoren und Systeme schaffen es über einen derart langen Zeitraum zuverlässig zu arbeiten, da sich immer wieder die Variablen am Markt verändern und diverse Systeme nicht mehr funktionieren. Hier eine Auflistung von 2000 bis 2012 mit einer Treffergenauigkeit von 58% in diesem Zeitraum:

2000 Rams NFC Down Falsch
2001 Ravens AFC Down Richtig
2002 Patriots AFC Down Richtig
2003 Buccaneers NFC Up Richtig
2004 Patriots AFC Up Falsch
2005 Patriots AFC Down Richtig
2006 Steelers AFC Up Falsch
2007 Colts AFC Up Falsch
2008 Giants NFC Down Falsch
2009 Steelers AFC Up Falsch
2010 Saints NFC Up Richtig
2011 Packers NFC Up Richtig
2012 Giants NFC Up Richtig

Der Super Bowl-Indikator ist ein pseydo-makroökonomischer Ansatz. Man sollte definitiv nicht in Versuchung geraten ihn für Kauf- oder Verkaufs-Entscheidungen zu nutzen. Es ist jedoch auf der einen Seite interessant und auf der anderen Seite unterstützend. Was erwarten Sie für dieses Jahr? Stimmt ihre Meinung mit dem Super Bowl-Indikator überein?

In diesem Jahr spielten die Denver Broncos (AFC) gegen die Caroliner Panthers (NFC). Gewonnen haben die Broncos …

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by Okt 19, 2016 Keine Kommentare
Zinsstrategie der FED 2016

Zinsstrategie der FED 2016

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In den aktuell überdurchschnittlich politisch getriebenen Börsen ist es ratsam das Verhalten der Notenbanken im Blick zu haben, zu erfassen und zu analysieren. Seit 2015 habe ich dies in zahlreichen Blogs getan. Zuletzt am 16.07.2016 mit dem Beitrag “Die FED wird noch vorsichtiger“. Nun haben wir im September mit den projection materials neue Daten der US-Notenbanker erhalten. In diesen Unterlagen (hier auf der Website der FED einsehbar) können wir die Erwartungshaltung des FED-Boards an die Wirtschaft und die Stimmenverteilung bei der Abstimmung zum Leitzins einsehen. Erneut möchte ich einen Blick in diese Unterlagen werfen und meine Tabellen mit den Inhalten der letzten Unterlagen fortführen.

Strategie der FED – Spielen mit dem Markt

Zum Bloomberg-Artikel der Grafik geht es hier.

Bereits 2015 war, aus meiner Sicht, ein bestimmtes Vorgehen der FED erkennbar. Nach langen Jahren der niedrigen Leitzinsen und großen Summen bereitgestellter Gelder wollte man den Schritt wagen die Zinsen wieder anzuheben. Auf der einen Seite wartete der Markt auf eine solche Aktion, da diese die erfolgreiche Gesundung des US-Marktes signalisieren würde (Warum? Die US-Wirtschaft kann es sich wieder leisten, dass Geld kostet). Auf der anderen Seite schaute man diesem Zinsschritt jedoch weltweit überaus nervös entgegen. Was würde passieren? Würde es zu einem Flash Crash kommen? Würden US-Investoren hunderte Milliarden aus den Schwellenländern abziehen, da die Rendite in Form von Zinsen in den USA nun oder bald attraktiver wäre? Würden dann die Motoren der Weltwirtschaft und globalen Nachfrage, die Schwellenländer, kollabieren? Wie wirkt sich dies auf die Währungen und Hochzinsanleihen aus?

Sorgen sind Emotionen. Und Emotionen führen zu Überreaktionen. Vor allem wenn eine Gruppendynamik entsteht. Eine solcher Flash Crash war auch eine Sorge der FED, welche den Finanzmarkt stabilisieren und nicht ins Chaos stürzen sollte. Bereits 2015 (erfolgreich) und aus meiner Sicht auch 2016 verfolgt die FED deswegen folgende Strategie: Man spielt den Markt müde.

Was wenig vertrauenserweckend und teils auch unabgesprochen chaotisch wirkt ist aus meiner Sicht ein abgekartetes Spiel. Das ganze Jahr über deutet die Federal Reserve Bank of America Zinsanhebungen an. Auch startet sie mit einer überaus positiven Erwartung in das Jahr. Noch im Dezember 2015 erwartete man beispielsweise ein Wachstum des US-BIP um etwa +2,4%. Dies hat man sukzessive etwa alle zwei Monate aufgeweicht. Seit September liegt die Erwwarung nun 0,6% niedriger bei +1,8%. Auch nahm man Anhebungen vorweg und verwarf diese wieder. 2015 und auch 2016. Immer wieder preschten Board-Member vor und erklärten öffentlich, dass die aktuellen Daten eine Zinsanhebung rechtfertigen würden und man nun wahrscheinlich sogar zwei oder drei Mal anheben könne. Wenige Wochen später wurden diese Aussagen wieder zurückgezogen und man einigte sich auf keine Zinsanhebung und senkte die Erwartungen für das Jahr.

Warum wird dies gemacht? Der Markt preist fortwährend ein und aus. Ein nervöser Markt überpreist gern. Er überreagiert. Und so spielt die FED die Börse klein. Immer und immer wieder preist der Markt neue Erwartungen ein. Mal die, dass man nun die Zinsen anheben wolle, dann wieder die “Überraschung”, dass man es doch nicht tue. Wer immer wieder “veräppelt” stumpft irgendwann ab. Und dann, wenn der Markt kaum noch etwas erwartet und kaum noch reagiert, erhöht die Notenbank den Leitzins, da die Wahrscheinlichkeit emotionale Überreaktionen nun am niedrigsten sind.

Gedämpfte Erwartungen an die Konjunktur

fed-erwartungenZu erkennen ist, dass die FED seit Dezember 2015 seine Erwartungen wieder zurücknimmt. Der Wachstum des BIP der USA wurde für bisher in jedem Quartal gesenkt. Auch andere Werte verschlechterten sich.

  • Hat sich die FED verschätzt? Kann sich eine Notenbank derart verschätzen?
  • Verschlechtert sich die Konjunktur in den USA so stark, dass die Erwartungen andauernd gesenkt werden müssen?
  • Hat die FED zur Zinsanhebung im Dezember 2015 besonders positive Erwartungen für 2016 formuliert, um den Markt milde zu stimmen, und muss diese Überbewertung nun zurücknehmen?
  • Die Erwartung an das Wirtschaftswachstum wurden für 2016 und 2017 gesenkt
  • Die Erwartung an die Arbeitslosenquote wurde für 2016 erhöht, aber für 2017 und 2018 gesenkt
  • Die Erwartung an die Inflation für 2016 ist durchwachsen, wurde jedoch gesenkt
  • Die Erwartung an die Inflation für 2017 und länger bleiben stetig bestehen
  • Die Erwartung an die Kerninflation hat sich aufgebessert

Leitzinsanhebung abgesagt?

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In dieser Grafik erkennen Sie die Stimmenverteilung der 17 Mitglieder des FED-Boards. So stimmten beispielsweise im September 2016 10 Mitglieder dafür das Jahr 2016 mit einem Leitzins in Höhe von 0,625% zu beenden. Zu erkennen ist, dass sich die Masse der Stimmen über das Jahr hinweg immer weiter nach oben in der Tabelle, also in Richtung niedrigerer Zinsen, verschob.

Im Dezember 2015 wurde der US-Leitzins von 0,00 – 0,25% auf 0,25 – 0,50% erhöht. In das Jahr 2016 startete die Federal Reserve mit der Erwartung den Leitzins 2016 drei bis vier Mal anzuheben und bei rund 1,4% zu enden. Bereits im März 2016 senkten sich die Erwartungen deutlich auf nur noch ein bis zwei Anhebungen auf 0,9%. Seit September ist klar: Die Federal Reserve erhöht, wenn überhaupt, nur noch ein Mal auf 0,50 – 0,75%.

Über das gesamte Jahr hinweg hat sich die Masse der Mitglieder sukzessive für niedrigere Zinsen ausgesprochen. Auch für 2017 wurden die Erwartungen bereits von 2,4 auf 1,1% gesenkt. Aktuell geht die FED davon aus erst 2019 einen für Volkswirtschaften aktuell als “normal” definierten Leitzins in Höhe von rund 3% zu erreichen. Senkt das Board jedoch seine Erwartungen weiterhin in jedem Jahr, dann erwartet uns eine noch über 2019 hinausgehende Niedrigzinsphase.

sadsadfdfIn dieser Grafik erkennen Sie den Durchschnitt der Stimmen des FED-Boards. So stimmten die FED-Mitglieder noch im Juni 2016 durchschnittlich für einen Zielleitzins in Höhe von 0,9%. Im September senkte sich die Erwartung auf durchschnittlich 0,6%.

FED-Watch-Tool der CME Group

dfgsfscDie CME Group bietet ein FED-Watch-Tool an. Hierbei werden die Preise der Futures ausgelesen um auszuwerten welche Erwartung an den Leitzins aktuell im Markt eingepreist ist. Die CME Group beschreibt ihr Tool wie folgt: “Based on CME Group 30-Day Fed Fund futures prices, which have long been used to express the market’s views on the likelihood of changes in U.S. monetary policy, the CME Group FedWatch tool allows you to view the probability of FOMC rate moves for upcoming meetings.”

100 Basispunkte (Bsp) entsprechen 1,00%. Aktuell steht der Leitzins bei 25 bis 50 Basispunkten. Zu erkennen ist, dass der Markt für November bereits mit überwiegender Mehrheit keine Leitzinsanhebung erwartet hat. Seit dem 18. September (ich habe das Tool am 18. Sep, 02. Okt und 13. Okt eingesehen und die Daten notiert) wurde aus Erwartung (75%) Gewissheit (92%). Der Markt hat fast zu 100% eingepreist, dass es keine Leitzinsanhebung im November geben wird.

Die Erwartung für zwei Erhöhungen bis Ende Dezember hat sich von 10 auf 5% halbiert. Interessant zu erkennen ist, dass der Markt die Erwartung keiner Erhöhung im Dezember auspreist. Von 47 auf nun 31%. Mitte September war der Markt sich noch unsicher. Mittlerweile wird eine Anhebung des Leitzinses mit 64% beziffert. Sollte die FED im November den Leitzins, wie erwartet, nicht anheben, so könnte die Erwartung für den Dezember nochmals Zulauf erhalten und auf 70 bis 90% eingepreist werden (je nachdem wie die Konjunktur-Daten bis dahin ausfallen und welche Einflüsse es noch geben wird (z.B. US-Wahl). Aktuell erwartet der Markt eine Leitzinsanhebung im Dezember auf 75 Bsp.

by Okt 13, 2016 Keine Kommentare
Die Höhle des Bösen? Streit um Syntellix

Die Höhle des Bösen? Streit um Syntellix

all

Spekulanten und Finanzinvestoren genießen in der Öffentlichkeit meist keinen guten Ruf. Vor allem in Deutschland besteht nur eine schwache Aktien- und Investmentkultur. Die Deutschen sparen lieber klassisch. Doch zunehmend schwappt die Euphorie aus den USA auch nach Deutschland. Selbst der „kleine Mann“ kann nun an der Börse handeln oder über Crowd-Funding Plattformen in Unternehmen investieren. Die Technik und das Internet macht es möglich.

Auch die äußerst beliebte VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ fördert das Image der Start-Up Kultur. Unternehmen zu gründen ist modern. Viele machen es. Alle denken an das ganz große Geld und den Durchbruch der eigenen Karriere. Doch immer wieder fallen Banken, Spekulanten und Finanzinvestoren durch rücksichtloses Vorgehen aus Gier nach Profit negativ auf und bestätigen das sich in der Gesellschaft verankerte Bild der bösen Finanzmarkt-Haie.

Aktuell gibt es einen medialen Aufschrei. Die wohl schillerndsten Unternehmer Deutschlands, Carsten Maschmeyer und Utz Claassen, haben sich mit ihrem aktuellen Engagement, dem Medizintechnik-Unternehmen Syntellix, verstritten. Die ehemaligen Freunde müssen die Streitigkeiten nun über Gerichte und Anwälte klären lassen.

Neuigkeiten zum Streitfall

Es gibt bereits Neuigkeiten im Streit um Syntellix. Die durch Herrn Maschmeyer gestellte Strafanzeige gegen Frau und Herrn Claassen wurde ohne Verfahren von der Staatsanwaltschaft Hannover als unbegründet abgelehnt. Es wird kein Verfahren eröffnet, da “keine zureichenden tatsächlichen Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten” von Claassen zu sehen seien. Derartige Werbeverträge gehörten zu den branchenüblichen Maßnahmen eines umsatzorientierten Unternehmens, so die Staatsanwaltschaft.[1]

Carsten Maschmeyer bemühte sich immer wieder mit aufwendigen und kostenintensiven, sozialen Kampagnen sein Image in der Öffentlichkeit zu verändern. Doch vor allem in wissenden Unternehmerkreisen sieht er sich einem eher schlechten Image konfrontiert. Viel Geld verdiente der Investor mit der durch ihn gegründeten Finanzvertriebsgesellschaft AWD. Viele kleine und mittelständische Personen investierten ihre Sparrücklagen in die Produkte dieses Strukturvertriebes und verloren ihre Rücklagen.[2] Bis 2009 meldeten sich 6.500 Geschädigte beim Verein für Konsumentenschutz-Informationen (VKI).[3] Dank der spendablen Nähe zur Politik konnte Maschmeyer beim Vertrieb der Rürüp-Rente maßgeblich mitwirken.[4] Kritik war selten erwünscht. So ging Maschmeyer beispielsweise gegen ARD, NDR und Journalisten gerichtlich vor, um die Veröffentlichung einer ihm gegenüber kritischen Dokumentation zu vermeiden. Der Deutsche Journalisten-Verband stellt fest, dass Maschmeyer die „Pressefreiheit und Demokratie bedroht“ hätte.[5] 2011 stellte der VKI Strafanzeige gegen Maschmeyer wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug und Gründung bzw. Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung.[6] [7]

Natürlich können wir hier nur auf die bestehenden Berichte im Internet zugreifen und diese wiedergeben. Auf der einen Seite steht es uns nicht zu, über eine Person zu urteilen und wir wollen dies auch nicht tun. Doch wir sind alle an Herrn Maschmeyer interessiert, seitdem er bei der Höhle der Löwen bewertet und investiert. Start-Ups hoffen auf erfahrene und vermögende Investoren, welche sich einbringen und das Start-Up fördern. Beim Start-Up Syntellix ging dies schief. Wir freuen uns seh, ein Interview mit Gründer und Besitzer der Syntellix AG, Utz Claassen, führen zu dürfen:

 

„Der Drückerkönig und die Politik – Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer“

 

Die Syntellix AG

Die Syntellix AG ist ein junges deutsches Medizintechnik-Unternehmen, das sich auf Forschung, Entwicklung und Vertrieb hoch innovativer bioabsorbierbarer – also selbstauflösender – metallischer Implantate spezialisiert hat. Ein einzigartiges Netzwerk von Spezialisten, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Werkstoffkunde, Biomechanik und Fertigungstechnik ermöglichen uns eine kontinuierliche Weiterentwicklung von innovativen bioabsorbierbaren Implantaten für verschiedene medizinische Indikationen. (Quelle: http://www.utz-claassen.de/zusatzpunkt-i/)

 

  1. Seit 2008 sind Sie Gründer, Mehrheitsaktionär und Aufsichtsratsvorsitzender des Medizintechnik Unternehmens Syntellix. Um dem jungen Unternehmen dringend benötigtes Kapital zu verschaffen, sollte ein dritter Investor über eine Kapitalerhöhung aufgenommen werden. Bei der Vorbereitung der Emission der Aktien hat Herr Maschmeyer jedoch unerwartet um die neuen Anteile mitgeboten. Das Gebot für die neuen Aktien hat der Aufsichtsrat jedoch aus formalen Gründen abgelehnt. Nun erhob Maschmeyer Strafanzeige gegen Sie mit dem Vorwurf der Veruntreuung von Geldern. Vor Kurzem verkaufte Herr Maschmeyer seine Villa am Starnberger See an den Geschäftsführer von Arthrex, dem größten Konkurrenten von Syntellix. Kurze Zeit später versuchte er Syntellix zu übernehmen. Glauben Sie, dass es hier einen Zusammenhang geben könnte? Handelte es sich um den Versuch einer feindlichen Übernahme? Wie bewerten Sie das Vorgehen von Herrn Maschmeyer?

Ich möchte mich an Spekulationen nicht beteiligen. Fakt ist, dass Herr Maschmeyer am 27. August 2015 nach der Mehrheit am Aktienkapital der Syntellix AG gegriffen hat, und dies, nachdem der Vorstand im Einvernehmen mit Aufsichtsrat und Hauptaktionären über viele Monate hinweg nach einem seriösen, extern Investor gesucht hatte – übrigens nicht zuletzt auf Anregung und Wunsch von Herrn Maschmeyer selbst. Fakt ist auch, dass ein von Herrn Maschmeyer in den Aufsichtsrat der Syntellix AG entsandtes Mitglied nachts um 01:04 Uhr am selben Tage, also wenige Stunden vor Unterbreitung des sogenannten Gegenangebotes von Herrn Maschmeyer, eine E-Mail an den Chef und Mehrheitseigner eines Hauptwettbewerbers der Syntellix AG richtete, in dem es unter anderem um das künftige Produktportfolio der Syntellix AG sowie die „Lieferbarkeit des Ausgangsstoffes“ der Implantate von Syntellix ging, mithin um die zentralen Säulen der Zukunftsstrategie von Syntellix. Fakt ist weiterhin, dass, nachdem Herr Maschmeyer die Mehrheit am Aktienkapital der Syntellix AG nicht erwerben konnte, die MM Familien KG (deren Komplementär er ist) in mehreren Hauptversammlungen der Syntellix AG gegen eine für den Fortbestand der Gesellschaft unabwendbar erforderliche Kapitalerhöhungen gestimmt hat. In Summe kann ich diese Fakten nur als „außerhalb meiner bisherigen Vorstellungskraft“ bewerten.

 

  1. Sie waren lange mit Herrn Maschmeyer befreundet. Doch erst versuchte dieser, das von Ihnen gegründete Unternehmen zu übernehmen. Nun verklagt er Sie. Wie stehen Sie dazu, dass ein ehemaliger guter Freund nun derart aggressiv gegen Sie vorgeht?

Er hat mich nicht verklagt, sondern eine Strafanzeige gegen mich und meine Frau erstattet, von der ich erst aufgrund einer Anfrage und der Berichterstattung des SPIEGEL erfuhr. Ohne jede Notwendigkeit, eine Strafanzeige gegen einen aktuellen oder ehemaligen Freund zu erstatten, dürfte an sich schon als “außergewöhnlich” zu bezeichnen sein, und dies umso mehr, wenn die Vorwürfe haltlos sind. Eine solche Anzeige an die Presse zu lancieren, bevor der zu Unrecht Beschuldigte die Vorwürfe überhaupt kennt, ist nach meinem persönlichen Empfinden die tiefste Form menschlichen Umgangs. Obendrein noch meine zuvor von ihm aufs Äußerste umschmeichelte, liebe Frau in diese – im Übrigen seit langem angekündigte „mediale Schmutzkampagne“ – hineinzuziehen, liegt indes außerhalb all dessen, was aus meiner persönlichen Sicht und nach meinem persönlichen Empfinden übliche Codizes, professionelles Niveau und zivilisierten gesellschaftlichen Umgang prägt. Es gibt offensichtlich nichts, das es nicht gibt.

 

  1. Herr Maschmeyer hat Strafanzeige wegen der Veruntreuung von Geldern gegen Sie und Ihre Frau erhoben. Hintergrund ist der 120.000€ schwere Sponsoring-Vertrag mit dem Fußball-Club RCD Mallorca, welchem Sie vorstehen. Wir haben ein wenig recherchiert:
    – 1998 gab Maschmeyer 650.000 DM zur Unterstützung des Wahlkampfes von Gerhard Schröder aus.[8]
    – 2014 gab Maschmeyer zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro für die Buch-Rechte an den Memoiren Gerhard Schröders aus – eine Summe, welche absurd hoch und durch den Verkauf der Bücher nicht erwirtschaftet werden kann.[9]

    Herr Maschmeyer hat also bereits oft hohe Summen für Sponsoring und Publicity ausgegeben. Nun stört er sich an 120.000€. Wie stehen Sie zu dem gegen Sie erhobenen Vorwurf?

Die Strafanzeige gegen mich und meine Frau ist unbegründet und haltlos. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er seine Vorwürfe selbst glaubt, zumal er in einer E-Mail an mich vom 20. Dezember 2012 unter Bezugnahme auf einen seinerzeit aktuellen Vorgang wörtlich erklärt hat: „Einen größeren Beweis für Deine Ehrlichkeit gibt es nicht.“

Die gegen mich erhobenen Vorwürfe sind jedenfalls in jeglicher Hinsicht haltlos, was auch Herrn Maschmeyer bekannt und klar sein muss. Ich beziehe mich insofern auf eine offizielle Stellungnahme des Vorstandes der Syntellix AG vom 23. September 2016, in der es wörtlich heißt:

„Im Zusammenhang mit Presseberichten über eine mutmaßliche Strafanzeige gegen Herrn Prof. Dr. Utz Claassen im Zusammenhang mit dem ehemaligen Trikotsponsoring der Syntellix AG beim spanischen Fußballclub Real Mallorca möchte der Vorstand der Syntellix AG zunächst darauf hinweisen, dass ihm eine etwaige Strafanzeige gegen Herrn Professor Claassen nicht bekannt ist (Herrn Prof. Claassen selbst im Übrigen auch nicht), jedenfalls nicht eine tatsächlich gestellte. Drohungen mit Strafanzeigen gegen Herrn Prof. Claassen und/oder diverse andere Organmitglieder der Gesellschaft hat es seit etwa einem Jahr wiederholt – direkt wie auch indirekt, offen und unverhohlen wie auch implizit und verdeckt – zu den verschiedensten Themen gegeben, ohne dass diesbezüglich jemals ein auch nur ansatzweise begründeter Anlass vorgelegen hätte oder erkennbar gewesen wäre (diffus mit Strafanzeigen gedroht wurde insofern schon vor Abschluss und Bekanntgabe des von Ihnen in Bezug genommenen Vertrages zwischen der Syntellix AG und RCD Mallorca). Nach dem festen Eindruck des Vorstandes ist dies Teil einer rechtsmissbräuchlichen bzw. rechtswidrigen gegen das Unternehmen und die Mehrheit seiner Aktionäre gerichteten maliziösen Kampagne. Der Aufsichtsratsvorsitzende hat in der Hauptversammlung der Gesellschaft in der vergangenen Woche den Begriff der „unwahrheitsbasierten Marodierungsstrategie“ verwendet, den der Vorstand für absolut zutreffend hält und der nach dem Eindruck des Vorstandes und nach den Abstimmungsergebnissen der Hauptversammlung zu urteilen offenbar die Meinung der überwältigenden Mehrheit der in unserem Aktienregister eingetragenen Aktionäre widerspiegelt. In der Hauptversammlung, in der das Aktienkapital der Gesellschaft vollständig zu 100 % vertreten war, hat im Übrigen kein einziger Aktionär diesem Begriff der „unwahrheitsbasierten Marodierungsstrategie“ widersprochen. Die einem oder mehreren Presseorganen offensichtlich zugespielten Informationen oder Unterlagen sind allem Anschein nach Teil dieser nach dem Empfinden des Vorstandes skandalösen Kampagne gegen ein potenzialträchtiges hoffnungsvolles Start-up Unternehmen, die Mehrheit seiner Aktionäre und auch seine engagierten und hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Vertrag mit RCD Mallorca wurde vom Vorstand der Syntellix AG einstimmig beschlossen und geschlossen. Eine Genehmigung durch den Aufsichtsrat der Gesellschaft war weder nach Gesetz noch nach Satzung noch nach Geschäftsordnungen des Aufsichtsrates bzw. des Vorstandes erforderlich. Diesbezüglich liegt dem Vorstand der Gesellschaft und dem Aufsichtsrat der Gesellschaft ein ausführliches Rechtsgutachten vor. Da eine Zustimmung durch den Aufsichtsrat der Gesellschaft nicht erforderlich war, waren seitens Syntellix weder Herr Prof. Dr. Claassen noch Frau Claassen an Beschlüssen über den Vertrag mit RCD Mallorca in irgendeiner Weise beteiligt – weder direkt noch indirekt. Herr Prof. Dr. Claassen und Frau Claassen haben auch in keiner Weise auf den Vertragsabschluss Einfluss genommen, was im Übrigen auch den Aktionären der Gesellschaft bekannt ist, da der Vorstand mehrfach die Hauptversammlung entsprechend unterrichtet hat. Sowohl der Aufsichtsrat als auch die Hauptversammlung der Gesellschaft wurden ausführlich über den zwischen der Syntellix AG und RCD Mallorca abgeschlossenen Vertrag informiert, obgleich eine rechtliche Erfordernis hierzu nicht vorlag. Die Information erfolgte insofern vor dem Hintergrund der hohen Governance-Standards der Syntellix AG und der höchstmöglichen Transparenz, die der Vorstand grundsätzlich gegenüber Aufsichtsrat und Aktionären sicherzustellen bemüht ist.

Als operativ potenziell wichtigste Entwicklungserfordernis der Gesellschaft in ihrer seinerzeit vorliegenden Entwicklungsphase betrachtete und betrachtet der Vorstand die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Marke Syntellix und ihrer Produkte, sowie insbesondere auch den verbesserten kommunikativen Zugang zu Patienten bzw. der breiten Nutzer- und Anwenderbasis unserer Implantate – dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Tatsache, dass unsere auf einer hochinnovativen Magnesiumlegierung aufbauenden Produkte insbesondere für den Patienten als „Endnutzer“ bzw. „Endanwender“ einen disruptiven Vorteil im Vergleich zu traditionellen Implantaten auf Titan- oder Polylactid-Basis bieten. Die wichtigste Zielsetzung im Hinblick auf die Vereinbarung mit RCD Mallorca in der seinerzeit und aktuell vorliegenden Entwicklungsphase der Gesellschaft waren die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Marke Syntellix (Markenbekanntheit) durch den Imagetransfer von der international etablierten Marke Real Mallorca, sowie der kommunikative Zugang zu „Endnutzern“ bzw. „Endanwendern“ in Spanien und ganz Europa.

Spanien hat sich in kürzester Zeit zum weltweit zweitbesten Auslandsmarkt im Geschäftsjahr 2015 entwickelt. Diese Entwicklung des spanischen Marktes war hinsichtlich der außergewöhnlich hohen Wachstumsraten insoweit besonders erfreulich, als der Markteintritt erst Mitte des Jahres 2015 erfolgte. Es liegt auf der Hand, dass auch unser Engagement bei RCD Mallorca zu der extrem guten und schnellen Umsatzentwicklung einen erheblichen Beitrag geleistet hat; dies wird auch durch verschiedene Rückinformationen aus dem spanischen Markt deutlich gestützt.

Über die vorstehenden Sachverhalte hat der Vorstandsvorsitzende Thomas Mayer in drei (!) Hauptversammlungen der Gesellschaft aufs Ausführlichste informiert, und zwar am 17.12.2015, am 22.06.2016 und zuletzt am 15.09.2016. Es gab dabei nach vollumfänglich und vollständig erfolgter Information durch den Vorstand auch auf ausdrückliche Nachfrage des Versammlungsleiters hin von keinem einzigen Aktionär auch nur eine einzige offene oder unbeantwortete Frage, und es gab auch auf ausdrückliche Nachfrage hin von keinem einzigen Aktionär auch nur eine einzige Rückfrage. Dies ist mittels vorliegendem stenografischem Wortlautprotokoll eindeutig belegt. Kein einziger Aktionär hat nach der entsprechenden vollumfänglichen und vollständigen Information den Nutzen des Vertrages auch nur ansatzweise in Frage gestellt.“

 

„Abzocker Maschmeyer – Liebling der Politik“

  1. Schauen Sie die Sendung „Die Höhle der Löwen“? Wie finden Sie diese?

Ich hatte in der Vergangenheit einzelne Male hineingezappt. Ich kann verstehen, dass Zuschauer sie interessant finden und halte sie fernsehtechnisch für sehr gut gemacht. Als Manager und Ökonom bin ich jedoch besorgt, wenn der TV-begeisterten Bevölkerung suggeriert wird, Wirtschaft werde gemacht und Werte würden entstehen, indem jemand nach oberflächlichster Betrachtung mal drin und mal raus ist. Ein solches „rein oder raus“ ist im Grunde professioneller Investoren – die sich üblicherweise vor einem finanziellen Engagement mitunter über Monate hinweg äußerst sorgfältig vorbereiten, analysieren und abwägen – nicht würdig. Deshalb war ich sehr überrascht, als mein seinerzeitiger Freund Carsten bereit war, in diese Höhle zu gehen. Jetzt bin ich es nicht mehr – aber ich schaue auch die Sendung nicht mehr.

 

  1. Herr Maschmeyer ist seit der jüngsten Staffel einer der fünf investierenden Löwen. Glauben Sie, dass er in die Rolle der Sendung passt, interessante Ideen zu finanzieren und fördern? An den Recherchen meinen wir zu erkennen, dass Maschmeyer in der Vergangenheit seine Chancen stets nutze und als Finanzinvestor viel Geld verdienen konnte – könnten sich daraus Nachteile für die sich in der Sendung vorstellenden Start-Ups ergeben?

Jeder Startup-Unternehmer muss für sich beurteilen, wen er als Investor in sein Unternehmen lässt. Ob die Strafanzeige des Startup-Investors Maschmeyer gegen den Startup-Unternehmer Claassen für die Sendung, für dort um Investoren werbende Startups oder für Herrn Maschmeyer als Investor oder Fernseh-Star hilfreich war, ist oder sein wird, wird sich zeigen.

 

Herr Claassen, wir danken Ihnen sehr für das aufschlussreiche Gespräch. Wir konnten einen Einblick in die Arbeit und Vergangenheit von Herrn Maschmeyer werfen. Wir würden uns sehr über eine Stellungnahme oder ein Gespräch mit Herrn Maschmeyer freuen, um diese Thematik auch von der anderen Seite aus beleuchten zu können.

 


Quellen:
[1] http://www.spiegel.de/wirtschaft/carsten-maschmeyer-scheitert-mit-strafanzeige-gegen-utz-claassen-a-1115994.html
[2] http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-77299743.html
[3] http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/454947/AWD_VKI-mit-6500-Beschwerden-fur-Sammelklage?direct=463983&_vl_backlink=/home/wirtschaft/boerse/454430/index.do&selChannel=
[4] http://timschaefermedia.com/schroeder-riester-ruerup-maschmeyer-und-das-geld-der-rentner/
[5] https://www.welt.de/kultur/article12334654/Carsten-Maschmeyer-startet-Kreuzzug-gegen-NDR.html
[6 http://www.stern.de/wirtschaft/news/verbraucherschuetzer-zeigen-maschmeyer-an-wiener-staatsanwalt-prueft-betrugsvorwuerfe-gegen-awd-3437590.html
[7] https://kurier.at/wirtschaft/strafanzeige-gegen-awd-gruender/751.115
[8] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/werbetrick-mit-stoiber-tick-die-mysterioese-anzeige-gegen-den-aeh-kandidaten-a-214425.html
[9] http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/wie-awd-gruender-maschmeyer-die-politik-insturmentalisierte-a-1002841.html

 

by Okt 11, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

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Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Trading ist ein Wechselspiel aus Reaktion und Aktion. Börse bedeutet zu bewerten, einschätzen und handeln. Doch wer agiert, reagiert und bewertet macht Fehler. Fehler machen ist menschlich. Wir können nie absolut rational handeln und wir sind nie frei von externen Einflüssen. Unser Unterbewusstsein und unsere vererbten Verhaltensmuster zwingen uns zu teils glücklichen aber auch unglücklichen Handelsentscheidungen. Vor allem in einem derart schnelllebigen und stressigen Umfeld ohne genügend Zeit um auf ausreichend Informationen zugreifen zu können macht jeder von uns Fehler.

Doch wir sollten unsere Fehler nicht hinnehmen, weil diese menschlich und schier unvermeidbar sind. Börse bedeutet vor allem sich selbst kennenzulernen. Dementsprechend müssen wir unsere Fehler erkennen und uns eingestehen (was den meisten Menschen schwerfällt) und kritisch analysieren. Wir sollten uns selbst den Kampf ansagen und uns und unsere Fehler verstehen. Wir sollten stets bemüht sein unser Verhalten zu analysieren und optimieren und die Summe der persönlichen Fehler möglichst weit zu reduzieren.

Um unser Verhalten zu optimieren und eigenes Fehlverhalten zu erkennen benötigen Grundwissen über typische psychologische bzw. verhaltenstechnische Fallen bei Anlegern. In diesem Blog der Reihe „Börsenpsychologie“ möchte ich über die Trugschlüsse von Spielern aufklären:

Der Spielerfehlschluss oder auch Trugschluss eines Spielers ist einer der wohl häufigsten Fehler den wir Menschen begehen. An der Börse machen viele Anleger auf Basis dessen viel Verlust. Doch was ist das? Ein Trugschluss entsteht, wenn wir einen logischen Fehlschluss bilden. Ein logischer Fehlschluss ist ein logischer Gedanke, welcher jedoch auf einer falschen Vorstellung beruht. Kurz: Wir ignorieren die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wegen einer fehlgeleiteten Annahme.

 

Schusselfehler bei der Wahrscheinlichkeits-Bestimmung

Gerne übersehen beispielsweise Glücksspieler den Mechanismus des Zufalls und gehen davon aus, dass ein zufälliges Ereignis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eintreten müsste, wenn es über eine längere Zeit nicht eingetreten ist. Doch der Zufall hat ein Gedächtnis. Ich möchte dies am Roulette erklären: Casino-Betreiber machen sich den unterbewussten Trugschluss zu Nutze und stellen an Roulette-Tischen Bildschirme auf, welche die gefallenen Zahlen und Farben der letzten 5 oder 10 Runden anzeigen. Schnell entwickeln unbedarfte Spieler den logischen Schluss, dass es Zyklen gebe. Fällt die Kugel beispielsweise 5 oder 10 Mal auf schwarz, so setzen Spieler schnell ihr Geld auf Rot, da sie ein Enden der Reihe erwarten. Was sie dabei übersehen: Jedes Spiel steht für sich selbst. Und mit jeder Runde ist die Wahrscheinlich für die Farbe Rot dieselbe wie zuvor. Sie steigt nicht nach 5, 10 oder auch 1000 Mal Schwarz in Folge. Dieser logische Fehlschluss kann Spielern zum Verhängnis werden.

An der Börse erkennen wir dieses Verhalten oftmals bei fallenden Kursen. Mit Skandalen und anderen Dinge rutscht ein Wert ab. Erst 5, dann 10 und zuletzt 15% Verlust. Nun steigen viele Anleger, basierend auf dem Trugschluss „Das muss doch bald Mal drehen“, ein. Anleger sollten sich immer der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls bewusst sein. Nur weil bei einem Münzwurf mehrfach in Folge Kopf geworfen wurde steigt nie die Wahrscheinlichkeit für Zahl. Nur weil Börsenkurse mehrere Tage in Folge steigen oder eine Hausse bereits überdurchschnittlich lange dauert muss keine Baisse kommen. Die Einflüsse auf Kurse an der Börse sind weitaus komplexer. Gern würden wir einfache Zyklen handeln. Kopf, Zahl, Kopf, Zahl. Wie schön wäre Börse, wenn es so einfach wäre nach einer drei Mal Schwarz auf Rot zu setzen und dann zu gewinnen. So einfach ist es jedoch nicht. Trotzdem erliegt man schnell solchen Trugschlüssen.

 

Selbstwertdienliche Verzerrung

Kennen sollten Sie auch den self-serving bias. Im Deutschen auch als Phänomen der „Selbstbestätigung“ definiert. Hierbei handelt es sich nicht um eine dem Selbstwertgefühl dienlichen Verzerrung. Hierbei definieren wir Fakten um, verharmlosen Sachverhalte oder verändern unseren Standpunkt um eine uns unangenehme Situation derart zu entfremden, dass wir sozusagen sprichwörtlich aus dem Schneider sind. Probleme mit dem self-serving bias haben vor allem Händler, welche ihr Selbstwertgefühl durch die Börse steigern wollen. Sie sind gierig nach Erfolgen, Rendite und wollen, dass dies jeder sieht. Hierbei tun sie alles, um immer der erfolgreiche und von anderen beneidete Trader zu sein. Dem Trading dienlich ist dies nicht. Fehler werden ignoriert oder beschönigt. Gute Trader gehen mit sich selbst hart ins Gericht. Sie suchen schonungslos nach eigenen Schwächen um ihr eigenes Trading zu verbessern.

Grundlegend ist eine selbstwertdienliche Verzerrung uns selbst Erfolge zuzuschreiben, jedoch Misserfolge auf externe Faktoren abzuwälzen. Erfolgreiche Trades führen wir auf unsere Analyse und unser Handeln zurück. Für verlustschreibende Trades können wir dann jedoch Nichts. Das war nicht zu erwarten. Die Situation hat sich verändert. Der Markt verhält sich komisch.

 

Gründe für ein derartiges Verhalten könnten sein:

  • Verteidigung eines stabilen und positiven Selbstbildes
  • Selbstdarstellung
  • Wissen um frühere Leistungen
    Die Erfahrung eine Aufgabe früher gemeistert zu haben lässt uns verzerrt wahrnehmen, dass ein Misserfolg beim wiederholten Versuch an externen Faktoren liegen müsse.
  • Vermeiden von Hilflosigkeit
    Einige Dinge können wir nicht beeinflussen. Darunter fallen beispielsweise Verbrechen, Sterblichkeit oder Naturkatastrophen. Wir neigen jedoch dazu das Vermeiden dieser Dinge (was ein Erfolg für uns ist) uns selbst zuzuschreiben. Wir gestehen uns nicht ein diesen Faktoren hilflos gegenüberzustehen. Dies nennt man auch Defensiv-Attribution. Ist man Opfer eines solchen Ereignisses, dann führt man dies darauf zurück, dass es ja nicht vermeidbar/beeinflussbar war. Ist man nicht Opfer, dann schreibt man sich diesen Erfolg seinem eigenen Verhalten zu.
  • Unrealistischer Optimismus
    Die meisten Menschen glauben mehr positive als negative Erlebnisse zu haben.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Okt 07, 2016 Keine Kommentare
George Soros – Krieg und Frieden

George Soros – Krieg und Frieden

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Mit einem durch das Forbes Magazine geschätzten Vermögen über rund $25 Milliarden erfreut sich George Soros über den Platz 21 der reichsten Personen der Welt. Reich wurde er als Hedgefonds-Manager mit riskanten und aufsehenerregenden Spekulationen. Er ist einer der bekanntesten Investoren weltweit und fällt immer wieder durch spektakuläre Investments auf. Zuletzt verdoppelte Soros im August 2016 seine Wette gegen den SP500 auf ein Volumen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Wenn George Soros eine Möglichkeit wittert, ist er ein gnadenloser Spekulant auf der Suche nach maximalem Profit. Doch er ist nicht nur der klassische Finanzhai. Soros ist eine extrem spannende Person. Er hat zwei Seiten – Krieg und Frieden. Ich möchte dich mit diesem Artikel in die Welt des Milliardärs mitnehmen.

Hier lassen sich Essays von George Soros lesen.

 

Werdegang von George Soros

Geboren wurde György Schwartz (bürgerlicher Name) am 12. August 1930 in Budapest. Heute ist George Soros ein US-amerikanischer Investor mit ungarischen Wurzeln. Trotz der jüdischen Herkunft konnte Soros die Besetzung durch das NS-Regime überleben, nachdem er sich mit seinem Vater lange Zeit versteckt hielt. Nach dem Besuch des Esperanto-Weltjugendkongresses blieb George Soros in England und studierte an der London School of Economics and Political Sciense (LSE) Philosophie und erlangte die Promotion. Die Lehren seines Dozenten Karl Popper prägten Soros Weltbild einer offenen Gesellschaft. Nachdem er 1956, mit 26 Jahren, in die USA zog, übernahm er 1968, mit 38 Jahren, erst das Management eines Hedgefonds, welcher in Curacao angesiedelt war, und gründete daraufhin 1969 seinen bekannten Quantum Funds. Heutzutage führt und managt er zahlreiche Fonds, zusammengefasst in der Soros Fund Management LLC.

 

Krieg mit George Soros

Soros ist ein unerbittlicher Investor. Wittert er eine Gelegenheit Gewinne zu machen, so nutzt er diese schamlos aus. Krieg mit bzw. gegen seine Milliarden ist ein schier unmögliches Unterfangen. So zwang der amerikanische Starinvestor Großbritannien 1992 zum Austritt aus dem europäischen Währungssystem (EWS) und besiegte die Bank of England im Kampf um die Bewertung des Pfund. Seitdem trägt George Soros auch den Beinamen „the man who broke the Bank of England“. Durch den Beitritt der Briten 1990 zur EWS verpflichteten sich diese, einen festen Wechselkurs zur deutschen Mark (DM) einzuhalten. Ohne Absprachen entschied sich die Bank of England am Anfang eine sehr hohe Bewertung des Pfund festzusetzen und durch Veränderungen des Leitzinses und Interventionen am Kapitalmarkt aufrechtzuerhalten. Es war die turbulente Anfangsphase des EWS bei dem die Dänen das Währungssystem ablehnten und auch die italienische Lira als überbewertet galt.

Schnell wetteten zahlreiche Investoren gegen das Pfund. Insgesamt 10 Milliarden Pfund wurden verkauft und vor allem gegen die deutsche DM und den französischen Franc eingetauscht. Durch diese Verkäufe des britischen Pfund sank der Wert des Pfund, welchen die Bank of England durch Interventionen wieder anheben zu versuchte. Dies konnte die britische Zentralbank entweder durch die Anhebung des Leitzinses oder das Einziehen von Pfund-Noten am Markt mit der Konsequenz der Verknappung der Währung tun. Das pfund konnte die BoE mit eigenen Devisen (Fremdwährung) am Markt aufkaufen und hatte somit lediglich einen begrenzten Spielraum das Pfund stützen zu können. Gingen die Währungsreserven zur Neige konnte die Bank of Engalnd das Pfund nicht mehr aufkaufen bzw. stützen.Am 16. September 1992, dem „Black Wednesday“, gab die Bank of England auf. Das Vereinigte Königreich musste die Schande über sich ergehen lassen aus dem EWS austreten zu müssen. Dies fachte die europafeindliche Stimmung im Königreich an. Auch verlor die damals noch hoch geschätzte Bank of England ihr Image der zuverlässigsten Zentralbank weltweit. Während Soros innerhalb einer Woche durch den im Wert sinkenden Pfund eine Milliarde US-Dollar verdiente, schätzte die britische Regierung 2005 die Kosten der Intervention der BoE für den Steuerzahler auf 3 bis 5 Milliarden Pfund. Noch heute stellt die Pfundkrise einen beschämenden Fleck in der Geschichte des Vereinigten Königreiches dar.

Vor allem in den 1990er Jahren fiel Soros durch zahlreiche große Spekulationen auf. 1993 wettete George Soros gegen die D-Mark und 1997 warf man ihm vor, Schuld an der malaysischen Finanzkrise zu sein. An der Finanzkrise 2008 verdiente Soros 2,9 Milliarden USD. Bis Ende 2009 stieg das Vermögen seiner Fonds-Gesellschaft auf 24 Milliarden USD.

Die Feldzüge von George Soros gegen Währungen, Indizes und Finanzsysteme können oft mit politischen Motiven in Verbindung gebracht werden. Immer wieder mischt sich der Großinvestor in Länder und Politik ein und nimmt aktiv Einfluss. So galten seine Wetten in den 1990er Jahren gegen europäische Währungen bereits dem Kampf für faire Bedingungen unterentwickelter Länder. Mit 23,5 Millionen US-Dollar setzte sich George Soros gegen die Wiederwahl des Republikaners George W. Bush ein. Die von Soros gegründete Open Society Foundations (OSF) ist in über 50 Ländern aktiv. Die Büros dieser Stiftung liegen nah an staatlichen Behörden oder direkt in den Gebäuden dieser. Vor allem in ehemaligen Ländern der sowjetischen Republik ist die Stiftung sehr aktiv. Mit viel Geld und viel Nähe zu staatlichen Institutionen vermutet man, dass George Soros immer wieder Einfluss auf Wahlen, Prozesse und Politik nimmt. Auch kommt er durch dieses weitverzweigte Netzwerk schneller an Informationen als andere Personen. Aktiv unterstützte Soros auch Dissidenten und Oppositionen in der Sowjetunion mit drei Millionen Dollar jährlich.

Zuletzt hatten Soros politische Einmischungen in der Ukrainekrise Aufsehen erregt. So bedankte sich Präsident Poroschenko 2014 für die Unterstützung des Investors. Soros investierte mehrere Milliarden Dollar in ukrainische Staatsanleihen, rief andere Investoren auf dies ebenfalls zu tun und forderte immer wieder vehement die EU auf selbst bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren. Aus seiner Sicht muss die EU den Krieg der Ukraine unterstützen und selbst auch führen. Versuchte Soros damals noch Einfluss auf den Sturz der Sowjetunion zu nehmen, so tut er dies nun gegen Russland. Seine Fonds und er sind durch die russische Regierung auf Grund der tendenziell russlandfeindlichen Rhetorik des Investors als „unerwünscht“ eingestuft. 2016 kündigte Soros an, über 10 Jahre verteilt bis zu 500 Milliarden USD in die Ukraine investieren zu wollen, nachdem er 2015 den ukrainischen Orden der Freiheit erhalten hatte.

Frieden mit George Soros

Während der berühmte Hedgefonds-Manager politisch Einfluss nimmt und unerbittlich auf der Suche nach Profit vor scheinbar nichts zurückschreckt, gibt es auch eine andere Seite des Investors. Geprägt durch sein Philosophie-Studium und die Lehre der offenen Gesellschaft von Karl Popper pflegt George Soros ein philanthropisches Weltbild. Das Konzept der offenen Gesellschaft spiegelt sich auch in der Namensgebung der Open Society Fundation wider.

Mit der OSF und der Soros Foundation förderte er beispielsweise die Möglichkeit schwarzer südafrikanischer Studenten an der University of Cape Town studieren zu können. Die Time schätzte 2007 die Gesamtsumme der Spenden durch George Soros für das philanthropische Weltbild auf 7 Milliarden USD.

George Soros unterstützt die „Reporter ohne Grenzen“ finanziell und kritisiert immer wieder die Einmischung der USA in andere Länder als nicht förderlich. So behindere das Engagement der USA beispielsweise eine Friedensfindung zwischen Israel und Palästina. Ob der Vorwurf der politischen Einmischung der USA durch einen Investor, welcher sich aktiv weltweit politisch einmischt, jedoch viel Wert verliehen werden kann, ist zu bezweifeln.

Seit 2009 unterstützt George Soros Climate Policy Initative mit jährlich 10 Millionen US-Dollar zur Erforschung von Klimaschutzmaßnahmen. Das von ihm 2009 mit $50 Millionen gegründete Institute for New Economic Thinking soll neue Theorien der Volkswirtschaft entwickeln. 2010 erklärte sich Soros bereit weitere 7 Milliarden Dollar für gute Zwecke im Sinne der Initiative „The Giving Pledge“ zu spenden.

George Soros kritisiert die Deregulierung der Finanzmärkte – und das obwohl er auf der einen Seite davon profitiert und seine Fonds selbst in Steuerparadiesen angesiedelt hat, um sich dem Zugriff der Regulierung und Finanzämter in den USA und Europa zu entziehen.

 

Fazit

Ich finde George Soros einen sehr spannenden Charakter. Es ist ein Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden. Auf der einen Seite der Philosophie-Student, welcher sich für Menschenrechte, Gleichberechtigung und eine offene Gesellschaft in Form der Philanthropie einsetzt. Auf der anderen Seite ein politisch unnachgiebig einflussnehmender Investor, welcher sein Netzwerk und seine finanzielle Macht maßlos zur Einflussnahme nutzt. George Soros setzt sich für sein Weltbild ein und führt auf der einen Seite Kriege gegen Systeme, welche ihm nicht gefallen, und auf der anderen Seite arbeitet er mit Spenden und Stiftungen an einer offenen Gesellschaft und Frieden.

Es ist unvorstellbar, wie viel Schlagkraft und Macht George Soros durch seine Milliarden ausübt. Er war bereits 1992 stärker als die Bank of England (nun gut, nicht er alleine) und kann wahrscheinlich auch heute noch Systeme, Regierungen, Währungen und Länder beeinflussen und/oder vernichten (wenn sich ihm andere Investoren anschließen). Hätte ich die Möglichkeit, Soros eine Frage zu stellen wäre es die, wie er die Konsequenzen seines Handelns bewertet? Durch seine Feldzüge und Einflussnahmen wurden viele Menschen arbeitslos, viele Steuergelder wurden vernichtet und ganze Länder in den Ruin getrieben. Ist es das aus seiner Sicht wert?

by Sep 30, 2016 3 Kommentare
Die Welle der Volatilität reiten

Die Welle der Volatilität reiten

JH

Nach fast zwei Monaten Flaute kam wieder Wind auf. Auf dem zuvor im August eher ruhigen Gewässer der Börse wurde es wieder windiger und welliger. Mit der zurückkehrenden Volatilität am Markt kommt Bewegung in die Kurse. Die Sommerpause ist vorbei. Doch wie reite ich nun diese Welle der Volatilität? Und könnte sich aus dem Wind ein Sturm entwickeln? Ich habe meine aktuellen, eher verhaltenspsychologisch-basierten, Gedanken dazu in diesem Blog ausformuliert.

Am 6. September bin ich bereits auf die fehlende Volatilität in diesem Blog eingegangen

Wie regiert der Markt auf einen heftigen, schnellen und plötzlichen Schock? Zuletzt erlebten wir dies Anfang des Jahres mit dem Renminbi-Schock. Nach einem sechs-wöchigen Ausverkauf (41 Tage) fanden die Anleger wieder Mut und schoben den Aktien über 10 Wochen bis auf 10.122 Punkte (23.03.2016). In dieser 10-wöchigen Rallye gewann der DAX rund 1.300 Punkte dazu oder auch 16,4% an Wert. Darauf folgte eine unschlüssige Seitwärtsphase mit einer Korrektur um 8,8% (-688 Punkte), um dann gestärkt nochmals auf das damalige Jahreshoch bei 10.474 Punkten (20. April) zu steigen.

  • Nach dem Schock stieg der DAX um 16,4%
  • Nach einer Seitwärtsphase korrigierte der DAX um 8,8%
  • Nach dieser Korrektur schoss der DAX 10,4% nach oben auf das Hoch des 1. Halbjahres

Auch nach der überraschenden Brexit-Entscheidung in UK brach der DAX zusanmmen. Nach einer vier-wöchigen extrem volatilen Phase (26 Tage) fanden die Bullen wieder in die Spur und schoben den DAX – ähnlich zum Jahresanfang – um diesmal 17,2% bzw. rund 1.600 Punkte. Nach einer sehr langen wenig bewegten Phase folgte nun in den letzten Wochen erst eine Korrektur um 5% und aktuell steigen die Kurse bereits wieder. Wie weit steigen die Kurse nun? Zuletzt sahen wir das Hoch des 1. Halbjahres. Sehen wir nun ein neues Jahreshoch über 10.800 Punkten? Ich könnte mir das, anhand dieses Vergleichs, sehr gut vorstellen.

  • Nach dem Schock stieg der DAX um 17,2%
  • Nach einer Seitwärtsphase korrigierte der DAX um 5,0%
  • Bisher hat der DAX wieder 3,5% seit dem Tief dieser Korrektur dazugewonnen

dax-performanceAußergewöhnlich lange erlebten wir zuletzt vom 10.08. bis zum 18.09. eine wenige bewegte Phase. Nur selten überstieg die tägliche Entwicklung +1 oder -1%. Auch an der summierten Performance änderte sich lange Zeit kaum etwas. Seit kurzem steigt die Volatilität jedoch wieder deutlich an. Es kommt wieder Wind und die Markteilnehmer bewegen sich. In welche Richtung werden sie getrieben werden?

Wir erleben politisch geprägte Börsen. Die Anleger reagieren auf die Zentralbanken. Die Hochs und Tiefs 2015 und 2016 lassen sich alle direkt in Relation mit Zentralbanktagen bringen. Die Hoffnung auf billiges Geld oder die Sorge vor Veränderung treibt die Entwicklung der Kurse. Für jeden Anleger sollten die Termine von EZB, FED, BoJ und aktuell auch BoE fester Bestandteil des Kalenders sein. Ich nennen die Kursgewinne in den 2 bis 4 Wochen vor einem wichtigen Termin (meist einer Woche mit EZB und FED gemeinsam) gerne “Zentralbankrallye”. Diese Rallye endet oder startet mit genau jener Woche.

Derzeit hat das Warten nach dem Brexit (sozusagen das Sommerloch) ein Ende. Die FED spült weiterhin billiges Geld in den Markt und Draghi macht keine Anstalten seine expansive Politik zu beenden. Doch zum Jahresende werden auch die Fragen und kritischen Blicke wieder stärker werden. Wie war das Jahr? Brachte es etwas? Was haben die Notenbanken bewirkt? Mit den Wahlen in Italien und den USA, der Entscheidung der britischen Regierung um den Brexit und dem Zugzwang der Notenbanken stehen uns interessante Monate bevor.

Die erste verhaltenspsychologische Analyse habe ich Anfang 2016 veröffentlicht. Hier zu finden.

by Sep 23, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

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Bis heute basieren ein Großteil der Modelle und Theorien der Makro- und Mikroökonomie auf der Nutzentheorie (auch Nutzenfunktion). Hierbei geht man davon aus, dass sich ein Marktakteur immer für die Möglichkeit entscheidet, welche seinen Gewinn/Nutzen maximiert und die Kosten/Aufwand minimiert. Dieses rationale und erwartbar-logische Verhalten spiegelt sich im Konzept des homo oeconomicus wieder. Die britische Zeitschrift „The Economist“ nutzte 1999 die Metapher des Mr. Spock als emotional disziplinierten und absolut logisch und rational denkenden Akteur[1].

Den meisten Konzepten der Ökonomie liegt der homo oeconomicus zu Grunde. Grund dessen ist das erwarte Verhalten dieser fiktiven Person. Individuelle Charakterzüge und die Psychologie des Menschen – wie z.B. Emotionen – werden nicht beachtet um die Modelle und Theorien möglichst einfach zu gestalten. Seit 1940 entwickeln zahlreiche Wissenschaftler jedoch neue Ansätze. Mr. Spock ist zwar eine interessante Persönlichkeit, aber in keinem Fall menschlich. Und ökonomischen Konzepten eine nicht-menschliche und fiktive Person zu Grunde zu legen ist fraglich. Seit etwa 1980 erlebt der junge Teilbereich der Ökonomie, die Verhaltenspsychologie oder auch Behavioral Economics, immer mehr Zulauf und Zustimmung.

1979 veröffentlichten die amerikanischen Wissenschaftler Daniel Kahneman (2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet) und Amos Tversky ihre Weiterentwicklung der Nutzentherorie. Diese Prospect Theory (Neue Erwartungstheorie) zählt zu den in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am häufigsten zitierten Beiträge. Das Konzept stellte eine Revolution der bisherigen ökonomischen Gedankenwelt dar. Die Prospect Theory erlaubt die Beschreibung menschlicher Entscheidungsfindungen bezüglich risikoreicher Situationen mit Einbezug von Psyche und Charakter des Akteurs.

Ich möchte dich mit diesem Beitrag in die Erwartungstheorie und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf menschliches Verhalten einweihen. Trader müssen täglich Entscheidungen unter Zeitdruck, ohne vollständige Information und im Umfeld hohen Risikos treffen. Das Wissen über den Ablauf der Entscheidungsfindung in diesen Situationen hilft dir dich selbst als Trader besser kennenzulernen und auch das (menschliche) Verhalten der Akteure an der Börse besser zu verstehen.

Heuristik

Heuristik

Die Prospect Theory ist ein Bestandteil der Heuristik, welche sozusagen das Fundament der Verhaltensökonomie darstellt. Die Heuristik umfasst dabei das Verhalten des Menschen Problemstellungen ohne nutzbare Methode zur Lösung, unter Zeit- und emotionalem Druck und ohne vollständige Information zu lösen. Um das Problem zu lösen, für welches keine erprobte Lösungsstrategie vorliegt, muss die jeweilige Person auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen und bestehende Methoden anpassen oder persönliche Tendenzen zur Entscheidungsfindung nutzen. Heuristik findet sich vor Allem in komplexen, schnelllebigen, kaum überschaubaren und unzureichend strukturierten Problembereichen.

 

Die Prospect Theory

Während die ursprüngliche Nutzentheorie alle Gewinne als positiv definiert und bestimmt, dass sich der Akteur für den Maximalgewinn entscheidet geht die neue Nutzentheorie, die Prospect Theory, auf den Entscheidungsprozess des Akteurs ein: dieser wird in zwei Phasen, das editing (Bearbeitung) und evaluation (Bewertung) unterteilt.

In der ersten Phase – dem editing – ordnet der Akteur die möglichen Entscheidungen heuristisch in Bezug zu seinem Referenzpunkt. Alle Ergebnisse unterhalb des Referenzpunktes werden als Verluste wahrgenommen, alles oberhalb dessen als Gewinn. Möchte ein Trader ungenutztes Cash (z.B. 2.000€) gewinnbringend anlegen und innerhalb der nächsten Monate 10% Gewinn, also 200€ Profit, machen, dann liegt sein Referenzpunkt bei der Bearbeitung und Beurteilung möglicher Anlageobjekte bei +10%. Alle Ergebnisse unterhalb nimmt die Person emotional tatsächlich als Verlust wahr. Entscheidend ist also nicht der Gewinn, sondern der Referenzpunkt, welcher von außen beeinflusst werden kann (siehe kognitive Verzerrungen, Ankereffekt). Der Moment, wenn der persönliche Referenzpunkt festgelegt wird, nennt sich Kodierung. Auf die Kodierung folgt das heuristische Einordnen der Möglichkeiten und abschließend vier weitere kleine Phasen, welche vor allem der Vereinfachung dienen: Die Wahrscheinlichkeiten identischer Ergebnisse werden addiert, gemeinsame Bestandteile, welche für alle Möglichkeiten gelten, ignoriert, Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten vereinfacht, sowie stochastisch dominierende Aspekte ausgesondert.

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In der zweiten Phase – der evaluation – werden die vorhandenen Alternativen (Prospects) bewertet. Hierbei ist einerseits die Wertefunktion und andererseits die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion entscheidend. Wie wir bereits wissen wird jedes Ergebnis, welches besser als der Referenzpunkt (Mindesterwartung) abschneidet, als Gewinn wahrgenommen. Hierbei ist anhand der Wertefunktion erkennbar, dass jeder anfängliche Zusätzliche Gewinn über den Referenzpunkt hinaus als besonders starker Wertzuwachs empfunden wird. Der Gewinn-Zuwachs über den Referenzpunkt +10% auf +14% (4% mehr) hinaus wird als wesentlich wertvoller wahrgenommen als ein Gewinnzuwachs von +20 auf +24% (ebenfalls 4% mehr) bei gleichem Referenzpunkt. Gleiches gilt auch im negativen Bereich. Fällt der Zuwachs einer Position um 2% auf nur noch +8%, so wird dies einerseits als Verlust empfunden und wesentlich intensiver verarbeitet als ein Sinken um 2% von zum Beispiel -4 auf -6%. Neben dem Empfinden des Wertzuwachses werden die möglichen Alternativen durch den Akteur ebenfalls nach der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet. Zuletzt entscheidet sich die Person für einen Wert, welcher bezogen auf den persönlichen Referenzpunkt, die Werte- und Wahrscheinlichkeitseintrittsfunktion am besten abschneiden könnte.

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Kognitive Verzerrungen

Im Entscheidungsprozess der Prospekt Theory spielt der Charakter und die Psyche des Akteurs eine gewichtige Rolle. Er muss kodieren, gewichten, sortieren, bewerten und entscheiden. Dies muss er heuristisch meist unter Zeitdruck, Einflüssen aus seiner Umwelt und ohne vollständige Informationen und erprobte Lösungsmethoden umsetzen. Hierbei sind kognitive Verzerrungen (biases) erkennbar. Hierbei handelt es sich um unbewusste systematisch fehlerhafte Neigungen des Akteurs beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen.

Darunter fallen zum Beispiel die Nähe-Verzerrung und das Priming. Bei Ersterem kann die Nähe einer Person zu einer Problemstellung zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Dies zeigt bei Tradern vor Allem daran, dass in Depots oft jene Branchen übergewichtet werden, welche auf Grund von Kontakten, Empfehlungen und des eigenen Berufs besonders gut kennt. Diese Thematik werde ich im siebten Artikel unter Sektoren-Verliebtheit nochmals genauer erklären. Zu viel Nähe zu einer Thematik macht blind für Optionen. Wer beispielsweise im Bankwesen arbeitet setzt selbst vor allem auf Banken. Er hinterfragt seine eigene Branche, also auch seine berufliche Zukunft, nicht und glorifiziert seinen Sektor. Auch das Priming erklärt die Art der kognitiven Verzerrung sehr gut: Hierbei wird eine Entscheidung durch ehemalige bewusste oder meist unbewusste Erfahrungen beeinflusst. Auf Grund einer negativen Erfahrung mit einer Aktie, beispielsweise, nimmt der Akteur diese auch in Zukunft als negativ wahr und wehrt sich unbewusst, aus Angst die negative Erfahrung zu wiederholen, dagegen die Aktie nun als bestes Anlageobjekt zu klassifizieren. Rational wäre die Aktie wahrscheinlich die beste Entscheidung. Da der Anleger jedoch kein homo oeconomicus ist und auch nicht Mr. Spock heißt verhindert eine negative Vorgeschichte unbewusst diese Erkenntnis.

Die an der Börse wohl am meisten verbreitete und kostenintensivste kognitive Verzerrung ist der Dispositionseffekt. Umfragen in den letzten Jahrzehnten ergaben immer wieder, dass bis zu 80% der Anleger vom Dispositionseffekt betroffen sind. Dieser erklärt, warum Trader oftmals Gewinnpositionen viel zu schnell verkaufen und Verluste dagegen zu lange laufen lassen. Die erste Ursache dieses Effektes ist, dass Verluste etwas doppelt so stark empfunden werden als Gewinne. Gewinne werden als angenehme Selbstverständlichkeit wahrgenommen und meist durch Verkäufe zügig realisiert. Verluste dagegen wird als überaus unangenehmes und unerwartetes Scheitern empfunden. Hierbei tun sich Anleger schwer den Verlust zu realisieren und hoffen auf eine Umkehr des Kurses. Die zweite Ursache ist die bereits beschriebene Wertefunktion. Die ersten Gewinne werden als am wertvollsten empfunden. Mit steigenden Gewinnen nimmt das Empfinden über den Wertezuwachs ab, sodass frühzeitig verkauft wird, wenn kein Nutzen-/Wertezuwachs mehr empfunden wird. Auf der anderen Seite werden die ersten Verluste am heftigsten wahrgenommen. Mit der Zeit nimmt dieses Gefühl jedoch ab und der Anleger empfindet zunehmende Gleichgültigkeit bei weiteren Verlusten. Aus diesem Grund verkaufen Anleger Verlust-Positionen meist nicht, da das anfänglich negative Gefühl schwächer (ja fast besser) wird je größer die Verluste werden. Verrückt aber wahr.

Weitere kognitive Verzerrungen sind beispielsweise die Vermessenheitsverzerrung (overconfidence bias) unter welcher die Überschätzung des Akteurs durch sich selbst gemeint ist. Der Trader nimmt sich selbst zu talentiert, zu mutig, zu wissend, zu könnend oder zu überlegen war. Vor Allem in guten Phasen mit zahlreichen Erfolgen kann die Vermessenheit an die eigene Leistungsfähigkeit und Überlegenheit der Konkurrenz zu einer überzogenen Selbstbewertung und Verlust von Realitätsbezug und gesundem Misstrauen führen.

Die Ankerheuristik ist beispielsweise bei der Kodierung des Referenzpunktes zu finden. Hierbei wirken Einflüsse von außen wie ein Anker der eigenen Einstellung. Bei Untersuchungen hatte man beispielsweise Passanten in einer Fußgängerzone befragt was sie tendenziell bereit sind für den Naturschutz zu spenden. Den Anker hatte man in den Fragen „Wären Sie bereit $5 zu spenden?“ und „Wären Sie bereit $400 zu spenden?“ versteckt. Der Anker tat sein Übriges, sodass die erste Gruppe durchschnittlich bereits war $20 zu spenden während die zweite durchschnittlich $143 angab. Den Anker nehmen wir selten bewusst wahr. Es sind Kommentare, Meinungen, Artikel, Analysten, welche uns beeinflussen.

Sturheit und die Status-Quo-Verzerrung sind machen uns als Trader ebenfalls zu schaffen. Bei der Sturheit geben wir eine einmal gemachte Entscheidung nur sehr ungern wieder auf. Wer sich für ein Unternehmen entscheidet lässt sich ungern vom Gegenteil überzeugen. Dies erkennen wir daran, dass manche Trader trotz Zureden und Aufzeigen von Fakten an manchen Werten unbeirrt festhalten. Wir geben auch den Status Quo ungern auf. Auf der einen Seite nehmen wir Vorteile nicht wahr, nur um den Status Quo zu erhalten. Wir empfinden das Risiko des Fortschritts als zu groß als dass wir den Status Quo verlassen würden. So ergaben Umfragen in Unternehmen, dass die wenigsten Arbeitnehmer bereit wären weniger als die gesetzlichen 24 Urlaubstage zu erhalten, selbst wenn sie für jeden nicht genommenen Urlaubstag unterhalb der 24-Tage-Marke das Drei- bis Vierfache des Gehalts für einen normalen Arbeitstag bekommen würde. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist der Status Quo. Und Veränderung, wie vorteilhaft sie auch sein mögen, werden meist nicht wahrgenommen. Und entfernen wir uns vom Status Quo, so sind wir bereits viel mehr Risiko einzugehen als sonst um den Status Quo wiederherzustellen. Dies könnte der Grund für das ebenfalls unter unerfahrenen Anlegern desaströse Verbilligen sein bei dem Trader Verlustpositionen immer wieder durch Nachkäufe ausweiten in der Hoffnung wieder den Status Quo, also keine Verluste, wiederherzustellen.

Auch setzen wir uns stetig falsche Prioritäten und wenden unverhältnismäßig viel Zeit für kleine Entscheidungen und dagegen wenig Zeit für wichtige Entscheidungen auf. Auch das unangebrachte Bedauern sollte jeder von sich kennen. Vergangene Verluste werden unverhältnismäßig lange bedauert. Gefahr birgt auch das Täuschen auf Grund einer kognitiven Dissonanz. Hierbei gerät der Trader in eine unangenehme Situation in der er seine Kognitionen, wie Gedanken, Gefühle und Wünsche, nicht einordnen kann. In einer solchen Phase fühlt sich der Mensch unwohl. Dies kann beispielsweise passieren, wenn zahlreiche Trades missglücken und der Trader nicht einordnen kann was er von sich und der Situation halten soll. Ein Ausweg bietet hierbei schnell die Täuschung. Wir verändern den Blickwinkel auf die Situation und behaupten, dass wir es eigentlich ja anders machen wollten und somit doch eigentlich richtiglagen. Wir verändern unsere Einstellung und senken unsere Erwartungen. Waren vorher noch 5% Verlust hinnehmbar so sind es nun 15% auch und der Trade war doch nicht so schlimm. Informationen und die Situation werden verdreht, abgewertet und geleugnet um uns selbst wieder ins rechte Licht zu rücken. Auch greifen wir zu beruhigenden Mitteln, wie Sport, Freizeit, Mediation oder schlimmstenfalls Alkohol. Umgangssprachlich ist all dies als „Schönreden“ bekannt.

 

Optimiere deinen Entscheidungsprozess

Jeder von uns findet sich bewusst bei den kognitiven Verzerrungen wieder. Unbewusst haben wir wahrscheinlich alle jede dieser Verzerrungen durchgemacht. Das ist menschlich und normal. Doch nun kennen wir den Entscheidungsprozess und die Gefahren des Einflusses unserer Psychologie. Börse basiert eben nicht nur auf Zahlen und Charts. Bereits am Anker-Effekt erkennen wir die Macht der Analysten, sodass hohe Gewinne eines Unternehmens teilweise negativ bewertet werden, weil die Erwartung der Analysten und somit des Marktes höher lag. Wie bereits im ersten Beitrag zur Verhaltenspsychologie dargestellt bewertet die Börse die ökonomische Realität basierend auf der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Erwartungen an die Zukunft). Und in diesen Bewertungen steckt sehr viel Psychologie.

Auf der einen Seite kann und sollte ein Trader an sich selbst arbeiten, was ich auch im sechsten Beitrag (Traden ist Charakterbildung) nochmals thematisieren werde. Welche Verzerrungen haben wir in unserem Entscheidungsprozess? Wie können wir diese Einflüsse erkennen und verhindern? Wie schaffe ich es als Trader möglichst rational und möglichst wenig emotional zu agieren? Traden heißt nicht nur gegen den Markt zu spielen, sondern auch gegen sich selbst und seine menschlichen Fehler.

Auf der anderen Seite können wir unser Wissen über kognitive Verzerrungen am Markt gewinnbringend verwenden. Was sind die vorhanden Anker, welche das Denken die Einstellung des Marktes beeinflussen? Wann fühlen sich die meisten Anleger unwohl und tendieren zu schnellen und irrationalen Entscheidungen? Mit der Psychologie hält man den Schlüssel in der Hand den Markt nicht nur zu lesen (Zahlen & Charts), sondern auch zu verstehen. In den kommenden Beiträgen möchte ich weitere Szenarien beschreiben, welche uns und den Markt beeinflussen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

 


[1] http://www.economist.com/node/268946

by Sep 22, 2016 Keine Kommentare
Die Wahrheit über Koko Petkov

Die Wahrheit über Koko Petkov

Interviews

Das große Interview mit Koko Petkov

Er ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Daytrader Deutschlands. Auch ist er wohl einer der am meisten diskutierten Trading-Coaches Deutschlands. Er polarisiert und sorgt für emotionale Reaktionen bei seinen Fans und Kritikern. Es geht um Koko Petkov. Trader, Coach, in Deutschland aufgewachsen und mittlerweile in Dubai lebend. Ich hatte die einmalige Möglichkeit mich am Mittwoch, dem 07.09.2016, mit ihm in Nordrhein-Westfalen zu treffen und ihm kritische Fragen zu stellen. Wie agiert er? Was ist dahinter? Ist an den Vorwürfen etwas dran?

Ich selbst hatte bereits 2015 Koko Petkov in meinem Blog „Seminare von Tradern – seriös oder dubiose Masche?“ für seine Form des Marketings harsch kritisiert. Doch es ist unfair über Menschen zu schreiben, welche man nicht kennt. Also wollte ich hinter die Fassade schauen und herausfinden ob etwas an meinen Vorwürfen dran ist. Nachdem ich Kontakt zu Koko aufgenommen hatte vereinbarten wir ein Treffen in Düsseldorf, um uns auszutauschen. Auf der einen Seite mit mir, ein kritisch hinterfragender Verbraucher, und auf der anderen Seite Koko Petkov, als bekannter und viel diskutierter Anbieter von Coachings.

Der Finanzmarkt hat ein Problem mit Betrügern. Ähnlich wie im Gesundheitswesen liegt dies an den asymmetrisch verteilten Informationen. Es gibt unwissenden Nachfrager, welche den wissenden Anbietern vertrauen müssen. Die Qualität der Dienstleistung bzw. des Dienstleisters kann der Kunde meist erst beurteilen, wenn ihn die positiven oder negativen Konsequenzen der Dienstleistung betreffen. Betrüger machen sich diese ungleich oder auch unfair verteilte Informationslage zu Nutze und bieten, versteckt hinter falschen Versprechungen, qualitativ schwache Coachings zu königlichen Preisen an. Die Kritiker werfen Petkov Betrug und Prahlerei vor während die Fans von seinem Wissen, Können und den Coachings schwärmen. Was ist dran? Was steckt hinter kostenfreien Webinaren wie: Vom Einsteiger zum Profitrader?

Das Treffen mit Koko Petkov

Das Treffen hat meine Erwartungen übertroffen. Ich hatte vermutet mit standarisierten aalglatten Aussagen abgespeist zu werden und nicht wirklich schlauer abzureisen als ich gekommen war. Doch ich wurde positiv überrascht. Erlebt habe ich einen freundlichen und bodenständigen Koko Petkov. Nichts zu sehen war vom schrillen und marketingtechnisch aufgebauschten Auftreten, welches wir von ihm im Internet kennen. Petkov war interessiert, kommunikativ, bodenständig, entspannt und lebensfroh. Während des Gesprächs nebenher am Laptop handelnd diskutierte er jede Frage, ging auf Einwände und auch kritische Vorwürfe ein. Er scheint an der Kommunikation mit seinem Umfeld sehr interessiert zu sein. Positiv zu bewerten ist die Erreichbarkeit. Petkov ist kein Trader, den man nur erreicht, wenn man viel Geld bezahlt. Er traf sich mit mir in NRW, er reagiert mit seiner Youtube-Video-Reihe „Frag den Koko“ auf Nutzerfragen und hört seinen Fans und Kritikern zu und antwortet auch.

Koko Petkov schein oder sein.

Gute Laune und Trading am Laptop während des Interviews in Düsseldorf.

Fragen und Antworten

Jonas Höfgen: Die meisten Menschen kennen dich aus der N24-Dokumentation „Daytrader – der Traum vom schnellen Geld“ (2010). Damals hattest du 170.000€ Schulden und hast das Trading erlernt. Bist du erst seitdem an der Börse aktiv und wie schnell konntest du den phänomenalen Gewinn von 150.000€ erreichen?

Koko Petkov: Ich bin seit Anfang 2008 an der Börse aktiv und bin mit der Finanzkrise in die Schulden gerutscht. Ich habe zwar seit 2008 kontinuierlich Geld in meine Ausbildung investiert, habe aber nur langsame Fortschritte gemacht. Ich habe ca. 2 Jahre gebraucht, um auf break even zu sein und noch weitere zwei Jahre, um positiv zu traden. Ende 2013 konnte ich die Schulden dann begleichen und ungefähr ein Jahr später hatte ich es geschafft mit meinem Trading-System 150.000€ zu verdienen. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe an mich geglaubt und ich habe es geschafft. Jeder kann es schaffen. Es gehört viel Arbeit dazu, aber es ist möglich. Das möchte ich auch immer vermitteln.

Um die Doku reißerisch zu gestalten sind einige Szenen gestellt. Das meiste stimmt jedoch mit der Realität überein, berichtete Koko.

Jonas Höfgen: Was sind die drei ausschlaggebenden Bestandteile deiner Seminare?

Koko Petkov: Als erstes ist da die Struktur der Seminare. Man kann diese von überall auf der Welt belegen und sich das Coaching frei gestalten. Außerdem bieten wir eine Nachbetreuung der Kunden an. Als zweites lege ich viel Wert auf die Sicherheit. Risiko- und Money-Management sind sehr wichtig an der Börse. In erster Linie geht es darum, dass eigene Geld zu behalten. Das musste ich 2008 schmerzlich erfahren. Aufgrund meiner negativen Erfahrung möchte ich meinen Kunden heutzutage beibringen wie man Verluste und Schulden vermeidet. Ziel ist, dass meine Kunden weniger Geld verlieren und mehr verdienen. Der vielleicht entscheidende USP ist drittens, dass viel Wert auf die Einzelperson gelegt wird. Wir haben kleine Gruppen. Maximal 50 Personen. Mehr schaffe ich nicht zu betreuen und ich möchte ausreichend Zeit haben auf jeden einzugehen. Der mentale Aspekt ist mir wichtig.

Jonas Höfgen: Tradest du selbst aktiv oder machst du nur noch Coachings?

Koko Petkov: Ich trade regelmäßig. Muss ich. Ich muss gedanklich am Markt dabei sein. Ansonsten würde ich bei den Coachings und Live-Tradings Nichts zeigen können. Auch deswegen habe ich mittlerweile zehn Mitarbeiter. Die viele Arbeit, die hinter den Coachings steckt, haben wir verteilt. Allein müsste ich mich entscheiden, ob ich nur trade oder nur coache. Mit dem Team kann ich beides machen, was sehr wichtig ist.

Jonas Höfgen: Warum werden um dich und deine Angebote durch ein schrilles Marketing Emotionen aufgebaut und Stories konstruiert? Warum wird das Produkt nicht nüchtern präsentiert, sondern Elemente, wie Geld, Yachten oder schnelle Autos eingebaut?

Koko Petkov: Wenn man ein Produkt hat, dass gut ist, dann sollte man voll durchziehen. Meine Coachings sind gut und ich möchte möglichst viele Menschen erreichen. Das geht am besten mit genau diesem Marketing. Die Reichweite ist größer. Im Endeffekt kann ich so auch viele Menschen erreichen, die nach einer Ausbildung suchen, und besser bei mir buchen als auf einen Betrüger reinzufallen und das Geld umsonst zu verlieren.

Jonas Höfgen: Mit wie viel Geld agierst du an der Börse?

Koko Petkov: Ich handle meistens mit Hebel 4 oder 5. Wenn ich also beispielsweise 100.000€ auf meinem Tradingkonto habe, dann trade ich am Markt mit dem Risiko eines Tradingkontos von bis zu 500.000€. Einhergehend sind enorme Risiken. Das Geld, mit welchem ich agiere, habe ich nicht auf dem Trading-Konto, was ich jedem empfehlen würde. Doch ich besitze es. Sollte etwas schief gehen muss ich meine Schulden begleichen können.

Jonas Höfgen: Welche Art Kunden bucht deine Seminare? Sticht ein Charakter besonders hervor?

Koko Petkov: Alle möglichen Personen sind dabei. 16-jährige, aber auch Personen zwischen 60 und 70 Jahren. Arbeitslose, Angestellte, aber auch Manager, Rechtsanwälte oder Ärzte. Gemeinsam haben meine Kunden jedoch meist, dass sie eine neue Herausforderung suchen. Es sind mutige Menschen, welche den Schritt zum Trader wagen wollen und somit auch ein besonders großes Interesse und viel Motivation mitbringen. Bei mir bucht nicht der Durchschnittsbürger, sondern mutige Personen, welche etwas in ihrem Leben verändern wollen.

Jonas Höfgen: Wie wird man aus deiner Sicht Trader? Was muss man mitbringen?

Koko Petkov: Durchhaltevermögen. Das ist das Wichtigste. Übermut und voreilige, unüberlegte Entschlüsse führen zu Verlusten. Man sollte immer langsam vorgehen und nicht ins kalte Wasser springen. Die Arbeitsstelle sichert einen ab und nach der Arbeit kann man sich fortbilden oder traden. Der Markt kann jeden in die Knie zwingen. Nach einer Demokontophase reichen bereits 1.000€ um in einer Lernphase mit Echtgeld zu üben und lernen.

Jonas Höfgen: Was kosten deine Seminare?

Koko Petkov: Das günstigste Anfangsprodukt kostet 48€. Wer die teuerste Ausbildung wählt zahlt 2998€ oder auch 298€ im Monat für 12xMonate. Das kann man so pauschal nicht sagen. Der Kunde stellt sich sein Coaching selbst zusammen. Die Preise variieren. Der Kunde kann günstige Grundcoachings wählen oder kostenintensiver sich individueller und direkter coachen lassen inklusive einer Nachbetreuung.

Die Analyse

Ich wollte hinter die Fassade des Marketings schauen. Was ist die Wahrheit über Koko Petkov? Er polarisiert mit seinem Auftreten und seinem Marketing. Die einen Trader spricht es an. Die anderen wiederum nicht. Viele Diskussionen werden über ihn geführt. Dabei polarisiert aus meiner Sicht vor allem sein Ansatz groß zu Denken und an sich zu glauben. Im Gespräch sagte er, er könne sich nicht damit anfreunden immer nur klein zu denken, sondern möchte vermitteln, dass es jeder schaffen kann. Petkov spielt groß auf. Doch er glaubt an sich an auch daran, dass er anderen helfen kann es zu schaffen. Es genießt sein Leben. Seine freie Zeiteinteilung. Seine Arbeit zwischen Coaching und Trading. Sein Lifestyle. Er ist zufrieden und kommuniziert gerne. Er möchte nicht nur Geld verdienen, sondern auch sein Wissen und seine Lebenseinstellung verbreiten.

„Das meine ich so. Das lebe ich auch so. Ich kann mich mit diesem Kleindenken nicht anfreunden. Es ist möglich.“ – Koko Petkov

Wie sind seine Coachings einzuordnen? Laut Eigenaussage kennt Koko Petkov aus 4.000 Kunden vier, welche unzufrieden waren. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage können wir natürlich nicht nachvollziehen. Doch sollte er unseriöse Coachings anbieten, Qualität versprechen und nur heiße Luft liefern wäre das Luftschloss doch bereits geplatzt, oder? Seit 2014 bietet er Coachings an. Seit zwei Jahren halten sich die Angebote am Markt und werden weiterhin gebucht. Es gibt viele Vorwürfe im Internet, doch bisher keine fundierte Klagewelle, welche irgendwas aufgedeckt oder bewiesen hat. Mir gefällt der Aspekt der Nachbetreuung, die Preise und das 10-köpfige Team. Es handelt sich nicht um eine Person, welche sich bereichert, sondern um ein Unternehmen, welches einen Kostenblock refinanzieren und kaufmännisch Qualität bieten muss. Es wird an den Seminaren verdient und es gibt keine weiteren Angebote, wie Fonds oder Abonnements, welche verkauft werden.

Im Gegensatz zu Betrügern, welche nur das positive vom Himmel versprechen, sich selbst nur als Gewinner darstellen und auch Gewinne und Erfolge garantieren, was an der Börse nicht möglich ist, kennen wir auch die schlechten und erfolgslosen Zeiten von Koko Petkov (Doku 2010) und finden keine dubiosen Garantien und Versprechen. Auf der einen Seite ist die finanziell schwierige Lebensphase Koko’s ein Teil seiner Erfahrung und seines Werdegangs, auf der anderen Seite wird dieser Aspekt heutzutage natürlich im Marketing aufgegriffen und verwertet. Gemeinsam haben beide Parteien das Marketing. Ob Geldstapel, Yachten und teure Autos Teil im Marketingkonzept sein müssen kann man weiterhin kritisieren. Mit solchen Lockmitteln werden die Emotionen des potentiellen Kunden angesprochen und die Emotion nimmt unbewusst großen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Das ist ein gängiges Marketingmittel. So wirbt auch die Kinderschokolade mit den gesunden Zutaten oder Krombacher mit dem Schutz der Regenwälder.

Ich habe die Vermutung, dass Koko Petkov sich im Internet überzogener und schriller darstellt bzw. dargestellt wird als er es in der Realität der Fall ist. Sein besonderer und lebensfreudiger Lifestyle wird durch das Marketing nochmals aufgebauscht. Gewerblich gilt Klotzen statt Kleckern um möglichst viele Menschen zu erreichen und das eigene Produkt, von dem Petkov in seinem Mehrwert für den Verbraucher überzeugt ist, an den Kunden zu bringen. Er polarisiert. Dies führt zu Diskussionen. Diskussionen erhöhen seine Bekanntheit und somit auch seine Reichweite, welche ihm Kunden bringt. Es ist ein durchaus legales Marketing, welches jedoch mit Sicherheit nicht den Geschmack aller trifft. Mutige Personen, welche etwas verändern wollen in ihrem Leben und den Lebensstil von Koko Petkov mögen fühlen sich angesprochen. Das Marketing und seine Arbeit funktionieren. Denn wer von uns kennt Koko Petkov nicht? Für die Interessierten: Kokos Erfolgsformel.

Jonas Höfgen

by Sep 14, 2016 11 Kommentare
Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

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Trading ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Das Handwerk des Tradings und Investierens zu erlernen benötigt viel Zeit, Leidenschaft und erfahrungsbringende aber doch schmerzvolle Rückschläge. Erfolg an der Börse basiert nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Erfahrung, Glück und Talent. Es bedarf jahre- bis jahrzehntelanger Zuneigung des Traders zur Börse bis er nicht mehr größtenteils von Glück abhängig ist, sondern auch seine Erfahrung und sein Wissen gewinnbringend ausspielen kann. Indikatoren, Strategien, Muster, Chart-Technik, Fundamental-Analysen und andere Dinge vereinfachen die Komplexität des sich täglich verändernden Marktes. Doch viele Trader sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Börse umfasst zwar Ökonomie, Mathematik und Finanzwirtschaft. Doch grundlegend basiert sie auf dem Verhalten von Menschen. Börse basiert auf Psychologie.

„Die Börse reagiert gerade mal zu 10 Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie“
André Kostolany

 

Mathematiker und Ökonomen haben nicht unbedingt einen Vorteil an der Börse. Sie denken viel zu rational. Mathematiker erwarten berechenbare Vorgänge und Ökonomen versuchen den Markt in stupide Modelle zu pressen. Doch die Börse ist launisch, wild und oft sehr irrational. Wir können die Zukunft nicht berechnen oder an Modellen ablesen. Auch wenn Algorithmen und Super-Computer immer größere Anteile am Handel haben, ist weiterhin der Faktor Mensch entscheidend. Und Menschen agieren nicht immer rational. Der Homo Oeconomicus existiert nicht. Menschen reagieren unter dem Einfluss von Emotionen, Stress, Angst und Euphorie unlogisch und unerwartet. Wer sich mit der Verhaltenspsychologie am Finanzmarkt, der sogenannten Behavioral Finance, beschäftigt, kann sein Wissen und sein Können als Trader daher maßgeblich verbessern.

„Home Oeconomicus“

Der Home Oeconomicus ist eine Entwicklung der Ökonomie. Bei diesem Konzept handelt es sich um einen menschlichen Markt-Akteur, welcher stets rational und optimierend agiert. Diese fiktive Person klammert menschliches Verhalten, wie Schusseligkeit oder Ungenauigkeit, genauso wie Psychologie, Angst oder Stress aus. Dies dient dazu, die Ökonomie in einfache Modelle pressen zu können. Beim Home Oeconomicus folgt B auf A. In der Realität ist dem jedoch nicht so.

„Ein Großteil aller unserer Entscheidungen werden ganz stark von psychologischen Faktoren beeinflusst werden […] weil wir Homo Sapiens sind. Das ist eine Frage unserer Gattung. Das ist naturgegeben. In unserer Evolution haben uns bestimmte Flucht- und Verhaltensreflexe das Überleben gesichert. Diese Reflexe begehen wir bewusst und leider auch oft unbewusst. Auch heutzutage noch.“

 Winfried Neun

  

Ausmaß der Psyche – die Spieltheorie

Um dir einen kurzen Eindruck über das Ausmaß der Psyche als Einfluss auf das menschliche Verhalten zu geben, möchte ich kurz mit dir einen Blick in die Spieltheorie werfen. Diese untersucht das Verhalten von Spielern und entwickelt daraus Theorien über das rationale und irrationale menschliche Vorgehen.

Beeindruckend ist beispielsweise das Feiglings-Spiel. Hierbei fahren zwei Personen mit einem Auto und hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Nun haben beide Spieler je zwei Möglichkeiten. Sie können ausweichen und behalten ihr Leben, aber verlieren ihre Ehre als gedemütigter Verlierer und Feigling. Sie können weiterfahren und riskieren ihren Tod. Fahren sie jedoch weiter und der gegenüber weicht aus, so behalten sie ihr Leben und gehen als mutiger Sieger aus diesem Spiel heraus. Für was sollen sie sich entscheiden? Sie stecken in einem verhaltensabhängigen Dilemma. Definieren wir nun, dass „Ausweichen“ einen Nutzen-Wert von einem Punkt hat, weil der Spieler überlebt, und „Siegen“ ebenfalls einen Punkt auf der Nutzen-Skala einbringt, erkennen wir die Krux dieses theoretischen Spiels: Fahren beide Spieler weiter liegt der Nutzen für beide auf Grund ihres Todes bei null. Weicht ein Spieler stetig sechs Mal in Folge aus, so verliert er zwar seine Ehre, aber überlebt. Sein Nutzen liegt bei 6 Punkten. Der Spieler, welcher sechs Mal weiterfährt und darauf vertraut, dass der andere stetig ausweicht, erreicht einen Nutzen von 12. Er überlebt und gewinnt. Hieraus ist zu erkennen, dass die wohl irrationalste und dümmste Entscheidung (weiterfahren) jedoch diese mit dem höchsten Nutzen für den Spieler ist.

“Das Geheimnis des Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.”
John Maynard Keynes

Während das Feiglings-Spiel beeindruckend das Dilemma situativer Entscheidungen von Menschen aufzeigt, hat es jedoch kaum praktischen Nutzen. Schaut man sich jedoch beispielsweise das Spiel „Dollarauktion“ an, so können wir bereits Rückschlüsse auf die Entstehung von Spekulations-Blasen ziehen. Bei diesem Spiel bieten zwei Personen um einen Dollar. Immer abwechselnd können Sie das Gebot um mindestens einen Cent erhöhen. Entscheidend ist, dass beide Personen, also Gewinner und Verlierer, ihr letztes Gebot an die Bank zahlen müssen, aber nur der Gewinner den Dollar erhält. Nun bieten die Personen los. 4, 12, 25 Cent und so weiter. Zwischen 50 und 99 Cent denkt meist der erste Bieter ans Aussteigen. In diesem Moment wird ihm oder beiden klar, dass sie nun bereits Geld verlieren würden, wenn sie aussteigen. Selbst beim Erreichen von Geboten von 98 und 99 Cent bieten die Spieler weiter und spekulieren darauf, den Dollar zu gewinnen und bei einem Gebot von zum Beispiel 1,20 Dollar nur 20 Cent Verlust zu machen. Versuche ergeben, dass Spieler sich durchschnittlich auf $3,40 hochschaukeln. Sie bieten das Dreifache des Wertes dessen, was sie erhalten könnten. Dies basiert auf der gegenseitigen Beeinflussung. Die Spekulanten regen sich gegenseitig zu einem Verhalten an, welches die Preise explodieren lässt.

„Seien sie ängstlich wenn die Welt gierig und seien sie gierig wenn die Welt ängstlich ist“
Waren Buffett

 

Kern der Börse – Bewertung

Nun kann man nicht behaupten, alles sei Psychologie. Börse ist eben auch ein Kapitalmarkt und eine Abbildung konjunktureller und wirtschaftlicher Begebenheiten. Wie viel Anteil menschliches Verhalten an Kursbewegungen hat, wird man auf der einen Seite nicht bestimmen können und auf der anderen Seite ändert sich der Anteil an jedem Tag und in jeder Sekunde. Doch ich wage zu behaupten, dass die meisten Ursachen größtenteils auf psychologische Gründe zurückführbar sind.

Ist Psychologie tatschlich so wichtig? Die gehandelten Bewertungen an der Börse basieren auf fundamentalen Daten. Die ökonomische Realität bildet das Fundament der Bewertung. Die Kurse sind jedoch losgelöst und basierend auf menschlichen Verhalten entstehen Über- und Unterbewertungen. Immer wieder werden diese korrigiert, wenn sich bei Veröffentlichung von Konjunktur- oder Unternehmensdaten zeigt, wie weit sich die Anleger vom „wahren“ Wert entfernt haben. Das Verhalten der Anleger lässt sich durch Kennzahlen, wie z.B. dem KGV, oder das Herdenverhalten anhand der Chart-Technik erkennen.

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Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Millionen Menschen handeln täglich. Dabei beeinflussen sie sich gegenseitig in ihrem Verhalten. Ihr Verhalten wird in steigenden oder fallenden Kursen ausgedrückt. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Jeder reagiert auf den anderen. Erinnerst du dich an die Spieltheorie und zu welchen verrückten und nur schwer nachvollziehbaren Situationen es dadurch kommen kann? Chart-Technik versucht hierbei Muster dieses Verhaltens zu erkennen und zu definieren. So sind Unterstützungen und Widerstände nichts anderes als psychologisch bedeutende Marken. Ob 9000, 9500, 10000 oder 11000. Runde Zahlen sind beispielsweise immer gewichtige Marken. Menschen mögen runde Zahlen. Diese wirken wie Meilensteine bei einem Rennen, bei dem die Distanzen zum Ziel stetig gerade sind.

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Auf Grund der Technologisierung und Digitalisierung wird auch der Finanzmarkt immer schneller und größer. Sekündlich zirkulieren unglaublich große Datenmengen und Geldsummen am Finanzmarkt. Der einzelne Akteur kann dies nicht überblicken. Dennoch muss er trotz dieser schnelllebigen, unübersichtlichen und komplexen Situation Entscheidungen treffen (Heuristik). Er steht unter Druck, sein Geld möglicherweise zu verlieren. Aus diesem Druck der Situation entsteht Stress und mit dem Stress kommen die Emotionen: Angst, Misstrauen, Euphorie, Wahrnehmungsverzerrung und viele andere Dinge. Viele Entscheidungen werden nicht rational, sondern emotional getroffen.

„Geduld ist die oberste Tugend des Investors“
Benjamin Graham

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Erfolg an der Börse durch Verständnis für Verhaltenspsychologie besteht jedoch nicht nur daraus, das Verhalten anderer zu erkennen und zu verstehen, sondern auch am eigenen Verhalten. Wir machen als Trader Fehler. Das ist menschlich. Trading ist daraus resultierend eine Form der Charakterbildung. Wir müssen uns jeden Handelstag aufs Neue disziplinieren, konzentrieren und am Riemen reißen. Emotionen sind unser größter Feind. Wir arbeiten vorwiegend mit uns selbst und mit anderen.

Chart-Technik, Indikatoren, Strategien und andere Mittel der Markt-Analyse sind berechtigt und wichtig. Ein Anleger sollte sich jedoch nicht nur auf die Bäume fixieren, sondern den Wald im Ganzen betrachten. Psychologie wird an der Börse unterschätzt. Die meisten Trader schlagen sich mit Signalen, Formeln, Berechnungen, Wahrscheinlichkeiten und anderen Dingen herum und vergessen dabei den Faktor Mensch. Nur wer dies beachtet und in seine Gedanken und Konzepte einfließen lässt, wird ein abgerundetes Verständnis vom Markt erhalten.

Mein Ziel ist es, mit diesem Artikel dein Interesse für die Behavioral Finance zu wecken. Psychologie wird von Männern, welche die Börse weiterhin dominieren, oftmals als verweichlicht abgelehnt. Philosophieren und über Gefühle reden und nachdenken, behagt vielen nicht. Doch genau dies ist ein wichtiger Faktor für deinen Erfolg. In den kommenden Artikeln möchte ich weiter auf den Einfluss der Psychologie an der Börse eingehen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme (folgt in kürze)
  5. Anomalien der Heuristik (folgt in kürze)
  6. Traden ist Charakterbildung (folgt in kürze)
  7. Psychologische Fallen (folgt in kürze)
  8. Praxisbeispiele (folgt in kürze)

 

by Sep 09, 2016 Keine Kommentare
Gesundheitsrisiko Trading

Gesundheitsrisiko Trading

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„Nirgendwo ist die Suizidrate in London höher als im Finanzdistrikt. […] Statistiken zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, sich eine stressbedingte Krankheit zuzuziehen, in der Finanzbranche um 44 Prozent höher ist als in den anderen Wirtschaftszweigen.“ Quelle: Die Welt

Zum Trading gehört mehr als nur Zahlen zu lesen, Charts zu analysieren und möglich bevorstehende Kursbewegungen zu erkennen. Trading heißt nicht nur den Markt zu verstehen, sondern auch sich selbst. Viele Fehler und Verlust-Trades gehen auf persönliches Versagen zurück. Suche den Fehler bei dir selbst! Was kannst du an dir und deinem Verhalten verbessern? Oft wird hierbei das gesundheitliche Risiko des Tradings unterschätzt. Die meisten Menschen kümmern sich erst um ihre Gesundheit, wenn diese bereits Schaden genommen hat. Mit diesem Artikel möchte ich dich sensibilisieren vorzusorgen und dich bereits jetzt um deine Gesundheit zu kümmern.

„Stress ist inzwischen einer der weit verbreitetsten Gründe für den Ausbruch von Folgeerkrankungen in Deutschland.“ Quelle: Paradisi

Stress ist ein durch über die jahrmillionen durch Evolution perfektioniertes lebensrettendes Körperprogramm. Entsteht eine bedrohliche Situation, so wird das Zwischenhirn aktiviert und Stress oder Angst wird signalisiert. Der Sympathikus übernimmt diese Erregung und informiert die Nebenniere. Das Nebennierenmark gibt daraufhin Adrenalin und Noradrenalin in das Blut ab. Herzschlag und Blutdruck steigen und das Kreislaufsystem und der Stoffwechsel arbeiten intensiver. Auch werden Zucker- und Fettreserven abgebaut. Diese körperliche Reaktion dient dazu, den Menschen für die Flucht oder den Kampf bereit zu machen und alle Kraftreserven für diesen Notfall bereitzustellen. Es gibt dementsprechend durchaus positiven und negativen Stress.

Auch Trader sind Stress ausgesetzt. Sehr starkem Stress sogar. Die Börse steht niemals still. Sekündlich sieht sich ein Trader mit neuen Situationen konfrontiert. Er muss andauernd unter Zeitdruck, Erfolgsdruck und ohne vollständige Information entscheiden. Er ist stetig gestresst. Dabei ist Dauerstress extrem gesundheitsschädigend. Der Körper benötigt nach einer Stressphase eine Erholungsphase. Entfällt diese Erholung, so kann es passieren, dass der Körper es nicht mehr schafft in Ruhephasen zurückzuschalten. Er hat gelernt, durchgehend in Alarmbereitschaft zu sein. Folgen dessen sind eine Schwächung des Immunsystems mit nach sich ziehender Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Auch das Risiko für die Verstopfung der Blutbahnen durch Fett, Zucker oder verklumpende Blutplättchen bis hin zu Gefäßverschluss in Herz, Lunge oder Gehirn erhöht sich. Rauchen, Alkohol, Tabletten und unregelmäßiges Essen lindert zwar das Empfinden von Stress für eine kurze Zeit, verschlimmert jedoch die körperliche Belastung und maximieren den Schaden.

  • Durch Stress kommt es zu einer erhöhten Konzentration von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol im Blut, was langfristig Schäden an den Blutgefäßen nach sich ziehen kann.
  • Durch die Aktivierung der Muskeln als Schutzreaktion kann es durch Stress zu Verspannungen kommen: Rückenschmerzen sind eine Folge von Dauerstress.
  • Stress wird als möglicher (Mit-)Verursacher von Übergewicht gehandelt. Im Dauerstress greift der Körper durchgehend Energiereserven an. Kommt der Mensch nicht mehr in den Ruhezustand, signalisiert das Gehirn durchgehend, dass der Mensch mehr Nahrung zu sich nehmen soll. Was das Gehirn nicht weiß: Im Gegensatz zu Urzeiten werden tatsächlich keine Energiemengen für Kampf und Flucht mehr benötigt. Wir Menschen (je nach Charakter unterschiedlich) essen in Stresssituation dennoch zu viel.
  • Es kann zur Schwächung der Sehfähigkeit, Leistungsfähig, Schlafstörungen, Kopfschmerzen kommen
  • Dauerstress ist ein Risikofaktor für Herzkrankheiten und Magen-Darm-Erkrankungen

 

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Dauerstress kann ernsthafte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.

„In den USA gaben laut „Brain Facts 2003“ 60 % der befragten Erwachsenen an, wenigstens einmal die Woche unter einer ausgeprägten Stressbelastung zu stehen. 60 % der Gesundheitsprobleme, derentwegen erwachsene US-Amerikaner einen Arzt aufsuchen, sind durch Stress ausgelöst oder damit assoziiert. Der durch Stress verursachte volkswirtschaftliche Schaden – stressbedingte Arbeits- und Produktionsausfälle sowie Ausgaben im Gesundheitssystem – wird auf jährlich 300 Milliarden US $ geschätzt.“ Quelle: Stress ist in unserer Arbeitswelt ein Volksleiden, Ärzte-Zeitung, 18. Januar 2010, S. 6

Wichtiges Wissen: Die Dynamik von Stress und Erholung (Eichhorn 2006):

  • Je länger und stärker die Belastungsphase dauert, umso länger dauert es, bis man sich davon erholt hat und wieder fit in die nächste Belastungsphase hineingehen kann
  • Nach einem stressigen Arbeitstag fühlt man sich einerseits innerlich überdreht und angespannt, andererseits energie- und kraftlos. Fachleute sprechen von low-effort-activities, also Aktivitäten, die keine große Anstrengung erfordern. Ungünstig an ihnen ist: Sie sind kaum erholsam
  • Belastung addiert sich auf. Ist man morgens um acht Uhr noch relativ locker, sieht es um elf oder fünfzehn Uhr schon wieder ganz anders aus.

Eine Studie der Uni Stl. Gallen ergab, dass Börsenhändler durchaus bedenklichere Werte des Verhaltens und Cortisols im Vergleich zu Psychopathen aufwiesen: „Die Trader ticken zwar in mancher Beziehung anders als die Psychopathen. Letztlich sind sie aber noch rücksichtsloser nicht nur auf den eigenen Gewinn, sondern vor allem auch auf die Schädigung anderer Spielpartner fixiert. Und gerade diese Aggressivität gegenüber anderen führt dazu, dass ihre Spielergebnisse nicht optimal sind.“ Quelle: Frank Wiebe, So züchtet man Psychopathen, scilogs.de

Nun wissen wir, dass Dauerstress extrem schädlich und ein großes Problem unserer modernen Gesellschaft ist. In Zeiten hoher Anforderungen im Beruf, unsicherer Arbeitsplätze und stetigem Bombardement mit Informationen durch Smartphones, Tablets, Werbung und Social Media kommt der Mensch kaum noch zur Ruhe. Höher, weiter, schneller, kränker. Erholung ist für Trader Pflicht! Wer sich in den Zustand des Dauerstresses versetzt und nur unzureichend für Erholungsphasen sorgt, spielt mit seiner Gesundheit. Reichtum rechtfertigt keine gesundheitlichen Schäden. Geld lässt sich verdienen. Unseren Körper können wir nur einmal verbrauchen. Kaputt ist kaputt. Doch was kann ich tun, um mich optimal zu erholen?

 

Erholung und Entlastung verringert die Gefahr stressbedingter Folgeerkrankungen

  • sportliche Bestätigung
  • Entspannungsmethoden
  • Hausmittel
  • Stressoren entfernen

Durch sportliche Aktivitäten werden Endorphine ausgeschüttet, was die mental-health-1420801_640Stimmung verbessert. Auch sind sportliche Menschen seltener durch stressbedingte Krankheiten betroffen. Trader sollten sich je nach Belastung täglich körperlich betätigen. Kleinere Ausdauerläufe oder andere Aktivitäten dienen hierbei bereits als Ausgleich. Zurückgreifen kann man auch gezielt auf Entspannungsmethoden. Gerne angewendet werden Yoga oder Meditation. Jeder Trader sollte dabei selbst herausfinden, welche Methoden ihm am besten liegen, um sich bestmöglich zu entspannen und für einen Ausgleich zum Stress zu sorgen. Diverse Hausmittel haben sich für die Stressbewältigung bewährt. So sollen fünf Tassen Kamillentee täglich den Stressabbau unterstützen und den Magen beruhigen. Die Einnahme von Giseng-Kapseln wirkt sich regulierend auf die Ausschüttung von Stresshormonen aus. Auch die Einnahme von Vitamin C, welches dem Blutdruck und der Menge an Stresshormonen entgegenwirkt, und Vollbäder mit Zusätzen wie Lavendel, Kamille oder Baldrian fördern die Entspannung. Schnell und einfach kann man seinen „Stress-Pegel“ senken, indem man Stressoren entfernt. Oftmals sind Radio, TV, Handy und andere Dinge zusätzliche Stress-Faktoren, welche den Menschen immens belasten. Das Entfernen von stressenden Einflüssen am Arbeitsplatz kann die Stressbelastung senken.

Wichtig zu beachten ist, dass wir alle über einen unterschiedlichen Charakter verfügen. Es gibt nicht denen einen Weg. Jeder muss seinen Weg selbst finden. Lernen Sie nein zu sagen und finden Sie herraus, welche Entspannungsmethoden für Sie am sinnvollsten sind. Ist es wohltuende Musik, Sport, ein Bad, Spazierengehen, Gartenarbeit oder andere Dinge? Gönnen Sie Ihrem Körper Pausen. Nach Jahren der Dauerbelastung sind die Schäden angerichtet und kaum mehr heilbar. Alles ist gut? Wirklich? Oder reden Sie sich das ein? Erliegen Sie nicht der Versuchung sich selbst zu belügen: Überheblichkeit und falsche Selbsteinschätzung sind nicht dienlich. Hinterfragen Sie sich kritisch. Auch wenn Sie sich noch fit und wohl fühlen, muss das nicht heißen, dass es Ihrem Körper genauso geht. Selbstdisziplin ist nicht für Ihre Gesundheit wichtig, sondern auch eine wichtige emotionale Stärke, welche Sie als Trader weiterbringen wird.

 

Zusatz: Suchtverhalten vermeiden

Wichtig ist auch, dass man sich selbst davor beschützt, süchtig zu werden. Spielsucht, aber auch Kauf- und Arbeitssucht sind alltägliche Gefahren an der Börse. Ist der Handel für Sie ein Rausch, den Sie brauchen? Ist es ein Nervenkitzel, den man immer wieder sucht? Könnten Sie auch ohne Trading auskommen? Informieren Sie sich über Suchtverhalten und schützen Sie sich vor sich selbst! Der Körper, Geist und Gesundheit sind wichtiger als jedes noch so kleine Prozent Rendite. Zufriedenheit basiert nicht auf Reichtum. Das ist wissenschaftlich erwiesen (Nobelpreis). Zufriedenheit mehrt sich nur bis zu einem bestimmten monatlichen Verdienst. Börse sollte Spaß machen, das Kapital mehren und schützen, aber den Trader nicht in die Sucht treiben.

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by Sep 07, 2016 Keine Kommentare
Der Markt läuft heiß – Crash coming?

Der Markt läuft heiß – Crash coming?

JH

Liebe Leser, über ein Jahr hinweg habe ich Puzzle bestehend aus weit über einem Dutzend Einzelblogs produziert. Immer wieder habe ich Analysen verfasst und auf den labilen Markt hingewiesen. Nun ergibt alles langsam Sinn. Die Einzelteile fügen sich zu einem Bild zusammen. Ein Bild auf dem wir ein Feuer sehen, welches von den Notenbanken gepflegt wird. Doch die andauernd nachlegenden Zentralbankaktionen gehen bisher einfach in Rauch auf. Habe ich die Puzzleteile falsch zusammengesetzt?

Wir sollten uns bewusst sein Zeuge einer historisch besonderen Situation zu sein. Zentralbanken intervenieren am Markt stärker als jemals zuvor. Die Regeln der Ökonomie werde ausgehebelt und gedreht. Zinsen sind negativ. Der Wert des Geldes ist Null und kleiner und wer Geld mit Risiko verleiht muss teilweise draufzahlen. Es ist eine verrückte Welt. Eine Welt in der die Bank of Japan bei fast allen großen Unternehmen des eigenen Landes Aktionär zwischen 5 und 10% ist. Eine Welt in der ganze Märkte leer gekauft werden. Der Markt um Staatsanleihen in Europa durch die EZB oder der Markt um Aktien-ETFs in Japan durch die BoJ. Wir leben in einer Zeit der Extreme. Extrem wenig Wachstum, Inflation und Kreditvergabe stehen extrem hoher Verschuldung und extrem lockerer Geldpolitik gegenüber. Diese Zeit geht nicht spurlos an Wirtschaft und Börse vorbei.Die große Frage unserer Zeit ist wie lange diese Phase der palliativen Lebenserhaltung unserer Wirtschaft noch gut geht?

Seit 2015 verfasse ich immer neue Blogs und weise zum Beispiel auf die Labilität unserer Konjunktur hin. Die Container-Beförderungskosten und Rohstoffpreise sind eingebrochen. Die Umsätze der Unternehmen wachsen organsich kaum und werden vor Allem durch Zukäufe und Fusionen befeuert. Die Gewinne der Unternehmen sinken, die Ausgaben für Dividenden und Aktienrückkäufe steigen, um die Kurse zu stützen. Die Zentralbanken agieren expansiver denn je und bringen ganze Märkte an den Rand der Illiquidität. Die EZB muss sogar bereits gekaufte Staatsanleihen via Wertpapierleihe wieder auf den Markt werfen bzw. verleihen damit dieser liquide bleibt. Rund läuft unsere Wirtschaft und der Finanzmarkt auf keinen Fall. Darauf habe ich in zahlreiche Blogs hingewiesen.

Die Kreditdeflation (Höfgen Blog), 02.01.2016

Ökonomische Palliativmedizin (Höfgen Blog), 18.02.2016

Wir stehen kurz vor der Krise (Höfgen Blog), 21.03.2016

Schleichend zergeht die Wirtschaft (Höfgen Blog), 23.06.2016

china debt time bomb (Höfgen Blog), 11.08.2016

Die Unicorn Blase (Höfgen Blog), 02.09.2016

Nachdem ich 2015 vor Allem die Oberfläche abgesucht habe und ersichtliche Konsequenzen beschrieben und analysiert habe begleite ich die Entwicklung der Börse seit Anfang 2016 regelmäßig und beobachte Kursbewegung, wichtige News und Meilensteine in Kombination mit dem Sentiment/Verhaltenspsychologie. In meinem letzten Beitrag vom 7. Juli 2016 finden sich die Verlinkungen zu den aktuell sechs Beiträgen in diesem Jahr. In insgesamt sieben Beiträgen konnte ich Kursbewegungen zwischen Januar und Juni teils auf den Tag genau erahnen nachdem ich sie in den Kontext der Verhaltenspsychologie gesetzt habe. Dei erste Jahreshälfte war vor Allem psychologisch und emotional geprägt.

24.01.2016 – Was den Markt nun beeinflussen wird

10.03.2016 – Die Herde verhält sich wie immer

02.04.2016 – Dem DAX fehlt ein Anreiz

19.04.2016 – Warum ich jetzt gegen den DAX wette

30.04.2016 – Den DAX handeln, so einfach geht es …

23.06.2016 – Das DAX-Spekulationsspielchen

07.07.2016 – Ein halbes Jahr DAX, was nun?

Nach nun mehr als einem Dutzend ausführlichen Beiträgen mit verschiedensten Thematiken, Inhalten und Analysen rundet sich das Bild immer weiter ab. Die Erwartungen treffen zu und das anfangs noch stückhafte und aus dem Zusammenhang gerissene Bild setzt sich nun zusammen und ergibt Sinn. Auch deswegen habe ich die Analysen gemacht. Ich bin selbst auf der Suche nach den Gründen und Mechanismen, um die Börse aktuell zu verstehen und die möglichen zukünftigen Ereignisse konstruieren und mit Wahrscheinlichkeiten versehen zu können. Immer vollständiger wird das Puzzle. Die Teile fügen sich ineinander. Nun möchte ich die Analysen fortführen und ausbauen.

Zuletzt mit dem Beitrag “Die Unicorn Blase” (02.09.2016) habe ich einen möglichen Grund für einen Crash ausgemacht. Nicht mehr nur die konjunkturellen Zyklen, Zahlen und sichtbaren Vorgänge möchte ich ergründen, sondern auf der Basis des Wissens der vorherigen Blogs tiefer in die Materie eindringen. Wo genau gibt es Probleme am Markt und was könnte mit uns deswegen passieren?

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Von Blasen und hohen Erwartungen

Nun habe ich vor wenigen Minuten einen äußerst interessanten Beitrag von Markus Koch gesehen, welcher sich live von Wall Street in New York gemeldet hat. In diesem Beitrag griff er die Beobachtungen auf, welche auch ich in den letzten Wochen, Monaten und Jahren gemacht habe. Den Unternehmen des SP500 geht es nicht besser, sondern schlechter. Das organische Wachstum tendiert gegen Null und 2015 sanken die Gewinne um 5%. Dennoch ist der SP500 auf Allzeithoch gestiegen. Und das, so führt es Markus Koch an, könnte an den Risikoprämien liegen. Sparen lohnt sich nicht mehr. Bisherige Anlageformen, wie das Sparbuch, werfen keine Rendite mehr ab. Früher war die Börse keine Option für das Sparen. Den doppelt oder dreifach so hohen Gewinnen durch Aktien stand ein schwer kalkulierbares und tatsächliches Risiko des Verlustes von Geld gegenüber, sodass klassisches Sparen populär blieb. Nun lohnt es sich. Sparen wirft Nichts ab und man freut sich, trotz des Risikos, über die 3 oder 4% an der Börse. Das hat die Finanzmärkte seit Jahren befeuert.

Doch die Erwartungen sind hoch. Viele Segmente sind aufgebläht und stark überbewertet. Die Anleger setzten ihre finanziellen Hoffnungen und hohen Erwartungen auf einige Stars, wie Tesla, Apple oder Amazon. Die Renditen sind beachtlich, aber die Gefahren hoch. Ist es bereits eine Hausmädchen-Hausse in der selbst Sparer, welche sonst immer die Börse gemieden haben, ihr erspartes nun auf den Markt werfen? Die letzte Gruppe der Anleger, welche ihr Geld in das Feuer werfen und mit dem Feuer spielen wollen? Es ist ein Tanz mit den Flammen an dem man sich verbrennen kann. Können die Erwartungen erreicht werden? Die Sorge einer abflachenden US-Konjunktur ist groß.

Der Markt wird immer angespannter. Die Zentralbanken intervenieren und schieben die Kurse an. Unternehmen, wie Microsoft oder Alphabet, verschulden sich mit Milliardensummen, um die eigenen Aktien zurückzukaufen und den eigenen Kurs zu befeuern. Diese Selbstsubventionierung habe in diesem Blog vom 07.01.2016 bereits beschrieben. Die Puzzleteile fügen sich ineinander. Die Wirtschaft kommt nicht in Gang. Inflation, Kreditvergabe und Wachstum hinken den Erwartungen hinterher. Die Sorgen werden durch die Geldfluten der Notenbanken gelindert und behoben. Doch wie lange können diese sich noch gegen den Markt stemmen und die traurige Fratze in ein lächelndes Gesicht verwandeln? Viele Zentralbanken weisen bereits übergroße Bilanzsummen auf von mehr als 100% der heimischen Wirtschaftsleistung (z.B. die SNB oder BoJ). Markus Koch erwartet als nächstes Fiskalpolitik. Nach den Zentralbanken müssen die Staaten einspringen und mit Milliarden die Wirtschaft schmieren damit der Motor nicht stottert. Dieses Eingreifen oder weitere Lockerungen der Notenbanken könnten den überfällig langen Bärenmarkt weiter in Länge ziehen. Doch aus meiner Sicht ist es nur eine Frage der Zeit bis sich dieses Kartenhaus bzw. der Ballon voller heißer Luft in Rauch auflösen. Das Feuer muss brennen. Das tut es. Sparer und Notenbanken legen immer mehr Holz nach. Doch bisher verpuffen die Aktionen als Rauch. Viel Geld wird verbrannt um das Feuer am leben zu halten.

by Sep 06, 2016 Keine Kommentare
Der Hochhaus-Indikator

Der Hochhaus-Indikator

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Der Hochhaus-Indikator

Hochhaus-Indikator: Es gibt unzählbar viele Indikatoren und Weisheiten an der Börse. Teilweise sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht – auf welche Signale soll man nun achten? Doch Börsianer lieben solche Indikatoren. Alles, was die Schnelligkeit, Komplexität, Unübersichtlichkeit und auch die schwere Verständlichkeit des Finanzmarktes runterbricht und vereinfacht darstellt, wird mit offenen Armen begrüßt. Wenn der jeweilige Indikator dann noch interessante Grafiken und bunte Bildchen beinhaltet, ist die Börse überzeugt und achtet auf dieses Barometer.

Es gibt viele skurrile Indikatoren. So verglich George Taylor beispielsweise die Länge von Röcken mit Konjunkturzyklen und Finanzkrisen. Zu erkennen war, dass in Folge von Finanzkrisen meist relativ lange Röcke in den Läden zum Verkauf waren. Besserte sich die wirtschaftliche Situation, so wurden auch die Röcke im Sortiment wieder kürzer. Doch auch Herrenunterhosen, Lippenstifte, Babywindeln, Bohnen und viele andere Dinge müssen als Börsen-Indikator herhalten.

Ich möchte mich in diesem Artikel auf die Untergruppe der pseudo-makroökonomischen Indikatoren beziehen. Was viele als Kaffeesatzleserei abtun, ist durchaus aufschlussreich, interessant und begründbar. Pseudo-makroökonomische Indikatoren beziehen sich auf indirekt zur Makroökonomie beziehbare Ereignisse. In diesem Fall möchte ich auf den Hochhaus-Indikator bzw. Wolkenkratzer-Index eingehen.

1999 stellte Andrew Lawrence die Theorie auf, dass der Auftrag oder der Baubeginn für außergewöhnlich hohe Gebäude Informationen über die Zukunft einer Volkswirtschaft liefern kann. Wenn wir bedenken, dass Saudi-Arabien im März 2016 mit dem Bau am über 1.000 Meter hohen Kingdom Tower in Daschidda begonnen hat, läuft es Anlegern kalt den Rücken herunter. 2018 soll das neue höchste Gebäude der Welt fertiggestellt sein und genau das deutet laut Indikator auf eine kurz bevorstehende tiefgreifende regionale oder auch globale Krise hin.

Der Hochhaus-Indikator

Quelle: http://assets.inhabitat.com/wp-content/blogs.dir/1/files/2015/12/Jeddah-Tower-by-Adrian-Smith-Gordon-Gill-Architecture-1.jpg

 

Über Recherche-Arbeit entdeckte Lawrence, dass der Bau gigantischer Wolkenkratzer immer wieder mit konjunkturellen Zyklen und volkswirtschaftlichen Krisen in Relation gesetzt werden kann. Was Lawrence 1999 entdeckte, bestätigte Gunther Löffler 2010 nochmals in einem Diskussionspapier. Die Theorie besagt, dass Wolkenkratzer in einem Umfeld wirtschaftlicher Euphorie entstehen. Das bedeutet auch, dass die höchste Perfektion der Architektur in der Hochphase einer Konjunktur umgesetzt wird. Auf den Höhepunkt eines konjunkturellen Zyklus folgt jedoch der Einbruch der wirtschaftlichen Kraft. Darauf deutet der Bau neuer Wolkenkratzer hin.

Die wirtschaftliche Blütephase der USA drückte sich auch durch den Bau der meisten und höchsten Gebäude der Welt aus. Amerika war das Land der Wolkenkratzer. Wir alle kennen die typischen Skylines der US-Metropolen. Mittlerweile ist die USA weltweit nicht mehr der Star der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern China. Dementsprechend wundert es nicht, dass seit 2012 die meisten Wolkenkratzer nicht mehr in den USA, sondern in China errichtet werden. 7 von 10 Baustellen neuer Giganten fand man 2014 in China.

Die Planung und Finanzierung dieser aufwändigen und teuren Gebäude geschieht meist in der konjunkturellen Hochphase einer Volkswirtschaft. Da der Bau jedoch mehrere Jahre in Anspruch nimmt, steht es kurz vor, während oder kurz nach der Fertigstellung des Hochhauses bereits nicht mehr so gut um die Wirtschaft des jeweiligen Landes. So startete 2004 der Bau des mit 828 Metern heutzutage noch höchsten Gebäudes der Welt (fast doppelt so hoch wie das Empire State Building) – des Burj Khalifa. Bis zur Fertigstellung 2010 brach Ende 2007 bereits die Weltwirtschaftskrise aus. Bezeichnend ist auch, dass die Kosten über 1,5 Milliarden Dollar ursprünglich privat von der königlichen Familie von Dubai finanziert werden sollten. In Folge der Krise musste jedoch der Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan von Abu Dhabi finanziell einspringen. Aus diesem Grund wurde das zuvor Burj Dubai genannte Gebäude auch in Burj Khalifa umbenannt. Der Bau des geplant über 1.000 Meter hohen Nakheel Tower in Dubai wurde auf Grund der Immobilienkrise sogar gestoppt und bisher nicht fortgeführt.

Nicht nur in Dubai strebte man in Phasen der konjunkturellen Euphorie nach architektonischer Perfektion. 1993 starteten die Arbeiten am Petronas Tower im malaysischen Kuala Lumpur. Der 452 Meter hohe Turm wurde 1998 fertiggestellt – nur ein Jahr vor der Asienkrise. Konjunktur und Bau korrelierten auch bei der Errichtung des 501 Meter hohen Taipeh 101 in Taiwan. Ende des Jahrtausends wurde der Grundstein gelegt. Noch während des Aufbaus bis 2004 drittelte sich der Leit-Index von Taiwan. 1928 und 1929 wurden außerdem in den USA kurz vor der Krise sogar drei neue Wolkenkratzer in Auftrag gegeben. Das Rennen um die Höhen-Rekorde gewann am Ende das Empire State Building. Auch der Willis Tower in Chicago wurde beispielsweise ein Jahr vor der Ölkrise fertiggestellt.

Bekommen wir es nun also mit der Angst zu tun, wenn uns bewusst wird, dass Saudi-Arabien bereits am Jeddah Tower (ehemals Kingdom Tower) baut? Das Gebäude wurde 2011 in Auftrag gegeben und 2012 startete der Bau am Fundament. Das 1,2 Milliarden Dollar teure Gebäude soll spätestens 2018 die Baukunst der benachbarten Vereinigten Arabischen Emirate übertreffen. Insgesamt investiert Saudi-Arabien seit Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar in den Bau von Jeddah Economic City am roten Meer.

by Aug 30, 2016 Keine Kommentare
Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

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Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen / verbilligen: Kennen Sie das? Sie eröffnen eine Position und diese entwickelt sich nicht wie geplant. Erst sind es nur wenige Prozent Verlust. Dann bereits 10% oder mehr. Sie müssen sich nun entscheiden, was Sie tun. Verlieren fühlt sich schlecht an (mehr zum Risikomanagement). Sie könnten nun den Verlust durch einen Verkauf realisieren. Dann müssten Sie sich jedoch den Fehltrade und Verlust eingestehen. Sie könnten die Position jedoch auch laufen lassen und auf ein glückliches Ende hoffen. Eine verzwickte und auch emotional geladene Situation.

 

Schlechtes Nachkaufen

Viele Anleger entscheiden sich nachzukaufen. Dieses Vorgehen nennt man „Verbilligen“. Das Kalkül dessen ist, durch einen zweiten, billigeren Einkauf den durchschnittlichen Einkaufspreis, bei dem Ihre Position plus-minus-null notiert (break-even), zu senken. Wenn Sie 5 Äpfel für jeweils 2€ kaufen und weitere 5 für jeweils 1€ dann liegt ihr durchschnittlicher Einkuafspreis von 5 Äpfeln bei jeweils 1,50€. Sie haben durchschnittlich billiger eingekauft. Sie haben verbilligt. Doch was kurz beschrieben sehr attraktiv klingt, birgt zahlreiche Fallen und ist für die meisten Trader der Einstieg zu noch größeren Verlusten.

Tabelle 1

Wann Verbilligen Fluch und wann Segen für einen Anleger ist, möchte ich an einem Beispiel erarbeiten.

Ein Anleger kauft beispielsweise bei einem Kurs von 24,00€ insgesamt 50 Aktien (siehe Abbildung). Nachdem die Aktie um 9% auf 21,84€ gefallen ist und er bereits 108€ von den anfangs investierten 1.200€ verloren hat, entscheidet er sich nochmal nachzukaufen. Zwar könnte er nun für dieselbe Summe, also 1200€, 55 Aktien erwerben, jedoch wird der Anleger bereits vorsichtiger und entscheidet sich mit einem besorgten Blick auf seine Geldbörse und die verlustbringende Position nur 45 Aktien im Wert von 982,80€ nachzufragen. Der durchschnittliche Einkaufspreis sinkt nun von 24,00€ auf 22,98€. Bei diesem Wert erreicht seine Position, welche aus mehreren Einzelpositionen besteht, nun den Break-Even-Point.

Tabellen 2

Doch erneut fällt die Aktie. Viele ungeübte Anleger lassen sich nun dazu verleiten immer öfter nochmals nachzukaufen. Es wird immer billiger und sie wollen diese Einstiegschancen immer wieder nutzen. Auch kommt oft der Gedanke auf, dass die Aktie nun doch mal drehen müsse. Schnell übernehmen also die Emotionen die Kontrolle und man lässt sich zu weiteren Verkäufen verleiten. Krampfhaft versucht man die verlustreiche und unangenehme Situation durch Nachkäufe zu beheben.

Die Probleme dessen liegen auf der Hand. Die vom Anleger investierte Summe ist mittlerweile 123% größer als gewollt. Kann er sich dies leisten? Kann er sich vor Allem die Verluste leisten? Durch die größere Positionssumme verliert er mit jedem weiteren Prozent, welchen die Aktie fällt, nun mehr Geld. Waren es anfangs bei nur 1.200€ noch 12€ je Prozent, so beträgt der neue Verlust 26,82€ je Prozent Kursrückgang. Er verliert nun 123% mehr pro Prozent Kursrückgang als zuvor.

Dies bedenken viele Anleger nicht. Des Weiteren verbilligen die meisten nicht konsequent. Sie senken das Investment je Nachkauf. Waren es anfangs noch 1.200€, wurden beim ersten Nachkauf 1.000 und dann nur noch 500€ eingesetzt. Der Anleger weiß, dass er es sich nicht leisten kann und bangt um die Verluste und hofft auf einen glücklichen Ausgang. Auf Glück sollte man an der Börse jedoch nicht setzen. Dann kann man auch ins Casino gehen. Die erste und verlustreichste Position hat durch ihre Größe (44,7% Anteil an der Gesamtsumme) weiterhin das meiste Gewicht. Die Nachkäufe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind gebührenpflichtige Nachkäufe mit fragwürdigem Nutzen. Während der Kurs um 16,66% gefallen ist, so konnte der Break-Even lediglich um 6,9% gesenkt werden.

Außerdem: Hätte der Anleger nicht verbilligt, so hätte er seine Position bei 20,00€ Kurswert mit „nur“ 200€ (16,66% Verlust) glattstellen können. Er hätte einen Verlust in Höhe von 200€ realisiert. Durch seine unkoordinierten und emotional ausgeführten Nachkäufe wären es nun bereits 281,90€ Verlust.

Gutes Nachkaufen

Tabellen 3

Verbilligen ohne Plan ist einer der teuersten Fehler, den ein Anleger machen kann. Doch kontrolliertes Verbilligen ist eine der bedeutendsten Möglichkeiten, vor Allem in volatilen und labilen Marktphasen, zumeist ungenutztes Kurspotential zu aktivieren. Der Anleger vermeidet nun Emotionen, indem er einen festen und zuvor festgelegten Investment-Plan für die Position besitzt. Er möchte bestenfalls aber auch maximal 1.200€ in die Aktie investieren. Da die Aktie aktuell fällt und er sich unsicher ist ob und wann diese dreht, sowie er sein Kapital schützen möchte, entscheidet er sich bewusst bei 24€, 21,82€ und 20€ mit jeweils 1/3 der Gesamtsumme, also jeweils 400€, einzusteigen.

Wir erkennen nun die Vorteile dieses Handelns: Der Anleger kann nun Verluste vermeiden. Wäre er sofort bei 24€ Kurswert mit 1.200€ eingestiegen, so er hätte 16,66% tiefer bereits 200,00€ verloren. Durch das verbilligende Aufbauen der Zielposition konnten die Verluste um rund 50% auf 100,76€ gesenkt werden.

Durch das gleichmäßige Investieren konnte der Anleger mit jeder Einzelposition trotz gleicher Summe (400€) mehr Aktien erwerben. Erst 17, dann 18 und zuletzt 20. Dies könnte ihm für Dividenden nun zu Gute kommen. Auch ermöglichte das gleichmäßige Verbilligen ihm einen besseren billigeren/durchschnittlichen Einstiegspreis. Im oberen Beispiel benötigte der Anleger noch einen Kurszuwachs um satte 11,75% von 20 auf 22,35€ um den Break-Even zu erreichen. Nun sind es lediglich 9,15% von 20 auf 21,83€ mit einer kleineren Positionssumme und weniger Verlusten.

 

Nachkaufen – Vorteil oder Nachteil?

Doch was passiert, wenn die Aktie nicht fällt, sondern steigt bevor man mit allen drei Teilkäufen eingestiegen ist? Pech! So wie man mit einer kleineren Position bei fallenden Kursen weniger Verlust macht, so macht man natürlich mit einer kleineren Position bei steigenden Kursen auch weniger Gewinn. Doch die Position kann man im Gewinnbereich natürlich auch step by tsep erweitern. Vor Allem für antizyklische Investoren kann das Verbilligen einerseits das Kapital schützen und auf der anderen Seite bei der Suche nach dem perfekten Einstiegspunkt helfen. Man geht nicht in einem Moment „All In“, sondern tastet sich in zwei oder drei Einkäufen an einen möglichst optimalen Einstieg heran. Bedenken sollte man jedoch die höheren Orderkosten. Verbilligt man mit zu hoher Frequenz (z.B. immer nach einem Prozent Kursverlust), dann übersteigen möglicherweise die Orderkosten schnell den möglichen zusätzlichen Gewinn.

Verbilligen ist Fluch und Segen zugleich. Es kann schaden, aber auch helfen. Entscheidend ist immer der klare Handelsplan. Wann möchte ich mit wie viel Kapital einsteigen? Was sind meine Ziele? Wann realisiere ich die Verluste? Handeln Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern nach Plan. Ein Plan, welcher auch kontrolliertes Verbilligen enthalten kann.

by Aug 24, 2016 Keine Kommentare
Deutschland verspielt wirtschaftliche Stärke

Deutschland verspielt wirtschaftliche Stärke

JH

Nur wenige Dinge sind ähnlich schädlich wie Selbstzufriedenheit. Doch ebenfalls sind wenige Dinge so verführerisch wie Selbstzufriedenheit und der Glaube an eine ewige gute Phase. Erfolg macht träge oder Hochmut kommt vor dem Fall. Immer wieder ist zu erkennen, dass Gesellschaften, Kulturen und Branchen Phasen des Erfolgs nicht kritisch hinterfragen sondern nachlässig genießen. Deutschland geht es aktuell blendend. Die Euro-Krise hat das Land kaum mitbekommen. Die Arbeitslosigkeit sinkt und nähert sich der Vollbeschäftigung, welche etwa bei 4,0% liegt. Mit mehr als 44 Millionen Beschäftigten gibt es einen Beschäftigungrekord in der Republik. Dank weicherem Euro (dank QE-Programm der EZB) konnten vor einigen Jahren noch jährlich neue Export-Rekorde verkündet werden. Dank niedrigem Leitzins spart Deutschland Zinsbelastung ein (rund 2/3 aller Staatsanleihen führen negative Zinsen) und feiert einen Haushaltsrekord nach dem nächsten. 20 Milliarden Überschuss waren es zuletzt. Das Land boomt und blüht, wirtschaftet und brummt. Doch wie lange noch?

Sehr interessant ist dazu auch der Beitrag “Risse im Fundament” der Neuen Zürcher Zeitung

Genuss der Auswirkungen vergangener Weichenstellungen

Fakt ist, dass Deutschland derzeit die Auswirkungen von Entscheidungen vor 2010 genießt. Danke demographischer Spitze feiert das Land aktuell einen Beschäftigungsrekord. Jeder weiß bzw. müsste eigentlich wissen, dass in einigen Jahren sich das, was uns jetzt hilft, gegen uns wenden wird. Die Beschäftigungszahlen werden einbrechen, wenn wir es nicht schaffen die arbeitswilligen Migranten rechtzeitig zu integrieren. Jeder Euro zu wenig, welchen wir in den Integration investieren, werden wir am Ende doppelt und dreifach zu spüren bekommen. Doch auch die Export-Rekorde sind Lorbeeren vergangener Entscheidungen. Die Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) führte zu einem Lohndumping in Deutschland. Dank sinkender Lohnstückkosten (Lohnkosten je produzierten Stück/Produkt) wurde Deutschland wettbewerbsfähiger. Dank Gemeinschaftswährung konnten sich Mitgliedsstaaten das Kräftungleichverhältnis nicht durch Auf- oder Abwertung der Währung ausgleichen. Auch durch Deutschlands unerlaubter (seit 2014 muss Deutschland auf Lohndumping verzichten) brach die Euro-Krise 2012 aus.

GRAFIK Arbeitsproduktivität / Kaum noch Fortschritt in DeutschlandSelbstzufriedenheit macht fahrlässig

Die aktuelle Phase konjunktureller Stärke basiert auf vergangenen Entscheidungen. Wir erneten aktuell die Früchte mutiger und richtiger politischer Schritte von vor 4 bis 6 Jahren. Erfolg macht träge. Während Schröder für seinen, wie wir heutzutage wissen, wichtigen und richtigen Schritt abgewählt wurde und die SPD sich bis heute davon nicht ganz erholt hat ruht sich die CDU/CSU seit Jahren auf der Vorarbeit der SPD aus. Das ist gefährlich. Der Erfolg kann nur gesichert werden, wenn jetzt die richtigen Schritte eingelenkt werden. Immer und immer wieder ruft Draghi Europa’s Regierungen deswegen auch zu Reformen auf. Reformen, welche bisher vor Allem Italien umsetzt. Deutschland genießt den Moment. Und das ist gefährlich. Eigentlich ist es jetzt bereits zu spät. Vor Jahren hätten schlaue Köpfe wichtige Weichen stellen müssen für die Zukunft. Fahrlässig ruht sich die CDU/CSU mit ihren jeweiligen Regierungspartnern auf dem Erfolg aus. Es ist wie bei einem Strandurlaub. Wer in der Sonne liegt muss vorsorgen und sich eincremen. Wer jedoch einfach liegen bleibt und nicht erneut eincremt wird einen Sonnenbrand davontragen. Deutschland sonnt sich und könnte sich bald daran verbrennen, wenn das Land sich nicht aufrappelt trotz angenehmer Phase tiefgreifende Eingriffe vorzunehmen. Erfolg ist nicht selbstverständlich, sondern die Belohnung harter und qualitativer guter Arbeit. Die CDU/SCU verteilt jedoch vor Allem Geschenke. Rentenerhöhungen, Mindestlohn und steigende Staatsausgaben. Vergessen wird, dass sich der Geldtopf nicht ewig füllen wird, wenn man nur mit beiden Händen gierig rausnimmt.

Scheinboom in Deutschland

Deutschland erlebte mehrere Scheinphasen eines Booms. Wie meine ich das? Deutschland boomt wirklich. Konjunkturell brummt das Land seit Jahren. Doch dieser Boom basiert nicht direkt auf der Leistung Deutschlands, sondern ist vor Allem durch externe Faktoren getrieben. So war es zwischen 2010 und 2014 nicht die deutsche Wirtschaft, welche besonders stark war, sondern die sinkenden Löhne und der weichgekaufte Euro. Mit der schwächeren Währung profitierte Deutschland am meisten und deutsche Produkte wurden auf dem globalen Markt immer attraktiver. Nicht die Investitionen in Produktivität oder Innovation, was nachhaltig wäre, führten zum Boom, sondern per Gesetz sinkende Löhne und ein Nebeneffekt der Krisenpolitik der EZB für Südeuropa.

Seit 2014 sind es nicht mehr die Exporte, welche überzeugen. Auf Druck der EU hat Deutschland den Weg des Lohndumpings beendet. Mit dem Mindestlohn und anderen Maßnahmen stiegen die Löhne in Deutschland wieder stark. Quasi erhielt der Arbeitnehmer nun den Anteil am Kuchen des Erfolgs, welcher ihm noch vor einigen Jahren verwehrt blieb bzw. er sogar Nachteile (sinkende Löhne) in Kauf nehmen musste, damit die Unternehmen profitabler werden. Seit 2014 ist die konjunkturelle Stärke Deutschlands vor Allem durch Konsum getrieben. Doch auch Konsum ist nachhaltig. Konsum ist endlich. Konsum ist labil.

Nur Investitionen sind nachhaltig

Entscheidend für eine Volkswirtschaft sind, unter Anderem, die Investitionen. Investitionen in Wachstum, Innovationen, Produktion und andere Dinge. Investitionen sind nachhaltig. Und genau hier erkennen wir den Kern des Problems. Die meisten Menschen lassen sich durch den Schein eines Booms dahingehend Blenden, dass es Deutschland gut geht. Deutschland geht es gut, aber nicht lange, da der Boom nicht nachhaltig ist. Währungs- und Lohneffekte können innerhalb von Wochen verpuffen und sich zum negativen Wenden. Investitionen stabilisieren ein Land über Jahre hinweg. Und genau diese Investitionen siechen dahin. Es wird weniger investiert als noch vor 2007. Zwischen 2 und 2,4 Billionen Euro wurden zwischen 2000 und 2007 jährlich in Europa investiert. Seit 2008 waren es nur noch zwischen 1,8 und 2,1 Billionen Euro. Dies stellt jedoch nur die Bruttoinvestitionen dar. Das Problem wird bei Nettoinvestitionen (Bruttoinvestitionen in Sachanlagen – Abschreibungen auf Anlagevermögen = Wachstum des Anlagevermögens einer Volkswirtschaft) ersichtlich: Zwischen 2000 und 2007 lagen die Nettoinvestitionen noch jährlich zwischen 500 und 700 Milliarden Euro. Zwischen 2008 und 2012 waren es 300 bis 400 Milliarden und seit 2013 nur noch rund 180 bis 260 Milliarden Euro.

1a182Bildquelle: querschuesse.de

Deutschland profitiert an seiner Größe. Das Einwohnerstärkste Land mit der meisten Wirtschaftskraft und dem größten Anteil an der EU und EZB ist einer der größten Profiteure der EU. Doch beispielsweise bei der Produktivität sieht es bereits düster aus. Während beispielsweise Frankreich sein Haushaltsdefizit nicht in den Griff bekommt und Deutschland mit Rekordüberschüssen glänzt ist Frankreich doch um ein vielfacher produktiver als Deutschland. Während der Konsum jährlich zunimmt und 2015 und 2016 mit rund +4% Zuwächse erreicht, welche wir nicht einmal vor der Krise 2007 erlebten sinken die Investitionen im Privatsektor seit 10 Jahren jährlich zwischen 5 und 15%. Auch Staaten erhöhen ihren Konsum seit 10 Jahren jährlich zwischen 9 und 15% doch senken die Investitionen seit etwa 5 Jahren jährlich um 10%. Dabei bräuchten Europa und Deutschland vor Allem Investitionen und nicht nur Konsum. Der Konsum verbracht die Güter, welche durch das Anlagevolumen hergestellt werden. Nur Investitionen in den Ausbau oder die Optimierung dieses Anlagevolumens können zu Wachstum und Erfolg führen. Doch in der Euro-Zone wurden die Konsumausgaben von Staat und Privatsektor von 7,6 Billionen 2006 um 6,1% auf 8,1 Billionen 2016 erhöht. Im gleichen Zeitraum ist das Investitionsvolumen, wie bereits beschrieben, um 5,5% von 2,26 Billionen Euro auf 2,14 Billionen gesunken.

Die Auswirkungen dieses Missverhältnisses

Während die Optimisten sich weiterhin blenden lassen durch die aktuelle konjunkturelle Stärke erkennen die wenigsten das aufziehende Gewitter. Zwischen 2000 und 2006, als noch mehr als 500 Milliarden Netto jährlich investiert wurde, konnte Europa zwischen 2 und 3% jährlich wachsen. Mittlerweile sind es nur weniger als 1% nach durchschnittlich 1,5 und 1,7% in den Vorjahren. Auch die Inflation liegt bei Null. Doch der Privatsektor möchte nicht investieren, da er eventuell zu wenig Zuversicht für die Zukunft hat, und die Staaten verpassen es fahrlässig diese Investitionslücke tatenkräftig auszufüllen.

Das verwunderliche ist, dass die Investitionen trotz aggressivster Niedrigzinspolitik und gigantischen Geldspritzen durch die EZB nur immens schwach in Gang kommen. Die Überschussliquidität der Banken im Euro-Raum, also das nicht genutzte Geld, steigt monatlich um mehrere Milliarden. Und das trotz negativem Einlagezins (Strafzins) auf diese Überschussliquidität. Nach 500 Milliarden Euro solcher Reserven Ende 2015 wussten die Euro-Banken Mitte 2016 bereist nicht mehr wohin mit 800 Milliarden Euro. Trotz bestem Zinsumfeld für Investitionen will kaum einer investieren. Viel Geld fließt in den Immobilienmarkt und Unternehmens-Übernahmen.

Konsum ist schön. Das wissen wir alle. Shoppen, Feiern, Essen gehen. Doch ohne Investitionen in Haushaltsmittel, Wohnung/Haus, Fahrzeug und eigene Bildung wird man niemals über Jahrzehnte hinweg nur durch Konsum leben können. Mario Draghi betet die Bitte an die Staaten Reformen und Investitionen umzusetzen gebetsmühlenartig in jeder Pressekonferenz runter. Doch Erfolg macht träge. Und träge genießen die Volkswirtschaften den Moment ohne an die Zukunft zu denken. Und die Zukunft könnte weniger schön werden, wenn weiterhin an Investitionen gespart wird. Sehen wir heute noch schwache Wachstumsraten könnte es in einigen Jahren bereits Null-Wachstum (ähnlich wie in Japan -> Nullwachstum, Nullinflation, Nullkreditvergabe) geben und in 5 oder 10 Jahren zu einer Rezession kommen. Staaten müssen dann ihre Fehler teuer mit Milliarden-Neuverschuldung begleichen und die Löcher im Anlagevermögen durch kstenspielige Konjunkturpakete stopfen.

by Aug 19, 2016 Keine Kommentare
Wo ist nur die Volatiliät hin?

Wo ist nur die Volatiliät hin?

JH

Liebe Leser, am Samstag habe ich in meinem Newsletter eine Entdeckung in den Zahlen des DAX präsentiert. Seit 40 Tagen sehen wir überraschend wenig Volatilität. Nun hat Markus Koch heute live von der Wallstreet eben jene Beobachtung auch dargestellt. Ich möchte aus diesem Grund nochmals genauer darauf eingehen.

Lange ist es her, dass ich einen Beitrag für meine Reihe der Beobachtungen am Markt geschrieben habe. Mittlerweile habe ich einen großteil meiner analytischen Arbeit auf meinen kostenlosen Newsletter verlagert. Du bist herzlich eingeladen diesen zu abonnieren. Jederzeit kannst du das Abo auch wieder beenden. Ich freue ich sehr über Leser, welche die Arbeit würdigen und Verfolgen. Wer meine Beiträge dieser Art noch nicht kennt findet die Links hier und sollte wissen, dass ich seit Anfang 2016 die Bewegungen und Eigenheiten des Marktes mit regelmäßigen Analysen verfolge. Ich versuche die Mechanismen zu erkennen, verstehen und in Kombination mit Wissen über Verhaltenspsychologie mögliche Szenarien für die Zukunft zu entwickeln und nach der Wahrscheinlichkeit zu gewichten. Einige Szenarien trafen hierbei mit überraschender Genauigkeit, teils auf den Tag genau, zu:

24.01.2016 – Was den Markt nun beeinflussen wird

10.03.2016 – Die Herde verhält sich wie immer

02.04.2016 – Dem DAX fehlt ein Anreiz

19.04.2016 – Warum ich jetzt gegen den DAX wette

30.04.2016 – Den DAX handeln, so einfach geht es …

23.06.2016 – Das DAX-Spekulationsspielchen

07.07.2016 – Ein halbes Jahr DAX, was nun?

Am 03.09. habe ich in meinem Newsletter die Beobachtung ausformuliert, dass wir seit über einem Monat überraschend wenig Volatilität im DAX erleben. Ich hatte dies am Samstag wie folgt formuliert: “Das Misstrauen führt zu kurzen Kursentwicklungen. Niemand lässt sich auf lange Strecken ein. Den Kursen lässt man kaum Raum zum atmen und sich entwickeln. Das zeigt sich auch in meiner Analyse der tagesaktuellen Entwickling des DAX in Prozent: An nur 6 von 35 Tagen gab es eine Performance über +/- 1%. Genauer gesagt fiel der DAX 4x über -1% und stieg nur 2x stärker als 1%. Zuletzt am 09.08.2016 (in den letzten 35 Tagen) sahen wir mit +2,6% eine Performance von mehr als zwei Prozent. Das Misstrauen ist groß, die Distanzen sind klein.”

Nun habe ich vor wenigen Minuten ein Video von Markus Koch gesehen, welcher sich auf Facebook live von der Wall Street in New York gemeldet und heute, am 06.09., genau dieselbe Beobachtung erläutert hat und darüber hinaus weitere sehr interessante Informationen und Gedanken hinzugefügt hat. Er wies auf die äußerst niedrige Volatilität der Put-Optionen hin und fügte hinzu, dass auf eine solche Phase in der Vergangenheit immer eine Reaktion folgte. Erwartet uns also eine Phase besonders hoher Volatiliät? Auch dies würde mit meiner Überlegung der Vergleichbarkeit von 2015 und 2016 zusammenfassen, so erlebten wir Anfang September 2015 eine plötzliche, aber sehr heftige Korrektur im DAX als Reaktion auf die China-Sorgen.

xcvxcvxcvDie Beobachtung ist, dass wir im DAX in den letzten 40 Tagen kaum Volatilität sahen. An den Tagen bewegte sich zwar oft etwas, doch schaut man sich die Ergebnisse je Tag an findet man kaum Werte über 1 oder -1%. Genauer gesagt finde ich in meiner Excel-Tabelle (Werte leicht abweichend und ohne Gewähr) gerade ein Mal 9 Tage mit einer Performance stärker als 1%. Vier Tage mit einer negativen Entwicklung von mehr als -1% und fünf mit einer positiven von mehr als einem Prozent. Doch nur 9 aus 40 Tagen mit wirklich Bewegung ist überraschend wenig. Der Durchschnitt dieser 40 Tage liegt bei marginalen 0,18% Performance je Tag.

Ich selbst hatte dies auf das herrschende Sentiment des “Misstrauens” zurückgeführt. Nach einem schwierigen Jahr 2015 und einer äußerst emotional-belastenden ersten Jahreshälfte 2016 mit dem Brexit-Votum als Krönung sind die Anleger auf der einen Seite müde der ewigen Rückschläge (die Bullen sind abgestumpft und weniger panisch), aber auch motiviert diese Phase zu beenden (die Bullen wollen eine Rallye) und hegen doch – basierend auf den Erfaghrungen der letzten 18 Monate – ein gesundes Misstrauen gegenüber starken Kursentwicklungen. Zugewinne werden schnell abverkauft und Verluste zügig eingekauft. Und so landen wir an 78% der Tage zwischen -1 und +1% bzw. durchschnittlich bei +0,18%.

Markus Koch wies darauf hin, dass eine solche Phase geringster Volatilität in der Vergangenheit immer mit einem Paukenschlag endete. Dies ist meine Formulierung seiner Aussage. Was könnte uns nun erwarten? Ich bleibe auf jeden Fall dran und habe meine Short-Positionen bereits vor wenigen Wochen von 5 auf 16% der Depotsumme ausgeweitet. Mir wird der Markt seit Mitte 2016 zu warm. Ich sitze gerne am Feuer der Börse, doch möchte mir die Finger wiederrum auch nicht verbrennen, was ich in meinem anderen Blog vor wenigen Minuten ausformuliert hatte. Hier findest du ihn.

by Aug 12, 2016 Keine Kommentare
The $30.7 billion china debt time bomb

The $30.7 billion china debt time bomb

JH

China is one of the most indebted countries worldwide. Total debt hits 282% in 2015 according to McKinsey Global Institute. After decades of growth and export the people’s republic do not want to be an emerging nation anymore. The government supports raising wages and a growing service industry sector more than general growth, export records and wage dumping. One of the most successful emerging nation wants to be an industrialized country. China is making big steps to be a free enterprise and to change their economy concept. But the huge sum of debt strangulated the country.

There were decades of worriless growth. Chinese economic strongness (GDP) raised from $1.2 trillion in 2000 about 800% to $10.9 trillion in 2015. Debt has been used to boost growth and exports. Governmental debt raisend more than 1.000% from $460 billion in 2000 to $5.5 trillion in 2016. While China’s government is running in debt because of household deficits there is enough swing. There are over $1.3 billion reserve assets invested in US government bonds. The republic is run up 51% in debt related to the GDP. Just 18% of chinese total debt of $30.7 trillion (282% of GDP) is made by the government. More disturbing are the data of other chinese sectors:

  • RLG (regional and local governments) owe $3.7 trillion in the end of 2014 (38% of GDP)
  • Households owe $4.1 trillion in 2015 (38% of GDP)
  • Financial institutions owe $7.1 trillion in 2015 (65% of GDP)
  • Non-financial corporate owe $14 trillion in 2015 (145% of GDP)

xcvxccyxcLocal government are normally not allowed to lend money from banks. Only the central government owe $500 billion 2000. Since 2002 Local Government Financial Vehicles (LGFV) were founded. Today there are more than 10.000 LGFV’s existing in china. LGFVs are state-owned companies that raise funds for local governments. Since 2009 it is possible for regional governments to run up in debt. Today 51% of the $5.5 trillion debt are hold by local governments. Since 2014 the government increased the speed of running up in debt.

The government needs to stabilize the country. The economy (represented by households, financial institutions and non-finacial corporate) is overindebted. All together owe $25 trillion. Most loans are toxic. They will never be payed back. But the country is changing. The old system of lending money to boost growth has stopped and now they are looking for a new structure to become a free enterprise. It will be crucial if they can do it smoothly or if China has to crash down to restart. The economy has no more space to act. Most of the individuals and institutions are overindebted. They need to pay back loans. That will have a big impact on the GDP growth. Consumption, demand and production will decline because money will be used to pay money back and not to be invested in growth. If these market activities decline the sales will decline, too. The most indebted sector, the non-financial corporate, will have serious trouble when they need to pay back money but revenue is declining.

They change in China is risky and unsteady. It will be interesting and important to watch how they perform. There are serveral projects the government started to support the economy:

  1. According to Financial Times China allowed banks to do debt equity swaps.
  2. According to Bloomberg chinese Banks turn toxic debt into securities.
  3. According to Bloomberg China started to Bail Out most of the banks.

“Instead, Beijing seems to be praying to the Keynesian multiplier, hoping that with yet more stimulus it can grow its way out of its problems, much as it did a decade ago. But the post-2000 period was a unique one, as China joined the World Trade Organization, global growth pushed up export receipts and budgets magically righted themselves. The government must accept that history is unlikely to repeat itself.

If it doesn’t, mounting bad debts, double-digit deficits and a rickety financial system are going to make for an increasingly volatile combination. Bearish investors predicting large-scale devaluations and bank crises understand the risks that have historically accompanied such profligacy. If China’s credit can’t expand forever, it must stop — either by choice or by force.” – Bloomberg View (Christopher Balding)

The IMF calculated that there could be $2.9 trillion high-risk loans in china. This would be 9.4% of the total debt sum. Source: Bloomberg

Sources:

Bloomberg Marktes – China’s very high mountain of debt

Bloomberg – Chinese Investors balk at company bonds from riskiest province

Bloomberg – China bank to turn $1.6 billion debt into securities

Godmode Trader – Wer kauft US-Staatsanleihen?

CNBC – Moodys: China debt a risk but authorities are handling it

Moody’s Investors Service – RLG debt, negative rise in leverage

Trading economics – china government debt to GDP

National debt clock of china

Bloomberg View – Why china can’t solve ts debt problem

Financial Times – IMF sounds warning on China’s corporate debt

OEC – China Import and Export

Bloomberg – UBS: China’s already started bailing out its banks

International Business Times – China’s LGFV

Nikko Asset Management – China’s LGFV debt swap

by Aug 11, 2016 Keine Kommentare
Hass als Konsequenz der Globalisierung

Hass als Konsequenz der Globalisierung

JH

Hass, Rassismus und Hetze greifen in der Öffentlichkeit und im World Wide Web um sich. 71 Jahre nach dem Ende der grausamen faschistischen Diktatur in Deutschland erkennen wir wieder einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Rechtspopulistische Sammelbecken, wie die AfD oder PEGIDA, erfreuen sich regen Zulaufs. Doch woher kommt der Rechtsruck? Gibt es tatsächlich so viele ideologisch rechts gesinnte Menschen in Deutschland?

hand-784077_640Ich denke nicht! Die Ursache dessen ist woanders zu finden. Um dies zu erklären möchte ich in der Geschichte zurück in das Jahr 1933 blicken. Die faschistische NSDAP erhielt nach ersten Wahlschlappen in den vorherigen Jahren immer mehr Zulauf und wurde schließlich zu einer gewählten machthabenden Partei in der demokratischen Republik Weimar. Hierbei konnte die Partei nicht ausschließlich mit Inhalten überzeugen. Es war auch die historisch einmalige und ungünstige Situation, welche der NSDAP die Machtergreifung erlaubte. Deutschland musste damals in kurzer Zeit brachiale Veränderungen hinnehmen. Die Monarchie wurde nach dem ersten Weltkrieg beendet, Deutschland verlor viel Staatsgebiet, die Siegermächte drückten dem Land harte Strafzahlungen auf und eine junge Demokratie, die Weimarer Republik, versuchte sich zu etablieren. Mit der Schmach der Niederlage, dem Traum vom vergangenen Kaiserreich und den klassischen Problemen einer jungen und ungeübten Demokratie wendeten sich viele Wähler nach einiger Zeit der NSDAP zu, welche, wie heutzutage auch die AfD, einfache Lösungen für komplexe Probleme präsentierte (was natürlich nicht funktioniert) und in alle Richtungen Hass, Hetze und Lügen verbreitete. In den Zeiten schneller und brachialer Veränderungen gingen viele Bürger verloren und fanden sich nicht mehr im aktuellen System wieder. Sie konnten sich nicht mit der Weimarer Republik identifizieren und wählten darauf die Partei, welche an die Tradition der Monarchie anknüpfen wollte und vom wiedererstarkenden Deutschen Reich alter Tage sprach. Mit diesen Parolen sammelte die NSDAP all die Personen ein, welche gedanklich noch in der Monarchie verweilten und mit dem Wandel nicht zurechtkamen.

Menschen halten am Status Quo fest. Menschen nehmen eher einen kleinen Nachteil in Kauf statt sich in unbekannte Gewässer zu wagen, also den Status Quo zu verlassen. Mit der zunehmenden Technologisierung dreht sich die Welt immer schneller. In den letzten 20 Jahren erlebten wir eine technische Entwicklung für welche zuvor noch 50 Jahre oder länger benötigt hätten. Mit rasantem Tempo verbreiten sich die neuen technischen Errungenschaften unserer Zeit. Damit einhergehend schreitet auch die Globalisierung immer schneller vorran. Die Welt ist heuzutage vernetzt. Wir reisen schneller denn je um die Welt, sind mobiler, agiler und die Staaten vernetzen sich immer intensiver. Regeln, die heute noch gelten, sind morgen bereits gebrochen. Unsere Horizonte werden jährlich erweitert.

Mit der fortschreitenden Globalisierung haben wir erneut viele Bürger verloren, welche gedanklich nicht schritt-halten konnten mit dem Fortschritt unserer Gesellschaft. Wir erkennen dies stets an den Wahlergebnissen. Beispielsweise bei der letzten (nachträglich für ungültig erklärten) Präsidentschaftswahl in Österreich. Die Großstädte wählten mit großer Mehrheit den grünen, weltoffenen und modernen Kandidaten van der Bellen während in ländlichen Regionen der Rechtspopulist Hofer die Mehrheiten für sich gewinnen konnte. Die Bürger der Großstädte und Metropolregionen sind den schnellen Takt der Globalisierung gewohnt. Sie genießen die Errungenschaften des Reisens, der Mobilität und dutzenden Subkulturen in den Städten. Migration ist in Großstädten normal. Währenddessen ist man auf dem Land weit weg von dem Takt der Technologisierung. Weniger Menschen, weniger Migration, höhere Arbeitslosigkeit und weniger intensiver Kontakt mit unterschiedlichen Kulturen. In Regionen mit niedriger Bevölkerungsdichte (ländlicher Raum) erkennen wir eher rechte Wahltendenzen. So entschieden sich 2015 rund 25% der Wähler Sachsen-Anhalts (das dritt-dünnste besiedelte Bundesland Deutschlands) für die rechtspopulistische AfD. In Mecklenburg-Vorpommern, dem am dünnsten besiedelsten Bundesland Deutschlands, schafft es sogar die rechtsextreme NPD immer wieder in den Landtag.

Viele Bürger, vor Allem im von der Globalisierung nicht derart intensiv betroffenen eher ländlichen Regionen, können gedanklich nicht Schritt halten mit der Globalisierung. Eine Welt der offenen Grenzen, des unbeschränkten Reisens und der Migration ist normal. Wir profitieren vom kulturellen Austausch und den stark erweiterten Horizonten. Doch wie auch 1933 können sich viele Menschen mit dieser neuartigen Situation nicht mehr Identifizieren. Sie verschmähen alles, was mit der heutigen globalen Situation zu tun hat, und verschließen sich zunehmend. Aus diesem Grund ist auch eine Diskussion mit solchen gegenüber der Außenwelt eher verschlossenen Personen schwierig. Ob Medien, Altparteien, Rechtsstaat oder andere Dinge. All das ist schlecht. All das ist ungewohnt. All das wirkt fremd. Fremd im eigenen Land und der deutsche Bürger fühlt sich im eigenen Land verloren, fremd und nicht integriert. Aus diesem Grund entsteht Angst. Man wird aus dem Status Quo gerissen und ins kalte Wasser geworfen. Fast nichts kann die menschliche Psyche weniger leiden als eine derartige Situation der Unsicherheit, des Unwissens und des Unwohlseins.

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Aus dem Grund des Unwissens flüchten sich Menschen in einfache Parolen und Verschwörungstheorien. Sie füllen ihre Wissenslücke mit einfachen und schnell generierbaren Theorien. Auch wirken stupide Parolen und einfache Lösungen in dieser so ungewohnt komplexen und schnellebigen Welt wie ein sicherer Hafen.

Aus dem Grund der fehlenden Identifikation und des Unwohlseins in dieser neuen Welt, in der man sich nicht wohl fühlt und keinen Anschluss findet, wenden sich viele Wähler erneut rechtspopulistischen Parteien zu. Parteien, welche einfache Lösungen für komplexe Probleme präsentieren. Parteien, welche gegen alles hetzen und wettern, was mit dem aktuellen System zu tun hat. Altparteien, Medien, Gutmenschen. Alles Lügner. Alle Schuld. Parteien, welche ein System der Schichten schaffen und den eigentlich nicht integrierten Wähler das Gefühl geben lassen besser zu sein als andere. Parteien, welche das Opfergefühl der Wähler bedienen und die Opferrolle durchgehend spielen. Aber vor Allem Parteien, welche an vergangene Tage anjnüpfen.

Die Wähler der AfD sind aus meiner Sicht nicht mehrheitlich faschistisch oder rechts. Auch viele Personen auf den Kundgebungen von PEGIDA. Es sind Personen, welche im Kopf noch die Grenzen und Strukturen des Kolonialismus leben. Personen, welche nicht wahrhaben wollen, dass Migration normal ist und die Welt immer mehr vernetzt wird. Personen, welche auf Parolen der Rechtspopulisten anspringen, welche propagieren an vorhergegangene Tage anknüpfen zu wollen: raus aus der EU, Grenzkontrollen, Deutscher Staat, Patriotismus, und vieles Mehr. Erst zwischen 1970 und 1980 wurde der Kolonialismus beendet. Ist der 2. Weltkrieg mittlerweile 70 Jahre vergangen, so ist es der Kolonialismus erst seit ungefähr 40 Jahren. Viele Menschen haben noch eine Welt der Grenzen, Schichten, Herachien und dominierenden Nationen vor Augen.

Deutschland hat kein Problem mit rechten Wählern. Rechte Parteien erhalten lediglich Zulauf von Wählern, welche sich nicht mehr mit den Altparteien und dem heutigen Fortschritt der Globalisierung identifizieren können. Wir können die AfD und Co. aus meiner Sicht nicht durch Gegenwehr und Argumente besiegen. Deren Wähler verschließen sich vor Logik und Argumenten und leben in ihrer konstruierten Welt aus Lügen und wirren Theorien. Eine Welt in die sie sich aus Angst und Unwohlsein zurückgezogen haben. Eine Welt aus der wir sie nicht mit Druck oder Schadenfreude herausholen können. Wir müssen uns selbst wieder integrieren. Integrieren in eine Welt der Migration, Freiheit und offenen Grenzen. Eine Welt der Globalisierung und des täglichen kulturellen Austausches. Globalisierung tut nicht weh, sie fördert unseren Wohlstand. Das müssen auch die enttäuschten Wähler erleben und verstehen.

Wie können wir diese im Fortschritt verlorenen Menschen zurückgewinnen und mitnehmen? Auf der einen Seite steht aus meiner Sicht das “Erleben”. Menschen in Großstädten leben die Globalisierung. Täglich. Auch in ländlichen Regionen sollte die Globalisierung spürbar erlebbar sein. Fortschritt heißt nicht morgens den arabischen Kaffee zu trinken und beim US-Amerikanischen Amazon zu bestehen, aber Nachmittags dann auf einer PEGIDA-Demo gegen Ausländer zu hetzen. Globalisierung erlebt jeder von uns im Alltag – viele jedoch unbewusst. Sie wissen dies nicht zu schätzen. Auf der anderen Seite steht Bildung. Ich selbst habe in 5 Jahren gymnasialer Schullaufbahn in gefühlt 3 Jahren Geschichtsunterricht die DDR und NS-Diktatur behandelt. Natürlich sind dies wichtige Epochen der Geschichte und jeder sollte ausreichend über die Schandtaten dieser grausamen Regime informiert sein. Doch wir sollten mehr nach vorne schauen und weniger nach hinten. Während ich umfangreich das Analysieren von uralten Gedichten lernte habe ich aus dem Informatik-Unterricht kaum etwas mitnehmen können. Dabei ist Technik und Informatik heutzutage wichtiger als Gedichts-Rezensionen. Schule soll doch auf das Leben vorbereiten? Genau das sollten wir wieder tun.

by Aug 08, 2016 Keine Kommentare
Buchvorstellung – the big short (Michael Lewis)

Buchvorstellung – the big short (Michael Lewis)

JH

9780393072235-us-300Vorstellung des Best-Sellers “the big short – wie eine Handvoll Trader die Welt verzockte” von Michael Lewis

Die Beschreibung des Buches: “Was genau sich kurz vor der Finanzkrise hinter den Kulissen der Wall Street abspielte, erzählt der ehemalige Investmentbanker und heutige Bestsellerautor Michael Lewis auf eindrucksvolle Weise. In der Insider-Geschichte über Gier und Maßlosigkeit im Herzen der Finanzwirtschaft legt er die zynischen Mechanismen der Märkte offen und erzählt von der Erfindung einer monströsen Geldmaschine: Eine Handvoll findiger Hedgefondmanager ahnte den Zusammenbruch des Immobilienmarktes in den USA voraus und wettete gegen den Markt. Mit Erfolg.”

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen. Das Wissen über die Finanzprodukte ist gut, aber auch in Dokumentationen und anderen Büchern zu finden. Faszinierend ist der zynische Einblick in die verrückte Welt der Wall Street. Man bekommt Einblicke in eine Umgebung, welche einem normalerweise verschlossen bleibt. Das Buch ist aus meiner Sicht ein Must-Have für Börsen-Interessenten. Wer träumt nicht davon für einige Jahre zumindest an der Wall Street arbeiten zu dürfen? In diesem Buch berichten Insider über die Geschehnisse hinter den Kulissen. Es ist spannend und ich habe solch einen Einblick in die Finanzwelt durch ein Buch noch nie zuvor erlebt.

“Auf dem Markt für zweitklassige Hypotheken wurden jedes Jahr neue Darlehen im Wert von über einer halben Billion US-Dollar ausgereicht, doch der Kreis derjenigen, die die Risiken eines Zusammenbruchs des Gesamtmarktes umverteilten, war sehr klein. Als ihn die Vertriebsmitarbeiterin von Goldman Sachs anrief und sagte, ihre Firma würde gerne Credit Default Swaps in 100-Millionen-US-Dollar-Paketen verkaufen […]”

“Lippmann wusste nicht wie es Goldman Sachs gelungen war AIG FB dazu zu überreden […]. Er wusste nur, dass Goldman Sachs in rascher Folge Transaktionen über mehrere Milliarden US-Dollar auf die Beine stellte und so die Risiken für sämtliche zukünftige Verluste aus mit BBB bewerteten Subprime-Hypothekenanleihen im Wert von 20 Milliarden US-Dollar auf die AIG übertrug.”

Hier ein Link zum Buch und zum Film auf Amazon, falls du Lust zum Lesen bekommen hast:

by Aug 07, 2016 Keine Kommentare
Warum Deutschland eine Reform des Staatswesens benötigt

Warum Deutschland eine Reform des Staatswesens benötigt

JH

Demokratie ist keine selbstverständlichkeit. Über viele Jahrhunderte wurden Kriege um Religionen, Ideologien und Staatsformen geführt. Aus Republiken wurden Monarchien und Diktaturen und andersrum. Junge Demokratien, wie beispielsweise die damalige Weimarer Republik, zerfielen und mussten mit dem grausamen Verlust vieler Millionen Menschenleben zurückerobert werden. Die Demokratie ist keine selbstverständlichkeit. Sie musste hart erkämpft werden und ist noch heute, im Vergleich zu jahrtausendealten Regierungsformen, eine junge Staatsform.

Die Bundesrepublik Deutschland ist auf der einen Seite eine Republik in welcher die Bürger ihre demokratische Macht (alle Macht geht vom Volke aus) auf Vertreter bzw. Parlamentarier und Politiker übertragen, welche diese für normalerweise vier Jahre im Bundestag vertreten. Auf der anderen Seite ist Deutschland ein föderativer Bund: jedes Bundesland besitzt seine eigene Verfassung. Bundesrecht (meist das Grundgesetz) ist jedoch stärker als Landesrecht. Der Bund hat die meiste Macht im Bund deutscher Länder.

demokratie weltweitQuelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Demokratien sind in Phasen wirtschaftlicher, politischer oder gesellschaftlicher Unsicherheit und Krisen immer in ihrer Existenz bedroht. Mit den Unsicherheits-Faktoren der Zukunft der EU, des Terrors und der Flüchtlinge sowie der konjunkturellen Labilität seit 2008 erhalten radikale rechte und linke Parteien an Stimmen-Zulauf. Doch die Stimmen verteilen sich nicht nur um – Es gehen auch weniger Menschen wählen. Deutsche fühlen sich nicht mehr durch ihre Politik vertreten. Der Groll und das Misstrauen gegenüber den etablierten Altparteien ist größer denn je und wird mit jedem weiteren externen Einfluss on top größer. Deutsche sind nicht Politikverdrossen sondern Politikerverdrossen (Aussage von Volker Pispers).

Aus meiner Sicht muss die deutsche Politik umdenken und unser Staatswesen überdacht und verändert werden. Wir müssen uns wieder an die Grundprinzipien der Demokratie, des Staates und der Politik erinnern. Ohne entsprechende Reformen ist auch der freiheitliche und grundrechte achtende Staat in Deutschland bedroht. Doch was muss geschehen und worauf sollten wir uns besinnen?

Wahlbeteiligung in Deutschland

Deutschland stellt weiterhin eine parlamentarische Demokratie dar. Alle Macht geht vom Volk aus. Die Bürger können jederzeit bzw. zu jeder Wahl eine Partei oder eine Regierung abwählen indem Sie ihre Stimmen anders vergeben. Zu erkennen ist jedoch, dass immer weniger Bürger wählen gehen. 2009 und 2013 gingen 1/3 aller wahlberechtigten nicht wählen. Vor Allem jüngere Wahlberechtigte gehen heutzutage immer seltener wählen.

  • Bei den Bundestagswahlen 2013 waren 61,9 Millionen Menschen wahlberechtigt
  • 44,3 Millionen gingen wählen (71,5%) – 17,6 Millionen dagegen nicht (28,5%)
  • Die Altergruppe 60+ war mit 21,3 Millionen Wählern am aktivsten
  • Die Altersgruppe jünger als 30 Jahre stellte wenige Wähler -> 9,8 Millionen
  • Nur 60,3% der 20 bis 24 jährigen sind zur Wahl gegangen
  • Mit 79,8% Beteiligung waren die 60 bis 69-jährigen am Aktivsten
  • Quelle ist eine Pressemitteilung des Bundeswahlleiters 2013

Vor Allem junge Menschen verlieren das Vertrauen in die Politik und sind enttäuscht. Immer öfter ist zu erkennen dass die Altersgruppe jünger als 30 Jahre nicht nur demographisch sondern auch bei den Wahlen eine Minderheit darstellen. Die Generation welche am dringensten über ihre noch durchaus längere Zukunft (verglichen mit der 60+ Altersgruppe) entscheiden müsste verwirkt ihr Wahlrecht und nutzt es größtenteils nicht. Setzt sich der Trend fort gehen bald nur noch 50% der Altersgruppe unter 30 Jahren wählen. Ist dies eine bankrotterklärung der Zusammenarbeit zwischen Staat und Bürger?

Vor Allem in Zeiten der Unsicherheit misstrauen Wähler erfahrungsgemäß den Altparteien und der Demokratie und wünschen sich eine charismatische, direkte, offene und handlungsfreudige Führungsperson. Aus solchen Situationen können zukünftige Diktatoren und Regime des Öfteren Kapital schlagen. Zuletzt ist zu erkennen, dass die AfD in Deutschland flächendäckend Wahlerfolge erzielt. Wäre am nächsten Sonntag Bundestagswahl könnte die AfD im ersten Versuch mit rund 10% Stimmenanteil in das höchste deutsche Parlament einziehen. Bereits vor 1933 war zu erkennen, dass die rechtspopulitische und rechtsradikale Partei NSDAP lange Zeit keine Wahlerfolge verzeichnen konnte und dann plötzlich in ganz Deutschland mit der Krise gewählt wurde.

Wahlbeteiligung DeutschlandWahlbeteiligung Bundestagswahlen in Deutschland / Quelle: Statista

Reform des Staatswesens

Während Anti-Demokratische Kräfte von Problem profitieren und Probleme schaffen kann die Demokratie und das Vertrauen in das deutsche Staatswesen und die Altparteien vor Allem durch Problemlösung gepflegt und gestärkt werden. Die Politik sollte Handeln und nicht Abwarten. Sie wurden gewählt zu lenken und nicht um zu verwalten.

Kernelement der Demokratie und von modernen Staaten ist das die Macht vom Volk ausgeht. Da es schwierig ist mit Millionen Menschen einen Staat zu führen hat sich das System der Parlamente durchgesetzt. Bürger übertragen via Wahl ihre Stimme und somit ihre Macht auf Vertreter. Viele Wähler wenden sich enttäuscht von den Wahlen ab da ihr Machtübertrag missbraucht wurde. Wie das?

Immer mehr häufen sich Wahllügen. Politiker versprechen Dinge und erfüllen diese dann nicht oder machen das gegenteil. Die aktuell deutlichsten Beispiele sind Merkels Aussage zur PkW-Mau, welche Sie erst vehement ablehnte und dann doch beschloss sowie die Aussage von Sigmar Gabriel die Waffenexporte nicht ausweiten zu wollen während er sie dann nach der Wahl verdoppelte. Der Bürger wird immer öfter belogen und getäuscht um sich seine Stimme zu verschaffen. Der Bürger wählt einen Vertreter der darauf hin dessen Meinung nicht mehr vertritt. Das Vertrauen zwischen Volk und Volksvertreter muss wieder hergestellt werden. Volksvertreter sollten das Volk vertreten und nicht nach Macht und Gehalt gieren. In meinem Blog “Wahlversprechen sollten rechtlich bindend sein” bin ich auf diese Thematik bereits mit einem Lösungsvorschlag eingegangen.

Bysb8F8IQAA1ysREin Staat stellt eine Gemeinschaft dar welche sich finanziell und gesetzlich in einem politischen System organisiert. Hierbei besteht eine Wechselbeziehung, dass das Volk für den Staat arbeitet – ihn also finanziert, akzeptiert und stützt – aber der Staat ebenfalls für das Volk da ist und mit sozialen, bildungstechnischen, innenpolitischen und anderen Aufgaben das Volk unterstützt. Das Volk kann nicht ohne Staat und der Staat kann nicht ohne Volk.

Immer öfter fühlen sich die Menschen vom Staat jedoch allein gelassen und ausgenutzt. Ureigene Aufgaben des Staates scheinen, zumindest im Gefühl der Bürger, nicht erfüllt zu werden. Beispielsweise die Innenpolitik in Deutschland ist qualitativer und besser als in den meisten Ländern der Welt aber trotzdem für den Anspruch der Bürger zu niedrig. Der Bürger hält sich an die Regeln (Gesetze) des Staates und tritt einen Teil (fast 50%) seines Einkommens in Form von Steuern ab. Im Gegenzug dessen erwartet er gewisse Leistungen und Garantien durch den Staat, wie die innere Sicherheit oder ein funktionierendes Gesundheitswesen. Was sind die Aufgaben eines Staates ungefähr?

  • Innere Sicherheit
  • Gesundheitswesen
  • Bildung
  • Militärische Verteidigung
  • Wirtschaftspolitik
  • Sozialpolitik

Vor Allem im Bereich der Inneren Sicherheit und Sozialpolitik fühlt sich der Bürger allein gelassen bis hin zu getäuscht.

Wie schnell sich Aussagen in der Politik ändern? Lest hier selbst!

  • Milliarden-Summen werden in schweres Gerät, wie Panzer und Flugzeuge, investiert während bei der Polizei Millionen Arbeitsstunden unbezahlt sind und zehntausende Polizisten fehlen. Die militärische eher nach außen gerichtete Sicherheit wird aus Sicht des Bürgers stärker finanziert als die innere Sicherheit, welche viele Baustellen aufweist.
  • Auf Grund des demographischen Wandels bestehen Schwierigkeiten Bildung, Infrastruktur und Gesundheitswesen in strukturschwachen Regionen aufrechtzuerhalten. Auch bei der Rente bestehen dringende Fragen wie die Finanzierung in den kommenden Jahren gewährleistet werden soll. Im gespräch sind Rentenkürzungen, Beitragserhöhungen und das Anheben des Rentenalters.

hand-784077_640Unser Staatsapperat löst das Misstrauen gegenüber diesem Missmanagement nicht indem er den Bürger auffordert selbst zu handeln. Es gibt gewisse Aufgaben, welche dem Staat obliegen. Es ist nicht die Aufgabe des Bürgers sich vor Einbrüchen und Übergriffen zu schützen, sondern die des Staates welcher die innere Sicherheit gewährleisten muss. Auch schafft es eher Misstrauen als Vertrauen wenn der Staat vom Bürger verlangt trotz der fast 50% Abgabenlast finanziell selbst vorzusorgen für die Rente. Der Bürger zahlt in die Rentenkasse ein und arbeitet brav sein Lebenlang zum Teil für den Staat und verbraucht seine wertvolle Lebenszeit für das Steueraufkommen. Der Staat muss seine ursprünglichen Aufgaben wieder verstärkt erkennen, wahrnehmen und konzentriert möglichst qualitativ erfüllen.

In der deutschen Politik muss ein Umdenken stattfinden. Der Staat ist für den Bürger da. Er muss seine Bürger in gewissen Aufgaben unterstützen und kann nicht andauernd über Geldmangel klagen oder mehr Eigenbeteiligung vom Bürger einfordern. Es ist aus meiner Sicht die Aufgabe der Politik Lösungen anzubieten und Reformen umzusetzen. Manche Reformen schmerzen doch eine zukunftsgerichtete und langfristige Sichtweise um den aktuellen und zukünftigen Bürgern auch in vielen Jahren noch ein gutes Zuhause bieten zu können sind entscheidend.

  1. Volksvertreter sollten das Volk vertreten
  2. Probleme sollten gelöst und nicht schöngeredet werden
  3. Die Wechselseitige Beziehung von Bürger & Staat muss gepflegt werden -> der eine ist für den anderen da

by Jul 22, 2016 Keine Kommentare
Die EZB kauft den Anleihen-Markt leer

Die EZB kauft den Anleihen-Markt leer

JH

Die Europäische Zentralbank hat bereits Staatsanleihen im Wert von einer Billion Euro aufgekauft. Mit diesem und anderen gigantischen Investitions-Programmen versucht die EZB seit der Euro-Krise 2012 Markt, Union und Nationen zu stützen und unterstützen. Doch wie wirken sich die Maßnahmen auf den Markt aus? Können wir hier bereits etwas erkennen?

Warum kauft die EZB Anleihen?

  • Die Zinsbelastung der Staaten soll gesenkt werden um die Staatshaushalte um Milliarden-Beträge zu entlasten
    • Auf der einen Seite soll dies den Staaten Zeit verschaffen für die Umsetzung von Reformen um ein erneutes Aufflammen der Euro-Krise zu vermeiden
    • Auf der anderen Seite können die Staaten so auf Steuererhöhungen verzichten, welche sowieso bereits schwache Binnennachfrage weiter senken würde
  • Die Kredit-Vergabe im Euro-Raum soll angeregt. Investitionen sollen für Wachstum sorgen und Wachstum für steigende Löhne und somit auch steigendem Konsum
  • Die Geldsummen sollen die Inflation auf 2% heben und eine Deflation vermeiden
  • Durch die Geschwemme wird der Euro weich gespühlt was den Export Europas fördert

Das Kernproblem Europas (und auch vieler anderer Kontinente) ist die Kredit-Deflation. Diese habe ich bereits in einem Blog ausführlichst beschrieben. Einfach hier klicken bei Interesse.

Außerdem: Die EZB tut was sie kann um Europa zu stützen. Die Staaten sind in der Pflicht. Ohne deren Beitrag wird Europa die stationäre Krankenpflege auf Grund eines konjunkturellen Infekts nichts verlassen können. Bei Interesse habe ich auch hier bereits einen Blog drüber verfasst.

burst-1503319_640Ankauf von Unternehmens-Anleihen

Seit Anfang Juni kauft die EZB nun auch Unternehmensanleihen an. Der Effekt den die Zentralbank auf den Anleihenmarkt hat wird vom Handelsblatt als “Staubsauger” bezeichnet. Der sowieso bereits recht illiquide Markt für Anleihen wird nun von einer Notenbank mit fast unerschöpflichen finanziellen Möglichkeiten bearbeitet.

Während bis zu 80% der Staatsanleihen mittlerweile negative Zinsen aufweisen brechen auch die Renditen der Firmen-Bonds zusammen. Seit Anfang Juni sanken die Zinsen im Durchschnitt bereits von 1,5% auf 0,6% und werden wahrscheinlich noch weiter fallen. Die Deutsche Bahn emittierte bereits vor kurzem eine Anleihe mit -0,006% Verzinsung.

Wie lange gibt es noch Anleihen zum Kauf für die EZB oder wird die Bewertung bald schwammiger ausgelegt um auch aktuell nicht zugelassene Anleihen kaufen zu können? Das Handelsblatt errechnete, dass bei dem aktuellen Tempo der Ankäufe die EZB in Deutschland nur noch 12 Monate lang passende Anleihen finden wird. Sinken die Zinsen noch weiter, dann wird es wohl bereits früher eng werden. In Frankreich reicht es noch für 26 Monate und in Italien beispielsweise für 47.

Ist die EZB mit ihrer Geldpolitik erfolgreich? Dies kann man kaum bewerten, da die Staaten bisher ihre Aufgaben nicht erfüllen und somit die Geldpolitik der EZB gefährden. Wie bereits beschrieben verschafft die EZB Europa vor Allem Zeit. Zeit, welche nicht genutzt wird. Aktuell ist zu erkennen, dass die Inflation bei 0% gehalten werden kann und zögerlich über 0,1 und 0,2 auf 0,3% gestiegen ist. Auch die Kreditvergabe im Euro-Raum legt leicht um 1,4% zu. Dennoch bleibt das Wachstum in Europa schwach, der Konsum (ausgenommen der Schein-Boom in Deutschland) verläuft schleppend und die meisten Probleme sind nicht gelöst. Europa steht derzeit wahrscheinlich schlechter aufgestellt dar als noch vor der Euro-Krise. Das ist ein Desaster!

Wertpapierleihe zum Erhalt der Liquidität

Doch nun möchte ich zu dem eigentlichen Part kommen wegen dem ich diesen Blog schreibe. Die Liquidität am Anleihenmarkt ist schwach. Der Staubsauger EZB fegt das eigentlich sowieso bereits schwache Angebot weg. Es gibt kaum Anlage-Alternativen für Großanleger, Fonds und andere finanziell schwergewichtigere Institutaionen als die Anleihen. Dementsprechend sehen wir am Markt viele Kauf-Interessenten, aber kaum Anbieter.

Um die Liquidität am Markt zu gewährleisten und einen Kollaps zu vermeiden bietet die EZB Wertpapierleihen an. Hat ein Geldhaus einen Kunden für Staats- oder Unternehmens-Anleihen so kann sich dieses die Anleihe von der EZB leihen. Der Kunde muss jedoch eine Sicherheit für die Anleihe hinterlegen. Auf welche Finanz-Spielereien lassen wir uns in diesem Fall in Europa nun ein? Ich habe meinen Gedankengang am Whiteboard skizziert:

20160719_214749Staatsanleihen und Anleihen werden zuerst am Primärmarkt gehandelt. Für diesen sind nur größere Banken zugelassen welche gewisse Anforderungen erfüllen, da in diesem Markt der Handel gewährleistet werden muss. Die EZB führt keine direkte Staatsfinanzierung durch (was verboten wäre) da diese am Sekundärmarkt einkauft.

Nun kauft die EZB wie ein Staubsauger den Primärmarkt leer. Um den Markt dann wieder mit den gerade ebend gekauften Anleihen zu versorgen bildet die EZB aus meiner Sicht einen neuen eigenen Primärmarkt, da sie zum Anbieter für Wertpapierleihe wird. Die Banken übernehmen erneut die Funktion als Mittler und der Markt auf dem alle Kunden sind ist wieder versorgt.

Bildet sich in diesem Fall nicht ein neuer Markt? Die EZB versorgt den Markt immer stärker selbst durch den Verleih? Am alten Markt wird es immer schwieriger sein zu Handeln da hier die Notenbank alles wegkauft was nicht bei 3 im Minus-Zins ist. Wie intensiv wird die EZB ihre Papiere weiterverleihen? Wird eine Art Parallelmarkt entstehen welcher komplett auf geliehenen Wertpapieren basiert?

Noch durchdringe ich selbst die Materie und die möglichen Konsequenzen nicht komplett. Ich habe ein ungutes Bauchgefühl und für mich sieht es so aus dass die EZB nun nicht mehr in den Markt eingreift, sondern Teile des Marktes (in diesem Fall der Markt für Anleihen) komplett übernimmt und sozusagen fast in’s Koma versetzt.

by Jul 19, 2016 Keine Kommentare
Wie sich der SP500 auf’s Allzeithoch gemogelt hat

Wie sich der SP500 auf’s Allzeithoch gemogelt hat

JH

Der SP500 war vor einigen Tagen in den Schlagzeilen. Allzeithoch. So hoch Stand einer der Leitindiezes der USA noch nie. Der SP500 bildet die 500 größten Unternehmen der USA ab notiert aktuell bei über 2.000 Punkten. Grundlegend wird der Wert je Aktie durch Angebot und Nachfrage gebildet. Steigen die Kurse also scheint die Nachfrage nach Aktien hoch zu sein. Eine große Nachfrage resultiert meist aus der Zuversicht der Aktionäre. Geht es der USA also derzeit besser denn je? Könnte man meinen. Doch wie bereits in meinem Blog “Kursdoping auf Pump” (07.01.2016) beschrieben haben Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten den eigenen Kurs zu beeinflussen, pflegen und pushen.

Der SP500 bildet nicht die Stärke der 500 größten Unternehmen der USA wieder. Schaut man genauer hin erkennt man die konjunkturelle Labilität auch in den USA. Die SP500-Unternehmen verdienten 2015 so viel wie noch vor 2011, 2010 oder 2009. Und doch steht der Kurs beispielsweise 83% höher als noch 2009 oder 40% höher als noch 2012. Die Antwort liegt in den Rückkäufen von Aktien.

Rückkauf von Aktien

Die 500 größten Unternehmen der USA geben seit 2009 jährlich mehr Geld für Rückkäufe eigener Aktien aus. 2015 erreichte die Summe einen Rekordwert von stattlichen 162 Milliarden US-Dollar, welche in den Ankauf eigener Papiere investiert wurden. Die Unternehmen kaufen ihre Aktien und vernichten diese. Durch diese Maßnahme wird das Angebot an Aktien in der Summe gesenkt und der Kurs bleibt stabil oder steigt. Vermehrt nehmen US-Unternehmen auch Schulden auf um Aktien zurückzukaufen. Die Verschuldung von Apple, Microsoft und anderen Unternehmen steigt beinahe gleichermaßen wie die Summe der Rückkäufe.

Rückkäufe, Kurs und Gewinne SP500Kurspflege auf Pump

US-Unternehmen geben immer mehr Geld für Aktien-Rückkauf-Programme, Dividenden, Fusionen und Übernahmen aus. Der meiste Teil ist durch Schulden finanziert. Grund ist, dass die Unternehmen in der aktuellen Phase schwacher Binnen-Nachfrage weniger Geld verdienen. An den Umsätzen ist dies kaum zu erkennen, denn Wachstum wird durch Zukäufe vorgegaukelt. Mit Dividenden lockt man neue Anleger an und hält die bestehenden bei Laune. Mit Rückkäufen von Aktien kann der Kurs nach oben geschoben werden.

So kaufte beispielsweise Microsoft in den letzten 18 Monaten etwa 300 Millionen Aktien zurück und vernichtete diese. Im gleichen Zeitraum stieg der Kurs um 15% während der Börsenwert des Unternehmen um 10% stieg. Kurspflege durch Investitionen in seine eigenen Aktien.

Die Binnen-Nachfrage lahmt auf Grund der Kredit-Deflation

Allzeithoch, steigende Kurse und Rendite? Ein Grund zum Einkaufen? Es geht wieder Aufwärts? Der Anleger sollte viel eher skeptisch sein wie nachhaltig dieses ATH ist und ob es tatsächlich gerechtfertig oder “künstlich” erschaffen wurde. Das meiste Geld der Unternehmen fließt in die Kurspflege. tatsächlich fehlt dieses Geld daraufhin bei den Investitionen, welche die Unternehmen fit, attraktiv, produktiv, effizient und zukunftsgerichtet halten. Sind die hohen Investitionen in den eigenen Kurs ein Zugeständnis der aktuell wirtschaftlich problematischen Lage?

by Jul 15, 2016 Keine Kommentare
Ein halbes Jahr DAX – was nun?

Ein halbes Jahr DAX – was nun?

JH

Aktuell befinden wir uns in der ersten Woche der zweiten Jahreshälfte 2016. Es war erneut ein spannendes Börsen-Halbjahr, welches ich intensiv mit sechs Analysen begeleitet habe. Ich hoffe in diesem halben Jahr hilfreiche Tipps, Anreize oder Gedankenansätze gelliefert haben zu können. Ich möchte in diesem Blog das erste Halbjahr nochmals aufarbeiten um daraufhin in die Analyse diverser Ansätze und Gedankengänge zu gehen, was vom 2. Halbjahr aktuell erwartbar sein könnte.

Die Blogs der ersten Jahreshälfte

24.01.2016 – Was den Markt nun beeinflussen wird

10.03.2016 – Die Herde verhält sich wie immer

02.04.2016 – Dem DAX fehlt ein Anreiz

19.04.2016 – Warum ich jetzt gegen den DAX wette

30.04.2016 – Den DAX handeln, so einfach geht es …

23.06.2016 – Das DAX-Spekulationsspielchen

Weiterhin handelt es sich bei diesen Blogs um eine Analyse der global-makroökonomischen Situation mit Konzentration auf den Index “DAX”. Hierbei setze ich fundamentales und charttechnisches Wissen mit verhaltenspsychologischen und makroökonomischen Ansätzen zusammen, um Aussagen über die zukünftige Entwicklung des DAX zu treffen. Bitte lesen Sie den Risikohinweis!

Rückblick erste Jahreshälfte

DAX 07.07.2016Warum beleuchte ich die Vergangenheit? An der Börse wird doch die Zukunft gehandelt?! Richtig, aber das zukünftige Verhalten basierert auch auf dem bisher Geschehenen. Was wir erlebt haben (vor Allem in der näheren Vergangenheit) prägt uns und beeinflusst uns.

Nach der kräftezehrenden Griechenland-Verhandlungs-Phase bis Mitte 2015 gönnte der Markt uns gerade einmal eineinhalb Monate Sommerpause als uns jäh ein “kleiner” China-Schock aus der Hitzeglocke riss. Der Markt reagierte auf das schlechteste Wachstum seit Jahrzehnten mit einer emotional-panischen Überreaktion nach unten, einer irrational exhuberance (irrationale Übertreibung). Kurz darauf griff die Aussicht auf Unterstützung durch die Zentralbanken und es entwickelte sich erneut, wie so oft, eine Zentralbankrallye. Dank einer solchen Rallye konnte der DAX anfang April 2015 bereits sein ATH bei über 12.000 Punkten erreichen.

Auch 2016 riss uns China aus dem Schlaf. Mit einer kleinen Torschluss-Panik durch neue Marktregeln riss es die Kurse im Reich der Mitte brutal nach unten. Die Weltgemeinschaft der Trader reagierte sofort und wurde selbst nervös. Weltweit purzelten die Kurse. Auch dies war als irrational exhuberance erkennbar. Dies habe ich bereits 24. Januar in meinem Blog festgestellt. Kurz darauf, ebenfalls erwartbar, konnte eine erneute Zentralbankrallye uns wieder zurück auf über 10.000 Punkte tragen. Seit Mitte April ist dann keine wirklich klare Struktur mehr zu erkennen. Sorge vor dem Brexit und Hoffnung auf die EZB ließen die Emotionen durcheinanderwirbeln. Der DAX zuckte zwischen 9.500 und 10.500 Punkten Mal über die 200er EMA und Mal darunter. Ein Fest für mein Verhalten über der 200er EMA Short zu gehen und unter der 200er EMA Long.

Doch tendenziell trübt sich die Performance des DAX weiter ein und wird von Woche zu Woche schwächer. Zuletzt Mitte April erreichte der DAx 10.500 Punkte. Lediglich rund drei Mal konnte der DAX seit dem noch die 10.200 Punkte attackieren, doch nicht verteidigen. Der DAx verweilte seit dem länger unter 10.000 Zählern anstelle über diesen. Und selbst der kleine leicht fallende Trend seit Mitte April scheint zu abnspruchsvoll zu sein, sodass der DAX mittlerweile darunter liegt.

12744400_10204469483297039_6016311179360587dsfd243_nFast 500 Mitglieder in der Gruppe “Börsen Barometer” mit Facebook- & Whatsapp-Gruppe. Tritt hier bei!

Vergleich 2015 & 2016

2015 2016
1. Quartal Franken-Schock Yen-Schock
2. Quartal EZB treibt DAX auf ATH EZB zieht DAX über 10.000
3. Quartal Griechenland-Krise UK-Referendum
4. Quartal Griechenland-Neuwahl

FED-Leitzinserhöhung

US-Präsidentschaftswahlen

In meinem Blog “Meilensteine des Jahres 2016” stellte ich bereits dar, dass sich zwar nicht die Kurs-Performance des DAX der Jahre 2015 und 2016 vergleichen lässt, aber die bedeutenden Termine und Einflüsse der Jahre. Startete 2015 noch mit dem Währungs-Schock des vom Euro gelösten Franken so beschäftigte uns ab dem ersten Tag des Jahres 2016 China und der mittlerweile etwas freier zu handelnde chinesische Yen. Kurz darauf löste sich erneut eine Zentralbankrallye welche uns 2015 auf Allzeithochs über 12.000 Punkte schob und 2016 zumindest zurück über 10.000 Punkte zog. Erinnern Sie sich noch an die heiße Verhandlungsphase mit den Griechen im ersten Halbjahr 2015? Diese Verhanldungen erreichten ihre heiße Phase im Juni 2015 und endeten im Juli. Nun 2016 war es der Brexit, welcher als europäisches Thema den Juni beherrschte.

Kopieren wir nun die Vergangenheit in die Zukunft, dann könnte uns ein überraschender Einfluss Ende August oder Anfang September aus der Sommerpause reißen. Ich möchte mich nicht zu sehr festlegen, aber es bietet sich bereits an, dass es erneut um den Brexit gehen wird: Mitte September könnte die britische Regierung wieder funktionstüchtig sein und die Börse erneut vor Sorge einbrechen lassen. Beschäftigte uns 2015 im Oktober die entscheidende Neuwahl in Griechenland so wird es in diesem Jahr Anfang November die Präsidentschaftswahl in den USA sein. Trump gegen Clinton. In diesem Fall kann ich erneut auf den Präsidentschafts-Zyklus verweisen. Wird es eine kleine Vorwahl-Rallye bis zum 6. November geben? Werden im Dezember FED und EZB erneut Einfluss haben durch ihr Handeln? Vor Allem das FED-Board schiebt erneute Leitzins-Erhöhungen weiter raus und bewertet die US-Konjunktur immer zögerlicher (dies habe ich in diesem Blog dargestellt). Erleben wir im Dezember eventuell die zweite US-Leitzinserhöhung?

Wichtige Termine der zweiten Jahreshälfte

Datum Termin
21.07.2016 Monetary policy meeting der EZB
27.07.2016 FOMC Meeting der FED
08.09.2016 Monetary policy meeting der EZB
21.09.2016 FOMC Meeting der FED

(mit projections materials)

20.10.2016 Monetary policy meeting der EZB
02.11.2016 FOMC Meeting der FED
06.11.2016 US-Präsidentschaftswahl
08.12.2016 Monetary policy meeting der EZB
14.12.2016 FOMC Meeting der FED

(mit projections materials)

Fokussiert auf Makroökonomie und DAX sind aus meiner Sicht die US-Wahl, der Brexit und die Notenbankentscheidungen wichtig. Vor Allem durch mich heiß ersehnt sind die FOMC-Meeting der Federal Reserve Bank of America am 21.09. und 12.04.2016. An diesen Tagen werden auch die “projection materials” veröffentlicht bei denen wir Einsicht in das Abstimmungsverhalten der FOMC-Member bekommen und die FED auch die US-Konjunktur bewertet für die Jahre 2017, 2018 und länger. Wie bereits weiter oben verlinkt ist bereits zu erkennen, dass die besten Bewertungen noch aus dem Dezember 2015 stammen und die FED langsam aber sicher immer pessimistischer bzw. vorsichtiger wird.

Hier können Sie die Termine, Dokumente und Pressekonferenzen der Notenbanken einsehen

Schedules for the meetings of governing council (ECB)

FOMC Meetings 2016 (FED)

Ansatz für die 2. Jahreshälfte

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Die Börse bleibt ein unruhiges Pflaster. Das war sie schon immer, doch aktuell fließen unglaublich viele politische und wirtschaftliche Unsicherheiten ein. Im Gegensatz zur Ansicht vieler, dass es uns doch relativ gut geht, ist die konjunkturelle Situation durchaus labil. Zentralbanken müssen immer noch eine historisch lockere Geldpolitik aufrechterhalten um den Markt zu stützen. Alleine und normal könnten Wirtschaft & Volkswirtschaften nicht stehen. Doch da Zentralbanken nicht in die Fiskalpolitik und Politik generell eingreifen dürfen, sondern nur stützend agieren leben wir in einer Phase der ökonomischen Palliativmedizin: Die Kernprobleme und Ursachen werden nicht behoben, sondern nur die Symptome und Auswirkungen behandelt. Die globale Wirtschaft hat sich seit 2008 die Welt mit billigem Geld schön-getrunken. Es war ein Exzess der lockeren Geldpolitik und Volkswirtschaften rund um den Globus feierten geldpolitsche Partys und setzten sich eine Finanz-Spritze nach der anderen. Doch irgendwann kommt der Morgen danach mit Kater, Kopfschmerzen und Übelkeit. Anstelle auszunüchtern greifen wir weiterhin zu billigem Geld und kommen von der Droge nicht los. Wann folgt der Zusammenbruch dieses Suchtverhaltens? 2017? Jahre auf 7 enden immer schlecht sagt man doch so schön 😉

Phase der ökonomischen Palliativmedizin

Kern des Problems ist die Kredit-Deflation

Nur strukturelle Reformen der Staaten retten uns

Zurück zur zweiten Jahreshälfte: Den Monaten August und September stehe ich selbst kritisch gegenüber. Für den Oktober und November möchte ich mich möglichst Long positionieren, da ich hier positive Einflüsse durch Wahl, EZB und FED erwarte, solange sich bis dahin keine grundlegend alles verändernd neue Situation ergeben hat. Der Dezember sollte, wenn die FED die Leitzinserhöhung immer weiter verschiebt, erneut spannend und volatil werden. Langweilig wird uns am Kapitalmarkt auf jeden Fall nicht werden. In meinem Newsletter werde ich weiterhin alle zwei Wochen berichten, nachdenken und durchdenken. In unregelmäßigen Abständen werden natürlich auch weiterhin Blogs dieser Sorte veröffentlicht.

Meine Arbeit findest du öffentlich in diesen Wikifolios:

  1. Das JfH Stock Market Trading Wikifolio: In diesem Wikifolio präsentiere ich meine langfristig ausgelegten Einzelwerte sowie das 200er-EMA-DAX-Spekulationsspielchen. Dieses Wikifolio ist in Arbeit um investierbar zu werden.
  2. Das JfH Healthcare Trading Wikifolio: In diesem Wikifolio präsentiere ich das Potential von Healthcare, Pharma, Biotechnologie und weiteren Bereichen des Gesundheitswesens. Diese Branche ist neben einigen wenigen anderen aus meiner Sicht eine der letzten in der noch echtes (nicht zugekauftes) Wachstum auffindbar ist.
  3. Das Börsen Barometer Wikifolio: In diesem Wikifolio wird der Ansatz des Börsen Barometers nach einem Jahr Testphase (2015) nun seit 2016 auch öffentlich gehandelt. Analysen findest du wöchentlich auf der Facebook-Seite dieses Projekts (hier zu finden).

by Jul 07, 2016 Keine Kommentare
Wahlversprechen sollten rechtlich bindend sein

Wahlversprechen sollten rechtlich bindend sein

JH

Ich fordere eine Aufnahme der Strafbarkeit von Wahlversprechen in die deutsche oder europäische Gesetzgebung. Wahlversprechen sollten rechtlich bindend sein. Eine absichtliche Nichteinhaltung von Versprechen, also eine Wahllüge zu platzieren, sollte rechtlich geahndet und mit Geldbußen bestraft werden. In der Demokratie geht alle Macht vom Volke aus. In Wahldemokratien übertragen Wähler ihre Macht auf Abgeordnete, welche für deren Interessen im Parlament eintreten. Vermehrt belügen Volksvertreter jedoch bewusst das Volk, um sich deren Macht anzueignen und daraufhin Versprechen nicht mehr einzuhalten. Dies sollte rechtlich geahndet werden.

Wahllügen sind aus meiner Sicht kein Bagatelldelikt. Nicht einmal das sind sie. Wahllügen sind straffrei und legal. Doch ihr Ausmaß ist gigantisch. Wallügen täuschen die Wähler und verzerren deren Entscheidungsfreiheit. Es handelt sich aus meiner Sicht nicht um einen vernachlässigbaren Bagatelldelikt, denn Wahllügen schaden und gefährden eine Demokratie, da der Wähler das Vertrauen in das System, den Staat und die Politik verliert. Demokratie, bei der die Macht vom Volk ausgeht, setzt voraus, dass der Wähler nicht belogen und getäuscht wird. Wahllügen gefährden, wie wir nun in England gesehen haben, auch ganze Volkswirtschaften, Wirtschaftszweige und die Europäische Union. Ungestraft. Legal. Rechte und Linke Parteien überhäufen die Sozialen Netzwerke, Medien und Wähler mit abstrusen Gedanken und Lügen, um sich Stimmen zu sichern und Stimmung gegen Minderheiten zu machen. Oftmals ungestraft solange die Lügen nicht die persönlichen Rechte von Personen oder Gruppen betreffen.

Lügen-Kampagne für einen Austritt der Briten aus der EU

Mit zahlreichen Lügen und Übertreibungen versprachen die EU-Gegner vor Kurzem zu viel. Um das Referendum zu ihren Gunsten zu beeinflussen verdrehten sie Fakten und logen die Wähler an.

  1. Ein Kernslogan war “Take back control“, welcher Versprach dass das Vereinigte Königreich im Falle eines Exits wieder die Kontrolle über die Einwanderung erlangen würde. Bereits kurz nach der Wahl gab Daniel Hannan bereits zu, dass man nur ein wenig Kontrolle zurückerlangen könne.
  2. Mit dem Versprechen “Let’s fund our NHS instead” spielten die EU-Gegner ganz groß und bedruckten ganze Busse mit diesem Slogan. Dem Wähler versprach man, dass man nach einem EU-Austritt den EU-Beitrag (350 Millionen Pfund in der Woche) in das britische Gesundheitssystem zahlen würde. Auf der einen Seite ist diese Zahl bereits falsch, denn es fließen wöchentlich auch 160 Millionen Pfund von der EU nach England. Das schlimmste ist jedoch, dass ebenfalls bereits am Morgen nach dem Referendum hochrangige Politiker und führende Gesichter der Leave-Kampagne kleinlaut zugaben, dass dies eine Lüge gewesen sei und man dieses Geld gar nicht habe.

Es ist eine Kampagne voller Lügen, Gerüchte und Übertreibungen gewesen. Den Wählern wurde mit “Take back control” und “Let’s fund our NHS instead” zwei entscheidende Versprechen gegeben bei denen bereits vor der Wahl eigentlich erkennbar war, dass diese Versprechen reine Lügen sind. Mit Lügen und Übertreibungen wurde England gespalten, die Idee der EU gefährdet und Wirtschaft und Kapitalmarkt behindert.

Doch all dies bleibt ungestraft. Trotz der verantwortungsvollen Position vieler Politiker lügen diese als hätten Sie keine Verantwortung für Millionen Menschen. Sie nehmen wissentlich in Kauf mit Wahllügen der EU und somit auch 300 Millionen Menschen eventuell Schaden zuzufügen. Und das ohne rechtliche Konsequenzen? Aus meiner Sicht falsch!

Wahllügen in Deutschland

fdgfdgDie Seite Wahlversprechen2013 erfasst die im Koalitionsvertrag festgehaltenen Versprechen an die deutschen Wähler und kontrolliert deren Einhaltung. Wikipedia schreibt, dass bei den Bundestagswahlen von 2002 bis 2009 etwa 45% aller Versprechen eingehalten wurden und 15% teilweise erfüllt wurden. 30% aller Versprechen wurden gebrochen.

  1. Zuletzt fiel vor Allem die SPD auf, welche mit viel Aufmerksamkeit versprach die Rüstungspolitik zu verändern und nicht mehr Waffen exportieren zu wollen. Aktuell exportiert die auch von SPD besetzten Regierung mehr Waffen denn je. Die Waffenexporte verdoppeln sich jährlich. Vor Allem bedenklich ist, dass die SPD sich dafür aussprach Waffen nicht in Krisengebite liefern zu wollen (Endverbleibsklausel). Mittlerweile liefert Deutschland jedoch Waffen an Katar (hier besteht der Verdacht, dass diese den IS unterstützen) oder auch die Peschmerga der autonomen Region Kurdistan, welche gegen den IS kämpfen.
  2. In meinem Blog “Die Aussagen der Angela Merkel” habe ich mich zwar nicht mit Wahlversprechen beschäftigt jedoch aufgezeigt wie sich Meinungen und Konzepte über die Zeit verändern. So versprach Angela Merkel noch vor den Wahlen, dass es mit ihr eine PKW-Maut nicht geben werde. Kurz darauf, also nach der Wahl, wurde die PKW-Maut dann im Bundestag beschlossen und erst der Europäische Gerichtshof verbat die Umsetzung der Maut.

Auch in Deutschland regen sich viele Menschen auf, dass Versprechen und Aussagen sich oftmals im Nachhinein als Lügen herausstellen. Obwohl die Grünen mit gründer Politik werben beschlossen auch diese verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken. Obwohl die Grünen gegen Kriege sind verhinderten Sie eine Ächtung von Atomwaffen, beschlossen den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr mit und stimmten Zuletzt engeren Kooperationen mit dem Rüstungskonzern Airbus zu. Man könnte endlos so weiter machen, die Aussagen der Parteien und Politiker dokumetieren und nachfragen warum all diese Kernaussagen vor Wahlkämpfen nicht eingehalten wurden?

Wahlversprechen rechtlich bindend gestalten

xcvxcvdDer §123 des BGB besagt, dass jemand, welcher eine Willenserklärung abgegeben hat, und im Nachhinein erkennt, dass er arglistig getäuscht wurde, seine Willenserklärung widerrufen darf. Leider gilt dieses Gesetz nur für Interaktionen zwischen Personen, Unternehmen oder Personen und Unternehmen. Ich selbst bin kein Jurist (habe lediglich zwei Semester Rechtswissenschaften studiert) doch könnte mir vorstellen, dass ein Strafrecht für Wahllügen die Demokratie und den Wähler stärken würde, sowas Sicherheit in das unsichere politische System bringen würde.

Natürlich können Wahlversprechen nicht persé als Wahllüge geahndet werden, wenn diese nicht eingehalten werden. Verspricht ein Politiker beispielsweise vor der Wahl die Steuern zu senken, wird dann gewählt und kann dann die Steuern nicht senken, da eine globale Wirtschaftskrise ausgebrochen ist, so kann dieser Politiker nicht für etwas bestraft werden, was er selbst nicht beeinflussen und vorausahnen konnte. Wahlversprechen, welche gebrochen wurden, sind unter den Umständen der aktuellen Situation, Zeitspanne und Ausgangslage zu betrachten. Wahlversprechen können aus meiner Sicht gutmütig (gewollt) und arglistig (gelogen) sein. Dies gilt es im Verfahren zu klären, wenn ein Wahlversprechen gebrochen wurde.

Stellt die SPD jedoch beispielsweise in Aussicht die Waffenexporte zu minimieren und verdoppeln die Waffenexporte daraufhin, dann sollte dies aus meiner Sicht strafrechtlich bewertet und geahndet werden. Die SPD genehmigt zahlreiche neue Waffenlieferungen und hat einen Anteil an der Verdoppelung der Exporte. Dem Wähler wurde eine Lüge aufgetischt, denn es gibt keinen ersichtlichen Grund weshalb die SPD zu diesem Verhalten gezwungen sein könnte. Hier sollte ein Geldstrafe verhängt werden.

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Parteien, welche viel Lügen, zu viel Versprechen und Fakten verdrehen, sollten theoretisch schnell pleite gehen. Neben den vielen Wahllügen der SPD, CDU, Linken, Grünen und PDF denke ich hier vor Allem an die AfD, welche sich vor Verfahren und Strafzahlungen wahrscheinlich nicht mehr retten könnte. Rechtspopulisten reden und versprechen viel wenn der Tag lang ist. Wir sagen dies zuletzt zum Referendum in Großbritannien. Genau dieses Verhalten würde bestraft werden, wenn es den Wähler beeinflusst, der Demokratie schädigt und den Wettbewerb im Wahlkampf wissentlich und arglistig verzerrt.

Problem könnte sein, dass Parteien kaum Wahlversprechen mehr abgeben aus Sorge vor Strafen. Die Wähler wüssten daraufhin erst recht nicht mehr wen sie wählen sollen. Legt man die Rechtsgrundlage jedoch sehr lachs aus, um nur die wirklichen und großen Lügen zu ahnden, dann fragt sich was noch bestraft werden würde? Man kann sich schnell rausreden und ein Gericht muss im Zweifel für den Angeklagten entscheiden. Ein solcher Zweifel zeigt sich an der Ukip-Lüge zum Gesundheitssystem. Ukip-Europaabgeordneter Farage gab zwar die Lüge zu, verwies jedoch darauf, dass er nicht Teil der Kampagne gewesen sei und diesen Slogan nicht entworfen und zu verantworten habe. Und das obwohl er indirekt schon für die Kampagne im Gesamten, also auch diesen Slogan, geworben hatte und wissentlich diese Falschaussage in Kauf nahm.

Wahlversprechen rechtlich bindend zu gestalten ist eine sehr schwierige Angelegenheit. Aus meiner Sicht ist es jedoch der einzige Weg Populisten und Extreme in die Schranken zu weisen ihre Macht nicht auf Lügen aufzubauen und die Entmündigung und den Betrug am Wähler zu verhindern. Das Rechtswesen sollte in diesem Fall die Demokratie vor Schaden bewahren, die Position des Wählers stärken (alle Macht geht vom Volke aus) und Schaden an den Volkswirtschaften vorbeugen.

by Jul 05, 2016 Keine Kommentare
Gegendarstellung, FAZ, Koopmans, Der Terror hat sehr viel mit dem Islam zu tun

Gegendarstellung, FAZ, Koopmans, Der Terror hat sehr viel mit dem Islam zu tun

JH

Am 01.07.2016 veröffentlichte die FAZ einen Artikel von Ruud Koopmans namens “Hass in der muslimischen Welt – Der Terror hat sehr viel mit dem Islam zu tun“. Aus meiner Sicht ist der Artikel (sowie viele andere auch) ein Beispiel für die heutige Informationsgesellschaft. Es wird vor Allem einseitig informiert und wichtige Fakten werden ausgespart, um die eigene Meinung im rechten Licht präsentieren zu können. Natürlich handelt es sich bei Koopmans nicht um einen Journalisten, welcher bestenfalls alle Seiten einer Thematik beleuchtet, sondern um einen Wissenschaftler, welcher seine Meinung und seine Studien präsentiert. Ein Meinungsbild wird konstruiert verbreitet.

Koopmans kritisiert vor Allem, dass der islamische Bevölkerungsgruppen sich nach der Migration in westliche Staaten zu wenig und zu langsam anpassen würden. Auch vertritt er die Meinung, dass nicht der Westen, sondern der Islam an den meisten Problemen schuld sei.

Inhalt dieses Beitrags
Von welchem Islam spricht Koopmans?
Homohass” im Islam
Verdrehte Sachverhalte
Trägt der Westen eine Mitschuld?
Fazit

Von welchem Islam spricht Koopmans?

religion-1046876_640Koopmans spricht immer wieder vom Islam. Doch welchen Islam meint er eigentlich? Sunniten (Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten, Schafiiten oder Wahabiten), Schiiten (Ismailiten, Imamiten, Zeiditen, Bektaschi), Charidschiten, Drusen oder die Bahai? “Der Islam” ist eine Religion mit unzähligen Splittergruppen, welche den Islam jeweils anders interpretieren, auslegen und ausleben. Alles das Gleiche oder ähnlich? Von Wegen! In Deutschland stellen neben den Sunniten (ca. 2/3 aller Moslems) und Schiiten (rund 7%) die Aleviten mit geschätzt 10% Anteil eine gewichtige Rechtsschule des Islams in Deutschland. Sunniten und Aleviten sind Moslems und doch sehr unterschiedlich. Während viele Sunniten sich nach den Geboten des Koran und dem islamischen Recht (Der Scharia) richten befolgen Aleviten kaum islamische Regelwerke und stellen die Eigenverantwortlichkeit des Menschen in den Mittelpunkt (ergänzt durch helfende Aufforderung zu Ehe, Liebe, Diebstahl, Mord und anderen wie wir sie von den 10. Geboten kennen). Richten sich Sunniten nach den 4 Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Almosen, Gebet, Fasten, Pilgerfahrt) lehnen Aleviten dies als religiöse Äußerlichkeit ab. Der wohl beeindruckenste Unterschied ist, dass vor Allem fundamentalistisch-sunnitische Rechtsschulen, wie der Wahabismus, dem Mann eine bevorzugte Stellung in der Gesellschaft zusprechen während Aleviten die Gleichberechtigung von Mann und Frau praktizieren. Die Vorstellungen der Aleviten kommen dem Christentum und auch den modernen gesellschaftlichen Vorstellungen des Westens sehr, seeeehr nah. Inwiefern können wir also von “dem Islam” sprechen und welchen Islam meint Koopmans eigentlich?

Homohass im Islam

Doch gehen wir nun direkt auf den Artikel ein: “Der radikale, fundamentalistische Islam ist eng verbunden mit extremem Hass auf Homosexuelle”. Ruud Koopmans stellt den Islam am liebsten mit Argument der Homophobie schlecht dar. Es ist für ihn eines der zentralen Argumente weshalb der Islam aus seiner Sicht Radikalisierung und Gräultaten begünstige. Doch basiert das schreckliche Attentat in Orlando, bei dem 49 schwule und lesbische office-1209640_640US-Bürger ums Leben kamen, wirklich auf dem Islam? In diesem Fall erkennen wir nun zum ersten Mal die Masche Koopmans: Er stellt einen Sachverhalt zwar richtig und glaubwürdig dar doch lässt im gleichen Moment wichtige Fakten weg, welche seine Argumentation obsolet machen würden. Es ist dieses einseitige Darstellen eines Sachverhaltes, welches aus dem Artikel keine qualitative Analyse sondern eine einseitige Meinungsverbreitung machen. Zurück zum Thema: basiert die Ablehnung der Homosexualität durch viele Moslems und die zahlreichen Gräultaten gegen ebenjene auf dem Islam? Mitnichten! Auch in der Bibel finden sich Homosexualität ablehnende Phasen (Lev 18,22: “Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau, das ist ein Gräuel”) und die Forderung der Todesstrafe für sexuelle Handlungen zwischen Männern (Lev 18,29: “Denn alle, die solche Gräuel tun, werden ausgerottet werden aus ihrem Volk.”). Der Versuch Koopmans den Islam generell als schlecht abzustempeln mit dem Argument, dass terroristische Taten gegen Homosexuelle nur wegen des Islam passieren (“Mit Ausnahme einer kleinen liberalen Minderheit ist der Islam insgesamt homophob”) ist, wie wir nun erkennen, falsch, da auch das Christentum Homosexualität ablehnt und laut der Bibel Gott die Todesstrafe für sexuelle Handlungen zwischen Männern fordert. Das erkennt auch Koopmans, welcher schreibt: “Klar, auch viele Christen oder Anhänger anderer Religionen lehnen Homosexualität oder doch zumindest die homosexuelle Ehe ab”. Er legt jedoch sofort nach: “aber der Homohass im Islam geht weit darüber hinaus”. Nun hat seine Argumentation nichts wissenschaftliches mehr. Er beschreibt vor Allem seine Meinung. Warum der “Homohass im Islam” weit darüber hinausgeht erklärt er nicht genauer. Auch geht er nicht darauf ein, dass auch das Christentum historisch keine weiße Weste gegenüber Homosexualität aufzuweisen hat. Bis heute ist Homosexualität auch in westlichen Staaten größtenteils nicht gleichberechtigt oder zu 100% toleriert. Noch immer verwehren auch christliche und historisch-christlich-beeinflusste Nationen Homosexuellen die Gleichstellung mit Heterosexuellen und das Einräumen gleicher Rechte. Basiert der “Homhass” also wirklich auf dem Islam? Eher nicht.

Der Islam wurde auf der arabischen Halbinsel gegründet. Kennst du diese Region? Hier beschreibe ich Sie.

Worauf basiert der “Homohass”? Kulturen durchlaufen verschiedenste Phasen ihrer Entwicklung. Es gibt Gründerphasen, Blütephasen und auch Niedergänge. “Der Hochmut kommt vor dem Fall” ist im Verhalten von Kulturen am besten zu erkennen. Noch vor etwa 1.000 – 2.000 Jahren war das Christentum eine barbarische, dunkle, zurückgebliebene und religiös verwirrte Religion. Die katholische Kirche übte Macht aus, Staat und Kirche waren nicht getrennt, Erb-Monarchien gab es in ganz Europa, welche die Menschen unterdrückten und ausbeuteten, sowie die Kirche Bildung, Forschung und Reformen vehement ablehnte. Im Gegensatz dazu war die islamische Welt eine fortschrittliche, tolerante und offene Religion/Gesellschaft, welche Juden und Christen im Land tolerierte, Bildung und Wissenschaft förderte und kulturell wie auch gesellschaftlich wesentlich weiter entwickelt war. Dies ist vor Allem am Gesundheitswesen erkennbar. Gab in Europa nur fahrende Heiler, welche vor Allem Gliedmaßen amputierten und durch Aderlässe das “Schlechte” aus dem Körper ließen gab es im islamischen Raum kostenlose Krankenversorgung in Krankenhäusern und eine hochentwickelte Gesundheitswirtschaft. In meinem Blog “Gehört der Islam zu Deutschland?” habe ich bereits die Errungenschaften des Islams beschrieben, welchen auch wir viel zu verdanken haben. Nach rund 1.000 Jahren islamischer Dominanz kippte das Verhältnis. Die eine Kultur verspielte ihre Vorreiter-Rolle während die andere sich rasant entwickelte. Heute ist das Verhältnis andersherum. Was früher die islamische Region ausmachte ist heute Bestandteil der westlichen Staatengemeinschaft. Der “Homohass” basiert nicht auf dem Islam, sondern auf der gesellschaftliche Phase einer oder mehrer Kulturen.

city-157460_640Koopmans spricht von der Grausamkeit islamisch-religiös geprägter Regime gegenüber Homosexuellen: “Und Millionen müssen ihre Sexualität verstecken, um dem Religionswahn nicht zum Opfer zu fallen”. Sehr interessant ist hierbei seine Wortwahl: Religionswahn. Unbemerkt widerlegt er sich und seine gesamte Ausarbeitung mit nur einem Wort. “Wahn” ist ein Krankheitssympton aus der Psychatrie und Teil einer Denkstörung. Wahn bezeichnet das falsche/unlogische Verhalten einer Person an welchem diese trotz der Unvereinbarkeit mit der objektiv nachweisbaren Realität unbeirrt festhält. Unbemerkt gibt Koopmans mit seiner Wortwahl des religiösen Wahns zu, dass die Verfolgung von Homosexuellen in vielen Ländern Nichts mit dem Islam zu tun hat, sondern einer Denkstörung und Fehlinterpretation dessen entspricht.

Verdrehte Sachverhalte

Schnell findet man die nächste Passage in der Koopmans seine Meinung nur durch bewusstes Verdrehen von Informationen und Auslassen wichtiger Fakten nachvollziehbar darstellen kann. Unwissende Leser merken kaum, dass ihnen nur die halbe Wahrheit präsentiert wird. Koopmans stellt dem Leser geschickt eine modellierte und nicht wirklich der Wahrheit entsprechende Argumentation dar:

“Nur im islamischen Nahen Osten und Nordafrika ist das anders. Dort ist Antisemitismus kein Minderheitenphänomen, sondern die gesellschaftliche Norm: 74 Prozent der Bevölkerungen dieser Länder haben ein antisemitisches Weltbild”. Über diese Passage liest man schnell hinweg. Konzentrierte Leser, welche nicht blind glauben, was man ihnen auftischt, sondern stetig hinterfragen merken schnell, dass hier nur vom “Nahen Osten und Nordafrika” gesprochen wird. Handelt es sich hierbei um die Regionen, welche man beispielhaft für den Islam analysieren kann? Auf keinen Fall. Denn die meisten Muslime leben nicht im Nahen Osten (bzw. Vorderasien) oder Nordafrika, sondern in Asien. Die meisten Moslems leben in Indonesien (223 Millionen), Pakistan (121 Millionen), Indien (178 Millionen), Bangladesh (151 Millionen) und Nigeria (Westafrika, 91 Millionen). Fast die Hälfte aller Moslems leben in diesen Staaten. In Nordafrika und Vorderasien leben rund 500 Millionen Moslems. Dies sind 31% aller Muslime. Koopmans stellt weit weniger als die Hälfte (genauer gesagt: ein Drittel) der Moslems als Mehrheit des Islams dar und fixiert sich auf die über Jahrzehnte – auch durch westliche Mithilfe – ausgebombten Regionen Nordafrikas und Vorderasiens. Spätestens hier erkennen Sie nun hoffentlich das System gewisse Fakten auszulassen und sich nur auf einen Ausschnitt des Sachverhalts zu konzentrieren zur verbesserten Darstellung der Meinung. Natürlich hat Koopmans recht, wenn er moniert, dass Antisemitismus in Nordafrika und Vorderasien weit verbreitet ist, doch zu schnell setzt er dies mit “dem Islam” gleich.

mark-804935_640Als Beispiel nutzt Koopmans die Aussage des Großmufti der Al-Azhar-Universität, welcher von einer durch den Westen ausgehenden “Verschwörungen gegen Araber und Muslime” spricht. Der Westen sei “mit dem Weltzionismus alliiert”. Ist das falsch? Ist das bereits Antisemitismus? Zionismus ist eine jüdische Strömung, welche die Errichtung des jüdischen Nationalstaates in Palestina vorsah. Verbündet mit dem zionistischen Israel sind vor Allem westliche Staaten, welche der damals noch jungen und in der Existenz bedrohten Demokratie (jedoch auch aus national-strategischen Interessen) zur Seite standen. Hier würde ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen wollen, doch mag auch auf diese Stelle kritisch hinweisen wollen.

Koopmans erklärt: “Die Daten stammen noch aus der Zeit vor dem Aufmarsch des „Islamischen Staates“. Seitdem sind religiöse Minderheiten in Syrien, dem Irak und Libyen ihres Lebens nicht mehr sicher”. Das ist richtig. Doch auch hier werden bedeutende Dinge dem unwissenden Leser vorenthalten, welcher nur eine gefährliche Halbwahrheit vorgelegt bekommt. Auf der einen Seite werden nicht nur religiöse Minderheiten in ihrer Existenz und ihrem Alltag bedroht, sondern auch Moslems selbst. Extremisten und Terroristen schikanieren auch Moslems, welche sich ihrer Meinung nach zu modern und nicht fundamentalistisch genug Verhalten. Religiöse Minderheiten wie auch Millionen Muslime fliehen vor den “Gotteskriegern” gleichermaßen. Koopmans stellt es jedoch so dar als würden nur religiöse Minderheiten gefährdet sein. Auf der anderen Seite ist es wichtig festzuhalten, dass beispielsweise die Peschmerga (Soldaten der autonomen irakischen Region Kurdistan) als größtenteils sunnitische Muslime gegen den ebenfalls sunnitischen Islamischen Staat kämpfen und beispielsweise mit dem Einsatz ihres Lebens 20.000 – 30.000 christliche Jesiden mit Hilfe amerikanischer und britischer Luftschläge aus dem Sindschar-Gebirge retteten. Der Islam ist gefährlich und schlecht? Nein, vom “Religionswahn” besessene stetig wachsende Minderheiten, vor denen auch Millionen Muslime fliehen, sind gefährlich und schlecht.

“Während viele Muslime in nichtmuslimische Länder einwandern, wird die muslimische Welt zunehmend zu einer monokulturellen Wüste, weil Minderheiten massenhaft in die Flucht getrieben werden”. Sehr geehrter Herr Koopmans, nicht nur Minderheiten werden massenhaft in die Flucht getrieben, sondern auch Mehrheiten. Ich weiß, das passt nicht in ihre Weltsicht, welche Sie darzulegen versuchen.

Trägt der Westen eine Mitschuld?

syria-1034467_640Als Koopmans zur aus seiner Sicht Wurzel des Problems kommt verteidigt dieser den Westen, welcher wohl einen marginalen Anteil am Desaster des Nahen Ostens habe: “Es liegt auch nicht an dem gerne als Ausrede herangezogenen Erbe des westlichen Kolonialismus. Der Nahe Osten ist sogar eine der Weltregionen, die am wenigsten vom westlichen Kolonialismus betroffen waren”. Erneut eine gefährliche Halbwahrheit, denn es ist zwar richtig, dass Vorderasien nie in dem Ausmaß kolonialisiert wurde wie andere Regionen der Welt. Doch ist Vorderasien seit einigen Jahrzehnten Schauplatz verstärkter militärischer Interventionen und ausgeprägter Waaffenlieferungen westlicher Staaten. An den meisten Konflikten in Vorderasien sind westliche Staaten direkt oder indirekt Beteiligt. Ist der Westen unschuldig und versucht nur das Beste? Demokratie, Freiheit und Menschenrechte? Wenn dem so wäre drängt sich die Frage auf weshalb die USA bzw. die CIA den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Iran durch angezettelte Aufstände stürzen ließ, um einen Diktator eigener Wahl einzusetzen, welcher das Land dermaßen unterdrückte und die Rohstoffe des Landes an die USA und Großbritannien verscherbelte, dass der Hass auf den Westen durch den Westen entstand und erst durch das rechtswidrige Eingreifen westlicher Staaten Fundamentalisten immensen Zulauf im Iran erhielten bis sie den Schaa stürzten und das Land auch regierten. Koopmans suggeriert dem unwissenden Leser, dass der Westen keinen Anteil habe, da der Kolonialismus ja nur recht kurz dauerte. Richtig. Aber der Westen hat immensen Anteil am Kriegsschauplatz Vorderasien auf Grund zahlreicher Kriege in der Region seit dem 2. Weltkrieg. Darauf geht Koopmans, wer hätte es anders erwartet, natürlich nicht ein.

Bereits 2015 schrieb ich über den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen den Irak.

Einer schöner Lichtblick im Artikel ist dann folgende Aussage: “Es mag sein, dass das in der Vergangenheit einmal anders war, zum Beispiel in der mythischen Zeit des Al-Andalus, und man mag und soll für die Zukunft hoffen, dass irgendwann Frieden und Toleranz die islamische Welt kennzeichnen werden”. In diesem Moment merken wir, dass Koopmans eben, wie von einigen behauptet, keinen versteckten Rassismus betreibt, sondern “nur” eine auf verdrehten Sachverhalten basierte Meinung verbreitet.

Koopmans kritisiert weiter, dass aus seiner Sicht die Inschutznahme des Islam durch die Phrase, dass das meiste Schlechte Nichts mit dem Islam zu tun habe, ein Grund der schleppenden Entwicklung der meisten islamisch geprägten Staaten sei. Eine Interessante These, doch erneut geht er viel zu oberflächlich an die Thematik ran. Wie bereits zu Begin erklärt gibt es nicht diesen einen Islam. Und wie soll man “den Islam” geformieren? Der Koran kann nicht im Nachhinein verändert werden. Der Islam bleibt immer gleich. Der Islam ist die Religion, welche auf dem Wort Gottes, niederschrieben im Koran, basiert. Reformieren kann man die Rechtsschulen oder die Verbreitung modernerer Rechtsschulen, wie der der Aleviten, fördern. Der Islam ist nicht persé schlecht. Einige Rechtsschulen und leider aktuell auch mitunter die größten Rechtsschulen legen den Koran und Islam sehr fundamentalistisch aus. Auch im Christentum überwog der Religionswahn vor hunderten Jahren.

Fazit

syria-1034467_640Im Fazit dann die Aussage: “Die Weigerung von Barack Obama und vielen anderen, das Problem beim Namen zu nennen, mag gut gemeint sein, aber es steht diesem Heilungsprozess nur im Wege”. Was möchte Koopmans? Eine Lösung des Problems oder dass wir alle gemeinsam den Islam beschuldigen? Würde ihn zweiteres zufriedenstellen? Das Problem lösen würde es jedoch nicht. Die Welt ändert sich nicht, wenn man den Islam persé als schlecht kritisiert. Das Problem würde sich verstärken. Es ist aus meiner Sicht wichtig von Einzelfällen und einer Minderheit zu sprechen, denn wie viele Moslems leben friedlich in den USA? Sollen wir alle Moslems auf Grund des Islam als potentiell gefährlich einstufen? Was ist mit den Aleviten? Wie bereits zu Begin erklärt ist Verallgemeinerung der erste und beste Weg die Thematik falsch zu diskutieren. Und so ist auch ein verallgemeinertes Einstufen des Islam als Nährboden für Terrorismus falsch. Ein solches Vorgehen würde verstärkt polarisieren. Die Welt ändert sich, wenn die militärische Einflussnahme des Westen endet und verstärkt an gesunden staatlichen Strukturen gearbeitet wird. Wo Zufriedenheit, Freiheit, Toleranz und Rechtsstaat existieren kann der Extremismus keinen Boden fassen. Auch der Islam kann dem Extremismus trotzen. Ihm fehlen oftmals jedoch wirtschaftliche und politische Stärke. Auch hier muss die Einflussnahme des Westens auf der Suche naxh billigen Arbeitskräften und Rohstoffen enden. Der Islam muss sich nicht selbst heilen – so einfach ist das ist. Zuerst sollten wir unsere Pflicht erledigen und den Islam in Ruhe lassen. Er hat auch bereits zuvor tausende Jahre größtenteils friedvoll existieren können.

Koopmans legt dem unwissenden Leser eine gefährliche Halbwahrheit vor. Er präsentiert die für seine Argumentation passenden Sachverhalte und unterlegt dies intensivst mit Erkenntnissen aus Studienergebnissen, um seiner Ausarbeitung einen wissenschaftlich-seriösen Touch zu geben. Koopmans lügt nicht und betreibt auch keine verwirrte Meinungsmacherei gegen den Islam. Das ist gut! Doch aus meiner Sicht lässt er zu oft zu wichtige Dinge aus als dass man von einer guten Ausarbeitung sprechen kann. Es ist seine Meinung, natürlich, welche er auch so darlegen und verbreiten darf, natürlich. Im Internet ist dies leider sehr sehr gefährlich. Viele Menschen denken nicht mehr nach. Sie nutzen das Echo des Internets im Internet zu lesen was sie denken. Sie gehen nicht über ihre Meinung hinaus, sondern lassen sich jene Texte vorlegen, welche ihre Meinung bestätigen. Zu viele Menschen nehmen die Ausarbeitung Koopmans 1:1 als Wahr und Richtig an ohne diese zu hinterfragen. Und so gelangen problematische Halbwahrheiten und historischen und logischen Lücken versehen Meinungen in den Umlauf und festigen sich. Am Ende bleibt uns Nichts anderes übrig als der Hoffnung Koopmans zuzustimmen: “Es mag sein, dass das in der Vergangenheit einmal anders war, zum Beispiel in der mythischen Zeit des Al-Andalus, und man mag und soll für die Zukunft hoffen, dass irgendwann Frieden und Toleranz die islamische Welt kennzeichnen werden”

by Jul 03, 2016 Keine Kommentare
Wird Arbeitszeit fair bezahlt?

Wird Arbeitszeit fair bezahlt?

JH

Etwa ein Drittel unserer Lebenszeit in der Woche verschlafen wir. Ein weiteres Drittel bringen für Arbeit auf. Wie bereits im Blog „Zeit ist Geld und Geld ist Zeit“ beschrieben tauschen wir Arbeitnehmer unsere investierte Arbeitszeit bei den Arbeitgebern, meist Unternehmen, gegen Geld ein. Ein Drittel unserer wertvollen und knappen Lebenszeit im Tausch gegen Geld. Doch werden wir dementsprechend fair und angemessen bezahlt?

Der Wohlstand nimmt immer weiter zu. Über viele tausend Jahre förderten pfiffige Erfindungen die Wirtschaftskraft. Der Mensch konnte von Jahrhundert zu Jahrhundert mit dem gleiche Zeitaufwand mehr produzieren und mehr Mehrwert schaffen. Mittlerweile geht es uns ziemlich gut. Der Wohlstand greift um sich. Wir machen Urlaub. Können es uns erlauben Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen und die soziale Absicherung inklusive des Gesundheitssystem und der Inneren Sicherheit sind üppig. Mittlerweile, so sollte man denken, könne man Arbeit hierzulande fair bezahlen.

Lohnentwicklung & Produktivität

Die gute Nachricht ist, dass die Löhne in Deutschland nominal Jahr für Jahr steigen. Die schlechte Nachricht ist, dass dies wenig aussagt und preisbereinigt es tatsächlich viele Jahre gibt in denen die Arbeitnehmer trotz steigendem Lohn in der Summe weniger Geld zur Verfügung hatten. Das liegt an der Inflation. Die Preise im Land sind schneller gestiegen als die Gehälter, sodass man sich trotz höheren Gehalt weniger leisten konnte als noch im Jahr zuvor. Vor Allem mit der Agenda 2010 wurde der Niedriglohnsektor in Deutschland gestärkt. Zwar schuf dies Arbeitsplätze und ist der Grund weshalb Deutschland einer der größten Profiteure der Europäischen Union ist sowie relativ geschont durch diverse Krisen kam, doch ist es am Ende ein Absenken der Bezahlung. Ist die Bezahlung unserer Arbeit nun fair?

lohnentwicklung

Vergleicht man die Steigerung der Produktivität und der Bezahlung, dann kann man ganz klar sagen: Nein! Der Wohlstand eines Landes verdoppelt sich nach klassisch ökonomischen Rechnungen alle 25 Jahre. Die Lohnsteigerung hat diesen Wohlstand-Zuwachs nie auf den Konten der Bürger ankommen lassen. Ein Arbeitnehmer ist heutzutage ein vielfaches effektiver als noch vor 10 Jahren. Jahr für Jahr kann er mehr leisten und bekommt doch selten mehr Lohn und in den Jahren 2004 – 2009 sowie 2012 und 2013 sank seine Bezahlung preisbereinigt sogar. Die Bezahlung der deutschen Arbeitnehmer ist auch bezüglich der Entwicklung ihrer Leistung nicht gerecht.

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Insgesamt sind auch die Löhne und Gehälter in der Summe zu niedrig, so meine Sichtweise. Das Ziel unserer Gesellschaft sollte sein den Wohlstand zu erhalten und gerecht zu verteilen. Die meisten Arbeitnehmer können sich nur ein größeren Urlaub im Jahr leisten. Bei vielen reicht das Geld nicht, um private Altersvorsorge zu betreiben oder sich andere Dinge zu leisten. Die Bevölkerung hat Geld und hat auch etwas mehr Geld als sie zum Leben brauchen und man kann sich auch vieles leisten. Doch wirklich gut bezahlt sind die wenigsten.

Woher kommt die schlechte Bezahlung der Arbeitnehmer?

In einer Welt basierend auf Schulden und Überschuldung dreht sich das Hamsterrad immer schneller. Immer mehr Schulden, Zinsen und Raten müssen finanziert werden. Die Gier der Wirtschaft nach neuem, frischen, billigeren Geld wird immer größer. Mittlerweile haben sich die Staaten darauf eingestellt ihre großen Defizite durch strukturelle Probleme im System durch chronische Exportüberschüsse zu decken. Stellen Sie sich vor Sie verdienen 2.000€ im Monat aber geben bereits 1.500€ für die Miete aus. Sie verschulden sich Monat für Monat weiter, doch erkennen nicht, dass in ihrer Ausgabe-Situation etwas nicht stimmt. Die Schulden steigen und mit immer mehr Jobs versuchen sie die Lücke zu schließen. So gehen Staaten derzeit vor.

Und um die Exporte zu sichern und die Export-erträge zu maximieren werden die Lohnstückkosten gesenkt. Das bedeutet die Kosten für Löhne je Produkt/Stück sollen niedriger sein. Das Land mit den niedrigsten Lohnstückkosten hat am Markt einen immensen Vorteil. Durch die Agenda 2010 konnte Deutschland hierdurch zum Spitzenreiter der EU werden und Jahr für Jahr neue Export-Rekorde feiern. Doch ein System in dem Staaten nur existieren können wenn sie chronisch immer mehr Exportieren funktioniert nicht. Wo der eine Überschüsse macht muss der andere Schulden machen. Irgendwann kann der mit den Schulden nicht mehr kaufen und beide Länder kollabieren.

Lohnstckkosten

Schluss mit chronischen Exportüberschüssen

Mein Aufruf an die Politik und Weltgemeinschaft ist die Situation stetig steigender Verschuldung und immer neuer Steuerbelastung zu stoppen. Die Staatshaushalte werden mit Geld vollgestopft obwohl im Boden des Haushaltes ein Loch ist. Warum müssen wir einen Großteil unserer Waren exportieren und Geld aus dem Ausland absaugen, um den Staat zu finanzieren während die Löhne der Arbeitnehmer seit Jahren sinken? Wie wäre es, wenn die Löhne so hoch sind, dass wir unser Bruttoinlandsprodukt selbst verkonsumieren könnten?

Deutschland produziert jährlich Waren im Wert von 2,2 Billionen Euro. Hierbei exportiert Deutschland Waren im Wert von rund einer Billion Euro und importiert Waren im Wert von etwa 800 Milliarden Euro. Die meisten importierten Waren werden nur benötigt, um die Waren für den Export zu produzieren. Die Bundeszentrale für politische Bildung hat dies hier aufgelistet.

Können wir unser BIP selbst verkonsumieren? Ja und Nein. Natürlich könnten wir die Gehälter so hoch steigen lassen das wir das BIP rein monetär selbst konsumieren könnten. Doch hat auch Konsum seine Sättigung in manchen Bereichen: Jeder von uns müsste sich wahrscheinlich 5 Autos zulegen und diese 3 Mal im Jahr alle wechseln (Zahlen ausgedacht), um die Anzahl der Autos, welche wir produzieren, auch zu konsumieren. Wir produzieren manche Waren bewusst für den Export und nicht für den Verzehr im Inland. Doch dies bedeutet nicht, dass sich die deutsche Wirtschaft, welche klar auf Export ausgerichtet ist, über die nächsten Jahrzehnte wandeln könnte. Könnten die Gehälter steigen, sodass wir weniger für den Export produzieren und mehr für den inländischen Konsum? Könnte sich die deutsche Wirtschaft wandeln und weniger Export-Güter und mehr Güter für den Binnenhandel produzieren?

2013 betrug der durchschnittliche Arbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland rund 32.000€. Bei 41 Millionen Arbeitnehmern entspricht dies einer Summe in Höhe von 1,3 Billionen Euro. Wir erkennen: etwa die Hälfte der produzierten Waren können überhaupt durch uns selbst konsumiert werden. Mein Gedankenansatz wäre, dass das durchschnittliche Gehalt in Deutschland jährlich um 4% steigt. Durch dieses Vorgehen würde der Betrag innerhalb von 12 Jahren (2017 – 2029) auf durchschnittlich 49.200€ Einkommen im Jahr je Arbeitnehmer steigen. Gehen wir von konstant 41 Millionen Arbeitskräften aus so würde das Volkseinkommen von 1,3 auf 2,0 Billionen Euro steigen. Mit dieser Steigerung würden natürlich die deutschen Export-Güter schwächeln, denn jährlich fallen durchschnittlich etwa 4% mehr Lohnstückkosten an. Deutsche Produkte würden auf dem globalen Markt an preislicher Attraktivität verlieren. Im gleichen Zug könnte jedoch die Produktion von Gütern für das Inland über 12 Jahre gesteigert werden. Deutsche Bürger haben mehr Geld und beispielsweise die Gastronomie würden brummen. In diesem Fall denke ich an die Niederlande bei denen die Bürger fast täglich und vor Allem am Wochenende auf den Straßen, in den Cafes und Restaurants sind. Oder in Norwegen bei denen viele nur 4 Tage in der Woche arbeiten und ein zweites Haus für das Wochenende im Land besitzen.

In diesem Moment lässt sich auch der Nachteil steigender Preise ansprechen. Steigen die Gehälter so steigen auch die Preise. Werden wir wirklich das eigene BIP verkonsumieren können? Würden Deutsche deutsche Produkte kaufen, welche immer teurer werden während ausländische Güter im Vergleich billiger sind und somit preislich Attraktiver? Der Reichtum der Niederlande basiert auch auf Gas und der der Norweger auf Öl. Kann Deutschland seinen Wohlstand ohne Expport-Güter halten? Immerhin basiert der Wohlstand vor Allem auf Automobil-Industrie und Ingenieurwesen. Dies sind keine Produkte, welche sich im Inland absetzen genügend lassen.

Theoretische Überlegungen mit vielen Problemen und unbekannten Variablen. Doch: Arbeit muss fair bezahlt werden. Leider kennt die aktuelle Gesellschaft nur einen Weg: Wachstum, Exportüberschüsse, Lohnstückkosten senken und das alles mit Schulden finanzieren und maximieren. Sollten wir nicht lieber ein System entwickeln in dem wir die Waren, welche wir produzieren, auch selbst konsumieren? Natürlich fließt viel Geld auch ins Ausland, weil wir die Produkte kaufen, die wir mögen und nicht ausschließlich Produkte des Inlands. Doch immer tiefer in die Sackgasse zu gehen trotz des Wissens irgendwann am Ende des Weges zu sein kann auch nicht das Ziel sein. Der aktuelle Weg hat ein Ende. Die Lebenszeit eines jeden auch. Weniger Arbeitsstunden in der Woche, weniger Export und mehr Geld. Kann das funktionieren?

Nachgedacht – Teil 01 – Zeit ist Geld und Geld ist Zeit

Nachgedacht – Teil 02 – Fair bezahlt für Arbeitszeit?

by Jun 26, 2016 Keine Kommentare
Zeit ist Geld & Geld ist Zeit

Zeit ist Geld & Geld ist Zeit

JH

Alles dreht sich in unserer heutigen Gesellschaft um Geld, Vermögen und Besitz. Wir alle arbeiten und legen unser Geld auf Konten. Wir investieren in Fonds, Aktien, Anleihen oder Immobilien. Wir bilden uns weiter und geben uns Mühe um unsere Karriere zu fördern und unser Gehälter zu maximieren. Doch bei all diesen wirtschaftlichen Dingen handeln wir mit unserer Zeit. Zeit ist das knappste und somit wertvollste Gut, welches wir besitzen. Vermögen können wir vererben, Zeit nicht. Vermögen können wir mehrfach verlieren und wieder aufbauen, ist unsere Zeit vorbei dann bekommen wir keine zweite Chance. Ich möchte dich mit diesem Blog sensibilisieren, dass dein Geld nur ein Wertaufbewahrungsmittel deiner Zeit und dass Zeit dein wertvollstes Gut und du sein Verwalter bist.

Stell dir vor …

… du hast bei einem Wettbewerb einen Preis gewonnen. Für jeden Tag stellt dir die Bank 86.400€ zur Verfügung. Du darfst damit machen was du möchtest. Eine Regel ist, dass du das Geld am Abend nicht auf ein anderes Konto verschieben kannst. Alles, was du am Tag nicht ausgibst, wird dir am Abend wieder weggenommen und ist für immer verloren. Die zweite Regel besagt, dass die Bank das Spiel jederzeit beenden kann. Egal wann kann sie das Konto schließen und du bekommst nie wieder Geld für einen Tag bereitgestellt.

Was würdest du tun? Weitermachen wie bisher oder würdest du das Geld mit vollen Händen ausgeben? Würdest du nicht nur dir gutes tun, sondern auch anderen? Deine Einstellung wird wahrscheinlich sein den besten Weg zu finden so viel Geld wie möglich so gewinnbringend für dich als Person, wie nur irgendwie möglich, zu nutzen.

Doch das ist kein Spiel. Das ist Realität. Wir haben täglich 24 Stunden bzw. 1.440 Minuten oder auch 86.400 Sekunden zum Leben Zeit. Das kann jederzeit vorbei sein. Mit jeder Sekunden kann das Spiel beendet werden und die Zeit, welche du bis zum Abend nicht genutzt hast, ist verloren. Du bekommst sie nie wieder. Du hast niemals eine zweite Chance.

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Zeit ist unser wertvollstes Gut

Unsere wenige Zeit möglichst gewinnbringend zu nutzen sollte das wichtigste sein, was wir im Sinn haben. Wir haben nur dieses eine Leben. Wir haben nur diese einmaligen 100 Jahre bzw. 36.500 Tage oder auch 876.000 Stunden, die wir leben. Wie viel Zeit möchtest du verschwenden? Wie lange möchtest du unglücklich sein und Stunde für Stunden ungenutzt verstreichen lassen?

Work-Life-Balance ist als Wunsch der Arbeitnehmer wieder modern. Wir legen mehr wert darauf unser Leben zu genießen und bei unserer Familie zu sein. Auch unser Körper, unser Human-Kapital, stellt für uns die materielle Wertanlage dar während die Zeit unsere Währung ist. Währung?

Zeit ist Geld

Wir sollten uns nicht als Bürger oder Arbeitnehmer verstehen. Wir sind Investoren. Wir investieren Zeit. Und für die Zeit, welche wir investieren, erhalten wir im Gegenzug Geld. Die Unternehmen wollen unser knappes Gut, unsere Arbeitszeit, nutzen, um produkte herzustellen und Geld zu verdienen. Mit diesem Geld wird auch der Arbeitnehmer für seinen Einsatz ein wenig seiner knappen Lebenszeit für das Unternehmen und die Gesellschaft erbracht zu haben vergütet.

Geld stellt eine tolle Sache für uns Menschen dar. Immerhin ist es ein Wertaufbewahrungsmittel. Wir können zwar die Zeit, welche wir täglich verlieren, nicht wiederherstellen. Jedoch können wir durch das Geld den Wert dieser erbrachten Zeit speichern und zu einem späteren Zeitpunkt ausgeben und in unsere Zufriedenheit investieren. Zeit ist Geld und unser Geld ist unsere Zeit.

Ob die Unternehmen unseren Zeitaufwand angemessen vergüten habe ich in diesem Blog hinterfragt

Klug investieren

Wofür möchtest du deine wertvolle Zeit aufbringen? Bedenke, dass du am Tag nur 24 Stunden zur Verfügung hast. Bist du von 7 bis 22 Uhr wach so stehen dir 15 Stunden am Tag zur Verfügung. Etwa 35% deiner Zeit verschläfst du. Was machst du in der verbleibenden Zeit? Lohnt es sich einen Job auszuüben der dir keinen Spaß machst? Immerhin bringst du nochmals 8 der 15 Stunden für die Arbeit auf bzw. auch mit An- und Abfahrt zum Arbeitsplatz. In der Woche stehen dir 168 Stunden Lebenszeit zur Verfügung. 63 Stunden dessen (37,5%) verschläfst du. Weitere 50 Stunden (29,8%) gehen für deine Arbeitszeit drauf. So verbleiben dir noch 55 Stunden (32,7%) in denen du natürlich auch Pflichten hast, wie die Wohnung zu putzen, Behördengänge, Einkäufe, Steuererklärung und andere Dinge. Doch etwa 1/3 deiner Zeit in der Woche steht dir zur Verfügung. Was machst du mit dieser Zeit? Rumsitzen? Etwas unternehmen? Wem lässt du deine Lebenszeit und Arbeitszeit zukommen? Wofür wendest du diese auf?

Bewusst Konsumieren

Dein Geld ist deine Zeit. Eigentlich bezahlt du mit Zeit. Gehen wir davon aus, dass jemand einen 40 Stunden-Wochen-Job hat und 15€ je Stunde erhält. Diese Person wandelt im Monat 160 Lebensstunden in 2.400€ um. Zahlt diese Person 500€ Miete, dann stellt dies den Wert von 33,3 geleisteten Arbeitsstunden dar. 4 der 20 Tage Arbeitszeit müssen nur für die Miete aufgebracht werden. Deine Miete ist also nicht billig. 33 Stunden deiner Lebenszeit im Monat kostet sie nicht. Und nun denke in dieser Form über deine weiteren Ausgaben nach. Möchtest du dein Geld einfach verprassen ohne darauf zu achten wie viel es kostet? Oder spürst du nun den Wert deines Geldes deutlicher? Das neue Shirt kostet zwar nur 15€, aber das sind immerhin 60 Minuten Lebenszeit. Eine Stunde Arbeitszeit. Möchtest du diese für ein T-Shirt ausgeben nur weil es dir gerade schön erscheint?

cheers-839865_640Sparen stellt den Verzicht von Konsum in der Gegenwart dar um in der Zukunft zu konsumieren. Schulden wiederum stellen den Verzicht von Konsum in der Zukunft dar um in der Gegenwart verstärkt zu konsumieren. Bedenke, dass jeder Kredit für dich Lebenszeit bedeutet, welche du aus der Zukunft in die Gegenwart transferierst. Was du jetzt auf Kredit konsumierst wirst du bald abbezahlen müssen. Das bedeutet für dich Arbeitszeit und Lohn dieser auszugeben für Schulden in der Vergangenheit.

Das System der Arbeitswelt

Für die Gesellschaft und infolgedieser auch den Unternehmen ist es wichtig, dass wir Menschen Zeit für Arbeit bereitstellen. Klamotten, Nahrung, Gebäude und andere Dinge müssen produziert und repariert werden. Der Anreiz zu arbeiten muss erhalten bleiben. So stellt auch die Inflation ein Instrument der Entwertung von Geld und somit auch Zeit dar. Wir können uns nicht zur Ruhe setzen mit einer mittelmäßig großen Summe, denn diese verliert stetig an Wert.

Obwohl wir bereits immensen Wohlstand erlangt haben arbeiten viele von uns als würde es kein Morgen geben und als würden wir noch großes Wachstum benötigen. Aus meiner Sicht sollte die Arbeit der Industrienationen vor Allem darauf gerichtet sein den Wohlstand zu erhalten und gerecht zu verteilen. Wir sollten uns die freie Zeit nehmen die wir haben. Zeit vergeht schneller als Wohlstand.

In den kommenden Blogs der neuen Reihe „Nachgedacht“ möchte ich intensiver auf solche Fragestellungen eingehen. Nachdenken schadet nicht. Eventuell gehen wir unser Leben danach bewusster und zufriedener an.

Nachgedacht – Teil 01 – Zeit ist Geld und Geld ist Zeit

Nachgedacht – Teil 02 – Fair bezahlt für Arbeitszeit?

by Jun 25, 2016 Keine Kommentare
Das DAX-Spekulationsspielchen

Das DAX-Spekulationsspielchen

JH

Seit Januar berichtete ich intensivst in etwa einem halben Dutzend Blogs über mein Vorgehen bezüglich des DAX. Auch in meinem Newsletter kläre ich wöchentlich über meine Gedanken & mein Vorgehn kostenlos auf. Zuletzt berichtete ich am 30. April 2016 im Blog “Den DAX handeln – so einfach geht es …” über mein Vorgehen und analysierte meine vergangenen Aktionen und Aussagen. In diesem Blog möchte ich nun erneut über meine Aktionen und meine Gedanken berichten.

Blogs über mein Trading veröffentliche in unregelmäßigen Abständen. Wer gerne mehr wissen möchte kann gerne alle zwei Wochen meine aktuellen Gedanken im kostenlosen Newsletter erhalten.

yxcyxcycWikifolio

In meinem Wikifolio “JfH Stock Market Trading” kann man mein Vorgehen mitverfolgen und meine Kommentare bezüglich der Aktionen nachlesen. Ich gehe regelmäßig unter der 200er EMA Long mit Hebel 2 auf den DAX und über der 200er EMA Short gegen den DAX. Dieses Spielchen habe ich 2015 vernachlässigt und betreibe es seit 2016 intensiv und begleite dieses Vorgehen auch mit berichtenden Blogs und dem Wikifolio. Hier habe ich Euch in einer Exceltabelle alle Einkäufe & Verkaufe seit dem 01.01.2016 im Wikifolio aufgelistet:

33 34Wie man nun bereits erkennt kaufe ich generell in mehreren Schritten ein. Das erhöht zwar die Kosten der Gebühren und den Aufwand minimiert aber den anfänglichen Verlust – ich wette ja stets antizyklisch gegen die aktuelle Bewegung – und maximiert die Gewinne durch dieses verbilligende Vorgehen. Hierbei lege ich mir die Einstiegs- und Ausstiegszonen zuvor fest und richte mich danach um emotionale Verzerrungen in meinem Handel zu vermeiden. Genaueres bezüglich dieses Vorgehens kannst du auch in meinen Blogs zum verbilligenden und antizyklischen Investierens lesen.

Was bisher passiert ist

Seit dem September 2015 tendiert der DAX zwischen 9.500 und 10.500 Punkten. Gab es hier und da noch interessante Ausbrüche nach oben und unten so befindet sich der DAX seit etwa März 2016 nur noch in diesem Kanal. EZB, FED, OMT, Brexit und andere Thematiken bringen zwar ein wenig Spannung mit sich aber können die Kurse auch nicht derart beeinflussen, dass der DAX wieder auf einen positiven oder negativen Trend einschwingt.

Die EZB baut ihr Engagement weiter aus. Der Leitzins liegt bei 0,00% und neben Staatsanleihen kauft die europäische Zentralbank nun auch auf dem Markt der Unternehmens-Anleihen im großen Stil ein. Die Renditen tendieren gegen Null und oftmals auch unter Null. Konten und klassische Anlageformen (z.B. Sparbuch) bringen seit langem kein Geld mehr ein. Mittlerweile fallen auch Anleihen für Sparer weg, doch das Geld scheint auch nicht weiterhin in die Börse zu strömen. Die Kurse bekommen keinen finanziellen Schubser und verbleiben in der Nähe der 10.000-Punkte-Marke.

yxcyxcycWas 2016 noch passieren könnte

Wachsamkeit ist weiterhin ratsam. Letztes Jahr erwischte uns Ende August bzw. Anfang September eine kleine Überreaktion der Anleger bezüglich des chinesischen Wachstums auf dem falschen Fuß. Daraufhin kündigten sich FED und EZB wieder und es entwickelte sich eine der wenigen erholsamen Rallyes.

In diesem Jahr stellt vor Allem die Wahl der US-Prädidenten in den USA, welche im November stattfindet, eine wichtige Marke für uns dar. Obwohl kritisch auf den August achte bin ich selbst bereits zu 80% investiert. Der Präsidentschaftszyklus, welcher über einen langen Zeitraum nachverfolgt wurde, erkennt, dass vor den Wahlen und einer mäßigen ersten Jahreshälfte im Wahljahr im zweiten Halbjahr eine Rallye entsteht, welche bis zu den Wahlen anhalten kann.

by Jun 23, 2016 Keine Kommentare
Schleichend zergeht die Wirtschaft – collapse coming?

Schleichend zergeht die Wirtschaft – collapse coming?

JH

Es könnte die größte Insolvenzverschleppung der Geschichte der Menschheit sein. Mit Billionen-Summen und immensen Eingriffen stabilisieren die Zentralbanken diverser Staaten die Volkswirtschaften. Die Eingriffe gehen mittlerweile so weit, dass die altbekannte jahrtausende-alte Lehre der Ökonomie Neuland betritt indem Zinsen im negativen Bereich tendieren. Ist die Welt der Ökonomie auf den Kopf gestellt? Aus meiner Sicht kaschiert das extreme Eingreifen der Notenbanken die tiefen Verletzungen, welche sich durch alle Volkswirtschaften ziehen.

“Unsere globale Wirtschaft ist ein Koma-Patient, welcher nur noch durch Schläuche und Eingriffe von Außen am Leben gehalten wird, aber selbst keine Regung mehr zeigt und nicht fähig ist von selbst wieder aufzuwachen und aufzustehen.” Jonas Höfgen

Das normale Schulden-System ist in schlechten Zeiten Schulden zu machen und diese in guten Zeiten zurückzuzahlen. Vor etlichen Jahren merkte die Weltgemeinschaft, dass Schulden die Anabolika des Wachstums sind und man sich in schlechten und in guten Zeiten verschulden kann, um das Wachstum in schlechten Zeiten aufrecht zu erhalten und in guten Zeit zu maximieren. Die Schulden-Exzesse nahmen ihren Lauf. Heutzutage ist die ganze Welt überschuldet und wir Schulden den Banken mehr als wir überhaupt an Vermögen besitzen. Wir sind zum Sucht-Patienten geworden. Süchtig nach der nächsten Party und dem nächsten Schuss. Immer wieder brauchen wir neue Finanz-Spritzen und geben uns Investment-Shots. Doch mit dem Genuss der Drogen nimmt deren Wirkungsgrad ab, sodass wir noch mehr derer konsumieren müssen. Und immer wenn wir nach einer Party aufwachen fühlen wir uns schlecht und greifen erneut zum Alkohol, um den Pegel der Liquidität der Wirtschaft wieder zu verbessern. Wie lange geht das gut? Wann tritt der Leberschaden ein?

Kern des Problems: Schulden

Entscheidende Faktoren für eine Volkswirtschaft sind das “Sparen”, das “Investieren” und heutzutage auch das “Verschulden”:

  • Beim Sparen verzichtet der Konsument auf Konsum in der Gegenwart und legt sein Geld für einen zukünftigen Konsum in der Zukunft zurück.
  • Durch Investments verzichtet der Konsument ebenfalls auf Konsum in der Gegenwart doch möchte in der Zukunft mehr Geld für einen erhöhten Konsum durch das Investment zur Verfügung haben
  • Nimmt ein Konsument Schulden auf so verzichtet er auf Konsum in der Zukunft um in der Gegenwart verstärkt konsumieren zu können.

Die Indistriestaaten (Produzenten, Konsumenten und Staaten) haben die Belastbarkeit der Verschuldung bis zum Maximum ausgetestet. Dies bedeutet jedoch im gleichen Moment, dass wir unsere Zukunft verbraucht haben. Wir haben Konsum und Investments aus der Zukunft in die Gegenwart verlagert und das Geld bereits verprasst. Es wird immer schwerer noch mehr Geld aufzunehmen, denn wie viel Zukunft können wir uns noch leisten in der Gegenwart zu verbrauchen? Die meisten Industrienationen haben ihre Budgets und Möglichkeiten bis zum Limit ausgeschöpft:

Government_debt_gdpIn meinem Blog “Kreditdeflation” habe ich bereits ausführlich den aktuellen Effekt beschrieben: Durch die Überschuldung müssen alle Teilnehmer der Wirtschaft aktuell auf Konsum und Investitionen verzichten wodurch Inflation, Wachstum und Wirtschaft immens gefährdet sind. Kurz gesagt: wir haben unser Wirtschafts-System durchgespielt. Wir haben unsere Zukunft aufgebraucht. Game Over. Ende. Mehr geht nicht.

Und nun kommt die Insolvenz-Verschleppung ins Spiel. Stellen Sie sich einen Konsumenten vor, der 7 Kreditkarten bis zum Limit belastet hat, keine Rechnungen mehr zahlt und privat Insolvent ist. Normalerweise würde nun ein Ermittler sich darum kümmern, dass die Person abgewickelt und entschuldet wird. Normalerweise müsste man man aus meiner Sicht auch die Industrienationen abwickeln, neu strukturieren und neu aufstellen. Mario Draghi, Chef der EZB, fordert dies auch immer und immer wieder vehement. Doch die Insolvenz wird verschleppt. Zurück zum Beispiel des privatrechtlich insolventen Konsumenten: stellen Sie sich vor nun gibt es eine Zentralbank die ihnen einfach weiterhin Geld gibt. Sie bekommen täglich 1.000€ und die Zentralbank hofft, dass Sie die Zeit nutzen, die Sie nun haben da Sie ja nicht mehr insolvent sind, um sich besser aufzustellen, Schulden abzutragen, das Geld zu investieren oder sich beruflich zu entwickeln. Die Zentralbank verschafft ihnen mit kostenlosem Geld Zeit, welche Sie nutzen sollen um für Wachstum auf dem Gehaltscheck zu sorgen und sich neu aufzustellen, da ja ihr vorheriges Konsumverhalten eine Sackgasse war. Doch was machen die Staaten? Nichts! Sie machen weiter wie bisher.

Konsequenz des Problems: Kollaps

Von Außen sieht alles noch ertäglich aus. Von Innen stirbt das System jedoch langsam ab. Nur die Notenpresse finanziert uns weiter. Die Menschen, Unternehmen und Staaten haben ihre Zukunft aufgebraucht und nun produziert die Zentralbank künstliche Zukunft in der Hoffnung, dass wir diese künstliche Zeit nutzen, um uns besser aufzustellen. Leider sind Menschen, das muss man hier so hart sagen, oftmals einfach nur dumm. Sie handeln unlogisch und sich selbst zerstörend. Und das obwohl wir eine intelligente Spezies sind. Unser System stirbt langsam ab und geht von Innen heraus kaputt. Wie das?

Die sozialen System stehen am Scheideweg ihrer Existenz. Absicherung, Versicherung und Rente funktionieren nicht mehr richtig. Diese Systeme stammen noch aus Zeiten von 1870, 1910 oder 1930. Uralt. Hier bedarf es klarer Reformen. Das Solidaritätsprinzip, dass die Gemeinschaft sich gegenseitig finanziert, funktioniert nicht, wenn die Gelder nicht lukrativ angelegt werden können und die Masse der Arbeitnehmer sinkt sowie die Summe der Einnahmen derer ebenfalls niedriger ist.

Das verwaltete Geld der sozialen Absicherung muss angelegt werden können, wie auch Konsumenten ihr Geld anlegen können müssen. Doch welche Anlageformen funktionieren noch?

  • Konten und Sparbücher werfen keine Zinsen mehr ab.
  • Staatsanleihen sind mittlerweile dank der immensen Einkäufe der EZB ebenfalls renditelos bzw. auch negativ tendierend. Wer Deutschland Geld leiht muss drauf zahlen. Wer Geld verleiht muss Strafzinsen dafür bezahlen. Verrückte umgekehrte Welt der Ökonomie.
  • Auch Unternehmens-Anleihen sind nicht mehr ratsam. So kauft die EZB hier auch ein, sowie die Banken durch Regulierungsmaßnahmen an diesem Markt nicht mehr tätig sind und der Markt für Unternehmensanleihen eine fragwürdig schwache Liquidität aufweist.
  • Normalerweise müsste all das Geld in den Atienmarkt strömen und hier eine gigantische Rallye auslösen doch dem ist hier auch nicht so. Es gab in den Jahren 20112 – 2015 zwar satte Kurssteigerungen doch scheinbar ist auch hier das finanzielle Potential aufgebraucht oder die Anleger sind zögerlicher.

yxcyxcycIm Falle einer Kreditdeflation gibt es zwei mögliche Wege zur Lösung: den schwachen Binnenmarkt mit Direktinvestitionen anregen oder das, was der Binnenmarkt an Nachfrage nicht aufbringen kann, durch Export (Anzapfen der Nachfrage im Ausland) ausgleichen. Direktinvestitionen sind weniger gefragt, da die Zukunft, wie beschrieben, bereits sehr belastet ist. Die Währungen wurden von den Zentralbanken weltweit bereits weich gespühlt. Der Export sollte angeregt werden. Entbrannt ist ein kleiner Währungskrieg, da jeder seinen Export stützen wollte bzw. sogar musste.

Ein Spiel mit der Zeit

Wir haben also die finanziellen Kapazitäten unseres Systems erschöpft und greifen in die Funktionsweise unseres Systems ein. Wird das gut gehen? Nein. Verzerrte Märkte wo man nur hinschaut. Alles funktioniert irgendwie nicht mehr so wie in den letzten Jahrzehnten und auch nicht so wie es gedacht ist oder funktionieren soll. Nicht nur der Finanzmarkt hat Probleme, auch die klassische Wirtschaft sowie Bürger und die soziale Absicherung. Der Leberschaden wird immer deutlicher. Wir haben uns viel zu oft den Exzessen und der Sucht nach Schulden hingegeben. Nun müssten wir eigentlich eine Kur machen und von vorne anfangen, doch unser politisches System hindert uns daran. Die Politiker brauchen Wählerstimmen. Vor Allem in der aktuellen Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit sind Wählerstimmen sehr sprunghaft und wechseln gern den Besitzer. Welcher Politiker würde sich nun hinstellen und von seinen Wählern verlangen einen schmerzhaften Wandel mit ungelegenen Reformen hinnehmen und durchführen zu müssen? Das einzige was den Lauf der Dinge beenden würde wär ein Kollaps. Und danach? Danach geht das Spiel von vorne los.

Ohne den Schutz der Notenbanken wär der Kollaps bereits passiert. Doch man verschafft uns Zeit. Zeit, welche wir derzeit nicht nutzen. Zeit, welche wir sinnlos verbrauchen. Unser Zeitkonto ist dabei weit im Minus und auch künstliche Zeit verbrauchen wir. Wie viel Zeit haben wir noch? Wann kommt der nächste Kollaps?

by Jun 23, 2016 Keine Kommentare
Brexit – England schadet der Europäischen Union

Brexit – England schadet der Europäischen Union

JH

Bereits 1975 – nur zwei Jahre nach dem Beitritt zur EEC – fand das erste britische Referendum üner den Verbleib in der Gemeinschaft statt. Nun es ist wieder soweit. Erneut geht es um Brexit oder Bremain. In meinem Blog “Was der Brexit für Europa bedeutet” habe ich bereits über die möglichen wirtschaftlichen Konsequenzen berichtet. In diesem Blog möchte ich erklären warum die Briten mit diesem Referendum eventuell bereits mehr Schaden angerichtet haben als es ein Brexit tun würde.

Tritt das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union aus, so würde es auf beiden Seite zu einem Verlust wirtschaftlicher Stärke kommen. Doch dieser Verlust ist verkraftbar. Mit der Diskussion und dem Refrendum gefährdet das Vereinigte Königreich die Idee und das Gelingen der Union. Warum das?

Es gibt keine Anleitung, wie man dutzende Nationen mit jahrtausende-alten Kulturen und eigenen Sprachen im politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen System zusammenbringt. Und das Gelingen der europäischen Integration basiert auch auf Vertrauen. Warum misstrauen wir der europäischen Idee so oft? Tausende Jahre sind wir es gewohnt uns selbst zu regieren und unser Schicksal selbst zu bestimmten. Ein deutscher Kanzler/in entscheidet was das beste für Deutschland ist. Doch mit der EU führen Deutsche, Franzosen, Polen, Italiener und andere Nationen plötzlich gleichermaßen. Wir müssen der EU blind Vertrauen. Vertrauen, dass alle Politiker Europa fördern wollen und nicht ihre eigene Nation. Es wird noch Jahrzehnte dauern bis jeder sich “Europäer” nennt. Die Identifikation mit Europa ist noch sehr schwach. Das Vertrauen in Europa ist noch sehr labil. Wir denken vor Allem national. Die europäische Integration soll dies ändern und Vertrauen schaffen.

Mit dem Verhalten der Briten immer wieder die EU in Frage zu stellen, sich gegen diese zu wenden und nun auch einen Austritt in Aussicht zu stellen schafft das Land vor Allem Misstrauen. Misstrauen gegenüber der Vision, Integration und Union. Die Bürger anderer Nationen spüren, dass das nationale Denken weiterhin sehr stark ist und scheuen sich aus diesem Grund die Integration fortzuführen.

Und dabei ist die politische und wirtschaftliche Integration einer der Schlüsselfaktoren zum Erfolg der EU. Derzeit wird die EU aus meiner Sicht von unten nach oben regiert. Die nationalen Parlamente haben mehr Macht als die EU selbst. Auch entstehen hierdurch Verwerfungen in der EU, welche zu Krisen führen, wenn die Länder unterschiedliche Wege gehen. Mehr Kompetenzen müssten aus der nationalen in die europäische Ebene verlagert werden. Finanzminister, Wirtschaftsminister und andere Positionen. Doch würden wir dies tun? Mit Sicherheit nicht. Derzeit auf jeden Fall nicht. Das Misstrauen gegenüber der EU ist groß aus Sorge vor nationalem Egoismus und wird durch die britische Diskussion um den Verbleib weiter befeuert.

Warum ist die Integration so wichtig? Die EU wird von unten nach oben regiert. Stellen Sie sich vor dies wäre in Deutschland so. Stellen Sie sich vor die Bundesländer hätten mehr Macht als der Bund. Es würde zum blockierenden Chaos kommen. Bereits jetzt streiten & zanken die Bundesländer: Die Bayern wollen nicht der Zahlmeister Deutschlands sein, es gibt große Gefälle zwischen Ost, West, Nord und Süd auch bezüglich der Wirtschaftsstandorte und Energyproduktion. Kennen wir das nicht? Doch. Auch in der EU zanken die Nationen andauernd. Deutschland möchte nicht der Zahlmeister sein. Andere Länder fühlen sich benachteiligt und so weiter. Wie funktioniert das in Deutschland? Der Bund hält seine Hand drauf. Er hat das letzte Wort und vor allem die wichtigsten Instrumente. Die Länder entscheiden über Bildung, Umwelt und andere Dinge. Der Bund über Gesetze, Finanzen, Wirtschaft und Soziale Sicherung. Auch in der EU müssen die wichtigsten Ressorts auf die europäische Ebene verschoben werden, so meine Meinung.

Um die wichtigsten und bedeutesten Ressorts des Erhaltes der Existenz einer Nation abzugeben und den Schritt in die Unsicherheit zu wagen bedarf es Vertrauen. Großes Vertrauen auf die Union, das politische System der Union und alle Partner der Union. Nationaler Egoismus und regionale Selbstbedienung schaffen kein Vertrauen sondern sind der Nährboden für Misstrauen! Stirbst die Vision “Union” mit der nationalen Selbstverliebtheit und Diskussion um die besten Stücke der Torte?

by Jun 22, 2016 Keine Kommentare
BVG verklagt EuGH – OMT-Beschluss der EZB in der Kritik

BVG verklagt EuGH – OMT-Beschluss der EZB in der Kritik

JH

Die Europäische Union ist ein gigantisches und vorher noch nie dagewesenes Projekt. Die EU ist die zweit-größte Volkswirtschaft der Welt und beherbergt 500 Millionen Einwohner. Die politische, soziale, strukturelle und wirtschaftliche Integration dutzender Nationen mit eigenen Sprachen, Kulturen, Systemen und jahrtausende-alten individuellen Historien stellt eine kaum zu bewerkstelligende Aufgabe dar. Die unterschiedlichsten nationalen Interessen stehen im ständigen Widerspruch zur Integration in die Union. Das Spannungsfeld der neuen Union und alten Nationen birgt zahlreiche Probleme.

Langfristige_Zinssätze_(Eurozone)

Verzinsung von Staatsanleihen

Zuletzt brach in Südeuropa 2010 die Eurokrise aus nachdem Spekulanten und Anleger große Summen Geld aus den Staatsanleihen der Staaten Italien, Spanien, Portugal und Irland abzogen nachdem die Griechen finanzielle Probleme andeuteten. In Südeuropa entstand ein Angebotsüberschuss (es standen mehr Anleihen zum Verkauf als es Käufer gab) wodurch die Zinsen derer stiegen. Durch die steigenden Zinsen entstanden immense Mehrkosten (Zinsaufwand) für die Staaten. Der Anstieg um 2% der Verzinsung von Schulden bedeutete 2011 monatliche Mehrkosten in Höhe von 40 Milliarden Euro für Italien. Die steigenden Zinsen rissen große Löcher in die Haushalte zahlreicher Staaten. Währenddessen floss das freigesetze Kapital in Anleihen von Deutschand und anderen Ländern deren Zinslast durch den Nachfrageüberhang immer weiter sanken. Während südeuropäische Staaten in Richtung Insolvenz trudelten erfreuten sich nördlichere EU-Mitglieder milliardenschwerer Zinsentlastungen.

Die EZB musste eingreifen, um die Stabilität der Währungsunion zu gewährleisten. Zwischen 2010 und 2012 wurde die Geldpolitk immer weiter gelockert, um gefährdete Staaten und marode Banken zu stützen:

  • Mit dem SMP (Security Markets Programme) kaufte die europäische Notenbank Staatsanleihen ein, um die Nachfrage nach diesen zu stärken und die Verzinsung dieser wieder zu senken.
  • Bis 2012 konnten sich Länder in Krisen-Phasen durch den EFSF und seit 2012 durch ESM finanzieren. Länder, welche sich unter diese Schirme retteten mussten jedoch fiskalische Forderungen umsetzen.
  • Bis 2015 wurden ELA-Notkredite (Emergency Liquidity Assistance) über rund 90 Milliarden Euro für griechische Banken gewährt.
  • Im September 2012 gelang der Durchbruch mit dem OMT-Beschluss, welcher den Markt spürbar beruhigte und gewichtigen Einfluss auf dieser Lösung der Eurokrise hatte.

Was besagt der OMT-Beschluss? Beim den Outright Monetary Transactions handelt es sich um Offenmarktgeschäfte durch die EZB, welche mit dieser Maßnahme Anleihen von Staaten, welche sich in den ESM retten, ankauft. Die EZB erwirbt in diesem Fall kurzfristige Anleihen mit Restlaufzeiten zwischen 1 und 3 Jahren und beansprucht keine bevorzugte Behandlung im Falle der Insolvenz des jeweiligen Landes. Volumen und Laufzeit der Ankäufe werden durch die EZB nicht definiert. Mario Draghi ließ seinen Ankündigungen alles zu tun um die Union zu stützen (“What ever it takes”) mit der Einrichtung dieses Mechanimus taten folgen. Das OMT-Programm musste bisher noch nie eingesetzt werden. Bereits die Existenz des Versprechens von Seiten der EZB im Notfall unbegrenzt zu intervenieren ließ die Investoren und Spekulanten ruhiger werden.

Weshalb hat die EZB den OMT-Beschluss gefasst? Die europäischen Notenbanker erkannten 2012, dass der geldpolitische Transmissionsmechanismus in Europa gestört war. Normalerweise beeinflusst die Zentralbank mit ihren Maßnahmen die Geschäftsbanken, welche die Impulse der Zentralbank als Mittler an den Markt und die Wirtschaft transferieren. Obwohl die EZB in Zeiten der Eurokrise mit verschiedensten Zins-Impulsen die Banken im Euro-Raum dazu bewegen wollte Staatsanleihen zu kaufen klappte dies nicht. Im Interbankenhandel – wo Banken sich gegenseitig Geld leihen – werden Interbankengeschäfte meist mit Anleihen besichert. Da viele Anleihen südeuropäischer Staaten kaum mehr als “sicher” zu deklarieren werden konnten auf Grund der finanziellen Schieflage derer und dem Risiko aus der Union austretender Staaten (Redenomisierungsrisiko) konnte die EZB den Interbankenhandel nicht anregen. Das Misstrauen war zu groß. Dementsprechend entschied man mit dem OMT-Beschluss im Notfall als Notenbank direkt am Markt (bzw. Sekundärmarkt) zu intervenieren und alle Staatsanleihen wenn nötig aufzukaufen. Diese Sicherheit genügte den Spekulanten, Großanlegern und Geschäftsbanken, um die Anleihen vieler Staaten wieder für den Handel freizugeben, diese zu niedrigeren Zinssätzen zu handeln und auch als Sicherheiten zuzulassen.

Der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, erhob bereits kurz nach dem OMT-Beschluss, gegen den er auch gestimmt hatte, öffentlich Zweifel an der Zulässigkeit dieser Maßnahme.

Das deutsche Bundesverfassungsgericht “klagt” gegen den OMT-Beschluss

clause-684502_640“Gegenstand der Vorlagefragen ist insbesondere, ob der OMT-Beschluss mit dem Primärrecht der Europäischen Union vereinbar ist. Nach Auffassung des Senats sprechen gewichtige Gründe dafür, dass er über das Mandat der Europäischen Zentralbank für die Währungspolitik hinausgeht und damit in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten übergreift sowie gegen das Verbot monetärer Haushaltsfinanzierung verstößt.” Quelle: Hauptsacheverfahren ESM/EZB: Urteilsverkündung sowie Vorlage an den Gerichtshof der Europäischen Union, Pressemitteilung Nr. 9/2014 vom 7. Februar 2014

Das BVG klagt nicht direkt gegen den OMT-Beschluss. Viel mehr hat das BVG dem Europäischen Gerichtshof dazu aufgeordert die Maßnahme nochmals zu überprüfen und eigene Fragen zur rechtlichen Klärung dem EuGH vorgelegt. Dies ist historisch in Deutschland erstmalig, dass ein Gericht dem EuGH Fragen zur Prüfung vorlegt.

Die deutschen Richter bezweifeln, dass die EZB im Rahmen ihres Mandates gehandelt hat. Vor Allem ist zu klären, ob die EZB über ihre Befugnisse als Zentralbank hinausgeht mit den Outright Monetary Transactions und in die Wirtschaftspolitik der Staaten eingreift. Immerhin beeinflusst die europäische Notenbank mit dem OMT Bankenwesen, Interbankenwesen, Anleihenhandel, Zinssatz der Anleihen und beeinflusst somit auch den Haushalt des jeweiligen Staates. Durch den Ansatz, dass die EZB einzelne Staaten durch OMTs um Milliardensummen der Zinslast entlasten und somit Haushalte maßgeblich beeinflussen oder sanieren kann, besteht die Frage ob dies bereits Fiskalpolitik ist. Die EZB darf jedoch nur Geldpolitik betreiben!

Die deutschen Richter des Bundesverfassungsgericht sagen: “Die Verträge enthalten ein auf die Währungspolitik beschränktes Mandat der Europäischen Zentralbank (Art. 119 und 127 ff. AEUV und Art. 17 ff. ESZB-Satzung). Sie ist nicht zu einer eigenständigen Wirtschaftspolitik ermächtigt, sondern darauf beschränkt, die Wirtschaftspolitik in der Union zu unterstützen (Art. 119 Abs. 2, Art. 127 Abs. 1 Satz 2 AEUV; Art. 2 Satz 2 ESZB-Satzung). Geht man – vorbehaltlich der Auslegung durch den Gerichtshof der Europäischen Union – davon aus, dass der OMT-Beschluss als eigenständige wirtschaftspolitische Maßnahme zu qualifizieren ist, so verstößt er offensichtlich gegen diese Kompetenzverteilung. Diese Kompetenzverschiebung wäre auch strukturell bedeutsam, denn der OMT-Beschluss kann Hilfsmaßnahmen im Rahmen der “Eurorettungspolitik” überlagern, die zum Kernbereich der wirtschaftspolitischen Kompetenz der Mitgliedstaaten rechnen (vgl. Art. 136 Abs. 3 AEUV). Zudem können die Outright Monetary Transactions zu einer erheblichen Umverteilung zwischen den Mitgliedstaaten führen und damit Züge eines Finanzausgleichs annehmen, den die europäischen Verträge nicht vorsehen.”

Bereits im Juni könnte der EuGH eine Entscheidung fällen

Der europäische Gerichtshof gilt generell als der Union freundliche gesinnt und stellt sich den Entscheidungen und Maßnahmen von EU und EZB kaum in den Weg. Aus diesem Grund erwarte ich persönlich , dass der EuGH mitteilt, dass das OMT-Programm zulässig ist und die EZB mit diesem Beschluss ihre Kompetenzen nicht überschreitet.

Das man das OMT gerichtlich verbietet ist sehr unwahrscheinlich, doch es könnte tatsächlich eine Aufforderung der Richter an die Notenbank geben das OMT in gewissen Punkten zu verändern um die rechtliche Gültigkeit zu gewähtleisten. Hier stellt sich die Frage inwiefern der Markt auf eine solche Aufforderung reagieren würde. Immerhin stellt der OMT-Beschluss eines der wichtigsten Ereignisse und Instrumente dar, welche die Eurokrise gelöst bzw. zumindest beruhigt haben. Würde es erneut zu spekulativen Attacken auf Staatsanleihen kommen, wenn Anleger ihre Gelder aus Sorge vor einer Einschränkung des eigentlich unbegrenten OMTs aus zahlreichen Staaten abziehen? Würde die Eurokrise erneut aufflammen? Unwahrscheinlich, aber man sollte vor Allem am Dienstag, den 21.06.2016, ein Auge auf die News haben ob der EuGH etwas verkündet.

by Jun 06, 2016 Keine Kommentare
Mario Draghi appeliert an die Staaten der Euro-Gruppe

Mario Draghi appeliert an die Staaten der Euro-Gruppe

JH

Trotz einer weiterhin schwächeren Inflation in Europa beließ die EZB ihre Geldpolitik am 02.06.2016 unverändert. Der Leitzins und Einlagezins (Der Zins zu welchem Banken Geld bei der EZB parken können. Derzeit bei -0,4%: Strafzins) sowie die Anleihenankäufe blieben unverändert. Am 08.06. wird die europäische Zentralbanken anfangen auch Unternehmens-Anleihen einzukaufen und nicht mehr, wie zuvor, ausschließlich Staatsanleihen. Welches Wissen und welche Erkenntnisse können wir aus dem Material der EZB, sowie der Pressekonferenz von Mario Draghi ziehen?

Sehr interessant ist dazu auch der Beitrag “Risse im Fundament” der Neuen Zürcher Zeitung

Im Fokus in Europa steht die Inflation. Die Inflation bzw. Preissteuerung ist ein Schlüsselfaktor für eine Volkswirtschaft. Sie darf nicht zu stark ausfallen, sodass die Preise für Güter & Dienstleistungen schneller steigen als die Gehälter der Bevölkerung. Geld würde zunehmend an Wert verlieren. Auf der anderen Seite darf die Inflation jedoch auch nicht zu schwach sein oder negativ (was man Deflation nennt, eine negative Preisteuerung) denn in diesem Fall würden die Konsumenten weniger konsumieren, denn morgen könnten die Preise ja noch tiefer stehen, und Produzenten würden nicht investieren oder die Produktion drosseln, denn macht es Sinn gewerblich tätig zu sein, wenn die Preise für Güter & Dienstleistungen auf der Stelle treten oder fallen? Dementsprechend gilt eine Inflations-Rate in Höhe von 2,0% als Preisstabilität. Die EZB muss eine solche Inflation fördern und halten. Doch derzeit stand die Preisteuerung im Mai bei schwachen 0,1%. Im April sahen wir sogar eine leichte Deflation mit -0,2%. Trotz gigantischer Geldmengen durch das QE-Programm (Quantitative Easing) und einem historisch niedrigen Leitzins in Höhe von 0,00% kommt die Preisentwicklung nicht in die Gänge. Wodran liegt es?

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Auf der einen Seite soll die lockere Geldpolitik für Konsumenten und Produzenten einen günstigen Rahmen für Ausgaben und Investitionen schaffen. Kredite sind billig, sparen lohnt sich kaum und die europäische Notenbank hilft und stützt wo es nur geht. Daniel Eckert (Die Welt) hat in seinem Artikel “Das sind die fatalen Folgen von Draghis Negativzins” jedoch auf den Punkt gebracht, dass den natürlichen und juristischen Personen das Geld eben nicht lockerer sitzt als zuvor. Europa ist vorsichtiger geworden. Der Argwohn ist größer und man stellt hortet lieber sein Geld als es auszugaben. Das Misstrauen gegenüber der Wirtschaft und Konjunktur ist groß. Die Notenbank schafft es nicht als mächtiges Institut durch ihr historisch starkes Eingreifen in den Markt Vertrauen zu schaffen. Im Gegenteil: Das Misstrauen ist groß!

Einfluss hat jedoch auch der Zweitrunden-Effekt. Dieser besagt, dass auf vorhergegangene Kostenveränderungen sozusagen in der ersten Runde in der zweiten Runde sich dies auf die Preise auswirkt, welche sich daraufhin ebenfalls verändern. Der Rohölpreis ist seit Ende 2014 von über $100 auf teilweise $30 gefallen. Dies wirkte sich erst als kostenloses Konjunkturpaket in Europa aus. Unsere Volkswirtschaftr verbraucht unmengen Öl und freute sich dementsprechend über die sinkenden Kosten. Doch mittlerweile wirkt sich dies auf die Inflation aus, denn mit den sinkenden Kosten für Rohöl sinken auch die Preise der Güter, welche an Rohöl gekoppelt sind. Das sind in erster Linie Benzin und Heizkosten, aber auch Tickets der Fluggesellschaften, Fährtickets oder Preise in der Industrie. Derzeit ziehen um 6,8% gefallende Kosten für Energie und Heizen die Inflation weit runter.

Interessant fand ich, dass Draghi bei der Pressekonferenz sehr erholt, zufrieden und selbstsicher wirkte. Nicht mehr so müde wie teils bei vorherigen Pressekonferenzen. Er lächelte leicht und machte Anfangs sogar Scherze mit den Journalisten. Die Stimmung im Presseraum war gut. Ist dies ein gutes Zeichen?

Die Aussagen der EZB in den projection materials (hier als PDF downloaden):

  • “In annual terms real GDP is expected to grow by 1.6% in 2016 and by 1.7% in 2017 and 2018.”
  • “HICP inflation is expected to remain very low in 2016, at 0.2%, strongly dampened by the past fall in energy prices”
  • “For 2017, a significant increase in headline