Orderarten – eine Vielfalt, die man nicht braucht?

Die falsche Art der Order ist nicht lebensbedrohlich, aber kann verdammt viel Geld kosten oder dazu führen, dass Sie das Finanzprodukt gar nicht erst erhalten. Daher raten wir Ihnen ein Grundverständnis für die Grundorderarten zu entwickeln und auch zu verstehen, was diese bei Ihrer Bank oder Ihrem Broker kosten. Zudem können einzelne Ausführungsarten bei unterschiedlichen Finanzdienstleistern, unterschiedliche Namen besitzen.

Richard Kupfer

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Richard Kupfer

Richard Kupfer lebt in Österreich, Salzburg und ist als Leitender Kaufm. Angestellter bei einem großen, deutschen Technologiekonzern beschäftigt. Seit 1990 ist er aktiv mit verschiedenen Finanzprodukten an der Börse tätig. Ergänzend zu seiner Fachkenntnis über Unternehmensbewertung und Fundamentalanaylse beschäftigt sich Richard seit der Jahrtausendwende primär mit dem Gebiet der Technischen Chartanalyse, sowie der Entwicklung entsprechender Handelssysteme. Sein aktuelles Portfolio firmiert mittlerweile seit Anfang 2016 unter dem Namen ConTraMo. Die verschiedenen Handelssysteme betreibt er dabei nicht nur real, sondern führt diese teilweise auch auf der Social Trading Plattform Wikifolio inklusive einer Facebook-Seite zur Information und Kommunikation.

Mein Wikifolio

Market-Orders

Definition: Eine Market-Order wird immer sofort ausgeführt. Bei dieser Orderart gibt der Investor kein Limt (maximaler Kaufkurs bzw. minimaler Verkaufskurs) an und akzeptiert jeden Preis.  Zusammen mit einer Market-Order wählt der Anleger auch immer einen Handelsplatz (Xetra, L&S, Frankfurt,…) aus, denn mit dem Platzieren einer Market-Order bekommt der Trader an dem ausgewählten Börsenplatz den momentan günstigsten Kaufpreis (“Billigst”) beziehungsweise kann zu dem momentan teuersten Preis seine Anteile verkaufen (“Bestens”).

Anwendung: Auf die Market-Order greifen Anleger zurück, wenn sie sofort in den Markt möchten – “koste es, was es wolle”. Mit einer Market-Order geht der Trader auf Nummer sicher, dass seine Order ausgeführt wird und er in den Markt kommt.

Beispiel: Apple meldet, dass sie ein fahrerloses Auto entwickelt haben, welches in Asien, den USA und Europa zugelassen ist. Daraufhin steigt der Kurs ununterbrochen und Sie wollen die Aktien unbedingt haben, weil Sie der Meinung sind, dass es diese Aktie so günstig nie wieder geben wird. In diesem Fall würden Sie eine Marketorder platzieren.

Limit-Orders

Definition: Bei einer Limit-Order wird im Vorfeld ein Limit, das heißt ein Preis festgelegt, zu dem der Käufer kauft und der Verkäufer verkauft. So definiert der Käufer den maximalen Preis, zu dem er das Finanzprodukt noch erwerben möchte und der Verkäufer legt den minimalen Preis fest, zu dem er das Produkt abstoßen würde. Erst wenn dieser vorher bestimmte Preis erreicht wird, wird die Order ausgeführt. Wird dieser Preis im vorher definierten Zeitraum nicht erreicht, kommt es nicht zur Ausführung der Order und diese wird wieder aus dem Orderbuch genommen.

Anwendung: In sehr volatilen Märkten, d. h. wenn die Preise schnell und stark schwanken, und die Ausführung der Order keine oberste Priorität besitzt, sollten Trader eine Limit-Order verwenden. Eine Markt-Order ist in dieser Situation ungeeignet, da diese zu einem sehr schlechten Ein- oder Ausstiegskurs ausgeführt werden kann.

Buy-Limit

Definition: Bei einer Buy-Limit-Order geht der Käufer davon aus, dass der Preis des Finanzproduktes unter den aktuellen Kurs fallen wird, bevor dieser wieder steigt.

Beispiel: Die InsideTrading AG Aktie steht gerade bei 110,00€. Der Käufer möchte diese Aktie aber nicht für 110,00€ kaufen sondern für 109,50€ und aus diesem Grund setzt der Käufer ein Buy-Limit bei 109,50€. Fällt der Kurs der InsideTrading AG jetzt auf 109,50€, wird die Order ausgeführt und der Käufer erhält seine Aktien. Steigt der Kurs der Aktie aber weiter, dann verfällt der Order-Auftrag und der Käufer bekommt die Aktie nicht.

Sell-Limit

Definition: Bei einer Sell-Limit-Order geht der Käufer davon aus, dass der Preis des Finanzproduktes über den aktuellen Kurs steigen wird, bevor dieser wieder fällt.

Beispiel: Der EUR/USD-Kurs steht gerade bei 1,1234 und der Trader geht davon aus, dass der Wechselkurs auf lange Sicht fallen, aber kurzfristig noch auf 1,1250 steigen wird. Aus diesem Grund platziert er eine Sell-Limit Order bei 1,1250. Steigt der Wert des Euros jetzt auf 1,1250 oder darüber, wird die Order ausgeführt und der Trader profitiert von fallenden Kursen.

Stop-Order

Definition: Die Stop-Order oder auch Stop-Market-Order wird oft von Tradern oder Anlegern benutzt, um das Risiko zu begrenzen. Bei dieser Orderart kann der Verlust im Vorfeld auf einen Betrag oder einen Prozentsatz begrenzt werden. Hierbei wird eine Market-Order (unlimitierte Order) zum Kauf bzw. Verkauf des Finanzproduktes ausgelöst, das gehandelte Finanzprodukt einen bestimmten Preis erreicht hat.

Anwendung: Es macht fast immer Sinn, eine solche Order zu platzieren, da diese vor großen Verlusten durch unerwartet schnelle Bewegungen schützt. Auch wenn man Aktien langfristig hält und einem gewisse Schwankungen „egal“ sind, kann eine Stop-Order davor bewahren, dass durch unerwartete Nachrichten oder sogar Skandale 70, 90 oder 100 Prozent des eigenen Geldes verloren geht.

Wichtig: Eine Stop-Order sollte immer platziert werden. Auch wenn eine Aktie sehr gut performt, sollte die Stop-Order nicht entfernt, sondern nachgezogen werden. Als Alternative kann man die Position auch hedgen, das erfordert aber etwas Übung.

Stop-Loss-Order

Definition: Bei einem Stop-Loss (SL) handelt es sich um eine Verkaufsorder, welche als Absicherung verwendet wird. Eine Stop-Loss-Order wird unterhalb es aktuellen Kurses platziert, wobei der Abstand zwischen dem Einstiegskurs und dem SL als das Risiko gesehen werden kann. Oft wird der Abstand aufgrund von charttechnischen Mustern definiert, dennoch gibt es hier viele verschiedene Ansätze. Viele Händler verschieben den Stop-Loss nach oben, sobald der Preis des Finanzproduktes zu steigen beginnt.

Beispiel: Sie haben die Lufthansa Aktie für 13€ das Stück gekauft und Sie sind bereit einen Maximalverlust von 1€ pro Aktie auf sich zu nehmen. In diesem Fall würden Sie einen Stop-Loss bei der Marke von 12€ platzieren.


Wichtig: Sie sollten bei jedem Aktien-Kauf eine Stop-Loss-Order verwenden, vor allem dann, wenn Sie nicht ständig den Markt beobachten können.

Stop-Buy-Order

Definition: Bei einer Stop-Buy-Order (oft auch Start-Buy-Order) lässt sich der Händler in den Markt einstoppen (das Gegenteil vom Stop-Loss). Sie legen also einen Preis fest, zu dem Sie kaufen möchten. Dieser muss sich aber oberhalb des aktuellen Kurses befinden.

Anwendung: Eine Stop-Buy-Order wird oft über einem Niveau platziert, bei dem Chartanalysten der Meinung sind, dass mit dem Überschreiten dieses Kurses viele Käufer in den Markt kommen. Einen umfangreichen Kurs zum Thema Chartanalyse finden Sie hier.

Beispiel: Der DAX hat es schon unzählige Male versucht, die 10.000 Punkte zu überschreiten und ist jedes Mal wieder gescheitert. Damit Sie nicht ständig eine Position eröffnen müssen und sogar eventuell jedes Mal Geld verlieren, können Sie einfach eine Start-Buy-Order bei 10.0XX Punkten platzieren und sind beim ersten richtigen Ausbruch über diese Marke mit dabei.

Wichtig: Sowohl bei der Stop-Loss-Order als auch bei der Start-Buy-Order kommt es in jedem Fall und sofort zur Ausführung, da es sich um Orders ohne Limit handelt.

Trailing-Stop-Order

Definition: Der Trailing-Stop ist ein nachziehender Stop-Loss. „To trail something“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „etwas hinter sich her ziehen“. Solange der Kurs der Aktie steigt, bewegt sich der Trailing-Stop in gleichbleibendem Abstand hinterher. Bei fallenden Kursen stagniert der Trailing-Stopp jedoch und löst den Verkauf als Market-Order („Bestens“) aus, sobald der Kurs unter die nachgezogene Marke fällt.

Trailing-Stop-Order können auch für eine Kauforder als Start-Buy-Order gesetzt werden. Die Order wird als „Billigst“ ausgeführt.

Anwendung: Trader verwenden den Trailing-Stop, um Gewinne abzusichern oder Verluste zu begrenzen. Als Limit sind absolute oder prozentuale Differenzwerte möglich.

Beispiel: Sie kaufen eine Aktie, die nach sehr guten Nachrichten stark steigt und eigentlich haben Sie Ihr vorher festgelegtes Ziel-Niveau schon überschritten. Dass heißt, Sie müssten eigentlich die Position verkaufen und in genau dieser Situation ermöglicht der Trailing-Stop den perfekten Ausstieg. Sie platzieren diesen einfach auf Ihrem eigentlichen Ziel-Niveau und nehmen die steigenden Kurse mit und werden ausgestoppt, sobald der Kurs wieder fällt.

Stop-Limit-Order

Definition: Bei der Stop-Limit-Order werden eine Stop-Order und eine Limit-Order mit einander kombiniert. Es wird eine Stop-Loss-Order gesetzt, um den Verkauf zu realisieren, wenn der Preis unter die gesetzte Marke fällt. Im Unterschied zur Stop-Market-Order wird die Stop-Limit-Order nicht „Billigst“ ausgeführt. Sie wird als limitierte Order ins Orderbuch eingetragen, wenn der jeweilige Kurs erreicht ist. Wenn das Limit kleiner oder gleich dem Stop-Loss-Niveau ist und es beim Verkauf eingehalten werden kann, wird der Verkauf ausgeführt, andernfalls wird die Order gelöscht. Durch die Stop-Limit-Order verkauft man also nicht zu einem sehr ungünstigen Kurs falls dieser gerade extrem fällt. Man läuft aber auch der Gefahr seine Aktien gar nicht zu verkaufen.

Auch als Kauforder kann eine Stop-Limit-Order aufgegeben werden, sodass man sich gegen einen zu hohen Einstiegskurs absichern kann. Durch Kurssprünge nach oben kann man hier jedoch den Einstieg gänzlich verpassen.

One-Cancels-Other-Order

Definition:  Eine One-Cancels-Other-Order besteht aus zwei gegensätzlichen Orders, die gleichzeitig aufgegeben werden. Gleichzeitig mit der Ausführung der einen Order wird die andere gelöscht.

Anwendung: Durch eine Stop-Limit-Order begrenzt der Trader sein Verlustrisiko und kann bei entsprechendem Kursverlauf seine Gewinne durch eine Limit-Order realisieren, ohne den Kursverlauf ständig überwachen zu müssen.

Beispiel: Die EZB tagt und Sie erwarten eine extreme Bewegung, aber wissen nicht in welche Richtung es gehen wird. Mit einer One-Cancels-Other-Order können Sie sich in den Markt ein stoppen, egal in welche Richtung es geht. Die eine Order wird ausgeführt  und die andere wird automatisch gelöscht.