consumer-society-386661_640Vorwort

Es ist Weihnachtszeit. Das Fest der Liebe. Eine Zeit in der wir die Arbeit ruhen lassen und uns Familie und Freunden widmen. Aber es ist auch eine Zeit in der wir uns mit Besitz überhäufen. Seit Tagen kann ich schon kein Essen mehr sehen. Morgens ein üppig gedeckter Frühstückstisch, Mittags und Abends dann große aufwendige Mahlzeiten und zwischendurch gibt es allerhand Leckereien. Man kommt aus dem Essen gar nicht mehr raus. Man hat schon keinen Hunger mehr, aber es gibt immer noch so viel leckeres, was gegessen werden muss. Und unter dem Weihnachtsbaum liegen zahlreiche, teils im Stress eingekaufte, Geschenke. Und bereits Ende Sommer bzw. Anfang Herbst fängt der weihnachtliche Wirtschaftszweig an zu brummen. Während noch die Sonne scheint und die Strandbäder schließen, da füllen sich die Regale bereits mit weihnachtlichem Gebäck. Und mit jedem Monat, den wir näher an den heiligen Abend rücken, nimmt der Trubel zu. Die Händler überhäufen sich mit weihnachtlichen Werbe-Spots und Angeboten. Unzählige Weihnachtsmärkte schießen aus dem Boden und bieten mehr an als das Herz begehrt. Schmuck, Schrott, Zeug, Handwerk, Essen aus allen Ecken der Welt und vieles Mehr. Monatelang konsumieren wir was das Portemonnaies zulässt. Wir essen, trinken, kaufen und beschenken. Wir spenden, beschaffen, wünschen und vernichten Dinge. Ist es noch das Fest der Liebe, Freude und Christen? Sollte es nicht ein Fest der Entschleunigung sein bei dem wir nicht arbeiten, die Sorgen verwerfen und entspannen? Wie oft hört man doch den Satz, dass man sich freut, wenn dieser Rummel, Trubel und Stress endlich vorbei ist. Wie viel Arbeit machen wir uns an den Tagen und wie viel Geld geben wir aus. Geht es nicht um Besinnlichkeit, Religion und Nächstenliebe? Sie Zahl der Gläubigen in den Kirchen sinkt Jahr für Jahr stetig. In vielen Großstädten sind bereist über die Hälfte der Einwohner Atheisten. Und doch wird das religiöse Fest, Weihnachten, von Jahr zu Jahr stärker, größer und umsatzstärker. Ein Widerspruch! Es ist aus meiner Sicht nicht mehr hauptsächlich das Fest der Christen. Es ist das Finale des Kapitalismus. Es ist die schlussendlich höchste Form der Perversion von Konsum und Wachstum zum Ende des Jahres. Nach Valentinstag und Ostern brummt die Wirtschaft im Sommer inklusive Tourismus, Attraktion und Gastronomie auf Hochtouren, um sich zum Jahresende hin in das große Finale des stressigen und abstrusen Konsums zu vervollkommen. Wir steigern uns Jahr für Jahr um am Ende im Fest des Konsums, Weihnachten, die Beherrschung zu verlieren und im Rausch des Angebots aufzugehen.

Ich frage mich immer wieder: Muss das so? Tut uns das gut. Warum konsumieren wir so viel und wollen so viele Dinge besitzen. Macht uns das tatsächlich glücklich oder doch zu Sklaven unserer Sucht nach Dingen. Ich möchte mich in diesem Blog mit der Frage beschäftigen warum wir derart viel konsumieren und wohin uns das führt. Gibt es eventuell auch Gegentheorien, welche sinnvoll und vielleicht gar besser sind?

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Konsum-Gesellschaft

Wir leben in der bis jetzt wohl reichsten und besten Epoche der Menschheitsgeschichte. Schaut man zurück, dann ist es wohl am idealsten jetzt zu leben. Bildung, Wissen, Soziales, Gesundheitswesen und viele weitere Dinge sind in hervorragender Verfassung. Es gibt keine großen Kriege, wie den 30-jährigen, ersten oder zweiten Weltkrieg. Sicherheit und Demokratie sind weit entwickelt und die Welt technisch immer stärker vernetzt. Materiell haben wir so gut wie alles, was wir brauchen. Uns geht es gut. Und doch arbeiten wir 50% des Tages (wenn man 8 Stunden arbeitet und von 6 bis 22 Uhr wach ist) Woche für Woche. Und doch kaufen wir täglich neue Dinge ein. Wir haben alles. Warum konsumieren wir derart viel?

Was viele vergessen haben: Wirtschaft und Ökonomie dienen der Zufriedenheit der Menschen. Ökonomie wurde von Philosophen und Religiösen begründet. Es ist die Wissenschaft wie eine Gruppe von Menschen am besten miteinander umgeht, denn jeder braucht Güter und Leistungen vom anderen. Es ist die Frage wie Ressourcen (auch Wissen) und Arbeit perfekt verteilt werden, damit alle Zufrieden sind. In der Wirtschaft wird immer der Nutzen maximiert. Der Nutzen ist jedoch nicht maximales Gehalt, maximaler Umsatz und maximaler Gewinn. Nutzen ist das was uns zufrieden macht. Es ist unser Irrglaube, dass mehr Geld mehr Zufriedenheit mit sich bringt. August Deaton hat in diesem Jahr den Nobelpreis erhalten für die Erforschung bis zu welchem Vermögen wir glücklicher werden. Geld und Macht machen uns nur bis zu einem gewissen Grad glücklich. Und doch wollen wir zufriedener werden. Wir suchen das Paradies auf Erden und wir suchen dieses im Besitz. Wir wollen immer neue Ebenen der Materialität erreichen. Wenn der Nachbar ein neues schickeres Auto hat, dann wollen wir uns auch materiell upgraden, denn der Nachbar könnte ja nun mehr Zufriedenheit erlangt haben. Und doch finden wir nie Zufriedenheit im Besitz. Und so erklimmen wir eine Ebene des Konsums nach der anderen. Wir besitzen immer mehr und finden die absolute Stufe der Zufriedenheit nicht. Neben dem Weg Glück durch Konsum zu suchen erschaffen wir auch einen Mangel. Es gibt immer etwas, dass wir nicht besitzen, aber was uns ja potenziell glücklich machen könnte. Daraufhin entsteht ein Mangel, den wir zu befriedigen versuchen. Wir eilen hin und her und versuchen alles zu besitzen. Mit jeder Befriedigung eines Mangels erwarten wir Zufriedenheit, finden sie nicht, finden aber einen neuen Mangel, und alles geht von vorne los. Wir sind unruhige Nomaden des Kapitalismus auf der Suche nach dem Paradies. Ganze Wirtschaftszweige existieren nur, um Angebot zu produzieren. Wir produzieren Dinge, die wir nicht brauchen, aber eventuell machen sie uns ja zufriedener. Wir müssen 50% unseres Tages Arbeiten, um Geld zu bekommen, welches wir für Dinge ausgeben, die wir nicht brauchen und die uns nicht glücklich machen. Wir sind süchtig. Wir sind abhängig von der Droge “Zufriedenheit” und wir versuchen diese Sucht mit Konsum zu stillen. Das ist so, wie wenn jemand unsterblich verliebt ist in eine Person und diese Sucht nach dieser Person und den einhergehenden Schmerz sie nicht besitzen zu können, mit Alkohol versucht zu stillen. So ist es mit unserer Sucht nach Zufriedenheit …

Nun kann man sich natürlich sofort fragen: Wenn wir wissen, dass wir durch Konsum nicht zur perfekten Zufriedenheit gelangen bzw. nur bis zu einem gewissen Grad dessen unsere Zufriedenheit steigern können – Warum machen wir das dann? Einerseits wird unsere Welt durch die technischen Errungenschaften immer schneller. Jeder muss erst Mal sehen wo er bleibt. Von heut auf morgen kann sich alles ändern. Alles ist recht schnelllebig. Ein gewisser Grad an Egoismus entsteht deswegen. Jeder muss sich erst Mal um sich und seinen Alltag und seine Zukunft kümmern. Darüber hinaus sind wir jedoch mehr im philosophischen Konzept des Hedonismus gefangen. Der Zweck heiligt die Mittel. Wir denken nicht über den Weg nach, sondern das Ziel. Unser Hedonismus kann auch in der Form verstanden werden, dass wir im Momentum leben, und im Hier und Jetzt sofort versuchen unsere Gelüste, Lüste und Begierden zu stillen. Mit einer gewissen egoistischen Einstellung wollen sofort die perfekte Zufriedenheit erreichen und rennen entsprechend kopflos los, machen im System des Arbeitens und Konsumierens mit und versuchen alle wie wild geworden so viel wie möglich zu konsumieren. Der Zweck (unsere Zufriedenheit) heiligt die Mittel (egal wie, Hauptsache es geht voran).

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Ethischer Ansatz der Stoa

Die Stoa ist als philosophische Strömung in etwa das Gegenstück zum Hedonismus. Gutheißt der Hedonismus das Ausleben von Lüsten, so rät die Stoa diese zu vermeiden. Wo der Hedonismus nur das finale vor Augen hat, so interessiert sich die Stoa eher für den Weg auf dem Weg zu einem Ziel. Einprägsam finde ich jedoch die Hinweise vieler stoischer Philosophen: Das Begehren von Dingen macht uns weniger drei und unglücklich. Wir werden zu Sklaven unserer Wünsche und leiden daran diese nicht stillen zu können. Wir legen uns selbst in Ketten der Sucht und Suche nach Besitz. Wer jedoch zufrieden ist mit dem was er besitzt, der ist zufrieden und frei. Wer nicht nach etwas giert, der ist frei von Schmerz, Sucht und Suche.

Wie bereits oben erklärt: Wir konsumieren uns von einer Ebene der Materialität auf die nächste auf der ständigen Suche nach der Zufriedenheit. Die Stoiker erkannten jedoch, dass uns das eigentlich unzufriedener und unfreier macht, denn wir können unsere Zufriedenheit nicht durch Besitz steigern bzw. nur bis zu einem gewissen Grad. Wer diesen Pfad also einschlägt, der wird nie finden was er sucht. Er wird auf der ewigen Suche bzw. der Sucht nach dem Erreichen seines sehr hoch gesteckten Zieles im Teufelskreis gefangen bleiben. Ich finde den Ansatz der Stoiker klasse. Man versucht Begierden, welche einen Abhängig machen, zu vermeiden. Das geht natürlich radikal indem man auf alles verzichtet. Aber selbst kleine Veränderungen helfen. Das Abbauen von Abhängigkeiten macht glücklicher. Wer kein schnelles Auto will der verspürt keinen schmerzlichen Neid, wenn andere ein teures, schönes Auto besitzen. Wer mit seiner Wohnung, seiner Situation und seinem Alltag zufrieden ist, der ist frei von zermürbenden Wünschen nach Dingen. Wer die Augen öffnet und erkennt, dass wir materiell auf einem absolut hohen bzw. eigentlich schon zu hohen Niveau sind, der wird materielle Zufriedenheit erlangen. Zufriedenheit können wir auf andere Weise ändern. Aber nicht durch unendlichen Konsum.

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Fazit

Wir müssen nicht zwanghaft konsumieren, weil uns das unser Wirtschaftssystem vorschreibt. Natürlich schauen alle Staaten gebannt darauf, dass wir zunehmend stärker konsumieren. Wir müssen auch nicht getrieben konsumieren, um mehr Besitz zu erlangen, denn wir besitzen bereits viel, alles bzw. schon fast zu viel. Der Besitz bringt uns nur bis zu einem gewissen Grad mehr Nutzen (Nutzen = Zufriedenheit). Die Bedürfnispyramide von Maslow veranschaulicht dies ganz treffend: Wir haben Bedürfnisse, die gestillt werden müssen/wollen. Wir brauchen zu aller erst Nahrung, Wasser, ein Dach über dem Kopf und Kleidung. Wir sehen uns daraufhin nach Sicherheit und Schutz und im dritten Step nach sozialen Kontakten. Partnerschaft und Freunde. Alle diese grundlegenden Bedürfnisse können wir ohne großen Konsum stillen. Individuelle Bedürfnisse sind beispielsweise Hobbys für die man Dinge kaufen muss. Und zu guter letzt möchte man sich selbst verwirklichen. Jeder hat Wünsche, Gedanken, Ziele und Visionen. Die einen wollen ein vielfältiges, die anderen ein erfolgreiches Leben. Der eine möchte sein Leben den eigenen Kindern widmen, wieder andere sehen sich Berufen für die ganze Gesellschaft Visionen umzusetzen. In keiner Form gibt es jedoch ein Bedürfnis Produkte immer wieder erneut zu kaufen (Klamotten, Handys, …) oder viele Dinge zu besitzen, die man eigentlich nicht braucht. Zufriedenheit finden wir auf anderen Wegen. Zum Schluss klingt mein Text schon fast wie eine Predigt finde ich (Zufriedenheit erfahren, den richtigen Weg gehen, …), haha, mir geht es einfach darum über unsere abstrakt perversierte Form des Konsums nachzudenken. Aus meiner Sicht haben wir uns hier in einem Irrglauben verstrickt. Wir machen etwas, was uns Nichts bringt, nur weil wir uns selbst vorlügen oder einreden lassen, dass es gut ist. Ich selbst finde die Gedanken der Stoiker sehr ansprechend. Es sind die kleinen Dinge im Leben und es ist das Leben frei von Abhängigkeiten, welches wir doch haben wollen. Ich freue mich natürlich auch sehr auf Eure Gedanken falls ihr anderer Meinung seid.