hand-792920_640Der Weltwirtschaft geht es schlecht. Sehr schlecht. Selbst dynamische Wachstums-Garanten, wie China, können ihre traumhaften Raten von über 10% Zuwachs der Wirtschaftskraft im Jahr nicht halten. Die Rohstoff-Preise sinken von einem Tiefpunkt auf den nächsten. Die Frachtpreise für Container-Schiffe sind spottbillig. Es werden wenig Waren verschifft. Die Nachfrage am Markt fehlt. Unternehmen können aus eigener Substanz kaum noch wachsen – Sie müssen vermehrt Zukäufe leisten, damit es so aussieht als wenn sie wachsen würden. Die Leitzinsen stehen nahe Null. Die Einlagezinsen sind sogar bereits im negativen Bereich. Banken verdienen kaum etwas. Anleger auch nicht. Der Weltwirtschaft geht es schlecht. Sehr schlecht.

Unsere aktuelle wirtschaftliche Situation

Es ist natürlich im Interesse aller Markt-Akteure (Produzenten, Konsumenten und Staaten), dass es der Weltwirtschaft wieder besser geht. Doch aus meiner Sicht wird nicht geheilt, sondern nur gepflegt. Die Ursachen der wirtschaftlichen Flaute werden nicht behoben, sondern die Symptome bearbeitet. Der Kern des Problems bleibt seit Jahren bestehen. Nur die sichtbaren Anzeichen, wie Inflation oder schwache Kreditvergabe, werden bearbeitet. Wenn man müde ist geht man ja auch schlafen. Die Müdigkeit ist das Anzeichen des fehlenden oder benötigten Schlafs. Doch in unserer derzeitigen müden Wirtschaft bekommt diese keinen Schlaf, sondern ganz viel Coffein. Das geht anfangs gut, aber irgendwann folgt der Zusammenbruch.

„Palliativmedizin ist ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten und ihren Familien, die mit den Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen, und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, gewissenhafte Einschätzung und Behandlung von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art.“ – Definition der WHO, Quelle: Palliativ Portal

Die Palliativ-Medizin ergänzt die klassische Medizin (Heilen von Krankheiten) in der Form, dass sie unheilbare Krankheiten erträglich zu machen versucht. Unsere unheilbare Krankheit ist die endlose Gier nach Reichtum und Wachstum. Wir sind dem Glauben verfallen alles durch Wachstum lösen zu können. Wir pumpen den Markt in guten und schlechten Zeiten mit Schulden voll, um das Wachstum zu maximieren. Eigentlich sollte man sich nur in schlechten Zeiten verschulden und diese Schulden in guten Zeiten wieder abtragen. Doch wir sind so süchtig nach Wachstum, dass wir Schulden schlucken wie Body-Builder Steroide, um die Muskeln immer weiter und immer schneller aufzublähen. Wir erkennen nicht an, dass es Masse- (Wachstum der Muskeln) und Definitions- Phasen (Formvollendung) gibt. In unserer heutigen Wirtschaft gibt es nur noch Masse-Phase: WACHSTUM & SCHULDEN

Das Problem dessen sind die Konjunktur-Zyklen. Eine Wirtschaft kann nicht durchgehend schneller Schulden aufnehmen als die Wirtschaftskraft wächst. Irgendwann ist die Wirtschaft überschuldet. Die Wirtschaftsleistung kann Zins & Tilgung nicht mehr tragen bzw. ertragen. Daraufhin müssen die Markt-Akteure Investitionen verschieben und ihren Konsum verringern, um die Schulden abzutragen. Wird der Konsum verringert so sinkt die Nachfrage am Markt. Da die Nachfrage am Markt sinkt brechen die Absätze und Umsätze ein, sodass alle Personen und Unternehmen noch mehr sparen müssen. Es ist eine Spirale nach unten. Jeder gibt weniger aus und merkt, dass er auch weniger verdient, um dann eben nochmal weniger zu auszugeben, …

Alk1Aus der sinkenden Nachfrage mit sinkenden Güter- und Rohstoff-Preisen entsteht auf der einen Seite eine Deflation. Die Renditen und Preise am Markt sinken. daraus resultiert, dass Konsumenten ihren Konsum in die Zukunft verschieben (vielleicht ist es ja morgen noch billiger) und Unternehmen die Produktion drosseln oder zumindest nicht weiter ausbauen (vielleicht verdienen wir ja morgen noch weniger am Produkt). Umsatz, Nachfrage, Einnahmen und die Preise sinken. Die Inflation schwächelt und eine Deflation kann entstehen. Auf der anderen Seite kann es zu einer Rezession kommen, wenn fehlende Nachfrage und Deflation zu einem Abbau der Wirtschaftsleistung führen.

Die Zentralbanken tun alles in ihrem Rahmen mögliche, um dem entgegenzuwirken. Sie versuchen den Kapitalmarkt und das Preis-Niveau zu stabilisieren. Sie pumpen billiges Geld in die Märkte, um die Kreditvergabe zu vereinfachen, Pleitewellen zu vermeiden und die Inflation zu stärken. Doch all diese Dinge sind nur Symptome. Es ist nicht der Kern des Problems. Der Kern des Problems ist die fehlende Nachfrage und die stetige Verschuldung in guten und schlechten Zeiten. 2008 brach die Wirtschaft in einer Krise zusammen. Die Krise war durch eine Überschuldung entstanden. Und was tat die Welt danach? Sie öffnete die Schleusen und flutete die Märkte mit noch mehr und noch billigeren Schulden. Krisen, die wegen zu vieler Schulden entstehen, werden mit noch mehr Schulden bekämpft. Das dies keinen Sinn ergibt versteht jeder. Es ist wie eine rauschende Party der Geldexzesse. Aber am Morgen nach der Party steht man mit einem Kater auf. Man hat Kopfschmerzen und einem ist Übel. Doch heutzutage behandeln wir diesen geldpolitischen Kater indem wir wie ein Alkoholiker einfach neuen Alkohol nachschütten. Wir halten den Pegel und erhöhen ihn sogar. Immer mehr Fusel soll die Schmerzen lindern. Doch was kommt dann am Ende? Der Leberschaden. Der Einbruch. Die Krise. Die Rezession.

Doch auch die Zentralbanken sind nicht unbedingt Schuld oder Alleinschuldig. Sie tun alles, was sie dürfen, um den Markt zu stabilisieren. In einer Phase der schwachen Nachfrage müssen Staaten einspringen und die Nachfrage erhöhen. Konjunkturpakete und erhöhte Ausgaben müssen den Markt stimulieren. Die OECD und auch Mario Draghi (Chef der Europäischen Zentralbank) betonen dies immer wieder. Die Zentralbanken stabilisieren nur und kaufen den Staaten Zeit. Sie verzögern die Krise. Es liegt jedoch an den Staaten die Heilung durchzuführen. Doch diese sind nicht daran interessiert. Wenn ein Alkoholiker seinen Pegel hält, dann geht es ihm gut und er versteht nicht warum er denn aufhören soll zu trinken. Auch die Staaten, welchen es dank der niedrigen Zinsen gut geht, verstehen nicht, warum sie jetzt etwas ändern sollen. Warum soll man auch in einer angenehmen Phase schmerzhafte Reformen durchführen? Die Staaten werden merken, dass ihre Untätigkeit am Ende den Leberschaden herbeiführen wird.

Palliative Behandlung

Ziel der palliativen Behandlung: Mittlerweile wird die Oberfläche angenehm gestaltet. Doch der Tod steht bevor. Palliativmedizin verhindert den Tod nicht, sie macht den Weg dahin nur angenehm. Auch wir verhindern derzeit die kommende Krise nicht, sondern gestalten den Weg in Richtung Abgrund einfach besonders angenehm: “Nicht das technisch Machbare steht im Vordergrund, sondern das, was der Patient will.” Quelle: Senioren-Ratgeber

Was behandelt wird: Inflation, Handel, Volatilität am Markt, Schuldenprobleme bei Ländern und Banken, schwache Nachfrage, schwache Kreditvergabe und viele andere Dinge werden mit viel Geld und Aufwand behandelt. Dem kranken Patienten, unserer Weltwirtschaft, geht es schlecht und die Schmerzen sollen gelindert werden. Aber die Krankheit bleibt bestehen: “Von der medizinischen Seite versuchen Ärzte, die Symptome des Betroffenen, z.B. Schmerzen, zu lindern. […] Krebserkrankungen gehen etwa gerade im fortgeschrittenen Stadium häufig mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Atemproblemen einher.”

Einfluss auf die Psyche: Die Zentralbanken und Staaten stimmen in einen Chor der Zuversicht ein. Alle versichern alles zu tun, was nötig ist. Jeder spricht von wirkungsvollen Instrumenten die noch anwendbar sind und versichert den Menschen, dass alles gut wird. Panik und Angst sollen vermieden werden: “Das Wissen um den nahenden Tod stellt eine psychische Belastung für die Betroffenen dar, die zu einer Depression führen kann.”

Zusammenfassung

Wir müssen umdenken. Schulden mit Schulden bekämpfen geht nicht. Wachstum in schlechten Zeiten mit Schulden stabilisieren, aber auch in guten Zeiten mit Schulden maximieren ist zu viel. Wir dürfen nicht dem Drang der Banken und Superreichen erliegen, dass wir immer mehr Schulden machen müssen. In guten Zeiten sollten wir Schulden abtragen und in schlechten Zeiten Schulden aufnehmen. Derzeit sehen wir eine schlechte Phase in der die Nachfrage fehlt. Diese Nachfrage kann nicht durch billige Schulden behoben werden, denn wegen Schulden ist die Nachfrage niedrig. Die Nachfrage muss ersetzt und stimuliert werden. Staaten müssen gemeinsam die Nachfrage ankurbeln, damit die Wirtschaft wieder in Gang kommt. Die Weltwirtschaft hat Kopfschmerzen. Die Weltgemeinschaft sollte nicht Alkohol und Kopfschmerztabletten einwerfen, sondern viel Wasser trinken und dann dem Alkohol entsagen und ihn nur mit Vorsicht genießen. Wie wäre es mit einer Werbekampagne? Verschuldung – Kenn dein Limit.

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