Wie liest man einen Geschäftsbericht?

Geschäftsberichte sind das Herzstück dessen, was ein Unternehmen von sich preis gibt. Dementsprechend wichtig sind diese für Anleger, um ein Unternehmen zu kennen, zu bewerten und zu handeln. Früher war es völlig normal, dass Aktionäre, Investoren und Trader diese Berichte analysierten. Heutzutage wird eher auf Charttechnik und Analysten-Bewertungen vertraut. Bilanzen eines Unternehmens können mit der Aktiensuchmaschine gefunden werden.

Jeder versucht für sich einen gewissen Vorteil am Markt herauszuarbeiten. Dabei scheint dieser geradezu vor der Nase des längerfristigen Händlers zu sein. Mehr Informationen als im Geschäftsbericht findet man selten über ein Unternehmen. Portale und Analysten geben den Inhalt bereits nur in Teilen und komprimiert bzw. aufbereitet wider. Wer den Geschäftsbericht liest und versteht, der kennt das Unternehmen besser als andere.

Wir wollen in diesem Beitrag das Wissen vermitteln, wie man Geschäftsberichte liest und versteht, wie ein solcher Geschäftsbericht aufgebaut ist und was er enthält. Mehr zu den Nuancen und Details erfahrt ihr an späterer Stelle.

Richard Kupfer

RichardKupfer  

Richard Kupfer

Richard Kupfer lebt in Österreich, Salzburg und ist als Leitender Kaufm. Angestellter bei einem großen, deutschen Technologiekonzern beschäftigt. Seit 1990 ist er aktiv mit verschiedenen Finanzprodukten an der Börse tätig. Ergänzend zu seiner Fachkenntnis über Unternehmensbewertung und Fundamentalanaylse beschäftigt sich Richard seit der Jahrtausendwende primär mit dem Gebiet der Technischen Chartanalyse, sowie der Entwicklung entsprechender Handelssysteme. Sein aktuelles Portfolio firmiert mittlerweile seit Anfang 2016 unter dem Namen ConTraMo. Die verschiedenen Handelssysteme betreibt er dabei nicht nur real, sondern führt diese teilweise auch auf der Social Trading Plattform Wikifolio inklusive einer Facebook-Seite zur Information und Kommunikation.

Mein Wikifolio

Aufbau eines Geschäftsberichtes

Ein Geschäftsbericht besteht im klassischen Falle aus:

Aktionärsbrief

Bericht des Aufsichtsrates

Corporate Governance Abschnitt

Konzernlagebericht

Konzernabschluss

Bestätigungsvermerk des Abschlussprüfers

Besonders interessant sind natürlich der Aktionärsbrief, der Konzernlagebericht und der Konzernabschluss. Im Aktionärsbrief wendet sich das Unternehmen direkt an seine Aktionäre. Konzernlagebericht und –abschluss liefern Zahlen, Daten, Fakten und Einsichten zur wirtschaftlichen Situation des Unternehmens.

Die anderen Teile sind nicht unwichtig und sollten nicht einfach unter den Tisch fallen gelassen werden, doch für den Moment sollte es ausreichen sich mit den drei genannten Punkten näher zu befassen, um einen Einblick in die Informationstiefe eines solchen Geschäftsberichtes zu bekommen.

Der Aktionärsbrief

Der Aktionärsbrief

Der Aktionärsbrief ist dafür gedacht, den Investoren schnellstmöglich einen Einblick in die aktuelle Strategie des Managements zu geben. Hier werden Entscheidungen und geplante Szenarien gerechtfertigt. In Krisensituationen gibt das Management an dieser Stelle auch bekannt, was gegen die aktuelle prekäre Situation unternommen werden soll.

So sagte Joe Kaeser im Aktionärsbrief der Siemens AG Q1:

„Die meisten unserer Geschäfte haben sich im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt. Einige Divisionen erzielten ausgezeichnete Ergebnisse. Healthcare muss seine Anstrengungen verstärken, um schnell wieder an die bisherigen herausragenden Leistungen anzuknüpfen. Power and Gas benötigt ein deutlich weiterreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren”.

In diesen Aussagen wird deutlich, auf was für Sektoren der Investor ein Auge haben muss, sofern er sich für ein Investment entscheiden sollte. Er weiß nun, auf welche Sektoren die Geschäftsleitung ein besonderes Augenmerk legt und kann ebenso agieren und sich anhand der Entwicklungen in diesen Bereichen ein Bild machen.

Ein weiteres Beispiel etwas älterer Natur, eine Produkt-Innovation:

„Den nächsten Wachstumsschub erwarten wir im Jahr 2009 mit der Markteinführung des Panamera. Weltweit sehen wir einen beträchtlichen Bedarf an viertürigen, viersitzigen Sportwagen, die ein überragendes Leistungsniveau bieten. Der Erfolgsgeschichte von Porsche wird mit dieser Baureihe ein weiteres Kapitel hinzuzufügen sein.“

Das Beispiel findet sich im Aktionärsbrief der Porsche AG über die ersten 6 Monate des Geschäftsjahres 2006/2007. Ein Investor hätte sich nun am Erfolg des Panamera orientieren können, um einzuschätzen, wie gut sich die Strategie des Konzerns aktuell im Markt wiederfindet.
Am Beispiel Porsche lässt sich doch sehr gut sagen. Beispielhafte Kennzahlen wären: Anzahl neuzugelassener Autos global, Anzahl produzierter Panameras und demgegenüber die Anzahl der verkauften, was auf den Restlagerbestand schließen lässt.

Der Konzernlagebericht

Der Konzernlagebericht

Der Konzernlagebericht ist erneut eine verbale Darstellung des Managements. Hier liegt der Fokus nun auf der aktuellen Lage des Konzerns, also speziell dem Geschäftsverlauf.
Dies passiert unter der Einflussnahme der Rahmenbedingungen, in denen das Unternehmen agiert.
Dazu werden verschiedene Basiskennzahlen verwendet, wie zum Beispiel ROCE (Return on Capital Employed), quasi die Rendite auf das eingesetzte Kapital. Jedoch werden neben finanziellen Kennzahlen auch Faktoren wie Kundenzufriedenheit und/oder Arbeitnehmer- /Umweltthemen behandelt und besprochen.

Zum Standard gehört zudem eine Chance-Risikoanalyse, die das Unternehmen unter den aktuellen Umständen betrachtet.

Der Konzernabschluss

Der Konzernabschluss

Kapitalgesellschaften sind dazu verpflichtet, ihre Finanzen und Berichte offenzulegen. Jedes Unternehmen an der Börse muss dementsprechend seine Geschäftsberichte auf der eigenen Website veröffentlichen. Mit der Google-Suche „Firma XY Geschäftsbericht“ lassen diese sich eigentlich immer zügig finden. Geschäftsberichte können sich auf ein Quartal, ein Halbjahr oder ein ganzes Geschäftsjahr beziehen.

Im Geschäftsbericht legt ein Unternehmen zuerst seine Gesamt-Ergebnisrechnung vor. Diese gibt Aufschluss über die Umsätze und wie aus dem reinen Umsatz nach Abzügen der Gewinn entsteht.

Im zweiten Teil wird die Bilanz veröffentlicht. In dieser kann man das Vermögen und die Schulden des Unternehmens detailliert ablesen. Vergleiche und Entwicklungen kann man erkennen.

Nun wollen wir dir zeigen, wie ein Geschäftsbericht aussieht. Wir wollen dir ebenfalls zeigen, was die einzelnen Bestandteile bedeuten, was man aus ihnen schließen kann und wo mögliche Probleme entstehen. Hierfür haben wir einen fiktiven Geschäftsbericht der Inside Trading AG erstellt, an welchem wir uns entlang hangeln wollen.

Die Gesamt-Ergebnisrechnung der Inside Trading AG

Folie1

in Mio. Euro

Umsatzerlöse

Umsatzerlöse

Der Umsatz beschreibt die Summe der Gelder, welche ein Unternehmen einnimmt. Ausgaben werden nicht beachtet. Bezahlt ein Kunde 10€, dann ist dies ein Umsatz von 10€. Umsatzerlöse sind die Summe aller Einnahmen aus den Geschäftsbetrieb des Unternehmens.

Umsatzkosten

Umsatzkosten

Nun werden die Kosten abgezogen, welche dem Unternehmen entstehen, um den Umsatz zu generieren. Material, Miete, Gebäude, Nebenkosten, Lohnkosten und andere Dinge sind zwingend notwendig, um den Umsatz machen zu können. Dienstleistungsunternehmen haben hierbei eher hohe Lohnkosten. Industrie-Unternehmen müssen immense Materialkosten einrechnen.

Bruttoergebnis des Umsatzes

Bruttoergebnis des Umsatzes

Zieht man die Umsatzkosten von den Umsatzerlösen ab, so erhält man den Gewinn aus dem geschäftlichen Betrieb. Sonstige finanzielle Einflüsse sind nicht enthalten. Die Inside Trading AG hat aus dem geschäftlichen Betrieb ein Brutto-Umsatzergebnis in Höhe von rund 960 Millionen Euro erzielt.

Vertriebskosten

Vertriebskosten

Vertriebskosten entstehen bei der Förderung, Überwachung, Vorbereitung und Durchführung des Vertriebs der Produkte oder Dienstleistungen. Klassisch kann man unter der Förderung marketingtechnische Maßnahmen, wie Werbung, verstehen. Die Überwachung könnten Marktforschung und Umfragen sein. Vorbereitung und Durchführung werden vertriebstechnisch begleitet und unterstützt.

Verwaltungskosten

Verwaltungskosten

Im Unternehmen entsteht Aufwand für die Verwaltung. Buchführung, Steuern, rechtliche Abwicklung, Analyse von Datensätzen oder auch das einfache Verwalten der Mitarbeiter mit Verträgen, Gesprächen und anderen Dingen ist Aufwand. Aufwand welcher vor allem Arbeitszeit kostet und vergütet werden muss.

Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen

Sonstige betriebliche Erträge und Aufwendungen

Es gibt immer wieder Kosten oder Einnahmen, welche keinem dieser Bereiche direkt zugeordnet werden können. Diese werden unter sonstige Erträgen und Aufwenden aufgezeigt. Es sind meist kleine Beträge, welche in die Rechnung einfließen, aber für den Aktionär nicht von Bedeutung sind. Bei größeren Beträgen im Verhältnis zu den Kosten für Vertrieb und Verwaltung sollten Nachforschungen angestellt werden.

Betriebliches Ergebnis (EBIT)

Betriebliches Ergebnis (EBIT)

EBIT ist die Abkürzung für den englischen Begriff „earnings before interest and taxes“. Im Deutschen ist dies der „Gewinn vor Zinsen und Steuern“ oder auch kurz gesagt das betriebliche Ergebnis. Nachdem beim Bruttoergebnis des Umsatzes nur die Einnahmen und Ausgaben des Kerngeschäftes des Unternehmens beachtet worden sind, so fließen in die EBIT auch die Aufwendungen für den Erhalt des Unternehmens, wie Vertrieb und Verwaltung, mit ein. Sonstige finanzielle Einflüsse wie Zinsen und Steuern sind weiterhin nicht beachtet.

Zu erkennen ist, dass die Inside Trading AG 2013 einen Verlust einfuhr. Die Ausgaben für den Vertrieb waren ziemlich hoch. Es wurde mehr ausgegeben, als das Unternehmen eingenommen hat.

Zinsertrag und –aufwand

Zinsertrag und –aufwand

Jedes Unternehmen bildet Rücklagen oder nimmt Schulden/Fremdmittel auf. Hierbei entstehen Einnahmen in Form von Zinsen und Dividenden und vor allem Ausgaben in Form von Zinsen auf Kredite.

Finanzergebnis

Finanzergebnis

Die Aufwendungen und Erträge in Form von Zinsen gegeneinander gerechnet (Erträge – Aufwendungen) stellen das Finanzergebnis dar.

Ergebnis vor Steuern (EBT)

Ergebnis vor Steuern (EBT)

Stellt die EBIT das Ergebnis vor Zinsen und Steuern dar, so ist die EBT das Ergebnis vor Steuern. Nun haben wir bereits Einnahmen und Ausgaben aus dem Erhalt des Absatzes, dem Erhalt des Unternehmens und dem finanziellen Aufwand der Finanzen eingerechnet. Dieses Ergebnis lässt nicht mehr absolut auf den Erfolg des Kerngeschäfts schließen, aber gibt ein genaues Bild über die gesamten Finanzen des Unternehmens.

Steuern

Steuern

Zu erkennen ist, dass die Inside Trading AG 2013 auf Grund des Verlustes eine Steuererstattung in Höhe von 700.000€ erhielt und 2014 jedoch wieder 10,5 Millionen Euro Steuern bezahlte.

Periodenergebnis

Periodenergebnis

Am Ende der gesamten Rechnung wissen wir, was das Unternehmen in der Periode (Quartal, Halbjahr oder Jahr) verdient hat. Es können Gewinne oder Verluste entstanden sein.

Die Unternehmensbilanz

Eine Unternehmensbilanz besteht aus Aktiva und Passiva. Auf der Aktiva-Seite sind die Vermögenswerte des Unternehmens aufgeführt – der Besitz. Dieser finanzielle Besitz kann in verschiedenen Formen vorhanden sein. Maschinen und auch Material sind Vermögenswerte, aber lassen sich nur langsam in flüssige Zahlungsmittel, wie Geld, umwandeln. Während auf der Aktiva-seite (links in der Bilanz) eigene Mittel (eigener Besitz) bzw. Eigenkapital aufgeführt ist, so findet sich auf der Seite der Passiva (rechts in der Bilanz) das Fremdkapital. Fremdkapital sind Vermögenswerte, welche das Unternehmen besitzt, verwaltet und nutzt, aber an den eigentlichen Besitzer zurückzahlen muss. Dies können Rückstellungen sein (Pensionsrückstellungen) oder in der klassischen Form Drittmittel/Schulden.

Bilanz

Bilanz der InsideTrading AG

Die Bestandteile der Aktiva genauer erklärt:

Langfristige und kurzfristige Vermögenswerte

Langfristige und kurzfristige Vermögenswerte

Ein Unternehmen besitzt Vermögenswerte. Diese können dem Unternehmen in unterschiedlichster Form vorliegen. Patente stellen genauso wie Maschinen, Werkzeug, Rohstoffe aber auch das Geld auf dem Konto für den Konzern Vermögen dar. Hierbei sind einige Vermögenswerte schneller flüssig nutzbar als andere.

Langfristige Vermögenswerte sind für ein Unternehmen meist fest gebundenes Kapital, welches sich nur langsam und schwer freisetzen bzw. flüssig machen lässt. Hierzu gehören beispielsweise Hallen oder Maschinen.

Kurzfristige Vermögenswerte lassen sich viel schneller in Geld umsetzen. Hierzu gehören die liquiden Zahlungsmittel, aber auch Vorräte, welche sich schnell verkaufen lassen. Das gebundene Kapital lässt sich schnell wieder flüssig (liquide) verfügbar machen.

Ein Aktionär freut sich einerseits über große langfristige Vermögenswerte. Im Fall einer Insolvenz kann so viel Kapital freigesetzt werden. Der Aktionär erhält sein Geld wahrscheinlich zurück. Jedoch sollte ein Unternehmen auch über genügend kurzfristig flüssige Mittel verfügen, um unerwartete Kosten begleichen zu können.

Immaterielle Vermögenswerte

Immaterielle Vermögenswerte

Immaterielle Vermögenswerte sind beispielsweise Patente. Hierbei ist ein System, eine Idee oder ein Konzept geschützt. Es handelt sich um nicht-anfassbare Dinge, welche für das Unternehmen jedoch einen Wert darstellen. Es wäre möglich, dieses Vermögen zu verkaufen, indem beispielsweise Patente verkauft werden.

Sachanlagen

Sachanlagen

Sachanlagen sind materielle Besitztümer des Unternehmens. Hallen, Gebäude, Maschinen, Material und andere Dinge binden Kapital langfristig. Industrie-Unternehmen, wie eine Stahlhütte, haben einen großen Posten Sachanlagen. Der Wert der industriellen Güter ist groß und fällt in der Bilanz auf.

Finanzielle Vermögenswerte

Finanzielle Vermögenswerte

Dies können beispielsweise Aktien sein. Unternehmen legen Geld langfristig an und kaufen Wertpapiere anderer Unternehmen. Aber auch andere Finanzprodukte sind Vermögenswerte. Das Unternehmen kann hierbei kurzfristige oder auch langfristige finanzielle Vermögenswerte besitzen. Die Firma entscheidet die Definition und Größe der Position.

Vorräte

Vorräte

Rohstoffe, Zwischen-Produkte und Endprodukte stellen Vorräte dar. Bei einem Hersteller von Jeans könnten dies beispielsweise Eisen und Stoff als Rohstoffe, Jeans-Knöpfe als Zwischenprodukt und die Jeans als Endprodukt sein. Diese Vorräte können und sollen schnellstmöglich verkauft werden und stellen somit eine kurzfristige Bindung von Kapital dar.

Forderung aus Lieferung und Leistung

Forderung aus Lieferung und Leistung

Der Verkauf und die Vergütung können zeitlich versetzt sein. Bei einem Einzelhändler ist dies kein großer Posten. Die Bezahlung erfolgt an der Kasse oder die Abbuchung vom Konto einige Tage später. Industrie-Unternehmen wie beispielsweise Thyssen Krupp jedoch verfügen über große Verträge. Es wird produziert, die Zahlung jedoch erfolgt später. Das Unternehmen hat eine Forderung aus einer Lieferung von Produkten oder einer Leistung gegenüber dem Nachfrager. Dieser Posten wächst auch, wenn Kunden nicht zahlen. Auch hier besteht eine Forderung.

Liquide Mittel

Liquide Mittel

Geld auf Konten, in Tresoren oder bei Einzelhändlern in der Ladenkasse stellen die flüssigste Form des Vermögens dar. Es ist sofort und jederzeit nutzbar.

Die Bilanzsumme

Die Bilanzsumme

Alle Vermögenswerte zusammen ergeben die Summe der Bilanz. Es ist die Summe aller Vermögenswerte des Unternehmens.

Die Bestandteile der Passiva genauer erklärt:

Eigenkapital, langfristige und kurzfristige Schulden

Eigenkapital, langfristige und kurzfristige Schulden

Dem eigenen Kapital stehen Schulden gegenüber. Oder auch: Dem Eigenkapital steht Fremdkapital gegenüber. Die Summe des Eigenkapitals ergibt sich aus dem Besitz des Unternehmens. Das Eigenkapital stellt hierbei lediglich eine rechnerische Summe dar – es ergibt sich aus der Differenz zwischen Bilanzsumme wird das Fremdkapital abgezogen. Auf der rechten und linken Seite einer Bilanz ist die Bilanzsumme immer dieselbe.

Ein Unternehmen kann langfristige Schulden besitzen, welche über 5, 10 oder mehr Jahre gehalten oder abbezahlt werden. Dem gegenüber stehen kurzfristige Verbindlichkeiten. Langfristige Schulden gefallen einem Aktionär generell besser. Hierbei entsteht zwar eine Zins- und Tilgungs-Verpflichtung über einen langen Zeitraum, kurzfristige Schulden jedoch beeinflussen die Liquidität eines Unternehmens. Kann ein Unternehmen Schulden nicht mehr bedienen, so ist es insolvent.

Rückstellungen

Rückstellungen

Rückstellungen dienen dazu den Gewinn und das Eigenkapital an die Realität anzupassen. Wenn ein Unternehmen Kosten in den nächsten Jahren erwartet, dann sind für diese Kosten Rückstellungen zu bilden. Dies können Rückstellungen für Gerichtsverfahren, Gebäude-Reparaturen oder auch Pensions-Zahlungen an Mitarbeiter sein. In diesem Fall besitzt das Unternehmen das Geld zwar, gibt jedoch mit dieser Rückstellung an, dass dieses Geld theoretisch jemand anderem gehört. Es muss zu einem späteren Zeitpunkt mit Gewissheit abgegeben werden.

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten

Kredite jeglicher Form sind Verbindlichkeiten gegenüber Dritten. Hierbei können diese Schulden kurzfristig sein wie ein Kontokorrentkredit (das Konto ist überzogen) oder langfristig, wie ein Darlehen bei einer Bank, welches über 15 Jahre vereinbart ist.

Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung

Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung

Ein Unternehmen kauft Rohstoffe und Leistungen ein. Aus diesem Vorgang resultieren Zahlungs-Verpflichtungen gegenüber anderen, welche zeitversetzt zu leisten sind oder wegen Engpässen in der Liquidität noch nicht beglichen wurden.

Eigenkapital

Eigenkapital

Von der Bilanzsumme werden die langfristigen und kurzfristigen Verbindlichkeiten abgezogen. Das Eigenkapital kann durch Gewinnrücklagen (gesparter Gewinn) oder Verlustvortrag (Verluste aus dem Vorjahr) beeinflusst werden. Als Bilanz-Gewinn bezeichnet man die Veränderung der Aktiva-Seite gegenüber dem Vorjahr. Hat das Unternehmen Verluste gemacht und Vermögen verloren, dann sinkt auch die Summe des Eigenkapitals. Ein Bilanzverlust wurde eingetragen. Gezeichnetes Kapital entsteht durch Kapitalerhöhungen an der Börse oder durch interne Einzahlungen von Vermögen durch die Gesellschafter.

Wie analysiert man eine Bilanz?

Die Bilanz gibt einen übersichtlichen Aufschluss über die Verteilung des Vermögens eines Unternehmens. Man kann aus der Bilanz ablesen, ob ein Unternehmen gesund oder finanziell gefährdet ist. Man kann nicht sagen, dass bestimmte Positionen besonders groß oder klein sein sollten. Entscheidend ist eine gesunde Verteilung.

  • Hat das Unternehmen hohe langfristige Vermögenswerte, aber kaum kurzfristige, so könnte die Zahlungsfähigkeit bedroht sein
  • Hat das Unternehmen hohe kurzfristige Vermögenswerte, aber kaum langfristige, so besitzt das Unternehmen zwar Geld, aber scheint dieses nicht zu investieren. Kapital muss investiert und langfristig gebunden werden, um die Geschäftstätigkeit zu erhalten oder auszubauen. Ein produzierendes Unternehmen muss Hallen und Maschinen bauen, genauso wie ein Dienstleister neue Büro-Gebäude errichten sollte. Zu viel flüssiges Kapital ist auch nicht gut.
  • Hohe Vorräte weisen darauf hin, dass das Unternehmen nicht genug verkauft. Rohstoffe, Zwischenprodukte oder die Endprodukte liegen ungenutzt herum.
  • Hohe Forderungen aus Lieferung und Leistung sind eklatant gefährlich, denn für die Erbringung dieser Lieferungen oder Leistungen sind bereits Kosten entstanden. Die Einnahmen fehlen jedoch. Zahlungsausfälle und fehlende Einnahmen können zur Insolvenz führen.
  • Hohe langfristige Schulden verbauen dem Unternehmen die Möglichkeit, weitere aufzunehmen.
  • Hohe kurzfristige Schulden können die Zahlungsunfähigkeit zur Folge haben.
  • Keine oder niedrige Schulden sind in der heutigen Wirtschaftsform auch nicht zwingend gut, denn Unternehmen sollen investieren und expandieren und könnten/sollten dies zusammen mit Banken und anderen Geldgeber realisieren.

Es lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung der Bilanzsumme. Steigt die Bilanzsumme, so fließt dem Unternehmen Vermögen zu. Hierbei weiß man jedoch noch nicht, ob dies Schulden oder eigenes Vermögen sind. Fremd- oder Eigenkapital. Passiva oder Aktiva.

Eine wichtige Größe ist der Blick auf die Eigen- und Fremd-Kapitalquote. Hierbei wird das Eigenkapital in Relation zum Fremdkapital gesetzt: Eigenkapital / Bilanzsumme * 100. Ein Unternehmen sollte immer über einen gewissen Anteil von Eigenkapital verfügen, um der Gefahr einer Insolvenz nicht zu nahe zu kommen. Eine ungefähre Daumenregel sind 30% Eigenkapitalquote.

Analyse einer Bilanz am Beispiel der Inside Trading AG

Analyse einer Bilanz am Beispiel der Inside Trading AG

Die Inside Trading AG verfügt über eine Bilanz-Summe von rund 1,8 Milliarden Euro. Das Eigenkapital beträgt 1,1 Milliarden. Das Fremdkapital summiert sich auf 700 Millionen Euro. Die Eigenkapital-Quote steht somit bei 61,1%. Das Unternehmen ist gesund und hat noch viel Potential neue Schulden aufzunehmen, um Expansion zu finanzieren oder wirtschaftlich schleppende Phasen zu überstehen.

Bei einem Blick in die Bilanz erkennen wir hohe kurzfristige Vermögenswerte auf der Aktiva-Seite. Die Zahlungsmittel belaufen sich auf eine Milliarde Euro und die Vorräte auf 350 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Sachanlagen in Höhe von nur 111 Millionen Euro. Bei diesem Unternehmen sollte beobachtet werden, dass die Zahlungsmittel in langfristige Vermögenswerte investiert werden. Geld, welches rumliegt, arbeitet nicht. Es ist nicht gebunden in Anlageformen, welche Umsatz generieren. Es liegt nur auf dem Konto. Das gefällt Anteilseigner des Unternehmens (Aktionären) nicht. Auch sind die Forderungen gegenüber anderen im Verhältnis zu den Sachanlagen recht hoch, wenn es sich um ein produzierendes Unternehmen handelt. Dienstleister verfügen dagegen selten über hohe Sachanlagen.

Das Unternehmen besitzt hohe Verbindlichkeiten aus dem wirtschaftlichen Betrieb. Etwa 50% der liquiden Mittel (eine Milliarde) „verpuffen“, wenn die Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung beglichen werden. Dies ist mit Argus-Augen zu beobachten. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind zwar im Vergleich zu den kurzfristigen Vermögenswerten als „In Ordnung“ zu beurteilen (1,6 Milliarden kurzfristige Zahlungsmittel stehen 523 Millionen kurzfristigen Schulden gegenüber), dennoch sollten die Verbindlichkeiten nicht allzu stark anschwellen.

Das Unternehmen ist generell als bilanziell gesund zu beurteilen und hat viel Potential eigene Zahlungsmittel oder Fremdmittel zu investieren