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Die Geschichte des Finanzmarktes

Um das aktuelle Geschehen auf den Finanzmärkten zu verstehen, hilft es oft sich die Vergangenheit anzuschauen. Ob es nun die Senkung des Leitzinses ist oder das Retten von großen Banken, oft steckt dahinter ein großer Erfahrungsschatz, der in der Vergangeheit gewonnen wurde.

Nicht nur für die Politiker, sondern auch für Investoren und Trader macht es Sinn, Entscheidungen auf Grund von knight-1033893_640vergangenen Ereignissen zu treffen und daher werden wir in diesem Bereich die wichtigsten und größten Finanzkrisen und geschichtlichen Ereignisse zusammenfassen, die den Finanzmarkt wie wir ihn heute kennen geprägt und verändert haben.

Dieser Bereich wird nach und nach wachsen und aus diesem Grund bitten wir alle Insider um Verständnis, dass wir nicht alle Ereignisse von heute auf morgen auflisten werden. Wer aber noch etwas zu dem Thema beitragen möchte, kann dieses sehr gern tun. Dazu kontaktieren Sie uns einfach unter info@insidetrading.de.

Richard Kupfer

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Richard Kupfer

Richard Kupfer lebt in Österreich, Salzburg und ist als Leitender Kaufm. Angestellter bei einem großen, deutschen Technologiekonzern beschäftigt. Seit 1990 ist er aktiv mit verschiedenen Finanzprodukten an der Börse tätig. Ergänzend zu seiner Fachkenntnis über Unternehmensbewertung und Fundamentalanaylse beschäftigt sich Richard seit der Jahrtausendwende primär mit dem Gebiet der Technischen Chartanalyse, sowie der Entwicklung entsprechender Handelssysteme. Sein aktuelles Portfolio firmiert mittlerweile seit Anfang 2016 unter dem Namen ConTraMo. Die verschiedenen Handelssysteme betreibt er dabei nicht nur real, sondern führt diese teilweise auch auf der Social Trading Plattform Wikifolio inklusive einer Facebook-Seite zur Information und Kommunikation.

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Geschichte der Börse bis 1700

Geschichte der Börse bis 1700

sea-680166_640Wenn Jugendliche heutzutage in der Schule etwas über die napoleonischen Kriege und die Schlacht bei Waterloo lernen, dann wissen sie nicht, dass die Geschehnisse stark beeinflusst worden sind durch Börsen und Wertpapiere. Wenn Schüler etwas über Kolonien, Kolumbus und die Niederlande lernen, dann erfahren sie nicht, dass dies alles nur dank der Börsen und Wertpapiere möglich war. Seit rund 800 Jahren ist die Börse und der Handel von Wertpapieren elementarer Bestandteil unserer Existenz und des heutzutage erreichten Wohlstandes. Jeder von uns hat direkt oder indirekt etwas mit der Börse zu tun. Doch wie ist diese eigentlich entstanden?

Es gibt zahlreiche Formen der Börse. In der allgemeinen Definition handelt es sich bei einer Börse um einen nach bestimmten Regeln organisierten Marktplatz, an dem Händler vertretbare Dinge handeln. Was sind vertretbare Dinge? Hierbei handelt es sich um handelbare Waren, welche sich untereinander nicht oder nur geringfügig unterscheiden. Dies ist elementarer Bestandteil einer Börse. Gehandelt werden so Wertpapiere, Rohstoffe, CO2-Zertifikate und viele weitere vertretbare Dinge. Doch was heutzutage unseren Wohlstand mitbegründet, unser Wirtschaftssystem mit Liquidität versorgt und Billionen verschiebt, Vermögen bildet und vernichtet, hat damals klein angefangen.

Über den Begriff „Börse“ gibt es diverse Theorien. Man kann den Begriff auf das mittelalterliche Wort „bursa“ zurückführen, welches eine Tasche aus Leder für die Aufbewahrung von Geld beschrieb. Dieses Wort fand dann auch im Familien-Namen der Kaufmannsfamilie „van der Beurse“ aus Antwerpen (nicht in Brügge, wie oftmals behauptet) seinen Platz. Diese Familie besaß auch im Wappen drei Geldbeutel. Das aus dem Familien-Namen abgeleitete Wort „Beurse“ etablierte sich daraufhin in vielen Ländern, nachdem diese Familie begann geschäftliche Treffen in Form einer frühen Börse in ihren Häusern abzuhalten. Dies ist die logischste und wahrscheinlichste Herkunft des Wortes Börse.

Der Bedarf an Finanzprodukten bestand bereits vor vielen tausenden Jahren. Ökonomische Vorgänge konnten so präzisiert und vereinfacht werden. Die ältesten Finanzprodukte sind derzeit von vor rund 4.000 Jahren bekannt. Circa 2.000 vor Christus handelten bereits die Babylonier mit Krediten und Future-Zertifikaten. Auf Tontafeln wurden Schulden festgeschrieben und Preise für die Ernte des nächsten Sommers vereinbart. Doch hierbei handelte es sich mehr um Handelsbeziehungen zwischen zwei Personen oder kleinen Gruppen statt zentrierten Marktplätzen, welche man als Börse werten könnte. Mit bedeutenden Innovationen und zunehmender Entwicklung der Menschheit, wie im römischen Reich, wurde der Handel intensiviert. Um 1200 sind die ersten börsennahen Handelsplätze in Handelszentren, wie Genua, Florenz, Lucca oder Venedig bekannt. Hier trafen Geldwechsler, Banker, Vermögende, Händler und Kaufleute zusammen. 1.111 ist die erste geregelte regelmäßige Versammlung einer Tausch-Börse in Lucca bekannt. Die „Banca di San Georgio“ in Genua gilt als die erste einer Aktiengesellschaft ähnlichen Firma der Weltgeschichte. Sie emittierte verzinste Obligationen zur Deckung der Staatsschulden Genuas und machte Anleger bereits 1419 zu Anteilseignern. Mit wachsendem Umsatz und wachsender Teilnehmeranzahl wurden aus den lockeren Zusammenkünften dann geregelte Marktplätze. Mit dem Bau eines eigenen Gebäudes in Antwerpen für die Börse 1531 verbindet man die erste offizielle Gründung einer Börse. Seit 1531 wurde die Börse zunehmend wichtiger, als Händler, Staaten und Bürger das Potential dieser erkannten. Handelte man 1511 noch Getreide-Futures, also Wetten auf den Getreidepreis im kommenden Jahr, so fanden bereits 1532 Anleihen Einzug in die junge Finanzwelt. 1566 errichtete London eine Börse, 1582 Sevilla und 1608 Amsterdam.

Nutzten Händler zuvor Börsen als Marktplätze des Handels, so entwickelten gewitzte Geschäftsleute die Börse stetig weiter. Das Potential der immensen Finanzierungskraft dieses System wurde immer mehr Personen bewusst und die Börse war nicht mehr wegzudenken aus der Gesellschaft. Die immer größer und technisch fortschrittlicher werdende europäische Gesellschaft hungerte nach Errungenschaften, Rohstoffen und Luxus. Der Handel wurde immer gigantischer. Die Anzahl der Handelsschiffe nahm zu. Straßen, Städte und Konsum stiegen stetig. Schnell konnten die vielen Menschen in Europa nicht mehr allein durch Europa ernährt und in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Doch der Übersee-Handel war eine teure und riskante Angelegenheit. Monate der Vorbereitung, zahlreiche Schiffe, tausende Menschen und mindestens ein halbes Jahr Reise ließen die Kosten für den Handel mit Amerika, Afrika und Asien explodieren. Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 verfiel Europa in den Rausch der Kolonien. Es war ein Wettlauf der Nationen um die besten und ertragreichsten Ländereien der fernen und neuen Welt. Doch wer konnte sich solche Konvois leisten? Zumal die Risiken durch Piraten, Stürme und Krankheiten hoch waren. Bis 1600 waren Übersee-Fahrten einzelne Ereignisse. Immer wieder steckten Handels-Familien ihr gesamtes Vermögen in eine Expedition und wurden so unermesslich reich oder verloren alles.

Mit der Erfindung der Aktiengesellschaft und der stetigen Entwicklung der Börse war es möglich die Kolonisierung der Welt zu finanzieren. 1602 schlossen sich die niederländischen Kaufleute der Seefahrt zur Ostindien-Kompanie zusammen, um effizienter zu arbeiten und aus Einzelfahrten ein routiniertes Seefahrts-Geschäft zu entwickeln. Die Niederlande, bereits technisch den anderen europäischen Nationen auf See überlegen, wollte so die Dominanz in Afrika und Asien ausbauen. Neu war, dass Anleger nun nicht auf einzelne Schiffsladungen spekulierten indem sie vorher eine Summe bereitstellten und hofften durch die Waren des zurückkehrenden Schiffs am Ende mehr zu verdienen. Die Ostindien-Kompanie emittierte verzinste Aktien mit einer Laufzeit von 10 Jahren. So konnte sie sich einen sicheren Kapitalstock verschaffen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse sammelte die Kompanie so rund 100 Millionen Euro ein. Die Anleger selbst gierten nach Informationen. Erreichten die Niederlande Nachrichten von erfolgreichen und gewinnbringenden Expeditionen oder gewonnen und eroberten Kolonien, so konnten Besitzer der Aktien diese teuer weiterverkaufen. Der Preis je Aktie stieg. Negative Nachrichten von Stürmen, Niederlagen oder Misserfolgen stachelten jedoch Angst, Panik und Verkaufswellen zu niedrigen Preisen an. Die Börse in ihrer Form entstand. Mit den neuen Möglichkeiten der Finanzierung konnten Unternehmen und Staaten gigantische, zuvor undenkbare, Projekte angehen und umsetzen.

Im zweiten Teil dieses Artikels möchte ich die Geschichte der Börse ab etwa 1700 beschreiben. Die erste Blase der Welt, die erste Finanzkrise eines Staates, Goldstandart, Kriege und die Entstehung vieler neuer Finanzinstrumente.

John Law, Frankreich und die erste Finanzkrise 1720

John Law, Frankreich und die erste Finanzkrise 1720

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Wie bereits im vorherigen Artikel beschrieben entwickelte sich die Börse seit dem 17. Jahrhundert mit der Gründung der ersten Aktiengesellschaft in den Niederlanden und dem Bau der ersten Gebäude für den Handel von Wertpapieren rasant. Viele Personen erkannten die Kraft und die Möglichkeiten der Börse frühzeitig und wussten diese geschickt für sich und andere zu nutzen.

Eine dieser Personen heißt John Law. Dieser Schotte ist eine charakterlich interessante Persönlichkeit. Vor Allem jedoch ist Law eine der bedeutendsten Personen der Finanzwelt. Er schuf etwas, was noch heutzutage zu bewundern ist. Er erkannte ökonomische Aspekte, die erst 200 Jahre nach ihm wieder aufgegriffen worden sind. John Law ist einer der wichtigsten Charaktere der Finanzwelt und aus meiner Sicht eine der spannendsten Persönlichkeiten der Geschichte. Law wurde 1671 in Schottland geboren, wuchs dort auf und auf Grund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz und seines Talentes der Mathematik und des Kopfrechnens arbeitete er als Nationalökonom und Bankier. Doch auch dem Glücksspiel war er verfallen. In den Tavernen und Spielbanken war er berüchtigt, denn auf Grund seiner mathematischen Begabung gewann er nahezu immer. John Law war als Person auf der einen Seite intelligent und gerissen. Eine Person des Erfolgs. Auf der anderen Seite jedoch ein Lebemann, der gerne feierte, trank und spielte und somit auch aus Schottland fliehen musste als er wegen eines Duells um eine Frau, bei der sein Kontrahent verstarb, verklagt wurde. Er floh in die Niederlande wo er intensiv die dort boomende Börse studierte. Doch John wäre nicht John Law, wenn damit seine Geschichte vorbei wäre. Er musste erneut fliehen und lebte in Venedig im Exil. Circa 1715 dann ging er nach Frankreich. Dort sollte er sein Lebenswerk schaffen. Auf sein Wirken möchte ich heute eingehen. Wer ist er? Was schuf er? Was lernen wir daraus?

Nach einer kurzen Einführung zur Person John Law möchte ich kurz in diesem Absatz die historische Situation erklären: John Law gelang ungefähr 1715 nach Frankreich. In der damaligen Zeit erhielt die Börse immer mehr Ansehen. Vor Allem wurden mit ihr die großen Seefahrts-Gesellschaften finanziert. Die Seefahrts-Nationen Frankreich, England, Spanien, Portugal und die Niederlande befanden sich in einem Wettlauf um die Kolonien. Riesige Vermögen wurden investiert, um Kolonien zu erschließen, Handel zu betreiben und Kriege um diese Ländereien zu führen. Frankreich war damals das wirtschaftlich stärkste Land Europas. Und mit 20 Millionen Bürgern auch das bevölkerungsreichste Land. Eine Vormacht in Europa. Der verstorbene Sonnenkönig, Ludwig der XIV, hinterließ dem Land jedoch eine finanziell untragbare Situation. Seine exzessiven Feste, seine Affinität für teure Gegenstände und Kunst, sowie seine teuren Kriege in ganz Europa hinterließen schmerzhafte Spuren im Haushalt des Königreichs. 1715 standen rund 100 Millionen Livre Einnahmen ganzen rund 145 Millionen Livre Ausgaben gegenüber. Frankreich musste Schulden machen. Und das obwohl die Schuldenlast bereits 3,5 Milliarden (3.500 Millionen) Livre betrug. Der neue König, Ludwig XV, war noch unmündig und wurde in der Regentschaft durch Phillip II. (duc D’orléans) vertreten, welchen auch John Law kennenlernte. Jeder Vorschlag, wie diese finanzielle Situation gelöst werden könnte, traf damals auf offene Ohren.

12346722_10204103252661502_1328583151_nLaw erlangte 1716 Ansehen und Berühmtheit in Frankreich, indem er den Staatshaushalt zu entlasten wusste. Historisch erlangte er einen Platz in den Büchern, denn er gründete die wohl erste Zentralbank der Geschichte. Die „Banque Générale“ ist der Vorläufer der heutigen „Banque de France“. John Law durfte diese Bank gründen, emittierte 120 Aktien zu je 50.000 Livre, um Grundkapital über 6 Millionen Livre zu erhalten und erhielt das Recht der Münze. Mit diesem Recht war die Banque Generale das Unternehmen, welche das Geld ausgab. Frankreich war somit dank Law wohl auch das erste Land der Welt, welches ungedeckte Banknoten herausgab. John Law erkannte, dass für die Wirtschaft des Landes nicht der Wert der Währung, welcher damals durch die Golddeckung erzeugt worden ist, sondern der Umlauf von genügend Geld, also der Liquidität, abhing. Und so druckte er Livre, welcher durch das Versprechen des Staates diesen notfalls in Gold umzutauschen, seinen Wert erhielt. So konnte Frankreich Geld schöpfen (Einnahmen) ohne auf der anderen Seite Gold einkaufen und einlagern zu müssen (Ausgaben). Law setzte bereits Anfang 1700 somit das um, was erst 1971 offiziell weltweit mit der Aufhebung des Goldstandards umgesetzt worden ist. Er war seiner Zeit weit voraus und schaffte es so auch den Staatshaushalt von Frankreich mit billigem Geld zu entspannen.

1718 wurde die Banque Generale verstaatlicht. Frankreich wollte an der neuen schier unerschöpflichen Quelle des Geldes stärker partizipieren. John Law gründete 1719 die Mississippi-Kompanie und erhielt durch die Krone das Monopol auf den Handel und die Erschließung der Ländereien am Mississippi in Amerika. Sogleich emittierte er Wertpapiere zu je 500 Livre, damit auch die ärmeren Bevölkerungs-Schichten investieren konnten. Er sammelte über 100 Millionen Livre ein. Eine gigantische Summe. Jeder wollte Aktien haben, denn man träumte von großen Goldschätzen und ergiebigen Ländereien in Amerika. John Law investierte das Geld extrem geschickt. Er kaufte alle Seefahrts-Unternehmen des Landes und errichtete somit ein Imperium der Seefahrt. Er besaß alle Handels-Monopole und Schiffs-Flotten. Er erschloss und handelte alle Kolonien. John Law wurde der wichtigste Mann Frankreichs und der wohl reichste Mann der Welt. So kaufte er sich auch das Recht der Münze zurück. Das Imperium des gerissenen Schotten umfasste nach kurzer Zeit, dank des Kapitals der Anleger, den gesamten französischen Übersee-Handel inklusive zahlreicher Monopole und er konnte sich selbst Geld drucken.

Mit dieser betrieblichen Entwicklung schoss auch der Wert der Aktien in die Höhe. Von anfänglichen 500 Livre bei der Ausgabe stieg der Kurs in kurzer Zeit um 1.900% auf 10.000 Livre. Einfache Bauern und Putzfrauen waren plötzlich Millionäre und stolzierten auf den Boulevards mit Diamanten-Ketten umher. Der Begriff „Millionär“ wurde wegen dieser Geschehnisse erfunden. Die Kompanie Laws eröffnete in zahlreichen Städten Büros an denen Aktien gekauft und verkauft wurden. Jeder wollte plötzlich an diesem Aktien-Handel teilhaben und seinerseits reich werden. Und so reisten 1719 monatlich bis zu 25.000 Personen nach Paris. In den Stadtteilen der Büros der Kompanie explodierten die Häuserpreise von 1.000 Livre um 1.500% auf 16.000 Livre. Es handelte sich um eine gigantische Spekulations-Blase. Denn all diese Wertsteigerung basierte nicht auf dem Erfolg der Kompanie, sondern auf den Hoffnungen des großen Erfolgs dieser und auf Grund der riesigen Kaufkraft. Die Nachfrage war vielfach höher als das Angebot. Law verdiente prächtig daran und konnte wohl eine bis fünf Milliarden Livre einsammeln. Ein vielfaches der Wirtschaftskraft des damaligen Frankreichs.

12348691_10204103252701503_1773232304_nDoch 1720 machte sich Unruhe breit. Rückkehrer berichteten von Krankheiten, Seuchen und Misserfolgen. Gold wurde kaum gefunden und die Kolonien schienen nicht so erfolgreich, wie erwartet bzw. wie erträumt zu sein. Die Überbewertung des Konglomerats von John Law wurde immer mehr Anlegern bewusst und das Angebot (Verkäufer) am Markt wurde größer. Der Kurs der Aktien fing an zu fallen. John Law selbst war sich der Blase und Gefahr bewusst und hatte selbst Angst vor den Folgen. Er versuchte alles, um die Träume der Anleger zu füttern. Er bezahlte Menschen, welche Geschichten des Erfolgs verbreiten sollten und ließ Schauspieler durch die Städte zu den Häfen stolzieren. Scheinbar auf dem Weg in die Kolonien zum Goldabbau. Doch auch das half nicht mehr. Die Anleger wurden sich immer mehr bewusst darüber, dass Laws Imperium nicht erfolgreich war. Als John Law den Regenten bat den Aktien-Kurs gesetzlich auf höchstens 9.000 Livre zu begrenzen, um die Überbewertung einzudämmen, lehnte der Regent dies ab, aber die Anleger fanden dies heraus. Eine Panik brach aus. Aus den Gerüchten wurden Fakten und wo sich zuvor Schlangen vor den Büros der Kompanie bildeten, weil jeder Aktien kaufen wollte, dort spielten sich plötzlich Tumulte ab, weil jeder versuchte seine Aktien zu verkaufen. Viele Anleger verloren ihr Vermögen. Der Aktienkurs fiel rasant. 10.000, 9.000, 8.000, … John Law selbst griff zum letzten Mittel, welches ihm einfiel, um den Aktien-Kurs zu stützen und die Blase vor dem endgültigen Platzen zu bewahren. Er druckte Geld und kaufte große Mengen Aktien zurück, um die Seite der Nachfrage (Käufer) künstlich zu simulieren und zu stärken. Es war wohl auch das erste Aktienrückkaufprogramm der Geschichte. Doch auch das half Nichts mehr. Der Kurs stürzte komplett ab, das Imperium des John Law entpuppte sich als erfolgloses Kartenhaus und brach ebenfalls zusammen.

Neben dem betrieblichen Misserfolg des Seefahrts-Konglomerats riss diese Spekulations-Blase Frankreich 1720 wohl auch in die erste Finanzkrise der Welt. Die Blase platze an der damaligen Börse, riss aber auch viele andere Segmente, wie die Immobilien-Preise, mit sich in den Abgrund. Große Teile der Bevölkerung verarmten. Vor Allem aber explodierte die Inflation. John Law spülte durch das Aktienrückkaufprogramm so viel neues Geld in die französische Volkswirtschaft, dass der Livre schlagartig an Wert verlor. Als der Regent eingriff und die Ländereien und Besitztümer der Kompanie beschlagnahmte erkannte auch er das Ausmaß der Geldpolitik des Schotten. Dieser hatte wohl rund 2,9 Milliarden Livre in nur zwei Jahren gedruckt und somit Mal eben die Geldmenge in Frankreich verdoppelt bis verdreifacht. Es zeigte sich das Ausmaß der exzessiven Geldpolitik und der ungerechtfertigten Überbewertung dank der es Frankreich ein halbes Jahrzehnt gut ging, aber das Land dann wieder auf dem Boden der Tatsachen landete. Und zwar sehr hart landete. In Frankreich wurde der Goldstandard für nächsten 200 Jahre wieder eingeführt und Papiergeld galt als „Teufelszeug“.

John Laws bewegende Geschichte endete wie so oft: Er musste aus dem Land fliehen. Er war in nur wenigen Jahren erst zum reichsten und berühmtesten Mann, dann zum ärmsten und am meisten gehassten Mann, geworden. John Law war seiner Zeit weit voraus. Er erkannte, was erste im 20. Jahrhundert als richtig und logisch neu entdeckt wurde und was heutzutage Gang und Gebe ist in unserem Markt. John Law revolutionierte das Finanzwesen und schrieb in vielen Dingen Geschichte. Die erste Zentralbank, die erste Finanzkrise, das erste ungedeckte Papiergeld und so weiter. Kein anderer verstand es so gut, wie er, die neuen Möglichkeiten des Finanzwesens und der Börse für sich zu nutzen. Kaum jemand anderes erkannte die Kraft der Finanzierung durch die Börse. Und kaum jemand anderen entwickelte in nur 5 Jahren so viele neuartige und erfolgreiche Finanzinstrumente, wie John Law.

Die Tulpomanie 1637

Die Tulpomanie 1637

tulips-21598_640Stell dir vor du kaufst deinen Eltern zum Hochzeitstag eine Tulpe. Tulpen sind wahrlich schöne Zierpflanzen. Aber kannst du dir vorstellen, dass du dir mit dieser Tulpe vor einigen hundert Jahren in Amsterdam die prächtigsten Häuser in der Innenstadt hättest kaufen können? Eine Zwiebel, deren Wert sich teilweise im Jahr verzehnfachte?

Im 17. Jahrhundert erlebte die Niederlande ihr goldenes Zeitalter. In der Seefahrt setzten sich die niederländischen Kompanien durch. Wirtschaftlich und finanziell war die Niederlande ein wichtiges Zentrum Europas. Aber auch kulturell gab das kleine Land den Takt vor. Man schätzt, dass damals rund 700 Maler rund 70.000 Gemälde im Jahr fertig stellten. Das hat kein anderes Land, nicht Italien und auch nicht Frankreich, in anderen wichtigen Kunst-Epochen geschafft. Die Niederlande erlebte Fortschritte im Wohlstand, in der Technik, Forschung, Bildung, Kultur und auch der Finanzbranche.

Gerissene Händler entwickelten schnell zahlreiche Finanzprodukte. Die Börse erlebte einen schnellen Aufstieg. 1602 wurde die erste Aktiengesellschaft der Welt gegründet (hier nachzulesen). Um 1613 wurden die ersten separaten Gebäude für den Börsen-Handel errichtet. Der Handel mit Wertpapieren war attraktiv und die Menschen erkannten die neuen gigantischen Möglichkeiten, die sich daraus ergaben. Viel Geld strömte im goldenen Zeitalter in die Niederlande und auch an deren Börse. So platzte 1643 die wohl erste Blase der Geschichte. Wie kam es dazu?

Die seit dem 15. Jahrhundert aus Persien, über das Osmanische Reich und Wien nach Europa gelangte Blume „Tulpe“ genoss ein hohes Ansehen in den Niederlanden. Wo wir heutzutage ein teures Auto vor dem Haus stehen haben, um unseren Wohlstand zu präsentieren, dort pflanzten die Niederländer damals Tulpen im Vorgarten an. Diese neue und exotische Blume wurde intensiv gepflegt und gezüchtet, getauscht und gehandelt. Bald schon existierten rund 800 verschiedene Sorten. Die dekorative Pflanze erlangte immer mehr Aufmerksamkeit und die Nachfrage stieg. Das rief Spekulanten auf den Plan, welche an diesem Handel und der steigenden Nachfrage verdienen wollten.

Nachdem Tulpen zuvor im Sommer nach der Ernte gehandelt wurden eröffnete die Börse neue Möglichkeiten. Die Händler gingen dazu über die Ernte bereits im Winter zu kaufen, wenn die Tulpen noch in der Erde wuchsen. Man kaufte sich mit Börsen- bzw. Termin-Kontrakten die Ernten des nächsten, übernächsten oder über-übernächsten Jahres spekulativ und hoffte auf seltene und begehrte oder viele Zwiebeln. Bauern ließen dazu Kupferstiche mit Bildern der Tulpen anfertigen. In Börsen-Gebäuden und Schankhäusern fanden dann Versteigerungen statt. Der Parkett-Handel entstand. Der Handel der Ernten wurde immer größer und intensiver. Das lockte auch Spekulanten an. Wo zuvor vor Allem Händler handelten, welche dann auch die Ernte einstreichen wollten, dort boten nun auch Spekulanten mit, welche kein Interesse an der Ernte oder den Tulpen hatten, sondern ihr Recht auf bestimmte Ernten mit steigenden Preisen noch vor dieser Ernte weiterverkaufen wollten.

Viele Innovationen sind seit 1602 am Finanzmarkt zu erkennen. Innovationen welche den Handel erleichterten, intensivierten und auch flexibler gestalteten. Wo zuvor lediglich Produzent und Händler agierten fanden sich nun neben eben jenen auch Spekulanten und Anleger aus der Bürgerschaft ein. Es strömte immer mehr Geld, Nachfrage und Aufmerksamkeit in den Tulpenmarkt. Und so blähte sich die Blase auf. Jeder rechnete mit steigenden Preisen und wollte selbst Terminkontrakte besitzen. So konnte der glückliche Käufer sein Kontrakt schon morgen für einen höheren Preis an den nächsten Spekulanten weiterverkaufen. Bürger nahmen all ihr Geld in die Hand und wetteten mit. Viele gelangten zu großem Wohlstand als sie plötzlich 10-Mal so viel verdienten, wie zuvor.

Der Handel mit Tulpen wurde immer größer, immer schneller, immer komplexer. Es entstand ein Hype. Jeder wolltetulip-821745_640 mitmachen. Jeder setzte sein Geld spekulativ ein. Jeder wollte reich werden. In dieser Form, als auch die einfachsten Bürger anfingen an der Börse spekulieren, erkennen wir auch die erste Hausmädchen-Hausse der Weltgeschichte. Um die Blase in Zahlen zu fassen: Die teuerste Tulpe aller Zeiten, die Semper Augustus, wurde 1623 für 1.000 Gulden je Zwiebel, 1624 für 1.200 Gulden (+20%), 1633 für 5.500 Gulden (+360%) und dann 1637 zum Zenit der Blase für unglaubliche 10.000 Gulden je Zwiebel gehandelt. Somit war eine Zwiebel dieser Sorte so viel Wert wie die teuersten Luxus-Häuser im Zentrum von Amsterdam. Ein weiterer Vergleich: Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Niederländers lag damals bei 150 Gulden im Jahr. Abgesehen von dieser extrem teuren Sorte wurden die meisten Sorten zwischen 10 und 100 Gulden je Zwiebel gehandelt. Doch auch hier stiegen die Preise rapide an. Der Preis der Tulpe Groot verdoppelte sich vom 28. Dezember 1636 bis zum 12. Januar 1637 von 0,07 Gulden auf 0,15 Gulden. Im gleichen Zeitraum explodierte der Preis der Sorte Switserts um das 12-fache von 125 auf 1.500 Gulden je Pfund.

Am 3. Februar 1637 dann platze die Blase. Bei einer Auktion in Haarlem konnte kein einziger Posten verkauft werden. Niemand war mehr bereit noch mehr Geld zu investieren. Mit der Spekulation hatte sich der Preis der Tulpen weit von deren fairen Wert entfernt. Diese Spirale der Spekulation funktionierte nur so lange, wie die Händler von steigenden Preisen ausgingen und somit bereit waren weiter zu investieren. Schlagartig wurde allen klar, dass die Preise zu hoch waren und der Crash war perfekt. Unzählige Bürger verloren ihr gesamtes investiertes Vermögen. Die Niederlande stand vor einem Dilemma: Die Tulpenindustrie war in den 15 Jahren des boomenden Handel enorm gewachsen. Nun gab viele Spekulanten, welche ihr Terminkontrakt nicht mehr verkaufen konnten und somit die Pflicht wahrnehmen mussten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Ernte zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Zu kaufen mit Geld, welches niemand besaß.

Die verschiedenen Gerichte in den Niederlanden handelten unterschiedlich. In einigen Regionen wurden die Terminkontrakte für ungültig erklärt, in anderen mussten die Händler Strafzahlungen an die Bauern entrichten oder tatsächlich die Verträge erfüllen und die Ernten kaufen. Die Niederländer hatten 15 Jahre der steigenden Preise, der großen Gewinne und des erfolgreichen Handels erlebt. Am Ende hatten sich die Preise teils verhundertfacht. Der Wert der Tulpen war überbewertet, es handelte sich um eine Blase, welche 1637 platze. Diese Blase, heutzutage bekannt als Tulpomanie, Tulpenwahn, Tulpenfieber oder Tulpenhysterie, zeigt das leichtsinnige und verrückte, aber auch irrationale und irreale Handeln von Spekulanten auf. Es war eine Blase und Spekulations-Hysterie wie im Lehrbuch.

Weltwirtschaftskrise 1929

Weltwirtschaftskrise 1929

Der erste Weltkrieg, Die Hyperinflation 1923, die Weltwirtschaftskrise 1929 und die Machtergreifung der NSDAP im Deutschen Reich und der darauf folgende verheerende zweite Weltkrieg. Alle diese historisch bedeutenden und schrecklichen Ereignisse sind auf unglückliche Verkettungen von Ereignissen und Fehlentscheidungen diverser Personen und Gruppierungen zurückzuführen. Die Weltwirtschaftskrise 1929 spielt hierbei eine nicht unwichtige Rolle. Der historische Kontext ist die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite ist diese wirtschaftliche Krise ein Lehrstück ökonomischer, volkswirtschaftlicher und finanzieller Mechanismen und Zusammenhänge.

Um die Weltwirtschaftskrise zu verstehen ist die Vorgeschichte wichtig: 1918 endete der zweite Weltkrieg. Wirtschaftlich hatten sich auch England und Frankreich immens verschuldet. Die USA bestanden auf die Rückzahlung dieser Darlehen. Die USA selbst konnte sich zur global dominierenden Macht aufschwingen. Die zuvor starken europäischen Nationen litten an den Folgen der militärischen Katastrophe. Deutschland hatte sich bereits während des Krieges überschuldet und stand nun vor der schier unlösbaren Aufgabe die Reparationsleistungen zu bezahlen. In allen Ländern kam es in den 1920er-Jahren zu einem Wirtschafts-Boom. Die Produktion von langlebigen Gütern blühte auf. Die Industrie-Produktion wuchs rasant. Es wurden Unmengen Arbeitsplätze geschaffen und der Wohlstand der Bürger wuchs. Diesen wirtschaftlichen Boom finanzierten die europäischen Länder vor Allem durch Kredite aus den USA. Zu erkennen ist das vor Allem an den damaligen Kapitalströmen. So flossen beispielsweise von 1925 bis 1929 21 Milliarden Reichs Mark nach Deutschland, aber nur 7,7 Milliarden Reichs Mark aus Deutschland weg. Unternehmen und Staaten verschuldeten sich immens um Import und Wirtschaft zu finanzieren. Die USA vergaben die Kredite und verdienten prächtig an den Zinsen.

Durch die starken Kapitalströme aus den USA nach Europa war Europa in gewisser Weise abhängig von den USA. Dies ist ein bedeutender Grund, weshalb sich der Crash in den USA schnell auf Europa ausweitete. Des Weiteren wurden vor Allem langlebige Wirtschaftsgüter produziert. Kühlschränke, Autos, elektronische Infrastruktur und andere Dinge. Irgendwann sind alle Konsumenten für die kommenden Jahre mit solchen Gütern versorgt und die Nachfrage sinkt wieder. In den USA hatten die Bürger den Konsum vorwiegend durch Kredite finanziert. Auch heute ist dies in den Vereinigten Staaten durchaus normal. So wuchs der Bestand von Krediten für Konsumzwecke in den Büchern der Banken von 100 Millionen Dollar 1919 auf gigantische 7 Milliarden US-Dollar 1929. Eine auf Krediten basierte Blase war entstanden. Wie das? Der wirtschaftliche Boom basierend auf wahnsinnig starkem Konsum funktioniert nur so lange bis die Nachfrage erschöpft ist oder die Konsumenten überschuldet sind.

1929 dann zeigten sich die ersten negativen Anzeichen in den USA. Die Industrie-Produktion sank, die Auftragsbücher der großen Industrien leerten sich und die Stahlproduktion war rückläufig. 1932 waren die Stahlwerke nur noch zu 12% ausgelastet. Schnell machte sich Unruhe breit und am 24. Oktober 1929, dem schwarzen Donnerstag, brachen die Kurse an der Wall Street zusammen. Kurz zuvor hatte die FED (Federal Reserve System; Zentralbank der USA) die Geldmenge verknappt. Mit den negativen Anzeichen und einer illiquider werdenden Volkswirtschaft brachen Konsum, Kreditvergabe und Börsenkurse zusammen. Es kam in den USA zu einem Bank Run. Nach diesem mussten 1/3 aller Banken liquidiert werden. Mit der Geldknappheit brach der Konsum zusammen. Mit dem einbrechenden Konsum kollabierte die Industrie und mit der kollabierenden Industrie sanken die Gehälter und Massenarbeitslosigkeit entstand.

Mit dem Börsen-Crash in den USA fingen die US-Unternehmen auch an große Summen aus Europa abzuziehen. Damals hatte man Banken gegenüber für Kredite Wertpapiere häufig als Sicherheit hinterlegt. Mit dem Börsencrash waren diese Wertlos. Banken forderten die Rückzahlung. Der Kapitalstrom drehte sich und in Europa entstand schlagartig Geldknappheit. In Deutschland hatten sich die Banken selbst hoch verschuldet. Sie besaßen relativ wenig eigenes Kapital (Eigenkapital) und hatten auf Grund stetig sinkender Zinsen vor Allem kurzfristige Schulden über 3 bis 6 Monate aufgenommen. Diese Kredite wurden einfach immer wieder verlängert über viele Jahre. Doch nun rächte sich dieses expansive Verhalten. 1929 benötigten die Geldgeber aus den USA dieses Kapital selbst und verlängerten die Kredite nicht. Die deutschen Banken selbst hatten kaum eigenes Geld um Kosten, Rückzahlungen und weitere Kreditvergabe zu tragen und kollabierten selbst. Unruhe machte sich breit und auch in Deutschland kam es zu einem Bank Run. Die Banken mussten tagelang geschlossen bleiben und standen unter staatlicher Aufsicht.

In dieser Situation machte der damalige Reichskanzler Brüning einen folgenschweren Fehler. Noch heute scheuen sich die Zentralbanken dies zu wiederholen. Nach dem ersten Weltkrieg hatte das Deutsche Reich zur Finanzierung des Aufbaus, der Schulden und der Reparationen die Gold-Bindung der Währung gelöst und hatte angefangen Geld zu drucken. Aus der Notenpresse und aus den USA strömten große Mengen Geld nach Deutschland und die Hyperinflation entstand an deren Ende ein US-Dollar teils mehrere Billionen Deutsche Reichs Mark entsprach. Noch bis heute hält sich in Deutschland die Angst vor der Inflation. 1929 wollte Brüning eine erneute Hyperinflation unterbinden und reduzierte sogar die Geldmenge. Nun herrschte nicht nur Geldknappheit wegen des fehlenden US-Vermögens, sondern auch weil der deutsche Staat kein Geld mehr ausschüttete bzw. weniger.

Schnell hatte sich das Platzen der US-Konsumenten-Blase auch auf Europa ausgebreitet. Vor Allem die Geldknappheit und die Fehlentscheidung die Geldmenge in dieser Situation zu verringern führten zu Geldnot am Markt und darauf folgenden Massen-Insolvenzen. Die Gehälter kollabierten, der Wohlstand brach zusammen, Massen-Arbeitslosigkeit und Armut breiteten sich aus. Die Kapitalströme zwischen den Ländern trockneten aus und die tausende Banken gingen Pleite. Die Vernetzung der Welt, aber auch die ökonomischen Zusammenhänge rächten sich ab 1929. Mit der Machtergreifung der NSDAP 1933 machten diese das, was das einzig richtige in solch einer Situation ist: Arbeitsbeschaffungsprogramme bzw. heutzutage Konjunkturpakete genannt. Die Staaten nahmen Schulden auf und investierten diese selbst. Der Staat trat am Markt als gigantischer Nachfrager auf. Aus der damaligen Zeit ist vor Allem der Bau der Autobahnen bekannt. Dadurch trat das Deutsche Reich als Konsument mit Milliarden Summen auf und beschäftigte so schnell bis zu hunderttausend Personen. Leider ist die Wirtschaftskrise der letzte Auslöser zur Machtergreifung Adolf Hitlers geworden und führte am Ende zu einer der größten humanitären Katastrophen Europas.

Ein auf Krediten basierter starker Konsum brach 1929 zusammen. In Folge dessen zogen US-Investoren große Summen Gelder zusammen, um Geldausgabe und Verbindlichkeiten weiterhin bedienen zu können. Erst brach der Banken-Sektor in den USA und dann die Banken in Europa zusammen. In Folge der kollabierenden Banken fehlte es auch an Kreditvergabe und Geldausgabe. Den Märkten fehlte Liquidität und es kam zu unzähligen Unternehmens-Insolvenzen. Die Gehälter sanken und die Arbeitslosigkeit explodierte. Daraufhin sank der Konsum und mit dem sinkenden Konsum die Industrie-Produktion noch weiter. Ein teuflischer Prozess, der damals die Welt erfasste und nach unten riss.

Die Geschichte der Wall Street

Die Geschichte der Wall Street

wall-street-264381_640Als Europäer Manhattan besiedelten bauten sie einen Wall zum Schutz gegen die eingeborenen Indianer. Heute ist die etwa 1000 Meter lange Wall Street ein Synonym für Kapitalismus und den Finanzmarkt unserer Epoche. Der Begriff Wall Street wird auch für die New York Stock Exchange oder auch NYSE genutzt. Es ist die größte Wertpapierbörse der Welt.

1790 emittierte die damalige US-Regierung Staatsanleihen, um die finanziellen Lasten des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs zu finanzieren. Diese konnten gehandelt werden. Der Handel mit diesen Anleihen nahm immer weiter zu, sodass 24 Broker 1792 mit dem Buttonwood Agreement den Grundstein für die Börse in New York legten. Diese Broker verpflichteten sich für die Kunden an der Börse zu handeln und ein Viertel Prozent des jeweiligen Handels als Kommission einzubehalten. Auch wollten sie sich untereinander bevorzugen. Die Broker machten sich somit zu wichtigen Personen an der Börse. Anfangs fand der Handel mit zwei bis drei Auktionen am Tag in Tavernen statt.

1817 dann wurde das erste Börsenreglement geschrieben und die New York Stock & Exchange Board gegründet, die sich nun in einem eigenen Gebäude an der Wall Street einquartierte. 1835 musste man bereits erfinderisch werden, um den Handel aufrecht zu erhalten, nachdem ein Großbrand in New York über 700 Gebäude zerstörte. Ein Jahr später wurde der Handel mit Aktien auf den Straßen verboten. Bis dahin war es durchaus normal gewesen Passanten auf den Gehwegen Wertpapiere anzubieten. 1837 sahen wir die erste größere Panik an der Börse. Diese entstand durch den Erlass der damaligen US-Regierung, dass bei Landverkäufen kein Papiergeld, sondern nur noch Silber und Gold zugelassen sei. Damit wurde das Drucken von Papiergeld eingeschränkt und am Markt kam es zu fehlender Liquidität. Unternehmen, Bürger und Banken sahen sich in Geldnot. Es folgten sechs Jahre wirtschaftliche Depression mit Pleiten und hoher Arbeitslosigkeit.

Seit 1800 wurden Paniken und Krisen immer häufiger. Grund war der stark steigende Handel und dass sich Unternehmspleiten nun nicht mehr nur auf die Region, sondern auch auf die Börse auswirkten. 1844 dann wurde der Handel weiter modernisiert. Mit den ersten Telegrafen konnten nun auch Händler an der Börse partizipieren, die nicht in New York wohnten. Auch die Weitergabe von Informationen über große Entfernungen vereinfachte sich immens. Mit dem Börsenkrach 1857 wurde die neue kommunikative Vernetzung auch sichtbar. Der Zusammenbruch der Ohio Life Insurance & Trust Company löste erst eine hysterische Panik aus und führte dann zu einer Wirtschaftskrise, die sich mit noch nie gesehener Geschwindigkeit auf der ganzen vernetzten Welt ausbreitete. James Fisk und Jay Gould bescherten der New Yorker Börse dann 1869 den ersten schwarzen Freitag. Damals hatte Gold noch eine große Bedeutung für Wirtschaft und Währung. Die beiden schafften es genügend Gold unter ihre Kontrolle zu bringen, um den Preis steigen und fallen lassen zu können. Die Regierung intervenierte und gab ihre Goldreserven für den offenen Handel frei, um wieder mehr frei handelbares Gold am Markt zu wissen. Daraufhin brach der durch Fisk und Gould getriebene Goldkurs natürlich stark ein.

Die Krisen häuften sich und auch die Werte und Handelsmöglichkeiten wurden immer zahlreicher an der Börse in New York. In panischen und chaotischen Tagen verloren alle schlicht den Überblick. So wurde 1884 durch Charles Dow und seiner Dow Jones & Company der erste US-Index herausgebracht, um einen repräsentativen Überblick über den Markt zu geben. Anfang waren lediglich 11 Werte im Dow Jones gelistet. Seit 1903 nun befindet sich die NYSE an der Wall Street Nummer 1. Der Eingang ist in der 18 Broad Street, einer Querstraße. Der Black Thursday ist der wohl schwerste Börsenkrach der NYSE. Interessant ist, dass der in den USA als schwarzer Donnerstag bekannte Tag auf Grund der Zeitverschiebung bei uns als schwarzer Freitag bekannt ist. In Europa war es schon nach Mitternacht. Vom 3. bis zum 8. September verlor der Dow Jones 89,19 Prozent. In Folge dieses Krachs wurde 1934 die United States Securities and Exchange Comission, kurz SEC, eingeführt. Sie agiert als Börsenaufsicht und kontrolliert die Marktteilnehmer, um illegales Verhalten aufzudecken und zu ahnden.

Mit dem Jahr 1967 möchte ich den schnellen Überblick über die bewegte Geschichte der New Yorker Börse NYSE beenden. In diesem Jahr führte der Polit- und Sozial-Aktivist Abbie Hoffmann eine Gruppe durch das Gebäude, um den Kapitalismus zu präsentieren. Sie warfen Geldscheine von der Galerie herunter auf das Parkett und die Börsenhändler stürzten sich auf den Geldregen. Jeder versuchte das meiste Geld aufzuheben. Der Protest Hoffmanns zeigte metaphorisch die Gier der Händler und das Verhalten des Kapitalismus. Um derartige Aktionen zu verhindern wurden entsprechende Barrieren an der NYSE eingebaut.

An der NYSE werden heutzutage jeden Tag mehrere Milliarden Aktien gehandelt. Mit 7,3 Milliarden gehandelten Aktien ist der 7. Oktober 2008 der Tag mit den meist-gehandelten Aktien der NYSE. Waren 2002 noch 2.783 Unternehmen in New York gelistet so sind es 2008 bereits 3.507 gewesen. Die NYSE boomt und ist auch heute noch Zentrum des globalen Finanzmarktes.

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