Wenn Jugendliche heutzutage in der Schule etwas über die napoleonischen Kriege und die Schlacht bei Waterloo lernen, dann wissen sie nicht, dass diese Geschehnisse stark beeinflusst worden sind durch Börsen und Wertpapiere. Wenn Schüler etwas über Kolonien, Kolumbus und die Niederlande lernen, dann erfahren sie nicht, dass dies alles nur dank der Börsen und Wertpapiere möglich war. Seit rund 800 Jahren ist die Börse und der Handel von Wertpapieren elementarer Bestandteil unserer Existenz und des heutzutage erreichten Wohlstandes. Jeder von uns hat direkt oder indirekt etwas mit der Börse zu tun. Doch wie ist diese eigentlich entstanden?

Es gibt zahlreiche Formen der Börse. In der allgemeinen Definition handelt es sich bei einer Börse um einen nach bestimmten Regeln organisierten Marktplatz, an dem Händler vertretbare Dinge handeln. Was sind vertretbare Dinge? Hierbei handelt es sich um handelbare Waren, welche sich untereinander nicht oder nur geringfügig unterscheiden. Dies ist elementarer Bestandteil einer Börse. Gehandelt werden so Wertpapiere, Rohstoffe, CO2-Zertifikate und viele weitere vertretbare Dinge. Doch was heutzutage unseren Wohlstand mitbegründet, unser Wirtschaftssystem mit Liquidität versorgt und Billionenwerte verschiebt, Vermögen bildet und vernichtet, hat damals klein angefangen.

Über den Begriff „Börse“ gibt es diverse Theorien. Man kann den Begriff auf das mittelalterliche Wort „bursa“ zurückführen, welches eine Tasche aus Leder für die Aufbewahrung von Geld beschrieb. Dieses Wort fand dann auch im Familien-Namen der Kaufmannsfamilie „van der Beurse“ aus Antwerpen (nicht in Brügge, wie oftmals behauptet) seinen Platz. Diese Familie besaß auch im Wappen drei Geldbeutel. Das aus dem Familien-Namen abgeleitete Wort „Beurse“ etablierte sich daraufhin in vielen Ländern, nachdem diese Familie begann geschäftliche Treffen in Form einer frühen Börse in ihren Häusern abzuhalten. Dies ist die wahrscheinlich bekannteste Version der Entstehung des Namens “Börse” für die Marktplätze von Finanzprodukten.

Der Bedarf an Finanzprodukten bestand bereits vor vielen tausenden Jahren. Ökonomische Vorgänge konnten so präzisiert und vereinfacht werden. Die ältesten Finanzprodukte sind derzeit von vor rund 4.000 Jahren bekannt. Circa 2.000 vor Christus handelten bereits die Babylonier mit Krediten und Future-Zertifikaten. Auf Tontafeln wurden Schulden festgeschrieben und Preise für die Ernte des nächsten Sommers vereinbart. Doch hierbei handelte es sich mehr um Handelsbeziehungen zwischen zwei Personen oder kleinen Gruppen statt zentrierten Marktplätzen, welche man als Börse verstehen könnte. Mit bedeutenden Innovationen und zunehmender Entwicklung der Gesellschaft, wie im römischen Reich, wurde der Handel intensiviert. Um 1200 sind die ersten börsennahen Handelsplätze in Handelszentren, wie Genua, Florenz, Lucca oder Venedig bekannt. Hier trafen Geldwechsler, Banker, Vermögende, Händler und Kaufleute zusammen. 1.111 ist die erste geregelte regelmäßige Versammlung einer Tausch-Börse in Lucca bekannt. Die „Banca di San Georgio“ in Genua gilt als die erste einer Aktiengesellschaft ähnlichen Firma der Weltgeschichte. Sie emittierte verzinste Obligationen zur Deckung der Staatsschulden der Republik Genuas und machte Anleger bereits 1419 zu Anteilseignern. Mit wachsendem Umsatz und wachsender Teilnehmeranzahl wurden aus den lockeren Zusammenkünften dann geregelte Marktplätze. Mit dem Bau eines eigenen Gebäudes für die Händler in Antwerpen 1531 verbindet man die erste offizielle Gründung einer Börse. Seit 1531 wurde die Börse zunehmend wichtiger, als Händler, Staaten und Bürger das Potential dieser erkannten. Handelte man 1511 noch Getreide-Futures, also Wetten auf den Getreidepreis im kommenden Jahr, so fanden bereits 1532 Anleihen Einzug in die junge Finanzwelt. 1566 errichtete London eine Börse, 1582 Sevilla und 1608 Amsterdam.

Nutzten Händler zuvor Börsen als Marktplätze des Handels, so entwickelten gewitzte Geschäftsleute die Börse stetig weiter. Das Potential der immensen Finanzierungskraft dieses System wurde immer mehr Personen bewusst und die Börse war nicht mehr wegzudenken aus der Gesellschaft. Die immer größer und technisch fortschrittlicher werdende europäische Gesellschaft hungerte nach Errungenschaften, Rohstoffen und Luxus. Der Handel wurde immer größer. Die Anzahl der Handelsschiffe nahm zu. Straßen, Städte und Konsum stiegen stetig. Schnell konnten die vielen Menschen in Europa nicht mehr allein durch Europa ernährt und in ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Doch der Übersee-Handel war eine teure und riskante Angelegenheit. Monate der Vorbereitung, zahlreiche Schiffe, tausende Menschen und mindestens ein halbes Jahr Reise ließen die Kosten für den Handel mit Amerika, Afrika und Asien explodieren. Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus 1492 verfiel Europa in den Rausch der Expeditionen. Es war ein Wettlauf der Nationen um die besten und ertragreichsten Ländereien der fernen und neuen Welt. Doch wer konnte sich solche Konvois leisten? Wer besaß diese damals extrem großen Vermögen zur Finanzierung der Überfahrten? Zumal die Risiken des Investments durch Piraten, Stürme und Krankheiten hoch waren. Bis 1600 waren Übersee-Fahrten einzelne Ereignisse. Immer wieder steckten Handels-Familien ihr gesamtes Vermögen in eine Expedition und wurden so unermesslich reich oder verloren alles.

Mit der Erfindung der Aktiengesellschaft und der stetigen Entwicklung der Funktionsweise und Stärke der Börse war es möglich die Kolonisierung der Welt zu finanzieren. 1602 schlossen sich die niederländischen Kaufleute der Seefahrt zur Ostindien-Kompanie zusammen, um effizienter zu arbeiten und aus Einzelfahrten ein routiniertes Seefahrts-Geschäft zu entwickeln. Die Niederlande, bereits technisch den anderen europäischen Nationen auf See überlegen, wollte so die Dominanz in Afrika und Asien ausbauen. Neu war, dass Anleger nun nicht auf einzelne Schiffsladungen spekulierten indem sie vorher eine Summe bereitstellten und hofften durch die Waren des zurückkehrenden Schiffs am Ende mehr zu verdienen. Die Ostindien-Kompanie emittierte verzinste Aktien mit einer Laufzeit von 10 Jahren. So konnte sie sich einen sicheren Kapitalstock verschaffen. Umgerechnet auf heutige Verhältnisse sammelte die Kompanie so rund 100 Millionen Euro ein. Die Anleger selbst gierten nach Informationen. Erreichten die Niederlande Nachrichten von erfolgreichen und gewinnbringenden Expeditionen oder gewonnen und eroberten Kolonien, so konnten Besitzer der Aktien diese teuer weiterverkaufen. Der Preis je Aktie stieg. Negative Nachrichten von Stürmen, Niederlagen oder Misserfolgen stachelten jedoch Angst, Panik und Verkaufswellen zu niedrigen Preisen an. Die Börse in ihrer Form entstand. Mit den neuen Möglichkeiten der Finanzierung konnten Unternehmen und Staaten gigantische, zuvor undenkbare, Projekte angehen und umsetzen.

Im zweiten Teil dieses Artikels möchte ich die Geschichte der Börse ab etwa 1700 beschreiben. Die erste Blase der Welt, die erste Finanzkrise eines Staates, Goldstandart, Kriege und die Entstehung vieler neuer Finanzinstrumente.

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