Was ist die charttechnische Analyse?

Im Trading müssen wir es irgendwie schaffen, die zukünftige Entwicklung des Marktes zu erahnen. Das heißt, wir müssen einen ein Weg finden, den Markt zu analysieren!

Unterstützung Widerstand,Hierfür gibt es unglaublich viele verschiedene Ansätze, Philosophien oder auch Religionen, dennoch kann man so ziemlich alle Ansätze in zwei große Lager aufteilen. Das Lager der Charttechniker und das der Fundamentalanalysten.

Fundamentalanalysten sind auf der Suche nach dem fairen oder angemessenen Preis eines Finanzproduktes. Sie stützen ihre Entscheidungen auf betriebswirtschaftliche Daten und das ökonomische Umfeld des Marktes, den sogenannten Fundamentaldaten. Dieses Verfahren wird hauptsächlich für die Analyse von Aktien verwendet und basiert auf Kenngrößen, die aus der Bilanz eines Unternehmens abgeleitet werden können. Hierzu zählen beispielsweise die Dividendenrendite, das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das Kurs-Cashflow-Verhältnis, die Gesamtkapitalrendite und die Eigenkapitalrendite. Weiterhin werden die Aussichten aus den Quartals- und Jahresberichten der Unternehmen zur Berechnung des fairen Kurses hinzugezogen.

Charttechniker berücksichtigen die Kurshistorie und eventuell noch das Handelsvolumen des Finanzproduktes. Betriebswirtschaftliche Daten werden bei der technischen Analyse nicht berücksichtigt, da man davon ausgeht, dass alle relevanten Daten und Informationen der Vergangenheit und Zukunft schon im Preis enthalten sind, was Prognosen für voraussichtliche Kursentwicklungen zulässt. Bei der charttechnischen Analyse geht man davon aus, dass es wiederkehrende, beobachtbare Ereignisse mit jeweils ähnlichen, wahrscheinlichen Zukunftsverläufen gibt.

Auf dieser Seite wollen wir Ihnen nach und nach die wichtigsten Regeln und Ansätze der charttechnischen Analyse näher bringen. Hierbei ist es uns sehr wichtig, dass wir in einem angemessenen Tempo voranschreiten, sodass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene auf ihre Kosten kommen. Klicken Sie einfach auf die einzelnen Kapitel, um diese zu lesen.

Kapitel 1 – Der Chartaufbau

Kapitel 1   Grundlagen der Charttechnik

Als erstes wird darauf eingegangen wie die Kursdaten gelesen und in den Chart, der betrachtet wird, übertragen werden. Wer mit dem Aufbau von Charts bereits vertraut ist wird in diesem Kapitel wenig Neues finden aber wir haben alle einmal angefangen und jeder soll die Möglichkeit haben, von Anfang an dabei zu sein. Insoweit vertröste ich auf die nächsten Kapitel (weiter unten).

Schauen wir uns zunächst einen Chart in Gänze an und welche Informationen sich wo befinden.

Trading Chart erklärt

Eine Kerze stellt dabei eine Zeitperiode dar. In dem oberen Chart umfasst eine Kerze somit die Kursbewegung des gesamten Tages. Welche Informationen eine Kerze enthält wird etwas später in diesem Artikel dargestellt.

Die verschiedenen Charttypen:

(Abbildung 1.1 Balkenchart)

Balkenchart

Der Balkenchart (Abbildung 1.1) gehörte in der Vergangenheit zu den populärsten Charttypen bevor der japanische Kerzenchart sich immer mehr durchsetzte. Zunächst gehen wir auf die Informationen des Balkencharts ein, bevor weiter unten der japanische Kerzenchart erläutert wird.

Aus dem Balkenchart lassen sich vier Informationen ablesen:

  • Der Tageshöchstkurs
  • Der Tagestiefstkurs
  • Der Eröffnungs- und der Tagesschlusskurs.

Der kleine Strich auf der linken Seite des Balkens stellt dabei den Eröffnungskurs dar. Der Strich auf der rechten Seite den Tagesschlusskurs.

Das obere Ende des Balkens zeigt den Tageshöchstkurs an. Das untere Ende entspricht dem Tagestiefstkurs.

Balkenchart verstehen

(Abbildung 1.2 Linienchart)

Der Linienchart (Abbildung 1.2 – selbe Kursbewegung wie in der Abbildung 1.1) zeigt nur den Schlusskurs der jeweiligen Periode an (Periode = Tag → Anzeige des Tageschlusskurses). Der Schlusskurs stellt den wichtigsten Kurs einer Handelsperiode dar. Daher ist auch der Linienchart für eine technische Analyse durchaus geeignet.

Der japanische Kerzenchart:

japanischer Kerzenchart

Der Kerzenchart ist die japanische Version des Balkencharts. Der Kerzenchart bietet identische Informationen wie ein Balkenchart. Lediglich die Darstellung der Kursspanne der einzelnen Periode weicht vom Balkenchart ab.

Der Kerzenchart erfreut sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit und ist die Hauptdarstellungsmethode eines Charts. Daher wird in den kommenden Artikeln bzw. in regelmäßigen Analysen auch hauptsächlich dieser Chart-Typ verwendet.

Das Wichtigste an einer Kerze ist die Beziehung zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs. Der Raum dazwischen bildet den sog. Kerzenkörper (auch Body genannt) und spielt für viele technische Analysten eine gewichtige Rolle. Anhand des Kerzenkörpers lassen sich gewisse Aussagen zu der Handelsaktivität innerhalb der Handelsperiode treffen.

Eben dieser Kerzenkörper bildet den Unterschied zwischen Kerzen- und Balkenchart. Diesen Kerzenkörper können sie sich in einen Balkenchart ebenfalls hinein denken. Lediglich die graphische Darstellung ist eine andere. Alle technischen Werkzeuge und Indikatoren funktionieren daher im Balkenchart genauso wie im Kerzenchart.

Die Kerze:

Kerzenchart verstehen

In der Abbildung nehmen wir als Beispiel eine Kerze mit einem grünen Kerzenkörper. Der grüne Kerzenkörper bedeutet, dass innerhalb der Periode der Kurs gestiegen ist. Der Schlusskurs liegt über dem Eröffnungskurs. Das Ende der oberen Linien steht für das Tageshoch, das untere Ende des sog. Schattens stellt den Tiefstkurs der Periode dar.

In der folgenden Abbildung ist dies nochmal etwas genauer dargestellt.

Schatten/ Candlesticks erklärt

Der sog. Schatten wird teilweise auch als Kerzendocht beschrieben. Sofern Sie mal auf diese Formulierung stoßen sollten, müssen Sie sich nur merken, dass es hier keinen Unterschied in der Bedeutung gibt.

Der japanische Kerzenchart bietet im Vergleich zu anderen Darstellungsvarianten einige leichte Vorteile. Durch die farbliche Darstellung lassen sich steigende und fallende Perioden leichter erkennen. Zudem lassen sich im Vergleich zum Linienchart weitere wichtige Informationen wie Tageshöchst- und Tagestiefpunkte erkennen. Der Linienchart basiert lediglich auf den Schlusskursen. Diese werden durch eine Linie verbunden. Weiterhin lassen sich Kurslücken zwischen den Schluss- und Eröffnungskursen zweier Perioden leichter erkennen. Im Linienchart lassen sich diese Kurslücken gar nicht erkennen. Im Balkenchart ist ein genaues Auge erforderlich. Dies kann dazu führen, dass die Kurslücken teils gar nicht erkannt werden und so wichtige Informationen nicht die entsprechende Beachtung finden.

Neben dem Kursverlauf sollte der Chart noch eine weitere wichtige Information enthalten – den Umsatz.

Der Umsatz stellt dabei die Gesamtaktivität des Handels dar. Im Grunde stellt er die Anzahl der Aktien/ Zertifikate dar, die innerhalb der Periode gehandelt worden sind, also den Besitzer gewechselt haben.

Um die Daten entsprechend darzustellen werden unterhalb des Charts in der Regel Umsatzbalken verwendet.

Vgl. dazu folgende Abbildung:

Tradingchart mit Vola

Im unteren Teil des Chart-Bildes ist der Umsatz dargestellt.

Sofern der Umsatz in der aktuellen Periode niedriger war als in der vorherigen Periode, wird der Umsatzbalken rot dargestellt. Ist der Umsatz im Vergleich zur vorherigen Periode angestiegen, wird er grün dargestellt.

Welche Bedeutung der Umsatz hat, wird später immer mal wieder aufgegriffen.

Da wir nun wissen, wie Kerzen- und Balkencharts konstruiert sind, können wir uns mit der Analyse bzw. der Interpretation dieser Charts beschäftigen. Hier werden wir in den nächsten Artikeln ansetzen.

Beachten Sie stets, dass der Chart nur die einzelnen Kurse graphisch darstellt und immer ein gewisses Anlegerverhalten dahinter steht. Für sich allein betrachtet ist der Chart nutzlos. Sehen sie es wie ein Gemälde, für sich alleine ist es nur ein Bild, der Name des Künstlers, seine Intentionen und Gedanken machen es wichtig und interessant. „Was hat sich der Künstler dabei gedacht?“. Selbiges gilt beim Chart,  „Was denken die Marktteilnehmer und wie verhalten sie sich?“. Das ist das Entscheidende!

Kapitel 2 – Der Trendaufbau

Kapitel 2   Der Aufbau von Trends

Eine der berühmtesten Börsenweisheiten lautet „The Trend is your Friend“. Diese Aussage beruht auf der Annahme, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Trendfortsetzung immer größer ist als die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend sich ändert bzw. wir eine Trendwende sehen. Die Trendkonzeption ist somit unverzichtbar für den Ansatz der technischen Marktanalyse. Werkzeuge der technischen Analyse wie Trendlinien oder Durchschnittslinien, haben daher ausschließlich die Aufgabe die Trendrichtung zu erkennen, um schlussendlich an diesem Trend partizipieren zu können.

Allgemein umschrieben ist die Trendrichtung die Fahrtrichtung des Marktes.

Der Trend hat drei Möglichkeiten

Ein Trend zeichnet sich dadurch aus, dass niemals ausschließlich steigende Notierungen vorliegen. Vielmehr verläuft der Trend in einer Abfolge von neuen Hochs und Tiefs. Man könnte sagen zwei Schritte voraus und einen zurück oder eben anders herum. Ein Trend muss aber nicht zwingend nach oben oder unten gehen. Eine weitere Alternative ist, dass der Trend seitwärts verläuft. Einen Schritt vor und wieder einen zurück. Der Markt entscheidet sich dementsprechend nicht für eine bestimmte Richtung.

Ob der Trend nach oben oder unten geht, ist in der Abfolge der jeweiligen Hochs und Tiefs zu klassifizieren. Ein Aufwärtstrend zeichnet sich dadurch aus, dass im Trendverlauf immer neue höhere Hochs und höhere Tiefs ausgebildet werden. Bei einem Abwärtstrend ist es entsprechend andersherum. Der Trendverlauf bildet immer tiefere Tiefs und tiefere Hochs aus.

Bei seitwärts gerichteten Trends wechseln sich Hochs und Tiefs auf den jeweiligen identischen Höhen ab.

In Textform nicht unbedingt leicht verständlich. Daher zur Veranschaulichung die Abbildungen 1a bis 1c.

Abbildung 1a (Aufwärtstrend  Abfolge von höheren Hochs & höheren Tiefs)Aufwärtstrend

Abfolge lokaler ständig ansteigender Hochs – Abfolge lokaler ständig ansteigender Tiefs 

 

Abbildung 1b (Abwärtstrend  Abfolge von tieferen Tiefs & tieferen Hochs)Abwärtstrend

Abfolge lokaler ständig fallender Tiefs – Abfolge lokaler ständig fallender Hoch

Abbildung 1c (Seitwärtstrend  Abfolge von gleichbleibenden Hochs und Tiefs)

Seitwärtsmarkt

Wir sehen also, dass ein Trend drei verschiedene Richtungen aufweisen kann. Oftmals besteht allerdings die Annahme, dass ein Trend nur nach oben oder nach unten laufen kann. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen. Dabei ist es nur eine logische Konsequenz wenn man die Psychologie des Marktes und die Preisbildung an den Märkten zu Grunde legt.

Es gibt Käufer und Verkäufer. Beide treffen an der Börse zusammen. Je nach Angebot und Nachfrage wird dann der Preis bestimmt. Verallgemeinert lässt sich sagen: Steigt die Nachfrage bei gleich bleibenden Angebot, erhöht sich der Preis.

Liegt das Gegenteil vor, fällt der Preis. Es wird aber auch immer Marktphasen geben, in denen das Angebot der Nachfrage entspricht. Der Preis bleibt gleich bzw. bewegt sich lediglich in einem gewissen Rahmen, leicht auf und ab.

Es ist unrealistisch, dass diese Situation über einen langen Zeitraum gegeben ist, da verschiedene Einflussfaktoren die Nachfrage und das Angebot immer wieder verändern, aber für eine Übergangsphase sollte dies immer wieder in Betracht gezogen werden. Man spricht hier auch von einer Seitwärtsrange, was sich auch mit Preisspanne übersetzen lässt. Oftmals wird diese Marktphase auch als „trendlos“ bezeichnet.

Dass es auch solche trendlosen Marktphasen gibt, ist ein ganz wichtiger Punkt. Wer am Markt agiert hat im wesentlichen zwei Möglichkeiten: Aktien kaufen (Long gehen) oder Aktien verkaufen (Short gehen). Hier lässt sich aber in trendlosen Marktphasen wenig Profit erzielen, da die Preisspanne eben entsprechend gering ist.

Long gehen ist lediglich in einem Aufwärtstrend wirklich profitabel. Short gehen bei einem Abwärtstrend. Aber in Seitwärtsphasen sorgen beide Varianten eher für wenig Rendite.

In solchen Marktphasen kommt eine dritte Variante ins Spiel, nämlich an der Seitenlinie zu stehen und abzuwarten, bis sich eine neue Trendrichtung etabliert, welche dann wieder profitabel gehandelt werden kann. Wie sich eine neue Trendrichtung erneut etabliert, sehen wir gleich in der nächsten Grafik weiter unten.

Dies fällt allerdings vielen Anlegern schwer, weshalb trendlose Marktphasen bei vielen häufig zu Verlusten führen.

In der folgenden Abbildung sehen wir das Währungspaar EUR/JPY zwischen Oktober 2013 und Juni 2014. Auffällig ist, dass der EURJPY in dieser Zeit alle verschiedenen Trendrichtungen ausgebildet hat.

Die verschiedenen Trends sind durch die blauen vertikalen Linien entsprechend unterteilt worden.

Die lokalen Hoch- und Tiefpunkte sind durch grüne und rote Rechtecke visualisiert worden.

Trendphasen

Aus der Abbildung ist ersichtlich, dass der EURJPY sich zwischen Oktober und Dezember 2013 in einem Aufwärtstrend befand.

Der aufwärts gerichtete Trend ist deswegen ansteigend, weil steigende Hochs (grüne Rechtecke) sich mit gleichzeitig ansteigenden Tiefs (rote Rechtecke) abwechseln.

Darauf folgte ab Dezember ein Abwärtstrend welcher bis Februar 2014 andauerte.

Dieser Abwärtstrend zeichnet sich durch fallende Tiefs aus, die sich mit gleichzeitig fallenden Hochs abwechseln. Ein Tiefpunkt liegt also gemessen am Kurs tiefer, als das Tief zuvor. Für die lokalen Hochpunkte gilt dies entsprechend.

Zwischen März und August 2014 lag im EURJPY ein Seitwärtstrend vor.

Dies ergibt sich aus den gleichbleibenden Hoch- und Tiefpunkten. In dieser Zeit konnten keine neuen höheren Hochs bzw. höhere Tiefs ausgebildet werden. Von einer vorangegangenen steigenden Trendphase sind wir also in eine sog. trendlose Marktphase übergegangen.

Unterstützungen und Widerstände

Wir haben nun gesehen, dass Trends aus verschiedenen lokalen Hoch- und Tiefpunkten bestehen. Ob diese lokalen Punkte ansteigen oder abfallen, zeigt uns ob wir uns in einem Aufwärts- oder Abwärtstrend befinden.

Bisher sind wir allerdings noch nicht auf die Bedeutung dieser Punkte eingegangen. Dabei kommt diesen Wendepunkten innerhalb der Chart- und der Markttechnik eine wichtige Bedeutung zu.

Die Reaktionstiefs bzw. die lokalen Tiefpunkte werden allgemein als Unterstützung bezeichnet und als Unterstützungsbereiche genutzt.

Für die Hochpunkte gilt dies analog. Allerdings stellen diese einen Widerstandsbereich dar.

In der Theorie lässt sich das folgendermaßen darstellen: 

Abbildung 2a (Abwärtstrend – Widerstände und Unterstützungen)

Unterstützung und Widerstand

In Abbildung 2a sehen wir einen Abwärtstrend. Widerstände und Unterstützungen weisen dabei ein fallendes Muster aus. Die Widerstände ergeben sich auf immer geringeren Kursniveaus. Für Unterstützungen gilt dies analog.

Abbildung 2b (Aufwärtstrend – Widerstände und Unterstützungen)

Durchbruch Widerstand

In Abbildung 2b sehen wir einen intakten Aufwärtstrend. Die Widerstände steigen mit dem weiteren Kursverlauf kontinuierlich an, da immer neue höhere Hochpunkte ausgebildet werden. Für die Unterstützungen gilt dies analog.

Eine Unterstützung liegt daher immer unter dem aktuellen Kursniveau und stellt einen vorangegangenen lokalen Tiefpunkt dar (vgl. obere Abbildungen).

Ein Widerstand liegt immer oberhalb des aktuellen Kurses und stellt ein vorangegangenen lokalen Hochpunkt dar (vgl. rote Striche, obere Abbildung).

An diesen Punkten ist im vorherigen Kursverlauf das Angebot größer geworden als die Nachfrage (keine neue Kurssteigerung – Der Kurs fällt anschließend) bzw. die Nachfrage größer als das Angebot (keine neuen Kurstiefs – Der Kurs steigt anschließend).

Ein gesundes Verständnis für die Bedeutung von Unterstützungen und Widerständen ist eine wichtige Voraussetzung für das Umsetzen von Trendhandel und Trendkonzepten. An diesen Punkten wird immer wieder aufs Neue überprüft, ob der Trend bestehen bleibt oder gegebenenfalls eine Trendwende einsetzen könnte.

Wenn beispielsweise die Korrekturbewegung in einem Aufwärtstrend den kompletten Anstieg seit dem vorangehenden Tief konsolidiert, kann dies ein erstes Warnzeichen für einen eventuellen Trendwechsel sein. Sofern die Unterstützungslinie sogar unterschritten wird, ist ein Trendwechsel umso wahrscheinlicher.

Weiterhin gilt jeder Test des vorangegangenen Hochs (Widerstandsbereich) als kritischer Moment in einem Aufwärtstrend.

(Für den Abwärtstrend gilt diese Annahme hinsichtlich des Unterstützungsbereichs entsprechend)

Hier entscheidet sich, ob die Masse der Marktteilnehmer bereit sind einen höheren Preis zu zahlen, als sie das vor der Korrektur getan haben. Sofern dem so ist, wird die Nachfrage konstant bleiben und es wird ein neuer lokaler Hochpunkt ausgebildet. Wir sehen einen Ausbruch über das vorherige Widerstandslevel.

Ist dies Nicht der Fall, prallt der Kurs am Widerstand ab. Es liegt ein fehlgeschlagener Ausbruchsversuch vor.

Auch hier erleben wir ein erstes Warnzeichen für einen Wechsel der vorherrschenden Trendrichtung.

Unterstützung = Widerstand &Widerstand = Unterstützung

Bisher haben wir Widerstände ausschließlich mit dem vorangehenden lokalen Hochpunkt und die Unterstützungen mit den vorherigen lokalen Tiefs in Verbindung gebracht.

Darüber hinaus ist allerdings noch ein weiterer Aspekt zu beachten. Im Rahmen der technischen Analyse ist die Annahme weit verbreitet, dass sobald der Kurs einen Unterstützungs- oder Widerstandsbereich über-oder unterschreitet, diesen Bereich umkehrt und die gegenteilige Bedeutung zumisst.

Wir schauen uns das in der folgenden Abbildung einmal an, wie sich diese Annahme in der Theorie darstellt:

Abbildung 3a (Umkehr von Widerstand in Unterstützung)

Umkehr Widerstand in Unterstützung

In der oberen Abbildung 3a sehen wir einen intakten Aufwärtstrend (Abfolge von neuen höheren lokalen Hochpunkten und tieferen Tiefs). Die beiden Tiefs bilden jeweils einen Unterstützungsbereich. Das vorherige Hoch stellt einen Widerstand dar, den der Kurs zunächst überwinden muss um den Aufwärtstrend zu bestätigen.

Sofern der Widerstand nicht überwunden wird, besteht die Gefahr einer Trendumkehr bzw. eines Trendwechsels.

Abbildung 3b (Umkehr von Widerstand in Unterstützung)

Widerstand wird Unterstützung

Wir sehen nun, dass der Kurs den Widerstandsbereich überwunden hat. Die Folge ist, dass der vorherige Widerstandsbereich nun eine Unterstützung darstellt.

Diesem Vorgehen liegt die Auffassung zu Grunde, dass die Marktteilnehmer auf diesem Kursniveau schon einmal reagiert haben und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage hier gedreht haben. Für die Zukunft gilt nun, dass das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage eher an einem Reaktionspunkt erneut dreht als irgendwo, wo es keine Reaktion bzw. Änderung der Kursrichtung gab.

Der weitere Kursverlauf könnte sich daher wie folgt darstellen:

Abbildung 3c (Umkehr von Widerstand und Unterstützung)

Korrektur Unterstützung

Wir sehen, dass die Marktteilnehmer den vorherigen Widerstand nun als Unterstützung angenommen und auf diesem Kursniveau erneut reagiert haben. Erneut kam es zu einer Änderung des Verhältnisses zwischen Käufern und Verkäufern (→ Die Nachfrage überstieg an diesem Punkt das Angebot, der Kurs beginnt wieder zu steigen).

Wir sehen also, dass nicht nur das vorherige lokale Tief als Unterstützungsbereich fungiert sondern weitere Unterstützungsbereiche denkbar sind, an denen der Kurs wieder nach oben oder unten drehen kann.

Kapitel 3 – Bewegung und Korrektur

Kapitel 3   Bewegung und Korrektur – Was passiert zwischen den Wendepunkten

Die wichtigen Punkte innerhalb eines Trends (Hoch- und Tiefpunkte) und damit einhergehende Unterstützungen und Widerstände haben wir bereits ausreichend beleuchtet.

Damit sind wir auf die markanten Punkte in einem Trend eingegangen. Offen bleibt allerdings was zwischen diesen Punkten passiert.

Neben den Hoch- und Tiefpunkten besteht ein Trend weiterhin aus einer Bewegung und einer Korrektur.

In einem Aufwärtstrend findet die Bewegung zwischen dem vorherigen Tiefpunkt und dem neuen Hochpunkt statt. Die Korrektur erfolgt dabei zwischen dem vorherigen Hochpunkt und dem neuen Tief.

In einem Abwärtstrend stellt sich Situation genau umgekehrt dar.

Zur Veranschaulichung eine weitere Abbildung:

Abbildung 4a (Bewegung und Korrektur)

Bewegung und Korrektur

Man sieht also, dass die Kursverläufe sich aus zwei verschiedenen Arten von Bewegungen zusammensetzen. Der Impulsbewegung und der Korrektur-(Bewegung).

Dabei ist die Impulsbewegung in der Regel dynamischer und zügiger als die Korrektur. Hinzu kommt meistens, dass die Impulsbewegung von einem höheren Volumen getragen ist als die Korrektur, in welcher das Volumen eher abnehmende Tendenz aufweist.

Impulsbewegung und Korrektur müssen dabei nicht immer wie oben veranschaulicht in einem Trend auftreten. Daneben sind durch Anordnung von Impulsbewegung und Korrektur auch andere Kursmuster möglich, welche häufig in „ Fortsetzungsformationen“ oder „Trendwendeformationen“ unterteilt werden. Diese Kursmuster werden später noch detailliert betrachtet.

Trendlinien:

Nachdem wir uns mit Unterstützungen und Widerständen sowie Bewegung und Korrektur beschäftigt haben, verfügen wir nun über ein Fundament an Grundwissen über den Trendaufbau.

Damit können wir uns einem weiteren wichtigen Instrument der technischen Analyse widmen. Der Trendlinie bzw. den Trendkanälen. Gerade zu Beginn kommt es häufig vor, dass ein Trend auf eben eine solche Trendlinie oder einen Trendkanal heruntergebrochen wird. Daher haben wir uns im Vorfeld explizit mit dem Trendaufbau beschäftigt, bevor uns nun diesem Instrument widmen.

zwei Typen von Trendlinien:

Bei Trendlinien wird zwischen einer Aufwärts- und Abwärtstrendlinie unterschieden.

Bei einer Aufwärtstrendlinie wird eine Linie entlang der einzelnen lokalen Reaktionstiefs gezogen.

Bei einer Abwärtstrendlinie wird dies analog mit den lokalen Reaktionshochs durchgeführt.

Um das zu verdeutlichen schauen wir einmal in die folgenden Abbildungen:

Aufwärtstrendlinie

Abwärtstrendlinie

Wichtig dabei ist: Trendlinien verlaufen selten so genau wie es in der Theorie dargestellt ist. Hier kann es gerade im Verlauf der einzelnen Periode zu kurzfristigen Über- und Unterschreitungen der Trendlinien kommen. Daher ist es meistens notwendig, mehrere Linien zu ziehen und etwas zu experimentieren bevor die richtige Trendlinie gefunden wird.

Dabei kann auch auf bestimmte Pufferzonen bei Trendlinien zurückgegriffen werden. Die einzig wahre Trendlinie ist in der Praxis eher selten anzutreffen.

Deshalb ist es wichtig, sich zunächst mit dem grundsätzlichen Trend auseinander zu setzen.

Haben wir kontinuierlich ansteigende neue Hoch- und Tiefpunkte (Aufwärtstrend) oder fallende Hoch- und Tiefpunkte (Abwärtstrend)? Wenn ja können diese Hoch-oder Tiefpunkte über eine Linie, der Trendlinie miteinander verbunden werden.

Wir brauchen also mindestens zwei verschiedene neue Hoch- oder Tiefpunkte. Ansonsten ist das Verbinden dieser Punkte zu einer steigenden/ fallenden Trendlinie nicht möglich.

Sofern eine Trendlinie auf lediglich zwei Berührungspunkten basiert, befindet sich diese sozusagen im Versuchsstadium. Wenn wir uns einen Chart nehmen und frei Hand zwei Punkte miteinander verbinden werden wir selten dazu kommen, dass im weiteren Kursverlauf eine gültige Trendlinie entstanden ist. Um die Trendlinie zu bestätigen und ihr bei einer größeren Anzahl an Marktteilnehmern eine gewisse Gültigkeit zu verleihen, ist ein dritter Test bzw. ein dritter Berührungspunkt des Kurses mit der Trendlinie erforderlich.

Grundsätzlich gilt: Desto häufiger die Trendlinie durch den Kursverlauf bestätigt wird, d.h. der Kurs durchbricht die Trendlinie nicht, desto stärker ist diese Trendlinie, weil immer mehr Marktteilnehmer diese akzeptieren und den Kurs durch Käufe/Verkäufe in die andere Richtung ziehen.

Die gültige Trendlinie als Hilfsmittel der Trendbestimmung:

Sobald die Trendlinie durch einen dritten Punkt bestätigt ist, liegt eine gültige Trendlinie vor. Neben der Trendrichtung lässt sich über die Trendlinie jetzt auch die Trendgeschwindigkeit bestimmen.

Dem Trendhandel liegt die Annahme zu Grunde, dass ein Trend in seiner Richtung und Geschwindigkeit eher beibehalten als geändert wird „The Trend isyour Friend“.

Die Trendlinie hilft uns somit insbesondere Korrekturen innerhalb des Trends richtig einzusortieren. Im Normalfall sollten die einzelnen Korrekturen der verlaufenden Trendlinie immer relativ nahe kommen (→ Trendrichtung und Trendgeschwindigkeit werden beibehalten).

Damit erweist sich die Trendlinie als Indikator für einen eventuell bevorstehenden Trendwechsel. Sofern nämlich die Korrektur über die Trendlinie hinausgeht, besteht eine erhöhte Gefahr, dass der Trend wechselt.

Ein Trendbruch ist hingegen noch nicht endgültig bei einem Bruch der Trendlinie erreicht. Daher kann der Bruch der Trendlinie hier nur ein Indiz sein.

Bruch ohne Tief

In der Abbildung sehen wir, dass die Trendlinie (dunkelgrün) gebrochen worden ist. Dadurch hat sich der Trend allerdings noch nicht in seiner Richtung geändert. Der Kurs liegt immer noch oberhalb des vorangegangenen Tiefpunktes. Erst wenn der Kurs diesen Unterstützungsbereich unterschreitet, hätten wir ein neues tieferes Tief und der Aufwärtstrend wäre nicht mehr intakt. Die Bedingung von stetig ansteigenden lokalen Hoch- und TIEFPUNKTEN wäre dann nicht mehr erfüllt.

Lediglich die Geschwindigkeit des Aufwärtstrends hat sich geändert. Der Aufwärtstrend würde, sofern die Korrektur in der Abbildung auf diesem Kursnvievau enden würde, lediglich etwas flacher und nicht mehr so steil wie vorher verlaufen.

Es lässt sich also zusammenfassen, dass eine Trendlinie ein unterstützendes Hilfsmittel für Kaufs- und Verkaufsentscheidungen darstellt. In der Nähe der Trendlinie eignen sich Käufe oder Verkäufe, da davon ausgegangen werden kann, dass der Kurs sich nicht mehr weit in die entgegengesetzte Richtung (Also die Trendlinie bricht) bewegt und in meine erwartete Verlaufsrichtung dreht. Kurz gesagt, der Kurs sollte jetzt wieder von einer Korrektur in die Bewegung übergehen.

Sofern dies nicht der Fall ist bietet mir die Trendlinie ein Indiz dafür, dass unter Umständen ein Trendwechsel bevorsteht.

Weitere Aspekte der Trendlinie:

Wie bereits oben angesprochen besteht die Möglichkeit, eine Trendlinie mit verschiedenen Punkten einer Periode zu verbinden. Hierbei wird hauptsächlich zwischen einer Trendlinie anhand verschiedener Tagesschlusskurse und einer Trendlinien zwischen den Extremen einer Periode (bspw. Tageshochs und Tagestiefs) unterschieden.

Es besteht auch die Möglichkeit beide Trendlinien zu benutzen. Dadurch ergibt sich eine sog. Pufferzone an der Trendlinie.

Die folgenden Abbildungen machen dies deutlich.

D1 EUR USD H4

EURUSD Trendlinie H4

Zunächst sind lediglich die Tageshöchstkurse durch eine Trendlinie (orange) miteinander verbunden worden. Im zweiten Chart sind zusätzlich die Tagesschlusskurse der lokalen Hochpunkte verbunden worden. Diese lassen sich durch einen Linienchart entsprechend lokalisieren, vgl. folgende Abbildung:

EUR USD Trendlineie Berührung

Wir sehen also, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt Trendlinien einzuzeichnen. Wichtig ist zu verstehen, dass nicht jede Verletzung einer Trendlinie eine Trendwende zur Folge hat. Um diese Fehlsignale aber zu minimieren, bieten die Pufferzone eine entsprechende Möglichkeit.

Verletzung der Trendlinie:

In Zusammenhang mit den oben aufgeführten Pufferzonen stellt sich die Frage, wann von dem Bruch einer Trendlinie gesprochen werden kann. Man wird es immer erleben, dass der Kurs im Verlauf einer Periode die Trendlinie durchbricht aber im Laufe dieser Handelsperiode (D1, H1, etc.) wieder zurückgehandelt wird. D.h. der Schlusskurs der Handelsperiode liegt wieder innerhalb der Trendlinie.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass eine Trendlinie durchbrochen ist wenn der Schlusskurs außerhalb der Trendlinie liegt. Ob es sich dann dabei auch um einen nachhaltigen Bruch der Trendlinie handelt, kann erst mit Verlauf der folgenden Zeitperioden gesagt werden. Häufig kommt es hier auch zu Fehlsignalen.

Dies mag sich darauf zurückführen lassen, dass es sich bei dem Bereich zwischen Trendlinie und vorangegangenen Hoch- bzw. Tiefpunkt um einen leeren Raum handelt. Der Trend ist nach wie vor intakt. Lediglich die Frage der zukünftigen Geschwindigkeit des Trends ist jetzt offen. Ein sehr variabler Bereich, der stets mit Vorsicht zu handeln ist.

Der Bruch der Trendlinie nur ein Indiz und keine Bestätigung für einen Trendwechsel!“

Der Trendkanal:

In den vorgenannten Beispielen haben wir gesehen, dass eine Aufwärtstrendlinie stets die lokalen Tiefpunkte miteinander verbindet.

Darüber hinaus können aber auch die Hochpunkte miteinander verbunden werden und so ein sog. Trendkanal gebildet werden. Voraussetzung hierfür ist, dass der Trend halbwegs symmetrisch verläuft. D.h. Hoch- und Tiefpunkte haben immer eine bestimmte Distanz zueinander. Hierfür schauen wir uns den folgenden Chart einmal an.

Trendkanal

Trendkanäle sind logischerweise seltener als Trendlinien. Dies liegt daran, dass eine weitere Voraussetzung (Symmetrie) vorliegen muss.

Die obere Trendlinie liefert dabei ähnliche Signale wie die untere Trendlinie. Auch die Anwendung von Pufferzonen ist für diese möglich. Es lässt sich also festhalten das alle Informationen, die wir oben zur Haupttrendlinie in Erfahrung gebracht haben, auch auf die Trendkanallinie anzuwenden sind.

Die Trendlinie als Unterstützung und Widerstand:

Wie oben bereits angesprochen kann eine Trendlinie auch als Unterstützung oder Widerstand fungieren. Die Ausführungen zu Unterstützungen und Widerständen bei lokalen Hoch- und Tiefpunkten können hierbei analog angewendet werden.

Somit kann auch das Modell über die Wechselwirkung zwischen Unterstützung und Widerstand angewendet werden. Hierfür schauen wir zunächst auf die folgende Grafik:

Unterstützung Widerstand,

Wir sehen, dass die Trendlinie zunächst dreimal getestet worden ist. Die Trendlinie erfüllt somit die Voraussetzung einer gültigen Trendlinie und kann als Unterstützung verwendet werden. Beim vierten Test der Trendlinie wird diese aber durchbrochen. Nicht nur kurzfristig sondern auch nachhaltig, da der Kurs im weiteren Verlauf sogar unter dem vorangegangenen lokalen Tief notiert. Die Korrektur hat sich zu einer Bewegung ausgedehnt.

Diese Bewegung wird, im folgenden, ebenfalls korrigiert. Als Korrekturziel kommt neben dem vorherigen Tiefpunkt jetzt ebenfalls die bestehende Trendlinie in Betracht. Diese war vorher vom Markt als Unterstützung anerkannt und wandelt sich nach dem Bruch in einen Widerstandsbereich.

Von Trendstufen und Zeiteinheiten

Wir haben nun herausgearbeitet, dass ein Trend aus verschiedenen Hoch- und Tiefpunkten besteht und zwischen den lokalen Punkten Impuls- sowie Korrekturbewegungen stattfinden.

Zu beachten ist dabei, dass Trends in verschiedenen Zeiteinheiten vorkommen können.

Zeiteinheit bedeutet dabei, dass für jede Zeiteinheit eine Kerze bzw. ein Balken ausgebildet wird. In der Zeiteinheit D1 (=Daily1) wird für jeden Handelstag eine Kerze ausgebildet. Im H1-Chart (=Hour1) wird bspw. für jede Stunde eine Kerze ausgebildet.

Oftmals werden Zeiteinheiten und Trendstufen miteinander gleichgesetzt. Diese Gleichung geht allerdings nicht auf, da sich für die Trendstufen eine andere Definition ergibt.

Eine neue Trendstufe ist erreicht, wenn man den jetzigen Trend erneut in Bewegung und Korrektur zerlegen kann.

Hierzu eine graphische Darstellung:

Abbildung 5a (übergeordneter & untergeordneter Trend)

Trends Zusammenhang

Im Vergleich zu den Trendstufen ist nicht bei jeder kleineren oder größeren Zeiteinheit ein anderes Trendbild erkennbar. Heißt: Ob ich mir nun den M15 oder M30 Chart anzeigen lasse, der sichtbare Trend ist der Selbe. Etwas feiner dargestellt, aber der Trend bleibt. Eine andere Darstellung ergibt sich bei der Unterscheidung zwischen Tages- und Stundenchart. Hier ergibt sich eine neue untergeordnete bzw. übergeordnete Trendstufe.

Im Wesentlichen lassen sich folgende Trendstufen und Zeiteinheiten zusammenfassen:

T1 T2 T3 T4 T5
Monat D1W1 H1H4 M15M5M1 Tick

Der Monatschart stellt somit die erste und auch die absolut übergeordnete Trendstufe dar. Alle anderen Trendstufen sind diesem untergeordnet.

Damit kommen wir zu der Erkenntnis: Desto niedriger die Trendstufe in der ich handele, desto mehr übergeordnete Trendstufen muss ich berücksichtigen.

Dabei muss ich jeweils für die übergeordneten Trendstufen klären, wo die lokalen Hoch- und Tiefpunkte sind und welcher Trend in der übergeordneten Trendstufe vorliegt.

Ein Beispiel:

(Abbildung 5b (Beispiel übergeordnet & untergeordnet)

Trendszusammenhang2

Angenommen wir handeln den untergeordneten Abwärtstrend im Stundenchart. Dieser Abwärtstrend ist gem. der Definition absolut intakt. Eine Abfolge von ständigen niedrigeren Hoch- und Tiefpunkten. Sofern nur dieser Trend betrachtet wird, sollte die Wahrscheinlichkeit, dass der Trend erhalten bleibt und wir weiter fallende Kurse sehen größer sein, als dass der Trend sich ändert.

In diesem Fall befinden wir uns allerdings an einem wichtigen Unterstützungsniveau einer übergeordneten Trendstufe. Auf Tagesbasis haben wir das Kursniveau des vorherigen Hochpunktes erreicht, ein Punkt an dem der Markt (hier theoretisch) immer wieder nach oben gedreht hat um den übergeordneten Trend fortzusetzen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass der intakte Abwärtstrend auf Stundenbasis fortgeführt wird, ist also unter Einbeziehung der übergeordneten lokalen Kursmarken wesentlich geringer. Viel wahrscheinlicher ist hingegen die übergeordnete Trendfortsetzung.

Wir sehen also, dass die übergeordnete Lage immer beachtet werden muss. Wer übergeordnet handelt, muss sich die untergeordneten Trendstufen nicht zwingend anschauen. Hier geht es lediglich um eine Timing-Frage. Wer aber auf höheren Trendstufen unterwegs ist ohne die Großwetterlage für sich geklärt zu haben, läuft Gefahr, gänzlich auf das falsche Pferd zu setzen. Ein Fehler der vermieden werden kann, sofern man die nötige Weitsicht an den Tag legt.

Kapitel 4 – Die Psychologie des Trends

Kapitel 4   Die Psychologie des Trends

Die Psychologie des Trends ist etwas was neben der normalen Theorie um den Trendaufbau mit Sicherheit Beachtung finden muss.

Man muss sich bei der technischen Analyse immer vergegenwärtigen, dass hinter der Kursbewegung immer verschiedene Marktteilnehmer stehen, die den Kurs bewegen. Aus welchen Gründen auch immer.

Warum sich der Kurs bewegt, ob aufgrund von Nachrichten, Fundamentalanalysen, Algorithmen oder ähnlichem ist bei der technischen Analyse egal. Wichtig ist, dass der Kurs sich bewegt.

Impulsbewegung die erste:

Wir nehmen mal an, dass der Pfefferminzia Fonds an der Aktie der InsideTrading AG(folgend: Aktie X) interessiert ist, weil diese günstig gehandelt wird. Der Fonds beginnt jetzt mit großen Stückzahlen in die Aktie einzusteigen. Die Nachfrage steigt → Der Kurs steigt zügig an!

Kauf einer Aktie

Es entsteht also eine zügige Bewegung. So eine Bewegung bringt meistens nach sich, dass andere Marktteilnehmer auf diese Bewegung aufmerksam werden. Ein ganz normaler Vorgang der so nicht nur an der Börse sondern überall vorkommt. Bei Bewegung entsteht Aufmerksamkeit.

Irgendwann wird aber ein Kursniveau erreicht sein, bei dem die Nachfrage nachlässt und das Angebot zunimmt.

Marktteilnehmer, welche von Anfang an in der Aktie investiert waren, liegen nun mit ihrer Position im Gewinn. Der eine mehr, der andere weniger. Sofern diese Marktteilnehmer eher spekulativ in die Aktie der InsideTrading AG eingestiegen sind, werden sie nach dem Kursanstieg beginnen die Aktie zu verkaufen.

Das Angebot nimmt zu.

Andere Anleger, die den Kursanstieg verfolgt haben und auf die Aktie der InsideTrading AG aufmerksam geworden sind, teilen sich nun auf. Ein Teil der Anleger, in der Regel die erfahrenen Anleger, beobachten die Aktie weiterhin, da sie nach dem Anstieg eine Korrektur erwarten.

Weniger erfahrene Anleger sind von der Aktie begeistert. Warum auch nicht? Alle Börsenzeitschriften empfehlen diese zum Kauf und das Potenzial liegt bei weiteren 200% in nur wenigen Wochen.

Sie steigen ein. Aber diese Marktteilnehmer befinden sich in der Minderheit, da nur wenige Marktteilnehmer bereit sind, bei den hohen Kursen noch zu kaufen.

Selbiges gilt für den Pfefferminzia Fonds. Aufgrund des hohen Kurses scheint die Aktie nicht mehr günstig. Der Fonds senkt die Käufe bzw. tritt am Markt nicht mehr als Käufer auf. Ggf. beginnt der Fonds sogar Stückzahlen seiner Position zu verkaufen und ein Teil der Gewinne mitzunehmen.

Das Ergebnis:

Die Nachfrage sinkt. Das Angebot erhöht sich.

Die Konsequenz daraus:

Es bildet sich der erste Hochpunkt in unserem Trend.

Die erste Korrektur:

Die Korrektur

Die Kurse beginnen aufgrund der geringeren Nachfrage und dem erhöhten Angebot zu korrigieren.

Für die Marktteilnehmer, die zu Höchstkursen gekauft haben, ergibt sich nun ein entsprechender Verlust. Im Depot dieser Anleger weist die Aktie der InsideTrading AG ein mehr oder weniger hohes Minus aus.

Diese Marktteilnehmer kommen in der Korrektur zu der Auffassung, dass sie eine Fehlinvestition getätigt haben. Vielleicht ist die Aktie der InsideTrading AG in verschiedenen Zeitschriften auch schon aus dem Musterdepot ausgestoppt worden.

Sie entschließen sich die Verluste zu begrenzen und ihre Positionen an der Aktie zu veräußern.

Da die Käuferseite aufgrund der Höchstkurse entsprechend gering war, erhöht sich zwar das Angebot, aber das Volumen bleibt entsprechend gering.

Die Aktie hat nun die Höchstkurse korrigiert. Die Anleger, die am Hochpunkt gekauft haben, beginnen diese Positionen zu veräußern. An der InsideTrading AG hat sich allerdings aus fundamentalen Gesichtspunkten keine nennenswerte Änderung ergeben.

Für die erfahrenen Trader ergeben sich jetzt die ersten Kaufsignale. Der übergeordnete Trend ist intakt und die Korrektur hat jetzt Handelsmarken erreicht, an denen eine Rückkehr zum übergeordneten Trend relativ wahrscheinlich ist.

Diese Trader erhöhen somit die Nachfrage.

Weiterhin ist eine Beteiligungsgesellschaft Betrading (BY) auf die Aktie der InsideTrading AG aufmerksam geworden. Die Aktie ergibt eine hervorragende Ergänzung zum aktuellen Beteiligungsportfolio. BY ist langfristig an dem Unternehmen interessiert, weshalb der Kurs eine untergeordnete Rolle spielt. Dennoch kommt BY die Korrektur ganz gelegen um sich erste Positionen der Aktie ins Portfolio zu legen.

Der Pfefferminzia Fonds nutzt das niedrigere Kursniveau ebenfalls um die Position wieder aufzustocken.

Dies hat zur Folge, dass die Käuferseite die Nachfrage so erhöht, dass der Kurs erneut beginnt zu steigen. Die Korrektur ist beendet und eine neue Impulsbewegung setzt ein.

Impulsbewegung die zweite:

Impulsbewegung im Trading

Aufgrund der jetzt wieder anziehenden Kurse steigen weitere erfahrene Trader ein für die sich Einstiegssignale ergeben. Durch die erhöhte Nachfrage wird die Korrektur nicht nur beendet sondern der Markt kann sogar über den vorherigen Hochpunkt ansteigen und ein neues Hoch generieren.

Für alle Marktteilnehmer die am 1. Hochpunkt eingestiegen sind ist dies unter zwei Gesichtspunkten eine bittere Bewegung.

Zunächst haben sie durch den Verkauf der Aktie einen Verlust erzielt. Hätten sie die Position länger gehalten wäre der Verlust zu minimieren gewesen bzw. die Position ist aktuell sogar in den Gewinn gelaufen und man hätte einen Gewinn erzielen können.

Diese Marktteilnehmer sehen jetzt ihre anfängliche Auffassung bestätigt. „Die Aktie ist eine Gewinner-Aktie und jetzt werde ich dabei bleiben egal was passiert“.

Die Nachfrage steigt somit nochmal marginal an bevor die Nachfrage erneut nachlässt, da bereits alle Marktteilnehmer die kaufen wollen/wollten bereits gekauft haben und im Gewinn liegen.

Ein neuer Hochpunkt ist erreicht, da das Volumen auf der Nachfrageseite nicht mehr zunimmt. Die Aktie der InsideTrading AG wird nicht mehr in neue Höhe getrieben, die Rally ist zunächst vorbei.

Erneute Korrektur

Eine erneute Korrektur:

Die Marktteilnehmer, die im Zuge der Korrektur gekauft haben, beginnen ihre Positionen teilzuverkaufen oder ganz zu schließen. Zunächst kann das Angebot noch durch die Nachfrage der unerfahrenen Marktteilnehmer aufgenommen werden aber schlussendlich wird aufgrund des hohen Kursniveaus womöglich ein Angebotsüberhang herrschen.

Hinzu kommt, dass eventuell wenige Trader, die spät eingestiegen sind, ihren kleinen Gewinn ebenfalls sichern wollen. Sie erinnern sich an ihren letzten Einstieg und wollen unter keinen Umständen erneut in die Verlustzone rutschen. Daher beschließen sie den minimalen Gewinn lieber zu sichern und verkaufen ihre Position ebenfalls.

Der Kurs beginnt im weiteren Kursverlauf zu fallen und hinterlässt einen neuen lokalen Hochpunkt (Wendepunkt des Kursverlaufs).

Die weniger erfahrenen Anleger und Trader erinnern sich an die erste Korrektur und werden erneut unsicher. Diese werden erneut unsicher und bauen zunehmend Frustration auf. Sie bekommen das Gefühl, dass der Markt immer das Gegenteil von ihnen macht.

Das Spiel beginnt von neuem!

Sie merken: Es steckt eine gewisse Psychologie hinter den Kursen, gepaart mit verschiedensten Erwartungshaltungen verschiedener Anlegergruppen. Bedenken Sie dies stets. Hinterfragen Sie zudem stets Ihr eigenes Anlageverhalten und versuchen Sie nicht die typischen nachfolgenden Fehler zu machen:

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Quelle: FRF Finanzmakler

Kapitel 5 – Chartformationen

Kapitel 5 – Chartformationen

In den Ausgaben 1. bis 4. haben wir uns mit dem Trend, der dahinter stehenden Psychologie des Marktes sowie Bewegung und Korrektur beschäftigt. Insbesondere die Abfolge von Bewegung und Korrektur wird bei den nächsten Ausgaben eine gewichtige Rolle spielen, da wir uns weiterhin mit Fortsetzungsformationen und Umkehrformationen beschäftigen wollen.Bulle Bär Cartoon Start

Fortsetzungsformationen werden innerhalb eines Trends allgemein hin als Korrektur bezeichnet. Dem liegt die Annahme zu Grunde, dass der Kurs nicht immer stetig und konstant steigen kann, sondern zwischendurch Gewinnmitnahmen eintreten können und die Kurse durch das kurzfristige Überangebot rückläufig sind. Die Dauer, sowie dass Ausmaß der Korrektur, kann dabei recht unterschiedlich ausfallen. Ferner kann die Korrektur unterschiedlichste Kursmuster ausbilden. Diese verschiedenen Kursmuster werden, sofern der primäre Trend intakt bleibt, als Fortsetzungsformationen bezeichnet. Ob es sich dabei um einen Aufwärts- oder Abwärtstrend handelt ist unerheblich. Fortsetzungs- und Umkehrformationen können in beiden Trendrichtungen auftreten.

In diesem Teil wollen wir mit den Fortsetzungsformationen einen Anfang machen.

Bei den Fortsetzungsformationen lässt sich grundsätzlich zwischen den bullishen und den bearishen Fortsetzungsformationen unterscheiden. Eine bullishe Fortsetzungsformation lässt sich innerhalb eines Aufwärtstrends und die bearishe Formation innerhalb eines Abwärtstrends erkennen. Insoweit ergibt sich hier eine gute Denkhilfe. Der Bulle steht für die Hausse und steigende Kurse , der Bär für die Baisse und fallende Kurse.

Zunächst wollen wir einen Blick auf die bullishen Fortsetzungsformationen werfen, da steigende Kurse in der Regel mehr Freude bereiten.

Die bullishe Flagge:

Bullische Flagge

Abbildung 5.1

Die bullishe Flagge, auch Bullflag genannt, gehört zu den bekanntesten Fortsetzungsformationen. Ihren Namen bekommt sie durch ihr flaggenähnliches Aussehen. Nach einem steilen Anstieg (Bewegung) korrigiert der Kurs in einer flaggenähnlichen Formation. Diese ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass die Hoch- und Tiefpunkte innerhalb dieser Korrekturformation mehr oder weniger leicht fallend sind.

Wer die vorherigen Ausgaben gelesen hat, wird sich vielleicht an zwei wesentliche Punkte erinnern. Erst mal liegt hier die typische Definition eines klassischen Abwärtstrends vor (Abfolge von stetig fallenden Hoch- und Tiefpunkten).

Dies klingt zunächst komisch, ist aber eine elementare Erkenntnis.

Innerhalb eines Aufwärtstrends kommt es auch immer zu kurzfristigen Abwärtstrends und umgekehrt. (vgl. Trendstufen und Zeiteinheiten) Wichtig ist dabei, den übergeordneten Trend stets im Blick zu behalten und sich nicht nur auf die kleinen Zeiteinheiten wie M1 oder M5 zu beschränken.

Um die Flagge einzuzeichnen, müssen die fallenden Hoch- und Tiefpunkte über Trendlinien miteinander verbunden werden (vgl. Abbildung 5.1). So ergibt sich die charakteristische Flaggenbildung. Ein Kaufsignal entsteht, wenn die obere Trendlinie bullish aufgelöst, d.h. nach oben hin durchbrochen wird. Dies sollte in den Regel mit einer gewissen Dynamik geschehen, um das Risiko für einen Fehlausbruch zu minimieren.

Das bullishe Rechteck:

Neben der bullishen Flagge, in der die Hoch- und Tiefpunkte fallend sind, besteht auch die Möglichkeit einer auf die Bewegung folgende Seitwärtsphase. Hier werden die Hoch- und Tiefpunkte innerhalb der Korrektur auf einem ähnlichen Kursniveau ausgebildet (vgl. Abbildung 5.2).

Bullishes Rechteck

Abbildung 5.2

Auch hier werden die jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte über Trendlinien miteinander verbunden. Beachten Sie bitte, dass es sich hier um theoretische Abbildungen handelt und sich die Trendlinien in der Regel nicht so exakt miteinander verbinden lassen. Daher wird es in der Praxis ganz selten ein punktgenaues Signal geben.

Das Kaufsignal entsteht, wie auch bei der bullishen Flagge, sobald die obere Trendlinie nach oben durchbrochen worden ist. Auch hier gilt es, auf die Dynamik des Ausbruchs zu achten.

Im Vergleich zur bullishen Flagge kann sich beim bullishen Rechteck auch ein gutes Shortsignal ergeben, sofern die untere Trendlinie gebrochen wird (vgl. Abbildung 5.3)

Umkehrsignal Rechteck

Abbildung 5. 3

Warum aber bietet sich beim bullishen Rechteck ein besseres Shortsignal als bei der bullishen Flagge? Dadurch dass wir bei der bullishen Flagge eine fallende Trendlinie haben, hat der Kurs bereits den vorherigen Tiefpunkt unterschritten. Je nach Neigung der Trendlinie ist dieser Tiefpunkt auch schon mehr oder weniger deutlich unterschritten. Wenn dann die untere Trendlinie ebenfalls noch nach unten durchbrochen wird, hat der Kurs bereits einen sehr weiten Weg nach unten zurückgelegt. Das hat die Folge, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Gegenreaktion höher ist bzw. eine größere Menge an Verkäufen den Kurs bereits gedrückt hat. Somit ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass der Kurs noch deutlich weiter fällt und der Gewinn bei einem Shorttrade wäre wesentlich geringer. In der Regel ergibt sich dadurch ein schlechteres Chance-Risiko-Verhältnis.

Der folgende Vergleich macht dies etwas deutlicher:

Fehlsignal Bullishe Flagge

Shortmöglichkeit Umkehrsignal 5.4

Abbildung 5.4

Wir sehen, dass sich bei der bullishen Flagge zwei unterschiedliche Verkaufsignale ergeben. Einmal beim Bruch des vorherigen Tiefs und das zweite beim Bruch der Trendlinie nach unten. Zudem bestand auch an der oberen Trendlinie die Möglichkeit eine Shortposition zu eröffnen, sofern man auf die Fortsetzung der Korrekturformation gesetzt hat.

Diese werden spätestens nach dem Auslösen des zweiten Verkaufsignals über Gewinnmitnahmen nachdenken und somit den Abwärtsdruck verringern.

Beim bullishen Rechteck besteht diese Shortmöglichkeit natürlich ebenfalls. Allerdings fallen beide Verkaufsignale auf den Bruch der Trendlinie, da auf diesem Kursniveau auch das vorherige Tief liegt. Da hier Verkäufer zweier unterschiedlicher Signale gleichzeitig auftreten, besteht die Chance auf einen höheren Verkaufsdruck und die Kurse können deutlicher fallen als bei der bullishen Flagge.

Man bedenke aber, dass sich diese Ausführungen auf eine normale Marktsituation beziehen. Sofern schwerwiegende Nachrichten (Crash) diesen Kursverlauf auslösen, kann der Verkaufsdruck höher sein als bei einer normalen Marktsituation.

Zudem sollte man sich noch über einen weiteren Punkt im Klaren sein. Bei den beiden Korrekturformationen handelt es sich um Konsolidierungen im Aufwärtstrend. Bevor gehandelt wird, sollte man immer einen Plan haben und der Plan wird bei diesen Formationen meistens auf die Fortsetzung des Aufwärtstrends ausgerichtet sein. Wird die Formation jetzt bearish aufgelöst, läuft es nicht unbedingt nach Plan und dann sollte man in der Regel auch nicht handeln. Spontanität ist durchaus eine positive Eigenschaft aber an der Börse nicht unbedingt erfolgsversprechend.

Das aufsteigende bullishe Dreieck:

Das aufsteigende Dreieck ist ebenfalls eine beliebte Fortsetzungsformation. Im Vergleich zu den vorangegangen Formationen kennzeichnet sich das aufsteigende Dreieck dadurch dass der Weg zwischen den beiden Trendlinien kürzer wird bzw. die Tiefpunkte ansteigen während die Hochpunkte auf dem selben Kursniveau ausgebildet werden. Die folgende Darstellung macht dies etwas deutlicher:

Bullisher Keil 5.5

Abbildung 5.5

Kochtopf SchlussbildWie in den vorherigen Fortsetzungsformationen werden die jeweiligen Hoch- und Tiefpunkte durch Trendlinien miteinander verbunden. Dadurch, dass die Tiefpunkte ansteigend sind, nähern sich die beiden Trendlinien einander an.

Warum ist diese Formation besonders geeignet um die Trendfortsetzung zu handeln? Der Kurs wird sozusagen durch die obere Trendlinie gedeckelt, während sich der Druck von Unten durch die ansteigenden Tiefpunkte erhöht. Ein Vergleich aus dem Alltag: Der Kochtopf. Wenn der entstehende Druck nach oben nicht entweichen kann und der Druck von unten weiter erhöht wird, kommt es früher oder später dazu, dass der Druck sich ordentlich Luft verschafft. Der Kurs kocht über. In diesem Fall entsteht beim Durchbrechen der oberen Begrenzung ordentlich Bewegung. Mehrere Käufergruppen strömen auf den Markt und kaufen. Diese Käufer können zwar verschiedene Intentionen oder Handelsstrategien haben (Trendhandel, Bewegungshandel, langfristige und kurzfristige Handelshorizonte, Shortpositionen müssen aufgelöst oder gedreht werden) aber alle haben Eines gemeinsam. Sie kaufen das Kaufsignal. Aufgrund der Vielzahl an Käufern die jetzt in den Markt kommen, kann eine ordentliche Dynamik entstehen, die den Kurs zunächst ordentlich steigen lässt.

Kapitel 6 – bullishe symmetrische Dreieck / Der bullishe Wimpel

Kapitel 6 – bullishe symmetrische Dreieck / Der bullishe Wimpel

Neben dem aufsteigenden Dreieck gibt es noch das symmetrische Dreieck und den bullishen Wimpel. Diese beiden Fortsetzungformationen ähneln sich und sind wenig von einander zu unterscheiden. Lediglich in der zeitlichen Ausdehnung der Korrekturphase gibt es einen Unterschied bzw. die Volatilität nimmt beim bullishen Wimpel schneller ab als beim symmetrischen Dreieck.

Im Vergleich zum aufsteigenden Dreieck sind bei diesen beiden Formationen neben den steigenden Tiefpunkten auch fallende Hochpunkte vorhanden. Die Tief- und Hochpunkte werden auch bei diesen Formationen durch Trendlinien verbunden, wodurch die typische Dreieck- bzw. Wimpelformation entsteht.

Die folgenden Grafiken machen dies abermals deutlicher:

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Abbildung 5.6 – symmetrisches Dreieck

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Abbildung 5.7 – bullisher Wimpel

Wir sehen, dass das symmetrische Dreieck wesentlich länger braucht, um sich auszubilden. Die Länge der Bewegungen innerhalb der Formation nimmt langsam aber stetig ab. Beim Wimpel nimmt die Volatilität deutlich schneller ab. Innerhalb der theoretischen Darstellung fast doppelt so schnell. In der Praxis ist es allerdings eher von geringerer Bedeutung, ob es sich um einen Wimpel oder ein symmetrisches Dreieck handelt. Bei einem bullishen Ausbruch, wird bei beiden Formationen ein Signal für die Trendfortsetzung generiert. Aufgrund der Dauer der Konsolidierungsphase beim symmetrischen Dreieck kann es u.U. lediglich zu einer etwas größeren Dynamik beim Ausbruch kommen. Hier liegt das Augenmerk allerdings auf dem Wörtchen „Kann“. Eine garantierte stärkere Dynamik gibt es natürlich nicht.

Der bullish fallende Keil:

Der fallende Keil ist ebenfalls eine Fortsetzungsformation. Hier kommt eine weitere Variante ins Spiel. Im Vergleich zum Wimpel und dem symetrischen Dreieck fallen die Hochpunkte schneller als die Tiefpunkte. Eine Variante die wir so oben noch nicht angesprochen haben.

Graphisch stellt sich diese Formation wie folgt dar:

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Abbildung 5.8

Auch bei dieser Formation bietet sich primär das Handeln der Trendfortsetzung an. Mit dem bullishen Ausbruch wird die ursprüngliche Trendrichtung wieder aufgenommen und es sollte zu weiteren Kurssteigerungen kommen.

Der Pullback

Dem aufmerksamen Leser wird aufgefallen sein, dass der Kurs nach der bullishen Auflösung direkt nach oben durchgezogen ist. Dies ist allerdings nicht immer die ganze Wahrheit. Teilweise kann es dazu kommen, dass die Trendfortsetzung, neben dem Ausbruch aus der Konsolidierungsformation ein weiteres Bestätigungssignal benötigt oder generiert. Dies wird meist in Form eines Pullbacks (Rücksetzer AUF die Trendlinie) erfolgen. Dieser Pullback stellt neben dem eigentlichen Ausbruch aus der Formation ebenfalls eine gute Einstiegsmöglichkeit dar.

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Abbildung 5.9 – Pullback

Wichtig ist dabei, dass der Kurs an der Trendlinie wieder nach oben dreht. Sofern der Kurs wieder unter die Trendlinie fällt, liegt ein Fehlausbruch vor. Fehlausbrüche kommen nicht selten vor und sind bereits im Teil „Trendlinien“ angesprochen worden.

Dass es zu Fehlausbrüchen kommen kann, sollte unbedingt akzeptiert werden und auch im Handelsplan eine entsprechende Berücksichtigung finden. Wenn man diese Möglichkeit ausblendet, kann es dazu kommen, dass man zu lange an den Verlusten festhält und die Position zu spät mit deutlichen Verlusten schließen muss.

Ein Ausbruch aus einer Korrekturformation in die bestehende Trendrichtung ist zwar ein schönes Signal, aber nicht jedes Signal wird auch vom Markt angenommen. Manchmal kommen noch ganz andere Interessenlagen dazu, die Sie nicht kennen und die man schon gar nicht kontrollieren und kalkulieren kann. Man kann nur akzeptieren, dass die Möglichkeit besteht. Das fällt allerdings am Anfang schwer. Deshalb ein Gedankenspiel und mal wieder ein Blick auf die Psyche des Anlegers. Objektive Signale sind gut, aber der subjektiven Umsetzung der Signale kommt die wesentlich größere Bedeutung zu.

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Abbildung 5.10 – Pullback / Psyche

Die Fortsetzungsformationen im Abwärtstrend

– bearishe Fortsetzungsformationen –

Bisher haben wir uns lediglich mit Fortsetzungsformation für den Aufwärtstrend beschäftigt. Gleichwohl kommen diese Formationen auch in einem Abwärtstrend vor. Die Formationen sind dann gespiegelt und haben statt einer fallenden eine steigende Tendenz.

Als erstes Beispiel werfen wir einen Blick auf die bearishe Flagge:

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Abbildung 5.11

Die bearishe Flagge ist im Vergleich zu ihrem bullishen Pendant leicht steigend. D.h. die Tief- und Hochpunkte haben eine steigende Tendenz. Auch hier entsteht das Signal, in diesem Fall für den Verkauf, mit Bruch der Formation in die Trendrichtung. Die Ausführungen für die bullishe Flagge gelten für die bearishe Flagge analog. Nur einmal um 180 Grad gedreht.

Das bearische Rechteck:

Beim bearishen Rechteck ergibt sich an der Formation kein Unterschied. Der Kurs läuft innerhalb der beiden Trendlinien seitwärts. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass der Kurs nicht von unten sondern von oben kommt und die Formation nach unten verlässt, sofern er in die Trendrichtung ausbrechen sollte.

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Abbildung 5.12

Die übrigen Fortsetzungsformationen bei Abwärtstrend:

Wie vorangegangen bereits beschrieben besteht der Unterschied lediglich in der Trendrichtung und in der spiegelverkehrten Darstellung der Formationen. Die Ausführungen zu den bullishen Varianten sind demnach genauso auf die bearishen Varianten anwendbar, nur dass der Kurs eben nicht steigt, sondern fällt. Insoweit möchte ich die Formationen lediglich nochmals kurz graphisch darstellen.

Absteigendes Dreieck (bearish):

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Abbildung 5.13

Bearishes symmetrisches Dreieck:

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Abbildung 5.14

Bearisher Wimpel:

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Abbildung 5.15

Bearisher steigender Keil:

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Abbildung 5.16