Alphabet, Facebook und Amazon sind durchschnittlich 18 Jahre alt. Die Titanten der modernen Märkte sind von der Dauer des Bestehens her betrachtet noch jugendliche Firmen. Doch die jugendlichen Superkonzerne bekommen bereits durch noch jüngeren Nachwuchs Konkurrenz. So kündigte kürzlich Snapchat an den Börsengang wagen zu wollen.

Snapchat ist ein Unicorn (Einhorn). Als Unicorn werden Start Ups bezeichnet, welche bereits über eine Milliarden Dollar wert sind. Das Unternehmen wurde nicht einmal vor sechs Jahren gegründet und begeistert rund 160 Millionen Nutzer täglich. Das Geschäftskonzept ähnelt dem vom Twitter – Nutzer tauschen Daten in zeitlich möglichst eingegrenztem Rahmen, aber hoher Intensität, aus. Sind es bei Twitter jedoch die Textnachrichten, so snappen Snapchat-Nutzer Bilder und kurze Videos, welche nach wenigen Sekunden bereits wieder verschwinden.

Snapchat ist erfolgreich, bekannt und wird in hoher Intensität von vielen genutzt. Das Unternehmen wird von zahlreichen Analysten mit rund 25 Milliarden Dollar Unternehmenswert berechnet. Der Umsatz steigt zwar in jedem Quartal und steht aktuell bei rund 170 Millionen Dollar pro Quartal, doch schreibt das junge Unternehmen rote Zahlen. Etwa eine halbe Milliarde Euro Verlust häufen sich jährlich auf. Dennoch ist die Unternehmensbewertung vergleichbar beispielsweise zu Fresenius Medical Care. Ein Konzern mit fast 11.000 Mitarbeitern, 17 Milliarden Euro Umsatz und über einer Milliarde Euro Gewinn im Jahr (Quelle: Handelsblatt, Die Geister die wir riefen, Thomas Tuma).

Das Vorhandensein von unglaublich viel günstigem Geld (danker niedriger Zinsen) und das Fehlen von renditeträchtigen Perspektiven, bringt Unternehmen, Fonds und Risikokapitalgeber dazu StartUps um jeden Preis hinzukaufen zu wollen und auch müssen. Die Nachfrage nach jungen Unternehmen, welche eventuell in Zukunft der nächste Kracher sein könnten, ist gigantisch. Daher kommen auch die ambitionierten Bewertungen.

Snapchat ist aktuell keine 25 Milliarden USD wert. Da sind wir uns, denke ich, alle einig. Der größte Teil der Unternehmensbewertungen vieler StartUps besteht aktuell aus meiner Sicht aus ‘Hoffnung’. Mit erscheint der aktuelle Hype um die StartUps von Morgen ein wenig wie der NewEconomy Hype um das Jahr 2000 rum. Viel Geld floss in die neuen Firmen, welche die Zukunft sein sollten. Die Hoffnung und damit auch die Bewertungsblase platzen jedoch als klar wurde, dass die hohen Erwartungen nicht würden erfüllt werden können.

Dieser Abschnitt wurde am 16.02.2017 verfasst. Die nun folgenden Ausführen stammen größtenteils vom 02.09.2016.

Bei Interesse finden Sie weitere Informationen zu Snapchat im NZZ-Artikel “Geldverbrennungsmaschine

Seit über einem Jahr weise ich in kritischen Blogs auf die fragile konjunkturelle Situation hin. Weltweit müssen Zentralbanken historische Maßnahmen und Instrumente einsetzen, um die Märkte zu stützen und vor einem Kollaps zu bewahren. Kreditvergabe, Investitionen, Inflation und Wachstum verbleiben labil und Staaten kämpfen gegen Deflation und Rezession. In einer Welt schwachem Wachstums und negativer Zinsen stellt es für Unternehmen und Anleger eine besonders schwere Aufgabe dar eine renditeträchtige Anlageform für das eigene Geld zu finden. Nach der Dot-com-Blase 2001 und der Subprime-Blase 2007 konzentriert sich die gesamte Hoffnung und Erwartung seit einigen Jahren nun auf Technologie-Firmen und Start Ups. Vor Allem der massenhafte Zukauf von jungen Firmen zu Fantasiebewertungen könnte als Unicorn-Blase ein Problem darstellen.

Unsere Welt nähert sich der Null immer weiter an. Nullzinsen für Sparguthaben. Nullwachstum in Industrienationen und abflachende Wachstumskurven auch in Schwellenländern. Sinkende Rohstoffpreise und eine Inflation nahe der Null. Auch die Zuversicht vieler sinkt gegen Null während Zentralbanken immer wieder eine weitere Null an die Summe hängen müssen, mit der sie den Finanzmarkt bearbeiten (QE-Programme). Ich habe bereits oft über die Ursachen dieser Krise gesprochen: schwache Investitionen, eine generelle Überschuldung von Staaten, Unternehmen und Konsumenten, sowie fehlende Strukturreformen lähmen unseren Fortschritt. Seit kurzem ist auch noch das Eingreifen von entglobalisierenden und protektionistischen Populisten (USA, Großbritannien) als hemmender Faktor zu erwähnen. Doch Probleme und negative Anzeichen findet man immer, wenn man will. Auch muss ein wenig Sand im Getriebe der Konjunktur kein Grund für Crash, Krise und Rezession sein. Nein.

Doch seit über einem Jahr frage ich mich was der Sprengsatz der Blase sein könnte. Welche Blase? Trotz zahlreicher Probleme, sich aufdrängender Fragen und hemmender Faktoren stiegen die Indizes zuletzt auf Allzeithoch. Das Volumen von Fonds, Risikokapital und M&A Markt erreicht neue Rekorde. Die Immobilienpreise steigen seit Jahren stark. Eine Blase, also Überbewertung, kann über längere Zeit bestehen. Nur weil etwas zu hoch bewertet ist, muss es nicht fallen. Es gibt immer einen Auslöser, einen Grund bzw. einen Anlass, dass eine Korrektur oder ein Crash ausgelöst wird.

2001 waren es die überzogenen Erwartungen an Internet-Unternehmen. Als die Blase platzte und die Bewertungen um Billionen nach unten korrigiert werden mussten fasste das Inferno um sich. 2007 waren es faule (non-performaning) Immobilienkredite, welche geschickt getarnt und von den Rating-Agenturen zu gut bewertet weltweit verkauft wurden und mit dem platzen der Blase ebenfalls um Billionen im Wert nach unten korrigiert werden mussten. Die Korrektur erfasste auch Banken und Unternehmen, wie z.B. Lehman Brothers.

Nun konzentrieren sich Millionen Investoren und Anlager und Billionen-Summen Kapital auf Technologie-Firmen und Start Ups. In Zeiten schwacher Renditen ruht die gesamte Hoffnung und Erwartung auf den Tech-Giganten und Tech-Unicorns. Die Bewertungen sind abnormal hoch. Mittlerweile werden Start Ups mit dem 10fachen des Umsatzes oder auch dem 25fachen des EBIT bewertet – Tendenz steigend. Das es sich hierbei um eine Blase handelt ist allen bewusst. Doch ist uns auch bewusst, dass diese Blase der Sprengsatz des Systems sein könnte?

StartUp Grafik

Dave McClure (500 Start Ups) hat in seinem Beitrag “The Unicorn Hedge” bereits mit Witz, Logik und Insiderwissen den derzeitigen Hype analysiert: Heutzutage werden Start Ups wie am Fließband produziert und für hunderte Millionen oder mehrere Milliarden Dollar verkauft. Es gab noch nie so viele Unicorns, wie heutzutage. Hierbei kaufen vor Allem die Tech Giganten, wie Microsoft, Google, Apple, Amazon oder Facebook im großen Stil ein. Innovation kommt nicht mehr aus den Reihen von NASA, Apple oder Siemens. Tesla, SpaceX, Uber oder Airbnb sind die neuen Sterne am Tech-Himmel. Und die Tech-Giganten sichern ihr Kerngeschäft mit milliardenschweren Zukäufen ab – sie hedgen ihr Geschäftsmodell. Sie müssen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen und ihr Gewerbe durch Zukäufe von Innovation absichern.

  • Microsoft kaufte Linked In und Skype
  • Google kaufte Youtube und Android
  • Facebook kaufte Whatsapp und Instagram

Während 2001 die meisten Unternehmen noch an die Börse gingen so werden die begehrten Start Ups heutzutage bereits vor dem Börsengang geschluckt. Ob Whatsapp, Dropbox, Uber oder Snapchat – die Bewertungen der Start Ups basieren lange nicht mehr auf Umsatz und Gewinn. Die Bewertung basiert auf der Nachfrage. Es ist eben möglich ein Start Ups mit $100 Millionen Umsatz heutzutage für $1 Milliarde zu verkaufen. Käufer gibt es dafür aktuell wie Sand am Meer. Auch basiert der Hype auf der Hoffnung darauf unter den zahlreichen Zukäufen einige wenige Erfolge zu haben. Man hofft aus 10 Zukäufen vielleicht ein bis zwei neue Tech-Giganten entwickeln zu können.

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Der Hype um Start Ups ist gigantisch. Gab es 2014 noch 75 Unicorns, so waren 2015 bereits 140 und 2016 zählt man über 190 solcher Einhörner.

Die Bewertungen sind immens. So waren die 93 US-Einhörner zusammen 322 Milliarden Dollar wert. 93 Start Ups erreichten einen Wert nur 14% unter dem vom Microsoft und etwas höher als der von Intel oder Cisco.

Doch warum sehe ich in diesem Hype nun den möglichen nächsten Crash? Das es sich um eine Blase handelt ist uns allen bewusst. Das die Bewertungen der Start Ups völlig überzogen muss, denke ich, nicht diskutiert werden. Doch jeder Hype endet irgendwann. Eine Spekulationsblase schaukelt sich auf bis der erste Bieter aufsteht und den Saal verlässt. Plötzlich stürzen alle gemeinsam auf den Ausgang zu. Der Moment, wenn die Euphorie um die Start Ups endet und/oder sich zeigt, dass die großen Hoffnungen überzogen waren und die immensen Erwartungen nicht erfüllt werden können, sollte der Moment sein in dem die Bewertungen der Start Ups um Billionen nach unten korrigiert werden müssen. Derzeit beteiligt sich fast jeder an der Übernahme-Schlacht. Für Übernahmen und Fusionen (M&A Market) werden aktuell Summen vergleich mit 2008 aufgeboten. 2016 oder 2017 könnten die Summen der Zukäufe neue Rekordhöhen erreichen. Jeder macht mit. Jeder versucht sein Unternehmen mit frischen Start Ups zu hedgen. Und jeder wird beim Platzen der Unicorn-Blase hohe Abschreibungen in seiner Bilanz vornehmen müssen. Milliarden-Korrekturen werden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz schicken und andere sehr schlecht aussehen lassen. Anleger an der Börse werden ihr Kapital abziehen und die Börsenkurse werden nachgeben.

Die Frage ist: Sind die großen Hoffnungen und Erwartungen an die StartUps berechtigt und werden diese Nachziehen und die billionenschwere Einpreisung rechtfertigen – oder wird der Traum irgendwann jäh zerplatzen und mit ihm ein Billionenmarkt?

Fleißig kauft die Welt überbewertete Start Ups ein, welche in einigen Jahren ihren Wert größtenteils verlieren sollten. Riecht das nicht nach Crash?