DAX-Indikationen und unterschiedliche Kursstellungen

Immer wieder kommt es in Foren zu der Frage: „Warum gibt es so viele unterschiedliche Werte bzw. Kursstellungen für den DAX?“.

Manchmal heißt es in den Medien nur DAX, oft liest man aber auch DB-DAX, ein anderes Mal ist die Sprache von dem L&S DAX, DAX30, GER30 und so könnte ich wahrscheinlich noch viel andere Bezeichnungen aufzählen. Weiterhin ist dann oft auch noch die Rede von DAX-Indikationen, von einem Kassamarkt, Xetra und dem DAX-Future. Heute möchte ich versuchen, diese Begriffe zu definieren und in einen geordneten Zusammenhang zu bringen.

Der einzig echte DAX

Der Dax ist ein eingetragenes Warenzeichen der Deutschen Börse AG und darf von keinem anderen als der Deutschen Börse verwendet werden. Grundlage der Berechnung sind die Xetra-Kurse der 30 DAX-Aktien und der von der Deutschen Börse festgelegte Gewichtungsschlüssel.

Weitere Informationen zur DAX-Berechnung, Gewichtung und Zusammensetzung findet ihr in meinem Artikel der letzten Woche: DAX 30-Leitindex des deutschen Aktienmarktes.

Dadurch, dass der DAX ein geschütztes Produkt ist, dürfen Broker, Banken, Finanzinstitute und andere Marktteilnehmer diesen nicht einfach verwenden. Damit beispielsweise Banken oder auch Broker die real-time-Kurse verwenden dürfen, müssen sie die Deutsche Börse dafür bezahlen. Ich habe gelesen, dass selbst der verzögerte Kurs kostenpflichtig ist, diese Informationen stammen aber nicht aus erster Hand.

Der DAX-Future

Vereinfacht lässt sich der DAX-Future als eine Art Wette auf den DAX Stand zu einem bestimmten Termin in der Zukunft verstehen. Der Kurs des Futures wird durch Angebot und Nachfrage an der Terminbörse bestimmt. Ein Future bewegt sich grundsätzlich synchron zum Kassamarkt des Underlying (Benzin, Orangensaft-Konzentrat, DAX…). Unterschiede zwischen dem Kassamarkt und dem Future würden Abirtragegeschäfte (risikolose Geschäfte) erlauben. Diese Chancen werden von Marktteilnehmer in der Regel sofort erkannt, sodass Abweichungen und Divergenzen sofort ausgeglichen werden. Dennoch kann der Preis eines Futures von dem Basispreis abweichen, gerade wenn der Erfüllungszeitpunkt noch weit in der Zukunft liegt. Zum Verfallstermin entspricht der DAX-Future aber dem DAX30.

Kassamarkt

Der Gegensatz zum Terminmarkt (Future-Markt) ist der Kassamarkt. Bei einem Terminmarkt sind Abschluss und Erfüllung von einander zeitlich getrennt, wohingegen am Kassamarkt die Ausführung einer Wertpapierorder und die Erfüllung eng beieinander liegen. Nachfolgend ist mit dem Kassamarkt der von der Deutschen Börse AG gestellte DAX-Kurs (Xetra) gemein.

DAX-Indikationen – Warum?

Die Finanzdienstleister versuchen natürlich die Gebühr, die für die Verwendung der echten DAX-Kurse an die Deutsche Börse AG bezahlt werden müssen, zu umgehen. Das schaffen sie,  in dem sie eine Abbildung des DAX veröffentlichen. Dies hat dann lustige Namen wie beispielsweise GER30, Deutsche Bank Indikation, L&S DAX und so weiter zur Folge. Die Vorteile einer solchen Indikation liegen für Finanzdienstleister nicht nur in den geringeren Kosten, sondern auch im Marketingeffekt, denn die meisten Unternehmen stellen ihre Indikationen Nachrichtensendern und Finanzseiten kostenfrei zur Verfügung. Aus diesem Grund sind alle Emittenten von DAX-Indikationen auch immer daran interessiert, so nahe wie möglich an den Xetra-Wert heranzukommen. Ein ganz wichtiger weiterer Grund, warum viele Banken ihre eigene Indikation stellen, ist zudem, dass sie ihren Kunden auch den außerbörslichen Handel verschiedener Derivate (Zertifikate, Optionsscheine…) ermöglichen und dafür eine Einschätzung des Underlyings (z.B. DAX) benötigen.

Wie berechnen sich diese DAX-Indikationen?

Wie sich diese DAX-Indikationen berechnen und auf welcher Grundlage sie entstehen, war die für mich interessanteste Frage beim Research für diesen Artikel. Und nachdem ich keine zufriedenstellenden Antworten im WorldWideWeb finden konnte, suchte ich das direkte Gespräch mit allen großen Banken, die Indikationen stellen. In den netten und teilweise auch sehr lehrreichen Gesprächen konnte, beziehungsweise wollte mir keiner konkrete Antworten geben (verständlich, aber schade). Alle Banken meinten, dass sich die DAX-Indikationen während der Xetra-Handelszeit auf den DAX und den DAX-Future beziehen.

Außerhalb der Xetra-Handelszeit ist es wohl noch wesentlich komplizierter, Aussagen zu treffen.

Gerade die Vorindikation (vor dem Xetra-Handelsstart um 9 Uhr) ist für viele Anleger und Trader von großer Bedeutung. Diese DAX-Indikationen sind keine simplen Vermutungen, sondern eine Annährung anhand einer komplexen Formel. In diese Berechnung fließen dann Nachrichten, Ereignisse und Börsenstimmung aus den USA, aus dem Asien-Handel und frühe Meldungen aus Europa mit ein.

 

Nach dem Xetra-Handelsschluss um 17:30 stehen für die DAX-Indikationen noch der Dax-Future und der L-DAX zur Verfügung (das L steht hier für Late). Dieser wird von der Deutschen Börse auf Basis der 30 Dax-Unternehmen berechnet.

 

Das Problem hierbei ist wohl, dass um 17:30 viel Marktteilnehmer den Handel einstellen und dieser im Zuge dessen sehr illiquide wird, was beide Notationen sehr schwankungsanfällig macht und zu irrationalen, nicht gerechtfertigten Ausschlägen führen kann. Aus diesem Grund sind der DAX-Future und der L-DAX als Gradmesser für eine gute Indikation aus Sicht vieler Marktteilnehmer nicht gerechtfertigt. Deshalb wird sich für die Berechnung der DAX-Indikationen nach weiteren relevanten Indikatoren umgeschaut, sodass beispielsweise der Dow-Jones, der S&P 500, viele nachbörsliche Nachrichten und andere externe Faktoren eine große Rolle spielen.

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass während der Xetra-Handelszeit viele Indikationen als eine sehr gute Orientierung dienen, da die Abweichungen oft nur minimal sind. Aber vor allem vor und nach Börsenschluss sind Indikationen von großer Bedeutung für den Handel.

Beste Grüße,

InsideTrading

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