• 2016 könnte für Deutschland ein schwieriges Jahr werden
  • Das Lohndumping wurde beendet
  • Deutschland büßt wegen steigender Gehälter Wettbewerbsvorteil ein
  • Mit den steigenden Gehältern erleben wir derzeit einen Konsum-Boom
  • Die Bürger sind zuversichtlich
  • Die Unternehmen sind pessimistisch
  • Deutschland ist Abhängig von den Schwellenländern

Deutschland wurde in den letzten 8 Jahren von Krisen weitgehend verschont. Während viele Länder weltweit und vor Allem südeuropäische Partner-Staaten kräftig ins Wanken gerieten (Spanien, Italien, Griechenland, …) so eilte Deutschland von einem Export-Rekord zum nächsten. Deutschland ist vom Export abhängig. Deutsche gelten als konsumfaul. Eingekauft wird nicht aus Spaß und zum Hobby, sondern rein zum Zweck. Der private Konsum betrug 2014 rund 2,3 Billionen Euro. Der Wert aller exportierten Waren rund 1,7 Billionen Euro. Wir exportieren also fast die selbe Menge an Waren (im Wert) wie wir sie selbst konsumieren. Wir produzieren fast doppelt so viel wie wir brauchen. Der Wohlstand in Deutschland ist nur dank des intensiven Exportes möglich. 2014 lag Deutschland mit 1,5 Billionen Dollar Warenexport auf Platz drei hinter den USA mit 1,6 Billionen Dollar und China mit 2,3 Billionen Dollar. Auf Platz 4, weit entfernt, liegt Japan mit 680 Millionen Dollar Warenexport-Wert. Warum nenne ich diese Zahlen? Deutschland ist ein flächenmäßig und einwohnermäßig kleines Land (siehe Anhang 1) und exportiert dennoch fast so viel wie die größten Nationen der Welt. Der Wohlstand ist vom Export abhängig.

Verwendung des BIP Deutschland USA 2013: Privatverbrauch Ger: 58% USA: 68% / Bruttoanlageinvestitionen Ger: 16,9% USA: 16,9% / Konsumausgaben des Staates: Ger: 19,5% USA: 18,6% / Außenbeitrag Ger: +6,1% USA: -3,6%

Deutschland muss einerseits fehlenden Konsum im Binnenmarkt durch Export ausgleichen, andererseits besteht die Möglichkeit des erfolgreichen Exports dank verankerter deutscher kultureller Werte, wie der Strebsamkeit und Pünktlichkeit, sowie des hervorragenden Bildungs-Systems. Deutsche Industrie und Deutscher Maschinenbau sind gefragt. “Made in Deutschland” ist ein Gütesiegel. Jeder vierte Arbeitsplatz oder auch rund 11 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland existiert nur wegen des Exports. Halbiert sich unser Export, dann ist jeder achte Arbeitsplatz bedroht. Aus derzeit 2 Millionen Arbeitslosen würden 7,5 Millionen werden, was einer Arbeitslosenquote von 16% entsprechen würde.

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Der deutsche Export profitiert zweierlei: Durch das QE-Programm (Quantitative Easing) der EZB wird der Euro weich gespült und verbilligt sich im Vergleich zu anderen Währungen. Deutsche Waren werden im Ausland billiger und somit attraktiver. In den letzten 5 Jahren sank der Wert des Euro zum US-Dollar (Siehe Anhang 2) um rund 25% und im Vergleich zur chinesischen Währung (siehe Anhang 3) um rund 27%. Die Effekte dessen finden sich auch in den zahlreichen deutschen Export-Rekorden wieder. Des Weiteren hat vor Allem Deutschland in Europa vom Euro profitiert. 2004, 2005 und 2006 sanken die Kosten für Löhne, welche Unternehmen je Produkt/Stück erwirtschaften müssen (Siehe Anhang 4). Im Europäischen Vergleich war Deutschland eines der Länder in denen die Löhne von 2000 bis 2015 am wenigsten wuchsen (nur um 1%). Durch Lohndumping wurde ein Wettbewerbsvorteil für Deutschland in Europa erwirkt (Siehe Anhang 5). Nur Frankreich hielt sich als einziges Land an die Vorgaben. In Südeuropa stiegen die Löhne viel zu schnell, was die Krise auslöste, und Deutschland senkte die Löhne. Solche Unterschiede werden eigentlich durch Wechselkurse der Währungen ausgeglichen. Das funktionierte in der EU jedoch nicht mehr. Und so waren deutsche Waren auf dem globalen Markt attraktiver als die der europäischen Partner. Deutsche Unternehmen mussten weniger Lohnkosten je Stück refinanzieren und konnten ihre Waren so billiger anbieten.

Seit 2014 steigen die Löhne in Deutschland wieder. Das Land muss sich an die EU-Normen anpassen und muss seinen unerlaubt erworbenen Wettbewerbsvorteil wieder abgeben. Experten gehen davon aus, dass Deutschland bereits 1/3 seines Vorteils eingebüßt hat (Quelle: Wirtschaftswoche). Wird der Euro wieder stärker und steigen die Gehälter weiterhin, so könnte der Export Deutschlands nicht mehr so stark wachsen wie in den Jahren zuvor. Nach einer Entwicklung der Exporte um +4,0% 2014 und +5,5% 2015 erwartet die Commerzbank für 2016 einen Einbruch auf nur noch +2,3%. Neben dem weichen Euro und den Lohnstückkosten ist Deutschland zusätzlich stark von Schwellenländern abhängig. 40% aller Waren gehen laut der Wirtschaftswoche in Schwellenländer. Sinkt deren Nachfrage, so sinkt auch der deutsche Export merklich.

Die steigenden Löhne haben zwei Effekte auf Deutschland. Auf der einen Seite erkennen wir einen Konsum-Boom. Die privaten Konsumausgaben sind nach 0,9% 2014 2015 um 2,0% gestiegen und könnte, laut der Commerzbank, 2016 um satte 2,5% wachsen. Die Löhne der Menschen steigen und die Deutschen Entdecken den Konsum für sich. Hierbei ist jedoch Vorsicht walten zu lassen. Erlebt Deutschland wirklich einen Boom oder ist es ein Schein-Boom? Experten erklären, dass es ein schein-Boom sei, da das Geld lediglich umverteilt wurde. Die Unternehmen müssen nun mehr Geld an ihre Mitarbeiter ausschütte. Das fühlt sich ein wirtschaftlicher Aufschwung an, ist aber eigentlich nur das Füllen der Lücke, welche seit vielen Jahren entstanden ist. Wir holen quasi den “gestohlenen” Boom im Konsum nach. Viel Mehr wird auf der anderen Seite die Kasse der Firmen leerer und der Wirtschafts-Standort Deutschland verliert an Attraktivität. Neben steigenden Strompreisen stören sich Unternehmen auch an den steigenden Gehaltskosten. In Umfragen äußern sich die meisten Unternehmen über ihre Aussichten für die kommenden Jahr sehr pessimistisch. Zu erkennen ist dies bereits an den Investitionen in Ausrüstung, Ausbau und Anlagen (Anlageinvestitionen), welche nach 4,5% 2014, auf 3,9% 2015 sanken und laut der Commerzbank 2016 nur noch bei 1,1% liegen könnten. Auf der einen Seite fühlen sich die deutschen Konsumenten wie im wirtschaftlichen Aufschwung. Auf der anderen Seite verliert Deutschland aber zunehmend seine Grundlage des Wohlstandes und die Unternehmen werden immer vorsichtiger.

2016 könnte für Deutschland ein schwieriges Jahr werden. Wertet der Euro wieder auf? Steigen die Gehälter weiterhin stark an? Steigen auch die Strompreise? Und bleibt die Nachfrage der Schwellenländer auf hohem Niveau oder geht diese zurück? Deutschland ist vom Export abhängig. Erfolg und Misserfolg eines Jahres hängen zu großen Teilen von der Entwicklung anderer Nationen bzw. des globalen Marktes ab. Bei ungünstigem Verlauf könnte Deutschland einer der Verlierer 2016 werden. Entscheidend wird auch das Management durch die Politik. Reformen müssen her. Steigende Gehälter mit steigendem Konsum könnten die Abhängigkeit vom Export zumindest verringern.

  • Schlecht: Die Nachfrage der Schwellenländer lahmt weiterhin
  • Schlecht: Der Euro wertet auf
  • Schlecht: Starke Lohnsteigerungen
  • Gut: Durch Lohnerhöhungen werden Europäische Partner Wettbewerbsfähiger und erhöhen ihre Nachfrage nach Deutschen Produkten
  • Gut: Durch Lohnerhöhungen steigen die Ausgaben deutscher Konsumenten
  • Gut: Der Euro wird weicher oder bleibt weich
  • Gut: Die Nachfrage der Schwellenländer nimmt wieder zu

Quellen:

Der Arbeitsplatz in Deutschland – Bundeszentrale für politische Bildung

Die Deutsche Wirtschaft 2015 – Statistisches Bundesamt

Pressemitteilung zur Deutschen Wirtschaft 2014 – Statistisches Bundesamt

Lohnstückkosten Europa – Wirtschaftskammer Österreich

Exportziele deutscher Waren – Statistisches Bundesamt

Grafiken

(1) Karte Deutschland-USA / Quelle Stepmap

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(2) Chart Euro US-Dollar / Quelle Finanzen.net

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(3) Chart Euro Renminbi Yuan / Quelle Finanzen.net

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(4) Entwicklung der deutschen Lohnstückkosten / Quelle: Statista

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(5) Entwicklung der Lohnstückkosten in Europa / Quelle: Sun Projects

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(6) Entwicklung des Deutschen BIP / Quelle: Statistisches Bundesamt

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(7) Zusammensetzung des Deutschen BIP, Angebots-Seite / Quelle: Statistisches Bundesamt

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(8) Zusammensetzung des Deutschen BIP, Nachfrage-Seite / Quelle: Statistisches Bundesamt

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