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Bedingungsloses Grundeinkommens (BGE) | Vorteile und Nachteile

Bedingungsloses Grundeinkommens (BGE) | Vorteile und Nachteile

JH

Algorithmen. Roboter. Quantencomputer. Künstliche Intelligenz. Die Welt verändert sich. Und immer drängender stellt sich die Frage welche Stellung der Arbeitnehmer in Zukunft noch einnehmen wird. Menschen können bei der Leistungsexplosion der Technologie auf Dauer nicht mithalten – doch fraglich ist ob die bestehenden Jobs unersetzbar vernichtet werden oder, im Fachjargon nennt man dies Reintermediation, an anderer Stelle wiederum neue Jobs entstehen.

Krisen. Kriege. Klimawandel. Immer neue Herausforderungen belasten weltweit die sozialen Systeme der Staaten. In diesem Umfeld gefühlter und tatsächlicher Instabilität ist seit einigen Jahren eine emotionale Diskussion um einen neuartigen Ansatz sozialer Sicherung aufgekommen. Das bedingungslose Grundeinkommen, kurz BGE. Befürworter und Kritiker gibt es gleichermaßen.

Was ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Der Sozialstaat Deutschland verfügt über diverse Möglichkeiten und Mechanismen der Existenzsicherung. Grundgedanke ist eine soziale Umverteilung. Die arbeitende Bevölkerung finanziert durch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung temporär Arbeitssuchende. Das Arbeitslosengeld ist jedoch an Bedingungen geknüpft und in ein enges Regelwerk eingebettet.

Das Konzept ‚bedingungsloses Grundeinkommen‘ ist ein noch junger und wenig erprobter Ansatz. Hintergedanke ist jedem Bürger eines Landes ein Grundeinkommen zu sichern. Dieses Grundeinkommen ist nicht an Bedingungen, wie der aktiven Suche nach Arbeit oder verpflichtenden Teilnahme an Maßnahmen, gebunden.

Der sozialstaatliche und ethische Ansatz eines BGE ist, dass jeder Mensch ein bedingungsloses Recht auf ein Leben in Würde besitzt. Mit einem Grundeinkommen würde dieses Anrecht gesichert werden.

Vorteile bedingungsloses Grundeinkommen

  • Das komplexe Regelwerk des Arbeitslosengeldes führt zu einem immens teuren Verwaltungsapparat, welcher durch Steuern finanziert werden muss. Ein bedingungsloses Grundeinkommen verschlankt den Verwaltungsapparat und minimiert die Bürokratie.
  • Leistungsbezieher müssen viel Zeit und Geduld aufbringen und zahlreiche Behördengänge tätigen. Wer sozialstaatliche Hilfe beziehen muss, dem fällt dies mit einem BGE leichter.
  • Der Sozialstaat knüpft die Existenz jedes Bürgers an Bedingungen und Verpflichtungen. Ein BGE sichert jedem Menschen das Recht auf eine bedingungslose Existenz in Würde.
  • Wird das Grundeinkommen in der Summe der Leistung höher als ein temporär existenzsicherndes Arbeitslosengeld angesetzt zeigten Studien und Feldversuche bereits, dass die finanziellen Belastungen für das Gesundheitswesen und die Kriminalität zurückgingen, da sich vor Allem ärmere Schichten Bildung und einen besseren Lebensstandard (Ernährung, Freizeit, Medizin) eher leisten konnten.

Nachteile bedingungsloses Grundeinkommen

  • Nur wer sozialversicherungspflichtig arbeitet oder gearbeitet hat wird auch ausreichend durch den Sozialstaat gestützt. Fraglich ist, wie viele Menschen sich gegen Arbeit und für ein Leben vom Grundeinkommen entscheiden, und wie dies den Sozialstaat und Arbeitsmarkt belasten würde.
  • Ungeklärt ist bisher die Finanzierung eines BGE. Jedem Bürger 1.000 oder 1.500 Euro auszuzahlen würde die Kassen des Bundes, der Länder und Kommunen überstrapazieren.

Auswirkungen (Fazit) bedingungsloses Grundeinkommen

Die Diskussion um das BGE wird emotional geführt. Verständlicherweise möchten Arbeitnehmer ungern einen nicht-arbeitenden Bevölkerungsteil finanzieren müssen. Doch mit Hinblick auf die den Sozialstaat erwartbaren Belastungen könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen der nächste wichtige und richtige Schritt sein.

Ein BGE ist nicht gleich ein BGE. Es gibt unzählige Möglichkeiten der Zusammensetzung. Dies beginnt bei der Frage, ob jedem ein Grundeinkommen zusteht, oder nur den ärmsten Schichten. Um die Finanzierbarkeit zu gewährleisten könnten die verwaltungsintensiven Arbeitslosengelder durch das Grundeinkommen ersetzt werden.

Leistungsbeziehern könnte das bedingungslose Grundeinkommen direkt auf das Bankkonto überwiesen werden. Möglich ist jedoch auch das Einführen einer negativen Einkommensteuer. Wer weniger als ein bestimmtes Gehalt verdient, bekommt durch eine negative Einkommenssteuer einen Zuschuss durch den Staat.

Um den Anreiz „Arbeit“ zu erhalten und zu verhindern, dass dem Arbeitsmarkt Millionen Beschäftigte wegfallen, könnte man für jeden Euro, den ein Leistungsbezieher selbst verdient, nur 50 Cent von seinem Grundeinkommen abziehen. Hierdurch ist gesichert, dass Arbeit mehr Nutzen als Arbeitslosigkeit hat und die meisten Menschen weiterhin Interesse an Arbeit haben werden.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist ein durchaus attraktiver Ansatz den Sozialstaat neu aufzustellen und für die zukünftigen Herausforderungen auszurichten. Schlanke Verwaltung und Sicherung der Existenz der Bürger in Zeiten der Globalisierung und Technologisierung.

by Apr 23, 2018 Keine Kommentare
Die Epoche der Instabilität

Die Epoche der Instabilität

JH

Nicht alles verändert sich. Manches ist eine Konstante seit tausenden Jahren. Wie auch heutzutage, so beklagte sich bereits der römische Philosoph Socrates über den Sittenverfall der Jugend: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten […].“ Es handelt es sich jedoch um Ausnahmen. Die Welt befindet sich grundlegend in einem stetigen Wandel. Jedes Jahrhundert ist für sich einzigartig. Und jedes Jahrhundert bringt neue Erkenntnisse, Errungenschaften und Fortschritt hervor.

Die Zeitgeschichte der Menschheit lässt sich hierbei in Epochen einteilen. Epochen sind temporäre Phasen, welche ihrer ähnlichen Eigenschaften nach als einheitliche Phase, also als Epoche, definiert werden können. Mit diesem Beitrag möchte ich begründen, dass wir seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts die Epoche der Instabilität erleben.

Veränderung ist Teil unseres Planeten. Die Natur wandelt sich stetig in einem Wechsel aus Zerstörung und Entstehung. Wo Erdbeben, Waldbrände oder Überschwemmung Zerstörung verursachen entsteht sogleich darauf eine neue Vegetation. Trotz des konstanten Fortschritts ist auch die Menschheit in diesem Takt gefangen und erlebt Blütezeiten genauso wie Phasen des Untergangs.

Was ist Stabilität?

Beginnend möchte ich mich zuerst mit dem Begriff der Stabilität beschäftigen. Mit Stabilität in Bezug eine Epoche meine ich nicht, dass der Status Quo beibehalten wird oder wurde. Stabilität bezeichnet ein Gleichgewicht bzw. eine Beständigkeit. Entscheidend für meine Ausführungen ist, dass Beständigkeit Planbarkeit nach sich zieht.

Ähnlich wie bei der Preiswertstabilität, kurz: Inflation, liegt das stabile Gleichgewicht nicht bei 0. Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht bei einer Steigerung in Höhe von 2% von einer Stabilität der Preisteuerung. Grund ist, dass unser Wirtschaftssystem eine stetige Aussicht auf steigende Preise und Planbarkeit benötigt. So ist es eine der Hauptaufgaben einer Zentralbank für Preiswertstabilität zu sorgen. Stabilität ist auch hier nicht das Beibehalten, sondern die Beständigkeit eines Wertes – in diesem Fall der Teuerungsrate.

Wandel unseres Jahrhunderts

Das aktuelle Jahrhundert steht unter dem Banner der Technologisierung. Internet, das Smartphone, Robotik, künstliche Intelligenz (KI) und bald auch Quantencomputer. Alles wird vernetzt, verchipt und verkabelt. Bisher nur unsere Umwelt. Doch die Technologie wandert immer näher an den Menschen heran, das Notebook befindet sich bereits in Form eines Smartphones in jedermanns Hosentasche, und es ist nur eine Frage der Zeit bis die Technologie auch in den Menschen integriert wird.

Prozessoren werden immer leistungsfähiger und mit diesen die Technologie insgesamt. Die Umlaufgeschwindigkeit unserer Umwelt nimmt immer weiter zu. Informationen, Daten und Güter werden weltweit in kurzer Zeit ausgetauscht. Und so ist auch der Mensch gezwungen schneller, effizienter und mobiler zu werden, um noch konkurrenzfähig zur Technologie zu sein.

Umlaufgeschwindigkeit kann man auch als Schnelllebigkeit bezeichnen. Unsere Welt ist schnelllebiger geworden. An den Kapitalmärkten ist die Taktung von Krisen dichter als noch im letzten Jahrhundert. 2000 mit Dot.com, 2008 mit Subprime-Loans und 2012 die Euro-Krise. In der Wirtschaft sind Märkte offener und global vernetzt. Amazon greift weltweit an. StartUps und neue Mega-Konzerne, wie Uber oder AirBnB, entstehen in kurzer Zeit. Heutzutage mehr es mehr Einhörner, das sind StartUps mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, denn je. Der Wechsel aus Zerstörung und Entstehung ist schneller. Und mit der erhöhten Geschwindigkeit wird unsere Umwelt, unser Alltag und unsere Gesellschaft schnelllebiger.

Die Auswirkungen

Die Instabilität zeigt sich, wie angesprochen, an den Kapitalmärkten. Informationen werden wesentlich schneller ausgetauscht und Kapital zuckt wesentlicher nervöser durch die globalen Märkte. Auch die Wirtschaft sieht sich mit aufbrechenden Grenzen und Instabilität konfrontiert. Branchen befinden sich im Kampf des Wandels von stationär zu virtuell. Technologisch orientierte StartUps und Unternehmen greifen die klassischen Geschäftskonzepte bestehender Unternehmen an. Online und automatisiert. Die Welt steht den Unternehmern offener zur Verfügung denn je. Doch auch die Konkurrenz steht Unternehmen stärker im Nacken denn je.

Wir Menschen müssen uns anpassen. Jobs sind schnelllebiger geworden. Kurzzeit, Teilzeit, Job-Sharing. Der Arbeitnehmer arbeitet nicht mehr 40 Jahre im selben Unternehmen. Die meisten Arbeitnehmer haben bis zum 30. Lebensjahr bereits zwei, drei oder mehr verschiedene Arbeitgeber gehabt. Besitz ist schnelllebiger. Leasing, Sharing, Mieten. Besitz verpflichtet und Verpflichtungen binden und Bindung ist in einer schnelllebigen Umwelt eine Belastung. Car-Sharing statt eigenem Auto. Mieten statt kaufen. Waschsalon anstelle eigener Waschmaschine. Der Mensch wird mobiler und agiler. Muss er ja auch. Unsere Beziehungen werden schnelllebiger. Lovoo, Tinder und andere Apps ermöglichen das schnelle Finden neuer Partner. Doch da wir selbst agil bleiben müssen und sich unsere Umwelt stetig verändert gehen immer weniger Menschen langfristige Beziehungen ein. Bindung belastet, wie gesagt. Und so blüht das Konzept der Freundschaft Plus. Gemeinsam zusammen, aber nicht gebunden.

Seit hunderten oder tausenden Jahren nimmt die Umlaufgeschwindigkeit zu. Während die Fahrt zur benachbarten Stadt im Mittelalter noch mehrere Tage auf sich genommen hat, jetten wir heutzutage in einem Tag um die ganze Welt. Alles wurde stetig schneller. Doch mittlerweile ist, aus meiner Sicht, eine Geschwindigkeit und Schnelllebigkeit erreicht, bei der der Mensch Schwierigkeiten hat mitzuhalten und die Auswirkungen weniger „Fortschritt“, sondern mehr „Instabilität“ ist.

Wirtschaft und Gesellschaft benötigen Beständigkeit. Unser Alltag, unsere Beziehungen und unsere private Zukunftsperspektive benötigt eine gewisse Planbarkeit. Verlieren wir bereits den Boden unter den Füßen? Reißt uns die Zentrifugalkraft der Geschwindigkeit der Veränderung an den Rand? Wie lange kann der Mensch dem schnellen Takt der Technologie noch folgen?

by Apr 23, 2018 Keine Kommentare
Krieg der Spezies – Mensch gegen Maschine

Krieg der Spezies – Mensch gegen Maschine

JH

Nahezu überall verfügbares Internet, mehr Transparenz und Fortschritt in allen Bereich unserer Gesellschaft und Wirtschaft durch Technologie. Der Fortschritt ist erkennbar und gewaltig. Doch in aus jedem Wandel resultieren verständlicherweise auch negative Nebeneffekte. Vor Allem das mediale und individuelle eher hysterische Verhalten in den social media führt zu einer Verrohung der Sitten und Übersteigerung der Meinungen. Wir erkennen immer deutlicher: Nicht alles, was glänzt, ist auch Gold.

Ich habe mich in letzter Zeit intensiv mit der Frage beschäftigt wohin uns, als globale Gesellschaft, der eingeschlagene Weg führt. Was ist unser Schicksal? Doch leider ist es uns, und so auch mir, nur möglich Vermutungen anzustellen. Niemand kennt die Zukunft.

Dabei interessiert sich der Mensch seit tausenden Jahren brennend dafür. Während die alten Griechen Orakel befragten las man die Zukunft im Mittelalter aus Karten und Knochen. Im 21. Jahrhundert sind es gefeierte Visionäre, wie Tesla-Chef Elon Musk oder der leider verstorbene Apple-Chef Steve Jobs, welche die Zukunft erdenken und in der Realität präsentieren. Was erwartet uns, als Weltgemeinschaft, in der Zukunft? Das ist die Frage aller Fragen. Und „42“ ist leider keine Antwort darauf. Unzählige Theorien gibt es. Mit diesem Beitrag möchte ich eine weitere hinzufügen.

Entstehung neuer Spezies

Technologie wird immer effizienter und leichter verfügbar. Die ersten Computer wogen mehrere Tonnen. Und die ersten mobilen Telefone füllten ganze Kofferräume. Heutzutage tragen wir Computer und Telefon kombiniert, in Form eines Smartphones, in der Hosentasche. Auch rückt die Technologie immer näher an den Menschen heran. Das Notebook ist unlängst als Smartphone in unsere Hosentaschen gewandert. Und mit smart wearables, beispielsweise smarten Uhren, bringen wir die Technologie nun an unseren Körper. Es ist nur eine Frage der Zeit bis wir die Technologie im großen Stil in unseren Körper integrieren.

Der Mensch ist ohnehin gezwungen seine begrenzten humanen Möglichkeiten durch eine technologische Aufrüstung seines Körpers zu verbessern. Der Mensch muss im Wettlauf der Technologisierung mithalten. Roboter werden immer besser. Und während derzeit der Mensch Roboter betreibt, so ist es ebenfalls nur eine Frage der Zeit bis Roboter Roboter betreiben. Künstliche Intelligenz (KI) wird immer intelligenter.

‚Der Mensch kann, trotz technologischer Aufrüstung seiner Selbst, nicht mit der Leistungsstärke und Geschwindigkeit übriger Technologie mithalten und wird zwangsweise abgehängt werden.‘

Aus diesen Trends ist, aus meiner Sicht, erkennbar, dass es in Zukunft auf der Erde drei Spezies geben wird. Es wird einfache Menschen, Cyborgs und KI geben.

Technologie und IT-Infrastruktur benötigen viel Kapital und Wissen. So werden sich, nach meiner Meinung, nur die oberen 10 bis 15% der Menschen den Aufstieg zum Hybrid aus Mensch und Maschine, also einem Cyborg, leisten können. Da auch Cyborgs als Arbeitskräfte, Management der Strukturen und Soldaten zur Verteidigung des Vorteils benötigt werden, könnten in Zukunft 20 bis 25% der Menschen den Aufstieg zur Spezies der Cyborgs schaffen.

Darüber hinaus arbeitet der Mensch an immer intelligenteren Technologien. Es gibt immer noch große Herausforderung. Doch es gibt, so schätze ich es ein, die durchaus logische Theorie, dass der Moment, wenn eine KI programmiert wurde, die selbst KI programmieren kann, der Mensch eine Art Gott-KI, welche sich selbst vervielfältigt, geschaffen hat.

Die Verschärfung der Schichten

Basierend auf der Überlegung, dass es in Zukunft drei Spezies mit unterschiedlichen oder konkurrierenden Interessen geben wird, frage ich mich, ob wir uns in eine bessere Zukunft bewegen oder die Verschärfung der Schichten und Schaffung eigener Spezies zu mehr Problemen führen wird?

Bereits heutzutage beherrschen wenige Menschen, welche über viel Kapital, Macht und Wissen verfügen, die Massen. Auch besteht der Trend, dass es wenige Unternehmen gibt, welche jedoch extreme Marktmacht und viel Kapital besitzen. Amazon, Google, Apple.

Der Trend sollte sich fortsetzen. So steht diesen Personen und Unternehmen die Welt, dank Technologie und World Wide Web, offener denn je zur Verfügung. Diese Schicht der Reichen wird Technologie immer intensiver einsetzen. Dies ist der Schicht der Armen nicht möglich. Diese werden immer gläserner und immer beherrschter werden. Kein Wunder. Immerhin vernetzen und bald auch verchipen wird Konsumenten uns immer intensiver und schenken den wenigen Weltmarktführern immer mehr Wissen, Zugriff und Kontrolle über uns.

Die Verschärfung der Schichten nimmt stetig zu. Weniger werden stetig mehr haben und können.

Krieg der Spezies

Die Unterteilung der Weltgemeinschaft in Schichten wird sich verschärfen. Darüber hinaus könnte es in Zukunft nicht nur Schichten, sondern auch Spezies, mit konträren Interessen geben. Basierend auf dieser Theorie wären Konflikte und Kriege zwischen den Spezies unvermeidbar.

Der einfache Mensch wird sich natürlich gegen das „Beherrscht werden“ durch die reiche Schicht, wenn diese nicht bereits Cyborgs sind, auflehnen. Dies steht natürlich im Konflikt zu den Interessen von Google, Amazon und Facebook möglichst ungehinderten Zugang zum Menschen zu haben. Diese Unternehmen konzentrieren hierbei immer mehr Macht, in Form von Besitz von Daten und Zugriff auf technische Geräte, und Abhängigkeit auf sich. Es wird einen Punkt geben an dem diese Macht nicht mehr gebrochen werden kann und diese Konzerne für unsere Systeme Systemrelevant geworden sind. Und doch wird der einfache Mensch sich im Kampf für die Rückgewinnung seiner Selbstbestimmung und Unabhängigkeit versuchen von den Mega-Konzernen zu lösen und lokale Strukturen zu schaffen. Hier besteht Konfliktpotenzial.

Mega-Konzerne und Reiche besitzen nicht nur immer mehr Kontrolle über Menschen, sondern auch über die Politik. In den USA ist dies bereits am deutlichsten zu erkennen. So sind die Reiche Schicht und Politik nicht mehr zu trennen. Ein reicher Unternehmer ist Präsident des Landes und somit „Herrscher“ und Volksvertreter. Wird es in Zukunft noch unabhängige Politik geben oder werden die Reichen und Unternehmen die Länder lenken und somit auch, dank Zugriff auf Sicherheitskräfte und Armeen, Aufstände der einfachen Menschen niederschlagen können? Ist dies das Szenario der oberen 20 bis 25%?

‚Während derzeit militärisches Vorgehen oftmals darauf zielt die Bereitstellung von Gütern des Kontrahenten zu stören, werden Güter zunehmend virtuell sein und sich somit das militärische Interesse ebenfalls dahingehend verlagern.‘

Doch nicht nur zwischen Arm und Reich bzw. eventuell in Zukunft Mensch und Cyborg gibt es Interessenskonflikte. Cyborgs und KI benötigen IT-Infrastruktur, Server-Leistung und immens viel Energie. Für mich ist es durchaus logisch, dass Cyborgs oder KI untereinander oder gegeneinander um diese Ressourcen kämpfen. Heutzutage werden bereits Kriege um Öl geführt. In Zukunft könnten es auch Kriege um Strom sein. Rücken hier dann Island, Norwegen, afrikanische Staaten und andere Länder mit natürlichen Strom-Quellen (Thermischer Energie, Wasserenergie, Sonnenenergie, …) in den Fokus? Während militärisches Vorgehen im Mittelalter oftmals auf die Nahrungsversorgung des Gegners (z.B. durch Belagerung) zielte, waren es in jüngeren Kriegen Angriffe auf die Industrie (z.B. Fabriken) und Infrastruktur (z.B. Brücken) des Kontrahenten. Werden die Kriege in Zukunft physisch und virtuell auf die Server-Farmen und Energie-Netze und -Gewinnung des Gegners gerichtet sein?

Auch in Zukunft wird es ideologische Auseinandersetzungen, Interessenskonflikte und begrenzte Ressourcen geben. Meine Theorie ist, dass es hierbei zu einer verstärkten Polarisierung zwischen den einfachen Menschen, dank Kapital und Wissen technologisch bevorzugten Reichen (eventuell auch Cyborgs) und künstlicher Intelligenz kommen wird und hier neuartiges Konfliktpotenzial geben könnte.

by Apr 21, 2018 Keine Kommentare
Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Geschichte der Börse – die Tulpen-Blase (Tulpomanie)

Gastartikel

Stell dir vor du kaufst deinen Eltern zum Hochzeitstag eine Tulpe. Tulpen sind wahrlich schöne Zierpflanzen. Aber kannst du dir vorstellen, dass du dir mit dieser Tulpe vor einigen hundert Jahren in Amsterdam die prächtigsten Häuser in der Innenstadt hättest kaufen können? Eine Zwiebel, deren Wert sich teilweise im Jahr verzehnfachte?

Im 17. Jahrhundert erlebte die Niederlande ihr goldenes Zeitalter. In der Seefahrt setzten sich die niederländischen Kompanien durch. Wirtschaftlich und finanziell war die Niederlande ein wichtiges Zentrum Europas. Aber auch kulturell gab das kleine Land den Takt vor. Man schätzt, dass damals rund 700 Maler rund 70.000 Gemälde im Jahr fertig stellten. Das hat kein anderes Land, nicht Italien und auch nicht Frankreich, in anderen wichtigen Kunst-Epochen geschafft. Die Niederlande erlebte Fortschritte im Wohlstand, in der Technik, Forschung, Bildung, Kultur und auch der Finanzbranche.

Gerissene Händler entwickelten schnell zahlreiche Finanzprodukte. Die Börse erlebte einen schnellen Aufstieg. 1602 wurde die erste Aktiengesellschaft der Welt gegründet (hier nachzulesen). Um 1613 wurden die ersten separaten Gebäude für den Börsen-Handel errichtet. Der Handel mit Wertpapieren war attraktiv und die Menschen erkannten die neuen gigantischen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Viel Geld strömte im goldenen Zeitalter in die Niederlande und auch an deren Börse. So platzte 1643 die wohl erste Blase der Geschichte. Wie kam es dazu?

Preisentwicklung der teuersten Tulpe der Welt zwischen 1623 und 1637

Die seit dem 15. Jahrhundert aus Persien, über das Osmanische Reich und Wien nach Europa gelangte Blume „Tulpe“ genoss ein hohes Ansehen in den Niederlanden. Wo wir heutzutage ein teures Auto vor dem Haus stehen haben, um unseren Wohlstand zu präsentieren, dort pflanzten die Niederländer damals Tulpen im Vorgarten an. Diese neue und exotische Blume wurde intensiv gepflegt und gezüchtet, getauscht und gehandelt. Bald schon existierten rund 800 verschiedene Sorten. Die dekorative Pflanze erlangte immer mehr Aufmerksamkeit und die Nachfrage stieg. Das rief Spekulanten auf den Plan, welche an diesem Handel und der steigenden Nachfrage verdienen wollten.

Nachdem Tulpen zuvor im Sommer nach der Ernte gehandelt wurden eröffnete die Börse neue Möglichkeiten. Die Händler gingen dazu über die Ernte bereits im Winter zu kaufen, wenn die Tulpen noch in der Erde wuchsen. Man kaufte sich mit Börsen- bzw. Termin-Kontrakten die Ernten des nächsten, übernächsten oder über-übernächsten Jahres spekulativ und hoffte auf seltene und begehrte oder viele Zwiebeln. Bauern ließen dazu Kupferstiche mit Bildern der Tulpen anfertigen. In Börsen-Gebäuden und Schankhäusern fanden dann Versteigerungen statt. Der Parkett-Handel entstand. Der Handel der Ernten wurde immer größer und intensiver. Das lockte auch Spekulanten an. Wo zuvor vor Allem Händler handelten, welche dann auch die Ernte einstreichen wollten, dort boten nun auch Spekulanten mit, welche kein Interesse an der Ernte oder den Tulpen hatten, sondern ihr Recht auf bestimmte Ernten mit steigenden Preisen noch vor dieser Ernte weiterverkaufen wollten.

Viele Innovationen sind seit 1602 am Finanzmarkt zu erkennen. Innovationen welche den Handel erleichterten, intensivierten und auch flexibler gestalteten. Wo zuvor lediglich Produzent und Händler agierten fanden sich nun neben eben jenen auch Spekulanten und Anleger aus der Bürgerschaft ein. Es strömte immer mehr Geld, Nachfrage und Aufmerksamkeit in den Tulpenmarkt. Und so blähte sich die Blase auf. Jeder rechnete mit steigenden Preisen und wollte selbst Terminkontrakte besitzen. So konnte der glückliche Käufer sein Kontrakt schon morgen für einen höheren Preis an den nächsten Spekulanten weiterverkaufen. Bürger nahmen all ihr Geld in die Hand und wetteten mit. Viele gelangten zu großem Wohlstand als sie plötzlich 10-Mal so viel verdienten, wie zuvor.

Für 2500 Gulden konnte man sich in den 1620ern eine Tulpe “Viceroy” oder … kaufen

Der Handel mit Tulpen wurde immer größer, immer schneller, immer komplexer. Es entstand ein Hype. Jeder wollte mitmachen. Jeder setzte sein Geld spekulativ ein. Jeder wollte reich werden. In dieser Form, als auch die einfachsten Bürger anfingen an der Börse spekulieren, erkennen wir auch die erste Hausmädchen-Hausse der Weltgeschichte. Um die Blase in Zahlen zu fassen: Die teuerste Tulpe aller Zeiten, die Semper Augustus, wurde 1623 für 1.000 Gulden je Zwiebel, 1624 für 1.200 Gulden (+20%), 1633 für 5.500 Gulden (+360%) und dann 1637 zum Zenit der Blase für unglaubliche 10.000 Gulden je Zwiebel gehandelt. Somit war eine Zwiebel dieser Sorte so viel Wert wie die teuersten Luxus-Häuser im Zentrum von Amsterdam. Ein weiterer Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Niederländers lag damals bei 150 Gulden im Jahr. Abgesehen von dieser extrem teuren Sorte wurden die meisten Sorten zwischen 10 und 100 Gulden je Zwiebel gehandelt. Doch auch hier stiegen die Preise rapide an. Der Preis der Tulpe Groot verdoppelte sich vom 28. Dezember 1636 bis zum 12. Januar 1637 von 0,07 Gulden auf 0,15 Gulden. Im gleichen Zeitraum explodierte der Preis der Sorte Switserts um das 12-fache von 125 auf 1.500 Gulden je Pfund.

Am 3. Februar 1637 dann platze die Blase. Bei einer Auktion in Haarlem konnte kein einziger Posten verkauft werden. Niemand war mehr bereit noch mehr Geld zu investieren. Mit der Spekulation hatte sich der Preis der Tulpen weit von deren fairen Wert entfernt. Diese Spirale der Spekulation funktionierte nur so lange, wie die Händler von steigenden Preisen ausgingen und somit bereit waren weiter zu investieren. Schlagartig wurde allen klar, dass die Preise zu hoch waren und der Crash war perfekt. Unzählige Bürger verloren ihr gesamtes investiertes Vermögen. Die Niederlande stand vor einem Dilemma: Die Tulpenindustrie war in den 15 Jahren des boomenden Handel enorm gewachsen. Nun gab viele Spekulanten, welche ihr Terminkontrakt nicht mehr verkaufen konnten und somit die Pflicht wahrnehmen mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ernte zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Zu kaufen mit Geld, welches niemand besaß.

Die verschiedenen Gerichte in den Niederlanden handelten unterschiedlich. In einigen Regionen wurden die Terminkontrakte für ungültig erklärt, in anderen mussten die Händler Strafzahlungen an die Bauern entrichten oder tatsächlich die Verträge erfüllen und die Ernten kaufen. Die Niederländer hatten 15 Jahre der steigenden Preise, der großen Gewinne und des erfolgreichen Handels erlebt. Am Ende hatten sich die Preise teils verhundertfacht. Der Wert der Tulpen war überbewertet, es handelte sich um eine Blase, welche 1637 platze. Diese Blase, heutzutage bekannt als Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie, zeigt das leichtsinnige und verrückte, aber auch irrationale und irreale Handeln von Spekulanten auf. Es war eine Blase und Spekulations-Hysterie wie im Lehrbuch.

by Apr 11, 2017 Keine Kommentare
AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

AfD wählen – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

Gastartikel

Globalisierung, Internet und ein fortschreitender technologischer Wandel haben den Wohlstand, den Bildungs- und Gesundheitszustand global in kurzer Zeit wesentlich verbessert. Die mit diesem Fortschritt einhergehenden Nebenwirkungen führen jedoch zu einem gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel.

Auf Grund der Globalisierung stehen Unternehmen und Arbeitnehmer mittlerweile weltweit im Wettbewerb miteinander. Gewinner der Globalisierung sind jene, welche ihre Arbeitsleistung oder ihr Kapital global-diversifiziert anbieten und anlegen können. Mit dem Internet veränderte sich auch die mediale Nutzung. Geschehnisse, beispielsweise in Vorderasien, fühlen sich heutzutage für in Deutschland lebende Personen auf Grund höherer Mobilität und schnellerer Berichterstattung näher und gefährlicher an als früher. Die Geschwindigkeit technischer Entwicklung und Veränderung hat zugenommen. Benötigten die Industrienationen im 20. Jahrhundert noch über 30 Jahre, um das nationale BIP zu verdoppeln, so werden beispielsweise Indien und China dies im 21. Jahrhundert in weniger als 20 Jahren umsetzen können. Zusammenfassend führt die globale Vernetzung dank technischem Fortschritts gesellschaftlich zu einer gefühlten Instabilität, Schnelllebigkeit und Ohnmacht.

Im Kontext dieser tiefgreifenden Veränderungen suchen wir nach Stabilität, Halt und Alternativen. Die 2013 gegründete Alternative für Deutschland (AfD) spricht genau jene Wünsche von Teilen der deutschen Wählerschaft an. Die AfD ist politisch rechts neben der Union und als rechtspopulistisch einzuordnen. Umfragen erwarten, dass 10 bis 20% der Wähler überlegen die AfD zu wählen. Doch was sind die Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland?

AfD wählen – Vorteile

  • Populistische Parteien können auch ohne Regierungsbeteiligung großen politischen Einfluss ausüben. Grund ist, dass alle anderen Parteien reagieren und sich politisch nach rechts bewegen, um den Verlust von Wählern zu vermeiden. Der AfD eine Stimme im Bundestag zu geben wird dementsprechend auch die politische Ausrichtung der zukünftigen Regierung beeinflussen.
  • Die AfD leistet sich viele Patzer im politischen Alltag. Da es sich jedoch um eine junge Partei handelt besteht natürlich ein Lernprozess. Die AfD wächst mit ihren Aufgaben und könnte sich mit etwas Zeit vom Sorgenkind der deutschen Demokratie zu einem Bestandteil der Opposition entwickeln.
  • Die AfD nutzt den Politikstil ‘Populismus’. Hierbei tritt die Partei als Gegner der bestehenden Eliten und eigentlicher Vertreter des Volkes auf. Populisten greifen meist die Meinung verschiedener Bevölkerungsgruppen auf und vertreten diese Lautstark. Die AfD könnte der Stimme des Volkes im Bunddestag Nachdruck verleihen.
  • Es ist ein Phänomen der Verhaltenspsychologie (‘Eisverkäufer am Strand’), dass sich Unternehmen auf der Suche nach Kunden und Parteien auf der Suche nach Wählern möglichst mittig positionieren, um die Wähler links wie auch rechts anzusprechen. Konsequenz ist, dass sich viele Parteien inhaltlich angeglichen haben. Die AfD tritt als Alternative auf und bietet tatsächlich auch einen anderen Weg und andere Inhalte,

AfD wählen – Nachteile

  • Zu viele Köche verderben den Brei. Mit der Bundestagswahl 2017 könnte der deutsche Bundestag aus bis zu 6 Parteien bestehen. In der deutschen parlamentarischen Demokratie müssen sich jedoch Koalitionen bilden und Mehrheiten finden. Ist der Bundestag dann noch regierbar oder wird der politische Alltag noch zäher und schwerfälliger werden?
  • Die AfD führt den demokratischen Diskurs ad absurdum. Auf komplexe Probleme gibt es keine einfachen Antworten. Dies suggeriert die AfD jedoch. Auch besteht der schrille rhetorische Politikstil aus haltlosen Anschuldigungen, unnötigen Beleidigungen, Missachtung von Regeln und Grundsätzen und dem Ignorieren von Kompromissen, Prozessen und Argumenten der Gegenseite.
  • Im postfaktischen Zeitalter gibt es mehrere Realitäten und Wahrheiten. Die AfD steht für alternative Fakten bzw. Lügen. Sachverhalte werden verdreht, erfunden und gelogen. Ein solches Verhalten könnte die deutsche Politik hemmen und erschweren. Auch der Wähler wird belogen.
  • Die AfD ist keine nationalsozialistische Partei und greift nicht das “Erbe” des Nationalsozialismus auf. Dennoch ist sie als Partei des rechten politischen Lagers anfällig für Personen mit nationalistischen und noch schlimmeren Gedankengut. Es gibt durchaus Personen in den Führungskreisen der Partei, welche fragwürdiges Gedankengut besitzen. Ob eine Partei im Bundestag vertreten sein sollte, bei welcher unklar ist, ob sich diese rechtspopulistisch oder rechtsextrem positionieren wird, ist fraglich. Der Rechtskonservative Flügel “Weckruf 2015” um Bernd Lucke trat bereits aus.
  • Populistische Parteien sind eher kurzfristig orientiert. Es geht nicht um langfristige Veränderungen oder konstante Arbeit, sondern um möglichst schnelle Machtergreifung und Machterhalt. Die AfD reagiert sprunghaft einhergehend mit der Stimmung der Wählerschaft. Politik sollte jedoch sachlich und unaufgeregt agieren. Die AfD steht für unsachliche, instabile und emotional hergeführte Politik.
  • Als populistische Partei bekennt sich die AfD natürlich zu Demokratie und Grundgesetz. Doch wie steht es wirklich um diese Ambition? Die AfD lehnt den Islam ab, was bereits gegen das Grundgesetz der Religionsfreiheit steht. Auch verweigert die AfD mit anderen Parteien zu koalieren, was dem Gedanken der parlamentarischen Demokratie widerspricht.

AfD wählen – Auswirkungen auf Deutschland

Die AfD feiert als eine Art chauvinistische Partei aktuell viele Erfolge und zog in zahlreiche Landtage bereits ein. Der Wunsch nach “den guten alten Zeiten”, Verlangsamung, gewisser Abschottung gegenüber dem Weltmarkt und einer Rückkehr zu mehr Ruhe, Übersicht und gefühlter Stabilität treibt viele Wähler an die Alternative für Deutschland zu wählen. Die AfD bricht mit dem festgefahrenen politischen Alltag und tritt schrill und laut für ein anderes Konzept ein.

Die AfD bringt Lügen, unbegründeten Hass und Rassismus in die Politik ein. Noch ist unklar wie extrem diese Ausrichtung sein wird. Nach dem Abtreten des rechtskonservativen Flügels um Bernd Lucke besteht derzeit noch ein Disput zwischen dem rechtspopulistischen Flügel um Frauke Petry und den Hardlinern und dem Nationalismus nahestehende Personen. Rechtspopulismus hat Vorteile und Nachteile. Ein erstarkender Rechtsextremismus würde Deutschland definitiv schaden.

Die AfD bricht die politische Landschaft auf und bringt Emotionen und Bewegung in den politischen Alltag. Die Gefahr von auf Lügen, sprunghaftem Populismus und Hass basierender Politik ist für unsere parlamentarische Demokratie jedoch sehr groß. Die Stimme der AfD wird auch auf Bundesebene Gewicht erlangen. Doch wie stark die Stimme sein wird liegt auch an dir. Wir hoffen die zusammengestellten Vorteile, Nachteile und möglichen Auswirkungen der Entscheidung die AfD zu wählen haben dir geholfen. Wir freuen uns auch auf deine bereichernden Kommentare.

by Mrz 25, 2017 Keine Kommentare
Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE)

Gastartikel

Warum wurde das bedingungslose Grundeinkommen in letzter Zeit öffentlich verstärkt diskutiert? Der Fokus unserer Sorgen hat sich mit Erreichen großen Wohlstands in den industrialisierten Nationen verschoben. Sorgen um die eigene Gesundheit und oder genügend Nahrung sind in den Hintergrund gerückt. Soziale Systeme und die Qualität der Gesundheitsversorgung machen es möglich.

Doch mit der Lösung des eines Problems, taucht bereits das nächste wieder auf. Der Fortschritt der Technologisierung macht es möglich Menschen durch Maschinen zu ersetzen. Viele fürchten sich davor ihren Job zu verlieren und am Existenzminimum leben zu müssen.

Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) oder auch universal basic income (UBI) rückt in dieser immer schnelleren, komplexeren und zunehmend technologisierten Welt in die Diskussionen unserer Gesellschaft. Finnland möchte nun, 2017, ein solches BGE einführen. Doch was ist das? Was kann es? Was soll es? In zahlreichen Studien wurde ein solches System der „bedingungslosen finanziellen Grundsicherung für jeden“ erprobt. Die Ergebnisse sind erstaunlich!

Das bedingungslose Grundeinkommen wird heiß diskutiert. Auf der einen Seite stehen die großen Kritiker, welche in diesem Konzept einen Freibrief für faule und arbeitslose Menschen sehen und sich gegen höhere Zuwendungen für diese „Schnorrer“ der Gesellschaft wenden. Auf der anderen Seite argumentieren viele Ökonomen und Forscher für ein solches Grundeinkommen und betonen die zahlreichen positiven Erfahrungen und erforschten Effekte. Ich möchte mich in diesem Beitrag genauer mit diesem durchaus hochemotional diskutierten Thema beschäftigen.

Was ist ein BGE?

Das bedingungslose Grundeinkommen stellt eine finanzielle Grundsicherung dar, welche der jeweilige Staat jedem Bürger überweist. Diese Grundsicherung, auch als Grundeinkommen zu verstehen (englische Medien verwenden gerne den Begriff mincome, eine Kombination aus „mini income“), ist hierbei bedingungslos und bewusst oberhalb des Existenzminimums angesetzt.

Diese beiden Faktoren, oberhalb des Existenzminimums und bedingunglos, unterscheiden das BGE maßgeblich zum Arbeitslosengeld. Das Arbeitslosengeld soll nur eine temporäre Unterstützung von Seiten des Staates sein und erlaubt nur die wichtigsten Kosten zu decken. In Würde kann man von diesem Geld nicht wirklich leben. Das BGE dagegen wird dauerhaft unabhängig davon ausgezahlt, ob man einen Job hat oder nicht. Es ist oberhalb des Existenzminimums angesetzt, um auch arbeitslosen Personen ein normales Leben zu ermöglichen. Das Existenzminimum liegt in Deutschland aktuell bei rund 8.500€ je Person und 4.500€ je Kind pro Jahr. Dies entspricht rund 700€ steuerfreies Gehalt in Deutschland. Ein BGE würde man zwischen 700 und 1.500€ ansetzen.

Des Weiteren ist das bedingungslose Grundeinkommen, wie der Name bereits sagt, bedingungslos. Es ist nicht an Verpflichtungen gekoppelt. Beim Arbeitslosengeld muss der Arbeitssuchende auf Arbeitssuche sein, ist verpflichtet jeden Job (bis auf Ausnahmen) anzunehmen, Maßnahmen zuzustimmen und andere Dinge. Er steht in der Schuld und hat bestimmte Pflichten. Das BGE würde jeder deutsche Staatsbürger erhalten – ohne Verpflichtungen.

Es gibt nicht „das eine“ bedingungslose Grundeinkommen, sondern zahlreiche verschiedene Konzepte der Umsetzung mit demselben Grundgedanken. Beispielsweise kann eine Grundsicherung entweder direkt auf das Konto überwiesen werden oder niedrige Gehälter werden mit einer negativen Einkommenssteuer belegt – das bedeutet: der Staat zahlt drauf.

Warum brauchen wir ein BGE?

Unsere Welt entwickelt sich immer weiter. Gesellschaftlich und technologisch. Innovationen werden immer schneller skaliert, die Globalisierung greift zunehmend um. China und Indien werden ihr BIP im 21. Jahrhundert doppelt bis drei Mal so schnell verdoppeln, wie die USA oder England im 20. Und 19. Jahrhundert. Die Welt dreht sich bildlich gesprochen immer schneller für uns Menschen. Dies ist vorallem an den sozialen Netzwerken zu erkennen: mehr Menschen, mehr Posts, mehr Nachrichten, mehr Snaps, Tweets und Likes. Die Informstionsflut bricht auf uns ein und wir können uns kaum mehr davor retten. Und obwohl die Geschwindigkeit unseres Alltags bereits groß ist – sie wird noch weiter zunehmen!

Der Kerngedanke des bedingungslosen Grundeinkommens ist soziale Gerechtigkeit

Wir können nicht alle Menschen auf diese technologisch-gesellschaftliche Reise mitnehmen. Ein solches Unterfangen bringt immer Zentrifugalkräfte mit sich. An den Rändern werden Bürger verloren gehen und nicht mehr mitkommen (Modernisierungs- bzw. Globalisierungsverlierer). Sei es auf Grund der Technologiserung bzw. Robotisierung oder schlicht auf Grund der Geschwindigkeit unserer Entwicklung. Die Zuverlässigkeit unserer sozialen Systeme wird Jahr für Jahr intensiver getestet. Können wir in diesen labilen und sich schnell verändernden Zeiten Stabilität für jeden gewährleisten?

Die meisten sozialen Systeme bestehender Staaten stammen noch von Anfang des 20. Jahrhunderts. Die deutschen Systeme sind größtenteils noch von Otto von Bismarck entworfen worden. Diese sind darauf konzipiert, dass es mehr junge Menschen als alte gibt und wir im durchschnitt 60 bis 70 Jahre leben. Heutzutage werden die meisten Menschen älter als 80, viele erreichen das 100. Lebensjahr. Tendenz steigend. So war das damalige Rentensystem darauf ausgelegt Rentnern nach dem 60. Lebensjahr noch etwa 10 Jahre lang den Lebensabend zu finanzieren. Wie lange leben wir heute nach dem 60. Lebensjahr? Mit 50 oder 55 erreichen wir gerade erst den Höhepunkt unserer Karriere – meistens. Unsere sozialen System halten all diese modernen Einflüsse nicht unbedingt aus. Reformen sind nötig. Ist hier das bedingungslose Grundeinkommen eine wirksame Alternative?

Auf der einen Seite gibt es Einflüsse, welche uns zwingen unsere bestehenden sozialen Systeme zu überdenken. Auf der anderen Seite bietet das BGE den Charme der positiven Nebeneffekte. Wer Arbeitslosengeld bezieht hat kaum genug Geld für die anfallenden Kosten. Mit dem BGE können Menschen sich ein Leben in Würde finanzieren, aber auch in die eigene Gesundheit und Bildung bzw. auch die ihrer Kinder investieren. Es gibt bereits Grundeinkommen, wie beispielsweise das BAfÖG, welche jedoch nicht komplett bedingungslos sind, aber doch ein Grundeinkommen ermöglichen sollen. Die Effekte dieser Grundsicherungen sind hierbei klar erkennbar: bessere Bildung, zufriedenere Menschen, gesündere Bürger und somit einhergehend beispielsweise auch weniger Kriminalität.

Die meisten denken, dass ein BGE bedeutet, dass der Staat das Steuergeld verschenkt. Der Wut gegen solche Konzepte ist durchaus verständlich. Doch, wie soeben beschrieben, geht der Sinn dieses Grundeinkommens viel weiter. Bildung, Gesundheit und Lebensstandard der Gesellschaft sollen verbessert und somit Kosten im Gesundheitswesen und für innere Sicherheit gesenkt werden. Die Zufriedenheit der Bürger soll steigen und die Sicherheit in der Gegenwart bei einer unsicheren Zukunft gewährleistet werden.

BGE

Wie könnte man ein bedingungsloses Grundeinkommen umsetzen?

Ich möchte in diesem Abschnitt mit fiktiven Zahlen etwas detaillierter mit dem Gedanken einer bedingungslosen Grundsicherung spielen. Ist das BGE überhaupt finanzierbar? Dies soll nicht als perfekte Berechnung, sondern als Gedanken- oder Diskussionsansatz verstanden werden.

Man könnte ein BGE direkt auf die Konten der Bürger überweisen. Hierbei würde beispielsweise jeder Deutsche zwischen 700 und 1.500€ pro Monat erhalten. Kinder bzw. die Eltern von Kindern erhalten 500€ (Existenzminimum 2015 bei 375€ je Kind).

2020 werden vorraussichtlich 18% der 82 Millionen Einwohner Deutschlands unter 20 Jahren alt sein. Durch ein BGE über 500€ für unter 20-jährige und 1.000€ für ältere Personen würde dementsprechend eine Belastung für den Haushalt Deutschlands über rund 14 Milliarden Euro im Monat oder auch 168 Milliarden Euro im Jahr entstehen.

Der erste positive Effekt ist jedoch bereits, dass zahlreiche komplexe Förderstrukturen im Sozialsystem hinfällig wären. Es würde kein Arbeitslosengeld und somit keine aufwändigen Prüfungen geben. Kindergeld, Zuschüsse, Steuerfreibeträge und viele andere Dinge könnten gestrichen werden. Jeder Bürger erhält Summe X auf die Hand und darf damit umgehen, wie er möchte. Der Verwaltungsaufwand könnte reduziert werden. Dieses Geld ist darüber hinaus nicht mehr an Bedingungen oder Vorraussetzungen gekoppelt. Muss denn unsere Existenz bzw. unser Leben in dieser Gesellschaft an Bedingungen gekoppelt sein? Wir haben das Leben und die Erde kostenlos erhalten und doch zwängen wir uns in Pflichten und Schuldsysteme.

168 Milliarden Euro klingt also auf den ersten Blick sehr viel. Deutschland wendet jedoch bereits jetzt über 130 Milliarden Euro jährlich für Soziales, Arbeit und Familie auf. Diese Summe kann man natürlich nicht 1:1 entgegenstellen, aber während der Staat mit dem BGE rund 170Mrd€ Kosten zu erwarten hat entfallen auf der anderen Seite mindestens bereits 100Mrd€ an bestehenden Förderungen. Dies kann ich aus den mir zugänglichen Statistiken leider nicht genau berechnen. Ich vermute in diesem Rechenbeispiel jedoch, dass die Mehrbelastung für den Staat durch den Wegfall bestehender finanzieller Leistungen bei ungefähr 70 Milliarden Euro im Jahr liegen würde. Die erfolgreiche Finanzierung eines solchen Systems ist jedoch eines der größten Probleme der Umsetzung des BGE.

Die meisten Menschen suchen nach Problemen anstelle Lösungen. Die Gefahr einer Volkswirtschaft in der viele Menschen nicht mehr arbeiten oder wesentlich weniger ist vorhanden, richtig. Aber warum ein Konzept mit Potential tod reden? Warum nur die Probleme suchen? Gibt es eventuell Lösungen? Oder lassen sich neue tolle Konzepte entwickeln? In Kanada wird das BGE immer wieder erprobt. In der Stadt Dauphin ließ man beispielsweise den Anreiz zur Arbeit bestehen indem man jeden selbst erarbeiteten Dollar nur zu 50 Cent (50%) vom BGE abzog. Wenn also jeder Anspruch auf beispielsweise $1,000 hat und jemand einen Job über $1,000 besitzt, so erhält diese Person trotzdem $500 BGE und steht am Ende mit $1,500 Einkommen besser da als wenn er nicht arbeiten würde. Personen ab $2,000 erhalten kein BGE mehr. Ich habe mir diese Zahlen nur ausgedacht. Hintergrund ist Arbeit weiterhin zu belohnen und Personen mit mehr als genug Geld kein BGE auszuzahlen.

Das bestimmte Personen jedoch kein BGE erhalten erachte ich als gut. Wenn jemand beispielsweise über 4.000€ im Monat verdient geht es ihm finanziell gut. Muss diese Person dann noch mehr Geld erhalten? Viele Menschen fühlen sich jedoch ungerecht behandelt. Sie gehen Arbeiten und bekommen kein BGE? Doch ist es nicht Sinn unserer Gesellschaft, dass wir uns gegenseitig unterstützen? Doch die Idee des BGE ist es nicht jedem stupide Geld zu schenken, sondern die Gesellschaft gerechter und stabiler zu machen. Wer genug Geld hat um gut zu leben, der muss nicht unterstützt werden. Wo man diese Grenze ansetzt ist dann Verhandlungssache und muss in der Praxis erprobt werden. Je nach wirtschaftlicher Lage könnte dies auch angepasst werden. Auch würden hier viele weitere Milliarden weniger durch den Staat aufgebracht werden müsste. Ist es bereits ein Nullsummenspiel, wenn wir das BGE einführen würden?

Wahlweise gibt es auch die Möglichkeit einer negativen Einkommenssteuer. Auch dies wurde bereits erprobt. Hierbei gibt es dann nicht, wie im aktuellen deutschen System, bis zu einem Gehalt über rund 8.500€ einen Steuerfreibetrag, sondern beispielsweise bis 5.000€ Jahresgehalt eine Einkommenssteuer über -25%. Der Staat legt nochmals 1.250€ oben drauf. Hier könnte man verschiedene Stufen einbauen wann der Staat wie viel Prozent auf das Gehalt drauflegt. Wer nicht arbeitet erhält das Existenzminimum, also Arbeitslosengeld, ausgezahlt. Der Nachteil dessen: Es ist erneut ein sehr kompliziertes System, da alles geprüft werden muss. Es müsste wieder große Behörden geben und alle Bürger hätten noch mehr Papierkram zu erledigen.

Ergebnisse bisheriger Pilot-Projekte

Die kanadische Kleinstadt Dauphin testete das BGE bereits 1979. In Dauphin konnten sich die ärmsten Bürger darauf bewerben und erhielten ab sofort für 4 Jahre ein Grundeinkommen. Die Ergebnisse sind in einem Archiv festgehalten und mittlerweile analysiert:

  1. Die Menschen haben nicht weniger gearbeitet. Größtenteils sogar mehr.
    Grund ist, dass das kanadische BGE Arbeit belohnte. Jeder verdiente Euro senkte das BGE nur um 50ct. Wer 1.000€ BGE im Monat erhielt und sich 600€ dazuverdiente hatte am Ende 1.300€ zur Verfügung. Wer Vollzeit arbeite bekam weitere Boni. Durch ein BGE kann Arbeit und soziales Engagement belohnt werden. Im aktuellen Kapitalismus wirst du für Ehrenamt und soziales Engagement meist gewissermaßen „bestraft“. Es zählt nur das Einkommen.
  2. Mehr Menschen machten einen Schulabschluss
    Das Grundeinkommen sicherte ab. Man konnte mit Konzentration und Ruhe lernen und sich bilden. Niemand musste bereits mit 16 Jahren seine schulische Laufbahn beenden um arbeiten zu gehen. Der Bildungsstand in der Bevölkerung stieg und die Kriminalität sank. Weniger Einbrüche wurden in Daupphin verzeichnet, sowie mehr in die Sozialkassen einzahlende gut verdienende Bürger. Armut wurde erfolgreich durch bessere Bildung bekämpft.
  3. Weniger Kranke
    Weniger Arztbesuche, weniger Krankenhausaufenthalte, Suchtfälle und Trunkenheit. Das BGE ließ die Gesundheit der Bevölkerung besser werden.

Quellen

Futurism – Is Universal Basic Income a Viable Solution?

Futurism – India’s Top Economist Announces His Support For Universal Basic Income

big think – What Happens When Everyone is Given Basic Income?

Canadian Soacial Research – Guaranteed Annual Income: A Supplementary Paper

Wikipedia – basic income

Wikipedia – negative income tax

Basic Income Earth Network – ONTARIO, CANADA: New Report on Minimum Income Pilot

The Guardian – Ontario pilot project puts universal basic income to the test

Portal für Finanzen und Versicherungen – deutsches Existenzminimum 2015

by Jan 31, 2017 Keine Kommentare
Antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading

Antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading

JH

Über 40% Rendite (07.01.2016 bis 20.01.2017) dank antizyklischem Swingtrading und unter 37 Verkäufen einer Position nur drei mit Verlust.

55 Käufe und 37 Verkäufe? Hier verdrehen die konservativen Anleger wahrscheinlich bereits die Augen. So besagt doch eine alte Börsenweisheit, dass zu viel hin- und hergetrade keinen Mehrwehrt und langfristig nur Verluste einbringen würden. Hin und Her, Taschen leer.

Doch Moment! Dieser Handelsansatz ist auch für langfristig orientierte Anleger interessant, welche ihre Performance mit einem kurzfristigen Handelsansatz hedgen wollen.

Seit dem 07.01.2016 nutze ich bis zu 7% meiner Depotsumme des Wikifolios “JfH Market Trading” für den spekulativen DAX-Handel. Mit 92% gewinnbringenden Verkäufen und Teilverkäufen der DAX-Long oder -Short Positionen war es mir möglich meine Verluste in Phasen eines fallenden Marktes zu reduzieren. Ob man nun die Verluste bei fallenden Kursen minimieren oder die Gewinne bei steigenden maximieren möchte bleibt dem jeweiligen Anleger überlassen. Mein Fokus lag auf dem minimieren von Verlust.

Was mache ich beim Swingtrading?

Seit Anfang 2016 konzentriere ich mich auf die Wellenbewegungen des DAX um dessen Durchschnitte. Hierbei habe ich begonnen nach Mustern in den Bewegungen des DAX zu seinem Durchschnitt EMA200 zu suchen.

Zwischenzeitig habe ich mit Richard Kupfer kennengelernt und kam mit ihm ins Gespräch. Mit seinem antizyklisch-hybriden DAX-Positionstrading (ConTraMo – Contrarian Trading Model) betreibt er ein ähnliches Handelssystem, wie ich. Doch wo er DAX only agiert, handle ich den DAX abwechseln und teilweise gleichzeitig Long unf Short. Auch Richard konnte den DAX 2016 bezogen auf die erwirtschafteten Punkten um fast 1000% outperformen. Er veröffenlicht seine Beiträge ebenfalls hier auf Inside Trading – schaut doch Mal bei ihm vorbei.

Durch einen Mix aus Kapitalzu- und -abflüssen und Emotionen schwanken die Kurse an der Börse. Mal wird über- und dann wieder unterbewertet. Diese Wellenbewegungen kann man in Charts erkennen und durch das Einbeziehen von aktuellen fundamentalen und psychologischen Informationen einordnen.

Mein einfacher Gedanke war: Warum nicht bei Kursen über der EMA200 den DAX Shorten und bei Kursen darunter Long investiert sein? Warum nicht auf eine stetige Rückkehr des DAX zu seinen Durchschnitten wetten?

Beispiel: Die irrationale Übertreibung im Januar 2016

Im Januar 2016 brach der DAX zusammen. Es war einer der schlechtesten Jahresstarts seit Jahrzehnten. Zu diesem Zeitpunkt (am 07.01.2016) habe ich angefangen mein Swingtrading genauer zu dokumentieren und in Blogs darüber zu berichten. Schnell war klar, dass die fallenden Kurse eine irrationale Übertreibung (irrational excuberance) darstellten. Der DAX tauchte weit unter die EMA 200 und ich fing an DAX-Long-Positionen aufzubauen.

Was genau mache ich?

Ich bezeichne mein Vorgehen als “antizyklisch-verbilligendes DAX-Swingtrading der Durchschnitte als Performanceaufbesserung im Depot”. Uff .. umständlich? Lass es mir dir erklären:

Swingtrading Auf der einen Seite betreibe ich Swingtrading und spekuliere also auf die Wellenbewegungen des DAX.

Durchschnitte Ich handle die Wellenbewegung um die verschiedenen Durchschnitte des DAX herum – größtenteils nutze ich die EMA200.

Performanceaufbesserung Ich spekuliere nur mit einer kleinen Summe, da ich überwiegend mittel- bis langfristig auf Aktien fokussiert bin und mich in diesem Handelsansatz einerseits austobe und andererseits die Gewinne als kleine Performanceaufbesserung nutze. Auf Grund des hochspekulativen Handelsansatzes möchte ich nicht mit größeren Summen agieren.

Antizyklisch Es ist eine Sache des Charakters ob man nun Contrarian oder Trend-Folger ist. Ich selbst fühle mich wohler darin gegen eine Bewegung zu wetten als mit einer mitzulaufen. Ich wette immer gegen die aktuelle Bewegung des DAX. Steigen die Kurse, dann wette ich auf fallende und andersrum. Das bedeutet, dass ich immer ins Messer greife und anfangs Verluste hinnehmen muss. Wichtig ist sachliches Denken (Emotionen sind hier der größte Gegner) und ein vor dem Trade festgelegtes Set-Up.

Verbilligend Gerade weil ich als Contrarian immer gegen die Bewegung wette und somit anfangs Verluste hinnehmen muss nutze ich kontrolliertes Verbilligen, um den durchschnittlichen Einkaufspreis zu verbessern, die anfänglichen Verluste zu minimieren und die späteren Gewinne zu maximieren. Auch ist mir durchaus bewusst, dass ich nur durch Zufall am Höchst- oder Tiefpunkt einer Bewegung einsteige. Deswegen verteile ich das festgelegte investierbare Kapital meist auf 3 bis 5 Einkäufe. Warum kontrolliertes Verbilligen ein wertvoller Ansatz im eigenen Depot ist habe ich in diesem Beitrag erklärt. Wichtig: Im Wikifolio fallen kaum Ordergebühren an. Von daher rentiert sich das System auch bei vielen Trades.

In dieser Grafik sieht man, dass meine DAX-Long-Position (grauer Bereich) bei einem fallenden DAX anwächst und bei einem steigenden abgebaut wird. 

Auch bei der Spekulation auf einen fallenden DAX baue ich die Positionen in diesem Fall bei einem steigenden DAX auf, nehme die zwischenzeitigen Verluste in Kauf, und realisiere die Position bei fallenden Kursen dann mit Gewinnen.

Insgesamt wechseln sich DAX-Long und -Short Positionen ab oder ich verändere die Gewichtung dieser und baue die eine Spekulation ab, um teilweise Gewinne zu realisieren und die Gewichtung anzupassen, aber dennoch die Gewinne noch ein wenig laufen zu lassen. Während ich bei der einen Position die Gewinne teilweise realisiere, baue ich die neue Position bereits antizyklisch auf.

Beispiel eines Swingtrades

Am 24.06.2016 habe ich bei einem DAX-Stand von 9.550 Punkten 6.600€ DAX-Long investiert und noch am selben Tag bei 9.650 Punkten die Hälfte der Position mit 5% Gewinn wieder realisiert, um daraufhin am 27.06.2016 bei 9.250 Punkten wieder 1.030€ zu investieren. Mit einem weiteren Einkauf über 700€ am 05.07.2016 stand die Position bei 5.300€.

Am 11.07., 12.07., 14.07. und 18.07. dann habe ich diese Position schrittweise mit 11, 14, 16 und 18% Gewinn aufgelöst, um bereits am 14.07. wieder eine erste Short-Position über 300€ bei 10.060 Punkten aufzusetzen. Die EMA200 stand über diese Phase zwischen 10.100 und 10.200 Punkten.

Dies ist das Hin und Her des Swingtradings. Nun habe ich natürlich ein ganz besonders aktive Phase ausgesucht, bei welcher täglich mehrfach gehandelt wurde.

Beispielsweise habe ich am 03.01., 06.01., 10.01. und 12.01.2017 bei einem DAX-Stand zwischen 11.500 und 11.600 Punkten die noch im November und Dezember bei 10.500 bis 10.700 Punkten eingekauften (18.11.2016, 01. und 02.12.2016) Positionen mit 20 bis 22% wieder aufgelöst. Gleichzeitig baue ich seit dem 12.12.2016 bereits wieder die Short-Position des DAX auf. Hierbei kaufe ich etwa alle 200 Punkte nach.

by Jan 21, 2017 Keine Kommentare
Das eigene Trading auswerten – Excel Tabelle für 2017

Das eigene Trading auswerten – Excel Tabelle für 2017

JH

Liebe Leser, ich hoffe ihr hattet eine schöne Weihnachtszeit und wünsche Euch auf diesem Weg schon einmal einen guten Rutsch in das nächste Jahr. 2017 steht vor der Tür. Und nach einem kurzen Blick nach hinten gilt es sich auf das kommende Börsenjahr zu konzentrieren.

Ich habe 2016 einige Daten meines Handels mit einer einfachen Excel-Tabelle dokumentiert und analysiert. Diese Datei habe ich nun weiterentwickelt und möchte Euch diese zur Verfügung stellen.

Eventuell hilft dir diese Ecxel ja weiter. Oder es sind ein paar Anregungen für deine bestehende Datei dabei. Ich bin kein Excel-Profi, sehr freuen würde ich mich auch darüber, wenn sich jemand mit mehr Talent dieser Datei annimmt, sie weiterentwickelt und der Gemeinschaft wieder zur Verfügung stellt.

Hier klicken und die Excel-Tabelle kostenlos runterladen

Um meine Gedanken zu verdeutlichen hatte ich ein Video erstellt, welches jedoch das Upload-Limit meines Blogs überschreitet. Deswegen möchte ich dir einige Hinweise via Screenshots übermitteln. Für Fragen, Erklärungen und Diskussion stehe ich natürlich zur Verfügung – kontaktier mich einfach.

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by Dez 28, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Gastartikel

Dies ist einer meiner letzten Artikel der Börsenpsychologie-Reihe. Ich möchte in diesem Beitrag kurz zusammenfassen, was in den fünf vorherigen Artikel dargestellt wurde, um dann auf die heutige Thematik der Charakterbildung einzugehen.

Bisher haben wir erarbeitet, dass die Börse vor Allem auf Psychologie basiert. Alles dreht sich um die Bewertung von Werten. Bei eben jener Bewertung in einem komplexen und schnelllebigen Umfeld unter Zeitdruck und ohne ausreichend Zugang zu vollständigen Informationen kommen schnell Emotionen auf. Der einzelne Trader und die Masse verhalten sich psychologisch erwartbar, aber oftmals irrational. An der Börse kommt es stetig zu Über- oder Unterbewertungen. Dies ist eine Folge der psychologischen Einflüsse. Noch immer bestimmen Menschen den Handel.

Daraufhin sind wir diverse psychologische Studien, Erkenntnisse und Definitionen durchgegangen. Was eine mentale Buchführung, der Kontrast-Effekt oder die Muster-Illusion? Wir haben uns, teils trocken und zäh, durch die Vorgänge gearbeitet, um ein benötigtes Grundwissen zu erarbeiten.

Nun möchte ich in diesem und den kommenden Beiträgen in die praktische Seite der Börsenpsychologie wechseln. Was passiert mit uns? Wie sollten wir uns verhalten? Wie erkennen wir psychologische Einflüsse am Markt?

 

Du tradest nicht den Markt, sondern deinen Charakter

Ist es überhaupt möglich den Markt zu handeln? Kann jeder von uns einen Hebel umlegen und sein Trading-Verhalten innerhalb von Minuten und einigen Stunden anpassen? Ich denke nicht. Denn unser Verhalten ist geprägt durch uns und nicht durch den Markt. Sind wir selbst risikoscheu, dann werden wir in volatilen und chaotischen Phasen nicht anfangen zu spekulieren und nach Chancen zu suchen. Jeder hat eine andere Vorliebe – für die einen ist es beispielsweise die Trend-Folge, für die anderen wiederum das antizyklische Investment.

Eventuell kann man dies mit einer Sportart, beispielsweise Fußball, vergleichen: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein. Andersrum wäre auch komisch: Das Spiel bestimmt deine Fähigkeiten?

Als Trader ist es dementsprechend, wie auch bereits in vorherigen Artikeln betont, äußerst wichtig sich selbst zu beobachten. Die meisten Fehler machst du selbst. Wenn du deine Rendite, dein maximal Drawdown oder andere Werte deines Tradings verbessern möchtest, dann fang bei dir an. Du kannst die richtigen Stellschrauben bewegen. Es fängt bei dir an und es endet bei dir. Bei deinem Tanz mit dem Markt führt dieser dich. Er gibt Ton, Takt, Tanz, Geschwindigkeit und Richtung an. Doch es liegt an dir wie du diesen Tanz gestaltest: stolperst du? Fällst du? Oder tanzt du den Markt elegant aus und kannst auch die ein oder andere Figur einbauen?

 

Trading bedeutet Charakterbildung

Um nun die Beispiele Fußball und Tanz zu verbinden: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein, doch ganz das Spiel als einzelner nicht lenken. Der Markt führt und zwingt dir das Spiel auf. Geschwindigkeit und Richtung kannst du nicht beeinflussen. Wenn du nun jedoch wenige Fähigkeiten besitzt und beispielsweise nur als Stürmer spielen und nur mit dem rechten Fuß schießen kannst, dann wirst in vielen Spielen schlecht aussehen.

Trading ist Training, Entwicklung und Charakterbildung. Im richtigen Moment musst du das Spiel des Marktes lesen und verstehen können und auch Mal mit dem linken Spann abziehen. Wenn du dich im wilden und schwindelerregenden Tanz nur rechtsrum drehen kannst wirst du bei einer linksgerichteten Drehbewegung sofort ins Stolpern geraten.

Deine Fähigkeiten sind entscheidend und nie gut genug. Dein Vorgehen (Taktik/Set Up) muss genau so stimmen, wie deine Fähigkeiten den Markt zu verstehen (Psychologie, Chart-Technik, Kennzahlen, …) und richtig einzuordnen. Doch es bringt dir wenig, wenn du den Markt verstehst aber nicht handeln kannst. Als Händler solltest du dich auch in der Mathematik, Risiko- und Moneymanagement, verschiedene Handels-Formen, Branchen und zahlreiche weitere Dinge aneignen. Am Ende des Tages musst du fallende Märkte genauso wie steigende handeln können. Kannst du denn mit beiden Füßen schießen?

 

Deine Entwicklung ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs

Die Entwicklung als Trader zieht erfolgreichere und erfolglosere Phasen mit sich. Du wirst Hochs und Tiefs erleben. Fehler gehören genauso dazu, wie auch Erfolge. Neben dem Wissen bist eben du, der den Handel macht.

Fehler und Tiefs können Ängste auslösen. Schönreden oder Meiden sind große Fehler. Wer vom 10-Meter-Trump springt und auf dem Rücken landet sollte sofort erneut springen. Ansonsten setzt sich die Angst davor fest. Auch du solltest Fehler nicht persönlich nehmen, sondern diese als Ansporn und Basis des Lernens verstehen. Analysiere deinen Trade und finde das Problem.

Andersrum ist Hochmut der beste Weg zu fallen. Wer eine Leiter hoch hinaufsteigt kann eben auch wesentlich tiefer fallen. Erfolg fällt einem nicht zu. An der Börse gibt es glückliche Momente, doch auch hier ist die meiste Rendite harte Arbeit. Wer zufrieden ist mit seinem Trading, sich als erfolgreich wahrnimmt, der vergisst, dass der Erfolg nicht ewig anhalten wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Gerade in erfolgreichen Phasen sollte man sich konzentrieren und den Blick nicht vernebeln lassen. Woher kommt der Erfolg? Wie habe ich ich generiert? Was muss ich anders machen, um weiterhin Erfolg zu haben?

Eines der schwierigsten Dinge ist den eigenen Erfolg zu hinterfragen und etwas zu verändern. Es ist ein gutes Gefühl erfolgreich zu sein. Diesen dann zu kritisieren fällt den meisten Menschen schwer. Den bisherigen Weg, welcher den Erfolg brachte, zu verändern, machen tatsächlich die wenigsten. Hier kann man durchaus das Wort Charakterstärke nutzen.

Börse bedeutet Lernen. Börse bedeutet Entwicklung. Börse bedeutet Charakterbildung.

Trader müssen sich entwickeln, hinterfragen und formen. Es gibt wenige Berufe in denen es derart wichtig ist sich selbst eine Entwicklung zuzutrauen. Niemals darf man selbstgefällig wiederholen, was man immer tut. Man muss sich stets verändern und neu ausrichten. Das kostet Zeit und Kraft. Aber wer konzentriert an dieses beiden Fähigkeiten arbeitet und sich stets darin schult besser zu werden, wird besser als die meisten sein: Du musst den Markt lesen und mit verschiedenste Szenarien handeln können.

by Dez 17, 2016 Keine Kommentare
Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

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Analysten orientieren sich am Gewinn je Aktie, Anleger meistens an Kennziffern, wie dem KGV oder der Dividenden-Rendite, und Banken an der EK-Quote eines Unternehmens. Doch Unternehmen haben einen massiven Spielraum, wie sie ihre Bilanzen verändern, aufbessern und manipulieren können. Und das ganz legal. Ich möchte dir die gängigsten und einflussreichsten Tricks aufzeigen. Selbst geübte Analysten haben teils Schwierigkeiten die Wahrheit in den komplexen und komplizierten Berichten von Großkonzernen herauszulesen. Eine halbe Armee aus Betriebswirten und Juristen beschäftigt sich damit unschöne Wahrheiten und Zahlen in einem Gewirr aus Berechnungen und Bezeichnungen zu verstecken. Doch ein waches und kritisches Auge sollte man immer haben, wenn man Bilanzen, Finanzdaten und Kennzahlen liest und analysiert. Was einem die Konzerne vorsetzen ist definitiv nicht immer genießbar!

 

Pensionsverpflichtungen verschieben

Pensionsverpflichtungen belasten das Eigenkapital, da sie als Fremdkapital bzw. Schuld gegenüber anderen in der Bilanz geführt werden. Mittlerweile lagern die meisten Unternehmen diese Rückstellungen für Pensionsaufwendungen in so genannte Contractual Trust Arrangements (CTA) aus. Diese vom Unternehmen gegründete Penionstreuhand ist mit einem Pensionsfond vergleichbar. Das Unternehmen kann nun Pensionsrückstellungen auszahlen. Gewinn wird in das CTA eingezahlt, welches das Geld verwaltet, anlegt und die Pensionskosten trägt. In der Bilanz des Unternehmens tauchen dann nur noch die nicht ausgezahlten Pensionsrückstellungen auf. Beispielsweise parkt Evonik derzeit (Stand 2015) 8,7 Milliarden Euro außerhalb der Bilanz. Lediglich 3,4 Milliarden nicht ausfinanzierte Pensionsrückstellungen stehen in der Bilanz.

 

Unrentable Bereiche auslagern

Was die Bilanz runterzieht muss weg. Am liebsten werden diese Bereiche dann als Tochtergesellschaft ausgelagert und nicht mehr in die Bilanz einbezogen. So lagern derzeit RWE und EoN ihr Kerngeschäft aus. Die Sparten Kohle & Gas werden in Tochtergesellschaften abgespalten. Übrig bleiben sollen die grünen, sauberen und gewinnbringenden Bereiche des Unternehmens als neue Hauptfelder. Aus den Augen aus dem Sinn? Vielleicht. Was Anleger dann aber schnell übersehen: die verlustbringenden und überschuldeten Unternehmensbereiche sind weiterhin risikoreich, denn die Muttergesellschaft haftet weiterhin für die Schulden und Kosten. Zumeist bleiben beide Konzerne anfangs verbunden und trennen sich erst nach und nach. Wie beispielweise Bayer anfangs über 30% an der ausgelagerten Kunststoff-Sparte Covestro hielt und dies Schritt für Schritt mit Teilverkäufen reduziert.

 

Firmenwerte verkaufen

Steigen die Sorgen um die Zahlungssicherheit dann verkaufen Unternehmen gerne ihre Immobilien und mieten sie sofort darauf zurück (sale-and-lease-back). Der Effekt ist klar: Es kommt sehr viel Geld bzw. Liquidität in das Unternehmen und die Bilanz sieht wieder liquide und gut aus. Das zuvor gebundene Kapital ist wieder liquide. Der Nachteil ist jedoch, dass man dies nicht zu oft machen kann und die Mietkosten daraufhin den Gewinn belasten. Auch können Mietkosten nun steigen. Thomas Middelhoff konnte die Immobilien von Arcandor beispielsweise für stolze 4,5 Milliarden verkaufen und das Unternehmen war daraufhin quasi schuldenfrei. Genützt hat dies Nichts, denn die steigenden Mitkosten führten das Unternehmen schlussendlich in die Pleite.

 

Kitchen-Sinking

Um den eigenen Job und den Aktienkurs zu retten verschleiern Chefs die Kosten, verschieben Aufwendungen und drücken Abschreibungen. Ewig können diese Lasten nicht verschoben werden. Übernimmt dann ein neuer Chef die Leitung des meist angeschlagenen Konzerns ist zu erkennen, dass diese im ersten Jahr hohe Verluste machen. Bewusst! Denn der neue Chef räumt in der Bilanz auf und deckt alle Schummeleien auf und bereinigt die Bilanz. Verwendet wird für dieses Verhalten der Fachbegriff “Kitchen-Sinking”. Der neue Chef nutzt die erste Phase seiner Amtszeit, um die Altlasten seines Vorgängers aufzuräumen. So machte beispielsweise auch die Deutsche Bank unter John Cryan schnell mehrere historisch hohe Quartalsverluste. Ist der Chef dann länger im Amt, so fällt jedes Quartalsergebnis in seine Verantwortung. Nun fängt er an Verluste zu vermeiden und schleppt Probleme mit sich. Bis ein neuer Chef das Amt übernimmt und erneut aufräumt …

Anleger können sich merken, dass nach dem Amtsantritt neuer CEOs möglicherweise überraschend schlechte Quartalsergebnisse drohen.

 

Kosten wegrechnen

Lagert ein Unternehmen einen unrentablen Bereich nicht aus, so versteckt es trotzdem gern die Kosten. Die Commerzbank beispielsweise präsentiert meist stolz die Rendite der Kernbank, welche doppelt so hoch ist wie die der Gesamt-Bank. Den Markt kann man so hervorragend blenden und von den Erfolgen sprechen. Diese Angaben hoher Renditen sind zwar richtig, aber zeigen nicht das ganze Bild des gesamten Konzerns. Bilanzen kann man stets so drehen und präsentieren, dass alles halb so wild bzw. auch gut aussieht.

 

Kennziffern erfinden

Es gibt zwar vorgeschriebene Formen, wie eine Bilanz auszusehen hat. Doch während ein Unternehmen eine Mindest-Anzahl von Angaben leisten muss, so gibt es nach oben hinaus keine Grenze. Es gibt keine maximale Grenze an Angaben oder eine vorgeschriebene nutzbare Anzahl an Kennziffern. Unternehmen sind daraus resultierend erfinderisch mit den Kennziffern und Bezeichnungen. Seit ungefähr 10 Jahren ist das Ebitda populär. Dies ist der Gewinn ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Unternehmen mit hoher Steuerlast und misslungenen Zukäufen präsentieren also lieber das Ebitda, welches die schlimme Bilanz verschönert. Große Kostenpunkte werden nicht beachtet. Auch sprechen die Unternehmen von Gewinnen der Segmente, Bereiche, von nachhaltigen Gewinnen oder bereinigten. Jeder erfindet neue Namen für neue Kennziffern. Analysten und Anleger können nur schwerlich die Übersicht behalten und müssen meist die vorgesetzten Zahlen der Unternehmen einfach hinnehmen. Immer wieder werden hierbei neue Kennzahlen erfunden.

Weitere Tricks, wie Unternehmen den eigenen Aktienkurs treiben, beschönigen und/oder manipulieren können (legal!!) habe ich hier beschrieben.

 

Goodwill

Kauft ein Unternehmen ein anderes teurer ein, als dieses laut Bilanz wert ist, dann ist die Differenz dessen der Goodwill. Siemens kaufte beispielsweise das Unternehmen Dresser-Rand (Bilanzieller Wert: 2 Milliarden Euro) für 6 Milliarden Euro zu. Siemens konnte daraufhin nicht nur das zugekaufte Unternehmen mit 2 Milliarden Euro in der Bilanz führen, sondern auch die vier Milliarden Euro Goodwill wurden in der Bilanz verbucht. Zwar wird diese Summe Jahr für Jahr überpüft, basiert diese Überprüfung jedoch auf der Einschätzung des Managements. Der Goodwill ist nicht an realwirtschaftliche Bedingungen oder Prüfungen gebunden. Siemens könnte ein Jahr später den Goodwill auf 5 Milliarden erhöhen oder auch senken. Je nachdem, wie man es für die jeweilige Bilanz für die Anleger benötigt. Das Problem: Ewig kann man das nicht machen. Irgendwann ist auch den Finanzprüfern klar, dass das gekaufte Unternehmen nicht das Wert ist, als was es taxiert wird vom Unternehmen. Daraufhin folgen meist schmerzhafte und milliardenschwere Abschreibungen. Der Goodwill (also diese aus der Luft gegriffene Fantasie-Bewertung des Managements) muss korrigiert werden.

 

Eigenkapital aufplustern

VW nutze den Goodwill bei der Übernahme von Porsche aus. Für 4 Milliarden Euro erwarb VW 50% von Porsche plus der Option weitere 50% des Konzern für weitere 4 Milliarden Euro kaufen zu dürfen. In der Folge gab VW bewusst äußerst positive Erwartungen für Porsche raus und steigerte den Goodwill der eigenen Anteile kräftig. Als VW dann die Option zog und die zweiten 50% für 4 Milliarden erwarb, wurde jedoch auch der Goodwill angepasst bzw. ausgeweitet. Durch diese Spielereien der Bewertung und Aussichten des Managements konnte VW trotz der “lediglich” überwiesenen 8,4 Milliarden für Porsche 27 Milliarden Euro in seiner Bilanz verbuchen. Allein basierend auf überzogenen Bewertungen/Aussichten wurden 19 Milliarden Euro Goodwill erstellt und verbucht. Werte, welche es so eigentlich nicht gibt und VW auch eigentlich nicht zur Verfügung standen und doch in das Eigenkapital einflossen. Im Jahr 2012 fuhr Volkswagen dann auch mit 22 Milliarden Euro den größten Unternehmens-Gewinn der deutschen Geschichte ein. Ein Schelm wer böses denkt …

 

Abschreibungen strecken

Abschreibungen schmälern den Gewinn. Vor dem Finanzamt werden Abschreibungen also besonders hoch angesetzt, denn weniger Gewinn bedeutet weniger Steuern. Vor dem Markt, Banken und Anlegern soll jedoch der Gewinn glänzen. Und so kann man beispielsweise Spielräume bei der Abschreibung nutzen und Wertgegenstände nicht in 8 sondern in 10 Jahren abschreiben. Die jährliche Belastung des Gewinns sinkt. Der Gewinn steigt. Die Anleger freuen sich, obwohl der Gewinn eigentlich nicht gestiegen ist. Die Kosten wurden nur verteilt und umgerechnet.

 

Sondereffekte verschweigen

Sondereffekte sind Einnahmen und Ausgaben, welche Unternehmen erzielen, obwohl diese nicht zum organischen Geschäft gehören. Wenn ein Bäcker-Meister und Bäckerei-Besitzer seinen Firmenwagen verkauft, dann macht er in diesem Jahr vielleicht einen besonders hohen Gewinn. Dies ist aber lediglich dem Sondereffekt des Autoverkaufs zu verdanken. Nicht dem (organischen) Kerngeschäft der Bäckerei. Die Einnahmen der Bäckerei sind eventuell sogar gesunken. Diesen Spielraum nutzen Unternehmen gerne aus. Vor Allem werden die Effekte von Übernahmen verschwiegen bzw. nur im Kleingedruckten beschrieben. Wachsen Unternehmen kaum noch organisch, dann kaufen sie verstärkt Unternehmen zu, um weiter zu wachsen. So rühmte sich Allergan beispielsweise mit 74% Umsatzwachstum. Was die Anleger nicht wussten oder vergaßen nachzuschauen: Das Wachstum war fast auschließlich auf eine Fusion mit Actavis zurückzuführen. Organisch wuchsen beide Unternehmen tatsächlich nur 3%. Das hätte den Anlegern sicherlich nicht gefallen.

by Nov 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

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Wie wir bereits aus den bisherigen Artikeln der Börsen-Psychologie-Reihe mitnehmen konnten gibt es an allen Ecken und Enden Stolperfallen und Hindernisse an der Börse. Entweder ist es die Mathematik, die Psychologie, der Trader selbst oder der Markt generell, welche einem einen Strich durch die Rechnung machen. Fehler machen gehört dazu – doch ärgerlich sind die persönlichen Missgeschicke. Immer wieder ärgert man sich über sich selbst. Welche trader-bezogenen Anomalien gilt es zu beachten?

 

Sektoren-Verliebtheit

Die Verliebtheit ist ein generelles Problem an der Börse. Aus dem privaten Bereich kennen wir das Phänomen der „rosaroten Brille“. Hierbei hindert uns der durch die Verliebtheit verschwommen und beschönigende Blick daran sachlich zu denken und Probleme zu erkennen. Im privaten wird die Person und Situation nicht ausreichend hinterfragt. An der Börse beachtet ein in einen Wert oder Sektor verliebter Trader die Contra-Argumente und Gefahren zu wenig und beschönigt sich die Situation. Er erkennt den drohenden Verlust nicht.

Die Sektoren-Verliebtheit tritt bei ungeübten Anlegern auf. Die meisten von uns sollten betroffen sein. Unbewusst werden diverse Sektoren überbewertet, zu denen man eine emotionale Bindung hat. Zumeist basiert diese auf dem eigenen Beruf. So gewichten Banker selbst bei ihrer Anlageform Banken-Werte über, Mitarbeiter von Automobil-Konzernen die der Automobil-Branche und so weiter. Der Trugschluss mehr über eine Branche zu wissen, weil man in dieser arbeitet führt oftmals zu ungewollt hohen Verlusten. Auch bestraft man sich schnell doppelt, sollte ein Sektor in Probleme geraten, so verliert man im schlimmsten Fall seinen Job und viel Geld durch die Übergewichtung im Depot.

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Heimattreue

Ähnlich wie diverse Sektoren unterbewusst übergewichtet werden, so besteht auch eine emotionale und depot-basierte Bindung an die Heimat. So machen deutsche Unternehmen nur zwischen 4 und 6% aller an den Börsen weltweit gelisteten Unternehmen aus. Umfragen ergaben jedoch, dass eben jene Unternehmen bei deutschen Anlegern oftmals mindestens 1/3 der Depotsumme in Anspruch nehmen. So auch in anderen Ländern zu beobachten. Erneut gilt der Grundsatz, dass die Gefahr besteht sich doppelt zu bestrafen: rutscht die Heimat in eine konjunkturelle Rezession, so verliert man ebenfalls überproportional stark bei seinen Anlagen. Die Diversifikation sollte auch das Verteilen der eigenen Anlagesumme auf verschiedene Länder und Kontinente enthalten.

 

Harmonie-Streben

Wie in den letzten Artikeln bezüglich der Status-Quo-Anhänglichkeit beschrieben tun wir uns schwer mit Entscheidungen. Wir stehen nicht gerne im Konflikt mit anderen Personen, mit Problemen/Situationen oder mit uns selbst. Vor uns selbst können wir nicht weglaufen oder uns aus dem Weg gehen. Eine Kaufentscheidung bewegt uns tagelang. Wir grübeln und denken, denn der Kauf bedeutet, dass man andere möglich bessere Alternativen nicht kaufen wird. Haben wir uns dann entschieden, dann entwickeln wir schnell eine emotionale Bindung zu diesem erworbenen Wert. Die neue Position ist das Resultat einer Entscheidung. Unser „Baby“ sozusagen. Und wir stehen zu unserem Baby in guten wie auch in (leider) schlechten Zeiten. Wir schauen über Buch-Verluste hinweg, da diese ja nur theoretisch sind. Wir beschönigen die Situation und vieles mehr. Diese Komponenten haben wir bereits kennengelernt in den letzten Ausführungen. Hinzukommt: Wie in der Liebe klammern wir negative Anzeichen aus. Wir wollen sie nicht sehen. Wir haben einen emotional besessenen Blick auf unsere Position. Wir halten zu lange, laufen weit in die Verluste und vergeben die Möglichkeit frühzeitig mit kleinen Verlusten zu verkaufen und diese mit einer besseren Alternative wieder zu erwirtschaften. Verliebtheit ist für Trader eine verlustbringende Falle.

 

Chancenfixierung

Eine Aktie A hat das Potential in den kommenden 12 Monaten um 40% zu steigen. Eine Aktie B das Potential für 15%. Wir wissen, dass sich die meisten Anleger für Aktie A entscheiden würden. Anleger sind auf Chancen aus. Man sucht nach der meistmöglichen Rendite. Man möchte den anderen beweisen, dass man besonders clever und gut ist. Das Problem dessen ist, dass Aktie A neben der höheren möglichen Rendite meist auch mehr Risiken mit sich bringt. Die Rendite ist entsprechend dem Risiko höher. Chancenfixierte Trader suchen nach Möglichkeiten und ihrem lucky trade. Sie greifen in fallende Messer und kaufen sich unreflektiert in volatile Märkte ein auf der Suche nach dem ganz großen Geld. Doch auch die Verluste können bei diesem Verhalten wesentlich größer ausfallen. Ist uns die höhere mögliche Rendite das Risiko eigentlich wert? Und muss es der große Wurf sein oder genügt nicht eine risikoärmere Anlageform, welche sich in den kommenden 5 bis 10 Jahren kräftig auszahlen wird? Handelst du um dein Ego zu bedienen oder geht es dir um die clevere Geldanlage? Chancenfixierung bedeutet für die meisten Trader drohender Verlust!

 

Ohne Plan am Markt

Die vielen bereits erarbeiteten psychologischen Einflüsse und Emotionen muss ein Anleger im Griff haben. Arbeitet er ohne Plan, Ziel und Struktur, dann ist er ein gefundenes Fressen für Fehler durch irrationales Verhalten. Grenzen nach oben und unten, Pläne und Strategien sind wichtig, um kontrolliert und nicht affekt-getrieben vorzugehen.

Außerdem sollten wir uns an meinen Hinweis in einem der vorherigen Artikel erinnern: Es liegt in der Psychologie des Menschen zu denken, dass alle anderen von etwas betroffen sind, aber man selbst nicht. Auch du bist höchstwahrscheinlich „Opfer“ einer dieser Anomalien und psychologischen Fallen. Rollst du dich in Watte und weist Verantwortung Schuld von dir, so entwickelst du dich nicht weiter. Analysiere dich selbst: was hast du im Depot übergewichtet? Warum? Besteht Verliebtheit? Wie ist dein Risiko-Management aufgestellt – wie oft handelst du Chancen anstelle Werte? Wir machen viele Fehler und können immer wieder an uns selbst als Trader arbeiten.

In meinem nächsten Artikel in 14 Tagen möchte ich dann auf die Charakterbildung eines Traders eingehen. Wir haben nun viel über Psychologie, Theorien, Systeme und Fallen gelesen. Doch wie sollte ein Trader vorgehen, um sich selbst zu schulen und sein Verhalten zu optimieren?

by Nov 18, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

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Schon der große André Kostolany stellte fest, dass die Börse gerade Mal zu 10% auf Fakten reagiere, alles andere sei Psychologie. Wer die bereits veröffentlichten drei Beiträge dieser Börsenpsychologie-Reihe gelesen hat, wird diese Aussage durchaus unterschreiben. Psychologie ist der Schlüssel zum Erfolg für Trader. Selbst Charttechnik (bildet Verhaltensmuster ab) und Fundamentalanalyse (Bewertung mit fundamentalen Daten) basieren auf psychologischen Aspekten. Nun möchte ich mit dir tiefer in die Materie der Börsenpsychologie eintauchen. In diesem Beitrag wird es um kognitive Verzerrungen gehen.

Kognitionsproblem ist ein Sammelbegriff für zahlreiche psychologisch fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Diese vier Begriffe lassen sich auch als kognitive Prozesse zusammenfassen. Kommt es zu irrationalen Ausprägungen, so sprechen wir von kognitiven Verzerrungen. Wir selbst bemerken diese Vorfälle meist nicht und lassen uns unbewusst in die psychologische Falle locken. Viele kognitive Probleme basieren auf der kognitiven Heuristik, welche besonders für Trader ein Problem bzw. einen wichtigen Aspekt darstellt.

Hä … was? Heuristik? Die Prospekttheorie der Heuristik hatte ich bereits im zweiten Beitrag dieser Themen-Reihe erklärt. Hier kannst du diesen Artikel lesen. Als kurze Wiederholung: Bei der Heuristik handelt es sich um das menschliche Verhalten in Situationen mit begrenztem Wissen und wenig Zeit eine anwendbare Lösung zu finden. Auch Trader verfügen nie über ausreichend Informationen und müssen doch unter hohem Zeitdruck handeln. Die Anomalien und Verzerrungen, welche aus diesem Einfluss auf unsere Psyche entstehen, sind gewaltig.

Warum ist es wichtig, kognitive Verzerrungen zu kennen? Ich möchte doch handeln, Kurse analysieren und Gewinne machen. Wieso soll ich mich psychologischen Fehlfunktionen bei Menschen beschäftigen? Wer Menschen versteht, der versteht die Börse. Kurse sind ein Abbild menschlichen Handelns. Und das auch noch in Zeiten zunehmender Automatisierung. Wer versteht, wie sich Menschen in gewissen Situationen verhalten könnten, versteht weitaus mehr von der Börse als die meisten.

 

Übersicht der kognitiven Verzerrungen

Ich möchte im Folgenden auf eine Vielzahl von Verzerrungen eingehen. Ich bin mir sicher, dass du dich bei zahlreichen dieser wiederfinden wirst. Kannst du dir diese merken und traust du dich stets zu hinterfragen? Wer seine unbewussten Fehler bewusst erkennt bzw. erahnt oder ein Gefühl entwickelt, wann die eigene Psyche zu Verzerrungen neigt, wird selbst deutlich rationaler und sachlicher agieren.

Trading bedeutet in erster Linie sich selbst kennenzulernen und mit sich selbst zu arbeiten. Die meisten Fehler begeht man selbst und man selbst ist in der Rolle Aktien und Situationen bewerten und Handelsentscheidungen treffen zu müssen. Wir tun dies durchaus nicht nüchtern, sondern sind hierbei menschlich anfällig für Fehler. Unsere Psyche, vor allem das Unterbewusstsein, üben hier immer wieder großen Einfluss aus.

Bevor du die Möglichkeit hast, dir die zahlreichen kurzen Definitionen anzuschauen, möchte ich dein Interesse mit der ersten und aus meiner Sicht wichtigsten kognitiven Verzerrung anregen: Der Ankereffekt oder auch achoring effect. Hierbei lassen sich Anleger durch eine unbewusste Information in ihrer Entscheidung beeinflussen. Diese Information verzerrt die eigene Wahrnehmung. Beispielsweise wurden Personen in einem Naturkundemuseum befragt, wie viel Geld sie bereit wären für die Rettung von Vögeln einer Ölpest zu spenden. Die Entscheidungsfindung wurde bei einigen Gruppen mit dem Anker 5 und anderen mit dem Anker 400 beeinflusst. Der Anker wurde in Fragen wie „Wären Sie bereit 5$ zu spenden?“ versteckt. Zu erkennen war, dass die erste Gruppe im Durchschnitt 20$ angab und die zweite Gruppe 143$ bereit war zu geben. Beide Gruppen waren in ihrer Entscheidungsfindung unbewusst an den Anker gebunden. Am Kapitalmarkt können das die eigenen Aussagen sein. Hat man sie einmal gemacht, dann sind sie der Anker in allen Überlegungen. Aber auch Aussagen anderer Personen können zum Anker werden, selbst wenn sie nicht mehr oder weniger Wissen als wir besitzen. Wir erleben diese Anker immer wieder in der Berichtsaison, wenn Analysten die Erwartungen definieren. Ob ein Unternehmen nun den Umsatz um 40 oder 35% steigert, ist in den meisten Fällen unwichtig. Beides stellt durchaus sehr gute Werte dar. Doch wenn die Erwartung des Marktes bei 40% verankert ist, wird ein Wachstum um 35% oftmals mit Verkaufswellen bestraft. Unter den Erwartungen. Schlecht. Der Anker findet sich an der Börse in allen Bereichen. Überall werden Erwartungen und Faustregeln definiert. So gilt ein KGV von 30 weithin als sehr schlecht und eines von unter 10 als sehr gut. Doch so pauschal kann man dies eigentlich nicht sagen. Der Anker ist für die meisten dennoch im Geiste verankert. Anleger sollten sich jederzeit bewusst machen, wo die Anker liegen und hinterfragen, ob sie selbst in ihrer Entscheidungsfindung durch einen solchen beeinflusst wurden.

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Quelle: https://www.facebook.com/onvista/photos/a.159050399636.114099.126427804636/10154729000154637/?type=3&theater

 

 

Attributionsfehler

Attributionsfehler

Bei dieser auch Korrespondenzverzerrung genannten Verzerrung handelt es sich um das Ereignis, dass Menschen einem Problem häufig Charaktereigenschaften zu Grunde legen und überbewerten, sowie den Einfluss externer Faktoren unterschätzen. Beispiel: „Er handelt so, weil er Ausländer ist“.

Bestätigungsfehler

Bestätigungsfehler

Sich selbst zu hinterfragen, den Status Quo zu kritisieren und einen bestehenden Standpunkt zu verlassen, ist psychologisch eine der unangenehmsten Dinge, welche es für Menschen gibt. Aus diesem Grund tritt häufig der Fehler auf, dass Informationen so ausgelegt und interpretiert werden, dass sie in die eigene Sichtweise passen. Dieses Phänomen tritt an der Börse meist in Kombination mit der „Wertverliebheit“ auf, bei der sich Anleger die Informationen für einen Wert so manipulieren, dass dieser immer positiv wirkt. Doch ist sich selbst zu belügen der richtige Weg?

Überzeugungsbias

Überzeugungsbias

Menschen tendieren dazu glaubwürdigen Schlussfolgerungen zu folgen, auch wenn diese falsch sind.

Bias Bling Spot

Bias Bling Spot

Forscher erkannten das Phänomen, dass Menschen sich selbst meist als unbeeinflusst halten. Alle sind falsch informiert und manipuliert – nur ich nicht? Dies erkennen wir aktuell bei Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern, welche meinen, dass nur sie die eigentliche Wahrheit erkannt haben. Dies ist eine kognitive Verzerrung der Realität.

Default Effekt

Default Effekt

Menschen tendieren zu der Option, welche zutrifft, obwohl sie sich selbst für keine Option entschieden haben. An der Börse tendieren Anleger zu solchen Werten, welche gut laufen, mit der Meinung das doch geahnt zu haben, obwohl sie selbst nicht investiert sind. Hierbei wird das Selbstwertgefühl gesteigert – man hat zwar nichts getan, aber schreibt sich dennoch einen Erfolg zu.

Déformation professionnelle

Déformation professionnelle

Typische Verhaltensweisen aus dem eigenen Beruf überträgt der Mensch gerne auch auf andere Bereiche, obwohl dies so nicht immer funktioniert. Er geht davon aus, dass sein professioneller Weg immer der richtige Weg sei.

Dunning-Kruger-Effekt

Dunning-Kruger-Effekt

Hierbei handelt es sich um das Phänomen, dass inkompetente Menschen sich selbst oft stark überschätzen und andere Menschen unterschätzen. Die eigene Inkompetenz, welche man sich selbst nicht eingestehen will, wird durch eine eigene irrationale Aufwertung und die Abwertung der Umgebung vermieden.

Halo Effekt

Halo Effekt

Für die Börse weniger von Bedeutung, aber dennoch interessant: Oft schließen Menschen von den bei einer anderen Person bekannten Eigenschaften auf unbekannte.

Kontrasteffekt

Kontrasteffekt

Für die Börse ungemein wichtig! Eine Information, welche isoliert mittelmäßig bewertet werden würde, wird positiver bewertet, wenn eine negative Information (der Kontrast) vorrangeht. Kennen Sie nicht auch den Spruch „Erst die gute oder schlechte Nachricht?“ und wählen Sie nicht immer erst die schlechte, um dann die gute im Kontrast noch besser zu sehen? Unbewusst! Unternehmen machen sich dies bei der Berichterstattung zu Nutze. Börse basiert auch auf Informationen. Doch die Darstellung dieser bewirkt auch viel.

Kontrollillusion

Kontrollillusion

Unter Kontrollillusion versteht man die falsche Annahme auf etwas Einfluss ausüben zu können, obwohl man dazu nicht in der Lage ist.

Rückschaufehler

Rückschaufehler

Ist es nicht lästig, wenn man recht behält und der Gegenüber dann plötzlich der Meinung selbst das ja auch so argumentiert zu haben? Oft wird die eigene Aussage in der Vergangenheit verfälscht, sobald das Ergebnis in der Gegenwart bekannt ist.

Illusorische Korrelation: Dies ist wohl Alltag an der Börse. Hierbei handelt es sich um den Fehler, dass Menschen zwischen zwei Dingen einen Zusammenhang sehen, der so nicht vorhanden ist. Wie oft liest man denn nicht, dass dieses und jenes Ereignis derzeit die Kurse bewegen soll. Manchmal richtig, manchmal Illusion.

Vermessenheitsverzerrung

Vermessenheitsverzerrung

Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Das Nichtbeachten der geringeren Größe eines Problems. Hierbei wird zwei Problemen die gleiche Wichtigkeit/Einflusstärke zugeordnet und nicht ausreichend unterschieden.

Status Quo Bias

Status Quo Bias

Effekt, dass Menschen den Status Quo bevorzugt erhalten wollen, und sogar Verbesserungen ausschlagen und Nachteile in Kauf nehmen. Menschen wagen selten den (risikoreichen) Schritt den Status Quo zu verlassen, selbst wenn dieser Schritt zu einer Verbesserung dessen führen könnte.

Lake-Wobegon-Effekt

Lake-Wobegon-Effekt

Die selbstwertdienliche Verzerrung führt dazu, dass Menschen alles tun ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Sich Fehler einzugestehen können die wenigsten.

Muster-Illusion

Muster-Illusion

Die Apäphonie bezeichnet die Schizophrene Neigung Muster zu erkenne, wo keine sind. Die Clustering-Illusion geht in dieselbe Richtung und beschreibt die Situation, dass Menschen oft Mustern zu viel Bedeutung beimessen, obwohl diese statistisch zu selten/schwach vorkommen.

Emotionale Beweisführung

Emotionale Beweisführung

Das Phänomen, dass Menschen ihre emotionale Reaktion als Beweis einer Annahme anführen. Nur weil man im ersten Moment ein schlechtes Gefühl hatte ist dies nicht der Beweis, dass etwas tatsächlich schlecht ist.

Alles an der Börse besteht aus Reaktion, Bewertung und menschliches Handeln. Hierbei nehmen Trader Kursbewegungen und Informationen wahr. Da sie keine Maschinen sind agieren sie nicht rational, sondern emotional. Die Börse basiert auf Emotionen und Handlungsmustern von Massen.

Selektive Wahrnehmung

Selektive Wahrnehmung

Großen Einfluss übt dabei die selektive Wahrnehmung von Tradern aus. Darunter versteht sich auf der einen Seite das Priming (Bahnung). Hierbei handelt es darum, dass viele gleiche Reize die Wahrnehmung dieses Reizes verstärken. Wer immer wieder Verluste mit Rohstoffen gemacht hat wird in Zukunft auf jegliche, auch kleinere, Schwankungen wesentlich nervöser reagieren. Auf der anderen Seite befindet sich das Framing (Einordnen). Neben der Psychologie ist die Wahrscheinlichkeitsbestimmung mit das Wichtigste, was ein Trader beachten muss, und auch eine der Hauptursachen für Fehler und Verluste. Kann man die Wahrscheinlichkeit nicht bestimmen, so wird das Ereignis in ein Umfeld eingeordnet. Kann der Trader zum Beispiel das Risiko eines Unternehmens nicht einschätzen, so ordnet er dieses in das ihm bekannte Risiko einer Branche ein. So sieht er beispielsweise in allen Hochzinsanleihen große Risiken, obwohl es bessere und schlechtere High-Yield-Bonds gibt.

Trägheit und Ansteckung

Trägheit und Ansteckung

Menschen sind nicht nur Träge und halten am Status Quo fest und manipulieren ihre Umgebung lieber als sich einen Fehler einzugestehen. Auch lassen sie sich wahnsinnig schnell anstecken. So ahmen Trader andere Trader meist nach aus Angst davor etwas zu verpassen. Auch fanden Studien heraus, dass junge Fond-Manager meist das Verhalten der Branche nachahmen und kaum individuell Handeln, um im Falle eines Crashs nicht allein zu sein. Kaum jemand wagt es sich antizyklisch gegen einen Trend zu stemmen. So wäre er doch im schlimmsten Fall der alleine Verlierer und der geballte Hohn würde sich nur auf ihn konzentrieren anstelle sich auch eine Masse zu verteilen in der man sich wegducken kann. Ist deswegen auch der Ansatz der Trend-Folger der beliebteste und sinnvollste? Die meisten Anleger laufen dem bestehenden Trend nach. Sie lassen sich anstecken.

Mentale Buchführung

Mentale Buchführung

Auch dies ist eine gewichtige Fehlerquelle. Um die Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu haben führen wir mentale Konten. Fiktiv sortieren wir Einnahmen und Ausgaben in verschiedene Kategorien ein. Dies kann zu unserem Vorteil sein, wenn wir so die Übersicht behalten. Es kann jedoch auch zu unserem Nachteil sein und zu irrationalen Handlungen führen.

Richard Thaler erforschte dies anhand eines Experiments mit Theaterbesuchern. Eine Karte kostet 10$. Einigen Leuten, welche in der Schlange standen, sagte er, dass sie ihre schon gekaufte Theater-Karte verloren hätten und sie müssten sich eine zweite kaufen. 56% (44% waren dazu bereit) der Besucher waren dazu nicht bereit. Mental addierten sie die Kosten in einem mentalen Konto. 20$ für einen Theaterbesuch auszugeben war mehr als ihnen dieser Wert war. Einer anderen Gruppe, welche die Karten noch kaufen musste, sagte er, dass sie die 10$ im Portemonnaies leider verloren haben und die Theater-Karte nun mit EC-Karte bezahlen müssten. In diesem Fall waren lediglich 12% nicht bereit dazu. 88% der Besucher kauften sich die Theater-Karte trotzdem. In ihrem mentalen Verständnis verbuchten sie den Verlust der 10$ in einem anderen fiktiven Konto. Der Theaterbesuch kostete in ihrer Sichtweise weiterhin 10$.

Die Verlustaversion ist im ersten Fall größer. Durch die unterschiedliche mentale Buchführung fühlt die ersten Gruppe eines Verlust von 20$ und hat eine höhere Abbruchrate diesen Verlust nicht zu realisieren. Die zweite Gruppe hat einen gefühlten Verlust von nur 10$ und steht diesem weniger emotional berührt gegenüber. Auch erkennen wir das Festhalten am Status Quo. Ein Theaterbesuch kostet 10$ und ist somit auch 10$ wert. Die Besucher sind nicht dazu bereit von diesem Status abzurücken. Eine Veränderung auf 20$ wird als schlecht und zu vermeiden wahrgenommen. Die erste Gruppe scheut sich dementsprechend davor. Die zweite Gruppe verrechnet die Kosten anders und merkt eine Veränderung des Status Quo nicht.

Dies sollten Sie auch an sich selbst untersuchen. Ordnen Sie Verluste falsch ein? Akzeptieren sie Verluste an der einen Stelle, weil sie diese unbewusst mental bei „Rohstoffen“ verbuchen und andere Verluste bei „Technologie“ und sehen die Summe der Verluste nicht?

Endowment-Effekt

Endowment-Effekt

Der Endowment Effekt besagt, dass Menschen Güter, die sie besitzen, wertvoller einstufen als Güter, welche sie nicht besitzen. So kommen unterschiedliche Preise für Güter zustande, denn der Nachfrager schreibt dem Gut einen anderen Wert zu als der Anbieter.

Wir haben bereits erkannt, dass Anleger viel zu lange an Verlustpositionen festhalten. Das geschieht wegen vieler Beweggründe, aber potentiell auch durch den Endowment Effekt. Man hat die Aktie für XY Euro eingekauft. Das ist eigentlich der Wert, den man dem Gut (dem Wertpapier) selbst zuschreibt. Selbst wenn man in seiner Ansicht des Wertes nachgibt und diesen senkt wird man immer mehr für die Aktie haben wollen als der Markt geben wird. Man hält an seinem Besitz fest, weil man nicht unter der eigenen Wertvorstellung verkaufen möchte.

Geldwertillusion

Geldwertillusion

Ein großer Teil des Kapitals einer Zentralbank ist die „Glaubwürdigkeit“. Ihre Aufgabe ist es auch den Wirtschafts-Subjekten eine langfristige und glaubwürdige Aussage über die Inflation zu geben. Das ist wichtig, damit es nicht zu vorschnellen, vorsorglichen und aus Sorge getriebenen Forderungen nach Gehaltserhöhungen, zum Beispiel, kommt.

Eine mögliche „Waffe“ der Zentralbank ist jedoch die Überraschungs-Inflation. Hierbei greift die Zentralbank ein und fördert eine Inflation. Die Wirtschafts-Akteure jedoch sind weiterhin im Glauben, dass keine Änderung der Inflation aufkommt. Sie gehen davon aus, dass ihr Geld immer noch so viel Wert ist wie zuvor. Dies ist dann eine Geldwertillusion.

Reziprozität

Reziprozität

Reziprozität beschreibt das Verhalten von Individuen, die dazu bereit sind anderen altruistisch entgegenzutreten. Das bedeutet, dass man einer anderen Person uneigennützig hilft und in Kauf nimmt selbst mehr Aufwand zu haben, um dem anderen zu helfen. Hierbei geht man davon aus, dass sich dieser Aufwand lohnt und der Gegenüber einem dies an anderer Stelle zurückgibt. Geben und Nehmen. So ich dir, so du mir. Wie man in den Wald ruft so hallt es heraus. Dieses Verhalten kann so stark und auch irrational sein, dass Menschen vor Allem Personen, mit denen sie nicht verwandt sind, besonders helfend gegenüber auftreten. Warum ist das irrational? Die Wahrscheinlich die Leistung mit einer Gegenleistung vergütet zu bekommen ist weitaus niedriger. Fraglich ob man diese Person wiedertrifft.

Warum ist das für die Börse entscheidend? Auch an der Börse ist starke Reziprozität anzutreffen. Anleger handeln indirekt mit Millionen weiteren Akteuren zusammen. Das Potential enttäuscht zu werden ist groß. Kauft man beispielsweise selbst Aktien eines Wertes so geht man davon aus mit vielen anderen zusammen nun Kurssteigerungen erreichen zu wollen. Verkaufen diese anderen nun und fällt der Kurs, dann wird die eigene Leistung nicht belohnt, sondern gar bestraft. Aus der Neigung anderen uneigennützig und trotz eigener Kosten zu helfen wird dann schnell Trauer oder Rache. Emotionale fühlt sich der Anleger enttäuscht und kann im Moment der Wut versuchen gegen den Markt zu handeln (Rache).

Bauchgefühl

Bauchgefühl

Die Intuition ist eine grundlegende Art der Wahrnehmung. Hierbei wird ohne bewusstes Denken die Gesamtheit aller Fakten und Faktoren erfasst und mit bekannten vergangenen Erfahrungen verglichen. Aus der Kombination dieser Dinge entsteht eine Vorahnung oder auch Intuition. Auch der Geistesblitz ist eine Form dessen.

Ein Bauchgefühl muss also nicht zwingend etwas schlechtes sein. Man hat dieses jedoch nicht bewusst denkend erlangt, sondern unbewusst. Menschen neigen dazu positive Ergebnisse dem Bauchgefühl und negative Ergebnisse eigenen Fehlern anzurechnen.

Easterlin-Paradox

Easterlin-Paradox

Easterlin beobachtete über mehrere Jahrzehnte weltweit die Bevölkerungen. Er fand heraus, dass oftmals trotz Zuwächsen des Einkommens die Zufriedenheit nicht stieg. Vor kurzem wurde auch ein Nobelpreis vergeben als erforscht wurde bis zu welcher Summe ein Mensch durch den Zuwachs von Einkommen glücklicher werden kann.

Entscheidend für uns ist, dass ab einem bestimmten Einkommen zusätzliche Gewinne nicht glücklicher machen, aber Verluste weiterhin emotional Belasten (Verlustaversion). In diesem Fall fühlt man sich durch Gewinne nicht belohnt, aber durch Verluste bestraft. Positive Erlebnisse durch Einkommens-Zuwächse sind kaum erreichbar.

Noise Trading

Noise Trading

Noise Traders oder auch hin und wieder als „idiot traders“ bezeichnete Personen versuchen aus nichtfundamentalen Daten Gewinne zu fabrizieren. Zumeist handeln sie basierend auf Informationen, News und Nachrichten. Das Problem ist, dass diese Händler meist Gerüchte handeln und aus diesen Profit schlagen wollen. Da es sich um Gerüchte ohne fundamentalen Wert handeln erleiden Noise Traders (zu Deutsch: Rauschhändler) meist schnell Verluste.

Für den Markt sind diese Händler jedoch nervig und für Händler ein Dorn im Auge. Daher kommt der selten verwendete Ausdruck des Idioten-Händlers. Das Problem ist, dass dieses Handels-Verhalten Gerüchte und Falschmeldungen in die Kurse bringt. Durch die Summe der Verkäufe und Käufe bewegen sich die Kurse dann auch trotz unseriöser oder unqualitativer Informationen. Die Kurse bewegen sich irrational. Noise Trader haben meist wenig Kenntnis und Erfahrung und verlassen sich auf belanglose Nachrichten. Sie heizen Volatilität an.

Ellsberg Paradoxon

Ellsberg Paradoxon

Forscher fanden heraus, dass Markt-Akteure teils widersprüchlich handelten und Wahrscheinlichkeiten ignorierten und gegen diese handelten oder „ins Blaue rein“ agierten. Am Ender Forschungen stellten Forscher fest, dass zwischen Risiko und Unsicherheit zu unterscheiden. Ein Risiko ist immer noch mathematisch oder statistisch bewertbar. Es gibt jedoch Situationen in denen dem Akteur keine Möglichkeit zum Abschätzen gelassen wird.

„Unsicherheit muss als etwas radikal anderes als die vertraute Bedeutung von Risiko aufgefasst werden, von der es nie ordentlich getrennt wurde […] Die entscheidende Tatsache ist: Risiko meint in manchen Fällen eine messbare Quantität, während es in anderen Fällen etwas bezeichnet, das einen völlig anderen Charakter hat; und es gibt weitreichende und entscheidende Unterschiede bzgl. des Verhaltens von Phänomenen je nachdem welche dieser [Bedeutungen] tatsächlich vorliegt.[…] Es scheint, dass messbare Unsicherheit – „risk proper“ genannt – sich von nicht-messbarer [Unsicherheit] in einem solchen Ausmaß unterscheidet, dass es sich [bei Erstem] im Endeffekt überhaupt nicht um eine Unsicherheit handelt.“
– Frank Knight: Risk, Uncertainty, and Profit, S. 19 f.

Ein für uns wichtiges Resultat der Forschungen ist, dass Menschen dazu tendieren ein Risiko eher zu nutzen, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung ihnen jedoch bewusst, anstelle eine Unsicherheit einzugehen.

Wir sind als Menschen beeinflussbar. Wir sind emotional. Fehler zu machen ist menschlich. Doch wir sollten dies nicht als Ausrede nutzen. Trading bedeutet in erster Linie Charakterbildung. Wir analysieren uns selbst und versuchen unser Verhalten zu optimieren. Ziel ist eine möglichst sachliche und möglichst wenig verzerrte Sichtweise und nüchterne Handelsentscheidung. Immer kann das nicht klappen. Doch wir können an uns arbeiten. Ein erster Schritt ist es zu wissen, wo die Gefahrenstellen liegen und dann in bestimmten Situationen aufzuhorchen, sich zu erinnern und eine kognitive Verzerrung zu vermeiden.

Ich möchte dir mit dieser Artikel-Reihe weiterhin einen Einblick in die Welt der Börsenpsychologie verschaffen. Welchen psychologischen Einflüssen bin ich selbst verfallen? Und wie wirken sich die psychologischen Aspekte in der Masse an der Börse aus? Mit der Psychologie verstehen wir das Verhalten von Massen. Wann sind Anleger ängstlich, warum halten sie am Status Quo fest oder wieso fällt ein Kurs trotz guter Nachrichten?

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Nov 04, 2016 Keine Kommentare
Selbstständig durchs Trading?

Selbstständig durchs Trading?

all

Es ist der große Traum aller Trader an der Börse: Die Leidenschaft zum Beruf machen. Selbstständig als Trader. Vollzeit an der Börse aktiv und eventuell sogar reich wie der Wolf of Wall Satreet werden. Sich ein Haus bauen, reisen und das Leben genießen. Träume muss man haben und auch Ziele. Auch die Frage, ob man nun in seinem Job glücklich ist oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, umtreibt viele. Vor allem junge Menschen in der Schule, Ausbildung oder im Studium beschäftigen sich mit dieser Frage, welche jedoch auch im Alter zwischen 35 und 45 Jahren aufkommt. Was will ich? Wer bin ich? Wo will ich hin? Doch selbstständig durchs Trading zu sein und seinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf zu verdienen, wirkt meist einfacher als es ist. In Wahrheit bedarf dieser Schritt ein gewisses Kapital, Mut und Courage. Ich möchte mich in diesem Artikel fragen: Was muss man mitbringen und können, um als Trader seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Ich selbst habe mit 18 Jahren, noch während des Abiturs, mein erstes Gewerbe gegründet. Das ist nun etwa ein halbes Jahrzehnt her. Mittlerweile beschäftigt mich das BWL-Studium, mein Börsen-Engagement und meine Arbeit bei einer hannoveransichen Beteiligungsgesellschaft. In diesem Beitrag möchte ich nun meine Gedanken über den Schritt in die Selbstständigkeit als Trader formulieren:

Selbstständig durchs Trading: Vorraussetzungen

Man benötigt natürlich Wissen, einen Tick Talent, viel Übung bzw. langjährige Erfahrung und einen Hauch Mut. Ein Vollzeit-Trader fällt nicht vom Himmel. Dies ist harte Arbeit. Wie bei jeder Sportart und jedem Beruf benötigt es Jahre der Übung, Erfahrung und des Sammelns von Wissen, um das Fach und die Materie zu durchdringen. Man sollte nichts überstürzen. Trading ist schwierig, da der Kapitalmarkt immer schneller wird und sich täglich, nein sekündlich, verändert. Es ist nicht wie in einem Beruf, wo du Jahr für Jahr ungefähr das Gleiche machst. An der Börse ist jeder Tag anders und neuartig. Was du heute machst, kannst du morgen manchmal bereits verwerfen.

Viele junge Trader sind übermütig und ungeduldig. Ich kenne das von mir selbst. Man möchte zu schnell zu viel erreichen und steht sich eigentlich nur selbst im Weg. Dieses Thema habe ich in einem anderen Blog (hier lesen) beschrieben.

Neben dem Wissen und der Erfahrung, welche du über Jahre ansammelst, muss man auch über die richitigen physischen Eigenschaften verfügen. Bist du körperlich und geistig fit? Bereits Trading als Hobby ist nervenaufreibend und emotional belastend. Als Vollzeit-Trader sitzen dir die Rechnungen und Ausgaben dann jedoch zusätzlich im Nacken. Du musst Rendite machen, aber du darfst nicht verkrampfen und mit Gewalt traden wollen. Das ist schwierig. Das ist emotional eine besonders große Belastung, der du widerstehen können musst. Eine gewisse Summe unter Zwang verdienen zu müssen, schwebt wie ein Damoklesschwert über dir und behindert freies und klares Denken und Handeln. Mit solchen Drucksituationen muss ein Vollzeit-Trader umgehen können.

Trading belastet tatsächlich deine Gesundheit – Wie genau, das liest du hier

Wie viel Geld und Rendite muss ich durch Trading erwirtschaften?

startup-593326_640Eine grundlegende Frage ist die nach dem Kapitalbedarf. Wie viel Geld brauche ich, um vom Trading leben zu können? Diese Frage ist durchaus schwer zu beantworten, denn jede Strategie und jede Handelsart erwirtschaftet andere Renditen. Doch wir können der Frage nachgehen, wie viel Geld du im Monat eigentlich durch Trading erwirtschaften musst. Daraufhin kannst du mit deinem derzeitigen Echt-Geld oder Muster-Depot schauen, ob du diese Rendite und Summe erwirtschaften kannst. Kannst du über mehrere Jahre hinweg die Rendite erreichen, welche du für die Sicherung deiner Existenz benötigst?

Du benötigst als selbstständiger Trader drei finanzielle Positionen: Kapital, mit welchem du tradest. Kapital für deine laufenden monatlichen Ausgaben und Kapital als Rücklagen.

Um mehr zu wissen, schauen wir uns zuerst den monatlichen Kapitalbedarf an. Ich werde hier mit theoretischen Zahlen kalkulieren, welche nicht deiner Lebenssituation entsprechen werden! Wir gehen in diesem Fall von 1.200€ Lebenserhaltungskosten für Handy, Nahrung, Miete, Auto und andere Dinge aus. Außerdem solltest du als selbstständige Person stetig Geld für eventuelle Notfälle, wie einer kaputten Spühlmaschine oder unvorhergesehenen Auto-Reparatur. zur Seite legen.  Zusammen mit deinen Versicherungen gehen wir von einem Betrag von 200€ für Rücklagen und Versicherungen im Monat aus. Was viele vergessen: Sie benötigen Rücklagen für schlechte Trading-Zeiten. Es kann durchaus lange Phasen ohne Einnahmen geben. In diesem Fall sollte man nicht gezwungen sein, dass Trading-Kapital aufzehren zu müssen. Dies wäre ein Desaster für dich! Von daher legen wir monatlich 300€ zur Seite. Nicht vergessen, solltest du auch eine alternative Altersvorsorge und Rücklagen für Urlaube und andere Dinge. Auch hier kalkulieren wir mit 300€, welche monatlich zur Seite gelegt werden.

Wir gehen also nun davon aus, dass unser fiktiver Trader 1.200€ Lebenserhaltungskosten hat und 800€ monatlich zur Seite legt. Wo jemand anderes 2.000€ als Gehalt erhält, muss sich der Trader dies als Gewinn im Monat auszahlen können.

Was ebenfalls viele vergessen: Steuern. 2.000€ oder auch 24.000€ im Jahr stellen 75% der Zielsumme dar. Als Trader solltest du rund 30.000€ Brutto verdienen, um 24.000€ Netto für dein Leben zur Verfügung zu haben. Hierbei handelt es sich natürlich erneut um eine extreme Vereinfachung einer komplexen Situation. Die Botschaft: Vergiss bitte nicht die Steuern! Wer bei einer deutschen Bank handelt, genießt es, dass die Bank diese Steuer abführt. Wer einen ausländischen Broker nutzt, muss eine Einkommenssteuererklärung machen. Jedoch kostet dies den Trader nur 15 bis 30 Minuten, da er “nur” die Einkünfte aus Kapitalvermögen eintragen muss. Christian Edler von “The Huffington Post” erklärt in diesem Artikel die Steuersituation nochmals detailliert.

Außerdem Interessant: 5 Wahrheiten zu Daytrading-Steuern, die Anleger kennen sollten

Wie viel Kapital benötige ich?

Nun erhebst du akribisch Daten darüber, wie hoch deine Lebenserhaltungskosten sind und welche zusätzlichen Kosten im Falle der Selbstständig anfallen. In diesem theoretischen Beispiel liegen wir bei einem Bedarf von 30.000€ Gewinn im Jahr durch Trading.

Und nun können wir uns der Frage widmen, wie viel Kapital zum Trroad-sign-808731_640ading du benötigst. Du hast hoffentlich all deine Werte der letzten Jahre aufgezeichnet. Wie viel Rendite konntest du in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich im Monat erwirtschaften? Wenn du 5% im Monat schaffst, dann benötigst du 40.000€ Kapital, um durch diese 5% Rendite 2.000€ im Monat zu verdienen.

Nun wissen wir bereits, dass der Trader dieser Kalkulation 2.000€ im Monat verdienen muss und da er seiner Leistung entsprechend durchschnittlich 5% Rendite erreicht, sollte er mit 40.000€ Kapital handeln. Nun können wir uns der dritten Position zuwenden: Den Rücklagen. Es wäre naiv zu denken, dass man konstant monatlich Gewinne macht. Durchaus kann es zu längeren Phasen mit Verlusten kommen. Auch in diesem Fall sollte man nie sofort auf die – in diesem Fall – 40.000€ Kapital zugreifen müssen, mit welchen man ja Geld verdienen muss. Wir legen zwar monatlich Geld für schlechte Phasen zur Seite, aber man sollte nicht ohne Puffer in die Selbstständigkeit starten. Willst du 6 Monate lang vorsorgen, so solltest du 6 x 2.000€, also 12.000€, zusätzlich auf der Seite liegen haben.

Woher bekomme ich aber 52.000€, um mein Business zu starten? Du solltest auf keinen Fall einen Kredit aufnehmen! Die Zins und Tilgungskosten sind Belastungen, die alles vernichten können, wenn dann gepfändet wird, weil du nicht bezahlen kannst. Eine Rechnung lässt sich eventuell noch abstottern. Die Bank macht kurzen Prozess mit dir!

Meine Empfehlung ist, dass du während der Schulzeit Ferienjobs machst und neben dem Studium , sowie nach dem Studium ebenfalls einige Jahre arbeitest. Das ist nicht nur wichtig, um das Kapital anzusammeln. Auch hast du so viel Zeit, um dich vorzubereiten, Wissen und Erfahrung zu sammeln. Meine bevorzugte Strategie ist es, die Lebenserhaltungskosten zu senken. Ich spare wo es geht. Kann man auf Urlaub verzichten? Gibt es einen billigeren Handyvertrag? Muss man jede Woche 50€ versaufen? All diese Ausgaben lassen sich kürzen oder streichen. Das gesparte Geld legt man zur Seite, um sein Trading-Kapital anzusammeln. Schaffst du es als Student im Alter von 20 bis 25 Jahren 2.000€ im Jahr (170€/m) zur Seite zu legen? Dann könntest du dir 10.000€ innerhalb von 5 Jahren ersparen. Kannst du im Alter von 25 bis 30 Jahren 4.000€ im Jahr (340€/m) vom Gehalt zur Seite legen – also 20.000€ in 5 Jahren? In diesem Fall könntest du bis zum Alter von 30 Jahren bereits 30.000€ ansparen und zumindest mit dem Gedanken spielen, Teilzeit 20 Stunden in der Woche angestellt zu sein und in der anderen Zeit selbstständig zu traden. Dieses Modell würde ich den meisten in den ersten 10 oder 15 Jahren ihrer Selbstständigkeit auch empfehlen. Warum? Börse bietet keine sicheren Einnahmen. Das Leben fordert jedoch stetige Ausgaben. Eine sichere und stabile Einnahmequelle ist Gold wert. Jeder Selbstständige kämpft Monat für Monat um seine Einnahmen. Wer eine sichere Einnahmequelle hat, der ist in gewisser Form bereits etwas abgesichert. So könntest du 1.200€ im Monat mit 20 Stunden zu je 15€ verdienen. Damit würde das Kapital, welches du in der übrigen Zeit des Monats erwirtschaften musst, auf 800€ sinken. Wäre dies nicht auch die Erfüllung im Leben? Die Teilzeitarbeit wird auch in Deutschland immer mehr gestärkt. Warum startest du nicht mit einem Freund als gemeinsame Trader? Bewerbt euch per Job-Sharing zu zweit auf eine Vollzeitstelle. Arbeitet beide Teilzeit im Beruf und Teilzeit als Trader. Muss es denn bereits die komplette Selbstständigkeit mit 25, 30 oder 35 Jahren sein? Willst du sofort im Leben all-in gehen? Genieße doch den psychologisch meist niedrigeren Druck als Angestellter. Warum sparst du dir dein Trading Kapital nicht an, bis du 50 bist? Dann solltest du genug Geld haben, um auch mit niedrigen Renditen genügend verdienen zu können. Ich meine: Ab 50 Jahren bis 70 oder 75 Trader sein? Bis dahin hast du viel Zeit alles zu lernen, zu trainieren und zu üben. Zwei Jahrzehnte Vollzeit-Trader ist auch eine lange und gute Zeit. Bis dahin kannst du auch nebenbei handeln oder, wie beschrieben, ab 30 oder 40 Jahren langsam in Teilzeit gehen. All-in und Hals über Kopf Vollzeit-Trader? Das ist weniger zu empfehlen!

Bedenke eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Jeder Abschluss ist eine Sicherheit im Leben. Eventuell musst du nach 20 Jahren das Trading aufgeben wegen zu hoher psychischer Belastung oder weil du deine Rechnungen nicht mehr zahlen kannst. In dem Moment brauchst du eine abgeschlossene Berufsausbildung, um eine Arbeit zu finden. Wie wäre es mit einer Ausbildung, die dir beim Trading hilft? Psychologie, VWL, BWL, …

Nochmals der wichtige Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um eine Beispielrechnung. Auch ist die Rechnung nicht vollständig und istals Anregung zu verstehen. Du musst deine Zahlen ermitteln und einsetzen, deine Rendite als Trader bestimmen und kannst dann deinen Bedarf zu erkennen. Jeder benötigt andere Summen. Viele schaffen 1 – 2% Rendite im Monat, andere dies dagegen in der Woche. Es gibt keine Musterrechnung für alle. Jeder muss selbst rechnen!

Was soll ich tun?

notebook-1071774_640Nun klingt das alles auch wieder so einfach. 40.000 bis 80.000€ Kapital (je nach Rendite, die du erwirtschaften kannst auch weniger oder mehr) und dann das Business starten. Wenn das alles so einfach wäre, wäre es schön. Kontrolliere dich in den Jahren deiner Übung. In meinem Beispiel im Alter von 20 bis 30 Jahren. Kannst du die Rendite erwirtschaften, die du brauchst? Wie stabil und sicher sind deine monatlichen Erträge? Rechne deine Stunden, die du investierst, mit und vergleiche diese mit deinen Gewinnen. Was ist dein Stundenlohn? Viele Trader freuen sich über hunderte Euro im Monat neben dem Job durch das Trading. Sie vergessen jedoch, dies kritisch zu hinterfragen und bemerken nicht, dass sie je Stunde im Job ein Vielfaches mehr verdienen und beim Trading je Stunde oft weniger als den Mindestlohn verdienen. Was kannst du derzeit je Stunde verdienen? Wie viele Stunden müsstest du arbeiten, um auf die beispielhaften 2.000€ zu kommen? Teste und hinterfrage dich über viele, viele Jahre. Beispielsweise habe ich selbst mich 2015 über eine echt stolze Rendite gefreut. Mit einigen glücklichen Treffern habe ich klar besser als Markt gehandelt. Der Stundenlohn bewegte sich jedoch auf Grund des hohen Aufwandes eher im Bereich um die 10€/h. Das ist okay, aber am Ende nicht wirklich der Hit. Schone dich nicht – hinterfrage dich, kritisiere dich, arbeite an dir. Wenn du selbstzufrieden bist, wirst du nachlässig und schlechter. Arbeite an dir. Jahrzehntelang!

Die Entscheidung selbstständig zu werden, ist mutig und gefährlich. Du bist für deine Existenz verantwortlich. Du hast nur ein Leben – möchtest du mit diesem (also nicht dem Leben, sondern deiner finanziellen existenziellen Grundlage) spielen/zocken? Wenn du es tust, dann ist dort kein Arbeitgeber, der dich unterstützt oder dir Aufgaben gibt. Du musst dir deine Gewinne erkämpfen. Bedenke, dass die Kosten steigen, wenn du Familie hast. Bedenke, dass es Krisen geben kann, bei denen du viel Geld verlierst. Bedenke Rente, Versicherungen, Steuern und viele andere Dinge. Wage den Schritt, wenn du dir sicher bist. Gehe vorsichtig vor. Von Vollzeit auf Teilzeit vielleicht? Studiere oder mache eine Ausbildung im Finanzbereich. Lerne viel. Sehr viel. Übe viel. Sammle Erfahrungen. Du musst dich perfektionieren. Der Schritt zum selbstständigen Trading erfordert viel Übung, Erfahrung, Wissen, Mut und Kapital. Bedenke, dass du mit deiner Existenz spielst. Es ist dann kein Hobby und kein Spiel mehr. Es ist dann Ernst, Beruf und dein Leben.

Optimaler Einstieg – Strategie 1

Wie bereits erwähnt, könntest du nach der Ausbildung einen Beruf ausüben und diesen über die Jahre nutzen, um Kapital anzusammeln und dann von Vollzeit auf Teilzeit zurückgehen. Kannst du deine Existenz durch das Teilzeit-Trading neben dem Teilzeit-Job nicht finanzieren, dann bist zum Teil abgesichert, aber könntest wieder versuchen auf Vollzeit angestellt zu sein. Vorsichtig und behutsam das Leben ändern. Nicht alles hinwerfen und mit allem brechen! Finanziere dir erst einen Urlaub, dann die ersten ein bis zwei Rechnungen und dann die Differenz des Lohns wenn du von 40 auf 35 oder 30 Arbeitsstunden bei deinem Arbeitgeber reduzierst. Bedenke hierbei: Nicht voreilig handeln! Die Reduzierung von Arbeitszeit sichert dir das Gesetz zu. Wieder mehr zu arbeiten ist jedoch kein Anrecht von dir. Hast du reduziert, dann muss der Arbeitgeber dich nicht wieder hochstufen.

Optimaler Einstieg – Strategie 2

Vier Augen sehen mehr als zwei. Hast du trading-vernarrte Freunde? Es kann vorteilhaft sein, zu zweit oder dritt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wenn du schlechte Monate hast, machen die anderen eventuell gerade besonders viel Rendite. Ihr ergänzt euch, ihr unterstützt euch, ihr sichert euch gegenseitig ab. Auch könnt ihr gemeinsam mehr Kapital einbringen. Als Personengesellschaft (eine GbR beispielsweise) könntet ihr nach Jahren des erfolgreichen Tradings auch Fremdkapital aufnehmen. Anleger wollen ihr Geld bei euch arbeiten lassen? Einen kleinen Kredit von der Bank für neue Rechner und Programme? Bedenkt jedoch, dass bei einer Firma mehr Steuern fällig werden!!

Optimaler Einstieg – Strategie 3

Neben all diesen vielen Gedankengängen und Möglichkeiten ist es für den Anfänger am besten Erfahrung zu sammeln. Führe ein Haushaltsbuch, um deine Lebenserhaltungskosten zu ermitteln und möglicherweise zu senken. Führe auch ein Tradingtagebuch und eine Trading-Historie. Wie viel hattest du wann investiert und an welchem Tag oder in welcher Woche oder in welchem Monat hast du wie viel in Euro und Prozent verdient? Sammle Daten über 6, 12 oder am besten mindesten 24 Monate, um deine Performance zu erkennen. Was kostet dein Alltag und was verdienst im Durchschnitt beim Trading?

Mein Vorschlag für dich ist: Setze dir nicht sofort das Ziel, durch Börse selbstständig, frei oder reich zu werden. Meist verkrampft man nur und versucht verbittert diesen Traum zu erreichen, was so natürlich nicht klappt. Setze dir kleine Ziele. Finanziere dir den nächsten Urlaub durchs Trading. Wie viel kostet dich dieser? 2.000€? Dann hast du nun noch 6 oder 12 Monate Zeit, um das Geld zu verdienen oder zumindest die Hälfte. Finanziere dir dann ein Auto oder finanziere Teile deiner monatlichen Kosten, wie die Handyrechnung. Taste dich so step by step vorran, wie viel du dir selbst finanzieren kannst.

Viele mögen nun abgeschreckt sein von den Summena Viele mögen auch abgeschreckt sein, dass man dafür 30, 40 oder 50 Jahre sparen müsste! Für Anleger, die unbedingt selbstständige Trader sein und in wenigen Jahren starten wollen ist das natürlich keine Lösung. Die meisten von uns legen jedoch ihr Geld über viele Jahrzehnte an und beschäftigen sich erst nach der eigentlichen Arbeit im Angestelltenverhältnis mit der Börse. Für alle diese Anleger wäre es doch ein schönes Ziel sich kontinuierlich eine Summe anzusparen, um den Traum zu verwirklichen der Leidenschaft “Börse” mehr Zeit zu gönnen, wenn man dann mit 40 oder 50 Jahren bereits auf Teilzeit im Job zurückstufen kann.

Ich empfehle dir außerdem diesen tollen, ausführlichen und komplexen Artikel von Claudia Schumacher im Handelsblatt. Im Artikel “Ein Selbstversuch im schnellen Geld” beschreibt sie, wie sie versucht hat, als Daytraderin Hals über Kopf einzusteigen. Tolle Hinweise und Erklärungen!

by Okt 28, 2016 5 Kommentare
Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

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Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Trading ist ein Wechselspiel aus Reaktion und Aktion. Börse bedeutet zu bewerten, einschätzen und handeln. Doch wer agiert, reagiert und bewertet macht Fehler. Fehler machen ist menschlich. Wir können nie absolut rational handeln und wir sind nie frei von externen Einflüssen. Unser Unterbewusstsein und unsere vererbten Verhaltensmuster zwingen uns zu teils glücklichen aber auch unglücklichen Handelsentscheidungen. Vor allem in einem derart schnelllebigen und stressigen Umfeld ohne genügend Zeit um auf ausreichend Informationen zugreifen zu können macht jeder von uns Fehler.

Doch wir sollten unsere Fehler nicht hinnehmen, weil diese menschlich und schier unvermeidbar sind. Börse bedeutet vor allem sich selbst kennenzulernen. Dementsprechend müssen wir unsere Fehler erkennen und uns eingestehen (was den meisten Menschen schwerfällt) und kritisch analysieren. Wir sollten uns selbst den Kampf ansagen und uns und unsere Fehler verstehen. Wir sollten stets bemüht sein unser Verhalten zu analysieren und optimieren und die Summe der persönlichen Fehler möglichst weit zu reduzieren.

Um unser Verhalten zu optimieren und eigenes Fehlverhalten zu erkennen benötigen Grundwissen über typische psychologische bzw. verhaltenstechnische Fallen bei Anlegern. In diesem Blog der Reihe „Börsenpsychologie“ möchte ich über die Trugschlüsse von Spielern aufklären:

Der Spielerfehlschluss oder auch Trugschluss eines Spielers ist einer der wohl häufigsten Fehler den wir Menschen begehen. An der Börse machen viele Anleger auf Basis dessen viel Verlust. Doch was ist das? Ein Trugschluss entsteht, wenn wir einen logischen Fehlschluss bilden. Ein logischer Fehlschluss ist ein logischer Gedanke, welcher jedoch auf einer falschen Vorstellung beruht. Kurz: Wir ignorieren die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wegen einer fehlgeleiteten Annahme.

 

Schusselfehler bei der Wahrscheinlichkeits-Bestimmung

Gerne übersehen beispielsweise Glücksspieler den Mechanismus des Zufalls und gehen davon aus, dass ein zufälliges Ereignis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eintreten müsste, wenn es über eine längere Zeit nicht eingetreten ist. Doch der Zufall hat ein Gedächtnis. Ich möchte dies am Roulette erklären: Casino-Betreiber machen sich den unterbewussten Trugschluss zu Nutze und stellen an Roulette-Tischen Bildschirme auf, welche die gefallenen Zahlen und Farben der letzten 5 oder 10 Runden anzeigen. Schnell entwickeln unbedarfte Spieler den logischen Schluss, dass es Zyklen gebe. Fällt die Kugel beispielsweise 5 oder 10 Mal auf schwarz, so setzen Spieler schnell ihr Geld auf Rot, da sie ein Enden der Reihe erwarten. Was sie dabei übersehen: Jedes Spiel steht für sich selbst. Und mit jeder Runde ist die Wahrscheinlich für die Farbe Rot dieselbe wie zuvor. Sie steigt nicht nach 5, 10 oder auch 1000 Mal Schwarz in Folge. Dieser logische Fehlschluss kann Spielern zum Verhängnis werden.

An der Börse erkennen wir dieses Verhalten oftmals bei fallenden Kursen. Mit Skandalen und anderen Dinge rutscht ein Wert ab. Erst 5, dann 10 und zuletzt 15% Verlust. Nun steigen viele Anleger, basierend auf dem Trugschluss „Das muss doch bald Mal drehen“, ein. Anleger sollten sich immer der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls bewusst sein. Nur weil bei einem Münzwurf mehrfach in Folge Kopf geworfen wurde steigt nie die Wahrscheinlichkeit für Zahl. Nur weil Börsenkurse mehrere Tage in Folge steigen oder eine Hausse bereits überdurchschnittlich lange dauert muss keine Baisse kommen. Die Einflüsse auf Kurse an der Börse sind weitaus komplexer. Gern würden wir einfache Zyklen handeln. Kopf, Zahl, Kopf, Zahl. Wie schön wäre Börse, wenn es so einfach wäre nach einer drei Mal Schwarz auf Rot zu setzen und dann zu gewinnen. So einfach ist es jedoch nicht. Trotzdem erliegt man schnell solchen Trugschlüssen.

 

Selbstwertdienliche Verzerrung

Kennen sollten Sie auch den self-serving bias. Im Deutschen auch als Phänomen der „Selbstbestätigung“ definiert. Hierbei handelt es sich nicht um eine dem Selbstwertgefühl dienlichen Verzerrung. Hierbei definieren wir Fakten um, verharmlosen Sachverhalte oder verändern unseren Standpunkt um eine uns unangenehme Situation derart zu entfremden, dass wir sozusagen sprichwörtlich aus dem Schneider sind. Probleme mit dem self-serving bias haben vor allem Händler, welche ihr Selbstwertgefühl durch die Börse steigern wollen. Sie sind gierig nach Erfolgen, Rendite und wollen, dass dies jeder sieht. Hierbei tun sie alles, um immer der erfolgreiche und von anderen beneidete Trader zu sein. Dem Trading dienlich ist dies nicht. Fehler werden ignoriert oder beschönigt. Gute Trader gehen mit sich selbst hart ins Gericht. Sie suchen schonungslos nach eigenen Schwächen um ihr eigenes Trading zu verbessern.

Grundlegend ist eine selbstwertdienliche Verzerrung uns selbst Erfolge zuzuschreiben, jedoch Misserfolge auf externe Faktoren abzuwälzen. Erfolgreiche Trades führen wir auf unsere Analyse und unser Handeln zurück. Für verlustschreibende Trades können wir dann jedoch Nichts. Das war nicht zu erwarten. Die Situation hat sich verändert. Der Markt verhält sich komisch.

 

Gründe für ein derartiges Verhalten könnten sein:

  • Verteidigung eines stabilen und positiven Selbstbildes
  • Selbstdarstellung
  • Wissen um frühere Leistungen
    Die Erfahrung eine Aufgabe früher gemeistert zu haben lässt uns verzerrt wahrnehmen, dass ein Misserfolg beim wiederholten Versuch an externen Faktoren liegen müsse.
  • Vermeiden von Hilflosigkeit
    Einige Dinge können wir nicht beeinflussen. Darunter fallen beispielsweise Verbrechen, Sterblichkeit oder Naturkatastrophen. Wir neigen jedoch dazu das Vermeiden dieser Dinge (was ein Erfolg für uns ist) uns selbst zuzuschreiben. Wir gestehen uns nicht ein diesen Faktoren hilflos gegenüberzustehen. Dies nennt man auch Defensiv-Attribution. Ist man Opfer eines solchen Ereignisses, dann führt man dies darauf zurück, dass es ja nicht vermeidbar/beeinflussbar war. Ist man nicht Opfer, dann schreibt man sich diesen Erfolg seinem eigenen Verhalten zu.
  • Unrealistischer Optimismus
    Die meisten Menschen glauben mehr positive als negative Erlebnisse zu haben.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Okt 07, 2016 Keine Kommentare
George Soros – Krieg und Frieden

George Soros – Krieg und Frieden

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Mit einem durch das Forbes Magazine geschätzten Vermögen über rund $25 Milliarden erfreut sich George Soros über den Platz 21 der reichsten Personen der Welt. Reich wurde er als Hedgefonds-Manager mit riskanten und aufsehenerregenden Spekulationen. Er ist einer der bekanntesten Investoren weltweit und fällt immer wieder durch spektakuläre Investments auf. Zuletzt verdoppelte Soros im August 2016 seine Wette gegen den SP500 auf ein Volumen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Wenn George Soros eine Möglichkeit wittert, ist er ein gnadenloser Spekulant auf der Suche nach maximalem Profit. Doch er ist nicht nur der klassische Finanzhai. Soros ist eine extrem spannende Person. Er hat zwei Seiten – Krieg und Frieden. Ich möchte dich mit diesem Artikel in die Welt des Milliardärs mitnehmen.

Hier lassen sich Essays von George Soros lesen.

 

Werdegang von George Soros

Geboren wurde György Schwartz (bürgerlicher Name) am 12. August 1930 in Budapest. Heute ist George Soros ein US-amerikanischer Investor mit ungarischen Wurzeln. Trotz der jüdischen Herkunft konnte Soros die Besetzung durch das NS-Regime überleben, nachdem er sich mit seinem Vater lange Zeit versteckt hielt. Nach dem Besuch des Esperanto-Weltjugendkongresses blieb George Soros in England und studierte an der London School of Economics and Political Sciense (LSE) Philosophie und erlangte die Promotion. Die Lehren seines Dozenten Karl Popper prägten Soros Weltbild einer offenen Gesellschaft. Nachdem er 1956, mit 26 Jahren, in die USA zog, übernahm er 1968, mit 38 Jahren, erst das Management eines Hedgefonds, welcher in Curacao angesiedelt war, und gründete daraufhin 1969 seinen bekannten Quantum Funds. Heutzutage führt und managt er zahlreiche Fonds, zusammengefasst in der Soros Fund Management LLC.

 

Krieg mit George Soros

Soros ist ein unerbittlicher Investor. Wittert er eine Gelegenheit Gewinne zu machen, so nutzt er diese schamlos aus. Krieg mit bzw. gegen seine Milliarden ist ein schier unmögliches Unterfangen. So zwang der amerikanische Starinvestor Großbritannien 1992 zum Austritt aus dem europäischen Währungssystem (EWS) und besiegte die Bank of England im Kampf um die Bewertung des Pfund. Seitdem trägt George Soros auch den Beinamen „the man who broke the Bank of England“. Durch den Beitritt der Briten 1990 zur EWS verpflichteten sich diese, einen festen Wechselkurs zur deutschen Mark (DM) einzuhalten. Ohne Absprachen entschied sich die Bank of England am Anfang eine sehr hohe Bewertung des Pfund festzusetzen und durch Veränderungen des Leitzinses und Interventionen am Kapitalmarkt aufrechtzuerhalten. Es war die turbulente Anfangsphase des EWS bei dem die Dänen das Währungssystem ablehnten und auch die italienische Lira als überbewertet galt.

Schnell wetteten zahlreiche Investoren gegen das Pfund. Insgesamt 10 Milliarden Pfund wurden verkauft und vor allem gegen die deutsche DM und den französischen Franc eingetauscht. Durch diese Verkäufe des britischen Pfund sank der Wert des Pfund, welchen die Bank of England durch Interventionen wieder anheben zu versuchte. Dies konnte die britische Zentralbank entweder durch die Anhebung des Leitzinses oder das Einziehen von Pfund-Noten am Markt mit der Konsequenz der Verknappung der Währung tun. Das pfund konnte die BoE mit eigenen Devisen (Fremdwährung) am Markt aufkaufen und hatte somit lediglich einen begrenzten Spielraum das Pfund stützen zu können. Gingen die Währungsreserven zur Neige konnte die Bank of Engalnd das Pfund nicht mehr aufkaufen bzw. stützen.Am 16. September 1992, dem „Black Wednesday“, gab die Bank of England auf. Das Vereinigte Königreich musste die Schande über sich ergehen lassen aus dem EWS austreten zu müssen. Dies fachte die europafeindliche Stimmung im Königreich an. Auch verlor die damals noch hoch geschätzte Bank of England ihr Image der zuverlässigsten Zentralbank weltweit. Während Soros innerhalb einer Woche durch den im Wert sinkenden Pfund eine Milliarde US-Dollar verdiente, schätzte die britische Regierung 2005 die Kosten der Intervention der BoE für den Steuerzahler auf 3 bis 5 Milliarden Pfund. Noch heute stellt die Pfundkrise einen beschämenden Fleck in der Geschichte des Vereinigten Königreiches dar.

Vor allem in den 1990er Jahren fiel Soros durch zahlreiche große Spekulationen auf. 1993 wettete George Soros gegen die D-Mark und 1997 warf man ihm vor, Schuld an der malaysischen Finanzkrise zu sein. An der Finanzkrise 2008 verdiente Soros 2,9 Milliarden USD. Bis Ende 2009 stieg das Vermögen seiner Fonds-Gesellschaft auf 24 Milliarden USD.

Die Feldzüge von George Soros gegen Währungen, Indizes und Finanzsysteme können oft mit politischen Motiven in Verbindung gebracht werden. Immer wieder mischt sich der Großinvestor in Länder und Politik ein und nimmt aktiv Einfluss. So galten seine Wetten in den 1990er Jahren gegen europäische Währungen bereits dem Kampf für faire Bedingungen unterentwickelter Länder. Mit 23,5 Millionen US-Dollar setzte sich George Soros gegen die Wiederwahl des Republikaners George W. Bush ein. Die von Soros gegründete Open Society Foundations (OSF) ist in über 50 Ländern aktiv. Die Büros dieser Stiftung liegen nah an staatlichen Behörden oder direkt in den Gebäuden dieser. Vor allem in ehemaligen Ländern der sowjetischen Republik ist die Stiftung sehr aktiv. Mit viel Geld und viel Nähe zu staatlichen Institutionen vermutet man, dass George Soros immer wieder Einfluss auf Wahlen, Prozesse und Politik nimmt. Auch kommt er durch dieses weitverzweigte Netzwerk schneller an Informationen als andere Personen. Aktiv unterstützte Soros auch Dissidenten und Oppositionen in der Sowjetunion mit drei Millionen Dollar jährlich.

Zuletzt hatten Soros politische Einmischungen in der Ukrainekrise Aufsehen erregt. So bedankte sich Präsident Poroschenko 2014 für die Unterstützung des Investors. Soros investierte mehrere Milliarden Dollar in ukrainische Staatsanleihen, rief andere Investoren auf dies ebenfalls zu tun und forderte immer wieder vehement die EU auf selbst bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren. Aus seiner Sicht muss die EU den Krieg der Ukraine unterstützen und selbst auch führen. Versuchte Soros damals noch Einfluss auf den Sturz der Sowjetunion zu nehmen, so tut er dies nun gegen Russland. Seine Fonds und er sind durch die russische Regierung auf Grund der tendenziell russlandfeindlichen Rhetorik des Investors als „unerwünscht“ eingestuft. 2016 kündigte Soros an, über 10 Jahre verteilt bis zu 500 Milliarden USD in die Ukraine investieren zu wollen, nachdem er 2015 den ukrainischen Orden der Freiheit erhalten hatte.

Frieden mit George Soros

Während der berühmte Hedgefonds-Manager politisch Einfluss nimmt und unerbittlich auf der Suche nach Profit vor scheinbar nichts zurückschreckt, gibt es auch eine andere Seite des Investors. Geprägt durch sein Philosophie-Studium und die Lehre der offenen Gesellschaft von Karl Popper pflegt George Soros ein philanthropisches Weltbild. Das Konzept der offenen Gesellschaft spiegelt sich auch in der Namensgebung der Open Society Fundation wider.

Mit der OSF und der Soros Foundation förderte er beispielsweise die Möglichkeit schwarzer südafrikanischer Studenten an der University of Cape Town studieren zu können. Die Time schätzte 2007 die Gesamtsumme der Spenden durch George Soros für das philanthropische Weltbild auf 7 Milliarden USD.

George Soros unterstützt die „Reporter ohne Grenzen“ finanziell und kritisiert immer wieder die Einmischung der USA in andere Länder als nicht förderlich. So behindere das Engagement der USA beispielsweise eine Friedensfindung zwischen Israel und Palästina. Ob der Vorwurf der politischen Einmischung der USA durch einen Investor, welcher sich aktiv weltweit politisch einmischt, jedoch viel Wert verliehen werden kann, ist zu bezweifeln.

Seit 2009 unterstützt George Soros Climate Policy Initative mit jährlich 10 Millionen US-Dollar zur Erforschung von Klimaschutzmaßnahmen. Das von ihm 2009 mit $50 Millionen gegründete Institute for New Economic Thinking soll neue Theorien der Volkswirtschaft entwickeln. 2010 erklärte sich Soros bereit weitere 7 Milliarden Dollar für gute Zwecke im Sinne der Initiative „The Giving Pledge“ zu spenden.

George Soros kritisiert die Deregulierung der Finanzmärkte – und das obwohl er auf der einen Seite davon profitiert und seine Fonds selbst in Steuerparadiesen angesiedelt hat, um sich dem Zugriff der Regulierung und Finanzämter in den USA und Europa zu entziehen.

 

Fazit

Ich finde George Soros einen sehr spannenden Charakter. Es ist ein Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden. Auf der einen Seite der Philosophie-Student, welcher sich für Menschenrechte, Gleichberechtigung und eine offene Gesellschaft in Form der Philanthropie einsetzt. Auf der anderen Seite ein politisch unnachgiebig einflussnehmender Investor, welcher sein Netzwerk und seine finanzielle Macht maßlos zur Einflussnahme nutzt. George Soros setzt sich für sein Weltbild ein und führt auf der einen Seite Kriege gegen Systeme, welche ihm nicht gefallen, und auf der anderen Seite arbeitet er mit Spenden und Stiftungen an einer offenen Gesellschaft und Frieden.

Es ist unvorstellbar, wie viel Schlagkraft und Macht George Soros durch seine Milliarden ausübt. Er war bereits 1992 stärker als die Bank of England (nun gut, nicht er alleine) und kann wahrscheinlich auch heute noch Systeme, Regierungen, Währungen und Länder beeinflussen und/oder vernichten (wenn sich ihm andere Investoren anschließen). Hätte ich die Möglichkeit, Soros eine Frage zu stellen wäre es die, wie er die Konsequenzen seines Handelns bewertet? Durch seine Feldzüge und Einflussnahmen wurden viele Menschen arbeitslos, viele Steuergelder wurden vernichtet und ganze Länder in den Ruin getrieben. Ist es das aus seiner Sicht wert?

by Sep 30, 2016 3 Kommentare
Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

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Bis heute basieren ein Großteil der Modelle und Theorien der Makro- und Mikroökonomie auf der Nutzentheorie (auch Nutzenfunktion). Hierbei geht man davon aus, dass sich ein Marktakteur immer für die Möglichkeit entscheidet, welche seinen Gewinn/Nutzen maximiert und die Kosten/Aufwand minimiert. Dieses rationale und erwartbar-logische Verhalten spiegelt sich im Konzept des homo oeconomicus wieder. Die britische Zeitschrift „The Economist“ nutzte 1999 die Metapher des Mr. Spock als emotional disziplinierten und absolut logisch und rational denkenden Akteur[1].

Den meisten Konzepten der Ökonomie liegt der homo oeconomicus zu Grunde. Grund dessen ist das erwarte Verhalten dieser fiktiven Person. Individuelle Charakterzüge und die Psychologie des Menschen – wie z.B. Emotionen – werden nicht beachtet um die Modelle und Theorien möglichst einfach zu gestalten. Seit 1940 entwickeln zahlreiche Wissenschaftler jedoch neue Ansätze. Mr. Spock ist zwar eine interessante Persönlichkeit, aber in keinem Fall menschlich. Und ökonomischen Konzepten eine nicht-menschliche und fiktive Person zu Grunde zu legen ist fraglich. Seit etwa 1980 erlebt der junge Teilbereich der Ökonomie, die Verhaltenspsychologie oder auch Behavioral Economics, immer mehr Zulauf und Zustimmung.

1979 veröffentlichten die amerikanischen Wissenschaftler Daniel Kahneman (2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet) und Amos Tversky ihre Weiterentwicklung der Nutzentherorie. Diese Prospect Theory (Neue Erwartungstheorie) zählt zu den in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am häufigsten zitierten Beiträge. Das Konzept stellte eine Revolution der bisherigen ökonomischen Gedankenwelt dar. Die Prospect Theory erlaubt die Beschreibung menschlicher Entscheidungsfindungen bezüglich risikoreicher Situationen mit Einbezug von Psyche und Charakter des Akteurs.

Ich möchte dich mit diesem Beitrag in die Erwartungstheorie und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf menschliches Verhalten einweihen. Trader müssen täglich Entscheidungen unter Zeitdruck, ohne vollständige Information und im Umfeld hohen Risikos treffen. Das Wissen über den Ablauf der Entscheidungsfindung in diesen Situationen hilft dir dich selbst als Trader besser kennenzulernen und auch das (menschliche) Verhalten der Akteure an der Börse besser zu verstehen.

Heuristik

Heuristik

Die Prospect Theory ist ein Bestandteil der Heuristik, welche sozusagen das Fundament der Verhaltensökonomie darstellt. Die Heuristik umfasst dabei das Verhalten des Menschen Problemstellungen ohne nutzbare Methode zur Lösung, unter Zeit- und emotionalem Druck und ohne vollständige Information zu lösen. Um das Problem zu lösen, für welches keine erprobte Lösungsstrategie vorliegt, muss die jeweilige Person auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen und bestehende Methoden anpassen oder persönliche Tendenzen zur Entscheidungsfindung nutzen. Heuristik findet sich vor Allem in komplexen, schnelllebigen, kaum überschaubaren und unzureichend strukturierten Problembereichen.

 

Die Prospect Theory

Während die ursprüngliche Nutzentheorie alle Gewinne als positiv definiert und bestimmt, dass sich der Akteur für den Maximalgewinn entscheidet geht die neue Nutzentheorie, die Prospect Theory, auf den Entscheidungsprozess des Akteurs ein: dieser wird in zwei Phasen, das editing (Bearbeitung) und evaluation (Bewertung) unterteilt.

In der ersten Phase – dem editing – ordnet der Akteur die möglichen Entscheidungen heuristisch in Bezug zu seinem Referenzpunkt. Alle Ergebnisse unterhalb des Referenzpunktes werden als Verluste wahrgenommen, alles oberhalb dessen als Gewinn. Möchte ein Trader ungenutztes Cash (z.B. 2.000€) gewinnbringend anlegen und innerhalb der nächsten Monate 10% Gewinn, also 200€ Profit, machen, dann liegt sein Referenzpunkt bei der Bearbeitung und Beurteilung möglicher Anlageobjekte bei +10%. Alle Ergebnisse unterhalb nimmt die Person emotional tatsächlich als Verlust wahr. Entscheidend ist also nicht der Gewinn, sondern der Referenzpunkt, welcher von außen beeinflusst werden kann (siehe kognitive Verzerrungen, Ankereffekt). Der Moment, wenn der persönliche Referenzpunkt festgelegt wird, nennt sich Kodierung. Auf die Kodierung folgt das heuristische Einordnen der Möglichkeiten und abschließend vier weitere kleine Phasen, welche vor allem der Vereinfachung dienen: Die Wahrscheinlichkeiten identischer Ergebnisse werden addiert, gemeinsame Bestandteile, welche für alle Möglichkeiten gelten, ignoriert, Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten vereinfacht, sowie stochastisch dominierende Aspekte ausgesondert.

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In der zweiten Phase – der evaluation – werden die vorhandenen Alternativen (Prospects) bewertet. Hierbei ist einerseits die Wertefunktion und andererseits die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion entscheidend. Wie wir bereits wissen wird jedes Ergebnis, welches besser als der Referenzpunkt (Mindesterwartung) abschneidet, als Gewinn wahrgenommen. Hierbei ist anhand der Wertefunktion erkennbar, dass jeder anfängliche Zusätzliche Gewinn über den Referenzpunkt hinaus als besonders starker Wertzuwachs empfunden wird. Der Gewinn-Zuwachs über den Referenzpunkt +10% auf +14% (4% mehr) hinaus wird als wesentlich wertvoller wahrgenommen als ein Gewinnzuwachs von +20 auf +24% (ebenfalls 4% mehr) bei gleichem Referenzpunkt. Gleiches gilt auch im negativen Bereich. Fällt der Zuwachs einer Position um 2% auf nur noch +8%, so wird dies einerseits als Verlust empfunden und wesentlich intensiver verarbeitet als ein Sinken um 2% von zum Beispiel -4 auf -6%. Neben dem Empfinden des Wertzuwachses werden die möglichen Alternativen durch den Akteur ebenfalls nach der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet. Zuletzt entscheidet sich die Person für einen Wert, welcher bezogen auf den persönlichen Referenzpunkt, die Werte- und Wahrscheinlichkeitseintrittsfunktion am besten abschneiden könnte.

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Kognitive Verzerrungen

Im Entscheidungsprozess der Prospekt Theory spielt der Charakter und die Psyche des Akteurs eine gewichtige Rolle. Er muss kodieren, gewichten, sortieren, bewerten und entscheiden. Dies muss er heuristisch meist unter Zeitdruck, Einflüssen aus seiner Umwelt und ohne vollständige Informationen und erprobte Lösungsmethoden umsetzen. Hierbei sind kognitive Verzerrungen (biases) erkennbar. Hierbei handelt es sich um unbewusste systematisch fehlerhafte Neigungen des Akteurs beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen.

Darunter fallen zum Beispiel die Nähe-Verzerrung und das Priming. Bei Ersterem kann die Nähe einer Person zu einer Problemstellung zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Dies zeigt bei Tradern vor Allem daran, dass in Depots oft jene Branchen übergewichtet werden, welche auf Grund von Kontakten, Empfehlungen und des eigenen Berufs besonders gut kennt. Diese Thematik werde ich im siebten Artikel unter Sektoren-Verliebtheit nochmals genauer erklären. Zu viel Nähe zu einer Thematik macht blind für Optionen. Wer beispielsweise im Bankwesen arbeitet setzt selbst vor allem auf Banken. Er hinterfragt seine eigene Branche, also auch seine berufliche Zukunft, nicht und glorifiziert seinen Sektor. Auch das Priming erklärt die Art der kognitiven Verzerrung sehr gut: Hierbei wird eine Entscheidung durch ehemalige bewusste oder meist unbewusste Erfahrungen beeinflusst. Auf Grund einer negativen Erfahrung mit einer Aktie, beispielsweise, nimmt der Akteur diese auch in Zukunft als negativ wahr und wehrt sich unbewusst, aus Angst die negative Erfahrung zu wiederholen, dagegen die Aktie nun als bestes Anlageobjekt zu klassifizieren. Rational wäre die Aktie wahrscheinlich die beste Entscheidung. Da der Anleger jedoch kein homo oeconomicus ist und auch nicht Mr. Spock heißt verhindert eine negative Vorgeschichte unbewusst diese Erkenntnis.

Die an der Börse wohl am meisten verbreitete und kostenintensivste kognitive Verzerrung ist der Dispositionseffekt. Umfragen in den letzten Jahrzehnten ergaben immer wieder, dass bis zu 80% der Anleger vom Dispositionseffekt betroffen sind. Dieser erklärt, warum Trader oftmals Gewinnpositionen viel zu schnell verkaufen und Verluste dagegen zu lange laufen lassen. Die erste Ursache dieses Effektes ist, dass Verluste etwas doppelt so stark empfunden werden als Gewinne. Gewinne werden als angenehme Selbstverständlichkeit wahrgenommen und meist durch Verkäufe zügig realisiert. Verluste dagegen wird als überaus unangenehmes und unerwartetes Scheitern empfunden. Hierbei tun sich Anleger schwer den Verlust zu realisieren und hoffen auf eine Umkehr des Kurses. Die zweite Ursache ist die bereits beschriebene Wertefunktion. Die ersten Gewinne werden als am wertvollsten empfunden. Mit steigenden Gewinnen nimmt das Empfinden über den Wertezuwachs ab, sodass frühzeitig verkauft wird, wenn kein Nutzen-/Wertezuwachs mehr empfunden wird. Auf der anderen Seite werden die ersten Verluste am heftigsten wahrgenommen. Mit der Zeit nimmt dieses Gefühl jedoch ab und der Anleger empfindet zunehmende Gleichgültigkeit bei weiteren Verlusten. Aus diesem Grund verkaufen Anleger Verlust-Positionen meist nicht, da das anfänglich negative Gefühl schwächer (ja fast besser) wird je größer die Verluste werden. Verrückt aber wahr.

Weitere kognitive Verzerrungen sind beispielsweise die Vermessenheitsverzerrung (overconfidence bias) unter welcher die Überschätzung des Akteurs durch sich selbst gemeint ist. Der Trader nimmt sich selbst zu talentiert, zu mutig, zu wissend, zu könnend oder zu überlegen war. Vor Allem in guten Phasen mit zahlreichen Erfolgen kann die Vermessenheit an die eigene Leistungsfähigkeit und Überlegenheit der Konkurrenz zu einer überzogenen Selbstbewertung und Verlust von Realitätsbezug und gesundem Misstrauen führen.

Die Ankerheuristik ist beispielsweise bei der Kodierung des Referenzpunktes zu finden. Hierbei wirken Einflüsse von außen wie ein Anker der eigenen Einstellung. Bei Untersuchungen hatte man beispielsweise Passanten in einer Fußgängerzone befragt was sie tendenziell bereit sind für den Naturschutz zu spenden. Den Anker hatte man in den Fragen „Wären Sie bereit $5 zu spenden?“ und „Wären Sie bereit $400 zu spenden?“ versteckt. Der Anker tat sein Übriges, sodass die erste Gruppe durchschnittlich bereits war $20 zu spenden während die zweite durchschnittlich $143 angab. Den Anker nehmen wir selten bewusst wahr. Es sind Kommentare, Meinungen, Artikel, Analysten, welche uns beeinflussen.

Sturheit und die Status-Quo-Verzerrung sind machen uns als Trader ebenfalls zu schaffen. Bei der Sturheit geben wir eine einmal gemachte Entscheidung nur sehr ungern wieder auf. Wer sich für ein Unternehmen entscheidet lässt sich ungern vom Gegenteil überzeugen. Dies erkennen wir daran, dass manche Trader trotz Zureden und Aufzeigen von Fakten an manchen Werten unbeirrt festhalten. Wir geben auch den Status Quo ungern auf. Auf der einen Seite nehmen wir Vorteile nicht wahr, nur um den Status Quo zu erhalten. Wir empfinden das Risiko des Fortschritts als zu groß als dass wir den Status Quo verlassen würden. So ergaben Umfragen in Unternehmen, dass die wenigsten Arbeitnehmer bereit wären weniger als die gesetzlichen 24 Urlaubstage zu erhalten, selbst wenn sie für jeden nicht genommenen Urlaubstag unterhalb der 24-Tage-Marke das Drei- bis Vierfache des Gehalts für einen normalen Arbeitstag bekommen würde. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist der Status Quo. Und Veränderung, wie vorteilhaft sie auch sein mögen, werden meist nicht wahrgenommen. Und entfernen wir uns vom Status Quo, so sind wir bereits viel mehr Risiko einzugehen als sonst um den Status Quo wiederherzustellen. Dies könnte der Grund für das ebenfalls unter unerfahrenen Anlegern desaströse Verbilligen sein bei dem Trader Verlustpositionen immer wieder durch Nachkäufe ausweiten in der Hoffnung wieder den Status Quo, also keine Verluste, wiederherzustellen.

Auch setzen wir uns stetig falsche Prioritäten und wenden unverhältnismäßig viel Zeit für kleine Entscheidungen und dagegen wenig Zeit für wichtige Entscheidungen auf. Auch das unangebrachte Bedauern sollte jeder von sich kennen. Vergangene Verluste werden unverhältnismäßig lange bedauert. Gefahr birgt auch das Täuschen auf Grund einer kognitiven Dissonanz. Hierbei gerät der Trader in eine unangenehme Situation in der er seine Kognitionen, wie Gedanken, Gefühle und Wünsche, nicht einordnen kann. In einer solchen Phase fühlt sich der Mensch unwohl. Dies kann beispielsweise passieren, wenn zahlreiche Trades missglücken und der Trader nicht einordnen kann was er von sich und der Situation halten soll. Ein Ausweg bietet hierbei schnell die Täuschung. Wir verändern den Blickwinkel auf die Situation und behaupten, dass wir es eigentlich ja anders machen wollten und somit doch eigentlich richtiglagen. Wir verändern unsere Einstellung und senken unsere Erwartungen. Waren vorher noch 5% Verlust hinnehmbar so sind es nun 15% auch und der Trade war doch nicht so schlimm. Informationen und die Situation werden verdreht, abgewertet und geleugnet um uns selbst wieder ins rechte Licht zu rücken. Auch greifen wir zu beruhigenden Mitteln, wie Sport, Freizeit, Mediation oder schlimmstenfalls Alkohol. Umgangssprachlich ist all dies als „Schönreden“ bekannt.

 

Optimiere deinen Entscheidungsprozess

Jeder von uns findet sich bewusst bei den kognitiven Verzerrungen wieder. Unbewusst haben wir wahrscheinlich alle jede dieser Verzerrungen durchgemacht. Das ist menschlich und normal. Doch nun kennen wir den Entscheidungsprozess und die Gefahren des Einflusses unserer Psychologie. Börse basiert eben nicht nur auf Zahlen und Charts. Bereits am Anker-Effekt erkennen wir die Macht der Analysten, sodass hohe Gewinne eines Unternehmens teilweise negativ bewertet werden, weil die Erwartung der Analysten und somit des Marktes höher lag. Wie bereits im ersten Beitrag zur Verhaltenspsychologie dargestellt bewertet die Börse die ökonomische Realität basierend auf der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Erwartungen an die Zukunft). Und in diesen Bewertungen steckt sehr viel Psychologie.

Auf der einen Seite kann und sollte ein Trader an sich selbst arbeiten, was ich auch im sechsten Beitrag (Traden ist Charakterbildung) nochmals thematisieren werde. Welche Verzerrungen haben wir in unserem Entscheidungsprozess? Wie können wir diese Einflüsse erkennen und verhindern? Wie schaffe ich es als Trader möglichst rational und möglichst wenig emotional zu agieren? Traden heißt nicht nur gegen den Markt zu spielen, sondern auch gegen sich selbst und seine menschlichen Fehler.

Auf der anderen Seite können wir unser Wissen über kognitive Verzerrungen am Markt gewinnbringend verwenden. Was sind die vorhanden Anker, welche das Denken die Einstellung des Marktes beeinflussen? Wann fühlen sich die meisten Anleger unwohl und tendieren zu schnellen und irrationalen Entscheidungen? Mit der Psychologie hält man den Schlüssel in der Hand den Markt nicht nur zu lesen (Zahlen & Charts), sondern auch zu verstehen. In den kommenden Beiträgen möchte ich weitere Szenarien beschreiben, welche uns und den Markt beeinflussen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

 


[1] http://www.economist.com/node/268946

by Sep 22, 2016 Keine Kommentare
Die Wahrheit über Koko Petkov

Die Wahrheit über Koko Petkov

Interviews

Das große Interview mit Koko Petkov

Er ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Daytrader Deutschlands. Auch ist er wohl einer der am meisten diskutierten Trading-Coaches Deutschlands. Er polarisiert und sorgt für emotionale Reaktionen bei seinen Fans und Kritikern. Es geht um Koko Petkov. Trader, Coach, in Deutschland aufgewachsen und mittlerweile in Dubai lebend. Ich hatte die einmalige Möglichkeit mich am Mittwoch, dem 07.09.2016, mit ihm in Nordrhein-Westfalen zu treffen und ihm kritische Fragen zu stellen. Wie agiert er? Was ist dahinter? Ist an den Vorwürfen etwas dran?

Ich selbst hatte bereits 2015 Koko Petkov in meinem Blog „Seminare von Tradern – seriös oder dubiose Masche?“ für seine Form des Marketings harsch kritisiert. Doch es ist unfair über Menschen zu schreiben, welche man nicht kennt. Also wollte ich hinter die Fassade schauen und herausfinden ob etwas an meinen Vorwürfen dran ist. Nachdem ich Kontakt zu Koko aufgenommen hatte vereinbarten wir ein Treffen in Düsseldorf, um uns auszutauschen. Auf der einen Seite mit mir, ein kritisch hinterfragender Verbraucher, und auf der anderen Seite Koko Petkov, als bekannter und viel diskutierter Anbieter von Coachings.

Der Finanzmarkt hat ein Problem mit Betrügern. Ähnlich wie im Gesundheitswesen liegt dies an den asymmetrisch verteilten Informationen. Es gibt unwissenden Nachfrager, welche den wissenden Anbietern vertrauen müssen. Die Qualität der Dienstleistung bzw. des Dienstleisters kann der Kunde meist erst beurteilen, wenn ihn die positiven oder negativen Konsequenzen der Dienstleistung betreffen. Betrüger machen sich diese ungleich oder auch unfair verteilte Informationslage zu Nutze und bieten, versteckt hinter falschen Versprechungen, qualitativ schwache Coachings zu königlichen Preisen an. Die Kritiker werfen Petkov Betrug und Prahlerei vor während die Fans von seinem Wissen, Können und den Coachings schwärmen. Was ist dran? Was steckt hinter kostenfreien Webinaren wie: Vom Einsteiger zum Profitrader?

Das Treffen mit Koko Petkov

Das Treffen hat meine Erwartungen übertroffen. Ich hatte vermutet mit standarisierten aalglatten Aussagen abgespeist zu werden und nicht wirklich schlauer abzureisen als ich gekommen war. Doch ich wurde positiv überrascht. Erlebt habe ich einen freundlichen und bodenständigen Koko Petkov. Nichts zu sehen war vom schrillen und marketingtechnisch aufgebauschten Auftreten, welches wir von ihm im Internet kennen. Petkov war interessiert, kommunikativ, bodenständig, entspannt und lebensfroh. Während des Gesprächs nebenher am Laptop handelnd diskutierte er jede Frage, ging auf Einwände und auch kritische Vorwürfe ein. Er scheint an der Kommunikation mit seinem Umfeld sehr interessiert zu sein. Positiv zu bewerten ist die Erreichbarkeit. Petkov ist kein Trader, den man nur erreicht, wenn man viel Geld bezahlt. Er traf sich mit mir in NRW, er reagiert mit seiner Youtube-Video-Reihe „Frag den Koko“ auf Nutzerfragen und hört seinen Fans und Kritikern zu und antwortet auch.

Koko Petkov schein oder sein.

Gute Laune und Trading am Laptop während des Interviews in Düsseldorf.

Fragen und Antworten

Jonas Höfgen: Die meisten Menschen kennen dich aus der N24-Dokumentation „Daytrader – der Traum vom schnellen Geld“ (2010). Damals hattest du 170.000€ Schulden und hast das Trading erlernt. Bist du erst seitdem an der Börse aktiv und wie schnell konntest du den phänomenalen Gewinn von 150.000€ erreichen?

Koko Petkov: Ich bin seit Anfang 2008 an der Börse aktiv und bin mit der Finanzkrise in die Schulden gerutscht. Ich habe zwar seit 2008 kontinuierlich Geld in meine Ausbildung investiert, habe aber nur langsame Fortschritte gemacht. Ich habe ca. 2 Jahre gebraucht, um auf break even zu sein und noch weitere zwei Jahre, um positiv zu traden. Ende 2013 konnte ich die Schulden dann begleichen und ungefähr ein Jahr später hatte ich es geschafft mit meinem Trading-System 150.000€ zu verdienen. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe an mich geglaubt und ich habe es geschafft. Jeder kann es schaffen. Es gehört viel Arbeit dazu, aber es ist möglich. Das möchte ich auch immer vermitteln.

Um die Doku reißerisch zu gestalten sind einige Szenen gestellt. Das meiste stimmt jedoch mit der Realität überein, berichtete Koko.

Jonas Höfgen: Was sind die drei ausschlaggebenden Bestandteile deiner Seminare?

Koko Petkov: Als erstes ist da die Struktur der Seminare. Man kann diese von überall auf der Welt belegen und sich das Coaching frei gestalten. Außerdem bieten wir eine Nachbetreuung der Kunden an. Als zweites lege ich viel Wert auf die Sicherheit. Risiko- und Money-Management sind sehr wichtig an der Börse. In erster Linie geht es darum, dass eigene Geld zu behalten. Das musste ich 2008 schmerzlich erfahren. Aufgrund meiner negativen Erfahrung möchte ich meinen Kunden heutzutage beibringen wie man Verluste und Schulden vermeidet. Ziel ist, dass meine Kunden weniger Geld verlieren und mehr verdienen. Der vielleicht entscheidende USP ist drittens, dass viel Wert auf die Einzelperson gelegt wird. Wir haben kleine Gruppen. Maximal 50 Personen. Mehr schaffe ich nicht zu betreuen und ich möchte ausreichend Zeit haben auf jeden einzugehen. Der mentale Aspekt ist mir wichtig.

Jonas Höfgen: Tradest du selbst aktiv oder machst du nur noch Coachings?

Koko Petkov: Ich trade regelmäßig. Muss ich. Ich muss gedanklich am Markt dabei sein. Ansonsten würde ich bei den Coachings und Live-Tradings Nichts zeigen können. Auch deswegen habe ich mittlerweile zehn Mitarbeiter. Die viele Arbeit, die hinter den Coachings steckt, haben wir verteilt. Allein müsste ich mich entscheiden, ob ich nur trade oder nur coache. Mit dem Team kann ich beides machen, was sehr wichtig ist.

Jonas Höfgen: Warum werden um dich und deine Angebote durch ein schrilles Marketing Emotionen aufgebaut und Stories konstruiert? Warum wird das Produkt nicht nüchtern präsentiert, sondern Elemente, wie Geld, Yachten oder schnelle Autos eingebaut?

Koko Petkov: Wenn man ein Produkt hat, dass gut ist, dann sollte man voll durchziehen. Meine Coachings sind gut und ich möchte möglichst viele Menschen erreichen. Das geht am besten mit genau diesem Marketing. Die Reichweite ist größer. Im Endeffekt kann ich so auch viele Menschen erreichen, die nach einer Ausbildung suchen, und besser bei mir buchen als auf einen Betrüger reinzufallen und das Geld umsonst zu verlieren.

Jonas Höfgen: Mit wie viel Geld agierst du an der Börse?

Koko Petkov: Ich handle meistens mit Hebel 4 oder 5. Wenn ich also beispielsweise 100.000€ auf meinem Tradingkonto habe, dann trade ich am Markt mit dem Risiko eines Tradingkontos von bis zu 500.000€. Einhergehend sind enorme Risiken. Das Geld, mit welchem ich agiere, habe ich nicht auf dem Trading-Konto, was ich jedem empfehlen würde. Doch ich besitze es. Sollte etwas schief gehen muss ich meine Schulden begleichen können.

Jonas Höfgen: Welche Art Kunden bucht deine Seminare? Sticht ein Charakter besonders hervor?

Koko Petkov: Alle möglichen Personen sind dabei. 16-jährige, aber auch Personen zwischen 60 und 70 Jahren. Arbeitslose, Angestellte, aber auch Manager, Rechtsanwälte oder Ärzte. Gemeinsam haben meine Kunden jedoch meist, dass sie eine neue Herausforderung suchen. Es sind mutige Menschen, welche den Schritt zum Trader wagen wollen und somit auch ein besonders großes Interesse und viel Motivation mitbringen. Bei mir bucht nicht der Durchschnittsbürger, sondern mutige Personen, welche etwas in ihrem Leben verändern wollen.

Jonas Höfgen: Wie wird man aus deiner Sicht Trader? Was muss man mitbringen?

Koko Petkov: Durchhaltevermögen. Das ist das Wichtigste. Übermut und voreilige, unüberlegte Entschlüsse führen zu Verlusten. Man sollte immer langsam vorgehen und nicht ins kalte Wasser springen. Die Arbeitsstelle sichert einen ab und nach der Arbeit kann man sich fortbilden oder traden. Der Markt kann jeden in die Knie zwingen. Nach einer Demokontophase reichen bereits 1.000€ um in einer Lernphase mit Echtgeld zu üben und lernen.

Jonas Höfgen: Was kosten deine Seminare?

Koko Petkov: Das günstigste Anfangsprodukt kostet 48€. Wer die teuerste Ausbildung wählt zahlt 2998€ oder auch 298€ im Monat für 12xMonate. Das kann man so pauschal nicht sagen. Der Kunde stellt sich sein Coaching selbst zusammen. Die Preise variieren. Der Kunde kann günstige Grundcoachings wählen oder kostenintensiver sich individueller und direkter coachen lassen inklusive einer Nachbetreuung.

Die Analyse

Ich wollte hinter die Fassade des Marketings schauen. Was ist die Wahrheit über Koko Petkov? Er polarisiert mit seinem Auftreten und seinem Marketing. Die einen Trader spricht es an. Die anderen wiederum nicht. Viele Diskussionen werden über ihn geführt. Dabei polarisiert aus meiner Sicht vor allem sein Ansatz groß zu Denken und an sich zu glauben. Im Gespräch sagte er, er könne sich nicht damit anfreunden immer nur klein zu denken, sondern möchte vermitteln, dass es jeder schaffen kann. Petkov spielt groß auf. Doch er glaubt an sich an auch daran, dass er anderen helfen kann es zu schaffen. Es genießt sein Leben. Seine freie Zeiteinteilung. Seine Arbeit zwischen Coaching und Trading. Sein Lifestyle. Er ist zufrieden und kommuniziert gerne. Er möchte nicht nur Geld verdienen, sondern auch sein Wissen und seine Lebenseinstellung verbreiten.

„Das meine ich so. Das lebe ich auch so. Ich kann mich mit diesem Kleindenken nicht anfreunden. Es ist möglich.“ – Koko Petkov

Wie sind seine Coachings einzuordnen? Laut Eigenaussage kennt Koko Petkov aus 4.000 Kunden vier, welche unzufrieden waren. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage können wir natürlich nicht nachvollziehen. Doch sollte er unseriöse Coachings anbieten, Qualität versprechen und nur heiße Luft liefern wäre das Luftschloss doch bereits geplatzt, oder? Seit 2014 bietet er Coachings an. Seit zwei Jahren halten sich die Angebote am Markt und werden weiterhin gebucht. Es gibt viele Vorwürfe im Internet, doch bisher keine fundierte Klagewelle, welche irgendwas aufgedeckt oder bewiesen hat. Mir gefällt der Aspekt der Nachbetreuung, die Preise und das 10-köpfige Team. Es handelt sich nicht um eine Person, welche sich bereichert, sondern um ein Unternehmen, welches einen Kostenblock refinanzieren und kaufmännisch Qualität bieten muss. Es wird an den Seminaren verdient und es gibt keine weiteren Angebote, wie Fonds oder Abonnements, welche verkauft werden.

Im Gegensatz zu Betrügern, welche nur das positive vom Himmel versprechen, sich selbst nur als Gewinner darstellen und auch Gewinne und Erfolge garantieren, was an der Börse nicht möglich ist, kennen wir auch die schlechten und erfolgslosen Zeiten von Koko Petkov (Doku 2010) und finden keine dubiosen Garantien und Versprechen. Auf der einen Seite ist die finanziell schwierige Lebensphase Koko’s ein Teil seiner Erfahrung und seines Werdegangs, auf der anderen Seite wird dieser Aspekt heutzutage natürlich im Marketing aufgegriffen und verwertet. Gemeinsam haben beide Parteien das Marketing. Ob Geldstapel, Yachten und teure Autos Teil im Marketingkonzept sein müssen kann man weiterhin kritisieren. Mit solchen Lockmitteln werden die Emotionen des potentiellen Kunden angesprochen und die Emotion nimmt unbewusst großen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Das ist ein gängiges Marketingmittel. So wirbt auch die Kinderschokolade mit den gesunden Zutaten oder Krombacher mit dem Schutz der Regenwälder.

Ich habe die Vermutung, dass Koko Petkov sich im Internet überzogener und schriller darstellt bzw. dargestellt wird als er es in der Realität der Fall ist. Sein besonderer und lebensfreudiger Lifestyle wird durch das Marketing nochmals aufgebauscht. Gewerblich gilt Klotzen statt Kleckern um möglichst viele Menschen zu erreichen und das eigene Produkt, von dem Petkov in seinem Mehrwert für den Verbraucher überzeugt ist, an den Kunden zu bringen. Er polarisiert. Dies führt zu Diskussionen. Diskussionen erhöhen seine Bekanntheit und somit auch seine Reichweite, welche ihm Kunden bringt. Es ist ein durchaus legales Marketing, welches jedoch mit Sicherheit nicht den Geschmack aller trifft. Mutige Personen, welche etwas verändern wollen in ihrem Leben und den Lebensstil von Koko Petkov mögen fühlen sich angesprochen. Das Marketing und seine Arbeit funktionieren. Denn wer von uns kennt Koko Petkov nicht? Für die Interessierten: Kokos Erfolgsformel.

Jonas Höfgen

by Sep 14, 2016 11 Kommentare
Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

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Trading ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Das Handwerk des Tradings und Investierens zu erlernen benötigt viel Zeit, Leidenschaft und erfahrungsbringende aber doch schmerzvolle Rückschläge. Erfolg an der Börse basiert nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Erfahrung, Glück und Talent. Es bedarf jahre- bis jahrzehntelanger Zuneigung des Traders zur Börse bis er nicht mehr größtenteils von Glück abhängig ist, sondern auch seine Erfahrung und sein Wissen gewinnbringend ausspielen kann. Indikatoren, Strategien, Muster, Chart-Technik, Fundamental-Analysen und andere Dinge vereinfachen die Komplexität des sich täglich verändernden Marktes. Doch viele Trader sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Börse umfasst zwar Ökonomie, Mathematik und Finanzwirtschaft. Doch grundlegend basiert sie auf dem Verhalten von Menschen. Börse basiert auf Psychologie.

„Die Börse reagiert gerade mal zu 10 Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie“
André Kostolany

 

Mathematiker und Ökonomen haben nicht unbedingt einen Vorteil an der Börse. Sie denken viel zu rational. Mathematiker erwarten berechenbare Vorgänge und Ökonomen versuchen den Markt in stupide Modelle zu pressen. Doch die Börse ist launisch, wild und oft sehr irrational. Wir können die Zukunft nicht berechnen oder an Modellen ablesen. Auch wenn Algorithmen und Super-Computer immer größere Anteile am Handel haben, ist weiterhin der Faktor Mensch entscheidend. Und Menschen agieren nicht immer rational. Der Homo Oeconomicus existiert nicht. Menschen reagieren unter dem Einfluss von Emotionen, Stress, Angst und Euphorie unlogisch und unerwartet. Wer sich mit der Verhaltenspsychologie am Finanzmarkt, der sogenannten Behavioral Finance, beschäftigt, kann sein Wissen und sein Können als Trader daher maßgeblich verbessern.

„Home Oeconomicus“

Der Home Oeconomicus ist eine Entwicklung der Ökonomie. Bei diesem Konzept handelt es sich um einen menschlichen Markt-Akteur, welcher stets rational und optimierend agiert. Diese fiktive Person klammert menschliches Verhalten, wie Schusseligkeit oder Ungenauigkeit, genauso wie Psychologie, Angst oder Stress aus. Dies dient dazu, die Ökonomie in einfache Modelle pressen zu können. Beim Home Oeconomicus folgt B auf A. In der Realität ist dem jedoch nicht so.

„Ein Großteil aller unserer Entscheidungen werden ganz stark von psychologischen Faktoren beeinflusst werden […] weil wir Homo Sapiens sind. Das ist eine Frage unserer Gattung. Das ist naturgegeben. In unserer Evolution haben uns bestimmte Flucht- und Verhaltensreflexe das Überleben gesichert. Diese Reflexe begehen wir bewusst und leider auch oft unbewusst. Auch heutzutage noch.“

 Winfried Neun

  

Ausmaß der Psyche – die Spieltheorie

Um dir einen kurzen Eindruck über das Ausmaß der Psyche als Einfluss auf das menschliche Verhalten zu geben, möchte ich kurz mit dir einen Blick in die Spieltheorie werfen. Diese untersucht das Verhalten von Spielern und entwickelt daraus Theorien über das rationale und irrationale menschliche Vorgehen.

Beeindruckend ist beispielsweise das Feiglings-Spiel. Hierbei fahren zwei Personen mit einem Auto und hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Nun haben beide Spieler je zwei Möglichkeiten. Sie können ausweichen und behalten ihr Leben, aber verlieren ihre Ehre als gedemütigter Verlierer und Feigling. Sie können weiterfahren und riskieren ihren Tod. Fahren sie jedoch weiter und der gegenüber weicht aus, so behalten sie ihr Leben und gehen als mutiger Sieger aus diesem Spiel heraus. Für was sollen sie sich entscheiden? Sie stecken in einem verhaltensabhängigen Dilemma. Definieren wir nun, dass „Ausweichen“ einen Nutzen-Wert von einem Punkt hat, weil der Spieler überlebt, und „Siegen“ ebenfalls einen Punkt auf der Nutzen-Skala einbringt, erkennen wir die Krux dieses theoretischen Spiels: Fahren beide Spieler weiter liegt der Nutzen für beide auf Grund ihres Todes bei null. Weicht ein Spieler stetig sechs Mal in Folge aus, so verliert er zwar seine Ehre, aber überlebt. Sein Nutzen liegt bei 6 Punkten. Der Spieler, welcher sechs Mal weiterfährt und darauf vertraut, dass der andere stetig ausweicht, erreicht einen Nutzen von 12. Er überlebt und gewinnt. Hieraus ist zu erkennen, dass die wohl irrationalste und dümmste Entscheidung (weiterfahren) jedoch diese mit dem höchsten Nutzen für den Spieler ist.

“Das Geheimnis des Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.”
John Maynard Keynes

Während das Feiglings-Spiel beeindruckend das Dilemma situativer Entscheidungen von Menschen aufzeigt, hat es jedoch kaum praktischen Nutzen. Schaut man sich jedoch beispielsweise das Spiel „Dollarauktion“ an, so können wir bereits Rückschlüsse auf die Entstehung von Spekulations-Blasen ziehen. Bei diesem Spiel bieten zwei Personen um einen Dollar. Immer abwechselnd können Sie das Gebot um mindestens einen Cent erhöhen. Entscheidend ist, dass beide Personen, also Gewinner und Verlierer, ihr letztes Gebot an die Bank zahlen müssen, aber nur der Gewinner den Dollar erhält. Nun bieten die Personen los. 4, 12, 25 Cent und so weiter. Zwischen 50 und 99 Cent denkt meist der erste Bieter ans Aussteigen. In diesem Moment wird ihm oder beiden klar, dass sie nun bereits Geld verlieren würden, wenn sie aussteigen. Selbst beim Erreichen von Geboten von 98 und 99 Cent bieten die Spieler weiter und spekulieren darauf, den Dollar zu gewinnen und bei einem Gebot von zum Beispiel 1,20 Dollar nur 20 Cent Verlust zu machen. Versuche ergeben, dass Spieler sich durchschnittlich auf $3,40 hochschaukeln. Sie bieten das Dreifache des Wertes dessen, was sie erhalten könnten. Dies basiert auf der gegenseitigen Beeinflussung. Die Spekulanten regen sich gegenseitig zu einem Verhalten an, welches die Preise explodieren lässt.

„Seien sie ängstlich wenn die Welt gierig und seien sie gierig wenn die Welt ängstlich ist“
Waren Buffett

 

Kern der Börse – Bewertung

Nun kann man nicht behaupten, alles sei Psychologie. Börse ist eben auch ein Kapitalmarkt und eine Abbildung konjunktureller und wirtschaftlicher Begebenheiten. Wie viel Anteil menschliches Verhalten an Kursbewegungen hat, wird man auf der einen Seite nicht bestimmen können und auf der anderen Seite ändert sich der Anteil an jedem Tag und in jeder Sekunde. Doch ich wage zu behaupten, dass die meisten Ursachen größtenteils auf psychologische Gründe zurückführbar sind.

Ist Psychologie tatschlich so wichtig? Die gehandelten Bewertungen an der Börse basieren auf fundamentalen Daten. Die ökonomische Realität bildet das Fundament der Bewertung. Die Kurse sind jedoch losgelöst und basierend auf menschlichen Verhalten entstehen Über- und Unterbewertungen. Immer wieder werden diese korrigiert, wenn sich bei Veröffentlichung von Konjunktur- oder Unternehmensdaten zeigt, wie weit sich die Anleger vom „wahren“ Wert entfernt haben. Das Verhalten der Anleger lässt sich durch Kennzahlen, wie z.B. dem KGV, oder das Herdenverhalten anhand der Chart-Technik erkennen.

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Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Millionen Menschen handeln täglich. Dabei beeinflussen sie sich gegenseitig in ihrem Verhalten. Ihr Verhalten wird in steigenden oder fallenden Kursen ausgedrückt. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Jeder reagiert auf den anderen. Erinnerst du dich an die Spieltheorie und zu welchen verrückten und nur schwer nachvollziehbaren Situationen es dadurch kommen kann? Chart-Technik versucht hierbei Muster dieses Verhaltens zu erkennen und zu definieren. So sind Unterstützungen und Widerstände nichts anderes als psychologisch bedeutende Marken. Ob 9000, 9500, 10000 oder 11000. Runde Zahlen sind beispielsweise immer gewichtige Marken. Menschen mögen runde Zahlen. Diese wirken wie Meilensteine bei einem Rennen, bei dem die Distanzen zum Ziel stetig gerade sind.

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Auf Grund der Technologisierung und Digitalisierung wird auch der Finanzmarkt immer schneller und größer. Sekündlich zirkulieren unglaublich große Datenmengen und Geldsummen am Finanzmarkt. Der einzelne Akteur kann dies nicht überblicken. Dennoch muss er trotz dieser schnelllebigen, unübersichtlichen und komplexen Situation Entscheidungen treffen (Heuristik). Er steht unter Druck, sein Geld möglicherweise zu verlieren. Aus diesem Druck der Situation entsteht Stress und mit dem Stress kommen die Emotionen: Angst, Misstrauen, Euphorie, Wahrnehmungsverzerrung und viele andere Dinge. Viele Entscheidungen werden nicht rational, sondern emotional getroffen.

„Geduld ist die oberste Tugend des Investors“
Benjamin Graham

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Erfolg an der Börse durch Verständnis für Verhaltenspsychologie besteht jedoch nicht nur daraus, das Verhalten anderer zu erkennen und zu verstehen, sondern auch am eigenen Verhalten. Wir machen als Trader Fehler. Das ist menschlich. Trading ist daraus resultierend eine Form der Charakterbildung. Wir müssen uns jeden Handelstag aufs Neue disziplinieren, konzentrieren und am Riemen reißen. Emotionen sind unser größter Feind. Wir arbeiten vorwiegend mit uns selbst und mit anderen.

Chart-Technik, Indikatoren, Strategien und andere Mittel der Markt-Analyse sind berechtigt und wichtig. Ein Anleger sollte sich jedoch nicht nur auf die Bäume fixieren, sondern den Wald im Ganzen betrachten. Psychologie wird an der Börse unterschätzt. Die meisten Trader schlagen sich mit Signalen, Formeln, Berechnungen, Wahrscheinlichkeiten und anderen Dingen herum und vergessen dabei den Faktor Mensch. Nur wer dies beachtet und in seine Gedanken und Konzepte einfließen lässt, wird ein abgerundetes Verständnis vom Markt erhalten.

Mein Ziel ist es, mit diesem Artikel dein Interesse für die Behavioral Finance zu wecken. Psychologie wird von Männern, welche die Börse weiterhin dominieren, oftmals als verweichlicht abgelehnt. Philosophieren und über Gefühle reden und nachdenken, behagt vielen nicht. Doch genau dies ist ein wichtiger Faktor für deinen Erfolg. In den kommenden Artikeln möchte ich weiter auf den Einfluss der Psychologie an der Börse eingehen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme (folgt in kürze)
  5. Anomalien der Heuristik (folgt in kürze)
  6. Traden ist Charakterbildung (folgt in kürze)
  7. Psychologische Fallen (folgt in kürze)
  8. Praxisbeispiele (folgt in kürze)

 

by Sep 09, 2016 Keine Kommentare
Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

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Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen / verbilligen: Kennen Sie das? Sie eröffnen eine Position und diese entwickelt sich nicht wie geplant. Erst sind es nur wenige Prozent Verlust. Dann bereits 10% oder mehr. Sie müssen sich nun entscheiden, was Sie tun. Verlieren fühlt sich schlecht an (mehr zum Risikomanagement). Sie könnten nun den Verlust durch einen Verkauf realisieren. Dann müssten Sie sich jedoch den Fehltrade und Verlust eingestehen. Sie könnten die Position jedoch auch laufen lassen und auf ein glückliches Ende hoffen. Eine verzwickte und auch emotional geladene Situation.

 

Schlechtes Nachkaufen

Viele Anleger entscheiden sich nachzukaufen. Dieses Vorgehen nennt man „Verbilligen“. Das Kalkül dessen ist, durch einen zweiten, billigeren Einkauf den durchschnittlichen Einkaufspreis, bei dem Ihre Position plus-minus-null notiert (break-even), zu senken. Wenn Sie 5 Äpfel für jeweils 2€ kaufen und weitere 5 für jeweils 1€ dann liegt ihr durchschnittlicher Einkuafspreis von 5 Äpfeln bei jeweils 1,50€. Sie haben durchschnittlich billiger eingekauft. Sie haben verbilligt. Doch was kurz beschrieben sehr attraktiv klingt, birgt zahlreiche Fallen und ist für die meisten Trader der Einstieg zu noch größeren Verlusten.

Tabelle 1

Wann Verbilligen Fluch und wann Segen für einen Anleger ist, möchte ich an einem Beispiel erarbeiten.

Ein Anleger kauft beispielsweise bei einem Kurs von 24,00€ insgesamt 50 Aktien (siehe Abbildung). Nachdem die Aktie um 9% auf 21,84€ gefallen ist und er bereits 108€ von den anfangs investierten 1.200€ verloren hat, entscheidet er sich nochmal nachzukaufen. Zwar könnte er nun für dieselbe Summe, also 1200€, 55 Aktien erwerben, jedoch wird der Anleger bereits vorsichtiger und entscheidet sich mit einem besorgten Blick auf seine Geldbörse und die verlustbringende Position nur 45 Aktien im Wert von 982,80€ nachzufragen. Der durchschnittliche Einkaufspreis sinkt nun von 24,00€ auf 22,98€. Bei diesem Wert erreicht seine Position, welche aus mehreren Einzelpositionen besteht, nun den Break-Even-Point.

Tabellen 2

Doch erneut fällt die Aktie. Viele ungeübte Anleger lassen sich nun dazu verleiten immer öfter nochmals nachzukaufen. Es wird immer billiger und sie wollen diese Einstiegschancen immer wieder nutzen. Auch kommt oft der Gedanke auf, dass die Aktie nun doch mal drehen müsse. Schnell übernehmen also die Emotionen die Kontrolle und man lässt sich zu weiteren Verkäufen verleiten. Krampfhaft versucht man die verlustreiche und unangenehme Situation durch Nachkäufe zu beheben.

Die Probleme dessen liegen auf der Hand. Die vom Anleger investierte Summe ist mittlerweile 123% größer als gewollt. Kann er sich dies leisten? Kann er sich vor Allem die Verluste leisten? Durch die größere Positionssumme verliert er mit jedem weiteren Prozent, welchen die Aktie fällt, nun mehr Geld. Waren es anfangs bei nur 1.200€ noch 12€ je Prozent, so beträgt der neue Verlust 26,82€ je Prozent Kursrückgang. Er verliert nun 123% mehr pro Prozent Kursrückgang als zuvor.

Dies bedenken viele Anleger nicht. Des Weiteren verbilligen die meisten nicht konsequent. Sie senken das Investment je Nachkauf. Waren es anfangs noch 1.200€, wurden beim ersten Nachkauf 1.000 und dann nur noch 500€ eingesetzt. Der Anleger weiß, dass er es sich nicht leisten kann und bangt um die Verluste und hofft auf einen glücklichen Ausgang. Auf Glück sollte man an der Börse jedoch nicht setzen. Dann kann man auch ins Casino gehen. Die erste und verlustreichste Position hat durch ihre Größe (44,7% Anteil an der Gesamtsumme) weiterhin das meiste Gewicht. Die Nachkäufe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind gebührenpflichtige Nachkäufe mit fragwürdigem Nutzen. Während der Kurs um 16,66% gefallen ist, so konnte der Break-Even lediglich um 6,9% gesenkt werden.

Außerdem: Hätte der Anleger nicht verbilligt, so hätte er seine Position bei 20,00€ Kurswert mit „nur“ 200€ (16,66% Verlust) glattstellen können. Er hätte einen Verlust in Höhe von 200€ realisiert. Durch seine unkoordinierten und emotional ausgeführten Nachkäufe wären es nun bereits 281,90€ Verlust.

Gutes Nachkaufen

Tabellen 3

Verbilligen ohne Plan ist einer der teuersten Fehler, den ein Anleger machen kann. Doch kontrolliertes Verbilligen ist eine der bedeutendsten Möglichkeiten, vor Allem in volatilen und labilen Marktphasen, zumeist ungenutztes Kurspotential zu aktivieren. Der Anleger vermeidet nun Emotionen, indem er einen festen und zuvor festgelegten Investment-Plan für die Position besitzt. Er möchte bestenfalls aber auch maximal 1.200€ in die Aktie investieren. Da die Aktie aktuell fällt und er sich unsicher ist ob und wann diese dreht, sowie er sein Kapital schützen möchte, entscheidet er sich bewusst bei 24€, 21,82€ und 20€ mit jeweils 1/3 der Gesamtsumme, also jeweils 400€, einzusteigen.

Wir erkennen nun die Vorteile dieses Handelns: Der Anleger kann nun Verluste vermeiden. Wäre er sofort bei 24€ Kurswert mit 1.200€ eingestiegen, so er hätte 16,66% tiefer bereits 200,00€ verloren. Durch das verbilligende Aufbauen der Zielposition konnten die Verluste um rund 50% auf 100,76€ gesenkt werden.

Durch das gleichmäßige Investieren konnte der Anleger mit jeder Einzelposition trotz gleicher Summe (400€) mehr Aktien erwerben. Erst 17, dann 18 und zuletzt 20. Dies könnte ihm für Dividenden nun zu Gute kommen. Auch ermöglichte das gleichmäßige Verbilligen ihm einen besseren billigeren/durchschnittlichen Einstiegspreis. Im oberen Beispiel benötigte der Anleger noch einen Kurszuwachs um satte 11,75% von 20 auf 22,35€ um den Break-Even zu erreichen. Nun sind es lediglich 9,15% von 20 auf 21,83€ mit einer kleineren Positionssumme und weniger Verlusten.

 

Nachkaufen – Vorteil oder Nachteil?

Doch was passiert, wenn die Aktie nicht fällt, sondern steigt bevor man mit allen drei Teilkäufen eingestiegen ist? Pech! So wie man mit einer kleineren Position bei fallenden Kursen weniger Verlust macht, so macht man natürlich mit einer kleineren Position bei steigenden Kursen auch weniger Gewinn. Doch die Position kann man im Gewinnbereich natürlich auch step by tsep erweitern. Vor Allem für antizyklische Investoren kann das Verbilligen einerseits das Kapital schützen und auf der anderen Seite bei der Suche nach dem perfekten Einstiegspunkt helfen. Man geht nicht in einem Moment „All In“, sondern tastet sich in zwei oder drei Einkäufen an einen möglichst optimalen Einstieg heran. Bedenken sollte man jedoch die höheren Orderkosten. Verbilligt man mit zu hoher Frequenz (z.B. immer nach einem Prozent Kursverlust), dann übersteigen möglicherweise die Orderkosten schnell den möglichen zusätzlichen Gewinn.

Verbilligen ist Fluch und Segen zugleich. Es kann schaden, aber auch helfen. Entscheidend ist immer der klare Handelsplan. Wann möchte ich mit wie viel Kapital einsteigen? Was sind meine Ziele? Wann realisiere ich die Verluste? Handeln Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern nach Plan. Ein Plan, welcher auch kontrolliertes Verbilligen enthalten kann.

by Aug 24, 2016 Keine Kommentare
Bitcoins – Segen oder Fluch???

Bitcoins – Segen oder Fluch???

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Bitcoins – Segen oder Fluch???

Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich? Handel betreiben Menschen seit zehntausenden Jahren. Hierbei werden Güter und Leistungen getauscht. Die Form des Handels hat sich seit jeher weiterentwickelt. Neben dem Tauschhandel wurden vereinzelt auch Naturalien, wie z.B. Muscheln, als Währung genutzt. Vor rund 4.000 Jahren setzte sich die Münze als Zahlungsmittel durch. Die Banknote tauchte vor 1.000 Jahren zum ersten Mal auf und erst seit etwa 100 Jahren ist unser derzeitiges Zahlungsmittel, Münzen und Banknoten, nicht mehr durch Gold gedeckt und im Wert bestimmt. Immer wieder hat sich die Form des Geldes verändert. Mittlerweile tauchen immer öfter digitale Währungen, wie z.B. der Bitcoin, auf. Wird das die nächste Revolution am Finanzmarkt? Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich?

Umfragen ergeben, dass die meisten Menschen das Wort „Bitcoin“ kennen, aber nicht verstehen. Nach diesem Artikel wirst du bestens informiert sein. Nicht nur Anleger interessieren sich für den Bitcoin und dessen Funktionsweise, die Blockchain, sondern auch Banken. Laut dem Manager Magazin investierten zuletzt 42 internationale Großbanken in die Firma „R3“. Die Banken-Szene wittert ein großes Geschäft, weswegen sich beispielsweise bereits Nasdaq, Visa und die Citygroup unter dem Namen Chain.com engagieren. Digitale Währungen stellen für Banken ein potentielles Geschäft aber auch eine Gefahr dar. Die Bank Santander schätzt das Einsparpotential für Nutzer der Währung auf unglaubliche 20 Milliarden Dollar. Jährlich!

Die aktuelle Situation

Der Bitcoin rüttelt am bestehenden Status quo. Um zu verstehen wie dieser funktioniert, müssen wir auch die aktuell etablierten, monetären Systeme kennen. Eine zentrale Funktion nimmt das Geld ein. Es ist das Tauschmittel unserer Zeit. Arbeit, Existenz, Wohlstand, Freizeit, Freiheit und viele weitere Dinge sind vom Geld abhängig. Doch Geld ist kein Rohstoff, der gefördert wird oder auch kein Produkt, welches von Bauern angebaut werden kann. Geld wird in unserem System durch die Zentralbank generiert und kontrolliert. Durch Eingriffe am Finanzmarkt regulieren Notenbanken die Geldmenge. Das generierte Geld wird durch Banken genutzt, investiert und in Form von Krediten ausgeschüttet. Staaten regulieren die Banken und beeinflussen mit Gesetzen den Umlauf von Geldmengen. Alles dreht sich in unserer heutigen Epoche um Banken. Die milliardenschweren Rettungen von Großbanken in Deutschland und auch anderen Ländern wurde stark kritisiert, waren aber wichtig. Banken sorgen für Liquidität am Markt durch Kreditvergabe, unterstützen Investitionen und sorgen für die sichere Aufbewahrung von Vermögen. Bei Bedarf kümmern sich Banken um eine attraktive Anlage von Vermögen und garantieren den Kunden eine schnelle Verfgbarkeit ihrer Guthaben zu jeder Zeit an jedem Ort. Banken wickeln Überweisungen, Handel, Börsengänge, Transaktionen und zahlreiche weitere Dinge ab. Alles, was mit Geld zu tun hat, hat auch mit Banken zu tun – und heutzutage hat fast alles mit Geld zu tun. Kunden benötigen diese mächtigen Institutionen und müssen ihnen vertrauen. Jeder Nutzer von Geld ist auf Mittler angewiesen; ob Broker, Banken oder andere Finanz-Institute. Man hat nur mit Hilfe von Mittlern Zugriff auf die Märkte.

Was ist Geld?

Geld ist auf Grund seiner Komplexität sehr schwer zu definieren. Es ist die am weitesten entwickelte Form des Handels. Mankiw befand, dass Geld alle werthaltigen Dinge sind, welche zm Kauf und Verkauf von Waren und Leistungen genutzt wurden. Keynes prägte die noch heutzutage meist gültige Sichtweise, dass jedes Eigentum, welches als Tauschmittel akzeptiert wird, „Geld“ genannt werden kann. Jeder tauschbarer Vermögensgegenstand stellt dementsprechend in gewisser Form Geld dar, wenn dieses durch die Gesellschaft als Zahlungsmittel akzeptiert ist.

Wenn ein Vermögensgegenstand ein Transaktionsmittel ist oder werden will, so muss dieser diverse Anforderungen erfüllen. Geld muss eine Recheneinheit sein. Werte müssen sich in Einheiten des Geldes beschreiben lassen und die Recheneinheiten müssen allen bekannt sein. Geld muss ein Tauschmittel sein für den Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Geld stellt jedoch ebenfalls ein Wertaufbewahrungsmittel dar. Es kann zu einer zeitlichen Diskrepanz zwischen Erhalt und Ausgabe des Geldes kommen. Beispielsweise wird Arbeitszeit mit Geld bezahlt. Der Wert der Arbeitszeit wird jedoch erst viele Wochen nach Erbringung dieser ausbezahlt und oftmals erst viele Monate später ausgegeben. Geld ist des weiteren nützlich, werthatig, knapp, teilbar, transportfähig, unzerstörbar und homogen.

Neben den soeben definierten Funktionen des Geldes wird zwischen zwei Arten von Geld unterschieden. Auf der einen Seite existiert das Rechengeld (Fiatwährung), welches durch Staaten und Zentralbanken generiert und in Umlauf gebracht wird. Auf der anderen Seite verfügen Waren teilweise jedoch auch über einen eigenen Wert, welcher sich durch Angebot und Nachfrage ergibt. Mit diesen werthaltigen Waren lässt sich ebenfalls handeln. Es nennt sich Warengeld. Rechengeld kann materiell in Form von Münzen und Banknoten angewendet aber auch elektronisch durch Überweisungen genutzt werden. Eine Form dieses virtuellen Geldes ist die kryptografische Währung (Krypto-Währung). Dieses Rechengeld ist, grob gesagt, ein Algorithmus durch welchen Transaktionen generiert werden. Dieses Geld wird nicht druch Banken, Staaten oder Zentralbanken geschaffen, reguliert und verwaltet. Der Bitcoin stellt eine Ausprägung der Krypto-Wärhung dar.

 

Bitcoin

Was ist die Definition des Bitcoin? Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) definiert dies wie folgt: „Bitcoins (BTC) sind eine virtuelle Währung, deren Transaktionen und Guthaben in einem dezentralen Netzwerk verwaltet werden. Durch kryptografische Berechnungen kann prinzipiell jeder Netzwerk-Nutzer an der Geldschöpfung teilnehmen. Eine Zentralbank, die diese Aufgabe bei realen Währungen wahrnimmt, existiert daher nicht. Mit Bitcoins, die es seit 2009 gibt, können inzwischen zahlreiche Waren, Dienstleistungen, IT-Anwendungen oder Freizeitangebote erworben werden. Der private Handel unterliegt keiner Erlaubnispflicht, nur das Betreiben von Marktplätzen, an denen Bitcoins gehandelt werden, unterliegt einer Lizenz, welche von der BaFin auszustellen ist.“

Der Begriff „Bitcoin“ steht einerseits für das Währungs-System Bitcoin andererseits aber auch für eine einzelne Recheneinheit. Ein Bitcoin basiert auf kryptografischen Protokollen. Diese Protkolle sind eine einzigartige kryptografische Signatur, welche nur ein einziges Mal existiert und nicht willkürlich vervielfältigt werden kann. Der Bitcoin kann online zwischen Anbieter und Nachfrager Peer-to-Peer gehandelt werden. Die Transaktion wird im Protkoll erfasst und gespeichert. Mit jeder Transaktion erweitern diese beiden Parteien das Protokoll. Hierdurch kann der Nachfrager nach Bitcoins auch die Echtheit prüfen und ob der Anbieter diesen Bitcoin rechtmäßig besitzt. Es sind keine Banken oder sonstige Dienstleister nötig. Bitcoins können von den Anwendern erstellt, gelagert, verwaltet und verschickt werden. Durch das kryptografische Protokoll, welches einzigartig ist, kann die Echtheit selbstständig überpüft werden. Besitzer benötigen lediglich ein Programm namens „Bitcoin Core“ auf ihrem PC. Mit diesem können sie ihre Bitcoins, welche in der Online-Geldbörse namens „Wallet“ liegen, verwalten, halten und verschicken. Der Besitzer verfügt über das krypotgrafische Protokoll. Kommt es zu einer Transaktion, so können die interagierenden PCs selbstständig die Protokolle lesen, erweitern und auf Echtheit testen. Die digitale Signatur eines Bitcoin wird durch die Blockchain authentifiziert. In dieser befinden sich alle Protokolle in verschlüsselter Form.

Der Bitcoin basiert auf einem mathematischen Algorithmus. Da dieser endlich ist, können maximal 21 Millionen Bitcoins existieren. Derzeit befinden sich rund 12 Millionen Bitcoins im Umlauf mit einem Wert in Höhe von rund 4 Milliarden US-Dollar. Bitcoins kann man auf Websites/Börsen oder an BTC-Geldautomaten erwerben. Bitcoins werden beim sogenannten Mining geschöpft. Hierbei stellen Nutzer Rechenleistung zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Bitcoins. Die Rechenleistung wird benötigt, um den Algorithmus zu errechnen.

Der Bitcoin kann als open-source Nutzer zu Nutzer (P2P) Krypto-Währung bezeichnet werden. Die Idee ist, dass keine kontrollierenden Mittler nötig sind und Bitcoins quasi anonym verschickt werden können. Um das Protokoll genauer zu verstehen, muss man wissen, dass es einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel gibt. Mit „Schlüssel“ ist das Protkoll bzw. ein Teil des Algorithmus bezeichnet. Jede Transaktion wird im öffentlichen Schlüssel, der Blockchain, gespeichert. Hierdurch ist für jeden ersichtlich, wann der Bitcoin wo war und wem er derzeit gehört. Die Echtheit und das Recht des Besitzers diesen Bitcoin zu besitzen, kann so bestätigt werden. Der Besitzer des Bitcoins verfügt zusätzlich über den privaten Schlüssel. Nur dieser stellt den Wert bzw. die eigentliche Recheneinheit zum Bezahlen dar. Bei einer Transaktion übermittelt die zahlende Partei der erhaltenden Partei den privaten Schlüssel. Die erhaltende Partei bzw. der PC dieses Nachfragers gleicht den privaten Schlüssel daraufhin mit dem öffentlichen Schlüssel in der Blockchain ab. Da jeder Schlüssel, also jedes kyptografische Protkoll, einzigartig ist, kann so die Echtheit festgestellt werden. Der Bitcoin ist dementsprechend diebstahlsicher. Es ist also so, als wäre auf einem Gelschein der aktuelle Besitzer gespeichert. Bezahlt ein Dieb mit diesem Geldschein, kann sofort erkannt werden, dass er nicht der rechtmäßige Besitzer ist. Die vielen Millionen jährlichen Transaktionen kann man nicht auf einen Geldschein schreiben. Bei digitalen Währungen lässt sich dieses Prinzip, die Transaktionen zu erfassen, jedoch umsetzen.

Die Blockchain

Durch das Mining wird die Blockchain bzw. ein öffentlicher und ein privater Schlüssel erstellt. Mining stellt das Suchen eines Rechners nach möglichen Algorithmen dar, welche einzigartig, logisch und nutzbar sind. Der Miner stellt hierfür Rechenleistung zur Verfügung. Während der private Schlüssel als Bitcoin in Umlauf ist, so liegt die Blockchain durchgehend beim Miner. Alle zehn Minuten wird die Blockchain hierbei aktualisiert und mit jeder Transaktion wird ein neuer Block an die Kette (Chain) gehängt. Miner, welche ihre Rechenleistung zur Verfügung stellen, erhalten einen bestimmten Betrag des errechneten Betrages als Transaktionsgebühr. Mit der Zeit müssen immer aufwendigere Algorithmen errechnet werden, um weitere Blockchains und Bitcoins zu schöpfen. Dies wurde bewusst entwickelt. Die Entwickler orientierten sich hierbei am Abbau von Gold. Während ein Rohstoff anfangs einfach gefördert werden kann, steigen mit der Zeit der Aufwand und die Kosten der Förderung. Auch dadurch erhält der Rohstoff einen gewissen Wert. Er ist endlich.

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Die Entwickler

In einer Rundmail der „kryptografischen Mailing-Liste“ auf metzdowd.com aus dem Jahr 2008 definierte Satoshi Nakamoto das Anliegen und den Sinn des Bitcoin. Es ist bis heute ungeklärt, ob es sich bei dem Namen um eine Person oder eine Gruppe handelt. Über die Identität ist so gut wie Nichts bekannt.

„Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.“

Eine Generation früher hatten Nutzer von Time-Sharing-Computersystemen ein ähnliches Problem. Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwortschutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machten. Es ist Zeit, dass wir dasselbe mit Geld machen. Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden.

– Satoshi Nakamoto

Bis 2009 arbeitete Nakamoto mit anderen Entwicklern im Netzwerk zusammen bis er Mitte 2010 den Netzwerkzugangsschlüssel an Gavon Andresen übergab und sich aus dem Projekt zurückzog und seitdem nicht mehr in Erscheinung trat. Gavin Andresen ist der Chef-Wissenschaftler der Bitcoin Foundation und kann mit dem Schlüssel einige Eingriffe in die Währung unternehmen. 2009 schuf Nakamoto zuvor den ersten Genesis Block und begründete damit den Bitcoin. Ein Genesis Block stellt den ersten Block einer Blockchain dar. Er ist immer gleich, quasi die grundlegende Programmierung und ist das Fundament der Blockchain.

Interessant ist, dass Nakamoto im Genesis Block neben der Programmierung folgenden Text hinterließ: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“. Er deutete auf einen Artikel in der Times vom 03. Januar 2009 hin. Dies ist als Botschaft zu verstehen. Wahrscheinlich startete Nakamoto als Reaktion auf die Finanzkrise und diesen Artikel sein Projekt den Bitcoin zu entwickeln. Die Roh-Version des Genesis Blocks sieht wie folgt aus (Auszug):

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Der Artikel der New York Times startet wie folgt:

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Die Geschichte um Satoshi Nakamoto mutet wie eine Heldengeschichte aus einem Hollywood-Film an. Eine geheime Gruppe oder Person, welche kurz über einige Jahre auftaucht, deren/dessen Identität aber niemanden bekannt ist. Mit einer Rundmail, einem revolutionären Algorithmus und einer Botschaft im Genesis Block soll die Welt verbessert bzw. die Macht der Banken gebrochen werden. Hat sich Hollywood schon die Rechte daran gesichert?

Potential und Gefahren des Bitcoins

Das Potential des Bitcoins ist umstritten und wird daher auch hitzig diskutiert. Für die einen ist es der Durchbruch im Kampf gegen die unliebsamen aber übermächtigen Banken. Für andere wiederum stellen sich noch zahlreiche Frage inwiefern der Bitcoin eine eigenständige Währung werden könnte.

Sicher ist, dass der Bitcoin als ergänzende Währung durchaus hilfreich ist. Er könnte sich als Arbitragewährung etablieren und die Transaktion von Devisenzahlungen vereinfachen. Anbieter und Nachfrager können hierbei auf Banken als Mittler verzichten. Große Arbitrage-Transaktionen verschlingen meist auch viele Gebühren.

Die Software des Bitcoin lässt sich auch nachträglich verändern, um Fehler zu beheben oder Innovationen einzuführen. Diese Änderung muss jedoch von genügend Nutzern angenommen werden. Was bedeutet genügend? Mehr als 50% der Rechenleistung müssen bei Nutzern liegen, die der Änderung zustimmen. Nun besteht die Gefahr, dass einzelne Akteure selbst mehr als 50% der Rechenleistung auf sich vereinen. Im Juli 2014 überstieg der Mining-Pool GHash beispielsweise kurzzeitig diese Marke. Das Problem besteht darin, dass der Besitzer von mehr als 50% der Rechenleistung bereits bestätigte Blöcke in der Blockchain rückgängig machen kann und durch neue ersetzen kann. Learncyptography.com erklärt, dass eine sogenante 51%-Attack dazu führen kann, dass der Inhaber andere am Übermitteln von Bitcoins oder dem Finden von neuen Blockchains (mining) kurzzeitig hindern kann. Auch könnte er doppelte Transaktionen durchführen. Er kann jedoch keine gefälschten Bitcoins in Umlauf bringen und auch keine Bitcoins von anderen Nutzern klauen. Eine 51% Attack verbraucht jedoch Unmengen Geld, Strom und Rechenleistung.

John Williams, Chef der San Fransico FED, warnte davor, dass die Bitcoin-Technologie aus seiner Sicht Kriminalität und Terrorismus begünstigt. Wenn Zentralbanken, Staaten und Geschäftsbanken keinen Einfluss mehr auf das Vermögen und die Transaktionen haben, so könnten Kriminelle und Terroristen ihre Gelder ungehemmt bewegen und verschieben. Die Finanzierung von Zellen könnte, wie jetzt, nicht mehr behindert werden. 2011 wurden tatsächlich Drogen im Tausch gegen Bitcoins angeboten.

Die Debatte um eine unabhängige Währung wurde Mitte 2010 befeuert als Visa, Mastercard und vor allem PayPal Konten von WikiLeaks sperrten und Transaktionen verhinderten, um die Finanzierung von WikiLeaks trocken zu legen.

Der Journalist Timothy B. Lee warnt vor den Risiken, dass Malware, Datenverlust oder der Einbruch von Online Börsen zum Verlust des Vermögens führen könnten. Nutzer speichern ihr Vermögen online, welches natürlich auch durch Gefahren dessen bedroht ist. „Nur Bares ist Wahres“. Wird das Vermögen nur noch elektronisch verschoben so kann dies, wie eben beschrieben, gehindert oder verhindert werden. Auch Staaten könnten versuchen regulierend einzugreifen. Der Wert des Bitcoins ist fraglich. Dieser entsteht durch Angebot und Nachfrager. Wer heute einen Bitcoin im Wert von 100$ erhält, könnte morgen bereits nur noch 50$ besitzen.

Die Geldschöpfung stellt traditionell und auch gesetzlich ein Monopol der Notenbank dar. Eine neue Währung einzuführen ist jedoch nicht illegal. Wo Zentralbanken und Staaten die bestehenden Währungen stützen, ist die Schaffung einer neuen Währung jedoch schwierig.

Deflationäre aber auch inflationäre Risiken werden von Ökonomen nicht erkannt. Eric Posner beschrieb in seinem Artikel „Fool’s Good“, dass dem Bitcoin sowieso das Ende droht. Er geht zwar darauf ein, dass der Bitcoin ein Ponzischema (Schneeballsystem) ist, was Experten bereits ablehnen, erklärt jedoch, dass es jederzeit möglich ist weitere kryptografische Währungen zu programmieren. Auch solche, welche mehr als 21 Millionen Bitcoins generieren können. Schnell würde die ganze Welt Bitcoins schürfen, da jeder reich werden möchte, wenn Bitcoins offiziell anerkannt sind. Die Menge an Bitcoins würde explodieren. Es würde zu einer Inflation kommen, die Bitcoins würden ihren Wert verlieren und das System Bitcoin wäre wieder am Null-Punkt.

Es gibt derzeit noch viele offene rechtliche Fragen. Beispielsweise erklärte die US-Finanzaufsicht FinCEN 2013, dass Personen, welche Bitcoins schürfen und diese gegen Entgeld an andere Personen verkaufen als Zahlungsdienstleister einzuordnen seien und deswegen der Aufsicht und den Regulierungen, vor allem der Melde- und Buchführungs-Pflicht, unterliegen.

Bezüglich Bitcoins findet man zahlreiche Vor- aber auch Nachteile. Es ist eine revolutionäre Technologie mit vielen guten Ansätzen. Doch wie bei jeder Innovation stellen sich zahlreiche, hauptsächlich rechtliche, Fragen, welche erst im praktischen Gebrauch erkannt und gelöst werden müssen. Kryptografische Währung sind noch in den Anfängen ihres Gebrauchs. Die Nutzung dessen könnte in einer immer schnelleren und technologisierteren Welt weiter zunehmen.

 

Ereignisse

Am 13. Juni 2011 erbeutete ein Dieb 25.000 BTC im Wert von damals 502.750 US-Dollar vom Computer des Nutzers Allinvain und konnte diese ungemerkt wieder in Umlauf bringen.

Angreifer konnten sich am 19. Juni 2011 Zugang zur größten Online-Börse Mt.Gox verschaffen und eine Verkaufsorder von 100.000 BTC zum Preis von 1 Cent bei einem gegenwärtigen Marktpreis von $17 je BTC mit gestohlenen BTCs erwirken. Mehrere Börsen brachen auf Grund des Preis-Schocks zusammen. Die Preise konnten sich jedoch schnell wieder erholen.

Am 26. Juli 2011 musste der Betreiber einer Tauschbörse Bitomat.pl eingestehen, dass auf Grund von Datenverlust Bitcoin-Einlagen von Kunden in Höhe von 17.000 BTC (ca. 170.000€) verloren gegangen seien.

Im August 2011 stellte der E-Wallet-Betreiber MyBitcoin.com seinen Betrieb ein, nachdem er gehackt worden war. Die Kunden erhielten etwa die Hälfte ihrer Einlagen zurück.

Anfang 2014 mussten zahlreiche Börsen kurzzeitig den Betrieb einstellen nachdem es zu massiven Attacken von Botnetzen kam.

Ebenfalls Anfang 2014 musste die Bitcoin-Börse Mt.Gox nach jahrelangen fragwürdigen Vorgängen die Insolvenz in Japan und den USA anmelden. 850.000 Bitcoins waren verloren gegangen. Rund 750.000 von Kunden.

Am 15. August 2015 musste ein schwerer Software-Fehler im Bitcoin-System behoben werden. Hierbei konnte eine präparierte Transaktion auf Grund eines fehlerhaften Ganzzahlüberlaufs als gültig akzeptiert werden und führte zu einer Gutschrift von 184 Milliarden Bitcoins. Das Netzwerk wurde vom Betreiber umgehend gestoppt, Updates wurden verteilt und der fehlerhafte Block aus der Blockchain entfernt.

Grennpeace, Wikipedia, Dell, WordPress, PayPal. Die Anzahl namenhafter Unternehmen, welche die Bezahlung und Spend emit Bitcoins akzeptieren, steigt.


 Autoren

 

5Albert Schaper studierte an der Universität Stellenbosch „Business Administration“ (Bachelor) mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing & Industrial Psychology. An der privaten Hochschule „Business and Information Technology School“ machte er seinen Bachelor og Management & Business Studies mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing/Sales and Corporate Management. Derzeit macht Albert seinen Master in Finance mit dem Schwerpunkt Asset Management & Investmentbanking. Der Artikel basiert auf seiner Bachelor Arbeit „Eine Analyse des Bitcoins mittels der Geldtheorie“. Finde Albert hier auf Xing. Alle hier aufgeführten Zitate hat Albert so in seiner Bachelor Arbeit zitiert.

4Unterstützt wurde Albert durch Jonas Höfgen. Der Jung-Unternehmer gründete bereits mit 18 Jahren Firmen für Event- und Model-Management. Derzeit studiert er Betriebswirtschaftslehre (Bachelor) und ist Autor auf seinem eigenen Blog, für Inside Trading und den Hanseatischen Börsenkreis. Jonas Höfgen konzentriert sich auf Fundamental-Analyse, Makroökonomie und Verhaltenspsychologie. Finde Jonas hier auf Facebook. Mehr Informationen zum Thema erhaltet Ihr auf der Seite von Jonas, HIER.

by Apr 15, 2016 Keine Kommentare
Stoa – eine alltagstaugliche Philosophie

Stoa – eine alltagstaugliche Philosophie

JH

Philosophie ist kein Gesetz und auch keine Religion. Philosophie ist eine Lebenseinstellung und ein Ansatz für den Menschen wie man leben, denken und handeln könnte. Die Philosophe schreibt niemanden etwas vor. Sie ist kein Gesetz und auch keine Religion. Sie stellt eine Stütze für den Nutzer dar. Sie soll einem Ansätze für den Alltag und das Leben geben. Es gibt zahlreiche weitere Arten der Philosophie (z.B. Unternehmensphilosophie). Ich möchte in diesem Blog auf die Philosophie “Stoa” eingehen.

Die Stoa ist eine der wirkungsmächtigsten philosophischen Lehrgebäude der abendländischen Geschichte.

Wir leben in einer Welt der Versuchungen, Lüste, Gelüste und Verlockungen. Der Wohlstand steigt seit tausenden Jahren. Unsere Zivilisation entwickelte sich immer weiter. Und doch leben wir seit Ewigkeiten zwischen Glück und Glück. Wir sind zufrieden oder unglücklich. Die Stoa beschäftigt sich bereits seit etwa 300 vor Christus mit Gedankengängen, wie man in dieser Welt sein Glück finden kann und zufrieden lebt.

Die Stoa stellt das Gegenstück zum Hedonismus dar. Die Stoa möchte dem in einer Welt voller Lüste und Ablenkungen verwirrten Menschen wieder eine Richtung geben. Die Stoa sucht nach Wegen die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Individuen zu fördern. Sie möchte Zufriedenheit maximieren und den Platz eines jeden in der Umwelt und Gesellschaft definieren. Wie genau sie dies macht möchte ich im weiteren beschreiben.

Die Geschichte der Stoa

Etwa 300 vor Christus gründete Zenon von Kition die Schule der Stoa. Der Name Stoa bedeutet so viel wie “bemalte Vorhalle” und bezieht sich wahrscheinlich auf den Ort an dem Zenon seine Lehre aufnahm. Die Stoa enstand nicht zufällig, sondern in einer Zeit der Unruhe. Staat und Bevölkerung suchten neuen Halt, neue Ordnung und neue Konzepte. Während sich die griechischen Staaten rund 390 vor Christus in vielen Kriegen gegen das aufstrebende Makedonien befanden und sich etwa 330 vor Christus dem gigantischen Reich Alexander des Großen geschlagen geben musste so zerfiel das Reich dessen etwa 300 vor Christung nach dem Tod Alexander des Großen. Zahlreiche Söhne, Feldherrn und Mächtige kämpften um die Nachfolge. Das zuvor stabile und geordnete System zerbrach in hunderte oder tausende regionale Mächte, welche um die Vorherrschaft kämpften. In dieser Zeit der Unruhe und Unsicherheit ersann Zenon die Stoa. Eine Philosophie welche Sicherheit und Sinn im Alltag geben soll.

Weitere Philosophen der alten Stoa sind Kleanthes, Ariston von Chios, Chysippos von Soloi, Zenon von Tarsos (geboren 235 v.Chr.), Diogenes von Babylon, Antipatros von Tarsos.

Die mittlere Stoa wurde geprägt von Panaitios von Rhodos (geboren 180 v.Chr.) und und Poseidonius (geboren 135 v.Chr.).

Die uns heutzutage durch Allgemeinwissen eher gebräuchlichen Namen stammen aus der Zeit der jüngeren Stoa. Seneca (geboren im Jahre 1 nach Christus), Gaius Musonius Rufus (geboren 30 n.Chr.), Epiktet und Marc Aurel (römischer Kaiser von 161 bis 181 n.Chr.) prägten diese Zeit.

Während die alte Stoa im damaligen Stadtstaat Griechenland entstand und geprägt war von der Herrschaft Makedoniens und den Kämpfen in und gegen Persien, so wund sich seit der mittleren Stoa das römische Reich immer weiter um das Mittelmeer herum, sodass frühestens in der mittleren Stoa und spätestens in der jüngeren viele Philosophen dieser Richtung römischer Herkunft waren und das römische Reich und die Stoa immer wieder zusammenflossen. Am beeindruckensten ist dies durch den stoischen Kaiser Marc Aurel zu erkennen.

Die Bedeutung der Stoa

Die Stoa ist keine 2.000 Jahre alte, verstaubte und langweilige Philosophie. Hierbei handelt es sich nicht um historische Relikte vergangener Zeiten, welche heute nicht mehr gelten. Die Stoa hatte damals bereits immer wieder großen Einfluss auf die großen Reiche, vor Allem das Römische Reich. Ob die Stoa der Grundstein der abendländischen Philosophie ist kann man nicht direkt belegen. Doch wir wissen, dass die Stoa bis in die heutige Zeit immensen Einfluss auf Europa und das Abendland hatte und hat.

Viele Denker bezogen sich die Stoa, übernahmen Elemente derer oder verwiesen in Quellen auf damaligen Texte stoischer Philosophen. Beispielsweise Philipp Melanchthon 1497, Michel de Montaigne 1533, Rene Descarte 1596 oder auch Immanuel Kants Moralphilosophie 1743.

Während Marc Aurel 181 n.Chr. der letzte bedeutende einen Staat führender Stoiker war so übernahme beispielsweise 1712 Friedrich II. (Friedrich der Große) viele Ansätze von Marc Aurel und knüpfte an dessen Gedankengang der erste Diener des Staates zu sein an.

Nicht nur viele staatliche Führungskonzepte und philosophische Ansätze ähneln der Stoa oder gehen aus dieser hervor. Auch das Christemtum ist stark mit der Stoa verwurzelt. Seit das Christemtum Staatsreligion des Römischen Reiches in der Zeit der mittleren und jüngeren Stoa ist floss auch die praktische und auf Vernunft pochende Idee der Stoiker mit ein in die Lehren und Geschichten. Beispielsweise stellen die Briefe des Paulus von Tarus einen bedeutenden Teil des neuen Testaments der Bibel dar. Aus der Stadt Tarsus bzw. Tarsos (Türkei) stammten auch Zenon und Antipatros aus der älteren Stoa.

Die Philosophie der Stoa

Ein attraktiver Aspekt der Stoa ist, dass es nicht das eine Konzept dieser gibt. Diese Philosophie hat sich oft gewandelt und ist stets offen vom Nutzer ihrer angepasst zu werden. Stoiker wollen ihren Mitmenschen kein Konzept aufzwingen sondern Möglichkeiten und Ideen aufzeigen, die im Alltag und Leben anwendbar sind. So hat auch die eigentlich sehr alte Philosophie noch heute Möglichkeiten angewendet zu werden. Dabei basiert diese auf drei grundlegenden Säulen, welche über Jahrhunderte entstanden sind und Mal mehr und Mal weniger wichtig waren in den jeweiligen Epochen:

  1. Phsysik und Kosmologie
  2. Logik
  3. Ethik

Die Naturlehre der Stoiker stellt einen großen Bestandtteil dar. Hierbei haben sich bereits die damaligen Philosophen intensiv darüber Gedanken gemacht warum welche Dinge in der Umwelt in gewisser Weise stattfinden und was der Platz des Menschen in dieser Umwelt ist. Aus Sicht der Stoiker haben alle Geschehnisse einen Sinn. Man geht von einer strikten Kausalkette aus. Alles was passiert passiert nicht zufällig, sondern muss so passieren. Und so muss auch der Mensch seinen Platz in dieser Kausalkette finden und erfüllen. Kaiser Marc Aurel brachte nach über 400 Jahren stoischer Lehre diesen Aspekt wohl am besten auf den Punkt:

„Alles ist wie durch ein heiliges Band miteinander verflochten. Nahezu nichts ist sich fremd. Alles Geschaffene ist einander beigeordnet und zielt auf die Harmonie derselben Welt. Aus allem zusammengesetzt ist eine Welt vorhanden, ein Gott, alles durchdringend, ein Körperstoff, ein Gesetz, eine Vernunft, allen vernünftigen Wesen gemein, und eine Wahrheit, so wie es auch eine Vollkommenheit für all diese verwandten, derselben Vernunft teilhaftigen Wesen gibt.“

Die Logik ist auf die Stoa zurückzuführen. Der Logos stellt hierbei auf der einen Seite die Bedeutung von Sprache, wie aber die Vernunft dar. Stoiker legen wert auf logische, klare und rhetorisch gekonnte Argumentationen und entwickelte die damalige Sprache weiter. Entscheidend war die Wahrheit und Erkenntnis logisch nachvollziehbar auszudrücken. So gehen viele grammatikalische Entwicklung auf die Arbeit stoischer Personen zurück.

Bereits mit der Logik kamen ethische Ansätze der Stoa auf. Nur klar und logisch denkende Personen können richtige Entscheidungen treffen und die Wahrheit erkennen. Die Vernunft ist Bestandteil des Denkens. Wer durch Lüste und Begierden vernebelt ist oder sich durch Emotionen verwirren lässt kann nicht zur Wahrheit gelangen. Doch wer frei von Ablenkung ist kann mit der Dialektik als Methode die Wahrheit finden und die Erkenntnis sichern sowie mit dies mit der Rhetorik gekonnt und für alle verständlich kommunizieren.

Die Ethik befasst sich mit dem Verhalten des Menschen und wie er optimiert Zufriedenheit erfahren kann. Hierbei stellt die Stoa das Gegenstück zum nach Genüssen gierenden Ansatz des Hedonismus dar. Wie bereits in der Logik stellt die Vernunft einen wichtigen Bestandteil dar. Die stoischen Philosophen erkannten, dass Menschen unglücklich sind, wenn diese sich durch unsinnige Genüsse, Lüste und Begierden verwirren und verleiten lassen. Grundgedanke ist, dass man nicht affektgeleitet handelt. Eifersucht, Sehnsucht oder die Gier nach Sex mit vielen Partnern, Speisen, Reichtum, Prunk und Saus stellt für die Stoiker etwas schlechtes dar. Diese Dinge machen Unglücklich und weniger frei. Erst ein Mensch der frei ist von der Sucht von irdischen Genüssen und Verführungen kann Zufriedenheit erfahren und frei, selbstbestimmt und selbstbewusst im Leben stehen.

Das klingt nun sehr hart. Seneca hatte dies als Beispiel am Konsum erklärt. Bereits vor 2.000 Jahren, wie auch heute noch, giert man nach mehr und besserem Besitz. Warum? Meistens möchte man mehr haben, um sich besser zu fühlen und gegenüber anderen wieder etwas besser gestellt zu sein. So konsumiert man um immer neue Ebenen der Zufriedenheit basierend auf Materialismus zu erreichen. Doch man wird nie eine finale Ebene der ewigen Zufriedenheit erreichen. Man wird nie Zufrieden werden. Man wird zum Sklave des Konsums. Man ist abhängig davon immer neu konsumieren zu müssen. Man hat sich selbst das Hamsterrad aufgewzungen und da es keine vollkommene Ebene des Materialismus gibt in der man alles besitzt wird man niemals aufhören können.

  • Stoiker meiden Dinge durch welche eine Abhängigkeit entsteht.
  • Stoiker wollen klar und logisch denken. Aus dem Affekt heraus (aus einer Laune und Emotion heraus) zu handeln führt meistens zu irrationalen Handlungen, die sich am Ende als schlecht herausstellten.
  • Gefühle, Emotionen und Begierden lassen sich nicht vermeiden, jedoch kontrollieren
  • Stoiker formen sich und ihren Charakter ein Leben lang
  • Mentale Fitness und materielle und emotionale Zurückhaltung sollen den Menschen weniger abhängig und zufriedener machen

Die Stoa in der heutigen Zeit

Warum stellt die Stoa auch in der heutigen Zeit eine passende und hilfreiche Philosophie dar? Weiterhin ist es ein Ansatz und eine Ideensammlung dem Menschen im Alltag zu helfen Zufriedenheit zu steigern und seinen individuellen Platz in der Umwelt zu finden. Auch heutzutage kann man sich einige stoische Ansätze aneignen.

Man kann, denke ich, sagen, dass die Verführung und Verwirrung und Vernebelung der Sinne heutzutage noch viel extremer ist. Der Wohlstand ist größer, mit der Digitalisierung nimmt die Geschwindigkeit des Alltags zu und die möglichen Genüsse sind viel größer, komplexer und verlockender. Wahrscheinlich ist heutzutage die Stoa aktueller denn je. Wie kann man Zufriedenheit in einer Welt voller irrationaler, schneller und verlockender Anreize finden? Wie können wir unseren Platz in einer Umwelt definieren, die sich immer schneller verändert, immer extremer, anonymer und fremder wird?

Der Ansatz der Stoa auf die Dinge zu verzichten, welche einen Abhängig machen, weniger frei und unglücklich kann hierbei ein gewinnbringender Ansatz sein. Macht man sich bewusst, dass Zeit unser wertvollstes und vor Allem limitiertestes Gut ist welches wir pflegen und nutzen sollten und macht man sich bewusst, dass zahlreiche Dinge uns nicht zufrieden sondern abhängig machen, so sollten wir etwas ändern.

Mein Weg mit der Stoa

Ich selbst interessiere mich sehr für diese Philosophie. Ich hebe mit diesem Blog nicht nur den Zeigefinger und ermahne alle anderen, sondern versuche vieles auch selbst auszuüben. Ich bewerte Zeit und Zufriedenheit mittlerweile höher als Geld und Karriere und versuche hier eine gewinnbringende Balance zu finden. Ich möchte nicht unglücklich einen Job haben sondern zufrieden etwas arbeiten, was mich ausfüllt. Ich verzichte auf überflüssigen Konsum, verzichte darauf immer materialistisch auf der Ebene aller anderen zu sein. Neid, Eifersucht, Gier und Geringschätzung zerstören einen innerlich, aber bringen am Ende Nichts. Klar denken, logisch denken, Fairness gegenüber anderen, Gentlemen, etwas zu Gesellschaft beitragen, auch wenn man selbst nicht davon profitiert. Würden alle Menschen sich nach der Stoa richten oder Teile dieser wahrnehmen wäre die Welt aus meiner Sicht eine bessere!

by Nov 15, 2015 2 Kommentare
Untreue und Eidbruch durch Kanzlerin Angela Merkel?

Untreue und Eidbruch durch Kanzlerin Angela Merkel?

JH

Jeder deutsche Kanzler und jede deutsche Kanzlerin, so auch Angela Merkel, schwören einen Eid bei Amtsantritt vor dem deutschen Bundestag, dem deutschen Volk und wahlweise auch vor Gott. Dieser lautet: “Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.

Die Kanzlerin schwor Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Doch sind massive Geldleistungen für Griechenland, welche kaum wirtschaftlichen Schaden auf Deutschland ausüben, nicht ein finanzieller Schaden deutscher Staatsbürger? Und späht die USA nicht weiterhin große Teile der deutschen Kommunikation aus? Und ist es nicht erwiesen, dass viele Aspekte des TTIP auch schädlich für deutsche Unternehmen und Konsumenten sein können? Kann man die Kanzlerin dann nicht auf Eidbruch verklagen?

Der Eid ist laut Grundgesetz verpflichtend zu leisten. Artikel 56 GG wurde in einem der großen Standardwerke der Kommentarliteratur zum Grundgesetz, dem Maunz/Dürig/Herzog/Scholz, Kommentar zum Grundgesetz (Artikel 56 Randnummern 4 und 10), wie folgt kommentiert: „Wie sämtliche Amtseide, die im deutschen öffentlichen Recht vorgesehen sind, ist auch der Amtseid des Bundespräsidenten in keiner denkbaren Beziehung strafbewehrt, etwa in dem Sinne, dass eine flagrante Verletzung der im Eid übernommenen Verpflichtungen strafrechtlich als Meineid o. Ä. gewertet würde.“

Nach diesem Kommentar zum Grundgesetz, nach welchem sich Juristen richten, kann die Kanzlerin oder Kanzler strafrechtlich bei Bruch dieses Eids nicht belangt werden. Welcher Sinn steckt hinter einem Eid, welcher nicht einzuhalten ist? Eine breite unbestimmbare Gruppe ist der Meinung, dass der Eid in keiner Weise strafrechtlich verfolgt werden kann. Doch das Strafgesetzbuch sagt zum Eid folgendes: § 154 StPO – Meineid (1) Wer vor Gericht oder vor einer anderen zur Abnahme von Eiden zuständigen Stelle falsch schwört, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft. (2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Der Eid ist im Grundgesetz als ein solcher benannt. Dieser Eid wird auch offiziell vor dem Bundestag und während öffentlicher Übertragung geleistet. Es ist ein Eid. Und ein Eidbruch kann in diesem Sinne auch strafrechtlich verfolgt werden. So meine Sicht. Wenn der offizielle Eid der Person im höchsten und wichtigsten Amt Deutschlands nicht bindend ist, was ist dann mit dem Eid der Ärzte, der Beamten und der Soldaten?

Und was mit ist mit Untreue im Amt nach §266 StGB? “Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder eines Treueverhältnisses obliegende Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dadurch dem, dessen Vermögensinteressen er zu betreuen hat, Nachteil zufügt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.” Dieses Gesetz geht in die selbe Richtung wie der Eid. Eine Person hat in manchen Situationen oder Ämtern Pflichten und Verantwortung gegenüber anderen, die es einzuhalten gilt. Vor Allem die fremden Vermögensinteressen sollte man diskutieren. Was haben deutschen Soldaten in Afghanistan verteidigt? Eine Demokratie sicherlich nicht. Diese in dem Land kulturell nicht verankert. Aufdrücken kann man eine Demokratie nicht. Waren es nicht die Interessen der USA dort militärische Basen als Druckmittel gegen den Iran und Russland im Kampf um ölreiche Gebiete?

Bereits in meinem Blog zu einer idealen Demokratie forderte ich, dass Aussagen und Versprechen der verantwortlichen Politiker bindend sein müssen und nur in speziellen Situationen nicht mehr gelten. Wahllügen und Ausreden dürfen in derart verantwortungsvollen Positionen nicht geduldet werden. Wenn jemand in einem Sportverein unsauber Arbeitet kann er auf Untreue verklagt werden. Wenn ein Soldat seinen Eid bricht wird er aufs härteste bestraft. Aber ein Kanzler oder eine Kanzlerin mit Verantwortung für 80 Millionen Menschen ist an Nichts gebunden? Natürlich braucht ein Politiker im Amt Spielraum. Situationen ändern sich. Diplomatie hat auch nie einen weg. Kompromisse müssen eingegangen werden. Doch so viel Spielraum, dass der Eid nicht binden ist?

Lesen Sie hier den Inside Trading Artikel zur möglichen Wiederwahl von Angela Merkel im Wahljahr 2017

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by Okt 14, 2015 4 Kommentare
Die arabische Halbinsel

Die arabische Halbinsel

JH

Die arabische Halbinsel ist war in der Vergangenheit aber ist auch noch heutzutage eine wichtige Region. Ob Reichtum, Politik, Wirtschaft, Tourismus, Kultur oder Kriege. Immer wieder sind Länder der arabischen Halbinsel involviert. Was ist das für eine Region? Welches sind die Länder und wie wichtig ist die Halbinsel wirklich? Tauchen wir ein in eine Welt, die uns so fremd, aber doch so nah ist, wo immer mehr Europäer auf der arabischen Halbinsel leben. Immer wieder sind Länder der Halbinsel in den Medien. Ob Ölpreis oder Waffenlieferung – was macht diese Region aus?

Interessant: 3 der 6 letzten absoluten Monarchien weltweit befinden sich neben dem Vatikanstaat, Swasiland und Brunei mit dem Oman, Katar und Saudi Arabien auf der arabischen Halbinsel.

Allgemein

Die arabische Halbinsel ist mit 2,7 Millionen km² die größte Halbinsel der Welt. 90% dieser sind mit Wüste bedeckt. Geologisch gehört die Halbinsel zu Afrika. Geografisch zählt man sie zum Nahen Osten/Vorderasien (Asien). 2008 lebten rund 60 Millionen Menschen auf der Halbinsel.

Auf der arabischen Halbinsel liegen die Königreiche Bahrain, Saudi-Arabien, Oman und der Yemen, sowie die Arabische Emirate, welche aus sieben Königreichen besteht.

Die arabische Halbinsel ist so groß wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, England, Schottland, Polen und die Ukraine zusammen oder fast so groß wie Indien.

Die Geschichte der arabischen Halbinsel

Die ältesten Knochenfunde eines “modernen” Menschen sind 160.000 Jahre alt und wurden in Äthiopien (Afrika) gefunden. Weitere Funde belegen, dass der Mensch in Afrika entstanden ist und sich von dort aus nach Asien und Europa ausbereitete. Dabei bewegten sich einige Gruppen über viele tausend Jahre hinweg über den Sinai (Ägypten, Israel) nach Europa. Andere Artgenossen setzen auf den südlichen fruchtbaren Teil der arabischen Halbinsel über und bewegten sich von dort aus weiter in Richtung Asien. Hierbei handelt es nicht um das schnelle Reisen, wie wir es heute kennen, sondern um das langsame besiedeln neuer Gebiete über viele tausend Jahre hinweg währenddessen sich der moderne Mensch immer weiter entwickelte.

Der größte Teil der Geschichte der Halbinsel spielt sich im Süden und an den Küsten ab. Da 90% der Insel mit Wüste bedeckt sind war die Erschließung dieser lebensfeindlichen Gebiete über viele zehntausend Jahre unmöglich. Bis 300 n.Chr. bestand das Königreich der Sabäer worauf bis etwa 600 n.Chr. das Königreich der Himjaren folgte. Seit etwa 106 n.Chr. war der nördliche Teil der Halbinsel durch das römische Reich erobert worden und als Provinz “Arabia” und Teil des römischen Oriens geführt. Der Begründer des Islam, Prophet Mohammed, wurde in Mekka im Westen der arabischen Halbinsel geborgen. Von dort aus breitete sich der Islam aus und stellt heute mit fast 2 Milliarden Anhängern die zweitgrößte Relgion der Welt dar. Seit etwa 1.000 n.Chr. ist die Halbinsel durch Einfälle der Portugiesen und Mongolen geprägt. Bis zum Ende des zweiten Weltkrieges waren große Gebiete der Region Teil des Osmanischen Reiches.

Die Republik Yemen

jemenDie Republik Jemen ist etwa anderthalb Mal so groß wie Deutschland. Rund 25 Millionen Einwohner erwirtschaften ein Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 21 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht nicht ein Mal 1.000$ BIP je Einwohner. Der Jemen ist in viele Teile zerfallen. Ein ehemaliger Präsident des Landes konnte mit den Huthi Rebellen große Teile des Jemen erobern. Derzeit gibt es zwei Hauptstädte. Auch Seperatisten-Gruppen und Ableger von Al-Quaida versuchen sich Gebiete des Jemen zu sichern. Die Zentralregierung wird durch Saudi-Arabien gestützt und unterstützt während man vermutet, dass der Iran die Huthi-Rebellen fördert. Die Zentralregierung kontrolliert geschätzt nur noch 1/3 des Landes.

Das Sultanat Oman

omanDer Oman ist etwa so groß wie Deutschland und stellt eine absolute Monarchie dar. Das Land besitzt jedoch gleichzeitig eine Verfassung und Minister, welche jedoch nur beratende Funktion haben. Etwa 4,5 Millionen Einwohner erwirtschaften ein BIP in Höhe von 70 Milliarden US-Dollar (ca. 23.000$ pro Kopf). Etwa 2/3 aller Einwohner leben in Städten. Die Bevölkerung ist von 2,7 Millionen Einwohner 2010 auf 4,2 Millionen Einwohner 2015 explodiert. Das Gesundheitssystem im Oman wurde seit 1990 stark ausgebaut. Die medizinische Versorgung sowie der Schulbesuch sind kostenlos. 90% der Kinder im Oman werden eingeschult. 2004 waren 1/3 der Bevölkerung jünger als 15 Jahre. Auch im Oman gibt es immer wieder Proteste und Rebellen-Aufstände. Der Sultan beschränkt die Freiheit der Medien und Menschen und geht vehement gegen die Opposition vor. Der Oman wurde durch seine Vorkommen von Erdöl und Erdgas reich. Aktuell ist der Oman eines der 20. größten Förderländer der Welt. Die Armee (ca. 43.000 Soldaten) ist mit westlichen Waffen aufgerüstet.

Die Vereinigte Arabische Emirate (VAE)

emirate1971 entließ das Vereinigtre Königreich Großbritannien die zuvor als Vertragsstaaten bekannten Emirate in die Freiheit. Bereits kurz darauf beschlossen die Scheichs der Emiraten eine Union bzw. Föderation zu gründen, die VAE. Das politische System der Vereinigten Arabischen Emirate ist extrem interessant! Jedes Emirat besitzt seine eigene Regierung. In den einzelnen Emirate ist es Tradition, dass der Scheich des jeweils einflussreichsten Stammes das jeweilige Emirat führt. Die Bevölkerung soll jedoch Zugnag zum Scheich haben, weswegen öffentliche Sitzungen abgehalten werden in denen jeder zu Wort kommen kann. Die VAE hat traditionelle Formen der Führung und moderne kombiniert. Während in den Emirate Stämme und Scheichs regieren so bilden die Emirate zusammen den förderativen Nationalrat (FNC). Die Emirate unterliegen andauernder Veränderungen im System und ständiger Reformen. Zwischen den Emirate und dem zentralen Nationalrat werden Kompetenzen immer wieder ausgetauscht. Beispielsweise entschlossen sich die Emirate in den 1970ern nicht mehr jeder für sich eine Armee zu führen, sondern dies an den Nationalrat abzugeben. Der FNC wird indirekt gewählt. Ziel und Wunsch der Emirate ist es einen direkt durch das Volk gewählten Nationalrat zu bilden während die Emirate selbst weiterhin traditionell regiert werden.

Etwa 5,5 Millionen Einwoher erwirtschaften ein BIP in Höhe von 370 Milliarden US-Dollar. Dieser Reichtum basiert auf den siebtgrößten Ölvorkommen, welche in der VAE liegen. Die VAE ist die am weitesten entwickelte Volkswirtschaft im Nahen Osten und mit einem BIP je Kopf in Höhe von $60.000 eines der reichsten Länder der Welt. Die Emirate bieten ein qualitativ hochwertiges Gesundheitswesen, welches für Staatsbürger kostenlos nutzbar ist. In den VAE besteht Schulpflicht, sowie das Land mit 15:1 eine der besten Lehrer-zu-Schüler-Quoten der Welt besitzt.

Obwohl die VAE eine moderne sich andauernd verändernde Regierungsform haben sowie moderne Gesetzgebung, wie Arbeitsrechte, ist Homosexualität illegal und steht unter Todesstrafe. Die Gesetzgebung besteht dual aus Gesetzen und der Scharia. Die Scharia wird in den Vereinigten Emiraten nicht angewandt, aber neue Gesetze werden stets auf die Vereinbarkeit mit dem Islam überprüft.

Die Vereinigte Arabische Emirate stellt im Nahen Osten eine der wohl liberalsten Staatsformen dar. Trotz dem Zusammenleben zahlreicher Ethnien und Religion (etwa 3 Millionen Arbeitsmigranten leben in den VAE) gibt es kaum Probleme und Spannung vor Ort. Auch respektiert die islamische Förderation nicht nur andere Religionen, sondern ermöglicht diesen auch die Ausübung ihrer Religion und den Bau von beispielsweise Kirchen. Die VAE bieten verfolgten Minderheiten Schutz. Vor Allem in Dubai erkennt man den multikulturellen und -religiösen Ansatz der Förderation. Ungeachtet dessen richtet sich das Land in der Gesetzgebung, wie gesagt, nach dem Islam und bestraft teilweise die Abkehr vom Islam beispielsweise mit dem Tod.

Mit 54.000 Soldaten ist die Truppenstärke rein nach der Anzahl mit den Niederlanden oder Kanda zu vergleichen. Die USA und Frankreich stellen die wichtigsten Waffenlieferanten dar. Die VAE haben intensiv einen Beitrag zur Lösung von Konflikten geleistet. Beispielsweise investierten der 1971 gegründete “Abu Dhabi Fund for Development” sowie die Vereinigten Emirate etwas mehr als 6 Milliarden US-Dollar in 258 Projekte in 52 Ländern.

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Das Emirat Katar

katarEtwa 2,2 Millionen Einwohner erwirtschaften in der absoluten Monarchie des Emirat Katar ein BIP in Höhe von 170 Milliarden US-Dollar. Mit $100.000 Wirtschaftsleistung pro Einwohner ist Katar eines der reichsten Länder der Welt (Platz 3). Katar ist der wohl unwirtlichste der Wüstenstaaten. Lediglich im Norden wachsen dank seltener Regengüsse Palmen und Dornenbüsche. Nur jeder siebste Einwohner ist Katari. Jedoch jeder dritte Einwohner entweder Inder oder Pakistaner. 92% aller Menschen leben in Städten. 2004 waren gut 1/4 aller Einwohner jünger als 15 Jahre. Seit 2008 verdoppelte sich die Anzahl der Einwohner.

Katar möchte weltoffen und modern, groß, stark und beliebt sein. Und das obwohl das Land zulässt, dass Rebellengruppen, wie Beispielsweise die Taliban, und Terrororganisationen Büros in Katar öffentlich betreiben. Katar unterstützt teils bewiesen und teils mutmaßlich fundamentalistische Islamistengruppen. So wirft man Katar die Finanzierung des Gaza-Streifens, des Islamischen Staates, Al-Quaidas, den Al-Schabaab-Milizen und den Muslimbrüdern vor. Saudi Arabien, die VAE und Bahrain haben ihre Botschafter aus dem Land abgezogen. Das diplomatische Verhältnis ist angespannt.

Auch werden Katar neben der Finanzierung fraglicher Organisationen und Kriege erhebliche Menschenrechtsveretzungen vorgeworfen. Die Bevölkerung und Medien werden unterdrückt, sowie Arbeitsmigranten in oftmals menschenunwürdigen Verhältnissen wie Sklaven Leben müssen. Auch hat Katar den größten CO2-Ausstoß pro Kopf weltweit. Umweltschutz ist dem Land bisher wenig wichtig. Dennoch haben England und die USA militärische Stützpunkte in Katar.

Das Königreich Saudi Arabien

saudi arabienEtwa 80% der Fläche der arabischen Halbinsel, sowie gut 50% der Einwohner (vor dem Jemen mit etwa 41% Anteil) werden durch das Königreich Saudi Arabien gestellt. 30 Millionen Einwohner der absoluten Monarchie erwirtschaften ein BIP von 600 Milliarden US-Dollar ($20.500 je Einwohner). Saudi Arabien ist als politische und militärische Macht immens einflussreich im Nahen Osten und stellt als sunnitisch-islamisches Land (Wahabismus als Staatsreligion) den Macht-Gegenpol zum schiitischen Iran als zweiter Machtpol in Vorderasien dar. Saudi Arabien dominiert des weiteren die OPEC und beeinflusst den globalen Öl-Markt sowie das Land seine Reichtümer zum zweitgrößten Staatsfond der Welt angehäuft hat.

Waffenlieferungen der USA und Europas (auch Deutschlands) werden immer wieder harsch kritisiert. Saudi Arabien stellt zwar eine strategisch und wirtschaftlich extrem bedeutenden Partner dar, doch sind die Menschenrechtsverletzungen bedenklich. Der islamische Wahabismus als Staatsreligion ist eine besonder islamisch-konservative Auslegung. Die Scharia wird in Saudi-Arabien strengstens angewendet. Wie extrem das Ausmaß ist ist daran zu erkennen, dass der Islamische Staat sich in seiner Auffassung nach dem Vorbild Saudi Arabiens richtet. Saudi Arabien duldet die Muslimbruderschaft im Land und unterstützt den Salafismus.

Man lebt in Saudi Arabien größtenteils in Städten (86%) und einigen wenigen Oasen. 90% der Einwohner sind arabischer Abstammung. 10% kommen vor Allem aus Afrika und China. Es leben nur wenige Europäer und US-Amerikaner in dem Königreich, was vor Allem an der Gefahr vor der strengen islamischen Gesetzgebung liegt. Westliche Einwohner leben vor Allem in Compounds, was hermetisch abgeriegelte Kolonien mit eigner Infrastruktur sind. Etwa 400 Stämme bilden den Staat und etwas mehr als 1/10 der Bevölkerung sind Nomaden und Halbnomaden. Fast 2/3 der Bevölkerung sind unter 25 Jahren alt.

abdulrasheed-480909_640Geschichtlich musste Saudi Arabien ein Bündnis mit den USA und anderen westlichen Staaten eintreten als der Irak Kuwait besetzte. Die Stationierung von westlichen Truppen in dem Königreich widersprach jedoch dem strenggläubigen Prinzipien weswegen die Nutzung der Militärstützpunkte mit dem dritten Golfkrieg wieder untersagt wurde, aber heute bereits leicht gelockert wurde. US-Amerikanische Ausbilder befinden sich im Land zur Ausbildung der Streitkräfte.

Saudi Arabien duldet keine andere Religion. Das Ausüben anderer Religionen steht unter Strafe, nicht-islamische Gotteshäuser gibt es in dem Land nicht. Das sunnitische Land akzeptiert den sunnitischen Islam nicht als Islam, weswegen die etwa 10 – 15% der Bevölkerung stellenden Sunniten in der Ausübung ihrer Form des Islam ebenfalls eingeschränkt sind. Im Index der Geschlechtergleichberechtigung liegt das Königreich auf Platz 129 von 134. Männer dürfen sich in der Öffentlichkeit beispielsweise nicht mit Frauen zeigen und Frauen müssen von Kopf bis Fuß komplett verhüllt sein. Männer gelten als Vormund der Frau und dürfen über die Frau und ihre Freiheit bestimmen.

Saudi Arabien genießt in der arabischen und islamischen Welt eine Sonderstellung als Hüter der Heiligen Stätten in Mekka und Medina. Das Land finanziert massiv extremistische Gruppierungen. Zwischen dem Iran und Königreich herrscht eine Art kalter Krieg. Beide Länder messen sich in zahlreichen Stellvertreterkriegen, wie z.B. im Jemen oder Syrien, bei denen beide Seiten unterschiedliche Rebellen-Gruppen finanzieren und aufrüsten. Saudi Arabien verfügt über 230.000 Berufs-Soldaten und bietet damit neben Israel eine der schlagkräftigsten Armeen im Nahen Osten auf.

Seit einigen Jahren ist eine vorsichtige Öffnung des Königreichs zu erkennen. Hier und da werden beispielsweise Frauen erste Rechte eingeräumt, wie das Recht auf Bildung oder Arbeit. Diese ersten vorsichtigen Schritte sind jedoch eher als Tropfen auf den heißen Stein und Symbol denn als Öffnung zu verstehen.

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by Sep 19, 2015 Keine Kommentare
Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

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Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

Wenn du diesen Artikel gelesen und verstanden hast, dann weißt du bezüglich des Sinns und des Grunds von Kursschwankungen bereits mehr als die Hälfte aller Anleger. Es gibt kaum ein derart großes Unwissen und Wissens-Defizit an der Börse, wie darüber, warum die Kurse steigen und sinken. Erschreckend eigentlich.

Kaum bricht ein Kurs um über 4% ein oder steigt eine Aktie um mehr als 4% liest man in Foren sofort die Nachfragen, sei der Grund. Auch Medien und News-Portale finden dann schnell Gründe, dass Aktie XY auf Grund des neuen Deals, der Fusion, des Euros oder sonstiger tagesaktueller realer Geschehnisse gestiegen oder gefallen ist.

Was dabei alle verkennen: Die Börse ist losgelöst von der realen Wirtschaft. Kurse spiegeln nicht die Wirtschaft wider. Andauernd sind Branchen oder Aktien viel zu stark bewertet oder viel zu schwach. Die Kurse schwanken meist um ihren fairen Preis. Mal sind sie zu hoch, mal zu niedrig, aber nie folgen sie länger als einige Sekunden dem fairen Wert.

Warum schwanken die Kurse also?

Warum Kurse langfristig steigen und fallen

Betrachtet man Zeiträume über mehrere Quartale, dann sind zwei Faktoren entscheidend: Geld und Einstellung. Die Börse basiert auf dem Handel. Alles dreht sich um Geld. Der Faktor Geld ist der bedeutendste. Kombiniert wird dieser durch die psychologische Komponente: Der Einstellung der an der Börse aktiven Individuen.

Ist der Faktor Geld positiv & sind die Anleger positiv gestimmt, dann steigen die Kurse.
Ist der Faktor Geld negativ & sind die Anleger negativ gestimmt, dann fallen die Kurse.
Ist der Faktor Geld negativ & sind die Anleger positiv gestimmt, dann fallen die Kurse.
Ist der Faktor Geld positiv & sind die Anleger negativ gestimmt, dann neutralisieren sich beide Werte.

Es entsteht eine Seitwärtsbewegung.

Der Faktor Geld kann positiv sein, wenn Geld von außen an die Börse fließt. Wenn Banken, Händler und Anleger Geld in ihre Depots einzahlen und dann Aktien kaufen. Der Faktor Geld kann aber auch positiv sein, wenn zum Beispiel 100 Millionen Dollar in die Depots eingezahlt worden sind, aber derzeit nur 50% angelegt wurden und die Anleger nun anfangen, weitere Gelder zu investieren und Aktien zu kaufen. Es fließt somit Geld in den Handel.

Anleger sind positiv oder negativ gestimmt. Dies basiert auf News, Nachrichten und wirtschaftlichen Aussichten. In einer schweren Rezession sind die Anleger natürlich pessimistisch. Die Aussichten sind nicht rosig. In guten Zeiten mit einem Aufschwung sind alle positiv gestimmt. Man schaut freudig in die Zukunft.

Über mehrere Quartale hinweg kann man also die beiden Faktoren Geld und Einstellung beobachten. Sie sind der Grund für allgemein steigende oder fallende Kurse.

Wenn kein Geld da ist, wird nicht gekauft. Wenn die Einstellung negativ ist, dann wird verkauft. Mit Geldzuflüssen und positiver Stimmung ist die Bereitschaft einzukaufengroß. Einfache Logik. Ein Marktplatz eben.

Tagesaktuelle Kursschwankungen 

Viele Kursschwankungen entstammen irrationaler Natur.

Verschiedene Beispiele: Ein Groß-Aktionär überlegt seit 15 Tagen bei BASF einzusteigen. Am Tag 15 denkt er sich, dass er es jetzt macht. Ob er an Tag 5, 10 oder 15 einsteigt, ist ihm egal gewesen. Er hatte sich nur ein wenig Bedenkzeit gelassen. Dass er an Tag 15 einsteigt, liegt nicht an irgendeiner Nachricht oder neuartigen Situation. Weil er mit viel Geld einsteigt, steigt der Kurs beispielsweise um 4%. Die Medien finden dann schnell Gründe. Es sei der exportfördernde Euro oder das gelöste Griechenland-Drama. Wäre der Kurs um 4% gesunken, dann wäre es das schwächelnde China oder die Sommerpause gewesen. Gründe findet man immer. Doch nicht immer sind diese ausschlaggebend.

Natürlich kann es auch passieren, dass eine Nachricht umgeht, dass Unternehmen XY pleite geht und weil dann alle Anleger als Schwarm gleichzeitig reagieren, bricht der Kurs ein. Es ist jedoch seltener der Fall, dass News die Kurse bewegen.

Die Schwankungen an Tag 1 um einen Prozent hoch und an Tag 2 um einen Prozent wieder runter haben keinerlei Sinn. Sie sind irrational. Das liegt einerseits an den nervösen Anlegern. Sie steigen bei 100€Kurs ein und bei 110€wieder aus. Nicht auf Grund von Gründen, sondern nur weil sie wegen fehlender RuhePositionen kurz halten. Es ist ein ständiges Hin und Her. Millionen Anleger kaufen und verkaufen im Tagestakt. Das schiebt die Kurse natürlich hin und her.

Auch setzen die Anleger Bestellungen oder Verkaufsgrenzen. Bei 110€ möchte Anleger X kaufen, wenn die Aktien gekauft sind, solle bei Kursverfall spätestens bei 90€verkauft werden. Es kann passieren, dass ein fallender Kurs einer Aktie Millionen Verkaufsgrenzen auslöst. Wenn der Preis von Öl beispielsweise von 50 auf 60$ steigt, dann kann man sich sicher sein, dass etwa 2/3 der Verkaufsgrenzen (SL) zwischen 55 und 57$ liegt. Das hat keinen Grund. Es ist eben nur eine Absicherung. Fällt der Ölpreis dann in diesen Bereich, wird automatisiert wahnsinnig viel verkauft und der Preis fällt weiter. Nicht wegen irgendwelcher Gründe, nur wegen der technischen Stopps, welche die Anleger gesetzt hatten.

Kursbewegungen sollte man also nicht zu viel Bedeutung beimessen. Es basiert alles auf Angebot und Nachfrage und ob die Leute Geld investieren und optimistisch sind höhere Preise zu bezahlen oder ob verkauft wird und Verluste hingenommen werden. Kurse steigen und fallen. Sie orientieren sich grob an der realen Wirtschaft, aber sind nie an einem Tag oder in einem Jahr mit der realen Wirtschaft vergleichbar. Die meisten Kursschwankungen sind tatsächlich irrational.



Jonas HöfgenJonas Höfgen – kommt mich auf meinem neuen Blog besuchen!!!

Mein Blog: www.hoefgen-blog.de

Facebook:www.facebook.com/JonasHoefgensson

 

by Aug 26, 2015 Keine Kommentare
Kennziffern und Bilanzen – Analyse von Unternehmen leicht erklärt

Kennziffern und Bilanzen – Analyse von Unternehmen leicht erklärt

all

Kennziffern und Bilanzen – Analyse von Unternehmen leicht erklärt

Frei nach Shakespeare: kaufen oder nicht kaufen, das ist hier die Frage. Ist es nicht das Leid von uns allen? Soll ich die Aktie nun in mein Depot legen oder nicht? Wird sie steigen oder fallen? Was soll ich nur tun?

Vor Allem für langfristig orientierte Anleger, welche eine Position in ihrem Depot mindestens zwei Jahre lang halten, ist die Analyse der Kennziffern und Bilanzen eines Unternehmens sehr hilfreich. Trotz des emsigen Treibens an der Wallstreet ist das langfristige Investieren immer noch eine der lukrativsten Anlageformen. Kaufen, vergessen und nach fünf Jahren verkaufen hat in der Vergangenheit immer sichere und hohe Rendite gebracht. Alle Kurse sind trotz aller Krisen immer wieder auf neue Höchststände geklettert.

Doch immer wieder stellt sich die qualvolle Frage, welche der tausenden Aktien man sich nun in sein Depot legt. Trotz der mehrheitlich steigenden Kurse kann man sich auch verbrennen an Einzelwerten, welche fallen.

Deswegen möchte ich Euch helfen, wie man bereits mit einigen wenigen Zahlen und Werten eine detaillierte Übersicht über ein Unternehmen oder eine Branche erhält. Die möchte ich am Beispiel von RyanAir (WKN: A0MJ5T) machen.
Solche Analysen lassen sich beispielsweise mit der Aktiensuchmaschine machen.

Schritt 1 – die Kennzahlen

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Aktien im Besitz von Großinvestoren oder der Allgemeinheit sind. Mit dem Wert des Streubesitzes erkennen wir, wie viel Prozent der ausgegebenen Aktien von der breiten Masse gehandelt werden. Ein hoher Anteil von Aktien im Streubesitz zeigt eine hohe Liquidität auf (die breite Masse kauft und verkauft andauernd), sodass man seine Aktien wahrscheinlicher verkaufen kann, wenn man es zu einem Zeitpunkt möchte. Doch mit hohem Streubesitz steigt auch die Anfälligkeit der Aktie auf starke Schwankungen im Kurs. Die breite Masse reagiert gemeinsam nervöser. 65% der Aktien von RyanAir liegen im Streubesitz. Das ist ein guter Mix.

Die Volatilität zeigt die Schwankung des Kurses an. Diese kann in 50 Tage oder 250 Tage unterschieden werden. Die Volatilität der letzten 50 Tage ist am aktuellsten, doch wenige starke Ausreißer können diese immens beeinflussen. Ich nutze immer den Wert über 250 Tage. Man möchte ja selbst auch über mindestens 250 Tage anlegen. Der Kurs von RyanAir ist in den letzten 250 Tagen durchschnittlich um 30,34% geschwankt. Das ist für einen nervösen Anleger sehr viel. Wer 1000€ anlegt, der muss verkraften 300€ zwischenzeitlich zu verlieren.

Das Ergebnis je Aktie weist auf die Ertragskraft des Unternehmens hin. Hierbei wird der Jahresgewinn durch die Anzahl der Aktien teilt. RyanAir konnte 2014 36 Cent, 2015 hochgerechnet 53 Cent und 2016 eventuell 60 Cent je Aktie verdienen.

Die Dividende ist eine Ausschüttung von Gewinn an die Aktionäre. Diverse Aktien kann man im langfristigen Depot unabhängig von der Kurs-Entwicklung wegen der üppigen Dividende halten. Volkswagen schüttet beispielsweise circa 5,50€ derzeit an die Aktionäre aus. Je Aktie! Wer beispielsweise 10 Aktien von VW hält, der kann sich über 55€ Dividende freuen.

Beim KGV, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, wird der Gewinn je Aktie zum Kurs der Aktie ins Verhältnis gesetzt. Dieser Wert ist einer der wichtigsten in der Analyse von Aktien! Er sagt aus wie oft der Gewinn je Aktie in dem derzeitigen Preis/Kurs je Aktie enthalten ist. Kostet eine Aktie 50€ und liegt der Gewinn je Aktie konstant bei 4€, so läge das KGV bei 12,5. Das bedeutet, dass es 12 ½ Jahren 50€ zusammengekommen wären. Man interessiert sich natürlich für Unternehmen mit einem niedrigen KGV, denn dann ist der Gewinn je Aktie in einem guten Verhältnis zum Kurs der Aktie. Ein KGV über 30 ist hoch und ein KGV über 50 ist viel zu hoch. Viele industrielle Unternehmen pendeln zwischen 20 und 25 beim KGV.

Das Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis oder auch PEG oder PEG-Ratio setzt den KGV in Relation zu der von Analysten prognostizierten Kursveränderung. KGV durch die Prozentzahl ergibt das PEG. Hierbei geht es darum den Wert der Aktie und deren mögliche Kursbewegung in Einklang zu setzen. Wie ist die Aktie bewertet? Zu tief? Fair? Oder überbewertet? Kurz analysiert: Ein PEG unter 1 bedeutet, dass die Aktie unterbewertet ist. Ein PEG von 1 zeigt eine faire Bewertung an. Ein Wert über 1 deutet auf eine Überbewertung hin. RyanAir ist mit einem PEG von 1,7 scheinbar überbewertet. BB Biotech ist mit einem PEG von 0,36 scheinbar noch stark unterbewertet. RWE wäre mit einem PEG von prognostiziert 0,99 2016 dann fair bewertet im Kurs.

Der RSL gibt eine Übersicht über den Verlauf einer Aktie. Kurz erklärt: Ein RSL über 1 bedeutet, dass die Entwicklung die Performance des Kurses derzeit besser ist als in der Vergangenheit. Auch hier kann man ein kurzfristiges Fenster von nur 50 Tagen oder ein längerfristigen von 250 Tagen in die Vergangenheit wählen.

Schritt 2 – Die Bilanz bzw. der Jahresabschluss

Um mir Bilanzen in Kurzform anzusehen gebe ich bei Google gerne „Jahresabschluss 2014 Unternehmen XY finanzen.net“ ein und wähle auch die Seite von finanzen.net an. Hier findet man gute und zusammengefasste Werte der GuV (Gewinn-und-Verlust) Bilanz.

Eine Bilanz besteht aus zwei Seiten. Der Aktiva und der Passiva-Seite. Auf der linken Aktiva-Seite stehen alle Vermögenswerte des Unternehmens. Geld in der Kasse und auf den Konten, eigene Produkte, Gebäude und andere Dinge, welche dem Unternehmen gehören. Auf der Passiva-Seite stehen die Gelder, welcher von außen an das Unternehmen gegeben worden sind. Fremdkapital. Wie zum Beispiel Darlehen, Kredite, Schulden. Beide Seiten zusammengerechnet ergibt die Bilanz-Summe (Eigenkapital (linke Seite) + Fremdkapital (rechte Seite)). Die Eigenkapitalquote (auch EK-Quote) gibt an wie viel Prozent des Vermögens des Unternehmens aus eigenen Mitteln besteht. Das Eigenmkapital ist der sichere Puffer zur Insolvenz. RyanAir besitzt eine EK-Quote in Höhe von 33%. 4 Milliarden Euro Eigenkapital und 8,2 Milliarden Euro Fremdkapital. Zur Not kann RyanAir dementsprechend 4 Milliarden Euro aus eigenem Vermögen durch Verkäufe realisieren. 30% EK-Quote sind in der Industrie normal. RWE zum Beispiel hat nur noch 8% Eigenkapital. 9 Milliarden Euro eigenes Vermögen. 81 Milliarden Euro Fremdkapital. Das Unternehmen ist quasi pleite. Der riesige Schuldenberg kann in keiner Weise durch Gewinne oder Verkäufe ansatzweise getilgt werden. Interessant ist auch ob die EK-Quote wächst (dem Unternehme geht es gut) oder ob diese sinkt (entweder das Unternehmen investiert, was auch gut ist, oder es geht finanziell schlechter).

Wichtig ist auch die Entwicklung des Umsatzes. Hier kann man bereits mit Gespür und Übung erkennen ob Kurs und Umsatz-Entwicklung vereinbar sind. Beispielsweise entwickeln sich viele Kurse in der Pharma- & Biotechnologie-Branche drei bis vier Mal schneller als der Umsatz. Bis zu 300% Kurssteigerung innerhalb von 3 Jahren, aber durchschnittlich nur 30% mehr Umsätze. Hier liegt eine Überbewertung vor.

Neben dem Umsatz ist wichtig was am Ende in der Kasse bleibt. Die Rendite (operativer Gewinn) zeigt an wie viel Prozent des Umsatzes am Ende des Jahres auf dem Konto als Gewinn lagen. Beispielsweise setzt BMW weniger als Mercedes um, aber verdient so einiges mehr. Ein Unternehmen muss immer rentabel arbeiten. Welche Rendite Okay ist muss man dabei an der Branche festmachen. Autobauer im Massenmarkt (VW, Toyota, Renault, …) verfügen über 4 bis 6% Rendite, Premium-Autobauer über 9 bis 15% und Pharma-Unternehmen beispielsweise über circa 30 – 50% Rendite.

Schritt 3 – Entscheiden Sie sich

Nun haben wir einen Überblick über den Kurs, die Entwicklung und die finanzielle bzw. wirtschaftliche Kraft des Unternehmens. Wir können uns bereits eine Meinung bilden ob es dem Unternehmen gut geht und wie es sich entwickelt und ob wir dieses so in unserem Depot haben wollen und weiterhin ruhig schlafen.

Wichtig ist sich nie nur auf die Zahlen zu verlassen. Sie sind lediglich eine mögliche Hilfe. Als Anleger sollte man eine Meinung und eine Idee haben und in die Zukunft denken. Die Zahlen geben einen eigentlich nur einen Einblick in die Vergangenheit. Doch sie unterstützen einen bei der Entscheidungsfindung.

Man weißt meistens nach den Zahlen viel mehr als vorher.

Mit etwas Übung erlangt man Routine und Gespür für die Arbeit mit Kennzahlen und Bilanzen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Handeln, Analysieren und viel Erfolg in den kommenden Handelswochen. Die Macht sei mit Euch. Oder auch das Kapital …

 

 


 

by Aug 11, 2015 Keine Kommentare
Teil II: Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

Teil II: Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

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Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

Nahezu alle Krisen, zumindest die größten, seit 1950 sind durch Engpässe bei der Liquidität entstanden. Nicht Blasen, Kredite, wirtschaftliche Rezessionen oder Spekulationen waren der Auslöser. Dies waren die Folgen und Ursachen. Immer kam einer Krise das Zögern der Banken zuvor. Diese wurden misstrauisch und fingen an weniger Geld zu verleihen. Sprich: Ihr eigenes Geld beisammenzuhalten. Daraufhin fehlte der Schmierstoff unserer Epoche. Nein, nicht Öl. Das Geld muss fließen. Cashflow ist immens wichtig. Bleibt der Geldfluss aus so spricht man von einer nicht liquiden Phase. Ein zerstörerischer Moment.

Mit diesem Element und den Schulden möchte ich mich in diesem Blog beschäftigen. Im ersten Teil der zweiteiligen Reihe habe ich die Herkunft und Entstehung des Geldes beschrieben. Da wir nun ein breites Verständnis von Geld besitzen möchte ich aktuell und detaillierter werden.

 

Wie entsteht heutzutage das Geld?

Der gesamte Prozess wird Giralgeldschöpfung genannt. Hierbei hinterlegen Banken Sicherheiten (Geld und Werte) bei ihrer Zentralbank. 2% (der Wert schwankt durch Änderungen zwischen 1% und 3%) eines Kredites müssen durch Sicherheiten hinterlegt werden. Hinterlegt die Bank also 2.000€ eines Sparers bei der Zentralbank, so kann Sie 100.000 € als Kredit verleihen. Zumeist gilt das Eigenkapital einer Bank als Sicherheit und legt den maximalen Rahmen der möglich zu vergebenen Kredite fest.

Hinterlegt die Bank also 2000€ bei der Zentralbank, so erhält sie die Erlaubnis oder Möglichkeit 100.000 € zu verleihen. Dieses Geld besitzt die Bank jedoch nicht. Die Zentralbank auch nicht. Das Geld wird dem Kunden/Kreditnehmer einfach aus seinem Girokonto gutgeschrieben. Plötzlich existiert es. Bei der Bank wird das Geld nicht als fehlend eingetragen. Das geht ja nicht. Es kann ja kein Geld fehlen oder fließen, welches nicht vorhanden ist. Der Kredit wird als Forderung gegenüber einen Kunden eingetragen. Geld wurde in diesem Moment aus dem Nichts geschöpft mit der Giralgeldschöpfung.

 

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Bildquelle: http://4.bp.blogspot.com/

 

Allgemeine Kritik an der Giralgeldschöpfung

Vielleicht haben einige bereits den Knackpunkt erkannt: Die Bank fordert Geld zurück, welches Sie gar nicht besessen hat. Darüber hinaus verlangt die Bank Zinsen auf dieses Geld. Die Schlüsse daraus sind, dass immer genau so viele Schulden, wie auch Geld existieren. Des Weiteren könnten wir heutzutage all unser Geld nehmen und zurückbezahlen. Die Schulden sind dann beglichen – die Zinsen jedoch nicht. Die einzigen Gewinner sind die Banken. Mit jeder Sekunde wächst die Differenz. Da Blasen durch Kreditvergabe entstehen kann man denke ich zurecht sagen, dass sich hier eine riesige weltweite Blase langsam aufpumpt. Diese wird lediglich durch eine ebenfalls rasant wachsende Wertschöpfung in Stand gehalten. Die Wertschöpfung (BIP) entsteht durch all unsere Leistungen und Produktionen. Doch mittlerweile haben die Banken und Börsen sogar geschafft ihre Geschäfte von der reellen Wirtschaft zu entkoppeln. Es wird ein Vielfaches Mehr an der Börse und in Banken gehandelt, als die Weltwirtschaft selbst real zu leisten vermag. Es ist ein Drahtseilakt.

 

Die zweite Schlinge namens Liquidität

Die Banken haben uns bereits im Schwitzkasten. Wir schulden den Banken mehr als wir besitzen und jemals besitzen werden. Außerdem steigt die unmöglich bezahlbare Schuldenlast mit jeder Sekunde. Und doch reicht das nicht. Die Banken wollen uns nun auch ordentlich in die Magengrube schlagen und sind Hauptgrund eigentlich aller Krisen.

Blasen und Kreditvergabe werden immer als Hort der Krisen betrachtet. Stimmt. Sie sind Ursprung, aber nicht Auslöser. Rezession, Börsenralleys, Spekulation und vieles mehr sind auch keine Auslöser, wie von Kapitalismusfeinden gerne angeführt. Eine Krise gehen meist Blasen mit zu vielen unvorsichtig vergebenen Krediten voraus.

2007 war dies zu beobachten. Subprime-Kredite sind Kredite, welche an Personen ohne Bonität vergeben worden sind. Jeder in den USA, auch die N.I.N.J.A.-Generation (No Income, No Job, No Asset) konnte innerhalb weniger Stunden ohne Sicherheiten einen Kredit von bis zu einer halben Million Dollar erhalten. Als die Banken bemerkten, dass das nicht gut geht haben sie diese Kredite genommen, in Pakete zusammengefasst, mit anderen Paketen besichert und dann mit einem sehr guten Rating an die ganze Welt verkauft. Die ersten betroffenen Banken in Deutschland waren Mittelstands- und Förderbanken, welche sich zu Hauf mit Schrottpapieren eingedeckt hatten.

 

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Die Krise brach in dem Moment aus in dem die Liquidität nicht mehr gewährleistet war. Am besten lässt sich dies am Interbanken-Spread einsehen. Der Interbankenhandel umfasst die sekündlich zu Milliarden stattfindenden Tauschgeschäfte zwischen Banken. Der Spread zeigt in dem Fall auf wie sehr sich die Zinssätze dieser Geschäfte vom Leitzins unterscheiden. 2007 brach der Spread nach oben aus. Das heißt: Banken forderten für die Verleihung von Geld an andere Banken viel mehr Zinsen als der derzeitige Leitzins vorsah. Kurz gesagt: Banken wurden misstrauisch und horteten ihr Geld. Jeder versuchte zu retten, was zu retten war.

In solchen Moment wird die Kreditvergabe gestoppt. Bei Banken, Versicherungen, an der Börse und vor Allem in der Wirtschaft kommt es zu immensen Problemen, denn das Geld fehlt. Geld fließt ununterbrochen von einem Besitzer zum nächsten und immer neues Geld fließt durch Banken in die Wirtschaft. Passiert dies nicht gehen schnell die ersten Firmen und Banken Pleite. In dem Moment erkennen alle, ja wirklich alle, das nahende Problem und die Hysterie beginnt. Jeder kratzt sein Geld zusammen und verkauft seinen Wertbesitz rund um Aktien und Co. Der Crash ist perfekt.

Die Moral der Geschichte

Wir wissen nun wie Geld über die Jahrtausende entstanden ist und wie es heute entsteht. Banken sind die einzigen Gewinner des Systems und haben uns gegen die Wand gespielt.

Wer das Spiel „Börse“ spielen möchte muss sich dem Bewusst sein und vor Allem die Banken im Blick haben. Diese entscheiden über das Wohl und Wehe von Blasen und Crashs. Derzeit (18.06.2015) ist zu sagen, dass in den USA eine erneute zwar kleinere aber beobachtungswerte Subprime-Blase am Automarkt entsteht. China ist auch ein Beispiel. Die Überschuldung stieg auf über 200%. Doch das Land hat sich berappelt und baut derzeit Schulden ab. Das Land, die Firmen und die Menschen. Ein Musterbeispiel, wie man eine Blase erkennt und frühzeitig verhindert.

Wer das Spiel Börse spielen möchte, der hat die Kreditvergabe und den Interbanken-Spread im Blick.

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Quelle: EZB Stabilitätsbericht vom Mai 2015

 

 


 

by Jul 01, 2015 Keine Kommentare
Teil I: Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Teil I: Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Gastartikel

Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Es ist der Inbegriff des Kapitalismus. Es das Element, um welches sich unser Leben dreht. Unsere teure und begrenzte Lebenszeit verwenden wir, um für diese Sache zu arbeiten. Es löst schwere Krisen aus, kann Demokratien mit einem Fingerschnipsen zerstören und alles, ja wirklich alles, dreht sich darum.

Das Geld. Ob Dollar oder Euro, Schein oder Hartgeld, auf dem Konto als Sachanlage. Wir brauchen es. Wir wollen es. Es ist vergleichbar mit dem Blut in unseren Adern: unser Leben hängt davon ab und es muss immer fließen.

„Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, dann versuche dir welches zu leihen“ – Benjamin Franklin

In dieser Artikel-Reihe zu Geld und Schulden als Gastautor für Inside Trading möchte ich zuerst klären woher das Geld kommt und was es ist. Wie es sich zusammensetzt und was es tut. Im zweiten Artikel möchte ich dann fachspezifischer auf die Relation von Geld, Schulden und Krisen eingehen.

 

Die Entstehung unseres heutigen Geldes 

Geld gibt es bereits seit vielen tausend Jahren. Schon die Babylonier handelten fast 2.000 Jahre vor Christus mit gegossenen Goldmünzen und beschriebenen Ton-Tafeln (die ersten Kredite unserer Welt). Das System war noch einfach. Es gab keine unterschiedlichen Münzen. Es gab einen Satz Münzen und diese besaßen einen bestimmten Wert. Welchen, darauf kommen wir später.

Geld war stets lokal angesiedelt. Globalen Handel gab es auch kaum. Selbst innerhalb von Ländern und Königreichen, welche eine Währungsart besaßen, gab es regionale Unterschiede. Als Geld wird das genutzt, was regional anerkannt ist. Das gilt auch heute noch. In Indien kann man beispielsweise mit amerikanischen Dollar-Noten sehr gut bezahlen.

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Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Moll_-_Map_of_South_America_-_Detail_Potosi.png

Erst mit der Kolonialisierung und den Erkundungen der Spanier und Engländer, sowie Niederländer um 1500 nach Christus entstand eine globale Währung. Die Spanier, als vorherrschende Macht, besiedelten einen Kontinent nach dem anderen und verteilten dementsprechend ihr Geld, den Peso, auf der ganzen Welt. Die Eroberung des Potosí, dem bekannten Silberberg in Südamerika, beschleunigte diese Weltwährung. Zwischen 1500 und 1800 stammten 85% aller geförderten Silbermengen aus Minen der Spanier. Diese gossen und stanzten die Münzen, mehrere Milliarden Unzen, und ließen eine globale Währung entstehen.

Der heutige Dollar geht auf den Peso zurück. Der Dollar ist die heutige Weltwährung. Das Zeichen ($) ist vom Peso abgeleitet. Auf diesem war ein „S“ für Spanien zu lesen umrandet von zwei Säulen. Diese Säulen finden sich heute im S des Dollars wieder: $

Mit den jährlichen Kriegen in Europa seit dem 17. Jahrhundert entstand neben der Produktivität auch der direkte Vorläufer unseres heutigen Währungs-Systems. Die Staaten mussten ihre Kriege finanzieren. Sieg und Niederlage hingen von der wirtschaftlichen und finanziellen Stärke ab. Dementsprechend begannen die Länder Gold und Währung des Volkes aufzunehmen und diesen im Gegenzug einen Zettel zu geben auf denen der eingezahlte Betrag, sowie der Zinssatz standen. Diese Zettel waren ein Versprechen des jeweiligen Landes, dass der Besitzer sich jederzeit den Betrag in Gold auszahlen lassen könne. Diese Zettel kennen wir heutzutage als Scheine. Unsere Geldscheine sind theoretisch Nichts anderes als ein Dokument, das wir an unseren Staat einen Kredit gegeben haben. Aus den Dokumenten wurden Bezahlmittel. Scheine genannt.

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Bildquelle: http://rt.com/files/news/32/9f/30/00/rtr4ewkk.jpg

Aber wer nun denkt er können zur Bank gehen und sich nun Gold im Wert von 10 Euro abholen, den muss ich leider enttäuschen. In einer immer globaler werdenden Welt stellte dieser sogenannte „Goldstandart“ ein Problem dar. Einerseits war Währung überall gleich viel Wert, denn sie basierte auf dem Wert des eingelagerten Goldes. Wechselkurse gab es nicht. Schwache Länder hatten dementsprechend kaum eine Chance finanziell Boden zu fassen. Darüber hinaus waren Inflation und Deflation schwierig zu kontrollieren. Ein Staat kann nicht zu jedem Moment für Milliarden-Beträge Gold kaufen oder verkaufen. 1933 lösten sich die USA endgültig vom Goldstandart. Einerseits besaßen die USA ein vielfaches an Schulden als, dass sie Gold besaßen und zum anderen wollte man Wechselkurse und Notendrucken als Element der Stabilisierung nutzen. Geld ist heutzutage ein Bezahlmittel, jedoch ohne Gegenwert eines Metalls.

 

Wie entsteht der Wert des Geldes?

Der Geldwert orientiert sich nicht am Metall. Wissenschaftler fanden heraus, dass jede Münze der Babylonier beispielsweise unterschiedlich schwer war. Auch passiert immer wieder, dass das Material einer Münze mehr Wert ist als der Nennwert. In Australien waren während einer Kupfer-Krise die 2$-Münzen weiterhin 2$ wert, obwohl das Material der Münze 2,15$ wert war. Geld besitzt seinen Wert nicht auf Grund von Wirtschaft, Leistungen oder Sachgütern.

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Bildquelle: http://geld.bilderu.de/bilder/geld-viel-euro.jpg

 

Kurz gesagt: Geld ist das Wert, was ein anderer dafür zu geben bereit ist.

Der Wert des Geldes entsteht in unserer Gesellschaft. Es ist eine Art von Angebot und Nachfrage. Wenn jemand Produkte oder Leistungen anbietet, dann richtet sich der Preis nach dem, was der Abnehmer bereit ist zu zahlen. Ein Magnum-Eis kostet 1,60€. Eine Milch 55 Cent und ein BMW 50.000€. Das Material des BMW ist nur wenige tausend Euro wert. Aber die Nachfrage lässt einen solchen Preis zu. Sind Kunden nicht mehr bereit diese Summen zu zahlen, so sinkt der Preis.

Klingt einfach. Lasst uns alle 2 Jahre keinen BMW kaufen, dann kosten diese nur noch 10.000€. Auch hier muss ich enttäuschen. Die Nachfrage basiert nicht unbedingt auf dem Willen diesen Preis zu zahlen, sondern zu größerem Anteil an der Möglichkeit ihn zu zahlen. Beispielsweise kosteten im damaligen Spanien Speisen in Tavernen zumeist einen Peso. Nun fingen die Spanier an Milliarden Peso in Südamerika herzustellen. Was passierte? Es kam immer mehr Geld in Umlauf. Besaßen zuvor alle Spanier zusammen einige Millionen Peso, so besaßen sie kurz darauf alle zusammen einige Milliarden Peso. Die Möglichkeit mehr zu bezahlen und zu kaufen stieg also. Somit stiegen auch die Preise. Eine Speise kostete dann 10 Peso und sie hatte immer noch denselben Wert. Lediglich der Preis änderte sich. Wir kennen dies heutzutage als Inflation. Ist mehr Geld in einer Volkswirtschaft, so steigen die Preise. Dies wird mit dem Wert der Inflation ausgedrückt.

Im nächsten Teil möchte ich auf unser heutiges Geld-System eingehen. Geld, Kapital, Schulden, Zinsen, Liquidität. Es gibt einen großen Fehler im System. Dieser wird sich noch böse an uns allen rächen.

 

 


 


Jonas Logo großEin Artikel durch Jonas Höfgen

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by Jun 30, 2015 Keine Kommentare