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Chance auf Handeln

Chance auf Handeln

Wissen

Wenn es um den erfolgreichen Handel bei den Aktien geht, ist die Information das wertvollste Gut. Zwar dürfen Sie interne Information oder Insider Wissen nicht teilen oder nutzen, es gibt dennoch viele Informationen für Erfolg beim Handeln. Die Profis nutzen Analyse Werkzeuge um rein aus den Daten der Kursverläufe den Markt zu lesen. Es ist gut, wenn es teilweise nichts zu tun gibt. Dann können Sie den Markt beobachten. Doch haben Sie immer ein Ohr und Auge für neueste News und Ankündigungen. Der erfolgreiche Händler sucht nicht nach dem Sieg seines Lieblings unter den Aktien. Er shortet, wenn es sein muss und ist bereit in long Positionen einzutreten, auch wenn er nicht viel von der Firma hält. Man muss kein Facebook oder Cola mögen, um damit Geld zu machen. Lernen Sie zu verstehen, was die Menschen mögen und nicht was Sie wünschten, dass diese es mögen.

Heute sind die Märkte aufgrund der sprunghaften Sozialen Medien um so nervöser und anfälliger für Kursänderungen. Twitter und Co können Sie sich dramatisch auswirken. Wenn Trump tweetet wird das nicht ohne folgen bleiben. Antizipiert man die möglichen Folgen, kann man sich in eine günstige Investitionsposition bringen. Auch in den Sportwetten geht es um Informationen. Je näher Sie am Sportgeschehen dran sind, desto mehr können Sie aus der beobachteten Leistung der Teams Rückschlüsse ziehen. Sie erkennen Leistungskurven der Spieler eine Tagesform oder einen Trend zu Verletzungen und team- und spielerpsychologische Faktoren, die sie kennen, können sich stark auf die Chancen auswirken richtig gegen oder für etwas zu Wetten. Und natürlich gibt es diese.  Die Quoten finden Sie hier und können mit ihren Infos kombiniert werden. Betrachtet man dies wie Kursverläufe, so hat man bereits Parallelen zu Aktien. Quoten reagieren auch auf Tweets von Sportlern, die auf Leistungsdefizite hinweisen. Ausfälle, die das Spiel beeinflussen, wie der Wechsel des CEO eines Konzerns.

All das bietet neue Chancen des Handels. Auch die Cryptowährungen sind beliebt und viele ICOs reagieren und kommunizieren per Twitter und Reddit. Das hat mal gute und mal schlechte Folgen. Und wenn es nur ein kurzer Hype ist. Doch viele Erwartungen der Anleger lassen sich schröpfen und zu Geld verwandeln. Der Einstieg ist einfach und lockt unerfahrene Anleger an. Diese generieren für erfahrene Profis Gelegenheiten zur Ernte des investierten Vermögens. In diesen von News getriggerten Märkten ist viel Raum für hohe Gewinnspannen und der noch junge Markt lässt sich noch manipulieren. Großinvestoren können hier die richtigen Signale setzen.

by Jun 08, 2018 Keine Kommentare
Aller Anfang – ein dünner Faden | vom Häkeln & Traden

Aller Anfang – ein dünner Faden | vom Häkeln & Traden

Einsteiger

Die Entwicklung des Trading-Gehirns kann man sich wie das Häkeln eines Pullovers vorstellen.

Für das Anfertigen eines Häkelpullovers muss man immer wieder die Nadel mit dem Faden in den bereits fertiggestellten Stoff hineinführen, um stückchenweise mehr Stoff zu bekommen, woraus irgendwann ein Pullover entsteht. Niemand würde sich einfach nur einen Faden umhängen, auf die Straße gehen und sagen: “Das ist mein neuer Pullover.” Der Pullover wäre dann nämlich noch nicht fertig, sondern lediglich nur ein Faden oder eine kleine Ansammlung von Fäden.

Genauso verhält es sich mit dem Trading-Gehirn. Jede Strategie besteht erst einmal aus einem kleinen Faden im Gehirn. Möchte man eine neue Strategie anwenden, müssen diese Fäden immer wieder ins Gehirn gehäkelt werden. Der Sachverhalt ist dabei exakt der gleiche wie beim Pullover, den man erst auf der Straße anzieht, wenn er fertig gehäkelt ist.

Im Gehirn sind die Fäden nichts Anderes als neuronale Netze. 

Jede neue Handlung muss im Gehirn angelegt werden, indem sie wiederholt wird. Aus Gleichem geht Gleiches hervor bzw. aus Wiederholungen gehen Wiederholungen hervor. Dies ist ein so zutreffendes Gesetz wie die Schwerkraft. Ein paar wenige Wiederholungen reichen nicht aus und führen lediglich dazu, dass die Strategie nicht richtig ausgeführt wird oder bei den ersten Widerständen ganz sein gelassen wird.

Dabei weiß man aus der Psychologie, dass ein Gedankengang oder eine Handlung bis zu 200 Mal wiederholt werden muss, bis sie richtig einrastet. Innerhalb von 0 bis 199 Wiederholungen ist es noch nicht richtig eingerastet, weshalb zwangsweise Fehler auftreten.

Das Geniale ist, dass es dem Gehirn egal ist, ob man etwas in Gedanken abspielt oder es in der Realität macht. Deshalb ist es so wichtig, seine Strategie in Gedanken abzuspielen, weil dies fehlerfrei möglich ist. Wenn man am Markt 0 bis 199 Mal seine Strategie abspielt, dann werden zwangsweise Fehler auftreten. Dies ist menschlich und normal.

Strategien haben aufgrund des chaotischen Systems im Markt grundsätzlich nie zu 100 % Erfolg. Demnach sind natürliche Hindernisse und Unbequemlichkeiten vorprogrammiert.

Je stärker die neuronalen Netze angelegt worden sind, desto stärker ist auch die Resilienz, trotz Schwierigkeiten an der Strategie festzuhalten und letzten Endes Selbstwirksamkeit zu erfahren.

Das Wichtigste jedoch ist, dass die Strategie offensiv ausgeführt wird, wenn die Zeichen auf grün stehen. Dann werden Positionsgrößen erhöht und Gewinne aggressiv laufen gelassen, weil man sich aufgrund des perfekten Beherrschen der Strategie dazu in der Lage fühlt.

Am besten gelingt dies durch die eigene Vorstellungskraft, indem man die Strategie immer wieder in seinem Gehirn abspielt, um eben die neuronalen Netze zu häkeln. Übung macht den Meister und wie bereits erwähnt, kann das Gehirn nicht unterscheiden, ob die Strategie am Markt ausgeführt oder nur in Gedanken gehandelt wird. Ohne dieses Training besitzt man keinen fertigen Pullover und läuft lediglich mit einem dünnen Faden bekleidet im Markt herum, welches auch in jedem ambitionierten Bereich im Leben zu nichts Anderem als zu einer Luftnummer führen wird.

by Feb 25, 2018 Keine Kommentare
Negativzinsen in Deutschland

Negativzinsen in Deutschland

Wissen

Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt von den Banken in den Ländern der Eurozonen – so auch von deutschen Kreditinstituten – einen Negativzins für Geld, das bei der EZB gelagert wird. D.h Banken müssen dafür zahlen, wenn sie Geld anlegen, statt Zinsen dafür zu bekommen. Seit einiger Zeit reichen Kreditinstitute die anfallenden Kosten an ihre Bankkunden weiter.

Auswirkungen der Nullzinspolitik

Deutschlandweit werden immer mehr Sparer mit den Auswirkungen der Zinsflaute konfrontiert. Wenn die Anlage des Geldes auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten aufgrund hoher Sparzinsen lange als äußerst lukrativ galt, werfen die aktuell niedrigen Zinsen kaum Rendite ab. Viele Banken erheben zudem Kontoführungsgebühren, Gebühren für das Abheben von Geld oder Überweisungen.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Banken bieten aktuell Kredite so günstig wie schon lange nicht mehr an. Kreditnehmer können von verkürzten Kreditlaufzeiten oder niedrige Zinsen profitieren. Gerade Umschuldungen, bei denen bestehende Kredite durch Kredite mit besseren Konditionen abgelöst werden, sind besonders lohnenswert.

Den richtigen Kredit finden

Verbraucher, die von der Nullzinspolitik profitieren möchten, sollten die Kredite vergleichen, um ein passendes Angebot mit niedrigsten Zinsen zu ermitteln. Über Vergleichsportale lassen sich in der Regel die günstigsten Kreditangebote finden. Dies hängt damit zusammen, dass hier auch Angebote von Direktbanken berücksichtigt werden, die häufig kostengünstiger als herkömmliche Hausbanken sind.

Reaktion auf die Negativzinsen in Deutschland

Das Kreditvergleichsportal smava reagiert auf die andauernde Nullzinspolitik, indem es erstmals einen Negativzins für Ratenkredite mit einem effektiven Jahreszins von -0,4% auf den Markt bringt. Kreditnehmer müssen bei diesem Kredit tatsächlich weniger Geld zurückzahlen, als sie sich leihen.

Was sich hier so paradox anhört ist als Statement gegen die Negativzinsen der EZB für Geldanlagen zu verstehen. Lohnte sich lange Zeit das Sparen, wird nun die Aufnahme eines Kredits belohnt. Mit dem Negativzins-Kredit sollen Verbraucher zudem auf die Preisunterschiede zwischen den günstigen Angeboten von Direktbanken im Vergleich zu Filialbanken aufmerksam gemacht werden.

 

by Aug 02, 2017 Keine Kommentare
Praktische Anwendung der DOW-Theorie  [Folge_#02]

Praktische Anwendung der DOW-Theorie [Folge_#02]

Analysen

“Eine Anwendungsvariante der DOW Theorie zum Identifizieren konkreter Handelssignale in einer mehrteiligen, detaillierten Schritt für Schritt Anleitung.”


Was bisher geschah…

In Folge 1 wurden bereits die Grundsätze der Handelsstrategie festgelegt und auf deren gedanklichen Ursprünge eingegangen. Weiters haben wir unter Zuhilfenahme der DOW-Theorie das 1. Kriterium überprüft und positiv bestätigt, dass sich der zu handelnde Basiswert in einem übergeordneten Aufwärtstrend befindet (siehe u.a. Folge_01, Baseline Pkt. b.).

Vorschau

In dieser Folge werden wir einen kleinen Zwischenschritt einlegen und den vorherrschenden Trend und das Kursniveau-Umfeld visualisieren bzw. qualifizieren. Auch wenn dies dann wohl erst frühestens in Folge 3 erfolgen wird, erarbeiten wir mit den nachfolgenden Arbeitsschritten die Basis für Zielkurs- und CRV-Annahmen. Ergänzend hierzu werden wir den Output dann auch als Kriterium für ein probates Money- und Riskmanagement heranziehen.

2. Bestimmung der Hoch- und Tiefpunkte

In Folge 1 haben wir erkannt, dass sich ein neues Höheres Hoch (HH) ausbildet, nachdem das Kursniveau des letztgültigen Hochs übertroffen wurde. Zwischenzeitlich hat sich der Kurs noch weiter erhöht und somit wird auch das HH mit jeder noch höheren Kurskerze angepasst. Nachdem der Kurs nun mittlerweile eine “signifikante” Abwärtsbewegung vollzogen hat, kann man das zwischenzeitliche HH als gültig annehmen und folgt nun dem abwärts laufenden Kurs, der Raktionsbewegung. Zur Erinnerung, das sich gerade ausbildende (vermeintliche) Höhere Tief kann erst “verlässlich” bestimmt werden, wenn wiederrum das aktuell gültige Höhere Hoch übertroffen wird.

3. Das Umfeld qualifizieren

Untergeordnet zur Trendbestimmung nach der DOW-Theorie kann man auch Trendlinien, -kanäle und Widerstands-/Unterstützungslevel berücksichtigen. Trendlinien werden eingezeichnet, in dem man zumindest zwei Tief- oder zwei Hochpunkte mit einer Linie verbindet. Per se sind diese daher diagonale Linien im Chart, die grobe visuelle Anhaltspunkte über die Trendrichtung und die vorherrschende Trendstärke geben. Im Gegensatz hierzu werden Widerstands- und Unterstützungslevel als horizontale Linien/Zonen/Marken bestimmt und signalisieren jene Kursniveaus, an denen der Kurs auffällig oft reagiert, z.B. ein Rücksetzen von einem bisheriges ATH.

In der Regel sollte man zum Erfassen und Einzeichnen solcher Orientierungen jenen Zeitinvertall wählen, den man auch zum Trading nutzen möchte (in unserem Fall somit H1). Man sollte sich auch ein wenig Historie mit anzeigen lassen und ruhig ein, zwei Schritte vom Monitor zurück machen … und damit eine Art Vogelperspektive wirken lassen. In unserem Beispiel “ghosten” wir auch ein wenig die Darstellung des Aufwärtstrends auf Tagesbasis, um davon nicht zu sehr abgelenkt zu werden.

Wir zeichnen nun Trendlinien, Unterstützungen und Widerstandsniveaus ein. Allgemein kann man festhalten, dass die Verlässlichkeit von Trendlinien zunimmt, wenn diese vom Kurs oft angelaufen wurden und von dort wieder abprallten. Weiters steigt gewöhnlich die Relevanz mit zunehmendem Bestand, also wenn eine Trendlinie über längere Zeit hinweg besteht.
Als Hilfestellung habe ich auch einige typische Kurs-Reaktionen mit Pfeilen im Chart eingezeichnet.

 

Betrachtet man nun den Kursverlauf fällt eine gewisses Gleichmäßigkeit der Entwicklung der Höheren Hochs auf, auch scheinen diese halbwegs parallel zu der untersten Trendlinie zu verlaufen.

Wir erweitern somit die außen/unten liegenden Aufwärts-Trendlinie zu einem Trendkanal und ziehen dessen obere Begrenzung in die Region der Höheren Hochs.

In diesem Fall passt der Trendkanal wirklich erstaunlich gut und uns liegt nun eine Indikation der weiteren Entwicklung des Aufwärtstrends vor. Wie eingangs erwähnt, ist so ein Trendkanal keineswegs verbindlich, er bildet aber zumindest eine Basis um eine Annahme bevorstehender Kursbewegungen zu treffen.

Man sollte auch ruhig einmal den Versuch wagen, einen Trendkanal in die Vergangenheit zu verlängern. Manchmal muss man erkennen, dass dessen Entwicklung bereits deutlich länger andauert, was wiederum seine Relevanz erhöht.

Ergänzende Informationen:
– Wird eine Unterstützung oder ein Widerstand nachhaltig durchbrochen, so ändert sich seine Funktion. Eine Unterstützung wird dann somit zu einem Widerstand bzw. vice versa.

– Es ist essenziell wichtig die Aussagekraft von charttechnischen Linien und dem vorherrschenden Trend korrekt einzuordnen. Die Trendrichtung und der -bestand wird ausschließlich von der Bestimmung gem. DOW-Theorie abgeleitet. Ein Bruch einer Trendlinie oder eines Trendkanals hat keine bemerkenswerte Relevanz. Sie lässt bestenfalls frühzeitige Schlussfolgerungen über die Verfassung des Trends zu, zum Beispiel ob die vorherschende Trendstärke eher rückläufig ist oder eher zunimmt.


Fortsetzung folgt …

by Jun 01, 2017 Keine Kommentare
ETFs Nachteile und Risiken für den Anleger und den Aktienmarkt

ETFs Nachteile und Risiken für den Anleger und den Aktienmarkt

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ETFs Nachteile und Risiken

Die Manager von FPA** haben sich vor kurzem bezüglich des Einflusses von ETFs auf den Aktienmarkt geäußert. Dabei kommen sie zu einem fatalen Fazit:

  • Die Zunahme an Investitionen in passive Investmentprodukte – besonders ETFs, verzerren die Aktienkurse und mindern die Effizienz des Marktes
  • Was passiert mit dem in ETFs investierten Kapital im Falle eines Markt Crashes? – Wie reagieren Investoren und was passiert mit gesunden Unternehmen? – Besteht die Gefahr für einen Dominoeffekt?

Exchange-traded Funds, besser bekannt als ETFs, seien „Massenvernichtungswaffen“, welche die Preise für Unternehmensanteile der weltweiten Indizes irrational verzerren und so ein erhöhtes Potenzial für aggressive Abverkäufe liefern. Zu diesem Schluss kamen die Manager des FPA Capital Fund.

„In dem Moment, in dem die Welt sich dazu entscheidet, dass es keine Notwendigkeit für eine umfassende Fundamental-Analyse von Unternehmen mehr gibt und man blind Index-Fonds und ETFs kauft, ist es unserer Meinung nach Zeit sich etwas ängstlicher zu zeigen, die Zeit weniger aggressiv zu sein ist jetzt gekommen.“ Dieses Statement ließen die beiden Fonds Manager Arik Ahitov und Dennis Bryan am 6. April ihren Investoren in einem offenen Brief an Shareholder zukommen. Ihr Fonds ist ein aktiv gemanagter Fonds mit einem Volumen von rund 800 Millionen US-Dollar.

Die Kapitalflut in passive Anlageprodukte lässt Aktienkurse einzelner Indizes zunehmend parallel verlaufen. Dabei trennen sich die fundamentalen Werte immer mehr von der Bewertung am Markt. Während die Märkte immer höher getrieben werden, wird dadurch das Risiko von scharfen Abverkäufen in künstlich hoch bewerteten Unternehmen immer höher. Der ETF Markt hat alleine in den USA inzwischen ein Volumen von ungefähr 2,7 Billionen US-Dollar. Anfang des Jahres 2017 haben nach Bloomberg Daten 160 Milliarden Dollar ihr neues Zuhause in einer ETF-Anlage gefunden.

„Diese neue Markt-Struktur ist noch nie getestet worden“, gab Bryan in einem Telefon-Interview zu bedenken. Es gab noch nie einen „Crash“, bei dem passive Investoren einen so großen Anteil an den investierten Beträgen hatten, wie es heute der Fall ist. „Wir könnten einen Ansturm von Verkäufern sehen“, welche unkontrolliert alles verkaufen, unabhängig der wirklichen Bewertung der Unternehmen. Dies lässt schließen, dass die zunehmende Verbreitung von ETFs zu einer Verringerung der Effizienz des Marktes führen könnte.

Auch Nikolaos Panigirtzoglou, ein Global Market Strategist bei JP-Morgan Chase in London, äußerte sich gegenüber dem aktuellen ETF Hype durchaus kritisch. So sagte er, dass die zunehmenden Geldströme in ETFs den Markt destabilisieren. Dies unterstützt die Aussagen der FPA Captial Manager, welche sich ähnlich zu den Risiken von ETFs geäußert hatten. Neben Panigirtzoglou hat sich auch Seth Klarman, der einen 30 Milliarden US-Dollar Fonds leitet, über die zunehmende Ineffizienz der Märkte durch einen höheren Anteil an passiven Investment-Lösungen geäußert. Die Begründungen, welche er dafür heranzieht, ähneln denen von anderen.

Gegenperspektive – Vanguard – ETFs bergen keine Risiken für den Markt

Diesen Aussagen lassen sich einige Argumente entgegenstellen, so zum Beispiel jene von Jim Rowley, einem Senior Invesmtent Strategist, welcher bei Vanguard tätig ist. Dieser widerspricht den Aussagen und argumentiert mit der über 20-jährigen Erfahrung, welche Vanguard mit passiven Anlageprodukten gemacht hat. Im Laufe dieser Jahre habe sich keine Veränderung in der Volatilität der Märkte beobachten lassen.

Er schließt daraus, dass die Volatilität der Märkte sich bis heute noch nicht durch die zunehmende Popularität von Indexs-Investing verändert habe. Vanguard bietet verschiedene Investmentlösungen an. Dabei fallen 3 Billionen US-Dollar in die Kategorie der passiven Investment Produkte, wovon 700 Milliarden in ETFs angelegt sind.

Da es sich bei vielen ETF-Investoren um Buy and Hold bzw. Sparplan-Anleger handelt, liegt diese Aussage durchaus nahe, beziehungsweise lässt sich bekräftigen. Denn dieser Typ der Marktteilnehmer denkt sehr langfristig und lässt sich von kurzfristigen Kursschwankungen nicht aus der Ruhe bringen, denn diese bedeuten für sie günstige Einstiege in ihren Sparplänen, was deren durchschnittliche Einstiegskosten erheblich senkt. Mehr dazu kann man in unserem ETF 2.0 Artikel finden oder in dem Basisartikel – CostAverage.

Zusammenfassung – bringen ETFs ein zusätzliches Crash Risiko

Es ist durchaus nicht falsch, dass beim Index-Investing Geld nicht immer effizient verteilt wird. Schließlich kauft der Investor durch den Index Anteile an allen Unternehmen, ganz gleich wie es ihnen wirtschaftlich geht. Dieser Effekt wird in einem gewissen Umfang durch die Strukturierung des Index´ vermindert. So ist der DAX zum Beispiel nach Marktkapitalisierung gewichtet, womit gut bewertete Unternehmen ein größeres Gewicht an dessen Kursberechnung zufällt. Unternehmen, welche stark unter Druck sind oder aber nur einen geringeren Unternehmenswert haben, werden daher weniger stark durch ETFs beeinflusst. Dies entkräftet jedoch mit Nichten die Aussage von Arik Ahitov und Dennis Bryan, denn die Marktkapitalisierung steht nicht zwangsläufig in einem direkten Zusammenhang mit dem wirklichen fundamentalen Wert eines Unternehmens.

Nichts desto trotz sollte die Frage, ob die Effizienz des Marktes dadurch gefährdet wird, mit Vorsicht genossen werden. Jede Ineffizienz bietet Chancen auf Erträge und diese werden speziell an den Finanzmärkten mit einer absoluten Härte verfolg und ausgenutzt. So haben auch Arik Ahitov und Dennis Bryan einen gewissen Vorzug in der Situation erkannt und geäußert: „Für den Fall, dass wir scharfe Abverkäufe sehen, wird es für Smarte Investoren echte Schnäppchen am Markt geben“ – Sie werden in diesem Zeiten gute Aktien günstig kaufen und von der Ineffizienz profitieren, welche unter Umständen durch scharfe ETF Abverkäufe entstehen.

Aktuell aufkommende Robo-Advisor bieten ihren Kunden ein auf ETFs basiertes Portfoliomanagement – dieses ist kostengünstiger als aktiv gemanagte Alternativen – für mehr Informationen den Link anklicken.Formularende

**FPA Capital ist einer der bestperformenden Fonds – zwischen 1986 und 2010 lieferte der Fonds seinen Investoren einen Return von 14,5 Prozent pro Jahr in einer Phase, in welcher der Russel2000 eine Vergleichsrendite von 8,5 lieferte.

 

by Mai 26, 2017 Keine Kommentare
Welche Arten für sichere Geldanlagen gibt es? –  3 sichere Häfen für das Geld

Welche Arten für sichere Geldanlagen gibt es? –  3 sichere Häfen für das Geld

Blogs

Es gibt verschiedene Anlagen, welche allgemein als sicher gelten. Angesichts der Niedrigzinsphase stehen aktuell viele vor dem Problem, dass sie nicht genau wissen, wo man Geld zwischenparken kann, ohne dass es von Gebühren und oder negativen Zinsen aufgefressen wird.

Gibt es sichere Geldanlagen?

Prinzipiell ist keine Geldanlage sicher. Analgen und Investitionen sind immer mit gewissen Risiken verbunden. Im Gegenzug erhält man Zinsen. Die Verzinsung ist quasi eine Art Bezahlung oder Vergütung für das Risiko, welches man seinem Geld aussetzt. Daher gehen sehr sichere Anlagen zumeist mit einem geringeren Zinssatz einher.

Auch wenn jede Anlage theoretisch ein Risiko mit sich bringt, so gibt es verschiedene Lösungen, die man in Betracht ziehen kann und die man guten Gewissens als risikolos beziehungsweise nahezu risikofrei bezeichnen kann.

Tagesgeld – die flexible Anlage-Lösung

Tagesgeld ist eine Form der Geldanlage, wobei das Geld zu jederzeit zur Verfügung steht. Im Gegensatz zum Giro-Konto können von diesem Konto aus jedoch keine Laufenden Zahlungen gebucht werden. So kann kein Geld überwiesen und oder Lastschriften eingezogen werden. Zahlungen auf das Tagesgeldkonto sowie Abbuchungen können grundsätzlich nur an das Refferenzkonto erfolgen.

Für diese Einschränkung erhält der Kontoinhaber einen höheren Zinssatz als auf dem Girokonto. Dieser höhere Zins ist damit eine Entschädigung für die verminderte Flexibilität, welche der Bank einen etwas besseren Planungshorizont ermöglicht als auf einem Girokonto, von welchem das Geld die Bank theoretisch in jedem Moment durch eine Lastschrift / Überweise etc. verlassen kann.

Das einzige Risiko, dass der Inhaber eines Tagesgeldkontos trägt, besteht in einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der Bank, die das Geld verwahrt. Tagesgelder sind jedoch genau wie Girokonto-Einlagen durch den Einlagesicherungsfonds gesichert. Dieser garantiert die Einlagen bei Banken bis zu einer Höhe von 100.000€ pro Kunde pro Bank.
Einige Anbieter machen sich eben dies zunutze und bieten einen Service an, welcher das gezielte Anlegen von Tagesgeld bei verschiedenen Banken erleichtert – für genauer Informationen – hier klicken.

Festgelder – Planbare Sicherheit

Festgelder sind vergleichbar mit zeitgebundenen Tagesgeldern, Festgeld ist eine Anlageform, bei der das Geld der Bank für einen von vornherein festgelegten Zeitraum zur Verfügung gestellt wird. Das Risiko, das dem Geld dabei ausgesetzt wird, ist identisch. Als Anleger trage ich die Gefahr, dass das Kreditinstitut, dem ich das Geld geliehen habe, während der Laufzeit des Festgeldes zahlungsunfähig wird. Doch auch wie im Fall der Giroeinlagen gilt hier die staatliche Einlagesicherung.

Entgegen des Tagesgeldes, hat der Anleger während der Laufzeit des Festgeldes keine Möglichkeit sein Geld abzurufen oder anderweitig anzulegen. Für diese Planungssicherheit, die er der Bank gibt, erhält der Anleger eine deutlich höhere Verzinsung als zum Beispiel auf einen Giro- oder sogar dem Tagesgeldkonto.

Einige Anbieter machen sich eben dies zunutze und bieten einen Service, an welcher das gezielte Anlegen von Tagesgeld bei verschiedenen Banken erleichtert – für genauer Informationen – hier klicken.

Anleihen – Staatsanleihen

Die letzte Möglichkeit mit der man Geld möglichst sicher anlegen kann, ist der Kauf von „sicheren Anleihen“. Bei dem Kauf von Anleihen überlässt man sein Geld einem Unternehmen oder einem Staat, woraufhin mit dem Geld Investitionen getätigt werden, zum Beispiel in Infrastruktur oder neue Geschäftszweige.

Bei einer Staatsanleihe ist der Schuldner der jeweilige Staat selbst. Damit geht im Normalfall eine extrem hohe Liquidität einher, da ein Staat aufgrund seiner Unsterblichkeit für immer als Schuldner zur Verfügung stehen wird und somit seine Schulden tilgen kann. Der Staat hat verschiedene sehr ergiebige Einnahmequellen, wie zum Beispiel Steuern, Zölle oder Lizenzen.

Zudem kann ein Staat durch seine Zentralbank auch Geld drucken, um damit seine Geldgeber zu bedienen. Dies ist jedoch nicht besonders nachhaltig und erschüttert das Vertrauen in ein Land, weswegen diese Option nur in Extremfällen gezogen wurde.

Große Unternehmensanleihen – fast so sicher wie ein Land

Neben Staatsanleihen sind auch Unternehmensanleihen zunehmend in den Fokus gerückt, da gerade große deutsche Unternehmen bisweilen ähnliche Konditionen wie Staatsanleihen erhalten hatten. Dies lässt sich insbesondere am Zinssatz erkennen, welcher auf verschiedene Papiere bezahlt wird. Prinzipiell sind Unternehmensanleihen etwas riskanter als Staatsanleihen, jedoch gibt es vereinzelt Unternehmen, die aufgrund ihrer Struktur und Internationalisierung ebenfalls extrem sichere Häfen für Geld sein können.

Bei der Auswahl von Unternehmensanleihen sollte aber unbedingt eine genaue Analyse des Unternehmens und dessen Zukunftsfähigkeit vorgenommen werden, da eine Investition in eine Anleihe immer auch einen Zeitraum mit sich bringt, in der das Geld gebunden und nicht verfügbar ist.

Sowohl bei Staatsanleihen als auch bei Unternehmensanleihen trägt der Investor neben dem Risiko der Zahlungsunfähigkeit auch ein Kursrisiko. So können Kurse von Anleihen zum Beispiel durch die Veränderung des aktuellen Zinsniveaus unter Druck geraten oder steigen. Während dem Investor zum Ende der Laufzeit die Auszahlung des Nominalwertes der Anleihe zusteht, so besteht diese Sicherheit nicht während der Laufzeit und das Wertpapier kann nur zu dem Kurs veräußert werden, der an der Börse für das Produkt bezahlt wird.

Was ist die richtige „sichere“ Geldanlage?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Was jedoch klar ist: es gibt für jeden Anlegertypen und für jedes individuelle Sicherheitsbedürfnis eine passende Anlagemöglichkeit.  So kann man bei Interesse in verschiedene Tages- oder Festgelder investieren und sich den Prozess durch verschiedene neue Services vereinfachen lassen – mehr erfahren.

Jedem, der bereit ist etwas mehr Risiken einzugehen, steht der Weg an den Anleihemarkt offen. Dabei sind für Anleger mit weniger Risikohunger besonders Papiere von großen, internationalen Unternehmen sowie Staaten hervorzuheben. Wichtig ist bei der Anlage in Anleihen zu beachten, dass es im Gegensatz zu Fest- und Tagesgeldern keine Garantien gibt. Jedoch ist eine solche Garantie im Falle eine Staatsbankrottes (dem Ausfall von Staatsanleihen gleichzusetzen) ebenfalls obsolet.

 

by Mai 19, 2017 Keine Kommentare
Praktische Anwendung der DOW-Theorie  [Folge_#01]

Praktische Anwendung der DOW-Theorie [Folge_#01]

Analysen

“Eine Anwendungsvariante der DOW Theorie zum Identifizieren konkreter Handelssignale in einer mehrteiligen, detaillierten Schritt für Schritt Anleitung.”


Prolog

Das Gebiet der Technischen Chartanalyse wirkt gerade auf Einsteiger beinahe grenzenlos. Selbst wenn man eher esoterisch anmutende Techniken beiseite lässt, verläuft man sich trotzdem sehr schnell in einer großen Menge unterschiedlicher Indikatoren, deren vermeintlich profitablen Kombinationen, Kursformationen, Candlestick-Pattern, Elliott-Waves und vielem anderen mehr .. Und all dies möchte man auch tiefgründig studieren. Schließlich scheint es doch so unglaublich verlockend, diese eine perfekte Technik zu finden, die immer funktioniert und die am laufenden Band perfekte Trades produziert… meist mündet dies jedoch in eine fruchtlose Suche nach dem Heiligen Gral.

Dabei verhält es sich beim Trading sehr ähnlich, wie auch in vielen anderen Lebensbereichen … Weniger ist oft mehr.

Begibt man sich auf die Suche nach den Anfängen der Charttechnik, stößt man unweigerlich auf einen gewissen Mr. Charles Henry Dow, er war wohl der Pionier und Begründer der modernen (westlichen) Charttechnik. Nachdem ich mich mit seinen Theorien und deren Anwendung eingehender beschäftigt hatte, kam ich zu der Erkenntnis, dass sehr viele mir bereits bekannter Charttechniken eigentlich auf dessen Grundlagen beruhten. Ich beschloss somit kurzerhand, mich primär auf diese Quelle der Technischen Analyse zu fokusieren und konnte damit meine Trading deutlich verbessern. Seit damals verfolge ich daher einen Kiss-Ansatz (“Keep It Simple Stupid”) und habe meine charttechnische Analyse auf das wirklich Notwendige beschränkt, ohne damit die Analysequalität zu reduzieren.

Natürlich erfordert auch die folgende charttechnische Anwendung der DOW-Theorie ein gewisses Maß an Können und Erfahrung, sie als”leicht” zu bezeichnen, wäre sicher verfehlt. Doch werden Sie anhand des nachfolgenden Beispiels und der schrittweisen Erläuterungen wahrscheinlich feststellen, dass die Technische Analyse/Charttechnik nicht zwingend so kompliziert und aufwändig sein muss, wie manche Schulungsanbieter und Coaches es so gerne suggerieren.

0. Baseline

Eine wirklich verlässliche und genaue Vorhersage zukünftiger Kursentwicklungen ist faktisch unmöglich. Die Technische Analyse kann diese jedoch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit prognostizieren, zeigt Szenarien und mögliche Handelsmarken auf.

Ergänzend hierzu schaffen wir  grundlegende Rahmenbedingungen, die diese erhöhten Wahrscheinlichkeiten noch zusätzlich positiv beeinflussen können.

Konkret erreichen wird dies indem wir

  • .. einen Basiswert mit ausreichender Liquidität wählen, der in einem politisch und wirtschaftlich möglichst stabilem Land angesiedelt ist und markttechnisch eine hohe Diversifizierung aufweist.
    Fazit: Aus diesem Grund wählen wir als Basiswert z.B. den DAX®.
  • .. das kapitalistische Primärziel aller im Index enthaltenen Unternehmen berücksichtigen, nämlich den (Kurs-)wert der Aktiengesellschaft zu steigern und möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften. Diese Bestrebung der einzelnen Unternehmen reflektiert auch die mittel-/langfristige positive Entwicklung des Index. Da man somit auch für die Zukunft tendenziell steigende Kursen unterstellen kann, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit von längeren/stabileren/häufigeren Phasen steigender Kurse, als fallender Kurse.
    Fazit: Aus diesem Grund handeln wir Long-only.
  • .. berücksichtigen, dass die Trendstabilität i.d.R. mit größeren Kursintervallen zunimmt. Gleichzeitig reduziert sich aber i.d.R. die Richtungsintensität in höheren Kursintervallen. Wir entscheiden uns daher für einen Zeitintervall, der bereits einen etwas ruhigeren Verlauf aufzeigt und trotzdem ausreichend Handlungsmöglichkeiten bietet, um eine höhere Performance als die durchschnittlichen ~7% p.a. zu erwirtschaften.
    Fazit: Aus diesem Grund wählen wir z.B. einen Stundenintervall, wir handeln also im H1-Chart.

 

1. Bestimmung der übergeordneten Trendrichtung

Laut Baseline haben wir festgeschrieben nur Long zu handeln. Um die Wahrscheinlichkeit steigender Kurse zu erhöhen, setzen wir voraus, dass sich der Wert auch übergeordnet in einem Aufwärtstrend befinden muss.

Weiters haben wir beschlossen im H1-Chart zu handeln, daher wechseln wir für die Bestimmung des übergeordneten Trends auf die Ansicht des Tagesintervalls (D1).
Ein Aufwärtstrend besteht aus einer Sequenz Höherer Hoch- (HH) und Höherer Tiefpunkte (HT).

In diesem Beispiel liegt somit ein aktiver Aufwärtstrend vor, welcher so lange besteht, bis das Kursniveau des letzten Höheren Tiefpunktes nach unten durchbrochen wird.

Ergänzende Informationen:
Mit dem Bruch des Kursniveaus des jeweils letzten Hochpunktes bildet  sich bereits gesichert ein neuer Hochpunkt  (dessen Höhe zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestimmbar ist). Der niedrigste Kurs zwischen den beiden Hochpunkten bildet ein neues Höheres Tief.
Manche Analysten zeichnen die Kursanstiege und -rückläufe mit Linien ein, um die Trendbewegung besser zu visualisieren.
Anstiege werden auch als Impulsbewegungen bzw. Rückläufe als Reaktionsbewegungen bezeichnet.

Typische “Fehler”:
Für einen klaren Trend sollte ein jeweils neues Höheres Hoch immer “signifikant” höher liegen, als das davorliegende.
Auch sollte eine gewisse Range zwischen den Hoch- und den Tiefpunkten liegen. Bei einer eher geringen Volatilität können sich durchaus problematische Situation ergeben (siehe z.B. die Marktphase Mitte März). Generell ist man in solchen Fällen gut beraten, bei der Bestimmung neuer Höherer Tiefpunkte die retriktivste der möglichen Varianten zu wählen. Also jene, die das neue HT auf dem niedrigsten Kursniveau belässt.

 


Fortsetzung folgt …

by Mai 18, 2017 Keine Kommentare
AUTOFAHREN – WIE SPARE ICH GELD, WAS SIND ALTERNATIVEN?

AUTOFAHREN – WIE SPARE ICH GELD, WAS SIND ALTERNATIVEN?

all

Autofahren – Wie spare ich Geld, was sind Alternativen?

Autofahren scheint für viele oftmals eine alternativlose Angelegenheit zu sein. Wir haben ein paar Alternativen unter die Lupe genommen und dabei aufgezeigt, was diese Alternativen langfristig für den Geldbeutel bedeuten.

Alternative Mobilität – Investieren statt Autofahren

Wir hatten vor kurzem intern die Diskussion, ob sich ein Auto für eine Privatperson lohnen kann und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Primär sind wir uns einig, dass ein Auto einen emotionalen Mehrwert inne trägt. Ein echter Autofanatiker wird sich auch von dem hier vorgestellten Modell nicht vom Fahren abhalten lassen. Trotz allem wollten wir das Gedankenexperiment einmal spielen. Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten eines Autos? Wenn wir statt eines Autos öffentliche Verkehrsmittel, Taxifahrten oder das Angebot von Car-Sharing-Anbietern nutzen würden, wie viel Geld käme dann in 20 Jahren zusammen? Und wie hoch wäre der Betrag, würden wir den gesparten Betrag in den DAX mit Cost-Average investieren und wir uns eine durchschnittliche jährliche Verzinsung von 7% sichern könnten?

Die Daten für die Berechnungen haben wir der ADAC Autokostenübersicht 2016 entnommen. Um die breite Mitte zu treffen, gehen wir in unserem Beispiel vom meistgefahrenen Auto auf Deutschlands Straßen aus: Der VW Golf. Im Speziellen haben wir uns für den Golf 1.2 TSI BMT Comfortline in seiner günstigsten Ausführung entschieden.

Welche Kosten sind zu berücksichtigen?

Der ADAC beachtet in seiner Berechnung sowohl die Fixkosten als auch die durch den Betrieb des Fahrzeuges entstehenden variablen Kosten.  Die genauen Daten können in der Autoübersicht im Detail nachgelesen werden. Für den in unserem Beispiel gewählten Golf belaufen sich die monatlichen Kosten bei einer angenommenen jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern auf 541€ und addieren sich demnach auf 6492€ pro Jahr. Für eigene Berechnungen mit einem höheren Kilometerbedarf im Jahr werden auch ungefähre Kosten pro Kilometer angegeben. Für unseren VW Golf liegen diese bei etwa 0,43 € pro gefahrenem Kilometer.

Kurz noch ein Wort vorab: Sicherlich kann man jetzt noch argumentieren, dass sich das Ergebnis durch Urlaubsfahrten oder ähnlichem verändert. Es geht in diesem Artikel aber darum Alternativen aufzuzeigen und die daraus resultierenden Effekte zu verdeutlichen.

Was sind die Alternativen zum Auto? – Auto vs. Nahverkehr & Taxis

Wir nehmen das Beispiel eines typischen Deutschen: in der Stadt arbeitend und nahe der Stadt wohnend. Diese Trennung zwischen Arbeitsplatz und Wohnort hat sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend etabliert. Zwar wurde sie von vielen Umweltaktivisten und Arbeitnehmerrechtlern immer wieder angezweifelt, sie wird sich trotz der negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt auch noch für einige weitere Jahre halten.

Durch die vorgegebene Fahrleistung von 15.000 km können wir die täglich zurückgelegte Strecke zurückrechnen: 15.000 / 365 = 41,095 km am Tag. Natürlich wissen wir, dass man in der Regel nicht an 365 Tagen pro Jahr zur Arbeit fährt. Durch Wochenenden und Urlaubstage legt man den Weg zur Arbeit nur an etwa 220 Tagen zurück. Der Einfachheit halber rechnen wir aber mit einer durchschnittlichen Strecke von 41,095 km pro Tag und lassen Sonderfahrten in den Urlaub außen vor.

Was wir jedoch proklamieren können: Der tägliche Weg zum Arbeitsplatz ist nicht allzu lang. Ein Monatsticket über 3 Zonen bzw. Waben kostet im nicht ganz billigen Schwabenland (VVS Netz Stand 2016) 110,10€ im Monat und deckt diese Strecke ab. Für die kurzfristige und spontane Mobilität innerhalb der Stadt (Txi, Bike-Sharing), gehen wir von einem großzügigen Puffer von 100€ monatlich aus. Um nun definitiv auf Nummer sicher zu gehen, gibt es noch diverse Car-Sharing Anbieter. Bei diesen kaufen wir uns nochmals 2000 Fahrminuten im Jahr ein und stellen so in jeder Lebenslage Mobilität sicher. Eine Minute kosten uns bei Multicity 0,28€. Es entstehen also Kosten von 280 Euro bzw. etwa 24€ im Monat.

Nun müssen wir noch den Faktor Einkaufen berücksichtigen. Viele nutzen den Heimweg für den Lebensmitteleinkauf und wollen gerade für den Kauf von Getränken nicht auf das Auto verzichten. Dieses Argument kann aber nicht gelten gelassen werden. Es gibt in beinahe allen großen Städten und in immer mehr kleinen Orten Lieferdienste für Lebensmittel. Dieser spart nicht nur die Fahrt in den Supermarkt, sondern auch eine Menge Zeit, da die gekauften Waren direkt in die Wohnung geliefert werden (#lazyaslazycanbe). Bleibt man unter einem bestimmten Mindestbestellwert (oder zum Teil auch für die Lieferung von Getränkekisten), erheben die Anbieter eine Lieferpauschale. Hier gehen wir von 4€ pro Lieferung aus. Bei vier Wocheneinkäufen ergeben sich damit Kosten in Höhe von 16 Euro. Ein zusätzlicher Vorteil der Nutzung von Lieferdiensten ist auch, dass man wirklich nur das einkaufen lässt, was man tatsächlich benötigt. Spontanmitnahmen an der Supermarktkasse entfallen somit.

Werfen wir einmal alles zusammen, so ergibt sich pro Monat  folgende Summe:

ÖPNV: 110,10€

Taxifahrten: 100€

Carsharing: 24€

Lieferservice Lebensmittel: 16,00€

————————————-

Summe: 250,10€

Nutzen wir also anstatt eines eigenen Autos die oben genannten Alternativen, würden wir im Monat 290,90€ bzw. im Jahr 3490,80€ sparen.

Was sind also die wirklichen Kosten eines Autos?

Die echten Kosten ergeben sich sowohl aus den Kosten, welche wir für das Auto erbringen, als auch durch die Opportunitätskosten. Wir haben einen Anlagezeitraum von 20 Jahren gewählt, da in dieser Zeit die Korrekturen im Aktienmarkt ausgestanden sein sollten und die Annahme der historischen Durchschnittsrendite eher gerechtfertigt scheint. Zur Vereinfachung betrachten wir das Vermögen in einer Jahr-zu-Jahr-Perspektive. Der Endbetrag dieses Experimentes beträgt 143107,06€, wobei davon 73291,06€ Zinserträge sind.

Alternative Mobilität statt Auto
Das Diagramm zeigt die jährlichen Einsparungen sowie die damit erzielte Rendite

Jahr | Kontostand | Ersparnisse | Eingezahlter Betrag | Zinsen in Periode | Zinsertrag bisher
1 3490,8 3490,8 3490,8
2 7225,96 3490,8 6981,6 244,36
3 11222,57 3490,8 10472,4 505,82 244,36
4 15498,95 3490,8 13963,2 785,58 750,17
5 20074,68 3490,8 17454 1084,93 1535,75
6 24970,71 3490,8 20944,8 1405,23 2620,68
7 30209,46 3490,8 24435,6 1747,95 4025,91
8 35814,92 3490,8 27926,4 2114,66 5773,86
9 41812,76 3490,8 31417,2 2507,04 7888,52
10 48230,46 3490,8 34908 2926,89 10395,56
11 55097,39 3490,8 38398,8 3376,13 13322,46
12 62445,01 3490,8 41889,6 3856,82 16698,59
13 70306,96 3490,8 45380,4 4371,15 20555,41
14 78719,24 3490,8 48871,2 4921,49 24926,56
15 87720,39 3490,8 52362 5510,35 29848,04
16 97351,62 3490,8 55852,8 6140,43 35358,39
17 107657,03 3490,8 59343,6 6814,61 41498,82
18 118683,82 3490,8 62834,4 7535,99 48313,43
19 130482,49 3490,8 66325,2 8307,87 55849,42
20 143107,06 3490,8 69816 9133,77 64157,29

 

Wir möchten uns an dieser Stelle nicht anmaßen, das Ergebnis zu bewerten. Ob der eingesparte Betrag viel ist oder nicht, muss der einzelne für sich abwägen. Gleichfalls muss individuell bewertet werden, ob sich ein Auto ersetzen lässt oder nicht und wenn ja, ob der emotionale Schmerz durch die zusätzliche Kaufkraft ausgeglichen wird. Wir wissen auch, dass der Aufwand für einen effizienten Gebrauchtwagen sicherlich geringer ist und sich in 20 Jahren die Kosten für den ÖPNV oder Lieferdienste erhöhen werden. Die Kosten für Benzin werden aber sicher auch nicht sinken (und von der E-Mobilität sind wir noch etwas zu weit entfernt, um die Kosten abschätzen zu können).

Dieser Artikel soll nur als Gedankenanstoß dienen, sich über die Gewohnheiten Gedanken zu machen, die wir sonst für allgemein und selbstverständlich nehmen und wegen denen wir kein Geld zum Investieren haben.

by Feb 18, 2017 Keine Kommentare
Vorteile und Nachteile von Faktorzertifikaten

Vorteile und Nachteile von Faktorzertifikaten

Finanzprodukte

Vorteile und Nachteile von Faktorzertifikaten

Faktorzertifikate sind Derivate, welche dem Inhaber die gehebelte Partizipation an einem Basiswert ermöglichen. Das Zertifikat vervielfacht also sowohl die bei einem Investment entstehenden Gewinne als auch Verluste. Dabei sind so strukturiert, dass der jeweilige Multiplikator zum Handelsbeginn angepasst wird, dann aber über den Handelstag konstant bleibt. Bei anderen Hebelprodukten ist dieser Faktor variabel. Die Vor- und Nachteile sind, welche aus dieser Form der Zertifikate entstehen, haben wir für euch in diesem Artikel zusammengefasst.

Was es bei Faktorzertifikaten noch zu beachten gibt, erfahrt ihr im Detail in einem anderen Artikel von uns.

Vorteile von Faktorzertifikaten

  • Faktorzertifikate erlauben das Investieren in einen Basiswert auf der Long und Short Seite
  • Ein großer Vorteil ist dabei die Bandbreite an verfügbaren Hebeln. Faktorzertifikate sind meistens in einer Palette von Hebel x2 bis hin zu x10 erhältlich.
  • Positiv ist auch, dass die Produkte bei den verschiedenen Anbietern relativ einheitlich angeboten werden. So unterscheiden sich die Papiere der einzelnen Emittenten nicht tiefgreifend.
  • Faktorzertifikate sind relativ liquide Produkte. Durch die Popularität des Produktes und die eher beschränkte Auswahl der verfügbaren Basiswerte sind Faktorzertifikate speziell für Day Trader eine interessante Alternative. Durch die liquiden Underlyings sind auch die Spreads auf den Papieren recht eng.
  • Ein großer Vorteil der Faktorzertifikate ist die Einfachheit des Produkts, Kauft man zu Beginn eines Handelstages ein solches Zertifikat, wird es immer den Hebel haben, welcher im Namen des Produkts steht. Kauft man etwa ein Zertifikat DAX Faktor 2, so wird dieses Zertifikat die Wertentwicklung innerhalb des Tages mit dem Faktor zwei darstellen, also verdoppeln.
  • Die tägliche Anpassung des Hebels kann gleichfalls als Vorteil gewertet werden. Sie erlaubt dem Inhaber des Zertifikates eine exponentielle Gewinnentwicklung. Steigt der Basiswert beispielsweise drei Tage in Folge, verstärkt sich durch die tägliche Hebelanpassung die Gewinnentwicklung.

Nachteile von Faktorzertifikaten

  • Faktorzertifikate unterliegen der sogenannten Pfadabhängigkeit. Dies kann sich sowohl als Vorteil als auch als Nachteil herausstellen. Der Gewinn oder Verlust, den man durch das Zertifikat macht, hängt davon ab, ob der Basiswert zuerst steigt oder fällt. Fällt ein Basiswert stark, so wird es für das Zertifikat extrem schwierig sich wieder zu erholen, mehr dazu in unserem Artikel – Faktor Zertifikate, eine Seite die dir bares Geld spart
  • Die Verfügbarkeit der Produkte ist vom Emittenten abhängig. In sehr volatilen Marktphasen kann es passieren, dass der Emittent das Zertifikat nicht verkaufen will. Dadurch können manche Handelsstrategien nicht immer oder nur in beschränkten Stückzahlen angewandt werden.
  • Das Derivat ist nur auf eine recht beschränkte Anzahl an Basiswerten verfügbar. Die Auswah der handelbaren Märkte ist dadurch beschränkt.
  • Für hochspekulative Anleger, welche einen Hebel von mehr als 10 wünschen, sind Faktorzertifikate nicht geeignet, da ein entsprechender Multiplikator nicht verfügbar ist
  • Faktorzertifikaten sind Inhaberschuldverschreibungen. Diesen Punkt müssen Käufer eines solchen Papiers beachten. Wie auch bei anderen Zertifikaten trägt der Käufer das sogenannte Emittenten-Risiko. Wenn der Emittent ausfällt bzw. zahlungsunfähig wird, kommt dies für den Anleger einem Totalverlust gleich. Eine Alternative wären beispielsweise Leveradged ETFs. Diese sind Sondervermögen und zählen im Fall einer Insolvenz nicht zur Haftungsmasse der Bank. Dies ist offensichtlich auch ein Nachteil der Zertifikatewelt.

Was sich zusammenfassend über die Vorteile und Nachteile von Faktorzertifikaten sagen lässt:

Faktorzertifikate gehören zu der Gruppe der Hebelprodukte und sind besonders für spekulativere Anleger geeignet. Da es sich bei dem Produkt um ein Zertifikat handelt, ist es kein Sondervermögen und der Anleger erleidet im Fall der Insolvenz des Emittenten einen Totalverlust. Besonders positiv kann der feste Hebel des Produkts sein. So wird jeden Tag der Hebel wieder auf den im Namen des Zertifikates festgelegten Wert angepasst. Durch diese Anpassung entsteht ein Effekt, der die Gewinne aber auch die Verluste stark beeinflusst – das Papier unterliegt einer Pfadabhängigkeit. Durch die Liquidität der Basiswerte, auf welche Faktorzertifikate angeboten werden, sind die Konditionen zumeist recht interessant. Dadurch wird allerdings eine Vielzahl an Märkten ausgeschlossen, was als klarer Nachteil zu bewerten ist.

Am Ende des Tages ist es also eine sehr individuelle Entscheidung, inwieweit die Verwendung von Faktorzertifikaten  für einen Anleger interessant sein könnte. Wir von InsideTrading, wollen wie immer nochmals darauf hinweisen, dass es speziell mit Derivaten essentiell ist, sich genau zu informieren und die Vor- und Nachteile eines Produktes im Detail verstanden zu haben bevor man es handelt. Sollte es noch Fragen geben oder wir Vorteile bzw. Nachteile von Faktorzertifikaten vergessen haben, freuen wir uns wie immer über einen Kommentar oder eine E-Mail. Um nichts mehr von uns zu verpassen abonniert unseren Newsletter und freut euch über monatliche Updates rund um den Markt, ETFs und unsere besten Artikel.

by Feb 11, 2017 Keine Kommentare
Vorteile und Nachteile von höheren Zinsen nach den Zinsentscheiden FED – EZB

Vorteile und Nachteile von höheren Zinsen nach den Zinsentscheiden FED – EZB

Blogs

 

Facebook Beschreibung: Es ist soweit: Janet Yellen hat vor Kurzem die Pläne der FED zur Steigerung der Zinsen bekannt gegeben. Welche potenziellen Folgen ergeben sich aus diesen Plänen und was sind die Vor- und Nachteile einer solchen Leitzinserhöhung.

Vorteile und Nachteile von höheren Zinsen nach den Zinsentscheiden FED – EZB 

In den letzten Jahren reizten die Zentral- und Notenbanken der Welt ihre Möglichkeiten nahezu vollständig aus. Alle Register der klassischen Instrumente der Geldpolitik wurden gezückt, um die Volkswirtschaften zu stimulieren und so Wachstum zu fördern. Besonders oft wurde dabei der Leitzins der Notenbanken in den Fokus gerückt. Dieser war in verschiedensten Ländern auf oder sogar unter 0 Prozent gefallen. Janet Yellen (Federal Reserve USA – FED –) gab nun bekannt, dass unter anderem aufgrund der stärker gestiegenen Inflation nach der Wahl Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) eine Zinserhöhung eingeleitet wird, sowie weitere Steigerungen in den kommenden Jahren vorgesehen sind.

Dabei soll der Leitzins vorerst auf bis zu 2,9 Prozentpunkte steigen.

Wie die EZB auf diese Pläne reagieren wird, bleibt gespannt abzuwarten.

In diesem Artikel haben wir einige Vor- und Nachteile der kommenden Zinserhöhung unter die Lupe genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel argumentierte zwar, dass durch die niedrige Inflation der Realzins gar nicht so schlecht sei. Es lassen sich dennoch einige negative Effekte aufzählen. Die meisten Menschen schauen nicht auf den echten, realen Zins, sondern auf den, der ihnen nominal angeboten wird.

Eine detailliertere volkswirtschaftlich fundierte Version des Artikels findet sich hier.

 

Vorteile, die sich aus einer Zinserhöhung durch FED oder EZB ergeben

  • Ein höherer Leitzins könnte dazu führen, dass wir wieder mehr sparen. Der Anreiz, das verdiente Geld sofort wieder auszugeben, würde gleichzeitig sinken.
  • Private Verbraucher sind eher bereit, den Kauf eines teuren Konsumguts oder auch einer Investition abzuwarten, um das benötigte Geld dafür zu sparen, anstatt es über einen Kredit zu finanzieren.
  • Durch die höhere Bereitschaft zu sparen, bauen Personen ein Vermögen auf. Dies kann insofern als Vorteil gewertet werden, da sie dadurch in wirtschaftlich schwierigen Situationen besser abgesichert sind. Bei akuter Arbeitslosigkeit wäre man daher nicht gezwungen, nächstbesten Job anzunehmen, sondern könnte sich einen geeigneten Job suchen, der zu den eigenen Qualifikationen passt.
  • Personen, die finanziell abgesichert sind, fühlen sich wohler und freier. Die aktuell sichtbare Radikalisierung in den Industrieländern könnte sich vermindern, wenn die Menschen wieder mehr darauf aus wären ihr privates Vermögen aufzubauen und so ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern
  • Der Bankensektor hätte wieder die Chance, bessere Margen in seinem Kerngeschäft (Kreditvergabe) zu erzielen. Dadurch wären Banken weniger als aktuell gezwungen, in anderen Bereichen Geld zu verdienen und die Stabilität des Sektors würde steigen.
  • Der Wert des Geldes könnte sich im Verhältnis zu anderen Währungen erhöhen, wodurch importierte Güter verhältnismäßig günstiger werden
  • Das Risiko enorm hoher Inflationsquoten würde sinken, da weniger Geld in der Volkswirtschaft im Umlauf ist
  • Es besteht eine gute Chance für sinkende Mieten bzw. weniger stark steigende Mieten, da sich die steigenden Zinsen negativ auf die Immobilienpreise auswirken könnten. Investoren könnten dann auch mit geringeren Mieten Gewinne erwirtschaften. Dies sollte sich vor allem für die Mieter als Vorteil herausstellen

Nachteile einer Leitzinssteigerung durch die Zentralbank

  • Investitionen werden teurer. Besonders junge Unternehmer und Start-Ups sehen sich daher höheren Finanzierungskosten gegenübergestellt. Dies birgt das Risiko, dass einige Ideen nicht in die Tat umgesetzt werden, da die Gewinnmarge zu Beginn nicht ausreichend groß ist.
  • Durch die höheren Investitionskosten sinken die Geldflüsse in neue Projekte. Das kann sich nachteilig auf Innovationen eines Landes auswirken
  • Preise von Schuldverschreibungen wie Anleihen haben ein erhöhtes Risiko Kursverluste zu verzeichnen, da andere Anlagemöglichkeiten interessanter geworden sind und die Nachfrage sinkt
  • Nachteile entstehen auch für Haushalte mit geringerem Einkommen. Diese haben nun nicht mehr die Möglichkeit ein Haus zu kaufen. Die gestiegenen Zinsen bedeuten höhere Kreditraten und diese kann sich nicht mehr jeder leisten.
  • Durch die abnehmende Anzahl an Familien, die sich ein Haus leisten können, sinkt die Nachfrage nach Immobilien, was zu einem Preisverfall am Immobilienmarkt führen kann.
  • Durch die angekündigte Zinserhöhung der FED könnte sich Mario Draghi unter Druck gesetzt fühlen ebenfalls schnell zu agieren. Dabei könnten unter Umständen „Flüchtigkeitsfehler“ passieren, sie gravierende Folgen nach sich ziehen könnten.
  • Die Zinserhöhung passiert zu einem Zeitpunkt erhöhter politischer Unsicherheit in den USA. Donald Trump löst Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten vom Amerika ab. Je nachdem, wie der Übergang abläuft, besteht das Risiko, dass die Konjunktur wieder zu lahmen beginnen könnte. Dieses Abflauen würde neue Stimulationen nach sich ziehen. Durch die dabei entstehenden Verzögerungen lässt sich einfach ein Szenario ausmalen, in dem die USA für einige Jahre einen konjunkturellen Stillstand erleben werden

Was lässt sich zusammenfassend über die Auswirkungen einer Zinserhöhung für die Wirtschaft sagen?

Die Effekte einer solchen Maßnahme seitens der Notenbanken sind vielschichtig und lassen sich nicht eindeutig greifen. Viele positive Effekte haben ebenso ihre Schattenseiten. Wie so oft hängt die Frage, ob etwas einen Vorteil oder einen Nachteil mit sich bringt, von der Perspektive des Betrachters ab. Besonders wichtig werden im Zusammenhang mit der Leitzinserhöhung die Entwicklung der Investitionsquoten des jeweiligen Landes im Verhältnis zu vergleichbaren Industrienationen, sowie die Stärke der Währung, da diese maßgeblich für die Export-Erfolge und Importlust der Bevölkerung mitverantwortlich ist. Mithilfe dieser Indikatoren lassen sich erste Rückschlüsse darauf ziehen, wie sich das BIP der Nation entwickeln könnte und in Folge dessen eine frühe Bewertung der potenziellen Vor- und Nachteile der Zinserhöhung für die Gesellschaft.

by Jan 20, 2017 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Börsenpsychologie 6.0 – Charakterbildung

Gastartikel

Dies ist einer meiner letzten Artikel der Börsenpsychologie-Reihe. Ich möchte in diesem Beitrag kurz zusammenfassen, was in den fünf vorherigen Artikel dargestellt wurde, um dann auf die heutige Thematik der Charakterbildung einzugehen.

Bisher haben wir erarbeitet, dass die Börse vor Allem auf Psychologie basiert. Alles dreht sich um die Bewertung von Werten. Bei eben jener Bewertung in einem komplexen und schnelllebigen Umfeld unter Zeitdruck und ohne ausreichend Zugang zu vollständigen Informationen kommen schnell Emotionen auf. Der einzelne Trader und die Masse verhalten sich psychologisch erwartbar, aber oftmals irrational. An der Börse kommt es stetig zu Über- oder Unterbewertungen. Dies ist eine Folge der psychologischen Einflüsse. Noch immer bestimmen Menschen den Handel.

Daraufhin sind wir diverse psychologische Studien, Erkenntnisse und Definitionen durchgegangen. Was eine mentale Buchführung, der Kontrast-Effekt oder die Muster-Illusion? Wir haben uns, teils trocken und zäh, durch die Vorgänge gearbeitet, um ein benötigtes Grundwissen zu erarbeiten.

Nun möchte ich in diesem und den kommenden Beiträgen in die praktische Seite der Börsenpsychologie wechseln. Was passiert mit uns? Wie sollten wir uns verhalten? Wie erkennen wir psychologische Einflüsse am Markt?

 

Du tradest nicht den Markt, sondern deinen Charakter

Ist es überhaupt möglich den Markt zu handeln? Kann jeder von uns einen Hebel umlegen und sein Trading-Verhalten innerhalb von Minuten und einigen Stunden anpassen? Ich denke nicht. Denn unser Verhalten ist geprägt durch uns und nicht durch den Markt. Sind wir selbst risikoscheu, dann werden wir in volatilen und chaotischen Phasen nicht anfangen zu spekulieren und nach Chancen zu suchen. Jeder hat eine andere Vorliebe – für die einen ist es beispielsweise die Trend-Folge, für die anderen wiederum das antizyklische Investment.

Eventuell kann man dies mit einer Sportart, beispielsweise Fußball, vergleichen: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein. Andersrum wäre auch komisch: Das Spiel bestimmt deine Fähigkeiten?

Als Trader ist es dementsprechend, wie auch bereits in vorherigen Artikeln betont, äußerst wichtig sich selbst zu beobachten. Die meisten Fehler machst du selbst. Wenn du deine Rendite, dein maximal Drawdown oder andere Werte deines Tradings verbessern möchtest, dann fang bei dir an. Du kannst die richtigen Stellschrauben bewegen. Es fängt bei dir an und es endet bei dir. Bei deinem Tanz mit dem Markt führt dieser dich. Er gibt Ton, Takt, Tanz, Geschwindigkeit und Richtung an. Doch es liegt an dir wie du diesen Tanz gestaltest: stolperst du? Fällst du? Oder tanzt du den Markt elegant aus und kannst auch die ein oder andere Figur einbauen?

 

Trading bedeutet Charakterbildung

Um nun die Beispiele Fußball und Tanz zu verbinden: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein, doch ganz das Spiel als einzelner nicht lenken. Der Markt führt und zwingt dir das Spiel auf. Geschwindigkeit und Richtung kannst du nicht beeinflussen. Wenn du nun jedoch wenige Fähigkeiten besitzt und beispielsweise nur als Stürmer spielen und nur mit dem rechten Fuß schießen kannst, dann wirst in vielen Spielen schlecht aussehen.

Trading ist Training, Entwicklung und Charakterbildung. Im richtigen Moment musst du das Spiel des Marktes lesen und verstehen können und auch Mal mit dem linken Spann abziehen. Wenn du dich im wilden und schwindelerregenden Tanz nur rechtsrum drehen kannst wirst du bei einer linksgerichteten Drehbewegung sofort ins Stolpern geraten.

Deine Fähigkeiten sind entscheidend und nie gut genug. Dein Vorgehen (Taktik/Set Up) muss genau so stimmen, wie deine Fähigkeiten den Markt zu verstehen (Psychologie, Chart-Technik, Kennzahlen, …) und richtig einzuordnen. Doch es bringt dir wenig, wenn du den Markt verstehst aber nicht handeln kannst. Als Händler solltest du dich auch in der Mathematik, Risiko- und Moneymanagement, verschiedene Handels-Formen, Branchen und zahlreiche weitere Dinge aneignen. Am Ende des Tages musst du fallende Märkte genauso wie steigende handeln können. Kannst du denn mit beiden Füßen schießen?

 

Deine Entwicklung ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs

Die Entwicklung als Trader zieht erfolgreichere und erfolglosere Phasen mit sich. Du wirst Hochs und Tiefs erleben. Fehler gehören genauso dazu, wie auch Erfolge. Neben dem Wissen bist eben du, der den Handel macht.

Fehler und Tiefs können Ängste auslösen. Schönreden oder Meiden sind große Fehler. Wer vom 10-Meter-Trump springt und auf dem Rücken landet sollte sofort erneut springen. Ansonsten setzt sich die Angst davor fest. Auch du solltest Fehler nicht persönlich nehmen, sondern diese als Ansporn und Basis des Lernens verstehen. Analysiere deinen Trade und finde das Problem.

Andersrum ist Hochmut der beste Weg zu fallen. Wer eine Leiter hoch hinaufsteigt kann eben auch wesentlich tiefer fallen. Erfolg fällt einem nicht zu. An der Börse gibt es glückliche Momente, doch auch hier ist die meiste Rendite harte Arbeit. Wer zufrieden ist mit seinem Trading, sich als erfolgreich wahrnimmt, der vergisst, dass der Erfolg nicht ewig anhalten wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Gerade in erfolgreichen Phasen sollte man sich konzentrieren und den Blick nicht vernebeln lassen. Woher kommt der Erfolg? Wie habe ich ich generiert? Was muss ich anders machen, um weiterhin Erfolg zu haben?

Eines der schwierigsten Dinge ist den eigenen Erfolg zu hinterfragen und etwas zu verändern. Es ist ein gutes Gefühl erfolgreich zu sein. Diesen dann zu kritisieren fällt den meisten Menschen schwer. Den bisherigen Weg, welcher den Erfolg brachte, zu verändern, machen tatsächlich die wenigsten. Hier kann man durchaus das Wort Charakterstärke nutzen.

Börse bedeutet Lernen. Börse bedeutet Entwicklung. Börse bedeutet Charakterbildung.

Trader müssen sich entwickeln, hinterfragen und formen. Es gibt wenige Berufe in denen es derart wichtig ist sich selbst eine Entwicklung zuzutrauen. Niemals darf man selbstgefällig wiederholen, was man immer tut. Man muss sich stets verändern und neu ausrichten. Das kostet Zeit und Kraft. Aber wer konzentriert an dieses beiden Fähigkeiten arbeitet und sich stets darin schult besser zu werden, wird besser als die meisten sein: Du musst den Markt lesen und mit verschiedenste Szenarien handeln können.

by Dez 17, 2016 Keine Kommentare
Trading-Fehler verstehen: Das Verlust-Dreieck

Trading-Fehler verstehen: Das Verlust-Dreieck

BW

Viele Anleger handeln und machen Verluste. Sie fragen sich meist warum. Sie haben auf Tipps geachtet oder sind in eine Aktie eingestiegen. Oft stehen emotionale Aspkete im Weg oder das Vorgehen war einfach unsauber und ohne Strategie. In diesem Blog möchte ich eine mögliche und wahrscheinlich recht häufige Fehler-Quelle erklären.

 

Wie sieht ein vorbildlicher Trade aus?

Ein Händler greift hierbei sein Fachwissen zu. Er kennt die Theorie und ist mit der Materie vertraut. Dies kann strategisches oder historisches Wissen aber auch das Beherrschen von Fundamental- und Chart-Analyse sein. Nun analysiert er den Markt, den Bereich oder die Aktie, ob er die Theorie in der Realität wiedererkennt. Er wertet viele Daten aus und selektiert aus diesen Daten mögliche Anlage-Objekt, dokumentiert seine Ausarbeitung und beobachtet diese. Am Ende entscheidet er sich aus seinen favorisierten Werten für ein oder mehr Objekte sie nun hoffentlich erfolgreich zu traden. Währen und nach dem Trade wertet er die Arbeit aus. Nach diesem Vorgehen geht er wieder dazu über sein theoretisches Wissen anzuwenden und nach neuen Objekten für Investments zu suchen.


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Was viele Anleger falsch machen

Viele Anleger agieren hierbei unsauber und voreilig. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt, sind zu schusselig oder unwissend. Sie haben zwar Theoretisches Wissen, analysieren Werte und Märkte auch, doch entscheiden sich dann viel zu schnell für einen Trade. Den Trade werten sie dann nicht aus, sondern gehen sofort wieder mit der Theorie an den Markt. Sie wundern sich warum die Trades nicht klappen, weil sie ihre Arbeit nicht auswerten. Und die Trades klappen oftmals nicht, weil sie sich aus dem Markt wahllos Werte herausziehen, diese analysieren und vielleicht handeln. Sie wählen nicht aus, dokumentieren und sortieren nicht. Sie arbeiten voreilig und bewegen sich zumeist im Verlust-Dreieck.

 

Sie wundern sich warum Ihre Trades nicht klappen? Das kann daran liegen, dass Sie ihre Arbeit nicht auswerten. Und weil Sie ihre Arbeit nicht auswerten erkennen Sie die Fehler auch nicht, die Sie machen.

Das der Trade nicht klappte muss nicht am Markt liegen, sondern kann auch an Ihnen liegen. Zum Handel gehört nicht nur der Markt, sondern auch Risikomanagement, Stopps setzen, Psychologie und vieles Mehr. Trotz theoretischem Wissen und immer neuen Trades erkennen Sie Beispielsweise ohne Auswertung Ihres Handelns nicht, dass die Stopps falsch gesetzt sind. Sie ärgern sich, dass 5 aus 8 Trades Misserfolge sind, erkennen jedoch nicht, dass ihre Positionen eigentlich richtig gedacht waren, aber lediglich zu früh ausgestoppt wurden, und der Markt kurz darauf in die Richtung dreht in die Sie wollten. Die richtige Schlussfolgerung, welche zum Erfolg führen würde, wäre das die Stopps anders gesetzt werden müssen. Wenn sie jedoch voreilig erneut über Ihr theoretisches Wissen den Markt analysieren und eventuell in anderen Bereichen und Branchen nach Ihrem Glück suchen, so werden Sie jedoch immer wieder den eigentlichen Fehler machen, den Sie nicht erkennen, da ein wichtiger Schritt im Trading-Verhalten fehlt. Sie sind im Verlust-Dreieck gefangen.

  • Arbeiten Sie ruhig und kontrolliert
  • Analysieren Sie den Markt
  • Selektieren Sie potentielle Anlage-Objekte
  • Dokumentieren Sie Marktgeschehen
  • Handeln Sie nicht voreilig, sondern überlegt
  • Analysieren Sie ihr Vorgehen
  • Suchen Sie am Markt nach Möglichkeiten
  • Suchen Sie bei sich nach Fehlern

 

by Dez 13, 2016 Keine Kommentare
Fonds – Vorteile, Nachteile und Alternativen

Fonds – Vorteile, Nachteile und Alternativen

Analgeinstrumente Sparen

Fonds- Überwiegen die Vorteile oder Nachteile? Vor allem in Zeiten niedriger Zinsen sind Tagesgeldkonten keine Option mehr und wer sich keine Immobilien leisten kann oder will, der investiert in Investmentfonds. Wir von InsideTrading.de haben die Vorteile und Nachteile von Fonds einmal in Stichpunkten aufgeführt und gegenübergestellt. Bei unserer Recherche haben wir versucht, vor allem die Argumente aufzugreifen, die immer wieder in Chats und Foren aufkommen.

Bild Beschrieftung Vorteile und Nachteile von Investmentfonds und Fonds

 

Bei dem Thema Fonds geht es meist um die Kosten und die Rendite: Ein witziges Gesprächsprotokoll zwischen einem Vermögensberater und einem Kunden. Die Zahlen beruhen auf wahrer Begebenheit. Hier geht es zum Artikel: Die Renditelüge der Fonds

Fondsrendite die Lüge

Wenn Vermögensberater über Fondsrendite sprechen.

 Vorteile von Fonds bzw. Investmentfonds

  • Neben dem klassischen Sparbuch ist der Fondssparplan einer der wahrscheinlich leichtesten Möglichkeiten sein Geld anzulegen.
  • Das Geld wird automatisch vom Konto abgebucht und dadurch steht es zum Ausgeben auf dem Konto nicht mehr zur Verfügung. Dennoch können Sie bei den meisten Fonds die Sparrate auch regelmäßig verändern oder sogar aussetzten.
  • Ausgezeichnete Risikostreuung – Man kann mit einem geringen Kapitaleinsatz sein Investmentvermögen breit streuen.
  • Das Investieren in Einzelwerte birgt immer die Gefahr, dass der Ausfall einer Anleihe oder die Pleite von einem Unternehmen das Depot sehr stark in die roten Zahlen treibt. Die breite Diversifikation eines Fonds lässt das Ausfallrisiko einzelner Wert kaum ins Gewicht fallen. Der Wertverlust einiger weniger wird meist durch die Gewinne anderer ausgeglichen.
  • Es ist nicht nötig, sich als Sparer weiter mit der Finanzanlage zu beschäftigen (auch wenn es nicht schaden würde). Sollten Sie sich einmal für einen Investmentfonds entschieden haben, dann wird alles Weitere von Experten (Fondsmanager) für Sie übernommen.
  • Professionelle Kapitalmarktexperten übernehmen die Produktauswahl, die Strategieentscheidungen und die Festlegung des Zeitpunkts einer Umschichtung. Natürlich halten Sie sich dabei an die gesetzlichen Regelungen und die Vorgaben aus dem Anlageprospekt.
  • Große Sicherheit ist ein weiter meist genannter Vorteil. Investmentfonds werden von Aufsichtsbehörden überwacht, denen der Fonds regelmäßig Rechenschaft ablegen muss.
  • Das Geld wird von einer Depotbank verwahrt und liegt nicht im Haus der Fondsgesellschaft (Sondervermögen). Die Verwahrung und Betreuung der Anlegergelder sind somit zum bestmöglichen Anlegerschutz der Anlegerinteressen getrennt.
  • In Absprache mit Ihrem Finanzberater/ Ihrem Bankberater können Sie Ihr Vermögen jeder Zeit auch von einem Fond in einen anderen umschichten. Sollten sich somit die Kurse und das Risiko nicht wie erwartet entwickeln oder der Fonds nicht mehr zu Ihren persönlichen Anlagezielen passen, dann ist die Umschichtung oft ein sinnvoller Schritt.
  • Ein großer Vorteil ist auch, dass das in einen Fonds investierte Geld als Sondervermögen Somit ist Ihr Vermögen auch in dem Fall von Liquiditätsengpässen oder einer Pleite der Fondsgesellschaft geschützt. Die Gesellschaft hat in einer solchen Situation kein Anrecht auf das Vermögen, das Sie verwaltet. Anders verhält es sich bei der Investition in ein Investmentzertifikat. Dieses würde in dem Falle einer Pleite des Emittenten in die Konkursmasse mit eingehen.
  • Sie können Ihre Anteile in der Regel börsentäglich an die Fondsgesellschaft zum Rücknahmepreis verkaufen (hohe Liquidität). Es gibt keine Kündigungsfrist. Somit sind Sie sehr flexibel und können meist schnell auf Ihr Geld zugreifen.

 

Nachteile von Fonds und Investmentfonds

  • Hohe Kosten: Im Gegensatz zu anderen Finanzprodukten gibt es bei Investmentfonds nicht nur den Spread sondern einen Ausgabeaufschlag. Dieser beträgt oft bis zu 5% und schmälert die Investitionssumme schon beim Kauf erheblich.
  • Jährliche Gebühren: Fonds verlangen eine jährliche Verwaltungsgebühr bzw. Managementgebühr, die es beispielsweise beim Kauf von Aktien nicht gibt. Diese schmälert die Performanz zusätzlich.
  • Die beworbene Rendite ist eine Bruttorendite, welche als „schön gerechnet“ bezeichnet werden kann. Mehr Information zum Thema Fondsrendite finde Sie hier: „Die Renditelüge der Fonds
  • Die Portfoliomanager des Fonds versuchen oft das Risiko durch eine breite Streuung zu minimieren. So investieren Sie oft in 100 verschiedene Finanzwerte. Dieses verringert jedoch auch die Gewinnchancen und hohe Renditen erheblich.
  • Jegliches Eingreifen in den Handel oder die Entscheidungsfindung ist nicht möglich. Im Gegensatz zu vielen anderen Investments kann man die Position auch nicht wirklich gut headgen, selbst wenn man mit der Performance des Portfoliomanagers nicht zufrieden ist. Hier bleibt einem nur das Abstoßen des Fonds.
  • Ein weiterer Nachteil von Fonds ist die Trägheit. Fonds verpassen durch weite Wege und schwierige Genehmigungsverfahren die neusten und lokutiven Trends meist völlig. Bei einem Einstieg wurden die großen Gewinne schon von anderen eingestrichen.
  • Fonds sind durch verschiedene gesetzliche Vorgaben und Anlagerichtlinien (Fondsauftrag) meist dazu verpflichtet, zu einem Mindestaß im Markt investiert zu sein. Dieses schmälert gerade in Phasen unsicherer Märkte die Performance zusätzlich. Hedgefonds haben in der Regel mehr Freiheiten und sind somit davon ausgeschlossen.
  • Die Auswahl an Investmentfonds ist vielfältig und verwirrend. Hier gilt, dass man sich bei der Auswahl mit dem Thema intensiver beschäftigen sollte, als bei dem Kauf einer Aktie. Der Grund ist, dass man allein durch den Kauf und sofortigen Verkauf einen relativ großer Verlust verbuchen würde.
  • Ausgenommen von Geldmarktfonds sind Fonds nicht für die kurzfristige Anlage geeinte. Die Gebühren sind einfach zu hoch.

 

Alternativen zu Fonds / Investmentfonds

In diesem Artikel ging es nicht darum Fonds zu bewerben oder davon abzuraten. Es ging uns nur darum, die Vorteile und Nachteile gegenüberzustellen und so ein Bewusstsein vor dem Kauf zu schaffen. Selbstverständlich gibt es nicht nur das ausgestorbene Tagesgeld und Fonds, sondern auch noch viele Alternativen. Eine der beliebtesten Alternative sind derzeit ETFs. ETF steht für exchange traded fund und bezeichnet passiv gemanagte, an der Börse handelbare Fonds. Der große Vorteil von ETFs gegenüber Investmentfonds ist, dass diese meist wesentlich günstiger in der Anschaffung und auch im Verkauf sind. Zudem ist die Diversifikation und Streuung vergleichbar.

Weitere Informationen und wichtige Links zum Thema ETFs:

 

 

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by Dez 03, 2016 Keine Kommentare
BANX Broker – Vorteile, Nachteile und Erfahrungen

BANX Broker – Vorteile, Nachteile und Erfahrungen

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Banx Broker ist als BANX GmbH mit Sitz in der Morsestraße 20 in 40215 Düsseldorf firmiert. Der Broker nutzt die Infrastruktur des Branchenprimus´ Interactive Brokers, über dessen System gut 19% der global an den Börsenplätzen notierten Aktienoptionen durchlaufen, sowie täglich mehr als 1.200.000 Transaktionen abgewickelt werden. Sie liefern einen exzellenten deutschen Kundenservice und bieten somit auch für nicht-institutionelle Trader und Investoren einen immensen Mehrwert.

 

Vorteile von BANX Broker

  • Bei BANX Broker läuft die Infrastruktur von Interactive Brokers (nachfolgend IB) im Hintergrund – SMART Routing Technologie ermöglicht bestmögliche Ausführung auch in illiquideren Marktsituationen
  • IB Technologie mit deutschsprachigem Support – Ein Muss sowohl für Einsteiger und um erste Erfahrungen mit der Software TWS und dem Handeln mit der IB-Infrastruktur zu sammeln
  • Aktientransaktionen in Europa sind ab 3,90€ möglich. US-Titel können bereits für einen US-Dollar Cent (0,01$) pro Aktie gehandelt werden. Die Spreads im Forex- Handel beginnen bei 0,4 Pip
  • Echter Währungshandel möglich (nicht CFD) – jedoch im Vergleich zu CFDs mit eher „geringem“ Hebel
  • Hohe Einlagensicherung
  • Neben einem Cash-Konto bietet BANX Broker auch ein Margin Konto, mit welchem Terminkontrakte (Futures und Optionen) gehandelt werden können. Dabei können diese Kontrakte sowohl gekauft als auch verkauft geschrieben werden. Dies erlaubt die Strukturierung von allen erdenklichen Optionsgeschäften wie Spreads oder auch eines Iron Condors, sowie verschiedenen anderen Hedgefonds (Short Gamma) Strategien.
  • Große Auswahl an Trading-Software, wie der Trader Workstation und dem Agena Trader. Für diese beiden Plattformen lassen sich eine Vielzahl hochwertiger Datenfeeds abonnieren.
  • Umfassende Fundamentalanalyse-Möglichkeiten und Methoden innerhalb der Handelsplattformen
  • Detaillierte Analysemöglichkeit von Open-Interest in Terminkontrakten
  • Professionelle Analysemöglichkeiten der impliziten Volatilität
  • Level 2 Markttiefe – Orderbucheinsicht verfügbar.
  • BANX Broker wartet mit extrem kompetitiven Konditionen auf, wobei die Mindesteinlage mit gerade einmal 3000€ extrem fair gewählt ist.

 

Nachteile von BANX Broker

  • Mindesteinzahlung von 3000€ für eine Kontoeröffnung notwendig (ist zwar fair aber eben auch ein Nachteil)
  • Die Trader Workstation als Primärsoftware von Interactive Brokers stellt zu Beginn eine gewisse Hürde dar, da die Anwendung nicht immer intuitiv ist. Wir als InsideTrading stellen Einführungsvideos und Tutorials für die TWS in unserem YouTube Kanal zur Verfügung.
  • Marktdaten-Abonnements verursachen unter Umständen zusätzliche monatliche Kosten. Für aktive Trader rechnet sich dieses aber meistens aufgrund der niedrigen Kommissionen über einen Monat.

 

Erfahrungen: Bekannte Probleme aus dem Web

  • Im Netz wird vor allem bemängelt, dass es sich bei BANX Broker um ein noch junges Unternehmen handelt. Da BANX aber die Systeme von Interactive Brokers nutzt, muss man sich bezüglich der Ausführungen eher wenig Gedanken machen. Die Gelder werden bei BANX Broker in die Hände einer der größten Banken der Welt zur Verwahrung gegeben (aktuell CITI !!! ). Dementsprechend handelt es sich auch hier um altbewährte Strukturen.

 

 

by Nov 28, 2016 5 Kommentare
Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

Wie Unternehmen legal die Bilanz aufhübschen

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Analysten orientieren sich am Gewinn je Aktie, Anleger meistens an Kennziffern, wie dem KGV oder der Dividenden-Rendite, und Banken an der EK-Quote eines Unternehmens. Doch Unternehmen haben einen massiven Spielraum, wie sie ihre Bilanzen verändern, aufbessern und manipulieren können. Und das ganz legal. Ich möchte dir die gängigsten und einflussreichsten Tricks aufzeigen. Selbst geübte Analysten haben teils Schwierigkeiten die Wahrheit in den komplexen und komplizierten Berichten von Großkonzernen herauszulesen. Eine halbe Armee aus Betriebswirten und Juristen beschäftigt sich damit unschöne Wahrheiten und Zahlen in einem Gewirr aus Berechnungen und Bezeichnungen zu verstecken. Doch ein waches und kritisches Auge sollte man immer haben, wenn man Bilanzen, Finanzdaten und Kennzahlen liest und analysiert. Was einem die Konzerne vorsetzen ist definitiv nicht immer genießbar!

 

Pensionsverpflichtungen verschieben

Pensionsverpflichtungen belasten das Eigenkapital, da sie als Fremdkapital bzw. Schuld gegenüber anderen in der Bilanz geführt werden. Mittlerweile lagern die meisten Unternehmen diese Rückstellungen für Pensionsaufwendungen in so genannte Contractual Trust Arrangements (CTA) aus. Diese vom Unternehmen gegründete Penionstreuhand ist mit einem Pensionsfond vergleichbar. Das Unternehmen kann nun Pensionsrückstellungen auszahlen. Gewinn wird in das CTA eingezahlt, welches das Geld verwaltet, anlegt und die Pensionskosten trägt. In der Bilanz des Unternehmens tauchen dann nur noch die nicht ausgezahlten Pensionsrückstellungen auf. Beispielsweise parkt Evonik derzeit (Stand 2015) 8,7 Milliarden Euro außerhalb der Bilanz. Lediglich 3,4 Milliarden nicht ausfinanzierte Pensionsrückstellungen stehen in der Bilanz.

 

Unrentable Bereiche auslagern

Was die Bilanz runterzieht muss weg. Am liebsten werden diese Bereiche dann als Tochtergesellschaft ausgelagert und nicht mehr in die Bilanz einbezogen. So lagern derzeit RWE und EoN ihr Kerngeschäft aus. Die Sparten Kohle & Gas werden in Tochtergesellschaften abgespalten. Übrig bleiben sollen die grünen, sauberen und gewinnbringenden Bereiche des Unternehmens als neue Hauptfelder. Aus den Augen aus dem Sinn? Vielleicht. Was Anleger dann aber schnell übersehen: die verlustbringenden und überschuldeten Unternehmensbereiche sind weiterhin risikoreich, denn die Muttergesellschaft haftet weiterhin für die Schulden und Kosten. Zumeist bleiben beide Konzerne anfangs verbunden und trennen sich erst nach und nach. Wie beispielweise Bayer anfangs über 30% an der ausgelagerten Kunststoff-Sparte Covestro hielt und dies Schritt für Schritt mit Teilverkäufen reduziert.

 

Firmenwerte verkaufen

Steigen die Sorgen um die Zahlungssicherheit dann verkaufen Unternehmen gerne ihre Immobilien und mieten sie sofort darauf zurück (sale-and-lease-back). Der Effekt ist klar: Es kommt sehr viel Geld bzw. Liquidität in das Unternehmen und die Bilanz sieht wieder liquide und gut aus. Das zuvor gebundene Kapital ist wieder liquide. Der Nachteil ist jedoch, dass man dies nicht zu oft machen kann und die Mietkosten daraufhin den Gewinn belasten. Auch können Mietkosten nun steigen. Thomas Middelhoff konnte die Immobilien von Arcandor beispielsweise für stolze 4,5 Milliarden verkaufen und das Unternehmen war daraufhin quasi schuldenfrei. Genützt hat dies Nichts, denn die steigenden Mitkosten führten das Unternehmen schlussendlich in die Pleite.

 

Kitchen-Sinking

Um den eigenen Job und den Aktienkurs zu retten verschleiern Chefs die Kosten, verschieben Aufwendungen und drücken Abschreibungen. Ewig können diese Lasten nicht verschoben werden. Übernimmt dann ein neuer Chef die Leitung des meist angeschlagenen Konzerns ist zu erkennen, dass diese im ersten Jahr hohe Verluste machen. Bewusst! Denn der neue Chef räumt in der Bilanz auf und deckt alle Schummeleien auf und bereinigt die Bilanz. Verwendet wird für dieses Verhalten der Fachbegriff “Kitchen-Sinking”. Der neue Chef nutzt die erste Phase seiner Amtszeit, um die Altlasten seines Vorgängers aufzuräumen. So machte beispielsweise auch die Deutsche Bank unter John Cryan schnell mehrere historisch hohe Quartalsverluste. Ist der Chef dann länger im Amt, so fällt jedes Quartalsergebnis in seine Verantwortung. Nun fängt er an Verluste zu vermeiden und schleppt Probleme mit sich. Bis ein neuer Chef das Amt übernimmt und erneut aufräumt …

Anleger können sich merken, dass nach dem Amtsantritt neuer CEOs möglicherweise überraschend schlechte Quartalsergebnisse drohen.

 

Kosten wegrechnen

Lagert ein Unternehmen einen unrentablen Bereich nicht aus, so versteckt es trotzdem gern die Kosten. Die Commerzbank beispielsweise präsentiert meist stolz die Rendite der Kernbank, welche doppelt so hoch ist wie die der Gesamt-Bank. Den Markt kann man so hervorragend blenden und von den Erfolgen sprechen. Diese Angaben hoher Renditen sind zwar richtig, aber zeigen nicht das ganze Bild des gesamten Konzerns. Bilanzen kann man stets so drehen und präsentieren, dass alles halb so wild bzw. auch gut aussieht.

 

Kennziffern erfinden

Es gibt zwar vorgeschriebene Formen, wie eine Bilanz auszusehen hat. Doch während ein Unternehmen eine Mindest-Anzahl von Angaben leisten muss, so gibt es nach oben hinaus keine Grenze. Es gibt keine maximale Grenze an Angaben oder eine vorgeschriebene nutzbare Anzahl an Kennziffern. Unternehmen sind daraus resultierend erfinderisch mit den Kennziffern und Bezeichnungen. Seit ungefähr 10 Jahren ist das Ebitda populär. Dies ist der Gewinn ohne Steuern, Zinsen und Abschreibungen. Unternehmen mit hoher Steuerlast und misslungenen Zukäufen präsentieren also lieber das Ebitda, welches die schlimme Bilanz verschönert. Große Kostenpunkte werden nicht beachtet. Auch sprechen die Unternehmen von Gewinnen der Segmente, Bereiche, von nachhaltigen Gewinnen oder bereinigten. Jeder erfindet neue Namen für neue Kennziffern. Analysten und Anleger können nur schwerlich die Übersicht behalten und müssen meist die vorgesetzten Zahlen der Unternehmen einfach hinnehmen. Immer wieder werden hierbei neue Kennzahlen erfunden.

Weitere Tricks, wie Unternehmen den eigenen Aktienkurs treiben, beschönigen und/oder manipulieren können (legal!!) habe ich hier beschrieben.

 

Goodwill

Kauft ein Unternehmen ein anderes teurer ein, als dieses laut Bilanz wert ist, dann ist die Differenz dessen der Goodwill. Siemens kaufte beispielsweise das Unternehmen Dresser-Rand (Bilanzieller Wert: 2 Milliarden Euro) für 6 Milliarden Euro zu. Siemens konnte daraufhin nicht nur das zugekaufte Unternehmen mit 2 Milliarden Euro in der Bilanz führen, sondern auch die vier Milliarden Euro Goodwill wurden in der Bilanz verbucht. Zwar wird diese Summe Jahr für Jahr überpüft, basiert diese Überprüfung jedoch auf der Einschätzung des Managements. Der Goodwill ist nicht an realwirtschaftliche Bedingungen oder Prüfungen gebunden. Siemens könnte ein Jahr später den Goodwill auf 5 Milliarden erhöhen oder auch senken. Je nachdem, wie man es für die jeweilige Bilanz für die Anleger benötigt. Das Problem: Ewig kann man das nicht machen. Irgendwann ist auch den Finanzprüfern klar, dass das gekaufte Unternehmen nicht das Wert ist, als was es taxiert wird vom Unternehmen. Daraufhin folgen meist schmerzhafte und milliardenschwere Abschreibungen. Der Goodwill (also diese aus der Luft gegriffene Fantasie-Bewertung des Managements) muss korrigiert werden.

 

Eigenkapital aufplustern

VW nutze den Goodwill bei der Übernahme von Porsche aus. Für 4 Milliarden Euro erwarb VW 50% von Porsche plus der Option weitere 50% des Konzern für weitere 4 Milliarden Euro kaufen zu dürfen. In der Folge gab VW bewusst äußerst positive Erwartungen für Porsche raus und steigerte den Goodwill der eigenen Anteile kräftig. Als VW dann die Option zog und die zweiten 50% für 4 Milliarden erwarb, wurde jedoch auch der Goodwill angepasst bzw. ausgeweitet. Durch diese Spielereien der Bewertung und Aussichten des Managements konnte VW trotz der “lediglich” überwiesenen 8,4 Milliarden für Porsche 27 Milliarden Euro in seiner Bilanz verbuchen. Allein basierend auf überzogenen Bewertungen/Aussichten wurden 19 Milliarden Euro Goodwill erstellt und verbucht. Werte, welche es so eigentlich nicht gibt und VW auch eigentlich nicht zur Verfügung standen und doch in das Eigenkapital einflossen. Im Jahr 2012 fuhr Volkswagen dann auch mit 22 Milliarden Euro den größten Unternehmens-Gewinn der deutschen Geschichte ein. Ein Schelm wer böses denkt …

 

Abschreibungen strecken

Abschreibungen schmälern den Gewinn. Vor dem Finanzamt werden Abschreibungen also besonders hoch angesetzt, denn weniger Gewinn bedeutet weniger Steuern. Vor dem Markt, Banken und Anlegern soll jedoch der Gewinn glänzen. Und so kann man beispielsweise Spielräume bei der Abschreibung nutzen und Wertgegenstände nicht in 8 sondern in 10 Jahren abschreiben. Die jährliche Belastung des Gewinns sinkt. Der Gewinn steigt. Die Anleger freuen sich, obwohl der Gewinn eigentlich nicht gestiegen ist. Die Kosten wurden nur verteilt und umgerechnet.

 

Sondereffekte verschweigen

Sondereffekte sind Einnahmen und Ausgaben, welche Unternehmen erzielen, obwohl diese nicht zum organischen Geschäft gehören. Wenn ein Bäcker-Meister und Bäckerei-Besitzer seinen Firmenwagen verkauft, dann macht er in diesem Jahr vielleicht einen besonders hohen Gewinn. Dies ist aber lediglich dem Sondereffekt des Autoverkaufs zu verdanken. Nicht dem (organischen) Kerngeschäft der Bäckerei. Die Einnahmen der Bäckerei sind eventuell sogar gesunken. Diesen Spielraum nutzen Unternehmen gerne aus. Vor Allem werden die Effekte von Übernahmen verschwiegen bzw. nur im Kleingedruckten beschrieben. Wachsen Unternehmen kaum noch organisch, dann kaufen sie verstärkt Unternehmen zu, um weiter zu wachsen. So rühmte sich Allergan beispielsweise mit 74% Umsatzwachstum. Was die Anleger nicht wussten oder vergaßen nachzuschauen: Das Wachstum war fast auschließlich auf eine Fusion mit Actavis zurückzuführen. Organisch wuchsen beide Unternehmen tatsächlich nur 3%. Das hätte den Anlegern sicherlich nicht gefallen.

by Nov 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

Börsenpsychologie 5.0 – Anomalien

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Wie wir bereits aus den bisherigen Artikeln der Börsen-Psychologie-Reihe mitnehmen konnten gibt es an allen Ecken und Enden Stolperfallen und Hindernisse an der Börse. Entweder ist es die Mathematik, die Psychologie, der Trader selbst oder der Markt generell, welche einem einen Strich durch die Rechnung machen. Fehler machen gehört dazu – doch ärgerlich sind die persönlichen Missgeschicke. Immer wieder ärgert man sich über sich selbst. Welche trader-bezogenen Anomalien gilt es zu beachten?

 

Sektoren-Verliebtheit

Die Verliebtheit ist ein generelles Problem an der Börse. Aus dem privaten Bereich kennen wir das Phänomen der „rosaroten Brille“. Hierbei hindert uns der durch die Verliebtheit verschwommen und beschönigende Blick daran sachlich zu denken und Probleme zu erkennen. Im privaten wird die Person und Situation nicht ausreichend hinterfragt. An der Börse beachtet ein in einen Wert oder Sektor verliebter Trader die Contra-Argumente und Gefahren zu wenig und beschönigt sich die Situation. Er erkennt den drohenden Verlust nicht.

Die Sektoren-Verliebtheit tritt bei ungeübten Anlegern auf. Die meisten von uns sollten betroffen sein. Unbewusst werden diverse Sektoren überbewertet, zu denen man eine emotionale Bindung hat. Zumeist basiert diese auf dem eigenen Beruf. So gewichten Banker selbst bei ihrer Anlageform Banken-Werte über, Mitarbeiter von Automobil-Konzernen die der Automobil-Branche und so weiter. Der Trugschluss mehr über eine Branche zu wissen, weil man in dieser arbeitet führt oftmals zu ungewollt hohen Verlusten. Auch bestraft man sich schnell doppelt, sollte ein Sektor in Probleme geraten, so verliert man im schlimmsten Fall seinen Job und viel Geld durch die Übergewichtung im Depot.

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Heimattreue

Ähnlich wie diverse Sektoren unterbewusst übergewichtet werden, so besteht auch eine emotionale und depot-basierte Bindung an die Heimat. So machen deutsche Unternehmen nur zwischen 4 und 6% aller an den Börsen weltweit gelisteten Unternehmen aus. Umfragen ergaben jedoch, dass eben jene Unternehmen bei deutschen Anlegern oftmals mindestens 1/3 der Depotsumme in Anspruch nehmen. So auch in anderen Ländern zu beobachten. Erneut gilt der Grundsatz, dass die Gefahr besteht sich doppelt zu bestrafen: rutscht die Heimat in eine konjunkturelle Rezession, so verliert man ebenfalls überproportional stark bei seinen Anlagen. Die Diversifikation sollte auch das Verteilen der eigenen Anlagesumme auf verschiedene Länder und Kontinente enthalten.

 

Harmonie-Streben

Wie in den letzten Artikeln bezüglich der Status-Quo-Anhänglichkeit beschrieben tun wir uns schwer mit Entscheidungen. Wir stehen nicht gerne im Konflikt mit anderen Personen, mit Problemen/Situationen oder mit uns selbst. Vor uns selbst können wir nicht weglaufen oder uns aus dem Weg gehen. Eine Kaufentscheidung bewegt uns tagelang. Wir grübeln und denken, denn der Kauf bedeutet, dass man andere möglich bessere Alternativen nicht kaufen wird. Haben wir uns dann entschieden, dann entwickeln wir schnell eine emotionale Bindung zu diesem erworbenen Wert. Die neue Position ist das Resultat einer Entscheidung. Unser „Baby“ sozusagen. Und wir stehen zu unserem Baby in guten wie auch in (leider) schlechten Zeiten. Wir schauen über Buch-Verluste hinweg, da diese ja nur theoretisch sind. Wir beschönigen die Situation und vieles mehr. Diese Komponenten haben wir bereits kennengelernt in den letzten Ausführungen. Hinzukommt: Wie in der Liebe klammern wir negative Anzeichen aus. Wir wollen sie nicht sehen. Wir haben einen emotional besessenen Blick auf unsere Position. Wir halten zu lange, laufen weit in die Verluste und vergeben die Möglichkeit frühzeitig mit kleinen Verlusten zu verkaufen und diese mit einer besseren Alternative wieder zu erwirtschaften. Verliebtheit ist für Trader eine verlustbringende Falle.

 

Chancenfixierung

Eine Aktie A hat das Potential in den kommenden 12 Monaten um 40% zu steigen. Eine Aktie B das Potential für 15%. Wir wissen, dass sich die meisten Anleger für Aktie A entscheiden würden. Anleger sind auf Chancen aus. Man sucht nach der meistmöglichen Rendite. Man möchte den anderen beweisen, dass man besonders clever und gut ist. Das Problem dessen ist, dass Aktie A neben der höheren möglichen Rendite meist auch mehr Risiken mit sich bringt. Die Rendite ist entsprechend dem Risiko höher. Chancenfixierte Trader suchen nach Möglichkeiten und ihrem lucky trade. Sie greifen in fallende Messer und kaufen sich unreflektiert in volatile Märkte ein auf der Suche nach dem ganz großen Geld. Doch auch die Verluste können bei diesem Verhalten wesentlich größer ausfallen. Ist uns die höhere mögliche Rendite das Risiko eigentlich wert? Und muss es der große Wurf sein oder genügt nicht eine risikoärmere Anlageform, welche sich in den kommenden 5 bis 10 Jahren kräftig auszahlen wird? Handelst du um dein Ego zu bedienen oder geht es dir um die clevere Geldanlage? Chancenfixierung bedeutet für die meisten Trader drohender Verlust!

 

Ohne Plan am Markt

Die vielen bereits erarbeiteten psychologischen Einflüsse und Emotionen muss ein Anleger im Griff haben. Arbeitet er ohne Plan, Ziel und Struktur, dann ist er ein gefundenes Fressen für Fehler durch irrationales Verhalten. Grenzen nach oben und unten, Pläne und Strategien sind wichtig, um kontrolliert und nicht affekt-getrieben vorzugehen.

Außerdem sollten wir uns an meinen Hinweis in einem der vorherigen Artikel erinnern: Es liegt in der Psychologie des Menschen zu denken, dass alle anderen von etwas betroffen sind, aber man selbst nicht. Auch du bist höchstwahrscheinlich „Opfer“ einer dieser Anomalien und psychologischen Fallen. Rollst du dich in Watte und weist Verantwortung Schuld von dir, so entwickelst du dich nicht weiter. Analysiere dich selbst: was hast du im Depot übergewichtet? Warum? Besteht Verliebtheit? Wie ist dein Risiko-Management aufgestellt – wie oft handelst du Chancen anstelle Werte? Wir machen viele Fehler und können immer wieder an uns selbst als Trader arbeiten.

In meinem nächsten Artikel in 14 Tagen möchte ich dann auf die Charakterbildung eines Traders eingehen. Wir haben nun viel über Psychologie, Theorien, Systeme und Fallen gelesen. Doch wie sollte ein Trader vorgehen, um sich selbst zu schulen und sein Verhalten zu optimieren?

by Nov 18, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

Börsenpsychologie 4.0 – Kognitive Verzerrungen

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Schon der große André Kostolany stellte fest, dass die Börse gerade Mal zu 10% auf Fakten reagiere, alles andere sei Psychologie. Wer die bereits veröffentlichten drei Beiträge dieser Börsenpsychologie-Reihe gelesen hat, wird diese Aussage durchaus unterschreiben. Psychologie ist der Schlüssel zum Erfolg für Trader. Selbst Charttechnik (bildet Verhaltensmuster ab) und Fundamentalanalyse (Bewertung mit fundamentalen Daten) basieren auf psychologischen Aspekten. Nun möchte ich mit dir tiefer in die Materie der Börsenpsychologie eintauchen. In diesem Beitrag wird es um kognitive Verzerrungen gehen.

Kognitionsproblem ist ein Sammelbegriff für zahlreiche psychologisch fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Diese vier Begriffe lassen sich auch als kognitive Prozesse zusammenfassen. Kommt es zu irrationalen Ausprägungen, so sprechen wir von kognitiven Verzerrungen. Wir selbst bemerken diese Vorfälle meist nicht und lassen uns unbewusst in die psychologische Falle locken. Viele kognitive Probleme basieren auf der kognitiven Heuristik, welche besonders für Trader ein Problem bzw. einen wichtigen Aspekt darstellt.

Hä … was? Heuristik? Die Prospekttheorie der Heuristik hatte ich bereits im zweiten Beitrag dieser Themen-Reihe erklärt. Hier kannst du diesen Artikel lesen. Als kurze Wiederholung: Bei der Heuristik handelt es sich um das menschliche Verhalten in Situationen mit begrenztem Wissen und wenig Zeit eine anwendbare Lösung zu finden. Auch Trader verfügen nie über ausreichend Informationen und müssen doch unter hohem Zeitdruck handeln. Die Anomalien und Verzerrungen, welche aus diesem Einfluss auf unsere Psyche entstehen, sind gewaltig.

Warum ist es wichtig, kognitive Verzerrungen zu kennen? Ich möchte doch handeln, Kurse analysieren und Gewinne machen. Wieso soll ich mich psychologischen Fehlfunktionen bei Menschen beschäftigen? Wer Menschen versteht, der versteht die Börse. Kurse sind ein Abbild menschlichen Handelns. Und das auch noch in Zeiten zunehmender Automatisierung. Wer versteht, wie sich Menschen in gewissen Situationen verhalten könnten, versteht weitaus mehr von der Börse als die meisten.

 

Übersicht der kognitiven Verzerrungen

Ich möchte im Folgenden auf eine Vielzahl von Verzerrungen eingehen. Ich bin mir sicher, dass du dich bei zahlreichen dieser wiederfinden wirst. Kannst du dir diese merken und traust du dich stets zu hinterfragen? Wer seine unbewussten Fehler bewusst erkennt bzw. erahnt oder ein Gefühl entwickelt, wann die eigene Psyche zu Verzerrungen neigt, wird selbst deutlich rationaler und sachlicher agieren.

Trading bedeutet in erster Linie sich selbst kennenzulernen und mit sich selbst zu arbeiten. Die meisten Fehler begeht man selbst und man selbst ist in der Rolle Aktien und Situationen bewerten und Handelsentscheidungen treffen zu müssen. Wir tun dies durchaus nicht nüchtern, sondern sind hierbei menschlich anfällig für Fehler. Unsere Psyche, vor allem das Unterbewusstsein, üben hier immer wieder großen Einfluss aus.

Bevor du die Möglichkeit hast, dir die zahlreichen kurzen Definitionen anzuschauen, möchte ich dein Interesse mit der ersten und aus meiner Sicht wichtigsten kognitiven Verzerrung anregen: Der Ankereffekt oder auch achoring effect. Hierbei lassen sich Anleger durch eine unbewusste Information in ihrer Entscheidung beeinflussen. Diese Information verzerrt die eigene Wahrnehmung. Beispielsweise wurden Personen in einem Naturkundemuseum befragt, wie viel Geld sie bereit wären für die Rettung von Vögeln einer Ölpest zu spenden. Die Entscheidungsfindung wurde bei einigen Gruppen mit dem Anker 5 und anderen mit dem Anker 400 beeinflusst. Der Anker wurde in Fragen wie „Wären Sie bereit 5$ zu spenden?“ versteckt. Zu erkennen war, dass die erste Gruppe im Durchschnitt 20$ angab und die zweite Gruppe 143$ bereit war zu geben. Beide Gruppen waren in ihrer Entscheidungsfindung unbewusst an den Anker gebunden. Am Kapitalmarkt können das die eigenen Aussagen sein. Hat man sie einmal gemacht, dann sind sie der Anker in allen Überlegungen. Aber auch Aussagen anderer Personen können zum Anker werden, selbst wenn sie nicht mehr oder weniger Wissen als wir besitzen. Wir erleben diese Anker immer wieder in der Berichtsaison, wenn Analysten die Erwartungen definieren. Ob ein Unternehmen nun den Umsatz um 40 oder 35% steigert, ist in den meisten Fällen unwichtig. Beides stellt durchaus sehr gute Werte dar. Doch wenn die Erwartung des Marktes bei 40% verankert ist, wird ein Wachstum um 35% oftmals mit Verkaufswellen bestraft. Unter den Erwartungen. Schlecht. Der Anker findet sich an der Börse in allen Bereichen. Überall werden Erwartungen und Faustregeln definiert. So gilt ein KGV von 30 weithin als sehr schlecht und eines von unter 10 als sehr gut. Doch so pauschal kann man dies eigentlich nicht sagen. Der Anker ist für die meisten dennoch im Geiste verankert. Anleger sollten sich jederzeit bewusst machen, wo die Anker liegen und hinterfragen, ob sie selbst in ihrer Entscheidungsfindung durch einen solchen beeinflusst wurden.

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Quelle: https://www.facebook.com/onvista/photos/a.159050399636.114099.126427804636/10154729000154637/?type=3&theater

 

 

Attributionsfehler

Attributionsfehler

Bei dieser auch Korrespondenzverzerrung genannten Verzerrung handelt es sich um das Ereignis, dass Menschen einem Problem häufig Charaktereigenschaften zu Grunde legen und überbewerten, sowie den Einfluss externer Faktoren unterschätzen. Beispiel: „Er handelt so, weil er Ausländer ist“.

Bestätigungsfehler

Bestätigungsfehler

Sich selbst zu hinterfragen, den Status Quo zu kritisieren und einen bestehenden Standpunkt zu verlassen, ist psychologisch eine der unangenehmsten Dinge, welche es für Menschen gibt. Aus diesem Grund tritt häufig der Fehler auf, dass Informationen so ausgelegt und interpretiert werden, dass sie in die eigene Sichtweise passen. Dieses Phänomen tritt an der Börse meist in Kombination mit der „Wertverliebheit“ auf, bei der sich Anleger die Informationen für einen Wert so manipulieren, dass dieser immer positiv wirkt. Doch ist sich selbst zu belügen der richtige Weg?

Überzeugungsbias

Überzeugungsbias

Menschen tendieren dazu glaubwürdigen Schlussfolgerungen zu folgen, auch wenn diese falsch sind.

Bias Bling Spot

Bias Bling Spot

Forscher erkannten das Phänomen, dass Menschen sich selbst meist als unbeeinflusst halten. Alle sind falsch informiert und manipuliert – nur ich nicht? Dies erkennen wir aktuell bei Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern, welche meinen, dass nur sie die eigentliche Wahrheit erkannt haben. Dies ist eine kognitive Verzerrung der Realität.

Default Effekt

Default Effekt

Menschen tendieren zu der Option, welche zutrifft, obwohl sie sich selbst für keine Option entschieden haben. An der Börse tendieren Anleger zu solchen Werten, welche gut laufen, mit der Meinung das doch geahnt zu haben, obwohl sie selbst nicht investiert sind. Hierbei wird das Selbstwertgefühl gesteigert – man hat zwar nichts getan, aber schreibt sich dennoch einen Erfolg zu.

Déformation professionnelle

Déformation professionnelle

Typische Verhaltensweisen aus dem eigenen Beruf überträgt der Mensch gerne auch auf andere Bereiche, obwohl dies so nicht immer funktioniert. Er geht davon aus, dass sein professioneller Weg immer der richtige Weg sei.

Dunning-Kruger-Effekt

Dunning-Kruger-Effekt

Hierbei handelt es sich um das Phänomen, dass inkompetente Menschen sich selbst oft stark überschätzen und andere Menschen unterschätzen. Die eigene Inkompetenz, welche man sich selbst nicht eingestehen will, wird durch eine eigene irrationale Aufwertung und die Abwertung der Umgebung vermieden.

Halo Effekt

Halo Effekt

Für die Börse weniger von Bedeutung, aber dennoch interessant: Oft schließen Menschen von den bei einer anderen Person bekannten Eigenschaften auf unbekannte.

Kontrasteffekt

Kontrasteffekt

Für die Börse ungemein wichtig! Eine Information, welche isoliert mittelmäßig bewertet werden würde, wird positiver bewertet, wenn eine negative Information (der Kontrast) vorrangeht. Kennen Sie nicht auch den Spruch „Erst die gute oder schlechte Nachricht?“ und wählen Sie nicht immer erst die schlechte, um dann die gute im Kontrast noch besser zu sehen? Unbewusst! Unternehmen machen sich dies bei der Berichterstattung zu Nutze. Börse basiert auch auf Informationen. Doch die Darstellung dieser bewirkt auch viel.

Kontrollillusion

Kontrollillusion

Unter Kontrollillusion versteht man die falsche Annahme auf etwas Einfluss ausüben zu können, obwohl man dazu nicht in der Lage ist.

Rückschaufehler

Rückschaufehler

Ist es nicht lästig, wenn man recht behält und der Gegenüber dann plötzlich der Meinung selbst das ja auch so argumentiert zu haben? Oft wird die eigene Aussage in der Vergangenheit verfälscht, sobald das Ergebnis in der Gegenwart bekannt ist.

Illusorische Korrelation: Dies ist wohl Alltag an der Börse. Hierbei handelt es sich um den Fehler, dass Menschen zwischen zwei Dingen einen Zusammenhang sehen, der so nicht vorhanden ist. Wie oft liest man denn nicht, dass dieses und jenes Ereignis derzeit die Kurse bewegen soll. Manchmal richtig, manchmal Illusion.

Vermessenheitsverzerrung

Vermessenheitsverzerrung

Überschätzen der eigenen Fähigkeiten.

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Scope Insensitivity / Scope Neglect

Das Nichtbeachten der geringeren Größe eines Problems. Hierbei wird zwei Problemen die gleiche Wichtigkeit/Einflusstärke zugeordnet und nicht ausreichend unterschieden.

Status Quo Bias

Status Quo Bias

Effekt, dass Menschen den Status Quo bevorzugt erhalten wollen, und sogar Verbesserungen ausschlagen und Nachteile in Kauf nehmen. Menschen wagen selten den (risikoreichen) Schritt den Status Quo zu verlassen, selbst wenn dieser Schritt zu einer Verbesserung dessen führen könnte.

Lake-Wobegon-Effekt

Lake-Wobegon-Effekt

Die selbstwertdienliche Verzerrung führt dazu, dass Menschen alles tun ihr Selbstwertgefühl aufrechtzuerhalten. Sich Fehler einzugestehen können die wenigsten.

Muster-Illusion

Muster-Illusion

Die Apäphonie bezeichnet die Schizophrene Neigung Muster zu erkenne, wo keine sind. Die Clustering-Illusion geht in dieselbe Richtung und beschreibt die Situation, dass Menschen oft Mustern zu viel Bedeutung beimessen, obwohl diese statistisch zu selten/schwach vorkommen.

Emotionale Beweisführung

Emotionale Beweisführung

Das Phänomen, dass Menschen ihre emotionale Reaktion als Beweis einer Annahme anführen. Nur weil man im ersten Moment ein schlechtes Gefühl hatte ist dies nicht der Beweis, dass etwas tatsächlich schlecht ist.

Alles an der Börse besteht aus Reaktion, Bewertung und menschliches Handeln. Hierbei nehmen Trader Kursbewegungen und Informationen wahr. Da sie keine Maschinen sind agieren sie nicht rational, sondern emotional. Die Börse basiert auf Emotionen und Handlungsmustern von Massen.

Selektive Wahrnehmung

Selektive Wahrnehmung

Großen Einfluss übt dabei die selektive Wahrnehmung von Tradern aus. Darunter versteht sich auf der einen Seite das Priming (Bahnung). Hierbei handelt es darum, dass viele gleiche Reize die Wahrnehmung dieses Reizes verstärken. Wer immer wieder Verluste mit Rohstoffen gemacht hat wird in Zukunft auf jegliche, auch kleinere, Schwankungen wesentlich nervöser reagieren. Auf der anderen Seite befindet sich das Framing (Einordnen). Neben der Psychologie ist die Wahrscheinlichkeitsbestimmung mit das Wichtigste, was ein Trader beachten muss, und auch eine der Hauptursachen für Fehler und Verluste. Kann man die Wahrscheinlichkeit nicht bestimmen, so wird das Ereignis in ein Umfeld eingeordnet. Kann der Trader zum Beispiel das Risiko eines Unternehmens nicht einschätzen, so ordnet er dieses in das ihm bekannte Risiko einer Branche ein. So sieht er beispielsweise in allen Hochzinsanleihen große Risiken, obwohl es bessere und schlechtere High-Yield-Bonds gibt.

Trägheit und Ansteckung

Trägheit und Ansteckung

Menschen sind nicht nur Träge und halten am Status Quo fest und manipulieren ihre Umgebung lieber als sich einen Fehler einzugestehen. Auch lassen sie sich wahnsinnig schnell anstecken. So ahmen Trader andere Trader meist nach aus Angst davor etwas zu verpassen. Auch fanden Studien heraus, dass junge Fond-Manager meist das Verhalten der Branche nachahmen und kaum individuell Handeln, um im Falle eines Crashs nicht allein zu sein. Kaum jemand wagt es sich antizyklisch gegen einen Trend zu stemmen. So wäre er doch im schlimmsten Fall der alleine Verlierer und der geballte Hohn würde sich nur auf ihn konzentrieren anstelle sich auch eine Masse zu verteilen in der man sich wegducken kann. Ist deswegen auch der Ansatz der Trend-Folger der beliebteste und sinnvollste? Die meisten Anleger laufen dem bestehenden Trend nach. Sie lassen sich anstecken.

Mentale Buchführung

Mentale Buchführung

Auch dies ist eine gewichtige Fehlerquelle. Um die Übersicht über Einnahmen und Ausgaben zu haben führen wir mentale Konten. Fiktiv sortieren wir Einnahmen und Ausgaben in verschiedene Kategorien ein. Dies kann zu unserem Vorteil sein, wenn wir so die Übersicht behalten. Es kann jedoch auch zu unserem Nachteil sein und zu irrationalen Handlungen führen.

Richard Thaler erforschte dies anhand eines Experiments mit Theaterbesuchern. Eine Karte kostet 10$. Einigen Leuten, welche in der Schlange standen, sagte er, dass sie ihre schon gekaufte Theater-Karte verloren hätten und sie müssten sich eine zweite kaufen. 56% (44% waren dazu bereit) der Besucher waren dazu nicht bereit. Mental addierten sie die Kosten in einem mentalen Konto. 20$ für einen Theaterbesuch auszugeben war mehr als ihnen dieser Wert war. Einer anderen Gruppe, welche die Karten noch kaufen musste, sagte er, dass sie die 10$ im Portemonnaies leider verloren haben und die Theater-Karte nun mit EC-Karte bezahlen müssten. In diesem Fall waren lediglich 12% nicht bereit dazu. 88% der Besucher kauften sich die Theater-Karte trotzdem. In ihrem mentalen Verständnis verbuchten sie den Verlust der 10$ in einem anderen fiktiven Konto. Der Theaterbesuch kostete in ihrer Sichtweise weiterhin 10$.

Die Verlustaversion ist im ersten Fall größer. Durch die unterschiedliche mentale Buchführung fühlt die ersten Gruppe eines Verlust von 20$ und hat eine höhere Abbruchrate diesen Verlust nicht zu realisieren. Die zweite Gruppe hat einen gefühlten Verlust von nur 10$ und steht diesem weniger emotional berührt gegenüber. Auch erkennen wir das Festhalten am Status Quo. Ein Theaterbesuch kostet 10$ und ist somit auch 10$ wert. Die Besucher sind nicht dazu bereit von diesem Status abzurücken. Eine Veränderung auf 20$ wird als schlecht und zu vermeiden wahrgenommen. Die erste Gruppe scheut sich dementsprechend davor. Die zweite Gruppe verrechnet die Kosten anders und merkt eine Veränderung des Status Quo nicht.

Dies sollten Sie auch an sich selbst untersuchen. Ordnen Sie Verluste falsch ein? Akzeptieren sie Verluste an der einen Stelle, weil sie diese unbewusst mental bei „Rohstoffen“ verbuchen und andere Verluste bei „Technologie“ und sehen die Summe der Verluste nicht?

Endowment-Effekt

Endowment-Effekt

Der Endowment Effekt besagt, dass Menschen Güter, die sie besitzen, wertvoller einstufen als Güter, welche sie nicht besitzen. So kommen unterschiedliche Preise für Güter zustande, denn der Nachfrager schreibt dem Gut einen anderen Wert zu als der Anbieter.

Wir haben bereits erkannt, dass Anleger viel zu lange an Verlustpositionen festhalten. Das geschieht wegen vieler Beweggründe, aber potentiell auch durch den Endowment Effekt. Man hat die Aktie für XY Euro eingekauft. Das ist eigentlich der Wert, den man dem Gut (dem Wertpapier) selbst zuschreibt. Selbst wenn man in seiner Ansicht des Wertes nachgibt und diesen senkt wird man immer mehr für die Aktie haben wollen als der Markt geben wird. Man hält an seinem Besitz fest, weil man nicht unter der eigenen Wertvorstellung verkaufen möchte.

Geldwertillusion

Geldwertillusion

Ein großer Teil des Kapitals einer Zentralbank ist die „Glaubwürdigkeit“. Ihre Aufgabe ist es auch den Wirtschafts-Subjekten eine langfristige und glaubwürdige Aussage über die Inflation zu geben. Das ist wichtig, damit es nicht zu vorschnellen, vorsorglichen und aus Sorge getriebenen Forderungen nach Gehaltserhöhungen, zum Beispiel, kommt.

Eine mögliche „Waffe“ der Zentralbank ist jedoch die Überraschungs-Inflation. Hierbei greift die Zentralbank ein und fördert eine Inflation. Die Wirtschafts-Akteure jedoch sind weiterhin im Glauben, dass keine Änderung der Inflation aufkommt. Sie gehen davon aus, dass ihr Geld immer noch so viel Wert ist wie zuvor. Dies ist dann eine Geldwertillusion.

Reziprozität

Reziprozität

Reziprozität beschreibt das Verhalten von Individuen, die dazu bereit sind anderen altruistisch entgegenzutreten. Das bedeutet, dass man einer anderen Person uneigennützig hilft und in Kauf nimmt selbst mehr Aufwand zu haben, um dem anderen zu helfen. Hierbei geht man davon aus, dass sich dieser Aufwand lohnt und der Gegenüber einem dies an anderer Stelle zurückgibt. Geben und Nehmen. So ich dir, so du mir. Wie man in den Wald ruft so hallt es heraus. Dieses Verhalten kann so stark und auch irrational sein, dass Menschen vor Allem Personen, mit denen sie nicht verwandt sind, besonders helfend gegenüber auftreten. Warum ist das irrational? Die Wahrscheinlich die Leistung mit einer Gegenleistung vergütet zu bekommen ist weitaus niedriger. Fraglich ob man diese Person wiedertrifft.

Warum ist das für die Börse entscheidend? Auch an der Börse ist starke Reziprozität anzutreffen. Anleger handeln indirekt mit Millionen weiteren Akteuren zusammen. Das Potential enttäuscht zu werden ist groß. Kauft man beispielsweise selbst Aktien eines Wertes so geht man davon aus mit vielen anderen zusammen nun Kurssteigerungen erreichen zu wollen. Verkaufen diese anderen nun und fällt der Kurs, dann wird die eigene Leistung nicht belohnt, sondern gar bestraft. Aus der Neigung anderen uneigennützig und trotz eigener Kosten zu helfen wird dann schnell Trauer oder Rache. Emotionale fühlt sich der Anleger enttäuscht und kann im Moment der Wut versuchen gegen den Markt zu handeln (Rache).

Bauchgefühl

Bauchgefühl

Die Intuition ist eine grundlegende Art der Wahrnehmung. Hierbei wird ohne bewusstes Denken die Gesamtheit aller Fakten und Faktoren erfasst und mit bekannten vergangenen Erfahrungen verglichen. Aus der Kombination dieser Dinge entsteht eine Vorahnung oder auch Intuition. Auch der Geistesblitz ist eine Form dessen.

Ein Bauchgefühl muss also nicht zwingend etwas schlechtes sein. Man hat dieses jedoch nicht bewusst denkend erlangt, sondern unbewusst. Menschen neigen dazu positive Ergebnisse dem Bauchgefühl und negative Ergebnisse eigenen Fehlern anzurechnen.

Easterlin-Paradox

Easterlin-Paradox

Easterlin beobachtete über mehrere Jahrzehnte weltweit die Bevölkerungen. Er fand heraus, dass oftmals trotz Zuwächsen des Einkommens die Zufriedenheit nicht stieg. Vor kurzem wurde auch ein Nobelpreis vergeben als erforscht wurde bis zu welcher Summe ein Mensch durch den Zuwachs von Einkommen glücklicher werden kann.

Entscheidend für uns ist, dass ab einem bestimmten Einkommen zusätzliche Gewinne nicht glücklicher machen, aber Verluste weiterhin emotional Belasten (Verlustaversion). In diesem Fall fühlt man sich durch Gewinne nicht belohnt, aber durch Verluste bestraft. Positive Erlebnisse durch Einkommens-Zuwächse sind kaum erreichbar.

Noise Trading

Noise Trading

Noise Traders oder auch hin und wieder als „idiot traders“ bezeichnete Personen versuchen aus nichtfundamentalen Daten Gewinne zu fabrizieren. Zumeist handeln sie basierend auf Informationen, News und Nachrichten. Das Problem ist, dass diese Händler meist Gerüchte handeln und aus diesen Profit schlagen wollen. Da es sich um Gerüchte ohne fundamentalen Wert handeln erleiden Noise Traders (zu Deutsch: Rauschhändler) meist schnell Verluste.

Für den Markt sind diese Händler jedoch nervig und für Händler ein Dorn im Auge. Daher kommt der selten verwendete Ausdruck des Idioten-Händlers. Das Problem ist, dass dieses Handels-Verhalten Gerüchte und Falschmeldungen in die Kurse bringt. Durch die Summe der Verkäufe und Käufe bewegen sich die Kurse dann auch trotz unseriöser oder unqualitativer Informationen. Die Kurse bewegen sich irrational. Noise Trader haben meist wenig Kenntnis und Erfahrung und verlassen sich auf belanglose Nachrichten. Sie heizen Volatilität an.

Ellsberg Paradoxon

Ellsberg Paradoxon

Forscher fanden heraus, dass Markt-Akteure teils widersprüchlich handelten und Wahrscheinlichkeiten ignorierten und gegen diese handelten oder „ins Blaue rein“ agierten. Am Ender Forschungen stellten Forscher fest, dass zwischen Risiko und Unsicherheit zu unterscheiden. Ein Risiko ist immer noch mathematisch oder statistisch bewertbar. Es gibt jedoch Situationen in denen dem Akteur keine Möglichkeit zum Abschätzen gelassen wird.

„Unsicherheit muss als etwas radikal anderes als die vertraute Bedeutung von Risiko aufgefasst werden, von der es nie ordentlich getrennt wurde […] Die entscheidende Tatsache ist: Risiko meint in manchen Fällen eine messbare Quantität, während es in anderen Fällen etwas bezeichnet, das einen völlig anderen Charakter hat; und es gibt weitreichende und entscheidende Unterschiede bzgl. des Verhaltens von Phänomenen je nachdem welche dieser [Bedeutungen] tatsächlich vorliegt.[…] Es scheint, dass messbare Unsicherheit – „risk proper“ genannt – sich von nicht-messbarer [Unsicherheit] in einem solchen Ausmaß unterscheidet, dass es sich [bei Erstem] im Endeffekt überhaupt nicht um eine Unsicherheit handelt.“
– Frank Knight: Risk, Uncertainty, and Profit, S. 19 f.

Ein für uns wichtiges Resultat der Forschungen ist, dass Menschen dazu tendieren ein Risiko eher zu nutzen, dessen Wahrscheinlichkeitsverteilung ihnen jedoch bewusst, anstelle eine Unsicherheit einzugehen.

Wir sind als Menschen beeinflussbar. Wir sind emotional. Fehler zu machen ist menschlich. Doch wir sollten dies nicht als Ausrede nutzen. Trading bedeutet in erster Linie Charakterbildung. Wir analysieren uns selbst und versuchen unser Verhalten zu optimieren. Ziel ist eine möglichst sachliche und möglichst wenig verzerrte Sichtweise und nüchterne Handelsentscheidung. Immer kann das nicht klappen. Doch wir können an uns arbeiten. Ein erster Schritt ist es zu wissen, wo die Gefahrenstellen liegen und dann in bestimmten Situationen aufzuhorchen, sich zu erinnern und eine kognitive Verzerrung zu vermeiden.

Ich möchte dir mit dieser Artikel-Reihe weiterhin einen Einblick in die Welt der Börsenpsychologie verschaffen. Welchen psychologischen Einflüssen bin ich selbst verfallen? Und wie wirken sich die psychologischen Aspekte in der Masse an der Börse aus? Mit der Psychologie verstehen wir das Verhalten von Massen. Wann sind Anleger ängstlich, warum halten sie am Status Quo fest oder wieso fällt ein Kurs trotz guter Nachrichten?

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Nov 04, 2016 Keine Kommentare
Selbstständig durchs Trading?

Selbstständig durchs Trading?

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Es ist der große Traum aller Trader an der Börse: Die Leidenschaft zum Beruf machen. Selbstständig als Trader. Vollzeit an der Börse aktiv und eventuell sogar reich wie der Wolf of Wall Satreet werden. Sich ein Haus bauen, reisen und das Leben genießen. Träume muss man haben und auch Ziele. Auch die Frage, ob man nun in seinem Job glücklich ist oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, umtreibt viele. Vor allem junge Menschen in der Schule, Ausbildung oder im Studium beschäftigen sich mit dieser Frage, welche jedoch auch im Alter zwischen 35 und 45 Jahren aufkommt. Was will ich? Wer bin ich? Wo will ich hin? Doch selbstständig durchs Trading zu sein und seinen Lebensunterhalt mit diesem Beruf zu verdienen, wirkt meist einfacher als es ist. In Wahrheit bedarf dieser Schritt ein gewisses Kapital, Mut und Courage. Ich möchte mich in diesem Artikel fragen: Was muss man mitbringen und können, um als Trader seinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Ich selbst habe mit 18 Jahren, noch während des Abiturs, mein erstes Gewerbe gegründet. Das ist nun etwa ein halbes Jahrzehnt her. Mittlerweile beschäftigt mich das BWL-Studium, mein Börsen-Engagement und meine Arbeit bei einer hannoveransichen Beteiligungsgesellschaft. In diesem Beitrag möchte ich nun meine Gedanken über den Schritt in die Selbstständigkeit als Trader formulieren:

Selbstständig durchs Trading: Vorraussetzungen

Man benötigt natürlich Wissen, einen Tick Talent, viel Übung bzw. langjährige Erfahrung und einen Hauch Mut. Ein Vollzeit-Trader fällt nicht vom Himmel. Dies ist harte Arbeit. Wie bei jeder Sportart und jedem Beruf benötigt es Jahre der Übung, Erfahrung und des Sammelns von Wissen, um das Fach und die Materie zu durchdringen. Man sollte nichts überstürzen. Trading ist schwierig, da der Kapitalmarkt immer schneller wird und sich täglich, nein sekündlich, verändert. Es ist nicht wie in einem Beruf, wo du Jahr für Jahr ungefähr das Gleiche machst. An der Börse ist jeder Tag anders und neuartig. Was du heute machst, kannst du morgen manchmal bereits verwerfen.

Viele junge Trader sind übermütig und ungeduldig. Ich kenne das von mir selbst. Man möchte zu schnell zu viel erreichen und steht sich eigentlich nur selbst im Weg. Dieses Thema habe ich in einem anderen Blog (hier lesen) beschrieben.

Neben dem Wissen und der Erfahrung, welche du über Jahre ansammelst, muss man auch über die richitigen physischen Eigenschaften verfügen. Bist du körperlich und geistig fit? Bereits Trading als Hobby ist nervenaufreibend und emotional belastend. Als Vollzeit-Trader sitzen dir die Rechnungen und Ausgaben dann jedoch zusätzlich im Nacken. Du musst Rendite machen, aber du darfst nicht verkrampfen und mit Gewalt traden wollen. Das ist schwierig. Das ist emotional eine besonders große Belastung, der du widerstehen können musst. Eine gewisse Summe unter Zwang verdienen zu müssen, schwebt wie ein Damoklesschwert über dir und behindert freies und klares Denken und Handeln. Mit solchen Drucksituationen muss ein Vollzeit-Trader umgehen können.

Trading belastet tatsächlich deine Gesundheit – Wie genau, das liest du hier

Wie viel Geld und Rendite muss ich durch Trading erwirtschaften?

startup-593326_640Eine grundlegende Frage ist die nach dem Kapitalbedarf. Wie viel Geld brauche ich, um vom Trading leben zu können? Diese Frage ist durchaus schwer zu beantworten, denn jede Strategie und jede Handelsart erwirtschaftet andere Renditen. Doch wir können der Frage nachgehen, wie viel Geld du im Monat eigentlich durch Trading erwirtschaften musst. Daraufhin kannst du mit deinem derzeitigen Echt-Geld oder Muster-Depot schauen, ob du diese Rendite und Summe erwirtschaften kannst. Kannst du über mehrere Jahre hinweg die Rendite erreichen, welche du für die Sicherung deiner Existenz benötigst?

Du benötigst als selbstständiger Trader drei finanzielle Positionen: Kapital, mit welchem du tradest. Kapital für deine laufenden monatlichen Ausgaben und Kapital als Rücklagen.

Um mehr zu wissen, schauen wir uns zuerst den monatlichen Kapitalbedarf an. Ich werde hier mit theoretischen Zahlen kalkulieren, welche nicht deiner Lebenssituation entsprechen werden! Wir gehen in diesem Fall von 1.200€ Lebenserhaltungskosten für Handy, Nahrung, Miete, Auto und andere Dinge aus. Außerdem solltest du als selbstständige Person stetig Geld für eventuelle Notfälle, wie einer kaputten Spühlmaschine oder unvorhergesehenen Auto-Reparatur. zur Seite legen.  Zusammen mit deinen Versicherungen gehen wir von einem Betrag von 200€ für Rücklagen und Versicherungen im Monat aus. Was viele vergessen: Sie benötigen Rücklagen für schlechte Trading-Zeiten. Es kann durchaus lange Phasen ohne Einnahmen geben. In diesem Fall sollte man nicht gezwungen sein, dass Trading-Kapital aufzehren zu müssen. Dies wäre ein Desaster für dich! Von daher legen wir monatlich 300€ zur Seite. Nicht vergessen, solltest du auch eine alternative Altersvorsorge und Rücklagen für Urlaube und andere Dinge. Auch hier kalkulieren wir mit 300€, welche monatlich zur Seite gelegt werden.

Wir gehen also nun davon aus, dass unser fiktiver Trader 1.200€ Lebenserhaltungskosten hat und 800€ monatlich zur Seite legt. Wo jemand anderes 2.000€ als Gehalt erhält, muss sich der Trader dies als Gewinn im Monat auszahlen können.

Was ebenfalls viele vergessen: Steuern. 2.000€ oder auch 24.000€ im Jahr stellen 75% der Zielsumme dar. Als Trader solltest du rund 30.000€ Brutto verdienen, um 24.000€ Netto für dein Leben zur Verfügung zu haben. Hierbei handelt es sich natürlich erneut um eine extreme Vereinfachung einer komplexen Situation. Die Botschaft: Vergiss bitte nicht die Steuern! Wer bei einer deutschen Bank handelt, genießt es, dass die Bank diese Steuer abführt. Wer einen ausländischen Broker nutzt, muss eine Einkommenssteuererklärung machen. Jedoch kostet dies den Trader nur 15 bis 30 Minuten, da er “nur” die Einkünfte aus Kapitalvermögen eintragen muss. Christian Edler von “The Huffington Post” erklärt in diesem Artikel die Steuersituation nochmals detailliert.

Außerdem Interessant: 5 Wahrheiten zu Daytrading-Steuern, die Anleger kennen sollten

Wie viel Kapital benötige ich?

Nun erhebst du akribisch Daten darüber, wie hoch deine Lebenserhaltungskosten sind und welche zusätzlichen Kosten im Falle der Selbstständig anfallen. In diesem theoretischen Beispiel liegen wir bei einem Bedarf von 30.000€ Gewinn im Jahr durch Trading.

Und nun können wir uns der Frage widmen, wie viel Kapital zum Trroad-sign-808731_640ading du benötigst. Du hast hoffentlich all deine Werte der letzten Jahre aufgezeichnet. Wie viel Rendite konntest du in den vergangenen 5 Jahren durchschnittlich im Monat erwirtschaften? Wenn du 5% im Monat schaffst, dann benötigst du 40.000€ Kapital, um durch diese 5% Rendite 2.000€ im Monat zu verdienen.

Nun wissen wir bereits, dass der Trader dieser Kalkulation 2.000€ im Monat verdienen muss und da er seiner Leistung entsprechend durchschnittlich 5% Rendite erreicht, sollte er mit 40.000€ Kapital handeln. Nun können wir uns der dritten Position zuwenden: Den Rücklagen. Es wäre naiv zu denken, dass man konstant monatlich Gewinne macht. Durchaus kann es zu längeren Phasen mit Verlusten kommen. Auch in diesem Fall sollte man nie sofort auf die – in diesem Fall – 40.000€ Kapital zugreifen müssen, mit welchen man ja Geld verdienen muss. Wir legen zwar monatlich Geld für schlechte Phasen zur Seite, aber man sollte nicht ohne Puffer in die Selbstständigkeit starten. Willst du 6 Monate lang vorsorgen, so solltest du 6 x 2.000€, also 12.000€, zusätzlich auf der Seite liegen haben.

Woher bekomme ich aber 52.000€, um mein Business zu starten? Du solltest auf keinen Fall einen Kredit aufnehmen! Die Zins und Tilgungskosten sind Belastungen, die alles vernichten können, wenn dann gepfändet wird, weil du nicht bezahlen kannst. Eine Rechnung lässt sich eventuell noch abstottern. Die Bank macht kurzen Prozess mit dir!

Meine Empfehlung ist, dass du während der Schulzeit Ferienjobs machst und neben dem Studium , sowie nach dem Studium ebenfalls einige Jahre arbeitest. Das ist nicht nur wichtig, um das Kapital anzusammeln. Auch hast du so viel Zeit, um dich vorzubereiten, Wissen und Erfahrung zu sammeln. Meine bevorzugte Strategie ist es, die Lebenserhaltungskosten zu senken. Ich spare wo es geht. Kann man auf Urlaub verzichten? Gibt es einen billigeren Handyvertrag? Muss man jede Woche 50€ versaufen? All diese Ausgaben lassen sich kürzen oder streichen. Das gesparte Geld legt man zur Seite, um sein Trading-Kapital anzusammeln. Schaffst du es als Student im Alter von 20 bis 25 Jahren 2.000€ im Jahr (170€/m) zur Seite zu legen? Dann könntest du dir 10.000€ innerhalb von 5 Jahren ersparen. Kannst du im Alter von 25 bis 30 Jahren 4.000€ im Jahr (340€/m) vom Gehalt zur Seite legen – also 20.000€ in 5 Jahren? In diesem Fall könntest du bis zum Alter von 30 Jahren bereits 30.000€ ansparen und zumindest mit dem Gedanken spielen, Teilzeit 20 Stunden in der Woche angestellt zu sein und in der anderen Zeit selbstständig zu traden. Dieses Modell würde ich den meisten in den ersten 10 oder 15 Jahren ihrer Selbstständigkeit auch empfehlen. Warum? Börse bietet keine sicheren Einnahmen. Das Leben fordert jedoch stetige Ausgaben. Eine sichere und stabile Einnahmequelle ist Gold wert. Jeder Selbstständige kämpft Monat für Monat um seine Einnahmen. Wer eine sichere Einnahmequelle hat, der ist in gewisser Form bereits etwas abgesichert. So könntest du 1.200€ im Monat mit 20 Stunden zu je 15€ verdienen. Damit würde das Kapital, welches du in der übrigen Zeit des Monats erwirtschaften musst, auf 800€ sinken. Wäre dies nicht auch die Erfüllung im Leben? Die Teilzeitarbeit wird auch in Deutschland immer mehr gestärkt. Warum startest du nicht mit einem Freund als gemeinsame Trader? Bewerbt euch per Job-Sharing zu zweit auf eine Vollzeitstelle. Arbeitet beide Teilzeit im Beruf und Teilzeit als Trader. Muss es denn bereits die komplette Selbstständigkeit mit 25, 30 oder 35 Jahren sein? Willst du sofort im Leben all-in gehen? Genieße doch den psychologisch meist niedrigeren Druck als Angestellter. Warum sparst du dir dein Trading Kapital nicht an, bis du 50 bist? Dann solltest du genug Geld haben, um auch mit niedrigen Renditen genügend verdienen zu können. Ich meine: Ab 50 Jahren bis 70 oder 75 Trader sein? Bis dahin hast du viel Zeit alles zu lernen, zu trainieren und zu üben. Zwei Jahrzehnte Vollzeit-Trader ist auch eine lange und gute Zeit. Bis dahin kannst du auch nebenbei handeln oder, wie beschrieben, ab 30 oder 40 Jahren langsam in Teilzeit gehen. All-in und Hals über Kopf Vollzeit-Trader? Das ist weniger zu empfehlen!

Bedenke eine Ausbildung oder ein Studium zu machen. Jeder Abschluss ist eine Sicherheit im Leben. Eventuell musst du nach 20 Jahren das Trading aufgeben wegen zu hoher psychischer Belastung oder weil du deine Rechnungen nicht mehr zahlen kannst. In dem Moment brauchst du eine abgeschlossene Berufsausbildung, um eine Arbeit zu finden. Wie wäre es mit einer Ausbildung, die dir beim Trading hilft? Psychologie, VWL, BWL, …

Nochmals der wichtige Hinweis: Bei den Zahlen handelt es sich um eine Beispielrechnung. Auch ist die Rechnung nicht vollständig und istals Anregung zu verstehen. Du musst deine Zahlen ermitteln und einsetzen, deine Rendite als Trader bestimmen und kannst dann deinen Bedarf zu erkennen. Jeder benötigt andere Summen. Viele schaffen 1 – 2% Rendite im Monat, andere dies dagegen in der Woche. Es gibt keine Musterrechnung für alle. Jeder muss selbst rechnen!

Was soll ich tun?

notebook-1071774_640Nun klingt das alles auch wieder so einfach. 40.000 bis 80.000€ Kapital (je nach Rendite, die du erwirtschaften kannst auch weniger oder mehr) und dann das Business starten. Wenn das alles so einfach wäre, wäre es schön. Kontrolliere dich in den Jahren deiner Übung. In meinem Beispiel im Alter von 20 bis 30 Jahren. Kannst du die Rendite erwirtschaften, die du brauchst? Wie stabil und sicher sind deine monatlichen Erträge? Rechne deine Stunden, die du investierst, mit und vergleiche diese mit deinen Gewinnen. Was ist dein Stundenlohn? Viele Trader freuen sich über hunderte Euro im Monat neben dem Job durch das Trading. Sie vergessen jedoch, dies kritisch zu hinterfragen und bemerken nicht, dass sie je Stunde im Job ein Vielfaches mehr verdienen und beim Trading je Stunde oft weniger als den Mindestlohn verdienen. Was kannst du derzeit je Stunde verdienen? Wie viele Stunden müsstest du arbeiten, um auf die beispielhaften 2.000€ zu kommen? Teste und hinterfrage dich über viele, viele Jahre. Beispielsweise habe ich selbst mich 2015 über eine echt stolze Rendite gefreut. Mit einigen glücklichen Treffern habe ich klar besser als Markt gehandelt. Der Stundenlohn bewegte sich jedoch auf Grund des hohen Aufwandes eher im Bereich um die 10€/h. Das ist okay, aber am Ende nicht wirklich der Hit. Schone dich nicht – hinterfrage dich, kritisiere dich, arbeite an dir. Wenn du selbstzufrieden bist, wirst du nachlässig und schlechter. Arbeite an dir. Jahrzehntelang!

Die Entscheidung selbstständig zu werden, ist mutig und gefährlich. Du bist für deine Existenz verantwortlich. Du hast nur ein Leben – möchtest du mit diesem (also nicht dem Leben, sondern deiner finanziellen existenziellen Grundlage) spielen/zocken? Wenn du es tust, dann ist dort kein Arbeitgeber, der dich unterstützt oder dir Aufgaben gibt. Du musst dir deine Gewinne erkämpfen. Bedenke, dass die Kosten steigen, wenn du Familie hast. Bedenke, dass es Krisen geben kann, bei denen du viel Geld verlierst. Bedenke Rente, Versicherungen, Steuern und viele andere Dinge. Wage den Schritt, wenn du dir sicher bist. Gehe vorsichtig vor. Von Vollzeit auf Teilzeit vielleicht? Studiere oder mache eine Ausbildung im Finanzbereich. Lerne viel. Sehr viel. Übe viel. Sammle Erfahrungen. Du musst dich perfektionieren. Der Schritt zum selbstständigen Trading erfordert viel Übung, Erfahrung, Wissen, Mut und Kapital. Bedenke, dass du mit deiner Existenz spielst. Es ist dann kein Hobby und kein Spiel mehr. Es ist dann Ernst, Beruf und dein Leben.

Optimaler Einstieg – Strategie 1

Wie bereits erwähnt, könntest du nach der Ausbildung einen Beruf ausüben und diesen über die Jahre nutzen, um Kapital anzusammeln und dann von Vollzeit auf Teilzeit zurückgehen. Kannst du deine Existenz durch das Teilzeit-Trading neben dem Teilzeit-Job nicht finanzieren, dann bist zum Teil abgesichert, aber könntest wieder versuchen auf Vollzeit angestellt zu sein. Vorsichtig und behutsam das Leben ändern. Nicht alles hinwerfen und mit allem brechen! Finanziere dir erst einen Urlaub, dann die ersten ein bis zwei Rechnungen und dann die Differenz des Lohns wenn du von 40 auf 35 oder 30 Arbeitsstunden bei deinem Arbeitgeber reduzierst. Bedenke hierbei: Nicht voreilig handeln! Die Reduzierung von Arbeitszeit sichert dir das Gesetz zu. Wieder mehr zu arbeiten ist jedoch kein Anrecht von dir. Hast du reduziert, dann muss der Arbeitgeber dich nicht wieder hochstufen.

Optimaler Einstieg – Strategie 2

Vier Augen sehen mehr als zwei. Hast du trading-vernarrte Freunde? Es kann vorteilhaft sein, zu zweit oder dritt den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wenn du schlechte Monate hast, machen die anderen eventuell gerade besonders viel Rendite. Ihr ergänzt euch, ihr unterstützt euch, ihr sichert euch gegenseitig ab. Auch könnt ihr gemeinsam mehr Kapital einbringen. Als Personengesellschaft (eine GbR beispielsweise) könntet ihr nach Jahren des erfolgreichen Tradings auch Fremdkapital aufnehmen. Anleger wollen ihr Geld bei euch arbeiten lassen? Einen kleinen Kredit von der Bank für neue Rechner und Programme? Bedenkt jedoch, dass bei einer Firma mehr Steuern fällig werden!!

Optimaler Einstieg – Strategie 3

Neben all diesen vielen Gedankengängen und Möglichkeiten ist es für den Anfänger am besten Erfahrung zu sammeln. Führe ein Haushaltsbuch, um deine Lebenserhaltungskosten zu ermitteln und möglicherweise zu senken. Führe auch ein Tradingtagebuch und eine Trading-Historie. Wie viel hattest du wann investiert und an welchem Tag oder in welcher Woche oder in welchem Monat hast du wie viel in Euro und Prozent verdient? Sammle Daten über 6, 12 oder am besten mindesten 24 Monate, um deine Performance zu erkennen. Was kostet dein Alltag und was verdienst im Durchschnitt beim Trading?

Mein Vorschlag für dich ist: Setze dir nicht sofort das Ziel, durch Börse selbstständig, frei oder reich zu werden. Meist verkrampft man nur und versucht verbittert diesen Traum zu erreichen, was so natürlich nicht klappt. Setze dir kleine Ziele. Finanziere dir den nächsten Urlaub durchs Trading. Wie viel kostet dich dieser? 2.000€? Dann hast du nun noch 6 oder 12 Monate Zeit, um das Geld zu verdienen oder zumindest die Hälfte. Finanziere dir dann ein Auto oder finanziere Teile deiner monatlichen Kosten, wie die Handyrechnung. Taste dich so step by step vorran, wie viel du dir selbst finanzieren kannst.

Viele mögen nun abgeschreckt sein von den Summena Viele mögen auch abgeschreckt sein, dass man dafür 30, 40 oder 50 Jahre sparen müsste! Für Anleger, die unbedingt selbstständige Trader sein und in wenigen Jahren starten wollen ist das natürlich keine Lösung. Die meisten von uns legen jedoch ihr Geld über viele Jahrzehnte an und beschäftigen sich erst nach der eigentlichen Arbeit im Angestelltenverhältnis mit der Börse. Für alle diese Anleger wäre es doch ein schönes Ziel sich kontinuierlich eine Summe anzusparen, um den Traum zu verwirklichen der Leidenschaft “Börse” mehr Zeit zu gönnen, wenn man dann mit 40 oder 50 Jahren bereits auf Teilzeit im Job zurückstufen kann.

Ich empfehle dir außerdem diesen tollen, ausführlichen und komplexen Artikel von Claudia Schumacher im Handelsblatt. Im Artikel “Ein Selbstversuch im schnellen Geld” beschreibt sie, wie sie versucht hat, als Daytraderin Hals über Kopf einzusteigen. Tolle Hinweise und Erklärungen!

by Okt 28, 2016 5 Kommentare
Die Verlust-Strategie

Die Verlust-Strategie

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Viele Anleger unterliegen dem Irrtum, viel Fachwissen und das Lesen von Fachliteratur reichen aus, um langfristig erfolgreich an den Börsen und den Finanzmärkten unterwegs zu sein. Dabei bleibt oft außer Acht, dass das Fachwissen nur eine Grundlage für den finanziellen Erfolg sein kann. Fortschritt bzw. einen Vorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern kann man nur erlangen, wenn man sich selbst und seine Handlungen sowie Erfolge und Misserfolge regelmäßig hinterfragt und auswertet.

Die Charttechnik liefert dafür einige schöne Beispiele. Hier kann man sich unzähliges Fachwissen aneignen. Trendanalyse, Trendlinien, Indikatoren und Oszillatoren. Der Vorrat an Fachwissen ist beinahe unerschöpflich. Trading-Anfänger beginnen nun, sich dieses Fachwissen anzueignen und ein bis zwei Bücher dazu zu lesen. In der Regel kommt dann bereits die Ungeduld zum Vorschein und man beginnt mit der Analyse der ersten Indizes und Währungspaaren.

Hier erfolgt dann häufig der erste Fehler: Es wird interpretiert! Es werden etliche Trendlinien gezogen und Indikatoren eingeblendet bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist. Sie haben ein Signal, welches endlich getradet werden kann. Auf die Qualität des Signals kommt es dabei zunächst nicht an. Hauptsache der Trade ist getan.

Nach guten Signalen muss man suchen. Es gibt nicht zufällig in dem Zeitpunkt der Analyse in dem gewählten Instrument ein gutes Tradesignal

Sobald die ersten Trades ausgeführt sind, wird sich regelmäßig Ernüchterung einstellen. Die Ergebnisse sind nicht so wie gedacht und ein schnelles Vermögen hat sich auch nicht angehäuft. Meistens kommt es dann zum zweiten Denkfehler: Es mangelt an Fachwissen. Sodann wird weitere Lektüre gekauft und gelesen. Unter Umständen kommt es auch zu Strategiewechseln und es werden andere Ansätze für die Trades gewählt. Nachdem das Fachwissen entsprechend erweitert worden ist, geht es wieder an die Umsetzung und der erste Fehler wird erneut wiederholt. Zwar steckt hinter dieser Vorgehensweise auch ein System, aber dieses System wird regelmäßig von Verlusten geprägt sein.

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Der Fehler liegt meistens nicht im mangelnden Fachwissen. Insbesondere mit der Fokussierung auf die einfachen Signale und die Price-Action können bereits gute Resultate erzielt werden. Zuviel Fachwissen ist daher nicht immer förderlich. Vielmehr sind die nicht zufriedenstellenden Ergebnisse auf fehlende Geduld und fehlende Auswertung des eigenen Handelsstils zurückzuführen.

In der oben aufgeführten Strategie fehlen demnach zwei wesentliche Elemente. Daher ist es schwer so einen erfolgreichen Handelsstil zu etablieren, weshalb sich diese Vorgehensweise durchaus als Verluststrategie bezeichnen lassen kann.

Um zu einem erfolgreichen Handelsstil zu gelangen, müssen in der vorgenannten Strategie zwei weitere Punkte mit aufgenommen werden. Zum einen die „Qualität“ und zum anderen das Controlling des eigenen Handels.

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Mit Qualität ist dabei nicht gemeint, die Analyse um verschiedene Indikatoren zu erweitern. Vielmehr ist mit dem Stichwort Qualität gemeint, mehrere Analysen anzufertigen und diese zu kategorisieren. Wo bekomme ich das erfolgversprechendste Setup oder welche Aktie stellt nach Abwägung verschiedener Daten die beste Opportunität dar. Das Setup ist und bleibt das Setup und die Aktie bleibt die Selbe Aktie. Durch Hinzunahme anderer Indikatoren und die Einzeichnung von noch mehr Trendlinien wird sich das Setup nicht verbessern. Gleiches gilt für die Verwendung der verschiedenen Trendstufen und Zeiteinheiten.

Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“

Dieses Motto wird an den Börsen nicht zum Erfolg führen. Unterm Strich wird es immer erfolgreicher sein, aus zehn Analysen bzw. zehn Setups sich das Beste herauszusuchen und nicht ein Setup solange zu malträtieren, bis ein passables Signal dabei herauskommt.

control your decisions“

Beim operativen Controlling geht es um die Steuerung der Wirtschaftlichkeit und Rentabilität sowie Liquidität des Unternehmens durch Budgetverwaltung und entsprechender Feinplanung, bezogen auf das laufende Geschäftsjahr, um für den wirtschaftlichen Erfolg alle Potentiale eines Unternehmens zu nutzen.(Quelle Wikipedia)

Auch beim Trading oder dem Aktienhandel geht es darum, wirtschaftlich und rentabel zu handeln. Über das Risikomanagement findet ebenfalls eine gewisse Budgetverwaltung statt. Um aber wirtschaftlich zu handeln und das Budget erfolgreich zu verwalten, sind Aufzeichnungen über die getätigten Handlungen (Stichwort Buchführung <-> Tradingtagebuch) unabdingbar.

Anhand dieser Aufzeichnungen lassen sich Fehler erkennen und für die Zukunft abstellen. Erfolgt diese Hinterfragung der eigenen Person nicht, werden die Fehler voraussichtlich fortwährend wiederholt und es wird sich kein rentabler Handel einstellen. Ferner können anhand der Aufzeichnungen auch Stärken herausgearbeitet werden. Insbesondere bei Anwendung verschiedener Handelsstrategien kann so herausgefunden werden, welche Strategie für die jeweilige Persönlichkeit am profitabelsten umgesetzt werden kann. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass es nicht die 100%ige Gewinnformel oder Erfolgsstrategie gibt. Eine erfolgreiche Strategie verkörpert immer ein gewisses Maß an Individualität. Um herauszufinden, welche Strategie oder welches Risikomanagement am besten zu der eigenen Persönlichkeit passt, sind Aufzeichnungen und statistische Auswertungen ein probates und notwendiges Hilfsmittel.

Von Benedikt Wachsmann

Benedikt veröffentlicht jeden Tag für RoboForex Analysen und Markteinschätzungen, die Sie jeden Morgen bei uns im Analyseboard lesen können.

by Okt 25, 2016 Keine Kommentare
TTIP – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

TTIP – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

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TTIP die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP, früher Trans-Atlantic Free Trade Agreement, TAFTA) spaltet unsere Nation. Erbitterte Befürwortern aus der Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sehen sich ebenso hartnäckigen Kritikern des Freihandelsabkommens gegenübergestellt. So machten am 10. Oktober etwa 250.000 Menschen bei einer Demonstration in Berlin und etwa ein Jahr später nämlich am 17. September 2016 bis zu 320.000 Deutsche ihren Missmut gegenüber den TTIP und CETA deutlich. Damit ist der Widerstand in Deutschland aber auch Österreich deutlich größer als in vielen anderen europäischen Staaten. So sammelte das internationale Bündnis „Stop TTIP“ in einer europaweiten Aktion bis zum 6. Oktober 2015 etwa 3,3 Mio. Unterschriften gegen TTIP und CETA. Beinahe die Hälfte dieser (ca. 1,5 Mio.) kamen dabei aus Deutschland. Doch warum ist das Interesse an den Abkommen gerade in Deutschland so hoch? Wie viel wissen wir Deutschen eigentlich über die Abkommen? Sind wir zurecht so erbost oder spiegelt sich in der Ablehnung eher unsere grundsätzlich kritische Haltung gegenüber Neuem wider? Welche Vor- und Nachteile würden sich aus einem ratifizierten TTIP für Deutschland, Europa und Amerika ergeben?

 

Vorteile des Freihandelsabkommens (TTIP)

  • Die Industrie hofft auf den Abbau von tarifären Handelshemmnissen. Davon würde die Exportnation Deutschland natürlich deutlich profitieren. Höhere Absätze vor allem in der deutschen Autoindustrie könnten die Folge sein.
  • Außerdem setzen Unternehmen auf die positiven Auswirkungen der Abschaffung bzw. Verringerung von nicht-tarifären Handelshemmnisse, die nach Ansicht von Ökonomen viel wichtiger wären als Zölle. Laut der EU sind diese bürokratischen Hürden mit einem Zoll von 10 bis 20 Prozent gleichzusetzen. Die gegenseitige Anerkennung von technischen Standards würde hohe Kosten und Zeit einsparen, die sich bisher aus der Pflicht unterschiedliche Normen einhalten zu müssen, ergeben (so müssen Autohersteller Crashtests je nach Absatzland nach unterschiedlichen Normen und daher zumeist mehrfach durchführen, auch Hersteller von Medikamenten sehen sich vielen unterschiedlichen Anforderungen an Machbarkeitsstudien und Unbedenklichkeitstests gegenübergestellt)
  • Die Abschaffung des „Buy American Acts“ führt zur Aufhebung der Diskriminierung europäischer Unternehmen. Der „Buy American Act“ wurde 1993 beschlossen und zwingt öffentliche Auftraggeber zu einer Bevorzugung heimischer Anbieter und Produkte.
  • Die Vielfalt der Produktpalette im Supermarkt würde sich schlagartig vergrößern. So könnten auch amerikanische Kinder das Vergnügen von „Überraschungseiern“ genießen. Diese dürfen in den USA bisher nicht verkauft werden, da Plastik von Schokolade umhüllt ist.
  • Vor allem Lebensmittel könnten günstiger werden, da sich viele heimische Unternehmen einem ganz neuen Konkurrenzkampf ausgesetzt sehen.
  • Schaffung neue Arbeitsplätze: Auch wenn die Zahlen von Studie zu Studie stark schwanken, scheint die Schaffung neuer Arbeitsplätze ein allgemeiner Konsens zu sein. Diese entstehen in Europa vor allem in den Bereichen Autoindustrie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie- und Pharmaindustrie. In Amerika entstünden neue Stellen hauptsächlich in der Agrarindustrie.

 

Nachteile (Kritik) des Freihandelsabkommen (TTIP)

  • Ein immer wieder kritisierter Punkt die fehlende Transparenz bzw. „Heimlichtuerei“. Derzeit geraten viele „Veröffentlichungen“ nur auf Umwegen an die Öffentlichkeit. Was zu vielen Überraschungen führen könnte und worauf sich unsere Unternehmen nicht vorbereiten können. (Hier sollte jedoch erwähnt werden, dass es noch keine Endgültige Fassung gibt, sodass immer nur Wünsche der Verhandlungspartner an die Öffentlichkeit geraten.)
  • Gegner befürchten, dass unsere hohen Standards in Gefahr geraten könnten. Die in den einzelnen EU-Staaten und den USA geltenden Standards sind zum Teil sehr unterschiedlich. Es wird befürchtet, dass man sich nur auf die jeweils schwächsten Standards einigen kann. Das könnte zu großen Rückschlägen u.a. in der Tierhaltung, Landwirtschaft und dem Umwelt- und Verbraucherschutz führen.
  • An dem Gesetzesentwurf scheinen bisher viele Lobbyisten und Industrielle beteiligt zu sein. Diese könnten ein anderes Verständnis von „Verbraucherschutz“ haben und daher auch ganz andere Ziele verfolgen. Die Auswirkungen wären Lebensmittel, Chemie- und Pharmaprodukte von schlechterer Qualität, die zudem ein größeres Gesundheitsrisiko darstellen könnten.

Beispiele:

Chlorhühnchen: Nach dem Schlachten werden Hühner zum Desinfizieren in Chlor getaucht. Dieses Verfahren ist in Europa derzeit verboten.
Hormonfleisch: in den USA sind Wachstumshormone im Tierfutter normal, was dazu führt, dass die Amerikaner fast täglich indirekt Wachstumshormone zu sich nehmen.
Grüne Biotechnologie, neuartige Produkte, Chemikalien etc.: In Europa gilt das Vorsorgeprinzip – die Sicherheit von neuen Produkten aber auch gentechnisch veränderten Pflanzen muss für eine Zulassung zunächst bewiesen werden. In Nordamerika gelten gentechnisch veränderte Pflanzen und neuartige Produkte hingegen solange als sicher, bis das Gegenteil bewiesen ist. Diese beiden Ansätze sind nicht vereinbar.

  • auch wenn der „Investorenschutz“ seit vielen Jahren Einzug in Freihandelsabkommen gefunden hat, steht er gerade bei TTIP unter großer Kritik. Der Investorenschutz ermöglicht Unternehmen eine Klage auf Schadensersatz vor einem Schiedsgericht, wenn eine Gesetzesänderung den Wert einer Investition nachträglich mindert. Die demokratische Legitimation dieser Schiedsgerichte wird jedoch immer stärker bezweifelt, weshalb Kritiker auch von einer Schatten- und Paralleljustiz sprechen. Es werden außerdem hohe Kosten befürchtet, deren Ausmaß nicht abgeschätzt werden könne.
  • Große Angst haben die Bewohner der vereinigten Staaten vor den Bakterien unseres Rohmilchkäses. So wird dort die Milch für Käse grundsätzlich erhitzt um Keime abzutöten. Dass damit auch die ganzen Aromen verloren gehen, brauche ich hier wohl nicht erwähnen.
  • Vernichtung von Arbeitsplätzen: Ja, tatsächlich gibt es auch Studien, die von einer Vernichtung von europaweit 600.000 bis 2025 sprechen.

Das Thema der Arbeitsplätze zeigt wahrscheinlich am beeindrucktesten wie erbittert sich die Befürworter und Kritiker des Freihandelsabkommens TTIP gegenüberstehen. Während auf der einen Seite Studien herangezogen werden, die die Schaffung tausender Arbeitsplätze prophezeien, zeigen andere Studien genauso glaubhaft den Verlust von ebenso vielen Arbeitsplätzen. Ähnlich verhält es sich mit den allgemeinen Auswirkungen. Einige behaupten, dass sich aus TTIP sowohl für Europa als auch für die USA vor allem positive Schlussfolgerungen ziehen lassen. Andere sehen die USA als deutlichen Gewinner und Europa als Verlierer. Als ein Grund für diese konträren Ansichten können sicher die spärlichen Informationen über den aktuellen Stand der Verhandlungen und der Entwürfe sein. Diese Intransparenz sorgt für so unterschiedliche Annahmen bei der Beurteilung der sich aus TTIP ergebenden Auswirkungen, dass die beiden Lager immer weiter auseinanderdriften. Ohne echte und stichhaltige Informationen, werden sich Befürworter und Kritiker weiterhin an teils haltlosen Thesen festhalten und zu einer stärkeren Verunsicherung führen. So ist beispielsweise die Annahme, amerikanische Standards seien grundsätzlich oberflächlicher als europäische so nicht richtig: in der amerikanischen Autoindustrie waren Airbags, Katalysatoren und Crashtest schon Jahre früher obligatorisch als in Europa.

Schlussendlich sei gesagt, dass die Details des Abkommens lange noch nicht feststehen. Auch wenn manche sagen, dass die Zeit aufgrund der amerikanischen Präsidentschaftswahlen und der Wahl der Bundesregierung in Deutschland dränge, ist von einem schnellen Vorstoß nicht auszugehen. Immerhin müssen sich nicht nur zwei Verhandlungspartner einigen. Zunächst muss die EU als Staatengemeinschaft ein gemeinsames Ziel vereinbaren.

by Okt 22, 2016 Keine Kommentare
Donald Trump – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

Donald Trump – Vorteile, Nachteile und Auswirkungen für Deutschland

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Kaum ein Thema wird in den Nachrichten gerade mehr diskutieret als der US-Wahlkampf 2016. In den meisten Medien klingt es, als würde ein Wahlsieg von Donald Trump einem Weltuntergang nahekommen. Aus Interesse habe ich mal recherchiert, welche Vorteile und Nachteile sich aus einer Präsidentschaft von Donald Trump ergeben könnten.

„Trump kann in einer Rede zu einem Thema komplett widersprüchliche Aussagen machen“. (Carsten Brzeski, Ökonom bei der ING DiBa)

Daher können einige der hier aufgezählten Punkte heute keine Relevanz mehr haben, was aber nicht bedeutet, dass diese morgen nicht doch wieder richtig sind. Auf dem diesjährigen Berliner Börsentag hat der N-TV Korrespondent Markus Koch den US-Wahlkampf als „Pest gegen Cholera“ beschrieben, wobei die Pest von Trump verkörpert wird und Clinton die Cholera darstellt. Schauen wir uns also mal die Vorteile und Nachteile der Pest etwas genauer an.

 

Vorteile von Donald Trump

  • Trump könnte in den USA wirklich etwas verändern, da er sowohl den Kongress als auch den Senat (beides republikanisch) hinter sich hat. Im Gegensatz dazu hätte die demokratische Clinton dieselben Problem wie Obama und würde immer wieder an den beiden Instanzen scheitern.
  • Zudem möchte er viel Geld ausgeben, um die Infrastruktur zu verbessern. Dies könnte viele Jobs im Land schaffen.
  • Mit dem Ziel der Steuersenkung für Unternehmen könnte er weitere Jobs schaffen, auch wenn dieser Effekt heute kaum noch Relevanz hat. Solche Steuerersparnisse werden oft zum Rückkauf von Aktien verwendet oder am Kapitalmarkt investiert und landen eher selten in der Forschung und Entwicklung.
  • Durch die Abschaffung der Steuer bei den Geringverdienern möchte er die Kaufkraft weiter ankurbeln und somit die Wirtschaft stärken.
  • Durch Straffzölle und eine geringere Importquote könnte es sich für viele amerikanische Unternehmen wieder lohnen im eignen Land zu produzieren. Das könnte zu einem Aufblühen der Mittelschicht führen.
  • Trumps Pläne zum Thema Immigration gehören zu den wohl umstrittensten, aber auch das Schließen und stärkere Bewachen der Grenzen könnte zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl im Land führen. Des Weiteren führt eine solche Politik eventuell zu einer Abwanderung, die die Zuwanderung zahlenmäßig übersteigt. Auch das könnte zu mehr Jobs für die amerikanische Bevölkerung führen, da viele „billig“ Arbeitskräfte wegfallen.
  • Seit Jahren bestehen Spannungen zwischen den Amerikanern und Russland. Da aber sowohl Putin als auch Trump viel gemein haben und sich persönlich schätzen, könnte sich die Situation etwas entspannen. Zudem wären zwei Weltmächte wie Russland und die USA, die an einem Strang ziehen und sich gegenseitig positiv beeinflussen, eine gute Ausgangssituation um die in der Welt bestehenden Spannungen etwas zu lockern.
  • Gegen China würde Trump eine härtere Gangart an den Tag legen, was die Finanzmärkte öffnen und die chinesische Währung aufwerten könnte. Dieses würde die Importe verteuern und zu einer vermehrten lokalen Produktion führen.
  • Donald Trump ist kein Politiker und versteht laut einiger Amerikaner die Bevölkerung und die Probleme des „kleinen Mannes“ besser als viele Politiker, die sich ihren Weg in die Spitze ihrer Partei „erschlafen“ haben. Daher könnte er der Bevölkerung auch schwierige Entscheidungen verkaufen.
  • Waffenhersteller können sich freuen! Ein Wahlsieg des „Politikers“ Trump, der die Militärausgaben erhöhen will, könnte weitere große Gewinner hervorbringen: die Rüstungsindustrie.

 

Nachteile von Donald Trump

  • Trump ist kein Politiker und sagt, was er denkt. Dadurch tritt er vielen auf den Schlips. Das kann dazu führen kann, dass er den Rückhalt in der eigenen Partei verliert und somit in den nächsten 5 Jahren in den USA nichts passiert.
  • Vor allem die Finanzmärkte mögen Beständigkeit und Struktur. Daher kann es zu sehr hohen Kursausschlägen und -schwankungen kommen, wodurch sehr viele Unternehmen und Marktteilnehmer leiden werden.
  • Vor allem große Schwankungen in der US-amerikanischen Währung, dem USD, könnten den künftigen USA-Tourismus, den Import und auch Export sehr negativ beeinflussen.
  • Viele amerikanische Unternehmen, die sehr exportorientiert sind, werden sich ganz schön umschauen müssen, wenn Trump viele Handelsabkommen platzen lässt.
  • Ein Trump-Wahlsieg würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Preis des Edelmetalls in Wallung versetzen. So könnte der Stellenwert des Golds auch wieder aufwerten und seine Rolle als sicheren Hafen wiederfinden.
  • Trump will das Pariser Klimaabkommen aufkündigen, da er der Meinung ist, dass diese Klimapolitik amerikanische Arbeitsplätze zerstört. Er bevorzugt die Förderung von fossilen Brennstoffen. Was das bedeutet, brauche ich wohl nicht weiter erläutern.
  • Eine weitere Forderung Trumps ist ein freier Wettbewerb in der Gesundheitspolitik. Das wird dazu führen, dass wieder Millionen von Menschen in den USA nicht krankenversichert sind, weil sie es sich einfach nicht leisten können. (Je nach Einkommenssituation werden Amerikaner dieses als Vor-oder auch Nachteile sehen.)
  • Eine harte Gangart gegen China und eine stärkere heimische Industrieproduktion könnte zu einem Wirtschafts- und Währungskrieg zwischen diesen Weltmächten führen.
  • Mit Trump wird es auch keine Verschärfung eines Waffenrechts geben. Das Recht auf das Tragen und Besitzen einer Waffe bezeichnet Trump als Freiheit. (Meiner Meinung ein Nachteil)
  • Seine Migrationspolitik, die teilweise sehr fremdenfeindlich wirkt, könnte die USA zu einer noch größeren Zielscheibe für terroristische Anschläge machen.
  • Bei einem Wahlsieg von Trump würde er sein Vermögen und seine Investitionen nicht wie von vielen gefordert in eine Art „Black Box“ verfrachten, sondern dieses von seinen Kindern verwalten lassen. Ein Insiderhandel und eine Bereicherung seinerseits wären damit ziemlich wahrscheinlich.
  • Seine Marke und sein Unternehmen sind sein Baby und das wird jeder Unternehmer auch verstehen. Daher ist auch die Frage berechtigt, ob er wirklich 24/7 Präsident sein könnte?
  • Die angekündigten Steuererleichterungen würden einer Berechnung zufolge nicht unbedingt helfen den Staat zu entlasten, obwohl gerade das ein großes Ziel von Trump ist. So könnte die Schuldenquote bis 2036 um 80 Prozentpunkte steigen.

 

Vorteile und Nachteile von Trump für Deutschland

  • Deutsche und europäische Firmen müssten sich auf Handelserschwernisse mit den USA einstellen. „Strafzölle könnten zurückkehren, das heißt: Aktien von Unternehmen, die grenzübergreifende Geschäfte machen, geraten aller Voraussicht nach unter Druck“, sagt Brzeski.
  • Trump pocht darauf, dass alles, was in Amerika produziert werden kann, auch in Amerika produziert werden sollte. Unternehmen, die sich darüber hinwegsetzen, müssen mit Strafen rechnen. Macht der Populist mit den protektionistischen Maßnahmen ernst, könnte dies – wie so oft in der Geschichte – leicht in einen Handelskrieg münden. Ein solches Vorhaben würde den Exportweltmeister Deutschland stark schwächen.
  • Ein Präsident Trump hat das Ziel, dass Länder wie Deutschland und Frankreich mehr Geld für Verteidigung lockermachen. Ein solches Szenario dürfte für Rüstungsbetriebe wie Rheinmetall aus Deutschland mehr Aufträge bedeuten.
  • Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus könnte sich dann auch über volle Auftragsbücher freuen.

 

Mögliche Verlierer im DAX sind die Globalisierungsgewinner

  • BMW erzielt ein Fünftel seiner Erlöse in Amerika.
  • Daimler setzt in der Freihandelszone NAFTA, die von den Vereinigten Staaten dominiert wird, ein Drittel um.
  • Der Pharmakonzern Bayer macht 27 Prozent seines Geschäfts in Nordamerika.
  • Der Chemieriese BASF 22 Prozent.
  • Der deutsche Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC), verbucht dort fast drei Viertel seines Umsatzes.
  • Bankaktien sind am Vorabend einer möglichen Ära Donald Trump nicht als das klügste Investment zu bezeichnen. „Hillary Clinton würde den US-Staat weiter für die Belange von Big Business und Wall Street einsetzen. Bei Trump könnte man immerhin hoffen, dass er mit dieser unheilvollen Koalition bricht“, urteilt Degussa-Chefökonom Thorsten Polleit.

 

 

Abschließend sei gesagt, dass viele Trump mit Reagan vergleichen und sagen, die Politik würde nicht von den Präsidenten gemacht, sondern von den Experten im Hintergrund. Das Problem bei Trump scheint oft jedoch, dass er sich nichts sagen lässt und alles besser weiß. Daher könnte ein Präsident namens Donald Trump ein sehr interessantes Experiment werden. Zudem sprechen Aussagen von Trump wie „Wenn wir Atomwaffen haben, warum setzen wir sie nicht ein?“ für sich selbst!

 

by Okt 12, 2016 5 Kommentare
Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

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Börsenpsychologie 3.0 – Trugschlüsse im Verhalten

Trading ist ein Wechselspiel aus Reaktion und Aktion. Börse bedeutet zu bewerten, einschätzen und handeln. Doch wer agiert, reagiert und bewertet macht Fehler. Fehler machen ist menschlich. Wir können nie absolut rational handeln und wir sind nie frei von externen Einflüssen. Unser Unterbewusstsein und unsere vererbten Verhaltensmuster zwingen uns zu teils glücklichen aber auch unglücklichen Handelsentscheidungen. Vor allem in einem derart schnelllebigen und stressigen Umfeld ohne genügend Zeit um auf ausreichend Informationen zugreifen zu können macht jeder von uns Fehler.

Doch wir sollten unsere Fehler nicht hinnehmen, weil diese menschlich und schier unvermeidbar sind. Börse bedeutet vor allem sich selbst kennenzulernen. Dementsprechend müssen wir unsere Fehler erkennen und uns eingestehen (was den meisten Menschen schwerfällt) und kritisch analysieren. Wir sollten uns selbst den Kampf ansagen und uns und unsere Fehler verstehen. Wir sollten stets bemüht sein unser Verhalten zu analysieren und optimieren und die Summe der persönlichen Fehler möglichst weit zu reduzieren.

Um unser Verhalten zu optimieren und eigenes Fehlverhalten zu erkennen benötigen Grundwissen über typische psychologische bzw. verhaltenstechnische Fallen bei Anlegern. In diesem Blog der Reihe „Börsenpsychologie“ möchte ich über die Trugschlüsse von Spielern aufklären:

Der Spielerfehlschluss oder auch Trugschluss eines Spielers ist einer der wohl häufigsten Fehler den wir Menschen begehen. An der Börse machen viele Anleger auf Basis dessen viel Verlust. Doch was ist das? Ein Trugschluss entsteht, wenn wir einen logischen Fehlschluss bilden. Ein logischer Fehlschluss ist ein logischer Gedanke, welcher jedoch auf einer falschen Vorstellung beruht. Kurz: Wir ignorieren die tatsächliche Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wegen einer fehlgeleiteten Annahme.

 

Schusselfehler bei der Wahrscheinlichkeits-Bestimmung

Gerne übersehen beispielsweise Glücksspieler den Mechanismus des Zufalls und gehen davon aus, dass ein zufälliges Ereignis mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eintreten müsste, wenn es über eine längere Zeit nicht eingetreten ist. Doch der Zufall hat ein Gedächtnis. Ich möchte dies am Roulette erklären: Casino-Betreiber machen sich den unterbewussten Trugschluss zu Nutze und stellen an Roulette-Tischen Bildschirme auf, welche die gefallenen Zahlen und Farben der letzten 5 oder 10 Runden anzeigen. Schnell entwickeln unbedarfte Spieler den logischen Schluss, dass es Zyklen gebe. Fällt die Kugel beispielsweise 5 oder 10 Mal auf schwarz, so setzen Spieler schnell ihr Geld auf Rot, da sie ein Enden der Reihe erwarten. Was sie dabei übersehen: Jedes Spiel steht für sich selbst. Und mit jeder Runde ist die Wahrscheinlich für die Farbe Rot dieselbe wie zuvor. Sie steigt nicht nach 5, 10 oder auch 1000 Mal Schwarz in Folge. Dieser logische Fehlschluss kann Spielern zum Verhängnis werden.

An der Börse erkennen wir dieses Verhalten oftmals bei fallenden Kursen. Mit Skandalen und anderen Dinge rutscht ein Wert ab. Erst 5, dann 10 und zuletzt 15% Verlust. Nun steigen viele Anleger, basierend auf dem Trugschluss „Das muss doch bald Mal drehen“, ein. Anleger sollten sich immer der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls bewusst sein. Nur weil bei einem Münzwurf mehrfach in Folge Kopf geworfen wurde steigt nie die Wahrscheinlichkeit für Zahl. Nur weil Börsenkurse mehrere Tage in Folge steigen oder eine Hausse bereits überdurchschnittlich lange dauert muss keine Baisse kommen. Die Einflüsse auf Kurse an der Börse sind weitaus komplexer. Gern würden wir einfache Zyklen handeln. Kopf, Zahl, Kopf, Zahl. Wie schön wäre Börse, wenn es so einfach wäre nach einer drei Mal Schwarz auf Rot zu setzen und dann zu gewinnen. So einfach ist es jedoch nicht. Trotzdem erliegt man schnell solchen Trugschlüssen.

 

Selbstwertdienliche Verzerrung

Kennen sollten Sie auch den self-serving bias. Im Deutschen auch als Phänomen der „Selbstbestätigung“ definiert. Hierbei handelt es sich nicht um eine dem Selbstwertgefühl dienlichen Verzerrung. Hierbei definieren wir Fakten um, verharmlosen Sachverhalte oder verändern unseren Standpunkt um eine uns unangenehme Situation derart zu entfremden, dass wir sozusagen sprichwörtlich aus dem Schneider sind. Probleme mit dem self-serving bias haben vor allem Händler, welche ihr Selbstwertgefühl durch die Börse steigern wollen. Sie sind gierig nach Erfolgen, Rendite und wollen, dass dies jeder sieht. Hierbei tun sie alles, um immer der erfolgreiche und von anderen beneidete Trader zu sein. Dem Trading dienlich ist dies nicht. Fehler werden ignoriert oder beschönigt. Gute Trader gehen mit sich selbst hart ins Gericht. Sie suchen schonungslos nach eigenen Schwächen um ihr eigenes Trading zu verbessern.

Grundlegend ist eine selbstwertdienliche Verzerrung uns selbst Erfolge zuzuschreiben, jedoch Misserfolge auf externe Faktoren abzuwälzen. Erfolgreiche Trades führen wir auf unsere Analyse und unser Handeln zurück. Für verlustschreibende Trades können wir dann jedoch Nichts. Das war nicht zu erwarten. Die Situation hat sich verändert. Der Markt verhält sich komisch.

 

Gründe für ein derartiges Verhalten könnten sein:

  • Verteidigung eines stabilen und positiven Selbstbildes
  • Selbstdarstellung
  • Wissen um frühere Leistungen
    Die Erfahrung eine Aufgabe früher gemeistert zu haben lässt uns verzerrt wahrnehmen, dass ein Misserfolg beim wiederholten Versuch an externen Faktoren liegen müsse.
  • Vermeiden von Hilflosigkeit
    Einige Dinge können wir nicht beeinflussen. Darunter fallen beispielsweise Verbrechen, Sterblichkeit oder Naturkatastrophen. Wir neigen jedoch dazu das Vermeiden dieser Dinge (was ein Erfolg für uns ist) uns selbst zuzuschreiben. Wir gestehen uns nicht ein diesen Faktoren hilflos gegenüberzustehen. Dies nennt man auch Defensiv-Attribution. Ist man Opfer eines solchen Ereignisses, dann führt man dies darauf zurück, dass es ja nicht vermeidbar/beeinflussbar war. Ist man nicht Opfer, dann schreibt man sich diesen Erfolg seinem eigenen Verhalten zu.
  • Unrealistischer Optimismus
    Die meisten Menschen glauben mehr positive als negative Erlebnisse zu haben.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

by Okt 07, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

Börsenpsychologie 2.0 – Prospekttheorie der Heuristik

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Bis heute basieren ein Großteil der Modelle und Theorien der Makro- und Mikroökonomie auf der Nutzentheorie (auch Nutzenfunktion). Hierbei geht man davon aus, dass sich ein Marktakteur immer für die Möglichkeit entscheidet, welche seinen Gewinn/Nutzen maximiert und die Kosten/Aufwand minimiert. Dieses rationale und erwartbar-logische Verhalten spiegelt sich im Konzept des homo oeconomicus wieder. Die britische Zeitschrift „The Economist“ nutzte 1999 die Metapher des Mr. Spock als emotional disziplinierten und absolut logisch und rational denkenden Akteur[1].

Den meisten Konzepten der Ökonomie liegt der homo oeconomicus zu Grunde. Grund dessen ist das erwarte Verhalten dieser fiktiven Person. Individuelle Charakterzüge und die Psychologie des Menschen – wie z.B. Emotionen – werden nicht beachtet um die Modelle und Theorien möglichst einfach zu gestalten. Seit 1940 entwickeln zahlreiche Wissenschaftler jedoch neue Ansätze. Mr. Spock ist zwar eine interessante Persönlichkeit, aber in keinem Fall menschlich. Und ökonomischen Konzepten eine nicht-menschliche und fiktive Person zu Grunde zu legen ist fraglich. Seit etwa 1980 erlebt der junge Teilbereich der Ökonomie, die Verhaltenspsychologie oder auch Behavioral Economics, immer mehr Zulauf und Zustimmung.

1979 veröffentlichten die amerikanischen Wissenschaftler Daniel Kahneman (2002 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet) und Amos Tversky ihre Weiterentwicklung der Nutzentherorie. Diese Prospect Theory (Neue Erwartungstheorie) zählt zu den in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts am häufigsten zitierten Beiträge. Das Konzept stellte eine Revolution der bisherigen ökonomischen Gedankenwelt dar. Die Prospect Theory erlaubt die Beschreibung menschlicher Entscheidungsfindungen bezüglich risikoreicher Situationen mit Einbezug von Psyche und Charakter des Akteurs.

Ich möchte dich mit diesem Beitrag in die Erwartungstheorie und die daraus resultierenden Rückschlüsse auf menschliches Verhalten einweihen. Trader müssen täglich Entscheidungen unter Zeitdruck, ohne vollständige Information und im Umfeld hohen Risikos treffen. Das Wissen über den Ablauf der Entscheidungsfindung in diesen Situationen hilft dir dich selbst als Trader besser kennenzulernen und auch das (menschliche) Verhalten der Akteure an der Börse besser zu verstehen.

Heuristik

Heuristik

Die Prospect Theory ist ein Bestandteil der Heuristik, welche sozusagen das Fundament der Verhaltensökonomie darstellt. Die Heuristik umfasst dabei das Verhalten des Menschen Problemstellungen ohne nutzbare Methode zur Lösung, unter Zeit- und emotionalem Druck und ohne vollständige Information zu lösen. Um das Problem zu lösen, für welches keine erprobte Lösungsstrategie vorliegt, muss die jeweilige Person auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen und bestehende Methoden anpassen oder persönliche Tendenzen zur Entscheidungsfindung nutzen. Heuristik findet sich vor Allem in komplexen, schnelllebigen, kaum überschaubaren und unzureichend strukturierten Problembereichen.

 

Die Prospect Theory

Während die ursprüngliche Nutzentheorie alle Gewinne als positiv definiert und bestimmt, dass sich der Akteur für den Maximalgewinn entscheidet geht die neue Nutzentheorie, die Prospect Theory, auf den Entscheidungsprozess des Akteurs ein: dieser wird in zwei Phasen, das editing (Bearbeitung) und evaluation (Bewertung) unterteilt.

In der ersten Phase – dem editing – ordnet der Akteur die möglichen Entscheidungen heuristisch in Bezug zu seinem Referenzpunkt. Alle Ergebnisse unterhalb des Referenzpunktes werden als Verluste wahrgenommen, alles oberhalb dessen als Gewinn. Möchte ein Trader ungenutztes Cash (z.B. 2.000€) gewinnbringend anlegen und innerhalb der nächsten Monate 10% Gewinn, also 200€ Profit, machen, dann liegt sein Referenzpunkt bei der Bearbeitung und Beurteilung möglicher Anlageobjekte bei +10%. Alle Ergebnisse unterhalb nimmt die Person emotional tatsächlich als Verlust wahr. Entscheidend ist also nicht der Gewinn, sondern der Referenzpunkt, welcher von außen beeinflusst werden kann (siehe kognitive Verzerrungen, Ankereffekt). Der Moment, wenn der persönliche Referenzpunkt festgelegt wird, nennt sich Kodierung. Auf die Kodierung folgt das heuristische Einordnen der Möglichkeiten und abschließend vier weitere kleine Phasen, welche vor allem der Vereinfachung dienen: Die Wahrscheinlichkeiten identischer Ergebnisse werden addiert, gemeinsame Bestandteile, welche für alle Möglichkeiten gelten, ignoriert, Ergebnisse und Wahrscheinlichkeiten vereinfacht, sowie stochastisch dominierende Aspekte ausgesondert.

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In der zweiten Phase – der evaluation – werden die vorhandenen Alternativen (Prospects) bewertet. Hierbei ist einerseits die Wertefunktion und andererseits die Wahrscheinlichkeitsgewichtungsfunktion entscheidend. Wie wir bereits wissen wird jedes Ergebnis, welches besser als der Referenzpunkt (Mindesterwartung) abschneidet, als Gewinn wahrgenommen. Hierbei ist anhand der Wertefunktion erkennbar, dass jeder anfängliche Zusätzliche Gewinn über den Referenzpunkt hinaus als besonders starker Wertzuwachs empfunden wird. Der Gewinn-Zuwachs über den Referenzpunkt +10% auf +14% (4% mehr) hinaus wird als wesentlich wertvoller wahrgenommen als ein Gewinnzuwachs von +20 auf +24% (ebenfalls 4% mehr) bei gleichem Referenzpunkt. Gleiches gilt auch im negativen Bereich. Fällt der Zuwachs einer Position um 2% auf nur noch +8%, so wird dies einerseits als Verlust empfunden und wesentlich intensiver verarbeitet als ein Sinken um 2% von zum Beispiel -4 auf -6%. Neben dem Empfinden des Wertzuwachses werden die möglichen Alternativen durch den Akteur ebenfalls nach der Eintrittswahrscheinlichkeit gewichtet. Zuletzt entscheidet sich die Person für einen Wert, welcher bezogen auf den persönlichen Referenzpunkt, die Werte- und Wahrscheinlichkeitseintrittsfunktion am besten abschneiden könnte.

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Kognitive Verzerrungen

Im Entscheidungsprozess der Prospekt Theory spielt der Charakter und die Psyche des Akteurs eine gewichtige Rolle. Er muss kodieren, gewichten, sortieren, bewerten und entscheiden. Dies muss er heuristisch meist unter Zeitdruck, Einflüssen aus seiner Umwelt und ohne vollständige Informationen und erprobte Lösungsmethoden umsetzen. Hierbei sind kognitive Verzerrungen (biases) erkennbar. Hierbei handelt es sich um unbewusste systematisch fehlerhafte Neigungen des Akteurs beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen.

Darunter fallen zum Beispiel die Nähe-Verzerrung und das Priming. Bei Ersterem kann die Nähe einer Person zu einer Problemstellung zu einer verzerrten Wahrnehmung führen. Dies zeigt bei Tradern vor Allem daran, dass in Depots oft jene Branchen übergewichtet werden, welche auf Grund von Kontakten, Empfehlungen und des eigenen Berufs besonders gut kennt. Diese Thematik werde ich im siebten Artikel unter Sektoren-Verliebtheit nochmals genauer erklären. Zu viel Nähe zu einer Thematik macht blind für Optionen. Wer beispielsweise im Bankwesen arbeitet setzt selbst vor allem auf Banken. Er hinterfragt seine eigene Branche, also auch seine berufliche Zukunft, nicht und glorifiziert seinen Sektor. Auch das Priming erklärt die Art der kognitiven Verzerrung sehr gut: Hierbei wird eine Entscheidung durch ehemalige bewusste oder meist unbewusste Erfahrungen beeinflusst. Auf Grund einer negativen Erfahrung mit einer Aktie, beispielsweise, nimmt der Akteur diese auch in Zukunft als negativ wahr und wehrt sich unbewusst, aus Angst die negative Erfahrung zu wiederholen, dagegen die Aktie nun als bestes Anlageobjekt zu klassifizieren. Rational wäre die Aktie wahrscheinlich die beste Entscheidung. Da der Anleger jedoch kein homo oeconomicus ist und auch nicht Mr. Spock heißt verhindert eine negative Vorgeschichte unbewusst diese Erkenntnis.

Die an der Börse wohl am meisten verbreitete und kostenintensivste kognitive Verzerrung ist der Dispositionseffekt. Umfragen in den letzten Jahrzehnten ergaben immer wieder, dass bis zu 80% der Anleger vom Dispositionseffekt betroffen sind. Dieser erklärt, warum Trader oftmals Gewinnpositionen viel zu schnell verkaufen und Verluste dagegen zu lange laufen lassen. Die erste Ursache dieses Effektes ist, dass Verluste etwas doppelt so stark empfunden werden als Gewinne. Gewinne werden als angenehme Selbstverständlichkeit wahrgenommen und meist durch Verkäufe zügig realisiert. Verluste dagegen wird als überaus unangenehmes und unerwartetes Scheitern empfunden. Hierbei tun sich Anleger schwer den Verlust zu realisieren und hoffen auf eine Umkehr des Kurses. Die zweite Ursache ist die bereits beschriebene Wertefunktion. Die ersten Gewinne werden als am wertvollsten empfunden. Mit steigenden Gewinnen nimmt das Empfinden über den Wertezuwachs ab, sodass frühzeitig verkauft wird, wenn kein Nutzen-/Wertezuwachs mehr empfunden wird. Auf der anderen Seite werden die ersten Verluste am heftigsten wahrgenommen. Mit der Zeit nimmt dieses Gefühl jedoch ab und der Anleger empfindet zunehmende Gleichgültigkeit bei weiteren Verlusten. Aus diesem Grund verkaufen Anleger Verlust-Positionen meist nicht, da das anfänglich negative Gefühl schwächer (ja fast besser) wird je größer die Verluste werden. Verrückt aber wahr.

Weitere kognitive Verzerrungen sind beispielsweise die Vermessenheitsverzerrung (overconfidence bias) unter welcher die Überschätzung des Akteurs durch sich selbst gemeint ist. Der Trader nimmt sich selbst zu talentiert, zu mutig, zu wissend, zu könnend oder zu überlegen war. Vor Allem in guten Phasen mit zahlreichen Erfolgen kann die Vermessenheit an die eigene Leistungsfähigkeit und Überlegenheit der Konkurrenz zu einer überzogenen Selbstbewertung und Verlust von Realitätsbezug und gesundem Misstrauen führen.

Die Ankerheuristik ist beispielsweise bei der Kodierung des Referenzpunktes zu finden. Hierbei wirken Einflüsse von außen wie ein Anker der eigenen Einstellung. Bei Untersuchungen hatte man beispielsweise Passanten in einer Fußgängerzone befragt was sie tendenziell bereit sind für den Naturschutz zu spenden. Den Anker hatte man in den Fragen „Wären Sie bereit $5 zu spenden?“ und „Wären Sie bereit $400 zu spenden?“ versteckt. Der Anker tat sein Übriges, sodass die erste Gruppe durchschnittlich bereits war $20 zu spenden während die zweite durchschnittlich $143 angab. Den Anker nehmen wir selten bewusst wahr. Es sind Kommentare, Meinungen, Artikel, Analysten, welche uns beeinflussen.

Sturheit und die Status-Quo-Verzerrung sind machen uns als Trader ebenfalls zu schaffen. Bei der Sturheit geben wir eine einmal gemachte Entscheidung nur sehr ungern wieder auf. Wer sich für ein Unternehmen entscheidet lässt sich ungern vom Gegenteil überzeugen. Dies erkennen wir daran, dass manche Trader trotz Zureden und Aufzeigen von Fakten an manchen Werten unbeirrt festhalten. Wir geben auch den Status Quo ungern auf. Auf der einen Seite nehmen wir Vorteile nicht wahr, nur um den Status Quo zu erhalten. Wir empfinden das Risiko des Fortschritts als zu groß als dass wir den Status Quo verlassen würden. So ergaben Umfragen in Unternehmen, dass die wenigsten Arbeitnehmer bereit wären weniger als die gesetzlichen 24 Urlaubstage zu erhalten, selbst wenn sie für jeden nicht genommenen Urlaubstag unterhalb der 24-Tage-Marke das Drei- bis Vierfache des Gehalts für einen normalen Arbeitstag bekommen würde. Der gesetzliche Urlaubsanspruch ist der Status Quo. Und Veränderung, wie vorteilhaft sie auch sein mögen, werden meist nicht wahrgenommen. Und entfernen wir uns vom Status Quo, so sind wir bereits viel mehr Risiko einzugehen als sonst um den Status Quo wiederherzustellen. Dies könnte der Grund für das ebenfalls unter unerfahrenen Anlegern desaströse Verbilligen sein bei dem Trader Verlustpositionen immer wieder durch Nachkäufe ausweiten in der Hoffnung wieder den Status Quo, also keine Verluste, wiederherzustellen.

Auch setzen wir uns stetig falsche Prioritäten und wenden unverhältnismäßig viel Zeit für kleine Entscheidungen und dagegen wenig Zeit für wichtige Entscheidungen auf. Auch das unangebrachte Bedauern sollte jeder von sich kennen. Vergangene Verluste werden unverhältnismäßig lange bedauert. Gefahr birgt auch das Täuschen auf Grund einer kognitiven Dissonanz. Hierbei gerät der Trader in eine unangenehme Situation in der er seine Kognitionen, wie Gedanken, Gefühle und Wünsche, nicht einordnen kann. In einer solchen Phase fühlt sich der Mensch unwohl. Dies kann beispielsweise passieren, wenn zahlreiche Trades missglücken und der Trader nicht einordnen kann was er von sich und der Situation halten soll. Ein Ausweg bietet hierbei schnell die Täuschung. Wir verändern den Blickwinkel auf die Situation und behaupten, dass wir es eigentlich ja anders machen wollten und somit doch eigentlich richtiglagen. Wir verändern unsere Einstellung und senken unsere Erwartungen. Waren vorher noch 5% Verlust hinnehmbar so sind es nun 15% auch und der Trade war doch nicht so schlimm. Informationen und die Situation werden verdreht, abgewertet und geleugnet um uns selbst wieder ins rechte Licht zu rücken. Auch greifen wir zu beruhigenden Mitteln, wie Sport, Freizeit, Mediation oder schlimmstenfalls Alkohol. Umgangssprachlich ist all dies als „Schönreden“ bekannt.

 

Optimiere deinen Entscheidungsprozess

Jeder von uns findet sich bewusst bei den kognitiven Verzerrungen wieder. Unbewusst haben wir wahrscheinlich alle jede dieser Verzerrungen durchgemacht. Das ist menschlich und normal. Doch nun kennen wir den Entscheidungsprozess und die Gefahren des Einflusses unserer Psychologie. Börse basiert eben nicht nur auf Zahlen und Charts. Bereits am Anker-Effekt erkennen wir die Macht der Analysten, sodass hohe Gewinne eines Unternehmens teilweise negativ bewertet werden, weil die Erwartung der Analysten und somit des Marktes höher lag. Wie bereits im ersten Beitrag zur Verhaltenspsychologie dargestellt bewertet die Börse die ökonomische Realität basierend auf der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (Erwartungen an die Zukunft). Und in diesen Bewertungen steckt sehr viel Psychologie.

Auf der einen Seite kann und sollte ein Trader an sich selbst arbeiten, was ich auch im sechsten Beitrag (Traden ist Charakterbildung) nochmals thematisieren werde. Welche Verzerrungen haben wir in unserem Entscheidungsprozess? Wie können wir diese Einflüsse erkennen und verhindern? Wie schaffe ich es als Trader möglichst rational und möglichst wenig emotional zu agieren? Traden heißt nicht nur gegen den Markt zu spielen, sondern auch gegen sich selbst und seine menschlichen Fehler.

Auf der anderen Seite können wir unser Wissen über kognitive Verzerrungen am Markt gewinnbringend verwenden. Was sind die vorhanden Anker, welche das Denken die Einstellung des Marktes beeinflussen? Wann fühlen sich die meisten Anleger unwohl und tendieren zu schnellen und irrationalen Entscheidungen? Mit der Psychologie hält man den Schlüssel in der Hand den Markt nicht nur zu lesen (Zahlen & Charts), sondern auch zu verstehen. In den kommenden Beiträgen möchte ich weitere Szenarien beschreiben, welche uns und den Markt beeinflussen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme
  5. Anomalien der Heuristik
  6. Traden ist Charakterbildung
  7. Psychologische Fallen
  8. Praxisbeispiele

 


[1] http://www.economist.com/node/268946

by Sep 22, 2016 Keine Kommentare
Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

Börsenpsychologie 1.0 – Börse basiert auf Psychologie

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Trading ist eine hochkomplexe Angelegenheit. Das Handwerk des Tradings und Investierens zu erlernen benötigt viel Zeit, Leidenschaft und erfahrungsbringende aber doch schmerzvolle Rückschläge. Erfolg an der Börse basiert nicht nur auf Wissen, sondern auch auf Erfahrung, Glück und Talent. Es bedarf jahre- bis jahrzehntelanger Zuneigung des Traders zur Börse bis er nicht mehr größtenteils von Glück abhängig ist, sondern auch seine Erfahrung und sein Wissen gewinnbringend ausspielen kann. Indikatoren, Strategien, Muster, Chart-Technik, Fundamental-Analysen und andere Dinge vereinfachen die Komplexität des sich täglich verändernden Marktes. Doch viele Trader sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Börse umfasst zwar Ökonomie, Mathematik und Finanzwirtschaft. Doch grundlegend basiert sie auf dem Verhalten von Menschen. Börse basiert auf Psychologie.

„Die Börse reagiert gerade mal zu 10 Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie“
André Kostolany

 

Mathematiker und Ökonomen haben nicht unbedingt einen Vorteil an der Börse. Sie denken viel zu rational. Mathematiker erwarten berechenbare Vorgänge und Ökonomen versuchen den Markt in stupide Modelle zu pressen. Doch die Börse ist launisch, wild und oft sehr irrational. Wir können die Zukunft nicht berechnen oder an Modellen ablesen. Auch wenn Algorithmen und Super-Computer immer größere Anteile am Handel haben, ist weiterhin der Faktor Mensch entscheidend. Und Menschen agieren nicht immer rational. Der Homo Oeconomicus existiert nicht. Menschen reagieren unter dem Einfluss von Emotionen, Stress, Angst und Euphorie unlogisch und unerwartet. Wer sich mit der Verhaltenspsychologie am Finanzmarkt, der sogenannten Behavioral Finance, beschäftigt, kann sein Wissen und sein Können als Trader daher maßgeblich verbessern.

„Home Oeconomicus“

Der Home Oeconomicus ist eine Entwicklung der Ökonomie. Bei diesem Konzept handelt es sich um einen menschlichen Markt-Akteur, welcher stets rational und optimierend agiert. Diese fiktive Person klammert menschliches Verhalten, wie Schusseligkeit oder Ungenauigkeit, genauso wie Psychologie, Angst oder Stress aus. Dies dient dazu, die Ökonomie in einfache Modelle pressen zu können. Beim Home Oeconomicus folgt B auf A. In der Realität ist dem jedoch nicht so.

„Ein Großteil aller unserer Entscheidungen werden ganz stark von psychologischen Faktoren beeinflusst werden […] weil wir Homo Sapiens sind. Das ist eine Frage unserer Gattung. Das ist naturgegeben. In unserer Evolution haben uns bestimmte Flucht- und Verhaltensreflexe das Überleben gesichert. Diese Reflexe begehen wir bewusst und leider auch oft unbewusst. Auch heutzutage noch.“

 Winfried Neun

  

Ausmaß der Psyche – die Spieltheorie

Um dir einen kurzen Eindruck über das Ausmaß der Psyche als Einfluss auf das menschliche Verhalten zu geben, möchte ich kurz mit dir einen Blick in die Spieltheorie werfen. Diese untersucht das Verhalten von Spielern und entwickelt daraus Theorien über das rationale und irrationale menschliche Vorgehen.

Beeindruckend ist beispielsweise das Feiglings-Spiel. Hierbei fahren zwei Personen mit einem Auto und hoher Geschwindigkeit aufeinander zu. Nun haben beide Spieler je zwei Möglichkeiten. Sie können ausweichen und behalten ihr Leben, aber verlieren ihre Ehre als gedemütigter Verlierer und Feigling. Sie können weiterfahren und riskieren ihren Tod. Fahren sie jedoch weiter und der gegenüber weicht aus, so behalten sie ihr Leben und gehen als mutiger Sieger aus diesem Spiel heraus. Für was sollen sie sich entscheiden? Sie stecken in einem verhaltensabhängigen Dilemma. Definieren wir nun, dass „Ausweichen“ einen Nutzen-Wert von einem Punkt hat, weil der Spieler überlebt, und „Siegen“ ebenfalls einen Punkt auf der Nutzen-Skala einbringt, erkennen wir die Krux dieses theoretischen Spiels: Fahren beide Spieler weiter liegt der Nutzen für beide auf Grund ihres Todes bei null. Weicht ein Spieler stetig sechs Mal in Folge aus, so verliert er zwar seine Ehre, aber überlebt. Sein Nutzen liegt bei 6 Punkten. Der Spieler, welcher sechs Mal weiterfährt und darauf vertraut, dass der andere stetig ausweicht, erreicht einen Nutzen von 12. Er überlebt und gewinnt. Hieraus ist zu erkennen, dass die wohl irrationalste und dümmste Entscheidung (weiterfahren) jedoch diese mit dem höchsten Nutzen für den Spieler ist.

“Das Geheimnis des Börsengeschäfts liegt darin, zu erkennen, was der Durchschnittsbürger glaubt, dass der Durchschnittsbürger tut.”
John Maynard Keynes

Während das Feiglings-Spiel beeindruckend das Dilemma situativer Entscheidungen von Menschen aufzeigt, hat es jedoch kaum praktischen Nutzen. Schaut man sich jedoch beispielsweise das Spiel „Dollarauktion“ an, so können wir bereits Rückschlüsse auf die Entstehung von Spekulations-Blasen ziehen. Bei diesem Spiel bieten zwei Personen um einen Dollar. Immer abwechselnd können Sie das Gebot um mindestens einen Cent erhöhen. Entscheidend ist, dass beide Personen, also Gewinner und Verlierer, ihr letztes Gebot an die Bank zahlen müssen, aber nur der Gewinner den Dollar erhält. Nun bieten die Personen los. 4, 12, 25 Cent und so weiter. Zwischen 50 und 99 Cent denkt meist der erste Bieter ans Aussteigen. In diesem Moment wird ihm oder beiden klar, dass sie nun bereits Geld verlieren würden, wenn sie aussteigen. Selbst beim Erreichen von Geboten von 98 und 99 Cent bieten die Spieler weiter und spekulieren darauf, den Dollar zu gewinnen und bei einem Gebot von zum Beispiel 1,20 Dollar nur 20 Cent Verlust zu machen. Versuche ergeben, dass Spieler sich durchschnittlich auf $3,40 hochschaukeln. Sie bieten das Dreifache des Wertes dessen, was sie erhalten könnten. Dies basiert auf der gegenseitigen Beeinflussung. Die Spekulanten regen sich gegenseitig zu einem Verhalten an, welches die Preise explodieren lässt.

„Seien sie ängstlich wenn die Welt gierig und seien sie gierig wenn die Welt ängstlich ist“
Waren Buffett

 

Kern der Börse – Bewertung

Nun kann man nicht behaupten, alles sei Psychologie. Börse ist eben auch ein Kapitalmarkt und eine Abbildung konjunktureller und wirtschaftlicher Begebenheiten. Wie viel Anteil menschliches Verhalten an Kursbewegungen hat, wird man auf der einen Seite nicht bestimmen können und auf der anderen Seite ändert sich der Anteil an jedem Tag und in jeder Sekunde. Doch ich wage zu behaupten, dass die meisten Ursachen größtenteils auf psychologische Gründe zurückführbar sind.

Ist Psychologie tatschlich so wichtig? Die gehandelten Bewertungen an der Börse basieren auf fundamentalen Daten. Die ökonomische Realität bildet das Fundament der Bewertung. Die Kurse sind jedoch losgelöst und basierend auf menschlichen Verhalten entstehen Über- und Unterbewertungen. Immer wieder werden diese korrigiert, wenn sich bei Veröffentlichung von Konjunktur- oder Unternehmensdaten zeigt, wie weit sich die Anleger vom „wahren“ Wert entfernt haben. Das Verhalten der Anleger lässt sich durch Kennzahlen, wie z.B. dem KGV, oder das Herdenverhalten anhand der Chart-Technik erkennen.

rolle-der-psychologie-beim-traden

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Millionen Menschen handeln täglich. Dabei beeinflussen sie sich gegenseitig in ihrem Verhalten. Ihr Verhalten wird in steigenden oder fallenden Kursen ausgedrückt. Auf jede Aktion folgt eine Reaktion. Jeder reagiert auf den anderen. Erinnerst du dich an die Spieltheorie und zu welchen verrückten und nur schwer nachvollziehbaren Situationen es dadurch kommen kann? Chart-Technik versucht hierbei Muster dieses Verhaltens zu erkennen und zu definieren. So sind Unterstützungen und Widerstände nichts anderes als psychologisch bedeutende Marken. Ob 9000, 9500, 10000 oder 11000. Runde Zahlen sind beispielsweise immer gewichtige Marken. Menschen mögen runde Zahlen. Diese wirken wie Meilensteine bei einem Rennen, bei dem die Distanzen zum Ziel stetig gerade sind.

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Auf Grund der Technologisierung und Digitalisierung wird auch der Finanzmarkt immer schneller und größer. Sekündlich zirkulieren unglaublich große Datenmengen und Geldsummen am Finanzmarkt. Der einzelne Akteur kann dies nicht überblicken. Dennoch muss er trotz dieser schnelllebigen, unübersichtlichen und komplexen Situation Entscheidungen treffen (Heuristik). Er steht unter Druck, sein Geld möglicherweise zu verlieren. Aus diesem Druck der Situation entsteht Stress und mit dem Stress kommen die Emotionen: Angst, Misstrauen, Euphorie, Wahrnehmungsverzerrung und viele andere Dinge. Viele Entscheidungen werden nicht rational, sondern emotional getroffen.

„Geduld ist die oberste Tugend des Investors“
Benjamin Graham

Ist Psychologie tatsächlich so wichtig? Erfolg an der Börse durch Verständnis für Verhaltenspsychologie besteht jedoch nicht nur daraus, das Verhalten anderer zu erkennen und zu verstehen, sondern auch am eigenen Verhalten. Wir machen als Trader Fehler. Das ist menschlich. Trading ist daraus resultierend eine Form der Charakterbildung. Wir müssen uns jeden Handelstag aufs Neue disziplinieren, konzentrieren und am Riemen reißen. Emotionen sind unser größter Feind. Wir arbeiten vorwiegend mit uns selbst und mit anderen.

Chart-Technik, Indikatoren, Strategien und andere Mittel der Markt-Analyse sind berechtigt und wichtig. Ein Anleger sollte sich jedoch nicht nur auf die Bäume fixieren, sondern den Wald im Ganzen betrachten. Psychologie wird an der Börse unterschätzt. Die meisten Trader schlagen sich mit Signalen, Formeln, Berechnungen, Wahrscheinlichkeiten und anderen Dingen herum und vergessen dabei den Faktor Mensch. Nur wer dies beachtet und in seine Gedanken und Konzepte einfließen lässt, wird ein abgerundetes Verständnis vom Markt erhalten.

Mein Ziel ist es, mit diesem Artikel dein Interesse für die Behavioral Finance zu wecken. Psychologie wird von Männern, welche die Börse weiterhin dominieren, oftmals als verweichlicht abgelehnt. Philosophieren und über Gefühle reden und nachdenken, behagt vielen nicht. Doch genau dies ist ein wichtiger Faktor für deinen Erfolg. In den kommenden Artikeln möchte ich weiter auf den Einfluss der Psychologie an der Börse eingehen.

 

Alle Artikel der Börsenpsychologie-Reihe auf einen Blick

  1. Börse basiert auf Psychologie
  2. Prospekttheorie der Heuristik
  3. Verlustaversion, Status Quo und Trugschlüsse
  4. Systematische Kognitionsprobleme (folgt in kürze)
  5. Anomalien der Heuristik (folgt in kürze)
  6. Traden ist Charakterbildung (folgt in kürze)
  7. Psychologische Fallen (folgt in kürze)
  8. Praxisbeispiele (folgt in kürze)

 

by Sep 09, 2016 Keine Kommentare
Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

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Nachkaufen (verbilligen) – Fluch oder Segen?

Nachkaufen / verbilligen: Kennen Sie das? Sie eröffnen eine Position und diese entwickelt sich nicht wie geplant. Erst sind es nur wenige Prozent Verlust. Dann bereits 10% oder mehr. Sie müssen sich nun entscheiden, was Sie tun. Verlieren fühlt sich schlecht an (mehr zum Risikomanagement). Sie könnten nun den Verlust durch einen Verkauf realisieren. Dann müssten Sie sich jedoch den Fehltrade und Verlust eingestehen. Sie könnten die Position jedoch auch laufen lassen und auf ein glückliches Ende hoffen. Eine verzwickte und auch emotional geladene Situation.

 

Schlechtes Nachkaufen

Viele Anleger entscheiden sich nachzukaufen. Dieses Vorgehen nennt man „Verbilligen“. Das Kalkül dessen ist, durch einen zweiten, billigeren Einkauf den durchschnittlichen Einkaufspreis, bei dem Ihre Position plus-minus-null notiert (break-even), zu senken. Wenn Sie 5 Äpfel für jeweils 2€ kaufen und weitere 5 für jeweils 1€ dann liegt ihr durchschnittlicher Einkuafspreis von 5 Äpfeln bei jeweils 1,50€. Sie haben durchschnittlich billiger eingekauft. Sie haben verbilligt. Doch was kurz beschrieben sehr attraktiv klingt, birgt zahlreiche Fallen und ist für die meisten Trader der Einstieg zu noch größeren Verlusten.

Tabelle 1

Wann Verbilligen Fluch und wann Segen für einen Anleger ist, möchte ich an einem Beispiel erarbeiten.

Ein Anleger kauft beispielsweise bei einem Kurs von 24,00€ insgesamt 50 Aktien (siehe Abbildung). Nachdem die Aktie um 9% auf 21,84€ gefallen ist und er bereits 108€ von den anfangs investierten 1.200€ verloren hat, entscheidet er sich nochmal nachzukaufen. Zwar könnte er nun für dieselbe Summe, also 1200€, 55 Aktien erwerben, jedoch wird der Anleger bereits vorsichtiger und entscheidet sich mit einem besorgten Blick auf seine Geldbörse und die verlustbringende Position nur 45 Aktien im Wert von 982,80€ nachzufragen. Der durchschnittliche Einkaufspreis sinkt nun von 24,00€ auf 22,98€. Bei diesem Wert erreicht seine Position, welche aus mehreren Einzelpositionen besteht, nun den Break-Even-Point.

Tabellen 2

Doch erneut fällt die Aktie. Viele ungeübte Anleger lassen sich nun dazu verleiten immer öfter nochmals nachzukaufen. Es wird immer billiger und sie wollen diese Einstiegschancen immer wieder nutzen. Auch kommt oft der Gedanke auf, dass die Aktie nun doch mal drehen müsse. Schnell übernehmen also die Emotionen die Kontrolle und man lässt sich zu weiteren Verkäufen verleiten. Krampfhaft versucht man die verlustreiche und unangenehme Situation durch Nachkäufe zu beheben.

Die Probleme dessen liegen auf der Hand. Die vom Anleger investierte Summe ist mittlerweile 123% größer als gewollt. Kann er sich dies leisten? Kann er sich vor Allem die Verluste leisten? Durch die größere Positionssumme verliert er mit jedem weiteren Prozent, welchen die Aktie fällt, nun mehr Geld. Waren es anfangs bei nur 1.200€ noch 12€ je Prozent, so beträgt der neue Verlust 26,82€ je Prozent Kursrückgang. Er verliert nun 123% mehr pro Prozent Kursrückgang als zuvor.

Dies bedenken viele Anleger nicht. Des Weiteren verbilligen die meisten nicht konsequent. Sie senken das Investment je Nachkauf. Waren es anfangs noch 1.200€, wurden beim ersten Nachkauf 1.000 und dann nur noch 500€ eingesetzt. Der Anleger weiß, dass er es sich nicht leisten kann und bangt um die Verluste und hofft auf einen glücklichen Ausgang. Auf Glück sollte man an der Börse jedoch nicht setzen. Dann kann man auch ins Casino gehen. Die erste und verlustreichste Position hat durch ihre Größe (44,7% Anteil an der Gesamtsumme) weiterhin das meiste Gewicht. Die Nachkäufe sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es sind gebührenpflichtige Nachkäufe mit fragwürdigem Nutzen. Während der Kurs um 16,66% gefallen ist, so konnte der Break-Even lediglich um 6,9% gesenkt werden.

Außerdem: Hätte der Anleger nicht verbilligt, so hätte er seine Position bei 20,00€ Kurswert mit „nur“ 200€ (16,66% Verlust) glattstellen können. Er hätte einen Verlust in Höhe von 200€ realisiert. Durch seine unkoordinierten und emotional ausgeführten Nachkäufe wären es nun bereits 281,90€ Verlust.

Gutes Nachkaufen

Tabellen 3

Verbilligen ohne Plan ist einer der teuersten Fehler, den ein Anleger machen kann. Doch kontrolliertes Verbilligen ist eine der bedeutendsten Möglichkeiten, vor Allem in volatilen und labilen Marktphasen, zumeist ungenutztes Kurspotential zu aktivieren. Der Anleger vermeidet nun Emotionen, indem er einen festen und zuvor festgelegten Investment-Plan für die Position besitzt. Er möchte bestenfalls aber auch maximal 1.200€ in die Aktie investieren. Da die Aktie aktuell fällt und er sich unsicher ist ob und wann diese dreht, sowie er sein Kapital schützen möchte, entscheidet er sich bewusst bei 24€, 21,82€ und 20€ mit jeweils 1/3 der Gesamtsumme, also jeweils 400€, einzusteigen.

Wir erkennen nun die Vorteile dieses Handelns: Der Anleger kann nun Verluste vermeiden. Wäre er sofort bei 24€ Kurswert mit 1.200€ eingestiegen, so er hätte 16,66% tiefer bereits 200,00€ verloren. Durch das verbilligende Aufbauen der Zielposition konnten die Verluste um rund 50% auf 100,76€ gesenkt werden.

Durch das gleichmäßige Investieren konnte der Anleger mit jeder Einzelposition trotz gleicher Summe (400€) mehr Aktien erwerben. Erst 17, dann 18 und zuletzt 20. Dies könnte ihm für Dividenden nun zu Gute kommen. Auch ermöglichte das gleichmäßige Verbilligen ihm einen besseren billigeren/durchschnittlichen Einstiegspreis. Im oberen Beispiel benötigte der Anleger noch einen Kurszuwachs um satte 11,75% von 20 auf 22,35€ um den Break-Even zu erreichen. Nun sind es lediglich 9,15% von 20 auf 21,83€ mit einer kleineren Positionssumme und weniger Verlusten.

 

Nachkaufen – Vorteil oder Nachteil?

Doch was passiert, wenn die Aktie nicht fällt, sondern steigt bevor man mit allen drei Teilkäufen eingestiegen ist? Pech! So wie man mit einer kleineren Position bei fallenden Kursen weniger Verlust macht, so macht man natürlich mit einer kleineren Position bei steigenden Kursen auch weniger Gewinn. Doch die Position kann man im Gewinnbereich natürlich auch step by tsep erweitern. Vor Allem für antizyklische Investoren kann das Verbilligen einerseits das Kapital schützen und auf der anderen Seite bei der Suche nach dem perfekten Einstiegspunkt helfen. Man geht nicht in einem Moment „All In“, sondern tastet sich in zwei oder drei Einkäufen an einen möglichst optimalen Einstieg heran. Bedenken sollte man jedoch die höheren Orderkosten. Verbilligt man mit zu hoher Frequenz (z.B. immer nach einem Prozent Kursverlust), dann übersteigen möglicherweise die Orderkosten schnell den möglichen zusätzlichen Gewinn.

Verbilligen ist Fluch und Segen zugleich. Es kann schaden, aber auch helfen. Entscheidend ist immer der klare Handelsplan. Wann möchte ich mit wie viel Kapital einsteigen? Was sind meine Ziele? Wann realisiere ich die Verluste? Handeln Sie nicht aus dem Bauch heraus, sondern nach Plan. Ein Plan, welcher auch kontrolliertes Verbilligen enthalten kann.

by Aug 24, 2016 Keine Kommentare
Das Orderbuch richtig lesen!

Das Orderbuch richtig lesen!

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Wie entsteht ein Börsenkurs?

Orderbuch: Ob in der Tageszeitung, auf dem Handydisplay, dem Händlerbildschirm am Arbeitsplatz oder der Kurstafel über dem Börsenparkett: die aktualisierten Kurse verschiedener Basiswerte prägen die eingeschlagene Marktrichtung nachhaltig.

Die Frage nach der künftigen Entwicklung dieser Kurse beschäftigt zahlreiche Börsenexperten, professionelle sowie unerfahrene Anleger und füllt ganze Regalreihen mit entsprechender Fachliteratur. Bei der Analyse potentieller Preisänderung von Finanztiteln überspringen viele Investoren allerdings vor dem gewagten Schritt in die Zukunft den essentielleren Schritt bei der Kursprognose- Die Frage nach der Entstehung.

Die vermeintliche Antwort nach der Wurzel des aktuellen Marktpreises für ein Finanzinstrument liegt meist in einer Kombination von Wirtschaftsnachrichten, Fundamentaldaten oder häufig verwendeten Chartmustern. Natürlich sind diese Ansätze nicht falsch. Sämtliche der genannten Parameter tragen ihren individuellen Part zur Dynamik der Kurse bei. Allerdings ist die Antwort viel simpler als zumeist angenommen.

Der Preis für eine Aktie, einen Rohstoff, ein Währungspaar oder andere Finanztitel entsteht, wie bei allen anderen Gütern, durch das Aufeinandertreffen von Angebot und Nachfrage.

Erster Schritt in Richtung Orderbuch – Der Begriff Order

Diese preisbestimmenden Determinanten werden an der Börse durch Kauf- und Verkaufsanweisungen der Marktteilnehmer repräsentiert. Im Fachjargon spricht man hierbei von einer Order, die den Handel eines Finanztitels am Kassa- oder Terminmarkt in Auftrag gibt.

Die Order beinhaltet grundsätzlich folgende Informationen:

  • Identifikationsnummer des zu handelnden Wertpapieres
  • Klassifikation des Auftrages (Kauf oder Verkauf des Finanzinstruments)
  • Volumen des Auftrags
  • Form der Order (limitierter oder unlimitierter Auftrag)
  • Gültigkeit der Order
  • Börsenplatz bzw. Plattform über die das Geschäft abgewickelt werden soll

Was ist ein Spread/Bid/Ask?

Zwar lassen diese initialen Kenntnisse zum Entstehungsprozess vermuten, dass die Preisfindung ein simpler Vorgang ist, allerdings erhöht sich die Komplexität durch das Einwirken der primären Triebkräfte Angebot und Nachfrage. Die Vorstellungen über einen gerechten Preis für das Finanzinstrument sind zumeist ebenso individuell wie die Individuen, welche den entsprechenden Auftrag an den Handelsplatz übermitteln. In einem theoretisch vollkommenen Markt dürften die Vorstellungen von Anbieter und Nachfrager im Grunde nicht signifikant voneinander abweichen. Von diesem Idealzustand sind die tatsächlichen Gegebenheiten weit entfernt.

Den einen tatsächlichen Preis in Form einer alleinstehenden Dezimalzahl in der zugehörigen Währung gibt es nicht. Tatsächlich erhält der Marktteilnehmer zu jedem Produkt ein dynamisches bilaterales Gefüge von Kauf- und Verkaufspreis. Auf der linken Seite steht der Geldkurs, der dem Inhaber eines Wertpapiers den erzielbaren Betrag bei einem Verkauf ausweist. Der englische Begriff Bid (deutsch: Angebot) erscheint an dieser Stelle zielführender, denn der Term lässt auf einen Anbieter schließen, der seine Ware veräußern will.

Einen zumeist höheren Preis findet der Investor auf der rechten Briefseite. Der publizierte Wert zeigt dem Interessenten, zu welchem Gegenwert er aktuell den Finanztitel erstehen kann. Auch in diesem Fall findet sich die treffendere Umschreibung der Briefseite im angelsächsischen Namen Ask (deutsch: Nachfrage).

Die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs lässt sich rational durch die unterschiedlichen Zielsetzungen der Akteure erklären. Der Verkäufer will die Ware zu einem möglichst hohen Preis veräußern, während der Käufer daran interessiert ist, das Gut zu geringfügigen Kosten zu erhalten. Der Unterschiedsbetrag zwischen Geld- und Briefkurs wird im Fachjargon als Spread bezeichnet. Zwar gibt es diverse Variationen in der Herleitung dieser Handelsspanne, allerdings konzentrieren wir uns in diesem Fall auf den absoluten Spread. Dieser resultiert, indem man vom Betrag der Briefseite den Gegenwert der Geldseite subtrahiert.

Leider wird die beschriebene Geld-Brief-Spanne, gemessen an ihrer Bedeutung, von vielzähligen Anlegern nicht ausreichend gewürdigt. Grundsätzlich ist es wichtig zu verstehen, dass der zu zahlende Unterschiedsbetrag für den Anleger ein Kostenfaktor und für das Emissionsunternehmen bzw. den vermittelnden Broker einen Ertrag darstellt. Daher sollte der potentielle Investor sich bereits vor dem ersten Handelsabschluss mit den Spreads des jeweiligen Brokers intensiv auseinandersetzen, denn diese beeinflussen seine Gesamtkosten und somit seine Performance.

Ein attraktiv erscheinender Anbieter, der mit einem spreadlosen Handelsgeschäft wirbt, kann den entgangenen Ertrag durch die höheren Ordergebühren mühelos ausgleichen. Auch für das eigene Depot ist der Spread von Bedeutung. Bei jedem eingegangenen Handelsabschluss erhöht der Spread hypothetisch die Gesamtkosten, denn die unmittelbare Glattstellung der Position würde einen Verlust mit sich bringen. Ein Kleinanleger in der Lernphase mit einem vergleichsweise geringeren Budget sollte sich zunächst eher an liquideren Märkten und Produkten orientieren, um die möglichen Verluste vorab zu begrenzen.

Bei hohen Abständen zwischen Kauf- und Verkaufspreisen spricht man von einem breiten Spread. Enge Geld-Brief-Spannen werden mit dem Adjektiv eng betitelt. Der tatsächliche Unterschiedsbetrag variiert mit zunehmenden Zeitverlauf und ist abhängig von vielen unterschiedlichen Faktoren wie der Liquidität des zugrundeliegenden Basiswertes, dessen Volatilität, dem Emittenten des Wertpapiers oder dem Börsenplatz, über den das Produkt gehandelt wird. Die Differenzen im umsatzstärkeren Markt des Devisenhandels werden geringer ausfallen als bei exotischeren Basiswerten mit einer geringen Marktkapitalisierung.

Im Falle eines besonders liquiden Marktes spricht der versierte Händler von einem Tight Market oder Narrow Market, da hier der Spread besonders eng ist. Das genaue Gegenteil hat der Investor bei einem Slack Market zu erwarten. Welche Rolle der Bid-Ask-Spread bei der Kursermittlung einnimmt, wird nun bei der Erläuterung des Orderbuches erläutert.

Einführung Orderbuch

Orderbuch lesen

Tatsächlich repräsentiert die Kursfeststellung eine der wichtigsten Aufgaben jeder Börse. Ausgeführt wird dieser Auftrag von einem Börsenmakler, welcher bei dieser Tätigkeit von der internen Handlungsüberwachungsstelle überprüft wird. Neben verschiedenen Informations- und Kontrollsystemen greift der Makler bei der Kursfindung auf das Orderbuch zurück.

Das Orderbuch offeriert dem Händler eine Bestandsliste mit gegenwärtigen Kaufs- und Verkaufsaufträgen für das entsprechende Finanzinstrument. Im Rahmen dieser Aufstellung sind die gesammelten Kundenorders gemäß ihrer Limitierung angeordnet.

Um das Orderbuch zielführend zu instrumentalisieren, sind die darin enthaltenen Informationen über das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage sachgemäß zu interpretieren. Der Anleger erhält zumeist einen Überblick über die zehn Aufträge mit den zum Zeitpunkt besten Kursen in Relation zum zuletzt festgestellten Gleichgewichtspreis. Auf der linken Seite des Buches werden die Kaufaufträge gelistet. Die Anzahl der Anordnungen wird mit absteigenden Preis aufsummiert, denn ein Investor würde das betrachtete Finanzprodukt nicht nur zum aufgegebenen Limit, sondern auch günstiger erstehen wollen.

Funktionsweise und Aufbau der rechten Seite – mit den Verkaufsorders – entspricht nahezu vollständig der gegenüberliegenden Käuferseite. Der gravierende Unterschied liegt in der Kumulation der Orders, denn die letzte Anzahl an Verkaufsaufträgen wird hier beim nächst höheren Preis zum entsprechenden Gebot hinzugerechnet.

Unter den Investoren wird die Anzahl der Aufträge häufig durch den Begriff Volumen ersetzt. Das Volumen wird im Gegensatz zu den Preisen nicht nur quantitativ, sondern durch die grafische Darstellung von farblichen Balken auch visuell präsentiert.

Schlussendlich eröffnet das Orderbuch einen Einblick in die Kurshistorie. In der Historie des vorliegenden Bildbeispiels sind neben den festgestellten Preisen der vergangenen Periode auch einige Kurse mit dem Zusatz „G“ versehen worden. In diesem Fall konnte die limitierte Kauforder nicht ausgeführt werden, da das eingestellte Kaufgebot unterhalb des aktuellen Briefkurses liegt. Der Makler zeigt dem Kunden durch den festgestellten Geldkurs (G), dass die Order registriert wurde, aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausführbar ist. Der Geldkurs signalisiert, zu welchem Preis das Produkt aktuell am entsprechenden Börsenplatz verkauft werden kann. Unter der Zuhilfenahme der vergangenen Schlusskurse und der festgestellten Preise innerhalb der betrachteten Handelsphase kann der Anleger die Kontinuität der Kurse beurteilen und bei seiner eigenen Order berücksichtigen.

Sämtliche Informationen aus dem Orderbuch helfen dem Makler bei seiner Aufgabe, einen ordnungsgemäßen Kurs festzustellen. Hierbei sind vor allem die Preis- und Zeitpriorität zu beachten. Der Börsenmakler ist verpflichtet, den Kurs festzustellen, zu dem der höchstmögliche Umsatz durch die Ausführung von Kauf- und Verkaufsaufträgen generiert werden kann. Dieses Ziel, möglichst viele Orders durchzusetzen, wird in der Händlersprache Meistausführungsprinzip benannt.

Im Rahmen der Statuten kann es auch zu einer Teilausführung kommen, sofern auf Käufer- oder Verkäuferseite ein Überhang besteht und zum gegenwärtigen Kurs somit nur ein Teil des Bedarfs erfüllt werden kann.

Abgesehen von der preisbezogenen Orientierung ist die zeitliche Komponente bei der Kursfeststellung von Bedeutung. Das System versieht jede Order mit einem zeitlichen Eingangsvermerk, sodass bei der Ausführung kein Auftrag vernachlässigt wird. Somit werden identische Gebote in Relation zu ihrem zeitlichen Eingang abgewickelt.

Die im Orderbuch enthaltenen Kauf- und Verkaufsaufträge können erst dann ausgeführt werden, wenn Geld- und Briefkurs übereinstimmen. In speziellen Fällen kann der Börsenmakler durch einen Liquiditätszuschuss für die Ausführung sorgen, auch wenn Geld- und Briefkurs nicht übereinstimmen. Nichtsdestotrotz muss der Kurs innerhalb des vorgegebenen Spreads festgestellt werden. Zur Unterstützung des Händlers signalisiert ein automatisiertes Kontrollsystem dessen Ausführbarkeit.

Nachdem die entsprechende Order nach dem Meistausführungsprinzip abgewickelt wurde, verschwinden die betroffenen Aufträge aus dem Buch und die nachstehenden Gebote ersetzen ihren Platz. Im Preisfindungsprozess werden sogenannte Stop-Loss- bzw. Stop-Buy- Orders nicht berücksichtigt, da Sie bei der Auslösung zumeist in eine Market Order transformiert werden und erst mit dieser erfolgten Umwandlung realisiert werden können.

Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen offenem und geschlossenem Orderbuch. Selbstverständlich erhält der professionelle Börsenhändler bei der Kursfeststellung die aufgeführten Informationen in beiden Versionen, allerdings bleiben diese beim geschlossenen Orderbuch anderen Anlegergruppen vorenthalten. Deshalb ist das offene Orderbuch und seine potentiellen unterstützenden Hinweise für die Handelsstrategie von Privatanlegern äußerst lukrativ.

Welche Vorteile bietet das offene Orderbuch

Nachdem die Anatomie und die Funktionsweise des Orderbuches oben sukzessive definiert wurde, gilt es nun, den Mehrwert für das eigene Handeln durch die Anwendung des erlernten Verständnisses zu verdeutlichen.

Das offene Orderbuch ist nicht nur als reine Bestandsliste von Kauf- und Verkaufsanweisungen zu betrachten. Liest man zwischen den Zeilen, so erhält man wertvolle Hinweise für die eigene Handelsstrategie.

Das bezifferte Verhältnis von Käufern und Verkäufern galt bereits in der Historie als unterstützendes Werkzeug bei der Prognose kurzfristiger Kursverläufe. Der gezielte Blick auf die Orderlage wurde bereits vor der heute weit verbreiteten Charttechnik täglich genutzt, da in der Vergangenheit die Preise zur Vervollständigung des Kursbildes aufwendig abgetragen und zusammengeführt werden mussten.

Des Weiteren dient das Wissen hinsichtlich des Handelsvolumens und der Nachfrage- oder Angebotspreise als Orientierungspunkt für den eigenen Gegenwert des bevorstehenden Kaufs oder Verkaufs. Somit erhöht sich die Chance einem nicht marktgerecht kalkulierten Preis und somit einem potentiellen Verlust oder einer Teilausführung präventiv entgegenzuwirken.

Schlussendlich wird die Orderlage durch die visuelle Gegenüberstellung von Kaufs- und Verkaufsvolumen zu den Kursen um den entsprechenden Gleichgewichtspreis erweitert. Das symmetrische Zusammenspiel von bezifferten und grafisch aufbereiteten Informationen offeriert dem Investor einen transparenten und schnellen Überblick bezüglich der gegebenen Preisdynamik (preislichen Dynamik/Kursdynamik) am fokussierten Markt.

Das Orderbuch, kurz zusammengefasst

Schlussendlich wird die initiale Frage nach der Entstehung des Börsenkurses auf die vorgenannten zusammenwirkenden Energien von Angebot und Nachfrage beantwortet. Das aktuelle Verhältnis zwischen den kaufenden und verkaufenden Marktteilnehmern, lässt sich aus der nun transparenteren Anatomie des Orderbuches ableiten und instrumentalisieren.

Die augenblickliche Orderlage, sowie das Wissen hinsichtlich des Preisfindungsprozesses können dem Anleger bei der Bestimmung eines angemessenen Kauf- oder Verkaufsgebots unterstützen und langfristig zur Verbesserung seiner Performance beitragen.

Letztlich bleibt zu erwähnen, dass der Komfort eines offenen Orderbuches und somit ein Überblick der aktuellen Lage nicht an jedem Börsenplatz geboten wird. Steht diese potentielle Informationsquelle dem Investor jedoch zu Verfügung, sollte er diese bei seiner finalen Anlageentscheidung stets berücksichtigen.

Viel Erfolg dabei wünscht Euch

Das Insidetrading-Team

by Aug 19, 2016 3 Kommentare
Kredite – Bonität, Schufa, Kosten, Tilgung

Kredite – Bonität, Schufa, Kosten, Tilgung

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Kredite – Bonität, Schufa, Kosten, Tilgung

Normalerweise geht es bei uns um Investments. Doch was ist, wenn wir private Konsumausgaben haben, die sich schlicht nicht vom Girokonto bedienen lassen oder aus anderen Gründen ein Kredit interessant erscheint?

Ein Kredit ist in gewisser Weise die Gegenseite eines Investments und kann entsprechend wie eine Anleihe betrachtet werden, die der Kreditnehmer ausgibt. Der Investor wäre in diesem Szenario die Bank oder eine Investorengruppe wie zum Beispiel bei AUX-Money. Dies ist eine Plattform, auf der eine Gruppe von privaten Personen Geld in einen Kredit einer anderen privaten Person oder eines kleinen Unternehmens investiert.

 

Was ist der Unterschied zwischen Kredit und Darlehen?

Der Unterschied zwischen den beiden ist zwar geringfügig, kann aber in Gesprächen zu Verwirrungen führen. Kredit ist der Oberbegriff für alle Formen der Geldleihe, zu denen eben auch Darlehen gehören. Mit dem Wort Kredit verbindet man im Sprachgebrauch eher kleinere bis mittelhohe Summen, welche für einen kurzen bis mittelfristigen Zeitraum aufgenommen werden. Darlehen hingegen werden meist mit größeren Beträgen und langen Laufzeiten in Verbindung gebracht, insbesondere mit der Immobilienfinanzierung.

Es lässt sich also sagen, das Kredit und Darlehen sich vor allem durch die Laufzeit und die Höhe des aufgenommenen Geldbetrages unterscheiden. Dieser Unterschied ist zwar marginal, sollte aber in Gesprächen mit einem entsprechenden Geldgeber beachtet werden, sodass keine Verwechslungen entstehen.

Welche Kreditarten gibt es und wie unterscheiden sie sich?

 

Endfällige Darlehen

Diese Form von Fremdkapital wird meist für Immobilienfinanzierungen verwendet. Das Besondere dabei ist, dass bis zur Fälligkeit des Kredites nur die Zinsen für das Kapital bezahlt werden, welches entliehen ist. Die Kreditsumme wird zur Gänze zum Ende der Kreditlaufzeit getilgt. Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist, dass die monatlichen Raten konstant bleiben – ähnlich dem Annuitätendarlehen. Es erfolgt keine Tilgung des Betrages. Ein Vorteil einer solchen Finanzierungsform kann sich ergeben, wenn der Kreditnehmer ein Finanzprodukt gekauft hat, dass einen höheren garantierten Zins bezahlt als der Kredit ihn „kostet“. Dadurch entsteht dem Kreditnehmer über die Laufzeit ein Ertrag, da er das für die Tilgung nicht benötigte Geld mit der Differenz aus Garantiertem Zins und Kreditzins, anlegen kann und somit einen Gewinn erwirtschaftet.

Zinsen für ein solches Darlehen mit dem InsideTrading Zinsrechner berechnen.

 

Annuitätendarlehen

Diese Form von Darlehen zeichnet sich durch gleich große Rückzahlungsbeträge über die Dauer der Laufzeit aus. Die einzelnen Rückzahlungsbeträge bezeichnet man dabei als Annuität. Die gleichbleibende Höhe dieser Zahlungen wird durch einen konstanten Zinssatz ermöglicht, der zum Vertragsabschluss für eine gewisse Zeit und oder die komplette Darlehenslaufzeit festgeschrieben wird. Zum Laufzeitende ist die gesamte Schuld getilgt. Die einzelnen Annuitäten berechnet man dabei wie folgt:

 Annuitätenformel

Restschuldberechnung Annauität 

Die Tilgungen der Restschuld sowie die insgesamt getilgte Summe stellen sich grafisch dabei wie folgt dar:

Tilgungsverlauf

Annuitätendarlehenstilgung mithilfe unseres InsideTrading Tilgungsrechner berechnen. (incl. Grafik des Tilgungsverlaufes).

 

 

Kontokorrentkredit

Ein Kontokorrentkredit ist ein kurzfristiger Kredit, der vom Kreditinstitut für den Kontoinhaber bereitgestellt wird. Der Kreditrahmen ist dabei vertraglich vereinbart und muss bis zur Kündigung des Verhältnisses vom Bankhaus zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig ist der Kontoinhaber für den Fall der Nutzung des Kreditrahmens verpflichtet, Zinszahlungen zu leisten sowie spätestens zur Fälligkeit des Kredites den Kreditbetrag zurückzubezahlen. Die Fälligkeit, der Zinssatz sowie der Kreditrahmen werden vertraglich vorab festgeschrieben.

Die bekanntesten Formen des Kontokorrentkredites sind:

    • Dispositionskredit auch Dispo genannt (bei Privatpersonen)
    • Betriebsmittelkredit (bei Unternehmen)

Diese Kreditform hat meist einen hohen Zinssatz, da der Kredit sehr flexibel abrufbar ist. Außerdem sind die Voraussetzungen für eine Tilgung am Ende der Tilgungsfrist nicht gesichert. Damit trägt der Gläubiger ein besonders hohes Kreditrisiko, das über den Zinssatz vergütet wird.
Wichtig: Dieser Kredit bietet keine Überziehungsmöglichkeiten, da er selbst durch einen Liquiditätsengpass entstanden ist. Die Obergrenze des Disporahmens stellt den Höchstbetrag dar, den der Kreditnehmer erhalten kann.

 

Privatkredit

Privatkredite sind Kredite, welche von Privatpersonen an Privatpersonen vergeben werden. Dabei dient der Kredit der einen Person oder Personengruppe als Investition, während der Kreditnehmer sich Liquidität verschaffen kann. Der Kredit wird auf speziellen Kreditportalen wie die oben genannte Plattform AUX-Money vergeben, auf denen Geldgeber und Geldnehmer ähnlich einer Börse zusammen kommen. Bei solchen Krediten sind die Konditionen verhandelbar, ein nicht ganz optimaler Schufa-Score muss kein Hindernis darstellen und beide Seite profitieren von angemessenen Verzinsungen. Der Privatkredit ist also eine Alternative zum Bankkredit.

 

Hypothek

Eine Hypothek ist ein Grundpfandrecht. Der Hypothekennehmer –also der Nehmer des Fremdkapitals– tritt seine Rechte an einer Immobilie ab. Diese Rechte werden als Sicherung für eine andere Leistung genutzt, die der Hypothekennehmer bezieht. Klassisch werden Hypotheken als Sicherungsmittel für Kredite oder Darlehen genutzt. Die Sicherheit wird im Falle der Insolvenz des Kreditnehmers durch die Geldgeber veräußert. Die Höhe des Kapitals, welcher der Geldgeber dem Kreditnehmer zu überlassen bereit ist, hängt von dem Wert der Immobilie abhängig. Gerade bei langfristigen Krediten, wie einer Hypothek oder eines Immobiliendarlehens, ist die Thematik Zinsbindung relevant. Zinsbindungen sind für alle möglichen Laufzeiten verfügbar, oftmals sind sie aber für ca. 10 Jahre angesetzt. Ob dies im Einzelnen reicht oder ob mehr Planungssicherheit benötigt wird, sollte individuell abgewogen werden. Pauschale Aussagen über richtig oder falsch machen keinen Sinn, denn einen heiligen Gral wird man wie beim Handel an der Börse nicht finden.

 

Forward Darlehen

Dieses Darlehen wird meist für die Anschlussfinanzierung verwendet. Es bietet dem Kreditnehmer die Möglichkeit, sich die aktuellen Zinsen für einen Kredit oder ein Darlehen zu sichern, welches erst in einer gewissen Zeit (meistens in ein paar Jahren) zur Auszahlung kommt. Dies ermöglicht dem Kreditnehmer Planungssicherheit, im Hinblick auf die Kosten, welche die neue Finanzierung mit sich bringt. Für diese Planungssicherheit, wird meistens eine gewisse Prämie fällig. Diese kann zum Beispiel die Form eines leichten Zinsaufschlages haben.

 

Schufa-Auskunft ­– Was ist die Schufa?

Die Schufa-Holding (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist eine privatwirtschaftliche Organisation. Ihr Zweck ist es, Partner über die Bonität, also die Kreditwürdigkeit einer Person oder eines Unternehmens zu Informieren. Dafür berechnet die Schufa im Prozess der Bonitätsprüfung einen Score für die betreffende Person und leitet diesen an den Auftraggeber weiter. Interessant für die Bonitätsprüfung und somit die Bonität des Endverbrauchers sind vor allem Daten über die fristgerechte Bezahlung von Verträgen, die aktuelle Belastung durch andere Kredite, die Historie als Kreditnehmer, das aktuelle Kontoguthaben, Besitz sowie Einkommen. Neben diesen Faktoren finden noch viele weitere Kennzahlen bei der Schufa Beachtung. Um einen ersten Überblick zu erhalten, sollte diese Aufzählung genügen.

Oftmals wird auch von Vermietern eine Schufa-Auskunft verlangt. Diese ist bei den meisten Immobilienportalen kostenpflichtig als Schnellauskunft erhältlich oder aber einmal im Jahr kostenfrei.

 

Wie erhalte ich kostenlos eine Schufa-Auskunft?

Um eine kostenlose Schufa-Auskunft zu erhalten, muss nur ein Formular ausgefüllt werden. Der Grund ist folgender:
Die Schufa sammelt Daten über Endverbraucher. Damit diese die Korrektheit der gesammelten Daten überprüfen können, muss die Auskunft kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Dazu muss man sich auf den § 34 BDSG beziehen und Dateneinsicht einfordern. Über den folgenden Link ist das Formular direkt abrufbar. Nachdem das ausgefüllte Formular abgeschickt wurde, bekommt man die Informationen der Schufa nach spätestens 14 Tagen nach Hause zugestellt: https://www.meineschufa.de/download.php?file=SCHUFA_Infoblatt-DU-Antrag-deutsch.pdf&token=30160 oder alternativ hier.

 

Zinsen – Wie funktionieren Kreditzinsen?

Kreditzinsen funktionieren im Prinzip wie normale Guthabenszinsen – nur sind es eben Sollzinsen. Dabei wird im Detail zwischen unterschiedlichen Arten von Sollzinsen Unterschieden, wobei im Prinzip alle gleich funktionieren. Von Interesse ist für den Kreditnehmer eigentlich nur, wie hoch die Zinslast und die Tilgungen im Einzelnen sind. Um dies zu vereinfachen, haben wir ein kleines Tool entwickelt, welches für verschiedene Kreditarten die Tilgungsbeträge sowie die Zinsen und Restschuld zum jeweiligen Zeitpunkt berechnen kann. Anders als viele verfügbare Kreditrechner stellt dieses Tool den Verlauf der auch grafisch und tabellarisch dar, sodass die Finanzierung des aufgenommenen Fremdkapitals komplett transparent wird.

Der Rechner für Kredite und Kreditzinsen ist einfach zu bedienen. Es muss lediglich die Startsumme, der Zinssatz per annum, die Frequenz der Tilgungen sowie die Laufzeit des Kredites angegeben werden. Den Rest erledigt unser Kreditrechner vollkommen von selbst. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Privatkredit oder Bankkredit handelt, lediglich die Kreditform ist auszuwählen. Die Applikation lässt sich auch als Zinsrechner verwenden.

 

Was ist eine Restschuldversicherung?

Die Restschuldversicherung nahm 2013 laut BAFIN-Statistiken 1.3% der Neuzugänge der Versicherungssumme in Deutschland ein. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum brachten es kapitalbildende Lebensversicherungen auf 2.4%. Die Restschuldversicherung (RSV) ist ein Vertrag, welcher meistens gekoppelt an die Kreditvergabe mit angeboten und abgeschlossen wird. Er sichert den Versicherungsnehmer im Fall von Tod oder Krankheit vor den Risiken des Kredites ab. So würde beispielsweise im Todesfall die Kreditsumme vom Versicherungsunternehmen getragen werden,oder im Falle von Krankheit oder Arbeitsunfähigkeit die Restschuld in Form der Raten bezahlt werden. Dabei wird die Prämie meist durch das Darlehen finanziert und erfolgt durch eine Einmalzahlung, die der Kreditnehmer tätigt. Bei Kontokorrent-Krediten erfolgt die Zahlung monatlich. In neueren Restschuldversicherungen kann nun auch unverschuldete Arbeitslosigkeit mitversichert werden, sodass die RSV dem Kreditnehmer ausgeweiteten Schutz gewährleistet.

 

Restschuldversicherung – Nachteile und Kritik

Kritik muss die Restschuldversicherung besonders dafür einstecken, dass deren Vertrieb meist an den Verkauf des Kredites gekoppelt ist und so auf den Kreditnehmer eingewirkt wird, diese Versicherung zusätzlich abzuschließen. Dabei wird in manchen Fällen auf die Risikoaversion des Menschen gesetzt und durch gezielte Fragen emotionaler Druck aufgebaut. Da die Beiträge für eine solche Versicherung zudem nicht gerade unerheblich sind, verändert die Aufnahme einer solchen Restschuldversicherung die Gesamtkostenstruktur des Kredites erheblich. Zudem wird eine solche Versicherung oftmals seitens Rating Unternehmen und Kredit-Scorings nicht beachtet, sodass die Bonität, bzw. Kreditwürdigkeit des Kreditnehmers durch den Abschluss einer solchen Versicherung nicht erhöht wird. Es entstehen daher im Vergleich zu einem Kreditnehmer ohne RSV keine Vorteile für Folgefinanzierungen. Es kann es teils sogar so weit kommen, dass durch die Restschuldversicherung die Bonität durch ein geringeres verfügbares Einkommen sinkt.

by Jul 28, 2016 Keine Kommentare
Anleihen statt Aktien – „sichere Alternative“

Anleihen statt Aktien – „sichere Alternative“

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Was sind Anleihen?

Anleihen sind Schuldverschreibungen. Diese Wertpapiere sind festverzinst und können von verschiedenen Kapitalmarktteilnehmern emittiert werden. Klassische Anleihen sind Unternehmens- oder auch Industrieanleihen sowie Staatsanleihen.
Durch die Aufnahme von Schulden am Kapitalmarkt kann der Emittent kurz- sowie langfristig Liquidität erhalten und so dem Unternehmenszweck nachkommen oder auch die Ausgaben der öffentlichen Hand finanzieren. Der Käufer dieser auch als Inhaberschuldverschreibung bezeichneten Papiere wird auch Gläubiger genannt, wohingegen der Emittent auch als Schuldner bezeichnet wird.

Im Gegensatz zu einem Kredit ist das Wertpapier einheitlich für das gesamte Emissionsvolumen und kann so transparent an den Börsenplätzen, an denen das Papier zugelassen wurde, gehandelt werden. Sobald eine Anleihe den Besitzer wechselt, gehen damit auch die Ansprüche auf die Zahlung des Zinses über. Ganz gleich zu welchem Kurs der neue Halter des Papieres die Anleihe gekauft hat, wird am Ende der Laufzeit zum Nennwert getilgt.

Unterschied zwischen Aktien und Anleihen

Ein großer Unterschied zwischen Aktien und Anleihen ist die rechtliche Behandlung sowie der Cashflow, welcher sich aus dem jeweiligen Produkt ergibt.
Während Aktien einen Anteil am Eigenkapital eines Unternehmens darstellen, sind Anleihen Schuldtitel. Entsprechend dieser Tatsache haben die Halter des jeweiligen Produktes andere Möglichkeiten bzw. Rechte. Während Aktieninhaber zum Beispiel Stimmrechte sowie eine Option auf Gewinnausschüttungen erhalten, haben Anleihenhalter den Anspruch auf den Coupon. Dieser ist im Gegensatz zu einer Dividende nicht optional, sondern wird immer zum Zinstermin verpflichtend fällig. Zudem werden Schuldtitel im Falle einer Insolvenz auf eine andere Art und Weise behandelt als Eigenkapitalbeteiligungen. So ist es möglich, dass die Anleihe besichert ist und Sicherheiten zusätzlich in die Liquidationsmasse einfließen. Ganz gleich, ob dies der Fall ist, werden Inhaber von Schuldverschreibungen im Insolvenzfall gegenüber Aktionären vorrangig behandelt. Da der Aktionär durch seine Eigenkapitalbeteiligung einen Teil des unternehmerischen Risikos trägt.

Am häufigsten hört man dabei im Zusammenhang mit Anleihen von: T-Bills, Bundesanleihen oder Anleihen verschiedener einzelner Unternehmen. Um für die Aspekte Bewertung und Vorteilhaftigkeitsbetrachtungen vorbereitet zu sein, zunächst ein paar Begriffe.

Überblick über die Fachbegriffe:

Überblick über die Fachbegriffe:

Bundesanleihen Bundesanleihen sind Anleihen, bei denen die Bundesrepublik
Deutschland als Emittent auftritt, um sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Bundesanleihen gelten als sehr sichere
Anleihen, da die Bundesrepublik Deutschland als Schuldner mit ihrem
Steueraufkommen sowohl für die Zinszahlungen als auch für die Begleichung der Schuld zum Ender der Laufzeit haftet.
Emission Die Ausgabe neuer Anleihen am Finanzmarkt bezeichnet man als Emission.
Market Maker Ein Market Maker ist eine Bank, ein Emittent oder ein Wertpapierhandelshaus,
das sich verpflichtet hat, während der gesamten
Handelszeit eines Wertpapieres jederzeit verbindliche Geld- und
Briefkurse anzubieten. Die Funktion des Market Makers erhöht die
Liquidität des jeweiligen Wertpapieres wesentlich.
Erfüllungstag // Wertstellung // Valuta Finanzmarktgeschäfte, welche über die Börse abgewickelt werden, werden meist zwei Bankarbeitstage nach dem Handelstag
erfüllt (t+2). Der Käufer muss für die Wertpapiere bezahlen. Der Verkäufer
muss die Wertpapiere liefern.
Erfüllungstag = Handelstag + 2 Börsentage. Unter Umständen kann der Erfüllungszeitpunkt aber auch von dieser Regel abweichen und früher bzw. später erfolgen.
Fälligkeit Der Fälligkeitstag ist der Tag, an dem die Laufzeit der Anleihe
endet. Da zum Ende der Laufzeit die Schuld von Seiten des Emittenten / Schuldners beglichen werden muss, wird dem Anleiheninhaber (Anleger) nun der Fälligkeitsbetrag auf sein Konto
gutgeschrieben.
Die Stückelung – Kleinste handelbare Einheit Die Stückelung einer Anleihe gibt an, welchen
Nominalwert ein Auftrag mindestens haben muss, um aufgegeben oder gar ausgeführt zu werden. In den meisten Fällen beträgt dieser
1.000,– Euro. Bei manchen Industrieanleihen beträgt die kleinste handelbare Einheit sogar 100.000,- Euro. Bundeswertpapiere lassen bereits Stückelungen von 0,01 Euro zu.
Kündigungsrecht Bei manchen Wertpapieren besitzt der Emittent ein Recht auf
eine Kündigung vor dem wirklichen Ende der Laufzeit des Schuldtitels. In diesem Fall erfolgt die Rückzahlung gemäß
den jeweiligen Emissionsbedingungen. Diese sind auf bei den meisten Finanzseiten hinterlegt oder aber einfach über den Investors- Relations-Service des jeweiligen Unternehmens erhältlich.
Coupon Der Kupon ist der Zinssatz der Anleihe, den der Anleger auf den
Nominalbetrag erhält. Sollte die Anleihe zu einem Kurs notieren, welcher nicht dem Nominalbetrag entspricht, ist die wirkliche Verzinsung der Anleihe eine andere.
Emittent Der Emittent ist der Herausgeber und Schuldner einer Anleihe. Die Bank, welche den Emissionsprozess begleitet ist dabei lediglich intermediär.
Nachrang Anleihen Diese Form von Anleihen unterscheiden sich von erstrangigen vor
allem dadurch, dass deren Inhaber bei Insolvenz des Emittenten
nicht als erste aus der Liquidationsmasse bedient werden. Sie werden also Nachrangig behandelt.
Da dieses zusätzliche Risiko des Kapitalgebers kompensiert werden muss, ist die reale Verzinsung dieser Wertpapiere oft höher.
Nominalwert Der Nominalwert gibt die Höhe der Forderung an, den eine Anleihe verbrieft.
Rating Das Rating einer Anleihe gibt die Bonitätsbewertung des Emittenten
durch ein externes Unternehmen wieder. Ratings werden zum Beispiel von Standard & Poor‘s, Moody‘s, Fitch und anderen vergeben.
Stückzinsen Dem Anleiheninhaber steht für jeden Tag, an dem er im Besitz der Anleihe ist, ein Zinsbetrag zu. Dieser errechnet sich anhand der Haltedauer. Der Käufer muss also zusätzlich zum aktuellen Kurs noch die bis dato angelaufenen Zinsen zahlen.

 

Wieso ist der Preis einer Anleihe in Prozent angegeben?

Der Nennwert oder auch Nominalwert einer Anleihe ist je nach Anleihe und Emittent unterschiedlich. Klassisch ist die Stückelung jedoch meist 1000€ oder 100.000€.

Der aktuelle Kurs einer Anleihe wird dabei in Prozent vom Nennwert angegeben. Notiert eine Anleihe also zu 88% und hat einen Nennwert von 1000€, kostet die Anleihe aktuell 880€. Der Preis wird meist „Clean“ angegeben. Was das genau heißt, sehen wir im nächsten Abschnitt.

Bekomme ich Zinsen, wenn ich die Anleihe nur einen Teil eines Jahres halte?

Die Antwort ist ja. Jedoch werden die Zinsen dann nicht vom Schuldner bezahlt sondern vom neuen Gläubiger. Beim Kauf einer Anleihe über die Börse muss der Käufer die aufgelaufenen Stückzinsen begleichen. Der Kurs einer Anleihe wird meist „Clean“ angegeben, die Stückzinsen sind also nicht im Kurs des Wertpapieres enthalten. Sollte der Preis „Dirty“ angegeben sein, so sind die Stückzinsen in den Preis eingerechnet. Es fallen also keine zusätzlichen Kosten an.

Stückzinsen sind dabei die Zinsen, die bis zum Zeitpunkt des Kaufes theoretisch bei einer täglichen Verzinsung aufgelaufen wären.

Errechnet werden die Stückzinsen einer Anleihe wie folgt:

Nominalwert / Nennwert = 1000
Zinssatz / Kupon = 6%
Zinstermin: 01.01.2025
Kaufzeitpunkt: 01.03.2025
Kurs zum Kaufzeitpunkt: 105.00%
Zinsperiode (30/360).

Die Berechnung der Stückzinsen erfolgt durch folgende Rechnung:

Coupon*Nennwert = Jährlicher Zinsertrag
(Jährlicher Zinsertrag)*(#Tage/360)=Stückzinsen

In unserem Beispiel würde das bedeuten:

6% * 1000€ = 60€
60€ * (60/360) = 10€

Also müsste der Käufer in unserem Beispiel 10€ Stückzinsen bezahlen. Diese entfallen zusätzlich zum Kaufkurs der Anleihe. Meistens werden die aktuell aufgelaufenen Stückzinsen auf den Finanzportalen mit angegeben. Das erspart die eigene Rechnung.

Was ist der faire Preis einer Anleihe?

Der faire Preis einer Couponanleihe errechnet sich indem man den heutigen Wert aller zukünftigen Zahlungen berechnet. Diesen Prozess nennt sich abdiskontieren oder Barwertbestimmung.
Der heutige Wert errechnet sich also indem man die einzelnen Zahlungen des Zahlungsstroms (Cashflow) abzinst:

Formel Anleihen berechnen

Dabei steht C für den Coupon und der Nominalbetrag ist der Rückzahlungsbetrag oder auch Nennwert der Anleihe. Warum aber sollte der Preis der Anleihe nach Modell diesem Wert entsprechen? Das Modell geht von einer sicheren Rückzahlung der Anleihe aus. Daher sollte der Wert der Anleihe heute der Menge Geld entsprechen, die heute angelegt werden muss, um zum risikolosen Zinssatz (Leitzins//Tagesgeldzins) den Endwert des Zahlungsstromes zu erhalten.

Warum entspricht der faire Wert nicht immer dem Preis?

In den Finanzmärkten wird der Preis eines Wertpapieres durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Sollte es also aktuell Gerüchte im Markt geben, denen zufolge ein Unternehmen in Zahlungsprobleme kommen könnte, ist die Annahme des Modellpreises, nämlich die einer sicheren Rückzahlung, verletzt. Die Anleihe wird dann mit einem Abschlag auf den fairen Preis gehandelt. Diesen Abschlag sind Verkäufer der Position bereit hinzunehmen, da sie das Risiko, welches sie mit der Anleihe tragen, nicht mehr halten wollen. Sobald die Preise für eine Anleihe fallen, steigt damit auch gleichzeitig die Verzinsung, welche der Gläubiger auf das Geld erhält, welches für den Erwerb der Anleihe benötigt wird.

Wie hoch ist der Zins einer Anleihe wirklich?

Der Zins einer Anleihe wird immer zu Pari, also immer im Verhältnis zum Nennwert angegeben. Sobald eine Anleihe dann jedoch am Markt gehandelt wird, verändert sich der Kurs, während der Coupon gleich bleibt.

Beispiel:

Eine Anleihe mit dem Nennwert von 1000€ und einem Coupon von 8% handelt aktuell zu einem Kurs von 100%. Angenommen es fallen beim Kauf keine Stückzinsen an, so ist die Rendite aktuell bei exakt 8%. Hat nun aber ein Interessent die Möglichkeit, die Anleihe zu einem Kurs von 85% zu erwerben (ebenfalls ohne Fälligkeit von Stückzinsen), so ist die Verzinsung auf das Kapital, das der Gläubiger zum Kauf der Anleihe aufbringen musste, höher. Nämlich:
(80€/850€)*100 =9,41177%
Neben der höheren Rendite, die der Anleger nun durch den Coupon erzielt, erhält der Gläubiger zum Ende der Laufzeit den vollen Nennwert der Anleihe zurückgezahlt und macht somit auch hier eine zusätzliche Rendite. Beides zusammen genommen ergibt die Gesamtrendite, die der Anleger der Anleihe macht.

Die Rendite setzt sich also zusammen aus der Rendite, die durch den Coupon erzielt wird (diese nennt sich auch Yield) und dem Kursgewinn, beziehungsweise der Differenz aus Rückzahlung der Anleihe und Kaufkurs.

Wann und für wen sind Anleihen interessant?

Anleihen sind tendenziell für Anleger interessant, welche eine kontinuierliche Einnahme aus ihren Investitionen erhalten wollen. Daher wird die Anlageklasse auch oft als Rente bezeichnet. Im Allgemeinen tendieren Anleihen zu einer geringeren Volatilität als Aktien, wodurch kurzfristige Kursverluste weniger dramatisch ausfallen. Dieser Umstand erleichtert auch das Festhalten an Positionen und reduziert das Risiko eines Panikverkaufes.
Klassische Anlageberatung geht immer vom Lebenszyklus eines Anlegers aus und „empfiehlt“ zu Beginn größere Positionen in Aktien zu haben, da diese langfristig die höheren Erträge liefern, dafür aber auch volatiler sind. Diese Positionen sollen dann aber gegen Renteneintritt zunehmend in Anleihen umgeschichtet werden, um Sicherheit und eine größere Wertbeständigkeit sowie eine kontinuierliche Einnahme aus den Zinsflüssen zu erreichen.

Anleihen als Trading-Chancen

Dennoch können auch Anleihen immer wieder interessante Trading-Chancen bieten. Wenn zum Beispiel Blue Chip Aktien durch Nachrichten oder Prozesse kurzfristig unter Druck geraten, werden auch Schuldtitel abverkauft. Dadurch lassen sich mit „geringen“ Risiken gute Zinsen sichern, welche eine Grundperformance für das Depot gewährleisten. Des Weiteren können Anleihen, die ihr Investmentgrading verloren haben, oft günstig am Markt erworben werden, da viele Fonds sich von ihnen trennen müssen und das obwohl es im Zweifelsfall neben dem Downgrade der Analysten keinen fundamentalen Grund für einen Verkauf gibt. Solche Optionen können die Kontinuität und die Performance eines Depots erhöhen und die Volatilität mindern. Des Weiteren schützt die Diversifikation den Anleger auch durch die Erweiterung des Anlagehorizontes auf neue Assetklassen.

by Jul 19, 2016 Keine Kommentare
Brexit – Vorteile, Nachteile und Chancen für Deutschland

Brexit – Vorteile, Nachteile und Chancen für Deutschland

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Brexit – Vorteile, Nachteile und Chancen für Deutschland

Brexit (Britain + Exit = Brexit): Welche Vorteile, Nachteile und Chancen für Deutschland könnte der Austritt der Briten haben? In diesem Artikel wollen wir nicht in mehreren tausenden Wörtern auf die gesetzlichen Regelungen der Europäischen Union eingehen und diskutieren, ob und wie der Ausstieg nun von statten geht. Gesetze sind schnell geändert und angepasst. Wir wollen uns anschauen, welche Vorteile, Nachteile und Chancen sich aus der Abstimmung vom 23. Juni 2016 ergeben. Als Trader und auch Investor müssen wir immer auch die Interessen und Geldströme verstehen.

Wer welches Risiko trägt und wie die Verträge beziehungsweise Handelsvereinbarungen nach dem Brexit aussehen, ist schwierig einzuschätzen. Zudem wird sich dieser Prozess noch das ein oder andere Jahr hinziehen. Dennoch haben wir die aktuell wichtigsten Für und Wider einmal für euch zusammengetragen.

 

Brexit – Vorteile für die Briten

  • London wird fiskal- und wirtschaftspolitische selbständiger. Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) gelten für Briten nicht mehr. Die aktuell strengen Regelungen, die zur Haushaltsdisziplin verpflichtet, werden außer Kraft gesetzt und in zukünftigen (Finanz-) Krisen kann die britische Notenbank komplett unabhängige geldpolitische Maßnahmen ergreifen.
  • Einer der Hauptargumente für den Brexit ist das Thema Einwanderung. Die britische Regierung würde gerne die Zahl der Einwanderer aus der EU minimieren. Die Migranten und Einwanderer werden von der Bevölkerung als eine Gefahr gesehen. Der Grund für die Furcht besteht in der Konkurrenz um Arbeits- und Schulplätze. Des Weiteren ist das Gesundheitssystem überlastet.
    ABER: Sollte die Regierung in London anfangen zwischen Briten und EU-Bürgern zu unterscheiden, könnte es sehr unangenehm werden. Mit dem Zurückweisen von Bürgern aus EU-Ländern könnten/würden alle Briten das Recht auf die freie Wahl ihres Wohnsitzes auf dem europäischen Kontinent verlieren.
  • Ein weiteres Hauptargument für die Briten war, dass die „Regulierungswut“ der EU die britische Wirtschaft lähmt. Laut den Daten der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) gehört Großbritannien aber schon jetzt zu einer der am wenigsten regulierten Wirtschaftsregionen der Welt.
  • Durch den Austritt sparen die Briten jährlich etwa 25 Milliarden Euro.
  • Einige wenige Stimmen behaupten auch, dass der Brexit eine zusätzliche Chance für den Finanzsektor in Großbritannien sein kann. Durch das Wegfallen der lästigen EU-Regulierung könne London noch offensiver um Investoren werben.
  • Bleibt das britische Pfund so niedrig, könnte der Währungsvorteil zu mehr Tourismus und mehr Export führen. Das wird aber auch stark von Importzöllen der Handelspartner abhängen.

 

Brexit – Nachteile für die Briten

  • Schottland, Nordirland und London (Hauptstadt von England) haben gegen den Brexit gestimmt. Der Grund hierfür ist vor allem der, dass Schottland, Nordirland und Wales von den Unterstützungen der Europäischen Union mehr profitierten als England. Als Beispiel kann man hier den Strukturförderfonds der EU nennen. Dieser sollte 2014 bis 2020 fast zwei Milliarden Euro an Wales, 500 Millionen Euro an Nordirland und mehr als 900 Millionen an Schottland zahlen.
    So haben die Schotten schon vor der Abstimmung ein Referendum über die schottische Unabhängigkeit, im Falle eines Brexit, angekündigt. Länder wie Schottland, Nordirland und Wales könnten jetzt nach und nach ihre Unabhängigkeit fordern, sodass England mit der Entscheidung für den Breixt ganz alleine dasteht.
  • Auch eine Unabhängigkeit bzw. Abspaltung der Hauptstadt (London) wird von vielen diskutiert. London gilt als die Finanzmetropole in Europa. Der Finanzsektor macht derzeit acht bis zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung in Großbritannien aus. Damit hat Großbritannien den größten Anteil an der Finanzdienstleistung in der ganzen EU. Bis zu dem Referendum haben sich viele Banken und Finanzdienstleister in London niedergelassen, um sich durch das „Passport Right“ einen Zugang zur gesamten EU zu verschaffen. Durch einen Austritt aus der EU könnte dieser Sektor fast komplett wegbrechen. Es ist damit zu rechnen, dass viele Unternehmen ihre Filialen auf die anderen EU-Länder aufteilen. US-Großbanken wie Goldman Sachs oder JP Morgan haben schon früh davor gewarnt. Einer Studie der Beratungsfirma Capital Economics nach könnte der Verlust jährlich rund 10 Milliarden Pfund betragen. Begründet wird dieser Verlust laut Capital Economics dadurch, dass alleine durch das „Passport Right“ der Export von britischen Finanzdienstleistungen um bis zu 50 Prozent einbrechen könnte. Zur Vermeidung des Abwanderns zahlreicher Finanzdienstleister könnte London die Unabhängigkeit fordern. (Auch wenn diese Szenario eher unrealistisch scheint, soll es der Vollständigkeit halber erwähnt werden.)
  • Eine weitere Schwierigkeit könnte das Rekrutieren von Personal aus dem Europäischen Ausland sein, wenn es zu einem Wegfall der Freizügigkeit für EU-Arbeitnehmer kommt. Sowohl für Banken, Hedgefonds, Versicherungen als auch für viele andere Branchen könnte das ein zusätzlicher Wettbewerbsnachteil sein.
  • Viele Unternehmen und Politiker in Großbritannien fürchten aber nicht nur die finanzielle Einbußen, sondern auch einen Machtverlust auf internationaler Ebene. Vor allem Wales, Nordirland und Schottland könnte das in ihren Politikfeldern und Kompetenzgebieten, wie beispielsweise der Landwirtschaft und Umwelt, hart treffen.
  • Ein großer Vorteil der EU-Mitgliedschaft ist, allen voran der freie Zugang zum EU-Binnenmarkt. Diesen müssten die Briten spätestens zwei Jahre nach dem EU-Austritt verlassen. In Gesprächen mit der EU wäre es natürlich möglich diesen Zugang zu behalten. Experten meinen aber, dass die EU-Kommission es den Briten sehr schwer machen wird. Hier gilt es von Seiten der EU ein Ausrufezeichen zu setzen, um andere Länder abzuschrecken.

Brexit – Vorteile und Chancen für Deutschland

  • Der Brexit kann für Deutschland eine wirklich große Chance darstellen. Viele Finanzdienstleister, die London verlassen, brauchen eine neue Niederlassung, um in Europa wie gewohnt agieren zu können. Deutschland gilt schon jetzt als wirtschaftlich stark und als eines der krisenfestesten Länder Europas. Zum anderen haben wir mit Frankfurt (Zuhause der EZB) das Herz der Europäischen Finanzindustrie im eigenen Land. Eine clevere Regierung könnte schon jetzt dafür sorgen, dass sich viele Unternehmen am Main oder im aufstrebenden Berlin an der Spree niederlassen.
  • Die geschwächte Position der Briten könnte dazu führen, dass die USA nach einem neuen Partner in Europa sucht. Bisher sind die Briten der wichtigste Verbündete der USA. Obama selbst warnte Großbritannien und sagte, dass die Briten als EU-Mitglied mehr beitragen könnte. Als zukünftiger Premium-Partner könnte Berlin seine Stellung in Europa und auch außerhalb Europas stärken.

 

Brexit – Nachteile für Deutschland

  • Durch den Austritt werden sich die Gewichte innerhalb der EU verschieben. Das könnte vor allem für Deutschland unangenehm werden. Bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen waren die marktliberalen Briten oft ein Verbündeter Deutschlands. So könnten sich die Franzosen mit ihren ganzen Regulierungen den Weg zu einer Transferunion mit Finanzausgleich und Eurobonds bahnen.
  • Der drittgrößte Handelspartner Deutschlands ist nach den USA und Frankreich, Großbritannien. Rund 2.500 deutsche Unternehmen haben auf der Insel eine Niederlassung und beschäftigen dort ca. 370.000 Menschen. Das sind etwas mehr als ein Prozent aller Beschäftigten in Großbritannien. Auch 3.000 Unternehmen aus Großbritannien sind in Deutschland aktiv und beschäftigen viele tausende Menschen hier im Lande.
  • Der Chef des Ifo-Instituts, Clemens Fuest warnte sogar mit den Aussagen: “Deutschland wäre wahrscheinlich der größte Verlierer eines Brexit, abgesehen von Großbritannien selbst” und “Ein Austritt trifft die gesamte deutsche Industrie.”
  • Sollte es zu dem Szenario kommen, dass viele Unternehmen aus London nach Deutschland abwandern, steigen die Immobilienpreise in den Metropolen noch drastischer. Gleiches gilt für die Mieten. Der bezahlbare Wohnraum würde sich weiter verringern. Das könnte ein weiteres Auseinanderdriften der gesellschaftlichen Schichten in Deutschland nach sich ziehen.

 

Brexit – Vorteile für Europa

  • Dadurch, dass die Briten immer eine Sonderrolle für sich beanspruchten, sehen einige Experten den Austritt als eine Chance für Europa. Es könnte ein homogeneres Europa entstehen, das enger zusammenrück und noch mehr für einander da ist.
  • Der Brexit könnte also der Anstoß werden, um festgefahrene Strukturen in Europa zu lockern und eine Restrukturierung der Staatengemeinschaft vorzunehmen. Dadurch könnten unter anderem die Verschlankung der Bürokratie und eine einheitlichere Fiskalpolitik, sowie Steuerpolitik ermöglicht werden. Der Zugewinn an Steuereinnahmen würde den Einzelstaaten sowie der Gemeinschaft neue Möglichkeiten bei Investitionen für die Zukunft bieten.
  • Auch die Entscheidungsfindung innerhalb der EU könnte schneller von statten gehen, da es oft die Briten waren, die einen Fuß auf der Bremse hatten und Prozesse ausgebremst haben.

 

Brexit – Nachteile für Europa

  • Die größte Gefahr für die EU ist, dass andere Länder es den Briten nachmachen könnten. Das würde dazu führen, dass der Traum der vereinigten Staaten von Europa gescheitert wäre. Vor allem der Frexit (Frankreich), angeführt von Marine Le Pen (Vorsitzende der rechtsextremen Front National) und der Nexit, der Austritt der Niederlande, sind aktuell heiß diskutiert.
  • Eine weitere große Gefahr besteht in der eventuellen Verringerung der Liquidität an den Finanzmärkten. Das könnte weitreichende Folgen haben.
  • Vor allem kulturell, wirtschaftlich und militärisch gehört Großbritannien zu dem einflussreichsten Nationen der Welt. Der Austritt führt somit zu einem kleineren und schwächeren Europa. Gegenüber den USA, China und den aufstrebenden Mächten wie Brasilien und Indien hat die EU in Zukunft ein noch geringeres Mitspracherecht, wenn es um außenpolitische Entscheidungen geht.
  • Ein ganz großer Verlier des Brexit muss hier noch erwähnt werden: Irland verfügt über sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zu ihrem Nachbarn. Laut Schätzungen könnte der Brexit den Handel um 20 Prozent oder mehr einbrechen lassen. Zudem könnten die Importe für Irland deutlich teurer werden. Auch Grenzkontrollen und das erneute Aufflammen der Unruhen zwischen Nordirland und Irland sind denkbar.
  • Die Einlage Großbritanniens fehlt dem Haushalt der EU. Es muss zeitnah geklärt werden, wie diese Finanzierungslücke geschlossen werden kann. Der wirkliche Finanzierungsrahmen der EU muss bestimmt werden, um so Engpässe zu vermeiden.
  • Es ist denkbar, dass Regierungen beim Blick auf die Welt wieder einen egoistischeren Blickwinkel einnehmen. Der Sinn für die Gemeinschaft wird (kurzfristig) vergessen, um so die Anti-EU-Stimmung für eigene politische Interessen zu nutzen. Diese Entscheidungen können sehr weitreichende Folgen haben und so das Leben der zukünftigen Generation verändern. Wenn der Ursprungsgedanke der EU nicht mehr im Vordergrund steht, kann der europäische Kontinent langfristigen Schaden nehmen und an Stabilität verlieren. Die Geschichte hat zahlreiche Beispiele dafür parat.

Das Konstrukt EU wird immer wieder in Frage gestellt. Zudem treten die Briten zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt aus. Euro-, Griechenland-, Flüchtlingskrise und jetzt auch noch der Brexit. Sowohl die Unterschiede zwischen Nord- und Süd- als auch die zwischen West- und Osteuropa sind oft nur schwer zu überwinden. Da stellt sich echt die Frage, ob der Brexit zu diesem Zeitpunkt eine clevere Idee war und ob das System die nächsten 30 Jahre übersteht.

 

Könntet ihr euch einen Dexit (Deutschland + Exit) vorstellen? Wie würdet ihr/würde Deutschland wohl abstimmen?

Wie seid ihr im Bezug auf das Pfund und FTSE 1000 positioniert?

by Jul 13, 2016 4 Kommentare
Warum und wofür benötigt der Markt Optionen

Warum und wofür benötigt der Markt Optionen

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Warum und wofür benötigt der Markt Optionen

Es gibt unzählig viele Arten von Finanzprodukten: Anleihen, Aktien, CMOS (Collateralized Mortgage Obligations), Vorzugsaktien, REITs (Real Estate Investment Trusts), Investmentfonds, geschlossene Fonds, ETFs (Exchange Traded Funds), UITS (Unit Investment Trusts), CFDs und tausende von Versicherungen, um nur ein paar aufzuzählen. Da kommt die berechtigte Frage auf – Warum sollte man sich jetzt auch noch mit Optionen auseinandersetzten? Um diese Frage einfacher und hoffentlich auch verständlicher zu beantworten, möchte ich vorher kurz die Bedeutung von Aktien und Autoversicherungen erläutern.

Warum geht ein Unternehmen an die Börse (der Aktienmarkt)?

Mit einem Börsengang (Initial Public Offering – IPO) erlangt das Unternehmen den Zugang zum Kapitalmarkt. Das heißt, wenn ein Unternehmen an die Börse geht, dann verkauft dieses einen Teil des Unternehmens in Form von Aktien zu dem sogenannten Emissionskurs. Im Gegenzug haben die Aktionäre ein Mitspracherecht und können von der positiven Entwicklung des Unternehmens profitieren.

Das Geld, das das Unternehmen durch den Verkauf der Aktien zu dem Emissionskurs erzielt, steht dem Unternehmen zum Wirtschaften zur Verfügung und muss auch nicht wieder zurückgezahlt werden. Zudem kann das Unternehmen auch später weitere Aktien am Markt platzieren, um somit frisches Kapital zu beschaffen. Hierzu zwei kleine Beispiele:

Beispiel 1: Bei ihrem Börsengang im November 1996 erzielte die Deutsche Telekom umgerechnet 13,0 Mrd. US-Dollar, dieser gilt bis heute als der größte Börsengang in der Geschichte der deutschen Bundesrepublik. Auch wenn dieser Börsengang im Nachhinein für viel Unmut sorgte, hatte das Unternehmen in kürzester Zeit 13 Mrd. USD von Investoren eingesammelt und konnte somit weiter investieren und wachen.

Beispiel 2: Am 19. September 2014 gab das chinesische Unternehmen Alibaba sein Börsendebüt an der New Yorker Börse und konnte durch den Börsengang, Aktien im Wert von 25 Mrd. USD verkaufen. Dieser Börsengang gilt bis heute als der größte weltweit und auch hier führte der Börsengang dazu, dass das Unternehmen große Summen einsammeln, konnte um das Wachstum weiter voranzutreiben.

Ich hoffe, dass diese Beispiele gezeigt haben, warum ein Börsengang und die Existenz des Aktienmarktes so wichtig für Unternehmen sind – denn Börsen lösen die Probleme der Kapitalbeschaffung für Unternehmen.

Wer trägt jetzt aber das ganze Risiko?

Privatanleger kaufen oft Aktien und lassen sie liegen – getreu dem Motto: ab und an gibt es eine Dividende und es gibt Zeiten, in denen der Aktienkurs steigt und Zeiten, in den der Aktienkurs fällt. Wenn Sie Aktien kaufen, sind sie bereit ein Risiko einzugehen und wenn der Markt ein paar Jahre lang fällt, dann verdient man halt nichts an Ihrem Investment.

Eine solche Einstellung findet man bei einem professionellen Anleger nicht! Bevor ein Banker investiert, wird er das Risiko prüfen und wissen, wie die Position zu jedem Zeitpunkt abgesichert werden kann, um das Risiko möglichst gering zu halten.

Ja, Sie haben richtig gelesen: „absichern“. Investoren sind bereit eine Prämie zu bezahlen, um ihre Aktienpositionen in unsicheren Zeiten zu versichern.

Autoversicherung vs. Option

Sie zahlen einmal im Jahr eine Gebühr (Prämie) an ein Versicherungsunternehmen, damit dieses Ihr Auto versichert und im Falle eines Falles für den Schaden aufkommt. Nur weil Sie diese Versicherung haben und jedes Jahr dafür bezahlen, hoffen Sie natürlich trotzdem nicht auf einen Unfall. Dennoch fühlen Sie sich sicherer weil Sie wissen, dass Sie im Schadensfall Sie nicht alleine dastehen.

Noch deutlicher wird es, wenn Sie sich im Urlaub in einem ärmeren Land ein Auto mieten und Sie wissen hier werden Autos geklaut, beworfen, zerkratzt und in den Schlaglöchern könnten Sie nach einem regnerischeren Tag baden. Wäre es Ihnen möglich, sich in einem solchen Land ein Auto auszuleihen, beruhigt durch die Gegend zu fahren und die Zeit vor Ort dennoch zu genießen? Wahrscheinlich nicht, denn Sie wären die ganze Zeit so angespannt und würden sich um das Auto Gedanken machen. Daher gibt es Versicherungen!!! Damit sind Sie auch auf einer Safari in Afrika nicht durchgehend den Leihwaagen im Hinterkopf haben… auch nicht als Deutscher. 🙂

Also zusammenfassend kann man sagen, dass Versicherungen das Problem des Risikos lösen, sodass auch Ottonormalverbraucher sich beispielsweise eine Operation leisten können.

 

Optionen – die Versicherungen der Profis?!

Mit dem Kauf einer Aktie erlangen Sie einen Anteil eines Unternehmens und können mit diesem Kauf hohe Gewinne erzielen. Eine solche Investition beinhaltet aber auch immer ein Risiko.

Schauen wir uns beispielsweise wieder die Telekom Aktie an. Das ehemalige Staatsunternehmen hat bei dem ersten Börsengang im November 1996 die Aktie für umgerechnet 14,57 EUR herausgegeben. Bei einer Kapitalerhöhung im Juni 1999 kosteten die Aktien dann schon 39,90 EUR und ein Jahr später, als die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) 200 Millionen Aktien verkaufte, bekam der Bund dafür 66,50 EUR je Aktie. Um diese Aktie gab es in Deutschland eine solche Euphorie, dass die Aktie auf ihrem Allzeithoch bei über 100 EUR notierte, bevor sie in nicht einmal 2 Jahren bis auf 8,42 EUR fiel. Die Gründe hierfür sind zahlreich und sollen hier nicht weiter beleuchtet werden. Das Beispiel zeigt aber deutlich, dass die Börse keine Einbahnstraße ist.

An den Börsen kommt es alle paar Jahre zu einem Bärenmarkt, bei dem auch gut geführte und erfolgreiche Unternehmen mit Kurseinbrüchen zu kämpfen haben. Das Problem des unberechenbaren Risikos kann mithilfe von Optionen gelöst werden. Optionen erlauben uns mit Hilfe eines Risikomanagements unsere Aktienposition zu einem kontrollierbaren Risiko zu halten.

Am Optionsmarkt wird Risiko entweder akzeptiert oder transferiert

Warum jemand das Risiko des Aktieninhabers übernehmen sollte, scheint auf den ersten Blick schwer zu verstehen. Hier sind wir jetzt wieder bei unserer Autoversicherung. Solange die Prämie hochgenug ist, wird sich immer jemand finden, der das Risiko gerne trägt.

Wie auf vielen anderen Märkten auch, wollen einige Marktteilnehmer ihr Risiko weitergeben. Andere hingegen halten suche genau nach diesen Risiken, um für die Übernahme Prämien kassieren zu können. Es ist also immer die Frage, von welcher Seite Sie den Markt betrachten.

Zudem gibt es hier nicht nur „Versicherer“, die nach Risiko Ausschau. Auch sogenannte Spekulanten möchten in nur kürzester Zeit mithilfe von einem hohen Risiko eine hohe Rendite erwirtschaften.

Jetzt denken Sie eventuell, mit Spekulanten möchte ich nichts am Hut haben. Aber auch die sind für den Markt wichtig und haben ihre Aufgaben. So streiten sie sich beispielsweise mit anderen Versicherern am Markt um Ihr Risiko. Sie persönlich müssen durch diesen Wettbewerb weniger für die Versicherung des Risikos bezahlen.

Wenn Sie auch in Zukunft die Informationen und Artikel auf InsideTrading.de verfolgen, werden Sie lernen, dass Sie Optionen selbst schreiben können. In diesem Fall kassieren Sie die Prämie und nicht der anonyme Versicherer. Die Vorgehensweise dazu werde ich Ihnen in einem anderen Artikel aufzeigen. Tragen Sie sich einfach in unseren Newsletter ein, um einmal monatlich ein Update von InsideTrading zu erhalten und keinen Artikel zu verpassen.

Ich hoffe, der Artikel hat die Bedeutung von Optionen für den Markt deutlich gemacht. Optionen lösen das Problem des Risikos auf den Finanzmärkten. Wenn es eine solche Form der Absicherung nicht gäbe, wäre es für viele Unternehmen um einiges Schwieriger an Kapital zu kommen. Es wären vor allem viele professionelle Anleger nicht mehr bereit eine solche Vielzahl von Aktien in ihrem Depot zu halten.

Natürlich habe ich den Grund für die Existenz von Optionen in diesem Artikel sehr stark vereinfacht, denn es gibt unglaublich viele weitere Gründe und Funktionen von Optionen. Es ging mir in diesem Artikel nur darum, Ihnen die Angst vor der Komplexität zu nehmen. In vielen weiteren Artikeln werden wir Ihnen Optionen nach und nach nähre bringen. Für die Ungeduldigen unter Ihnen: Um schon jetzt Optionen in einem Demo-Konto zu handeln, empfehle ich Ihnen einfach ein Konto bei Banx Broker zu eröffnen.

by Jul 06, 2016 Keine Kommentare
Was sind Rollkosten?

Was sind Rollkosten?

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Was sind Rollkosten?

Rollkosten sind keine echten Kosten! Es ist eine Art Preisdifferenz, die sich auf die Partizipation am Basiswert auswirken kann. Nachfolgend beschreibt die Partizipation, die Veränderung der Positionsgröße. Rollkosten können sowohl „Verluste“ als auch „Gewinne“ generieren.

Wie entstehen Rollkosten?

Schuld an den Rollkosten sind Kursdifferenzen, welche die an den Terminbörsen gehandelten Kontrakte zu einem bestimmten Zeitpunkt aufweisen können. Kaufen Sie beispielsweise einen DAX-Future (FDAX), dann hat dieser eine begrenzte Laufzeit (Verfallstermin bzw. Liefertermin). Der Verfallstermin ist immer der dritte Freitag des Liefermonats. Liefermonate sind der März, Juni, September und Dezember. Sollte der Freitag auf einen Feiertag fallen, so verfallen die Kontrakte schon am Donnerstag. Da an diesen Tagen auch weitere Finanzprodukte auslaufen, wird dieser Verfallstag auch oft als Hexensabbat bezeichnet.

Was passiert an einem solchen Verfallstermin und warum entstehen Rollkosten?

Die Rollkosten entstehen bei dem Übergang zwischen dem alten Future und dem neuen Future. Im Falle unseres Beispiels: Läuft unser DAX-Future (Future vs CFD) am dritten Freitag im März aus, können wir unsere Position in den neuen Future rollen. Die Preisdifferenz zwischen dem fairen Preis des neuen und alten Future werden als Rollkosten bezeichnet. Für unsere DAX-Future Position am Terminmarkt kann dieser Ersetzungsvorgang eine Auswirkung auf die erforderliche Margin (Geldmenge) haben. Denn es ist möglich, dass wir für dieselbe Partizipation eine geringere oder höhere Geldmenge benötigen. Die wirklichen Rollkosten sind also die Kommission, die zu entrichten ist, um die Future Position in dem selben Umfang aufrecht zu erhalten.

Contago – der nachfolgende Future ist teurer

Ist der Preis des nachfolgenden Futures teurer als der, in dem wir bisher investiert waren, so können wir uns – sollten mehr Sicherheiten verlangt werden – nur noch eine geringere Anzahl an Kontrakten von dem Geld kaufen. Investieren wir also dieselbe Geldmenge, so hat sich sowohl unsere Anzahl an Futures als auch unsere Partizipation verringert. Diese Situation wird als Contango bezeichnet.

Backwardation – der nachfolgende Future ist günstiger

Ist die Notierung des nächsten Future günstiger, dann kommt es zu einer umgekehrten Situation. Wir können uns je nach Margin Anforderungen nun mit dem Einsatz derselben Geldmenge mehr Future-Kontrakte kaufen. Die Partizipation am Basiswert ist also höher. Dieser Zustand wird als Backwardation bezeichnet.

Warum entstehen Rollkosten und wann kommt es dazu?

Rollkosten entstehen also, wenn durch Angebot und Nachfrage der Preis des Futures nicht seinem theoretischen Wert entspricht. Das heißt, wir bezahlen zu viel oder zu wenig für den neuen Future. Einen Rollgewinn generieren wir, wenn der Preis des neuen Futurs „zu niedrig“ ist. Handelt ein Future hingegen „zu hoch“, entstehen Rollverluste. Weitere Verluste können entstehen, wenn der Bid-Ask-Spread im neuen Future aufgrund von geringerer Liquidität sehr groß ist.

Rollkosten bei CFDs

Viele kennen CFDs nur als Kontrakte ohne Laufzeit und Verfallstermin (Endloskontrakte). Aber auch hier gibt es Ausnahmen, denn einige Contracts for Difference werden auf dem Future abgebildet. Dazu zählen des Öfteren Öl (WTI und Brent), Gold, Silber und der Bund-Future. Basiert ein CFD auf einem Future, so muss der CFD-Broker seine Kunden vor dem Auslaufen der Kontrakte informieren und anschließend die Kontrakte der Kunden vor der Fälligkeit umschichten. Das heißt beispielsweise die Positionen im März-Future schließen und gleichzeitig im Juni-Future eröffnen. Dieses veranlasst der Broker in der Regel schon ein paar Tage vor dem Auslaufen des Kontrakts. Bei diesem Rollvorgang kann es zu einem Preisunterschied im Basiswert kommen. Kontrakte mit einem weiter in der Zukunft liegenden Verfallstermin werden meistens zu einem höheren Preis gehandelt, als früher fällige Kontrakte. Dadurch erfolgt das Eröffnen der neuen Positionen zu einem höheren Preis als das Schließen der alten Positionen. Diese positive Preisdifferenz erfordert eine höhere Margin für das weitere Halten der Position. Zusätzlich kann es zu einem Stop Out kommen, falls sich bei dem höheren Basiswert ein Stopp Loss befand oder die Margin-Anforderungen auf dem Trading-Konto nicht ausreichten.

Der Rollover bei einem Knock Out:

Um die Rollkosten zu vergüten, werden die erwarteten Kosten, die pro Jahr für die Darstellung des Produktes anfallen, in den Preis des Produktes eingerechnet. Zum Zeitpunkt eines Ersetzungsereignisses wird die Differenz der Future Preise auf die Basis des Knock-Out-Produktes aufgeschlagen, beziehungsweise im Falle einer Backwardation Situation abgeschlagen. Der Zeitpunkt, zu dem der Future in dem Produkt ersetzt wird, ist in den Produkt-Prospekten festgelegt. Durch diesen Prozess erfolgt der Rollvorgang bei den Produkten neutral hinsichtlich des Gewinnes oder Verlustes in einer Position.

Grundsätzlich gilt, was auch immer für ein Produkt Sie handeln, sollten Sie sich mit den Eigenarten des Rollens bzw. Ersetzungsvorgänge beschäftigen. So erlebt man im Zweifelsfall kein „böses Erwachen“ , wenn es zu einem Ersetzungsereignis kommt.

by Jun 29, 2016 Keine Kommentare
Dax Handeln – Kann man den Dax kaufen?

Dax Handeln – Kann man den Dax kaufen?

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Dax Handeln – Kann man den Dax kaufen?

Immer wieder liest man Dinge wie: „Habe gerade den DAX gekauft“ oder „morgen überlege ich den DAX einzukaufen“. Anfänger wundern sich meist, googlen und finden nichts. Kann man den DAX kaufen? Fortgeschrittene formulieren ihre Aktion oftmals zu knapp und für Anfänger verwirrend, worüber Profis meist lachen können.

Doch fragt man in Foren nach, so werden bei der Beantwortung dieser Frage viele verschiedene Begriffe durcheinander geworfen. Die meisten wollen helfen – was an sich eine lobenswerte Einstellung ist – doch schaffen am Ende durch wahllos in den Raum gestellte Phrasen und Aussagen meist nur mehr Verwirrung beim Anfänger. Für eine befriedigende Beantwortung der Frage „Kann man den DAX kaufen“ reichen ein paar Zeilen einfach nicht aus. Zudem möchte jemand, der eine solche Frage postet eigentlich wissen: „Wie kann ich den Dax kaufen“!

Daher haben wir uns, von InsideTrading.de, vorgenommen, dieses Thema zu sortieren und strukturierte Handlungsanweisungen zu geben. Damit dieser Artikel auch in Zukunft vielen Tradern, Investoren, Händlern, Anfängern und „Dummies“ weiterhilft, bitten wir euch in den Kommentaren alles aufzuzählen, was eurer Meinung nach an Produktkategorien noch fehlt und wie man das ein oder andere noch besser oder einfacher formulieren kann.

Kann man den DAX als Aktie kaufen?

Nein, man kann nicht einfach so Dax-Anteile kaufen! Der Dax ist keine Aktie. Er ist, wie es in einem Forum so schön beschrieben wurde, einfach nur eine Liste der 30 „wichtigsten“ und umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands.

Der Dax, welcher auch oft nicht ganz korrekt als DAX30, GER30, DB DAX oder L&S DAX bezeichnet wird, ist ein Index (mehr zu den verschiedenen DAX-Bezeichnungen und Indikationen). Das Wort Index kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet eine Art Verzeichnis. Viele Länder haben einen oder mehrere Indizes (die Mehrzahl von Index), welche die Entwicklung eines bestimmten Marktes, einer Brache oder eines Bereiches an der Börse widerspiegeln. In Deutschland gibt es beispielsweise den DAX, der bezogen auf die Marktkapitalisierung, den Streubesitz und Börsenumsatz die 30 größten deutschen Unternehmen zusammengefasst, den MDAX (Mid-Cap-DAX, beinhaltet die 50 nächstgrößten Unternehmen), den SDAX (Small-Cap-DAX, die 50 Unternehmen, die hinsichtlich Umsatz und Marktkapitalisierung den MDAX- Unternehmen folgen), den TecDax und viele weitere.

Ein Index wird immer in Punkten angeben, die keinen direkten Bezug auf eine Währung haben. Steht oder notiert der Dax beispielsweise bei 9.000 Punkten, dann sind das keine 9.000 EUR, sondern es sind und bleiben 9.000 Punkte (hierzu mehr im Verlauf des Artikels unter der Überschrift DA Day-Trading).

Lesen Sie am Ende des Tages, dass einer der Indizes gestiegen ist, heißt das somit einfach nur, dass die in ihm gelisteten Unternehmen oder zumindest ein großer Teil, an der Börse im Wert gestiegen sind (der Aktienpreis ist gestiegen). Der Leitindex eines Landes ist der Index mit den größten und wichtigsten Unternehmen des Landes. Die Unternehmen unterschiedlichster Formen sollen ein Abbild der wirtschaftlichen Performance des Landes geben. So wird ein Leitindex, wie der DAX, meist als eine Art Indikator für die wirtschaftliche Situation des Landes gesehen. Ein oberflächlicher Vergleich von Index zu Land ist dadurch möglich.

Wer mehr über die Zusammensetzung, Berechnung und Geschichte des deutschen Aktienindex erfahren möchte, kann das in dem Artikel nachlesen: Dax 30 – Leitindex des deutschen Aktienmarktes.

Als Einsteiger ist Ihnen aus den Nachrichten wahrscheinlich nur der Xetra DAX bekannt und noch immer fragen Sie sich – Wie kann man auf den Dax setzen oder in den Dax investieren?

 

Den Dax mit Aktien nachbilden

Ein praktisch veranlagter Einsteiger wird sich jetzt fragen: Kann man nicht einfach alle Dax-Aktien auf einmal kaufen? Rein theoretisch ist das möglich. Man könnte sich von jedem Unternehmen Aktien besorgen. Hierbei besteht jedoch das Problem, dass Indizes mit einer Gewichtung arbeiten. Einige Unternehmen haben mehr Einfluss (meist die Unternehmen mit der größten Marktkapitalisierung) wodurch man sein Portfolio immer wieder der Gewichtung des Index anpassen müsste. Dies wäre, auf Grund der Gebühren, ein teurer Spaß.

In den Dax investieren, ihn handeln oder kaufen

Es ist gar nicht so einfach den Dax (Dachs) einzufangen (sorry, aber das wollte ich unbedingt einbauenJ). Die Banken, Broker, Finanzdienstleister und Wetthäuser haben jedoch erkannt, dass es eine große Nachfrage von Seiten der Anleger gibt Indizes zu handeln. So wurden zahlreiche Finanzprodukte entwickelt, welche Indizes nachbilden bzw. eine Illusion des jeweiligen Index darstellen. Anleger, Investoren, Trader und Spekulanten können dadurch eine Art Abbildung des Dax kaufen und somit sowohl von einem steigenden als auch fallenden deutschen Leitindex profitieren.

Bevor wir nun jedoch direkt in den technischen Part einsteigen, wie man den DAX handeln kann, wollen wir Ihnen ein paar Tipps diesbezüglich mit auf den Weg geben. Es ist unglaublich wichtig, sich als Trader seines Investments bewusst zu sein und dieses vorzubereiten. Dazu gehört das Definieren von Ziel, Zeitraum, Summe und anderen Aspekten.

Möchten Sie beispielsweise einmalig ein paar hundert oder tausend Euro investieren und das Geld dort für einen längeren Zeitraum liegen lassen? Wollen Sie jeden Monat ein paar Euro in einen Dax-Sparplan investieren? Wollen Sie ein Trader werden und von kurzfristigen Bewegungen (fallend und steigend) profitieren oder haben Sie die Absicht aus Spaß an der Freude kurzfristige „Wetten“ zu platzieren?

Die nachfolgenden Aufzählungen sind nicht vollständig. Da es unglaublich viele verschiedene Finanzprodukte gibt, würde es den Rahmen sprengen diese zu erklären und vor allem Einsteiger unnötig verwirren. Auch die vier von mir festgelegten Kategorien werden eventuell auf einer anderen Seite andere Namen erhalten und zudem gibt es bestimmt auch Fortgeschrittene, die sich durch die Klassifizierung auf den Schlips getreten fühlen. Bedenken Sie daher immer, dass wir Anfängern eine Anleitung an die Hand geben wollen, damit sie nicht bei dem falschen Broker landen und ihr hart erarbeitetes Geld verlieren.

 

Der Investor – langfristiger Anlagehorizont

Der Investor kauft ein Finanzprodukt in der Regel, weil er an den Wert des Produktes glaubt und zudem möchte er dieses Finanzprodukt auch für einen längeren Zeitraum in seinem Depot halten. Die einfachste und meiner Meinung nach auch beste Möglichkeit, um als Investor den Dax zukaufen, sieht wie folgt aus:

  1. Ein Depot bei einer Online Bank wie zum Beispiel der Comdirect eröffnen.
  2. Einen ETF (Exchange Trades Funds), der den Dax abbildet, auswählen. ETFs sind passiv gemanagte Fonds mit jährlichen sehr geringen Kosten. Auch bei der Auswahl des Produkts kann die Bank weiterhelfen.
  3. Kaufen Sie diesen Fond in einem Demokonto bei der Online Bank und verkaufen Sie diesen nach ein paar Tagen wieder. Wichtig, es sollte zu diesem Zeitpunkt zu einer Kurs- bzw. Preisveränderung gekommen sein. Alles, was Sie während des Prozesses nicht verstanden haben, fragen Sie telefonisch direkt bei der Bank nach. Durch den Kauf und Verkauf sollten Sie ein Gefühl für Kosten bekommen und in der Lage sein, einen angemessenen Betrag für sich zu definieren.
  4. Jetzt sollten Sie zur Umsetzung bereit sein und das Grundkonzept verstanden haben. Bedenken Sie aber dennoch, dass die Börse keine Einbahnstraße ist und es nicht schaden kann, zu dem Thema noch ein paar weitere Artikel zu lesen.

Entstehende Kosten: jährliche Verwaltungsgebühren, einmalige Kaufs- und Verkaufsgebühren

 

Der Dax-Sparer – Einen Dax Sparplan einrichten

Für die, die keinen Einmalbetrag in den Dax investieren wollen, sondern jeden Monat ein paar Euro investieren möchten, ist ein ETF-Sparplan genau das Richtige. Die Vorteile hier sind, dass oft keine Transaktionsgebühren für den Kauf anfallen und man 100% investieren kann, ohne das ein Rest entsteht. Kostet ein ETFbeispielsweise 80,00EUR und Sie sparen jeden Monat 100EUR, dann erhalten Sie für Ihre 100EUR, 1,25 ETF-Anteile. Die Handlungsanweisung ähnelt hier schon sehr der des Investors.

Jedoch sollten Sie einen Sparplan für mindestens 2 Monate in einem Demokonto testen und auch dann wieder das Gespräch mit der Bank suchen. Gerade bei der Comdirect ist vieles aber auch selbsterklärend.

Entstehende Kosten: jährliche Verwaltungsgebühren, viele Banken bieten einige ETFs gebührenfrei an, sodass für den monatlichen Kauf keine Kosten entstehen.
Tipp: Für alle die an einem Sparplan interessiert sind, für die bieten wir in unserem Newsletter einen speziellen Service an der auf dem Artikel Cost Average 3.0 basiert.

 

Der Trader – von kurzfristigen Bewegungen profitieren

Der Trader versucht von kurz- oder mittelfristigen Bewegungen in einem Markt zu profitieren. Hierfür werden oft professionelle Handelsplattformen verwendet, wie zum Beispiel die TraderWorkStation, der AgenaTrader oder auch der MetaTrader. Zudem werden beim Traden des Öfteren große Hebel eingesetzt.

Die beiden Begriffe, die in Foren in diesem Zusammenhang immer wieder auftauchen, sind Futures und CFDs. Es gibt auch viele weitere Produkte. Zum Beispiel Optionen oder Optionsscheine, um zwei zu nennen. Wir wollen uns jedoch erst einmal auf Futures und CFDs konzentrieren.

Wenn ein Trader den Dax-Future (FDax) handelt, dann handelt er an der sogenannten Terminbörse. Eine Kursveränderung von einem Dax-Punkt führt im F-Dax zu einem Gewinn oder auch Verlust von 25EUR. Das heißt, sollte der Markt mal 50, 100 oder auch 200 Punkte gegen Sie laufen, dann kann das schnell zu großen Verlusten führen (Es gibt nicht nur den Dax-Future sondern noch viele weitere und um korrekt zu sein, einige Broker bieten auch schon den Mini FDax mit einem Punktwert von 5 EUR an.)

Eine Alternative zum F-Dax ist der CFD-Markt (Contract For Difference). Der Unterschied hier ist, dass der CFD-Broker oft als MarketMaker auftritt und der Broker Ihre Position nicht an den Markt weitergibt. In diesem Fall betreibt der Broker ein Bookmatching und stellt somit auch die Liquidität. Das muss aber nichts Schlechtes sein. Der große Vorteil ist hier, dass eine 1-Punkt-Veränderung im Dax nur 1 EUR oder sogar noch weniger kostet und nicht gleich 25 EUR. Mehr zu den Unterschieden zwischen CFDs und Futures erfahren Sie hier.

Intensivieren Sie Ihre Erfahrung und vor Allem Ihr Wissen bezüglich der Finanzprodukte bevor Sie Ihr privates Geld voreilig riskieren.

Ein Broker, mit dem wir gute Erfahrungen gemacht haben, ist Banx Broker. Bei diesem Broker haben Sie die Möglichkeit sowohl den FDax als auch CFDs zu handeln und Sie können alles kostenfrei in einem Demokonto testen.

  

Der Zocker: Wetten platzieren

Wer den Handel an der Börse aus Spaß an der Freude betreiben möchte und auf die Entwicklung des Dax wie bei einer Sportwette setzten möchte, für den ist der neuste Trend „binäre Optionen“ eventuell genau das Richtige. Da das unserer Meinung nach aber nichts mit dem Investieren von Geldern zu tun hat, möchten wir hierzu nicht mehr sagen und auch keinen Anbieter verlinken. Bitte beachten Sie jedoch, dass binäre Optionen sehr riskant sind.

Wir hoffen Sie der Welt des Handelns von Indizes näher geführt haben zu können. Nun wissen Sie, was sich hinter der Phrase „Ich habe den DAX gekauft“ verstecken kann. Bei Fragen und Anregungen können Sie gern die Kommentar-Funktion nutzen. Wir beantworten jede Frage und helfen gern.

by Jun 24, 2016 Keine Kommentare
3 Methoden der Risikobegrenzung

3 Methoden der Risikobegrenzung

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3 Methoden der Risikobegrenzung

Methoden der Risikobegrenzung: Risiken sind ein schwer greifbares und dennoch beim Traden und Investieren allgegenwärtiges Thema. Welche Möglichkeiten gibt es dennoch sich vor diesen Risiken zu schützen und trotz all der Maßnahmen weiterhin die Chance auf Gewinne zu wahren?

Das meistbekannte Mittel zur Risikoreduktion ist der Stopp-Loss, eine Order, die die offene Position zum vorher festgelegten Kurs glattstellt.
Dabei bedeutet Glattstellen im Fall eines Kaufs, den Verkauf der Position und im Fall einer Short Position den Rückkauf der leerverkauften Produkte.
Des Weiteren gibt es noch die folgenden Methoden der Risikobegrenzung:

  1. Produktwahl
  2. Hedge durch ein Derivat
  3. Hedge durch das Einnehmen der Gegenposition.

Bei der Produktwahl stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, um das genannte Problem zu beseitigen.
So gibt es CFD Broker, welche einen garantierten Stopp anbieten. Dieser ist zu bedienen wie ein normaler Stopp Loss jedoch mit dem Unterscheid, dass eine Ausführung zum eingegebenen Preis garantiert wird. Für diese Garantie ist eine Prämie zu entrichten.

Eine weitere Möglichkeit wäre das Handeln einer Option auf der Kauf Seite, also entweder das Kaufen einer Call oder Put Option.
Dies ermöglicht das Partizipieren an der darauf folgenden Kursentwicklung. Dabei kann aber die Option nie weniger Wert werden als 0 Cent und somit ist ein Verlust über den geplanten hinaus unmöglich (sofern der Wert der Optionen das geplante Risiko war).
Ähnlich einem garantierten Stopp Loss bestünde noch die Alternative über Knock-Out Produkte in den gewünschten Markt zu investieren.
Beispiele für solche Produkte sind Waves, Turbos oder Mini-Futures. Diese Produkte funktionieren prinzipiell gleich, werden jedoch von unterschiedlichen Banken emittiert und entsprechend benannt (mehr zu Knock Outs).
Diese Produkte gewähren das gehebelte Partizipieren an einem Basiswert. Im Unterschied zu einer Aktie oder einem CFD verfällt jedoch das Produkt beim Unter/- Überschreiten des Basiswertes.
Im Depot fällt der Wert des Produkts nachhaltig auf 0 und wird in Folge von der Depotführenden Bank ausgebucht. Der Hebel ist variabel bis zum Kauf des Produkts, danach ist dieser fest.

Für den Fall, dass die Grundposition nun eine Aktie, Anleihe oder eine Währung sein soll, bei der die genannten Möglichkeiten eben nicht bestehen, so kann man die Risiken eines Kurssprungs trotz allem begrenzen. Dies lässt sich umsetzen, indem zum Beispiel bei einer Kaufposition, eine entsprechende Put Option gekauft wird. Diese versichert nun das Portfolio vor einem Wertverfall der Aktie. Bei der Nutzung einer Option muss jedoch beachtet werden, dass die Wertentwicklung vor Ablauf der Laufzeit nicht linear erfolgt und erst zum Verfallstermin der Wert dem inneren Wert entspricht.
Sollte dieser Effekt nicht gewünscht sein, so können auch die andern bereits erwähnten Produkte verwendet werden, da Turbos und oder CFDs außer vom Preis des Produkts und einer Finanzierungskomponente, die für den Hebel fällig wird, von keinem anderen Faktor abhängen.
Neben Optionen und emittierten Derivaten gibt es auch noch die Möglichkeit große Positionen einen Hedge über Futures zu gewährleisten.

Die dritte zu Beginn genannte Idee ist die einfachste, aber gleichzeitig wohl auch die Problematischste, da eine Gegenposition nicht immer eingenommen werden kann.
Um die Idee aber kurz abzurunden: Wenn eine Kaufposition von 100 Aktien vorliegt, so bestünde die einfachste Möglichkeit risikolos im Markt zu sein die gleiche Anzahl Aktien short zu gehen.
Dies erspart das Glattstellen der Position, da diese zum Beispiel zu einem guten Stop Niveau eingegangen wurde.
Jedoch gibt es eine Vielzahl von Finanzprodukten, bei denen der beschriebene Ansatz aufgrund von Shortselling Restriktionen oder mangelnder Liquidität nicht möglich ist.

Liebe Grüße
InsideTrading

by Mai 31, 2016 Keine Kommentare
Bitcoins – Segen oder Fluch???

Bitcoins – Segen oder Fluch???

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Bitcoins – Segen oder Fluch???

Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich? Handel betreiben Menschen seit zehntausenden Jahren. Hierbei werden Güter und Leistungen getauscht. Die Form des Handels hat sich seit jeher weiterentwickelt. Neben dem Tauschhandel wurden vereinzelt auch Naturalien, wie z.B. Muscheln, als Währung genutzt. Vor rund 4.000 Jahren setzte sich die Münze als Zahlungsmittel durch. Die Banknote tauchte vor 1.000 Jahren zum ersten Mal auf und erst seit etwa 100 Jahren ist unser derzeitiges Zahlungsmittel, Münzen und Banknoten, nicht mehr durch Gold gedeckt und im Wert bestimmt. Immer wieder hat sich die Form des Geldes verändert. Mittlerweile tauchen immer öfter digitale Währungen, wie z.B. der Bitcoin, auf. Wird das die nächste Revolution am Finanzmarkt? Was sind Bitcoins und Blockchains eigentlich?

Umfragen ergeben, dass die meisten Menschen das Wort „Bitcoin“ kennen, aber nicht verstehen. Nach diesem Artikel wirst du bestens informiert sein. Nicht nur Anleger interessieren sich für den Bitcoin und dessen Funktionsweise, die Blockchain, sondern auch Banken. Laut dem Manager Magazin investierten zuletzt 42 internationale Großbanken in die Firma „R3“. Die Banken-Szene wittert ein großes Geschäft, weswegen sich beispielsweise bereits Nasdaq, Visa und die Citygroup unter dem Namen Chain.com engagieren. Digitale Währungen stellen für Banken ein potentielles Geschäft aber auch eine Gefahr dar. Die Bank Santander schätzt das Einsparpotential für Nutzer der Währung auf unglaubliche 20 Milliarden Dollar. Jährlich!

Die aktuelle Situation

Der Bitcoin rüttelt am bestehenden Status quo. Um zu verstehen wie dieser funktioniert, müssen wir auch die aktuell etablierten, monetären Systeme kennen. Eine zentrale Funktion nimmt das Geld ein. Es ist das Tauschmittel unserer Zeit. Arbeit, Existenz, Wohlstand, Freizeit, Freiheit und viele weitere Dinge sind vom Geld abhängig. Doch Geld ist kein Rohstoff, der gefördert wird oder auch kein Produkt, welches von Bauern angebaut werden kann. Geld wird in unserem System durch die Zentralbank generiert und kontrolliert. Durch Eingriffe am Finanzmarkt regulieren Notenbanken die Geldmenge. Das generierte Geld wird durch Banken genutzt, investiert und in Form von Krediten ausgeschüttet. Staaten regulieren die Banken und beeinflussen mit Gesetzen den Umlauf von Geldmengen. Alles dreht sich in unserer heutigen Epoche um Banken. Die milliardenschweren Rettungen von Großbanken in Deutschland und auch anderen Ländern wurde stark kritisiert, waren aber wichtig. Banken sorgen für Liquidität am Markt durch Kreditvergabe, unterstützen Investitionen und sorgen für die sichere Aufbewahrung von Vermögen. Bei Bedarf kümmern sich Banken um eine attraktive Anlage von Vermögen und garantieren den Kunden eine schnelle Verfgbarkeit ihrer Guthaben zu jeder Zeit an jedem Ort. Banken wickeln Überweisungen, Handel, Börsengänge, Transaktionen und zahlreiche weitere Dinge ab. Alles, was mit Geld zu tun hat, hat auch mit Banken zu tun – und heutzutage hat fast alles mit Geld zu tun. Kunden benötigen diese mächtigen Institutionen und müssen ihnen vertrauen. Jeder Nutzer von Geld ist auf Mittler angewiesen; ob Broker, Banken oder andere Finanz-Institute. Man hat nur mit Hilfe von Mittlern Zugriff auf die Märkte.

Was ist Geld?

Geld ist auf Grund seiner Komplexität sehr schwer zu definieren. Es ist die am weitesten entwickelte Form des Handels. Mankiw befand, dass Geld alle werthaltigen Dinge sind, welche zm Kauf und Verkauf von Waren und Leistungen genutzt wurden. Keynes prägte die noch heutzutage meist gültige Sichtweise, dass jedes Eigentum, welches als Tauschmittel akzeptiert wird, „Geld“ genannt werden kann. Jeder tauschbarer Vermögensgegenstand stellt dementsprechend in gewisser Form Geld dar, wenn dieses durch die Gesellschaft als Zahlungsmittel akzeptiert ist.

Wenn ein Vermögensgegenstand ein Transaktionsmittel ist oder werden will, so muss dieser diverse Anforderungen erfüllen. Geld muss eine Recheneinheit sein. Werte müssen sich in Einheiten des Geldes beschreiben lassen und die Recheneinheiten müssen allen bekannt sein. Geld muss ein Tauschmittel sein für den Kauf und Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Geld stellt jedoch ebenfalls ein Wertaufbewahrungsmittel dar. Es kann zu einer zeitlichen Diskrepanz zwischen Erhalt und Ausgabe des Geldes kommen. Beispielsweise wird Arbeitszeit mit Geld bezahlt. Der Wert der Arbeitszeit wird jedoch erst viele Wochen nach Erbringung dieser ausbezahlt und oftmals erst viele Monate später ausgegeben. Geld ist des weiteren nützlich, werthatig, knapp, teilbar, transportfähig, unzerstörbar und homogen.

Neben den soeben definierten Funktionen des Geldes wird zwischen zwei Arten von Geld unterschieden. Auf der einen Seite existiert das Rechengeld (Fiatwährung), welches durch Staaten und Zentralbanken generiert und in Umlauf gebracht wird. Auf der anderen Seite verfügen Waren teilweise jedoch auch über einen eigenen Wert, welcher sich durch Angebot und Nachfrage ergibt. Mit diesen werthaltigen Waren lässt sich ebenfalls handeln. Es nennt sich Warengeld. Rechengeld kann materiell in Form von Münzen und Banknoten angewendet aber auch elektronisch durch Überweisungen genutzt werden. Eine Form dieses virtuellen Geldes ist die kryptografische Währung (Krypto-Währung). Dieses Rechengeld ist, grob gesagt, ein Algorithmus durch welchen Transaktionen generiert werden. Dieses Geld wird nicht druch Banken, Staaten oder Zentralbanken geschaffen, reguliert und verwaltet. Der Bitcoin stellt eine Ausprägung der Krypto-Wärhung dar.

 

Bitcoin

Was ist die Definition des Bitcoin? Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) definiert dies wie folgt: „Bitcoins (BTC) sind eine virtuelle Währung, deren Transaktionen und Guthaben in einem dezentralen Netzwerk verwaltet werden. Durch kryptografische Berechnungen kann prinzipiell jeder Netzwerk-Nutzer an der Geldschöpfung teilnehmen. Eine Zentralbank, die diese Aufgabe bei realen Währungen wahrnimmt, existiert daher nicht. Mit Bitcoins, die es seit 2009 gibt, können inzwischen zahlreiche Waren, Dienstleistungen, IT-Anwendungen oder Freizeitangebote erworben werden. Der private Handel unterliegt keiner Erlaubnispflicht, nur das Betreiben von Marktplätzen, an denen Bitcoins gehandelt werden, unterliegt einer Lizenz, welche von der BaFin auszustellen ist.“

Der Begriff „Bitcoin“ steht einerseits für das Währungs-System Bitcoin andererseits aber auch für eine einzelne Recheneinheit. Ein Bitcoin basiert auf kryptografischen Protokollen. Diese Protkolle sind eine einzigartige kryptografische Signatur, welche nur ein einziges Mal existiert und nicht willkürlich vervielfältigt werden kann. Der Bitcoin kann online zwischen Anbieter und Nachfrager Peer-to-Peer gehandelt werden. Die Transaktion wird im Protkoll erfasst und gespeichert. Mit jeder Transaktion erweitern diese beiden Parteien das Protokoll. Hierdurch kann der Nachfrager nach Bitcoins auch die Echtheit prüfen und ob der Anbieter diesen Bitcoin rechtmäßig besitzt. Es sind keine Banken oder sonstige Dienstleister nötig. Bitcoins können von den Anwendern erstellt, gelagert, verwaltet und verschickt werden. Durch das kryptografische Protokoll, welches einzigartig ist, kann die Echtheit selbstständig überpüft werden. Besitzer benötigen lediglich ein Programm namens „Bitcoin Core“ auf ihrem PC. Mit diesem können sie ihre Bitcoins, welche in der Online-Geldbörse namens „Wallet“ liegen, verwalten, halten und verschicken. Der Besitzer verfügt über das krypotgrafische Protokoll. Kommt es zu einer Transaktion, so können die interagierenden PCs selbstständig die Protokolle lesen, erweitern und auf Echtheit testen. Die digitale Signatur eines Bitcoin wird durch die Blockchain authentifiziert. In dieser befinden sich alle Protokolle in verschlüsselter Form.

Der Bitcoin basiert auf einem mathematischen Algorithmus. Da dieser endlich ist, können maximal 21 Millionen Bitcoins existieren. Derzeit befinden sich rund 12 Millionen Bitcoins im Umlauf mit einem Wert in Höhe von rund 4 Milliarden US-Dollar. Bitcoins kann man auf Websites/Börsen oder an BTC-Geldautomaten erwerben. Bitcoins werden beim sogenannten Mining geschöpft. Hierbei stellen Nutzer Rechenleistung zur Verfügung und erhalten im Gegenzug Bitcoins. Die Rechenleistung wird benötigt, um den Algorithmus zu errechnen.

Der Bitcoin kann als open-source Nutzer zu Nutzer (P2P) Krypto-Währung bezeichnet werden. Die Idee ist, dass keine kontrollierenden Mittler nötig sind und Bitcoins quasi anonym verschickt werden können. Um das Protokoll genauer zu verstehen, muss man wissen, dass es einen öffentlichen und einen privaten Schlüssel gibt. Mit „Schlüssel“ ist das Protkoll bzw. ein Teil des Algorithmus bezeichnet. Jede Transaktion wird im öffentlichen Schlüssel, der Blockchain, gespeichert. Hierdurch ist für jeden ersichtlich, wann der Bitcoin wo war und wem er derzeit gehört. Die Echtheit und das Recht des Besitzers diesen Bitcoin zu besitzen, kann so bestätigt werden. Der Besitzer des Bitcoins verfügt zusätzlich über den privaten Schlüssel. Nur dieser stellt den Wert bzw. die eigentliche Recheneinheit zum Bezahlen dar. Bei einer Transaktion übermittelt die zahlende Partei der erhaltenden Partei den privaten Schlüssel. Die erhaltende Partei bzw. der PC dieses Nachfragers gleicht den privaten Schlüssel daraufhin mit dem öffentlichen Schlüssel in der Blockchain ab. Da jeder Schlüssel, also jedes kyptografische Protkoll, einzigartig ist, kann so die Echtheit festgestellt werden. Der Bitcoin ist dementsprechend diebstahlsicher. Es ist also so, als wäre auf einem Gelschein der aktuelle Besitzer gespeichert. Bezahlt ein Dieb mit diesem Geldschein, kann sofort erkannt werden, dass er nicht der rechtmäßige Besitzer ist. Die vielen Millionen jährlichen Transaktionen kann man nicht auf einen Geldschein schreiben. Bei digitalen Währungen lässt sich dieses Prinzip, die Transaktionen zu erfassen, jedoch umsetzen.

Die Blockchain

Durch das Mining wird die Blockchain bzw. ein öffentlicher und ein privater Schlüssel erstellt. Mining stellt das Suchen eines Rechners nach möglichen Algorithmen dar, welche einzigartig, logisch und nutzbar sind. Der Miner stellt hierfür Rechenleistung zur Verfügung. Während der private Schlüssel als Bitcoin in Umlauf ist, so liegt die Blockchain durchgehend beim Miner. Alle zehn Minuten wird die Blockchain hierbei aktualisiert und mit jeder Transaktion wird ein neuer Block an die Kette (Chain) gehängt. Miner, welche ihre Rechenleistung zur Verfügung stellen, erhalten einen bestimmten Betrag des errechneten Betrages als Transaktionsgebühr. Mit der Zeit müssen immer aufwendigere Algorithmen errechnet werden, um weitere Blockchains und Bitcoins zu schöpfen. Dies wurde bewusst entwickelt. Die Entwickler orientierten sich hierbei am Abbau von Gold. Während ein Rohstoff anfangs einfach gefördert werden kann, steigen mit der Zeit der Aufwand und die Kosten der Förderung. Auch dadurch erhält der Rohstoff einen gewissen Wert. Er ist endlich.

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Die Entwickler

In einer Rundmail der „kryptografischen Mailing-Liste“ auf metzdowd.com aus dem Jahr 2008 definierte Satoshi Nakamoto das Anliegen und den Sinn des Bitcoin. Es ist bis heute ungeklärt, ob es sich bei dem Namen um eine Person oder eine Gruppe handelt. Über die Identität ist so gut wie Nichts bekannt.

„Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.“

Eine Generation früher hatten Nutzer von Time-Sharing-Computersystemen ein ähnliches Problem. Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwortschutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machten. Es ist Zeit, dass wir dasselbe mit Geld machen. Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden.

– Satoshi Nakamoto

Bis 2009 arbeitete Nakamoto mit anderen Entwicklern im Netzwerk zusammen bis er Mitte 2010 den Netzwerkzugangsschlüssel an Gavon Andresen übergab und sich aus dem Projekt zurückzog und seitdem nicht mehr in Erscheinung trat. Gavin Andresen ist der Chef-Wissenschaftler der Bitcoin Foundation und kann mit dem Schlüssel einige Eingriffe in die Währung unternehmen. 2009 schuf Nakamoto zuvor den ersten Genesis Block und begründete damit den Bitcoin. Ein Genesis Block stellt den ersten Block einer Blockchain dar. Er ist immer gleich, quasi die grundlegende Programmierung und ist das Fundament der Blockchain.

Interessant ist, dass Nakamoto im Genesis Block neben der Programmierung folgenden Text hinterließ: „The Times 03/Jan/2009 Chancellor on brink of second bailout for banks“. Er deutete auf einen Artikel in der Times vom 03. Januar 2009 hin. Dies ist als Botschaft zu verstehen. Wahrscheinlich startete Nakamoto als Reaktion auf die Finanzkrise und diesen Artikel sein Projekt den Bitcoin zu entwickeln. Die Roh-Version des Genesis Blocks sieht wie folgt aus (Auszug):

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Der Artikel der New York Times startet wie folgt:

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Die Geschichte um Satoshi Nakamoto mutet wie eine Heldengeschichte aus einem Hollywood-Film an. Eine geheime Gruppe oder Person, welche kurz über einige Jahre auftaucht, deren/dessen Identität aber niemanden bekannt ist. Mit einer Rundmail, einem revolutionären Algorithmus und einer Botschaft im Genesis Block soll die Welt verbessert bzw. die Macht der Banken gebrochen werden. Hat sich Hollywood schon die Rechte daran gesichert?

Potential und Gefahren des Bitcoins

Das Potential des Bitcoins ist umstritten und wird daher auch hitzig diskutiert. Für die einen ist es der Durchbruch im Kampf gegen die unliebsamen aber übermächtigen Banken. Für andere wiederum stellen sich noch zahlreiche Frage inwiefern der Bitcoin eine eigenständige Währung werden könnte.

Sicher ist, dass der Bitcoin als ergänzende Währung durchaus hilfreich ist. Er könnte sich als Arbitragewährung etablieren und die Transaktion von Devisenzahlungen vereinfachen. Anbieter und Nachfrager können hierbei auf Banken als Mittler verzichten. Große Arbitrage-Transaktionen verschlingen meist auch viele Gebühren.

Die Software des Bitcoin lässt sich auch nachträglich verändern, um Fehler zu beheben oder Innovationen einzuführen. Diese Änderung muss jedoch von genügend Nutzern angenommen werden. Was bedeutet genügend? Mehr als 50% der Rechenleistung müssen bei Nutzern liegen, die der Änderung zustimmen. Nun besteht die Gefahr, dass einzelne Akteure selbst mehr als 50% der Rechenleistung auf sich vereinen. Im Juli 2014 überstieg der Mining-Pool GHash beispielsweise kurzzeitig diese Marke. Das Problem besteht darin, dass der Besitzer von mehr als 50% der Rechenleistung bereits bestätigte Blöcke in der Blockchain rückgängig machen kann und durch neue ersetzen kann. Learncyptography.com erklärt, dass eine sogenante 51%-Attack dazu führen kann, dass der Inhaber andere am Übermitteln von Bitcoins oder dem Finden von neuen Blockchains (mining) kurzzeitig hindern kann. Auch könnte er doppelte Transaktionen durchführen. Er kann jedoch keine gefälschten Bitcoins in Umlauf bringen und auch keine Bitcoins von anderen Nutzern klauen. Eine 51% Attack verbraucht jedoch Unmengen Geld, Strom und Rechenleistung.

John Williams, Chef der San Fransico FED, warnte davor, dass die Bitcoin-Technologie aus seiner Sicht Kriminalität und Terrorismus begünstigt. Wenn Zentralbanken, Staaten und Geschäftsbanken keinen Einfluss mehr auf das Vermögen und die Transaktionen haben, so könnten Kriminelle und Terroristen ihre Gelder ungehemmt bewegen und verschieben. Die Finanzierung von Zellen könnte, wie jetzt, nicht mehr behindert werden. 2011 wurden tatsächlich Drogen im Tausch gegen Bitcoins angeboten.

Die Debatte um eine unabhängige Währung wurde Mitte 2010 befeuert als Visa, Mastercard und vor allem PayPal Konten von WikiLeaks sperrten und Transaktionen verhinderten, um die Finanzierung von WikiLeaks trocken zu legen.

Der Journalist Timothy B. Lee warnt vor den Risiken, dass Malware, Datenverlust oder der Einbruch von Online Börsen zum Verlust des Vermögens führen könnten. Nutzer speichern ihr Vermögen online, welches natürlich auch durch Gefahren dessen bedroht ist. „Nur Bares ist Wahres“. Wird das Vermögen nur noch elektronisch verschoben so kann dies, wie eben beschrieben, gehindert oder verhindert werden. Auch Staaten könnten versuchen regulierend einzugreifen. Der Wert des Bitcoins ist fraglich. Dieser entsteht durch Angebot und Nachfrager. Wer heute einen Bitcoin im Wert von 100$ erhält, könnte morgen bereits nur noch 50$ besitzen.

Die Geldschöpfung stellt traditionell und auch gesetzlich ein Monopol der Notenbank dar. Eine neue Währung einzuführen ist jedoch nicht illegal. Wo Zentralbanken und Staaten die bestehenden Währungen stützen, ist die Schaffung einer neuen Währung jedoch schwierig.

Deflationäre aber auch inflationäre Risiken werden von Ökonomen nicht erkannt. Eric Posner beschrieb in seinem Artikel „Fool’s Good“, dass dem Bitcoin sowieso das Ende droht. Er geht zwar darauf ein, dass der Bitcoin ein Ponzischema (Schneeballsystem) ist, was Experten bereits ablehnen, erklärt jedoch, dass es jederzeit möglich ist weitere kryptografische Währungen zu programmieren. Auch solche, welche mehr als 21 Millionen Bitcoins generieren können. Schnell würde die ganze Welt Bitcoins schürfen, da jeder reich werden möchte, wenn Bitcoins offiziell anerkannt sind. Die Menge an Bitcoins würde explodieren. Es würde zu einer Inflation kommen, die Bitcoins würden ihren Wert verlieren und das System Bitcoin wäre wieder am Null-Punkt.

Es gibt derzeit noch viele offene rechtliche Fragen. Beispielsweise erklärte die US-Finanzaufsicht FinCEN 2013, dass Personen, welche Bitcoins schürfen und diese gegen Entgeld an andere Personen verkaufen als Zahlungsdienstleister einzuordnen seien und deswegen der Aufsicht und den Regulierungen, vor allem der Melde- und Buchführungs-Pflicht, unterliegen.

Bezüglich Bitcoins findet man zahlreiche Vor- aber auch Nachteile. Es ist eine revolutionäre Technologie mit vielen guten Ansätzen. Doch wie bei jeder Innovation stellen sich zahlreiche, hauptsächlich rechtliche, Fragen, welche erst im praktischen Gebrauch erkannt und gelöst werden müssen. Kryptografische Währung sind noch in den Anfängen ihres Gebrauchs. Die Nutzung dessen könnte in einer immer schnelleren und technologisierteren Welt weiter zunehmen.

 

Ereignisse

Am 13. Juni 2011 erbeutete ein Dieb 25.000 BTC im Wert von damals 502.750 US-Dollar vom Computer des Nutzers Allinvain und konnte diese ungemerkt wieder in Umlauf bringen.

Angreifer konnten sich am 19. Juni 2011 Zugang zur größten Online-Börse Mt.Gox verschaffen und eine Verkaufsorder von 100.000 BTC zum Preis von 1 Cent bei einem gegenwärtigen Marktpreis von $17 je BTC mit gestohlenen BTCs erwirken. Mehrere Börsen brachen auf Grund des Preis-Schocks zusammen. Die Preise konnten sich jedoch schnell wieder erholen.

Am 26. Juli 2011 musste der Betreiber einer Tauschbörse Bitomat.pl eingestehen, dass auf Grund von Datenverlust Bitcoin-Einlagen von Kunden in Höhe von 17.000 BTC (ca. 170.000€) verloren gegangen seien.

Im August 2011 stellte der E-Wallet-Betreiber MyBitcoin.com seinen Betrieb ein, nachdem er gehackt worden war. Die Kunden erhielten etwa die Hälfte ihrer Einlagen zurück.

Anfang 2014 mussten zahlreiche Börsen kurzzeitig den Betrieb einstellen nachdem es zu massiven Attacken von Botnetzen kam.

Ebenfalls Anfang 2014 musste die Bitcoin-Börse Mt.Gox nach jahrelangen fragwürdigen Vorgängen die Insolvenz in Japan und den USA anmelden. 850.000 Bitcoins waren verloren gegangen. Rund 750.000 von Kunden.

Am 15. August 2015 musste ein schwerer Software-Fehler im Bitcoin-System behoben werden. Hierbei konnte eine präparierte Transaktion auf Grund eines fehlerhaften Ganzzahlüberlaufs als gültig akzeptiert werden und führte zu einer Gutschrift von 184 Milliarden Bitcoins. Das Netzwerk wurde vom Betreiber umgehend gestoppt, Updates wurden verteilt und der fehlerhafte Block aus der Blockchain entfernt.

Grennpeace, Wikipedia, Dell, WordPress, PayPal. Die Anzahl namenhafter Unternehmen, welche die Bezahlung und Spend emit Bitcoins akzeptieren, steigt.


 Autoren

 

5Albert Schaper studierte an der Universität Stellenbosch „Business Administration“ (Bachelor) mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing & Industrial Psychology. An der privaten Hochschule „Business and Information Technology School“ machte er seinen Bachelor og Management & Business Studies mit Schwerpunkt Entrepreneurship, Marketing/Sales and Corporate Management. Derzeit macht Albert seinen Master in Finance mit dem Schwerpunkt Asset Management & Investmentbanking. Der Artikel basiert auf seiner Bachelor Arbeit „Eine Analyse des Bitcoins mittels der Geldtheorie“. Finde Albert hier auf Xing. Alle hier aufgeführten Zitate hat Albert so in seiner Bachelor Arbeit zitiert.

4Unterstützt wurde Albert durch Jonas Höfgen. Der Jung-Unternehmer gründete bereits mit 18 Jahren Firmen für Event- und Model-Management. Derzeit studiert er Betriebswirtschaftslehre (Bachelor) und ist Autor auf seinem eigenen Blog, für Inside Trading und den Hanseatischen Börsenkreis. Jonas Höfgen konzentriert sich auf Fundamental-Analyse, Makroökonomie und Verhaltenspsychologie. Finde Jonas hier auf Facebook. Mehr Informationen zum Thema erhaltet Ihr auf der Seite von Jonas, HIER.

by Apr 15, 2016 Keine Kommentare
Praktikum bei Goldman – das muss man wissen!

Praktikum bei Goldman – das muss man wissen!

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Praktikum bei Goldman – das muss man wissen!

Jobinterview im Finanzbereich – So rockt ihr es!

Hey Insider,
so klappt es mit dem Praktikum in der Bank! Nachdem viel in unserem Wissensbereich erschienen ist, möchte ich heute einmal wieder etwas schreiben, das euch in eurem Alltag unterstützen soll. Ein riesen Problem ist es oftmals, alle für Vorstellungsgespräche relevanten Informationen auf einer Seite zu finden. Wir haben uns diesem Problem angenommen und stellen euch hier unsere Lösung:

Seid ihr selbst:
Die zunächst wichtigste Erkenntnis, die man gewinnen sollte ist, dass gerade in arbeitsintensiven Berufen neben den technischen Aspekten auch eure Person wichtig ist. Denn ihr werdet einen Großteil eures Alltages mit eben den Leuten verbringen, mit denen ihr am Desk sitzt und eure Leistungen erbringt. Früher oder später werdet ihr also ihr selbst sein müssen und da ist es besser man weiß von vornherein woran man ist und spielt mit offenen Karten. Egal wie introvertiert oder extrovertiert ihr seid, jede Charaktereigenschaft hat ihre Vorteile, die in einem Team gebraucht werden und die ihr ausspielen könnt. Sicherlich habt ihr den Artikel nicht wegen dieses Tipps aufgeschlagen – aber es macht Sinn sich darüber kurz Gedanken zu machen.

The Hard Facts:
Was wird aber nun tatsächlich verlangt und worauf solltet ihr gefasst sein?

Know your business!
Was sind aktuelle News, die den Markt bewegen? Ganz egal ob Mergers and Aquisitions (M&A) oder Markets, immer werden aktuelle Situationen thematisiert werden, auf die ihr zumindest eine halbwegs passende Antwort parat haben solltet. Es geht dabei nicht um die absolut richtige Einordnung des Ereignisses aus interner Sicht des Unternehmens. Vielmehr wird abgetastet, ob ihr euch mit den Rahmenbedingungen auseinandersetzt und wirklich Interesse an der Materie habt.

Neben diesen Good To Knows gibt es noch die unumgänglichen Wissensfragen, die möglichst problemlos und auch im Transfer sitzen sollten.
Je nach Bereich werden hier bestimmte Begriffe sowohl von theoretischer Seite als auch anhand von praktischen Beispielen in den Raum geworfen, mit denen ihr umzugehen wissen müsst. Auch hier gilt: solltet ihr etwas nicht wisst, so sagt dies ruhig! Traut euch aber zunächst ruhig an die Aufgabe heran, denkt laut und versucht einen Lösungsansatz zu finden, stellt Rückfragen wenn nötig und geht professionell mit der Situation um!

Für die wichtigsten Fragen zu technischen Fragen die einen erwarten können findet ihr hier einige Antworten. Wenn wir einige nicht genannt haben, so schickt uns diese und wir pflegen sie gerne ein, sodass die Übersicht möglichst allumfassend wird und auch anderen einen Mehrwert bietet.

Für Die Antworten einfach auf die Frage Klicken.

Wie wird der Preis eines Forwards bestimmt und wie lässt sich der Forward-Preis erklären?

Der Preis eines Forwards entsteht durch die Idee, dass durch das Halten einer Position Kosten und gewisse Vorteile entstehen, für die der Inhaber des Underlyings kompensiert werden muss. Diese Kompensation kann als Lagerhaltungskosten gesehen werden. Wichtig dabei ist, dass die durch das Halten des Basiswertes (Underlying) verursachten Kosten, ausgeglichen werden. Diese Kosten werden auch als Opportunitätskosten bezeichnet, diese Kosten bestehen zum Beispiel aus dem Risikolosen Zinssatz welcher oftmals mit dem Euribor angesetzt wird. Den dafür notwendigen Prozess nennt man Diskontierung oder auch Barwertbestimmung. Dabei werden zukünftige Cash Flows abgezinst und der Gegenwartswert bestimmt, welcher die Opportunitätskosten mit berücksichtigt.

Dem Inhaber können jedoch auch Vorteile wie Dividendenzahlungen entstehen. Auch diese müssen entsprechend beachtet werden. Das Ganze lässt sich dann formal zusammenfassen als:

Formel Forward

Was ist der Unterschied zwischen einem Forward und einem Future?

Ein Forward ist ein OTC gehandelter Vertrag, welcher nicht an der Börse verfügbar ist. Die Preisung ist entsprechend individueller. Ein Future zeichnet sich vor allem durch die standardisierte Form aus, er hat gewisse Laufzeiten und wird zu diesen an der Börse gehandelt. Die Umschlagplätze hierfür sind eigens für solche Geschäfte eingerichtete Terminbörsen wie:

Terminbörse

Handelsvolumen

1.   CME Gruppe 

3,28 Mrd.

2.   Eurex (inkl. ISE) 

3,17 Mrd.

3.   Korea Exchange 

2,87 Mrd.

4.   NYSE Euronext 

1,68 Mrd.

5.   CBOE (inkl. CFE) 

1,19 Mrd.

Die Börsen sind nach Handelsvolumen geordnet­­1.

Was ist die Cheapest to Delivery Bond?

Die CTD Bond ist die Anleihe, welche beim Verfall eines Futures oder einer Option auf ein Rates Underlying, also einer Anleihe, fällig wird. Der Verkäufer hat ein Interesse daran, dem Käufer die billigst mögliche Anleihe zu liefern, die anhand der Definition des Futures zulässig ist. Dafür ist ein Konvertierungsfaktor notwendig. Diesen zu berechnen ist ein Recht aufwändiges Unterfangen. Glücklicherweise werden sie auch von den Börsen bereitgestellt und können direkt mit den jeweiligen Optionen verrechnet werden, um die günstigste auszuwählen.

Der Konvertierungsfaktor sowie die Berechnungsformeln, welche an der EUREX Verwendung finden, lassen sich hier nachschauen.
Hier noch die Formel laut EUREX

Was ist die Idee hinter Black Scholes?

Hinter Black Scholes steckt die Idee, ein Portfolio mit Nullgewinn abzusichern, sprich eine faire Versicherung zu schaffen. Dafür sind einige Annahmen notwendig, welche nicht zwangsläufig realitätsgetreu sind. Black Scholes ist jedoch sehr einfach anwendbar aber dennoch liefert es sehr akkurate Preise, was diese kleinen Patzer durchaus tolerierbar werden lässt.

Dabei wird in Abhängigkeit der erwarteten Schwankungsbreite (implizite Volatilität) eine gedachte Normalverteilung über die Preise des Basiswertes gespannt. Die Dichte bis zu einem gewissen Preis gibt die Wahrscheinlichkeit an, dass das Underlying bis zur Fälligkeit einen gewissen Preis erreicht. Dies ist nur approximativ korrekt! Aufgrund dieses Umstandes spricht man beim Delta auch oft von der Wahrscheinlichkeit, dass die Option bis Ende der Laufzeit ins Geld läuft und eben dort verfällt.
Wie angesprochen, nimmt Black Scholes dabei eine Normal- bzw. Lognormalverteilung an. Bei dieser sind die Enden auf Grund der Pfadabhängigkeit von Renditen transformiert.

Nennen Sie die Griechen und deren Auswirkungen auf den Optionspreis.

Delta ->Formal:  Delta FormelIst die Sensitivität des Optionspreises zum Underlying. Dabei steigt der Preis der Option pro Punkt des Underlyings um das Delta an.

Bei einer Option, welche am Geld liegt und somit ein Delta von 0.5 hat (dies gilt im Übrigen immer), würde der Wert der Option bei einer 1€ Bewegung um 0.50€ steigen.
Delta ist also die erste Ableitung des Optionspreises nach dem Preis des Underlyings.

Gamma -> Gamma FormelIst die Sensitivität des Deltas zum Preis des Underlyings. Das Delta steigt also entsprechend um den Wert des Gammas bei einer Ein-Punkt Bewegung im Underlying.
Das Gamma ist daher die zweite Ableitung des Optionspreises nach dem Preis des Underlyings, beziehungsweise die erste Ableitung des Deltas nach dem Underlying Preis.

Vega ->  Vega Definition Ist die Reagibilität des Optionspreises auf die Veränderung der impliziten Volatilität. Dabei ist das Vega immer at the Money (ATM), also am Geld, am größten. Steigt die implizite Volatilität um einen Punkt, so steigt der Preis der Option entsprechend um diesen einen Punkt multipliziert mit Vega.

Theta  ->  Theta DefinitionTheta gibt an, wie sich der Preis der Option bei schwindender Laufzeit verhält. Theta wird vom Käufer der Option bezahlt und vom Schreiber der Option gewonnen. Es lässt sich als Prämie betrachten, welche für die Gewinnmöglichkeiten aus einem Gamma-Hedge zu bezahlen ist.

Rho ->   Rho Definitionstellt dar, wie sich der Preis der Option bei einer Veränderung des Zinssatzes verhält. Beim aktuellen Leitzins von 0% ist Rho derzeit kein hoch relevanter Faktor, trotzdem handlet es sich um einen nicht zu verachtenden Einflussfaktor.

Eine sehr gute Darstellung der Griechen findet man hier: Goethe Uni Frankfurt (PDF).

Nennen Sie 2 Annahmen, die in Black Scholes unrealistisch erscheinen und begründen Sie.

Normalverteilung der Renditen und kontinuierliche Hedging-Möglichkeit.

Ersteres ist historisch widerlegt, da extreme Kursbewegungen weitaus häufiger vorkommen, als von der Normalverteilung erwartbar wäre.
Kontinuierliches Hedging ist aufgrund von Transaktionskosten sowie Handelszeitbeschränkungen eine nicht haltbare Annahme. Durch den Ausschluss eines kontinuierlichen Handels entstehen Risiken wie Gap-Risiken, welche im Modell nicht korrekt abgebildet werden.

Welche Formen von Volatilität kennen Sie?

Historische-/ Realisierte Volatilität. Ist die Volatilität wie sie im Markt beobachtbar ist, also die Standardabweichung der Renditen.

Historische Volatilität
Implizite Volatilität ist die Volatilität, welche am Optionsmarkt eingepreist wird. Die Volatilität ist die einzige Unbekannte im Modell. Die aktuelle Volatilität wird entsprechend über Angebot und Nachfrage am Terminmarkt bestimmt.

Sie verfügen über 100.000€. Wie würden Sie diese aktuell investieren und ggf. absichern?

Hier gibt es keine Musterlösung. Wichtig ist es laut zu denken, Vor- und Nachteile von Investments in verschiedenen Assetklassen anhand des aktuellen Marktumfeldes zu bewerten, Risiken abzuwägen und Themen wie Diversifikation zu beachten. Am Ende sollte ein Ansatz angeboten werden, der anhand der vorherigen Ausführungen sinnhaft erscheint. Alternative Ideen und spezifisches Wissen sind gerne gesehen.

Wenn Sie mit einer Gewissheit von 100% wüssten, dass nach einem starken Preisverfall das Underlying wieder steigt, warum würden Sie im Zweifelsfall keine Call Option kaufen?

In fallenden Märkten steigt tendenziell die am Markt gepreiste Volatilität. In steigenden Märkten sinkt diese historisch gesehen tendenziell. Entsprechend würde der Investor Verluste im Vega der Option einfahren, die im schlimmsten Fall die Gewinne aus der Kursbewegung überschreiten und ein solches Investment trotz korrekter Markteinschätzung unprofitabel machen.

Was versteht man unter Risk of Assignment?

Das Risk of Assignment, ist das Risiko beim Kauf einer Option am Terminmarkt zugeteilt zu werden und das Underlying entsprechend des gehandelten Kontraktes liefern zu müssen. Zum Zeitpunkts der Zuteilung kann der Investor unerwartete Verluste realisieren müssen, was bei schlechtem Money Management vor allem bei Naked Options Positionen zu einem Margin Call führen kann, wenn nicht genug Geld frei ist, um den Basiswert zu liefern.

Was ist die Aufgabe des Treasury?

Treasury ist für die Steuerung und Allokation des Vermögens der Bank zuständig. Hier werden Richtlinien für die einzelnen Abteilungen einer Bank festgelegt. Diese Prozesse werden von den höchsten Instanzen mit beobachtet und instruiert.

Dabei sind die Kernelemente die kurz- und mittelfristige Planung von Liquidität, das Abschätzen und Bestimmen von Zins- und Währungsrisiken der Positionen des Geldhauses, das Vermeiden und Erkennen von gravierenden Kreditrisiken und gegebenenfalls nötiges Eingreifen, um Situationen mit erhöhtem Risiko zu vermeiden oder zu entschärfen, sowie eine Optimierung der Positionierung des Institutes hinsichtlich bilanzieller Vorgänge.

Durch die hier erfolgenden Tätigkeiten lassen sich Geldströme optimiert nutzen und somit Vorteile generieren beziehungsweise finanzielle Nachteile vermeiden.

Zeichnen Sie den Payoff einer Call- und einer Put Option.

Call Option

Long Call Option

Long Put Option

Long Put Option

Stripping verschiedener strukturierter Produkte. Erklären Sie die Zusammensetzung.

Am besten schaut man sich hier an, wie einzelne Derivate strukturiert werden. Zumeist sind es Spreads und/oder Kombinationen aus Underlying und Optionen, die bestimmte Auszahlungsmuster zulassen. Im Folgenden finden sich das Auszahlungsprofil und der Hedge von Discountern, Bonuszertifikaten, CFDs, Expresszertifikaten, Knock-Out Zertifikaten und Reverse-Convertibles (Aktienanleihen).

Discount-Zertifikat:

Ein Discount-Zertifikat liefert das Auszahlungsprofil eines Covered-Calls. Um dieses zu hedgen, benötigt man zwei Komponenten. Eine Komponente ist der Kauf des Basiswertes, die zweite Komponente ist eine Prämienkomponente, die den Abschlag auf den Aktienpreis ermöglicht. Dieser Abschlag wird durch den Verkauf einer Call-Option möglich. Beim Verkauf einer Call Option erhält der Schreiber eine Prämie, ähnlich derer einer Versicherung. Dafür gewährt er dem Käufer der Option das Recht, die Aktie zu einem bestimmten Preis vom Schreiber zu beziehen. Liegt der Schlusskurs der Aktie am Bewertungstag oberhalb dieses Preises, so muss der Schreiber die Aktie zum abgemachten Preis (unterhalb des aktuellen Marktpreises verkaufen) und kann somit nur bis zum abgemachten Preis (Strike der Option) an der Entwicklung des Basiswertes gewinnen. Liegt der Preis jedoch unterhalb des Strikes, so hat der Käufer des Covered Calls eine höhere Rendite erzielt, als der Investor, welcher die Aktie direkt gekauft hatte. Discount Optionsscheine sind besonders in Phasen hoher Volatilität interessant, da zu diesen Zeiten die Optionsprämien höher sind und somit der Discount größer ausfällt. In der Theorie kann die Position im Basiswert auch durch einen Zero-Strike Call dargestellt werden.

Discount Zertifikat

Bonuszertifikat:

Ein Bonuszertifikat gewährt dem Investor einen Mindestauszahlungsbetrag, solange der Preis des Basiswertes ein gewisses Niveau nicht durchbrochen hat (Barriere). Sollte dies der Fall sein, so nimmt der Investor 1 zu 1 an der Entwicklung des Basiswertes teil.

Diese Struktur ist durch eine Kapitalschutzkomponente (Long Down and Out Put) möglich. Ein Down and Out Put ist eine Option, die den Verkauf des Basiswertes zu einem bestimmten Preis (Strike) ermöglicht, solange ein gewisses Preisniveau nicht erreicht wird. Sobald dieses erreicht wird, verfällt das Recht und der Kapitalschutz verfällt somit.
Der Kapitalschutz ist deswegen möglich, da der Gewinn, welcher durch den Put erwirtschaftet wird, die Verluste im Basiswert ausgleicht.

Bonus Zertifikat

CFDs:

Ein CFD ist ein Delta1Produkt. Der einzige Impakt auf den Preis des Produktes ist die Preisentwicklung des Basiswertes. Daher lässt sich ein CFD von Seite des Market Makers einfach durch den Kauf des Basiswertes absichern.

CFD

Expresszertifikate:

Expresszertifikate werden als exotische Produkte bezeichnet. Ihr Auszahlungsprofil ist durch die Nutzung von digitalen Optionen strukturiert. Genau werden diese Optionen als Digitale-Multi Barrier Optionen bezeichnet. Diese sind je nach Ausrichtung des Expresszertifikates call- oder putseitig gewählt. Der klassische Fall ist jedoch die Call-Seite. Dabei funktioniert eine digitale Option streng nach dem Sinne „all or nothing“ -also entweder oder. Daher stammt auch der Begriff „digital“, denn die Option kennt nur 1 oder 0  – gewinnen oder verlieren. Für den Fall, das ein Gewinn eintritt, wird dem Produkt gutgeschrieben eine Rendite. In Folge läuft es entweder weiter oder aber es wird ausgezahlt. Sehr gut wird dieser Zusammenhang in diesem Video erklärt, welches bitte nicht als Werbung für das Produkt zu verstehen ist.
Express Zertifikat


Knock-Out-Zertifikate:

Ein Knock-Out ist wie ein CFD ein Delta1Produkt, es stellt also die Bewegung des Basiswertes 1 zu 1 dar. Im Gegensatz zu einem CFD hat ein Knock-Out Produkt jedoch eine eingebaute Barriere, welche beim Erreichen zur Wertlosigkeit des Produktes führt. Dies stellt den Hedge vor ein gewisses Problem, denn das Auflösen einer Position im Basiswert (zum Beispiel durch einen Stopp) garantiert den Preis, zu dem der Hedge aufgelöst wird, nicht, da es gegebenenfalls zu slippage kommen kann, was Verluste bedeuten würde. Dieses Risiko wird auch als Gap-Risiko bezeichnet.

Knock Out

Reverse-Convertible (Aktienanleihe):

Eine Aktienanleihe setzt sich aus einem Zero-Bond sowie einer Short-Put Option zusammen.
Beides sind Prämienkomponenten. Der Zero-Bond gewährt eine Basisverzinsung, welche durch die Prämie aus dem Short-Put noch erhöht wird.
Liegt der Preis des Basiswertes am Ende der Laufzeit unterhalb des Strikes der Put Option, so erhält der Anleger Aktien, da die Put Option vom Käufer ausgeübt werden wird und somit ein Aktienankauf stattfindet.

Aktienanleihe _ Reverse Convertible

 

Was ist ein Leveraged Buy Out (LBO)?

Ein Leveraged Buy Out ist eine mit hohem Fremdkapital finanzierte Unternehmensübernahme. Bei dieser Übernahmeform geht die kapitalgebende Bank ein besonders hohes Kreditrisiko ein. Wichtig dabei ist, dass das Unternehmen, welches gekauft wird, aus seinem Cashflow die Kosten für Zinsen sowie unternehmerische Tätigkeit stemmen kannn.

Normalerweise nimmt die kreditgebende Partei trotz allem einen gewissen Eigenkapitalblock in Anspruch, um das aus der Transaktion resultierende Risiko zu reduzieren. Relevant ist in diesem Zusammenhang der Begriff der Kreditdienstfähigkeit, der für LBOs interessante Unternehmen beschreibt.

Erklären Sie die Discount Cash Flow Methode.

Die Discount Cash Flow Methode oder kurz DCF analysiert den zukünftigen freien Cash Flow eines Unternehmens, um damit die Attraktivität eines Investments zu bewerten. Diese Bewertung erfolgt anhand der Diskontierung – also der Abzinsung – des Cashflows der einzelnen Perioden. Wenn die Höhe des zukünftigen Cash Flows höher ist als der jetzige Preis des Investments, kann dieses Investment ein lohnendes sein. Den DCF berechnet man wie folgt:

DCF

Dabei ist CF der Cashflow der jeweiligen Periode, r der Zinssatz und t die letzte betrachtete Periode.

Erklären Sie eine CDO.

CDOs sind sogenannte besicherte Finanzprodukte. Sie gehören zu den sogenannten Asset Backed Securitires (dt. mit kollateral hinterlegte Schuldverschreibungen).

CDOs sind ein Basket, also ein Bündel aus verzinsten Wertpaieren, welche in unterschiedliche Stufen eingeteilt werden. Diese Stufen werden in der Fachterminologie oftmals als Tranches bezeichnet. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Tranches in Verzinsung und in Stellung in der Bedienung der Zinszahlungen. Die klassische Abstufung ist:  Senior, Mezzanine und Equity, wobei Equity die riskanteste Tranche ist.
In der Finanzkrise 2008 haben sich diese Strukturen besondere Kritik eingefangen, da es durch diese möglich ist, hochriskante Kredite durch Diversifikation und intelligentes Verpacken vermeintlich sicher wirken zu lassen, jedoch bleiben in solchen Situationen die einzelnen Ausfallrisiken gleich und entsprechend hoch.
Die Konstruktion ist dabei vermeintlich einfach. Es bedarf lediglich einer juristischen Rahmenstruktur, die die jeweiligen Kredite und andere Schuldverschreibungen in sich aufnimmt und dann entsprechend, verbrieft als Anleihen unterschiedlicher Klassifikation, ausgibt. Die gegebenenfalls entstehenden Verluste werden entsprechend der Klassifikationen der ausgegebenen Anleihen verteilt.
CDOs können auch synthetisch mithilfe von Credit Default Swaps gestaltet werden.

Nennen Sie verschiedene Bewertungskennzahlen für Unternehmen und Aktien.

KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis oder auch Price Earnings (P/E). Auch Varianten mit EBIT, EBITDA etc.

KBV = Kurs-Buchwert-Verhältnis oder auch Price Book Ratio (P/B).

DivYield = Dividenden-Rendite

EPS = Earnings per Share = Gewinn Pro Aktie

KCV = Kurs-Cashflow-Verhältnis = P/C

Eigenkapitalrendite = Rentability

Umsatzwachtum = Revenue Growth

Ordereingang = Newly Ordered Goods / Services

Mitarbeiterzahlen = Employment Numbers

Steuerquote = Tax-Rate

Erklären Sie einen SWAP.

Ein SWAP ist ein Tauschgeschäft. Sie sind in allerlei Varianten und auf alle möglichen Underlyings erhältlich. Es wird ein klassischer Interest Rate Swap, also ein Zins Swap als Beispiel dienen:

Bei einem Zins Swap bezieht eine Partei einen festen Zinssatz, der zu Beginn der Laufzeit des Swaps festgelegt wird. Dieser Zinssatz kann zum Beispiel der aktuelle Euribor sein. Der Vorteil, der der Partei daraus erwächst, ist die Sicherheit mit diesem Zinssatz kalkulieren zu können. Die Partei, welche den festen Zinssatz erhält, bezahlt dafür der Counter Party den aktuellen Zinssatz plus eine Prämie, welche das Risiko, das die floating-Seite auf sich nimmt, kompensiert.
Entsprechend sieht der Payoff des Swaps wie folgt aus:

SWAP Struktur

In der Regel werden dabei nur die Differenzbeträge gezahlt und nicht der volle Betrag.

Falls Ihr euch mit Optionen noch nicht so sicher fühlt, können wir euch dieses Buch empfehlen: Optionsstrategien für die Praxis: So sichern Sie sich an der Börse ein regelmäßiges Einkommen.

Dies ist nur ein Ausschnitt von dem was möglich ist, um vorhandenes Wissen zu prüfen und oder Wissen zu generieren. Wenn ihr weitere Beispiele kennt und oder Fragen habt, die ihr beantwortet sehen wollt, schreibt uns. Wir freuen uns immer über Anregungen und Feedback.

Beste Grüße und viel erfolg im Praktikum,
InsideTrading

 

Stand1: 10. Juli 2009 Quelle: Financial Times Deutschland (Seite 21)

by Apr 08, 2016 1 Kommentar
Bargeld-Abschaffung – Vorteile, Nachteile, Welche Aktien werden interessant?

Bargeld-Abschaffung – Vorteile, Nachteile, Welche Aktien werden interessant?

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Bargeld-Abschaffung – Vorteile, Nachteile, Welche Aktien werden interessant?

Bargeld-Abschaffung – Kaum ein Thema wird in letzter Zeit mehr diskutiert und irgendwie wie gibt es bei Vielen (auch bei mir) noch immer die Hoffnung, dass das nur eine Phase ist und dann wieder in Vergessenheit gerät. Aber wenn wir nur ein paar Kilometer in den Norden schauen, dann sehen wir in Schweden ein Land, das auf diesem Gebiet schon ganz weit vorne liegt. Damit ist es kein Einzelfall, denn auch die dänische Zentralbank hat angekündigt, aufgrund von mangelnder Nachfrage, keine Banknoten mehr zu drucken. Welche Vor- und Nachteile hat die Bargeldabschaffung?

Vorteile der Bargeld-Abschaffung:

  • In Schweden gab es signifikant weniger Überfälle auf Banken, kleinere Geschäfte, Busse und Privatpersonen nachdem es viel weniger Bargeld im Umlauf gab. Das heißt, weniger Bargeld führt zu einem sicheren Umfeld, da sich Raub nicht mehr lohnt.
  • Bargeld ist unsichtbar und lässt eine ganze Menge krimineller Handlungen zu, denn man kann eine ganze Menge davon besitzen ohne, dass es jemand weiß.
  • Schwarzarbeit würde extrem erschwert werden, was zu viel mehr Steuereinnahmen führt und eventuell sogar zu einem faireren Steuersystem (wahrscheinlich Wunschdenken, sorry dafür).
  • Der Kauf und Verkauf von Drogen und Waffen würde extrem erschwert werden, da die Zahlungen digital auftauchen würden.
  • Die EZB und die Zentralbanken könnten uns durch negative Zinsen dazu zwingen unser Geld auszugeben, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dann müsste die EZB nicht mehr mit Geld um sich schmeißen, sondern nur noch an der Zinsschraube drehen. (persönlich sehe ich das nicht unbedingt als Vorteil, aber viele wären da anderer Meinung und deswegen erwähne ich es sowohl bei den Nachteilen, als auch bei den Vorteilen)
  • Die Verwaltung von Bargeld ist unglaublich teuer (Druck, Transport, Aufbewahrung, Austausch, Kontrolle)
  • Geldfälscher würden arbeitslos werden.
  • Experten behaupten, dass die Schattenwirtschaft um mindestens ein Drittel gesenkt werden kann.

Nachteile der Bargeld-Abschaffung:

  • Für viele ältere Leute wäre es eventuell sehr umständlich und eine große Umstellung über Smartphones zu zahlen und ihre Geschäfte online abzuwickeln.
  • Die EZB und die Zentralbanken könnten uns durch negative Zinsen dazu zwingen unser Geld auszugeben, um die Wirtschaft anzukurbeln (Strafzins für Sparer).
  • Der Kontrollstaat würde Wirklichkeit werden und wir würden noch gläsener werden. Betreiber wissen, was ich wann kaufe und es ist leichter uns zu manipulieren.
  • Cybercrime würde weiter zunehmen und wir als Endverbrauch könnten im Zweifel nur zuschauen.
  • Wenn wir alle nur noch digital (mit Karten oder über das Handy) zahlen, ist es ein Leichtes dafür Gebühren zu verlangen, da es keine Alternative mehr gibt.
  • In Deutschland gilt nur das Bargeld als offizielles Zahlungsmittel, dass heißt wir würden in Wirklichkeit kein Geld mehr besitzen, da das Geld auf unserem Girokonto im Zweifel der Bank gehört und nicht uns. Wenn die Bank pleite geht, dann fließt das Geld in die Insolvenzmasse ein und wir können nur hoffen, dass die Einlagensicherung vom Staat greift. Sollte es keine neuen Gesetze geben, nimmt man uns also das Recht Geld zu besitzen.

Neue digitale Zahlungsmittel, sogenannte Kryptowährungen, würden mit Sicherheit entstehen. Aber auch diese Zahlungsmittel MÜSSEN von staatlicher Seite akzeptiert werden, da es ansonsten nicht möglich wäre, „Geld“ in diese neue Digitalwährung umzuwandeln. Es gibt schon heute Länder, in denen Zahlungsmittel wie Bitcoins verboten sind, um zu große Schwankungen, Volatilität und Geldwäsche an den Finanzmärkten zu verhindern. Alles zum Bitcoin erfahrt ihr auf dem Finanzblog von Jonas, “Beben am Kapitalmarkt – Währungs-Revolution, Bitcoin“.

Die oben genannten Argumente sind nur eine Auflistung der Vor- und Nachteile. Ich möchte mit diesem Artikel weder die eine noch die andere Position einnehmen und nur die Vor- und Nachteile auflisten, auf die ich bei der Recherche gestoßen bin.

Jetzt aber zur eigentlichen Frage: Welche Aktien und Unternehmen sollten wir im Zuge einer schleichenden Bargeldabschaffung im Auge behalten?

Bevor wir uns Einzelwerte anschauen, sollten wir erst einmal verstehen, wie die Leute dann zahlen. Es wird mit Sicherheit einiges über das Handy abgewickelt, vieles mit der Kredit- bzw. Girokarte und zusätzlich sollte auch die Digitalwährung Bitcoins nicht aus den Augen gelassen werden.

Um die Kreativität unserer aufmerksamen Leser nicht zu beeinflussen, möchte ich hier keine Einzelaktien nennen und würde mich über eine interessante Diskussion sehr freuen.

Welche Aktien besitzt ihr? Wer kommt in frage? Wann wäre eurer Meinung nach der richtige Zeitpunkt zum Investieren?

by Apr 01, 2016 9 Kommentare
RSI – Relative Strength Index

RSI – Relative Strength Index

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RSI – Relative Strength Index

Der Relative Strength Index (RSI) gehört zu den Oszillatoren und wird im deutschsprachigen Raum auch oft als Relative-Stärke-Index oder Relative-Stärke-Indikator bezeichnet. Erfinder des RSI ist J. Welles Wilder, der diesen und weitere technische Indikatoren erstmalig in seinem bahnbrechenden Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ im Jahre 1978 erwähnte.

Der Relative Strength Index setzt die aktuellen und historischen Stärken und Schwächen eines Finanzproduktes ins Verhältnis. Grundlage für die Berechnung sind die Schlusskurse des vorher festgelegten Betrachtungszeitraums.

Der RSI wird auch als Momentum-Oszillator bezeichnet, da dieser sich auf die Geschwindigkeit und das Ausmaß der aktuellen Preisbewegungen bezieht.

Das bedeutet, dass Wells die Dynamik des Verhältnisses von höheren zu niedrigeren Schlusskursen betrachtet und somit Finanzprodukte mit einer positiven Entwicklung ein höheres RSI aufweisen als Finanzprodukte mit einer negativen Preisentwicklung.

Der übliche und von Wilder empfohlene Betrachtungszeitraum ist 14 Tage, aber dieser ist grundsätzlich frei wählbar. Ein kürzerer Betrachtungszeitraum führt zu einer hohen Volatilität und vielen Signalen, wohingegen ein längerer Zeitraum weniger Signale generiert.

Wie berechnet sich der RSI

Nachdem es einen neuen Schlusskurs gibt, wird erst einmal festgestellt, ob es sich in dieser „neuen“ Periode um eine positive (U upward Change) oder negative (D downward Change) Entwicklung handelt.

Positive Entwicklung:
U = Schlusskurs (neu) – Schlusskurs (alt)
D = 0

Negative Entwicklung:
D = Schlusskurs (alt) – Schlusskurs (neu)
U = 0

Wenn es keine Veränderung zum vorherigen Betrachtungszeitraum gibt, ist U= D= 0.

Als nächstes wird die Summe aller U und D für den entsprechenden Betrachtungszeitraum (n-Perioden) berechnet und durch n geteilt, um das arithmetische Mittel (Mittelwert) zu erhalten.

Summe aller positiven Entwicklungen:
Sum (D) = n1 + n2 + … +nn

Summe aller negativen Entwicklungen:
Sum (U) = n1 + n2 + … + nn

arithmetisches Mittel der positiven Entwicklungen in n Perioden:
avg (D) = Sum (D) / n

arithmetische Mittel der positiven Entwicklungen in n Perioden:
avg (U) = Sum (U) / n

Dadurch berechnet sich der Relative Strength Index wie folgt:
RSI = avg (D) / (avg (D)+ avg (U))

Anwendung

Der Relative Strength Index ist ein Indikator, der nicht im Preischart eingezeichnet wird, sondern darunter oder darüber zu finden ist (siehe Titelbild). Der Wert des Relative-Stärke-Index ist eine Zahl zwischen 0 und 100, wobei die einzelnen Werte zu einem Chart verbunden werden. Der Indikatoraufbau ist wie folgt:

RSI

In der Regel gibt es eine obere Markierungslinie bei 70, eine mittlere bei 50 und eine untere Markierungslinie bei 30. Die RSI-Werte werden als Chart dargestellt (hier blau).

Interpretation

Die Intention von Wilder ist es, mit diesem Indikator überkauftes und überverkauftes Verhalten an den Märkten zu signalisieren. Das bedeutet, wenn Kurse sehr stark und schnell steigen, dann werden diese irgendwann überkauft sein und dieses führt dazu, dass diese wieder fallen auch wenn es nur für eine kurze Korrektur ist. Dasselbe gilt natürlich vice versa: wenn ein Markt oder das Finanzprodukt sehr stark und schnell fällt, dann wird dieses irgendwann überverkauft sein und nicht weiter fallen, sondern wieder steigen.

Der RSI signalisiert überkauftes und überverkauftes Verhalten und das bedeutet, dass eine Reaktion vom Markt und damit einhergehend eine Gegenbewegung bevorsteht.

 RSI_überkauft_überverkauft

Im Bild sehen wir in blau den Relative Strength Index als Chart eingezeichnet. Der RSI gibt die aktuelle/jüngste Stärke bzw. Schwäche eines Finanzproduktes an und die Steigung des RSI ist zu der Geschwindigkeit der Veränderung des Trends direkt proportional.

Wilder glaubt, dass Höchst- und Tiefst-Positionen durch einen Relative Strength Index von über 70 oder unter 30 dargestellt werden. So wird ein RSI-Trading-Level von über 70 als überkauft und ein RSI-Trading-Level von unter 30 als überverkauft gewertet. Kurse zwischen 30 und 70 werden als neutral bezeichnet, ein RSI von 50 weist keinen Trend auf.

Abweichungen / Divergenzen

Grundsätzlich wird angenommen, dass eine Divergenz zwischen dem RSI und der Preisentwicklung ein starker Indikator für eine bevorstehende Trendwende ist. Eine bearische Divergenz liegt vor, wenn die Preisentwicklung des Basiswertes ein neues Hoch ausbildet, aber dieses vom RSI nicht durch neue Hochs bestätigt wird. Für die bullische Divergenz gelten neue Tiefs in der Preisentwicklung und eine fehlende Bestätigung im RSI.

Hier geht es zu unseren großen Sammlung der wichtigsten Analysetools!

by Mrz 17, 2016 Keine Kommentare
Breakeven und das echte CRV

Breakeven und das echte CRV

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Breakeven und das echte CRV

Ist es euch auch schon passiert, dass euer Depot an Wert verliert, obwohl eure Aktie eigentlich eine Wertsteigerung erfahren hat? Grund dafür sind die zu zahlenden Steuern und Gebühren, die manchmal den kompletten Gewinn auffressen können. Da stellt sich doch die Frage: Wie viel Gewinn muss man eigentlich einfahren, um die anfallenden Kosten zu decken und eine tatsächliche Wertsteigerung des Depots zu erzielen? Welchen Einfluss haben die Kosten, die durch den Kauf und Verkauf von Aktien anfallen, eigentlich auf das Chance-Risiko-Verhältnis? Diesen und weiteren Fragen werden wir uns heute widmen.

1. Der Spread

Viele Einsteiger fragen sich oft: Warum hat jede Aktie zwei Preise?

Der erste Preis ist der Preis, zu dem Investoren momentan bereit sind, ihre Aktien zu verkaufen und nennt sich Geldkurs, der zweite Preis nennt sich Briefkurs und ist der Preis, zu dem Anleger jetzt gerade bereit sind, die Aktie zu kaufen.

Nehmen wir einmal an, wir können bei unserem Broker komplett kostenfrei kaufen und verkaufen. Wenn wir jetzt eine Lufthansa-Aktie kaufen, bezahlen wir dafür 11,71€ und wenn wir diese Aktie in derselben Zehntelsekunde wieder verkaufen, bekommen wir dafür nur noch 11,64€. Das heißt, wir haben bei diesem Trade 7 Cent (ca. 0,6%) Verlust gemacht. Diese Differenz zwischen dem Kaufkurs und dem Verkaufskurs nennt sich Spread.

Der Spread kann variieren und ist meist nur von Angebot und Nachfrage abhängig.

2. Die Ordergebühren

Die Ordergebühren sind allein vom Broker abhängig und im Zeitalter von Online-Brokern sollte KEINER mehr 25€ und/ oder ein Prozent Order-Provision zahlen müssen. Wenn jetzt noch Börsenplatz-Gebühren (oft abhängig von der Ausführungsvariante) und eine Maklercourtage anfallen, frisst das dermaßen die Gewinne, sodass das Traden und Investieren kaum noch einen Sinn macht.

Daher solltet ihr euch anschauen, welche Märkte ihr traden wollt und danach den Broker wählen. Zudem ist es oft sinnvoll, seinen Broker regelmäßig zu wechseln, um die neusten Angebote und die Depotwechsel-Prämien zu erhalten.

In den folgenden Beispielen werde ich mit durchschnittlichen Ordergebühren von 10€ rechnen, es geht aber auch deutlich günstiger.

Kauf:

1171,00€   100 Lufthansaktien (11,71€ je Aktie)
1181,00€   Ordergebühren (10€)

Der gezahlte Preis je Aktie ist jetzt 11,81€ und der aktuelle Wert ist 11,64€ (Verlust von 1,44%). Das heißt, unsere Aktie muss jetzt 1,44% steigen, damit wir wieder Plus-Minus-Null sind.

Verkauf:

1171,00€   100 Lufthansaktien (11,71€ je Aktie)
1191,00€   Ordergebühren (2x 10€)

Der gezahlte Preis je Aktie ist jetzt 11,91€ und der aktuelle Wert ist noch immer 11,64€, dass heißt, wir haben unsere Aktie mit einem Verlust von 2,27% (2,3%) verkauft.

WICHTIG: Die Ordergebühren bezogen auf eine einzelne Aktie verringern sich natürlich mit wachsendem Ordervolumen.

3. Steuern

Es gibt zwei verschiedene Arten von Steuern, die auf Kursgewinne gezahlt werden müssen und seit dem 1. Januar 2009 ist es auch total unwichtig, wie lange man die Aktien schon hält. Auf Verluste müssen keine Steuern gezahlt werden, können aber bei der Steuererklärung steuermindernd wirken. Die Abgeltungssteuer (vor 2009 vergleichbar mit der Kapitalertragssteuer) beträgt 25% und ist von jedem Privatanleger zu entrichten. Zudem sind 5,5% der Abgeltungssteuer als Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls 8% bzw. 9% der Abgeltungssteuer als Kirchensteuer zu entrichten.

Ein kleines Beispiel:

1000,00€ Gewinn
– 250,00€ Abgeltungssteuer
–   13,75€ Solidaritätszuschlag
–   22,50€ Kirchensteuer (9%)
=713,75€ Gewinn nach Steuern

Die Ordergebühren sind gewinnmindernd, das heißt wenn man Aktien für 1000€ kauft und für 2000€ verkauft, hat man 1000€ minus der Ordergebühren zu versteuern.

Der Steuerbetrag wird direkt nach dem Verkauf durch den Broker an das Finanzamt abgeführt. Sollte der Broker jedoch im Ausland sitzen, trägt man selbst die Verantwortung und muss den zu versteuernden Betrag bei der Jahressteuererklärung angeben.

4. Breakeven und das echte CRV

Von Breakeven reden Anleger in der Regel, wenn ihr Investment den Einstiegspreis erreicht hat. Gerade bei Aktien, die für eine gewisse Zeit in die ungewünschte Richtung liefen, ist es leicht zu sagen: „ich bin breakeven raus“ und dennoch hat der Investor den Spread und die Ordergebühren verloren.

Nachdem wir über die verschiedenen Kosten einmal gesprochen haben, möchte ich deren Relevanz aufzeigen.

Nehmen wir an, wie investieren in das Unternehmen XY und unsere Aktien steigen von 10€ auf 15€, dass heißt um 50% (der Spread wird in diesem Beispiel vernachlässigt)!!!

Aktienkauf für 1000€
= 99 Aktien(990€) + 10€ Ordergebühren

Nach einer gewissen Zeitspanne werden die Aktien für 15€ wieder verkauft:
= 99 *15€
= 1485 -10€ Ordergebühren
= 1475€ -1000€ Startkapital
= 475€ zu versteuernder Betrag

Nach dem Steuerabzug von 28%
= gutgeschriebener Gewinn= 475*0,72= 342€

Die Aktie hat also einen Gewinn von 50% erzielt. Der Trade brachte aber nur ein Plus von 34,2% für das Depot.

Hier möchte ich kurz an eines meiner Lieblingszitate von Kostolany erinnern: „Hin und Her Taschen leer“. Dieses Zitat passt auch zum Verhalten vieler Trader, die die gewisse Selbstdisziplin nur schwer aufbringen können und an Trades nicht emotionslos herantreten.

Deswegen sollte man meiner Meinung nach den echten Breakeven-Wert immer im Kopf haben, bevor man eine Order abschickt.

Zurück zum Beispiel: Wie ihr seht, wird einiges abgezogen…. Und mal ehrlich, wie oft machen eure Aktien 50% und welches Risiko muss man dafür in der Regel eingehen?

Das führt mich zum eigentlichen Thema: Was ist das wirkliche Chance-Risiko-Verhältnis (CRV)?

Bei unserem Beispiel war die Chance meiner Meinung nach nicht 5€ sondern NUR 3,42€! Das heißt, wenn man bei diesem Trade ein Risiko von 2€ eingegangen ist, dann war nach dem konventionellen Ansatz das CRV 2 zu 5. Unter einem mathematischen Gesichtspunkt war das CRV aber nicht 2 zu 5 sondern 2,2 zu 3,42!!!

Und mit diesem Gedankengang möchte ich meinen heutigen Artikel auch beenden.

Bitte hinterlasst ein Kommentar und lasst mich wissen, wie ihr an die Sache herantretet.


 

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by Mrz 11, 2016 Keine Kommentare
DAX-Indikationen und unterschiedliche Kursstellungen

DAX-Indikationen und unterschiedliche Kursstellungen

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DAX-Indikationen und unterschiedliche Kursstellungen

Immer wieder kommt es in Foren zu der Frage: „Warum gibt es so viele unterschiedliche Werte bzw. Kursstellungen für den DAX?“.

Manchmal heißt es in den Medien nur DAX, oft liest man aber auch DB-DAX, ein anderes Mal ist die Sprache von dem L&S DAX, DAX30, GER30 und so könnte ich wahrscheinlich noch viel andere Bezeichnungen aufzählen. Weiterhin ist dann oft auch noch die Rede von DAX-Indikationen, von einem Kassamarkt, Xetra und dem DAX-Future. Heute möchte ich versuchen, diese Begriffe zu definieren und in einen geordneten Zusammenhang zu bringen.

Der einzig echte DAX

Der Dax ist ein eingetragenes Warenzeichen der Deutschen Börse AG und darf von keinem anderen als der Deutschen Börse verwendet werden. Grundlage der Berechnung sind die Xetra-Kurse der 30 DAX-Aktien und der von der Deutschen Börse festgelegte Gewichtungsschlüssel.

Weitere Informationen zur DAX-Berechnung, Gewichtung und Zusammensetzung findet ihr in meinem Artikel der letzten Woche: DAX 30-Leitindex des deutschen Aktienmarktes.

Dadurch, dass der DAX ein geschütztes Produkt ist, dürfen Broker, Banken, Finanzinstitute und andere Marktteilnehmer diesen nicht einfach verwenden. Damit beispielsweise Banken oder auch Broker die real-time-Kurse verwenden dürfen, müssen sie die Deutsche Börse dafür bezahlen. Ich habe gelesen, dass selbst der verzögerte Kurs kostenpflichtig ist, diese Informationen stammen aber nicht aus erster Hand.

Der DAX-Future

Vereinfacht lässt sich der DAX-Future als eine Art Wette auf den DAX Stand zu einem bestimmten Termin in der Zukunft verstehen. Der Kurs des Futures wird durch Angebot und Nachfrage an der Terminbörse bestimmt. Ein Future bewegt sich grundsätzlich synchron zum Kassamarkt des Underlying (Benzin, Orangensaft-Konzentrat, DAX…). Unterschiede zwischen dem Kassamarkt und dem Future würden Abirtragegeschäfte (risikolose Geschäfte) erlauben. Diese Chancen werden von Marktteilnehmer in der Regel sofort erkannt, sodass Abweichungen und Divergenzen sofort ausgeglichen werden. Dennoch kann der Preis eines Futures von dem Basispreis abweichen, gerade wenn der Erfüllungszeitpunkt noch weit in der Zukunft liegt. Zum Verfallstermin entspricht der DAX-Future aber dem DAX30.

Kassamarkt

Der Gegensatz zum Terminmarkt (Future-Markt) ist der Kassamarkt. Bei einem Terminmarkt sind Abschluss und Erfüllung von einander zeitlich getrennt, wohingegen am Kassamarkt die Ausführung einer Wertpapierorder und die Erfüllung eng beieinander liegen. Nachfolgend ist mit dem Kassamarkt der von der Deutschen Börse AG gestellte DAX-Kurs (Xetra) gemein.

DAX-Indikationen – Warum?

Die Finanzdienstleister versuchen natürlich die Gebühr, die für die Verwendung der echten DAX-Kurse an die Deutsche Börse AG bezahlt werden müssen, zu umgehen. Das schaffen sie,  in dem sie eine Abbildung des DAX veröffentlichen. Dies hat dann lustige Namen wie beispielsweise GER30, Deutsche Bank Indikation, L&S DAX und so weiter zur Folge. Die Vorteile einer solchen Indikation liegen für Finanzdienstleister nicht nur in den geringeren Kosten, sondern auch im Marketingeffekt, denn die meisten Unternehmen stellen ihre Indikationen Nachrichtensendern und Finanzseiten kostenfrei zur Verfügung. Aus diesem Grund sind alle Emittenten von DAX-Indikationen auch immer daran interessiert, so nahe wie möglich an den Xetra-Wert heranzukommen. Ein ganz wichtiger weiterer Grund, warum viele Banken ihre eigene Indikation stellen, ist zudem, dass sie ihren Kunden auch den außerbörslichen Handel verschiedener Derivate (Zertifikate, Optionsscheine…) ermöglichen und dafür eine Einschätzung des Underlyings (z.B. DAX) benötigen.

Wie berechnen sich diese DAX-Indikationen?

Wie sich diese DAX-Indikationen berechnen und auf welcher Grundlage sie entstehen, war die für mich interessanteste Frage beim Research für diesen Artikel. Und nachdem ich keine zufriedenstellenden Antworten im WorldWideWeb finden konnte, suchte ich das direkte Gespräch mit allen großen Banken, die Indikationen stellen. In den netten und teilweise auch sehr lehrreichen Gesprächen konnte, beziehungsweise wollte mir keiner konkrete Antworten geben (verständlich, aber schade). Alle Banken meinten, dass sich die DAX-Indikationen während der Xetra-Handelszeit auf den DAX und den DAX-Future beziehen.

Außerhalb der Xetra-Handelszeit ist es wohl noch wesentlich komplizierter, Aussagen zu treffen.

Gerade die Vorindikation (vor dem Xetra-Handelsstart um 9 Uhr) ist für viele Anleger und Trader von großer Bedeutung. Diese DAX-Indikationen sind keine simplen Vermutungen, sondern eine Annährung anhand einer komplexen Formel. In diese Berechnung fließen dann Nachrichten, Ereignisse und Börsenstimmung aus den USA, aus dem Asien-Handel und frühe Meldungen aus Europa mit ein.

 

Nach dem Xetra-Handelsschluss um 17:30 stehen für die DAX-Indikationen noch der Dax-Future und der L-DAX zur Verfügung (das L steht hier für Late). Dieser wird von der Deutschen Börse auf Basis der 30 Dax-Unternehmen berechnet.

 

Das Problem hierbei ist wohl, dass um 17:30 viel Marktteilnehmer den Handel einstellen und dieser im Zuge dessen sehr illiquide wird, was beide Notationen sehr schwankungsanfällig macht und zu irrationalen, nicht gerechtfertigten Ausschlägen führen kann. Aus diesem Grund sind der DAX-Future und der L-DAX als Gradmesser für eine gute Indikation aus Sicht vieler Marktteilnehmer nicht gerechtfertigt. Deshalb wird sich für die Berechnung der DAX-Indikationen nach weiteren relevanten Indikatoren umgeschaut, sodass beispielsweise der Dow-Jones, der S&P 500, viele nachbörsliche Nachrichten und andere externe Faktoren eine große Rolle spielen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass während der Xetra-Handelszeit viele Indikationen als eine sehr gute Orientierung dienen, da die Abweichungen oft nur minimal sind. Aber vor allem vor und nach Börsenschluss sind Indikationen von großer Bedeutung für den Handel.

Beste Grüße,

InsideTrading

PS: Wenn ihr etwas mitnehmen konntet, dann teilt diesen Artikel und unterstützt uns!

by Feb 26, 2016 3 Kommentare
Ein Produkt für jede Marktphase

Ein Produkt für jede Marktphase

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Ein Produkt für jede Marktphase

Etwas absolut Neues:
Der Markt hat nur 3 Richtungen:

  • aufwärts
  • abwärts
  • seitwärts

Und für alle diese Situationen gibt es Finanzprodukte, die eine Partizipation an dem jeweiligen vorliegenden Trend bieten. In diesem Artikel wird es dabei um gehebelte Produkte gehen, da für ungehebelte Investments meistens auch eine direkte Investition verfügbar ist, wie zum Beispiel eine Aktie oder Anleihe. Sollte dies nicht der Fall sein, so existieren meist ETFs, welche den Zielmarkt abbilden und eine kostengünstige Alternative für mittel- bis langfristige Investments darstellt.

Daher „strippen“ wir die Produkte nun nicht in ihre Bestandteile, sondern schauen uns einmal genau an, wie sich diese in den jeweiligen Marktsituationen verhalten. Wo liegen die Vor – und Nachteile der Produkte und wie könnte man beispielsweise in sie investieren.

In einem Aufwärtsmarkt liegen Primärphasen der Progression und der Kontraktion vor, einfach gesagt Trendbewegung und Korrektur.
In Folge betrachten wir nur Geschäfte, welche mit der Trendrichtung handeln. Diese Grundannahme gilt für alle folgenden Marktphasen.

In besagtem Aufwärtstrend gehen wir nun von einer starken Bewegung aus. Uns bieten sich hier nun zwei Möglichkeiten an. Die eine ist ein sogenanntes Faktor-Zertifikat, die andere ein Knock-Out Produkt.
Dies sind nicht alle zur Verfügung stehenden Produkte, doch mit die populärsten.
Ein Faktor-Zertifikat punktet dabei durch seine Einfachheit. Doch genau diese ist für viele Investoren gerade so tückisch, denn der fixierte Hebel, der auf den ersten Blick überaus attraktiv erscheint, kann je nach Marktsituation auch zum scharfen Schwert werden, das zurück schwingt.
Faktor-Zertifikate wurden bereits in einer vorangegangenen Sektion besprochen: Faktorzertifikate.
Hier wird mit ihnen das Beispiel für die Short Seite gerechnet.

Auf der Long Seite soll dieses Mal ein Knock-Out der klassischen Form herhalten.

Knock Out

Ein klassischer Knock-Out zeichnet sich durch seine Eigenschaft aus wertlos zu verfallen, sobald ein bestimmter Basiswert unterschritten wird. Zumeist wird das Produkt dann gegen eine kleine Rückzahlung ausgebucht. Diese Rückzahlung wird aus steuerlichen Gründen geleistet, zu denen wir aus rechtlichen Gründen keine weiteren Angaben machen dürfen. Bei Detailfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Steuer- / Anlageberater.
Der Wert eines Knock-Out berechnet sich dabei durch seinen „inneren Wert“(+Aufgeld). Diese Begrifflichkeit kommt dabei von der Tatsache, dass ein Knock-Out im Prinzip der Gattung der Optionsscheine entstammt, da es diese Zertifikate auch mit Laufzeitbeschränkungen gibt.
Der innere Wert ist definiert als die Differenz zwischen Barriere und dem aktuellen Kurs multipliziert mit dem Bezugsverhältnis.

An einem Beispiel: Es wurde ein Knock-Out Call auf die InsideTrading AG gekauft. Der zugrundeliegende Basiswert (Insidetrading) steht aktuell bei 45€, der Basispreis des Knock-Outs ist 40€, das Bezugsverhältnis sei als 0.1 gegeben.
Daher ist der Wert des Scheins:

(45€-40€)*0.1 = 50 Cent

In dem Moment, in dem der Basiswert – also hier InsideTrading– im Handel den Wert von 40€ erreicht oder unterschreitet, verfällt der Schein wertlos und wird aus dem Depot ausgebucht.
Der große Vorteil des Produktes ist wie im Knock-Out Artikel besprochen im Gegensatz zu Aktien oder Futures, dass man von vornherein weiß, wie viel Geld man maximal verlieren kann. Bei einer Aktie oder einem Future ist dies theoretisch ein Fallen des Basiswertes auf 0.

In Seitwärtsmärkten gibt es verschiedene Formen an Produkten, welche sich eigenen: Discount-Zertifikate, Bonus-Zertifikate, Aktienanleihen, Inline-Optionsscheine sowie Express-Zertifikate.

Da Discount- und Bonuszertifikate aber auch für leicht steigende Märkte geeignet sind, fokussieren wir uns jetzt auf die Produkte, welche wirklich für den Seitwärtsmarkt strukturiert werden.

Ein Inline-Optionsschein ist ein Knock-Out Produkt, welches beim Verlassen eines Korridors wertlos verfällt. Da ein Inline-Optionssschein ein Knock-Out Produkt ist, bietet es entsprechend Renditen im niedrigen aber auch im hohen zweistelligen Bereich.
Da aber viele Anleger dieses Knock-Out Risiko gerade in Seitwärtsspekulationen vermeiden wollen, bietet sich die Alternative eines sogenannten Express-Zertifikates.

Express-Zertifikat

Diese Express-Zertifikate werden im Laufe ihres Lebens an verschiedenen Bewertungstagen betrachtet und je nach Stand des Basiswertes ­–also unsere für Beispiele herangezogene InsideTrading AG­– gewinnt das Produkt an Wert (Bonuszahlung) oder aber es erfolgt eine Rückzahlung.

Im Detail:

  • Liegt die InsideTrading AG unter ihrem Bewertungslevel, so läuft das Produkt weiter, eine Rückzahlung erfolgt in diesem Moment nicht.
  • Liegt die InsideTrading AG über ihrem Bewertungslevel, so wird der entsprechende Nominalwert zuzüglich Bonusbeträge ausgezahlt.

Am letzten Bewertungstag:

  • Liegt der Basiswert am letzten Bewertungstag auf oder oberhalb des Auszahlungslevels, erfolgt die Rückzahlung zum Nominalbetrag zuzüglich Bonusbetrag.
  • Liegt der Basiswert am letzten Bewertungstag auf oder oberhalb der Barriere aber unterhalb des Auszahlungsniveaus, so erfolgt die Rückzahlung zum Nominalbetrag.
  • Notiert die InsideTrading AG unglücklicherweise zum finalen Bewertungstag unterhalb der Barriere, so erleidet der Anleger einen Verlust in Höhe des prozentualen Abstandes zur Barriere.

Auch hier ist ein kleines Beispiel sicher nicht verkehrt.

Betrachten wir die theoretische InsideTrading AG:
Es wird nun ein Express-Zertifikat angeboten. Das Zertifikat läuft über zwei Jahre und soll dabei einmal pro Jahr eine Bewertung erfahren. InsideTrading steht bei 100€, die Barriere ist mit 90€ 10% entfernt. Das Auszahlungsniveau sei bei 100€ festgelegt.
Für jedes Mal, wenn die InsideTrading Ag am Bewertungstag unterhalb der Bewertungsschwelle notiert, wird der Bonus dem Produkt gutgeschrieben und es läuft weiter.
Angenommen das Produkt wird nun beim ersten Mal wie genannt unterhalb der Schwelle liegen, beim zweiten Mal liegt es jedoch oberhalb, so wird der Nominalwert zuzüglich dem Bonus ausgezahlt.
Hier wären dies entsprechend 10€ plus dem Nominalwert 100€ = 110€.

Wenden wir uns zum Schluss nun dem bearischen Marktumfeld zu. Wie versprochen soll nun das Faktor Zertifikat zum Einsatz kommen. Bei diesem ist der Kaufzeitpunkt nicht relevant für den Hebel, welchen das Produkt beim Kauf hat, denn der Hebel ist per Konstruktion festgelegt.

Faktor Zertifikat

Bauen wir uns ein Beispiel. InsideTrading hat aktuell einen Kurswert von 42€, dem Investor hat der letzte Artikel nicht gefallen und er möchte sich rächen und nimmt eine auf fallende Kurse setzende Position ein. Zu unserem Unglück behält er recht, er hatte sich ein vierfach gehebeltes Faktor Zertifikat gekauft, welches bei 42€ einen Wert von 1€ hatte. Der neue Kurs nach der schlagartig an einem Tag stattfindenden Abwärtsbewegung liegt bei 35€. Das entspricht einem Kursverfall von 16,6%. Das Faktor Zertifikat multipliziert nun die Bewegung, also sowohl die Gewinne als auch die Verluste, um den Faktor 4.
Der Gewinn, den der Anleger mit seinem Zertifikat machte, ist also:

4*16,6% = 66,4%

Also ist der neue Preis des Faktorzertifikates steigt also um 66,4% auf 1.66€.
Wichtig ist dabei, dass die Bewegung an einem Tag stattfand, denn der Hebel des Zertifikates wird an jedem neuen Tag an den Schlusskurs des vorangegangenen Tages gekoppelt. Genaueres über diesen Effekt ist im Artikel Faktorzertifikate oder im Wissensbereich zu finden.

Wir hoffen, dass diese Ausführungen dabei helfen, die Produktwelt der Zertifikate, welche unendlich erscheint, etwas besser kennen zu lernen.

Hier noch einige Rufnummern zu den Hotlines der Emittenten, sodass weitere Rückfragen keine Umstände machen sollen, denn nichts ist wichtiger als sein Produkt zu kennen.

 

Beste Grüße, InsideTrading.

by Feb 16, 2016 Keine Kommentare
Geldanlage und Strategien – Value und Momentum Handel

Geldanlage und Strategien – Value und Momentum Handel

all

Geldanlage und Strategien – Warum Value und Momentum Handel sich nicht auschließen müssen.

Es gibt eine Vielzahl von Finanzprodukten, die sich hinsichtlich Zinsen, Risiko, Flexibilität und Laufzeit deutlich unterscheiden.

Einen maßgeblichen Anteil bei der Entscheidung über die Anlagestrategie spielt der Anlagehorizont.

Bei einem langfristigen Anlagehorizont geht bekanntlich kein Weg am Aktienmarkt vorbei.

Ist der Anlagehorizont begrenzt, stellt der Aktienmarkt aufgrund seiner Volatilität nicht die erste Alternative dar. Aktienkurse werden kurz- bis mittelfristig von unvorhersehbaren Ereignissen bestimmt. Terroranschläge, Notenbankäußerungen, Ölpreisschocks, geopolitische Konflikte, Währungskrisen sowie unprognostizierbares Anlegerverhalten können das Börsengeschehen massiv beeinflussen. Fundamentaldaten und wirtschaftliche Perspektiven geraten dabei regelmäßig aus dem Blickfeld der Marktteilnehmer.

Bereits Newton musste sich nach dem Platzen der Südseeblase eingestehen, dass er die Bewegung eines Himmelskörpers messen könne, aber nicht die menschliche Dummheit.

 

„I can calculate the movement of stars, but not the madness of men“

 

Daraus wird ersichtlich, dass die Gier an der Börse kein guter Ratgeber ist. Wer aber langfristig eine gute Rendite erwirtschaften möchte und keinen begrenzten Anlagehorizont hat, findet an den Aktienmärkten gute Chancen. Dies verdeutlicht auch die folgende Grafik:

 Statistisches BundesamtQuelle: Statistisches Bundesamt

 

Aktien gehören definitiv zu den Anlageformen, die in der gesamten Historie der Märkte durchschnittlich die beste Rendite vorweisen können. Anleger können bei zahlreichen Aktientiteln nicht nur von eventuellen Kursgewinnen, sondern ebenso von einer guten Dividendenrendite profitieren.

Für den langfristigen Erfolg an den Aktienmärkten gibt es mittlerweile unzählige Strategien und Produkte. Ob ein direktes Investment in Einzelaktien oder regelmäßiges Sparen über Aktienfonds oder ETF´s, für jeden Anleger ist etwas dabei.

Die Anlage in Fonds oder ETF´s ist dabei die etwas leichtere Variante, da ein Großteil der Verantwortung abgegeben wird. Bei einem Fonds entscheidet der Fondsmanager, in welche Aktien oder Branchen investiert wird. Bei ETF´s entscheidet man sich beispielsweise für eine bestimmte Branche oder Region und folgt der Annahme, dass der Markt regelmäßig die beste Rendite erwirtschaftet.

Entschließt man sich, selber die Entscheidung zu treffen in welche Aktien investiert wird, sieht man sich unterschiedlichsten Investmentstrategien gegenüber.

Hier hat der Anleger die Qual der Wahl zwischen einer Value- oder Growth-Strategie. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Anlageentscheidung anhand der charttechnischen Analyse oder der Sentiment-Analyse zu treffen.

Welche Strategie nun am besten ist und langfristig den größten Erfolg verspricht, kann für die Zukunft niemals mit einer 100%igen Gewissheit vorausgesagt werden. Es bleibt lediglich der Blick in die Vergangenheit und die Erkenntnis, welche Strategie sich in der Vergangenheit am besten geschlagen hat.

Dennoch unterliegen die Finanzmärkte einem permanenten Wandel. Stichwort „Algos und High Frequency Trading“. Das Marktverhalten kann daher in Zukunft ein ganz anderes sein als noch in der Vergangenheit.

Daher bin ich überzeugt davon, dass es bei der Beurteilung der Marktsituation oder Analyse einer Einzelaktie ratsam ist, sich aus dem gesamten Instrumentarium der Analysemethoden zu bedienen. Über Fundamentaldaten und Charttechnik bis zum Sentiment sollte alles in die Anlageentscheidung miteinbezogen werden. Sofern dann mehrere Parameter in eine Richtung weisen, kann eine entsprechende Anlageentscheidung getroffen werden. Das Risiko einer falschen Entscheidung wird durch die Hinzuziehung mehrerer Indikatoren sicher nicht auf 0% gesenkt, aber man erhält zumindest eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine erfolgsversprechende Entscheidung.

 

Strategien kombinieren – Eine kluge Entscheidung oder Ausrede für fehlende Konstanz?

Grundsätzlich hat es sich an den Finanzmärkten als klug herausgestellt, eine Strategie konstant zu verfolgen und sich innerhalb dieser Strategie permanent weiterzuentwickeln und zu verbessern.

Die Value-Strategie hat sich über Jahrzehnte als eine konstante und erfolgreiche Strategie herauskristallisiert. Hierfür gibt es verschiedenste Studien wie z.B. von Roger Ibottson[1], Fluck, Malkiel und Quandt[2] oder von Lakonishok, Vishny und Shleifer.[3]

 

Warum also die Value-Strategie nicht über Jahrzehnte umsetzen und verfolgen?

Der Value-Ansatz sollte regelmäßig eine wesentliche Rolle bei der Anlagestrategie einnehmen. So kann für jedes Portfolio ein solides Fundament geschaffen werden. Dieses Fundament sorgt für die nötige Stabilität, Qualität und sachliche, rationale Entscheidungen in schwierigen Marktphasen.

Dennoch gab es auch immer wieder Marktphasen, in denen der Value-Ansatz keine Outperformance gegenüber anderen Strategien erzielen konnte.

Regelmäßig in Konkurrenz zueinander stehen die Growth- und die Value Aktien. Der Growth-Ansatz steht dabei für Wachstums-Titel wie Facebook, Google oder Amazon. In den Value-Bereich lassen sich hingegen Unternehmen wie Microsoft, P&C oder Johnson & Johnson einordnen.

 Value-Momentum

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Value-Aktien bzw. der MSCI World Value besser entwickelt als der MSCI World Growth. Dies bestätigt grundsätzlich die oben gemachte Aussage, dass die Value-Strategie historisch gesehen eine überdurchschnittliche Performance generiert.

Betrachtet man allerdings nur die vergangen 8 Jahre, haben sich die Growth-Titel besser geschlagen als die Konkurrenz aus dem Value-Segment.

Es ist also nicht ratsam, das eine oder das andere von vornherein auszuschließen. Stattdessen erscheint es sinnvoller, das Unternehmen im Vergleich zu seiner direkten Konkurrenz zu betrachten und folgendes zu analysieren.

  • Hat das Unternehmen einen absoluten Marktvorteil gegenüber der Konkurrenz?
  • Ist das Unternehmen im Vergleich zu seiner Konkurrenz fair bewertet?
  • Verfügt das Unternehmen über ein entsprechendes Momentum in der derzeitigen Marktsituation?

Darüber hinaus sollten natürlich auch die Perspektiven der Branche sowie die makroökonomische Situation miteinbezogen werden. Ein Unternehmen kann zwar der Branchenführer sein, aber wenn die Branche keine Perspektive hat, wird früher oder später auch das beste Unternehmen unter dem Druck des Marktes zusammenbrechen.

Warum das Momentum einbeziehen, wenn ich langfristig vom Unternehmen überzeugt bin?

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass starke Unternehmen, die mit einem günstigen Marktpreis bewertet sind, früher oder später wieder zu einem fairen Marktpreis zurückkehren.

Dass die Rückkehr zu einem fairen Marktpreis erfolgt, kann aber keinesfalls garantiert werden. Sofern dieses Szenario nicht einsetzt, könnte dies auf folgende Punkte zurückzuführen sein:

  1. Die eigene Analyse ist nicht zutreffend und der Markt liegt mit einer Minderung des Marktpreises richtig
  2. Die eigene Analyse ist zutreffend, aber die Geschäftsentwicklung des Unternehmens passt sich zukünftig dem Marktpreis an.
  3. Alternative: Der Markt braucht eine relativ lange Zeitdauer, um zu einem fairen Marktpreis zurückzukehren.

In der Regel werden qualitativ starke Unternehmen, die innerhalb ihrer Branche einen Marktvorteil haben, wieder zu einer fairen Bewertung zurückkehren. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel und um diese Ausnahmen zu vermeiden, sollte das entsprechende Momentum abgewartet werden.

Durch die Timing-Komponente unter Zuhilfenahme des Momentums sowie der Charttechnik können insbesondere Value Late Winners und Value Traps ausselektiert werden.

Value_Traps

Dieser Ansatz bietet unter Anderem zwei Vorteile. Zum Einen kann das Risiko im Portfolio minimiert werden und zum Anderen sollte die Selektion zu einer verbesserten Performance führen.


[1] Decile Portfolios of the New York Stock Exchange, 1967-1984, Arbeitspapier Yale School Management
[2] The Predictability of Stock Returns: A Cross-Sectional Simulation, Fluck, Malkiel und Quandt, Journal of Economics and Statistics, Mai 1997
[3] Contrarian Investment, Exploration and Risk, Lakonishok, Vishny und Shleifer, Arbeitspapier Nr. 4360, National Bureau of Economic Research, Mai 1993

by Feb 12, 2016 Keine Kommentare
Die 4 größten Finanzirrtümer der Welt

Die 4 größten Finanzirrtümer der Welt

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1. Finanzirrtum: Das Aldi Prinzip

Muss es wirklich immer günstig sein? Nach einschlägiger Meinung der meisten Menschen ist die Antwort ein klares “Ja”.
Das Lieblingswort der meisten lautet “unterbewertet”. Dieses Qualitätssiegel ist die Lizenz zum Investieren. Häufig wird sich im Anschluss dann an noch günstigeren Preisen erfreut bis die Preise so günstig werden, dass dem Anleger auffällt, dass es nun richtig teuer geworden ist.
Dagegen werden Investitionen in Anlagewerte, die immer teurer werden, keines Blickes mehr gewürdigt und meistens darüber geklagt. “Das ist doch total überbewertet”, heißt es dann.

Ja stimmt, die Preise werden immer teurer und teurer bis man merkt, dass man damals ein unheimliches Schnäppchen gemacht hat und einen großen Gewinn eingefahren hat.
Das Agieren am Finanzmarkt könnte wirklich einfach sein, wenn es einen Resetknopf für das eigene Gehirn gäbe.
Den meisten Privatanlegern ist noch nicht mal etwas vorzuwerfen, weil sie nach einem ausgeklügelten Drehbuch agieren, welches andere für sie schreiben. Zu einen kleinen Teil der Autoren kommen wir jetzt in Finanzirrtum zwei.

2. Finanzirrtum: Analysten und Nachrichten leisten einen Wertbeitrag zu Ihrem Depot.

Worum geht es eigentlich in Ihrem Depot? Um politische Korrektheit? Oder um etwas, das en vogue ist?

Analysten machen einen super Job. Sie können gut recherchieren, verfügen über eine gute Rechtschreibung, lesen gerne viele Informationen, um diese etwas aufbereiten, damit Sie sie lesen. Sie sind stets bemüht und haben Spaß an dem was sie tun. Sie zeigen Interesse bei ihrer Arbeit.
Für ein Angestelltenverhältnis sind dies alles würdige Eigenschaften, aber auch um daran Investitionsentscheidungen für Ihre Zukunft zu tätigen? Da muss ich Sie leider enttäuschen.
Gute Investitionen tätigen Sie nur, wenn Sie sich exakt zum Gegenteil vom Aldi Prinzip verhalten.

3. Finanzirrtum: Sie brauchen jemanden, der sich um Ihre Finanzen kümmert, wie ein Doktor im weißen Kittel.

Der Banker, der hier vor Ihnen sitzt hat vermutlich noch nicht einmal ein Abitur oder ein Studium. Sie haben vielleicht eines und gutes Geld verdient und wollen es nun investieren. Glückwunsch, das ist sehr weise.

Aber, der der hier vor Ihnen sitzt, hält sich an Vorgaben von oben, die ihm regelmäßig jemand auf den Schreibtisch übersendet. 
Ist Geld nicht eine persönliche Angelegenheit? 
Wäre es nicht schön wenn die Person, der sie in die Augen schauen und Ihnen Anlagevorschläge unterbreitet auch dafür verantwortlich ist, was er Ihnen empfiehlt? 
Leider ist das hier Fehlanzeige. Ähnlich wie der Analyst hat dieser Mann gezeigt, dass er Anweisungen folge leisten kann und ein bisschen Geschick im Verkauf besitzt. Etwas anderes als Ihnen etwas zu verkaufen, möchte der gute Mann nicht.

 

4. Finanzirrtum: Über Geld spricht man nicht?

Sie sollten sich angewöhnen doch über Geld zu sprechen und Ihre Kontostände und Investitionen regelmäßig zu überwachen. Lernen Sie Geld als Zahlen zu betrachten ohne Emotionen. Verdienen, sparen und investieren Sie es. Worin Sie investieren ist fast egal, Hauptsache die Anlageprodukte werden immer teurer und teurer und teurer. Vergessen Sie aber nicht irgendwann zu verkaufen, denn nur dann macht man Gewinne, die man wieder neu investieren kann. 2008 sind die Kurse einmal um 30% gefallen, um dann wieder ein bisschen zu steigen um dann extrem zu fallen. Gleiches ist im August 2015 passiert. Wenn man also einmal einen übernatürlichen Kursverfall bemerkt, sollte man auf eine kleine Erholung warten und dann endgültig verkaufen. Betrachten Sie danach die Kurse alle drei bis sechs Monate so lange bis die Börse den Resetknopf drückt. 

In Anbetracht der Tatsache, dass nach dem Reset die Preise von 2002 bis 2008 und von 2009 bis 2015 ausschließlich gestiegen sind, bin ich sicher, dass sich bald wieder Gelegenheiten über eine längere Periode ergeben werden. Keine Gewinne machen ist dann fast schon unmöglich. Aber nichts ist unmöglich, keine Gewinne machen funktioniert dann nur noch mit dem gängigen weltweiten Verhaltensmuster des Aldi Prinzips, dem täglichen Lauschen des Nachrichtendoktors in den Medien und Analysten, sowie der ständigen Diskussion über “unterbewertet” und “überbewertet”. Wenn Sie das tun, schaffen Sie das Unmögliche: Sie machen keine Gewinne, obwohl die Börsen sechs Jahre in Folge steigen. Viele Menschen weltweit besitzen keine Aktien. Die Gründe sind einfach, sie liegen im gerade genannten und der daraus resultierenden Paralysierung, wodurch sie handlungsunfähig werden. Sie sind einfach mental nicht in der Lage dazu Aktien zu kaufen und zu halten, eben aus den genannten Gründen.

Fazit: Wenn die Kurse steigen, ist es klug zu kaufen. Bei angefallenen Gewinnen sollten Sie nachkaufen und zwar die besten Rennpferde, die anderen werden mangels schlechterer Performance verkauft. Betrachten Sie sich einfach wie einen Gärtner, der Blumen in das Beet pflanzt. Wenn der Markt Ihnen eine Warnung mitteilt, wie einen übernatürlichen Kursrutsch, sollten sie nach einer Erholung alles verkaufen und auf den Reset warten.

by Feb 03, 2016 1 Kommentar
Das DAX-Renditedreieck

Das DAX-Renditedreieck

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Das DAX-Renditedreieck des deutschen Aktieninstituts (DAI)

„Investieren in Aktien ist riskant“ oder „Ich zocke doch nicht an der Börse“ sind Aussagen, die sicherlich häufiger in Zusammenhang mit dem Aktienmarkt getätigt werden.

Mit diesen Aussagen wird allerdings das Investieren in Aktien negativ pauschalisiert.

Meistens verbirgt sich hinter ihnen eine wohlbekannte Erfahrung für den Privatanleger: Einsteigen, wenn die Kurse extrem hoch sind und später erkennen, dass man genauso gut eine Tulpe gegen eine Altstadtvilla in bester Grachtenlage hätte eintauschen können. Man erinnere sich an die Tulpomanie in den Niederlanden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Dieses Beispiel ist sicherlich ein bisschen überzogen, trifft aber sicherlich auf einen nicht unerheblichen Teil der Privatanleger zu. Dabei muss man nicht unbedingt bis zur Tulpomanie zurückgehen. Ein Blick bis zur Jahrtausendwende und der Dotcom-Blase reicht da schon.

Viele Privatanleger haben damals mit T-Aktie (damals ein Kurswert von über 80,- EUR) hohe Verluste erlitten.

Ein Einstieg in die Boomphase hinein, mit der Hoffnung auf hohe Kursgewinne, kann allerdings nicht als nachhaltiges Investieren angesehen werden.

Gleichwohl trägt es dazu bei, dass die Aktie zur Vermögensbildung eher verpönt ist. Nicht nur bei dem Privatanleger von damals, sondern zum Teil auch noch bei der nachfolgenden Generation.

„Bausparverträge und Lebensversicherungen sind eine sichere Sache“ hört man häufiger als „Aktien sind eine sichere langfristige Vermögensanlage“.

Sicherlich weißt ein Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung kaum bis gar keine Volatilität auf, da i.d.R. durch garantierte Zinsen die Rendite schon gesichert scheint, aber ob es sich dabei um eine sichere Anlage zur VermögensBILDUNG handelt, darf zumindest hinterfragt werden. Die Inflation sollte man zumindest dabei nicht außen vor lassen.

Wer eine Rendite über den Inflationsausgleich hinaus erwartet, kommt in der heutigen Zeit von Niedrigzinsen nicht ohne einen Blick auf den Aktienmarkt aus. Aber da war doch was, Risiko, Verluste, Zockerei? Lieber nicht.

Bleibt die Frage, ob diese Begrifflichkeiten zwingend mit einem Aktieninvestment einhergehen müssen.

In diesem Zusammenhang sollte man zumindest mal über das DAX-Renditedreieck des deutschen Aktieninstituts (DAI) gestolpert sein.

Auf den ersten Blick sind dort viele Zahlen, die sich vielleicht auch nicht sofort nachvollziehen lassen. Der zweite Blick zeigt aber, nachhaltiges Investieren in Aktien lässt sich schwer mit Begriffen wie Verluste, Risiko und Zockerei verbinden.

Renditedreieck

Das DAX-Renditedreieck ist nach Kalenderjahren aufgebaut. Auf der rechten Seite befinden sich die Jahre des Ankaufs, auf der unteren die Jahre des Verkaufs. Von links nach rechts sind die Jahre des Anlagehorizonts in 5-Jahres-Schritte unterteilt. Pro Querstrich ist also ein Anlagehorizont von 5 Jahren gegeben. Von ganz links bis 5 Jahre, bis ganz rechts, über 60 Jahre Anlagedauer.

In den jeweiligen Kästchen, in denen jeweils Ankaufs- und Verkaufsjahr aufeinander treffen, befindet sich die durchschnittliche, jährliche Rendite. Dazu ist innerhalb der Grafik auch ein entsprechendes Musterbeispiel abgebildet.

Zur graphischen Abhebung der unterschiedlichen Jahresrenditen sind diese mit entsprechenden Farben versehen (dunkelrot = starkes Minus; weiß = kaum bzw. nur sehr geringe Rendite bis dunkelblau = hohe positive Rendite).

Aufgrund der Farbgestaltung fällt einem recht schnell ins Auge, dass die Renditen weiter rechts, also bei einem hohen Anlagehorizont ein ins dunkel tendierende blau/lila 😉 aufweisen. Von rot oder weiß ist auf der rechten Seite des Renditedreiecks nichts zu sehen.

Anhand dessen lässt sich also erkennen, dass bei einem langfristig angelegten Investment in Aktien (Anlagehorizont über 10 Jahre) ein Verlust bzw. eine negative Rendite fast ausgeschlossen ist.

Hierbei spielt natürlich die Tatsache, dass es sich beim DAX um einen Performanceindex (total return index) handelt, eine bedeutende Rolle. D.h. Beim Performanceindex werden die Dividenden aus den im DAX enthaltenen Titeln in den Index reinvestiert, während sie beim Kursindex unberücksichtigt bleiben.

Somit werden die ausgeschütteten Gewinne der Dax-Konzerne bei der durchschnittlichen Jahresrendite mitberücksichtigt.

Bei einer Dividendenrendite von bspw. 2% ergibt sich auf 10 Jahren eine Gesamtrendite von 20%. Dies spielt insgesamt bei der durchschnittlichen Rendite eine gewichtige Rolle. Aber auch nur dann, wenn langfristig angelegt wird. Bei einem An- und Verkauf innerhalb weniger Wochen kommt dieser Effekt regelmäßig nicht zum Tragen.

by Dez 11, 2015 1 Kommentar
Strategien – langweilig aber erfolgreich!

Strategien – langweilig aber erfolgreich!

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Strategien – langweilig aber erfolgreich!

Ich bin der Meinung, dass jeder Händler der an der Börse tätig ist eine Strategie benötigt. Deswegen möchte ich gerne ein paar Aspekte nennen die bei der Lösung der richtigen Strategie zu beachten sind. Zu allererst sollte man wissen, welches Produkt man handelt und ob man seine Entscheidungen aufgrund von Nachrichten oder aufgrund der Markttechnik tätigt. Entscheidet man sich für Nachrichten sollte man aufschreiben, wo man diese Nachrichten herbekommt, wann man sich sie täglich anschaut und zu welchen Zeiten man nach ihnen handelt. Gleiches gilt für die Markttechnik, da es sich hierbei um ein sehr weites Thema handelt sollte man exakt wissen, welche Strategie man sich hier bereitlegt. Wichtig ist, dass die Strategie aufgeschrieben werden muss und so detailliert ist, das selbst ein Dritter sie verstehen kann und die Käufe und Verkäufe ausführen kann. Theoretisch müsste also die eigene Mutter oder Großmutter diese Strategie auch handeln können. Hier mag ich glauben, gibt es Grund zu resignieren, aber nur wenn man eine genau definierte Strategie hat, die möglichst auch einfach ist, kann sie wiederholt werden und konsistent gehandelt werden. Dann können duplizierbare Ergebnisse erwirtschaftet werden, welches wie ich gleich mit dem Gesetz der Serie ausführe von großer Wichtigkeit ist. In Bezug dazu gibt es noch einen Aspekt den man akzeptieren und verstehen muss. Es gibt keine Strategie auf der Welt die jeden Tag erfolgreich ist. Dies ist auch nicht das Maß, welches eine Strategie erfüllen muss. Selbst die einfachste Strategie hat den Sinn ein Fixstern zu sein, den man kontinuierlich handelt und der eine Trefferquote generiert, die möglichst nicht null ist. Dabei ist es angenehmer wenn man seine Trefferquote bewusst niedrig ansetzt, das bedeutet, dass man eine Trefferquote von 30% und somit 70% Fehltrades akzeptiert. Es ist wichtig sich über solche Zahlen Gedanken zu machen, weil man ansonst dem typischen Fehler unterliegen wird aus jedem Tag und jeder Transaktion das Beste heraus zu holen.

So funktioniert Börse aber nicht und ist mit unter einer der größten Gefahren die es gibt.

Börse ist ein Nummernspiel, welches bedeutet, dass bevor man seine erste Transaktion tätigt, man vorher eine Serie festlegt, die man mit einer fixen Strategie handelt. Jede Transaktion erfolgt dann in der Serie nach dem gleichen Muster.
Wenn man es nun wirklich fertig gebracht hat die Einstiegsstrategie aufzuschreiben, wird ein großer Teil der täglichen Ablenkungen im Handel eliminiert sein. Denn wenn man nun 100% weiß wann man einsteigt, ist man frei genug für den nächsten Wesentlichen Schritt im Handel.
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Man kann nun seine Risiken minimieren und seine Gewinne laufen lassen. Gewiss wird man jetzt sagen “ja, Risiken minimieren und Gewinne laufen lassen” dies habe ich schon oft gehört und sagt sich leichter als getan. Ja, das stimmt, aber ich kann versichern, wenn man nicht vorher 100% weiß, wann man einsteigt in den Markt wird das managen der Risiken und Gewinne unmöglich werden. Wenn man aber eine festgelegte Strategie hat, wird es zwar immer noch der schwerste Aspekt im Handel  bleiben, aber immerhin ist es ein ganzes Stück leichter geworden:

Es ist wichtig, dass Verluste einen bestimmten Bereich nie überschreiten dürfen!

Dann gewinnt man einen wichtigen Vorteil, selbst wenn man unendlich viele Transaktionen gemacht hat. Wenn man immer einen fixen Maximalverlust hat, besitzt man nämlich einen fixen maximalen Durchschnittsverlust, welches bedeutet, dass man sich nie mehr Gedanken um seine Verluste machen muss, da diese nun fix sind. In dieser banalen Aussage steckt im Grunde schweres Verständnis und sollte durchdacht und mit einem Beispiel errechnet werden.
Nun kann man sich vollkommen auf seine Gewinne konzentrieren. Jetzt kann man immer noch sagen, “ja Gewinne laufen lassen, sagt sich leichter als getan” und dem stimme ich auch vollkommen zu. Aber Gewinne laufen lassen ist einfacher geworden, wenn man sich um seine Verluste und um seinen Einstieg nie mehr kümmern braucht, denn dieser steht jetzt fix. Außerdem ist man sich schon über seine fiktive Trefferquote bewusst, welches verhindert jeder Transaktion das Beste abzugewinnen und sich zu viel in die aktuelle Transaktion hinein zu steigern. Auch kann man die Ungewissheit ablegen, wie das Ergebnis der aktuellen Transaktion aussehen wird, denn man weiß, dass man sich in einem Nummernspiel befindet und z.B. eine Serie von 20 oder 50 Gelegenheiten handelt, mit der man seine Strategie testen wird. Wenn man sich also gerade beim vierten von 20 Versuchen befindet und bis jetzt alle verloren sind, braucht man weder den Kopf in den Sand zu stecken, noch auch nur den geringsten Haaransatz an der Strategie zu verändern.
Wenn man eine Trefferquote von 30% angesetzt hat,  können von 20 Transaktionen 14 verlieren. Jedoch wenn man nur sechs Transaktionen gewinnt, bedeutet dies auch, dass diese in ihrem Gewinn mindestens zweieinhalb mal größer sein müssen als die Verluste.
Die maximalen Durchschnittsverluste könnten z.B. zehn betragen und die Gewinne 50.
Ist dies möglich?
Bei einer Ausbruchsstrategie, die z.B. in mindestens 30% der Fälle in eine Bewegung übergeht,  ist dies mehr als möglich. Dann stehen sich 300 Punkte Gewinn und 140 Punkte Verlust gegenüber womit man 160 erwirtschaftet. Ausbrüche sind eine der drei wichtigsten Bestandteile der Markttechnik. Es gibt den Ausbruchs-, den Bewegungs- und den Trendhandel.

Fazit:

Man muss sich auf eine Einstiegsstrategie und auf die Serie konzentrieren. Letzteres heißt, es ist egal wie das Ergebnis einer einzelnen Transaktion aussieht, es zählt nur die Gesamtheit der Serie. Egal?, natürlich soll ein negatives Ergebnis nicht höher als der fixe Durchschnittsverlust sein und die Konzentration muss auf die Maximierung des laufenden Gewinnes liegen. Gewinne mitnehmen, weil es einem gerade gefallen würde, obwohl es keinen markttechnischen Anlass dazu gibt, ist natürlich tabu. Dieses Verhalten wird man aber mit der Zeit ausmerzen, wenn man sich vollkommen auf laufende Gewinne konzentriert.
Ebenso wie man sich auf seine maximalen Gewinne konzentriert, gibt es noch eine weitere Konzentration im Markt und zwar die der fixen Uhrzeit zum Handel. Dies gilt für die Markttechnik und natürlich weniger für zeitlich fest angekündigte Nachrichten.

Wieso soll man dies tun?

Die Antwort ist leicht, weil kein Mensch sich den ganzen Tag konzentrieren kann und weil die Bedingungen des Erfolges einer markttechnischen Strategie nicht den ganzen Tag Geltung haben. Dabei gibt es von 8:00-11:00 Strategien die von 11:00 bis 14:00 Uhr nicht funktionieren und umgekehrt. Exakt so ist es von 14:00 bis 17:00 Uhr von 17:00 bis 20:00 Uhr und von 20:00 bis 22:00 Uhr. Dies liegt daran, dass die Börse neben Volumina auch banalen Einflüssen wie Mittagspausen, Feierabende und -tage unterliegen. Auch wenn Seit 2008 Hochgeschwindigkeitscomputer an der Börse dominant sind, besteht sie immer noch nahezu 100% aus Menschen, die morgen weder einen anderen Job angenommen haben noch zu einem anderen Zeitpunkt zur Arbeit kommen. Sie arbeiten also immer noch zur gleichen Zeit an der Börse und dies meistens mit konstanten Strategien.
Kann sich auch nur einer ernsthaft vorstellen, dass irgendein Menschen in den unterschiedlichen Banken und Institutionen auf den weiten Kontinenten da draußen ohne Strategie und ohne Plan vorgeht?
Es gibt zahlreiche private Händler die von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr die Märkte überwachen und/ oder nicht spontan ihre Strategie aufschreiben können.
Was ich davon halte, ist sicher deutlich geworden. Es ist die Austrittskarte vom Markt bevor man überhaupt eingetreten ist.
Abschließend möchte ich sagen, wer nun eine fixe Einstiegsstrategie, fixe Durchschnittsverluste, eine fixe Handelsuhrzeit, eine fixe Trefferquote und eine fixe Serie hat, kann sich entspannt zurücklehnen.
Je mehr fixe Gewohnheiten man im Trading besitzt desto mehr kann man sich jenen Dingen widmen, die wirklich Bedeutung und Wichtigkeit tragen, wie die laufenden Gewinnen und die Stoppsetzung. Dagegen gibt es nichts was einen mehr zurückwirft und frustriert als jeden Tag immer wieder von vorne zu beginnen und alles neu zu überdenken.
Christoph

by Okt 13, 2015 Keine Kommentare
Ist Gier gut ?

Ist Gier gut ?

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Is Greed Good?

zu Deutsch Gier ist Gut, ist Gordon Gekkos Aussage in dem Film Wall Street.
Gordon Gekko wird gespielt von Michael Douglas und stellt einen Investment Banker dar, der getrieben von der Gier keine Mittel und Wege scheut, um seinen fast schon unermesslichen Reichtum zu mehren.
Gleichzeitig geht er aber auch auf den Facetten-Reichtum der Gier ein.:

Im Film Wolf of Wallstreet ist Jordon Bellford gleichfalls besessen davon, erst einmal reich zu werden und diesen Reichtum in einem an Ektase grenzenden Zustand immer weiter auszubauen. Auch bei ihm geht im Laufe des Films jegliche Form von Moral und Anstand verloren.

Warum ist das so?
Und ist Gier nun etwas Gutes oder nicht?
Schauen wir uns das doch einmal etwas genauer an, damit die Qualität in deinem Handel sofort erhöht werden kann.
Prinzipiell ist Gier ein menschlicher Zug, der absolut normal ist und aus unserer Vergangenheit heraus Sinn ergibt.
Je mehr Essen man hatte, desto mehr Kinder konnte man versorgen. Je mehr Frauen ein Mann fand, um sich fortzupflanzen, desto größer war die Chance, dass eines der Kinder überlebte und so der Fortbestand gesichert war (ein solches Verhalten ist heute teils noch sichtbar .smile.).
Im Laufe der Zeit und mit der zunehmenden Zivilisierung unserer Gesellschaft begann Geld eben diese Grundbedürfnisse mit abzudecken und wurde damit ein Sinnbild für alles, was wir zum Leben brauchen (Nahrung, Spaß, sogar Sexualität wurde käuflich).
Schnell wurde es vom Werkzeug zu einem Selbstzweck.

Heue ist die Gier nach Geld wohl so groß wie nie.

 

Wie ist dies nun aber zu bewerten? Moralisch, sowie für uns als Investoren?

Moralisch gesehen ist Gier, denke ich, nicht direkt verwerflich. Gier ist es, was die meisten antreibt, das für die Gesellschaft zu tun was sie tun. Ich denke, die wenigsten wären bereit morgens früh aufzustehen, wenn sie nicht dafür bezahlt werden würden – und eben diese Bezahlung ermöglicht einem ja das Leben, das wir uns wünschen und nach dem wir streben. Ob die Bezahlung dabei von deinen Kunden als Selbstständiger kommt oder aber Du für ein Unternehmen arbeitest, das dir eine regelmäßige Gehaltszahlung stellt, ist irrelevant.
Der Antrieb ist derselbe.
Auch ist Gier das, was dabei hilft, die Angst zu überwinden Investments zu tätigen, Risiken auf sich zu nehmen, ja sogar Neugier ist eine Form von Gier, die einen zum Lernen motiviert und einen nach Wissen streben lässt.
Wenn wir an dieser Stelle halten würden, könnte man sagen, dass Gier solange man nichts Verwerfliches macht, um ihr nachzukommen eine gute Sache ist. Aber genau hier sollte ich vielleicht eine Differenzierung vornehmen.
Denn genauso hilfreich Gier auch sein kann, haften ihr mindestens genauso viele destruktive Faktoren an.
Und gerade diese sind es, die uns beim Investieren und Traden alles kosten können. Dabei sind die folgenden drei Punkte aus meiner Sicht besonders gefährlich:

  • Over-Trading (zu schnell)
  • Over-Leveradging (zu viel)
  • Fehlendes Wissen („naiv“)

Unten findest Du auch eine Liste mit „Soforthilfen“ zum Thema Gier.
(villeicht gefällt Dir dazu auch dieser Artikel: Konstant erfolgreich)

 

Over Trading:

Over Trading bedeutet, dass man zu viele Positionen eröffnet. Man hat Angst etwas zu verpassen, sieht in jeder neuen Bewegung die große Chance. Man ist getrieben von der Gier, jede Rendite-Chance im Markt ausnutzen zu wollen.
Dadurch jagt man oft Situationen nach, die man im Nachhinein bereut, denn bei objektiver Betrachtung war der Markt bei weitem überreizt oder das Signal nicht voll ausgeprägt. Ein anderes Beispiel ist der Ausbau der Position, obwohl ein solches Verhalten nicht geplant war, man jetzt aber das Gefühl bekommt, mehr Gewinn machen zu können.

Das Ergebnis sind eine Menge zweitklassiger Trades, eine schlechte Performance und große Turn-Over Kosten, also Kommissionen, die an den Broker bezahlt werden müssen.
Zwar sind diese in den vergangenen Jahren stark gefallen, aber trotz allem gilt es wie im richtigen Leben, die Kosten niedrig zu halten, denn Vermögensaufbau bedeutet nun einmal Einnahmen größer Ausgaben und Handelskosten sind nun wirklich nicht die beste Art sein Geld auszugeben, oder?

 

Over-Leveraging:

Over-Leveraging ist, falls du Aktien- oder ETF-Investor bist, (was hier bei Inside Trading hauptsächlich besprochen wird) eher ein untergeordnetes Problem. Da aber auch ETFs mit immer größerem Hebel angeboten werden, möchte ich dieses Thema zumindest angesprochen haben.
Der klassische Fall: Der Investor möchte seine Rendite maximieren und wird dabei „blind“ für die damit verbundenen Risiken. Er beginnt Faktorzertifikate zu nutzen, ohne sich der Renditerechnung bewusst zu sein oder sucht einen möglichst hohen Hebel in anderen ihm zugänglichen Produkten.
Bei ETFs sind die Hebel aktuell mit bis zu Drei verfügbar, doch auch ein konstanter Hebel von 3 reicht aus, um ein Depot dem Erdboden gleich zu machen, denn eine Korrektur von 33% bedeutet einen Drawdown von 100%. Bei ETFs ist dies durch das Daily Adjustment nicht ganz so drastisch, dafür gleicht aber die Wertentwicklung eher der eines Faktorzertifikates (Daily Adjusted). Hier kann es jedoch zu Abweichungen durch den Fonds kommen, je nachdem wie gut oder schlecht dieser „gemanagt“ wird.
Auf diese Art und Weise wird der Blow Out, also das auf Null Fallen des sogenannten Netto-Inventarwerts des Fonds, verhindert. Einfach gesagt, der ETF kann rechnerisch nie auf 0 fallen und immer weiter am Markt bleiben.

Gerade bei der Arbeit mit Hebeln ist es wichtig Gier zu verstehen, um bewusste Anlageentscheidungen zu treffen und Positionen, die gegen einen laufen sukzessive abzuschneiden und zu schließen, da sonst aus dem Traum von mehr Rendite ein Albtraum wird, für den uns die Gier blind gemacht hat.

 

Fehlendes Wissen:

Fehlendes Wissen hat eine gewisse Verwandtschaft zu dem eben angesprochenen Punkt, dass sich Investoren von Zeit zu Zeit nicht ausreichend mit ihren Produkten beschäftigen und somit immer wieder böse Überraschungen erleben. Faktor-Zertifikate sind nur ein Beispiel, ein anderes können Optionen sein, deren Wert während der Laufzeit auch sehr von Faktoren wie Volatilität und Restlaufzeit abhängt. Erst am Ende der Laufzeit ist ausschließlich der innere Wert entscheidend.
Der innere Wert ist der Gewinn, den Du aus der Nutzung deiner Kauf- oder Verkaufsoption im Vergleich zum aktuellen Marktpreis + Prämie machst. Aber das gilt eben erst zum Schluss.
Trotz all dieser „Kleinigkeiten“, die der Investor nicht verstanden hat oder über die er hinwegsieht, kauft er das Produkt aufgrund der hohen Gewinnchancen, die er sich daraus verspricht.
Die für das Portfolio schlimmste Kombination ist die Gier gepaart mit mangelndem Wissen um Produkt und Risikomanagement.
Ich will nicht Partei ergreifen, ob Gier nun etwas absolut Gutes oder Schlechtes ist.
Ich will aber meine Meinung zum Ausdruck bringen, dass Gier etwas Menschliches, ja sogar Notwendiges ist, um Innovationen zu fördern und unsere Gesellschaft voran zu bringen.
Gleichzeitig aber muss man sie verstehen, sie beherrschen lernen.
Gerade wenn Du daran denkst, Dich selbst um Dein Geld zu kümmern, Dich zu bilden und Deine finanzielle Zukunft in die eigene Hand zu nehmen, solltest du dich mit dem Thema einmal beschäftigt haben. Dann musst und wirst Du auch unweigerlich deine gierige, emotionale Seite kennen lernen und sie meistern müssen.
Dieser Prozess ist einer, der nicht von heute auf morgen beschritten wird, auch nach jahrelanger Erfahrung wird man nicht frei von solchen Emotionen, man lernt nur besser damit umzugehen und erkennt sie rechtzeitig.

 

Was du bis dahin tun kannst:

  • Versuche deinen mobilen Handel einzuschränken. Das könnte Dir die eine oder andere Kurzschluss-Reaktion ersparen.
  • Höre nicht auf Dich zu bilden. Klingt trivial, aber es gibt immer etwas Neues, dass du lernen kannst – niemand lernt jemals aus.
  • Führe ein Trading-Tagebuch
  • Schreibe Dir die Telefon-Nummern von großen Emittenten auf und rufe diese im Zweifelsfall an, wenn Du Fragen zu einem Produkt hast (Hier eine Übersicht über ein paar der großen):
    • Deutsche Bank +49 (69) 910 388 07
    • Commerzbank +49 (0)69 / 136 – 47845
    • UBS 0800-800 04 04
    • IShares +49 (0)89 42729 – 5858
    • Citi 0800 – 2484366
    • GS 0800 / 674 63 67
  • Erstelle Dir eine Checkliste, die Du vor jeder Investitionsentscheidung durchgehst. Beispiel:
    • Bin ich gestresst?
    • Bin ich überglücklich?
    • Brauche ich aktuell Geld oder denke ich über eine teure Anschaffung nach?
    • Hatte ich heute persönliche Probleme?
    • Kann ich meine Idee rational begründen / besteht sie eine Kontrolle durch den Trading- / Investitionsplan?

→Durch eine solche Checkliste kannst Du dich selbst kontrollieren, wobei Du durch das vorherige Festlegen von Kriterien einen Standard für Dich schaffen kannst.
Ich hoffe, Du konntest Dir ein paar Denkanstöße mitnehmen. Vielleicht hast Du selbst sogar schon Erfahrung mit der Gier gemacht, wenn ja wie hat es sich bei Dir geäußert?
Bitte teile Deine Erfahrung mit anderen.
Denn nur so können wir alle etwas Lernen.
Und Wissen ist der erste Schritt zum Verständnis und Erfolg.

 

Beste Grüße~
Julian

InsideTrading

by Sep 18, 2015 Keine Kommentare
Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

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Warum die Kurse an der Börse steigen und fallen

Wenn du diesen Artikel gelesen und verstanden hast, dann weißt du bezüglich des Sinns und des Grunds von Kursschwankungen bereits mehr als die Hälfte aller Anleger. Es gibt kaum ein derart großes Unwissen und Wissens-Defizit an der Börse, wie darüber, warum die Kurse steigen und sinken. Erschreckend eigentlich.

Kaum bricht ein Kurs um über 4% ein oder steigt eine Aktie um mehr als 4% liest man in Foren sofort die Nachfragen, sei der Grund. Auch Medien und News-Portale finden dann schnell Gründe, dass Aktie XY auf Grund des neuen Deals, der Fusion, des Euros oder sonstiger tagesaktueller realer Geschehnisse gestiegen oder gefallen ist.

Was dabei alle verkennen: Die Börse ist losgelöst von der realen Wirtschaft. Kurse spiegeln nicht die Wirtschaft wider. Andauernd sind Branchen oder Aktien viel zu stark bewertet oder viel zu schwach. Die Kurse schwanken meist um ihren fairen Preis. Mal sind sie zu hoch, mal zu niedrig, aber nie folgen sie länger als einige Sekunden dem fairen Wert.

Warum schwanken die Kurse also?

Warum Kurse langfristig steigen und fallen

Betrachtet man Zeiträume über mehrere Quartale, dann sind zwei Faktoren entscheidend: Geld und Einstellung. Die Börse basiert auf dem Handel. Alles dreht sich um Geld. Der Faktor Geld ist der bedeutendste. Kombiniert wird dieser durch die psychologische Komponente: Der Einstellung der an der Börse aktiven Individuen.

Ist der Faktor Geld positiv & sind die Anleger positiv gestimmt, dann steigen die Kurse.
Ist der Faktor Geld negativ & sind die Anleger negativ gestimmt, dann fallen die Kurse.
Ist der Faktor Geld negativ & sind die Anleger positiv gestimmt, dann fallen die Kurse.
Ist der Faktor Geld positiv & sind die Anleger negativ gestimmt, dann neutralisieren sich beide Werte.

Es entsteht eine Seitwärtsbewegung.

Der Faktor Geld kann positiv sein, wenn Geld von außen an die Börse fließt. Wenn Banken, Händler und Anleger Geld in ihre Depots einzahlen und dann Aktien kaufen. Der Faktor Geld kann aber auch positiv sein, wenn zum Beispiel 100 Millionen Dollar in die Depots eingezahlt worden sind, aber derzeit nur 50% angelegt wurden und die Anleger nun anfangen, weitere Gelder zu investieren und Aktien zu kaufen. Es fließt somit Geld in den Handel.

Anleger sind positiv oder negativ gestimmt. Dies basiert auf News, Nachrichten und wirtschaftlichen Aussichten. In einer schweren Rezession sind die Anleger natürlich pessimistisch. Die Aussichten sind nicht rosig. In guten Zeiten mit einem Aufschwung sind alle positiv gestimmt. Man schaut freudig in die Zukunft.

Über mehrere Quartale hinweg kann man also die beiden Faktoren Geld und Einstellung beobachten. Sie sind der Grund für allgemein steigende oder fallende Kurse.

Wenn kein Geld da ist, wird nicht gekauft. Wenn die Einstellung negativ ist, dann wird verkauft. Mit Geldzuflüssen und positiver Stimmung ist die Bereitschaft einzukaufengroß. Einfache Logik. Ein Marktplatz eben.

Tagesaktuelle Kursschwankungen 

Viele Kursschwankungen entstammen irrationaler Natur.

Verschiedene Beispiele: Ein Groß-Aktionär überlegt seit 15 Tagen bei BASF einzusteigen. Am Tag 15 denkt er sich, dass er es jetzt macht. Ob er an Tag 5, 10 oder 15 einsteigt, ist ihm egal gewesen. Er hatte sich nur ein wenig Bedenkzeit gelassen. Dass er an Tag 15 einsteigt, liegt nicht an irgendeiner Nachricht oder neuartigen Situation. Weil er mit viel Geld einsteigt, steigt der Kurs beispielsweise um 4%. Die Medien finden dann schnell Gründe. Es sei der exportfördernde Euro oder das gelöste Griechenland-Drama. Wäre der Kurs um 4% gesunken, dann wäre es das schwächelnde China oder die Sommerpause gewesen. Gründe findet man immer. Doch nicht immer sind diese ausschlaggebend.

Natürlich kann es auch passieren, dass eine Nachricht umgeht, dass Unternehmen XY pleite geht und weil dann alle Anleger als Schwarm gleichzeitig reagieren, bricht der Kurs ein. Es ist jedoch seltener der Fall, dass News die Kurse bewegen.

Die Schwankungen an Tag 1 um einen Prozent hoch und an Tag 2 um einen Prozent wieder runter haben keinerlei Sinn. Sie sind irrational. Das liegt einerseits an den nervösen Anlegern. Sie steigen bei 100€Kurs ein und bei 110€wieder aus. Nicht auf Grund von Gründen, sondern nur weil sie wegen fehlender RuhePositionen kurz halten. Es ist ein ständiges Hin und Her. Millionen Anleger kaufen und verkaufen im Tagestakt. Das schiebt die Kurse natürlich hin und her.

Auch setzen die Anleger Bestellungen oder Verkaufsgrenzen. Bei 110€ möchte Anleger X kaufen, wenn die Aktien gekauft sind, solle bei Kursverfall spätestens bei 90€verkauft werden. Es kann passieren, dass ein fallender Kurs einer Aktie Millionen Verkaufsgrenzen auslöst. Wenn der Preis von Öl beispielsweise von 50 auf 60$ steigt, dann kann man sich sicher sein, dass etwa 2/3 der Verkaufsgrenzen (SL) zwischen 55 und 57$ liegt. Das hat keinen Grund. Es ist eben nur eine Absicherung. Fällt der Ölpreis dann in diesen Bereich, wird automatisiert wahnsinnig viel verkauft und der Preis fällt weiter. Nicht wegen irgendwelcher Gründe, nur wegen der technischen Stopps, welche die Anleger gesetzt hatten.

Kursbewegungen sollte man also nicht zu viel Bedeutung beimessen. Es basiert alles auf Angebot und Nachfrage und ob die Leute Geld investieren und optimistisch sind höhere Preise zu bezahlen oder ob verkauft wird und Verluste hingenommen werden. Kurse steigen und fallen. Sie orientieren sich grob an der realen Wirtschaft, aber sind nie an einem Tag oder in einem Jahr mit der realen Wirtschaft vergleichbar. Die meisten Kursschwankungen sind tatsächlich irrational.



Jonas HöfgenJonas Höfgen – kommt mich auf meinem neuen Blog besuchen!!!

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by Aug 26, 2015 Keine Kommentare
Teil II: Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

Teil II: Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

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Geld und Schulden -Es ist nicht alles Gold was glänzt

Nahezu alle Krisen, zumindest die größten, seit 1950 sind durch Engpässe bei der Liquidität entstanden. Nicht Blasen, Kredite, wirtschaftliche Rezessionen oder Spekulationen waren der Auslöser. Dies waren die Folgen und Ursachen. Immer kam einer Krise das Zögern der Banken zuvor. Diese wurden misstrauisch und fingen an weniger Geld zu verleihen. Sprich: Ihr eigenes Geld beisammenzuhalten. Daraufhin fehlte der Schmierstoff unserer Epoche. Nein, nicht Öl. Das Geld muss fließen. Cashflow ist immens wichtig. Bleibt der Geldfluss aus so spricht man von einer nicht liquiden Phase. Ein zerstörerischer Moment.

Mit diesem Element und den Schulden möchte ich mich in diesem Blog beschäftigen. Im ersten Teil der zweiteiligen Reihe habe ich die Herkunft und Entstehung des Geldes beschrieben. Da wir nun ein breites Verständnis von Geld besitzen möchte ich aktuell und detaillierter werden.

 

Wie entsteht heutzutage das Geld?

Der gesamte Prozess wird Giralgeldschöpfung genannt. Hierbei hinterlegen Banken Sicherheiten (Geld und Werte) bei ihrer Zentralbank. 2% (der Wert schwankt durch Änderungen zwischen 1% und 3%) eines Kredites müssen durch Sicherheiten hinterlegt werden. Hinterlegt die Bank also 2.000€ eines Sparers bei der Zentralbank, so kann Sie 100.000 € als Kredit verleihen. Zumeist gilt das Eigenkapital einer Bank als Sicherheit und legt den maximalen Rahmen der möglich zu vergebenen Kredite fest.

Hinterlegt die Bank also 2000€ bei der Zentralbank, so erhält sie die Erlaubnis oder Möglichkeit 100.000 € zu verleihen. Dieses Geld besitzt die Bank jedoch nicht. Die Zentralbank auch nicht. Das Geld wird dem Kunden/Kreditnehmer einfach aus seinem Girokonto gutgeschrieben. Plötzlich existiert es. Bei der Bank wird das Geld nicht als fehlend eingetragen. Das geht ja nicht. Es kann ja kein Geld fehlen oder fließen, welches nicht vorhanden ist. Der Kredit wird als Forderung gegenüber einen Kunden eingetragen. Geld wurde in diesem Moment aus dem Nichts geschöpft mit der Giralgeldschöpfung.

 

Jonas2

Bildquelle: http://4.bp.blogspot.com/

 

Allgemeine Kritik an der Giralgeldschöpfung

Vielleicht haben einige bereits den Knackpunkt erkannt: Die Bank fordert Geld zurück, welches Sie gar nicht besessen hat. Darüber hinaus verlangt die Bank Zinsen auf dieses Geld. Die Schlüsse daraus sind, dass immer genau so viele Schulden, wie auch Geld existieren. Des Weiteren könnten wir heutzutage all unser Geld nehmen und zurückbezahlen. Die Schulden sind dann beglichen – die Zinsen jedoch nicht. Die einzigen Gewinner sind die Banken. Mit jeder Sekunde wächst die Differenz. Da Blasen durch Kreditvergabe entstehen kann man denke ich zurecht sagen, dass sich hier eine riesige weltweite Blase langsam aufpumpt. Diese wird lediglich durch eine ebenfalls rasant wachsende Wertschöpfung in Stand gehalten. Die Wertschöpfung (BIP) entsteht durch all unsere Leistungen und Produktionen. Doch mittlerweile haben die Banken und Börsen sogar geschafft ihre Geschäfte von der reellen Wirtschaft zu entkoppeln. Es wird ein Vielfaches Mehr an der Börse und in Banken gehandelt, als die Weltwirtschaft selbst real zu leisten vermag. Es ist ein Drahtseilakt.

 

Die zweite Schlinge namens Liquidität

Die Banken haben uns bereits im Schwitzkasten. Wir schulden den Banken mehr als wir besitzen und jemals besitzen werden. Außerdem steigt die unmöglich bezahlbare Schuldenlast mit jeder Sekunde. Und doch reicht das nicht. Die Banken wollen uns nun auch ordentlich in die Magengrube schlagen und sind Hauptgrund eigentlich aller Krisen.

Blasen und Kreditvergabe werden immer als Hort der Krisen betrachtet. Stimmt. Sie sind Ursprung, aber nicht Auslöser. Rezession, Börsenralleys, Spekulation und vieles mehr sind auch keine Auslöser, wie von Kapitalismusfeinden gerne angeführt. Eine Krise gehen meist Blasen mit zu vielen unvorsichtig vergebenen Krediten voraus.

2007 war dies zu beobachten. Subprime-Kredite sind Kredite, welche an Personen ohne Bonität vergeben worden sind. Jeder in den USA, auch die N.I.N.J.A.-Generation (No Income, No Job, No Asset) konnte innerhalb weniger Stunden ohne Sicherheiten einen Kredit von bis zu einer halben Million Dollar erhalten. Als die Banken bemerkten, dass das nicht gut geht haben sie diese Kredite genommen, in Pakete zusammengefasst, mit anderen Paketen besichert und dann mit einem sehr guten Rating an die ganze Welt verkauft. Die ersten betroffenen Banken in Deutschland waren Mittelstands- und Förderbanken, welche sich zu Hauf mit Schrottpapieren eingedeckt hatten.

 

Jonas22

 

Die Krise brach in dem Moment aus in dem die Liquidität nicht mehr gewährleistet war. Am besten lässt sich dies am Interbanken-Spread einsehen. Der Interbankenhandel umfasst die sekündlich zu Milliarden stattfindenden Tauschgeschäfte zwischen Banken. Der Spread zeigt in dem Fall auf wie sehr sich die Zinssätze dieser Geschäfte vom Leitzins unterscheiden. 2007 brach der Spread nach oben aus. Das heißt: Banken forderten für die Verleihung von Geld an andere Banken viel mehr Zinsen als der derzeitige Leitzins vorsah. Kurz gesagt: Banken wurden misstrauisch und horteten ihr Geld. Jeder versuchte zu retten, was zu retten war.

In solchen Moment wird die Kreditvergabe gestoppt. Bei Banken, Versicherungen, an der Börse und vor Allem in der Wirtschaft kommt es zu immensen Problemen, denn das Geld fehlt. Geld fließt ununterbrochen von einem Besitzer zum nächsten und immer neues Geld fließt durch Banken in die Wirtschaft. Passiert dies nicht gehen schnell die ersten Firmen und Banken Pleite. In dem Moment erkennen alle, ja wirklich alle, das nahende Problem und die Hysterie beginnt. Jeder kratzt sein Geld zusammen und verkauft seinen Wertbesitz rund um Aktien und Co. Der Crash ist perfekt.

Die Moral der Geschichte

Wir wissen nun wie Geld über die Jahrtausende entstanden ist und wie es heute entsteht. Banken sind die einzigen Gewinner des Systems und haben uns gegen die Wand gespielt.

Wer das Spiel „Börse“ spielen möchte muss sich dem Bewusst sein und vor Allem die Banken im Blick haben. Diese entscheiden über das Wohl und Wehe von Blasen und Crashs. Derzeit (18.06.2015) ist zu sagen, dass in den USA eine erneute zwar kleinere aber beobachtungswerte Subprime-Blase am Automarkt entsteht. China ist auch ein Beispiel. Die Überschuldung stieg auf über 200%. Doch das Land hat sich berappelt und baut derzeit Schulden ab. Das Land, die Firmen und die Menschen. Ein Musterbeispiel, wie man eine Blase erkennt und frühzeitig verhindert.

Wer das Spiel Börse spielen möchte, der hat die Kreditvergabe und den Interbanken-Spread im Blick.

Jonas23

Quelle: EZB Stabilitätsbericht vom Mai 2015

 

 


 

by Jul 01, 2015 Keine Kommentare
Teil I: Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Teil I: Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Gastartikel

Geld und Schulden -Die Geschichte des Geldes

Es ist der Inbegriff des Kapitalismus. Es das Element, um welches sich unser Leben dreht. Unsere teure und begrenzte Lebenszeit verwenden wir, um für diese Sache zu arbeiten. Es löst schwere Krisen aus, kann Demokratien mit einem Fingerschnipsen zerstören und alles, ja wirklich alles, dreht sich darum.

Das Geld. Ob Dollar oder Euro, Schein oder Hartgeld, auf dem Konto als Sachanlage. Wir brauchen es. Wir wollen es. Es ist vergleichbar mit dem Blut in unseren Adern: unser Leben hängt davon ab und es muss immer fließen.

„Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, dann versuche dir welches zu leihen“ – Benjamin Franklin

In dieser Artikel-Reihe zu Geld und Schulden als Gastautor für Inside Trading möchte ich zuerst klären woher das Geld kommt und was es ist. Wie es sich zusammensetzt und was es tut. Im zweiten Artikel möchte ich dann fachspezifischer auf die Relation von Geld, Schulden und Krisen eingehen.

 

Die Entstehung unseres heutigen Geldes 

Geld gibt es bereits seit vielen tausend Jahren. Schon die Babylonier handelten fast 2.000 Jahre vor Christus mit gegossenen Goldmünzen und beschriebenen Ton-Tafeln (die ersten Kredite unserer Welt). Das System war noch einfach. Es gab keine unterschiedlichen Münzen. Es gab einen Satz Münzen und diese besaßen einen bestimmten Wert. Welchen, darauf kommen wir später.

Geld war stets lokal angesiedelt. Globalen Handel gab es auch kaum. Selbst innerhalb von Ländern und Königreichen, welche eine Währungsart besaßen, gab es regionale Unterschiede. Als Geld wird das genutzt, was regional anerkannt ist. Das gilt auch heute noch. In Indien kann man beispielsweise mit amerikanischen Dollar-Noten sehr gut bezahlen.

Jonas1

 

Bildquelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/6/69/Moll_-_Map_of_South_America_-_Detail_Potosi.png

Erst mit der Kolonialisierung und den Erkundungen der Spanier und Engländer, sowie Niederländer um 1500 nach Christus entstand eine globale Währung. Die Spanier, als vorherrschende Macht, besiedelten einen Kontinent nach dem anderen und verteilten dementsprechend ihr Geld, den Peso, auf der ganzen Welt. Die Eroberung des Potosí, dem bekannten Silberberg in Südamerika, beschleunigte diese Weltwährung. Zwischen 1500 und 1800 stammten 85% aller geförderten Silbermengen aus Minen der Spanier. Diese gossen und stanzten die Münzen, mehrere Milliarden Unzen, und ließen eine globale Währung entstehen.

Der heutige Dollar geht auf den Peso zurück. Der Dollar ist die heutige Weltwährung. Das Zeichen ($) ist vom Peso abgeleitet. Auf diesem war ein „S“ für Spanien zu lesen umrandet von zwei Säulen. Diese Säulen finden sich heute im S des Dollars wieder: $

Mit den jährlichen Kriegen in Europa seit dem 17. Jahrhundert entstand neben der Produktivität auch der direkte Vorläufer unseres heutigen Währungs-Systems. Die Staaten mussten ihre Kriege finanzieren. Sieg und Niederlage hingen von der wirtschaftlichen und finanziellen Stärke ab. Dementsprechend begannen die Länder Gold und Währung des Volkes aufzunehmen und diesen im Gegenzug einen Zettel zu geben auf denen der eingezahlte Betrag, sowie der Zinssatz standen. Diese Zettel waren ein Versprechen des jeweiligen Landes, dass der Besitzer sich jederzeit den Betrag in Gold auszahlen lassen könne. Diese Zettel kennen wir heutzutage als Scheine. Unsere Geldscheine sind theoretisch Nichts anderes als ein Dokument, das wir an unseren Staat einen Kredit gegeben haben. Aus den Dokumenten wurden Bezahlmittel. Scheine genannt.

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Bildquelle: http://rt.com/files/news/32/9f/30/00/rtr4ewkk.jpg

Aber wer nun denkt er können zur Bank gehen und sich nun Gold im Wert von 10 Euro abholen, den muss ich leider enttäuschen. In einer immer globaler werdenden Welt stellte dieser sogenannte „Goldstandart“ ein Problem dar. Einerseits war Währung überall gleich viel Wert, denn sie basierte auf dem Wert des eingelagerten Goldes. Wechselkurse gab es nicht. Schwache Länder hatten dementsprechend kaum eine Chance finanziell Boden zu fassen. Darüber hinaus waren Inflation und Deflation schwierig zu kontrollieren. Ein Staat kann nicht zu jedem Moment für Milliarden-Beträge Gold kaufen oder verkaufen. 1933 lösten sich die USA endgültig vom Goldstandart. Einerseits besaßen die USA ein vielfaches an Schulden als, dass sie Gold besaßen und zum anderen wollte man Wechselkurse und Notendrucken als Element der Stabilisierung nutzen. Geld ist heutzutage ein Bezahlmittel, jedoch ohne Gegenwert eines Metalls.

 

Wie entsteht der Wert des Geldes?

Der Geldwert orientiert sich nicht am Metall. Wissenschaftler fanden heraus, dass jede Münze der Babylonier beispielsweise unterschiedlich schwer war. Auch passiert immer wieder, dass das Material einer Münze mehr Wert ist als der Nennwert. In Australien waren während einer Kupfer-Krise die 2$-Münzen weiterhin 2$ wert, obwohl das Material der Münze 2,15$ wert war. Geld besitzt seinen Wert nicht auf Grund von Wirtschaft, Leistungen oder Sachgütern.

Jonas13

 

Bildquelle: http://geld.bilderu.de/bilder/geld-viel-euro.jpg

 

Kurz gesagt: Geld ist das Wert, was ein anderer dafür zu geben bereit ist.

Der Wert des Geldes entsteht in unserer Gesellschaft. Es ist eine Art von Angebot und Nachfrage. Wenn jemand Produkte oder Leistungen anbietet, dann richtet sich der Preis nach dem, was der Abnehmer bereit ist zu zahlen. Ein Magnum-Eis kostet 1,60€. Eine Milch 55 Cent und ein BMW 50.000€. Das Material des BMW ist nur wenige tausend Euro wert. Aber die Nachfrage lässt einen solchen Preis zu. Sind Kunden nicht mehr bereit diese Summen zu zahlen, so sinkt der Preis.

Klingt einfach. Lasst uns alle 2 Jahre keinen BMW kaufen, dann kosten diese nur noch 10.000€. Auch hier muss ich enttäuschen. Die Nachfrage basiert nicht unbedingt auf dem Willen diesen Preis zu zahlen, sondern zu größerem Anteil an der Möglichkeit ihn zu zahlen. Beispielsweise kosteten im damaligen Spanien Speisen in Tavernen zumeist einen Peso. Nun fingen die Spanier an Milliarden Peso in Südamerika herzustellen. Was passierte? Es kam immer mehr Geld in Umlauf. Besaßen zuvor alle Spanier zusammen einige Millionen Peso, so besaßen sie kurz darauf alle zusammen einige Milliarden Peso. Die Möglichkeit mehr zu bezahlen und zu kaufen stieg also. Somit stiegen auch die Preise. Eine Speise kostete dann 10 Peso und sie hatte immer noch denselben Wert. Lediglich der Preis änderte sich. Wir kennen dies heutzutage als Inflation. Ist mehr Geld in einer Volkswirtschaft, so steigen die Preise. Dies wird mit dem Wert der Inflation ausgedrückt.

Im nächsten Teil möchte ich auf unser heutiges Geld-System eingehen. Geld, Kapital, Schulden, Zinsen, Liquidität. Es gibt einen großen Fehler im System. Dieser wird sich noch böse an uns allen rächen.

 

 


 


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Bitcoin Shorten

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by Jun 30, 2015 Keine Kommentare
„Kaufen, wenn in den Straßen Blut fließt“

„Kaufen, wenn in den Straßen Blut fließt“

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Baron Rothschild soll einmal gesagt haben: “Man muss kaufen, wenn in den Straßen Blut fließt“. Ganz so drastisch würde ich es vielleicht nicht ausdrücken, doch er hatte erkannt, dass sich Wenden in Strömungen und Trends oftmals durch kriegerische Konflikte abzeichnen.

Durch die damit einhergehende wirtschaftliche Rezession werden Waren wie Lebensmittel sehr teuer, aber Kapital wie Maschinen oder Produktionsstätten  werden eher günstig zu erwerben sein (aufgrund der politischen Unsicherheit, mangelnder Nachfrage und Geldnot). Es sind dieselben Gründe, die auch heute bei fallenden Aktienkursen angegeben werden.

Was hat aber eine solche Weisheit mit unserer heutigen Zeit zu tun?

Und noch viel wichtiger: Welchen Einfluss hat das auf die eigenen Investments?

Die richtige Antwort ist: Nichts und gegebenenfalls doch alles!!!!!

Denn heute wird der Konflikt  zum Glück zumeist nur noch im Orderbuch (Auflistung der Kauf- und Verkaufsaufträge für ein bestimmtes Wertpapier) ausgefochten.

Wir haben in einem anderen Artikel bereits den Trendaufbau nach Markttechnik näher betrachtet. Dabei wurde angesprochen, dass Trends ineinander verschachtelt sein können und man damit Einstiege finden und Geld verdienen kann.

Rothschild sagte, dass Kriege und Brüche in aktuellen Entwicklungen ein gutes Indiz für eine Wende im Trend seien …und was früher die Weltkriege waren, sind heute der Fall einer Bank oder Fonds.

Doch nun wollen wir das anhand des Trends selbst bestimmen!

DAX D1

Bilder zum zoomen anklicken.

Ich habe hier den Dax(30) auf Tagesbasis mit eingezeichnetem Trendverlauf nach Markttechnik vorbereitet. Bei diesem habe ich eine Wendestelle markiert. Diese ist nicht ganz optimal verlaufen, da danach der Markt noch einmal korrigierte. Aber die untergeordneten Trends, auf die ich eingehen möchte, waren sehr klar zu erkennen.

Mir ist wichtig, dass man folgenden Zusammenhang möglichst gut versteht. Daher habe ich ein kurzes Video dazu erstellt.

Der Dax befindet sich im oberen Bild ganz unverkennbar in einem Aufwärtstrend, wie an den höheren Hoch- und höheren Tiefpunkten zu erkennen ist.

Wir wollen nun zeigen, wie man auf eben diesen Trend aufspringen kann und dabei durch eine kleine Ineffizienz einen guten Einstieg findet. (Korrektur im Trend – wie Rothschild, nur kurzfristiger, wir denken ja nicht in Generationen :-)).

Den untergeordnetenTrend erkennen:

DAX H1

Wenn man nun in die Wendestelle „hineinzoomt“ und sich den Preisverlauf auf Stundenbasis anschaut, so erkennt man, dass hier die kurze Korrektur klar als Abwärtstrend erkennbar ist. Dieser bildet dann einen Boden und kehrt sich in einen Aufwärtstrend um. Man erkennt gut die zu Beginn fallenden Hochs und fallenden Tiefs, die sich dann nach einer kurzen Phase der Uneinigkeit in steigende Hoch- und steigende Tiefpunkte umwandelt. Aus dem Artikel zum Thema Preisentstehung, wissen wir, dass Preise Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Je kleiner die Zeiteinheiten werden, desto mehr sieht man den Einfluss jedes einzelnen Kauf- und Verkauf-Auftrages.

Ich will noch eine Stufe tiefer gehen und mit dem M5 das gesamte Bild vervollständigen.

Die kleinen Trends erkennen:

DAX M5 & H1

Hier sieht man, dass sich jede Korrektur des Stundencharts weiter aufspalten lässt und es auf dem 5 Minuten Chart wieder Bewegungen und Korrekturen gibt, welche sich wiederum weiter in kleineren Trends darstellen ließen. Dieses Spiel könnte ich nun so lange fortsetzen, bis wir auf dem Tick Chart und somit der Verbildlichung der Times and Sales Liste angekommen wären. Die Times und Sales Liste ist quasi der Kassenbon der Börse. Auf ihr werden alle Umsätze sowie die zugehörigen Preise verzeichnet. Jede Verbildlichung des Preises ist auf ihr begründet.

Kombinieren wir nun unser bisher erlangtes Wissen, können gut getimte Ein- und Ausstiege gefunden und/oder Hedges aufgelöst werden! (Wie funktioniert das Hedging?| unser Hedge-Rechner)

Zurück zum Thema: Erinnern wir uns noch einmal kurz an den Trendaufbau zurück.

Der Trend wurde definiert durch steigende Hoch- und Tiefpunkte, oder fallende Hoch- und Tiefpunkte. Die Zeiteinheit und Trendgröße ist dabei vollkommen irrelevant.

Wenn wir nun alles zusammen in ein Bild bringen dann wird schnell klar, dass die kleinen Trends in die Großen hineinlaufen. Daraus resultiert, dass man mit engen Stopps und kleinem Risiko an den großen Bewegungen partizipieren kann und hohe Vielfache des eigenen Risikos (also ein hohes CRV) verdienen kann und oder man durch Trailing-Stops dem Markt einfach folgt.

Die Übergänge erkennen:

Wie Trends ineinander Greifen - Ballkönigin

Ich habe hier erneut das Bild mit Stunden- und 5 Minuten Trend.

Wissentlich, dass der Tageschart sich in einem Aufwärtstrend befindet (siehe erstes Bild), suchen wir hier nach Aufwärtstrends in den kleineren Zeiteinheiten. Das untere, große weiße Rechteck, markiert das erste höhere Hoch im 5 Minuten Chart. Sobald der Markt dieses durchbricht, hat er begonnen eine Folge aus höheren Hochs und Tiefs auf dieser Trendgröße zu bilden. Damit wären der Tageschart und der M5 beide long ausgerichtet.

Das obere, längliche Rechteck markiert das erste höhere Hoch auf der Trendgröße des Stundencharts. Sobald der Markt dieses durchbricht, hat er begonnen auf dieser Trendgröße das Muster eines Aufwärtstrends zu bilden. Das kleine Rechteck in der Mitte ist das erste höhere Hoch des korrigierenden 5 Minuten Charts.

Möchte man nun zum Beispiel die Trendwende auf dem Stundenchart vorweg nehmen und den Ausbruch über das erste Hoch mit handeln (diese können beizeiten enorme Volatilität mit sich bringen, wenn short positionierte Marktteilnehmer sich ausstoppen und neue unpositionierte Händler den jungen Trend zu kaufen beginnen) so kann man einfach den kleineren 5 Minuten Trend handeln und schauen, ob man so in den Stunden- und Tagestrend hineinkommt. Diese Form von Handel braucht sehr viel Feingefühl, lässt sicher aber genauso gut in großen Zeiteinheiten handeln (und ist damit nicht den Intra-Day Traden vorbehalten).

Außerdem lassen sich solche Trendumbrüche wunderbar in Kerzen-Formationen erkennen. Wieso, weshalb, warum würde ich gerne nächstes Mal besprechen, da es für den Handel aus dem Chart essentiell ist, Trends und Trendgrößen zu verstehen. Es ist vollkommen normal, dass man dieses Thema eher überspringt, da es zu der trockeneren Materie des Handelns und Investierens gehört.
Aber wie wir alle wissen, hat ein Großteil der Marktteilnehmer zu kämpfen und da ein Großteil sich nicht kümmert…..^^

Wir finden, das muss nicht sein.

Daher sind wir auf dem Weg zu mehr Insight.
Liebe Grüße,
InsideTrading

by Jun 13, 2015 Keine Kommentare
Der Cost-Average-Effekt: investieren für jedermann

Der Cost-Average-Effekt: investieren für jedermann

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Der Cost-Average-Effekt: investieren für jedermann

Im heutigen Artikel/ Video geht es um den Cost-Average-Effekt und das Nachkaufen. Passend zum ETF-Artikel gibt euch dieses Video eine Art Anleitung, die Tipps von Warren Buffet in die Tat umzusetzen.
Neben diesem Basisartikel, haben wir auch noch erweiterte Formen von ETF Sparplänen getestet und entwickelt.
Cost Average 2.0 ; sowie die Anwendung
Cost Average 3.0 – ETF-Rotation

Was ist der Cost-Average-Effekt?

Der Cost-Average-Effekt oder auch Durchschnittskosteneffekt beschreibt eine Art des Investierens, bei der in regelmäßigen Abständen gleich viel Geld in ein Finanzprodukt investiert wird. In diesem Fall werden bei fallenden Kursen mehr Anteile und bei steigenden Kursen weniger Anteile erworben, sodass die Anteile zu einem Durchschnittspreis erworben werden, der zwar über dem günstigsten Preis der Betrachtungsperiode, aber auch unter dem ungünstigsten Preis liegt.

Mehr dazu im Video:

Falls ich mein Ziel erreicht habe und ihr etwas unternommen habt, lasst es mich wissen und hinterlasst ein Kommentar.

by Mai 15, 2015 Keine Kommentare
Der Stop Loss – risikobegrenztes Traden

Der Stop Loss – risikobegrenztes Traden

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Der Stop Loss – risikobegrenztes Traden

Hallo Insiders, heute soll es um ein Thema gehen, das für viele Trading-Einsteiger oft ein Buch mit sieben Siegel ist für Fortgeschrittene aber ein routinemäßiges Vorgehen darstellt! Und, könnt ihr euch schon denken, worum es in diesem Artikel gehen soll? Richtig, wir reden über Stop Loss!

Der Orderzusatz Stop-Loss wird verwendet, um Verluste zu begrenzen und Gewinne zu realisieren! Diese Order ruht solange, bis die vorher festgesetzte Notierung, welche bei Kaufaufträgen unterhalb des aktuellen Kurses liegt, erreicht wurde. Sie wird bei Erreichen des Kurses automatisch zu bestens ausgeführt; der Verkaufskurs kann also auch etwas unter dem Stop-Kurs liegen.

Videoskript

Folie0:
Hey Insider, willkommen auf unserem YouTube Kanal.
Das heutige Thema ist der Stop Loss: Vor-und Nachteile vom risikobegrenzten Traden.

Folie1: Was ist ein Stop Loss?
Mit einem SL habt ihr die Möglichkeit, euer Risiko zu begrenzen, indem ihr nach dem Kauf einer Aktie eine Verkaufsorder zu einem bestimmten, niedrigeren Preis aufgebt.

Diese Verkaufsorder wird dann automatisch ausgeführt falls der Preis der Aktie das SL-Niveau erreicht. Somit könnt ihr im Vorfeld festlegen, wie viel ihr maximal breit seid zu verlieren.

Folie 2: Screenshot
Hier sehen wir jetzt einen Chartausschnitt der Lufthansa Aktie. Zu dem aktuellen Preis kaufen wir diese Aktie und gleich nach dem Kauf setzen wir einen SL. Jetzt bewegt sich die Aktie erst seitlich, bevor diese sehr stark fällt.

Bildschirmfoto 2015-11-12 um 23.17.53

In diesem Fall verlieren wir nur 1 Euro pro Aktie und nicht 3 oder 4 Euro, die wir eventuell ohne einen SL verloren hätten.

Folie 3:
Auch bei diesem Beispiel setzten wir einen SL und begrenzen unser Risiko dadurch auf 1 Euro pro Aktie.
In diesem Fall erzielen wir einen Gewinn von 5 Euro pro Aktie. Somit war das Chance:Risiko-Verhältnis 5 zu 1.

Bildschirmfoto 2015-11-12 um 23.18.01

Folie 4:
Es gibt viele Trader, die sich von ihren Positionen nicht trennen können, solange diese im Minus sind. Erst wenn die Wertpapiere dann wieder im Plus sind, verkaufen sie diese und rühmen sich damit, dass sie immer richtig liegen. Diese Trader schauen oft mehrmals täglich ins Portfolie, sitzen ständig betend vor dem PC und arbeiten wirklich hart für ihren Gewinn von 3,50€.

Wie die Grafik zeigt, kann diese Strategie auf lange Sicht nicht funktioniert, da jeder Trade wieder ins Plus läuft und oft schon ein Verlusttrade reicht, um 9 oder mehr Gewinntrades zunichte zu machen.

Folie 5:
Mit dem Wissen, dass die Verluste begrenzt sind, ist es oft auch leichter Gewinne einfach mal laufen zu lassen. Das führt in der Regel dazu, dass der erwartete Gewinn viel, viel größer ist, als der erwartete, begrenzte Verlust.

Das Beispiel zeigt eine vereinfachte Strategie, bei dem der SL greift, wenn der Verlust je Trade 50€ erreicht. Und obwohl nur 3 der 10 Trades mit einem Gewinn geschlossen wurden, hat der Trader einen Gewinn von 460€ erzielt, da er seine Verluste begrenzte und die Gewinne laufen lies.

Bildschirmfoto 2015-11-12 um 23.18.21

Der SL ist unter den Tradern sehr umstritten, da man oft ausgestoppt wird, kurz bevor sich der Markt dann doch in die erwartete Richtung bewegt.

Ich hoffe die beiden Beispiele haben dennoch deutlich gemacht, wie wichtig ein SL ist.

Folie 6:
Wenn euch dieses Video gefallen hat, dann schaut euch an, woran wir sonst noch basteln.

Wo muss der Stop Loss hin?

So weit, so gut! Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht immer! Es stellt sich die Frage, wie groß der Abstand zwischen aktueller Notierung und dem Stop-Loss-Kurs gewählt werden soll. Wählt man den Stop-Kurs zu nah am aktuellen Kurs, wird man bei einer kleinen Korrektur ausgestoppt und kann nur noch teilnahmslos zusehen, wenn der Kurs sich in die ursprünglich gedachte Richtung entwickelt. Auf der anderen Seite will man das Risiko des Kapitalverlustes möglichst gering halten und kann darf den Abstand daher nicht zu groß wählen. Bildschirmfoto 2015-11-12 um 23.17.53Deshalb hat wahrscheinlich jeder Trader seine eigene Philosophie über dieses Thema. Auch wenn es keine goldene Regel gibt, wird für Standardwerte oftmals ein Abstand von 10% empfohlen. Sind Schwankungen auf dem gehandelten Markt größer, sollte auch der Stop-Loss entsprechend angepasst werden. Beim Festlegen der Stopp-Marke orientieren sich viele Trader am Chart. Würde sich das Gesamtbild beim Unterschreiten eines bestimmten Kurses signifikant ändern? In diesem Fall wird diese Marke, die manchmal einfach ein kürzlicher Tiefpunkt manchmal aber auch eine längerfristig gebildete Handelsspanne ist, oft als Grenze gewählt und der Stop-Kurs kurz unter diese Kursunterstützung platziert. Auch die Volatilität des gehandelten Finanzproduktes sollte beachtet werden, da die Order bei Erreichen des Stop-Loss ausgeführt wird, also auch nach einer Kurslücke oder ähnlichem. Dies birgt bei hoch volatilen Märkten natürlich ein kleines Risiko als bei nicht sehr volatilen Märkten, da auf diesen Kurssprünge häufiger vorkommen können.

Den größten Einfluss bei der Wahl des Abstandes hat jedoch in jedem Fall die Risikobereitschaft des einzelnen Traders. Am Ende muss also jeder Trader seine eigene Strategie finden.

Gewinne absichern mit dem Stop Loss!

Wir haben nun lange diskutiert, wie groß der Abstand zu wählen ist. Es ging bisher also eher um die Minimierung des Risikos. Der Stop-Loss dient aber auch der Absicherung von Gewinnen. Stellen wir uns also vor, wir haben Aktien von der Inside-Trading AG zu einem Kurs von 40 Euro gekauft und uns für einen Stop-Loss von 36 Euro entschieden – wir haben uns also ganz konservativ für den 10%igen Abstand entschieden. Spätestens nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichtes der Inside-Trading AG sind eine Menge Leute auf die außerordentliche gute Performance der Unternehmung aufmerksam geworden sodass die Nachfrage der Aktien stetig gestiegen ist. Der Kurs steht also 2 Monate nach unserem Kauf bei 50 Euro. Wollen wir unseren Stop-Loss jetzt tatsächlich bei 36 Euro belassen? Nicht wirklich! Verkaufen wollen wir aber auch noch nicht. Der positive Trend ist nämlich noch immer aktiv. Es gäbe daher die Möglichkeit, den Stop-Loss auf 45 Euro anzupassen. Leider verlangen viele Broker Gebühren für solche Transaktionen. Eine andere Möglichkeit, die von immer mehr Brokern angeboten wird, ist der Trailing-Stop-Loss. Wie der Name schon vermuten lässt, verfolgt dieser Stop den aktuellen Kurs im vom Trader festgelegten Abstand, wobei auch hier der Abstand relativ oder absolut angegeben werden kann. In diesem Fall würde unser Stop-Loss also kontinuierlich angepasst werden und wir müssten uns nicht ständig neu entscheiden. Würde der Kurs nun unter 45 Euro fallen, würde wir automatisch ausgestoppt und könnten einen Gewinn von 5 Euro pro Aktie verbuchen (anstelle eines Verlustes von 4 Euro pro Aktie, falls wir den Stop-Loss nicht angepasst hätten).

Fassen wir noch einmal zusammen:

Stop-Loss-Ordern werden von vielen Tradern routinemäßig eingesetzt, um:

  • Gewinne zu realisieren
  • Verluste zu begrenzen
  • Trades zu automatisieren, ohne ständig die Kursentwicklung verfolgen zu müssen.

Soviel nun aber zur grauen Theorie! Falls ihr aber auch zum visuellen Lerntyp zählt (aber auch falls nicht), schaut euch doch unser Video zum Thema an.

Viel Spaß beim Traden,

Erik

by Apr 30, 2015 3 Kommentare
DAX 30-Leitindex des deutschen Aktienmarktes

DAX 30-Leitindex des deutschen Aktienmarktes

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DAX 30-Leitindex des deutschen Aktienmarktes

Der DAX 30 spiegelt als deutscher Leitindex  die tendenzielle Entwicklung an den Börsen wider.  Im DAX 30 sind bezogen auf die Marktkapitalisierung und den Börsenumsatz die 30 größten deutschen Unternehmen zusammengefasst und wird auch als Blue-Chip-Index bezeichnet. Da diese Unternehmen den verschiedensten Marktsektoren entspringen und rund 80 Prozent des in Deutschland zugelassenen Börsenkapitals ausmachen,  gilt der DAX 30 als Indikator für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft. Außerdem ist er Basiswert für derivate Finanzinstrumente und strukturierten Produkten.

Geschichte des DAX 30

Der Dax startete im Juli 1988 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Zu diesem Zeitpunkt galt dieser Index nur als Ergänzung zur den schon existierenden Indizes und entwickelte sich nach und nach zum international anerkannten Hauptindex der deutschen Börsenwelt.

Bereits im Jahre 1871 entwicklte der Ökonom Ernst Louis Étienne Laspeyres eine kommplexe Formel, mit der aus einer Vielzahl von Einzelwerten ein Index berechnet werden konnte und legte damit den Grundstein des DAX 30. Der Deutsche mit französichen Wurzeln gewichtete die Einzelwerte dabei unterschiedlich, sodass der Einfluss auf den Index variierte.

Wer wird in den DAX aufgenommen?

Im DAX befinden sich die 30 größten deutschen Unternehmen in Bezug auf die Marktkapitalisierung und den Börsenumsatz. In den Leitindex werden aber nur Unternehmen aufgenommen, die zudem noch die folgenden Kriterien erfüllen:

  •         im Prime Standard der Deutschen Börse gelistet
  •         einen Streubesitz (Freefloat) von mindestens zehn Prozent aufweisen
  •         juristischen Sitz in Deutschland

Eine Veränderung der DAX-Zusammensetzung findet nach folgenden vier Regeln statt:

Fast-Exit (45/45) (sofortiger Rauswurf)

Wenn ein Unternehmen, in Bezug auf den Börsenumsatz oder die Marktkapitalisierung nicht mehr zu den größten 45 gehört, wird dieses aus dem DAX genommen, sofern ein Nicht-Index-Wert beim Börsenumsatz mindestens Rang 45 und bei der Marktkapitalisierung mindestens Rang 35 erreicht.

Fast-Entry (25/25) (sofortige Aufnahme)

Neu in den DAX aufgenommen wird ein Unternehmen, sofern es in beiden Kriterien mindestens den 25. Rang erreicht. In diesem Fall scheidet das Unternehmen aus dem DAX 30 aus, welches in mindestens einem der beiden Kriterien schlechter als Rang 35 ist und die geringste Marktkapitalisierung aufweist.

Regular-Exit (40/40) (regulärer Rauswurf)

Aus dem DAX30 wird ein Unternehmen genommen, sobald es in einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den 40 besten zählt und es einen Nicht-Index-Wert gibt, der nach beiden Kriterien mindestens zu den besten 35 gehört.

Regular-Entry (30/30) (regulärer Aufnahme)

Neu in den DAX aufgenommen wird ein Unternehmen, dass nach Definition der beiden Kriterien zu den 30 größten gehört, falls es ein Unternehmen gibt, dass in einem der beiden Kriterien nicht mehr zu den Top 35 gehört.

Alle 4 Regeln kommen zum ordentlichen Anpassungstermin im September zur Anwendung.  Zusätzlich gibt es aber noch außerordentliche Anpassungstermine im März, Juni und Dezember, an denen es zu einem “sofortigen Rauswurf” oder einer “sofortigen Aufnahme” kommen kann. Außerdem kommt es zu einer außerordentlichen Anpassung im Fall von Insolvenzen und wenn ein Unternehmen die oben genannten Voraussetzungen nicht mehr erfüllt. Weiterhin kann es zu Abweichungen von diesen Regeln kommen, falls es zu Übernahmen kommt oder signifikante Veränderungen im Freefloat auftreten — darauf  müssen sich aber der Vorstand der Deutschen Börse AG und der Arbeitskreis Aktienindizes einigen.

Aktuelle Zusammensetzung (Stand 31. März 2015)

Der Kurs des DAX30 setzt sich aus den Aktienkursen der einzelnen in ihm enthaltenden Unternehmen zusammen. Am 31. März 2015 waren dieses die folgenden 30 deutschen Unternehmen:

Volkswagen, ThyssenKrupp, Siemens, SAP, RWE, Münchener Rück, Merck, Lufthansa, Linde, Infineon, LANXESS, K+S, Henkel vz, HeidelbergCement, Fresenius Medical Care, Fresenius, E.ON, Deutsche Telekom, Deutsche Post, Deutsche Börse, Deutsche Bank, Daimler, Continental, Commerzbank, BMW, Beiersdorf, Bayer, BASF, Allianz, adidas

Anteile der Unternehmen im DAX nach Marktsegment (Stand 31. März 2015).

Anteile der Unternehmen im DAX — aufgeteilt nach Marktsegment (Stand 31. März 2015).

Gewichtung des DAX 30

Es werden aber nicht alle Kurse der 30 Unternehmen gleich stark gewichtet. DAX-30-Unternehmen mit einer höheren Marktkapitalisierung (des Streubesitzes) beeinflussen den Kurs des Leitindex stärker als Unternehmen mit einer geringeren Marktkapitalisierung (des Streubesitzes). Bei der Gewichtung spielt der Börsenwert oder das Gesamtkapital des Unternehmens keine Rolle. Die Marktkapitalisierung ist das Produkt des Aktienkurses eines Unternehmens und der Anzahl aller vom Unternehmen ausgegebenen Aktien.

Beispiel: Der Kurs der InsideTrading AG beträgt 3,00€ und beim Börsengang wurden 1.000.000 Aktien ausgegeben. Demnach ist die Marktkapitalisierung 3.000.000,00€.

Aktien, die sich im Festbesitz oder im Besitz des herausgebenden Unternehmens befinden, sind für die Gewichtung nicht relevant, wobei Festbesitz bedeutet, dass ein Großaktionär 5% oder mehr der Aktien hält.

Grundsätzlich lässt sich sagen, je höher der Streubesitz einer Aktie ist, desto höher ist auch das Gewicht im Index. Kein DAX-Unternehmen darf jedoch ein höheres Indexgewicht als zehn Prozent aufweisen.

Kursveränderungen der DAX-30-Aktien werden sekündlich in die Neubewertung des Dax-Kurses mit einbezogen, wobei Änderungen im Streubesitz nur quartalsweise von der Deutschen Börse erfasst werden und daher die Gewichtung der Einzelaktien im DAX nur vierteljährlich angepasst wird.

 

Dax Gewichte

Die fünf einflussreichsten DAX-Unternehmen (Stand 31. März 2015).

 

Berechnung des DAX

Die Berechnung des DAX unterscheidet sich von der Berechnung vieler anderer Leitindizes (Dow Jones, EURO STOXX 50,…) dahingehend, dass der uns bekannte DAX ein Performanz-Index ist und nicht, wie viele andere Indizes ein Kursindex. Ein Performanz-Index unterscheidet sich von einem Kursindex diesbezüglich, dass bei einem Performanz-Index alle Dividenden und sonstigen Zahlungen in den Index reinvestiert werden und bei einem Kursindex Kapitalveränderungen und Dividendenzahlungen nicht enthalten sind. Natürlich gibt es den Dax auch als Kursindex, dieser ist aber eher unbekannt.

DAX-Performanz-Index: DE0008469008
DAX-Kursindex: DE0008467440

Als Grundlage der Aktienkurse werden die Kurse des elektronischen Handelssystems Xetra verwendet. Die Berechnung startet börsentäglich ab 9:00 Uhr. Die erste Notation kommt zustande, sobald es für alle 30 Unternehmen eine Kurstellung gibt, spätestens jedoch um 9:03 Uhr. Wenn es bis zu diesem Zeitpunkt keinen Eröffnungskurs einzelner Aktien gibt, wird der Schlusskurs des Vortages (Xetra 17:30 Uhr) zur Berechnung verwendet.

Wer mehr Informationen zur genauen Berechnung wünscht, der googelt bitte nach der statistischen Index-Formel von Laspeyres.

Handelszeiten

Die Haupthandelszeit des Dax ist werktags von 9:00- 17:30 Uhr, welches auch der Xetra-Handelszeit entspricht.

Von der Deutschen Börse werden aber auch vor Handelsbeginn und nach Handelsschluss (17:30 Uhr) Kurse des L/E-DAX (Late/Early DAX) berechnet. In der Zusammensetzung entspricht der L/E-DAX dem DAX. Berechnet wird dieser Kurs börsentäglich von 8:00 – 9:00 Uhr und von 17:45 – 20:00 Uhr. Als noch wichtigerer Indikator für die Entwicklung des DAX 30 wird hingegen der X-DAX bezeichnet, welcher börsentäglich von 8:00 – 9:00 Uhr sowie von 17:45 – 22:00 Uhr berechnet wird. Grundlage für die Berechnung des X-DAX sind die Preise des an der Terminbörse gehandelten DAX-Futures mit der kleinsten Restlaufzeit und die Euribor-Zinssätze der Europäischen Zentralbank.

Soviel zunächst als Einstieg in das wirklich komplexe Thema. Es wird zu diesem Artikel in der nächsten Woche einen zweiten Teil geben, in dem es um verschiedene Notationen (Future, Deutsche Bank, Xetra, usw.) gehen wird. Hier geht es zum zweiten Teil.

PS hinterlasst ein Kommentar und besucht unsere Facebook-Seite! 🙂

 

by Apr 15, 2015 3 Kommentare
Wie entstehen Preise?

Wie entstehen Preise?

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Wie entstehen Preise?

Alle arbeiten mit ihnen, reden darüber, nehmen sie als Fundament für Handelsentscheidungen oder betrachten sie als Buch mit sieben Siegeln: Börsenkurse, deren Bewegungen und die Gründe für eben diese.
Aber fangen wir einmal ganz vorne an und fragen uns, wie sie entstehen? – im Orderbuch:

Durch die treibenden Kräfte des Marktes: Angebot und Nachfrage.

Prinzipiell kannst Du dir den Börsenhandel wie den Handel auf einem orientalischen Markt vorstellen, viele Menschen treffen aufeinander. Angebot und Nachfrage werden durch Verhandlungen auf einen Nenner gebracht.
Früher geschah eben dies an den Parkettbörsen, heute, da alles zunehmend elektronisch abgearbeitet wird, vergessen viele, was im Hintergrund eigentlich passiert.
Der Mechanismus ist überall derselbe, sei es an einer Parkettbörse oder an der Xetra (einem elektronischen “Marktplatz”). Angebot und Nachfrage (ich weiß, ich wiederhole mich, doch es ist einfach essenziell, dass Du dir das verinnerlichst) werden im Orderbuch zur Übereinstimmung gebracht. Dabei entsteht die Times and Sales Liste (T&S) von der dann später die Charts abgeleitet werden.
Hierbei gelten 4 fundamentale Prinzipien:

  1. Preiskontinuität
  2. Widerspiegelung der Marktsituation
  3. Gleichbehandlung der eingehenden Aufträge
  4. Umsatzbetrachtung bei der Ausführung

 

Zu 1. (Preiskontinuität): Hierbei soll gewährleistet werden, dass der neue Kurs nicht zu weit vom vorherigen entsteht, sprich, dass keine übermäßigen Kurslücken (Gaps) entstehen (dieser Punkt ist bei Computer-/elektronischen- Börsen nicht immer gewährleistet, vor allem bei geringem Volumen im entsprechenden Finanzprodukt).

 

Zu 2. (Widerspiegelung der Marktsituation): Dieser Punkt ist weitgehend selbst erklärend und kann mit  Punkt 1 verglichen werden. Es soll schlicht verhindert werden, dass einzelne Aufträge den Markt irrational weit von seinem aktuellen Preis wegbewegen, wobei hier die Marktsituation einbezogen wird. So kann es nach einem raschen Anstieg durchaus zu einem finalen Gap kommen, wenn ausreichend viel Volumen diese Sprünge trägt oder bei abfallendem Volumen entsprechende Orders im Markt liegen. Jedoch gilt auch hier, dass dieses im Rahmen einer “rationalen” Kursstellung erfolgen muss,der Kurs darf also nicht gestellt werden. Daher ist hier nicht mit einem Sprung von sagen wir 100 % zu rechnen.

Zu 3 (Gleichbehandlung der eingehenden Aufträge): Alle Orders werden unabhängig ihres Volumens abgerechnet. Die determinante Größe für die Ausführung ist der Eingang (Zeit) der Order.

Zu 4 (Umsatzbetrachtung bei der Ausführung): Dieses Prinzip besagt, dass immer der Kurs mit dem höchstmöglichen Umsatz zu stellen ist.
Hierbei können wir wieder zu unserem anfangs genannten Beispiel, dem orientalischen Basar, zurück kommen. Es macht Sinn, dass der Händler seine Waren zu den Preisen anbietet, zu welchen er die meisten Abnehmer findet.
Jeder, der vielleicht bereits die Chance hatte, einen orientalischen Markt zu erleben, kann sich jetzt bereits etwas mehr unter der Kursstellung der Börse vorstellen.
Jedoch nur etwas…
Denn wie funktioniert das denn nun genau mit der Stellung von Kursen?

 

Quotes für wie entstehen Preise



Die Tabelle zeigt ein Beispiel für Orders in einem Orderbuch, sowie das zum genannten Preis akkumulierte Volumen der Angebots- und Nachfrageseite. Die rechte Spalte gibt den möglichen Umsatz an.

Angenommen der Preis stand bei 52, was ist bei aktueller Orderbuchlage der neue Preis?
Nach dem Prinzip des Umsatzes muss nun der Kurs gerechnet werden, der bei gleichzeitiger Preiskontinuität den höchsten Umsatz generiert. Dies wäre in unserem Fall genau 53, denn auch zu anderen Preisen ließe sich nicht einmal mit einem gehörigen Sprung ein größerer Umsatz generieren.

Gleichfalls ist es wichtig, dass Du die Form der Börse beachtest. Sprich ob es sich um eine Parkettbörse mit Makler oder um eine elektronische Börse wie der Xetra handelt.

In elektronischen Börsen wie der Xetra oder auch der Eurex sind oftmals starke Kursschwankungen zu Newszeiten oder Zeiten geringen Volumens zu sehen.
Solche Bewegungen entstehen durch ein Ausdünnen des Orderbuches, da Limits vor den News aus dem Markt genommen werden um von den Sprüngen des lückenhaften Orderbuches nicht überrascht und abgefischt zu werden.

Ein absolutes Bilderbuchbeispiel, welches ich selbst erleben durfte: mit Lücken, Sprüngen, Handelsaussetzungen und, in den extremsten Ausführungen, Kursschwankungen von über 30 %.

Black Swan EUR/CHF.
Dieses Event war hauptsächlich deswegen so drastisch, da es an einem rein elektronischen Börsenplatz und noch dazu OTC stattgefunden hat. An einer Parkettbörse wäre es nicht ganz so dramatisch ausgefallen, da hier neben dem Umsatz auch noch die drei anderen Prinzipien in die Kursstellung Einzug erhalten hätten. Dadurch hätte sich der Overshoot nicht ganz so drastisch ausgewirkt.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Beitrag die Prinzipien der Kursstellung etwas näher bringen und auch die Relevanz über eben dieses Wissen durch ein nicht allzu altes Beispiel verdeutlichen.
Ich selbst erachtete dieses Wissen lange für nicht übermäßig relevant, aber unter dem Strich galt für mich besser spät als nie…

Wenn ihr mehr zum Thema Markt-Technik erfahren wollt, kann ich euch dieses Buch wärmstens empfehlen.

 

by Apr 05, 2015 1 Kommentar