Kaum ein Thema wird in den Nachrichten gerade mehr diskutieret als der US-Wahlkampf 2016. In den meisten Medien klingt es, als würde ein Wahlsieg von Donald Trump einem Weltuntergang nahekommen. Aus Interesse habe ich mal recherchiert, welche Vorteile und Nachteile sich aus einer Präsidentschaft von Donald Trump ergeben könnten.

„Trump kann in einer Rede zu einem Thema komplett widersprüchliche Aussagen machen“. (Carsten Brzeski, Ökonom bei der ING DiBa)

Daher können einige der hier aufgezählten Punkte heute keine Relevanz mehr haben, was aber nicht bedeutet, dass diese morgen nicht doch wieder richtig sind. Auf dem diesjährigen Berliner Börsentag hat der N-TV Korrespondent Markus Koch den US-Wahlkampf als „Pest gegen Cholera“ beschrieben, wobei die Pest von Trump verkörpert wird und Clinton die Cholera darstellt. Schauen wir uns also mal die Vorteile und Nachteile der Pest etwas genauer an.

 

Vorteile von Donald Trump

  • Trump könnte in den USA wirklich etwas verändern, da er sowohl den Kongress als auch den Senat (beides republikanisch) hinter sich hat. Im Gegensatz dazu hätte die demokratische Clinton dieselben Problem wie Obama und würde immer wieder an den beiden Instanzen scheitern.
  • Zudem möchte er viel Geld ausgeben, um die Infrastruktur zu verbessern. Dies könnte viele Jobs im Land schaffen.
  • Mit dem Ziel der Steuersenkung für Unternehmen könnte er weitere Jobs schaffen, auch wenn dieser Effekt heute kaum noch Relevanz hat. Solche Steuerersparnisse werden oft zum Rückkauf von Aktien verwendet oder am Kapitalmarkt investiert und landen eher selten in der Forschung und Entwicklung.
  • Durch die Abschaffung der Steuer bei den Geringverdienern möchte er die Kaufkraft weiter ankurbeln und somit die Wirtschaft stärken.
  • Durch Straffzölle und eine geringere Importquote könnte es sich für viele amerikanische Unternehmen wieder lohnen im eignen Land zu produzieren. Das könnte zu einem Aufblühen der Mittelschicht führen.
  • Trumps Pläne zum Thema Immigration gehören zu den wohl umstrittensten, aber auch das Schließen und stärkere Bewachen der Grenzen könnte zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl im Land führen. Des Weiteren führt eine solche Politik eventuell zu einer Abwanderung, die die Zuwanderung zahlenmäßig übersteigt. Auch das könnte zu mehr Jobs für die amerikanische Bevölkerung führen, da viele „billig“ Arbeitskräfte wegfallen.
  • Seit Jahren bestehen Spannungen zwischen den Amerikanern und Russland. Da aber sowohl Putin als auch Trump viel gemein haben und sich persönlich schätzen, könnte sich die Situation etwas entspannen. Zudem wären zwei Weltmächte wie Russland und die USA, die an einem Strang ziehen und sich gegenseitig positiv beeinflussen, eine gute Ausgangssituation um die in der Welt bestehenden Spannungen etwas zu lockern.
  • Gegen China würde Trump eine härtere Gangart an den Tag legen, was die Finanzmärkte öffnen und die chinesische Währung aufwerten könnte. Dieses würde die Importe verteuern und zu einer vermehrten lokalen Produktion führen.
  • Donald Trump ist kein Politiker und versteht laut einiger Amerikaner die Bevölkerung und die Probleme des „kleinen Mannes“ besser als viele Politiker, die sich ihren Weg in die Spitze ihrer Partei „erschlafen“ haben. Daher könnte er der Bevölkerung auch schwierige Entscheidungen verkaufen.
  • Waffenhersteller können sich freuen! Ein Wahlsieg des „Politikers“ Trump, der die Militärausgaben erhöhen will, könnte weitere große Gewinner hervorbringen: die Rüstungsindustrie.

 

Nachteile von Donald Trump

  • Trump ist kein Politiker und sagt, was er denkt. Dadurch tritt er vielen auf den Schlips. Das kann dazu führen kann, dass er den Rückhalt in der eigenen Partei verliert und somit in den nächsten 5 Jahren in den USA nichts passiert.
  • Vor allem die Finanzmärkte mögen Beständigkeit und Struktur. Daher kann es zu sehr hohen Kursausschlägen und -schwankungen kommen, wodurch sehr viele Unternehmen und Marktteilnehmer leiden werden.
  • Vor allem große Schwankungen in der US-amerikanischen Währung, dem USD, könnten den künftigen USA-Tourismus, den Import und auch Export sehr negativ beeinflussen.
  • Viele amerikanische Unternehmen, die sehr exportorientiert sind, werden sich ganz schön umschauen müssen, wenn Trump viele Handelsabkommen platzen lässt.
  • Ein Trump-Wahlsieg würde mit großer Wahrscheinlichkeit auch den Preis des Edelmetalls in Wallung versetzen. So könnte der Stellenwert des Golds auch wieder aufwerten und seine Rolle als sicheren Hafen wiederfinden.
  • Trump will das Pariser Klimaabkommen aufkündigen, da er der Meinung ist, dass diese Klimapolitik amerikanische Arbeitsplätze zerstört. Er bevorzugt die Förderung von fossilen Brennstoffen. Was das bedeutet, brauche ich wohl nicht weiter erläutern.
  • Eine weitere Forderung Trumps ist ein freier Wettbewerb in der Gesundheitspolitik. Das wird dazu führen, dass wieder Millionen von Menschen in den USA nicht krankenversichert sind, weil sie es sich einfach nicht leisten können. (Je nach Einkommenssituation werden Amerikaner dieses als Vor-oder auch Nachteile sehen.)
  • Eine harte Gangart gegen China und eine stärkere heimische Industrieproduktion könnte zu einem Wirtschafts- und Währungskrieg zwischen diesen Weltmächten führen.
  • Mit Trump wird es auch keine Verschärfung eines Waffenrechts geben. Das Recht auf das Tragen und Besitzen einer Waffe bezeichnet Trump als Freiheit. (Meiner Meinung ein Nachteil)
  • Seine Migrationspolitik, die teilweise sehr fremdenfeindlich wirkt, könnte die USA zu einer noch größeren Zielscheibe für terroristische Anschläge machen.
  • Bei einem Wahlsieg von Trump würde er sein Vermögen und seine Investitionen nicht wie von vielen gefordert in eine Art „Black Box“ verfrachten, sondern dieses von seinen Kindern verwalten lassen. Ein Insiderhandel und eine Bereicherung seinerseits wären damit ziemlich wahrscheinlich.
  • Seine Marke und sein Unternehmen sind sein Baby und das wird jeder Unternehmer auch verstehen. Daher ist auch die Frage berechtigt, ob er wirklich 24/7 Präsident sein könnte?
  • Die angekündigten Steuererleichterungen würden einer Berechnung zufolge nicht unbedingt helfen den Staat zu entlasten, obwohl gerade das ein großes Ziel von Trump ist. So könnte die Schuldenquote bis 2036 um 80 Prozentpunkte steigen.

 

Vorteile und Nachteile von Trump für Deutschland

  • Deutsche und europäische Firmen müssten sich auf Handelserschwernisse mit den USA einstellen. „Strafzölle könnten zurückkehren, das heißt: Aktien von Unternehmen, die grenzübergreifende Geschäfte machen, geraten aller Voraussicht nach unter Druck“, sagt Brzeski.
  • Trump pocht darauf, dass alles, was in Amerika produziert werden kann, auch in Amerika produziert werden sollte. Unternehmen, die sich darüber hinwegsetzen, müssen mit Strafen rechnen. Macht der Populist mit den protektionistischen Maßnahmen ernst, könnte dies – wie so oft in der Geschichte – leicht in einen Handelskrieg münden. Ein solches Vorhaben würde den Exportweltmeister Deutschland stark schwächen.
  • Ein Präsident Trump hat das Ziel, dass Länder wie Deutschland und Frankreich mehr Geld für Verteidigung lockermachen. Ein solches Szenario dürfte für Rüstungsbetriebe wie Rheinmetall aus Deutschland mehr Aufträge bedeuten.
  • Der Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus könnte sich dann auch über volle Auftragsbücher freuen.

 

Mögliche Verlierer im DAX sind die Globalisierungsgewinner

  • BMW erzielt ein Fünftel seiner Erlöse in Amerika.
  • Daimler setzt in der Freihandelszone NAFTA, die von den Vereinigten Staaten dominiert wird, ein Drittel um.
  • Der Pharmakonzern Bayer macht 27 Prozent seines Geschäfts in Nordamerika.
  • Der Chemieriese BASF 22 Prozent.
  • Der deutsche Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC), verbucht dort fast drei Viertel seines Umsatzes.
  • Bankaktien sind am Vorabend einer möglichen Ära Donald Trump nicht als das klügste Investment zu bezeichnen. „Hillary Clinton würde den US-Staat weiter für die Belange von Big Business und Wall Street einsetzen. Bei Trump könnte man immerhin hoffen, dass er mit dieser unheilvollen Koalition bricht“, urteilt Degussa-Chefökonom Thorsten Polleit.

 

 

Abschließend sei gesagt, dass viele Trump mit Reagan vergleichen und sagen, die Politik würde nicht von den Präsidenten gemacht, sondern von den Experten im Hintergrund. Das Problem bei Trump scheint oft jedoch, dass er sich nichts sagen lässt und alles besser weiß. Daher könnte ein Präsident namens Donald Trump ein sehr interessantes Experiment werden. Zudem sprechen Aussagen von Trump wie „Wenn wir Atomwaffen haben, warum setzen wir sie nicht ein?“ für sich selbst!