September zog ins Weihnachtsland,
als Niklas auf dem Marktplatz stand,
den Schlitten voll mit leeren Säcken,
um sich – vielleicht – schon einzudecken.
Haushalt gekürzt, erstmals seit Jahren,
der liebe Gott zwingt ihn zum Sparen.
Und das ist unsrem Nikolaus,
man mag’s verstehn, ein arger Graus

Somit wird das Niveau der Preise
entscheidend für die Einkaufsreise.
Ein Blick aufs Rohstoffkurstableau
stimmt Rauschebart dann doch noch froh.
Er ruft herbei den treuen Knecht:
„Die Baisse kommt mir gerade recht:
Ob Apfel, Nuss, ob Mandelkern –
geht’s weiter abwärts, kauf ich gern.“

Doch Ruprecht drängt, gleich einzusteigen,
speziell bei Schoko, Obst und Feigen.
Dann könnte man trotz Geldes Enge
im Preistief kaufen gleiche Menge.
Der Niklas hat das Geld vom Alten
in diesem Jahr schon früh erhalten,
weil Inflation prognostiziert,
die dann den Geldwert reduziert.

Knecht Ruprecht, der die Börse kennt,
zitiert den Spruch vom Trend als Friend.
Und mahnt, mit Geld jetzt nicht zu spielen,
sondern die Säcke voll zu füllen.
Das leuchtet Nikolaus zwar ein,
doch scheint ihm wichtiger zu sein
das Kapital noch aufzustocken,
und schaut, wo Kursgewinne locken.

Ganz „bulllish“, so glaubt Santa Claus,
sieht es am Aktienmarkt nun aus.
Der Dax ist das Investment wert
und wird steil steigen, wie man hört.
Noch tiefer kann der Markt nicht sinken,
so dass schon bald Gewinne winken.
Statt Süßigkeiten und Gebäck,
geht’s Geld für deutsche Aktien weg.

Dezember zieht ins Weihnachtsland
als Niklas auf dem Marktplatz stand,
den Schlitten voll mit leeren Säcken,
um sich – nun endlich – einzudecken.
Doch was geschah? Statt Kaufgenuss
ein folgenschwerer Kursverdruss:
Die Börsenstimmung war konträr,
das traf den Niko pekuniär.

Dies Vierteljahr war nicht sein Freund,
Knecht Ruprecht dreht sich um und weint,
weil die Rendite ausgeblieben,
stattdessen wird jetzt abgeschrieben
auf Dow und Dax und Commerzbank.
Zwar ist der Santa noch nicht blank,
doch hat er wirklich Schwierigkeiten,
zu finanziern die Süßigkeiten.

Da meldet sich zu Wort der Alte.
Aus einer hellen Wolkenspalte
dringt tiefer Bass, sonor und klar,
und fragt das himmlisch Botenpaar:
„Ich hatte Euch viel Geld vertraut,
wieso ist das jetzt abgebaut?
Hat Euch die Börse gar verführt,
habt Ihr Euch dann verspekuliert?“

Verlegen legt der Niklas dar,
warum gerad‘ in diesem Jahr,
der Einkauf sei besonderes miese:
Schuld trage nur die Euro-Krise.
So klagt er: „Solche Turbulenzen,
die setzen dem Strategen Grenzen.
Statt Obst und Nüsse anzuhäufen,
versuchte ich’s mit Aktienkäufen.“

Der Herrgott hatte dies gewittert
und spricht nun tröstend, nicht verbittert:
„Im nächsten Jahr, da kauf‘ ich ein.
Du machst den Börsenführerschein!
Dabei wird man auch Dir verraten
die Strategien mit Derivaten.
Denn mit dem Einsatz von Optionen
kannst Du ganz leicht das Budget schonen.“

Dann nimmt der Vater kurzerhand
den Niklas mit ins Himmelsland –
nur zu Besuch, um dort ganz oben
zu zeigen wie der Fall behoben:
Bald rattern Gottes Druckmaschinen
für Vollmilch, Nuss und Apfelsinen.
So wird des Geldes Produktion
zu einer göttlichen Option!

Ein Gedicht von: Hermann Kutzer

http://www.boerse.de/Hermann-Kutzer/zur-Person

Quelle: http://www.boerse.de/geldanlage/Weihnachtsgedicht-Boersen-Vom-spekulativen-Nikolaus/6961417