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Dies ist einer meiner letzten Artikel der Börsenpsychologie-Reihe. Ich möchte in diesem Beitrag kurz zusammenfassen, was in den fünf vorherigen Artikel dargestellt wurde, um dann auf die heutige Thematik der Charakterbildung einzugehen.

Bisher haben wir erarbeitet, dass die Börse vor Allem auf Psychologie basiert. Alles dreht sich um die Bewertung von Werten. Bei eben jener Bewertung in einem komplexen und schnelllebigen Umfeld unter Zeitdruck und ohne ausreichend Zugang zu vollständigen Informationen kommen schnell Emotionen auf. Der einzelne Trader und die Masse verhalten sich psychologisch erwartbar, aber oftmals irrational. An der Börse kommt es stetig zu Über- oder Unterbewertungen. Dies ist eine Folge der psychologischen Einflüsse. Noch immer bestimmen Menschen den Handel.

Daraufhin sind wir diverse psychologische Studien, Erkenntnisse und Definitionen durchgegangen. Was eine mentale Buchführung, der Kontrast-Effekt oder die Muster-Illusion? Wir haben uns, teils trocken und zäh, durch die Vorgänge gearbeitet, um ein benötigtes Grundwissen zu erarbeiten.

Nun möchte ich in diesem und den kommenden Beiträgen in die praktische Seite der Börsenpsychologie wechseln. Was passiert mit uns? Wie sollten wir uns verhalten? Wie erkennen wir psychologische Einflüsse am Markt?

 

Du tradest nicht den Markt, sondern deinen Charakter

Ist es überhaupt möglich den Markt zu handeln? Kann jeder von uns einen Hebel umlegen und sein Trading-Verhalten innerhalb von Minuten und einigen Stunden anpassen? Ich denke nicht. Denn unser Verhalten ist geprägt durch uns und nicht durch den Markt. Sind wir selbst risikoscheu, dann werden wir in volatilen und chaotischen Phasen nicht anfangen zu spekulieren und nach Chancen zu suchen. Jeder hat eine andere Vorliebe – für die einen ist es beispielsweise die Trend-Folge, für die anderen wiederum das antizyklische Investment.

Eventuell kann man dies mit einer Sportart, beispielsweise Fußball, vergleichen: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein. Andersrum wäre auch komisch: Das Spiel bestimmt deine Fähigkeiten?

Als Trader ist es dementsprechend, wie auch bereits in vorherigen Artikeln betont, äußerst wichtig sich selbst zu beobachten. Die meisten Fehler machst du selbst. Wenn du deine Rendite, dein maximal Drawdown oder andere Werte deines Tradings verbessern möchtest, dann fang bei dir an. Du kannst die richtigen Stellschrauben bewegen. Es fängt bei dir an und es endet bei dir. Bei deinem Tanz mit dem Markt führt dieser dich. Er gibt Ton, Takt, Tanz, Geschwindigkeit und Richtung an. Doch es liegt an dir wie du diesen Tanz gestaltest: stolperst du? Fällst du? Oder tanzt du den Markt elegant aus und kannst auch die ein oder andere Figur einbauen?

 

Trading bedeutet Charakterbildung

Um nun die Beispiele Fußball und Tanz zu verbinden: Du bringst dich mit deinen Fähigkeiten in das Spiel ein, doch ganz das Spiel als einzelner nicht lenken. Der Markt führt und zwingt dir das Spiel auf. Geschwindigkeit und Richtung kannst du nicht beeinflussen. Wenn du nun jedoch wenige Fähigkeiten besitzt und beispielsweise nur als Stürmer spielen und nur mit dem rechten Fuß schießen kannst, dann wirst in vielen Spielen schlecht aussehen.

Trading ist Training, Entwicklung und Charakterbildung. Im richtigen Moment musst du das Spiel des Marktes lesen und verstehen können und auch Mal mit dem linken Spann abziehen. Wenn du dich im wilden und schwindelerregenden Tanz nur rechtsrum drehen kannst wirst du bei einer linksgerichteten Drehbewegung sofort ins Stolpern geraten.

Deine Fähigkeiten sind entscheidend und nie gut genug. Dein Vorgehen (Taktik/Set Up) muss genau so stimmen, wie deine Fähigkeiten den Markt zu verstehen (Psychologie, Chart-Technik, Kennzahlen, …) und richtig einzuordnen. Doch es bringt dir wenig, wenn du den Markt verstehst aber nicht handeln kannst. Als Händler solltest du dich auch in der Mathematik, Risiko- und Moneymanagement, verschiedene Handels-Formen, Branchen und zahlreiche weitere Dinge aneignen. Am Ende des Tages musst du fallende Märkte genauso wie steigende handeln können. Kannst du denn mit beiden Füßen schießen?

 

Deine Entwicklung ist ein Prozess mit Hochs und Tiefs

Die Entwicklung als Trader zieht erfolgreichere und erfolglosere Phasen mit sich. Du wirst Hochs und Tiefs erleben. Fehler gehören genauso dazu, wie auch Erfolge. Neben dem Wissen bist eben du, der den Handel macht.

Fehler und Tiefs können Ängste auslösen. Schönreden oder Meiden sind große Fehler. Wer vom 10-Meter-Trump springt und auf dem Rücken landet sollte sofort erneut springen. Ansonsten setzt sich die Angst davor fest. Auch du solltest Fehler nicht persönlich nehmen, sondern diese als Ansporn und Basis des Lernens verstehen. Analysiere deinen Trade und finde das Problem.

Andersrum ist Hochmut der beste Weg zu fallen. Wer eine Leiter hoch hinaufsteigt kann eben auch wesentlich tiefer fallen. Erfolg fällt einem nicht zu. An der Börse gibt es glückliche Momente, doch auch hier ist die meiste Rendite harte Arbeit. Wer zufrieden ist mit seinem Trading, sich als erfolgreich wahrnimmt, der vergisst, dass der Erfolg nicht ewig anhalten wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Gerade in erfolgreichen Phasen sollte man sich konzentrieren und den Blick nicht vernebeln lassen. Woher kommt der Erfolg? Wie habe ich ich generiert? Was muss ich anders machen, um weiterhin Erfolg zu haben?

Eines der schwierigsten Dinge ist den eigenen Erfolg zu hinterfragen und etwas zu verändern. Es ist ein gutes Gefühl erfolgreich zu sein. Diesen dann zu kritisieren fällt den meisten Menschen schwer. Den bisherigen Weg, welcher den Erfolg brachte, zu verändern, machen tatsächlich die wenigsten. Hier kann man durchaus das Wort Charakterstärke nutzen.

Börse bedeutet Lernen. Börse bedeutet Entwicklung. Börse bedeutet Charakterbildung.

Trader müssen sich entwickeln, hinterfragen und formen. Es gibt wenige Berufe in denen es derart wichtig ist sich selbst eine Entwicklung zuzutrauen. Niemals darf man selbstgefällig wiederholen, was man immer tut. Man muss sich stets verändern und neu ausrichten. Das kostet Zeit und Kraft. Aber wer konzentriert an dieses beiden Fähigkeiten arbeitet und sich stets darin schult besser zu werden, wird besser als die meisten sein: Du musst den Markt lesen und mit verschiedenste Szenarien handeln können.

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