Positive wie negative Effekte höherer Zinsen nach Zinsentscheid der FED / EZB auf die Volkswirtschaften

In diesem Artikel sollen die Vor- und Nachteile einer Zinserhöhung durch die Zentralbanken mithilfe von vereinfachten volkswirtschaftlichen Modellen und unter Verwendung gängiger Annahmen erklärt werden.

Die Modelle zu den Thesen finden sich kurzgefasst im Modellteil.

Positive Effekte der Zinserhöhung

  • Im aktuellen Zinsumfeld ist es Unternehmern möglich „schlechte“ Projekte zu finanzieren, welche unter normalen Umständen nicht profitabel wären. Die Erhöhung des Leitzinssatzes könnte den Markt von diesen „schlechten“ Investitionen bereinigen, da eine Anschlussfinanzierung nicht mehr rentabel wäre und der Anbieter vom Markt verschwinden würde.
  • Der Effekt im Bereich Investitionen lässt sich auch auf Kredite übertragen. Bevor Geld mit Strafzinsen bei der Zentralbank gelagert wird, werden aktuell Kredite vergeben, welche gerade so noch profitabel sind. Dies steigert das Risiko faule Kredite im Bankenbuch wieder zu finden. Eine Erhöhung der Zinsen könnte sich insofern als Vorteil herausstellen, da diesen Risikokrediten ein Riegel vorgeschoben werden würde.
  • Der Euro hätte im Fall einer Zinserhöhung seitens der EZB das Potenzial an Wert zu gewinnen und sich zu stabilisieren. Dies hängt damit zusammen, dass Einwohner anderer Länder nun von den Zinsdifferenzen zwischen dem Euro und ihrer eigenen Währung profitieren können. Sie kaufen mit ihrer Währung Rentenpapiere (Anleihen etc.) in Euro und/ oder legen ihr Geld als Tagesgeld in Europa an. Für diesen Schritt müssen sie jedoch zuerst ihre eigene Währung wechseln, was zur Nachfrage (Geldflüssen) im jeweiligen Währungspaar führt.
  • Ein höherer Leitzins könnte den Anreiz erhöhen Geld zu sparen und somit die Kaufkraft in die Zukunft zu verlagern. Gerade für den Aufbau einer Existenz als Selbstständiger oder der Anschaffung von langlebigen Gütern wie Immobilien ist ein eigener Kapitalstock essenziell, da dies die Kreditwürdigkeit verbessert. Die aktuell niedrigen Zinsen verzerren dabei jedoch die Anreize zu sparen, was sich durch eine Normalisierung des Zinsumfeldes wieder ändern könnte.
  • Durch eine Erhöhung des Leitzinssatzes würde sich die prekäre Situation der Banken entschärfen. Die realisierbare Zinsspanne hätte das Potenzial zu steigen, womit das Brot- und Buttergeschäft einer Bank, nämlich die Fristen- und Losgrößentransformation und die damit einhergehende Finanzierung von Unternehmen und Privatpersonen mit Krediten wieder lukrativer werden könnte. Der „Druck“ im Investmentbanking das Geld zu verdienen würde sich verringern.

Mögliche Probleme der Leitzinssteigerung

  • Die Investitionen in der Volkswirtschaft könnten sinken. Der genannte Punkt, dass schlechte Investitionen aus dem Markt gedrängt werden, ist zwar durchaus ein Vorteil, jedoch können sich nun einige Unternehmer mit guten Ideen die Umsetzung ihrer Vision nicht mehr leisten. Gerade im Start-up Bereich lässt sich die Problematik der initialen Finanzierung sehr deutlich erkennen.
  • Die Preise für Anleihen und Schuldverschreibungen sollten fallen, da der Referenzzinssatz steigt. Dadurch sinkt die reale Rendite auf festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen. Das hat zur Folge, dass deren Mehrwert sinkt. Als Resultat verlieren viele Anleger ihr Geld und damit ihre potenzielle Kaufkraft, da viele Produkte, gerade auch für die Rente ausgerichtete Fonds, ein starkes Exposure gegenüber festverzinslichen Wertpapieren haben.
  • Die aktuell niedrigen Zinsen befeuerten einen Boom in der Immobilienbranche. Die Nachfrage ist durch die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten enorm groß. Jedoch stößt dieses Interesse auf ein nur bedingt erweiterbares Angebot. Die Folge: die Preise steigen stark. Eben diese stark gestiegenen Preise könnten nun durch das Wegbrechenden der Nachfrage kollabieren. Die Folge ist, dass eine große Anzahl an Personen, welche einen Gutteil ihrer Altersvorsorge in eine Immobilie investiert haben, nun einen enormen Buchverlust zu verzeichnen haben. Dadurch werden Anschluss-Finanzierungen erschwert, denn das Haus, welches beliehen werden kann hat nicht mehr den Wert, mit dem die Eigentümer gerechnet hatten und die für die Bank nötige Sicherheit hat sich verringert.
  • Durch eine Zinssteigerung erhöht sich die Gefahr, dass ein Staat zahlungsunfähig werden könnte stark. Länder, welche eine hohe Verschuldungsquote im Verhältnis zu ihrem BIP haben (wie zum Beispiel Japan), könnten bei höheren Zinsen unter der Zahllast ersticken. Ähnlich wie eine Privatperson hat auch ein Staat ein Budget. Dieses ist jedoch etwas weiter gefasst als beim Ottonormalverbraucher. Ein großer Unterschied ist, dass der Staat keiner Lebensdauer unterworfen ist und im Regelfall auch durch Geldpolitik seine Schulden tilgen kann (Seigniorage). Jedoch gelten auch für ihn am Ende des Tages die normalen Regeln der Marktwirtschaft.

 

Ein kurzer Gedanke

Konsum selbst schafft keinen Mehrwert, denn der Konsum kann immer nur der Produktion folgen. Wird nichts produziert, kann auch nichts konsumiert werden. Die aktuelle Politik der Notenbank oientiert sich jedoch teils stark am Konsumentenverhalten sowie deren Kaufkraft.

Volkswirtschaftliche Modelle

Wichtig: Dieser Abschnitt ist nicht als eine vollkommene, optimale Darstellung der Modelle zu verstehen. Vielmehr sollen diese eine grobe Orientierung ermöglichen, welche Modelle in der Volkswirtschaft verwendet werden und wie ein Ökonom den Markt sieht. Diese sind aktuell zumeist neoklassisch getrieben und Keynsianer.

Schlechte Investitionen durch niedrige Zinsen

Es lässt sich in einem freien Markt feststellen, dass die Nachfrage nach einem Produkt mit seinem Preis sinkt. Jeder Mensch hat ein mehr oder weniger beschränktes Budget, aus dem er seinen Lebensunterhalt deckt. Sinkt nun der Preis von einem Produkt, so kann er sich bei sonst gleichbleibenden Preisen mehr davon leisten.

Sieht man nun Investitionen und die Nachfrage nach Geld genauso an, wird schnell klar, dass mit einem niedrigen Zinssatz, die Nachfrage nach Geld steigt. Kredite und Finanzierungen werden interessanter als sie es zu einem höheren Zinssatz gewesen wären. Eine Folge: Bei einem niedrigen Zinssatz sind Unternehmen lukrativ, welche es vorher nicht gewesen sind und fragen ebenso Geld nach. Verändert sich nun die Situation am Geldmarkt wieder, so werden diese Unternehmen, sofern sie nicht effizienter geworden sind, keinen Gewinn mehr erwirtschaften können und müssen wieder aus dem Markt verschwinden. Dies wird in den Grafiken veranschaulicht.

Durch steigende Zinsen reduziert sich die Nachfrage nach Investitionen, da Finanzierungen teurer werden und die Investition höhere Erträge erwirtschaften muss, damit sie lohnend ist.

Durch die Steigerung des Zinssatzes von Zinssatz aktuell auf Zinssatz neu, reduziert sich gleichzeitig die Nachfrage nach Investitionen von I nach I*

Neoklassisches Modell – IS-LM (Investment-Saving / Liquidity preference-Money supply)

Im neoklassischen IS-LM Modell werden die Gütermarktgleichgewichtskurve (IS) und die Geldmarktgleichgewichtskurve (LM) und ihre Bewegungen betrachtet.  Dabei ist am Schnittpunkt der beiden Kurven sowohl der Geldmarkt als auch der Gütermarkt im Gleichgewicht.

Das Gütermarktgleichgewicht wird vom privaten Konsum (C) bestimmt. Dieser ist vom Bruttoinlandsprodukt abhängig. Zusätzlich haben Investitionen (I), welche vom aktuellen Zinssatz am Markt abhängig sind, und der staatliche Konsum eine Auswirkung auf das Güterangebot, das die Volkswirtschaft produzieren kann. Formal Zusammengefasst ergibt sich der folgende Zusammenhang:

Volkseinkommen = Konsum(Volkseinkommen)+Investitionen(Zinssatz)+Staatliche Güter Nachfrage+Außenhandelsbilanz
Die in Klammer geschriebenen Punkte haben einen Einfluss auf den Faktor vor der Klammer – so beeinflusst beispielsweise das Volkseinkommen den Konsum.

Im Modell wird angenommen, dass die Güterangebotskurve fällt. Dies hängt mit der Annahme zusammen, dass bei höheren Zinsen das Interesse an Investitionen sinkt. (Diesen Punkt haben wir oben unter Positiv aufgeführt – jedoch mit dem Fokus auf die Vermeidung von „schlechten“ Investitionen)

Die Geldnachfrage in der Volkswirtschaft definiert sich über die Menge an Geld, welche in der Volkswirtschaft existiert, sowie dem herrschenden Preisniveau. Die Nachfrage nach Geld wird also mit dem realen Geldangebot gleichgesetzt. Es wird demnach genau so viel Geld nachgefragt, wie notwendig ist, um den Handel mit Gütern zu ermöglichen.

Die Geldnachfrage in der Volkswirtschaft = (Geldmenge)/(Preisniveau)

Ein paar Beispiele zu den aus dem Modell resultierenden Auswirkungen:

Verschiebt sich die IS-Kurve – also das Gütermarktgleichgewicht – nach rechts (IS*), so bedeutet dies ein erhöhtes Volkseinkommen und einen höheren Zinssatz. Eine solche Verschiebung kann beispielsweise durch eine verstärkte Nachfrage des Staates nach Gütern eintreten. Aufgrund dieses Zusammenhanges sollte bei einem entsprechenden Wirtschaftswachstum der Zinssatz nicht künstlich niedrig gehalten werden, da eine Anpassung des Zinssatzes eine natürliche Auswirkung der vermehrten Nachfrage nach Gütern und nach Kapital ist und den Geldmarkt im Gleichgewicht hält. Dies dämpft zwar das Wachstum, kann aber auch die Bildung von Blasen vermeiden.

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