Das große Interview mit Koko Petkov

Er ist wahrscheinlich einer der bekanntesten Daytrader Deutschlands. Auch ist er wohl einer der am meisten diskutierten Trading-Coaches Deutschlands. Er polarisiert und sorgt für emotionale Reaktionen bei seinen Fans und Kritikern. Es geht um Koko Petkov. Trader, Coach, in Deutschland aufgewachsen und mittlerweile in Dubai lebend. Ich hatte die einmalige Möglichkeit mich am Mittwoch, dem 07.09.2016, mit ihm in Nordrhein-Westfalen zu treffen und ihm kritische Fragen zu stellen. Wie agiert er? Was ist dahinter? Ist an den Vorwürfen etwas dran?

Ich selbst hatte bereits 2015 Koko Petkov in meinem Blog „Seminare von Tradern – seriös oder dubiose Masche?“ für seine Form des Marketings harsch kritisiert. Doch es ist unfair über Menschen zu schreiben, welche man nicht kennt. Also wollte ich hinter die Fassade schauen und herausfinden ob etwas an meinen Vorwürfen dran ist. Nachdem ich Kontakt zu Koko aufgenommen hatte vereinbarten wir ein Treffen in Düsseldorf, um uns auszutauschen. Auf der einen Seite mit mir, ein kritisch hinterfragender Verbraucher, und auf der anderen Seite Koko Petkov, als bekannter und viel diskutierter Anbieter von Coachings.

Der Finanzmarkt hat ein Problem mit Betrügern. Ähnlich wie im Gesundheitswesen liegt dies an den asymmetrisch verteilten Informationen. Es gibt unwissenden Nachfrager, welche den wissenden Anbietern vertrauen müssen. Die Qualität der Dienstleistung bzw. des Dienstleisters kann der Kunde meist erst beurteilen, wenn ihn die positiven oder negativen Konsequenzen der Dienstleistung betreffen. Betrüger machen sich diese ungleich oder auch unfair verteilte Informationslage zu Nutze und bieten, versteckt hinter falschen Versprechungen, qualitativ schwache Coachings zu königlichen Preisen an. Die Kritiker werfen Petkov Betrug und Prahlerei vor während die Fans von seinem Wissen, Können und den Coachings schwärmen. Was ist dran? Was steckt hinter kostenfreien Webinaren wie: Vom Einsteiger zum Profitrader?

Das Treffen mit Koko Petkov

Das Treffen hat meine Erwartungen übertroffen. Ich hatte vermutet mit standarisierten aalglatten Aussagen abgespeist zu werden und nicht wirklich schlauer abzureisen als ich gekommen war. Doch ich wurde positiv überrascht. Erlebt habe ich einen freundlichen und bodenständigen Koko Petkov. Nichts zu sehen war vom schrillen und marketingtechnisch aufgebauschten Auftreten, welches wir von ihm im Internet kennen. Petkov war interessiert, kommunikativ, bodenständig, entspannt und lebensfroh. Während des Gesprächs nebenher am Laptop handelnd diskutierte er jede Frage, ging auf Einwände und auch kritische Vorwürfe ein. Er scheint an der Kommunikation mit seinem Umfeld sehr interessiert zu sein. Positiv zu bewerten ist die Erreichbarkeit. Petkov ist kein Trader, den man nur erreicht, wenn man viel Geld bezahlt. Er traf sich mit mir in NRW, er reagiert mit seiner Youtube-Video-Reihe „Frag den Koko“ auf Nutzerfragen und hört seinen Fans und Kritikern zu und antwortet auch.

 

Koko Petkov schein oder sein.

Gute Laune und Trading am Laptop während des Interviews in Düsseldorf.

Fragen und Antworten

Jonas Höfgen: Die meisten Menschen kennen dich aus der N24-Dokumentation „Daytrader – der Traum vom schnellen Geld“ (2010). Damals hattest du 170.000€ Schulden und hast das Trading erlernt. Bist du erst seitdem an der Börse aktiv und wie schnell konntest du den phänomenalen Gewinn von 150.000€ erreichen?

Koko Petkov: Ich bin seit Anfang 2008 an der Börse aktiv und bin mit der Finanzkrise in die Schulden gerutscht. Ich habe zwar seit 2008 kontinuierlich Geld in meine Ausbildung investiert, habe aber nur langsame Fortschritte gemacht. Ich habe ca. 2 Jahre gebraucht, um auf break even zu sein und noch weitere zwei Jahre, um positiv zu traden. Ende 2013 konnte ich die Schulden dann begleichen und ungefähr ein Jahr später hatte ich es geschafft mit meinem Trading-System 150.000€ zu verdienen. Es war eine schwere Zeit, aber ich habe an mich geglaubt und ich habe es geschafft. Jeder kann es schaffen. Es gehört viel Arbeit dazu, aber es ist möglich. Das möchte ich auch immer vermitteln.

 

Um die Doku reißerisch zu gestalten sind einige Szenen gestellt. Das meiste stimmt jedoch mit der Realität überein, berichtete Koko.

 

Jonas Höfgen: Was sind die drei ausschlaggebenden Bestandteile deiner Seminare?

Koko Petkov: Als erstes ist da die Struktur der Seminare. Man kann diese von überall auf der Welt belegen und sich das Coaching frei gestalten. Außerdem bieten wir eine Nachbetreuung der Kunden an. Als zweites lege ich viel Wert auf die Sicherheit. Risiko- und Money-Management sind sehr wichtig an der Börse. In erster Linie geht es darum, dass eigene Geld zu behalten. Das musste ich 2008 schmerzlich erfahren. Aufgrund meiner negativen Erfahrung möchte ich meinen Kunden heutzutage beibringen wie man Verluste und Schulden vermeidet. Ziel ist, dass meine Kunden weniger Geld verlieren und mehr verdienen. Der vielleicht entscheidende USP ist drittens, dass viel Wert auf die Einzelperson gelegt wird. Wir haben kleine Gruppen. Maximal 50 Personen. Mehr schaffe ich nicht zu betreuen und ich möchte ausreichend Zeit haben auf jeden einzugehen. Der mentale Aspekt ist mir wichtig.

 

Jonas Höfgen: Tradest du selbst aktiv oder machst du nur noch Coachings?

Koko Petkov: Ich trade regelmäßig. Muss ich. Ich muss gedanklich am Markt dabei sein. Ansonsten würde ich bei den Coachings und Live-Tradings Nichts zeigen können. Auch deswegen habe ich mittlerweile zehn Mitarbeiter. Die viele Arbeit, die hinter den Coachings steckt, haben wir verteilt. Allein müsste ich mich entscheiden, ob ich nur trade oder nur coache. Mit dem Team kann ich beides machen, was sehr wichtig ist.

 

Jonas Höfgen: Warum werden um dich und deine Angebote durch ein schrilles Marketing Emotionen aufgebaut und Stories konstruiert? Warum wird das Produkt nicht nüchtern präsentiert, sondern Elemente, wie Geld, Yachten oder schnelle Autos eingebaut?

Koko Petkov: Wenn man ein Produkt hat, dass gut ist, dann sollte man voll durchziehen. Meine Coachings sind gut und ich möchte möglichst viele Menschen erreichen. Das geht am besten mit genau diesem Marketing. Die Reichweite ist größer. Im Endeffekt kann ich so auch viele Menschen erreichen, die nach einer Ausbildung suchen, und besser bei mir buchen als auf einen Betrüger reinzufallen und das Geld umsonst zu verlieren.

 

Jonas Höfgen: Mit wie viel Geld agierst du an der Börse?

Koko Petkov: Ich handle meistens mit Hebel 4 oder 5. Wenn ich also beispielsweise 100.000€ auf meinem Tradingkonto habe, dann trade ich am Markt mit dem Risiko eines Tradingkontos von bis zu 500.000€. Einhergehend sind enorme Risiken. Das Geld, mit welchem ich agiere, habe ich nicht auf dem Trading-Konto, was ich jedem empfehlen würde. Doch ich besitze es. Sollte etwas schief gehen muss ich meine Schulden begleichen können.

 

Jonas Höfgen: Welche Art Kunden bucht deine Seminare? Sticht ein Charakter besonders hervor?

Koko Petkov: Alle möglichen Personen sind dabei. 16-jährige, aber auch Personen zwischen 60 und 70 Jahren. Arbeitslose, Angestellte, aber auch Manager, Rechtsanwälte oder Ärzte. Gemeinsam haben meine Kunden jedoch meist, dass sie eine neue Herausforderung suchen. Es sind mutige Menschen, welche den Schritt zum Trader wagen wollen und somit auch ein besonders großes Interesse und viel Motivation mitbringen. Bei mir bucht nicht der Durchschnittsbürger, sondern mutige Personen, welche etwas in ihrem Leben verändern wollen.

 

Jonas Höfgen: Wie wird man aus deiner Sicht Trader? Was muss man mitbringen?

Koko Petkov: Durchhaltevermögen. Das ist das Wichtigste. Übermut und voreilige, unüberlegte Entschlüsse führen zu Verlusten. Man sollte immer langsam vorgehen und nicht ins kalte Wasser springen. Die Arbeitsstelle sichert einen ab und nach der Arbeit kann man sich fortbilden oder traden. Der Markt kann jeden in die Knie zwingen. Nach einer Demokontophase reichen bereits 1.000€ um in einer Lernphase mit Echtgeld zu üben und lernen.

 

Jonas Höfgen: Was kosten deine Seminare?

Koko Petkov: Das günstigste Anfangsprodukt kostet 48€. Wer die teuerste Ausbildung wählt zahlt 2998€ oder auch 298€ im Monat für 12xMonate. Das kann man so pauschal nicht sagen. Der Kunde stellt sich sein Coaching selbst zusammen. Die Preise variieren. Der Kunde kann günstige Grundcoachings wählen oder kostenintensiver sich individueller und direkter coachen lassen inklusive einer Nachbetreuung.

Die Analyse

Ich wollte hinter die Fassade des Marketings schauen. Was ist die Wahrheit über Koko Petkov? Er polarisiert mit seinem Auftreten und seinem Marketing. Die einen Trader spricht es an. Die anderen wiederum nicht. Viele Diskussionen werden über ihn geführt. Dabei polarisiert aus meiner Sicht vor allem sein Ansatz groß zu Denken und an sich zu glauben. Im Gespräch sagte er, er könne sich nicht damit anfreunden immer nur klein zu denken, sondern möchte vermitteln, dass es jeder schaffen kann. Petkov spielt groß auf. Doch er glaubt an sich an auch daran, dass er anderen helfen kann es zu schaffen. Es genießt sein Leben. Seine freie Zeiteinteilung. Seine Arbeit zwischen Coaching und Trading. Sein Lifestyle. Er ist zufrieden und kommuniziert gerne. Er möchte nicht nur Geld verdienen, sondern auch sein Wissen und seine Lebenseinstellung verbreiten.

„Das meine ich so. Das lebe ich auch so. Ich kann mich mit diesem Kleindenken nicht anfreunden. Es ist möglich.“ – Koko Petkov

Wie sind seine Coachings einzuordnen? Laut Eigenaussage kennt Koko Petkov aus 4.000 Kunden vier, welche unzufrieden waren. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage können wir natürlich nicht nachvollziehen. Doch sollte er unseriöse Coachings anbieten, Qualität versprechen und nur heiße Luft liefern wäre das Luftschloss doch bereits geplatzt, oder? Seit 2014 bietet er Coachings an. Seit zwei Jahren halten sich die Angebote am Markt und werden weiterhin gebucht. Es gibt viele Vorwürfe im Internet, doch bisher keine fundierte Klagewelle, welche irgendwas aufgedeckt oder bewiesen hat. Mir gefällt der Aspekt der Nachbetreuung, die Preise und das 10-köpfige Team. Es handelt sich nicht um eine Person, welche sich bereichert, sondern um ein Unternehmen, welches einen Kostenblock refinanzieren und kaufmännisch Qualität bieten muss. Es wird an den Seminaren verdient und es gibt keine weiteren Angebote, wie Fonds oder Abonnements, welche verkauft werden.

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Im Gegensatz zu Betrügern, welche nur das positive vom Himmel versprechen, sich selbst nur als Gewinner darstellen und auch Gewinne und Erfolge garantieren, was an der Börse nicht möglich ist, kennen wir auch die schlechten und erfolgslosen Zeiten von Koko Petkov (Doku 2010) und finden keine dubiosen Garantien und Versprechen. Auf der einen Seite ist die finanziell schwierige Lebensphase Koko’s ein Teil seiner Erfahrung und seines Werdegangs, auf der anderen Seite wird dieser Aspekt heutzutage natürlich im Marketing aufgegriffen und verwertet. Gemeinsam haben beide Parteien das Marketing. Ob Geldstapel, Yachten und teure Autos Teil im Marketingkonzept sein müssen kann man weiterhin kritisieren. Mit solchen Lockmitteln werden die Emotionen des potentiellen Kunden angesprochen und die Emotion nimmt unbewusst großen Einfluss auf die Kaufentscheidung. Das ist ein gängiges Marketingmittel. So wirbt auch die Kinderschokolade mit den gesunden Zutaten oder Krombacher mit dem Schutz der Regenwälder.

Ich habe die Vermutung, dass Koko Petkov sich im Internet überzogener und schriller darstellt bzw. dargestellt wird als er es in der Realität der Fall ist. Sein besonderer und lebensfreudiger Lifestyle wird durch das Marketing nochmals aufgebauscht. Gewerblich gilt Klotzen statt Kleckern um möglichst viele Menschen zu erreichen und das eigene Produkt, von dem Petkov in seinem Mehrwert für den Verbraucher überzeugt ist, an den Kunden zu bringen. Er polarisiert. Dies führt zu Diskussionen. Diskussionen erhöhen seine Bekanntheit und somit auch seine Reichweite, welche ihm Kunden bringt. Es ist ein durchaus legales Marketing, welches jedoch mit Sicherheit nicht den Geschmack aller trifft. Mutige Personen, welche etwas verändern wollen in ihrem Leben und den Lebensstil von Koko Petkov mögen fühlen sich angesprochen. Das Marketing und seine Arbeit funktionieren. Denn wer von uns kennt Koko Petkov nicht? Für die Interessierten: Kokos Erfolgsformel.

Jonas Höfgen