Frei nach Shakespeare: kaufen oder nicht kaufen, das ist hier die Frage. Ist es nicht das Leid von uns allen? Soll ich die Aktie nun in mein Depot legen oder nicht? Wird sie steigen oder fallen? Was soll ich nur tun?

Vor Allem für langfristig orientierte Anleger, welche eine Position in ihrem Depot mindestens zwei Jahre lang halten, ist die Analyse der Kennziffern und Bilanzen eines Unternehmens sehr hilfreich. Trotz des emsigen Treibens an der Wallstreet ist das langfristige Investieren immer noch eine der lukrativsten Anlageformen. Kaufen, vergessen und nach fünf Jahren verkaufen hat in der Vergangenheit immer sichere und hohe Rendite gebracht. Alle Kurse sind trotz aller Krisen immer wieder auf neue Höchststände geklettert.

Doch immer wieder stellt sich die qualvolle Frage, welche der tausenden Aktien man sich nun in sein Depot legt. Trotz der mehrheitlich steigenden Kurse kann man sich auch verbrennen an Einzelwerten, welche fallen.

Deswegen möchte ich Euch helfen, wie man bereits mit einigen wenigen Zahlen und Werten eine detaillierte Übersicht über ein Unternehmen oder eine Branche erhält. Die möchte ich am Beispiel von RyanAir (WKN: A0MJ5T) machen.
Solche Analysen lassen sich beispielsweise mit der Aktiensuchmaschine machen.

Schritt 1 – die Kennzahlen

Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob Aktien im Besitz von Großinvestoren oder der Allgemeinheit sind. Mit dem Wert des Streubesitzes erkennen wir, wie viel Prozent der ausgegebenen Aktien von der breiten Masse gehandelt werden. Ein hoher Anteil von Aktien im Streubesitz zeigt eine hohe Liquidität auf (die breite Masse kauft und verkauft andauernd), sodass man seine Aktien wahrscheinlicher verkaufen kann, wenn man es zu einem Zeitpunkt möchte. Doch mit hohem Streubesitz steigt auch die Anfälligkeit der Aktie auf starke Schwankungen im Kurs. Die breite Masse reagiert gemeinsam nervöser. 65% der Aktien von RyanAir liegen im Streubesitz. Das ist ein guter Mix.

Die Volatilität zeigt die Schwankung des Kurses an. Diese kann in 50 Tage oder 250 Tage unterschieden werden. Die Volatilität der letzten 50 Tage ist am aktuellsten, doch wenige starke Ausreißer können diese immens beeinflussen. Ich nutze immer den Wert über 250 Tage. Man möchte ja selbst auch über mindestens 250 Tage anlegen. Der Kurs von RyanAir ist in den letzten 250 Tagen durchschnittlich um 30,34% geschwankt. Das ist für einen nervösen Anleger sehr viel. Wer 1000€ anlegt, der muss verkraften 300€ zwischenzeitlich zu verlieren.

Das Ergebnis je Aktie weist auf die Ertragskraft des Unternehmens hin. Hierbei wird der Jahresgewinn durch die Anzahl der Aktien teilt. RyanAir konnte 2014 36 Cent, 2015 hochgerechnet 53 Cent und 2016 eventuell 60 Cent je Aktie verdienen.

Die Dividende ist eine Ausschüttung von Gewinn an die Aktionäre. Diverse Aktien kann man im langfristigen Depot unabhängig von der Kurs-Entwicklung wegen der üppigen Dividende halten. Volkswagen schüttet beispielsweise circa 5,50€ derzeit an die Aktionäre aus. Je Aktie! Wer beispielsweise 10 Aktien von VW hält, der kann sich über 55€ Dividende freuen.

Beim KGV, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, wird der Gewinn je Aktie zum Kurs der Aktie ins Verhältnis gesetzt. Dieser Wert ist einer der wichtigsten in der Analyse von Aktien! Er sagt aus wie oft der Gewinn je Aktie in dem derzeitigen Preis/Kurs je Aktie enthalten ist. Kostet eine Aktie 50€ und liegt der Gewinn je Aktie konstant bei 4€, so läge das KGV bei 12,5. Das bedeutet, dass es 12 ½ Jahren 50€ zusammengekommen wären. Man interessiert sich natürlich für Unternehmen mit einem niedrigen KGV, denn dann ist der Gewinn je Aktie in einem guten Verhältnis zum Kurs der Aktie. Ein KGV über 30 ist hoch und ein KGV über 50 ist viel zu hoch. Viele industrielle Unternehmen pendeln zwischen 20 und 25 beim KGV.

Das Kurs-Gewinn-Wachstum-Verhältnis oder auch PEG oder PEG-Ratio setzt den KGV in Relation zu der von Analysten prognostizierten Kursveränderung. KGV durch die Prozentzahl ergibt das PEG. Hierbei geht es darum den Wert der Aktie und deren mögliche Kursbewegung in Einklang zu setzen. Wie ist die Aktie bewertet? Zu tief? Fair? Oder überbewertet? Kurz analysiert: Ein PEG unter 1 bedeutet, dass die Aktie unterbewertet ist. Ein PEG von 1 zeigt eine faire Bewertung an. Ein Wert über 1 deutet auf eine Überbewertung hin. RyanAir ist mit einem PEG von 1,7 scheinbar überbewertet. BB Biotech ist mit einem PEG von 0,36 scheinbar noch stark unterbewertet. RWE wäre mit einem PEG von prognostiziert 0,99 2016 dann fair bewertet im Kurs.

Der RSL gibt eine Übersicht über den Verlauf einer Aktie. Kurz erklärt: Ein RSL über 1 bedeutet, dass die Entwicklung die Performance des Kurses derzeit besser ist als in der Vergangenheit. Auch hier kann man ein kurzfristiges Fenster von nur 50 Tagen oder ein längerfristigen von 250 Tagen in die Vergangenheit wählen.

Schritt 2 – Die Bilanz bzw. der Jahresabschluss

Um mir Bilanzen in Kurzform anzusehen gebe ich bei Google gerne „Jahresabschluss 2014 Unternehmen XY finanzen.net“ ein und wähle auch die Seite von finanzen.net an. Hier findet man gute und zusammengefasste Werte der GuV (Gewinn-und-Verlust) Bilanz.

Eine Bilanz besteht aus zwei Seiten. Der Aktiva und der Passiva-Seite. Auf der linken Aktiva-Seite stehen alle Vermögenswerte des Unternehmens. Geld in der Kasse und auf den Konten, eigene Produkte, Gebäude und andere Dinge, welche dem Unternehmen gehören. Auf der Passiva-Seite stehen die Gelder, welcher von außen an das Unternehmen gegeben worden sind. Fremdkapital. Wie zum Beispiel Darlehen, Kredite, Schulden. Beide Seiten zusammengerechnet ergibt die Bilanz-Summe (Eigenkapital (linke Seite) + Fremdkapital (rechte Seite)). Die Eigenkapitalquote (auch EK-Quote) gibt an wie viel Prozent des Vermögens des Unternehmens aus eigenen Mitteln besteht. Das Eigenmkapital ist der sichere Puffer zur Insolvenz. RyanAir besitzt eine EK-Quote in Höhe von 33%. 4 Milliarden Euro Eigenkapital und 8,2 Milliarden Euro Fremdkapital. Zur Not kann RyanAir dementsprechend 4 Milliarden Euro aus eigenem Vermögen durch Verkäufe realisieren. 30% EK-Quote sind in der Industrie normal. RWE zum Beispiel hat nur noch 8% Eigenkapital. 9 Milliarden Euro eigenes Vermögen. 81 Milliarden Euro Fremdkapital. Das Unternehmen ist quasi pleite. Der riesige Schuldenberg kann in keiner Weise durch Gewinne oder Verkäufe ansatzweise getilgt werden. Interessant ist auch ob die EK-Quote wächst (dem Unternehme geht es gut) oder ob diese sinkt (entweder das Unternehmen investiert, was auch gut ist, oder es geht finanziell schlechter).

Wichtig ist auch die Entwicklung des Umsatzes. Hier kann man bereits mit Gespür und Übung erkennen ob Kurs und Umsatz-Entwicklung vereinbar sind. Beispielsweise entwickeln sich viele Kurse in der Pharma- & Biotechnologie-Branche drei bis vier Mal schneller als der Umsatz. Bis zu 300% Kurssteigerung innerhalb von 3 Jahren, aber durchschnittlich nur 30% mehr Umsätze. Hier liegt eine Überbewertung vor.

Neben dem Umsatz ist wichtig was am Ende in der Kasse bleibt. Die Rendite (operativer Gewinn) zeigt an wie viel Prozent des Umsatzes am Ende des Jahres auf dem Konto als Gewinn lagen. Beispielsweise setzt BMW weniger als Mercedes um, aber verdient so einiges mehr. Ein Unternehmen muss immer rentabel arbeiten. Welche Rendite Okay ist muss man dabei an der Branche festmachen. Autobauer im Massenmarkt (VW, Toyota, Renault, …) verfügen über 4 bis 6% Rendite, Premium-Autobauer über 9 bis 15% und Pharma-Unternehmen beispielsweise über circa 30 – 50% Rendite.

Schritt 3 – Entscheiden Sie sich

Nun haben wir einen Überblick über den Kurs, die Entwicklung und die finanzielle bzw. wirtschaftliche Kraft des Unternehmens. Wir können uns bereits eine Meinung bilden ob es dem Unternehmen gut geht und wie es sich entwickelt und ob wir dieses so in unserem Depot haben wollen und weiterhin ruhig schlafen.

Wichtig ist sich nie nur auf die Zahlen zu verlassen. Sie sind lediglich eine mögliche Hilfe. Als Anleger sollte man eine Meinung und eine Idee haben und in die Zukunft denken. Die Zahlen geben einen eigentlich nur einen Einblick in die Vergangenheit. Doch sie unterstützen einen bei der Entscheidungsfindung.

Man weißt meistens nach den Zahlen viel mehr als vorher.

Mit etwas Übung erlangt man Routine und Gespür für die Arbeit mit Kennzahlen und Bilanzen.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Handeln, Analysieren und viel Erfolg in den kommenden Handelswochen. Die Macht sei mit Euch. Oder auch das Kapital …

 

 


 

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