Höfgen: Das Jahr 2015 konnte der Markt bzw. der DAX nach reichhaltigem Hin und Her am Ende doch noch moderat mit einem Zugewinn von rund 10% abschließen. Das Jahr 2016 dagegen startete so schlecht wie seit 25 Jahren nicht mehr. Ist dies ein Signal? Wird 2016 das Jahr der Bären?

Jessica Schwarzer: Der Jahresstart ist in der Tat kräftig daneben gegangen. Jetzt schon das Jahr des Bären oder gleich einen jahrelangen Bärenmarkt auszurufen, halte ich für verfrüht. Die kritischen Stimmen mehren sich, klar. Blackrock-Chef Larry Fink warnte beispielsweise im Handelsblatt-Interview, dass die Krise an den Finanzmärkten weitergeht. Es gibt aber auch Experten, die den Ausverkauf an den Märkten für übertrieben halten und davon ausgehen, dass sich die Börsen im Laufe des Jahres erholen. Das ist auch eher meine Meinung. Schaut man sich den Dax-Absturz an, könnte man meinen, wie stecken mitten in einer Rezession. Das ist natürlich Quatsch. Auch die Weltwirtschaft wächst noch immer, wenn auch langsamer. Da steckt viel Psychologie im Markt – Panik ist aber kein guter Ratgeber bei der Geldanlage. Ich denke, die Lage wird sich in einigen Wochen oder Monaten beruhigen. Es ist immer noch sehr viel Liquidität im Markt und das Geld muss irgendwohin.

 

Höfgen: Im Dezember hat das FED den US-Leitzins zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder angehoben. Die Schwellenländer wanken und schnaufen unter der Last der Kapitalströme. Am 27.1. hat das FED sich nicht eindeutig zum weiteren Vorgehen im Jahr geäußert. Ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das FED wieder einen Schritt zurück machen muss?

Jessica Schwarzer: Notenbank-Chefin Janet Yellen Fed-Chefin hat die Zinserhöhung für den März quasi abgesagt, bleibt bei der Linie, die geldpolitische Schraube vorsichtig weiter anzuziehen, aber grundsätzlich treu. Auch hat sie es vermieden, eine grundsätzlich pessimistischere Sichtweise als in der letzten Sitzung im Dezember zu präsentieren. Die Gefahr, dass die Märkte wieder alle Hoffnung auf die Notenbank setzen und sich damit in falscher Sicherheit wiegen, scheint also gebannt. Die Anleger hatten einen noch vorsichtigeren Tenor in der Erklärung der Zentralbank erwartet.

Yellen hat nun wieder allen Spielraum, den sie braucht. Sie kann im März abwarten, aber zugleich ihre Linie beibehalten, die Zinsen nach und nach behutsam zu erhöhen. Dass sie aber einen Schritt zurück macht, danach sieht es derzeit nicht aus. Die Zinswende ist nicht abgesagt, verzögert sich nur ein bisschen. Und es werden wohl keine vier Zinserhöhungen werden. Damit haben aber die meisten Ökonomen bereits gerechnet.

Für die Schwellenländer ist die Zinswende bitter. Das billige Geld der Notenbanken ist jahrelang in diese Richtung geflossen, nun wird es – in Erwartung höherer Zinsen in den USA – abgezogen. Hinzu kommt der Preisverfall an den Rohstoffmärkten, der die Rohstoff exportierenden Länder trifft. Ich bin aber trotzdem überzeugt, dass die Schwellenländerbörsen in jedes breit aufgestellte globale Depot gehören.

Jessica Schwarzer

 

Höfgen: Eine weitere Frage vieler Leser zum Leitzins ist, wie sich diese Veränderung auf den Wert des US-Dollars auswirken könnte? Wie könnte dies Europa oder die Schwellenländer beeinflussen?

Jessica Schwarzer: Der US-Dollar hat in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro stark zugelegt. Auch das ist eine Folge der erwarteten Zinswende. Denn höhere US-Zinsen machen Anlagen im Dollar-Raum attraktiver. Auch wenn der Dollar zuletzt etwas geschwächelt wird, dürfte er stark bleiben. Wie stark, darüber sind sich Devisen-Experten uneinig. Das wir die Parität zum Euro sehen werden – also ein Euro gleich ein Dollar -, erwarte ich nicht.

Der Dollar als Leitwährung der Welt hat natürlich enorme Auswirkungen auf das Wirtschaftsleben. Vor allem stark Export orientierte Unternehmen außerdem des Dollar-Raums profitieren davon natürlich. Und davon haben wir in Deutschland bekanntlich jede Menge. Auch Schwellenländer, die viel exportieren, profitieren von der deutlichen Abwertung ihrer Währungen. Allerdings kämpfe viele mit Inflation und leiden wie bereits erwähnt unter dem Preisverfall auf dem Rohstoffmarkt. Für ölimportierende Staaten ist das natürlich ein Segen.

 

Höfgen: Sie haben vor kurzem ihr drittes Buch “Einfach erfolgreich Anlegen” veröffentlicht – Worum geht es in diesem Buch?

Jessica Schwarzer: Die Botschaft meines Buches ist ganz klar: Geldanlage muss nicht kompliziert sein. Ziel war es, eine Anlagestrategie zu entwerfen, die einfach zu verstehen und noch einfacher umzusetzen ist – mit simplen und kostengünstigen Produkten. Herausgekommen sind drei ETF-Portfolios, die Anleger je nach Risikoneigung ohne großen Zeitaufwand nachbilden können. Viele Finanzprodukte und Anlagestrategin sind viel zu kompliziert, das schreckt viele Anleger ab. Dabei ist es gerade in Zeiten von Niedrigstzinsen so wichtig, sich um den Vermögensaufbau zu kümmern und das Ersparte arbeiten zu lassen. Auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto tut es das nämlich nicht.

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