Fundamental-Analyse

Eine Sichtweise am Finanzmarkt besagt, dass Unternehmen einen magnifier-424565_640„wahren“, bestimmbaren Wert besitzen. Dieser wird „fair Value“ genannt. Die Bewertung eines Unternehmens an der Börse ist von der Realität gelöst. Mit der fundamentalen Analyse wollen Anleger nun herausfinden, ob das Unternehmen an der Börse zu stark oder zu schwach bewertet ist. Bei dieser Form der Analyse werden fundamentale Daten einer Firma, wie Umsatz, Gewinn oder Cashflow mit der Bewertung durch die Börse verglichen.

Ist der Wert des Unternehmens an der Börse höher als sein wahrer Wert, dann spricht man von einer Übertreibung oder auch Überbewertung. Immer wenn sich Unternehmen in die Bücher schauen lassen (Quartals- oder Jahresberichte), dann wird der Wert des Unternehmens an der Börse wieder dem fair Value angepasst. Die Marktteilnehmer erkennen dann, ob sie das Unternehmen im Vorfeld zu stark oder schwach bewertet hatten. Ist der Kurs je Aktie bzw. der Wert des Konzerns an der Börse niedriger gehandelt als das Unternehmen eigentlich wert ist, dann spricht man von einer Untertreibung oder auch Unterbewertung. Dies wäre ein möglicher Grund Wertpapiere dieses Unternehmens zu kaufen.

Nun kann niemand den Wert eines Unternehmens genau bestimmen und auch den Vergleich mit der Börse kann nicht zuverlässig gestaltet werden. Aus diesem Grund gibt es für die Fundamental-Analyse diverse Kennzahlen und Möglichkeiten Aspekte des Unternehmens mit der Bewertung an der Börse zu vergleichen, um nach Indizien für eine mögliche Über- oder Unterbewertung zu suchen. In dieser Sammlung wollen wir diverse Begriffe der Börse und Begriffe der Fundamental-Analyse erklären. Aber vorher sollten wir noch klären wie eine Über- bzw. Unterbewertung entsteht?

Wie entsteht eine Über- oder Unterbewertung?

Wie entsteht eine Über- oder Unterbewertung?

Unternehmen werden an der Börse bewertet. Da jedoch die wenigsten Menschen 500 Millionen Euro auf dem Konto liegen haben, hat die InsideTrading AG beim Börsengang 10 Millionen Aktien/Wertpapiere emittiert, welche zu einem Wert von 50,00€ je Aktie handelbar sind. Steigt der Wert je Aktie nun um 10 auf 60,00€, dann steigt der Wert bzw. die Bewertung des Unternehmens insgesamt von 500 auf 600 Millionen Euro.

Die Kurse der Aktien an der Börse sind von der Realität losgelöst. Sie orientieren sich nicht am fair Value eines Unternehmens. In diesem Fall würden die Kurse nicht derart volatil (Volatilität = Schwankung) sein, da ein Unternehmen sich meist langsam und beständig entwickelt. Die Kurse an der Börse entstehen durch Angebot und Nachfrage. Es kommt darauf an, was Anleger bereit sind je Aktie zu bezahlen und zu welchem Preis Besitzer der Aktien bereit sind diese zu verkaufen. Gehen nun Gerüchte um, dass die InsideTrading AG in diesem Jahr ein größeres Umsatzplus als erwartet erreichen wird, dann wollen viele Anleger eine Aktie des Unternehmens kaufen und sind auch bereit nun etwas mehr dafür zu zahlen. Die Besitzer der Aktien freuen sich nun diese mit Gewinn verkaufen zu können und lassen sich die durch das Gerücht scheinbar bessere Situation des Unternehmens entsprechend vergüten. Der Preis je Aktie steigt von 50€ auf 60€ und dann auf 70,00€. Das hat jedoch nichts mit der Realität zu tun. Irrationale oder psychologische Einflüsse haben ein großes Gewicht an der Börse. Nicht jede Entwicklung eines Kurses ist logisch nachvollziehbar.

Die Anleger wetten auf die Zukunft. Sie wetten auf gute oder schlechte Unternehmen, auf ein besonders starkes oder moderates Umsatzplus. Diese Wetten gehen nicht immer auf. Mal bewerten Anleger ein Unternehmen zu hoch, weil sie zu optimistisch sind. In diesem Fall wäre das Unternehmen überbewertet. Wenn die InsideTrading AG nun ihren Jahresbericht veröffentlicht und der Umsatz zwar wächst, aber nicht so stark wie erwartet, dann ist aus dieser Erwartung eine Überbewertung geworden. Der Kurs entspricht nicht mehr den fundamentalen Daten der Aktiengesellschaft. Anleger verkaufen daraufhin vielleicht und der Kurs fällt um rund 15% zurück auf 60,00€ je Aktie.

Natürlich kann ein Unternehmen auch unterbewertet worden sein. Die Anleger erwarteten weniger als das Unternehmen darauf lieferte. Die Anleger dachten, dass die InsideTrading AG Verluste machen wird. Stattdessen erreichte diese ein gutes Umsatzplus. Zuvor war der Kurs wegen der pessimistischen Erwartung auf 40,00€ gefallen. Das entspricht nun ebenfalls nicht mehr der Realität und muss nach oben hin angepasst werden.

Der Börsen-Experte André Kostolany beschrieb diesen Vorgang so: Die Börse ist wie ein Hund, der die Bewertung darstellt, und seinem Herrchen, das das Unternehmen darstellt. Der Hund rennt eifrig voraus. Im Zick Zack-Kurs Mal hier hin und Mal dort hin. Irgendwann dreht sich der Hund jedoch um und sieht, dass er bereits relativ weit weg ist von seinem Herrchen und rennt daraufhin zurück. Und so kreist der Kurs bzw. der Hund immer um sein Herrchen. Mal ist das Unternehmen über– und dann wieder unterbewertet.

Die wichtigsten Begrifflichkeiten der Fundamentalanalyse:

WKN

WKN

Die Wertpapier-Kenn-Nummer, kurz WKN (selten auch WPKN oder WPK), ist eine sechsstellige Kombination aus Ziffern und Buchstaben, um ein Finanzinstrument eindeutig zuordnen und finden zu können. Sie wird in dieser Form in Deutschland verwendet.

Schreibt man drei Nullen vor die WKN, dann erhält man die National Securities Identifying Number (NSIN), welche ebenfalls das Finanzprodukt beschreibt.

ISIN

ISIN

Mit der zunehmenden Vernetzung und Technologisierung der Weltgemeinschaft wurde die International Securities Identification Number, kurz ISIN, als Kennung für Finanzprodukte eingeführt. Sie ist eine zwölfstellige Kombination aus Buchstaben und Zahlen.

Stamm- und Vorzugsaktie

Stamm- und Vorzugsaktie

Die Stamm-Aktie ist die allgemeine, normale Aktie des Unternehmens. Besitzer dieser Aktie können sie handeln, erhalten eventuell Dividende und haben auf der Hauptversammlung des Unternehmens Stimmrecht. Je mehr Aktien man besitzt, umso größer ist das Stimmrecht. Dies ist vor Allem für vermögende Investoren, Banken und Fonds interessant, welche über das Stimmrecht über das Unternehmen mitbestimmen wollen. Für Kleinanleger kommt dies nicht in Frage. Um beispielsweise 10% Anteil an der InsideTrading AG zu erlangen, müssten eine Million Aktien mit einem Wert von 50 Millionen Euro gekauft werden.

Unternehmen emittieren manchmal jedoch auch Vorzugsaktien. Einerseits um die Anleger zu locken auch die neu emittierten Aktien zu kaufen, andererseits haben Inhaber von Vorzugsaktien, zumindest in Deutschland, meist kein Stimmrecht. Sie erhalten jedoch eventuell eine höhere Dividende und werden im Falle der Insolvenz des Unternehmens bevorzugt behandelt. Je nach Unternehmen sind die Vorzüge unterschiedlich.

Kleinanleger können eigentlich auf das Stimmrecht verzichten. Sie setzen zu wenig Kapital ein, um eine gewichtige Stimme zu erlangen. Die Vorzüge durch Vorzugsaktien können hierbei für Kleinanleger sehr interessant sein.

Brief- & Geld-Kurs

Brief- & Geld-Kurs

Die meisten Finanz-Seiten geben Brief- und Geld-Kurs an. Doch was ist das? Warum gibt es plötzlich zwei Kurse? Um zu beruhigen: Unternehmen haben weiterhin einen Aktien-Kurs.

Der Geld-Kurs gibt an, was Anleger, welche die Aktie noch nicht besitzen, bereit sind für eine Aktie zu zahlen. Eselsbrücke: Der Geld-Kurs gibt an, wie viel Geld Nicht-Besitzer des Wertpapiers bereit sind zu zahlen. Dies beschreibt die Nachfrageseite.

Der Brief-Kurs visualisiert, was Anleger, welche die Aktie besitzen, bei einem Verkauf dieser gerne bekommen würden. Eselsbrücke: Der Brief-Kurs gibt an, zu welchem Preis Besitzer der Aktie diese verkaufen würden. Sie haben das verbriefte Recht einen Preis zu fordern.

Der Brief-Kurs ist meist höher als der Geld-Kurs, da Besitzer viel verdienen und Nicht-Besitzer möglichst billig einkaufen wollen. Ein Spread, also die Differenz zwischen Brief- und Geldkurs, über 2% ist nicht unnormal. Besonders große Differenzen weisen jedoch auf eine Aktie mit wenig Liquidität hin.

Liquide Aktien

Liquide Aktien

Bei den größten Unternehmen der großen Volkswirtschaften kann man jederzeit Aktien kaufen und verkaufen. Es gibt immer Käufer und Verkäufer. Diese Aktie sind liquide. Schnell kann der Anleger Wertpapiere zu Geld umwandeln. Bei anderen Unternehmen kann ein Kauf oder, noch schlimmer, ein Verkauf problematisch sein, da es keinen Nachfrager oder Anbieter gibt. Diese Aktien gelten als wenig liquide. Der Handel dieser Aktie erzeugt wenig Umsatz. Kauf und Verkauf können schwierig werden und eine Weile dauern.

Global-Analyse

Global-Analyse

Hat man ein Objekt der Begierde oder mehrere gefunden, so ist es von Nöten eine globale Analyse vorwegzunehmen. Man sollte nicht sofort im Detail einsteigen und das Unternehmen auseinandernehmen. Ein Blick von oben ist hilfreich – aus dem globalen Blickwinkel langsam in das Unternehmen einarbeiten. Bei der Global-Analyse betrachten wir volkswirtschaftliche Einflüsse auf diverse Unternehmen und Branchen. Unternehmen gleicher Produktklassen können durchaus unterschiedlich zu bewerten sein. Ein schnell analysierter Einfluss ist beispielsweise der Wechselkurs der Währung. Ist die Währung stark und leiden darunter exportorientierte Unternehmen oder haben sie durch eine weiche Währung einen Vorteil?

Bei der globalen Betrachtung wollen wir Unternehmen mit einem attraktiven Standort und positiven volkswirtschaftlichen Einflüssen finden. Zu betrachten sind unter anderem der Wechselkurs und die Inflation eines Landes. Auch ob das Land konsum- oder export-orientiert ist und wie das Unternehmen dementsprechend aufgestellt ist, sind wichtige Faktoren. Für viele Unternehmen ist auch der Preis an den Rohstoffmärkten wichtig.

Branchen Analyse

Branchen Analyse

Nachdem das Unternehmen unserer Wahl im globalen und volkswirtschaftlichen Kontext betrachtet und als weiterhin interessant befunden worden ist, schauen wir uns dieses in Relation zur Branche an. Hierbei wird analysiert, wie das Unternehmen im Vergleich zu Konkurrenten aufgestellt ist.

Welche Konkurrenten gibt es? Welche Marktanteile sind erreicht worden? Gibt es viele neue Start Ups und Investoren oder ziehen sich diese zurück? Welche politischen Einflüsse gibt es?

Jedes Unternehmen muss sich am Markt durchsetzen – gegen Konkurrenten und mit politischen, persönlichen und geopolitischen Einflüssen. Diese sollte man beobachten und analysieren. Eventuell ist die Lage des Unternehmens doch nicht so gut wie gedacht? Gibt es Konkurrenten, die attraktiver erscheinen?

Quantitative und qualitative Unternehmensanalyse

Quantitative und qualitative Unternehmensanalyse

Wir haben nun ein immer besseres Bild von dem Unternehmen. Wir können es in den volkswirtschaftlichen Kontext und die Branche einordnen und dementsprechend bewerten. Nun gehen wir in die schlussendliche Analyse des Unternehmens über. Die eigentliche Unternehmensanalyse. Hierbei gibt es eine qualitative und eine quantitative Vorgehensweise.

Bei der qualitativen Unternehmensanalyse werden subjektive Faktoren betrachtet, welche schwer in Zahlen und Werte zu fassen sind und eher von der persönlichen Bewertung des Betrachters abhängen. Dinge, wie das Konzept und Vorgehen der Firma oder auch das Verhalten des Geschäftsführers werden durchdacht. Ist das Unternehmen materiell, konzeptionell und personell gut aufgestellt? Bewertet der Anleger das Unternehmen an sich als attraktiv und zukünftig schlagkräftig?

Die quantitative Unternehmensanalyse dagegen basiert auf Zahlen, Daten und Werten, welche gesammelt, betrachtet, analysiert und verglichen werden. Hierbei analysiert der Anleger zu guter Letzt die Bilanz des Unternehmens und die Kennzahlen. Welche Kennzahlen es gibt und was sie bedeuten, möchte ich im Folgenden erklären.

Die wichtigsten Kennzahlen der Fundamentalanalyse:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Das KGV (Englisch: Price-Earnings-Ratio) ist die wohl meist genutzte Kennzahl. Jeder Anleger checkt immer wieder das Verhältnis von Kurs und Gewinn der Branche. Hierbei wird der aktuelle Kurs durch den Gewinn je Aktie dividiert:

Aktienkurs / Gewinn je Aktie = KGV

Die Logik des KGV: Der Aktionär kauft sich einen Anteil am Unternehmen, wenn er ein Wertpapier besitzt. Theoretisch würde ihm ein Anteil am Gewinn zustehen. Teilt man also den Gewinn des Unternehmens durch die Anzahl der Aktien, dann weiß man, wie viel Gewinn auf je eine Aktie entfällt. Verglichen zum Kurs kann der Anleger nun erfahren, wie viele Jahre es brauchen würde mit dem Gewinn je Aktie den Aktienkurs zu erwirtschaften. Die Faustregel lautet hierbei, dass bis 10 Jahre (also ein KGV von 10) gut ist, bis 20 okay ist und ab 30 von der Aktie abzuraten ist. Das KGV dient dazu, die Rentabilität in Form des Gewinns des Unternehmens mit der aktuellen Bewertung zu vergleichen.

Das KGV stößt jedoch schnell an seine Grenzen. Besondere Einflüsse und Effekte können es verzerren. Macht ein Unternehmen Verlust, so ist das KGV beispielsweise im Minus. Auch weisen viele Unternehmen ein extrem hohes KGV von bis zu über 100 auf, wenn diese viel investieren. Der Kurs bzw. die Bewertung orientiert sich am Umsatz und am Konzept. Der Gewinn ist dagegen relativ klein. So können hohe KGVs entstehen, obwohl das Unternehmen gut aufgestellt ist. Man sollte also für einen Kauf nicht ausschließlich diese Kennzahl zu Rate ziehen. Man sollte generell nie nur einen Faktor zur Kaufentscheidung nutzen und immer vielseitig analysieren.

Man sollte sich nicht nur an der Faustregel orientieren, sondern einen Branchenvergleich machen. Liegt das KGV der Unternehmen einer Branche im Durchschnitt bei 30, so wäre ein Unternehmen dieser Branche mit einem KGV von 20 nach der Faustregel stark, aber nach dem Branchenvergleich günstig bewertet. Wie beschrieben, können Einflüsse einer Branche das KGV dementsprechend beeinflussen. Die Branchendurchschnitte lassen sich meist via Google finden oder man schaut sich einige konkurrierende Unternehmen als Vergleichsobjekte an.

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV)

Die Berechnung des KCV und die Logik dessen basiert auf dem gleichen Prinzip, wie die des KGVs. In diesem Fall ist jedoch nicht der Gewinn je Aktie, sondern der Cashflow je Aktie entscheidend.

Der Cashflow beschreibt den Zufluss an liquiden Mitteln. Ein Unternehmen macht Umsatz. Grob gesagt: Es nimmt Geld ein. Genauer gesagt: Das Unternehmen hat zahlungswirksame Erträge. Das sind Erträge aus dem gewerblichen Geschäft (Einnahmen, Zinsen, Subventionen, …). Von diesen Erträgen werden nun die zahlungswirksamen Aufwendungen, wie Material, Löhne, Steuern und andere Dinge abgezogen. Zahlungswirksam sind alle Dinge, welche den Bestand der Bar- und Zahlungsmittel verändern. Nicht eingerechnet werden also Rückstellungen und Abschreibungen. Der Cashflow ist eine wichtige Variabel. Er zeigt die innere Finanzierungskraft und den Zufluss liquider Mittel auf.

Das KCV sollte immer mit dem KGV verglichen werden. Das KGV ist anfällig für besondere Einflüsse oder auch Manipulationen. Vor allem über Rückstellungen und Abschreibungen kann der Gewinn eines Unternehmens beeinflusst werden. Solche auf dem Ermessen der Unternehmen basierenden Dinge fließen nicht in das KCV ein. Auch ist das KCV international besser nutzbar, da der Cashflow weltweit nahezu gleich, aber der Gewinn in jedem Land anders berechnet wird. Das KCV ist weniger anfällig für Manipulationen.

Liegen das KCV und KGV weit auseinander, so ist davon auszugehen, dass es starke bilanzielle Einflüsse beim Unternehmen gibt. Hierbei sollte man dann Gründe suchen und die Bilanzen prüfen. Wie man eine Bilanz liest, haben wir dir hier erklärt.

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV)

Der KUV ist eine weitere Kennzahl, welche uns helfen soll die wirtschaftliche Kraft mit der Bewertung des Unternehmens an der Börse zu vergleichen. Das KUV wird weniger genutzt, da es nicht die größte Aussagekraft besitzt. Hierbei wird der gesamte Umsatz beachtet. Der Umsatz je Aktie wird mit dem Kurs verglichen. Hierbei werden nur die Einnahmen beachtet. Kosten werden nicht vom Umsatz abgezogen. Die Rentabilität des Unternehmens spielt daher keine Rolle.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)

Die Market-to-Book-Ratio vergleicht den Aktienkurs mit dem Buchwert eines Unternehmens. Der Buchwert errechnet sich aus der Summe aller Vermögensgegenstände (Aktiva) minus der Verbindlichkeiten des Unternehmens (Passiva) und minus der immateriellen Vermögensgegenstände (z.B. Patente). Das Ergebnis, also der Buchwert, ist die Summe, welche auf Anteilseigner entfällt, wenn man alle materiellen Besitztümer des Unternehmens verkauft hätte. Dies wird vor allem bei einer Insolvenz eines Unternehmens wichtig.

Teilt man nun den Aktienkurs durch den Buchwert je Aktie, so erhält man das KBV. Ein Wert über 1 deutet darauf hin, dass das Unternehmen höher als seine Substanz (Buchwert) bewertet wird. Dies ist jedoch nicht mit einer Überbewertung gleichzusetzen. Das KBV hat generell wenig Aussagekraft bezüglich einer Über- und Unterbewertung. Auch ist das KBV anfällig für Verzerrungen. Anleger bewerten Unternehmen oft auch nach zukünftigen Umsätzen, nach dem Konzept, den Personalien oder potentiell lukrativen Patentrechten. Das Unternehmen wird daraufhin stärker bewertet. Ein Wert über 1 ergibt sich. Das KBV sollte also immer nur in Einklang mit anderen Kennzahlen herangezogen werden.

Auch ein KBV unter 1 deutet nicht unbedingt auf ein billig bewertetes Unternehmen hin. Beispielsweise könnte das Unternehmen Verluste angekündigt haben, welche jedoch noch nicht in die Bilanz bzw. den Buchwert eingeflossen sind. Der Aktienkurs sinkt, aber der Buchwert nicht und eine Bewertung unter 1 kann täuschend wirken. Ist das Unternehmen jedoch gut aufgestellt, rentabel und hat ein gutes KGV, dann kann ein KBV unter eins auf eine billige Bewertung hinweisen.

Ergebnis je Aktie

Ergebnis je Aktie

Das Ergebnis je Aktie oder auch der Gewinn je Aktie (earnings per share auf Englisch bzw. EPS in Kurzform) ist die Umrechnung des Gewinns des jeweiligen Unternehmens auf die Anzahl der Aktien. Jeder Anleger hat mit jeder Aktie einen Anteil am Unternehmen erworben. Der Gewinn je Aktie zeigt auf, wie viel Gewinn auf je ein Wertpapier entfällt. Diese Kennzahl dient der Bewertung des Unternehmens. Der Gewinn je Aktie sollte Jahr für Jahr steigen.

Bei der Bewertung des Unternehmens ist jedoch ein Blick in die Bilanz (hier erklären wir, wie man eine Bilanz liest) zu empfehlen. Der Gewinn als Summe über die Jahre hinweg sagt mehr aus, als der Gewinn je Aktie. Dieser kann durch Rückkäufe von Aktien durch das jeweilige Unternehmens beeinflusst bzw. manipuliert werden. Beispiel:

Die Inside Trading AG macht 2018 einen Gewinn in Höhe von 100 Millionen Euro. Am Markt befinden sich 60 Millionen Aktien. Sie erreicht somit einen Gewinn je Aktie in Höhe von 1,67€ je Wertpapier. Ein Jahr später, 2019, macht das Unternehmen nur noch 90 Millionen Euro Gewinn (-10%). Inside Trading hat jedoch Kredite aufgenommen und 10 Millionen Aktien zurückgekauft und dem Markt entzogen. So stehen dem kleineren Gewinn weniger Aktien (50 Millionen) gegenüber. Der Gewinn ist eigentlich gesunken. Anleger, welche sich jedoch nur auf das „Ergebnis je Aktie“ verlassen, denken, dass der Gewinn gestiegen ist. Von 1,67€ auf 1,80€. Kennzahlen geben eine erste Übersicht, es sollte jedoch immer ein Blick in die Bilanz folgen.

Dividende

Dividende

Die Dividende ist ein Teil des Gewinns, welcher an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Die Dividende wird vom Unternehmen vorgeschlagen und von der Hauptversammlung beschlossen. Der auszuschüttende Betrag wird hierbei auf die Anzahl der Aktien verteilt. Die Inside Trading AG macht 100 Millionen Euro Gewinn und schüttet 50 Millionen Euro aus. Die Dividende beträgt somit 0,83€ je Aktie.

Die Dividendenpolitik ist für Unternehmen wichtig. Mit der Dividende werden die Aktionäre zufriedengestellt und auch angelockt. Die Loyalität kann so erkauft werden. Große Pensionsfonds und Groß-Aktionäre, welche den Kurs stützen, bleiben oftmals wegen der attraktiven Dividende trotz Problemen einem Unternehmen treu.

Generell gilt, dass ein Unternehmen den Betrag des Gewinns ausschüttet, den es nicht für Investitionen, Zinsen oder Tilgungen benötigt. Junge Unternehmen schütten wegen des hohen Bedarfs von Investitionen beispielsweise meist keine Dividende aus. Das ist auch im Interesse der Aktionäre, welche wollen, dass sich das Unternehmen entwickelt.

Viele Anleger verfolgen eine Dividenden-Strategie. Sie investieren und interessieren sich nicht für den Kurs, sondern wollen über 10, 20 oder 30 Jahre die Dividende kassieren, welche wie eine Verzinsung zu verstehen ist. Unternehmen mit einer zuverlässigen Dividenden-Zahlung erfreuen sich deswegen treuer Aktionäre.

Dividenden-Rendite

Dividenden-Rendite

In diesem Fall wird die Dividende durch den Kurs geteilt und Mal 100 gerechnet, um die prozentuale Dividenden-Rendite zu ermitteln. Hierbei wird ermittelt, wie hoch die „Verzinsung“ je Wertpapier ist. Der Kurs der Inside Trading AG steht bei 9,90€. Die Dividende beträgt 0,83€ je Aktie. Die Dividenden-Rendite liegt somit bei 8,4%. Wer 9,90€ investiert, kann sich im Jahr über einen Zuwachs dieses Betrages in Höhe von 8,4% erfreuen, wenn man von einem konstanten Kurs ausgeht.

Die Dividenden-Rendite kann attraktiv sein, wenn ein Unternehmen die Dividende erhöht, mehr Gewinn macht oder der Kurs sinkt. Sinkt der Kurs, so ist die Rendite je Wertpapier attraktiver.

PEG-Ratio

PEG-Ratio

Das „Price-Earning-Growth“ (PEG oder auch P/E) ist eine wenig bekannte und doch extrem nützliche Kennzahl. Im Deutschen kennen wir diese Kennzahl als Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis. Wir haben ja bereits gelernt, was das KGV darstellt. Der Kurs wird mit dem Gewinn in Relation gesetzt. Wie beschrieben, hat das KGV jedoch auch Schwächen. Mit dem PEG kann man das KGV aus einer neuen Sichtweise betrachten:

Beim PEG wird das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinn-Wachstum gesetzt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) wird zum Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis (PEG). Die Berechnung ist wie folgt: Das KGV wird durch das zu erwartende prozentuale Gewinn-Wachstum geteilt.

Die Inside Trading AG macht 1,67€ Gewinn je Aktie und der Kurs steht bei 9,90€. Das KGV beträgt somit 5,9. Analysten erwarten in den kommenden Jahren 10%, 12% und 8% Gewinnwachstum. Im Durchschnitt sind dies 10% Wachstum des Gewinns im Jahr. Der PEG-Ratio liegt somit bei 0,59. Was sagt uns diese Zahl?

Ein Wert in Höhe von „1“ beschreibt, dass das Unternehmen fair bewertet ist. Die Bewertung des Unternehmens (Kurs zu Gewinn, KGV) stimmt mit der Aussicht für die nächsten Jahre stimmig überein. Ein Wert unter „1“ beschreibt eine Unterbewertung. Ein Wert über „1“ dagegen eine Überbewertung.

Hinweis: Ist das KGV bereits verzerrt, so wirkt sich dies auch auf das PEG aus. Diese Kennzahl ermöglicht aber einen Vergleich der aktuellen Bewertung mit den kommenden Jahren. Jedoch ist man hierbei von den möglichst zutreffenden Erwartungen der Analysten bezüglich des Gewinnwachstums abhängig.

Marktkapitalisierung

Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung (Englisch: market capitalisation oder kurz: market cap) bezeichnet den Wert des Unternehmens, welches an der Börse gehandelt wird. Hierbei wird die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien mit dem Kurs je Aktie multipliziert. Die Inside Trading AG hat 60 Millionen Aktien im Umlauf und der Kurs steht bei 9,90€ je Wertpapier. Die Inside Trading AG ist somit 594 Millionen Euro wert. Die Aktien, welche das Unternehmen selbst hält, werden nicht beachtet.

Streubesitz

Streubesitz

Der Streubesitz bezeichnet die frei handelbaren Aktien. 60 Millionen Aktien der Inside Trading AG sind am Markt. Der Streubesitz dessen beträgt 25%. 15 Millionen Aktien (25%) sind frei handelbar. 45 Millionen Aktien dagegen befinden sich im Besitz von Großaktionären wie Pensions-Fonds. Diese können Aktien zwar auch verkaufen, tun dies jedoch relativ selten. Die Aktien sind dem freien Handel meist für Jahre oder Jahrzehnte entzogen und liegen beim Besitzer im Tresor.

Ein großer prozentualer Streubesitz weist auf eine hohe Liquidität im Handel hin: Es sind viele Aktien verfügbar und handelbar. Es gibt viele Anbieter und Nachfrager. Ein hoher Streubesitz deutet jedoch auch auf einen volatilen Kurs hin, da viele Käufe und Verkäufe den Kurs bewegen. Ein niedriger Streubesitz führt zu einer Marktenge. Der Kurs wird durch einen kleineren Anteil gehandelter Aktien stabilisiert. Die Liquidität im Handel ist jedoch auch geringer, da weniger Aktien frei gehandelt werden.

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