Das Jahr 2021 begann mit einem unerwarteten Paukenschlag. Die Marktmanipulation um die Aktie von GameStop, deren Wert seit Januar 2021 ein beispielloses Plus von 7.400% erreicht hat, ist eines der Topthemen im neuen Jahr.

Wir nehmen dieses Ergebnis zum Anlass, um uns in diesem Artikel mit dem Thema Marktmanipulation zu beschäftigen. Wie konnte es dazu kommen? Welche Formen der Marktmanipulation gibt es? Wie können wir Trader uns vor Verlusten schützen?

Was ist Marktmanipulation?

Als Marktmanipulation wird der Versuch bezeichnet, den Preis eines Vermögenswertes künstlich zu erhöhen bzw. zu senken, oder das Verhalten des Marktes auf andere Weise zum persönlichen Vorteil zu nutzen. Die so entstehende Abweichung zwischen dem wahren Preis, der sich aus den Marktgrundlagen ergibt und dem Börsenwert bietet eine Gelegenheit für Profit durch einfache Arbitrage Geschäfte. Manipulation ist in den meisten Fällen illegal, kann für Aufsichtsbehörden und andere Behörden mitunter jedoch schwer zu erkennen sein (bspw. bei Sammelkonten).

Manipulation wird schwieriger, je größer der Markt sowie die Anzahl seiner Teilnehmer sind. Vergleichsweise ist es wesentlich einfacher den Aktienkurs kleinerer Firmen zu manipulieren, da Analysten und andere Marktteilnehmer diese nicht so genau beobachten wie die mittleren und großen Unternehmen. In der Finanzwelt wird Manipulation ggf. auch als Kursmanipulation, Aktienmanipulation oder Marktmanipulation bezeichnet.

Jegliches Unternehmertum sowie Strategien wie Value Investing basieren prinzipiell auf der Entdeckung und dem Ausnutzen solcher Gelegenheiten um Gewinne zu erzielen – nicht jedoch auf dem eigenständigen Herbeiführen. Das Ziel eines Marktmanipulators besteht somit nicht darin bestehende Gewinnmöglichkeiten zu entdecken. Stattdessen sollen andere Marktteilnehmer getäuscht werden, um eine für den Manipulator profitable Situation zu schaffen, in der Vermögenswerte falsch bewertet werden.

Marktmanipulationen enthalten somit stets die Beeinflussung von Preisen, um bei anderen Marktteilnehmern einen verfälschten Eindruck zu erwecken. Mitunter werden auch falsche Aussagen aufgestellt bzw. veröffentlicht.

Der Manipulator profitiert also auf Kosten der getäuschten Marktteilnehmer. Da der Manipulator die Fehlbewertung selbst herbeigeführt hat, führt Marktmanipulation im Gegensatz zu echtem Unternehmertum oder ehrlicher Anlagestrategie nicht zu einer Verbesserung der Markteffizienz oder zu einem allgemeinen Nutzen für die Gesellschaft.

Unter Umständen kann eine große Marktmanipulation sogar einen Nettoschaden für die Gesellschaft und eine Verringerung der wirtschaftlichen Effizienz bedeuten. Daher wird Marktmanipulation als unehrlich, unethisch und zumeist illegal angesehen.

Was beeinflusst den Wert einer Aktie?

Der Aktienkurs eines Unternehmens wird von weit mehr als nur der betriebswirtschaftlichen Leistung des Unternehmens selbst beeinflusst.

So können auch staatliche Maßnahmen das Geschäftsumfeld eines Unternehmens ändern. Sollten sich gesetzliche Regularien anbahnen, so könnte es für Unternehmen einfacher oder schwieriger werden, sich mit Konkurrenten zu messen und ausreichend Gewinn zu erwirtschaften. Im größeren Rahmen können sich auch geopolitische Faktoren wie ein Regierungswechsel, Kriege oder das Wetter auf Aktienkurse auswirken. Zudem können Wechselkursfluktuationen den Im- bzw. Export benötigter Waren für ein Unternehmen entweder teurer oder preisgünstiger machen und dessen Wirtschaftlichkeit mitunter signifikant beeinflussen. Kursänderungen für die betrieblich erforderlichen Rohstoffe können den Gewinn und Aktienkurs eines Unternehmens zusätzlich beeinflussen.

Markt-Hypes, Gerüchte, Modetrends, Presseberichte oder ein weithin publiziertes Initial Public Offering (IPO) können den Aktienkurs eines Unternehmens beeinflussen – unabhängig davon, ob die Aufmerksamkeit wirklich gerechtfertigt ist.

Du solltest also das große Ganze betrachten und alle oben genannten Faktoren berücksichtigen, falls du versuchst die Richtung eines Aktienkurses vorherzusehen.

Welche Arten von Marktmanipulationen gibt es?

Nachfolgend stellen wir dir verschiedene Methoden von Marktmanipulationen vor. Derartige Ordertechniken werden zumeist mit der Verbreitung falscher Informationen über Online-Kanäle kombiniert. Diese Flut an gefakten Informationen von außen wird mit scheinbar legitimen Marktsignalen kombiniert, um Händler zum Ein- oder Ausstieg aus einer Position zu bewegen. Alle nachfolgenden Methoden bis auf die Währungsmanipulation sind illegal.

Short and Distort

Short and Distort (S&D) bezeichnet eine Methode, bei der ein Manipulator eine Aktie shortet und anschließend Gerüchte verbreitet, um ihren Kurs zu drücken und so einen Gewinn zu erwirtschaften. Hierbei wird auch nicht vor Verleumdungskampagnen (zumeist online) zurückgeschreckt.

Für ein erfolgreiches Short and Distort muss der S&D-Händler über ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit verfügen. Andernfalls werden die verbreiteten Informationen nicht ernst genommen und haben keinen Einfluss auf den Aktienkurs.

Bei einem erfolgreichen Short and Distort sinkt der Wert der manipulierten Aktie stark, sodass der Manipulator seine geshorteten Aktien gewinnbringend verkaufen kann. Der durch den Preisverfall entstehende Verkaufsdruck treibt den Aktienkurs nach unten und ermöglicht es den S&D-Tradern sich zurückzuziehen und ihre Gewinne zu sichern.

Pump and Dump

Ein Pump and Dump ist die Umkehrung von Short and Distort. Hier werden zwar ebenso Fehlinformationen gestreut, um den Kurs einer Aktie zu beeinflussen, jedoch soll der Wert der Aktie stark ansteigen, anstatt ins Bodenlose abzusinken.

Der Manipulator könnte so bspw. behaupten, dass eine gewisse Entwicklung von der Aktie erwartet wird, um potenzielle Investoren anzulocken.

Das Dumping beginnt, sobald die gewünschte Anzahl an Personen eingestiegen ist: Einige Investoren werden ihre Aktien trotz des starken Anstiegs abstoßen, um ihre Verluste zu minimieren. Den übrigen Investoren drohen in diesem Fall große Verluste, da sich die Informationen als Unwahrheit entpuppen werden.

Pump and Dump ist die am häufigsten eingesetzte Manipulationsmethode, bei der eine Microcap-Aktie künstlich aufgebläht und dann verkauft wird, sodass spätere Anhänger die Zeche zahlen müssen.

Poop and Scoop

Bei Poop and Scoop werden falsche und irreführende Informationen über ein Unternehmen oder ein Wertpapier verbreitet, um einen massiven Rückgang des Aktienkurses zu verursachen. Sinngemäß wird auf die Aktie „gepoopt“, damit Investoren ihre Investitionen angewidert fallen lassen. So können Insider ihre Aktie billig aufkaufen und anschließend alles abschöpfen.

Diese Methode bildet also das Gegenstück zu Pump and Dump. Poop and Scoop wird seltener angewandt, da es schwieriger ist, ein legitim gutes Unternehmen schlecht aussehen zu lassen, als ein unbekanntes Unternehmen überragend darzustellen.

Painting the tape

Die Methode Painting the tape unterscheidet sich signifikant von den bisherigen Marktmanipulationen. Hier arbeiten mehrere Personen zusammen, um den Preis eines Wertpapiers aufzublähen, indem sie es untereinander mehrfach kaufen und verkaufen. Durch diesen künstlichen Handel wird die Illusion einer regen Handelsaktivität erweckt, während diese in Wirklichkeit lediglich von einigen wenigen gefakt wird.

Das Ziel ist der Aufbau einer Dynamik, um das Interesse von immer mehr Investoren zu wecken, das Handelsvolumen der Aktie auch außerhalb der kleinen Gruppe zu erhöhen und so den Preis zu steigern. Abschließend verkaufen die Manipulatoren ihre Anteile zu einem hohen Preis.

Für diese Methode können auch mehrere Kauf- und Verkaufsaufträge über verschiedene Broker gleichzeitig erteilt werden, damit diese sich gegenseitig aufheben. Auch hier wird durch das scheinbar erhöhte Volumen der Eindruck erweckt, dass ein steigendes Interesse an dem Wertpapier besteht.

Wash trading

Im Gegensatz dazu manipuliert beim Wash trading lediglich eine Person. So kauft und verkauft ein großer Investor die gleiche Aktie immer wieder in schneller Folge, um das Handelsvolumen zu erhöhen.

Die Aktie soll so für potenzielle Investoren in die Höhe getrieben werden. Diese sind nun eher gewillt in das Unternehmen zu investieren, da die Aktie aufgrund der Handelsaktivität wesentlich attraktiver erscheint.

Currency manipulation

Unter dem Begriff der Währungsmanipulation versteht man die absichtliche Abwertung der Währung eines Landes, in der Regel durch die Regierung oder eine Zentralbank. Hierbei handelt es sich um einen Sonderfall, da der Manipulator aktiv wird, um den Preis oder Wert einer Währung zu anzupassen. Grund hierfür sind zumeist das Aufhübschen der Handelsbilanz oder das Erreichen anderer wirtschaftspolitischer Ziele.

Währungsmanipulation ist besonders, da sich lediglich Zentralbanken und nationale Regierungen (und somit legale bzw. anerkannte Behörden) daran beteiligen können. Einige Regierungen sind augenscheinlich der Ansicht, dass sie mit dem Besitz einer Währung zu entsprechenden Maßnahmen legitimiert wären. Auch wenn Währungsmanipulationen per se nicht illegal sind, so kann ein Land, das seine Währung manipuliert, dennoch von anderen Nationen angegriffen oder durch Sanktionen bestraft werden. Die Welthandelsorganisation (WTO) ist derzeit die Institution, die bei derartigen Vorwürfen zurate gezogen wird.

Unter der Abwertung einer Währung versteht man deren Manipulation durch die absichtliche Abwärtskorrektur des Geldwertes. Grund für eine Abwertung könnte bspw. die Bekämpfung eines Handelsungleichgewichts sein: Eine Abwertung senkt stets die Exportkosten des Landes und macht es global wettbewerbsfähiger. Dies erhöht jedoch die Importkosten, sodass einheimische Verbraucher weniger aus dem Ausland kaufen, was wiederum den Umsatz inländischer Unternehmen erhöht. Das bedeutet, dass ein Land, das seine Währung abwertet, sein Defizit über die starke Nachfrage nach billigeren Exporten verringern kann.

Wie erkenne ich Marktmanipulationen?

Nachfolgend bieten wir dir eine Hilfestellung an, mit der du Manipulationen leichter erkennen und dich somit besser davor schützen kannst.

Der beste Weg, wie du dich selbst vor Manipulationen schützen kannst, ist eigene Nachforschungen. Du wirst dich in deinen Entscheidungen viel sicherer fühlen, sobald du deine Hausaufgaben gemacht hast. Daher empfehlen wir die Durchführung einer eigenen Due-Diligence-Prüfung.

Sollten S&Ds dennoch eine deiner Aktien manipulieren, so wirst du in der Lage sein, ihre Verzerrungen frühzeitig zu erkennen und deine Verluste zu minimieren, bzw. ihren falschen Behauptungen im Idealfall gar nicht erst auf den Leim zu gehen.

Fallbeispiel Marktmanipulation: People’s Bank of China

Unser erstes Beispiel stellt eine Währungsmanipulation dar. So setzte die People’s Bank of China (PBOC) den täglichen Referenzkurs des Yuan am 5. August 2019 zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt unter die Marke von 7 pro US-Dollar. Dieser Schritt war eine Reaktion auf neue Zölle in Höhe von 10 % auf chinesische Importe im Wert von 300 Mrd. US-Dollar, die von der Trump-Administration verhängt wurden und am 1. September 2019 in Kraft traten.

Die Maßnahmen der PBOC führten zu einem Ausverkauf an den globalen Märkten, einschließlich in den USA. Hier verlor der Dow Jones Industrial Average (DJIA) 2,9 %. Infolgedessen bezeichnete die Trump-Administration China als Währungsmanipulator.

Fallbeispiel Marktmanipulation: GameStop-Aktie

Der brandaktuelle Fall im Bereich Marktmanipulation betrifft die GameStop-Aktie. Das Geschäftsmodell von GameStop liegt in dem Verkauf von zumeist gebrauchten Videospielen und Merchandise in lokalen Shops. Kritiker werfen dem Unternehmen schon seit Jahren vor, dass es die digitale Wende verschlafen habe. Die wirtschaftliche Situation von GameStop hat sich, insbesondere seit Beginn der Corona-Krise und den damit einhergehenden, fallenden Absätzen in den analogen Shops, weiter verschärft.

So gab das Unternehmen am 8. Dezember 2020 bekannt, dass bis zum Ende des Geschäftsjahres im März 2021 mehr als 1.000 Filialen geschlossen werden sollen und das, nachdem in den vergangenen zwei Jahren bereits über 783 Filialen geschlossen wurden.

Die Vorgeschichte von GameStop

Wirbel um GameStop kam bereits im September 2020 auf, als Ryan Cohen (Investor und Gründer des Online-Tiernahrungsunternehmens Chewy) einen 13-prozentigen Anteil am Unternehmen übernahm. Zusätzlich begann er sich für die Digitalisierung von GameStop einzusetzen, mit dem Ziel, dass dieses sich im kommenden Jahrzehnt entgegen aller Erwartungen zu einem ernsthaften Konkurrenten für Amazon entwickeln kann.

Währenddessen hat sich eine Gruppe von Daytradern über das Subreddit WallStreetBets (mit mehr als 3,5 Millionen Mitgliedern) darauf geeinigt, den Aktienkurs von angeschlagenen Unternehmen in die Höhe zu treiben, um Profit zu generieren. Darunter zählen neben GameStop auch BlackBerry, Macy’s und AMC. Auf der anderen Seite gibt es millionenschwere Hedge-Fonds und Leerverkäufer, die darauf gesetzt haben, dass die Aktien dieser Unternehmen abstürzen werden.

Der Aktienkurs von GameStop begann zu steigen, als Kleinanleger die billige Aktie aufkauften und augenscheinlich die Gunst der Stunde nutzten.

Ansatz der Marktmanipulation bei GameStop

Hedge-Fonds (darunter Melvin Capital und Citron) hatten versucht, GameStop-Aktien zu „leerverkaufen“, da das Geschäftsmodell von GameStop als nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen wird. Bei Leerverkäufen leiht man sich eine bestimmte Anzahl an Aktien von Brokern und verkauft sie dann zum günstigeren Wert. Die Profis gingen bei GameStop also short, hofften auf ein weiteres Abfallen des Marktes.

Sinkt der Aktienkurs, so können sie ihre Positionen zum niedrigeren Preis verkaufen und an den Broker zurückgeben, von dem sie geliehen haben. Die Differenz zwischen dem Betrag, für den sie verkauft haben, und dem niedrigeren Preis, den sie beim Kauf bezahlt haben, wird als Gewinn verbucht.

Die Trader auf WallStreetBets sahen, dass GameStop eine stark geshortete Aktie war. Sie ermutigten sich gegenseitig GameStop-Call-Optionen zu kaufen. Diese ermöglichen es Anlegern, Aktien zu einem bestimmten Preis bis zu einem bestimmten Datum zu kaufen.

Aber was würde passieren, wenn die Aktie weiter ansteigt? Leerverkäufer werden dann versuchen, die Aktie zurückzukaufen, bevor sie noch höher steigt, was als Short Squeeze bezeichnet wird. Diese Massenkäufe erzeugen dann einen weiteren Anstieg des Kurses.

GameStop: Aktueller Stand und unsere Prognose

Ende Januar 2021 sind etwa 71,66 Mio. GameStop-Aktien im Wert von etwa 4,66 Mrd. $ leerverkauft. Seit Jahresbeginn hat diese Manipulation Investoren ca. 6,12 Mrd. $ gekostet. An einem Montag stieg die Aktie um 145 % in weniger als zwei Stunden an, was die Gewinne von GameStop in diesem Jahr auf mehr als 300 % erhöht und für die Short Seller einen zusätzlichen Verlust von 2,79 Mrd. $ bedeutet.

GameStop war in den letzten Wochen eine der am häufigsten gehandelten Aktien, wobei die Zahl der Kaufaufträge die der Verkaufsaufträge um mehr als vier zu eins übertraf. Diese Volatilität veranlasste die New Yorker Börse, den Handel mehrmals kurzzeitig zu unterbrechen.

Der GameStop-Kurs ist seit Anfang Januar 2021 nunmehr um insgesamt 1.700 % gestiegen. Einige Handelsplattformen (u.a. TD Ameritrade, Trade Republic und Robinhood) beschränken den Handel mit AMC und GameStop, um einen weiteren Missbrauch zu vermeiden. Die SEC und das Weiße Haus verkündeten bereits, dass sie die Situation beobachten.

Dementsprechend scheint das gewinnbringende Momentum bei den GameStop-Aktien bereits verstrichen.

Fazit

Vor allem Daytrader und kurzfristige Investoren sind von Marktmanipulationen betroffen. Lass’ dich nicht dazu verleiten übereilt zu handeln, falls du scheinbar überwältigende Nachrichten liest, denn hohe Volatilität bedeutet wiederum ein erhöhtes Risiko. Informiere dich stattdessen eingehend und investiere umsichtig und langfristig.

Wenn du dich langfristig mit den Themen: Aktien, Börse, Investments beschäftigen willst, dann abonniere unseren unverbindlichen Newsletter. Dort bekommst du regelmäßig spannende Investment-Tipps und Ratschläge sowie Hilfe von echten Profis.

Das könnte dich auch interessieren:

Cookie Banner von Real Cookie Banner