Mit einem durch das Forbes Magazine geschätzten Vermögen über rund $25 Milliarden erfreut sich George Soros über den Platz 21 der reichsten Personen der Welt. Reich wurde er als Hedgefonds-Manager mit riskanten und aufsehenerregenden Spekulationen. Er ist einer der bekanntesten Investoren weltweit und fällt immer wieder durch spektakuläre Investments auf. Zuletzt verdoppelte Soros im August 2016 seine Wette gegen den SP500 auf ein Volumen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Wenn George Soros eine Möglichkeit wittert, ist er ein gnadenloser Spekulant auf der Suche nach maximalem Profit. Doch er ist nicht nur der klassische Finanzhai. Soros ist eine extrem spannende Person. Er hat zwei Seiten – Krieg und Frieden. Ich möchte dich mit diesem Artikel in die Welt des Milliardärs mitnehmen.

Hier lassen sich Essays von George Soros lesen.

 

Werdegang von George Soros

Geboren wurde György Schwartz (bürgerlicher Name) am 12. August 1930 in Budapest. Heute ist George Soros ein US-amerikanischer Investor mit ungarischen Wurzeln. Trotz der jüdischen Herkunft konnte Soros die Besetzung durch das NS-Regime überleben, nachdem er sich mit seinem Vater lange Zeit versteckt hielt. Nach dem Besuch des Esperanto-Weltjugendkongresses blieb George Soros in England und studierte an der London School of Economics and Political Sciense (LSE) Philosophie und erlangte die Promotion. Die Lehren seines Dozenten Karl Popper prägten Soros Weltbild einer offenen Gesellschaft. Nachdem er 1956, mit 26 Jahren, in die USA zog, übernahm er 1968, mit 38 Jahren, erst das Management eines Hedgefonds, welcher in Curacao angesiedelt war, und gründete daraufhin 1969 seinen bekannten Quantum Funds. Heutzutage führt und managt er zahlreiche Fonds, zusammengefasst in der Soros Fund Management LLC.

 

Krieg mit George Soros

Soros ist ein unerbittlicher Investor. Wittert er eine Gelegenheit Gewinne zu machen, so nutzt er diese schamlos aus. Krieg mit bzw. gegen seine Milliarden ist ein schier unmögliches Unterfangen. So zwang der amerikanische Starinvestor Großbritannien 1992 zum Austritt aus dem europäischen Währungssystem (EWS) und besiegte die Bank of England im Kampf um die Bewertung des Pfund. Seitdem trägt George Soros auch den Beinamen „the man who broke the Bank of England“. Durch den Beitritt der Briten 1990 zur EWS verpflichteten sich diese, einen festen Wechselkurs zur deutschen Mark (DM) einzuhalten. Ohne Absprachen entschied sich die Bank of England am Anfang eine sehr hohe Bewertung des Pfund festzusetzen und durch Veränderungen des Leitzinses und Interventionen am Kapitalmarkt aufrechtzuerhalten. Es war die turbulente Anfangsphase des EWS bei dem die Dänen das Währungssystem ablehnten und auch die italienische Lira als überbewertet galt.

Schnell wetteten zahlreiche Investoren gegen das Pfund. Insgesamt 10 Milliarden Pfund wurden verkauft und vor allem gegen die deutsche DM und den französischen Franc eingetauscht. Durch diese Verkäufe des britischen Pfund sank der Wert des Pfund, welchen die Bank of England durch Interventionen wieder anheben zu versuchte. Dies konnte die britische Zentralbank entweder durch die Anhebung des Leitzinses oder das Einziehen von Pfund-Noten am Markt mit der Konsequenz der Verknappung der Währung tun. Das pfund konnte die BoE mit eigenen Devisen (Fremdwährung) am Markt aufkaufen und hatte somit lediglich einen begrenzten Spielraum das Pfund stützen zu können. Gingen die Währungsreserven zur Neige konnte die Bank of Engalnd das Pfund nicht mehr aufkaufen bzw. stützen.Am 16. September 1992, dem „Black Wednesday“, gab die Bank of England auf. Das Vereinigte Königreich musste die Schande über sich ergehen lassen aus dem EWS austreten zu müssen. Dies fachte die europafeindliche Stimmung im Königreich an. Auch verlor die damals noch hoch geschätzte Bank of England ihr Image der zuverlässigsten Zentralbank weltweit. Während Soros innerhalb einer Woche durch den im Wert sinkenden Pfund eine Milliarde US-Dollar verdiente, schätzte die britische Regierung 2005 die Kosten der Intervention der BoE für den Steuerzahler auf 3 bis 5 Milliarden Pfund. Noch heute stellt die Pfundkrise einen beschämenden Fleck in der Geschichte des Vereinigten Königreiches dar.

Vor allem in den 1990er Jahren fiel Soros durch zahlreiche große Spekulationen auf. 1993 wettete George Soros gegen die D-Mark und 1997 warf man ihm vor, Schuld an der malaysischen Finanzkrise zu sein. An der Finanzkrise 2008 verdiente Soros 2,9 Milliarden USD. Bis Ende 2009 stieg das Vermögen seiner Fonds-Gesellschaft auf 24 Milliarden USD.

Die Feldzüge von George Soros gegen Währungen, Indizes und Finanzsysteme können oft mit politischen Motiven in Verbindung gebracht werden. Immer wieder mischt sich der Großinvestor in Länder und Politik ein und nimmt aktiv Einfluss. So galten seine Wetten in den 1990er Jahren gegen europäische Währungen bereits dem Kampf für faire Bedingungen unterentwickelter Länder. Mit 23,5 Millionen US-Dollar setzte sich George Soros gegen die Wiederwahl des Republikaners George W. Bush ein. Die von Soros gegründete Open Society Foundations (OSF) ist in über 50 Ländern aktiv. Die Büros dieser Stiftung liegen nah an staatlichen Behörden oder direkt in den Gebäuden dieser. Vor allem in ehemaligen Ländern der sowjetischen Republik ist die Stiftung sehr aktiv. Mit viel Geld und viel Nähe zu staatlichen Institutionen vermutet man, dass George Soros immer wieder Einfluss auf Wahlen, Prozesse und Politik nimmt. Auch kommt er durch dieses weitverzweigte Netzwerk schneller an Informationen als andere Personen. Aktiv unterstützte Soros auch Dissidenten und Oppositionen in der Sowjetunion mit drei Millionen Dollar jährlich.

Zuletzt hatten Soros politische Einmischungen in der Ukrainekrise Aufsehen erregt. So bedankte sich Präsident Poroschenko 2014 für die Unterstützung des Investors. Soros investierte mehrere Milliarden Dollar in ukrainische Staatsanleihen, rief andere Investoren auf dies ebenfalls zu tun und forderte immer wieder vehement die EU auf selbst bis zu 50 Milliarden Euro zu investieren. Aus seiner Sicht muss die EU den Krieg der Ukraine unterstützen und selbst auch führen. Versuchte Soros damals noch Einfluss auf den Sturz der Sowjetunion zu nehmen, so tut er dies nun gegen Russland. Seine Fonds und er sind durch die russische Regierung auf Grund der tendenziell russlandfeindlichen Rhetorik des Investors als „unerwünscht“ eingestuft. 2016 kündigte Soros an, über 10 Jahre verteilt bis zu 500 Milliarden USD in die Ukraine investieren zu wollen, nachdem er 2015 den ukrainischen Orden der Freiheit erhalten hatte.

Frieden mit George Soros

Während der berühmte Hedgefonds-Manager politisch Einfluss nimmt und unerbittlich auf der Suche nach Profit vor scheinbar nichts zurückschreckt, gibt es auch eine andere Seite des Investors. Geprägt durch sein Philosophie-Studium und die Lehre der offenen Gesellschaft von Karl Popper pflegt George Soros ein philanthropisches Weltbild. Das Konzept der offenen Gesellschaft spiegelt sich auch in der Namensgebung der Open Society Fundation wider.

Mit der OSF und der Soros Foundation förderte er beispielsweise die Möglichkeit schwarzer südafrikanischer Studenten an der University of Cape Town studieren zu können. Die Time schätzte 2007 die Gesamtsumme der Spenden durch George Soros für das philanthropische Weltbild auf 7 Milliarden USD.

George Soros unterstützt die „Reporter ohne Grenzen“ finanziell und kritisiert immer wieder die Einmischung der USA in andere Länder als nicht förderlich. So behindere das Engagement der USA beispielsweise eine Friedensfindung zwischen Israel und Palästina. Ob der Vorwurf der politischen Einmischung der USA durch einen Investor, welcher sich aktiv weltweit politisch einmischt, jedoch viel Wert verliehen werden kann, ist zu bezweifeln.

Seit 2009 unterstützt George Soros Climate Policy Initative mit jährlich 10 Millionen US-Dollar zur Erforschung von Klimaschutzmaßnahmen. Das von ihm 2009 mit $50 Millionen gegründete Institute for New Economic Thinking soll neue Theorien der Volkswirtschaft entwickeln. 2010 erklärte sich Soros bereit weitere 7 Milliarden Dollar für gute Zwecke im Sinne der Initiative „The Giving Pledge“ zu spenden.

George Soros kritisiert die Deregulierung der Finanzmärkte – und das obwohl er auf der einen Seite davon profitiert und seine Fonds selbst in Steuerparadiesen angesiedelt hat, um sich dem Zugriff der Regulierung und Finanzämter in den USA und Europa zu entziehen.

 

Fazit

Ich finde George Soros einen sehr spannenden Charakter. Es ist ein Wechselspiel zwischen Krieg und Frieden. Auf der einen Seite der Philosophie-Student, welcher sich für Menschenrechte, Gleichberechtigung und eine offene Gesellschaft in Form der Philanthropie einsetzt. Auf der anderen Seite ein politisch unnachgiebig einflussnehmender Investor, welcher sein Netzwerk und seine finanzielle Macht maßlos zur Einflussnahme nutzt. George Soros setzt sich für sein Weltbild ein und führt auf der einen Seite Kriege gegen Systeme, welche ihm nicht gefallen, und auf der anderen Seite arbeitet er mit Spenden und Stiftungen an einer offenen Gesellschaft und Frieden.

Es ist unvorstellbar, wie viel Schlagkraft und Macht George Soros durch seine Milliarden ausübt. Er war bereits 1992 stärker als die Bank of England (nun gut, nicht er alleine) und kann wahrscheinlich auch heute noch Systeme, Regierungen, Währungen und Länder beeinflussen und/oder vernichten (wenn sich ihm andere Investoren anschließen). Hätte ich die Möglichkeit, Soros eine Frage zu stellen wäre es die, wie er die Konsequenzen seines Handelns bewertet? Durch seine Feldzüge und Einflussnahmen wurden viele Menschen arbeitslos, viele Steuergelder wurden vernichtet und ganze Länder in den Ruin getrieben. Ist es das aus seiner Sicht wert?