Einmal durchzählen bitte – haben es alle erfolgreich mit in das Neue Jahr 2017 geschafft? Die Feiertage sind nun vorbei. Die Performance des letzten Jahres ist errechnet. Nun heißt es wieder nach vorne zu schauen und sich auf das Börsenjahr 2017 einzustellen. In diesem Beitrag sollen verschiedene Thematiken angesprochen, durchdacht und gedanklich eingeordnet werden. Was wird uns bewegen und was wissen wir bereits darüber?

Hier findest du das “Marktkommentar – Briefing für 2016

Was 2016 passierte

  • Aufwärtstrend seit Februar 2016
  • Notenbanken sorgten für Hochs
  • Der Sommer wurde durch den Brexit (Europa-Thematik) bewegt
  • Langwierige Seitwärtsphase in der zweiten Jahreshälfte
  • Zinsschritt der FED im Dezember
  • Ein ansonsten tristes Börsenjahr endete im Schlusssprint doch noch versöhnlich positiv

Viele Menschen freuen sich über das geendete schreckliche Jahr 2016. Gesellschaftlich haben wir viel erlebt. Unerwartete Wahlausgänge im Vereinigten Königreich, den United States und schwerwiegende politische Herausforderungen nicht nur in Italien und Österreich. Mit zunehmender technologischer Vernetzung und Mobilität der Weltgemeinschaft fühlen sich die globalen Ereignisse näher und zahlreicher an …

Für die Börse war 2016 ein aufregendes aber doch gutes Jahr. Mit der Torschlusspanik des chinesischen Marktes erlebten wir an den globalen Märkten einen der schlechtesten Jahresstarts seit über 10 Jahren. Und obwohl das gesamte Jahr durch politische Stolperfallen (EZB, FED, Brexit, USA, Italien, Österreich, …) gespikt war konnten wir den aus 2015 bestehenden Abwärtstrend im Februar beenden und befinden uns seit dem wieder in dem aus 2014 fortgesetzten Aufwärtstrend.

Die Jahre 2015 und 2016 ähnelten sich nicht zwingend in den Kursen, aber umso mehr in den Ereignissen. Wir erlebten einen schlechten, durch eine Währung verursachten, Jahresstart (Franken, Renminbi). Das langzeitig bestehende Jahreshoch und Hoch der ersten Jahreshälfte wurde im April aufgestellt (wie auch schon 2015) und vorwiegend durch einen Stimulus von EZB und FED verursacht. Im Sommer erlebten wir eine europäische Thematik, welche die Börsen bewegte. Zum Jahresende dann folgte auf eine spannende Wahl ein von den Notenbanken geprägter Dezember. Erneut erfüllte sich die selbsterfüllende Erwartung der Jahresendrallye. Und erneut endete ein das gesamte Jahr über eher schleppend-triste Börse in den letzten Wochen und Monaten doch noch versöhnlich positiv.

Wird auch 2017 wie 2016 und 2015 werden?

  • Die Probleme werden weiterhin verschoben anstelle gelöst
  • Die Börse wird auch 2017 geldpolitisch getrieben sein
  • Erleben wir den dritten europäischen Sommer?
  • Die Bundestagswahl zum Ende des Jahres wird bewegend sein

Ich denke schon. Die Ereignisse werden sich ähneln. Weiterhin verschieben wir Problemlösungen und schieben die Probleme auf. Die Notenbanken pumpen unmengen Löschmittel in den Markt, um einen Großbrand zu vermeiden. Doch hin und wieder flammt ein Glutnest aus. Leider laufen die Staatengemeinschaften den Brandherden hinterher anstelle ihnen zuvorzukommen. Und so reagieren wir seit nun mehr zwei Jahren schlicht auf die uns bekannten Glutnester, wenn diese wieder Feuer fangen.

Auch 2017 werden wir eine politisch getriebene Börse erleben. Die Notenbanken sind weiterhin für den Markt einer der wichtigsten Einflüsse. Auch die seit 2012 massiv weichgespühlten Währungen wirken sich bereits auf die Börsen aus. Immer wieder gibt es Schreckmomente. Auch 2017 erwarte ich einige dieser.

2015 erlebten wir einen griechischen Sommer, 2016 einen britischen – welches europäische Problem wird uns 2017 im Sommer beschäftigen? Meist beginnen Verhandlungen Anfang des Jahres und spitzen sich dann bis in den Juli zu. So kommt dieses Muster aus meiner Sicht zustande. Wird es Italien mit den hunderten Milliarden fauler Kredite und einer abgelehnten (eigentlich unablässlich wichtigen) Verfassungsreform sein? Oder doch bereits die Briten, welche die Austrittsverhandlungen aufnehmen?

War es 2015 noch die entscheidende griechische Parlamentswahl, so erlebten wir in diesem Jahr eine spannende US-Präsidentschaftswahl. 2017 sollte die Bundestagswahl zum Ende des Jahres für Spannung sorgen.

Und die Notenbanken? Nun ja, wann kündigt Draghi das Tapering an und wie verpackt er es, damit der Markt nicht panisch reagiert? Gerade für die zinsanfälligen und überschuldeten südeuropäischen Länder ist dies eine brikäre Thematik. Wird die FED in diesem Jahr die Ankündigung mehrer Zinsschritte einhalten oder erneut mit dem Markt spielen (Zinsschritt andeuten, vorwegnehmen und dann wieder absagen) und dann im Dezember diesen Schritt wagen?

Die Verhaltenspsychologie 2016

  • Ein gesundes Misstrauen besteht
  • Ein weiterhin starker Kapital-Zustrom an den Aktienmarkt
  • Korrekturen wurden schnell wieder hochgekauft
  • Monatelanger Druck auf die 10.800 ohne Aufkommen von Frustration

Seit Anfang 2016 beschäftige ich mich intensiv mit der behavioral finance. Nun habe ich in diesem Bereich erst seit etwa einem Jahr praktische Erfahrung. Jedes Erlebnis ist für mich derzeit noch einzig- und neuartig. Dementsprechend sollte man nochmals nachrecherchieren, ob es stimmt, wenn ich sage: Die Verhaltenspsychologie der Börsengemeinschaft war im Jahr 2016 besonders interessant – wird sich dies 2017 wiederholen?

Dennoch waren in diesem Jahr recht abgebrühte Händler am Markt zu erleben. Haben die schwierigen Jahre 2008 (globale Krise), 2010 (europäische Krise) und das dürftige Börsenjahr 2015 den Markt abstumpfen lassen? Trotz eines historisch schlechten Jahresstarts kam keine Panik auf. Auch der Brexit war zwar volatil, doch während mit dem Brexit-Schock noch rund zwei Billionen Euro an Werten an den Börsen verpufften, baute eben jener Markt bereits wenige Wochen nach diesem eigentlich langfristig negativen Ereignis wieder über drei Billionen an Werten auf. Dieses Verhalten erlebten wir dann mehrfach – auch bei der US-Wahl, dem italienischen Referendum und dem FED-Zinsschritt gab der Markt erst schwungvoll nach, wurde aber bereits Minuten bis Stunden darauf wieder auf den Ausgangspunkt hochgekauft. Zu Guter letzt hielten die Bullen den DAX von August bis in den November seitwärts in einer Range zwischen 10.300 und 10.800, sowie später dann 10.600 und 10.800 Punkten. Der Druck auf die 10.800 blieb nahezu kontinuierlich bestehen und es kam kein Frust auf, kein Sell Off passierte. Die Händler sind misstrauisch. Doch wie Olaf Lieser immer wieder in Foren betonte, können die Kurse an einer solchen „Wall of Worry“ ideal hinaufklettern.

Zusammengefasst erleben wir recht sachlich agierende Händler. Der Markt handelt konzentriert und motiviert. Mit einem gesunden Misstrauen fühlen sich die Bullen auch dank eines weiterhin starken Kapital-Zustroms an den Aktienmarktes in der Position den Druck nach oben aufrecht zu erhalten. Selbstbewusst sollten die Bullen auch 2017 agieren.

In diesem börsenpsychologischen Blog vom 25.11.2016 habe ich die Psychologie-Blogs des Jahres verlinkt. Am 24.01.2016 startete ich mit der Erkenntnis, dass wir eine irrational exhuberance erlebten.

Der DAX

2016 war fast durchgängig ein Aufwärtsdruck zu erleben. Das erkennt man nun vor allem im Nachhinein. Der DAX arbetete sich durch drei verschedene Korridore. Nachdem die übernommene Korrektur aus dem Vorjahr Mitte Februar beendet war konnte der DAX im ersten Jahr eine ngefähre Range von 9.500 bis 10.500 Punkten ausleben. Mit einer kleinen Rallye nach dem Brexit-Referendum hielt sich der DAX zwischen 10.300 und 10.800 Punkten, um dann nach der US-Wahl im November in die dritte Etage des Jahres auf über 11.000 Punkte zu steigen.

Schaut man sich den DAX der letzten 5 Jahre an, dann erkennen wir 2012, 2013, 2014 und auch 2016 relative ruhige aber stetige aufwärtsgerichtete Jahre. 2015 war das Jahr der irrationalen Übertreibungen. Erst mit dem Einfluss der EZB eine Übertreibung auf über 12.000 Punkte und dann eine darauffolgende übernervöse Korrektur bis auf kurzzeitig weniger als 9.000 Punkte. Wie bereits im Absatz zur Verhaltenspsychologie beschrieben, haben die Händler ihre Konzentration und Sachlichkeit wiedergefunden und die Emotionen besser im Griff.

dax-01-01-2017dax-31-12-2016Europa

  • Wahljahr 2017
  • Brexit requested by Theresa May – or may not?
  • Bankenprobleme
  • Eurokrise 2.0?

Auch 2017 stehen Europa wichtige Wahlen bevor. Nach dem Referendum der zweit größten Volkswirtschaft der Europäischen Union, wird es nun im kommenden Jahr zu Wahlen in der zentralen Macht-Achse der EU kommen. Am 23. April findet die französische Präsidentschafts-Wahl statt. Am 17. Bis 24. September folgt dann die deutsche Bundestagswahl. Nach dem „Nein“ zu Europa in England und dem „Nein“ zu Reformen in Italien und einem hauchdünnen „Ja“ zu Europa aus Österreich wird auch hier für die Europa die wichtige Frage im Raum stehen: Wie stark werden die populistisch-chauvinistischen Parteien abschneiden? Und wie weit werden die etablierten Parteien nach rechts rücken, um ihre Macht zu erhalten?

Eine schöne Übersicht aller bevorstehender Wahlen in 2017 und der Ergebnisse diverser Wahlen aus 2016 findet sich hier: http://www.wahltermin.at/ausland.html

Hier findest du mein Marktkommentar zur “Eurokrise 2.0”

Nord- und Mittel-Europa

Immer öfter fordern Ökonomen einen geteilten Euro als Währung, um die wirtschaftlich und kulturell ungleichen Paare von Süd und Nord-Europa wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähig und robuster zu machen. Auch ich muss in dieser Analyse in Nord und Süd unterteilen. Nord- und Mittel-Europa erfreuen sich aktuell eines Demographie-Hochs. So viele Menschen wie noch nie suchen und finden Arbeit. Der Arbeitsmarkt ist gesättigt. Die Arbeitslosenquote sinkt. Die Gehälter (vor Allem in Deutschland) steigen, was in 2016 zu einem mittelschweren Konsum-Boom geführt hat.

Doch das gute Gefühl des äußerst starken Arbeitsmarktes und des spürbar anziehenden Konsums sollte einen aus meiner Sicht nicht auf’s Glatteis führen: Konsum ist für die Wirtschaft wichtig, Investition jedoch wesentlich bedeutender für Nachhaltigen Wachstum und Wohlstand. Der Konsum zieht dank niedriger Zinsen an – dies kann man durchaus als Sondereffekt verbuchen, denn der Konsum stieg nicht zwingend dank einer gesunden und starken Wirtschaft. Auch habe die Staaten ihren staatlichen Konsum in den letzten Jahren um 5 bis 15% erhöht. Konsum ist jedoch ein kurzfristiger Einfluss. Zu erkennen ist eine sinkende Investitions-Bereitschaft. Die Investition in das Sachvermögen eines Staates ist unablässlich wichtig. Abschreibungen/Schäden müssen behoben werden, um den aktuellen Stand der Sachanlagen zu erhalten. Auch führen nur Investitionen zu nachhaltigem Wachstum. Dies betont auch immer wieder Mario Drahi (EZB). Auf diese Thematik bin ich genauer im Absatz der Zentralbanken eingegangen.

Europa braucht Reformen und darf sich nicht auf den angenehmen Sondereffekten der Geldpolitik von Seiten der Europäischen Zentralbanken ausruhen. Leider geschieht genau das. Ökonomen vermuten, dass die europäische Staatengemeinschaft schlechter aufgestellt ist auf eine Krise als noch vor der Euro-Krise 2010.

Südeuropa

Wenn auch mit Milliarden-Summen stabilsiert und politisch etwas beruhigt, stehen die südeuropäischen Staaten der EU weiterhin auf einem sehr wackligem Fundament. Der Bankensektor ächzt immer noch unter hunderten Milliarden fauler Kredite. Die EZB musste bereits dutzende Milliarden an Notfallkrediten bereitstellen, um die Liquidität des Bankensektors zu gewährleisten. Doch könnte dies nicht geholfen haben und der Kapitalbedarf weiterhin immens sein.

Wichtige Reformen fehlen. Wirtschaftlich konnten sich die Staaten zwar fangen, aber nicht retten. Politisch könnten sich die Länder wieder selbst in unruhige Gewässer manövrieren. Sollte der Finanzmarkt hier allergisch reagieren, so könnte es wieder zu heftigen Zins-Aufschlägen kommen und erneut milliardenschwere Löcher in den Haushalten der Staaten und Finanzen der Banken klaffen. Bereits jetzt können viele Länder die Zielvorschriften der EU nicht einhalten und leiden unter hohen Verlusten und überbordender Kosten.

USA

  • Unberechenbarkeit von Donald Trump
  • Machtausweitung durch Russland?
  • Handelshemmnisse auf dem Pazifik?

Der Weg der USA ist unberechenbar. Bereits im Wahlkampf wiedersprach sich Trump regelmäßig und änderte seine Meinung, wenn es ihm passte bzw. so mehr Wählerstimmen brachte (Populismus). Bereits nach dem Votum durch die Wähler zeigte sich, dass er viele Ankündigungen in seinem Wahlkampf nicht einhalten werden würd. So tönte er beispielsweise noch im Wahlkampf davon Hillary Clinton rechtlich zu belangen und die großen Projekte von Barack Obama, wie beispielsweise Obamacare, einzustanpfen. Beides dementierte er nach seiner Wahl wieder. Was wird also 2017 passieren? Wir wissen es nicht. Es wird auf jeden Fall spannend, aber auch nervig. Das hitzköpige Trumpeltier wird machen und tun was es will und sich gottgegeben fühlend in seinem Amt ausleben. Wie sich Trump morgens fühlt wird wohl entscheiden, wie die Politik an diesem Tag aussehen wird …

Zu erkennen ist jedoch bereits eine Konfrontation mit China. Noch während der Amtszeit Obamas lösten die Philippinen unter Führung des äußerst fragwürdigen Präsidenten Duterte die Handelsbeziehung zum eigentlich langjährigen Partner, die USA, auf. Die Philippinen sind der wichtigste Partner der USA im asiatischen Raum. Auch wenn dies wieder dementiert wurde (http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-10/philippinen-rodrigo-duterte-usa-diplomatie) traf sich Duterte bereits mit der chinesischen Regierung. Trump revanchierte sich mit einem Telefonat mit Taiwan. Die aus chinesischer Sicht abtrünnige Provinz hatte seit Jahrzehnten keinen Kontakt zur USA. Aus Gründen des politischen Anstands vermied die USA bisher einen „Erzfeind“ China’s zu umwerben – Trump hat dies nicht mehr beachtet. China reagiert verschnupft. Warum ist das wichtig? Der größte globale Warenstrom findet im Pazifik und zwischen China und den USA statt. Stottert dieser Motor, dann stottert die Weltwirtschaft. Donald Trump ist hierbei jedoch auf dem besten Weg den Motor abzuwürgen.

Neben der us-chinesischen Thematik gilt es auch einen Blick auf Russland zu gewähren. Bisher agierte die USA dank großer Ausgaben für militärische Einsätze, als hauptsächlicher Akteur der NATO. Trump möchte damit brechen und wird den Druck auf Putin wohl vermindern. Ob hierbei seine eigene Partei, die russlandfeindlichen Republikaner, mitziehen, ist jedoch fraglich. Nichts desto trotz hegt Russland weiterhin Ansprüche auf viele Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Diese sind bereits unter die schützende Hand von NATO und EU geflüchtet. Litauen, Estland, die Ukraine, Polen und viele andere Länder sorgen sich vor der aggressiven Einflussnahme Russland – auch auf Grund großer russischer Bevölkerungsanteile im Land. Zuletzt erkannten wir dies im Ukraine-Konflikt. Sollte Trump Putin gewähren lassen, könnte dieser seinen Machtanspruch ausweiten und nach der Expansion der NATO eine Phase der russischen Expansion einläuten. Ein sich verschiebendes Macht-Gefüge zieht hierbei auch immer Probleme, Konfrontation und Krisen nach sich.

office-1209640_640

China

  • Hustet China, dann hat die Welt eine Erkältung
  • Wirtschaftspolitischer Aderlass wird fortgeführt
  • China wird zum wichtigsten globalen Markt

Aus Sicht der großen Dienstleistungs-Nationen rund um Europa und Nordamerika befinden sich eben jene im Zentrum des globalen Gefüges. Doch ist die Sichtweise veraltet und zu arrogant? Sind wir noch state of the art? Bange Blicke richten sich immer wieder auf China. Aus meiner Sicht beschäftigen wir uns zu viel mit den USA und zu wenig mit China. Das riesige Reich wird der wichtigste globale Markt der Welt sein. Das Gefüge wird sich verlagern und die neue Weltmacht China sein.

Mit dem Bestreben der Gründung einer eigenen Weltbank, Förderbank, asiatisch-pazifischer Bündnisse und dem milliardenschweren Einkäufen weltweit unterstreicht China seine Ambitionen die Weltgemeinschaft zu führen und am Weltbild mitzuwirken. Hustet China, dann hat die Welt eine Erkältung. Der chinesische Markt ist global einer der wichtigsten. Der Wohlstand von Europa und Nordamerika hängt von diesem Markt ab. Das Land ist wirtschaftlich saustark. Und dabei sind immer noch die wenigsten Menschen vermögend. Jedes Jahr kommen dutzende Millionen neue Chinesen aus der Unter- in die Mittelschicht. Die Nachfrage explodiert. Und hierbei sind chinesische Produkte bereits keine billigen Kopien mehr, sondern können sich qualitativ mit jenen aus Europa und den USA messen. Auch werden Innovationen wesentlich schneller umgesetzt. Arbeitet Europa noch am Online-Marketing, so ist in China bereits das mobile-Marketing modern. Die technologische Vernetzung und Auslebung ist bereits wesentlich fortschrittlicher. Die Regulierung des Marktes geringer. Während Europa sich noch rechtlich am Uber-Problem/Phänomen abarbeitet, gibt es bereits dutzende verschiedene Uber-Firmen in China. Ein Problem ist, dass patriotische Chinesen zunehmend chinesische Produkte kaufen. Der westliche Glanz nimmt etwas ab. Somit sollten auch die Exporte nach China betroffen sein. Bei vielen europäischen Konzernen hängen mindestens 30% der Umsätze am chinesischen Markt.

China durchläuft hierbei aktuell einen gewollten wirtschaftspolitischen Aderlass. Jahrzehntelang war das Land politisch nahezu verschlossen und der Markt stark manipulativ vom Zentralstaat kontrolliert. Beispielsweise wurden Unternehmen „künstlich“ finanziert, indem der Staat massiv Geld in Aktien investierte oder große Geldverwalter, wie Pensionsfonds, zwang das meiste Geld in heimische Aktien zu investieren. Unternehmen zogen so einfach eine Kapitalerhöhung nach der anderen durch und besorgten sich unmengen günstiges Geld. China führt nun einen Aderlass durch. Mit dem alten Verhalten wurde gebrochen. Langsam und vorsichtig lässt die Zentralregierung die Zügel lockerer. Das Land möchte weniger von der Industrie, Produktion und Exporten abhängig sein und fördert steigende Gehälter und den Dienstleistungssektor. Bereits jetzt sinken die Exporte, aber eben auch die Importe. Viele überschuldete Unternehmen müssen nun dicht machen. Fast alle Banken im Land befinden sich im Bail In.

Doch China wird weiterhin wachsen. Das Land räumt die sorgenlose ökonomische Wachstumsparty der letzten Jahrzehnte auf und stellt sich wirtschaftlich attraktiver, freier und stabiler auf. Das Wachstum, die Produktion und die Importe werden sinken, jedoch der Wohlstand und die Binnennachfrage explodieren.

Währungen (von Michael Erbe)

  • Euro-Schwäche seit Oktober
  • Euro hat das doppelt gesteste Tief aus 2015 kurz unterschritten
  • Trump und FED üben großen Einfluss auf den US-Dollar aus
  • EUR/USD übergeordnet short
  • GBP/USD übergeordnet short

Der EUR/USD ist eigentlich in einer breiten Range zwischen 1,167 und 1,034 gelaufen, wobei die Euro-Schwäche erst ab Oktober einsetzte Brexit mit großen Schwankungen sowohl bei Euro als auch Pfund – interessant dabei finde ich, dass der Pfund ab Oktober nur mehr bedingt gegen USD verlor. Die Wahl Trumps Zinserhöhung in den USA Bodenbildung bei USD/JPY bei 100

Vermutlich bleiben die Themen zu Trump und weiterer Zinserhöhung in den USA bedeutend für den US-Dollar und damit auch sehr wichtig für den gesamten Währungsmarkt. Eine Wende bei der Zinspolitik waren schon immer heikel, da es dadurch zu turbulenten Zeiten kommen kann. Beispielsweise konnte man dies bei der Asienkrise beobachten. Es ist schwer zu sagen, ob es auch dieses Mal so kommen wird. Wie es aussieht sind die Emerging Markets heute deutlich stabiler als damals. Trotzdem hat das billige Geld in den letzten Jahren seinen Weg gefunden und durch eine Zinserhöhung in den USA wird es zu einem „Luftablassen“ kommen. Wie turbulent es dadurch wird hängt wohl stark damit zusammen wie schnell die Zinserhöhungen kommen. Meiner persönlichen Meinung nach, wird sich die amerikanische Notenbank damit eher Zeit lassen.

Was, zumindest für mich, dabei die große unbekannte bleibt ist der zukünftige US-Präsident Trump. Teil seiner „make-america-great-again“ wäre vermutlich auch eine Steuergünstige Lösung für das Geld amerikanischer Unternehmen im Ausland. US Firmen, allen voran Tech-Unternehmen, haben rund 2,5 Billionen USD (http://www.cnbc.com/2016/09/20/us-companies-are-hoarding-2-and-a-half-trillion-dollars-in-cash-overseas.html) im Ausland geparkt. Eine Repatriierung würde demnach wohl den US-Dollar weiter stärken. Die große Frage dabei ist wie intensiv Trump tatsächlich eine Repatriierung verfolgen wird. In seinem Wahlkampf hat er ein striktes Vorgehen angekündigt. Ich vermute mal, dass es im Endeffekt zu einem „wischi-waschi“ kommen und der Großteil des Geldes unverändert im Ausland bleiben wird. Vermutlich werden es die Unternehmen bestens Wissen wie sie die Berater Trumps und ihn selbst überreden können.

EUR/USD: Der Euro hat im Dezember 2016 das doppelt getestete Tief von 2015 unterschritten und es in der letzten Woche wieder überschritten. Ein möglicher Fake Ausbruch. Zur Zeit bleibt es aber abzuwarten wie es sich weiter entwickelt. Die letzten zwei Wochen im Dezember könnten ein zarte Bodenbildung bedeuten. Ansonsten ist der Trend übergeordnet noch short und es kommt darauf an ob wie schnell es zu Zinserhöhung in den USA oder eine möglichen Repatriierung kommt. Eigentlich spricht vieles für einen weiter starken US-Dollar. Auch die europäischen Banken scheinen nach wie vor nicht so stabil wie die US-Banken zu sein. Dennoch würde ich persönlich dem Euro einiges an Überraschungspotential zusprechen. Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 1,08 und dann 1,15. Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 1,05 und später 1,03 (aktuelles Mehrjahrestief).

GBP/USD: Hat letztes Jahr deutlich verloren und ist aktuell rein Charttechnisch auch weiterhin als short einzustufen. Ansonsten sind wie beim Euro die Zinserhöhung und die Politik Trumps wichtig. Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 1,28 und später 1,34 Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 1,2 und später 1,15 (aktuelles Mehrjahrestief) USD/JPY: War das erste Halbjahr 2016 schwach und hat ~17% verloren. Dafür hat das Währungspaar nach einer Bodenbildung im Sommer fast die gesamten Verluste wieder aufgeholt. Aktuell sieht es stark aus und die nächsten Ziele sind wohl 120 und später 125 (das Mehrjahreshoch). Wichtige grobe Marken sind: Für Long ein Überschreiten von 118,8 Für Short eigentlich nur ein Unterschreiten von 115,5

Welche Blasen erkennen wir?

Hier findest du mein Marktkommentar zur “Eurokrise 2.0”

Zentralbanken

Die EZB appelliert seit Jahren erfolglos an die Staaten doch bitte Reformen umzusetzen. Draghi betont, dass die EZB die strukturellen Probleme der EU, die nachlässig geführten Haushalte der europäischen Staaten und auch die Ausrichtung der Banken nicht lösen könne. Was die EZB, dass ist Zeit kaufen. Zeit kaufen indem der Markt mit viel Geld stabilisiert wird. Leider ruhen sich die meisten auf diesem Sondereffekt aus. Deutschland freut sich über Rekord-Haushalts-Überschüsse – doch warum hinterfragt niemand woher diese kommen? Warum werden diese einmaligen Zinseinsparungen verkonsumiert und zerschmilzen wieder? Europäische Staaten sollten das Geld eigentlich nutzen, um zu investieren und die Wirtschaft anzukurbeln. Ist Europa nicht bereits schlechter aufgestellt als noch vor der Eurokrise 2010? Die EZB wird wohl bald das Tapering intensiver diskutieren müssen und der FED dann auch nachziehen. Nicht unbedingt 2017, aber die Diskussion drüber nimmt bereits zu.

Die FED hat die Strategie aus 2015 im Jahr 2016 nochmals wiederholt, doch meine Erwartungen für 2017 bereits obsolet gemacht. 2015 und 2016 hatte man mit besonders positiven Erwartungen eingeläutet und diese dann step by step zurückgenommen. Immer wieder wurden Zinsschritte angekündigt und dann doch nicht durchgeführt. Aus meiner Sicht wurde der bis dato nervöse Markt so ruhig gespielt. Jeweils im Dezember dann wurden die Zinsen angehoben. Die Aussichten für 2017 sind von Seiten der FED jedoch nicht so positiv wie erwartet. In meinem großen Beitrag zur Federal Reserve habe ich die Daten der einzelnen projection materials zusammengetragen und analysiert (hier einsehbar). Dies werde ich auch 2017 tun. Im FED-Watch-Tool der CME Group kann man die Einpreisung/Erwartung der nächsten Zinsanhebung (ablesbar an den Futures) einsehen (hier schauen): Derzeit erwartet der Markt einen nächsten Zinsschritt auf 75 bis 100 Basispunkte am 14. Juni 2017.

Set Up für 2017

2017 sollte erneut ein bewegendes Jahr werden. Weiterhin werden uns Donald Trump, Russland, der Nahe Osten, China und die Probleme der Europäischen Union beschäftigen. Solche Unsicherheiten in einer phase der ökonomischen Palliativmedizin durch die Zentralbanken könnten sich schädlich auf die globale wirtschaftliche Stabilität auswirken.

Viele Köche verderben den Brei? Bisher ging alles gut. Die Knjunktur konnte sich tatsächlich nochmals berappeln. Schwellenländer und die alten Nationen schwimmen auf einer Welle guter Daten. Doch wie lange kann dies mit unzureichenden Investitionen und ignorierte Problemen aufrecht erhalten werden? Wie lange können die Kapitalmärkte niedrige Zinsen und veränderte Kapitalströme verdauen? Wie reagieren die Banken auf Zinsveränderungen? Wie viele Kredite werden ausfallen, wenn die Zinsen steigen?

Werde Insider

Werde Insider

Bleibe immer auf dem neuesten Stand.
Alles rund um InsideTrading und Partner.
Mache Dich fitt für Erfolg.

Du bist nun Insider.

Fast geschafft - der letzte Schritt

 

Wohin dürfen wir das kostenlose E-Book schicken?

Bitte hier die E-Mail Addresse eintragen

You have Successfully Subscribed!

Pin It on Pinterest

Share This